U n t e r w e g s n o t i e r t

 

Eine Handreichung für Dienende

______________________________________________________________

 

Deshalb umgürtet die Lenden eures Denkens, seid nüchtern

und setzt eure Hoffnung ‹gezielt und› vollkommen auf die Gnade,

die euch gebracht wird in der Offenbarung Jesu Christi

1.Petrus 1, 13

__________________________________________________________________

 

Nr. 115: März, April 2019

 

Der Galaterbrief (5)

 

 


(Fortsetzung von der letzten Nummer)

 

I: Wer spricht? K. 1 u. 2:

II: Was sind die Argumente? K. 3. u. 4

III: Wie geht es weiter? K. 5 u. 6

  A: Der Apostel fordert auf, in und zu der Freiheit zu stehen. 5, 1-15

B: Der Apostel fordert auf, sich nach dem Geist auszurichten. 5, 16- 6, 10

Paulus fordert zuerst dazu auf, den Weg des Geistes zu wählen. Diese Aufforderung ist mit einer Zusage verknüpft.

1: Die Aufforderung 5, 16A

„Aber ich sage: Wandelt ‹durch› den Geist“

    Durch den Geist zu wandeln, ist mehr als die Tatsache, dass der Geist in uns lebt. Es geht um ein „Wandeln“. In Römer 8, 13 sagt Paulus, dass wir „durch den Geist ...“ die Handlungen des Leibes töten sollen. Wie geschieht dieses „durch den Geist“ Handeln und Wandeln?

    Das Wort „Geist“ steht im bloßen Dativ, ohne Präposition. Deshalb kann übersetzt werden: „im“ Geist, „durch den“ Geist, „kraft des“ Geistes, „mit Hilfe des“ Geistes, „mittels“ des Geistes oder „auf Veranlassung des“ Geistes hin.

Es geht also darum, unter der Leitung (Herrschaft) und mit der Hilfe des Geistes zu leben, aus seiner Kraft und aus seiner Weisheit.

    Wenn wir vom Heiligen Geist umgeben sind, gibt es viele Berührungspunkte. Der Geist kann mahnen, drängen, aufmerksam machen, erinnern, ermuntern oder zurechtweisen.

    Was ist Voraussetzung für einen Wandel im Geist?

    Eine Anleitung gibt Paulus in Römer 12, 1.2: „Ich rufe euch also auf, … eure Leiber als ein Opfer darzubieten, ein leben-des, heiliges, Gott wohlangenehmes; das sei euer schuldiger Gottesdienst, und formt euch nicht nach dieser Welt, sondern werdet umgestaltet (o.: lasst euch umgestalten) durch Erneuer-ung eures Denksinnes, um prüfen zu können, was der Wille Gottes sei, der gute und angenehme und vollkommene“. 

    Wenn wir unseren Leib und unsere einzelnen Glieder dem Herrn rückhaltlos zur Verfügung stellen und uns sauber halten vom weltlichen Wesen, uns dem Muster der Welt nicht anpassen, erfüllen wir die Voraussetzungen dafür, dass wir prüfen und feststellen können, was der Wille Gottes ist.

    Wir vergleichen Römer 8, 5: „die, die nach dem Geist sind, sinnen auf das, was des Geistes ist“.

    Es geht um ein Sinnen, Denken. Die Gedanken sind beim Herrn, sie sind tagaus, tagein auf den Herrn ausgerichtet. Wenn wir geistgemäß (d. h.: wie der Heilige Geist) denken, werden wir auch geistgemäß handeln.

    Gott kommuniziert mit uns über das Denken. Der Heilige Geist tritt uns nicht über das Empfinden – über Gefühle – nahe. Daher ist es nicht nötig, dass wir Gottes Gegenwart spüren. Wir haben auch keine Verheißung dafür. Es hilft auch nicht viel weiter, denn es könnte geschehen, dass wir uns dann nach Empfindungen ausrichten, nicht mehr nach den Aussagen des Wortes Gottes.

    Die, die „nach dem Geist sind“, nach ihm ausgerichtet sind, befassen sich gedanklich mit dem, „was des Geistes ist“, mit dem, was dem Geist gehört, was aus ihm kommt und ihn interessiert.

    Was ist „des Geistes“? Was besitzt der Geist? Was interessiert ihn? Was ist seine Welt? Gott, das Wort Gottes, die Sache Gottes, der Sohn Gottes, die Charaktereigenschaften Gottes, das Königreich Gottes, die Gemeinde Gottes, die Ewigkeit, die geistliche Frucht, das Gebet, das Evangelium, die einzelnen Menschen, die ja für die Ewigkeit geschaffen sind.

    Christen sollten sich nicht zu viel dem Denken der Welt aussetzen. Jedes Wort, das wir hören, bestimmt unser Sein. Alles, was wir tun, uns ansehen oder anhören, prägt uns. Alles bildet uns, alles formt unser Denken. Christen sollten das aufnehmen, was ihr Denken in Gottes Gedanken bringt. Wer sich mit dem beschäftigt und von daher lebt, darf Sieg haben, einfach deshalb, weil er es sich angewöhnt hat, auf den Herrn zu vertrauen und mit seiner Gegenwart zu rechnen. Wer sich mit den Dingen des Geistes Gottes abgibt, wird Gott zur Ver-fügung stehen und Gott dienen. Dann ist man zu beschäftigt, um sich einem Leben der Sünde hinzugeben.

    Wer sich von diesseitigen Dingen und weltlichen Interessen bestimmen lässt, begibt sich in Gefahr. Er wird dahin tendie-ren, nach dem Fleisch zu leben.

