Die Studienübersetzung Neues Testament - STU 2026 Verzeichnis der exegetischen Anmerkungen (c) Die Studienübersetzung-NT (Update: 1/2026) Falls sie eine ältere Version haben, sollten sie ihre alte mit der neuesten Version ersetzen, in der Fehler der alten Versionen korrigiert, und neue Informationen hinzugefügt wurden. Die neueste Version können sie unter der untenstehenden E-Mail-Adresse anfordern. Kontakt: die.studienuebersetzung.nt@gmail.com Die für die Fußnoten verwendete Literatur Es wird vorwiegend auf Sekundärliteratur verwiesen, dort findet man Angaben zu Primär-Quellen. In den Fußnoten der Studienübersetzung wird manchmal in runden Klammern auf die für die Fußnoten verwendete Literatur, in der untenstehenden Liste hingewiesen. Dabei bezieht sich die erste Zahl auf das Werk, die zweite römische Zahl auf einen eventuellen Band und die dritte Zahl auf die Seite in diesem Werk. z.B. bedeutet: (10/IV/314): 10 = Kittel/Friedrich: Theologisches Wörterbuch zum NT; IV = Band IV; 314 = Seite 314 oder (1,1256): Bauer-Aland: Wörterbuch zum Neuen Testament, Spalte 1256 oder (47,z.St.): Die Bibel; Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift; die Anmerkung zur betreffenden Bibelstelle. Man kann sich dieses Literaturverzeichnis auch ausdrucken, damit man beim Bibelstudium schneller nachschauen kann, auf welche Werke in den Fußnoten verwiesen wird, um dort Genaueres nachzulesen. 1) Bauer-Aland: Wörterbuch zum Neuen Testament, 6.Auflage, 1988 2) Haubeck W./Siebenthal H.v.: Neuer sprachlicher Schlüssel zum griechischen NT, 2007 3) Griechisch-Deutsch Strong Lexikon; Strong Lexikon - griechisch/deutsch (sermon-online.de) 4) Deißmann A.: Bibelstudien. 1895 5) Wigram G.V.: The Englishman´s Greek Concordance of the New Testament, 1979 6) Interlinear Scripture Analyzer 2.0.8; Computer-Bibelprogramm 7) Dietzfelbinger E.: Das Neue Testament, Interlinearübersetzung Griechisch-Deutsch, 1986 8) Hainz J. [Hrsg]: Münchener Neues Testament, 2.Auflage, 1988 9) Die Heilige Schrift, Elberfelder Übersetzung, CSV, 6.Auflage, 2013 10) Kittel/Friedrich: Theologisches Wörterbuch zum NT. 11 Bände, 1933-79 11) Coenen L. [Hrsg.]: Theologisches Begriffslexikon zum NT. 6.Aufl.; 2Bände, 1983 12) Burton E.: Syntax of the Moods and Tenses in NT Greek. 1894 13) Zerwick M.: Biblical Greek. 1963 14) Jeremias J.: Die Gleichnisse Jesu. 10.Auflage, 1984 15) Dalman G.: Arbeit und Sitte in Palästina, 8 Bände, 1927-1939 16) Deißmann A.: Neue Bibelstudien, 1895 17) Trench R.: Synonyms of the NT. 9.Aufl.; 1880 (reprint) 18) Turner N.: Grammatical Insights into the NT. 1965 19) Holtzmann H.J.: Die Pastoralbriefe, 1880 20) Godet F.: Kommentar zu dem Evangelium des Lukas, 1890 21) Robertson Nicoll W.: The Expositor's Greek Testament, Vol. I-V, 1988 (reprint) 22) Robertson A.T.: Word Pictures in the NT. Vol. I-VI, 1930 23) Berry G.R.: Dictionary of NT Greek Synonyms. 24) Slotty F.: Einführung ins Griechische. 5.Aufl., 1964 25) Godet F.: Kommentar zu dem Evangelium des Johannes, 1903 (Nachdruck 1987) 26) Godet F.: Kommentar zu dem Brief an die Römer, 1886 27) Metzger B.M.: A Textual Commentary on the Greek NT. (corrected Edition); 1975 28) Deißmann A.: Licht vom Osten, 4.Aufl., 1923 29) Frisk H.: Etymologisches Wörterbuch der griechischen Sprache. 1960-72 30) Krämer H.: Griechische Wortkunde. 2.Aufl.; 1975-78 31) Godet F.: Kommentar zu dem ersten Brief an die Korinther, 1886 32) Friberg B. & T.: Analytical Greek New Testament, 1981 33) Douglas J.D. [Hrsg.]: New Bible Dictionary. 2.Aufl.; 1982 34) Edersheim A.: The Life and Times of Jesus the Messiah. 3.Aufl.; 1886 35) Field F.: Notes on the Translation of the NT. 1899 36) Zahn Th.: Das Evangelium des Matthäus, 1905 37) Moulton/Milligan: The Vocabulary of the Greek Testament illustrated from the Papyri; 1930 38) Strack H.L./Billerbeck P.: Kommentar zum NT aus Talmud und Midrasch, 4 Bände; 1922- 39) Langenscheidts Taschenwörterbuch: Deutsch-Altgriechisch; 1984 40) Ouweneel W.J.: Der Brief an die Galater; 1998 41) Moulton/Howard/Turner: A Grammar of NT Greek. 4 Bände. 1963-76 42) Rienecker F.: Lexikon zur Bibel. 2.Aufl.; 1973 43) Gemoll: Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch; 1985 44) Zerwick M./Grosvenor M.: A Grammatical Analysis of the Greek New Testament; 1988 45) Vine's Complete Expository Dictionary of Old and New Testament Words; 1985 46) Dalman G.: Orte und Wege Jesu; 1924 47) Die Bibel; Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift; 1986 (Fußnote zur Bibelstelle) 48) MacDonald W.; Kommentar zum Neuen Testament; 1994 49) Willis G.C.: Sacrifices of Joy, being Meditations on Philippians; 1976 50) Ouweneel W.J., Das Buch der Offenbarung, 1995 51) Rossier H.: Die symbolische Sprache der Offenbarung, Neudruck 1982 52) Der kleine Pauly, Lexikon der Antike, 5 Bände, 1979 53) Ouweneel W.J.: Der Brief an die Hebräer, 1994 54) Vanheiden K.H.: Neue evangelistische Übersetzung, 2018 (Fußnote zur Bibelstelle) 55) Reike B.: Rost L.: Biblisch-Historisches Handwörterbuch, 1962-1979 56) Prellwitz W.: Etymologisches Wörterbuch der griechischen Sprache. 1905 57) Passow F.: Handwörterbuch der Griechischen Sprache, 2 Bände, 1852 58) Schwaiger A.: Geschichte und Gott, 2015 59) Gute Nachricht für Teens, Sacherklärungen (Fußnote zur Bibelstelle) 60) Archer G. L.: Schwer zu verstehen? 1982 (Deutsch 2005) 61) Walvoord J.F.: Kommentar zur Bibel, 5 Bände 62) Zahn Th.: Das Evangelium des Johannes, 3+4. Aufl., 1912 63) Liddel-Scott: A Greek-Englisch Lexicon (New edition), 1925-1940 64) Geisler N.L./Howe Th.: Antworten auf schwierige Fragen, 1992 (Deutsch 2018) 65) Keener C.S.: Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments, 3 Bände, 1993 66) Zahn Th.: Die Offenbarung des Johannes, 1924 67) Ewald P.: Die Briefe des Paulus an die Epheser, Kolosser und Philemon; 1905 68) Ramsay W.M.: The Letters to the Seven Churches of Asia. 1904 69) Zahn Th.: Der Brief des Paulus an die Galater. 1922 70) Ewald P.: Der Brief des Paulus an die Philipper. 1917 71) Wohlenberg G.: Der erste und zweite Thessalonicherbrief, 1903 72) Wohlenberg G.: Die Pastoralbriefe, 1911 73) Bachmann Ph.: Der erste Brief des Paulus an die Korinther, 1910 74) Bachmann Ph.: Der zweite Brief des Paulus an die Korinther, 1918 75) Wohlenberg G.: Das Evangelium des Markus, 1910 76) Zahn Th.: Das Evangelium des Lukas, 1913 77) Zahn Th.: Die Apostelgeschichte des Lukas, 1919 78) Zahn Th.: Der Brief des Paulus an die Römer. 1910 79) Riggenbach E.: Der Brief an die Hebräer, 1913 80) Hauck Fr.: Der Brief des Jakobus, 1926 81) Wohlenberg G.: Der erste und zweite Petrusbrief und der Judasbrief, 1923 82) Woodrow R.: Die Römische Kirche, Mysterien-Religion aus Babylon, 1992 83) Liebi R.: Die Bibel - absolut glaubwürdig, 2017 84) Linnemann E.: Gleichnisse Jesu, 1975 85) Bruce F.F.: Zeitgeschichte des Neuen Testaments, (2 Bände), 1976 86) Schirrmacher T.: Gründe für die Frühdatierung der Offenbarung vor 70 n.Chr. 87) Liebi R.: Weltgeschichte im Visier des Propheten Daniel, 1986 88) Ryrie C.C.: Die Bibel verstehen, 1999 89) Fruchtenbaum A.G.: Der Hebräerbrief, 3.Auflage 2012 90) Streitenberger P.: Das Buch der Offenbarung, 2022 91) Keil C.F.: Kommentar über das Evangelium des Matthäus, 1877 92) Keil C.F.: Kommentar über das Evangelium des Johannes, 1881 93) Keil C.F.: Kommentar über die Evangelien des Markus und Lukas, 1879 94) Keil C.F.: Kommentar über den Brief an die Hebräer, 1885 95) Keil C.F.: Kommentar über die Briefe des Petrus und Judas, 1883 96) Keil C.F., Delitzsch F.: Biblischer Kommentar über das AT, Genesis und Exodus, Band 1; 1878 97) Keil C.F., Delitzsch F.: Biblischer Kommentar über das AT, Daniel, Band 5; 1869 98) Lange J.P.: Kommentar zum Matthäusevangelium bis Lukasevangelium, 1861 99) Lange J.P.: Kommentar zum Johannesevangelium bis Apostelgeschichte, 1880 100) Lange J.P.: Kommentar zum Römerbrief bis 2.Thessalonicherbrief, 1880 101) Lange J.P.: Kommentar zum 1.Timotiusbrief bis Offenbarung, 1864 102) Der kleine Ploetz, 1999 Matthäus 1 1 Vgl. Jes 7,14. Diese Stelle wurde von den Rabbis nicht messianisch verstanden. Sie hatte zwar eine vorläufige Teil-Erfüllung in den Tagen des ungläubigen Königs Ahab, aber die endgültige Erfüllung geschah erst, in Anlehnung an die Verheißung in Gen 3,15, durch die Jungfrauengeburt Marias (34,I,157). Die beste Erklärung für die Prophezeiung in Jes 7,14-16 scheint folgende zu sein: "Die Prophezeiung weist zunächst auf ein Mädchen im Umfeld des Königs Ahab hin, das in Kürze heiraten, schwanger werden und ein Kind namens Immanuel zur Welt bringen wird. Zweieinhalb Jahre später, im Jahr 732 v.Chr., als dieses Kind noch ein kleiner Junge war, zerstörte Tiglat-Pileser III. Damaskus. Damit war der Bund zwischen Syrien und Israel zerbrochen und die Gefahr für Juda erst einmal gebannt. Als der Junge 12 oder 13 Jahre alt war und auf das Gesetz verpflichtet wurde, d.h. zwischen Gut und Böse wählen konnte - dies war im Jahr 722 v.Chr. - war auch das ganze Nordreich Israel von den Assyrern erobert. Matthäus erkennt aber durch den Heiligen Geist, dass jedoch die eigentliche Erfüllung die Schwangerschaft der Jungfrau Maria und die Geburt von Jesus unserem Herrn ist" (54,z.St. in Jes 7,16). - Der Messias würde zwar den Namen Jesus (= Jahwe rettet) tragen, aber der Immanuel (= Gott mit uns) des AT sein. Er würde in Person das sein, was Immanuel bedeutet (54,z.St.). 2 κυριος ohne Artikel bezeichnet im NT, so wie in der LXX, den alttestamentlichen Gottesnahmen Jahwe (2,1367). 3 Jes 8,8.10 4 Eine Verlobung begann mit dem Abschluss eines rechtsgültigen Ehevertrags und dauerte mindestens ein Jahr, um festzustellen, ob die Braut wirklich noch Jungfrau war. Dann nahm der Mann seine Braut zu sich (54,z.St.). Mit der Verlobung wurde die Ehe rechtlich begründet, aber noch nicht vollzogen (2,z.St.). Die eheliche Gemeinschaft wurde erst nach der Heimholung der Braut durch den Ehegatten, ein Jahr später, aufgenommen. Die jüdischen Mädchen heirateten gewöhnlich nach Eintritt der Geschlechtsreife mit 13 bis 14 (höchstens mit 16) Jahren. Vgl. noch Lk 1,26-38; 2,5 (vgl. 65,53; 47,z.St.). Vgl. die Anm. bei Mt 25,1 5 entw.: gerecht im Sinne von gesetzestreu; od. besser im Sinne von Lk 1,6. Es ist bemerkenswert, dass Josefs Entschluss, Maria mit einem "Scheidebrief" zu entlassen, von Gott als "gerecht" bezeichnet wird. Denn Jesus selbst nennt die Handhabung des Scheidebriefes später Hartherzigkeit (Mt 19,8). Das zeigt den höheren moralischen Standard des Neuen Bundes, wie auch die Bergpredigt beweist, es zeigt aber auch, dass Scheidung und Wiederheirat aufgrund von "Hurerei", in Gottes Augen nicht grundsätzlich verwerflich ist, obwohl es nicht seinem ursprünglichen Willen entspricht. Das gleiche Prinzip finden wir im AT, wenn Gott die Viel-Ehe bei Männern Gottes (z.B. Abraham, Jakob, David,...) duldet, obwohl sie nicht seinem ursprünglichen Willen entspricht. 6 Untreue in der Verlobungszeit wurde als Ehebruch angesehen, was nach Dtn 22,23-27 die Todesstrafe bedeutet hätte. Da Judäa noch keine römische Provinz war (erst 6 n.Chr.), hätte der Synedrion noch das Recht gehabt die Todesstrafe auszuführen. Josef nützte daher die mildere Möglichkeit, Maria nach Dtn 24,1ff. heimlich mit einem Scheidebrief zu entlassen, da er annehmen musste, sie hätte in der Verlobungszeit mit einem anderen Mann Geschlechtsverkehr gehabt. Erst danach wird ihm durch einen Engel bekannt gemacht, dass dies nicht der Fall ist. 7 Effektiver Aor.: er kam (nach längerem Überlegen?) schließlich zum Entschluss. 8 Entgegen der Sitte nahm er Maria zu sich ins Haus, aber ohne eine Hochzeit (vgl. Lk 2,5), sonst hätte er die Ehe auch vollziehen müssen, was er aber erst nach der Geburt Jesu tat. Dadurch, dass er Maria zu sich nahm, konnte Jesus sein legitimer Sohn werden und war damit ein legaler Nachkomme Davids. 9 "Erkennen" wird im Alten Orient auch als Umschreibung des ehelichen Verkehrs gebraucht (47,z.St.). Das impliziert, dass sie danach normalen Geschlechtsverkehr hatten, bei dem nach Mt 12,47; 13,55-56 und Mk 3,32 Brüder und Schwestern Jesu gezeugt wurden (vgl. 25,127ff), wobei Jesus der Erstgeborene war (Lk 2,7). 10 In jüdischen Grabinschriften: erwachsen, aber noch nicht verheiratet (2,z.St.) und daher noch unberührt. Auch im AT, wo das hebräische Wort auch die Bedeutung "junge Frau" hat, lässt sich an keiner der Stellen eindeutig beweisen, dass es sich dabei nicht auch gleichzeitig um eine Jungfrau im biologischen Sinn des Wortes gehandelt hätte. Dass die Übersetzer der LXX das hebräische Wort mit παρθενος übersetzten (Ge 24,14.16.43.55; 34,3; Ex 22,15; Hiob 31,1; Jes 23,4), zeigt, dass sie es als Jungfrau im biologischen Sinn, und nicht nur als junge Frau verstanden. Daher bedeutet παρθενος hier definitiv: eine heiratsfähige, unberührte Frau, die noch keinen Geschlechtsverkehr mit einem Mann hatte. 11 Zur Erklärung der verschiedenen Stammbäume in Matthäus und Lukas siehe die Literatur (z.B.: 2,2f.). Matthäus scheint den Stammbaum des Joseph aufzuzeichnen, um zu beweisen, dass Jesus über seinen Ziehvater Joseph erbrechtlich ein Nachkomme Davids war. Lukas scheint den Stammbaum der Maria aufzuzeichnen, um nachzuweisen, dass Jesus über Maria auch biologisch ein Nachkomme Davids war. Die Stammbäume überschneiden und unterscheiden sich gleichzeitig, weil die eine Liste mehrere Adoptionslinien durch Levirats-Ehen mit aufnimmt (65,I,317f). 12 Vgl. den Fluch in Jer 22,24-30 13 Nach der Geburt Jesu erscheint niemals mehr der Engel des HERRN (denn dieser Engel war im AT der präexistente Sohn Gottes selbst), sondern eben nur mehr ein Engel des HERRN. 14 hebr.: Jeschua = Jahwe rettet. Auch in rabb. Schriften wird der Messias als einer gesehen, "der Sühnung für die Sünden des Volkes macht" (34,I,155). Vgl. LXX Gen 17,19 15 αγγελος mit Artikel hier nur, weil es zurückweist auf den schon vorher erwähnten Engel in Vers 20. 16 Entgegen jüdischer Tradition nimmt Matthäus fünf Frauen in Jesu Geschlechtsregister auf, noch dazu alle aus problematischem Hintergrund: (1.) Tamar war die Schwiegertochter des Juda, dass von ihr geborene Kind, entstand demnach aus einer Inzest-Beziehung (Lev 18,15). (2.) Rahab war eine Kanaaniterin und eine Hure, normalerweise durfte sie gar nicht ins Volk Gottes aufgenommen werden. Doch durch ihre Bekehrung zum Gott Israels wurde sie quasi eine Israelitin (Hebr 11,31; Jos 6,23-25). (3.) Ruth war eine Moabiterin. Moabiter durften bis ins 10.Geschlecht nicht in die Versammlung Gottes aufgenommen werden (Dtn 23,4). Ruth war möglicherweise bei ihrer Heirat mit Boas von Abraham an gerechnet bereits im 10.Geschlecht, aber sollte das 10.Geschlecht von Abraham oder von Mose an gerechnet werden? Wie dem auch sei, Ruth war durch ihre Bekehrung zum Gott Israels, genauso wie Rahab, quasi eine Israelitin geworden. Die Heirat mit Boas war demnach völlig rechtens (vgl. Ruth 1,16; 2,12; 4,11), denn mit dieser Heirat wurde auch Gottes Gebot der Levirats-Ehe befolgt. (4.) Bathseba war ursprünglich die Ehefrau von Urija, ihr Sohn Salomo wurde also von David mit einer Ehebrecherin gezeugt. (5.) Maria schließlich war Jungfrau. Dass sie als unverheiratete Frau schwanger wurde, bedeutete für die Menschen damals, dass Jesus in Hurerei gezeugt wurde (vgl. die Anm. in Joh 8,41), was das offizielle Judentum im Talmud behauptet und bis heute postuliert. - Dass gerade diese 5 Frauen ins Geschlechtsregister Jesu aufgenommen wurden, zeigt die Gnade Gottes im Umgang mit seinem Volk. 17 "...damit/auf dass erfüllt würde..."; ein Teil der Prophezeiung wurde schon erfüllt, aber die endgültige Erfüllung geschieht erst hier. Siehe diese Redewendung auch noch in LXX: 1Kön 2,27; 2Chr 26,22 und im Matthäusevangelium in: Mt 1,22; 2,15.23; 4,14; 8,17; 12,17; 21,4; 26,56 und die Anm. bei Mt 2,17 18 Träume galten damals für fromme Juden als besondere Offenbarungen von Seiten Gottes (34,I,155). 19 Dieses Geschlechtsregister ist bewusst selektiv zusammengestellt und stellt wohl das Verzeichnis der Erben des davidischen Königshauses dar, wobei diese, statt direkt, auch über eine Nebenlinie verwandt sein können (54,z.St.). Der Stammbaum dient dem Nachweis, dass Jesus der Erbe der Verheißungen ist, die an Abraham und David ergingen. Die Namen des ersten Abschnitts (Abraham bis David) sind dem Buch Ruth 4,18-22, die des zweiten (David bis Exil) 1Chr 3,10-19 entnommen. Folgende Eigentümlichkeiten finden sich: Zwischen Joram und Usija fehlen die drei Könige Ahasja, Joasch und Amazja (vgl. 2Kön 8,25; 14,21; 1Chr 3,11f), und statt Amos (Mt 1,10) steht in 1Chr 3,14 Amon. - In dem Stammbaum mit den 3 x 14 Generationen verbirgt sich auch eine Zahlensymbolik: Die Buchstaben dienen im Hebräischen zugleich als Ziffern. Zählt man die Buchstaben des Namens David zusammen, so ergibt sich die Zahl 14. Die Generationenfolge soll veranschaulichen, dass sich in Jesus die an David ergangene messianische Verheißung erfüllt hat; vgl. 2Sam 7,12-16; Jes 11,1 (vgl. 47,z.St.; 59,4). - Eine Generation wird hier definiert mit der Lebenszeit einer Person (ebenso: Rich 2,10), und zwar unabhängig davon, wie lange diese Person lebte. Zwischen Abraham und David ist also Isaak die erste Generation, Jakob die zweite Generation, ..., Issai die vierzehnte Generation. Dies ist wichtig für das richtige Verständnis von Gen 15,13-16, wo bei der Zeit der Unterdrückung Israels in Ägypten, 4 Generationen mit 400 Jahren gleichgesetzt werden, wo hingegen in unserer Zeit eine Generation nur mit ca. 30 Jahren festgesetzt wird. Die 4 Generationen in Gen 15,16 waren: (1.) Jakob (2.) die 12 Söhne Jakobs (3.) ihre Kinder (z.B.: Perez, Amran, ua.), und (4.) ihre Enkelkinder (z.B.: Hezron, Mose, ua.). Mose war ca. 80 Jahre beim Auszug Israels aus Ägypten (Ex 7,7). Matthäus 2 1 freies Zitat aus Micha 5,1.3 (vgl. 60,408ff). 2 2Sam 5,2; 1Chr 11,2 3 Hos 11,1 4 Jer 31,15. Rahel, die Mutter der Stämme Benjamin und Efraim - nicht aber Juda -, wurde bei Rama, etwa 8 Kilometer nördlich von Jerusalem begraben (vgl. 1 Sam 10,2). Zurzeit Jesu vermutete man dieses Grab am Weg von Jerusalem nach Betlehem (vgl. Gen 35,19; 48,7). Noch heute steht dort eine Gedenkstätte (vgl. 47,z.St.). 5 Herodes der Große, geboren 73 v.Chr. als Sohn des Antipater II. von Idumäa und der arabischen Scheichstochter Kypros (also kein Jude), - im Gesamten heirate er 10 Frauen. Er war "König der Juden" von Roms Gnaden und mit großer Autorität ausgestattet. Eingesetzt durch den römischen Senat auf Vorschlag von Antonius und mit Zustimmung von Oktavianus (Augustus), regierte er von 40-4 v.Chr. über Judäa, Galiläa, Samaria, Idumäa und Peräa. Er hatte die Steuerhoheit in Palästina und förderte als Freund und Verbündeter Roms den Kaiserkult. Geschickt überwand er die Opposition, die ihm durch die Juden in Palästina entgegentrat. Er war tapfer und kriegserprobt, aber auch sehr misstrauisch und grausam, was dazu führte, dass er die Anhänger des Antigonus und die noch lebenden Makkabäer der hasmonäischen Familie ausrottete. Sogar seine geliebte hasmonäische Frau Mariamne I. und die beiden Söhne Alexander und Aristobul, die sie ihm geboren hatte, ließ er umbringen. Ebenso ließ er alle Juden, die seiner Regierung Widerstand leisteten, umbringen. Im Jahr 19 v.Chr. begann er das Heiligtum zu renovieren und zu vergrößern, was ihm allerdings auch nicht die Sympathien der Juden einbrachte, da er für sie ein Edomit war und blieb. Im Jahr 6 v.Chr. ging er mit aller Härte gegen die Pharisäer-Partei vor, weil sie verkündeten, dass mit der Geburt des Messias seine Herrschaft enden würde. Das war in etwa auch die Zeit, in welcher der Kindermord in Bethlehem geschah. Obwohl er äußerlich die jüdische Religion praktizierte, baute er trotzdem außerhalb Palästinas heidnische Tempel und Städte zu Ehren von Kaiser Augustus, um dessen Gunst zu behalten. In seinen letzten Regierungsjahren verletzte er öfters absichtlich jüdische Gefühle, z.B. ließ er ein Adlerbild im Tempel aufrichten, was zu Blutvergießen führte. Grässliche Krankheiten im Alter zwangen ihn das Nachfolgeproblem zu lösen. Seine sechs Söhne aus vier Ehen eiferten um die Nachfolge, was von ihm durch willkürliche Hinrichtungen grausamster Art beantwortet wurde. Kurz vor seinem Tod ließ er die angesehensten judäischen Männer im Hippodrom von Jericho mit der Absicht einschließen, sie kurz vor seinem Tod ermorden zu lassen, damit bei seinem Begräbnis ein großes Klagegeschrei in Judäa sei, das bei seinem alleinigen Tod sonst wohl ausgeblieben wäre. Noch fünf Tage vor seinem Tod ließ er seinen erstgeborenen Sohn Antipater hinrichten. Schließlich starb er qualvoll im 37. Jahr seiner Regierung im Alter von 70 Jahren. Mit dem Einverständnis von Kaiser Augustus hatte er sein Reich in drei Teilen an seine Söhne Archelaeus, Herodes Antipas und ihrem Halbbruder Philippus vermacht. Sein Herrschaftsgebiet erreichte in etwa die Größe des Reiches unter König David (33,479f; 34,I,218; 2,5f; 52,II,1090f; 58,250f). 6 Ursprünglich ein Meder, der zur heiligen Kaste gehörte, später auch persische und babylonische Weise und Priester, die außergewöhnliche Kenntnisse in der Sternenbeobachtung, aber auch in der Traumdeutung und anderer geheimer (d.h. okkulter) Künste hatten (1,984). Dann allg.: ein Magier, Wahrsager, Traumdeuter, Astronom, Astrologe und Sterndeuter. Sie wirkten oft als Berater von Königen, Fürsten und reichen Leuten. Durch die Juden im babylonischen Exil, dürfte sich eine Erinnerung an Num 24,17 erhalten haben. Beim Auftreten des neuen "Sterns", schlossen die Weisen daher, dass der neue König der Juden nun geboren sei, und zogen nach Palästina. Für diesen "Stern" gibt es verschiedene Erklärungen. Möglicherweise war es eine Planetenkonjunktion von Jupiter und Saturn im Sternbild der Jungfrau (zu sehen war sie im Mai, Oktober und November des Jahres 7 v.Chr.); oder eine Supernova; oder ein nichtastronomisches wunderbares Phänomen (vgl. 2,5; 34,I,209ff). Es gibt auch eine interessante Erklärung, dass es sich um eine astronomische Planeten-Konstellation im Jahr 3 v.Chr. handelte, wo bei der Geburt Jesu, Sonne, Mond und 12 Sterne um das Sternbild der Jungfrau gruppiert waren. Diese Konstellation soll mit dem jüdischen Neujahrstag, dem Fest des Hornblasens (Rosch ha-Schana) zusammengefallen sein, dass traditionell den Beginn der Herrschaft eines neuen Königs ankündigte; vgl. 1Kön 1,34 (58,202f). Wie dem auch sei, das Wichtigste ist, dass Gott zu den Weisen in "ihrer Sprache" redete, und dass er zu uns in unserer Sprache redet, - durch die Bibel. Wie die Weisen durch den Stern den König suchten, so ist durch die Bibel jeder aufgerufen, den Messias zu suchen. - Es ist undenkbar, dass die ganze folgende Geschichte vom Besuch der Magier eine erfundene "Legende" sei, denn die Juden erwarteten nichts dergleichen in Bezug auf das Kommen des Messias, das einen Grund gebe so etwas zu erfinden (34,I,299). Manche meinen, aufgrund einer Bemerkung bei Justin dem Märtyrer (Dialog, 78), dass die Weisen aus Südarabien kamen, da die mitgebrachten Geschenke besser dazu passen würden (46,19). 7 Herodes Archelaeus der Ethnarch, geb. ca. 23 v.Chr. als Sohn von Herodes dem Großen und seiner vierten Frau, der Samariterin Malthake. Erzogen wurde er mit seinem Bruder Antipas in Rom. Nach der von ihrem Vater Herodes angeordneten Hinrichtung seiner Halbbrüder Alexander und Aristubul, die aus der Ehe von Herodes mit Mariamne I. stammten, wurde Archelaeus zunächst von seinem ältesten Halbbruder Antipater verleumdet, diese Hinrichtung angezettelt zu haben. Antipater, der nach dem Tod der beliebten Mariamne-Söhne, endlich testamentarisch zum Thronnachfolger ernannt worden war, wollte damit den jüngeren Konkurrenten Archelaeus aus dem Weg räumen. Es war jedoch bekannt, dass die Behauptung nicht stimmte. Daraufhin ernannte sein Vater Herodes Archelaeus in der letzten Testamentsfassung kurz vor seinem Tod, zum Thronnachfolger. Antipas aber wurde hingerichtet. Nachdem sein Vater Herodes im Jahr 4 v. Chr., wenige Tage nach der Hinrichtung des Antipater, gestorben war schlug Archelaeus eine jüdische Revolte in Jerusalem nieder und schlachtete an die 3000 Juden im Tempelvorhof. Danach begab sich Archelaeus nach Rom, um von Kaiser Augustus seinen Herrschaftsanspruch bestätigt zu bekommen. Gleichzeitig jedoch schickten vornehme Juden eine Delegation zum Kaiser nach Rom, mit der Bitte, Archelaeus nicht zum Herrscher und König zu machen. Doch Augustus anerkannte das Testament von Herodes und ernannte Archelaos - trotz der Proteste der vornehmen Juden, die die Grausamkeit von Archelaeus fürchteten - zum Ethnarchen über Judäa, Samaria und Idumäa. Er versprach ihm den Königstitel aber nur, wenn er gut regiert. Nach seiner Rückkehr rächte sich Archelaeus und ließ alle seine Gegner abschlachten (vgl. Jesu Anspielung auf dieses Ereignis in Lk 19,12.27). Offiziell führte Archelaeus also nicht den Königstitel, wurde aber volkstümlich König genannt. Von allen Söhnen von Herodes dem Großen hatte Archelaeus den schlechtesten Ruf und übertraf seinen Vater Herodes den Großen noch an Grausamkeit und Willkür. Er war ein tyrannischer und launischer Regent, der Samariter und Juden gleichermaßen schlecht behandelte. Bei den Juden erregte besonders Anstoß, dass er seine erste Frau Mariamne - möglicherweise Antipaters Witwe - verstieß, um Glaphyra, die Frau seines hingerichteten Halbbruders Alexander, zu heiraten (was nach Lev 18,16 verboten war), obwohl diese nach Alexanders Tod mit dem numidischen König Juba II. verheiratet war. Er setzte die pompöse Bautätigkeit seines Vaters fort, da er ein Jahreseinkommen von 600 Talenten aus Steuern und eigenem Besitz hatte. In Jericho stellte er den Königspalast wieder prächtig her. Außerdem leitete er die Hälfte des Wassers, das den Ort Neara versorgte, auf ein mit Palmbäumen bepflanztes Feld und baute zu seinem Andenken einen Ort namens Archelaeus. Doch seine grausame Regierungsart (vgl. Mt 2,22) barg immer mehr die Gefahr einer Revolte der Juden, sodass ihn im Jahr 6 n. Chr. die vornehmsten Juden und Samariter bei Augustus verklagten, welcher ihn auf die Klagen hin durch einen Abgesandten nach Rom berief, ihn in einer ordentlichen Gerichtsverhandlung seines Amtes enthob, mit der Einziehung seines Vermögens bestrafte und ihn anschließend nach Gallien verbannte, wo er noch vor 18 n.Chr. starb. Nach seiner Absetzung wurde Judäa der römischen Provinz Syro-Zilizien eingegliedert und von 6 - 8.n.Chr. vom römischen Präfekten Coponius verwaltet (33,481; 34,I,220; 52,1092; 59,5; Herodes Archelaos - Wikipedia) 8 w. Pl.: von den Sonnenaufgängen, weil im Osten die Sonnenaufgänge sind. In Vers 2 im Sg.: im Osten (34,I,204); od.: "Wir haben seinen Stern im Osten gesehen". Entsprechend in V. 9 (47,z.St.). 9 D.h. sie kamen geografisch aus dem Gebiet östlich von Palästina, das bedeutet aus Babylonien, Persien oder Arabien. 10 Eine Stadt, nördlich von Jerusalem. Hier wurden die Gefangenen aus Juda und Benjamin vor ihrer Deportation nach Babylonien versammelt (Jes 40,1-2). In der Nähe befand sich auch Rahels Grab (1Sam 10,2; Gen 35,1ff; 48,7), die auf dem Weg nach Bethlehem gestorben war (2,z.St.). 11 "...da wurde erfüllt..."; hier im Gegensatz zu Mt 1,22, von der Enderfüllung einer Prophezeiung, die noch keine Teilerfüllung hatte. Siehe diese Redewendung auch noch in: Mt 13,14 und 27,9, und die Anm. bei Mt 2,17. 12 Indem Herodes seine Frage nach der Erscheinung des Sternes stellt, verdunkelt er seine inneren Beweggründe. 13 Joseph und Maria hatten den Stall in dem Jesus aus Platzmangel geboren wurde inzwischen natürlich mit einem festen Haus getauscht, in dem sie nach der Geburt wohnten. Warum sie nicht gleich nach der Geburt wieder nach Nazareth zurückzogen, bleibt offen. Die Wartezeit auf die notwendige Beschneidung und Darstellung im Tempel könnte ein Grund gewesen sein, besonders, wenn Joseph inzwischen Arbeit in Bethlehem fand. 14 In einem so kleinen Dorf wie Bethlehem, werden es wohl nicht mehr als zwanzig Babys gewesen sein. Das erklärt, warum zeitgenössische Schreiber (z.B. Josephus) den Vorfall nicht berichten (34,I,214). 15 Es handelt sich um kein eigentliches Zitat, sondern um eine freie Anspielung auf Jes 4,2; 11,1; Jer 23,5; 33,15; Sach 3,8; 6,12, von dem hebräischen Nezer abgeleitet, das "Zweig oder Spross" heißt, was laut Jes 11,1 eine Weissagung auf den Messias ist. Der Ausdruck erhält von Matthäus den gewünschten Doppelsinn: Der Spross - aus Nazareth (47,z.St.; 54,7; 65,60). 16 Weihrauch ist das weiße Harz eines Strauches, das beim Verbrennen einen aromatisch-duftenden Rauch entwickelte. Myrrhe ein sehr kostbares wohlriechendes Harz afrikanisch-arabischer Herkunft, das in Salbölen und Arzneien verarbeitet wurde (54,z.St.). 17 Der damals kleine und unbedeutende Ort mit etwa 1600-2000 Einwohnern, lag in der Mitte zwischen dem Mittelmeer und dem See Genezareth. Nazareth ist aus dem AT, dem Talmud und Josephus nicht bekannt, sondern spielt nur in der christlichen und spätjüdischen Tradition eine Rolle. In der Nähe der Stadt führten wichtige römische Straßen vorbei, z.B. auch die Karawannenrouten von Südarabien und Ägypten nach Tyrus und Damaskus. Dadurch hatten die Bewohner Verbindungen zum übrigen Land, ja zur damaligen "Welt". In dieser Stadt wuchs Jesus auf. Er verbrachte dort seine Kindheit und seine Jugendzeit bis zum Alter von ca. 30 Jahren (33,819; 46,61ff; 54,2; 65,I,304). Zeitgenössische Keramikausgrabungen deuten auf eine richtige Volkswanderung von Bethlehem nach Nazareth hin (65,I,61.310). Ob diese den gleichen Grund wie bei Joseph hatte (der grausame Herodes Archelaeus in Judäa), ist aber nicht bekannt. Bethlehem war die Geburtsstadt von Joseph, vielleicht auch die von Maria. Möglicherweise zog Joseph schon vor Jesu Geburt nach Nazareth, weil dort, oder im nahegelegenen Sepphoris Zimmerleute gebraucht wurden (65,I,61). 18 D.h. wie lange es her war, dass der Stern das erste Mal erschien, damit er die Geburt dieses Kindes nachrechnen konnte (vgl. Mt 2,16). 