U n t e r w e g s n o t i e r t

 

Eine Handreichung für Dienende

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„Brannte nicht unser Herz in uns,

wie er mit uns redete auf dem Wege und wie er uns die Schriften auftat?“

Lukas 24, 32

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Nr. 106: September, Oktober 2017

 

Gemeinschaft der Gemeinde: Ihre Grenzen

 


(Fortsetzung von der vorletzten Nummer)

A. Die Grundlage der christlichen Gemeinschaft

B. Die Mittel der christlichen Gemeinschaft

C. Die Gestalt der christlichen Gemeinschaft

D. Der Ort und die Zeit der christlichen Gemeinschaft

E. Gemeinschaft zwischen Gemeinden

F. Grenzen der Gemeinschaft (Sünde als Bedrohung für die Gemeinschaft der Gemeinde)

1. Grundsätzliches

Eine große Herausforderung für die Gemeinschaft ist Sünde.

a. Gemeinschaft wird begrenzt durch Sünde.

Wenn Sünde unter Gläubigen vorkommt, Sünde im Lebenswandel oder Sünde als irrige Lehrmeinung, so wird Gemeinschaft beeinträchtigt oder bedroht. Was ist zu tun, wenn Sünde unter Gläubigen vorkommt?

b. Gott nimmt Sünde ernst.

Sünde ist schlimmer als wir denken. Sie zu dulden ist folgenschwer – sowohl im eigenen Leben wie auch in der Gruppe der Christen. Sie darf nicht geduldet werden. Ein Beispiel im AT ist Achan (Josua 7), eines im NT Ananias (Apostelgeschichte 5). Der Herr Jesus Christus wandelt inmitten der Gemeinde und besieht sie. In Offenbarung 2 u. 3 lesen wir, wie er einiges in den sieben Gemeinden in Kleinasien zu beanstanden hat. Es ist ihm wichtig, dass die Lampen rein sind.

    Es kann vorkommen, dass wir uns an Sündhaftigkeit oder sündhaftem Umgang miteinander gewöhnen. Es ist wie mit der stickigen Luft im Zimmer. Nur, wer von draußen kommt, merkt’s. Durch Sünde, die wir dulden, bekommt der Feind Raum in unserem Leben. Epheser 4, 28.

    Sünde ist immer zerstörerisch. Sie kann ganze Gruppen von Christen zerstören. Daher ist Zucht nötig. „Gemeinde-zucht“ ist eine aus verschiedenen Stufen bestehende Handlung der Gemeinde. Sie ist nötig, weil die Gemeinde heilig ist und im Menschen eine sündige Natur wohnt.

    Es gibt viele verborgenen Sünden: Unversöhnlichkeit (Matthäus 18); Eifersucht; Neid; Ehrsucht und Geltungsdrang; Hoch-mut; Eigenwille; Nachtragen; Bitterkeit; Bequemlichkeit; Leidensscheue; Selbstmitleid; negatives Denken über Andere; Geldliebe; Habsucht, Gebetsmangel; mangelnde Gottes-furcht; abschätziges Denken über Vorgesetzte; Innenwelt-verschmutzung über Bilder; Internetpornosucht; Selbstbefriedigung; unreine Gedanken; Sich-Sorgen-Machen über die Zukunft; leichtfertiges Hinweggehen über Sünden.

Liebe deckt zu. Aber manches muss aufgedeckt werden. Liebe deckt zu, wo ein demütiges Herz ist (1. Petrus 4, 8). Sie kritisiert nicht ständig am anderen herum. Sie kann ertragen. Aber es gibt Dinge, die zu dulden (oder zu verbergen) ein Schlag ins Gesicht Gottes wäre und das Zeugnis zerstören würde.

    Unterschiede müssen wir wohl machen beim Reifegrad der Geschwister. Mit jungen Gläubigen, die in manchen Dingen schwach sind, gehen wir anders um als mit reifen Leitern, welche sündige Tendenzen oder falsche Lehre tolerieren. Offensichtlicher unordentlicher Wandel darf nicht geduldet werden (1. Korinther 5); andernfalls wird sich das Böse ausbreiten. Wer nicht hören will, muss von der ganzen Gruppe der Christen zu spüren bekommen, dass er nicht dem Evangelium gemäß lebt (2. Thessalonischer 3, 6-15).

2. Was ist „Gemeindezucht“? Worin besteht sie?

a. Sie ist eine Sache der ganzen Gemeinde.

Die Bibel kennt das Wort „Gemeindezucht“ nicht. Das heißt aber nicht, dass sie die Sache nicht lehrt. So heißt es beispielsweise, dass die Jüngeren den Ältesten untergeordnet sein sollen (1. Petrus 5, 5) und die Heiligen den Leitern ‹im Vertrauen› gehorchen sollen (Hebräer 13, 17). Diese wiederum sind von Gott beauftragt, die Seelen der Heiligen zu hüten, wie ein Hirte seine Herde behütet. Jeder Christ ist ein „Hüter“ seines Bruders (Hebräer 12, 15; 1. Mose 4, 9); Leitende sind in besonderer Weise vor Gott für die Seelen verantwortlich. Daher braucht es „Gemeindezucht“.

    Bei „Gemeindezucht“ denkt man landläufig an Gemeinde-ausschluss. Betrachtet man aber die Stellen, in denen die Bibel zum Thema spricht, wird deutlich, dass es um ein Besorgtsein um Geschwister geht. Auch die Hirten sollen auf das Leben der einzelnen Acht haben, aber nicht nur sie. Sie allein wären überfordert. Gemeindezucht ist auch eine Sache jedes einzelnen.

    Jeder Aufruf, jede Bitte, jedes Zureden, jede Mahnung, jedes Zurechtweisen und Überführen, jede Korrektur und Zurechtbringung eines Christen ist eine Form von „Zucht“. „Gemeindezucht“ beginnt im Grunde bereits mit dem persönlichen Gespräch.