    Jeder Christ sollte sich fragen: „Was bannt mich? Wo sind meine Interessen? Was ist meine Welt? Was tue ich? Und warum tue ich das, was ich gerade tue? Wie arbeite ich? Wie gehe ich mit den Kindern um, mit der Frau, dem Ehemann, den Eltern? Wie spreche ich? Wie treffe ich Entscheidungen?“

    Wer sich lediglich eine halbe Stunde pro Tag mit Gott, seinem Wort und dem Gebet beschäftigt und den Rest des Tages nach dem Diesseitigen, dem Sinnlichen, lebt und seine Gedanken mit weltlichen Informationen, Bildern und Mustern füllt, darf sich nicht wundern, wenn er keinen Sieg über Sünde hat und keine Kraft erfährt – und wenn das Interesse an geistlichen Dingen abnimmt statt zunimmt.

    Der Heilige Geist ist dazu da, mich daran zu erinnern, wofür ich leben soll. Aber er kann mich nur dann erinnern, wenn ich mit ihm in Verbindung gebracht bin, und dies geschieht über das Wort Gottes. Wenn ich jedoch meine Gedanken die meiste Zeit bei den Dingen der Welt habe, hat der Geist wenig Zugang zu meinem Denken. Dann kann er mir nicht das Verständnis („den Denksinn“, Lukas 24, 45) öffnen. Dann ist er für mich wie ein ausgeschaltetes Radio. Viele Christen leben durch den Tag, ohne ihr geistliches Radio eingeschaltet zu haben. Sie stehen am Morgen auf und stürzen sich in den Kaffee oder ins Mobiltelefon, anstatt ins Wort Gottes.

– Wie wollen sie Sieg haben?

    Oder sie stehen am Morgen auf, und der erste Gedanke ist die Arbeit, der Tagesplan, die Kleider.

    Nein, der erster Gedanke darf das Lob Gottes sein: „Herr, ich danke dir, dass deine Gnade für den heutigen Tag frisch und neu ist. Und deine Treue ist groß.“ (Dann sind wir schon nahe beim Herrn.) – oder ein Vers wie Philipper 4, 5.6: „Der Herr ist nahe. Sorgt euch um nichts“. Das genügt natürlich nicht für den ganzen Tag, aber vielleicht für die nächste halbe Stunde. Danach machen wir uns bereit und nehmen uns Zeit zum Lesen des Wortes Gottes, zum Nachdenken, zu einer frischen Begegnung mit Gott (Matthäus 4, 4; Psalm 1, 1-3).

    Ein Leben nach dem Fleisch ist ein Leben für die diesseitige Welt und in der Kraft der diesseitigen Welt. Ein Leben nach dem Geist ist ein Leben für die jenseitige Welt und in der Kraft der jenseitigen Welt.

    Setzen wir voraus, Sie sind Kind Gottes: Sie sind „in Christus“. Sie sind in der anderen Welt, in seiner Welt. Sie sitzen in jener Welt mit Christus. (Epheser 2, 6: „Und er erweckte uns zusammen mit ihm und setzte uns zusammen mit ihm in den himmlischen Bereichen in Christus Jesus“.) Daher sollten Sie nun auch Ihr Leben nach jener Welt ausrichten, in das Sie hineingestellt sind. Gleichzeitig leben Sie auch in der irdischen Welt – mit dem Leib und den fünf Sinnen, mit denen Sie mit der irdischen Umwelt in Beziehung treten. Aber die irdische Welt ist nicht die wichtigere. Sie hat nicht Priorität. Und Sie werden für Ihre irdische Umwelt nur dann zum Segen und Nutzen sein, wenn Sie mit der geistlichen Welt in reger Ver-bindung stehen. Nur der, der mit Gott in Verbindung steht, kann auf dieser irdischen Welt wirklich so „Mensch sein“, wie Gott es sich gedacht hatte. Und nur solch einer kann wirklich glücklich und zum Segen für andere sein.

    Wir sollen uns daher immer wieder Zeiten der Stille suchen. Und Gott gibt sie uns. Beten wir dafür!

    Der Psalmist weiß, dass er das Nahesein zu Gott nötig hat. Psalm 73, 28: „Aber ich, die Nähe Gottes ist mir Gutes.“ Wir dürfen unsere Gedanken tagsüber beim Herrn weilen lassen, auch dann (und gerade dann), wenn wir viel zu tun haben. Psalm 16, 8.9: „Ich halte mir Jahweh allezeit vor Augen – weil er zu meiner Rechten ist –, damit ich nicht ins Wanken gebracht werde. Deswegen ist mein Herz fröhlich“.

    Was ich bin, das denke ich. Was ich denke, danach richte ich mich aus. Und das, was ich bin, mein Sein, das muss ich pflegen. Bin ich vor allem Körper, so betreibe ich Körperpfle-ge. Bin ich vor allem ein Gotteskind, pflege ich vor allem mein wahres Sein. Mein Inneres ist wichtiger als der Leib. 

    Ich muss mich fragen: „Was hat bei mir Priorität?“ Wenn ich von der Bibel lebe, werde ich so denken wie die Bibel. Wenn ich von der Zeitung lebe, werde ich so denken, wie die Massenmedien wollen, dass ich denke.

    In welcher Welt lebe ich vor allem? Kolosser 2, 20: „Wenn ihr mit Christus den Elementen der Welt gestorben seid, was unterwerft ihr euch Satzungen, als lebtet ihr in der Welt?“

    In erster Linie lebe ich nicht in der diesseitigen Welt, sondern im Himmel. Philipper 3, 20: „… denn unsere bürgerliche Heimat ist in den Himmeln, von woher wir auch einen Retter erwarten, den Herrn Jesus Christus“.

    Setzen wir uns daher nicht zu viel dem Denken der diessei-tigen Welt aus! Alles formt unser Denken. Daher sollen wir das aufnehmen, was unser Inneres nach Gottes Gedanken ausrichtet.

    Geben wir Acht, was für Information wir uns aus dem Internet holen! Auch nicht alle christliche Literatur ist von der Bibel geprägt, auch die meisten so genannten „zeitgenössi-schen“ Lieder nicht. Überhaupt sollten wir mehr die Bibel lesen und erforschen, mehr miteinander auf den Knien beten.