19 In neutestamentlicher Zeit bestimmten die Römer, wer in Israel Hohepriester werden konnte. Wenn im Neuen Testament eine Mehrzahl von Hohepriestern erwähnt wird, sind sowohl der amtierende als auch die inzwischen abgesetzten Hohepriester gemeint, sowie weitere Mitglieder aus deren Familien, die hohe Positionen in der Tempelverwaltung innehatten (54,z.St.). 20 Plural, also nicht nur Herodes. Matthäus 3 1 Jes 40,3 (LXX). Im Altertum war es üblich, vor der Ankunft eines Königs in der Provinz, den Weg auf den letzten hundert Metern vor der Stadt einzuebnen (60,62). 2 Die alten Oliven- und Feigenbäume wurden gerne als Brennholz verwendet (65,I,63). Hier und im Bericht des Lukas (Lk 3,7ff) wird uns berichtet, dass sowohl Bußfertige als auch Verhärtete anwesend waren. Die Bußfertigen, die sich von Johannes taufen ließen, werden bei ihrer Wiedergeburt in/mit heiligem Geist getauft (Joh 3,5; Tit 3,5; 1Kor 12,13), die Unbußfertigen (Pharisäer und Sadduzäer) aber mit dem Feuer des Gerichts beim letzten Gericht. Dass mit Feuer hier das Gericht gemeint ist, beweist der Kontext von Vers 10 und Vers 12 (vgl. auch noch Jes 66,24; Jer 4,4; 15,15). Im Markusbericht ist hingegen nur von Bußfertigen die Rede (Mk 1,5), daher fehlt dort der Hinweis auf die Taufe mit dem Feuer des Gerichts. Dass mit dem Feuer eine zweite Erfahrung, die sogenannte "Feuertaufe" mit dem Heiligen Geist, gemeint sei, ist ein theologischer Irrtum. 3 Damit sind das Strohreste und vor allem die Getreideschalen gemeint. Nach der Getreideernte wurden die Ähren von dem geernteten Getreide abgeschnittenen und auf der Tenne ausgebreitet. Danach ließ man Ochsen über die Ähren trampeln, wobei die Körner aus den Ähren hinausgedrückt wurden. Was übrigblieb war ein durchmischter Haufen von Körnern und Spreu. Bei windigem Wetter wurde dann auf der Tenne mit der hölzernen Worfschaufel das gesamte Material in die Höhe geworfen, worauf der Wind die leichtere Spreu wegblies, während das schwerere Korn zu Boden fiel, einen Haufen bildete, und danach in die Scheune gebracht wurde (33,19). Das Stroh und die Spreu wurden als Heizmaterial verwendet. Unwillkürlich wird man an Sprüche 16,4 erinnert (37,100). Vgl. Lk 3,17; LXX: Hiob 39,12. 4 od.: "aufgrund von...", wie Apg 2,38; Mt 10,41; 12,41 (1,463). 5 od. toleratives Pass: "ließen sich taufen", Impf.: d.h. einer nach dem anderen. 6 Die Herrschaft über die Schöpfung wurde den ersten Menschen gegeben (Gen 1,26-28). Durch den Sündenfall wurde diese Herrschaft verloren und Satan wurde der "Fürst dieser Welt" (Mt 4,8-10; Joh 14,30). Doch Gottes Ziel blieb die Aufrichtung eines weltweiten Königreiches, wozu er Israel als Trägernation auserwählte (Dtn 7,6). Dieses irdische Königreich endete jedoch mit der Wegführung der Juden nach Babylon (Hos 3,4-5). Daher wurde das Königreich Israels "die verfallene Hütte Davids" genannt, die erst bei der Wiederkunft Christi wiederaufgerichtet werden soll (Apg 15,16; Am 9,11-15). Gott hatte durch die Propheten ein zukünftiges Königreich auf dieser Erde unter der Führung des Messias-Königs versprochen (Jes 9,5.6; Jer 23,5-8). Als der Herr Jesus auf diese Erde kam und als König geboren wurde, kündigte er gleich zu Beginn seiner Predigttätigkeit dieses Königreich als unmittelbar bevorstehend an. Die Juden lehnten jedoch sowohl ihn als König, als auch seine Königsherrschaft ab (Lk 19,12-14). Seit dieser Ablehnung besteht das Königreich als Geheimnis (siehe die Gleichnisse in Mt 13) bis zur öffentlichen Erscheinung Jesu Christi auf Erden. Erst dann wird es sich erfüllen im tausendjährigen Friedensreich Christi auf dieser Erde, so wie es vorausgesagt wurde (Dan 2,35; Dan 7,13-14; Lk 1,32.33; Lk 19,15; Offb 11,15-17). 7 Selbstbezeichnung der Frommen, die in peinlicher Erfüllung des Gesetzes das Heil erblickten und daher den ganzen Lebensalltag mit einem Zaun von Vorschriften umgaben. Obgleich sie ursprünglich keine eigentliche Sekte bildeten, sondern nur eine Richtung der volkstümlichen jüdischen Frömmigkeit repräsentierten, hat man sie später doch als solche bezeichnet. Sie führten ihren Ursprung auf Esra zurück. Sie glaubten an die Unsterblichkeit der Seele, an die leibliche Auferstehung, an die Souveränität Gottes und an die göttliche Erwählung des Volkes Israel. Für sie waren alle Schriften des AT inspiriert und verbindlich und sie versuchten auch danach zu leben, indem sie die Gebote peinlichst genau und buchstäblich befolgten oder dies zumindest von anderen forderten. Deshalb rügt Jesus sie für ihre Heuchelei, für ihre Betonung von Nebensächlichkeiten auf Kosten des Wichtigeren, und dafür, dass sie die Überlieferungen der Alten gleich viel, ja manchmal sogar mehr gelten lassen als Gottes Wort. Sie hatten ihre Anhänger eher bei der einfachen Bevölkerung. Nicht nur die Gebote der Schrift selbst waren für sie verbindlich, sondern auch, wie diese aufgrund der "Überlieferung der Ältesten" praktisch anzuwenden seien. 8 Sie waren meist von den Mitgliedern der priesterlichen Aristokratie, römerfreundlich und der hellenistischen Kultur samt ihrem Gedankengut gegenüber mehr aufgeschlossen als die Pharisäer, weshalb sie im Gegensatz zu den Pharisäern standen. Weder glaubten sie an die Unsterblichkeit der Seele noch an eine leibliche Auferstehung. Für sie waren nur die fünf Bücher Mose verbindlich, und die Befolgung des Gesetzes konzentrierte sich vor allem auf die genaue Erfüllung des priesterlichen Gottesdienstes im Tempel. Jesus rügt sie wegen ihrer Unkenntnis der Schriften und wegen ihres Unglaubens. 9 Dieses sichtbare Kommen des Heiligen Geistes war notwendig, damit Johannes sicher wissen konnte, dass Jesus der verheißene Messias nach Jes 42,1 ist (vgl. Joh 1,32). Den gleichen Grund werden auch die sichtbaren Feuerzungen zu Pfingsten gehabt haben (Apg 2,3). 10 Nahrung und Kleidung weisen auf den Prophetenberuf und auf die asketische Lebensweise des Täufers hin. Er wird nach dem Vorbild des Propheten Elija beschrieben, - der ebenfalls am Unterlauf des Jordan wirkte (vgl. 2Kön 1,8; 2,1-18), - als auch in Anlehnung an Mal 3,23-24. 11 Mit den aramäischen Wörtern für Kinder und Steine kann man ein Wortspiel machen (65,I,63). 12 Dies war der niedrigste Sklavendienst. Johannes, der laut Jesus der größte unter den Menschen war, war in seinen eigenen Augen ganz gering im Vergleich zu seinem Herrn. Diese Haltung erwartet Jesus auch von seinen Jüngern. 13 Es stellt sich die Frage, warum sich Jesus von Johannes taufen ließ, obwohl er kein Sünder war und diese Taufe zur Buße daher nicht nötig hatte. Die oft vorgetragene Ansicht, dass er uns ein ermutigendes Vorbild für die christliche Erwachsenentaufe geben wollte, ist zu verwerfen. Denn die christliche Taufe ist für jeden Neubekehrten ohnehin ein klares Gebot Jesu (Mk 16,16) und wurde von den ersten Gemeinden unverzüglich nach der Bekehrung ausgeführt (Apg 2,38.41 ua.). Der wahrscheinlichste Grund dürfte sein, dass er dadurch vor dem ganzen Volk bestätigen wollte, dass die Taufe von Johannes von Gott war (vgl. Joh 1,25-27; Mt 21,24.25). 14 Vgl. Gen 22,2; Ps 2,7; Jes 42,1; Mt 12,18; 17,5; Mk 1,11; 9,7; Lk 3,22; 9,35 15 Der Jordan ist der wichtigste Fluss Israels, der als geologisches Phänomen das tiefstgelegene Tal der Erde durchfließt. Er entspringt im Norden im Gebiet des Berges Hermon, etwa 500 m über dem Meeresspiegel, und mündet 200 km südlich ins Tote Meer, dessen Wasserspiegel sich 392 m unter Meeresniveau befindet. Die Taufstelle ist traditionell 7 km nördlich vom Toten Meer zu suchen (54,z.St.). Matthäus 4 1 Die erste Versuchung bestand darin, dass Jesus seine berechtigten Bedürfnisse selbst befriedigen sollte. Der Hintergrund für das Schrift-Zitat ist Dtn 8,2-3. Die drei Schrift-Zitate, mit denen Jesus dem Satan widersteht, sind alle bewusst aus der Wüstenwanderung des Volkes Israel gewählt. Dies ist kein Zufall. - Obwohl die 40 Tage des Fastens vorbei waren, verweigert es Jesus sich selbst mit Brot zu versorgen. Er will immer, jetzt und auch später, völlig von Gott abhängig sein und darauf warten, bis ihn Gott selbst durch Engel versorgt (Mt 4,11b; vgl. Ps 78,24-25; 146,7). Er hätte auch Ex 16,4 zitieren können, doch diese Bibelstelle hätte die Abhängigkeit von Gott nicht so klar zum Ausdruck gebracht. 2 Vielleicht ein Epileptiker, den Symptomen nachzuschließen. Bei Griechen war Epilepsie jedoch noch nicht bekannt. Es könnte sich auch um verschiedene Arten von Geisteskrankheiten handeln, oder um Anfallskrank- heiten, die ein Mensch nicht steuern kann (2,18; 54,z.St.). 3 Ps 91,11-12; d.h. bildl.: damit dir nichts passiert. 4 Dtn 6,16 (LXX). 5 Dtn 5,9; 6,13 (LXX). Jesus fügt das Wort allein mit Nachdruck in das AT-Zitat ein. 6 Jes 8,23 - 9,1 7 Ein Hochseenetz, dass von einem oder zwei Booten aus zum Fischen im tiefen Wasser verwendet wurde. Im NT das normale Wort für die Fischernetze die die Jünger verwendeten. Zum Auswerfen wurde es an beiden Enden von den Fischern gehalten, und dann über die Schultern vom Boot aus ins Wasser geworfen. Es breitete sich dabei auf der Wasseroberfläche aus und sank dann, dank der Bleigewichte an seinen Rändern, in die Tiefe, wobei es den Fischschwarm darunter wie in einer Glocke umfing. Wenn es voll mit Fischen war, wurde es wieder ins Boot gezogen, falls der Fang nicht zu schwer war (vgl. 15,VI,343ff; 46,145). In Vers 18 handelt es sich wahrscheinlich um die gleiche Art von Netz, obwohl Matthäus dort ein anderes Wort (Strong Nr. 293) verwendet, weil er beschreiben möchte, wie die Jünger gerade ein Wurfnetz, an beiden Enden haltend, in den See werfen. - Auch eine allgemeine Bezeichnung für Netze aller Art, z.B. in der LXX für das Vogelnetz oder für ein "Netz" im übertragenen Sinn. 8 Matthäus berichtet die Versuchungen, im Gegensatz zu Lukas, in ihrer chronologischen Reihenfolge. Lukas bringt die 2. und 3. Versuchung in umgekehrter Reihenfolge. Die historische Reihenfolge ist aber die von Matthäus, denn er verbindet die einzelnen Versuchungen mit den Wörtern "dann..." und "daraufhin...", und "wiederum...", im Sinne zeitlich nachfolgender Ereignisse, während Lukas die Ereignisse nur mit "und..." verbindet. Außerdem ist der barsche Befehl Jesu: "Weg mit dir, Satan!", nur nach der zeitlich letzten Versuchung sinnvoll, worauf es dann bei Matthäus auch sinngemäß heißt: "Dann verlässt ihn der Teufel". Lukas hat offenbar aus thematischen Gründen die Abfolge verändert (54,z.St.). 9 od.: "an der Meeresstraße ("via maris") von Ägypten nach Damaskus gelegen" (vgl. 2,16). Der See Genezareth ist etwa 21 km lang und 11 km breit, 50 m tief und liegt ca. 211 m unter dem Meeresniveau. Er wird vom Jordan durchflossen und war sehr fischreich. Durch seine tiefe Lage wurde das Gebiet öfters von Niederdruckwetter und plötzlichen stürmischen Fallwinden heimgesucht. (33,404; 46,130). 10 Ein freies Zitat von Jes 8,23 - 9,1. Im AT waren diese Stämme die ersten die von den Assyrern 732 v.Chr. weggeführt wurden (2Kön 15,29), daher war das Gebiet am See Genezareth wie ganz Galiläa in der Folgezeit auch von vielen Heiden bewohnt. Im Auftreten Jesu in Galiläa sieht Matthäus einen Hinweis darauf, dass das Wirken Jesu auch den Heiden gilt. Nun sind sie die ersten die das Evangelium hören (2,16; 47,z.St.). 11 Nur Matthäus unterscheidet zwischen "Königreich Gottes" und "Königreich der Himmel", da er beide Ausdrücke gebraucht. Er will ja zeigen, dass Jesus der "Sohn Davids", der "König Israels" ist (Mt 1,20; 2,2.6; 27,11.29.37; 28,18), derjenige also der das irdische Königreich Davids wieder aufrichten soll. Der Ausdruck " Königreich Gottes", den er nur viermal benützt, bezeichnet bei ihm ganz allgemein Gottes ewige und souveräne Herrschaft über die ganze Schöpfung einschließlich der Engel und der Dämonen (siehe die Beispiele unten). Das "Königreich der Himmel" hingegen umfasst bei ihm nur Menschen auf dieser Erde, und zwar sowohl gute als auch böse (vgl. Mt 1,24ff. ua.), wobei die Bösen sich nur äußerlich unter die Herrschaft dieses Königreiches stellen (vgl. Mt 7,21-23). Dieses "Königreich der Himmel" wurde schon von Daniel prophezeit (Dan 2,44) und dann, sowohl von Johannes dem Täufer als auch von Jesus selbst, als nahe bevorstehend angekündigt (Mt 3,2; 4,17), letztlich jedoch von den Juden abgelehnt. Seit dieser Ablehnung besteht es als Geheimnis (Mt 13) bis zur öffentlichen Erscheinung Jesu Christi auf der Erde. Erst dann wird es sich erfüllen in dem tausendjährigen Königreich Christi auf dieser Erde so wie Daniel es voraussagte und wie es schon dem David von Gott zugesagt wurde (2Sam 7,12-16; Heb 1,5; Ps 89,28.50; Lk 1,32.33; Apg 13,34; Offb 1,1). Demnach verwendet Matthäus den Ausdruck "Königreich Gottes" nur 4-mal und immer mit der besonderen, oben gezeigten, Bedeutung, und zwar: (1.) In Mt 12,28: für Gottes souveräne Herrschaft über die Dämonen, wenn der Herr Jesus sie durch den Finger (d.h. die Kraft) Gottes austreibt. (2.) In Mt 19,24: ins Königreich der Himmel einzugehen, d.h. sich auf dieser Erde unter Gottes Herrschaft zu stellen, ist für einen Reichen schon schwer genug. Doch ins Königreich Gottes einzugehen, d.h. wirklich gerettet zu werden (vgl. Vers 25), ist für einen Reichen menschlich unmöglich. Das kann nur Gott bewirken. (3.) In Mt 21,31: die Zöllner und Huren werden, wenn sie sich dem Willen Gottes unterordnen, d.h. wenn sie glauben (vgl. Vers 32), ins Königreich Gottes eingehen, d.h. gerettet werden. Die Pharisäer hingegen, die sich nur äußerlich Gott unterordnen und nicht glauben, werden nicht ins Königreich Gottes eingehen, d.h. nicht gerettet werden. (4.) In Mt 21,43: Das Königreich Gottes (und eben nicht das Königreich der Himmel, welches das verheißene Königreich Davids ist) wird den Juden weggenommen und einer anderen Nation, nämlich der Gemeinde gegeben. 12 Auch Mose fastete 40 Tage und Nächte (Ex 34,28) und das Volk Israel zog 40 Jahre durch die Wüste. 40 ist die symbolische Zahl für Prüfung. Normalerweise wird zuerst die Nacht und dann der Tag genannt (z.B. Mk 4,27; 5,5; Lk 2,37; Apg 20,31; 2Kor 11,25; 1Tim 5,5 ua.), weil bei den Juden der neue Tag bereits am Abend nach Sonnenuntergang begann, daher: "Nacht und Tag". Hier aber ist es umgekehrt, weil es frühmorgens war und mit dem Ende der 40.Nacht ging auch das Fasten zu Ende, dass sich Jesus vorgenommen hatte. Es ist also kein Zufall, dass der Teufel noch einmal frühmorgens, kurz nach Ende des Fastens, Jesus in allen drei Bereichen seines Menschseins (Leib, Seele, Geist) versucht und zu Fall bringen möchte. Doch Jesus widersteht dieser Versuchung und wartet, bis Gott selbst ihm Speise gibt (Mt 4,11b; Mk 1,13c). Da er in allem versucht wurde wie wir (Heb 4,15), können wir aus diesen Versuchungen Jesu auch erkennen, wie der Satan uns versucht, und von Jesus lernen, wie man ihm widersteht. 13 το πτερυγιον (w.: die kleine, äußerste Flügelspitze). Wahrscheinlich ein flügelartiger Vorsprung an der Südostecke eines Nebengebäudes des Heiligtums, ca. 50 m hoch (46,312), direkt über dem Vorhof der Priester, gegenüber dem Tempelschrein. Jeden Morgen bei Tagesanbruch stand auf diesem Vorsprung ein Priester und beobachtete die anbrechende Morgendämmerung, um seinen Priesterkollegen dann den richtigen Zeitpunkt für das tägliche Morgenbrandopfer zuzurufen. Diese bliesen daraufhin in die Trompeten und das fromme Volk versammelte sich im Vorhof zum Morgengottesdienst. Offenbar kurz nachdem der Priester seinen Platz verließ, führte der Teufel Jesus auf diese Zinne. Hätte Jesus dem Wunsch des Teufels entsprochen und wäre hinuntergesprungen, wäre er beim Morgenopfer im Vorhof der Priester direkt vor den Priestern und dem versammelten frommen Volk gelandet. Sie hätten ihn sicherlich aufgrund von Mal 3,1 als ihren Messias angenommen und er hätte sich den Weg ans Kreuz erspart (vgl. 34,I,303). Genau das beabsichtigte der Teufel, ebenso wie in Mt 16,22-23; 27,40. Was ihm bei Jesus nicht gelang, wird ihm jedoch in Zukunft bei seinem falschen Messias, dem Antichristen gelingen (vgl. Joh 5,43; Offb 13,11ff). Ihn werden die abtrünnigen aus Israel als ihren Messias anerkennen. 14 Damals ein florierendes Fischerdorf mit ca. 130 Einwohnern, am NW-Ufer des Sees Genezareth, 4 km westlich der Jordaneinmündung, 210 m unter dem Meeresspiegel gelegen und ziemlich sicher der heutige Ausgrabungsort "Tel Hum". Es besaß eine Zollstation, sowie einen Polizei- und Militärposten, ebenso eine Synagoge, deren Reste ausgegraben wurden. Nach Lk 7,5 hatte ein römischer Centurio die Synagoge erbauen lassen. In unmittelbarer Nähe entsprangen sieben Quellen. Das Haus des Petrus wurde dann im 4.Jhdt. zu einem Kirchengebäude umgebaut (33,177; 52,III,112; 46,149f.158f). 15 Es war tatsächlich ein mehrere hundert Meter hoher mühsamer Aufstieg aus dem Jordantal in die gebirgige Wüste Juda (heute: Quarantania), und dann weiter in das ca. 700 m hoch gelegene Jerusalem auf die Zinne des Tempels (46,103f; 20,149). 16 Der "hohe Berg", auf den der Teufel Jesus zuletzt führte, war entweder der direkt neben dem Tempel gelegene 818 m hohe Ölberg, von dem man einen grandiosen Ausblick hatte und von wo auch der vergoldete Tempel Salomos im Licht der aufgehenden Sonne erstrahlte, oder der Berg auf dem die Burg Dok stand, oder der 599 m hohe "ras et-tawil" östlich von Michmas, oder der spitze und hohe Kalksteinberg dschebel kuruntul (46,106f; 20,149). Aber natürlich war das, was der Teufel Jesus anschließend zeigte eine übernatürliche Schau. 17 Ein Fischernetz, 3-5 m im Durchmesser, das vom Boot aus, oder stehend im seichteren Wasser, zum Fischen verwendet wurde. Zum Auswerfen wurde es an beiden Enden von den Fischern gehalten, und dann über die Schultern und den Kopf ins Wasser geworfen. Es breitete sich dabei kreisförmig auf der Wasseroberfläche aus und sank dann, dank der Bleigewichte an seinen Rändern, in die Tiefe, wobei es den Fischschwarm darunter wie in einer Glocke umfing und im Netz verstrickte. An einer Schnur in der Mitte, wurde das Netz dann wieder ins Boot oder an Land gezogen. Die Fische wurden aussortiert und das Netz anschließend von den Fischern gereinigt und ausgebessert. Wahrscheinlich bezeichnet dieses Wort die gleiche Art von Netz wie im Vers 20-21 (dort Strong Nr. 1350). Matthäus verwendet aber in hier in Vers 18 dieses Wort, weil er beschreiben möchte, wie die Jünger gerade dabei waren, das Wurfnetz, an beiden Enden haltend, über ihre Köpfe in den See zu werfen (46,144). 18 Der See von Galiläa ist der See Genezareth im Norden Israels. Er ist 21 km lang und bis zu 14 km breit, wird vom Jordan durchflossen und liegt etwa 209 m unter dem Meeresspiegel (54,z.St.). 19 w.: Zehnstädtegebiet. Ein Bund von zehn freien Städten im Ostjordanland, die von griechischer Kultur und gemischter Bevölkerung geprägt waren (54,z.St.). 20 Rechtzeitige Flucht ist nicht immer Feigheit, es kann auch Klugheit sein, um einer Anfeindung zu entgehen, die Gott noch nicht für einen vorgesehen hat (vgl. auch Mt 4,12; 10,23; 12,15; Mk 3,7; Lk 21,21; Joh 8,59; 10,39; Apg 8,1; 14,6; Spr 22,3; Jes 52,11). Sie sollte aber nicht in erster Linie dazu dienen, die eigene Haut zu retten, sondern, dass man anderswo Gott besser dienen kann. 21 Zumindest Andreas und Petrus, aber wahrscheinlich auch Johannes, hatten schon davor zu Jesus gefunden (Joh 1,35ff). Hier werden sie für die nächsten drei Jahre in die persönliche und aktive Nachfolge berufen. 22 Die Versuchungen Satans erfolgten während der ganzen 40 Tage des Fastens (Lk 4,2b). Nach Ende der 40 Tage versuchte ihn der Satan nochmals in allen drei Ebenen des menschlichen Wesens: (1.) der körperlichen: er erscheint als listige Schlange. (2.) der seelischen (Gefühle, Empfindungen, Wünsche, Sehnsüchte): er erscheint als Engel des Lichts und zitiert fromm die Schrift aus dem Zusammenhang gerissen. (3.) der geistlichen Ebene: er erscheint als der brüllende Löwe, indem er sein wahres Gesicht zeigt und Anbetung fordert. Auf die gleiche Art versuchte er schon Eva im Garten Eden (Gen 3,6). Körperlich: "gut zur Speise"; seelisch: "eine Lust für die Augen"; geistlich: "begehrenswert, um Einsicht zu geben". Da Christus "versucht wurde in gleicher Weise wie wir" (Heb 2,18; 4,15), werden auch wir in allen diesen drei Bereichen vom Satan versucht. Wir können vom Herrn lernen, wie man diesen Versuchungen durch Gehorsam gegenüber Gottes Wort widerstehen kann. Matthäus 5 1 Ex 20,13; Dtn 5,17 2 Ex 20,14; Dtn 5,18 3 Ex 21,24-27; Lev 24,18-21; Dtn 19,21. In der LXX wird mit dem griechischen Wort αντι (= anstelle von...) das hebräische Wort tahat wiedergegeben, welches bedeutet: "um den Wert/Preis von...". Es ist also auch im AT keineswegs buchstäblich gemeint, sondern im Sinne eines Schadenersatzes und als Maßnahme gegen Rachsucht (2,z.St.). 4 Lev 19,18 5 Der Überbegriff πορνεια (Unzucht, Hurerei) beinhaltet jeglichen sexuellen Verkehr außerhalb einer regulären Ehe zwischen einem Mann und einer Frau: (1.) Den verheimlichten vorehelichen Geschlechtsverkehr (Dtn 22,13-14.20-21), - jedenfalls den in der Verlobungszeit (Mt 1,19). (2.) Den sexuellen Ehebruch, Affäre, "Seitensprung". (3.) Die illegitimen Ehen (Inzest; hebr.: zenut) in Lev 18,6ff; 1Kor 5,1 (4.) Den rechtlichen Ehebruch, d.h. das "böswillige Verlassen des Ehepartners" wie in Richter 19,2, wo ein Ehepartner sich weigert die Ehe weiterzuführen. Darunter könnte man vielleicht auch die permanente Verweigerung des Geschlechtsverkehrs (vgl. 1Kor 7,15) einbeziehen, sowie passive Homosexualität eines Ehepartners, die zur Verweigerung des ehelichen Geschlechtsverkehrs führt. (5.) Pädophilie und Sodomie (40,342). - Viele verstehen unter πορνεια allerdings nur den sexuellen Ehebruch, was aber exegetisch nicht haltbar ist, denn Hurerei (πορνεια) und Ehebruch (μοιχεια) sind im Griechischen zwei verschiedene Begriffe und werden im NT sowohl von Jesus (Mt 15,19; Mk 7,21) als auch von den Aposteln (1Kor 6,9; Heb 13,4) unterschieden. Der Begriff Unzucht (πορνεια) beinhaltet zwar auch den Ehebruch, ist aber ein weitergehender Überbegriff. - Wieder andere wollen unter πορνεια nur die nach dem Gesetz Mose unerlaubten Verwandschafts-Ehen verstehen (vgl. Lev 18,6ff; Mt 14,4), also den Inzest, der in modernen Gesellschaften ohnehin verboten ist, womit es heutzutage überhaupt keinen legitimen Scheidungsgrund mehr gebe. Diese Auslegung ist sehr unwahrscheinlich, denn die Zuhörer Jesu hätten ihn ohne genauere Erklärung kaum so verstehen können, da es in der jüdischen Bevölkerung solche Ehen gar nicht gab, weil sie nicht erlaubt waren. Es wäre sozusagen "totes Recht" gewesen. Die Inzest-Ehe von Herodes mit Herodias war eine Ausnahme, die er sich nur als König erlauben konnte. Wenn es keinen erlaubten und von Gott geduldeten Scheidungsgrund gebe, wäre die Regelung von Paulus im 1Kor 7,11.15 inkonsequent und gegen das Wort Jesu. Das ist undenkbar. Vergleiche auch die Anmerkungen bei Mt 19,3.31. - Manche argumentieren, die "Ausnahmeklausel" würde sich aufgrund der grammatischen Zwischenstellung im Satz nur auf das Recht zur Scheidung, nicht aber auf ein Recht zur Wiederheirat beziehen. Grammatisch ist dies zwar möglich, aber dennoch unwahrscheinlich, weil die Zuhörer Jesu das nicht so verstanden hätten. Jesus hätte sich klarer ausgedrückt, wenn er das gemeint hätte, denn die erlaubte Wiederheirat nach einer Scheidung war bei den Juden selbstverständlich (65,II,266), und in Dtn 24,1-4 impliziert. Sogar Gott selbst hat seiner abtrünnigen "Frau" Israel im übertragenen Sinn den Scheidebrief gegeben, und sich dann mit einer anderen "Frau", nämlich der Gemeinde, verlobt (vgl. Jer 3,1.8; Jes 50,1; 2Kor 11,2; Offb 19,7). 6 Hier der Prozessgegner, dem man etwas schuldet. Nach jüdischem Recht darf er vor Gericht nur das billigere Unterhemd einfordern, der Mantel muss dem Armen bleiben, damit er in der Nacht nicht friert. 7 Den Sinn von jemanden ändern, d.h. die Freundschaft mit jmdm. erneuern, und zwar nach Trennung, Feindschaft oder Streit. Es wird eine gegenseitige Feindschaft vorausgesetzt, auf welche dann auch eine beidseitige Versöhnung erfolgt, ein Gedanke der im Synonym κατ-αλλασσω (Strong Nr.: 2644) nicht enthalten ist. 8 Bei den Römern eine Distanz von 1000 Doppelschritten das entspricht 8 Stadien, also ca. 1478 Meter (33,1249), hier entweder im übertragenen Sinn gemeint oder, jemanden zwingen sein Gepäck zu tragen, was römische Soldaten oft von den Einheimischen verlangten, durch deren Gebiet sie zogen. Römische Soldaten konnten einen Juden jederzeit zu einer wegkundigen Begleitung oder zum Lastentragen zwingen (vgl. Mt 27,32), allerdings nur für eine Meile (54,z.St.; 21,I,112). 9 entw. spez.: seine auserwählten Jünger; od. eher: alle die ihm nachfolgen. - Die Bergpredigt umfasst bei Lukas nur 30 Verse (LK 6,20-49). Matthäus hat aus der Kurzfassung der Bergpredigt, und vielleicht auch aus anderen Worten Jesus, unter der Leitung des Heiligen Geistes, eine große Rede über die wahre Gerechtigkeit geschaffen. Er stellt Jesus dabei als den neuen Mose dar, der auf einem Berg die rechte Auslegung des Gesetzes lehrt (5,1-2.17-19). Der Berg auf dem Jesus lehrt, entspricht dem Berg Sinai des Alten Bundes. Die Bergpredigt weist folgende Gliederung auf: (1.) Einleitung (5,1-20); (2.) die sechs Antithesen (5,21-48); (3.) die wahre Frömmigkeit (6,1 - 7,11); (4.) Schlussermahnungen (7,12-27). Diese Rede bildet eine Art Anleitung für das Leben als Jünger Jesu (47,z.St.). 10 D.h. vergleiche dich mit deinem Prozessgegner, dem du etwas schuldest, solange es noch geht. 11 Die kleinste römische Reichsmünze (ca. 1/4 Kupfer-As), das entspricht dem 64-sten Teil vom Tageslohn eines Arbeiters. Der ehemalige Zöllner Matthäus denkt noch immer in römischen Münzen und nicht in der noch kleineren jüdischen Lokalmünze Lepta (Mk 12,42). Das ganze Beispiel (Vers 23-26) geht also davon aus, dass man bei dem Prozessgegner (= einem Bruder) in einer Schuld steht, die man bis zur kleinsten römischen Münze zurückzahlen muss. Die Anwendung ist folgende: wenn man nicht bereit ist den Bruder um Vergebung zu bitten, kommt man in eine Art geistliches Gefängnis, solange bis man bereit ist um Vergebung zu bitten. Tut man das nicht, wird die Sache wohl von Gott selbst gerichtet. Vgl. Mt 18,34 12 Nämlich rechtlichen Ehebruch durch eine unerlaubte Wiederheirat. In 1Kor 7,10-11 regelt Paulus diesen Fall einer unerlaubten Scheidung. Der Partner, der sich scheiden ließ, muss entweder unverheiratet bleiben oder sich wieder mit seinem geschiedenen Partner versöhnen. Beim Thema Scheidung und Wiederheirat bleiben also nur zwei Möglichkeiten der Auslegung: (1.) entweder jede Wiederheirat ist Ehebruch, oder: (2.) Ehebruch bei einer Wiederheirat liegt nur vor, wenn die Scheidung vom Partner nicht aufgrund von Hurerei geschah. Im ersten Fall hätte Jesus die Bestimmung in Dtn 24,1-4 aufgelöst (vgl. aber Mt 5,17). Im zweiten Fall hätte er sie richtig ausgelegt und angewendet, wie auch Paulus in 1Kor 7,10-11. Vgl. auch die Anm. unten zu Mt 5,31 13 Jemanden ohrfeigen war nicht nur schmerzlich, sondern auch eine der schwersten Beleidigungen (2,26; 65,I,331). 14 Das römische System der Steuererhebung in den Provinzen unterschied drei Stufen von Beamten. Der höchste Beamte war der "publicanus", der eine bestimmte Summe Geldes als Steuer für eine ganze Provinz bei der Regierung in Rom abliefern musste. Er versuchte so viel wie möglich an Steuern aus seiner Provinz herauszupressen. Dieser Beamte hatte seinen Amtssitz in Rom. Darunter kamen die "submagistri" (Strong Nr.: 754), die ein bestimmtes Gebiet in einer Provinz verwalteten, und auch in dieser Provinz lebten. Auch sie versuchten so viel wie möglich an Steuern aus ihrem Gebiet herauszupressen. Unter diesen standen dann an letzter Stelle die "portitores" (Strong Nr.: 5057). Sie waren fast immer einheimische Juden und die eigentlichen Steuereinnehmer. Wegen ihrer Methoden bei der Geldeintreibung und ihrer Verunreinigung im Umgang mit Heiden waren sie bei ihren jüdischen Landsleuten besonders verhasst und gemieden. Sie saßen im Zollhaus bei den Stadttoren, um den Zoll von den Händlern einzuheben. Natürlich versuchten auch sie einen möglichst großen persönlichen Gewinn für sich herauszuschlagen. An dieser Stelle sind die "portitores" gemeint. 15 Das griechische Wort μοδιος bezeichnet ein Holzgefäß, das sowohl als Hohlmaß (von 8,75 Litern) für das Messen von Getreide, als auch zum Abdecken des Lichtscheins und zum Auslöschen von Öl-Lampen benutzt wurde (vgl. 33,1249; 47,z.St.). 16 Gehenna ist eine Talschlucht südlich von Jerusalem, wo unter König Ahas (2Kön 16,3) abscheuliche Kinderopfer stattfanden. Unter König Josia wurde der Ort entweiht und seit dieser Zeit als "Müllhalde" Jerusalems verwendet, wo die toten Tierkadaver und die Abfälle der Stadt in einem ständigen Feuer verbrannt wurden. Bildlich übertragen auf die "Hölle" als dem Ort und Zustand der ewigen Verdammnis. 17 w.: töricht machen, ein Wortspiel (65,I,71). Salz galt als rein(igend), als Schutz gegen Fäulnis, als Konservierungsmittel (für Fische, Fleisch, Gemüse), als Geschmacksverstärker in Speisen, und auch in der Medizin wurde es verwendet. Die Gläubigen sind das Salz der Erde, weil Salz faden Speisen einerseits Geschmack verleiht, andererseits bewahrt es sie vor Fäulnis. So soll sich das Verhalten der Jünger Jesu auf die sie umgebende Gesellschaft auswirken (20,416f). - In Palästina wurde das Salz aus den Felsen nahe des Toten Meeres gewonnen. Daher war die äußere Schicht der Salzkristalle oft von Unreinigkeiten und chemischen Veränderungen beeinträchtigt und das Salz hatte nicht den gleichen Würzungsgrad wie unser modernes, industriell gereinigtes Salz. Obwohl also Salz in seiner Reinform seine Würzkraft auch über hunderte von Jahren nicht einbüßen kann, führten die Bedingungen, unter denen es im Altertum aufbewahrt wurde, im Laufe der Zeit zu Verunreinigungen und chemischen Prozessen, die die Würzkraft des Salzes minderten oder sogar ganz aufhoben (20,417). Wenn Salz durch Verunreinigungen seine Salzkraft eingebüßt hatte, wurde es auf schlüpfrige Wege gestreut. Auf all das spielt Jesus in seiner Bildrede an. Auch seine Jünger könnten durch Vermischung mit den Prinzipien der Welt ihre moralische Autorität in der Welt einbüßen (vgl. 1,291; 21,I,101f; 33,1056; 42,1184f). 