    Aus dem positiven Aufeinander-Acht-Haben (Hebräer 10, 24; 12, 15) ergibt sich, dass man möglichst nicht erst dann ein Gespräch führen sollte, wenn „das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist“.

    Wenn man einen Bruder oder eine Schwester sieht, der (bzw. die) in Sünde lebt, sollte man rechtzeitig handeln und persönlich ein Gespräch mit der betreffenden Person führen oder ein entsprechendes Gespräch veranlassen.

b. Zucht ist Erziehung

Disziplin – jeder braucht sie (Hebräer 12, 5-8). Sie ist ein Zeichen der Liebe. Jede Erziehung des Christen ist „Gemeinde-zucht“. Sie beginnt mit der geistlichen Geburt. Gott kann persönlich züchtigen (1. Korinther 11, 29-32), oder er kann andere gebrauchen (1. Korinther 5; 1. Timotheus 1, 20; 2. Thessalonischer 3, 6.14). Das Eigentliche tut immer Gott selbst. Die Gemeinde ist lediglich Gott gehorsam – z. B. beim Entzug von Gemeinschaft: Da sind alle dem Wort Gottes gehorsam und ziehen sich von dem Betreffenden zurück (1. Korinther 5; 2. Thessalonischer 3, 6):

    „Wir weisen euch aber an, Brüder, im Namen unseres Herrn, Jesu Christi, euch von jedem Bruder zurückzuziehen, der in unordentlicher Weise wandelt und nicht nach der Überlieferung, die er von uns überkam.“

    Es wird ihm die Gemeinschaft nicht mehr gewährt. Da-durch soll er zum Nachdenken kommen (2. Thessalonischer 3, 14): „Wenn jemand unserem Wort mittels Brief nicht gehorcht, merkt euch diesen und habt nicht Umgang mit ihm, damit er dazu gebracht werde, in sich zu gehen.“

    Wenn es der Normalzustand wäre, dass unter einer Gruppe von Christen die Liebe nicht merkbar sei, würde Gemeinschaftsentzug nicht viel Wirkung zeigen.

    Gott nimmt Sünde sehr, sehr ernst. Das können wir am Kreuz sehen. Sünde darf daher nicht verborgen gehalten werden. Wenn jemand in verborgener Sünde verharrt, wird es einmal öffentlich werden. „Die Sünden etlicher Menschen sind zuvor offenbar und gehen ihnen zum Gericht voran. Etlichen folgen sie aber auch nach.“ (1. Timotheus 5, 24)

    Es gibt ein geistliches Naturgesetz: Wer Böses sät, wird Böses ernten. „Gott lässt sich nicht spotten; denn was immer ein Mensch sät, das wird er auch ernten, weil der, der seinem eigenen Fleisch sät, vom Fleisch Verderben ernten wird, aber der, der dem Geist sät, vom Geist ewiges Leben ernten wird.“ (Galater 6, 7.8)

    Wenn Gott Böses straft, bleibt er selbst heilig. Er begibt sich dabei nicht auf die Stufe des Bösen. Würde er nicht strafen, wäre er böse. So auch in der Kindererziehung. Was ist das für ein Vater, der nicht mehr eingreift, wenn seine Kinder Böses tun oder frech werden? 

    Weil die Menschen sich immer mehr von Gott entfernen, verlieren sie das gesunde Empfinden für die göttlichen Maßstäbe. In verschiedenen Kreisen merkt man, wie mehr und mehr Missstände entstehen: Ablehnung der biblischen Straflehre, Ablehnung der Lehre von der ewigen Ver-dammnis, Verharmlosung von Sünde, Verwischen der Kon-turen zu falscher Lehre, Verwerfen von Gemeindezucht, fehlende Unterscheidungslehre.

b. Einige Zuchthandlungen der Gemeinde

Tragen

    Viele Sünden müssen von Gläubigen einfach getragen und vergeben werden, und zwar ohne viel Aufsehen. Das gehört dazu: „Dabei habt vor allem zu euch ‹untereinander› eine spannkräftige Liebe (weil Liebe eine Menge von Sünden verdecken wird)“ (1. Petrus 4, 8).

    Kolosser 3, 12-14: „Zieht also an als Erwählte Gottes, Heilige und Geliebte herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld, einander ertragend und euch gegenseitig ‹in gnädiger Weise› vergebend, wenn jemand eine Klage gegen einen hat: So, wie der Christus euch ‹in gnädiger Weise› vergab, so [tut] auch ihr es. Über dieses alles [zieht an] die Liebe, die das Band der Vollkommenheit ist.“

 

Aufeinander Acht haben

    Hebräer 10, 24: „Lasst uns aufeinander achten, um anzuspornen zur Liebe und zu edlen Werken“

    Hebräer 12, 15: „Und haltet dabei Aufsicht, dass nicht jemand von der Gnade Gottes abkomme, dass nicht etwa irgendeine ‹giftige› Wurzel der Bitterkeit emporwachse und Schwierigkeit bereite und viele durch diese verunreinigt werden“.

    Dazu sind alle Christen aufgerufen.

 

Ermutigen, zusprechen, aufrufen (gr. parakalein)

    Die Grundbedeutung ist „zurufen, zusprechen, herbeirufen“. Das Wort kann auch bedeuten: einladen, zu Hilfe rufen; aufrufen, auffordern; anrufen, um etwas ersuchen; ermuntern, zusprechen, trösten; gut zureden.

    1. Thessalonischer 4, 18: „Daher: Ruft einander auf ‹und sprecht einander zu› mit diesen Worten.“ 5, 11: „Darum ruft einander auf und einer baue den anderen, so wie ihr auch tut.“

Wie können wir einander ermutigen/zusprechen?