    Wir sollten nicht zu viel Elektronisches lesen und hören. Auch die Nachrichten sind nicht wirklich so wichtig. Wir müssen nicht immer auf dem Laufenden sein, was das Tages-geschehen betrifft. Wichtiger ist zu wissen, wohin  Gottes Weg mit uns geht. Und wichtiger ist es, das Geschehen um uns herum im Lichte der Bibel richtig einzuordnen. Dazu müssen wir viel Gottes Wort lesen.

    Deshalb ist es so wichtig, dass wir nicht mehr so stark wie früher auf das hinhören, was die Welt sagt. Wir können heute nicht mehr so die Zeitung lesen wie früher. Christliches Ge-dankengut beherrscht heute die Bereiche Politik, Sport und Kultur nicht mehr so wie früher. Wir müssen achtgeben, was wir aus den Massenmedien aufnehmen. Es gibt heute wenig Gutes zu lesen und zu hören. Es ist bereits viel weltliche Denkstruktur und Empfindungsstruktur in christliche Kommu-nikation hineingekommen. Diese weltlichen Strukturen sind auch in viele christliche Bücher sind gekommen. Es ist schwerer geworden, dieses zu identifizieren.

    Wir werden in vermehrtem Maße vorsichtig sein müssen, was wir von der Welt hören, lesen und sehen. Und wir werden in vermehrtem Maße selektiv sein müssen mit dem, was an christlicher Literatur auf uns zukommt. Wir werden das, was Christen heute produzieren, mehr mit der Bibel vergleichen und an der Bibel messen müssen.

    Man muss übrigens gar nicht so viel lesen und hören, es ist nicht notwendig. Wir brauchen nicht so viel von diesen Dingen. Wir können mit viel weniger auskommen. Was wir müssen, ist, die Bibel lesen – und miteinander beten. Das ist existentiell notwendig!

    Wir fragen uns: „Was bannt mich? Was fesselt mich? Wo halte ich mich auf? Bin ich in allerlei Aktivitäten, oder bin ich im Wort Gottes? Lebe ich wirklich eng mit dem Herrn?“

    Wer Gott dienen will, muss von Gott her kommen.

    Und wie mache ich „Stille Zeit“?

    Auch dabei kann man fleischlich handeln. Man kann es als reine Äußerlichkeit tun. Ich brauche grundsätzlich Stille in der Nähe zu Gott. Ich soll die Zeiten, die der Herr mir gibt, ausnutzen.

    Wenn ich jemanden liebe, denke ich viel an ihn. Wenn ich Gott wirklich liebe, werde ich viel an ihn denken und über ihn nachdenken. Dann werden meine Gedanken Tag und Nacht bei ihm sein; dann werde ich auf ihn ausgerichtet sein.

2: Eine Zusage: 5, 16M

„… und ihr werdet keinesfalls die Lust, das Begehren, des Fleisches ausführen.“

    Wenn ihr durch den Geist wandelt, seid ihr auf einem We-ge, wo ihr überhaupt nicht die Lust des Fleisches vollbringt.

3: Die Aufforderung wird bekräftigt durch Hinweise auf gegensätzliche Dynamik. 5, 17-23

a: Gegensätzliche Begehren V. 17

„… denn das Fleisch gelüstet gegen den Geist und den Geist gegen das Fleisch. Diese widerstreben einander, dass ihr nicht das tut, was ihr wollt.“

    Entweder man tut, was das eigene Fleisch bestimmt, oder man lässt sich vom Geist Gottes bestimmen.

    Der Christ muss wählen: Was will ich? – vom Geist her leben oder vom Fleische her?

    Sowohl Fleisch als auch Geist haben eine Eigendynamik. Und sie sind in Feindschaft zueinander. Sie haben jeweils Wünsche, die denen des anderen entgegengesetzt sind.

Paulus sagt: Wenn ihr euren natürlichen Trieben Raum gebt, tut ihr die Werke des Fleisches. Das ist das, „was ihr wollt“ (V. 17E). Das kommt von eurem Innern, von euch selbst.

 

    (Übrigens spricht Paulus hier nicht von zwei „Naturen“ in dem Gläubigen. Der Mensch hat immer nur eine einzige Natur, ein inneres Wesen: das ist das, was er von seinem Fleisch her ist: ein ichbezogener Mensch. Bei der Bekehrung kommt jemand hinzu: Christus kommt in sein Leben – durch den Heiligen Geist. Aber das ist nicht der Gläubige – oder eine neue Natur im Gläubigen –, sondern das ist eine andere Person: Christus, der Heilige Geist! Daher gibt es nun eine neue Kraft, durch die der Gläubige leben kann. Er muss nicht ein ichbezogener Mensch bleiben. Er ist nicht mehr verpflichtet, nach dem Fleisch zu leben, weil nun die Kraft Christi bei ihm wohnt. Vgl. Römer 8, 12.13.)

b: Gegensätzliche Autorität V. 18

„Wenn ihr aber vom Geist geführt werdet, seid ihr nicht unter [dem] Gesetz.“

    Warum nicht? – weil ein anderer dann euer Herr und eure Kraft ist.

    Der Christ muss wählen, welcher Autorität er sich unterstellen will: dem Geist oder dem Gesetz. Es ist nicht möglich, unter beiden zu sein. Entweder man stellt sich unter den Geist, dann ist man nicht mehr unter dem Gesetz; oder man stellt sich unter das Gesetz, dann steht man nicht mehr unter der Führung des Geistes. Dann handelt man fleischlich, „nach dem Fleisch“.

 

Was ist Führung des Geistes? Und wie lebt man das?

1)  Sich vom Geist bestimmen zu lassen heißt nicht, zu spüren, dass der Geist einen führt!