18 Der Ausdruck "Hohlkopf" schmäht den Menschen in Bezug auf seinen Verstand, der Ausdruck "gottloser Narr" aber in Bezug auf sein gottloses Herz und seinen verdorbenen Charakter. 19 Der Hohe Rat, das Synedrium, war zu jener Zeit der oberste Gerichtshof Israels. Er bestand aus dem Hohepriester und 70 Personen, die zu drei Gruppen gehörten: den ehemaligen Hohepriestern und Angehörigen der Tempelhierarchie, den Ältesten (geachtete Männer aus den führenden Familien) und den Gesetzeslehrern, die hauptsächlich zur Partei der Pharisäer gehörten (54,z.St.). 20 Oder der Mantel, ein großes quadratisches Stück festen Stoffs, das über dem Untergewand (eine Art Hemd, das bis zu den Knien reichte) getragen wurde. Man konnte auch Gegenstände darin tragen, und die Armen, z.B. Hirten, wickelten sich nachts darin ein (54,z.St.). Hier ist nicht wie in Lk 6,29 der Räuber gemeint, der beim Überfall das Oberkleid an sich reißt, sondern eben der Prozessgegner, der nur das Unterkleid einklagen durfte, damit sich der Arme in der Nacht wenigstens im Oberkleid einwickeln konnte und nicht erfror. 21 Wahrscheinlich Gen.obj.: "...Licht für die Welt"; od. Gen.subj.: "...Licht in der Welt". - Diese Welt ist in moralischer Finsternis. Solange Jesus auf dieser Erde lebte, war er das Licht für die Welt (Joh 8,12; 9,5; 12,35-36). So wie er durch sein innewohnendes göttliches Leben das Licht für die Welt war (Joh 1,4-5), genauso sind seine Jünger seit Pfingsten durch das göttliche Leben, welches durch den Heiligen Geist in ihnen wohnt, das Licht für die Welt. Dieses göttliche Leben offenbart sich erstens in ihren guten Werken, - die Frucht des Geistes (Gal 5,22), - an denen die Menschen erkennen, dass sie von Gott bewirkt sind (Mt 5,16; Kol 4,5), und zweitens durch ihr Reden in Weisheit (Kol 4, 6). Das Resultat wird das Gleiche sein wie bei Jesus (Joh 3,19-21). 22 Mose gestattete die Scheidung mittels eines Scheidebriefes, - aber nur zum Schutz der Frau (Dtn 24,1-4). Im gleichen Sinn wie bei den anderen Geboten nimmt Jesus dazu Stellung: "Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist..., ich aber sage euch...". Jesus toleriert zwar diese Regelung, aber nur im Fall von Hurerei (πορνεια; vgl. die Anmerkungen bei Mt 5,32). Gleichzeitig weist er aber auch auf die damit verbundene Hartherzigkeit der Partner hin. Ausdrücklich stellt er klar, dass Scheidung und Wiederheirat niemals Gottes ursprünglicher Wille war, nicht einmal im Fall von Ehebruch, den man ja auch vergeben kann. - Manche Dinge hat Gott bei seinem Volk geduldet, obwohl sie nicht richtig waren, z.B. mehrere Frauen bei Abraham, Jakob, Gideon, David und Salomo. Doch dies ändert nicht Gottes ursprünglichen Willen. Jedes Abweichen von Gottes vollkommenen Geboten, ist immer mit negativen Folgen für die Betreffenden verbunden. Das ist auch bei einer von Gott tolerierten Scheidung und Wiederheirat so. Die Aussage von Jakob in Gen 49,31b könnte darauf hindeuten, dass sich Jakob am Ende seines Lebens bewusst war, dass er nur Lea hätte heiraten sollen. - Allerdings wendete auch Gott selbst im übertragenen Sinn den Scheidebrief bei seinem Volk Israel an (Jes 50,1b; Jer 3,8). Doch diese Entlassung war nicht endgültig, denn Gott wird sich mit einem Überrest Israels in der Zukunft wieder verloben (Hos 2,1-4.16-25). Jesu Haltung zum Scheidebrief kann man also zusammenfassen in: (1.) Er entspricht nicht Gottes ursprünglichen Gedanken. (2.) Mose hat ihn nicht geboten, sondern nur gestattet. (3.) Der Grund dafür ist der Schutz der geschiedenen Frau vor Willkür, und die Hartherzigkeit der Menschen. (4.) eine von Gott geduldete Scheidung (und Wiederheirat) gibt es nur im Fall von Hurerei. 23 Das durative Part.Präs. drückt das angespannte längere oder immer wiederkehrende lüsterne Betrachten der Ehefrau seines Nächsten aus, wie es in Ex 20,17 verboten wurde: "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau". Es ist daher die Vorstufe zum eigentlichen Ehebruch. 24 Die "Bergpredigt" ist sozusagen die "Regierungsproklamation" des Königs. Sie dient folgendem Zweck: (1.) Zu zeigen, dass Gott das Gesetz Mose nicht nur äußerlich erfüllt haben will, sondern auch innerlich von Herzen; z.B. Mt 5,27. (2.) Um zu zeigen, dass die moralischen Standards des Neuen Bundes höher sind als die des Gesetzes Mose im Alten Bund ("Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist..., ich aber sage euch..."). Das meint Jesus auch, wenn er dann zu seinen Jüngern sagt: "Wenn nicht eure Gerechtigkeit vorzüglicher ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, ..." (Mt 5,20). 25 Dieses Wort des Herrn scheint im Widerspruch zu seinen darauffolgenden Worten in Mt 6,1-4 zu stehen. Doch der Kontext löst den Widerspruch auf. Es ist ganz natürlich, dass eine Stadt auf einem Berg gesehen wird und dass man eine Lampe nicht anzündet, um sie hernach zu verstecken. Gute Werke ergeben sich beim Wiedergeborenen ganz natürlich aus seinem neuen Leben. Sie sind für alle sichtbar, wie eine Stadt auf einem Berg. Sie brauchen und sollen deshalb nicht versteckt werden (1Tim 5,25b; Tit 2,7; Jak 3,13). Wenn wir uns gleichzeitig auch verbal klar zum Herrn und zu unserer Bekehrung bekennen (Kol 4,5-6), werden die guten Werke, die wir tun, Gott verherrlichen und nicht uns (vgl. Joh 15,8; 1Pet 2,12). Die anschließenden Worte Jesu in Mt 6,1-4, warnen uns hingegen vor einer falschen Motivation beim Tun guter Werke. 26 Derjenige, der hier bittet, ist der meist arbeitsunfähige Bettler. Bauern brauchten häufig Darlehen, um Saatgut zu kaufen. Nach der Ernte zahlten sie das Darlehen dann zurück. Kurz vor einem Erlassjahr wollten viele nichts mehr verleihen, da aufgrund von Dtn 15,9 jedes siebente Jahr alle noch ausstehenden Schulden annulliert wurden (65,I,78.331). 27 Vielleicht handelt es sich um eine rabbinische Bildrede, die Jesus bei verschiedenen Gelegenheiten mit verschiedener Anwendung benutzt hat (vgl. Mk 4,21 und Lk 11,33). 28 Oder attributiv: "eine oben auf einem Berg liegende Stadt" (2,z.St.). - Vom Bergland oberhalb von Kapernaum, wo sich Jesus mit seinen Jüngern gerade aufhielt, konnte man die auf einem Berg gelegene hellenistische Freistadt Hippos erblicken, deren Anblick Jesus vielleicht zu diesem Vergleich anregte (46,170). Das bildliche Gegenteil dazu, wäre die jordanische Stadt Petra, die verborgen in einem felsigen Canyon liegt. - Mit dem Bild der Stadt könnte Jesus das Zeugnis seiner Jünger-Schar gemeint haben. Auch in Offb 21,9-27 wird die Gemeinde mit einer Stadt auf einem hohen Berg verglichen, die voller Licht ist. In Apg 5,12-14 erfüllt die Gemeinde in Jerusalem ansatzweise dieses Ideal. 29 Vgl. Jes 61,1. Gemeint sind Menschen, die wissen, dass sie vor Gott nichts vorweisen können, und die daher alles von Gott erwarten (47,z.St.), nach Lk 6,20 sind aber auch gleichzeitig die buchstäblich Armen gemeint, und das waren die meisten von Jesu Zuhörern. 30 Dies könnte eine Anspielung auf die Urim (aram.: Fluch, falsch) und Thummin (aram.: richtig) im AT sein. Durch sie konnte das Volk Gottes von Gott ein verbindliches Ja oder ein Nein erhalten. Wenn vom Hohepriester zweimal hintereinander der Thummin-Stein aus der Brusttasche herausgezogen wurde, war dies ein eindeutiges Ja - Ja (1Sam 23,9-13). Wenn aber zweimal hintereinander der Urim-Stein herausgezogen wurde, war dies ein eindeutiges Nein - Nein. Falls aber einmal ein Thummin-Stein und das zweite Mal ein Urim-Stein herausgezogen wurde, war dies keine eindeutige Antwort (1Sam 28,6), weil es Ja und Nein gleichzeitig war; 2Kor 1,17-18 (vgl. zur Sache 33,1231). 31 D.h.: "stammt vom Bösen". Das bedeutet entw.: es ist böse; od.: es ist vom Teufel bewirkt (47,z.St.). 32 D.h. wohl nach Vers 18, wo Jesus das was das AT über den Messias direkt oder typologisch prophezeit, zur Erfüllung gebracht hat (2,z.St.); od.: die Gesetze des AT zu verwirklichen, indem Jesus diese genau befolgt, wofür Vers 19 sprechen würde. Matthäus 6 1 Iteratives Präs.: sich nicht Stück für Stück irdische Schätze ansammeln (wie in Lk 12,16-21), sondern seinen materiellen Besitz durch Gutes tun Stück für Stück verteilen bzw. einsetzen und so als bleibenden Schatz in den Himmel transferieren (vgl. 1Tim 6,17-19). 2 t.t. der Geschäftssprache: einen Betrag empfangen, den man dann bestätigt bzw. quittiert. - Die Pharisäer fasteten jeden Montag und Donnerstag und legten Wert darauf, dass alle dies sahen. 3 od.: "...das zum Dasein nötige" (wie Lk 11,3), od.: "...das für den betreffenden Tag", d.h. für heute (2,z.St.). 4 Wahrscheinlich der Ind.Aor. der Vergangenheit (7,z.St.; 8,z.St.). Er setzt voraus, dass derjenige, der im Gebet Gott um Vergebung bittet, seinem Schuldner dessen Schuld bereits vergeben hat. Vergleiche auch den folgenden Vers 14-15, wo zuerst die Vergebung für den Nächsten gefordert wird, und erst dann die Vergebung durch Gott geschehen kann (so auch: Mk 11,25). Möglich wäre auch den Ind.Aor. im Sinne eines zeitlosen hebr. Perfekt zu übersetzen (vgl. Parallelstelle: Lk 11,4): "...wie auch wir unseren Schuldnern (immer wieder) vergeben" (2,30; 36,280f; 44,16), oder es ist ein präsentischer Aorist (2,z.St.). 5 Der Anschluss an die vorangehenden Belehrungen über Almosen, Beten und Fasten liegt darin, dass es darum geht, diese Dinge ungeteilt für Gott zu tun. Der weitere Gedankengang dürfte dann folgender sein: dass, was das körperliche Auge für den körperlichen Bereich des Menschen ist, ist das Herz (Vers 21) für den geistigen Bereich. Wenn das körperliche Auge krank ist, z.B. blind oder schielend, hat das negative Auswirkungen auf den ganzen Körper. Man sieht dann Dinge schlecht oder doppelt. Wenn das geistige Auge krank ("böse") ist, hat das Auswirkungen auf das moralische Verhalten des Gläubigen. Er hortet dann gierig irdische Reichtümer und dient Gott nicht mehr ungeteilt (d.h. nicht "einfältig"; siehe Vers 24). Anstatt freigiebig zu sein, ist er neidisch auf andere, und nur geizig auf sich selbst bedacht. Oder er sieht lüstern auf Dinge, die nicht gut sind für sein geistliches Leben, - sein Herz verfinstert sich dann mehr und mehr. 6 In LXX und Mt 20,15: geldgierig, neidisch. 7 Das Herz, oder das innere, geistige Auge? 8 Ein aram. Ausdruck, der personifizierte Besitz bzw. das Geld als Götze gesehen (65,I,83). Dem Mammon versklavt zu sein ist Götzendienst, die Sünde der Habgier (Eph 5,5). 9 viell. Semitisch: "clibanus". Ein Tonkessel, um Brot zu backen. Am Boden war er breiter als am oberen Rand. Wenn man innen ein genügend starkes Feuer machte und der Ton davon erhitzt war, konnte man den Brotteig an die Außenwände klatschen und den Teig so zu Brotfladen backen. Nach einer anderen Methode wurde der Tonkessel von einem Feuer unterhalb erhitzt, und der Teig von der oberen Öffnung an die heißen Innenwände geklatscht und gebacken. Dürres Gras diente dabei das Brennmaterial. 10 Warum dann überhaupt beten? Damit wir uns unsere Abhängigkeit von Gott bewusst machen, und weil wir nur das empfangen, was wir auch begehren (Jak 4,3). Und um das, was wir begehren, darum werden wir auch automatisch bitten (21,I,119). 11 Der vermeintliche Widerspruch zu Jak 1,13 ("...Gott selbst aber versucht niemanden"), lässt sich am besten folgendermaßen auflösen: Gott lässt es in seiner vorausschauenden Weisheit manchmal zu, dass der Satan Gläubige versuchen darf (Hiob 1,6-12). So ist auch der Widerspruch zwischen 2Sam 24,1 und 1Chr 21,1 aufzulösen. Jesus lehrt uns, dass wir den Vater ganz allgemein darum bitten sollen, dass er diese Art von Versuchung durch den Satan von uns fernhält, und, dass die Gelegenheit zur Sünde und die Lust darauf, zeitlich nicht zusammenfallen. Falls er aber Satan dennoch erlaubt uns zu versuchen, hat es einen tieferen Sinn und kann am Ende nur zu unserem Besten dienen (z.B.: Hiob 42,2-6.10ff; Gen 22,1; Jak 5,11). 12 Mit απο und Mask.: von dem Teufel (13,29), wofür auch der Kontext in Vers 13 spricht, denn die Versuchung zum Bösen kommt vom Satan. Oder viell., falls ein Neut.: von dem bösen Einfluss. 13 Wahrscheinlich die Anemonen. Eine besonders prächtige, aber auch schnell verwelkliche Blume (65,I,84). 14 Die Tatsache, dass der Wortlaut des "Vater Unser" hier und in Lk 11,2-4 nicht ident ist beweist, dass es kein feststehendes Formelgebet in der Urchristenheit war, sondern von Jesus als exemplarische Gebetsvorlage gedacht ist (20,352). In Lk 11,1 bitten die Jünger Jesus nicht, ihnen ein bestimmtes Formelgebet zu lehren, sondern um eine Belehrung über die Art und Weise wie man beten und bitten soll. Das "Vater Unser" enthält weder Anbetung noch Lobpreis noch einen Dank, sondern nur sieben Bitten. Vgl. auch die Anm. bei Mt 11,26. - Nur wer ein Kind Gottes ist, hat ein Recht so zu beten, obwohl Gott in seiner Großzügigkeit auch Gebete von Ungläubigen erhört. Chronologisch steht das "Vater Unser" bei Lukas (Lk 11,1ff) an der richtigen Stelle. Matthäus stellt es hier in die Bergpredigt, weil es zum Thema Gebet gehört (20,351). 15 Es heißt nicht: "...heilig ist dein Name", sondern es ist unsere Bitte, dass Gott durch das Verhalten seiner Kinder in der Welt als heilig wahrgenommen wird (vgl. Mt 5,16). 16 Die Königsherrschaft Gottes wird mit dem tausendjährigen Friedensreich beginnen, wo der Herr Jesus Christus als König in absoluter Gerechtigkeit und mit "eiserner Faust" (Ps 2,9; Ps 101,8a), über die ganze Erde regieren wird (Offb 11,15; 12,5.10; 19,15). Aber auch die Gläubigen werden dann auf die gleiche Art mit ihm mitregieren (Offb 2,26-27; 5,10 ua.). Vgl. auch die Anm. bei Offb 20,4 17 Vgl. Mt 18,35 18 Jesus will hier nicht sagen, man könne seine Lebenslänge nicht durch einen bösen und unvernünftigen Lebenswandel verkürzen, oder durch einen gottesfürchtigen Lebenswandel verlängern, wie es in Eph 6,2-3; Spr 10,27; 11,19; 19,16; Pre 7,17 und Hes 3,21 ausgesagt ist. Aber diese Verkürzung oder Verlängerung geschieht von Gott, es ist sein Segen oder seine Strafe. Alle unsere Tage sind bereits aufgrund seiner allwissenden Voraussicht schon vor unserer Geburt von ihm festgelegt (Ps 139,16). Nicht einmal den Tod kann man durch eigenes Tun herbeiführen, wenn Gott es nicht zulässt (Offb 9,6). Was Jesus hier sagen will, ist, dass man mit Sorgen gar nichts erreichen kann. 19 Der Wechsel vom Singular "Du" zum Plural "wenn ihr aber betet", könnte bedeuten, dass Jesus im Vers 6 über das persönliche Gebet spricht, im Vers 7 aber über das gemeinsame Gebet. Beim gemeinsamen Gebet sollte man sich kurz und bündig halten, damit alle zum Beten kommen. Matthäus 7 1 Ps 6,9 2 Das bedeutet klar zu sehen, um die Sünde des anderen richtig zu bewerten. Vgl. Röm 15,14. Es ist der zusammenfassende Abschluss des ganzen Kapitels 15 im Römerbrief über das Richten. 3 Dat.instr. (2,z.St.). D.h. durch die Kraft und Autorität, die hinter dem Namen Jesu steht. Sein Name wurde von ihnen als Mittel missbraucht (vgl. Apg 19,13-17). Jesus bestätigt aber nicht, dass sie tatsächlich Wunder taten, sie behaupten das nur. Solche großmündigen Behauptungen finden wir leider auch heute in manchen christlichen Kreisen, aber es sind Zeichen und Wunder der Lüge. - Im Gegensatz dazu handelt es sich in Mk 9,39 um echte Wunder. 4 Starker Regen geht in Palästina immer mit Sturm einher (15,I,188). 5 Ihr Auftreten wird für die Zukunft vorausgesagt: Mt 24,11.24; Apg 20,29; 2Pet 2,1; 1Joh 4,1; Offb 13,12ff., aber sie sind auch schon jetzt aktiv. 6 Aufgrund des Kontexts von Vers 21-23 möchte Jesus mit der anschließenden Bildrede sicherlich auf die Notwendigkeit einer echten Bekehrung hinweisen, die sich in entsprechendem Glaubensgehorsam erweist. Eine Anwendung auf Gläubige ist natürlich auch gerechtfertigt. Dieser Einsturz geschieht bei den Ungläubigen beim letzten Gericht, für die Gläubigen beim Richterstuhl Christi. 7 Damit ist seine oft überraschende Schriftauslegung und Schriftanwendung gemeint, und, dass er im Gegensatz zu den Schriftgelehrten, bei seinem Lehren keine Ansichten berühmter Rabbis zitiert. Er verstand sich als direktes Sprachrohr Gottes und Gott bestätigte seine Worte auch noch mit Wundertaten (65,I,465). 8 Siehe aber im Gegensatz dazu 1Kor 5,3.12 9 In den Versen 1-5 ging es Jesus darum, vor einem vorschnellen und ungerechten Urteilen zu warnen, nun warnt er vor dem Gegenteil: dem Mangel an Unterscheidungsvermögen und die daraus resultierenden Folgen. Man kann nämlich von beiden Seiten vom Pferd fallen. 10 Es gibt zwei Arten von hören, - solches das auch gehorchen will und solches, das nur hinhört und gleich wieder vergisst (13,81). Das Fundament eines echten Glaubens ist: Glaubensgehorsam (Röm 1,5; 16,26). 11 Damit wird klar, dass diese Menschen niemals wiedergeboren waren, und dass es nicht solche sind, die vom Glauben abgefallen sind. Vgl. auch die Anm. zu 2Tim 3,5 12 Wahrscheinlich handelt es sich hier um ein Sprichwort, dass Jesus zu verschiedenen Gelegenheiten verschieden anwendet (z.B. in Mk 4,24). Hier ist es der Messbehälter, mit dem man zum Kaufmann geht, um Getreide zu kaufen. Wenn es ein großer Behälter ist, bekommt man mehr. Wer ein hartes und unbarmherziges Urteil über andere abgibt, wird eben auch von Gott ein ebenso großes Urteil (in diesem Leben?) bekommen. 13 Mit dem Ausdruck "και εγενετο οτε ετελεσενο Ίησους" ("Es geschah, als Jesus ... vollendete"), unterteilt Matthäus sein Evangelium in sechs Abschnitte (mit dem Prolog 1,1-17 in sieben Abschnitte) und beendet jeden dieser Abschnitte mit einer Rede von Jesus: 1) Mt 1,1 - 7,29: Der König und die Art seines Reiches. Rede: Die Bergpredigt 2) Mt 8,1 - 11,1: Die Vollmacht des Königs (die Wunder). Rede: Die Aussendungsbefehle an die 12 Apostel 3) Mt 11,2 - 13,53: Die Ablehnung des Königs. Rede: Die Gleichnisse des Reiches der Himmel 4) Mt 13,54 - 19,1: Die Anfeindungen des Königs. Rede: Anweisungen für Verhalten im Reich der Himmel 5) Mt 19,2 - 26,1: Der Dienst des Königs an den Seinen. Rede: Die Endzeitrede 6) Mt 26,2 - 28,20: Die Verwerfung des Königs. Rede: Der Missionsbefehl 14 Alle drei Imp.Präs. drücken eine durative bzw. iterative Handlung aus: "bittet anhaltend", "sucht beständig", "klopft immer wieder an". 15 Damit Menschen auf den engen Weg abbiegen braucht es zwei Dinge: (1.) Zuerst muss Gott ihr Herz und ihre Augen öffnen (2Kor 4,3-4; Apg 16,14 ua.). (2.) Dann erst können und müssen sie umkehren durch Sinnesänderung: Sündenerkenntnis - Reue - Bewusstsein der Verlorenheit - Bereitschaft zur Lebensänderung (Jer 31,18c; Apg 11,18b ua.). 16 Da es viele falsche Gläubige sind, handelt es sich um die Zeit des Endes, wo lügnerische Zeichen und Wunder geschehen werden. Vgl. Mt 24,24; 2Thes 2,9 Matthäus 8 1 Jes 53,4 2 Das Wort kommt nur noch in Joh 19,30 vor, denn das Kreuz war der einzige Platz, wo Jesus nach vollbrachtem Werk, sein Haupt neigen konnte! 3 In manchen Fällen befahl Jesus Stillschweigen (Mt 9,30; 12,16; Mk 1,44; 3,12; 5,43; 7,36; 8,26; Lk 5,14; 8,56). Er wollte nicht, dass Menschen wegen seiner Wunder an ihn glauben, die Wunder dienten vielmehr dazu, ihren Glauben zu festigen. Hier wollte Jesus, dass die Priester im Tempel gezwungen waren, eine Reinigung zu bestätigen, die schon seit Jahrhunderten nicht vorgekommen war (34,I,619). Die erfolgte Reinigung musste von den Priestern geprüft und bestätigt werden (vgl. Lev 13,1ff). Dies sollte einerseits als Beweis für seine Heilung dienen, andererseits für die Gesetzestreue und die Vollmacht Jesu (vgl. 47,z.St.). Nach Dr. A.G. Fruchtenbaum galt die Reinigung eines Aussätzigen als sogenanntes "Messias-Wunder", da die Rabbis lehrten, dass nur der kommende Messias vom Aussatz reinigen kann. 4 Nach Lk 7,1ff. sandte der Centurio zuerst Mittelsmänner. Das ist kein Widerspruch zu Lukas, denn es gibt ein römisches Prinzip, das lautet "wer durch einen anderen handelt, handelt selbst". Danach traf der Hauptmann selbst mit Jesus zusammen (2,41; 60,413; 64,448). - In dem Grenzort Kafarnaum lag eine Garnison mit Truppen des Herodes Antipas. Die Soldaten dieser Söldnertruppe waren meist Nichtjuden. Fromme Juden betraten die Häuser von Heiden nicht, um sich nicht unrein zu machen (vgl. 47,z.St.). 5 Nach jüdischem Zeremoniell beinhaltete dies auch die Totenklage und die darauffolgende Reinigung, was viele Tage beanspruchte (vgl. 1Kön 18,31). Oder es bezieht sich auf das "Zweite Begräbnis", dass nach einem Jahr stattfand (vgl. 65,91f). 6 Die Hs. haben verschiedene Lesarten des Ortsnamens. Die Örtlichkeit ist im Ostjordanland gelegen, nahe der Ruinen des alten Khersi (das moderne Kursi), am Ostufer des Sees, beim Fluss Hieromax. Es ist der südöstliche Uferstreifen des Sees Genezareth mit einem Hafen. Das Gebiet gehörte zur landeinwärts gelegenen Stadt Gadara (dem heutigen Umm Qeis), die als die Hauptstadt im Zehnstädtegebiet, selbst Kriegsschiffe auf dem See unterhielt, wie Münzen der Stadt beweisen (2,45; 27,23; 33,399.414; 54,33). Der Ort lag aber auch nahe der Stadt Gergesa, die laut Origenes und mehreren anderen alten Reisenden, am Ostufer des Sees Genezareth beim Wadi Gemach lag, wo am See ein höherer Bergabsturz liegt (2,45; 20,271f; 21,I,144f; 46,190). Es ist am Südostufer des Sees die einzige Örtlichkeit, wo alle Bedingungen vorhanden sind, die der Bericht voraussetzt. Die ganze Erzählung spielt also in der Dekapolis, im halbheidnischen Ostjordanland, wo auch Schweine gezüchtet wurden. Schweine galten als unrein, darum war den Juden die Aufzucht von Schweinen, der Handel mit Schweinen und das Essen von Schweinefleisch verboten (vgl. 46,193; 47,z.St.; 60,417; 64,451). 7 Als hebr. Redewendung: "Lass uns in Ruhe!" 8 Impf.: sie ersuchten ihn eindringlich, solange bis er ihrem Drängen nachgab. 9 Sonst nur noch in Mt 24,7; 27,51.54; 28,2; Offb 6,12; 16,18. 10 Jesus kommt ihrem Wunsch nach und verlässt sanftmütig die Gegend, nachdem er dem Geheilten den Auftrag gegeben hatte die frohe Botschaft in ihren Städten zu verkünden. Später kehrt er aber wieder zurück, indem er von Sidon kommend sogar einen Umweg über die Dekapolis macht und dort einen Taubstummen heilt. Daraufhin folgen ihm von dort viele nach (vgl. auch Mt 4,25). Einer der beiden Geheilten hatte die Vorarbeit geleistet! Bei Markus und Lukas wird auch nur dieser eine Besessene genannt, vielleicht weil er dann den Weg in die Urgemeinde fand und bekannter war (64,452). Er hatte die Botschaft nicht nur in seinem Haus verbreitet, sondern in der ganzen Stadt (Lk 8,39) und sogar im ganzen Zehnstädtegebiet (Mk 5,20), und sich damit als ein wahrer Jünger Jesu erwiesen. 11 Matthäus, der ja im Gegensatz zu Markus und Lukas Augenzeuge war, berichtet uns, dass es eigentlich zwei Besessene waren die Jesus heilte. 12 Die Botschaft der Bergpredigt (Mt. 5,1 - 7,29) wird anschließend durch die Taten Jesu beglaubigt, die seine messianische Vollmacht bestätigen. Die Kapitel 8 - 9 sind kunstvoll aufgebaut: 3 mal 3 Wunderberichte werden jeweils durch Lehr-Aussagen unterbrochen und gedeutet (47,z.St.). 13 Andere Übersetzungsmöglichkeit: "Soll ich etwa kommen und ihn gesund machen"? (47,z.St.). 14 Der Hauptmann von Kafarnaum ist der erste Heide, der vor Pfingsten zum Glauben kommt, der Hauptmann Kornelius ist der erste Heide, der nach Pfingsten zum Glauben kommt (Apg 10,1ff). 15 Eine Bezeichnung für rasch um sich greifende Hautkrankheiten, Lepra eingeschlossen (54,z.St.). 16 Der Sohn des Menschen ist eine von Jesus bevorzugte Selbstbezeichnung. Er knüpft damit an Dan 7,13 an, wo der zukünftige Herrscher des Friedensreiches angekündigt wird (54,z.St.). Gleichzeitig betont er damit, dass er als der gekommene Messias und Sohn Gottes, zugleich ein Mensch aus Fleisch und Blut ist. 17 Mit Aussatz wurden alle möglichen rasch um sich greifenden Hautveränderungen bezeichnet, vor allem die Lepra. 18 Der Bericht von Mt 8,17-22 ist von Matthäus hier thematisch eingefügt worden. Die Begebenheit selbst passierte erst später (20,326). Matthäus 9 1 Hos 6,6 2 Num 27,17, 2Chr 18,16 3 Der Flicken vom neuen Kleid ist noch ungewalkt. Würde man ihn über die schadhafte Stelle am alten Kleid drüber nähen, würde der Flicken beim nächsten Waschen eingehen und den Riss im geflickten Kleid noch größer machen, - auch weil er fester ist als der ihn umgebende alte und schleißige Stoff des alten Kleides. Ungewalkter Tuchstoff zieht sich bei Nässe zusammen, wodurch es zu Rissen kommen kann. Die Lederhäute waren Beutel in denen Wasser oder Wein aufbewahrt wurde, meist ein vollständiger Ziegenbalg, der zusammengenäht und an den Nähten verpicht, einst wie heute im Orient zum Transport von Flüssigkeiten (Wein, Wasser, Öl) benutzt wurde, während zur Aufbewahrung der Flüssigkeiten meist Tongefäße dienten. Frischer Wein ist noch in Gärung und würde die alten, unelastisch gewordenen Schläuche zerreißen, der alte Wein aber gärt nicht mehr und die alten Schläuche halten ihn noch gut. Beide Gleichnisse weisen auf die Unverträglichkeit von Neuem und Alten hin (15,V,151; 47,z.St.). Das erste Gleichnis, dass man die verbrauchten Formen des alten Bundes nicht mit den Formen, die der neue Bund bringen wird, aufbessern kann. Das zweite Gleichnis, dass das geistliche Leben des neuen Bundes neue und elastische Formen braucht. Vgl. noch Mk 2,22; Lk 5,37f. Siehe dazu die Grafik in: https://drive.google.com/file/d/1PC4-u1DEhaef4FOSh4XUCQRfou7A6Yld/view?usp=sharing 4 Böse Geister unter der Herrschaft des Teufels die für ihn agieren, Menschen verführen und von ihnen Besitz ergreifen (= Besessene) und sie quälen. Dass dies auch heute noch geschieht, davon zeugen bestimmte Fälle in Irrenanstalten. Damit soll nicht geleugnet werden, dass es psychiatrische Zustände mit ähnlichen Symptomen gibt, besonders dann, wenn diese eine neurologische oder chemisch-biologische Ursache haben (z.B. Epilepsie, ua). 5 Die "Söhne des Brautgemachs" waren die Freunde des Bräutigams. Sie waren unentbehrlich für eine Hochzeitsfeier, denn sie begleiteten den Bräutigam bei der Abholung der Braut und arrangierten die Hochzeitsfeierlichkeiten, LXX: Ps 150,2. 6 Daher sollte Fasten nun durchaus eine Praxis der Gläubigen sein (vgl. Apg 10,30; 13,2.3; 14,23; 2Kor 6,5; 11,27), aber bedarfsorientiert. 7 Dieser war für die äußere Ordnung bei den Gottesdiensten verantwortlich, und konnte auch das Amt des Synagogenvorstehers innehaben (2,49f.). 8 Damit war sie levitisch unrein (Lev 15,25-33), denn Blutungen machten eine Frau unrein. Sie durfte nicht am Gottesdienst teilnehmen und musste die Berührung mit anderen Menschen meiden, da diese sonst ebenfalls unrein wurden. Das Vorgehen der Frau war deshalb ein Verstoß gegen das Gesetz (vgl. Lev 12), offenbart aber ihre Not und ihr Vertrauen (vgl. 47,z.St.). 9 Wahrscheinlich die Quaste am untersten Zipfel des Oberkleides (vgl. Num 15,37-41; Zeph 8,23). Sie fiel jemandem der von hinten an den Herrn herankam besonders ins Auge und könnte bei der blutflüssigen Frau auch eine Erinnerung an Num 15,39 ausgelöst und dann zu einer Überführung von ihrem ausschweifenden Leben geführt haben könnte. Blutiger Scheidenausfluss war nämlich damals oft eine Folge von Geschlechtskrankheit. Vielleicht hatte sie ein Schuldbewusstsein und daher ihr Wunsch gerettet und nicht nur geheilt zu werden. In Mk 5,33 steht auch, dass sie Jesus "die ganze Wahrheit" sagte, und in Mk 5,34 unterscheidet Jesus, dass ihr Glaube sie gerettet hat und, dass sie auch gesund geworden ist. - Aufgrund von Num 15,37-41 und Dtn 22,12, musste sich jeder Israelit selbst solche blauweißen Quasten an den vier Ecken seines Oberkleides annähen. Offensichtlich befolgte auch der Herr Jesus diese Anordnung, obwohl es sich nur um eine Äußerlichkeit handelte. Die Bedeutung der Quaste bei dieser Heilung muss sich herumgesprochen haben (Mt 14,36; Apg 19,12). 10 Seine schroffe Reaktion erklärt sich daraus, dass er bereits im Vorhinein wusste, dass sie ihm nicht gehorchen würden. Vgl. V.31 11 Es ist beachtenswert, dass der Heilige Geist hier das Wort εκ-βαλλω (= hinauswerfen) inspirierte und nicht απο-στελλω (= aussenden). Will der Herr damit andeuten, dass die Arbeiter lieber aus Bequemlichkeit zu Hause bleiben würden, und es daher sanften Druck braucht, um sie auszusenden? Der Ausdruck erinnert jedenfalls an einen König, der sein letztes Aufgebot an Soldaten "in die Schlacht wirft" um den Krieg zu gewinnen. 12 Die jüdischen Rabbis befragten immer die Besessenen, bevor sie einen Exorzismus ausführten. Da dies bei einem Stummen Besessenen nicht möglich war, lehrten sie, dass nur der kommende Messias aus stummen Besessenen Dämonen austreiben kann. Daher staunten die Volksmengen und die darauffolgende Reaktion der jüdischen Führer (Vers 34) erklärt sich aus diesem Umstand (nach: Fruchtenbaum A.G.: Die drei messianischen Wunder Jesu, S.10f; - leider ohne Quellenangabe!). 13 Die Berührung eines Toten, gehörte zu den schlimmsten Formen der Verunreinigung (Num 19,11-22). 14 Das gibt Mut im Glauben für andere zu beten. Natürlich hatte auch der Gelähmte selbst Glauben (Lk 5,25), sonst hätte er sich gegen diesen Transport verwehrt. 15 Diese Situation ist typisch für die Pharisäer, sie fragen nicht Jesus selbst, sondern die Jünger. Sie wollen bei ihnen Misstrauen gegen ihren Lehrer streuen. Aber da sie auch die Jünger attackieren (Lk 5,30), stellt sich Jesus schützend vor seine Jünger, und beantwortet selbst die Frage. 16 Der scheinbare Widerspruch zu Mk 5,23 und Lk 8,42 lässt sich folgendermaßen erklären: Matthäus benützt bei dem Wort "vollenden" möglicherweise den effektiven oder dramatischen Aorist: "Meine Tochter vollendet gerade ihr Leben" (2,1386f; 13,85 [258]). Außerdem benützt er nicht das Wort "gestorben" wie in Vers 24, und Jairus weiß auch gar nicht, ob seine Tochter überhaupt noch lebt, daher diese dramatische Ausdrucksweise. Matthäus, der seine Berichte immer kürzer hält als die beiden anderen Synoptiker (2,z.St.), gibt den Stand wieder, als die Boten von Jairus zu Jesus kommen und zu ihm sagen, die Tochter sei bereits verstorben. Das würde auch zur Antwort von Jairus passen, da er Jesus nun bittet sie wieder vom Tod aufzuerwecken, während er ihn davor bat, ihr die Hände aufzulegen, damit sie nicht stirbt. Zu diesem größeren Glauben könnte ihn die Ermutigung Jesu bewogen haben, der zu ihm sagte: "Glaube nur weiter" (Mk 5,36; Imp. Präs.). Matthäus 10 1 Mi 7,6 2 Vielleicht war Vers 26 ein gängiges rabbinisches Sprichwort, dass Jesus bei verschiedenen Gelegenheiten verschieden benützt hat: (1.) Hier, als Ermutigung für die furchtlose Verkündigung des Evangeliums. (2.) In Mk 4,22 für den Auftrag an die Jünger, dass Evangelium zu verkündigen. (3.) In Lk 12,2 aber, um die Heuchelei der Pharisäer und Schriftgelehrten aufzudecken. 