. Indem wir ernsthaft darauf bedacht sind zu ermutigen. Wir haben das Verlangen, dem anderen Gutes zu tun; daher beten wir um Gelegenheiten.

. Indem wir selber eine enge Beziehung zu Gott pflegen. 1. Johannes 1, 3-7

. Indem wir auf die Bedürfnisse der Heiligen eingehen und die eigenen zurückstellen. Römer 12, 13: „An den Nöten der Heiligen nehmt Anteil“; Philipper 2, 4: „… in einer demütigen Gesinnung achte einer den anderen höher als sich selbst. Jeder gebe Acht nicht auf das Eigene, sondern jeder auch auf das der anderen.“

. Indem wir willig sind, aufmerksam, einfühlsam und ge-duldig zuzuhören. Jakobus 1, 19. Darin besteht schon ein Teil der Ermutigung. Manche werden erst dann, wenn sie merken, dass sie geduldig angehört werden, mehr und mehr bereit, aus sich herauszukommen.

. Indem wir einfühlsam sind, rücksichtsvoll; indem wir gute, überlegte Fragen stellen; nicht zu schnell mit Bibelzitaten kommen; nicht (aus Angst vor Fehlern) auf das Anbieten von hilfreichen Versen verzichten. Gottes Wort hat Kraft (Sprüche 12, 25; 15, 1-4; 16, 24; 18, 21; 25, 11.23)

. Indem wir taktvoll eigene Erfahrungen mit Christus und seinem Wort mitteilen.

. Indem wir Taten der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft setzen, Besuche machen, Lasten abnehmen, mitbeten, nachfragen, anrufen, Grußkarten schicken, Anerkennungs- und Dankesbriefe schreiben.

 

Lehren

   Gesunde und systematische Lehre hat einen Verhütungs-effekt. Sie muss regelmäßig geschehen. Die Geschwister müssen ins Wort geführt werden und lernen, selbständig die Bibel zu erforschen. Beständiges Lehren kann verhüten, dass später Maßnahmen ergriffen werden müssen.

 

Ermahnen (nouthetein)

    Kolosser 3, 16: „Das Wort des Christus wohne reichlich in ‹und unter› euch: indem ihr euch ‹untereinander› in aller Weisheit lehrt und mahnt.“

    Hilfen für erfolgreiches Mahnen:

. Eine gute Beziehung haben zu demjenigen. Wenn ich sonst nicht mit ihm spreche, wird es schwierig sein, ihn zu mahnen.

. Selber in der Zucht Gottes stehen. Und nach der Heiligung jagen (Hebräer 12, 14); nicht Sünde im Leben dulden. Galater  6, 1: „Brüder, wenn auch ein Mensch von einem Fehltritt übereilt würde, ihr, die Geistlichen, helft einem solchen im Geist der Sanftmut wieder zurecht, und achte dabei auf dich selbst, dass nicht auch du versucht werdest.“

. Selber viel mit dem Herrn im Gespräch sein; bereit sein zu leiden. Nachdem man selber gelitten hat, wird der andere unserem Mahnen die liebende Sorge abspüren; er wird merken, dass es aus der Liebe Christi kommt. Das macht das Mahnen sehr wirksam, Apostelgeschichte 20, 31: „Darum seid wachsam und denkt daran, dass ich drei Jahre lang Nacht und Tag nicht abließ, jeden Einzelnen unter Tränen zu ermahnen.“

. Geduld haben. Warten und beten, nicht gleich losplatzen. In der Ehe ist es auch so: Wenn wir ohne im Gebet vor dem Herrn gestanden zu sein, einfach unserem Unmut freien Lauf lassen, werden wir eher das Gegenteil von dem erreichen, was wir wollten. Wir sind nicht Polizisten. Wir sind Hirten.

. Mit Anteilnahme und Liebe, im Geist der Sanftmut. Galater 6, 1; Römer 15, 14: „Aber auch von mir selbst aus bin ich euch bezüglich überzeugt, meine Brüder, dass auch ihr selbst voller Gütigkeit seid, erfüllt mit allerlei Kenntnis, auch imstande, einander zu ermahnen.“

. Persönlich, nicht öffentlich. Der Herr nahm Petrus beiseite. Sie machten einen Spaziergang. Der Herr stellte ihn nicht vor den sechs übrigen Jüngern bloß. Johannes 21, 20

. Früh genug, konsequent. Nicht warten, bis das Fass überläuft, sondern zeitnah, und im Geist der Freundschaft.

. Aus reinen Motiven. Nicht, um den anderen zu beschämen (1. Korinther 4, 14). Ziel ist die Christusähnlichkeit, Kolosser 1, 28.29. Zucht ist Zurechtbringung: Das Wort für „zurechtbringen“ in Galater 6, 1 wird verwendet für das Flicken eines gerissenen Stoffes, für die Zurüstung von Begabten zu Mitarbeitern Gottes, sowie für das Einrenken eines ausgekugelten Gelenks.

. In der Atmosphäre einer guten Beziehung (Epheser 4, 16E). Die Grundlage für das Mahnen ist liebliche Gemeinschaft. Jeder trägt zum Bauen des anderen bei (Galater 6, 2).

. Mit den gesunden Worten der biblischen Lehre. Römer 15, 14: „erfüllt mit allerlei Kenntnis“. Ein guter Hirte ist „einer, der sich an das treue Wort der Lehre hält, damit er in der gesunden Lehre aufrufen ‹und Zuspruch geben› und auch die Widersprechenden zurechtweisen kann“ (Titus 1, 12).

 

Überführen

    Das griech. Wort bedeutet: „nach erfolgter Untersuchung und Überführung zurechtweisen“. Daher: vorher die Sache gründlich untersuchen, den Betreffenden an der Hand nehmen und zur Wahrheit hinführen und auf den rechten Weg zurückbringen. 2. Timotheus 3, 16; 4, 2; Galater 6, 1.2; Jakobus 5, 19.20

 

Entzug von Gemeinschaft

    Das letzte Mittel der Zucht ist, jemandem die Gemein-schaft zu verwehren. (Siehe unten.)

c. Gemeindezucht beginnt im eigenen Leben und in der eigenen Familie.