    Es gibt Christen, die denken, der Geist würde sich im Be-reich des Wahrnehmens ihrer Sinne, ihrer Gefühle, melden. Aber der Heilige Geist meldet sich üblicherweise nicht im Bereich der Empfindungen, sondern im Denken. Sein Melden ist üblicherweise nicht etwas, das von außen auf mich zu-kommt. Gott wohnt durch seinen Geist in mir, genaugenom-men in meinem Geist, in meinem Denken. Der Heilige Geist ist mit meinem Geist verflochten. Wenn der Geist Gottes im Denken des Christen vorhanden ist, dann ist normalerweise (wenn der Christ geistlich gesund ist) das Denken des Christen durchtränkt vom Denken des Geistes.

    Er meint vielleicht, es sei sein eigenes Denken, mit dem er denkt, es ist aber der Heilige Geist! So läuft ja üblicherweise das Christenleben ab: Es ist, als ob der Christ selber denkt, aber von der Schrift her weiß er – was er selbst nicht spürt –, dass der lebendige Gott selbst in seinem Denken ist und ihm in diesem Denken hilft. Selbst merkt er das nicht so. Manchmal kann es wohl vorkommen, dass er feststellt: „Ah, da ist ein Gegenüber“, aber üblicherweise ist es so, dass man sich in die Gedankenwelt des Heiligen Geistes vertieft und so bestimmt wird (o. gelenkt wird).

 

    2) Denken im Geist ist Denken in der Schrift.

Die Gedankenwelt des Heiligen Geistes ist die Heilige Schrift, weil die Heilige Schrift das Denken Gottes ist. Die Bibel ist das Denken des Heiligen Geistes! Wenn ich im Heiligen Geist zu Hause sein will – und er in mir wirklich zu Hause sein soll (er wohnt ja in mir, und ich bin in ihm) –, dann habe ich in seinem Wort zu „wohnen“. Mein Denken muss im Wort Gottes gewurzelt sein, in der Bibel „zu Hause sein“. Es muss von der Heiligen Schrift durchtränkt sein. In dem Maße, in dem ich in der Schrift zu Hause bin, in dem Maße ist der Geist bei mir „zu Hause“. Dann hat der Heilige Geist eine Gelegen-heit, mein ganzes Denken zu prägen. Dann werde ich auch be-wahrt in der Versuchung – über mein Bitten und Verstehen hinaus. In solch einem Fall merke ich dann nicht, wie sehr ich bewahrt werde (oder wurde). Ich merke dann auch nicht in vollem Umfang, wie sehr ich von ihm geführt werde (oder wurde). Ich bete zwar, ich treffe auch Entscheidungen vor dem Herrn, aber die ganze Zeit ist der Geist gleichsam hinter den Kulissen wirksam und hilft mir, die rechte Entscheidung zu treffen – in der Versuchung, und auch in den ganz normalen Entscheidungen des Tages. Wenn wir vor Gott und mit Gott leben, sind diese normalen Entscheidungen vom Heiligen Geist „getragen“.

 

    3) Geistesführung an sich ist nicht leiblich wahrnehmbar.

    Es gibt Christen (oder so genannte „Christen“), für die das langweilig ist. Sie meinen, das geistliche Leben laufe mittels wahrnehmbarer Impulse ab. Das ist unrichtig – und fleischlich gedacht. Die Impulse geschehen im Bereich meines „leibli-chen“ (diesseitigen, „fleischlichen“) Bewusstseins.

    Der Begriff „Fleisch“ ist in der Heiligen Schrift mit dem Begriff „Leib“ verbunden (z. B. Römer 8, 12.23). Fleischliche Sünden sind aber nicht nur die, die mit dem Leib geschehen (z. B. sexuelle Lust). „Fleisch“ beschreibt die Dynamik meines Leibes und deren Einfluss auf meinen inneren Menschen.

    Wenn also jemand etwas im Bereich des Wahrnehmbaren erleben will, sucht er ein inneres Empfinden im Bereich seines natürlichen Seins. Und das nennt Paulus „Fleisch“. Christen, die dauernd etwas erleben wollen, sind (bei all ihrem Geistlich -Sein-Wollen) letztlich furchtbar fleischlich! Solche stehen auch in der Regel unter einem Zwang. Sobald sie meinen, Gott hätte sie „erfüllt, meinen sie, Gott müsse sie nun im Rahmen ihrer Empfindungen leiten und allerhand Spektakuläres tun.

    NB: Seit Jahren herrscht in machen christlichen Kreisen ein großes Bedürfnis nach einer menschlichen „Autorität“. Eine neue Gesetzlichkeit ist eingezogen. Man hat dann beispiels-weise einen so genannten „Hirten“ oder „Seelsorger“ über sich, der über die Einzelheiten im Leben des Gläubigen verfügt – einer, der ihnen sagt, was sie zu tun und zu lassen haben, einer, dem sie dann völlig unterstellt sind. Das ist schlimme Gesetzlichkeit! Fleischlichkeit und Gesetzlichkeit gehen oft eng Hand in Hand.

 

    Ähnlich war es auch bei den Galatern.

    Der Christ hat also zu wählen, welchem Trieb er sich unter-stellen will. Er kann wählen, welcher Autorität er sich unter-stellt: dem Geist oder dem Gesetz.

    Der gesunde Christ tut nicht, was er selber will. (Vgl. Kolosser 3, 17).

c: Gegensätzliche Auswirkungen V. 19-23

Was ist der Unterschied zwischen einer Fabrik und einem Garten? – In der Fabrik gibt es Werke, im Garten Frucht. In der Fabrik wird etwas hergestellt (da geht es um Leistung), im Garten wächst etwas (da geht es um Gnade).

. Die Werke des Fleisches V. 19-21

„Offenbar sind aber die Werke des Fleisches, welcher Art sind: Ehebruch, Unzucht, Unreinheit, Zügellosigkeit, 20 Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streitereien, Eifersüchteleien, Zornesausbrüche, Rechthabereien, Zwistigkeiten, Parteiungen, Neidereien, Mordtaten, 21 Trunkenheiten, Völlereien und dergleichen, …

    Als erstes nennt Paulus den „Ehebruch“, wohl deshalb, weil hier eine besondere Gefahr besteht.