3 Vgl. Jes 53,6, Jer 50,6, Hes 34,1ff., Zuerst sollte ein Überrest aus Israel gewonnen werden, der später auch die Nationen erreichen sollte (vgl. im Gegensatz dazu in Mt 12,18.21 "Nationen"). 4 Ein Kupfergeld, wobei 16 Assarion 1 griechischen Silber-Drachme bzw. 1 römischen Silber-Denar entsprechen. Der Umrechnungswert betrug ca. 3,898 Gramm Silber. 1 Assarion entspricht also 1/16 des Tagelohns eines Taglöhners und war bei den Juden sprichwörtlich für den geringsten Geldbetrag (vgl. heute: 1 Cent). Es war nach dem Quadrans die zweitkleinste römische Münze (vgl. 33,792). 5 Diese Vollmacht beschränkte sich zunächst auf die Zwölf und auf das Gebiet Israels (V.5-6), und sie setzte Glauben voraus (vgl. Mt 17,16). Im Missionsbefehl wird sie nur mehr in abgeschwächter Form wiederholt, siehe die Anm. bei Mk 16, 20. Bis heute bleibt von diesem Heilungsdienst die Krankensalbung (Jak 5,13-15; vgl. Mk 6,13b). - Von Jesus werden uns nur drei Totenauferweckungen berichtet, von Petrus und Paulus nur je eine! Bei der Aussendung der späteren 70 Jünger in Lk 10,9, ist nur mehr von Krankenheilung die Rede, in welche die Heilung von Besessenheit allerdings inkludiert war (Lk 10,17). Anzunehmen, dass jeder Gläubige Tote auferwecken kann, wenn er nur genug Glauben hätte, ist unbiblisch. 6 Kein Eigenname, sondern ein Beiname im Sinne von "der Zelot", "der Eiferer" (47,z.St.). Mitglied einer Gruppe, die aktiven Widerstand gegen die römische Besatzung leisteten, es ablehnten Steuern zu zahlen und das messianische Gottesreich mit Gewalt herbeiführen wollten (2,53; 54,z.St.). Manche Hs. haben κανανιτης, Kanaanäer, d.h. einer der aus Kana in Galiläa stammte (1,231). 7 Vielleicht aus dem hebr.: aus Kerioth stammend; eventuell auch aus dem lat. sicarius: Dolchmänner, Meuchelmörder, Banditen (2,z.St.). Die militanteste Gruppe unter den Zeloten, die römerfreundliche Juden umbrachten (54,z.St.). 8 Nur Gastfreundschaft sollten sie annehmen. 9 Vor der Reise? Oder während der Reise? 10 D.h. übermittelt seinen Bewohnern den Segensgruß "Friede sei mit euch". 11 Ein jüdischer Brauch, um auszudrücken, dass man die Beziehung abbricht und die betreffenden Bewohner, Häuser und Städte für heidnisch, unrein und gerichtsreif hält (38,I,571). Vgl. Apg 13,51 und 18,6. 12 "...eine andersartige", weil freundlicher gesinnte Stadt? Rechtzeitige Flucht ist nicht immer Feigheit, es kann auch Klugheit sein (vgl. auch Mt 4,12; Lk 21,21; Joh 8,59; 10,39; Apg 8,1; 14,6; Spr 22,3; Jes 52,11). Sie sollte aber nicht nur dazu dienen, die eigene Haut zu retten, sondern anderswo Gott besser dienen zu können. 13 Beelzebub bedeutet: "Herr der Fliegen", eine Bezeichnung für Satan, den obersten der Dämonen. Urspr. eine Gottheit der Philister. 14 Verneinter Imp.Präs.: "Hört auf euch zu fürchten". 15 Entweder lokativ: in der Hölle; od. instrumental: durch die Hölle. Gemeint ist natürlich Gott. 16 Er war von allen essbaren Vögeln die billigste Art und wurde von den Armen als Nahrungsmittel geschätzt und gekauft (37,594). 17 Das bedeutet, wer seine eigenen irdischen Wünsche und Ziele um Jesu und seines Reiches willen zurückstellt - und selbst wenn es den Märtyrertod bedeutet - wird in der Nachfolge den wahren Lebenssinn finden, - oder umgekehrt. 18 Alle vier Bezeichnungen stehen wohl für die Zeugen Jesu, vielleicht in der absteigenden Reihenfolge ihres Ansehens (vgl. 2,60). 19 Die Taube war im Altertum der Inbegriff von Sanftmut, Gewaltlosigkeit und Einfalt (2,z.St.). 20 Der scheinbare Widerspruch zu Mk 6,8-9 und Lk 9,3 lässt sich am besten so lösen, dass bei Markus und Lukas betont wird, keine Ersatzsandalen und keinen zweiten Stab (als Waffe?) mitzunehmen (60,419; 64,454). Diese Reise dauerte, wie ein Vergleich von Mk 6,7ff mit Mk 6,30ff nicht sehr lange. - Ein mit einer Eisenspitze versehener Stab war damals nicht nur Wanderstab, sondern diente zugleich als Waffe zur Verteidigung. Einen solchen zweiten Stab sollten die Jünger nicht mitnehmen, denn zu diesem Zeitpunkt (vgl. dagegen: Lk 22,35-37), sollte ihnen noch keine Feindseligkeit entgegenschlagen (21,I,160f). 21 Das Aufheben des Kreuzesquerbalkens, den der Verurteilte selbst durch die feindliche und johlende Menge zur Hinrichtungsstätte trägt. Damit wohl ein Bild für die Bereitschaft zum Leiden und zum Martyrium um Jesu und seiner Sache willen (2,z.St.). Jemand der mit dem Kreuzesquerbalken durch die "Via dolorosa" in Jerusalem ging, hatte mit seinem irdischen Leben bereits so gut wie abgeschlossen! 22 Der Kontext davor zeigt, dass es sich um eine Verfolgungssituation handelt und der Aorist macht deutlich, dass es sich um eine konkrete Situation handelt, die aber noch nicht eingetreten ist, wie die Futuras im Vers 32 zeigen. Verleugnen bedeutet hier wie in Lk 12,8-9, sich zu schämen für den Herrn. Dass der Herr den Jünger verleugnen wird, der ihn verleugnet hat, bedeutet aber nicht, dass dieser Jünger deswegen verlorengeht (2Tim 2,12-13), wie auch die Verleugnung von Petrus zeigt. Jesus schämt sich aber für diesen Jünger vor allen Engeln im Himmel, so wie sich ein Vater für seinen Sohn schämt, wenn sich dieser öffentlich ungebührlich verhält. 23 Vielleicht in Anlehnung an die 12 Stämme Israels, oder die 12 Kundschafter (Num 13,2). 24 Die Jünger brauchten weder Nahrungsmittel noch Geld mitzunehmen, denn sie erhielten Gastfreundschaft bei denen, die ihre Botschaft und ihren Heilungsdienst willig annahmen (Mt 10,7-14). Es war damals üblich, so wie auch heute noch in manchen ärmeren Ländern des Orients, ein Abendessen, einen Schlafplatz und ein Frühstück zu erhalten, bevor man seine Reise fortsetzte (46,215ff). Jesus sagt ihnen später (Lk 22,35-37), dass dies keinesfalls immer und überall so sein wird. Auch für heutige Zeiten gilt noch, dass der Missionar von denen unterstützt wird, die er evangelisiert und zum Glauben geführt hat (1Kor 9,4-14; Phil 4,16), und der umherziehende und übergemeindlich dienende Lehrer, von denen Unterstützung erhält, die er lehrt (Gal 6,6; Tit 3,13). Nach diesem Prinzip arbeiteten erfolgreiche Gemeindegründer wie W.Carey, W. Nee, Bakht Singh, ua. Auch im AT bekamen die Leviten und Priester von den Opfernden Nahrungsmittel (2Chr 31,4-5). Würde dieses Prinzip, dass der Arbeiter von den Früchten seiner Arbeit lebt, auch heute angewendet, gebe es mehr Fleiß und mehr Resultate in der Missionsarbeit. Dass die Heimatgemeinde verpflichtet ist für ihre ausgesandten Missionare und Lehrer finanziell zu sorgen, finden wir, entgegen moderner Praxis, im NT nicht. Paulus erwähnt nie, dass er von der Gemeinde in Antiochien unterstützt wurde. 25 Vgl. die Anmerkungen bei Lk 12,2-3 Matthäus 11 1 vgl. Jes 29,18; 35,5-6; 42,18; 26,19; 61,1 2 Ex 23,20; Mal 3,1 3 Dies ist die Einladung zur Bekehrung, der Vers 29 ist dann die Einladung an diese Neubekehrten, in die Jüngerschaft zu treten. 4 Dies ist die Einladung an die Neubekehrten, in die Jüngerschaft zu treten. Vgl. im Gegensatz dazu das Joch der Schriftgelehrten in Lk 11,46. - Die jüdischen Rabbis nannten ihre Unterweisung im Gesetz und deren Befolgung ihr "Joch", vgl. Gen 27,40. Die Wendung "ein Joch auf sich nehmen" bedeutet, die Vorschriften oder Lehren eines anderen übernehmen. Sprichwörtlich waren bei den jüdischen Schriftgelehrten die Aussagen vom "Joch des Gesetzes" oder vom "Joch der Herrschaft des Himmels". 5 Jer 6,16; Jes 28,12. Das Wort Seele bezeichnet hier, wie im Alten Testament, das "Ich" des Menschen (vgl. 47,z.St.). 6 Vgl. 1Joh 5,3 7 D.h. einen der andersartig auftritt, nämlich als gewaltiger Befreier und Richter, so wie auch Johannes selbst ihn angekündigt hatte (Mt 3,11.12). Er kam aber nun ins Zweifeln, weil Jesus so zurückhaltend und sanft auftrat (2,z.St.). - Obwohl Johannes von Gott eine eindeutige Offenbarung erhielt, dass Jesus der Messias, der Sohn Gottes, ist (Joh 1,26-34), geriet er ins Zweifeln. Wenn ein so großer Mann Gottes ins Zweifeln kommt, ist das sowohl eine Warnung aber auch ein Trost für uns. Die Zweifel des Johannes werden von Jesus mit einem Hinweis auf Gottes Verheißungen behandelt (Jes 61,1). Diese "Medizin" brauchen auch wir bei unseren Zweifeln. 8 Johannes war also der Bote vor dem "Angesicht Jahwes". Damit stellt sich Jesus mit Jahwe gleich (vgl. 20,248). 9 od. als Med.: "...es wird mit Gewalt hineingedrängt in das Königreich", dann entweder im guten Sinn von den Glaubenden, die wie solche sind, die drängelnd Einlass begehren zu einer wichtigen Veranstaltung, - oder im negativen Sinn von den Feinden des Königreiches (z.B. Pharisäer und Schriftgelehrte); od. tr.: "...bricht sich das Königreich mit Gewalt Bahn, während es andererseits Gewalttätige angreifen" (vgl. 2,63f; 64,456f). 10 Das Doppelgleichnis von den launischen Kindern vergleicht die Reaktion von Jesu Zeitgenossen auf Jesus und Johannes mit Kindern, die auf den Marktplätzen Hochzeit und Totenklage spielen. 11 Das bezieht sich wohl sinnbildlich auf die ablehnenden Zeitgenossen Jesu. 12 Chorazin, war eine Stadt in Obergaliläa, 3 km nördlich von Kafarnaum, das heutige "chirbet kerazie", mit einer eigenen Synagoge, die teilweise freigelegt wurde (46,163f). Bethsaida war ein Fischerdorf an der Mündung des Jordan in den See Genezareth. Heute wahrscheinlich "El-Aradsch". - Da beide Orte in unmittelbarer Nachbarschaft Kafarnaums lagen, hat Jesus offensichtlich auch dort gewirkt, aber wie in Kafarnaum wenig Glauben gefunden. Die Hafenstädte Tyros und Sidon (beides phönizische Städte am Mittelmeer, ca. 60 bzw. 90 km nordwestlich vom See Genezareth), galten wegen ihrer Götzenkulte und ihrer Sittenlosigkeit den Israeliten als besonders verwerflich (vgl. Ez 28,20-23; Joel 4,4), ebenso wie Sodom, eine Stadt im Tal Siddim, die wegen der Sünde ihrer Bewohner von Gott vernichtet wurde (Gen 13,10-13; 18,16-20; 19,23-29). Heute liegt sie vermutlich unter dem Toten Meer begraben (vgl. 54,55; 47,z.St.). 13 Das Neue Testament meint damit aber kein neutrales Totenreich, sondern den Todeszustand, der für Ungläubige schon vor dem Endgericht eine schreckliche Qual bedeutet, wie Jesus in Lukas 16,23 zeigt (54,z.St.). 14 Hier geht es nicht um moralische Größe, sondern um die Stellung im Alten- und im Neuen Bund. Johannes war der letzte und damit größte Prophet unter dem Alten Bund, ja noch mehr, er war der verheißene Vorläufer des Messias. Aber jeder der danach an Jesus gläubig und wiedergeboren wurde, gehört zum Neuen Bund und ist deswegen von seiner Stellung her, höher als Johannes. Das ist auch Jesu Argument in Vers 13 (20,249). 15 Das geschüttelte Schilfrohr ist ein Symbol für Wankelmütigkeit. Man könnte meinen, die Frage des Johannes in Vers 3 und die ermahnende Antwort Jesu in Vers 6 könne auf eine Wankelmütigkeit bei Johannes hinweisen. Doch Jesus macht klar, dass dies nicht der Fall ist (20,247). Johannes muss nur lernen, die Termine in Gottes Heilsplan richtig einzuordnen: zuerst Leiden, dann Herrlichkeit (1Pet 1,10-12; Apg 14,22). 16 Man könnte sich fragen, warum Gott in Tyros und Sidon nicht Wunder geschehen ließ, damit sie Buße tun. Dazu ist folgendes zu bedenken: (1.) Es geht hier nicht um Einzelpersonen, sondern um ganze Städte. In Städten, die wegen ihrer Gottlosigkeit zum Gericht bestimmt sind, erbarmt sich Gott gerne Einzelpersonen die glauben, wie das Beispiel von Rahab in Jericho zeigt. Übrigens geschah auch in der Gegend von Tyros und Sidon ein Wunder Jesu, und eine Frau glaubte daraufhin (Mt 15,21-28), und Menschen aus dieser Gegend folgten Jesus nach (Mk 3,8; Lk 6,18-19). Nach Apg 21,4 entstand später sogar eine Gemeinde in Tyros. (2.) Gott ist nicht verpflichtet, jedem das gleiche Maß an Licht zu geben, aber jeder bekommt zumindest ein wenig Licht (Joh 1,9; 12,46), und ist schon aufgrund der Schöpfung und seines Gewissens verpflichtet, nach Gott zu fragen (Röm 1,19 - 2,16; vgl. auch Lk 16,30 und Apg 17,27). Wer das nicht tut geht verloren, weil er das Licht das Gott ihm gab, nicht nützte, um nach Gott zu suchen und ihm zu glauben; Joh 3,9-21; Röm 2,7. (3.) Selbst, wenn jemand Buße tut, beinhaltet dies nicht immer, dass er auch glaubt (Apg 26,20c; Heb 6,6). 17 Für seinen Unglauben wird der Sünder in die Hölle verdammt, doch für seine Sünden wird er noch zusätzlich bestraft. Gibt es im Gericht unterschiedlich harte Strafen? Jesus scheint dies in Lk 12,47.48 auszusprechen. 18 Es ist bemerkenswert, dass dieses Gebet hier (Mt 11,25-26) und bei Lk 10,21 völlig wortgleich wiedergegeben wird, was z.B. beim "Vater Unser" nicht der Fall ist; vgl. die Anm. bei Mt 6,9. 19 Dass Elija ohne Artikel steht, bedeutet, dass Jesus nicht Elija persönlich meint, sondern den Johannes der in seinem Auftreten vergleichbar mit Elija war (Lk 1,17). Johannes war nur der in Mal 3,1 angekündigte Wegbereiter, aber nicht Elija buchstäblich. Da die Juden Jesus nicht als Messias-König annehmen wollten war Johannes nur der Prototyp, d.h. die Vor-Erfüllung, des nach Mal 3,23-24 buchstäblich am Ende der Zeiten wiederkommenden Elija (viell. Offb 11,3ff), dessen Kommen dann die End-Erfüllung dieser Prophezeiung sein wird. - Eine historische Gestalt als Prototyp für eine spätere Person, findet sich auch an anderen Stellen der biblischen Prophetie. So z.B. Melchisedek als Prototyp für den Hohepriester Jesus (Heb 5,10). Oder in Jes 7,10-17, wo der Sohn Jesajas (V.15-16) ein Prototyp für den zukünftigen, jungfräulich geborenen Immanuel-Messias ist (V.14). Oder in Dan 11,21-36, wo Antiochus IV Epiphanes ein Prototyp für den zukünftigen "König" (V.36ff), den Anti-Christen ist (vgl. 87,78-86). Auch dort befindet sich ein prophetischer Zeitsprung zwischen Vers 35 und 36. Zum prophetischen Zeitsprung vgl. auch die Anm. zum Jesaja-Zitat in Lk 4,19 Matthäus 12 1 Hos 6,6 2 Jes 42,1-4 3 Die Pharisäer legten besonderen Wert auf die genaue Einhaltung der Sabbat-Vorschriften der Alten. Ein Rabbi sagte: "Wenn die Israeliten nur zwei Sabbate vorschriftsmäßig halten würden, so würden sie sofort erlöst werden" (59,392). 4 Damit sagt Jesus deutlich, dass ein Besessener zuerst frei werden muss, bevor er wiedergeboren werden kann, und folglich auch, dass ein Wiedergeborener nicht mehr besessen sein kann. Vgl. auch die Anm. bei Mt 18,19, die Anm. bei Apg 19,19 und die Anm. bei 1Joh 5,18b. 5 Ein Realis. Jesus stellt den Vorgang, um des Arguments willen, als wahr hin, obwohl es nicht stimmt (13,103). 6 Vgl. Jona 2,1 - Jona ist der einzige Prophet des AT, mit dem sich Jesus vergleicht. Der Grund könnte folgender sein: (1.) Jona war der einzige Prophet aus Galiläa, - wie auch Jesus. Vgl. die Anm.7 unten. (2.) Jona wurde geopfert, damit andere nicht sterben mussten, - wie auch Jesus; Jona 1,12.15-16. (3.) Jona war 3 Tage in einem "Grab", - wie auch Jesus. (4.) Jona predigte danach den Heiden die Buße, - wie Jesus es seinen Aposteln aufgetragen hat; Mt 28,19 7 Ein Gen.epex.: d.h. das Wunder das Jona erlebte. Jona war ein alttestamentlicher Prophet, dessen wunderbare Lebensgeschichte Jesus zum Vergleich für seinen Tod und seine Auferstehung diente. Jona war wie Jesus aus Galiläa (vgl. 2Kön 14,25, Gat-Hefer lag etwa 10km nördlich von Nazareth), was die Schriftgelehrten aber offenbar vergaßen oder gar nicht wussten (vgl. Joh 7,52). Vielleicht verglich sich Jesus auch deshalb mit ihm, denn das Vorurteil lautete: "...was kann aus Nazareth schon Gutes kommen". 8 Vgl. 1Sam 21,2-7. Sie hatten es zwar gelesen, aber sie hatten die Tragweite nicht verinnerlicht. Vielleicht verwendete Jesus bewusst dieses Beispiel, um die Pharisäer mit dem bösartigen Doeg zu vergleichen, der dann David und seine Mitstreiter bei Saul verriet. 9 Mit dieser Sünde gegen den Heiligen Geist ist wohl die Behauptung gemeint, Jesus würde in der Kraft Satans Dämonen austreiben, wo es doch für alle offensichtlich die Kraft des Heiligen Geistes war. Damit wäre diese Sünde also eine "historische", nämlich, nur wer damals, sehenden Auges, die offensichtliche Kraft des Heiligen Geistes dem Satan zuschrieb, hatte diese Sünde begangen. Dies würde auch erklären, warum diese Sünde nicht mehr explizit in den Lehrbriefen genannt wird. 10 Hier kündigt Jesus das erste Mal verhüllt seinen Tod und seine Auferstehung an. - Nach jüdischem Sprachgebrauch ist diese Ausdrucksweise kein Widerspruch zu der Tatsache, dass Jesus an einem Freitag starb und bereits am dritten Tag, einem Sonntag, auferstand (Mt 16,21; 17,23; 20,19; Lk 24,21.46; 1Kor 15,4 ua.), und damit nicht buchstäblich drei Tage und drei Nächte im Grab war. Der angebrochene Teil eines Tages wurde nämlich bei den Juden schon als ein ganzer Tag gezählt. Es ist eine altjüdische Redewendung, die drei Zeiteinheiten (Ona) meint, wobei eine angebrochene Ona immer als Ganze gezählt wurde (z.B. 1Sam 30,12.13). Es ist also eine ungefähre Zeitangabe, die nicht exakt 72 Stunden meint (vgl. 2,76; 34,II,469 dortige Fußnote; 54,30; 60,421; 64,459f). Der Ausdruck "drei Tage und drei Nächte" entspricht daher dem Ausdruck "am dritten Tag", "nach drei Tagen" (Mt 17,23 = Mk 9,31b) und "in drei Tagen" (Joh 2,19.22). 11 Gemeint ist das alte Königreich Sabwa, im heutigen Jemen, vgl. 1Kön 10,1-3; 2Chr 9,1-12. Für die damaligen Juden war dies "das Ende der Erde" (2,z.St.). 12 Damit ist bildlich ein ehemals Besessener gemeint, der zwar nun frei ist, aber der Geist Gottes hat noch keinen Besitz von ihm ergriffen, weil er noch nicht gläubig geworden ist. Der ganze Vergleich bezieht sich aber nach Vers 45b auch auf das Volk Israel zurzeit Jesu, eben diese "böse Generation" von Mt 12,39ff. Im weiteren Sinn ist das Prinzip aber auch anwendbar auf jeden, der zwar die Befreiung Gottes von seinen Lastern erlebt, aber doch nicht durch echten Glauben zur Wiedergeburt kommt. 13 Beelzebul - ursprüngliche Bedeutung: Mist-Gott (Mist = das heidnische Opfer); oder: Herr der Wohnungen (von Dämonen); oder: Herr der Fliegen (d. h. der Krankheiten). Er wird hier mit Satan, dem Anführer aller bösen Geister, gleichgesetzt. Dämonen sind "böse" oder "unreine" Geister, die in Menschen oder Tieren hausten, schwere Krankheiten seelischer oder leiblicher Art verursachten und so die Menschen versklavten; vgl. Mk 5,9.11; 6,13; Mt 9,32; 12,45; Lk 10,17-20; 13,11 u.ö. (vgl. 47,z.St.). Es wäre absurd zu glauben, dass nicht auch heute noch Menschen von Dämonen besessen sein können, allerdings werden solche Menschen heutzutage meist weggesperrt. 14 Nach Ansicht der jüdischen Rabbis, konnte nur der kommende Messias einen stummen Dämon austreiben (= ein Messias Wunder). Daher waren sie in Erklärungsnot und mussten eine andere Erklärung finden, denn Jesus war für sie nicht der Messias. Also schrieben sie seine Wunderkräfte dem Satan zu (Dr. A. Fruchtenbaum: Die drei messianischen Wunder Jesu, Seite 10). 15 Wahrscheinlich handelte es sich um einen Pottwal, der einen Vormagen und einen Hauptmagen hat. Im Vormagen werden keine ätzenden Magensäuren gebildet, dort könnte Jona überlebt haben. Der Schlund zum Hauptmagen ist zu eng, als dass ein Mensch durchrutschen könnte. Von den 90 bekannten Walarten auf dieser Erde ist der Pottwal die einzige, dessen Schlund groß genug ist, um das Verschlucken eines Menschen technisch zu ermöglichen. Das ausgewachsene, sechzehn Meter lange Säugetier, hat eine breite Speiseröhre. (https://www.nationalgeographic.de/tiere/2021/08/koennen-wale-menschen-verschlucken#:~:text=Theoretisch%20ist%20es%20also%20m%C3%B6glich%2C%20von%20einem%20Pottwal,deswegen%2C%20weil%20Mensch%20und%20Pottwal%20nur%20selten%20aufeinandertreffen.) 16 Hier merkt man, dass für Matthäus die Chronologie nicht so wichtig war, denn nach Lk 6,6 und Mk 3,1 fand die folgende Begebenheit an einem anderen Sabbath statt (20,210; 77,275f). Matthäus 13 1 Jes 6,9 (LXX). Vielleicht dem Hebräischen nachgebildet: "Hören sollt ihr, hören und doch nicht..., sehen sollt ihr, sehen und doch nicht...". Für die Jünger, die schon ein Grundverständnis der Wahrheit hatten, waren die Gleichnisse hilfreich zum besseren Verständnis, für die anderen war das Gegenteil der Fall. Nur den Jüngern wurde nämlich alles erklärt (vgl. 1Kor 2,6-14). Die Gleichnisse dienten dazu, schwierige Dinge für diejenigen die "drinnen" sind verständlicher zu machen, und zugleich, für die die "draußen" sind noch unverständlicher zu machen. Vgl. dazu auch: Hes 12,1-2 und Mk 8,18 2 Jes 6,10 (LXX). Die Verstockung des Volkes Israel zurzeit Jesajas, findet nun in der Verstockung des Volkes Israel zurzeit Jesu ihre endgültige Erfüllung. Es geht also bei dieser Verstockung, um das Volk Israel als Gesamtes, und nicht um den Einzelnen. Ab Vers 12ff. macht Jesus klar, dass er die Wahrheiten des Evangeliums in Gleichnissen erzählt, damit diejenigen die haben, d.h. die Jünger, die bei ihm sind, noch mehr verstehen, währenddessen diejenigen die nicht haben, d.h. die ihr Herz gegenüber ihm verschließen, gar nichts mehr verstehen. Es ist dies aber keine Vorherbestimmung zur Verdammnis. Das Problem ist, dass das Volk sein Herz selbst verstockt hat, wie einst Pharao. Sie haben ihre Ohren und Augen verschlossen (Vers 15). Wessen Herz hingegen vom Heiligen Geist für das Licht des Evangeliums geöffnet wird, der wird von diesem Licht mehr und mehr erleuchtet, zur Bekehrung geführt und errettet (vgl. 48,85f). 3 Ps 103,12 (LXX). Die Vögel suchten gerne Schutz und Schatten zwischen den Blättern des Senfbaumes und fraßen mit Vorliebe seine Samen. Sie waren also Schmarotzer des Baumes. In Hes 17,23-24 ist der Baum in dessen Ästen die Vögel Unterschlupf finden, ein Bild für das zukünftige messianische Reich. In Hes 31,6 und Dan 4,7-18 aber ein Bild für heidnische Weltmächte. Vielleicht verschmelzen beide Bilder hier: dass sich ausbreitende Reich Gottes wird von heidnischen Mächten für politische Zwecke missbraucht, - wie es in der Kirchengeschichte dann ja auch geschehen ist und immer noch geschieht. Bei den Rabbinern symbolisierten die Vögel die Heiden (14,146). 4 Ps 78,2 5 Dan 3,6 6 Vgl. Hes 3,27b 7 Gläubige sind dazu erwählt und bestimmt Frucht zu bringen (Joh 15,16; Lk 13,6; Mt 21,33ff; Kol 1,10), - der Heilige Geist befähigt sie dazu (Gal 5,22). Diese Frucht besteht in einem veränderten, christusähnlichen Charakter und in guten Werken (Tit 2,14; Jak 2,14.26). Wenn ein "Gläubiger" keine Frucht des Geistes im Leben hervorbringt, beweist das, dass seine Bekehrung nach Jak 2,17.26 nicht echt war! 8 Der Taumellolch (lolium temulentum) ist ein lästiges Unkraut in den Feldern Palästinas. Es ist dem Weizen zum Verwechseln ähnlich und bis kurz vor dem Ansetzen der Frucht, vom Weizen nicht zu unterscheiden. Danach aber hört der Lolch bei ca. 70 cm zu wachsen auf, wogegen Weizen in Palästina bis zu 140 cm hoch werden kann. Er hat auch schmälere Blätter als der Weizen. Der Taumellolch hat schwarze Körner, die bei Schimmelbefall allerdings weiß werden. Wenn sie mit dem Weizen mitgemahlen wurden, schwächten sie beim Genuss die Sehkraft des Menschen. Bei den Juden galt der Taumellolch als entarteter Weizen und diente nur als Hühner- und Taubenfutter (vgl. 46,201; 14,222f; 15,II,249 mit Abbildung). 9 Der Senfkornsame war im 1.Jhdt der kleinste mit freiem Auge sichtbare Same (ca. 1 mm groß). Er war auch der kleinste Same, den man in der Landwirtschaft verwendete, und stand bei den Juden sprichwörtlich für das Kleinste (54,z.St.; 64,463). Die Staude des schwarzen Senfs (lat.: brassica nigra) ist zwar botanisch kein Baum, sie wird aber in Palästina 1,20 m und beim See Genezareth sogar bis zu 5 m hoch und überragt damit im Gemüsebeet alle anderen Gemüsepflanzen wie ein Baum. Im Arabischen heißt sie daher "sajjarat al-Hardal", d.i. Baum des Senfs (15,II,293). Die Vögel suchten gerne Schutz und Schatten zwischen seinen Blättern und fraßen mit Vorliebe seine Samen. Die Vögel aber aufgrund von Mt 13,4.19 als dämonische Einflüsse zu deuten, scheint weit hergeholt, sie gehören einfach zum Bild (36,494). - Vgl. aber auch die Anm.3 vorher. 10 Die Hausfrau mengt ein wenig Sauerteig mit Wasser unter das Mehl, lässt es über Nacht stehen, in der Frühe ist der ganze Teig durchsäuert. 1 Sat entspricht nach Josephus 12,3 Liter (33,1249), 3 Sat sind also ca. 40 Liter, das sind etwa 70 kg Mehl. Diese Menge ergibt 54 Brote und reicht für bis zu 160 Personen (15,IV,120; 14,146). Dennoch ist es keine ungewöhnlich große Menge, wie Gen 18,6 (dort aber nur 22 kg Mehl), Richter 6,19 und 1Sam 1,24 zeigen, denn Brot war das Hauptnahrungsmittel und wurde für den ganzen Haushalt, inklusive Knechte und Mägde, gebacken. Dies war auch die Menge, die man für eine Ofenfüllung nahm (20,402). Oder denkt Jesus an eine Hochzeitsgesellschaft? - In Gen 18,6 war das Brot eine Speise für Gott und die beiden Engel. Sara mengte keinen Sauerteig hinein, denn ungesäuertes Brot galt als das ideale Brot. Auch das Speisopfer musste ungesäuert sein. Nur das gewöhnliche Brot, das zum Aufbewahren gedacht war, wurde gesäuert (15,IV,48f.56). Ob Jesus diese Gedanken bei dem Gleichnis hatte, muss offenbleiben. Jedenfalls ist Sauerteig in der Bibel durchgängig ein Symbol für Böses. 11 Matthäus (und auch Lk in Lk 13,21) verwendet das Wort εγ-κρυπτω (verbergen) und nicht das Wort μιγνυμι (vermengen), welches viel passender wäre. Das Wort steht auch in LXX Jos 7,21 und bedeutet dort: etwas mit üblen Hintergedanken verstecken. Es ist wohl bewusst gewählt, da Sauerteig in der Bibel sonst immer ein Bild für Böses ist, und steht hier auch, um eine Parallele zu κρυπτω in Vers 44 herzustellen. In beiden Gleichnissen ist etwas verborgen, aber spiegelverkehrt, hier Böses dort Kostbares. - Dass die handelnde Hauptperson hier nun, im Gegensatz zu den anderen Gleichnissen, eine Frau ist, könnte sich ganz natürlich aus dem Bild ergeben, denn die Frauen hatten das Brotbacken über, oder Jesus verwendet es bewusst, um mit der Frau das ungläubige Israel zu bezeichnen, welches den Sauerteig der Gesetzlichkeit, schon von Anfang an in die Gemeinde eingeschleust hat (vgl. Mt 16,6; Apg 15,5; Gal 5,9-10). 12 Ein Acker kostete nach Mt 27,6-7 etwa 30 Silberstücke, das sind 120 Drachmen bzw. Tageslöhne, also ca. 3 Monatslöhne. Der Mann war demnach ein armer Taglöhner (vgl. 2Kor 8,9), wenn 120 Drachmen sein ganzer Besitz waren. Vielleicht pflügte er als Taglöhner gerade den Acker eines Bauern und stieß dabei auf einen Tonkrug mit Goldmünzen. Er verbarg den Schatz vorerst wieder in der Erde und kaufte dann den Acker. Nach rabbinischem Verständnis war das erlaubt und nicht unmoralisch (14,197; 34,I,595). Das Gleichnis endet ganz untypisch, im Vergleich zu den Gleichnis-Reden der jüdischen Rabbis, weil Jesus nicht weitererzählt, was der Finder mit dem Schatz macht. Das Gleiche finden wir im nächsten Gleichnis von der Perle. 13 Ein reicher Geschäftsmann der als Großimporteur Handel mit kostbaren Waren trieb, die er aus Süd-Arabien mit einer Karawane nach Tyros oder Damaskus brachte und dort mit hohem Gewinn weiterverkaufte (14,198). Kostbare Perlen waren daneben seine Liebhaberei, daher war er in den orientalischen Märkten auch auf der Suche nach solchen. 14 Das sind die unreinen, nicht essbaren und daher unbrauchbaren Fische. Im See Genezareth hat man 24 Fischarten gezählt (15,VI,351). 15 Ein Aorist mit Präsensbedeutung, wie das hebräische Perfekt. Oder ein proleptischer Aorist mit Zukunftsbedeutung (21,I,199). Der Vergleich betrifft hier und in allen anderen Gleichnissen immer die Gesamtaussage des Gleichnisses, daher: "mit dem Königreich der Himmel verhält es sich wie mit..." (13,22). 16 Der Wert von Perlen entsprach dem heutigen Wert von Diamanten. Cäsar schenkte der Mutter von Brutus eine Perle im Wert von 6 Millionen Sesterzen, was etwa 4100 Jahreslöhnen eines Taglöhners entsprach. Kleopatra hatte gar eine Perle im Wert von 100 Millionen Sesterzen (14,198), was 68.000 Jahreslöhnen entsprach. Im Jahr 2005 wurde eine der größten Perlen aus den französischen Kronjuwelen namens "La Regenta", bei einer Auktion in Genf für 3.628.000,- Schweizer Franken versteigert. 17 Es gibt keinen Indikativ Aorist Aktiv für dieses Verb (wohl aber einen Indikativ Aorist Passiv in Joh 12,5), daher wird hier der Indikativ Perfekt πεπρακεν für den fehlenden Aorist verwendet (44,z.St.). Es bedeutet etwas um einen bestimmten Preis zum Verkauf bringen, ohne lange zu feilschen. Doch vielleicht soll das Perfekt dabei auch ausdrücken, dass dies ein einmaliger, riskanter und unwiderruflicher Schritt war (21,I,203). Er wollte sich beeilen, denn die Perle lag ja offen für jeden zum Kauf bereit. 18 Dreimal hintereinander das Präsens historicum (im Gegensatz zu Vers 46), vielleicht um den Vorgang lebendig zu schildern. Das Präsens könnte aber auch den iterativen Sinn ausdrücken: alle seine Habe Stück für Stück zum höchsten Preis verkaufen. Da niemand von dem verborgenen Schatz wusste, hatte er keine Eile. Allerdings wäre für den iterativen Sinn der Indikativ Imperfekt passender gewesen. 19 Ptz.Perf.Passiv, d.h. der Schatz wurde von seinem Besitzer vergraben. Das Vergraben eines Schatzes an einem Ort, den man sich gut merken konnte, galt im Altertum als sicherstes Versteck (14,197). Für die Anwendung des verborgenen Schatzes auf die Gläubigen, vgl. Joh 13,1 und Kol 3,3-4 20 Der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu erretten. 