Epheser 6, 4: „Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern zieht sie auf in der Erziehung und Ermahnung des Herrn.“

    1. Timotheus 3, 4.5: „… einer, der dem eigenen Hause wohl vorsteht, der seine Kinder mit aller Würde in Unterordnung hält (wenn jemand dem eigenen Hause nicht vorzustehen weiß, wie wird er für eine Gemeinde Gottes sorgen?)“

3. Was ist der Zweck der Zucht?

a. Zweck ist, Gottes Heiligkeit zu wahren.

Dass Gottes Heiligkeit in der Schar der Christen bleibt (Ag 5, 11.13; Josua 7) und der Ruf des Evangeliums erhalten bleibt (Römer 2, 24; 1. Timotheus 6, 1: „… damit nicht der Name Gottes und die Lehre gelästert werden“)

    Wenn Sünde wuchert, haben Widersacher Anlass zur üblen Rede. Dulden von Bösem ist immer ein Hindernis zur Ausbreitung des Evangeliums.

    Es soll die Kraft des Zeugnisses erhalten bleiben: Tt 2, 5; 1. Timotheus 6, 1; 2. Petrus 2, 2: „... viele werden [sich nach] ihren zerstö-rerischen [Wegen] ausrichten [und diesen] folgen, derent-wegen der Weg der Wahrheit gelästert werden wird.“

b. Zweck ist, Gottes Gemeinde vor Schaden zu bewahren.

Vor dem Straucheln

    Galater  6, 1.2; 2. Korinther 6, 3: „... damit der Dienst nicht in Verruf komme (bemäkelt; als makelhaft beurteilt/verschrien werde.)

    1. Korinther 11, 32: „Bekommen wir aber ein Strafurteil, werden wir vom Herrn gezüchtigt, damit wir nicht mitsamt der Welt verurteilt werden.“ Auf Grund der göttlichen Züchtigung waren unter den Korinthern viele krank und schwach. Einige starben infolge ihrer Krankheit. Göttliches Strafgericht geschieht, damit der Gläubige nicht „zusammen mit der Welt verurteilt“ wird. Verurteilt (verdammt) wird er nicht, falls er Buße tut. Täte er nicht Buße, könnte es so weit kommen, dass er sich schlussendlich von Christus abwendet und so (als Nichtchrist) zuletzt mitsamt der Welt verdammt würde.

    1. Korinther 5, 5: den Betreffenden dem Satan zu übergeben zum Verderben des Fleisches“ [in Form einer schweren Krankheit, die zum Tode führen könnte], „damit“ [im Falle er Buße tut] „der Geist am Tage des Herrn Jesus gerettet werde.“

    Jede Sünde trennt von Gott und von Mitchristen. Jesaja 59, 1.2; 1. Johannes 1, 7.8. Ziel der Züchtigung ist immer die Wiederherstellung des sündigen Menschen. Galater 6, 1.2; 2. Korinther 2, 7.8: „… sodass ihr umgekehrter Weise lieber vergeben und aufrichten solltet, damit solcher nicht in übermäßiger Betrübnis verschlungen werde; weshalb ich euch aufrufe, ihn der Liebe zu vergewissern.“

 

Vor weiterer Ausbreitung im Leben des Einzelnen

    1. Timotheus 1, 20: „… auf dass sie durch Zucht unterwiesen wer-den, nicht zu lästern.“

    Beim letzten Zuchtmittel (Entzug der Gemeinschaft) nimmt Gott den Betreffenden aus seinem Schutz heraus, den jener durch die Gemeinschaft mit den Heiligen hatte, und gibt ihn der Züchtigung des Feindes preis. Auf diese Weise soll er beschämt und ins Nachdenken gebracht werden, sodass er in sich geht und sein Leben und Handeln neu überdenkt.

 

Vor weiterer Ausbreitung im Leben anderer Christen

    Hebräer 12, 15; 1. Korinther 5, 6.13: Es besteht Ansteckungsgefahr. Sünde frisst um sich wie Krebs. Sie ist wie Sauerteig, der den ganzen Teig durchsäuert. Andere (vielleicht Ungefestigte) nehmen sich ein Vorbild und werden zum Sündigen verleitet. Oder sie nehmen es in der Folge nicht mehr so ernst mit der Heiligung.

    Bei den verschiedenen Graden von „Zucht“ geht es also um das Wohl der Gemeinde.

    Titus 1, 10.11: „... denn es sind viele – und [sie sind] solche, die sich nicht unterordnen – eitle Schwätzer und den Sinn Irreleitende (vor allem die aus der Beschneidung), denen man den Mund schließen muss …“

    3, 10.11: „Einen Menschen, der eine Sonderrichtung vertritt, meide nach einer und einer zweiten Ermahnung in dem Wissen, dass ein solcher ‹ganz› verkehrt ist und am Sündigen ist, durch sich selbst verurteilt.“

    Ag 20, 28-30: „Gebt also ‹stets› Acht auf euch selbst und auf die ganze kleine Herde, in der der Heilige Geist euch zu Aufsehern setzte, um Hirten zu sein für die Gemeinde Gottes, die er sich durch das eigene Blut erwarb, denn dieses weiß ich, dass nach meinem Weggehen schlimme Wölfe zu euch hineinkommen werden und die kleine Herde nicht schonen werden. Auch aus euch selbst werden Männer aufstehen, die Dinge, die verkehrt worden sind, reden werden, um die Jünger wegzuziehen hinter sich her.“

    Die gefährlichen Personen sind von zweierlei Art. Die einen sind Sektierer, die anderen Wölfe: Der Sektierer versucht, Leute hinter sich herzuziehen und spaltet die Gruppe der Heiligen. Der Wolf dringt in die Herde ein und will die Schafe zerstören. Als erstes sprengt er die Herde auseinander und macht sie auf diese Weise unübersichtlich, dann reißt er Schaf um Schaf.