    „Unzucht“ (außereheliche Geschlechtsverbindung) ist der Raub dessen, was zur Ehe gehört, ob außerhalb einer be-stehenden Ehe oder vor der Ehe. Unzucht ist also auch das Praktizieren der Dinge, die zur Ehe gehören, ehe man heiratet, das Vorwegnehmen dessen, was in die Ehe gehört. Das Zusammenschlafen zweier Menschen, ist nicht Eheschluss, sondern Sünde (1. Korinther 7, 1-9).

    „Unreinheit“: Damit ist ein Sündigen auf geschlechtlichem Gebiet – neben der Unzucht – gemeint, das verunreinigt (3. Mose 18, 23-25; 20, 14-17).

    „Ausschweifung“ (o.: Zügellosigkeit) meint alles, was mit dem Sinnlichen zu tun hat und dieses zügellos sättigen will.

    „Götzendienst“ ist das, was man anbetet, das, was mit Gott konkurriert. (Das können auch materielle Dinge sein; es hängt davon ab, in welchem Maß es mit Gott konkurriert.)

    „Zauberei“ ist das, was hinter dem Götzendienst steht.

Das griechische Wort pharmakeia, von dem der deutsche Begriff „Pharmazie“ stammt, bezeichnete ursprünglich die Medizin allgemein, später jedoch ausschließlich stimmungs- und bewusstseinsverändernde Drogen sowie den Bereich des Okkulten, der Hexerei und Magie. Heidnische Religionsprak-tiken erfordern häufig den Einsatz von Drogen, um dadurch Kontakt zu so gen. „Gottheiten“ aufzunehmen.

    „Feindschaften, Hader, Eifersucht“ sind Sünden in der zwischenmenschlichen Beziehung. Die Zeichen solcher Sünden sind dann: „Zorn, Ränke, Zwietracht, Parteiungen, Neid, Morden“. Die vielen Spaltungen unter Christen zeigen, dass sehr viel fleischliches Wesen in den Gemeinden ist.

Es wird immer Trennung und Verbindung geben. Aber die Frage dabei ist: In welchem Zeichen geschieht Verbindung (z. B. Ökumene) oder Trennung. Verbindung ist nicht immer gut und Trennung ist nicht immer schlecht. Diese Dinge müssen im Zeichen der Liebe zu Gott stehen. Trennung, die aus Liebe zu Gott und zur Wahrheit geschieht, ist gut. Sie entspricht dem Hass gegen Sünde und Irrlehre aus Liebe zu Gott.

    Verschiedene Sünden der Triebe wie „Trunkenheit“ und „Gelage“ bilden den Abschluss der Liste. Sie könnte verlängert werden.

    Diese Sünden charakterisieren alle unerlösten Menschen, jedoch praktiziert nicht jeder Mensch alle im selben Maße. Die Liste hier, die nicht erschöpfend ist, umfasst drei Lebens-bereiche: Geschlechtlichkeit, Religion und zwischenmensch-liche Beziehungen. Ähnliche Listen finden wir in Römer 1, 24-32 und 1. Korinther 6, 9.10.

 

V. 21E: „…, wovon ich euch voraussage, so wie ich auch zuvor sagte: Die, die solches verüben, werden das Königreich Gottes nicht erben.“

    Das Los derer, die in diesen Dingen leben, d. h. deren Leben von diesen Dingen gekennzeichnet ist, ist, dass sie das  Königreich Gottes nicht erben werden (Epheser 5, 5; 1. Korinther 6, 9.10).

    Im Griechischen heißt es wörtlich: „die solches Verübenden …“. Das bezeichnet ein fortdauerndes Verhalten. Wer reuelos in diesen Dingen lebt und nicht umkehrt, wird nicht in das Königreich Gottes kommen, sondern geht ewig verloren.

. Die Frucht des Geistes V. 22.23

„Die Frucht des Geistes ist aber Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube und Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung. Gegen solche ist das Gesetz nicht.“

. Diese Frucht ist eine Einheit:

Man hat alles, wenn man sie überhaupt hat. Hat man die ganze Frucht, heißt das allerdings nicht, dass man die Teile in vollendetem Maße hat. Christen bleiben bis zum Ende wachstumsfähig in jeder Hinsicht.

. Obzwar sie die Frucht des Geistes ist, also von ihm stammt, ist damit des Christen Verantwortung für ihr Vorhandensein nicht ausgeschaltet. Es wird in der Schrift den Gläubigen geboten, zu lieben, friedsam und geduldig zu sein, gütig und treu, usw.

 

    „Die Frucht des Geistes ist aber Liebe, …“:

    Manche setzen nach Liebe einen Doppelpunkt: „Die Frucht des Geistes ist aber Liebe: Diese drückt sich aus in Friede, Freude, Geduld, Freundlichkeit usw.“. Aber Paulus stellt die Begriffe wohl nebeneinander. Dennoch fasst die Liebe sie zusammen. Liebe ist das erste Gebot im Gesetz (Matthäus 22, 37), das Größte in der Gnade (1. Korinther 13, 13), das Wesentliche im Evangelium (1. Timotheus 1, 5). Liebe ist das Kennzeichen des Gläubigen (Johannes 13, 35). Sie ist gegeben durch den Heiligen Geist (Römer 5, 5; 2. Timotheus 1, 7). Und Liebe ist der Zug zum anderen, zu seinem Wohl (Römer 15; 2Timotheus 1, 7)

 

    Freude ist der Ausdruck erfüllten Verlangens und der Zuversicht im Leben. Sie muss aber stets genährt werden (Nehemia 8, 10; Hebräer 12, 2). Bleibend ist sie nur dann, wenn sie auf Jesus Christus hin ausgerichtet ist und dem Heiligen Geist entspringt (1. Thessalonischer 1, 6). Freude braucht Vertrauen (Glauben) und hat Liebe zur Grundlage. Freude kann auch geboten werden. (Z. B. 5. Mose 6, 11: „Und du sollst dich an all dem Guten freuen, das Jahweh dir und deinem Hause gegeben hat!“)

 

    Friede: Gott ist nicht von Unordnung und des Tumultes Gott, sondern von Frieden (1. Korinther 14, 31-33). Die Frucht des Wirkens Gottes ist ein Friede, der den Ordnungssinn zur Ruhe kommen lässt. Friede ist nicht Bewegungslosigkeit, sondern geordnete Bewegung.