21 Ein ca. 2 m tiefes, langgezogenes Fischernetz, dass an seinen beiden Enden von zwei Booten auf den See hinausgezogen wurde. Danach wurde das Netz in die Tiefe gelassen. Korkstücke hielten die Oberseite des Netzes an der Wasseroberfläche, die Bleigewichte an der Unterseite des Netzes zogen es in die Tiefe (65,I,121). Das Netz wurde dann von den beiden Booten an den vier Zugseilen samt seinem Inhalt an Land geschleppt und umschloss alles Davorliegende. Es "kehrte" den Meeresboden sozusagen aus, hatte aber nicht nur brauchbare, sondern auch unbrauchbare Fische drinnen. Die Fische wurden am Land aussortiert und das Netz anschließend von den Fischern gereinigt und ausgebessert. Dieses Netz war viel größer und teurer als die Wurfnetze (Strong Nr.: 1350 und 293), was zeigt, dass die Jünger ein gutausgerüstetes Fischereiunternehmen hatten (37,567; 14,223; 46,145). Im bildlichen Sinn bezeichnet dieses Schleppnetz daher den Gedanken des Allumfassenden viel trefflicher als seine beiden Synonyme. Es ist ein Bild für das, was wir heute Massenevangelisation nennen würden. 22 vgl. Anm. zu Mt 7,29 23 Das ist der Boden am Rand der Felder, wo man mit dem Pflug nicht so gut hinkam. Dort ist der Boden daher voll mit Felsbrocken oder Steinen. Oder ein felsiger Boden ist gemeint, der nur eine dünne Erdschicht über dem darunterliegenden Felsengestein hat. 24 Hier wahrscheinlich die Dornensamen, die von der Dornenhecke abfielen, die die Felder einzäunte. Es könnten aber auch die als Unkraut wuchernde und gefürchtete stachelige Hauhechel, sowie der Judendorn gemeint sein, die beide gerne in Getreidefeldern aufgingen, und das aufkeimende Getreide erstickten (1,56; 2,79; 15,I,407; 46,130). 25 Auch eine dreißigfache Getreideernte galt in Palästina als sehr gut, eine hundertfache schon als außergewöhnlich (vgl. Gen 26,12). Das normale war in der Neuzeit nur mehr ein 7-10-facher Ertrag (15,III,153ff). 26 Es war üblich, dass die Bauern nach der Ernte Trampelpfade durch fremde Felder anlegten, um auf ihre eigenen Felder zu gelangen. Auf diesen Pfaden war das Erdreich dann so festgetreten, dass die Samenkörner beim Sähen im nächsten Frühjahr obenauf liegen blieben. Da aber in Palästina meist zuerst gesät und sofort danach eingepflügt wurde, war das an sich kein Problem. Einige Samenkörner wurden jedoch von den bereits wartenden Vögeln noch vor dem Einpflügen aufgepickt (vgl. 14,7f; 15,II,179ff). 27 Als landwirtschaftlicher t.t.: ein Feld nochmals besähen. Der Teufel übersäht das mit gutem Weizensamen besäte Feld nochmals mit dem Unkrautsamen des Lolchs. Solche Feindseligkeiten geschahen damals. Das ganze Feld wurde dadurch von diesem Unkraut verseucht und es ging zusammen mit dem Weizen auf, wobei die Wurzeln von Weizen und Lolch miteinander verwachsen waren. Das Jäten des Lolchs war schon im Frühjahr üblich, aber wenn so viel Lolch im Feld wuchs, wären beim Ausreißen des Lolchs unweigerlich auch Weizenhalme mit ausgerissen worden. Das erklärt die ablehnende Antwort des Gutsherrn in Vers 29 (vgl. 14,222; 15,II,308-330). 28 In der Gräz.: Geheimnisse der Götter ausplaudern (37,253). In der LXX: etwas hervorsprudeln lassen. 29 Zum Ernten wurden noch zusätzlich Schnitter eingestellt. Der Plural Maskulin bezieht sich in der Anwendung auf die Engel, siehe Vers 49. Vgl. dazu auch die Anm. bei Mt 24,40 30 Gesät wurde auf (επι) und nicht unter (εν) die Dornen, daher eben nicht in die Dornensträucher hinein, was kein Bauer machen würde, sondern auf den Boden am Feldrand, wo bereits die Dornensamen unter der Erde lagen, was sich nicht vermeiden ließ. Die Felder waren zum Schutz vor Tieren mit lebenden Dornenhecken eingezäunt. Von diesen fielen die Dornensamen ins Feld (46,130). Dies drückt auch Lk 8,7 klar aus. 31 Es ist beachtenswert, dass Jesus hier keine Anwendung dafür gibt, wer der Säemann ist, denn zuerst ist es natürlich er selbst (vgl. Vers 37), danach aber die Apostel, und jetzt jeder der das Evangelium verkündet. - Jesus legte nur zwei seiner Gleichnisse aus (Vers 18ff. und Vers 36ff). Dabei lehrt er uns Prinzipien für die Auslegung der anderen Gleichnisse. So ist z.B. die männliche Hauptperson in einem Gleichnis fast immer Gott oder der Herr Jesus selbst, außer dies ist eindeutig nicht der Fall (z.B. in Lk 11,5ff; 12,16ff; 16,19ff; 18,1ff). In den "Acker-Gleichnissen" ist der Acker immer die Welt (Mt 13,38). 32 Der Boden ist das menschliche Herz. Die Botschaft muss ins Herz gehen, und nicht nur in den Verstand und das Gefühl. Die Wirkung kann aber verschieden sein: z.B. in Apg 2,37f → Buße und Glaube, aber in Apg 7,54f → Ablehnung und Mord. Das Herz kann ein harter, oberflächlicher, geteilter oder verschieden guter Boden sein. Nur Herzensglaube ist rettender Glaube (vgl. Röm 10,10). 33 Die folgenden sieben Gleichnisse sind von Matthäus kunstvoll zusammengestellt. Die ersten vier Gleichnisse (Sämann - Unkraut - Senfkorn - Sauerteig) sprach Jesus öffentlich zu allen Zuhörern, die drei letzten (Schatz - Perle - Fischnetz) nur zu den Jüngern im Haus (V.36). Vielleicht kann man daraus ableiten, dass die ersten vier Gleichnisse beschreiben sollen, wie sich das Königreich der Himmel aus der Sicht der Menschen entwickelt, während die letzten drei Gleichnisse beschreiben, was für Gott in der Entwicklung des Königreiches wichtig ist. Das Gleichnis vom Säemann ist der Einstieg, der beschreiben soll, wie das Königreich der Himmel durch die Predigt Jesu beginnt und sich später durch die Predigt der Jünger weiter ausweitet. Die darauffolgenden sechs Gleichnisse sind in zwei Gruppen zu je drei, wie auf einer Perlenkette aufgereiht und stehen in folgender Beziehung zueinander: (1.) Das Gleichnis vom Unkraut im Acker beschreibt wie durch den Teufel von Anfang an falsche Bekenner (z.B. Judas Iskariot, Simon der Zauberer, ua.) unter die wahren Gläubigen gemischt werden. (2.) Das Gleichnis vom Senfkorn soll die unerwartet schnelle äußere und sichtbare Ausbreitung des Himmelreiches (= des Christentums) andeuten. Diese Ausbreitung ist durchaus positiv, denn die Völker, die das Christentum übernahmen, hatten dadurch Vorteile. Dass nicht alle die sich zum Christentum bekennen wahre Gläubige sind, hat Jesus ja schon im vorigen Gleichnis klargemacht. (3.) Das Gleichnis vom Sauerteig soll im Gegensatz zum Gleichnis vom Senfkorn die gleichzeitige innere negative Ausbreitung des Sauerteigs der Pharisäer (= Gesetzlichkeit), der Sadduzäer (= Liberalismus) und des Herodes (= politisches Christentum) im Himmelreich andeuten. Das Wort εγ-κρυπτω ("verbarg") in Vers 33 soll zum nächsten Gleichnis überleiten, indem es in Vers 44 einen Gegensatz darstellt. In beiden Gleichnissen ist etwas verborgen, hier Böses dort aber Kostbares. (4.) Mit dem Gleichnis vom Schatz im Acker und mit dem Gleichnis von der kostbaren Perle, kann nicht die Inbesitznahme des Himmelreiches durch den Menschen gemeint sein, denn man muss sich das Himmelreich nicht erkaufen, ja man kann dies gar nicht. Und niemand kann ehrlicherweise von sich behaupten, er hätte alles für das Himmelreich hingegeben. Außerdem ist in allen Himmelreichs-Gleichnissen (außer in Lk 12,16ff; Lk 18,1ff und Lk 18,10ff) die männliche Hauptperson immer Gott oder Jesus, und so sicherlich auch in diesen beiden Gleichnissen. Der Herr Jesus hat alles aufgegeben, um Mensch zu werden (2Kor 8,9; Php 2,6-9), und um die ganze Welt (1Tim 2,6 ["...für alle"]; Joh 1,29) für sich zu erkaufen, wobei er natürlich besonders die Auserwählten im Blick hatte, wie das nächste Gleichnis deutlich machen will. (5.) Das Gleichnis von der kostbaren Perle beschreibt die stellvertretende Hingabe Jesu, um speziell die von Gott auserwählten Gläubigen (Mt 20,28 ["...für viele"]; 1Pet 2,24) für sich als sein kostbares Eigentum zu erkaufen. Beide Gesichtspunkte, der Schatz im Acker und die kostbare Perle, finden sich auch in folgenden Bibelstellen hintereinander: Heb 2,9; 1Joh 2,2; 2Kor 5,19 und Kol 1,19-21. (6.) Das Gleichnis vom Fischnetz schließlich beschreibt, als Spiegelbild zum ersten Gleichnis vom Unkraut, wie am Ende des Zeitalters die wahren Gläubigen von den falschen ausgesondert werden. Siehe dazu die Grafik in: https://drive.google.com/file/d/1TrQWqZJvruaKGmDuCQGlZ3mN-sy1TlRx/view?usp=sharing 34 Das bedeutet die aufgehenden Getreidekeimlinge wurden erstickt, weil die Dornen schneller wuchsen und die Oberhand gewannen (vgl. Lk 8,7). 35 In der Gräz.: das Zusammenbeißen der Zähne vor Schmerz (1,295). Zu beachten ist, dass hier zuerst die Ungläubigen abgesondert werden zum Gericht, in 1Thes 4,17 aber zuerst die Gläubigen abgesondert werden zur Vollendung. Die Gerechten sind hier der gläubig gewordene Überrest aus Israel, der auf der Erde zurückbleibt (Offb 14,1ff), um im tausendjährigen Königreich, unter dem König Jesus Christus, Gottes irdisches Volk zu bilden. 36 Das Reich Gottes wird in den Gleichnissen meist mit einem Menschen verglichen, der etwas Bestimmtes tut (14,101). Bis auf einige offensichtliche Ausnahmen (z.B. Lk 12,16; 18,2), ist die männliche Hauptperson in den Gleichnissen immer Gott oder der Herr Jesus. Daher wird die männliche Hauptperson in Mt 13,3.24.31.44.45, sicherlich auch der Herr Jesus selbst sein. Freilich wird das Gleichnis seit Jahrhunderten anders ausgelegt und mit dem Mensch in Vers 44-45 soll der Sünder vor seiner Bekehrung gemeint sein. Aber haben wir wirklich alles verkauft, bzw. aufgegeben, um das Himmelreich zu erwerben. Und noch gravierender: kann man sich das Himmelreich erkaufen? Sicherlich nicht! 37 Kein Zimmermann, sondern ein Handwerker, der ganz allgemein mit Holz oder auch Stein arbeitete. Er stellte verschiedene Möbelstücke, aber auch Pflüge und Dachbalken her (46,78f; 54,z.St.). Diese Handwerker waren zurzeit Jesu für den Wiederaufbau des nahegelegenen Sepphoris sehr gefragt, das 6 n.Chr. von den Römern gebrandschatzt worden war, dessen Bewohner in die Sklaverei verkauft wurden und das danach wieder aufgebaut wurde (65,I,122). 38 Ab Mai stiegen die Temperaturen in den Sommer hinein bis auf 40° im Schatten. Alles, was nicht tiefe Wurzeln gebildet hatte, wurde durch die Sonnenhitze verbrannt (46,131). 39 Die "Brüder und Schwestern" Jesu waren sicherlich weitere leibliche Kinder von Joseph und Maria. Jesus war ja der Erstgeborene (Lk 2,7) und Joseph "erkannte Maria nicht, bis sie Jesus geboren hatte" (Mt 1,25), was impliziert, dass sie danach normalen ehelichen Verkehr hatten, bei dem die Brüder und Schwestern Jesu gezeugt wurden (25,II,127ff). Vgl. auch die Anm. bei Lk 2,7 40 Es gibt acht Geheimnisse Gottes, die im AT noch verborgen waren und erst im NT geoffenbart werden. Vgl. die Anm. bei 1Kor 2,7 41 Das bedeutet nicht, dass er wegen ihrem Unglauben nicht mehr Wunder tun konnte, sondern er wollte nicht mehr Wunder tun. Durch Wunder wollte Jesus den persönlichen Glauben stärken und bestätigen ("Dein Glaube hat dir geholfen"). Nur bei Dämonenaustreibungen setzte er den Glauben des Besessenen nicht voraus, da er gekommen war, um die Werke des Teufels zu zerstören (1Joh 3,8). 42 Die Akustik war vom Wasser aus zum Ufer, sehr viel besser als an Land. Die vielen Menschen konnten ihn so also besser hören. 43 Normalerweise wurde in diesem Fall zuerst der höhergewachsene Weizen direkt unter der Ähre abgeschnitten und der kürzere Lolch stehengelassen (65,I,119), doch die Anwendung Jesu in Vers 40-43 verlangte es anders. 44 Zum Unterschied zwischen der Königsherrschaft der Himmel und der Königsherrschaft Gottes siehe die Grafik in: https://drive.google.com/file/d/1OlWcsaRD6zqysDt0AuTqm0o_vpPK0M-F/view?usp=sharing 45 Siehe dazu die Grafik in: https://drive.google.com/file/d/1d6hNT_KlgxXvdyOrW3ouejmSEIkbjuHA/view?usp=sharing 46 Siehe die Anm. bei Lk 8,17 47 Der Artikel ist ungewöhnlich, eigentlich unnötig und daher wahrscheinlich bewusst gesetzt, um auf den Acker in Vers 38 zurückzuweisen. Auch hier ist der Acker die Welt, in der der Schatz, die Gemeinde, noch verborgen ist, vgl. Kol 3,3; Joh 13,1b Matthäus 14 1 Nach rabb. Verständnis war dies der 1.Abend, das ist die Zeit bis Sonnenuntergang, von 15-18 Uhr (21,I,208). 2 Nach rabb. Verständnis war dies der 2.Abend, das ist die Zeit von Sonnenuntergang bis zum Einbruch der Dunkelheit, von 18-20 Uhr. 3 Mit Art.: auf einen ganz bestimmten Berg? Oder allg.: das Bergland (46,166). 4 Man teilte die Nacht in vier Abschnitte ("Nachtwachen") zu je drei Stunden ein (vgl. 47,z.St.). Hier also zwischen 3-6 Uhr in der Nacht. 5 Herodes-Antipas, der Tetrarch (ein Regent über den vierten Teil eines Herrschaftsgebietes). Der sechste Sohn von Herodes dem Großen mit der Samariterin Malthake. Er erbte von seinem Vater die Tetrarchien Galiläa und Peräa die ihm von Augustus übertragen wurden und regierte von 4 v.Chr. - 39 n.Chr. Er war der politisch fähigste von den Söhnen des Herodes. So wie sein Vater war er ein großer Bauherr. Die Stadt Tiberias am See Genezareth wurde von ihm zu Ehren des Kaisers Tiberius erbaut. Er heiratete die Tochter des nabatäischen Königs Aretas IV, ließ sich aber dann von ihr scheiden um Herodias, die geschiedene Frau seines Halbbruders Herodes-Boethos/Philippus, zu heiraten. Von Johannes dem Täufer wurde er dafür öffentlich gerügt, da dies vom Gesetz Mose als Inzest verboten war (Lev 18,14). Herodes Antipas fürchtete, wegen dem Einfluss den Johannes unter den Menschen hatte, eine Revolte gegen sich und ließ Johannes daraufhin inhaftieren und später auf Drängen der Herodias enthaupten. Von da an mehrte sich das Unglück im Leben von Herodes. König Aretas IV. rächte sich für die Schmach, die seiner Tochter durch die Scheidung angetan wurde und zettelte einige Jahre später (36 n.Chr.) einen Grenzkrieg gegen Antipas an, bei dem Antipas eine schwere Niederlage hinnehmen musste. Josephus und große Teile des jüdischen Volkes betrachteten dies als ein Gericht Gottes für die Hinrichtung von Johannes. Mit Antipas als Herrscher, hatte Jesus viele Jahre zu leben. Obwohl er kein König war, wurde er oft vom Volk so bezeichnet. Wegen seiner Falschheit nannte ihn Jesus einen "Fuchs" (Lk 13,31-32). Da Kaiser Caligula kurz nach seinem Regierungsantritt seinem Günstling Herodes Agrippa I. den Königstitel verlieh, ließ das dem Ehrgeiz seiner Schwester Herodias, die mit Herodes Antipas verheiratet war, keine Ruhe. Sie trieb ihren Mann Herodes Antipas an, im Jahr 39 n.Chr. ebenfalls nach Rom zu reisen und beim Kaiser, um den Königstitel und eine Erweiterung seines Herrschaftsgebietes anzusuchen. Doch Antipas wurde von seinem Neffen Herodes Agrippa I. bei Caligula angeschwärzt, weil er hinter dem Rücken des Kaisers Geheimabsprachen mit den Parthern getroffen hatte, woraufhin ihm der Kaiser seine Regierungsgewalt entzog und ihn ins Exil nach Lugdunum Covenarum verbannte. Seine Frau Herodias folgte ihm (aus Liebe?) dorthin, obwohl sie hätte frei bleiben können. Im Exil starb er. Als Ironie des Schicksals bekam dann sein Neffe Agrippa I. von Kaiser Caligula die Tetrarchie des Antipas übertragen (33,481; 42,592ff; 52,II,1092; Herodes Antipas - Wikipedia). 6 Gemeint ist wahrscheinlich Herodes Boethos (Philippus I.), geb. ca. 22 v.Chr. als der vierte Sohn von Herodes dem Großen und seiner dritten Ehefrau Mariamne II. Er war ein Halbbruder von Herodes Antipas. Herodes der Große hat seinen Sohn Herodes Boethos offenbar geschätzt. Denn nach der Hinrichtung von dessen beiden Halbbrüdern Aristobul und Alexander wegen angeblicher Umsturzpläne im Jahr 7 v. Chr. rückte der zu dieser Zeit etwa 15-jährige Herodes Boethos im Testament seines Vaters an die zweite Stelle, unmittelbar hinter dessen ältestem Sohn Antipater (aus der Ehe mit der ersten Gattin Doris). Als 4 v. Chr. die Umsturzpläne des Antipater gegen seinen Vater aufgedeckt wurden und dieser als Erbe für König Herodes nicht mehr in Frage kam, rückte Herodes Boethos sogar auf die erste Stelle in der Nachfolge vor. Jedoch nur kurze Zeit. Bei den verschiedenen Verhören, denen zahlreiche Personen am Königshof unterworfen wurden, stellte sich heraus, dass die Mutter des Herodes Boethos, von dem geplanten Giftanschlag auf den König Kenntnis gehabt, aber geschwiegen hatte. König Herodes verbannte sie zur Strafe daraufhin von seinem Hof, enterbte ihren Sohn Herodes Boethos und setzte ihren Vater Simon Boethos als Hohepriester ab. Während auf seine Halbbrüder Herodes Antipas, Herodes Archelaeus und Philippus nach dem Tod von Herodes dem Großen 4 v. Chr., bei der Teilung des Erbes von Kaiser Augustus stattliche Herrschaftsgebiete übertragen wurden, blieb Herodes Boethos aufgrund seiner Enterbung unberücksichtigt. Er erhielt deshalb auch den Beinamen "ohne Land". Er blieb aber ein Mitglied des herodianischen Herrscherhauses und heiratete 6 n. Chr. seine damals 20-jährige Nichte Herodias, die eine Tochter des hingerichteten Herodes Aristobul und zugleich eine Enkelin Herodes des Großen war. Aus der Verbindung von Herodes Boethos und Herodias ging ca. 8 n.Chr. die Tochter Salome hervor, die später bei der Enthauptung von Johannes dem Täufer, durch ihren Tanz und die Forderung nach dem Kopf des Johannes eine maßgebliche Rolle spielte. Herodes Boethos lebte nach seiner Enterbung als ein Privatmann und hatte nie ein Regierungsamt. Er verkehrte aber weiterhin mit den anderen Mitgliedern des königlichen Hauses, unter anderem mit seinem Halbbruder Herodes Antipas. Flavius Josephus berichtet, dass sich Herodes Antipas bei einem dieser Besuche leidenschaftlich in seine Schwägerin und Nichte Herodias verliebte. Da Herodias offenbar sehr ehrgeizig war und gerne die Ehefrau eines Tetrarchen werden wollte, verlangte sie von Herodes Antipas, dass er sie heiraten muss, was dieser ihr dann auch versprach. Herodias verließ daraufhin ihren Mann und auch Herodes Antipas verstieß seine erste Frau Phasaelis, eine Tochter des Nabatäerkönigs Aretas IV., um Herodias zu heiraten. Diese Beziehung war nach Lev 18,16 als Inzest verboten, und dieser doppelte Ehebruch erregte bei den Juden Anstoß. Herodes-Antipas wurde auch öffentlich von Johannes dem Täufer gerügt, worauf ihn Herodias anfeindete und Herodes ihn töten wollte, dann aber doch, aus Angst vor dem Volk, nur inhaftieren ließ. Über das weitere Leben des Herodes Boethos überliefern uns die Quellen keine weiteren Einzelheiten. Die Familie seiner Mutter blieb jedoch bedeutend, da während der Herrschaftszeit des Herodes Archelaeus bis zum Jahr 6 n.Chr., sowie zu späterer Zeit weitere Hohepriester aus dieser Familie ernannt wurden (vgl. 2,90; 33,927; 42,592ff; Herodes Boethos - Wikipedia). 7 Der Name der Tochter war Salome. Sie war zu diesem Zeitpunkt etwa 13 Jahre alt. Ihr Vater Herodes Boethos war ein Sohn von Herodes und dessen dritter Ehefrau Mariamne II., die nach Angaben von Flavius Josephus als die "schönste Frau der damaligen Zeit" galt. Mütterlicherseits war Salome die Urenkelin von Herodes dem Großen. Ihre Mutter war Herodias, deren Vater Aristobul selbst ein Sohn von Herodes´ zweiter Ehefrau Mariamne I. war. Salome war nur kurz mit Philippus, Tetrarch von Ituräa, Golan und Trachonitis (er war ihr Onkel) verheiratet, der sich vielleicht beim Geburtstagsfest von Herodes Antipas, wo sie tanzte, in sie verliebt hatte und sie dann heiratete. Die kurze Ehe blieb kinderlos. Nach dem Tod ihres Ehemannes im Jahr 34 n. Chr., heiratete sie ihren Vetter Aristobul, den Sohn des Königs Herodes von Chalkis und hatte drei Söhne mit ihm. Die Hoffnungen Aristobuls, die Nachfolge seines Vaters antreten zu können, zerschlugen sich jedoch, als der römische Kaiser Claudius dieses Königreich im Jahr 49 n.Chr. an Herodes Agrippa II., den Vetter des Aristobul, übertrug. Dies war sicherlich auch für Salome eine Enttäuschung. Aristobul wurde jedoch einige Jahre später (54 n.Chr.) vom römischen Kaiser Nero, gleich nach dessen Amtsantritt, zum König von Kleinarmenien ernannt. Salome wurde dadurch zur Königin dieses Reiches, das mit der Hauptstadt Nikopolis westlich von Großarmenien im nördlichen Anatolien lag. Es sind mehrere Münzen mit Bildnissen und Inschriften von Aristobul und Salome als Königspaar von Kleinarmenien erhalten (33,482; 2,90; 42,1180; Salome (Tochter der Herodias) - Wikipedia). 8 Der kleine Handkorb für die Mitnahme von Lebensmitteln, wie ihn die Jünger vorher für die Verteilung der Lebensmittel gebraucht hatten. Aber auch der große und feste (Trag)Korb von 7-13 Liter Inhalt, wahrscheinlich am Rücken getragen. Dieser wurde vor allem von Juden verwendet und ist vielleicht synonym mit καρταλος, das ist der Korb, mit dem die Erstlingsfrüchte nach Jerusalem gebracht wurden (37,357). In LXX: Rich 6,19; Ps 81,7. 9 Er "nötigte" sie wegen Joh 6,15! Dachten die Jünger, dass Jesus zu Fuß um den See herum ans andere Ufer nachkam? Oder machten sie sich gar keine Gedanken darüber, wie er zu ihnen kommen sollte? Er jedenfalls wusste schon, wie er nachkommen würde! 10 1 Stadie waren ca. 192 Meter. Nach Joh 6,19 waren sie schon ca. 5 km gefahren, also etwa in der Mitte des Sees. Schwere Stürme traten am See Genezareth oft ganz plötzlich auf (65,I,125). 11 Hatte sich die Begebenheit von Mt 9,20ff bereits in Galiläa herumgesprochen? Siehe die dortige Anmerkung zu den Quasten. 12 Wohl, um allein zu sein und nicht um zu fliehen! 13 So auch im übertragenen Sinn in Mt 26,70ff, in Gal 2,11 und vielleicht sein ganzes Leben lang! Eine Charakterschwäche, die sich vielleicht schon hier andeutungsweise zeigt. Petrus ging auf dem Wasser (!), aber er fürchtete den Wind (!) (21,I,211). 14 Nach jüdischer Sitte wurde zu Beginn der Mahlzeit immer vom Hausherrn oder dem Gastgeber ein Brotfladen genommen und Gott für Speise und Trank gedankt, weil Gott der Geber aller Nahrung ist und man ihn verunehren würde, wenn man ihm nicht dafür dankt. Danach wurde das Brot gebrochen und an alle ausgeteilt (46,246f). Das Brot diente, wie auch heute noch im Orient, als Löffelersatz zum Aufnehmen der restlichen Speisen. Paulus setzt die Gewohnheit des "Tischgebets" in 1Tim 4,4-5 auch für Gläubige voraus. Matthäus 15 1 Ex 20,12; Dtn 5,16; Ex 21,17; Lev 20,9 2 Jes 29,13 (LXX) 3 Nach Mk 7,31 wanderte Jesus von Tyrus zum See Genezareth und dann am Ostufer des Sees entlang in das Gebiet der Dekapolis. 4 od.: "Ihr begreift doch..., nicht wahr"? 5 Übersetzung des hebr. qorban (vgl. Mk 7,11). Im Judentum wurde der Ausdruck in einer Formel verwendet, womit man etwas dem profanen Gebrauch entzog, und zu einer Gott oder dem Tempel geweihten Gabe erklärte. Zum Teil handelte es sich bei dieser Weihe um eine reine Formsache, bei der eine eigentliche Übergabe an den Tempel unterblieb. Es gab zwar verschiedene Möglichkeiten, voreilig abgelegte Korban-Gelübde später unter bestimmten Voraussetzungen zu annullieren, doch bestand wahrscheinlich, zumindest ein Teil der Gesetzeslehrer zurzeit Jesu darauf, dass solche Gelübde (vgl. Num 30,2-3; Dtn 23,22-24) in jedem Fall, jedenfalls in dem hier gemeinten Fall, bindend waren (vgl. 2,96). Auf diese Weise entledigten sich die Pharisäer auf fromme, heuchlerische Weise ihrer materiellen Pflichten gegenüber ihren alten Eltern, den ihre so "geweihten" Ersparnisse durften sie nicht für ihre Eltern verwenden. Vgl. Lev 2,1.4.12-13; Spr 28,24 6 Der im Haus geduldete kleine Schoßhund oder Haushund, im Gegensatz zum verachteten und herrenlosen Straßenköter. Er bekam die Abfälle vom Tisch. Jesu Vergleich ist also keineswegs so verächtlich, sonst hätte er wohl κυων (Strong Nr.: 2965) gewählt. 7 Die Frau verwendet die Verkleinerungsform παιδιον, weil es die kleinen Kinder sind, die beim ungeschickten Essen noch Brösel verlieren. Im nächsten Atemzug aber nennt sie die Juden anerkennend ihre "Herren". 8 Es scheint eigenartig, dass die Jünger diese Frage stellen, wo sie doch erst vor kurzem die Speisung der 5000 miterlebten. Da sich Jesus aber im heidnischen Gebiet der Dekapolis aufhielt (46,185f), waren sie wohl der Meinung, dass er ein solches Speisewunder für Heiden nicht tun würde. Vgl. auch die Anm. unten. 9 Die genaue Lage dieses Ortes ist nicht bekannt. Ein Teil späterer Textzeugen nennt hier Magdala, eine bedeutende Stadt an der Westseite des Sees Genezareth, die nach dem Talmud ca. 5km, also ca. 20 Minuten nordwestlich von Tiberias lag, der heutige Ort "El-Medschdel" (42,271). Nach Josephus eine der größten Städte Palästinas, mit angeblich 40.000 Einwohnern, hellenistisch geprägt, mit teilweise jüdischer Bevölkerung. Die Stadt hatte eine Fischerflotte von über 230 Booten. Damit war sie ein Mittelpunkt des Fischhandels am See Genezareth. In der Stadt gab es auch ein Hippodrom für die Unterhaltung der heidnischen Einwohnerschaft (20,259; 46,134f). Vielleicht ident mit dem alten Migdal in Jos 19:38 (52,III,872; 47,z.St.). - Andere meinen "Magadan" sei kein Ortsname, sondern nur eine aramäische Wendung, die den Jüngern bekannt war, und "sein Zufluchtsort" bedeutet. Der Begriff Magadan, den Matthäus hier verwendet, würde dann bedeuten: "die (glücklichen) Wasser des Gad". In Mk 8,10 heißt der Ort Dalmanuta. Beides würde auf Tabgha hindeuten, dass damals zu Kafarnaum gehörte. Dieser Platz liegt zwei Kilometer südlich von Kafarnaum in der Nähe von sieben Quellen, und war der Ort, an den Jesus sich gern zurückzog (54,z.St.). Andere wiederum identifizieren Magadan mit dem Fischerstädtchen Tarichäa (65,I,129). Mit Sicherheit lässt sich die Örtlichkeit aber nicht bestimmen (33,259). 10 Ein biegsamer Tragkorb, geflochten aus Weidengerten oder Schnüren und zu einer Matte zusammenlegbar, der bis zu 50 Brotlaibe fasste (37,618), wahrscheinlich größer als der Handkorb (Synonym Strong Nr.: 2894) und für längere Reisen gedacht (21,I,219), auch groß genug, um Paulus darin aufzunehmen (Apg 9,25). Vielleicht in kleinerer Ausführung als Essenskorb oder als Jausenkorb verwendet, um Proviant mitzunehmen, Der Unterschied zum Handkorb (Strong Nr. 2894) dürfte folgender sein: Möglicherweise war der Tragkorb im Allgemeinen größer als der Handkorb, jedenfalls aus anderem Material angefertigt. Der Unterschied in der Größe ist umstritten, da beide Wörter Körbe unterschiedlicher Größe bezeichnen können (vgl. 2,909; 37,357; dagegen: 34,II,65). Eher ist der Unterschied im Material bedeutend, denn bei den 5000 Gespeisten, die ja Juden waren, wird das Wort "Handkorb" verwendet, die Speisung der 4000 hier hingegen fand in heidnischem Gebiet statt (Mk 7,31ff) und es handelte sich dabei sicherlich um Nichtjuden (46,185f). Dies erklärt auch, warum die Jünger trotz der erst kurz davor gemachten Erfahrung mit der Speisung der 5000 Juden nicht auf den Gedanken kamen, der Herr würde dasselbe Wunder auch für Heiden machen, ganz besonders nach der Erfahrung mit der kanaanäischen Frau, die von Jesus zuerst abgewiesen wurde (Vers 23ff). Demnach könnten die beiden Wörter bloß zwei verschiedene Arten von Körben bezeichnen, nämlich den bei Juden gebräuchlichen Handkorb und den bei Heiden gebräuchlichen Tragkorb. 11 Der bei den Juden übliche Mahlsegen lautete: "Gepriesen seist du, Herr unser Gott, du König der Welt, der das Brot aus der Erde hervorbringt" (46,188). 12 D.h. nicht mitgerechnet die auch anwesenden Frauen und Kinder. 13 Das waren mündlich überlieferte Vorschriften der großen jüdischen Rabbis. Als der "Zaun um die Thora", regelten sie das Leben von gesetzestreuen Juden bis ins Einzelne, gingen über das alttestamentliche Gesetz hinaus und galten als verbindliche Norm. Matthäus 16 1 Ps 62,13; Spr 24,12. Der Hinweis auf die Herrlichkeit, scheint sich auf die darauffolgende Verklärung am Berg zu beziehen. Wer sein "Leben" für Christus aufopfert, wird beim Richterstuhl Christi großen Lohn empfangen. 2 Vgl. Anm. bei Mt 15,37 3 πετρα ist das gewachsene Felsmassiv (37,511), πετρος aber nur ein loser Felsbrocken aus diesem Massiv (der dann mit Werkzeugen zu einem Baustein geformt werden konnte). Der Wechsel von πετρος zu πετρα ist daher sicher ein Wortspiel (1,1318; 21,I,z.St.), das zum Gesamtbild passt: Die Gemeinde wird als eine uneinnehmbare Festung gesehen, die auf einem Felsmassiv (πετρα) aufgebaut ist. Der Grund auf dem die Gemeinde aufgebaut wird, ist nach 1Kor 3,11 ja Christus selbst, wobei er durch seine Auferstehung zugleich auch der Eckstein wurde (Joh 2,19-22; Mt 21,42; Eph 2,20-21), und auch selbst der Baumeister ist (Mt 16,18: "werde ich meine Gemeinde bauen"). Mit dem Felsen ist daher wahrscheinlich einerseits der von Petrus gerade artikulierte Glaube an Jesus als Gottes Sohn gemeint (vgl. Mt 7,24-25; 1Joh 4,15; 5,5), und zugleich Christus selbst als der Grund der Gemeinde. Wer diesen Glauben an Jesus als Sohn Gottes hat, wird als lebendiger Stein vom Herrn in den Tempel Gottes, der die Gemeinde ist, eingebaut (1Pet 2,4-6). Petrus war durch sein Glaubensbekenntnis der erste Stein in diesem Fundament. Der herkömmlichen Auslegung, dass Jesus mit dem Felsen nur sich selbst meint, widerspricht das ταυτη ("diesen..."), welches dann überflüssig wäre. Außerdem hätte sich Jesus dann deutlicher ausgedrückt, z.B. "Du bist nur Petrus, ich aber ein Felsen auf den ich meine Gemeinde bauen werde". In der oft angeführten Parallelstelle in 1Kor 10,4, wo Christus der Fels genannt wird, geht es nicht um die Gemeinde. Der katholischen Auslegung, dass der Fels Petrus ist, widerspricht die Wortwahl πετρα, denn dann müsste es heißen, "und auf diesen πετρος werde ich meine Gemeinde bauen". Oder noch deutlicher: "und auf dich Petrus (πετρος) werde ich meine Gemeinde bauen". Außerdem war Petrus auch nach Pfingsten noch wankelmütig (Gal 2,11-14). 4 Der Plural "Schlüssel" könnte darauf hindeuten, dass Petrus dreimal das Königreich aufsperren wird, nämlich zuerst für die Juden (Apg 2,37ff.), dann für die Samariter (Apg 8,14-17.20) und zuletzt für die Heiden (Apg 10,44-48; 11,18; 15,7). Jedes Mal war dann der Zugang zum Königreich Gottes für die betreffende Volksgruppe unwiderruflich, und bis heute, offen. Dies würde auch der Reihenfolge im Missionsbefehl in Apg 1,8 entsprechen: Jerusalem - Judäa - Samaria - bis ans Ende der Welt. Es sind nicht Schlüssel für die Gemeinde, sondern für den Zugang zum Reich Gottes. 