 

Vor dem Schwinden der Furcht Gottes in der Gemeinde

    1. Timotheus 5, 20: „Diejenigen [Ältesten], die sündigen, weise zurecht vor allen, damit sich auch die anderen fürchten.“

    Ag 5, 11-14: „Und es kam eine große Furcht auf die ganze Gemeinde und auf alle, die dieses hörten.  … 13 aber von den Übrigen wagte niemand, sich ihnen anzuschließen, sondern das Volk hielt große Dinge auf sie; 14 mehr Glaubende wurden aber dem Herrn hinzugefügt, Mengen von Männern und auch von Frauen.“

    1. Mose 17, 12E.13: „Und du sollst das Böse aus Israel wegschaffen. Und das ganze Volk soll es hören und sich fürchten und nicht mehr vermessen sein.“

 

Vor dem Abfallen von Christus

    1. Korinther 11, 32; 5, 5: „... damit der Geist gerettet werde“ – im Falle er Buße tut, ehe er durch die Krankheit stirbt (s. o.).

c. Der Zweck der Zucht ist nicht,

Leute, die einem unangenehm sind, unschädlich zu machen oder bestimmte eigene Vorstellungen durchzusetzen.

d. Entziehen der Gemeinschaft hat den Zweck der Wiederherstellung.

Der Zweck des Gemeinschaftsentzugs ist die Wiederherstellung des sündigenden Christen. Von daher ergibt sich, dass man sich von einem, dem man die Gemeinschaft entzogen hat, nicht gänzlich trennt, d. h., dass man ihn nicht gänzlich meidet, wenn man ihn irgendwo sieht. Begegnet man ihm, so könnte man versuchen, ihn zur Umkehr zu bewegen. Es geht ja um sein ewiges Heil.

    Jakobus 5, 19.20: „Brüder, wenn jemand unter euch von der Wahrheit weg in die Irre geht; und jemand bringt ihn zur Umkehr, nehme dieser zur Kenntnis, dass der, der einen Sünder von seinem Irrweg zur Umkehr bringt, eine Seele vom Tode retten und eine Menge Sünden bedecken wird.“

    Der „Tod“ von dem der Betreffende gerettet werden soll, ist nicht der leibliche Tod, sondern der ewige; denn wenn die „Menge der Sünden“ nicht (durch eigenes Bekenntnis der Schuld vor Gott und durch die darauf geschehende Vergebung Gottes, 1. Johannes 1, 9) „bedeckt“ wird, folgt am Ende der Tod, sagt Jakobus (Jakobus 1, 14.15). „Ein jeder wird versucht, wenn er von seiner eigenen Lust weggezogen und gelockt wird. Danach, wenn die Lust empfangen hat, gebiert sie Sünde. Die Sünde, wenn sie vollendet geworden ist, gebiert Tod.“ Der Lohn der Sünde ist der Tod (Römer 6, 16.23; 8, 13).

e. Welche Auswirkungen hat es, wenn unter den Heiligen nicht Zucht betrieben wird?

. Mangelnde Freude

Freude sollte in der Familie und in der Gemeinde die vorherrschende Stimmung sein. Zusammenkünfte sind frohe Stunden des Dankens, Lobens und Austausches unter der Leitung des Geistes Gottes. Es ist eine Freude, wenn Christen einander sehen, wenn Neue hinzukommen, wenn man gemeinsam in die Nähe des Gottes tritt, den wir alle lieben und dem wir so viel zu verdanken haben. In der Gegenwart Gottes hat Gottes Volk immer Grund genug, sich zu freuen. Nehemia 8, 9.10 Freude ist dort, wo die Wahrheit ist; Liebe freut sich mit der Wahrheit (1. Korinther 13).

    Spurgeon sagte: Die Welt ist traurig genug. Da sollten wenigstens die Christen fröhliche Menschen sein. (Aber manche tragen ein Gesicht, das man als Titelbild für das Buch der Klagelieder verwenden könnte.)

    Der Herr Jesus frohlockte im Geist (Lukas 10, 21). Gott ist ein „seliger“ Gott (1. Timotheus 1, 11; 6, 15). Wenn göttlicher Friede und seine Freude vorhanden sind, braucht man keine „Belustigungen“ und „Unterhaltungen“ zu veranstalten. Dann braucht man auch keine so gen. „Lobpreis-Songs“, um sich in Stimmung zu singen.

    Ein Grund für „sauren“ Geschmack in einer Versammlung kann der sein, dass ein gewisser Sauerteig im Leben einzelner nicht ausgefegt wurde (1. Korinther 5, 8). Wo unter Christen Sünde geduldet wird, kann es nicht echte Freude geben. 1. Johannes 1, 3.4: „Das, was wir gesehen und gehört haben, berichten wir euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn, Jesus Christus. Und dieses schreiben wir euch, damit unsere Freude voll sei.“

    Der Christ, der über Sünde leichtfertig hinweggeht, wird freudlos sein. Freude ist die Folge von der Nähe Christi. Wer in Sünde lebt, kann sich nicht in Christi Nähe aufhalten. Psalm 32 und 51. David betete (51, 14): „Lass mir wiederkehren das Frohlocken über dein Heil.“

. Mangelnde Kraft

Christen, die in der Gemeindezucht oberflächlich sind, stehen in Gefahr, in der Evangelisation kompromissbereit zu werden. Die geistliche Kraft wird abnehmen. Die Kraft des christlichen Zeugnisses am Ort wird geschwächt werden.