    Elemente die zum Frieden gehören, sind: Notwendige Entspannung der Gefühle, Abwesenheit von Bedrohung, ausgeübte Vergebung, göttliche Bewahrung. Wenn Friede da ist, kann Leben gedeihen. Das heb. Wort heißt schalom; es bedeutet: Wohlergehen und Gedeihen.

 

    Geduld (Langmut): Das griech. Wort bedeutet „langsam zur Gemütserregung (zum Zorn), langsam zur Gefühlsaufwallung“. Langmut ist Friede in Bewährung – sowie Verzicht auf (sofortige) Veränderung der unangenehmen Umstände. Gott sieht  mit Geduld dem sündigen Treiben des Menschen zu.

    Langmut ist die Fähigkeit, zugefügtes Unrecht zu ertragen und die Bereitschaft, ärgerliche oder schmerzliche Situationen hinzunehmen (Epheser 4, 2; Kolosser 3, 12; 1. Timotheus 1, 15.16). Dazu gehört auch das verzeihende Verstehen und Ertragen der Schwächen anderer. Dies wird leichter durch das Bewusstsein der eigenen Fehlerhaftigkeit. Weil alte Leute aufgrund ihrer Erfahrung sich dessen eher bewusst sind als junge, sind Leute im Alter eher geduldig als junge.

 

    Freundlichkeit ist vom Griechischen her Nützlichkeit und Nutzbarkeit. Sie ist die Bereitschaft, das zu sein und zu tun, was dem anderen nützt. Sie ist ein liebevolles Interesse für andere, das sich im Wunsch ausdrückt, sich ihnen liebevoll zu erzeigen, so wie der Herr seine Kinder behandelt.

 

    Güte ist Tun und Geben von Gutem. Nur aus der Heiligen Schrift können wir letztlich erfahren, was gut und gütig ist. Der natürliche Mensch hat nicht die Fähigkeit Gut von Böse zu unterscheiden. Reife Christen haben „aufgrund von Gewöhnung ernsthaft geübte Sinne zur Unterscheidung sowohl des Edlen (und Guten) als auch des Schlechten (und Bösen)” ( Hebräer 5, 14).

 

    Treue  und Glaube: Das griech. Wort (pistis) bedeutet beides. Hier ist wahrscheinlich auch beides gemeint.

    Mit „Glaube“ ist nicht der rettende Glaube gemeint, auch nicht die Gnadengabe, sondern das Vertrauen zum Herrn und zum Bruder, das durch das Wirken des Geistes wächst. Gott möchte das Vertrauen des Menschen haben. Wenn er vertraut, vermehrt der Geist das Vertrauen und auch die Treue. Wenn jemand in einer Sache treu ist, ist das auf das Wirken des Geistes zurückzuführen. Treue ist Überzeugtsein, Zuverlässig-keit, Vertrauenswürdigkeit. Ihre Grundlage ist die Zuverlässig-keit und Vertrauenswürdigkeit Gottes und seines Wortes.

    Zum Treubleiben, wie zu allen hier aufgeführten Tugenden, gehört eine aufrichtige Bereitschaft des Christen.

    Paulus schreibt (2. Korinther 4, 13): „Da wir aber denselben Geist des Glaubens haben (nach dem, das geschrieben ist: ‚Ich glaubte. Darum redete ich.’), glauben auch wir …“ Aus dem zweifachen Zusammenhang (2. Korinther 4 und Psalm 116) ergeht, dass Paulus hier den Glauben (das Vertrauen) an den Gebet erhörenden Gott im Auge hat.

 

    Sanftmut: Sanftmut ist das Ergebnis der Erkenntnis, dass jeder Mensch sehr, sehr großen Wert hat, vor allem der, der mir unmittelbar gegenüber ist. Sanftmut ist also eine rück-sichtsvolle Einstellung, die im Gegenüber einen Wert sieht, auch wenn dieser im Benehmen nicht sichtbar sein sollte.

    Sanftmut ist ausgeübte Demut. Jesus Christus war von Herzen demütig und daher sanftmütig (Matthäus 11, 29). Sanftmut ist ohne Demut nicht zu denken. In der Geistverheißung bei Hesekiel fällt eine Bemerkung Gottes durch den Propheten auf: „… und ich werde das Herz von Stein aus eurem Fleisch entfernen und euch ein Herz von Fleisch geben. Und ich werde meinen Geist in euer Inneres geben.“ (Hesekiel 36, 26.27). Sünde macht grob und rücksichtslos. Wenn Gott in seinem Geist bei Menschen Einzug hält, werden sie empfindsam für ihn und sein Wort, auch empfindsam für den Bruder, die Schwester. (Epheser 4, 32: „Werdet freundlich gegeneinander, feinfühlig“.)

    So wird die Sanftmut also von der Demut getragen. Sanftmut setzt Demut voraus. Demut ist richtige Selbstein-schätzung, Sanftmut ist richtige Nächsteneinschätzung. Letzteres kann man nicht, bis man sich selbst richtig eingeschätzt hat.

 

    Selbstbeherrschung (griech. en-krateia, Regierungsmacht im Innern) ist die Fähigkeit, sich selbst (seine Lüste, Triebe, seinen Appetit) zu zügeln; das Wissen um das rechte Maß, die Bereitschaft zum Verzicht, die nicht das Vorhandensein von Lüsten und Trieben leugnet, aber bereit ist, auf deren Erfüllung zu verzichten. Auch die Keuschheit gehört dazu. Sie ist Selbstzucht (2. Timotheus 1, 7).