5 "Binden und lösen" waren rabbinischer t.t. für die Lehr- und Disziplinargewalt der Synagoge und der Rabbis, die Jesus hier auf Petrus, und in Mt 18,18 auf die ganze Gemeinde, überträgt. "Binden" bedeutet: etwas für verboten erklären (z.B. Apg 15,28-29), - oder jemanden bannen, d.h. den Beschluss fassen, ihn aus der Synagogengemeinschaft auszuschließen (z.B. Apg 8,20-23; 1Kor 5,4.12 ua.). "Lösen" bedeutet: etwas für erlaubt erklären (z.B. Mk 7,19b), - oder den Beschluss fassen jemanden wieder in die Synagogengemeinschaft aufzunehmen (z.B. 2Kor 2,5-10). In Mt 18,18 wird jedoch nur die Disziplinargewalt ("Gemeindezucht"), auf die ganze Gemeinde ausgeweitet (36,544). 6 D.h. wohl, der Tod der Gläubigen und die dämonischen Mächte der Unterwelt werden nicht dazu führen die Gemeinde zu vernichten (2,z.St.). Wörtlich: "die Pforten des Hades". Das griechische Wort "Hades", entspricht dem hebräischen "Scheol" (vgl. Jes 38,10; Hab 2,5; Hos 13,14), und bezeichnete damals den als Gebäude bzw. Festungsanlage gedachten Bereich des Todes. Die Totenwelt, die man sich unter der Erde befindlich vorstellte, war jedoch nicht der Aufenthaltsort Satans oder der Dämonen. Die Pforten oder Tore des Hades sind ein Bild für die alles verschlingende Macht des Todes und der Vergänglichkeit (vgl. 47,z.St.). 7 Umschriebenes Futurperfekt, d.h. das Vorausgesagte wird als ein sicher eintretendes Ergebnis beschrieben (2,z.St.). - Eine Gemeindezucht die im Sinne Gottes ausgeführt wurde ("binden"), war schon vorher im Himmel von Gott anerkannt. Sie muss daher auch in allen Gemeinden auf der Erde anerkannt werden. Natürlich gibt es leider manchmal auch Gemeindezucht die nicht nach Gottes Willen ist (vgl. 3Joh 1,9-10). Diese braucht dann auch nicht von anderen Gemeinden anerkannt werden. Als Umkehrschluss gilt natürlich auch, dass eine Wiederaufnahme in die Gemeinde ("lösen"), nachdem Buße geschehen ist (2Kor 2,5-10), von allen anderen Gemeinden anerkannt werden muss. 8 Das Wort "wollen" steht im Präsens und drückt damit eine fortwährende oder immer wiederkehrende Handlung aus. Das griechische Wort ψυχη, bedeutet Seele oder Leben, das eigene, wahre Selbst, die eigene Persönlichkeit (54,z.St.). Gemeint ist daher wahrscheinlich, dass man immer wieder (Präsens) in der Versuchung steht, das "Leben auszukosten", anstatt durch Selbstverleugnung und Verzicht um Jesu willen, sein Leben aufzuopfern (vgl. Jer 39,18; Phil 1,21). - Von dem indischen Wanderprediger Sadhu Sundar Singh wird folgende Begebenheit erzählt. Als er wieder einmal mit einem Begleiter auf einer seiner Missionsreisen nach Tibet über einen schneebedeckten Himalaja-Gebirgspass wanderte, fanden sie am Wegrand einen erschöpften, halberfrorenen Wanderer. Sundar bat seinen Begleiter, dass sie ihn zusammen weitertragen, damit er nicht erfriert. Sein Begleiter sagte: "Auf keinen Fall, sonst erfrieren wir alle drei", und ging weiter. Sundar aber nahm den Erschöpften auf seine Schultern, und schleppte sich weiter. Nach ungefähr einer Stunde, fand er seinen Begleiter neben dem Weg im Schnee liegend. Dieser war vor Erschöpfung eingeschlafen und erfroren, Sundar aber hatte sich durch die Anstrengung erwärmt und brachte sich und seinen Geretteten sicher nach Tibet. Der Begleiter wollte sein "Leben" retten, - und hat es verloren. Sundar war bereit sein "Leben" zu verlieren, - und hat es gewonnen (Schaerer M.: Sadhu Sundar Singh, 2.Auflage, 1922; Seite 67ff). 9 Vielleicht wollte Jesus, dass sie einfach nachrechnen, denn bei der ersten Brotvermehrung hatten sie nur fünf Brote, es waren aber 5000 Männer zu versorgen. Trotzdem blieben ihnen noch 12 Körbe voll übrig. Bei der zweiten Brotvermehrung hatten sie sogar sieben Brote, doch obwohl nur 4000 Männer zu versorgen waren, blieben ihnen nur 7 Körbe voll übrig. Die Lehre ist: Je weniger wir haben (nur 5 Brote) und je größer der Bedarf ist (5000 Männer), desto mehr (12 Körbe) tut der Herr. Hier hatten sie zwar nur ein Brot, aber sie waren nur 13 Männer. Wo war also das Problem, wenn sie das Prinzip der Brotvermehrung gelernt hätten? 10 Während die Jünger um ihre materiellen Bedürfnisse besorgt sind, ist Jesus um ihre geistliche Entwicklung besorgt. Gemeint ist das überbordende, gesetzliche Lehr-System der Pharisäer, das menschliche Vorschriften zur Schrift hinzufügte, und der Sauerteig der Sadduzäer, die Teile der Schrift wegließen und liberal waren (vgl. die heutige liberale Theologie). In Mk 8,15 nennt Jesus auch noch den Sauerteig des Herodes, der die Religion für politische Zwecke nützte (vgl. z.B. die heutige Befreiungstheologie). - Beim Brotbacken wurde als Treibmittel ein Stück gegorener Teig verwendet, der vom letzten Backen aufgehoben wurde. So war stets Sauerteig im Haus. Der alte Sauerteig wurde unter den frischen Teig gemischt, damit der ganze Teig durchsäuert wird. Weil die Gärung als eine Art Fäulnisprozess wirkt, ist Sauerteig "ansteckend" und in der Bibel immer ein Bild für das Böse. 11 Alle drei wurden von den Juden zurückerwartet: Johannes, um sein Werk weiterzuführen, Elija als Vorläufer des Messias, und Jeremia, um die Bundeslade zurückzubringen, die er angeblich in einer Höhle versteckt haben soll (21,I,222). 12 Mit dem Ausdruck "kommend in seiner Königsherrschaft", ist sicherlich die Herrlichkeit gemeint, in welcher der Herr sechs Tage später von drei Jüngern auf dem Berg der Verklärung gesehen wurde und welche Petrus in 2Pet 1,16-18, als Beweis für die machtvolle und herrliche Wiederkunft Jesu bezeichnet. 13 Philippus II. hatte die Stadt Paneas am südwestlichen Abhang des Hermon im Quellgebiet des Jordan zur Hauptstadt seines Herrschaftsgebietes gemacht und zu Ehren des Kaisers Cäsarea genannt. Die Stadt, die aus einer Anhäufung kleinerer Siedlungseinheiten bestand, lag etwa 45 km nördlich von Betsaida, auf ca. 2000 m Höhe. Herodes baute in der Stadt einen Tempel für den Kaiser. In der Nähe gab es eine Grotte, die dem Gott Pan geweiht war (54,z.St.; 65,I,131). 14 Der Namenswechsel von Simon zu Petrus ist beachtenswert. Weder der aramäische Name Kephas (= der gewachsene Fels) noch der griechische Name Petrus (= ein loser Felsbrocken), wurden vor Jesu Zeit als Eigennamen gebraucht (1,1319). Jesus hat diese beiden Namen also bewusst neu geschaffen (Joh 1,42). Simon war sein natürlicher Name, der auf seine natürliche Wankelmütigkeit hinweist (z.B. Gal 2,11-14 ua.), Petrus (= Felsbrocken) aber der Name, der auf seine zukünftige Festigkeit, aufgrund seines gerade geäußerten Glaubensbekenntnisses hinweist (36,537f). Wie beschämend, dass unmittelbar danach in Mt 16,22-23 ein tiefer Fall des Petrus kommt. 15 Vgl. Spr. 22,3 16 Wenn man in Jerusalem jemanden auf der Via Dolorosa mit einem Kreuzesbalken auf seinen Schultern gehen sah, wusste man, dass er gekreuzigt wird und mit seinem irdischen Leben abgeschlossen hat. Es geht hier also nicht um ein Schicksal, z.B. eine Krankheit, welches man zu tragen hat, wie es oft verstanden wird, sondern, dass man dieser Welt und ihren Lüsten entsagt hat. 17 Nach jüdischer Zählweise bedeutet das nicht drei, sondern zwei Tage später, weil die angebrochenen Tage gewöhnlich als volle Tage gerechnet wurden. Am ersten Tag würde er sterben, am zweiten Tag im Grab ruhen und am dritten Tag auferstehen. Matthäus 17 1 Nach Mal 3,1.23-24 erwarteten die Juden, dass der Prophet Elija am Ende der Tage wiederkehren wird, - da er nicht starb, sondern zu Gott entrückt wurde (2Kön 2,1-18), - und dann das Volk Israel auf das kommende Endgericht vorbereiten wird (vgl. 47,z.St.). Offenbar war dies ein Argument der Schriftgelehrten, dass Jesus daher nicht der Messias sein könne, da Elija noch nicht gekommen war. Die Jünger waren dadurch verwirrt, aber sie taten das einzig Richtige, sie befragten Jesus. 2 Die Jünger hatten am Berg der Verklärung gerade eben eine Vorausschau auf die Wiederkunft Christi in Macht und Herrlichkeit empfangen. Maleachi hatte aber vorausgesagt, "dass Elija zuerst kommen müsse", bevor der Messias kommt (Mal 3,1.23-24). Aber Elija war noch nicht gekommen (Joh 1,21). Jesus erklärte, dass Elija in der Person des Johannes schon "in dem Geist und der Kraft des Elija" gekommen war (Lk 1,17). Hätte Israel die Botschaft von Johannes angenommen, dann hätte Johannes die Rolle erfüllt, die über Elija vorausgesagt war (Mt 11,14). Aber sie lehnten den Vorläufer ab und sie waren dabei auch Jesus als Messias-König abzulehnen, weshalb sich das buchstäbliche Kommen des Elija und die Ankunft des Messias in Herrlichkeit, in die Zukunft verschiebt (48,105). Vielleicht sind mit den beiden Propheten in Offb 11,3ff Elija und Mose gemeint. 3 Vers 21 ist in späteren Hs. aus Mk 9,29 hier eingedrungen (27,43). 4 Verneinter Imp.Präs.: "...fürchtet euch nicht länger". od.: "...hört auf euch zu fürchten" (. Nach Lk 9,34 kam ihre Furcht, als sie die Wolke überschattete und ihnen den Blick auf Jesu Herrlichkeit verstellte. 5 Damit sind sowohl die Jünger (vgl. Vers 20), als auch der Vater (Mk 9,23-24) gemeint. 6 Wahrscheinlich der schwarze Senf (lat.: brassica nigra), sein Samenkorn war ca. 1mm im Durchmesser, wegen seiner Kleinheit sprichwörtlich in Palästina (2,z.St.). 7 "Berge versetzen" war sprichwörtlich für die Beseitigung großer Hindernisse; vgl. Jes 40,4; 49,11; 54,10 (2,z.St.). 8 Die Bezeichnung für den Halb-Schekel, der jährlich von Februar bis März für die Tempelsteuer von eigenen Steuereintreibern eingehoben wurde, um die allgemeinen Ausgaben für den Tempeldienst zu bezahlen. Jede männliche Person (außer Priester und Gesetzeslehrer), musste diese Tempelsteuer bezahlen. Die Regelung gründete sich auf Ex 30,11-16. Die Juden in Galiläa lehnten sie jedoch ab, was Jesu Einwand noch verständlicher macht (46,8ff.). Nach der Zerstörung des Tempels 70 n.Chr. musste diese Steuer an die Römer bezahlt werden (Josephus, Antiquitates XVI,160), die sie für den Unterhalt heidnischer Tempel verwendeten (65,I,135). Der Wert der Münze entsprach zwei attischen Drachmen, also etwa dem doppelten Tageslohn eines Taglöhners. Nach Vorschrift des Talmuds, musste es die Tyrische Doppeldrachme sein, die einen höheren Silbergehalt hatte als die Antiochische (33,792). 9 1 Stater, entspricht dem Wert von 2 Doppeldrachmen, also 4 Denaren/Tageslöhnen. Diese Münze wurde in Tyros geprägt und war mehr im Umlauf als die Doppel-Drachme (33,792). 10 Lukas schreibt, dass diese Begebenheit nach ungefähr 8 Tagen geschah, Matthäus und Markus sagen nach 6 Tagen. Wahrscheinlich rechnet Lukas den Tag der vorhergehenden Unterredung und den Tag der Verklärung mit ein, während die beiden anderen nur die Zeit dazwischen angeben. Oder man pocht auf den Ausdruck ungefähr (20,302). 11 Im Griechischen steht bedrohen (επι-τιμαω). Diesen Ausdruck gebrauchte Jesus immer dann, wenn er Dämonen direkt anspricht oder, wenn Satan hinter einer Sache steht (vgl. Mk 1,25; 3,12; 8,33; 9,25; Lk 4,35.41; 9,42 und Judas 1,9). 12 Almosenempfänger, zu denen Jesus offenbar gerechnet wurde, mussten diese Steuer nicht entrichten (65,I,136). 13 Es war dies die gleiche Lichtwolke, die dem Volk Israel in der Wüste vorausging (Ex 40,34-38), und die den salomonischen Tempel bei seiner Einweihung umhüllte (2Chr 7,2). Kein Wunder, dass sich die Jünger fürchteten, als sie in die Wolke hineinkamen (Lk 9,34). 14 Traditionell wird darunter der Berg Tabor in Galiläa verstanden. Doch zurzeit Jesu befand sich auf dessen runder Kuppe eine befestigte Burg, also kein Ort, wo man allein sein konnte. Die vorherige Erwähnung von Cäsarea Philippi verweist eher auf den 2814 m hohen und schneebedeckten Berg Hermon, nordöstlich von Cäsarea Philippi, zu dessen Gipfel man ca. 7 Gehstunden unterwegs war. Wir sollten uns das Geschehen an einem der Hänge, oder sogar am Gipfel, jenes majestätischen Berges vorstellen. Es war kein Wunder, dass die Jünger nach diesem stundenlangen Aufstieg vor Müdigkeit einschliefen (20,303; 54,z.St.). Auch die Tatsache, dass sie erst wieder am nächsten Tag abstiegen (Lk 9,37), weist auf den langen Fußmarsch auf den hohen Berg Hermon und auf den langen Rückweg hin. Matthäus 18 1 Vers 11 ist nur in einigen unbedeutenderen Hs. aus Lk 19,10 eingedrungen. 2 Dtn 19,15 3 Also sind diese "Kleinen" noch verloren. Jesu Aussage über den Willen des Vaters, ist ein klarer Beweis gegen die Lehre von der Vorherbestimmung zur Verdammnis. 4 Der Kläger sagt es, unter Berufung auf die Zeugen, selbst der Versammlung, und nicht etwa die Ältesten. Vgl. Dtn 17,7 5 D.h. der Herr Jesus ist Grund und Ziel des Zusammenkommens, wobei der Name für die Person selbst steht, und die Anrufung seines Namens impliziert ist (2,120; 91,z.St.). Im Talmud heißt es: Wo zwei oder drei Juden zusammenkommen, um die Thora zu studieren, ist die Sekinah Gottes in ihrer Mitte (34,II,124). 6 Petrus meinte großzügig zu sein, denn im Talmud (Tos. Joma 5,13) war aufgrund von Amos 1,6, dreimal die Grenze von Gottes Vergebung (21,I,241; 84,112.175, 91,z.St.). Nach Lk 17,3-4 muss der Sünder aber Buße tun und es bereuen. Vgl. den markanten Gegensatz in Gen 4,24, auf den der Herr vielleicht anspielen wollte (13,52). Vgl. auch Gen 4,24 7 Im Pass. ein t.t.: zur Audienz vor den König (84,114.176). 8 Im Judentum wurden Sünden häufig als Schulden gegenüber Gott betrachtet und der Erlass von Steuerschulden diente als Bild für Vergebung (38,I,799; 65,I,141). Ein Talent war eine griechische Rechnungseinheit für einen Geldbetrag aus Gold- oder Silbergeld. 10.000 Talente war die größte Zahl, mit der man rechnete und entspricht ca. 60 Millionen Denaren (später sogar, nach J.Jeremias, 100 Millionen Denare; 14,208). Das ist der Lohn für den ein Tagelöhner 192.000 Jahre hätte arbeiten müssen. Die Schuld umfasste eine ungeheure Summe, die lebenslang nicht aufzubringen war. Die Jahreseinkünfte von Herodes dem Großen z.B. betrugen nur 900 Talente, das Steueraufkommen von ganz Galiläa und Peräa zusammen betrug im Jahr 4 n.Chr. nur 200 Talente. - Unter dem "Diener" kann man sich etwa einen Statthalter eines orientalischen Königs vorstellen, der ihm die Steuereinnahmen einer ganzen Provinz schuldete, für die er persönlich haftbar war. Durch seine Misswirtschaft hatte er solch großen Schaden für den König angerichtet (14,207f). 9 Vgl. die Anm. bei Mt 16,19. Hier aber bezieht es sich nur mehr auf die Disziplinargewalt der Gemeinde, nämlich jemanden aus der Gemeinde auszuschließen und, nach eingetretener Buße, wieder aufzunehmen. 10 Weil die Herde dann wieder vollständig ist. 11 D.h. bestätigt werde; od.: rechtsgültig entschieden werde. 12 Umschriebenes Futurperfekt, d.h. das vorausgesagte Ergebnis wird als sicher eingetreten beschrieben, wobei die Verbindung der Zeitformen des Ind.Fut und des Ptz.Perf.Pass. zeigen soll, dass die auf Erden gefassten Beschlüsse, bereits zuvor im Himmel gefasst wurden (2,119; 65,I,139). Daher sind Gemeindebeschlüsse (z.B. Gemeindezucht) nur unter der Voraussetzung verbindlich, dass sie Gott gemäß gefasst wurden (vgl. Apg 15,28), was leider nicht immer der Fall ist (z.B. in 3Joh 1,9-10). 13 Viell. effektiver Aor.: "... die (nach Beratung) zu einer Übereinstimmung kommen und in dieser Sache eins sind". Die Ausdrücke "binden" und "lösen" vom vorigen Vers auf eine besondere Vollmacht im Gebet (besonders im Umgang mit Besessenheit) zu beziehen, scheint weit hergeholt zu sein. Jesus will nur die Einmütigkeit der Gemeinde, die bei einem Gemeindeausschluss nötig ist, auch als eine Bedingung beim gemeinschaftlichen Gebet deutlich machen (91,z.St.). Vgl. auch die Anm. bei Mt 12,29, Apg 19,19 und 1Joh 5,18b 14 Vgl. Lev 25,39.47; 2Kön 4,1-7. - Der Verkauf eines Sklaven brachte damals ca. 500 - 2000 Denare ein (14,209). 15 Impf.: Er wollte auf sein anhaltendes flehentliches Bitten (V.29) nicht hören. Ist ein solch unbarmherziges Verhalten wirklich denkbar? Im auf die Gläubigen zu übertragendem Sinn, gibt es leider bis heute zahlreiche Beispiele für solch ein Verhalten unter Christen, - man will nicht vergeben. Ist uns bewusst, dass unsere Mitgeschwister dabei traurig und verständnislos zuschauen und sich bei Gott über uns beklagen. 16 Wahrscheinlich kausativ: "...er ließ ihn ins Gefängnis werfen" (2,z.St.). 17 Eventuell jur. t.t.: jmdn. vorführen lassen (2,z.St.). 18 Nach jüdischer Auffassung saß die Begierde in den einzelnen Gliedern (vgl. Röm 6,13). Darum wurde bei den Juden z. B. ein Diebstahl durch Abhauen der Hand geahndet. Der Ort der ewigen Strafe ist die Feuerhölle, die Gehenna, wo die Bösen nach dem Endgericht ewige Qual erleiden werden. Jes 66,24; Offb 20,14f (47,z.St.). 19 Der Denar war die wichtigste Silbermünze im römischen Reich. Von Cäsar wurde der Umrechnungswert im Jahr 49 v.Chr. auf 25 Denare = 1 Gold-Denar von 126,3 Gramm Feingold festgesetzt. Durch die Münzverschlechterung unter Nero ist der Umrechnungswert von 25 Denaren auf 115 Gramm Feingold herabgesunken. Bezüglich der Kaufkraft in der damaligen Zeit: 1 Denar entsprach in etwa 1 Drachme, also dem Tageslohn eines Mietarbeiters der damaligen Zeit. Der "gute Samariter" in Lk 10,35 zahlte dem Betreiber der Herberge 2 Denare für die Verpflegung des Verletzten (33,792). 100 Denare waren demnach eine relativ geringe Schuld, im Vergleich zu den 10.000 Talenten. 20 Es geht hier um Auseinandersetzungen zwischen Brüdern, z.B. um finanzielle Übervorteilung. Daher sagt Jesus "...sei er dir", obwohl sich natürlich die ganze Gemeinde diesem Ausschluss anschließen wird. Zu beachten ist der Kontext, in dem es um die Zurechtbringung und Rückführung des Sünders geht (Vers 12). Vgl. zur Sache die Anm. bei 1Kor 5,9. 21 Wahrscheinlich entstand aufgrund des Vorfalls in Mt 17,16-20 ein Streit darüber, dass die drei die mit Jesus auf dem Berg waren dachten, sie hätten mehr Vollmacht gehabt als die neun zurückgebliebenen Jünger, die die Heilung nicht durchführen konnten (vgl. Mk 9,33-38). 22 D.h. nicht nur ein buchstäbliches Kind, sondern überhaupt jeder Mensch mit kindlich-demütigen Charakter? - z.B. Mitgläubige die "stolpern" wie eben ein Kindlein (vgl. Röm 14,1). 23 Die von Eseln angetriebene römische Mühle, hatte einen größeren Oberstein mit großem Gewicht (59,387), im Gegensatz zum leichteren Stein der Handmühle, die von den Frauen gedreht wurde. Ein drastisches Bild, - diese Person sinkt bildlich in die Tiefen des Meeres und kommt nie wieder an die Oberfläche. Das ist "Hölle". Was für eine Warnung an alle modernen Verführer, die einen "Stein des Anstoßes" vor Einfältige legen (z.B. Pädophilie, sexuelle Ausbeutung, usw.). 24 Die Folter wurde im Orient regelmäßig gegen untreue Stadthalter angewendet und diente dazu, Auskünfte über beiseite geschafftes Geld zu erlangen, aber auch um den Gefängnisaufenthalt so schlimm wie möglich zu machen, was hier wohl gemeint ist. Im jüdischen Recht war diese Folter aber als unmenschlich verabscheut (14,210). - Ein Gleichnis ist eine Bildrede und kein Lehrtext. Daher ist es unzulässig, aus dieser Stelle eine Verlierbarkeit des Heils herauszulesen. - Die Anwendung für Gläubige ist, dass sie unter eine Art Folter von Gott kommen (Gewissensbisse, Segensentzug, usw.), wenn sie denen nicht vergeben, die sie um Vergebung bitten. Wir können niemals unsere Lebensschuld, bis zum letzten Cent bezahlen. Dies ist auch nicht nötig. Aber solange wir unseren Schuldnern nicht vergeben, werden wir "gefoltert", - ohne dass wir dadurch unsere ewige Errettung (Heb 5.9) verlieren. 25 Gott ist für seine Kinder nicht nur ein barmherziger "Papa", sondern auch ein strenger Vater, der sie, wenn nötig schon hier und jetzt züchtigt, damit sie später "nicht mit der Welt verurteilt werden" (1Kor 11,32). Wer unversöhnlich gegenüber seinen Mitmenschen bleibt, kommt im übertragenen Sinn unter eine Art von geistlicher "Folter" (48,111). Vgl. auch Mt 5,26 26 Die übliche Herdengröße war je eine Ziegen- und Schafherde von 220 Stück (15,VI,246), bei den Beduinen aber auch nur 20 Stück. 100 Stück waren ein Mittelmaß, 300 Stück galten als ungewöhnlich große Herde (14,132). Jesus nimmt ein Mittelmaß an, kein reicher aber auch kein armer Herdenbesitzer, aber wohlhabend im Vergleich zur Witwe. 27 Im Orient wurden die obersten Beamten eines Königs als Sklaven oder Diener des Herrschers angesehen (14,208). Wahrscheinlich meint Jesus Steuerbeamte in den Provinzen (65,I,140). Das ganze Gleichnis setzt Verhältnisse außerhalb Israels voraus, welche die Zuhörer allerdings aus Erzählungen kannten (84,114). 28 Indem der Knecht die Schuld zurückzahlen wollte, wäre sie zu einem Darlehen geworden. Der König erlässt ihm aber alles. 29 In der LXX in Esra 4,7.9.17.23 ua. für hohe Beamte und Gouverneure von Palästina und Syrien (14,209), hier wahrscheinlich ein untergebener Steuerpächter des ersten Sklaven (84,115). 30 Gemeint ist die Gemeinde, denn sie ist die höchste richterliche Instanz Gottes auf Erden (36,572), - und nicht etwa die Ältesten. Die Gemeinde nimmt auf und die Gemeinde schließt aus. - Es gibt auch noch eine mildere Form (2Thes 3,6-15) und strengere Formen (Röm 16,17f; 1Kor 5,1ff; 2Tim 3,5; Tit 3,10; 2Joh 1,10) der Gemeindezucht. Sie sind, so wie auch in der weltlichen Gerichtsbarkeit, immer entsprechend der Schwere des Vergehens, und an dieses angepasst. Wenn Buße geschieht, muss der Betreffende wieder in die Gemeinschaft aufgenommen werden (2Kor 2,6-11). Für ein Überblick über die verschiedenen Formen von Gemeindezucht siehe: https://drive.google.com/file/d/1S3mV4kyi8turFiQVF5mx_EYt0vriGDUB/view?usp=sharing 31 In Geschäftsdokumenten war dies in dieser Zeit das Standardversprechen (65,I,141). Diese Antwort macht deutlich, dass er sich über die Größe seiner Schuld nicht im Klaren war. Ist uns die Größe unserer Schuld vor Gott bewusst? 32 Dies war nach jüdischem Recht verboten, bei heidnischen Herrschern aber durchaus denkbar (84,114). Matthäus 19 1 Gen 1,27, 5,2 2 Gen 2,24 (LXX) 3 Ex 20,12-16 4 Dtn 5,16-20 5 Lev 19,18 6 Sie kannten ja seine Ansicht über Ehescheidung schon (Mt 5,31f.). Sie wollten ihn nur dazu verleiten, sich gegen das Gesetz und damit gegen Mose zu stellen (vgl. Dtn 24,1ff.). Außerdem war er im Hoheitsgebiet von Herodes, der im Inzest (πορνεια) lebte, da er ungesetzlicherweise nach seiner Scheidung Herodias, die Frau seines Bruders Philippus geheiratet hatte, nachdem diese sich von ihrem Mann scheiden ließ. Jesu Antwort verurteilte demnach die Heirat von Herodes genauso, wie sie schon vorher von Johannes verurteilt wurde, der Herodes aufforderte diese illegitime Ehe aufzulösen (Mt 14,4). 7 Unverheiratet zu bleiben war in der jüdischen Kultur absolut unüblich (65,I,144). 8 Da Ehen damals von den Eltern arrangiert wurden, und die Frau dann vielleicht nicht den Vorstellungen des Mannes entsprach, war diese Aussage durchaus verständlich. 9 Hier nur jüdisches Recht, da Matthäus für Juden schreibt. Eine jüdische Frau konnte ihren Mann nicht entlassen. Vgl. hingegen Mk 10,12 (und die dortige Anm.), der auch für Nichtjuden schreibt und die Worte Jesu entsprechend dem römischen Eherecht auch auf die Männer anwendet. 10 Im ganzen NT und auch von Matthäus selbst (Mt 15,19) wird Hurerei von Ehebruch unterschieden. Hurerei ist demnach der Überbegriff, der verschiedene Ehevergehen beinhaltet. Vgl. die Anm. bei Mt 5,32 11 Im palästinischen Judentum gab es in dieser Frage zwei verschiedene Lehrmeinungen, die strenge, aber unpopuläre von Rabbi Schammai, und die liberalere von Rabbi Hillel die sich später durchsetzte. Beide erlaubten zwar dem Mann (nicht aber der Frau) die Scheidung, und zwar, wenn etwas "Schändliches" vorlag (Dtn 24,1). Sie stritten sich aber über die Bedeutung dieses Ausdrucks. Während Schammai ihn auf Ehebruch beschränkte, dehnte ihn Hillel, dessen Ansicht zurzeit Jesu vorherrschend war, auf alle möglichen Vergehen aus, z.B. Unfruchtbarkeit, Geisteskrankheit, eine ansteckende Krankheit, Zänkerei, wenn die Frau eine Speise anbrennen ließ, oder wenn der Mann eine schönere Frau gefunden hatte. Jesus geht auf den Scheidebrief erst ein, nachdem die Pharisäer nachhaken, weil für ihn Scheidung grundsätzlich nicht Gottes Wille ist, auch nicht bei Ehebruch. Er schlägt sich nicht auf eine der beiden Seiten, sondern betont Gottes ursprüngliche Absicht, wonach die Ehe von Anfang der Schöpfung an eine prinzipiell unauflösliche und [G1]lebenslange Verbindung von einem Mann mit einer Frau sei (vgl. 2,123f). Jedes Abweichen von dieser ursprünglichen Absicht Gottes, egal aus welchem Grund, entspringt der Schwachheit, Sündhaftigkeit und Hartherzigkeit des Menschen, und wird nur im Fall von Hurerei von Gott zwar toleriert, aber nicht gutgeheißen! - Das "Schändliche" in Dtn 24,1 kann sich aber weder auf vorehelichen Geschlechtsverkehr einer Verlobten noch auf Ehebruch beziehen, denn in beiden Fällen musste der untreue Partner ja gesteinigt werden (Dtn 22,13-22). Es muss demnach entweder eine Sache bezeichnen die geringfügiger als Ehebruch ist, womit Rabbi Hillel argumentierte, oder vielleicht die Möglichkeit der Frau die Steinigung zu ersparen, so wie im Fall von Joseph und Maria (vgl. 33,745). Es ist in diesem Zusammenhang bemerkenswert, dass Josephs Entschluss, Maria heimlich mit einem Scheidebrief zu entlassen, als "gerecht" bezeichnet wird (Mt 1,19). Jesus selbst nennt die Handhabung des Scheidebriefes in Vers 8 nämlich Hartherzigkeit. Das zeigt den höheren moralischen Standard des Neuen Bundes, wie auch die Bergpredigt beweist. Vgl. auch noch die Anm. bei Mk 10,12. Allerdings hat auch Gott selbst beim abtrünnigen Israel den Scheidebrief angewandt (Jer 3,8; Jes 50,1), womit er nicht gänzlich verwerflich ist. 12 vgl. auch die Anm. bei Mt 7,28 13 Dtn 24,1ff. 14 Ein Demonstrativpronomen, d.h. für Menschen die in so kindlicher und vorurteilsfreier Art und Weise die Königsherrschaft Christi annehmen. Daraus lässt sich keinesfalls schließen, dass Kinder, wenn sie sterben, automatisch in den Himmel kommen. Bei einer anderen Gelegenheit sagte Jesus, dass auch diese "Kleinen" grundsätzlich von Natur her Verlorene sind, aber ihr kindlicher Glaube kann ihnen von Gott zugerechnet werden, falls sie vor dem Erwachsenenalter sterben (vgl. Mt 18,1ff.6.14). 15 Das Wort wird in der Gräzität gebraucht für Ciceros Wiederherstellung in Bezug auf Rang und Namen nach seiner Rückkehr aus dem Exil. Ebenso von Josephus für die Wiederherstellung der jüdischen Nation nach dem babylonischen Exil (11,I,450), hier für die Wiederherstellung der gefallenen Schöpfung in paradiesische Zustände im tausendjährigen Reich. Die Mütter wollten, dass Jesus den Kindern nicht nur die Hände auflegt, sondern auch für sie betet. Jesus legte ihnen zwar die Hände auf, segnet sie aber nur. Es gibt kein Beispiel im NT dafür, jemanden die Hände aufzulegen, wenn man für ihn betet, - es sei denn man betet um seine Heilung. 16 Das Nadelöhr stand sinnbildlich für die kleinste Öffnung, die man sich vorstellen konnte (1,1651). Der Arzt Lukas verwendet in seinem Bericht das Wort "Chirurgennadel"! - Manche meinen zwar, es sei ein enges, kleines Tor in der Stadtmauer Jerusalems gemeint, dieses gab es aber erst im Mittelalter (33,362; 65,I,146). 17 Jesus korrigiert die Pharisäer: Mose gebot den Scheidebrief nicht, sondern er erlaubte ihn nur wegen der Hartherzigkeit der Männer. Dies geschah zum Schutz der geschiedenen Frau, damit sie nicht zum Spielball der Männer wurde. Denn der erste Mann durfte sie nicht wieder heiraten, wenn sie nach seiner Entlassung wieder verheiratet und nochmals geschieden worden war (Dtn 24,1-4). Jesus selbst toleriert den Scheidebrief bloß, und dies auch nur im Fall von Hurerei. Scheidung und Wiederheirat ist für ihn nie Gottes Wille und Plan. - Jesu Haltung zum Scheidebrief kann man also zusammenfassen in: (1.) Er entspricht nicht Gottes ursprünglichen Gedanken. (2.) Mose hat ihn nicht geboten, sondern nur gestattet. (3.) Der Grund dafür ist der Schutz der geschiedenen Frau vor Willkür, und wegen der Hartherzigkeit der Menschen. 18 Jesus will ihn damit testen, was ihm wichtiger ist, sein Besitz oder die Nachfolge. Dies ist daher keine Bedingung für jeden der Jesus nachfolgen will. Petrus verkaufte sein Haus nicht (Mk 1,29), aber er verließ es eine Zeit lang, um mit Jesus herumzuziehen. Die ersten Christen mussten ihre Besitztümer nicht verkaufen. Sie verkauften ab und zu freiwillig, was sie nicht brauchten, um anderen Gläubigen die in Not waren zu helfen (Apg 5,4; 2Kor 8,3; 9,7). Im NT finden wir auch wohlhabende Gläubige von denen nicht verlangt wurde alles zu verkaufen (Lk 19,1ff; 1Tim 6,17-19). 19 Durativer Ind.Impf.: durch die herausfordernden Ansichten Jesu (seit Mt 16,21ff), gerieten sie allmählich außer sich (21,I,251). 20 Die vermeintlichen Diskrepanzen zu den Berichten in den anderen Evangelien, werden gut erklärt in: 60,423ff. 21 Vgl. die Anm. bei Apg 26,7 22 "Vollkommen" bedeutet hier nicht: sündlos, sondern ganz Gott hingegeben, wie in Mt 5,48; Phil 3,15 und Jak 1,4 Matthäus 20 1 Wer im Reich Gottes groß werden will, soll vorher ein freiwilliger Diener (διακονος) werden, und wer der Größte werden will, soll sogar der Sklave (δουλος = der Befehle ausführt) von allen werden. Bei der Fußwaschung hat Jesus das seinen Jüngern vorgemacht (Joh 13,12-17). 2 Rabbinisch entweder die Zeitperiode zwischen Sonnenuntergang bis zum Einbruch der Dämmerung (= 1.Abend), oder von Einbruch der Dämmerung bis zum Einbruch der Nacht (= 2.Abend). - Von Mt 20,1-12 werden die jüdischen Tageszeiten genannt, die in den synoptischen Evangelien verwendet werden. Johannes verwendet dagegen die römischen Tageszeiten. Vgl. Joh 18,28; 19,14 und Joh 4,6, wo die 6.Stunde jeweils ca. 6 Uhr morgens ist. 3 od. imperativisches Ptz.: "Fange an...". 4 Als allg. Prinzip. 5 Effektiver Inf.Aor. mit Blick auf die Zukunft (44,z.St.). 6 Vgl. in 1Tim 2,5 (υπερ = im Hinblick auf alle). Der Opfertod Christi ist also einerseits ein Heilsangebot an alle, andererseits aber ein stellvertretendes Sündopfer nur für die Auserwählten. Stellvertretend wirksam wird er nur für diejenigen, die es im Glauben annehmen. 