. Mangelnde Liebe

Durch zuchtloses Gerede, durch argwöhnische Vermutungen wird Misstrauen geschaffen bzw. genährt. Bitterkeit wird wachsen und Probleme mit sich bringen:

     Hebräer 12, 15: „… dass nicht etwa irgendeine ‹giftige› Wurzel der Bitterkeit emporwachse und Schwierigkeit bereite und viele durch diese verunreinigt werden.“ Anstatt nach außen zu wirken, wird man sich nach Innen zerstören.

    Der Widersacher möchte die Gemeinde versprengen. Daher darf ich mich prüfend fragen: Kann ich jedem offen in die Augen schauen? Kann ich jeden herzlich grüßen? Wenn die ungeheuchelte und innige Bruderliebe (Psalm 133; 1. Petrus 1, 23) getrübt ist, muss ich mich dranmachen, die Ursache herauszufinden.

. Mangelnde Heiligkeit und Geborgenheit

Ohne Zucht wird Sünde wuchern können. Es kann so weit kommen, dass der Leuchter Christi am Ort ausgelöscht wird. Offenbarung 2. Das, was der Ort der Geborgenheit gegen die Heidenwelt war, wird zum Ort der Verführung zur Sünde.

    Dort, wo Friede regierte, wird Streit, Missgunst und böser Eifer herrschen (Jakobus 4, 1-5). Dort, wo Erbauung geschehen war, wird Abbau (1. Korinther 11, 17; 2. Korinther 12, 20.21) geschehen.

. Schaden für das Evangelium

Der Ruf des Evangeliums wird geschädigt werden. (Römer 2, 24) Gott wird falsch repräsentiert werden. Die Menschen werden eine falsche Vorstellung von Gott erhalten. Der Schaden durch nicht gerichtete Sünde in Christi Gemeinde ist immens.

4. Warum wird Gemeindezucht oft vernachlässigt?

a. Weil die Bedingungen oft nicht gegeben sind.

Wenn z. B. herzliche Gemeinschaft nicht vorhanden ist, wird das letzte Mittel der Gemeindezucht, der Entzug von Gemeinschaft, nicht Beschämung in dem Betreffenden her-vorrufen. Wenn man lediglich „von der Liste gestrichen“ wird oder auf der letzten Bank sitzen muss und auf Brot und Wein verzichten muss, wird in dem Betreffenden das Realisieren der Ernsthaftigkeit seiner Sünde erschwert. Wenn er aber die köstliche Gemeinschaft, die er vorher mit den Geschwistern hatte, nicht mehr genießt, wird ihm bewusst, wo er mit seiner Unbußfertigkeit nun „gelandet“ ist.

b. Weil es eine unangenehme Sache ist.

Zu jemandem hinzugehen, kostet Mut, Zeit und Energie; Liebe, Weisheit und Kompromisslosigkeit.

c. Weil es gegen den herrschenden Zeitgeist ist.

Vielerorts deutet man, „Tolerant-Sein“ als Liebe und Zucht als Lieblosigkeit. Welch ein Irrtum! Wo wären wir, wenn wir unsere eigenen Kinder nach diesem Motto erzögen?

c. Weil man manchmal auf numerisches Wachstum aus ist.

Deshalb will man nicht Menschen verjagen, indem man zu klar Stellung bezieht. Und man will auf keinen Fall die Jugend verlieren.

d. Weil Gemeindearbeit zu sehr von der Kanzel aus getan wird,

anstatt sich auf die Betreuung des einzelnen Gläubigen zu konzentrieren. Hirtenarbeit ist mühsam und zeitaufwendig. Es soll Leute geben, die denken, Hirtenarbeit sei auf die Leiter der Gemeinde beschränkt. Im NT denkt man nicht so. Die Hirten wären überfordert, wenn sie alle Arbeit tun müssten. Was Gemeinde Jesu heute braucht, ist, …

. Glieder des Leibes Christi, die einander selbstlos dienen.

. ein starkes Bewusstsein der Zusammengehörigkeit, gekennzeichnet von Herzlichkeit, Vertrauen und Treue.

. Raum für Spontanes, Zeit für spontane Besuche. Einfache Treffen, wo die Geschwister Gelegenheit haben, weiterzu-geben, was ihnen der Herr aufs Herz legte. 

­. Ein starkes Bewusstsein, dass wir alle Glieder des einen Leibes sind, wo wir einander mit Demut, Sanftmut und Langmut und Zuvorkommenheit begegnen: „Ich bete für dich.“ „Ich bin für dich da!“

    Was nun?

. Legen wir den Geschwistern nicht die moralische Verpflichtung auf, unbedingt überall dabei zu sein. Fördern wir geistliche Verantwortlichkeit –  in völliger Gebundenheit an den Herrn und an die Führung seines Geistes. Ermutigen wir sie, sich zu treffen (Hebräer 10, 24), um zu beten und gemeinsam das Wort Gottes zu lesen. Gemeinde Jesu braucht Freiraum, um Leibesleben (1. Korinther 12) auszuüben. Wir sollten dazu sehen, dass nicht alle Abende in der Woche verplant sind.

. Fördern wir das geistliche Anliegen, füreinander zu leben, sich um einander zu kümmern. Es besteht ein Unterschied zwischen Mechanik (Programm) und Organismus (1. Korinther 12). Es ist nicht die beste Idee, Lose zu ziehen, wer wen nächsten Sonntag einladen muss. Besser ist es, durch geisterfüllte Worte das Anliegen zur geistlichen Gemeinschaft zu fördern.

Lernen wir nachzufragen: „Wie geht es dir in deiner „Stillen Zeit“ mit Gott? Was beschäftigt dich gerade? Wo hast du Mühe? Wo Sorgen? Wofür darf ich beten? Hast du konkrete Anliegen?“ Das ist Gemeindebau, Gemeindeleben.