    Wer sich selbst unter die Herrschaft Jesu Christi stellt, ist imstande, sich selbst zu beherrschen, hat Macht über sich – durch die Kraft des in ihm wohnenden Heiligen Geistes. Ein solcher Mensch wird nicht wie ein Roboter vom Heiligen Geist genommen und beherrscht, sondern der Geist ruft ihn auf zum Gehorsam, zur Nachfolge. Und dann ist derjenige imstande, mithilfe des Geistes, sich dorthin zu bringen, wo der Geist möchte.

    Neben Galater 5, 22.23 finden sich weitere Beispiele für die Verflechtung der Frucht, so in Epheser 5, 9 und Römer 5, 5; 15, 13.

    Die Beschreibung der Geistesfrucht hier ist eine Beschreibung des Charakters Jesu. Wenn dieses alles Frucht des Geistes ist, ist das Gegenteil davon unerwünscht. Der Geist ruht nicht, bis seine Frucht wächst.

    Die Frucht des Geistes ist auch eine Veränderung des psy-chischen Verhaltens. Der Geist prägt die menschliche Seele, die Psyche, und formt ihre Verhaltensweise um (Epheser  5, 18).

 

. Das Verhältnis der Frucht zum Gesetz: V. 23

Gegen solche ist das Gesetz nicht.

Gegen all das ist ein Gesetz – wie das mosaische – nicht. · Man wird, wenn man sie tut, auch nicht bestraft.

· Diese Frucht ist eigentlich das, was Gott wollte, als er das Gesetz gab. Wer diese Dinge tut, der ist auf der Linie des Gesetzes.

H. Jantzen und T. Jettel – Fortsetzung in der nächsten Nr.

Gott bereitet den Weg, wo es keinen Weg zu geben scheint

(Eine wahre Begebenheit)

    Dr. Mark, ein bekannter Krebsspezialist, war unterwegs zu einer wichtigen Konferenz in einer anderen Stadt, wo er einen Preis für seine medizinischen Forschungen erhalten sollte. Er wollte an dieser Konferenz unbedingt teilnehmen und so bald wie möglich dort sein. Er hatte als Forscher viele Jahre lang hart gearbeitet und meinte, dass er den Preis, den er bekom-men sollte, für all seine Mühe verdiente.

    Sein Flugzeug musste jedoch zwei Stunden nach dem Start aufgrund eines technischen Problems auf dem nächstmög-lichen Flughafen notlanden. Weil er fürchtete, dass er nicht rechtzeitig zur Konferenz kommen würde, begab er sich sofort an den Schalter und musste erfahren, dass der nächste Flug an sein Ziel erst zehn Stunden später stattfinden würde. Die Frau am Schalter riet ihm, ein Auto zu mieten und in die Konfe-renzstadt zu fahren, die nur etwa vier Stunden Fahrzeit ent-fernt lag. Da er keine andere Wahl hatte, befolgte er den Rat, obwohl er längere Fahrten mit dem Auto hasste. Er mietete also ein Auto und machte sich auf den Weg. Kurz nachdem er losgefahren war, schlug das Wetter jedoch plötzlich um und ein heftiger Sturm brach los. Es goss in Strömen, er konnte kaum etwas sehen und verpasste so eine Abzweigung, die er hätte nehmen sollen. Zwei Stunden später dämmerte es ihm, dass er sich verfahren hatte. Er fuhr in strömendem Regen auf einer einsamen Straße, war hungrig und müde und versuchte nun verzweifelt, irgendein Zeichen menschlicher Zivilisation zu finden. Nach einiger Zeit kam er an ein ziemlich herunter-gekommenes kleines Haus. In seiner Hilflosigkeit stieg er aus dem Auto und klopfte an der Tür. Eine freundliche Frau öffne-te. Er erklärte seine Lage und fragte sie, ob er ihr Telefon be-nützen könnte. Die Frau sagte ihm jedoch, dass sie weder ein Telefon noch sonst ein elektrisches Gerät besitze, bat ihn aber, hereinzukommen und zu warten, bis das Wetter wieder besser wäre. Der Arzt war hungrig, durchnässt und erschöpft, und so nahm er das freundliche Angebot an.

    Die Frau bereitete einen heißen Tee und etwas zu essen für ihn. Dann lud sie ihn ein, mit ihr zusammen zu beten. Dr. Mark lächelte und sagte, dass er nur an harte Arbeit glaube und dass sie doch einfach weiterbeten solle. Er saß am Tisch und trank in kleinen Schlucken von dem Tee. Dabei beobachtete er die Frau, wie sie im schwachen Licht der Kerzen neben etwas betete, das aussah wie ein Kinder-bettchen. Immer, wenn sie mit einem Gebet fertig war, fing sie mit einem weiteren an.

    Dr. Mark hatte das Gefühl, dass die Frau Hilfe brauchte, und als sie mit Beten fertig war, ergriff er die Gelegenheit, sie anzusprechen. Er fragte, um was genau sie Gott bat und wollte auch wissen, ob sie dachte, dass Gott ihre Gebete überhaupt hören würde. Er fragte auch nach dem Kind in dem Bettchen, für das sie offensichtlich betete. Die Frau lächelte traurig und sagte dann, das Kind sei ihr Sohn, der an einem seltenen Krebs litt und dass es nur einen Doktor Mark gebe, der ihn heilen könnte, aber sie habe kein Geld, ihn zu bezahlen und außer- dem wohne er in einer weit entfernten Stadt.

    Sie sagte auch noch, dass sie bis dahin von Gott keine Antwort auf ihr Gebet bekommen habe, aber dass Er eines Ta- ges einen Weg finden würde, dem Kind zu helfen. Und sie fügte noch hinzu, dass sie es nicht zulassen wolle, dass ihre Angst ihren Glauben besiege.