7 Bei dem Wort πολλοι (= viele, aber eben nicht alle), wird immer eine Minderheit, mindestens aber ein Einzelner, im Gegensatz zu einer Mehrheit gesehen (36,607; 44,66; 91,407). Hier sind die "Vielen" die Auserwählten, auf die das Lösegeld des stellvertretenden Opfertodes Christi begrenzt wird (vgl. Jes 53,11-12; Mt 26,28; Joh 6,37.39.43.65; 10,3.26-27; Apg 13,48; 2Tim 1,9; Tit 2,14; Heb 9,28 ua.). Vgl. aber auch die Anm. zu 1Tim 2,6 8 In Mk 10,46 und Lk 18,35 wird nur ein Blinder genannt, und nur Markus nennt uns seinen Namen, Bartimäus, vielleicht weil nur er seinen Weg in die Urgemeinde fand (33,125). Sowohl bei Markus als auch bei Lukas geht es um den Einzug nach Jericho durch das Südtor, hier bei Matthäus aber um den Auszug aus der Stadt durch das Nordwesttor. Zwischen Mk 10,45 und Mk 10,46 ereignen sich die Begebenheiten von Lk 19,1-27. In einer größeren Stadt wie Jericho gab es sicherlich mehr Bettler, und jeder saß an einer anderen Stelle, wobei eines der mehreren Stadttore die sich an allen Ausfallsstraßen befanden, der lukrativste Platz zum Betteln war. - Andere beziehen den Einzug in Mk 10,46 und Lk 18,35 auf das 2 km südlich gelegene Neu-Jericho, das Herodes aufbauen ließ, wo am Stadttor sicherlich auch Bettler saßen (vgl. 54,72; 64,472). - Wieder andere meinen, es wäre doch nur von ein und derselben Heilung die Rede (60,427f), wobei nur einer der beiden Blinden auch namentlich in Erinnerung blieb. Doch dies ist eine sehr unwahrscheinliche Erklärung, denn Markus gibt wieder, was der Augenzeuge Petrus ihm mitgeteilt hat und Lukas hat genau recherchiert. 9 Der scheinbare Widerspruch zu Mk 10,35, wo berichtet wird, dass die beiden Jünger selbst ihre Bitte vor Jesus brachten, lässt sich folgendermaßen auflösen. Die Mutter war von ihnen vorgeschickt, sie waren aber auch dabei und bekräftigten die Frage. Daher antwortet ihnen Jesus auch in Vers 22: "Ihr wisst nicht...". - Der Grund für ihre Bitte lag wohl in Jesu Verheißung in Mt 19,28 (vgl. 60,427). 10 Jemandes "Kelch trinken" bedeutet so viel wie, an jemandes Schicksal teilhaben (vgl. 47,z.St.). Und dies wurde ihnen auch auferlegt, denn Jakobus wurde von Herodes enthauptet und Johannes auf die Insel Patmos verbannt, wo er zu leiden hatte. 11 Dieses Gleichnis ist auch eine Antwort auf die Frage des Petrus in Mt 19,27. Im Talmud gab es ein ähnliches Gleichnis, aber im genau entgegengesetzten Sinn: die Juden die viel gearbeitet haben, werden viel bekommen, die Heiden die wenig gearbeitet haben, werden nur wenig bekommen (65,I,148). Vielleicht griff Jesus dieses Gleichnis auf und deutete es bewusst um (vgl. 14,138). 12 Dies war der übliche und angemessene Tageslohn für einen Taglöhner (38,I,831; 65,I,147). 13 Der Companion, Genosse, Gefährte, Partner, Freund oder "Kumpel". Auch als Anrede für jemanden, dessen Namen man nicht weiß (2,z.St.). An allen drei Stellen im NT (Mt 20,13; 22,12; 26,50) an Verschuldete gerichtet (14,137). 14 Im Gegensatz zur ersten (Mt 16,21ff) und zweiten (Mt 17,22-23) Leidensankündigung, gibt es hier keine Reaktion von Seiten der Jünger. 15 Soweit wir aus den Evangelien-Berichten schließen können, kam Jesus hier das erste und das letzte Mal nach Jericho. Für die Blinden war dies daher die einzige Chance auf Heilung, - und auf Errettung. Sie hatten schon von Jesus gehört und glaubten, dass er der Messias ist (Vers 30b), und sie nützten ihre einzige Chance, wurden geheilt und folgten ihm nach. - Die Palmenstadt Jericho liegt 10 km nördlich des Toten Meeres und 8 km westlich des Jordans, in einer äußerst fruchtbaren Gegend, da es dort seit Jahrtausenden ganzjährig wasserführende Quellen und eine Palmenoase mit subtropischem Klima gibt. Schon sehr früh (ca. 8000 v.Chr.) wurde der Ort besiedelt. Sowohl die Zerstörung Jerichos durch Josua als auch die darauffolgende jahrhundertlange Brachliegung (vgl. Jos 6,24-27) sind archäologisch nachweisbar (die Hügel Tell es-Sultan und Tulul Abu el-Alayiq). Die Stadt ist mit 259 m unter dem Meeresspiegel die tiefst gelegene Stadt der Welt und ca. 25 km von Jerusalem entfernt. Westlich der Stadt erheben sich abrupt die Berge Judäas. Da Jerusalem 750 m über dem Meeresspiegel liegt, sind ca. 1000 Höhenmeter von Jericho nach Jerusalem zu bewältigen. Nahe der kleineren antiken Stadt baute Herodes der Große die Neu-Stadt mit einem Durchmesser von 3,8 km, die seinen pompösen Winterpalast, ein Lustschloss, ein Amphitheater und ein Hippodrom beherbergte, in dem er kurz vor seinem Tod die angesehensten judäischen Männer mit der Absicht einsperren ließ, sie noch kurz vor seinem Tod ermorden zu lassen, damit bei seinem Begräbnis ein Klagegeschrei in Judäa sei, das sonst wohl ausgeblieben wäre. Flavius Josephus rühmte die herrlichen Gärten von Jericho, die schon Mose vom Berg Nebo aus bewunderte (Dtn 34,3). Jericho war "das Paradies von Palästina". Jericho war eine der wohlhabendsten Städte von Judäa und ein wichtiger Handelsplatz, speziell für die Ausfuhr von Balsam. Eine von Peräa über die Jordanfurt kommende Straße führte von Neu-Jericho nach Jerusalem. Damit war Jericho eine Zollgrenze mit einer Zollstelle, an der Zachäus Oberzöllner war. Heute ist Jericho (arab.: er Riha) nur mehr ein armseliger Flecken (20,475.477; 33,563ff; 42,679; 46,15.95.259; 52,II,1343; 54,z.St.; 65,I,149). Matthäus 21 1 Ein Dorf am Ostabhang des Ölbergs, ca. 1,5 km vor Jerusalem gelegen, östlich von Bethanien. Als ein Vorort Jerusalems lag es direkt vor dem Tempelberg, wahrscheinlich nahe der alten Römerstraße, die von Jericho nach Jerusalem führt. Die Bedeutung des Namens ist "Haus der unreifen Feigen" (33,135; 46,270f; 54,z.St.). 2 Ps 118,25-26. Hebräisch: "Hilf doch!", ein Hilferuf an Gott und ein Lobpreis an Gott (54,z.St.). 3 Das Verkaufen und Kaufen fand im Vorhof der Heiden statt, daher das Zitat aus Jes 56,7 4 Mischzitat aus Jer 7,11 und Jes 56,7. Im Tempelbezirk konnten die Tempelbesucher Opfertiere kaufen und zur Bezahlung der Tempelsteuer heidnisches Geld in Münzen ohne heidnische Götter- oder Herrscherbilder wechseln (vgl. 47,z.St.). Der Wechselkurs war im Tempel zwar nicht hoch, aber doch ein sicheres Geschäft für die Geldwechsler (65,I,151). Vgl. zur Tempelreinigung auch noch Jer 19,1-15 5 Wenn man den Ps 8,1-4 in der LXX liest, aus dem Jesus Vers 3 zitiert, hat man dort den Eindruck, der Vers 3 wäre eingeschoben, - er unterbricht den Zusammenhang von Vers 1-4. Wir merken hier, wie Jesus mit der Schrift erfüllt war. Er konnte in diesem Augenblick klar erkennen, dass der Jubel der Kinder eine Erfüllung von Psalm 8,3 war. Vielleicht war dies auch der Grund, warum Paulus (1Kor 15,27) und später der Schreiber des Hebräerbriefes (Heb 2,6-8) den Rest des Psalms unter der Eingebung des Heiligen Geistes auf Jesus anwendeten. Jesu Schüler Petrus hat dies in Apg 1,1,20ff ebenso mit Ps 69,26 und Ps 109,8 getan, als er erkannte, dass sich diese Verse auf Judas beziehen. Psalm 8 wurde in der rabbinischen Literatur nicht messianisch verstanden (34,II,717). 6 Zitat aus Ps 118,22-23, der auch in rabbinischer Literatur messianisch verstanden wurde (21,I,268). 7 "Berge versetzen" ist ein rabbinisches Sprichwort für Unmögliches tun bzw. für das Beseitigen großer Hindernisse. Es ist also keine Ermutigung, irgendetwas Unsinniges von Gott im Gebet zu erbitten. Vgl. Jes 40,4; 49,11; 54,10; 1Kor 13,2 (2,z.St.). 8 Die vorjährigen Früchte des Feigenbaumes die am Baum überwintert haben, wachsen heran, noch ehe die Blätter austreiben (91,420ff). Diese bilden dann einen Schutzmantel um die reifende Feige. Wenn ein Feigenbaum Blätter hat, sollte er also auch schon unreife Früchte darunter haben, wenn nicht ist er krank und nutzlos. "Ein Feigenbaum am Ostabhang des Ölberges an geschützter Stelle ist ganz an seinem Platz... Eine zeitige Entwicklung der ersten, gleichzeitig mit den Blättern an den Enden der vorjährigen Triebe erscheinenden Früchte, ließ sich erwarten. Aber von ihrer Reife konnte um die Osterzeit keine Rede sein. Denn im April gibt es nur unentwickelte Feigen ... aber noch längst nicht die reifen, saftigen Frühfeigen ... die erst im Juni zu erwarten sind, geschweige denn die eigentlichen, weniger saftigen Feigen der Haupternte, welche ... im August reif werden. Aber der Orientale isst auch die noch saftlose Frucht und selbst die kleinen unentwickelten Feigen, obwohl sie bitter schmecken. Der volle Blätterschmuck des Baumes zu ganz ungewöhnlich früher Zeit, ließ mit Recht Außerordentliches auch in Bezug auf die Früchte von ihm erwarten, wenn aber der Trieb der Früchte fehlte, versprach er auch für die Zukunft keinen Nutzen. Er würde in diesem Jahr keine Feigen tragen" (46,277ff.; 65,I,262). Jesus suchte nach den kleinen, trockenen Vorfeigen (paggim), die aus Blütenanlagen des Vorjahres entstehen und schon Anfang April unter den neuen Trieben des Baumes zu finden sind. Sie werden dann abgeworfen, wenn später an der gleichen Stelle die sogenannten Frühfeigen (bikkurah) wachsen, die Anfang Juni reif sind. Im August sind dann die großen Feigen (tena) reif, die an den neuen Trieben gewachsen sind (54,z.St.). Der unfruchtbare Feigenbaum wurde oft als ein Bild für Israel angesehen, eine äußerliche Religion ohne Früchte (vgl. Hos 9,16). Jesus sah voraus, dass die so herrlich aussehende Stadt Jerusalem und das Volk der Juden, keine Frucht für Gott tragen wird und der Fluch auf ihnen lag (Lk 13,6ff). Darum verfluchte er zeichenhaft den Feigenbaum, der ja ohnehin unfruchtbar war, und für ihn symbolisch für Israel stand. Es war keine zornige Willkür, die ihn dazu antrieb, den Baum zu verfluchen. 9 Es gibt hier keinen Widerspruch zu dem Bericht in Mk 11,12-14.20-24. Matthäus berichtet die Verfluchung des Feigenbaums nach dem Bericht über die Tempelreinigung, weil er sein Material nicht chronologisch, sondern thematisch ordnet (91,419; siehe auch die Einleitung zum Matthäusevangelium). Markus hingegen hält sich an die Chronologie der Ereignisse und berichtet, dass die Verfluchung des Feigenbaums bereits vor der Tempelreinigung erfolgte, aber von den Jüngern erst am Rückweg bemerkt wurde (60,430f; 64,474f). Matthäus zieht also beide Berichte von Markus zusammen, der Feigenbaum vertrocknete zwar auf der Stelle, die Jünger bemerkten es aber erst am nächsten Tag, als er vollständig von den Wurzeln an verdorrt war, was man sofort an den herabgefallenen Blättern erkennen konnte. Daher auch bei Markus das Perfekt: "...ist verdorrt" (Mk 11,21). 10 Der Herr starb außerhalb der Stadt. 11 Der Haupteckstein war der erste Grundstein, der bei einem Gebäudeneubau gelegt wurde. Das Maßband und das Lot wurden dann an ihn angelegt, und von ihm aus die weiteren Steine aufgelegt. Christus wurde durch die Auferstehung der Eckstein der Gemeinde, die Gläubigen werden danach als lebendige Steine an- und aufgebaut. Auch die anderen Bibelstellen (Jes 28,16; Apg 4,11; Eph 2,20; 1Pet 2,4) in denen der Eckstein erwähnt ist zeigen klar, dass es sich nicht um den Schlussstein eines Kuppelbaus handelt (21,II,127). 12 Die ursprüngliche Bedeutung von "Hosanna" ist: "Bring doch Hilfe!" Später ist das Wort unter Verlust des ursprünglichen Sinns zur liturgischen Formel geworden (vgl. 47,z.St.). 13 Vgl. 2Kön 9,13. Eine übliche Geste, wenn Könige in eine Stadt einzogen (21,I,261). 14 Das Pachtgeld war ein Teil der Früchte, die dem Eigentümer nach Absprache zustehen (Lk 20,10; 20,496). Im übertragenen Sinn sind hier die Früchte der Gerechtigkeit gemeint (Jes 5,7). 15 Jesus impliziert damit, dass er der Messias war, was sie aber nicht anerkennen wollten. 16 Die Pharisäer und Schriftgelehrten hielten eine Buße der Zöllner für so gut wie unmöglich, weil diese habgierig waren und weil Buße nach ihrer Vorstellung nur möglich war nach voller Erstattung der unrechtmäßig eingetriebenen Zölle (38,II,247ff). 17 Hier geben die Hohepriester selbst die Antwort, bei Markus und Lukas gibt Jesus sie. Wahrscheinlich ist ihre Antwort hier im ironischen Sinn zu verstehen: "Ja natürlich wird er sie umbringen, aber was hat das mit uns zu tun"? In Mk 12,9 und Lk 20,16 (vgl. die Anm. dort) bestätigt Jesus ihr ironisches Urteil damit ihnen klar wird, dass er von ihnen spricht (20,498). 18 Jes 62,11; Sach 9,9. Die Juden erwarteten, dass der Messias in Macht und Herrlichkeit vom Ölberg herabkommt und dann durch das Goldene Tor in den Tempel einzieht. Jesus kommt hier zwar anders als sich das Volk das Kommen des Messias vorstellte, aber dennoch ganz im Einklang mit den Prophezeiungen in Bezug auf sein erstes Kommen. Erst sein zweites Kommen wird dann in Macht und Herrlichkeit sein (Jes Gemeint sind, Früchte der Gerechtigkeit 11,4b; Sach 12,9ff; 14,3ff). Hätte das Volk Jesus als Messias angenommen, hätte sich Sach 9,9 damit erfüllt, und das Reich Gottes wäre angebrochen. Doch weil sie ihn ablehnten, wurde die endgültige Erfüllung der Prophezeiung in die Zukunft geschoben. - In Mk 11,2; Lk 19,30 und Joh 12,14 ist nur von einem Eselsfüllen die Rede, auf dem Jesus dann auch ritt, um die Prophezeiungen zu erfüllen. Auf dem Füllen saß noch nie jemand (Mk 11,12), es war also noch so jung, dass ganz selbstverständlich auch das Muttertier mitgenommen werden musste, um dem Füllen vorauszugehen (60,429; 64,474). Matthäus war Augenzeuge und erwähnt daher dieses Detail. 19 Eigentlich war das nicht gestattet. Jesus setzt sich über diese Tradition hinweg (65,I,152). 20 Zu den Festen waren manchmal bis zu 500.000 Pilger in der Stadt (65,I,152). 21 Jesu Antwort ist sehr weise. Hätte er ihnen geradeheraus die Wahrheit gesagt, dass seine Vollmacht von Gott kommt, hätten sie ihm ohnehin nicht geglaubt. So aber rührt er ihr Gewissen an und überführt sie mit seiner Gegenfrage, damit sie sich selbst eingestehen, dass sie sich aus Menschenfurcht nicht getrauen, ihre Meinung offen zu sagen. Sie haben den Vorläufer Johannes abgelehnt, sie würden auch ihn, den Messias ablehnen. Daraus könnten wir lernen, Ungläubigen, die uns durch ihre Fragen nur provozieren oder uns in Verlegenheit bringen wollen, gar nicht zu antworten (vgl. Mt 7,6). Aber auch auf das Gebet kann man eine Anwendung machen. Wenn wir Gott mit falschen Motiven befragen, kann es sein, dass er uns nicht antwortet (vgl. 1Sam 14,37; 28,6). 22 Höchstwahrscheinlich ist Jesus durch das Osttor, das sogenannte Goldene Tor, direkt in den Tempelbezirk hineingegangen und hat sofort mit der Tempelreinigung begonnen. Im Jahr 70 n. Chr. wurde bei der Zerstörung Jerusalems auch dieses Tor zerstört. In den Jahren 1537-1541 n.Chr. erfolgte der Wiederaufbau der Stadtmauer unter dem türkischen Herrscher Süleyman dem Prächtigen. Da dieser sich dabei an den Grundmauern der antiken Stadtmauer orientierte, wurden Stück für Stück auch die Stadttore wiedererrichtet. Das Goldene Tor wurde aber gleich nach dem Wiederaufbau auf Befehl von Süleyman wieder zugemauert und versiegelt. Die Versiegelung des Tores wird häufig so interpretiert, dass Süleyman und seine Zeitgenossen, dadurch die Ankunft des jüdischen Messias hätten verhindern wollen, der nach jüdischem Glauben aufgrund von Mal 3,1 und Hes 43,2 am "Ende aller Tage" eben durch dieses Tor in die Stadt und den dann wiedererbauten Tempel einziehen soll. Nach der jüdischen Überlieferung wird die Bezeichnung Scha'ar harachamim ("Tor des Erbarmens") darauf zurückgeführt, dass, als die Sekinah, die Herrlichkeit Gottes, den Tempel verließ, sie zuerst durch dieses Tor und dann auf den Tempelberg emporgestiegen sei. Hesekiel 44,1-3 wird von Christen oft so ausgelegt, dass die Herrlichkeit Gottes in der Person Jesu Christi durch dieses östliche Tor in den Tempel kam und das Tor nun bis zur Ankunft des Messias verschlossen bleibt, bis der wiederkommende Messias Jesus Christus aufgrund von Hes 43,2, dann durch dieses Tor in den wiedererbauten Tempel hineingehen wird (46,276). Jedenfalls verließ die Herrlichkeit Gottes zur Zeit Hesekiels den Tempel durch dieses Tor und auch Jesus verließ vor seinem Tod die Stadt durch dieses Tor, um dann vom Ölberg in den Himmel aufzusteigen (vgl. Hes 10,19b; 11,1.22-23). Siehe Infos in: ttps://www.bing.com/videos/search?&q=goldenes+tor+jerusalem&view=detail&mid=219EFFFC373785FEC5C3219EFFFC373785FEC5C3&FORM=VDRVSR&ru=%2Fvideos%2Fsearch%3Fq%3Dgoldenes%2Btor%2Bjerusalem%26%26FORM%3DVDVVXX&ajaxhist=0 23 Betanien liegt 3 km östlich von Jerusalem. Es ist einer der drei Orte, in denen nach der Tempelrolle von Qumran Aussätzige wohnen sollten (vgl. Mt 26,6; 54,z.St.). Jesus hat gerne im Haus der Martha und Maria genächtigt, wenn er in Jerusalem war. 24 Das Zahlwort eins könnte darauf hinweisen, dass es sich um einen alleinstehenden Feigenbaum handelte, der niemals befruchtet wurde. Smyrna-Feigenbäume sind vollständig von der Feigenwespe abhängig, um Früchte zu tragen. Die weiblichen Blüten des Smyrna-Feigenbaums sind so strukturiert, dass die Feigenwespe ihre Eier ablegen kann, während sie gleichzeitig die Blüten bestäubt. Ohne die Feigenwespe erfolgt keine Befruchtung, und es entstehen keine Früchte. 25 Damit sind die Propheten bis Johannes dem Täufer gemeint. Bei Markus und Lukas (Mk 12,2-5; Lk 20,10-11) ist immer nur von einem Knecht die Rede, weil es sich bei den vielen Propheten um jeweils einen anderen Propheten handelte, den Gott schickte (z.B. 1Kön 19,14; 2Kön 21,10-16 ua). Zuletzt sandte er seinen Sohn, der als Sohn deutlich von den vorigen Propheten unterschieden wird (Heb 1,1-2). Damit gibt Jesus seine nachträgliche Antwort auf die Frage der Hohepriester nach seiner Vollmacht (Mt 21,23). 26 Nur Matthäus unterscheidet zwischen "Reich Gottes" und "Reich der Himmel", da er beide Ausdrücke gebraucht. Das "Reich der Himmel" umfasst bei ihm nur Menschen auf dieser Erde, und zwar gute, aber auch böse Menschen (vgl. Mt 13:24ff. ua), weil diese sich die Bösen nur äußerlich unter die Herrschaft dieses Reiches stellen (vgl. Mt 7:21-23). Der Ausdruck "Reich Gottes" hingegen bezeichnet bei ihm ganz allgemein Gottes ewige und souveräne Herrschaft über die ganze Schöpfung einschließlich der Engel und der Dämonen. Matthäus verwendet den Ausdruck "Reich Gottes" nur selten und immer mit einer besonderen Bedeutung. Hier in Mt 21,43 spricht er vom "Reich Gottes" (und eben nicht vom "Reich der Himmel" welches das verheißene Königreich Davids ist), das den Juden weggenommen und einer anderen Nation (d.h. der Gemeinde) gegeben wird. Matthäus 22 1 Zur Schwagerehe siehe Dtn 25,5 und Gen 38,8. Die darauffolgende Geschichte stammt aus dem apokryphen Buch Tobias. Der eifersüchtige Dämon Asmodi tötet dort die ersten sieben Männer der Frau (65,I,268.403). Obwohl die Sadduzäer nur die fünf Bücher Mose als inspiriert anerkannten, bedienten sie sich ohne Skrupel außerkanonischer Schriften, wenn es ihren Zwecken diente. Die liberalen Theologen heutzutage, agieren in ähnlicher Weise. 2 Ex 3,6 3 Dtn 6,5; Jos 22,5 (LXX); d.h. aus ganzen Kräften (Ps 103,1b). 4 Lev 19,18. Daraus die Notwendigkeit einer "Selbstliebe" abzuleiten ist absurd. In dem Maß wie sich ganz selbstverständlich jeder selbst liebt, sollen wir auch unseren Nächsten lieben. 5 Ps 110,1. Für die Schriftgelehrten zurzeit Jesu war dieser Psalm von David und messianisch zu verstehen (34,II,405.720f), und nicht für David, wie manche liberale Theologen behaupten (20,506). 6 Das können nicht die alttestamentlichen Propheten sein, denn erst Jesus beginnt die Menschen zum Königreich einzuladen (Mt 4,17 ua.), sondern es sind die Jünger Jesu vor Pfingsten. 7 Prophetisch für die Jünger, die nach Pfingsten zu den Juden gesandt wurden, doch die Juden lehnten das Evangelium mehrheitlich ab (vgl. Apg 13,45-47)). 8 Prophetisch auf die Zerstörung Jerusalems 70 n.Chr. durch Titus. Jesus nennt die römischen Belagerer "seine Truppen", denn sie führen sein Gericht an den Juden aus. 9 Die Kreuzungen, wo sich die aus der Stadt herausführenden Straßen in die verschiedenen Richtungen aufgabeln. Prophetisch auf die Heidenmission nach 70 n.Chr. bezogen, da ab dann, nach Gottes 40-jähriger Geduld, die Juden beiseitegesetzt wurden (Röm 9,24-33). 10 z.B. der Kerkermeister. 11 z.B. Kornelius. 12 Es gibt zwei Arten von Berufenen, die nicht auserwählt sind: Erstens in Vers 3, die nicht kommen wollen, und Zweitens in Vers 13, solche die sich einschleichen. Die Auserwählten sind diejenigen, die die Einladung zum Heil auch annehmen (Apg 13,48). 13 Ex 3,6 wurde von den Schriftgelehrten als Präsens gelesen, also "Ich bin...", und nicht: "Ich war..." (65,I,268). In dieser Stelle findet sich zwar kein klarer Ausspruch über eine Totenauferstehung, wohl aber eine Andeutung, die man aber nur bei tiefergehendem und geisterfülltem Bibelstudium entdeckt, wie es bei Jesus der Fall war. Gott würde doch nicht behaupten, ein Gott von solchen zu sein, die gar nicht mehr existieren. Jesus kommt ihnen entgegen, indem er aus der Thora zitiert, und nicht die eindeutigeren Stellen aus den Propheten (z.B. Jes 26,19-21; Dan 12,2 ua.), welche die Sadduzäer ja geringer einschätzten. 14 Also leben die Verstorbenen auch noch nach dem Tod, was eindeutig gegen den "Seelenschlaf" spricht. 15 Die Frage ergibt sich aus der Sitte, dass ein reicher Gastgeber (König) dafür sorgte, dass alle passend gekleidet waren, was besonders nötig war bei Personen, wie sie in Vers 10 beschrieben wurden. Aus diesem Grund ließ er beim Eingang an nicht passend Gekleidete, saubere Hochzeitskleider verteilen. Vgl. Jes 61,10; Offb 3,4.5.18; 19,8; 22,14 (14,186ff; 15,V,158). Der Gast verstummte, weil er wusste, dass er nicht durch die Tür hereinkam, sondern, vielleicht nur aus Neugierde, anderswo eindrang. Die Anwendung ist: Nur wer durch die "Tür", d.h. durch den persönlichen Glauben an Jesus, ins Königreich eingeht, wird mit dem "Kleid der Gerechtigkeit" bekleidet das Gott jedem Glaubenden bei seiner Bekehrung schenkt (Gal 3,27). 16 D.h. durch einen Ausspruch von ihm, den sie gegen ihn verwenden können. Im Jahr 6/7 n.Chr. wurde der Zensus, die römische Kopf- und Grundsteuer, auch in Judäa und Samaria eingeführt. Daraufhin gab es eine Revolte, die von den Römern blutig niedergeschlagen wurde (65,I,402). Die jüdischen Frommen, vor allem die sogenannten Zeloten, sahen in der Steuerzahlung einen Verrat an Gott. Die Falle schien unausweichlich. Stellte sich Jesus gegen die Steuer, würde er von den Römern der Aufwiegelung bezichtigt und zum Tod verurteilt werden. Die Hohepriester würden so ihr Ziel erreichen. Gibt er den Römern Recht, die Steuer einzuheben, würde er viele seiner Anhänger enttäuschen, die im Geheimen sagten: "Kein König außer Gott". 17 D.h. du bist unparteiisch und unbestechlich und lässt dich von niemandem beeinflussen. 18 Die Schlussfolgerung muss also sein: obwohl er sein menschlicher Nachkomme ist, ist er zugleich auch sein göttlicher Herr. Für die Schriftgelehrten war der Messias nur ein menschlicher Nachkomme Davids. Sie erkannten nicht, dass auch schon im AT die Göttlichkeit des Messias in verhüllter Weise ausgesprochen war (z.B. Jes 9,5b; Mic 5,1b; Sach 12,10b). Da sie dies aber nicht erkannten, bezeichneten sie die Beanspruchung Jesu, Gottes Sohn zu sein (Joh 5,18; 8,58; 10,30; Mt 26,63-66), als eine Gotteslästerung (20,508f). 19 Mit κυριος ohne Artikel ist Jahwe (HERR) gemeint, mit Artikel der Messias (der Herr). 20 Dass die Gläubigen im Auferstehungsleib geschlechtslos sind, sagt der Herr hier nicht, sondern nur, dass sie kein Bedürfnis haben zu heiraten, da die Ehe nur eine Einrichtung für dieses Zeitalter ist. Auch Engel erschienen immer als männliche Wesen, und in Gen 6,1-2 wird berichtet, dass sie sogar einen menschlichen Körper annahmen, und Geschlechtsverkehr mit Frauen hatten, was auch in Jud 1,6 und 2Pet 2,4 gemeint sein wird. Auch bei anderen Erscheinungen von Engeln, haben diese offenbar vorübergehend einen männlichen Körper angenommen (z.B. Gen 18,1ff; 19,1; Rich 6,17-22; Apg 12,7ff; ua). 21 Der römische Silber-Denar trug zurzeit Jesu auf der Vorderseite das Münzbild vom Lorbeertragenden Kopf des Kaisers Tiberius und die Aufschrift: "Tiberius, Cäsar, des göttlichen Augustus Sohn", und auf der Rückseite das Abbild seiner Mutter Livia in der Rolle der Göttin Pax mit einem Szepter in der Hand (33,792; 47,z.St.). Fromme Juden mieden dieses Geldstück, für diesen Zweck der Versuchung besorgten sich die heuchlerischen Pharisäer aber ein solches Geldstück. Jesus hingegen besaß überhaupt kein Geld. Was er den Jüngern auftrug, lebte er auch selbst (Mt 10,9; 17,27). Nur die Jünger hatten eine Gemeinschaftskasse mit Almosen (vgl. Joh 4,8; 12,6; 13,29). Es war der Tageslohn eines Taglöhners und damit ein wichtiger Umrechnungsfaktor für andere Münzeinheiten. Er dient auch zum ungefähren Vergleich für heutige Verhältnisse. 22 Eine religiöse jüdische Partei, die die Herodianische Dynastie, und damit Herodes Antipas unterstützte. Sie waren vor allem politisch gesinnt und gegen die römische Bevormundung, jedoch nicht offen, sondern insgeheim, da Herodes ja nur König von Roms Gnaden war. Der Glaube war für sie eher Mittel zum politischen Zweck, ähnlich dem politischen Christentum unserer Tage. 23 Dieses Gleichnis ist ein prophetisches Bild auf das tausendjährige Königreich. 24 Dies wurde von den Rabbis intensiv diskutiert, daher ist Jesu Antwort so überraschend genial: Liebe beinhaltet alle Gebote. 25 Die Begebenheit hier (und in Mk 12,28ff), fand zu einem anderen Zeitpunkt statt als die Begebenheit in Lk 10,25ff (20,343f). - Hier wird gesagt, dass der Schriftgelehrte Jesus mit seiner Frage versuchen wollte, in Mk 12,28-34 wird von ihm ein positiveres Bild wiedergegeben. Wahrscheinlich wurde er zuerst durch die Feindseligkeit der anderen Pharisäer aufgestachelt und verhielt sich Jesus gegenüber feindselig, wurde dann aber durch Jesu weise Antwort überführt. 26 Diese spontane geniale Antwort zeigt, dass sich Jesus wohl schon vorher mit der Frage der Steuer und mit der tieferen Bedeutung des Münzbildes beschäftigt hat. Auch wir sollten uns über die Mechanismen, die in dieser Welt herrschen Gedanken machen, damit wir richtig mit ihnen umgehen können. Jesus legt hier die Grundlage für die spätere neutestamentliche Lehre, der Obrigkeit Steuern zu zahlen (Röm 13,7; 1Pet 2,13). Gleichzeitig betont er die völlige finanzielle Unabhängigkeit des Reiches Gottes von der weltlichen Obrigkeit (vgl. 3Joh 1,7b). 27 Vgl. Röm 11,25 Matthäus 23 1 Spätere Hs. haben hier die Worte von Mk 12,40 und Lk 20,47 eingefügt (54,z.St.). 2 Ps 118,26 3 Freier übersetzt: "... machen sie keinen Finger krumm". Die "schweren Lasten" sind die vielen Gebote und Verbote, die die Schriftgelehrten aus dem Alten Testament, vor allem aus dem Gesetz Mose, ableiteten. Zurzeit Jesu zählte man 613 solcher heiligen Vorschriften. Gemeint ist wahrscheinlich die Lehrautorität der Rabbis, um Vorschriften zu "binden", d.h. für verbindlich zu erklären und Vorschriften wieder zu "lösen", d.h. Dinge für erlaubt zu erklären. Sie "banden" immer wieder neue Vorschriften den Menschen als Bürde auf, aber sie "lösten" keine dieser Vorschriften mehr auf (34,II,213). 4 Das sind Kapseln, die ein kleines Stück Pergament mit vier Stellen aus dem Gesetz (Ex 13,1-10.11-16; 13,6; Dtn 6,4-9; 11,13-21) enthielten, und mit Lederriemen am linken Oberarm, an der Stirn oder über dem Herzen befestigt wurden (54,z.St.). Mit der Zeit schlich sich auch der Aberglaube ein und man sah diese Gebetsriemen als Schutzmittel gegen Dämonen an (1,1730). 5 Sg., der Liegeplatz auf dem Diwan links vom Gastgeber. 6 Als religiöser Titel von Jesus verboten! Heute wäre das z.B. Pater, Abbe, "Heiliger Vater", usw. 7 Religiöser t.t.: ein zum Judentum Bekehrter, der sich auch beschneiden ließ, damit Volljude wurde und dem ganzen Gesetz Mose unterworfen war - im Unterschied zu den Gottesfürchtigen (σεβομενοι; Strong Nr.: 4576). 8 od.: den Weinwurm (1,938). Die Pharisäer siebten alle toten Insekten die größer als eine Linse waren aus dem Trinkbecher heraus, nicht wegen Ekel, sondern um sich nicht mit einem toten Tier zu verunreinigen (65,I,166). 9 Etwas mit Kalk bestreichen, "weißeln". Besonders bei Gräbern die nahe am Wegrand lagen und mit Steinplatten verschlossen waren, um sie zu kennzeichnen, damit man sich nicht versehentlich durch Berührung an ihnen verunreinigt. Vgl. Hes 13,10-12; 22,28. 10 vgl. Jer 22,5. Gemeint ist wahrscheinlich der Tempel, der 70 n.Chr. völlig zerstört wurde, vielleicht ist aber auch das Volk als Ganzes gemeint (2,z.St.). 11 Damit sind natürlich nur die Gebote Gottes gemeint, nicht ihre zusätzlichen Überlieferungen. Man muss dabei bedenken, dass das einfache Volk damals nicht lesen konnte und auch keinen Zugang zu den Schriften hatte. Daher war das öffentliche Vorlesen des Gesetzes sehr wichtig. Alles, was die Schriftgelehrten aus dem Gesetz Gottes vorlasen, sollte befolgt werden. 12 Als "Stuhl Mose" wurde ein steinerner Ehrensessel in den Synagogen bezeichnet, auf den sich die Schriftgelehrten bei der Auslegung des Alten Testamentes setzten. Es war das Zeichen ihrer religiösen Lehrautorität (vgl. 47,z.St.). 13 Gemeint sind wohl alle Gerechten seit Erschaffung der Menschen bis in die Zeit Jesu. Damit bestätigt der Herr die historische Gültigkeit des gesamten Alten Testaments, weil er ein Ereignis aus dem ersten (Gen 4,8.10: Abel) und eines aus dem letzten Buch (2Chr 24,20-21: Secharja Ben-Jojada) der hebräischen Bibel aufgreift. Jojada könnte hier den Großvater dieses Secharja meinen, dessen Vater dann Berechja hieß (54,z.St.). Zu Harmonisierungs- und Erklärungsversuchen mit dem AT siehe 2,158 und 64,478. 14 Aufgrund von Num 15,37-41 und Dtn 22,12 musste sich nach rabbinischer Vorschrift jeder Israelit eigenhändig solche Quasten an den vier Ecken seines Oberkleides befestigen. Sie wurden zur Erinnerung an Gottes Gebote getragen (54,z.St.). Die Pharisäer machten sich besonders große Quasten, um damit zum Ausdruck zu bringen, dass sie es mit der Befolgung des Gesetzes besonders ernst nahmen (59,395). Auch Jesus selbst hat diese Vorschrift befolgt, obwohl es nur eine Äußerlichkeit war! 15 Es war unter den Schriftgelehrten damals strittig, ob ein Gefäß, das innen gereinigt worden war, auch noch außen gereinigt werden musste (59,35). Die vorherrschende Schule Schammais vertrat die Ansicht, wenn der Becher außen rein sei, sei er überhaupt rein. Rabbi Hillel dagegen lehrte, der Becher müsse innen gereinigt werden (65,I,166). Nur ganz penible Pharisäer reinigten den Becher daher innen und außen. Jesus bringt die Frage von rein und unrein, aber auf eine moralische Ebene. 