. Und seien wir leidensbereit. Wenn wir fruchtbar für den Herrn leben wollen, wird es uns viel kosten, nämlich alles: Zeit, Geld, Kraft, Nerven, Gesundheit, Stolz. Aber die Freude wird groß sein – in diesem Leben und in jenem.

e. Weil man denkt, es sei „unmöglich“, eine völlig reine Gemeinde herzustellen.

Manche denken, es hätte keinen Zweck Gemeindezucht zu betreiben, da es die absolut „reine“ Gemeinde ohnehin nicht gebe. Welch ein Argument! Das ist vergleichbar jenem Gärtner, der kein Unkraut mehr jätet, weil es ja ohnehin nie einen unkrautlosen Garten gibt.

    Der Apostel weiß, dass er und die Geschwister hier auf Erden moralisch nicht vollkommen sein werden. Dennoch fordert er auf, nach der Heiligung zu jagen (Hebräer 12, 14), und er ruft auf, sich von allem Bösen abzuwenden und nichts zu dulden, was Gottes Namen verunehrt.

f. Weil es „extrem“ sei.

Wer die Gemeinde liebt, darf nicht zulassen, dass sich in ihr Sünde breitmacht. Offenbarung 2, 2; 1. Korinther 5, 6.7. Wenn ein einziger Apfel im Korb faul ist und man nichts tut, werden bald alle faul sein.

g. Weil die Gemeinde über das Thema nicht richtig unterwiesen wurde.

Es ist den Heiligen zu wenig klar, dass sie Hirtenarbeit zu tun haben bzw. tun dürfen. Man schiebt die Arbeit auf die „Zuständigen“ ab. Jene sind überarbeitet.

    Ein guter Hirte wird das Anliegen haben, dass möglichst viele Brüder zu Hirten und Mitarbeitern heranreifen. Er ist bestrebt, andere zuzurüsten, damit die Arbeit auf viele Schultern verteilt wird – und er eines Tages überflüssig wird. Hat er das erreicht, hat er einen lobenswerten Dienst getan.

h. Weil man es oft als „lieblos“ empfindet, gegen Sünde in der Gemeinde vorzugehen.

Was bedeutet es, dass die „Liebe die Menge der Sünden zudeckt“ (1. Petrus 4, 8)? Liebe bringt nicht alles vor. Sie macht nicht Vorwürfe, kritisiert nicht negativ, sondern „übersieht“ bewusst die störenden Kleinigkeiten. Sie vergibt, wo Klage gegen den anderen ist. (Kolosser 3, 13: „Ertragt einander und vergebt euch gegenseitig ‹in gnädiger Weise›, wenn jemand eine Klage gegen einen hat: So, wie der Christus euch ‹in gnädiger Weise› vergab, so tut auch ihr es.“). Wahre Bruderliebe gehört zum Edelsten und Schönsten in dieser Welt. Jeder ist auf den anderen abgestimmt. Man merkt keine Trübung, kämpft zusammen und wirkt füreinander. Aber wo wir an Sünde festhalten, da kann die Liebe nicht bei uns bleiben. Wer Unrechtes in seinem Leben festhält, hört auf zu lieben. Er beginnt, Liebe zu fordern. Wenn ich andere anklage, dass sie zu wenig lieben, beweise ich Mängel in derselben Sache, denn Liebe fordert nicht Liebe ein. Mein Gerede vom Liebesmangel der anderen würde das Gemeindeleben bitter machen. So würde ich beitragen zum Abbau und zur Verminderung von Liebe unter den Geschwistern. Gottes Familie würde auf diese Weise ihren göttlichen Charakter und ihre Licht- und Salzkraft einbüßen.

– (Fortsetzung in der nächsten Nummer)

Gedanken zur Predigtvorbereitung

A: Jahrelange Vorbereitung

    Ein Teil der Predigt ist der Prediger. Lebenslange Prägung durch viel Lesen, betendes Nachdenken und Fragen-Stellen. Viel Material Sammeln – über Jahre hinweg. Auf Notizzettel, die man in die Kartei zum jeweiligen Bibelbuch oder Themenkomplex einordnet. Hinzu kommt die Lebenserfah-rung.

    Ich muss mir klarwerden, wer bzw. was ich bin: Lehrer, Aufrufer, Zusprechender (Tröster), Evangelist? Ich darf dann den Dienst tun, der meinen Gnadengaben entspricht. Epheser 4, 16; Römer 12, 6-8.

 

B: Direkte Vorbereitung

    Die Sache ist wichtig. Ich darf sie nicht auf die leichte Schulter nehmen oder auf die lange Bank schieben; nicht erst am Sonntagmorgen um 4:00 Uhr damit beginnen, mir Gedanken zu machen, was ich verkündigen werde.

    Gebet, Nachdenken, Fragen-Stellen braucht Zeit. Gott serviert nicht „Fast Food“. Wir sollen es auch nicht.

    Will ich über ein bestimmtes Thema sprechen, so ist es vielleicht gut, mir den besten Text zu suchen, der zu diesem Thema Aussagen macht; dann diesen Text Vers für Vers durchgehen.

    Wichtig ist, dass wir die Hörer dahin bringen, dass sie selber in ihre Bibel schauen (die sie natürlich zur Versammlung mitgebracht haben), um festzustellen, was dasteht. Der Prediger hat die Aufgabe Gottes Volk ins Wort hinein zu führen. Das Wort Gottes ist die Wahrheit. Wenn wir dem Volk Gottes das Wort Gottes vor Augen halten und fleißig darlegen und es viel vorlesen, wird im Volk Gottes das Verständnis der Wahrheit gefördert werden.