    Dr. Mark stand fassungslos und sprachlos da. Tränen liefen über sein Gesicht. Er konnte nur noch flüstern: „Gott ist groß.“ Er erinnerte sich an die Reihenfolge der Ereignisse. Da war das technische Problem im Flugzeug, dann der Sturm, und er hatte sich verfahren. Und all das, weil Gott nicht nur Gebet erhört, sondern ihm eine Chance gab, aus seiner materialisti-schen Welt herauszukommen und armen, unglücklichen Men-schen, die nichts haben als ein reiches Gebetsleben, von seiner Zeit und seinem Können zu geben.

 (Christus ist Sieger, Evangelische Laiengemeinschaft, 5/2016

https://lef-online.com/index.php/download_file/55/207)

Bedenkenswerte Sätze

° Der Mensch ist zum Denken geschaffen. Warum tun so viele Menschen das, wozu sie geschaffen wurden, so wenig?

    – Gordy Strom

° Liebe braucht ein Gegenüber, ein Gegenüber in seinem Bild.

° Der Sinn der Schöpfung war, darzustellen, was es heißt, ewig Gemeinschaft zu pflegen.

° Was wir Menschen von Gott begreifen können, ist in Jesus Christus begreifbar. Johannes 1, 18

° Zu 1. Mose 3, 21: Wir sind zugedeckt mit der „Haut“ Jesu Christi, sodass uns der Vater mit vorbehaltloser Liebe entgegenkommen kann. – HJ

° Zu 1. Mose 18, 19: Gottes Verheißungen sind an Bedingungen gebunden. Diese sind Gehorsam und Liebe.

° Je mehr du dein Leben in einen Menschen investierst, umso mehr besteht die Möglichkeit, dass aus ihm ein Mitarbeiter Gottes wird.  – Gordy Strom

° Der Haupttrieb für geistliches Wachstum sollte das persönliche Leben des Christen mit dem Herrn sein. Lerne eine enge, frische Beziehung mit dem Herrn zu haben.

° Es ist eine der Grundvoraussetzungen für den Dienst des Herrn, das Leben nach Launen, Stimmungen und Gefühlen zu verleugnen und ganz aus dem Glauben zu leben. Gott kann keinen Gläubigen gebrauchen, der mit seinen Gefühlen nicht fertig wird. Dienst für den Herrn erfordert ein Leben für den Herrn.  – W. Nee

° Wir wollen es gern bezeugen, dass die ganze Bibel vom Herrn Jesus redet, und wollen nicht alles Mögliche treiben, sondern den Leuten den Herrn Jesus groß machen. Der Name Jesus ist der schönste und herrlichste Name. In dem Namen Jesus liegt unser ganzes Heil, unsere ganze Seligkeit. Dort allein liegt das Heil jedes Menschen.  – Heinrich Jochums

° Als ich danach zu streben begann, die Heiligkeit Gottes besser zu verstehen, Gott zu fürchten und das Absondern von der Welt zu praktizieren, wuchs meine Liebe zum Herrn. Diese verstärkte Liebe wirkte sich auf alles aus, was ich tat, selbst darauf, wie ich mich kleidete. Es ist eine Herzens-angelegenheit und wird es auch immer bleiben. –

    David Cloud, Privatsache Kleidung, Nehemia/CLV S. 185

° Menschen, die in vielen Dingen einflussreich, aber klein im Gebet sind, können die Arbeit des allmächtigen Gottes, die er seiner Gemeinde anbefohlen hat, in dieser Welt nicht ausfüh-ren.   – E. M. Bounds (so a. im Folg.)

° Ein Leben, das die Tage in Gemeinschaft mit Gott verbringt, ist ein Leben, das die Welt bewegt.

° Je himmlischer gesinnt der Christ ist, desto tauglicher ist er für diese Welt.

° Die Gemeinde auf den Knien würde den Himmel auf die Erde bringen. … Wenn das Gebet auf sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse beschränkt bleibt, stirbt es bald vor Kleinigkeit, Begrenztheit und Egoismus.

° Das beste und größte Opfer, das die Gemeinde Gott darbrin-gen kann, ist Gebet.

° In dieser Zeit werden Männer und Frauen des Gebets gesucht, die nach Gottes Herrlichkeit dürsten, die in ihren Wünschen gegenüber selbstlos sind, die weitherzig sind, die unaufhörlich nach Gott verlangen, die ihn früh und spät suchen und die selbst nicht ruhen können, bis die ganze Erde gefüllt ist mit seiner Herrlichkeit.

° Die Gemeinde des Herrn braucht heute nicht neue Organi-sationen und Methoden, sondern Männer und Frauen des Gebets.

Dienste, Gebet

5.-15. März: Kelowna (Besuch bei Herbert Jantzen)

13.-16. Mai: Höningen (Predigerseminar über „Gebet“)

Das Neue Testament, Psalmen, Sprüche (4. und erweiterte Auflage)

um 100 Seiten erweitert und völlig neubearbeitet.

Ab März erhältlich bei Verlag FriedensBote

www.friedensbote.org  Tel: +49 (0) 2354 777 80  [email protected]


 

___________________________________________________________________________________________________________________________________

In „Unterwegs notiert” geben wir (seit 1999) Gedanken weiter, die im geistlichen Gespräch oder im Dienst am Wort eine Hilfe sein können. Die Zustellung ist unentgeltlich. Frühere Nummern können bei www.sermon-online.de heruntergeladen werden. Hrsg. Th. Jettel ([email protected] Breitistr. 58, CH-8421 Dättlikon; +41 52 3010215). Mitarbeit von H. Jantzen (Kanada; +1 587 343 0017). Beiträge zum Inhalt bitte an den Herausgeber. Inhalte dürfen vervielfältigt werden. (Bankverbindung: Thomas Jettel, IBAN: DE73 684922000001462814) Zur Erleichterung des Versandes bitte E-Mail-Adressen dem Herausgeber bekannt geben. Wer das Blatt nicht mehr erhalten möchte, darf es ohne weiteres abbestellen.