.  Beim Sprechen werden wir biblische Begriffe verwenden. (Ein Beispiel: Offenbarung 13 handelt nicht vom „Antichristus“, sondern vom „Tier“.) Wir werden nicht Texte verbinden, aus denen nicht eindeutig hervorgeht, dass sie miteinander etwas zu tun haben. (Beispiel: Ob das „Tier“ aus Offenbarung 13 mit dem „Menschen der Sünde“ aus 2. Thessalonischer 2 identisch ist, geht aus dem Text nicht hervor. Es könnte so sein, muss aber nicht.)

. Wir werden nichts in den Text hineinlesen, das nicht im Text ist. Wir werden uns immer wieder fragen: Was genau steht eigentlich da? Und warum steht es da? (Nb.: Wir brauchen keine Predigt zu „basteln“, sondern wir haben den Auftrag, das Wort Gottes zu lehren; 2. Timotheus 4, 2.)

.  Wir werden grundsätzlich vorsichtig formulieren, wo etwas nicht klar aus dem Text hervorgeht. Wenn ich denke, dass der Text etwas bedeutet, was aber nicht direkt aus dem Text hervorgeht, so ist es gut, das den Geschwistern zu sagen. (Zum Beispiel: „Ich bin mir nicht im Klaren, ob hier im Text dieses oder jenes gemeint ist, aber es könnte sein, dass …; der Text sagt es nicht. Aber was klar ist, ist dieses: …“) Wenn ich die Wörter „vielleicht, vermutlich, möglicherweise, könnte“ gebrauche, wird das für die Hörer eine Hilfe sein, sodass sie den Unterschied erkennen, was genau der Text sagt, und was meine Meinung ist.

.  Es ist gut, die Botschaft in ganzen Sätzen aufzuschreiben und danach ein Konzept zu erstellen – in Stichwörtern. Zum Predi-gen möglichst das Konzept verwenden, nicht das Skript.

.  Wir werden um Leitung und Hilfe durch den Heiligen Geist bitten und uns auf ihn verlassen, was wir dürfen, nachdem wir fleißig gearbeitet haben. Die Regel „Bete und arbeite“ gilt auch hier. 

    In der „Homiletik“ (Lehre über das Predigen/Verkünden) ist die „Rhetorik“ (Redekunst) nicht das Wichtigste, sondern der Inhalt. (Man sagt: Guter Anfang, guter Schluss. Und die Beiden sollten nicht zu weit voneinander entfernt sein.)

    Wichtig ist, was wir verkünden und wie wir sprechen, in welcher Haltung; nicht von oben herab. Das „Oben“ überlassen wir dem Herrn droben. Ein Knecht hat gehorsam zu sein, demütig und treu. Die Hörer werden es merken, ob wir um sie im Gebet gerungen haben oder nicht. Oswald Sanders notierte sich: „Ich will mehr Zeit im Gebet vor Gott stehen als ich predigend vor Menschen stehe.“

    Wer viel betet, ehe er spricht, wird des Herrn Unterstützung bei der Darbietung erfahren. Und die Hörer werden merken: Diese Botschaft ist nicht erlernt oder aus dem Internet geholt oder von Büchern abgeschrieben. Sie ist erarbeitet und echt.

Gesucht: Kindergartenleitung Neulußheim

Wir suchen ab sofort eine Kindergartenleitung (w/m) für den Johannes-Kindergarten in Vollzeit und unbefristet.

–Wer sind wir? Der Freie Christliche Kindergarten in Neulußheim betreut eine Kindergartengruppe mit bis zu 20 Kindern. Neben den relevanten pädagogischen Zielen ist uns die Vermittlung der christlichen Glaubensgrundlagen ein großes Anliegen. Die Grundlage für die christlichen Inhalte bildet die Bibel und das davon abgeleitete Menschenbild. Nähere Information und ausführliche Stellenaus-schreibung: http://www.johanneskiga.de/

Ansprechpartner: Frau Ilona Brandt (Mobil: +49 163 9046218) o. Herr Jonny Ly (Mobil: +49 1523 6395243) – Freier Christlicher Kindergarten e.V. Altlußheimer Str. 30a; 68809 Neulußheim; +49 62052322156 Vorstand Ilona Brandt; [email protected]

Gebet (Dienste)

8.- 13.9.: Herford (1. Korinther 12-14; Heilsgewissheit/Abfall; Ehe)

17.9.: Wetzikon vor- und nachmittags

21.-24. 9.: Minden (Bibelschule: 1. Petrus 1-5)

28.9. - 1.10: Niedergude

8.10: Saland (Jakobus 4b)

9.-13. 10.: Höningen (Apostelgeschichte 1-28)

16.-22. 10.: Bad Oeynhausen

24.-29.10.: Fulda (Dan 2; 7-12)

5.11.: Rothrist 

10. u. 11.11.: Zollikofen

15.-19.11.: Harsewinkel

20.-26.11.: Bielefeld Brake

28.11.- 3.12.: Bad Driburg

10.12.: Saland (Jakobus 5)

 

Wir danken für alle Fürbitte!

Bitte beachten Sie die neue Email-Adr.  [email protected]


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In „Unterwegs notiert” geben wir – seit 1999 – Gedanken weiter, die im geistlichen Gespräch oder im Dienst am Wort eine Hilfe sein können. Die Zustellung ist unentgeltlich. Frühere Nummern können bei www.sermon-online.de heruntergeladen werden. Hrsg. Th. Jettel ([email protected] Breitistr. 58, CH-8421 Dättlikon; +41 52 301 0215). Mitarbeit von H. Jantzen (Kanada; +1 587 343 0017). Beiträge zum Inhalt bitte an den Herausgeber. Inhalte dürfen vervielfältigt werden. (Bankverbindung: Thomas Jettel, IBAN: DE73 68492200 0001 462814; BIC: GENODE61WT1) Zur Erleichterung des Versandes bitte E-Mail-Adressen dem Herausgeber bekannt geben. Wer das Blatt nicht mehr erhalten möchte, darf es ohne weiteres abbestellen.