16 Hier wird zweimal das Wort θελω gebraucht. Im Hinblick auf Gottes Willen betont es hier mehr den Wunsch Gottes, etwas für jemanden zu tun (vgl. auch 1Tim 2,4). Der Mensch kann sich aber diesem Willen Gottes widersetzen (vgl. auch Joh 5,40), - im Gegensatz zum Vorsatz Gottes (Strong Nr. 4286) und zum Ratschluss Gottes (Strong Nr. 1013) in Röm 9,19. Es gibt demnach keine unwiderstehliche Gnade Gottes, wie manche behaupten. 17 Nach jüdischer Auffassung vererbte jemand seine Schuld auf seine Nachkommen. Damit sprachen sie sich ihr eigenes Urteil (65,I,167). 18 Mit γενεα kann hier nur die Rasse der Juden gemeint sein, denn über die damals lebende Generation kam im Gericht 70 n.Chr. nicht "alles gerechte Blut". Dies wird erst im Endgericht der Fall sein. Matthäus 24 1 Vgl. in der LXX Dan 9,27 und 12,11ff. Das erste Mal wurde ein solcher "Gräuel der Verwüstung" durch Antiochus Epiphanes IV. im Jerusalemer Tempel aufgestellt. Er platzierte auf dem Brandopferaltar einen kleinen Götzenaltar (1Makk 1,54ff; Dan 11,31ff), zusammen mit einem Bildnis von Zeus, das aber ihm ähnlichsah (Encyclopedia Britannica, 1974; Band I, Seite 995f; 91,463). Dies löste die Makkabäer-Aufstände aus. Im Jahr 39 n.Chr. erklärte sich Kaiser Caligula zum Gott und versuchte im Tempel von Jerusalem sein Standbild aufzustellen (65,I,272), was aber Petronius, der römische Legat der Provinz Syro-Zilizien, noch hinauszögern konnte. Das zweite Mal stellten die Römer ihre Standarten mit einem Bildnis des Kaisers in den Tempel, was den jüdischen Krieg, und in dessen Folge die Zerstörung Jerusalems 70 n.Chr., auslöste. Von diesem Gräuel der Verwüstung spricht Jesus hier aber nicht, sondern von dem zukünftigen endzeitlichen Gräuel der Verwüstung (Dan 9,27). Das dritte Mal wird nämlich in der Zukunft das "Tier aus der Erde" (= der falsche jüdische Messias der Endzeit, von dem Antiochus IV. nur ein Prototyp war; vgl. Dan 11,36 und die Anm. bei Mt 11,14) ein Bildnis des "Tieres aus dem Meer" (= der zukünftige Diktator von Europa; Offb 13,1ff) im dann wiedererbauten dritten Tempel in Jerusalem aufstellen. In Dan 9,26b wird er der "kommende Fürst" genannt. Vgl. auch Dan 12,11ff; 2Thes 2,3ff; Offb 13,11ff (97,413ff). Dies dürfte in der Mitte der 70.Jahrwoche Daniels geschehen (Dan 9,27). 2 Jes 13,10; 34,4 3 Dan 7,13-14 4 Der Artikel hat hier vielleicht die Bedeutung eines Demonstrativpronomens (siehe: 13,53 [165]). Mit diesen "vielen" wären dann die Abgefallenen und Irregeführten von Vers 10-11 gemeint, also der große Haufen der bloßen christlichen Bekenner - aber auch echter Gläubiger - in der Endzeit. Die vielen Lügenpropheten die sie verführen sind falsche Gläubige. - Oder es ist wie in Dan 9,27a, die Mehrheit des jüdischen Volkes gemeint. Die Übersetzung "die meisten" (2,1367) wäre zwar sachlich richtig, denn es werden im Gegensatz zu den Treugebliebenen die meisten sein (doch das wäre das griechische Wort πλειονων, wie in 1Kor 15,6 und 2Kor 2,6), aus Gründen der Wortgenauigkeit ist aber mit die Vielen zu übersetzen, denn nur damit wird der Bezug zu dem Wort "viele" in Vers 10-11 hergestellt, denn es sind eben viele die abfallen und irregeführt werden. 5 Vgl. auch Apg 8,12; 19,8; 20,24-25; 28,23.31 6 Ist diese Predigt nur zum Zeugnis und nicht zur Errettung? - Die Verse 2-13 passieren also in der Zeit, wo das Evangelium noch allen Völkern verkündet wird, offenbar von der Gemeinde, was aber bedeuten würde, dass sie bis Vers 14 noch nicht entrückt wurde. 7 Demnach kann es nicht die Drangsal Jerusalems 70 n.Chr. sein, denn so schlimm diese auch laut Josephus war, die noch ausstehende wird noch viel schlimmer sein. 8 Der ganze Kontext von Vers 15-28 spielt sich in Israel ab: Gräuel der Verwüstung an heiliger Stätte, Judäa, Flachdächer, Angst vor Winter, Sabbat, Messias-Erwartung, usw. Also wird es sich bei diesen Auserwählten um den Überrest Israels handeln (Offb 7,3ff; 14,1ff), - und vielleicht auch um die "Schafe" von Mt 25,32. Vgl. auch die Anm. bei Vers 31. 9 Wahrscheinlich die Wolken von Dan 7,13, auf denen der wiederkommende Herr sichtbar für den Überrest Israels auf die Erde zurückkommt. Vgl. auch Offb 1,7 10 Es handelt sich hier um die sichtbare Wiederkunft Christi, die Entrückung der Gemeinde muss schon irgendwann davor stattgefunden haben, denn die Jünger werden ab hier nicht mehr direkt angesprochen. Vgl. auch 1Thes 5,3 11 Wie in Lk 11,50; Lk 17,25 ua. ist hier mit γενεα sehr wahrscheinlich die Rasse der Juden gemeint (vgl. auch die Anm. zu Mt 23,36). Da das Wort παρελθη im Vers 35 eindeutig zugrunde gehen bedeutet (denn der Himmel und die Erde werden wirklich zugrunde gehen), und nicht nur vorüber gehen bedeutet, ist es sicherlich auch hier so zu verstehen. Dass eine Generation zugrunde geht, wäre eine eigentümliche Ausdrucksweise, sehr wohl aber, dass das Geschlecht, d.h. die Rasse der Juden bis zur Wiederkunft Christi nicht zugrunde geht, sondern vor der Ausrottung bewahrt wird. Die Ausrottung der jüdischen Rasse wurde Jahrhunderte lang versucht. Kein Volk hat seine ethnische Identität so stark bewahrt wie die Juden, und dass, obwohl sie all die Jahrhunderte kein eigenes Land besaßen. - Diejenigen die γενεα mit Generation übersetzen möchten, beziehen es auf die Generation, die dann in der 70.Jahrwoche Daniels lebt. Diese Jahrwoche dauert nämlich nur 7 Jahre (60,435; 64,479). Aber das wäre ein großer Gedankensprung, den Jesus seinen Zuhörern hier zugemutet hätte. Außerdem sind alle diese Ereignisse von Mt 24,3-28 in mehr als einer Generation geschehen, sodass man diese Erklärung verwerfen kann. 12 Damals waren es 120 Jahre, bis die Flut kam. Es ist nicht korrekt zu sagen, dass sich in der Zeit vor der Entrückung kaum mehr Menschen bekehren werden, weil wir eben "in den Tagen Noahs leben". Der Vergleich Jesu zielt nämlich auf die ausgelassene Lebensart der Menschen, und nicht auf die Frage, wie viele sich bekehren. Auch in den Tagen Noahs bekehrte sich sein ganzes Haus, denn davor war nur er gerecht vor dem Herrn (Gen 6,9; 7,1; Heb 11,7). So wie Noah damals eine Arche zur Rettung seines Hauses bereitet hat, und durch seine Predigt alle einlud zur Rettung (1Pet 3,20-21; 2Pet 2,5), so predigen wir bis zur Entrückung das Evangelium, bis sich der letzte Erwählte bekehrt (Röm 11,25b). 13 Nicht nur treu, sondern auch klug. Der treue und kluge Sklave steht für die Gruppe der treuen Diener des Wortes, der böse für die Gruppe der falschen Diener. Beide gibt es bei der Rückkehr des Herrn (vgl. Verse 47.50-51). Vgl. auch die Anm. bei Lk 12,41-48. 14 Es war üblich Frauen oder weibliche Sklavinnen zu den Mühlhäusern zu schicken, um die Handmühlen zu drehen und Körner zu malen, um so den täglichen Bedarf an Mehl zu erhalten. Diese Handmühlen bestanden aus zwei runden Steinscheiben von 50 cm Durchmesser. Der obere Stein wurde mit einem Holzgriff um eine Achse gedreht, die im unteren Stein befestigt war (54,z.St.; 52,II,1446). Vgl. noch Num 11,8 und Luk 17,35 15 Laut Josephus gab es in den Jahren nach Jesus bis zum 1.Jüdischen Krieg (66-70 n.Chr.) und danach, 46 jüdische Verführer (z.B. Simon der Sohn des Gioras, Johannes von Giscala, Simon Bar Kochba, ua.), die das Volk gegen die Römer aufwiegeln wollten (21,I,289.294.745; 34,II,446ff; 91,458). Nicht nur die Juden, sondern auch die Juden-Christen waren in der Anfangszeit aufgrund ihrer Naherwartung der Wiederkunft Christi gefährdet, auf solche falsche Messiasse hereinzufallen. Sie wussten ja damals noch nicht so viel über die genaueren Umstände der Wiederkunft Jesu, denn sie hatten anfangs nur wenige Teile des NT. 16 In der Gräz. t.t. für das machtvolle Auftreten einer verborgenen Gottheit, so wie für den offiziellen Besuch des Kaisers oder des Königs in der Provinz. In dieser Bedeutung für Christus bei seiner sichtbaren Wiederkunft auf der Erde (vgl.: 1Kor 15,23; 2Thes 2,1.8 ua). - Das Zeichen seiner Ankunft wird "der Gräuel der Verwüstung" sein (Vers 15). 17 Hier im Matthäusevangelium und im Markusevangelium wird uns berichtet, dass die Jünger nach drei Dingen fragen: (1.) nach der Zerstörung des Tempels. (2.) nach seiner Ankunft. (3.) nach der Vollendung des Zeitalters und nach dem Vorzeichen dafür. In Lk 21,7 wird uns berichtet, dass sie auch nach dem Vorzeichen für die Zerstörung des Tempels fragten. Nach ihrem Verständnis der alttestamentlichen Prophezeiungen ist die Zerstörung des Tempels untrennbar verbunden mit der Wiederkunft des Messias und der Vollendung des Zeitalters (z.B. Sach 14,1-5 ua.). Der dazwischenliegende lange Zeitraum (vgl. Mt 25,19) bis zur Wiederkunft Christi, war ihnen zu diesem Zeitpunkt noch verborgen. Auch die zelotischen Juden erwarteten bei ihrem Aufstand 70 n.Chr., dass der Messias kurz vor der Eroberung des Tempels kommen würde, um sie zu retten. Deshalb verschanzten sie sich zuletzt im Tempel. Ein römischer Legionär schleuderte wutentbrannt eine brennende Fackel durchs Fenster des Heiligtums, worauf der gesamte Tempel Feuer fing und abbrannte. Und dies, obwohl Titus die Schonung des Tempels angeordnet hatte. Vgl. auch die Anm. bei Mk 13,4 und die Anm. bei Lk 21,7 18 Entw. distributiv: an verschiedenen Orten; od.: über ganze Gegenden hin; od.: von einem Ort zum anderen; viell.: an vielen Orten (2,161; 21,I,290; 91,460). - In Lk 21,11.25 werden noch hinzugefügt, Seuchen, Schrecknisse und große Zeichen vom Himmel, Bedrängnisse und Ratlosigkeit der Nation, bei brausendem Meer und Wasserwogen. 19 Jesus bezieht sich vielleicht auf Micha 4,9-10; Jes 26,17; Jer 22,23 ua., und nicht auf die erst im 2.Jhdt. n.Chr. geprägten rabbinischen Ausdrucksweisen für die schweren Zeiten die dem Erscheinen des Messias vorausgehen müssen (91,460). Dieser Anfang der Wehen (Vers 4-9) begann schon in den Tagen der Apostel und wird bis zur "Geburt" andauern, d.h. der Erscheinung Christi auf Erden. 20 Nachdem Jesus von Vers 4-14 einen allgemeinen Überblick über die Ereignisse bis zum Ende gegeben hat, beantwortet er nun die erste Frage der Jünger nach der Zerstörung des Heiligtums, und dem Schicksal Jerusalems und des jüdischen Volkes. Die Zerstörung des Heiligtums 70 n.Chr. und das zukünftige Schicksal Jerusalems verschmelzen dabei im Bericht des Matthäus und werden nur im Lukas-Evangelium getrennt berichtet (Lk 21,20-24). Die vorausgesagten Ereignisse von Vers 15-28 beziehen sich daher speziell auf das Land Israel und besonders auf den Überrest Israels in der letzten Zeit (vgl. Mt 24,16.23.20). Mit dem Gräuel der Verwüstung beginnt die 2.Hälfte der 70.Jahrwoche Daniels, die letzten 3 1/2 Jahre vor der Wiederkunft Christi. - Für einen Gesamteindruck von Jesu Rede, muss man alle drei Evangelien synoptisch zusammenführen. 21 Wahrscheinlich: des Landes Israel; oder: der Erde. Schon seit den Tagen der Könige wohnten Juden aus allen 12 Stämmen im Südreich Juda. Es gibt demnach keine "verlorenen 10 Stämme". Vgl. die Anm. bei Apg 26,7 22 w.: dazu-versammeln zu etwas schon Vorhandenem. Mit den Auserwählten ist der in aller Welt zerstreute auserwählte Überrest Israels gemeint, die 144.000 Versiegelten aus Offb 7,1-8, der nun zu dem bereits im Land befindlichen Überrest hinzugefügt wird. Es kann sich hier nicht um die Gläubigen der Gemeinde handeln, denn bei der sichtbaren Wiederkunft Christi (Vers 30) ist die verherrlichte Gemeinde mit dabei (1Thes 4,14; 2Thes 1,10; Offb 19,14), also muss sie schon davor entrückt und verherrlicht worden sein. 23 D.h.: kosmologisch aus dem Gleichgewicht geraten? 24 Die Juden dachten, dieser Tempel könne nie von Feinden zerstört werden, denn er sei für die Ewigkeit erbaut. Doch Jesus sagt, der ganze Tempel wird zerstört werden. Geschehen ist das 40 Jahre nach Jesu Ausspruch, am 9.Aw (Juli/August) des Jahres 70 n.Chr. durch die Römer, nur einige Teile der Grundmauern (die heutige Klagemauer) blieben übrig; vgl. Jer 7,4 (65,I,169.271). Nach jüdischen Angaben war dies der gleiche Tag wie die Zerstörung des ersten Tempels durch Nebukadnezar. Bis heute ist es ein Trauertag bei den Juden (58,279). Obwohl Titus die Schonung des Heiligtums angeordnet hatte, - denn es war eines der damaligen Weltwunder, - warf ein erzürnter Legionär eine brennende Fackel ins Heiligtum, wo sich die letzten Zeloten verschanzt hatten und aufgrund von Mal 3,1 den Messias erwarteten, ohne Jer 7,4-10 zu bedenken (46,324). Der ganze Tempelbezirk ging in Flammen auf, nur die großen Grundsteine der heutigen Klagemauer blieben unversehrt. - Jesus stoppt seine Rede mit diesem Satz, geht mit den Jüngern über den Bach Kidron zum Abhang des Ölbergs, und setzt dort, mit einem grandiosen Ausblick auf die Stadt Jerusalem, seine Rede fort. Der Ölberg ist der Ort, wo er dann in den Himmel auffuhr, und wo er bei seiner Wiederkunft "landen" wird (Sach 14,4). 25 Vielleicht Nationalitätenkonflikte oder Bürgerkriege innerhalb von Staaten? 26 Das sind größere Kriege zwischen einzelnen Ländern. 27 Der Ausdruck "beiseitegenommen ... zurückgelassen", wird vom Zusammenhang her wahrscheinlich am besten so zu verstehen sein wie in Vers 31. D.h. der auserwählte Überrest Israels (die 144.000 Versiegelten in Offb 7,1ff) wird von den Engeln, die ja den wiederkommenden Herrn Jesus begleiten (2Thes 1,7), beiseitegenommen und nach Jerusalem versammelt, um dort als Lebende mit dem Lamm, d.h. dem wiedergekommenen Herrn, am Berg Zion zu stehen (Offb 14,1ff). Die Gesetzlosen aber bleiben für das anschließende Gericht zurück (vgl. diese Bedeutung in Lk 13,35a). Das passt auch zum Vergleich mit Noah (Vers 37), der auch zuerst von Gott in die Arche geführt wurde, während die anderen zum Gericht zurückblieben. Vgl. auch die Parallelstelle in Lk 17,28-29, wo auch Lot unmittelbar vor dem Gericht von den Engeln beiseitegenommen und aus Sodom hinausgeführt wurde. - Andere jedoch verstehen den Ausdruck wie in Joh 19,16 als beiseitegenommen für das Gericht und zurückgelassen für das tausendjährige Reich (48,138), was aber nicht zur Bedeutung der griechischen Ausdrücke (20,461), und auch nicht zum Vergleich mit Noah passt. Jedenfalls wird es die Aufgabe der Engel bei der Wiederkunft Christi sein, die Auserwählten zum Herrn zu versammeln und die Gesetzlosen auszusondern zum Gericht (Mt 13,41-43.48-50; Spr 2,21-22). - Wieder andere meinen es beziehe sich, wie in Joh 14,3, auf die Entrückung (z.B. 20,461f). Doch dann, wenn der Herr sichtbar auf die Erde wiederkommt (und darum geht es in Mt 24,29ff und auch in Lk 17,30ff), sind die Gläubigen schon davor entrückt worden, denn sie kommen bei der Wiederkunft mit ihm mit (Offb 19,14). Der manchmal angeführte Vergleich, dass Henoch schon einige Zeit vor dem Gericht der Sintflut entrückt wurde (Gen 5,24), während die beiden hier genannten Personen, Noah und Lot, erst unmittelbar vor dem Gericht bewahrt wurden (Gen 7,10; 19,23), ist beachtenswert und spricht auch dafür, dass hier nicht von der Entrückung die Rede ist. 28 Die Treppe zum Flachdach befand sich außen am Haus, man konnte also hinauf- und hinuntergehen, ohne das Haus zu betreten (65,I,172). 29 Das Obergewand wurde bei der Feldarbeit am Feldrand abgelegt (65,I,172). Bei der Flucht sollte man keine Zeit verlieren und nicht zum Feldrand zurückgehen, um das Gewand zu holen. 30 Josephus berichtet, dass manche Frauen in der Belagerung ihre Babys kochten und aufaßen, wie es in Lev 26,29 und Dtn 28,57 vorausgesagt wurde (65,I,172). 31 In Lk 17,36 sagt Jesus den Vergleich von dem Aas und den Geiern, auf die Frage der Jünger hin, wo diese Dinge geschehen werden. Vielleicht ist der Hinweis buchstäblich zu verstehen, denn bei dem letzten großen Krieg, der Schlacht von Harmagedon (Offb 16,16), wird es so viele Gefallene geben, dass man sie nicht begraben kann. Von wilden Tieren aufgefressen zu werden, galt als besonders grausames Schicksal; Dtn 28,26 (65,I,174). Oder Jesus meint bildlich die völlige Verdorbenheit der Menschheit in den letzten Tagen. - Das Bild mit den Geiern ist jedenfalls sehr einprägsam. Geier sind etwas unheimlich, denn ein Geier kommt selten allein. Ihre Sehkraft ist achtmal schärfer als die eines Menschen. Sie können eine Maus in der Wiese, oder einen Kadaver, aus 100 Meter Höhe erkennen. Damit können sie Bewegungen schneller erkennen und auch schneller reagieren. Sie treten typischerweise in großen Scharen auf, sobald einer irgendwo einen Kadaver entdeckt. Der Grund ist ihre geniale Suchstrategie: Die einzelnen Geier fliegen in großer Höhe und überblicken dadurch ein großes Areal, behalten dabei aber gleichzeitig auch ihre Artgenossen im Auge. Sobald einer von ihnen einen Kadaver entdeckt wechselt er in den "Sinkmodus", seine Nachbarn schließen sich ihm an, was wiederum weitere Nachbarn anlockt. Auf diese Weise stürzen sich eine große Anzahl Geier auf den Kadaver. Dies will Jesus mit dem Bild vom Aas und den Geiern erklären (aus: Die gute Saat, Kalenderblatt vom 3.11.2025). 32 Das erste von den 7 Gleichnissen (Vers 32ff; Vers 37ff; Vers 40ff; Vers 43-44; Vers 45ff; 25,1ff und 25,14ff) über den Beginn des zukünftigen Königreichs, entsprechend den 7 Gleichnissen in Mt 13,1ff über das gegenwärtige Königreich (65,I,175). - Obwohl der Feigenbaum mehrmals im AT ein Bild für Israel ist, wird Jesus in hier wohl nur als einen Vergleich genommen haben. Es war Frühjahr und die Feigenbäume fingen gerade an die ersten Blätter auszutreiben, was anzeigt, dass der Sommer nahe ist. Hier an die Staatsgründung Israels im Jahr 1948 n.Chr., und an das Erblühen des Landes danach zu denken ist weit hergeholt. Die Zuhörer Jesus hätten das unmöglich so verstehen können. Allerdings gibt es auch andere Prophezeiungen, die man zum Zeitpunkt, wo sie ausgesprochen wurden, nicht verstehen konnte. 33 Seit damals, bis in die Neuzeit, gab es weltweit immer wieder größere und kleinere Kriege, Hungersnöte und Erdbeben. - Zu den offensichtlichen Parallelen zwischen den Gerichten hier und denen in der Offenbarung, siehe die folgende Grafik in: https://drive.google.com/file/d/1pIq6ewhl6yrwEaoYJ1d7hEkU3g7VjSyN/view?usp=sharing. 34 Dieser Einschub fehlt in manchen Hs., dürfte aber ursprünglich sein (27,62); vgl. Mk 13,32. Als Menschensohn wusste Jesus die Stunde nicht, als Gottessohn wusste er natürlich alles (Joh 21,17). 35 Diese große Bedrängnis wurde schon in Dan 12,1 und Jer 30,7 prophezeit, und in Offb 7,14 angemerkt. Doch weder hier noch in Offb 7,14 kann man herauslesen, wann sie genau beginnt. Drangsale begleiteten die Gemeinde Jesu seit den Tagen der Apostel (Apg 11,19; 14,22) bis heute, und wie die Wehen bei einer Geburt, werden diese Drangsale immer stärker und kommen in immer kürzeren Abständen (Mt 24,8). Kurz vor der Wiederkunft Christi werden die Drangsale am heftigsten sein. 36 D.h. unter Berufung auf Christus (denn das ist hier die Bedeutung von επι τω ονοματι mit Dat.), wie in Lk 9,48 (2,z.St.). Die Berufung auf Christus wird von ihnen als Deckmäntelchen benutzt, um die Gläubigen zu täuschen (vgl. auch Mt 7,15.22; Apg 4,17; 5,40 ua.). - Der Ausdruck εν τω ονοματι ("in dem Namen") ist hingegen im NT meistens im positiven Sinn gebraucht (z.B. Lk 10,17 uva.). 37 Da Jesus die Jünger persönlich anspricht ("ihr", "euch"), beweist dies, dass die Gläubigen der Gemeinde zumindest den Anfang dieser Drangsale von Mt 24,4-14a noch erleben werden. Ab Vers 27 werden die Jünger aber nicht mehr erwähnt. Dies könnte dafürsprechen, dass die Gemeinde schon vor diesem Zeitpunkt entrückt wurde. - Oder die Jünger stehen hier stellvertretend für den zukünftigen jüdischen Überrest. - Christenverfolgungen nehmen inzwischen weltweit rasant zu! 38 Im Winter sind die Nächte in Palästina kalt, sogar Schnee kann im Winter fallen und heftige Regenfälle lassen die Flüsse übertreten und eine Flucht wird erschwert (65,I,274). 39 Also wird sich das Christentum bis dahin bis zu allen Völkern ausgebreitet haben. 40 Die Abgefallenen werden die treu Gebliebenen verraten (91,461). 41 Diese Auserwählten müssen, wie in Vers 31, der auserwählte Überrest Israels sein, denn in Vers 31 wurden die Gläubigen der Gemeinde ja schon entrückt und sind mit dem Herrn Jesus wiedergekommen. 42 Das Subjekt sind die Ereignisse von Mt 24,3-28 (2,166; 44,80), die in das Reich Gottes münden, wie die Parallele in Lk 21,31 zeigt. 43 Das Hineingehen in die Arche war für Noah wie die Entrückung für die Gemeinde. Bei Noah lagen zwischen dem Hineingehen in die Arche und dem Beginn der Sintflut 7 Tage (Gen 7,10). So wird auch zwischen der Entrückung der Gemeinde, und dem Gericht das bei der Wiederkunft Christi über die Gottlosen hereinbricht, eine Zeitspanne liegen, deren Länge uns nicht geoffenbart ist. 44 Es handelt sich in Vers 9-12 um die letzte Prüfung der Gläubigen vor der Entrückung. Ausharren bedeutet, sich nicht verführen lassen und die Liebe nicht erkalten lassen (vgl. Offenbarung Kapitel 2-3). Matthäus 25 1 Das entspricht ca. 100 Jahreslöhnen eines Taglöhners. Auch 1 Talent (ca. 20 Jahreslöhne), oder zwei Talente (ca. 40 Jahreslöhne), waren noch eine beachtliche Summe. Das Talent steht also bildlich für etwas, dass man für sein ganzes Leben bekommt, und zwar bekommt jeder Gläubige verschieden viel (im Gegensatz zu Lk 19,13.16), und damit auch verschieden viel Verantwortung, um das Beste daraus zu machen. Im Gleichnis will Jesus seinen Jüngern sagen, dass alle Fähigkeiten die Gott ihnen gibt, für ihn eingesetzt werden sollen und Lohn empfangen. Nur in weiterer Folge kann man es allegorisch auf die Geistesgaben anwenden, aber auch auf Gesundheit, Lebenssituation, Lebenszeit, usw. Zum Vergleich zum Gleichnis von den Minen in Lk 19,11ff siehe die Grafik in: https://drive.google.com/file/d/1LgajZHaJ6EsCCTmSdd9Car4e9QBI2caj/view?usp=sharing 2 Hier ist das einzige Mal, dass Jesus durchblicken lässt, die Wartezeit auf seine Wiederkunft könnte lange dauern. 3 Der Richterstuhl Christi findet demnach unmittelbar nach der Entrückung und vor der Wiederkunft Christi statt, wo der Herr seine Feinde vernichten wird (Lk 19,15.27). 4 Diese Brüder sind wohl der verfolgte Überrest Israels in der Endzeit (Offb 12,6.13-16 ua.), also die 144.000 Versiegelten, die in der Drangsal verfolgt werden. Sie werden dank ihrer Versiegelung diese Drangsal aber unbeschadet überleben (Offb 9,4; Mt 24,22; Dan 12,1; Jer 30,7). Sie bekehren sich dann bei der Wiederkunft Christi, wenn sie ihn sehen, wie er als ihr Messias in den Wolken kommt, und Gott den Geist der Gnade über sie ausgießt. Bis dahin erwarteten sie ihren jüdischen Messias, dann aber erkennen sie, dass der erwartete Messias der Jesus ist, den ihre Väter gekreuzigt haben und sie tun Buße (Sach 12,10; Mt 24,30; Offb 1,7). Bis dahin kennen sie das Evangelium nicht, also können sie es den "Schafen" auch nicht verkünden. Darum kannten die "Schafe" das Evangelium auch nicht, wie ja ihre Antwort beweist. Aber die "Schafe" kannten das "ewige Evangelium", dass in dieser Zeit von einem Engel verkündet wurde, und sie zur Gottesfurcht aufrief (Offb 14,6-7). In dieser Gottesfurcht helfen sie nun dem verfolgten jüdischen Überrest (Offb 12,13), den "Brüdern". Diese "Schafe" aus den Heiden waren wie die Menschen die Paulus in Röm 2,7.10 (vgl. auch Apg 10,34-35) beschreibt. Das stellvertretende Opfer Christi wird ihnen, genauso wie den Heiligen im AT, auf dieser Grundlage angerechnet. Diese Erlösten werden lebend, wohl mit ihren sterblichen Körpern, in das Königreich eingehen. Das scheint die beste Erklärung für diesen Abschnitt in Mt 25,31-46 zu sein. 5 Das waren entweder Fackeln an Stöcken, die oben mit ölgetränkten Lappen umwickelt waren (54,z.St.; 65,I,177; 14,174), oder Öllampen aus Ton mit einem Docht. In beiden Fällen mussten sie immer wieder mit Öl nachgespeist werden, da sie ansonsten bald erloschen. Das Öl in den Lappen oder den Öllampen reichte für ca. 15 Minuten (65,I,178). Die törichten Brautjungfern hatten kein Öl zum Nachfüllen mitgenommen. Sie stehen für einen "Glauben", der nicht echt und daher auch nicht nachhaltig ist. Vgl. auch die Anm. zu 2Tim 3,5 6 Gute Hs. fügen hinzu: "... und der Braut". Vielleicht wollten Abschreiber das auffällige Fehlen der Braut damit ausgleichen. Vielleicht ist die Braut aber absichtlich von Jesus weggelassen worden, weil die Hochzeits-Bräuche verschieden waren (27,62). 7 Der erste Schritt vor einer jüdischen Hochzeit war, dass der Bräutigam sein Vaterhaus verließ, um zum Wohnort der Braut zu reisen. Dort fand die Verlobung statt (vgl. 2Kor 11,2), wobei ein Ehevertrag aufgesetzt wurde, das Paar gemeinsam aus einem Kelch Wein trank, und der Bräutigam den Brautpreis bezahlte und damit den Ehevertrag besiegelte. Damit galten beide als verheiratet, die Ehe wurde aber noch nicht vollzogen. Danach verließ er wieder die Braut, um eine gemeinsame Wohnung vorzubereiten (vgl. Joh 14,2-3). Nach etwa einem Jahr fand die Hochzeit statt, die Braut wusste aber weder den Tag noch die Stunde. Wenn dann der Tag für die Hochzeit angekündigt war, wartete die Braut mit ihren Brautjungfern im Haus ihrer Eltern auf den Bräutigam, der meist erst spät in der Nacht mit seinen Freunden (den "Söhnen des Brautgemachs") aus seinem Elternhaus kam, um die Braut zur Hochzeit abzuholen und sie dann im Schein der Fackeln in einer Prozession ins Haus seines Vaters zum Hochzeitsmahl heimzuholen (vgl. Ps 45,11.14; Mt 22,1ff), das meist in der Nacht stattfand. Nach einer kurzen Begrüßung zogen sich der Bräutigam und die Braut zurück, um im Beisein der Schwiegermutter den Geschlechtsakt zu vollziehen. Das Leintuch mit den Blutflecken der Entjungferung wurde von der Mutter der Braut als Beweisstück aufgehoben, dass ihre Tochter in der Hochzeitsnacht noch Jungfrau war (vgl. Dtn 22,17-18). Für sieben Tage blieb die Braut im Brautgemach verborgen (rabb. "die Tage des Verbergens"), um dann am siebenten Tag unverschleiert den Hochzeitsgästen vorgeführt zu werden (nach: Showers R.E.: Bibel und Gebet). Die Sitten variierten zwar von Gegend zu Gegend (vgl. im Gegensatz dazu Richter 14,10), doch dies dürfte in neutestamentlicher Zeit der allgemeinste, und daher von Jesus auch vorausgesetzte Brauch gewesen sein (vgl. 10,IV,1100; 14,171ff; 27,62; 33,744; 36,670ff; 38,I,504ff; 65,I,177f; 84,131). - Mit dem Gleichnis will Jesus seine Jünger, und damit auch uns, warnen, dass ein bloßes Bekenntnis ohne wahren Glauben nicht ausreicht, um ins Reich Gottes einzugehen. In der Anwendung kann man das Gleichnis daher zuerst auf die schlafende Christenheit beziehen, da das Gleichnis sonst keine Ermahnung (Vers 13) für die Jünger wäre. Nur wer ein echter Gläubiger ist, wird bei der Ankunft Christi entrückt. Als zweites kann man es aber auch auf den Überrest Israels im Land Palästina beziehen. Daher zehn Jungfrauen und nicht die Braut (d.i. die Gemeinde), die in dem Gleichnis ja fehlt. Dies würde in den eschatologischen Grundtenor des NT passen, denn Christus kommt bei seiner Wiederkunft zusammen mit den schon davor zu ihm entrückten Gläubigen auf diese Erde (1Thes 4,14; Offb 19,14), um danach mit seiner Braut die "Hochzeit des Lammes" (Offb 19,6ff) im tausendjährigen Friedensreich zu feiern (vgl. Mt 22,1ff). Bei seiner Wiederkunft werden seine Füße auf dem Ölberg stehen und es wird zwischen den dann lebenden Juden (den 10 Jungfrauen) eine Scheidung geben (vgl. Sach 12,10 - 13,8; 14,1-5; Offb 14,1-5). 8 Weil sie gedankenlos waren. 9 Der Herr unterscheidet hier drei Gruppen von lebenden Menschen, erstens die Schafe, zweitens die Ziegenböcke und drittens "meine Brüder" (Vers 40). Zu beachten ist, dass es sich hier um solche aus den Nationen handelt, die bei der sichtbaren Wiederkunft Christi noch leben, es ist ein Gericht der Lebenden aus den Nationen. Diese Schafe sind offenbar Heiden, die das Evangelium noch nicht persönlich hörten, wie ihre Antwort in Vers 37ff beweist. - In Israel trennten die Hirten nachts die Ziegen von den Schafen und trieben die Ziegen eng zusammen, weil diese die Kälte nicht so gut vertrugen wie die Schafe (54,z.St.). Dieses Absondern geschah jeden Abend. Da in Palästina die Schafe weiß und die Ziegen schwarz waren, und außerdem Schafe wertvoller waren, bietet sich diese Metapher gut für die Unterscheidung zwischen Gut und Böse an (14,204; 15,VI,217.276; 65,I,181). 10 Fut.Pass., weil das Gleichnis auf ein Ereignis hinweist, dass erst in der Zukunft passieren wird. Vielleicht auch, weil es sich um das letzte Himmelreichs-Doppelgleichnis (V.1-30) handelt? 11 Der Ausdruck εις υπαντησις ("...um entgegenzugehen") in Vers 1 beinhaltet den Gedanken, dass das sehnsüchtige und erwartungsvolle Ausschauhalten nun seine Erfüllung findet. Ansonsten ist es ein allgemeinerer Ausdruck als εις απαντησις ("...zur Begegnung mit") in Vers 6, welches ein politischer t.t. und damit der offiziellere Ausdruck ist und den Gedanken der "Einholung" miteinschließt. In Vers 1+6 werden beide Ausdrücke verwendet und sollen wohl diesen Unterschied andeuten. 12 Da sich der Hochzeitszug wahrscheinlich sehr langsam fortbewegte, schien es nicht unmöglich nach dem Kauf diesen wieder einzuholen. Schon eher ist es fraglich, ob um diese Nachtzeit überhaupt noch Öl zu kaufen war. Ob sie wirklich Öl kaufen konnten, wird nicht gesagt, denn es würde den Sinn des Gleichnisses zerstören, denn das Öl ist ein gängiges Symbol für den Heiligen Geist. Die 5 törichten Jungfrauen stehen für solche, die bloß ein äußeres Bekenntnis haben (= die Lampe), aber nicht den Heiligen Geist. Jedenfalls kamen sie zu spät, und so wird es jedem ergehen, der keine echte Wiedergeburt erlebt hat und sich im letzten Moment noch vorbereiten will. Keiner von uns weiß, wieviel Zeit in diesem "letzten Moment" noch bleibt. 13 Ein harter Ausdruck, der eine raffgierige Person beschreibt, die rücksichtslos auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Jesus greift den Vorwurf auf, obwohl sein Charakter nicht so ist. Er will dem Knecht damit zeigen, wie falsch er ihn einschätzt. Wenn schon nicht aus Liebe und Treue zum Herrn, hätte er zumindest aufgrund dieser seiner falschen Einschätzung treuer mit dem ihm Anvertrauten umgehen müssen. Ganz offensichtlich steht dieser Knecht für einen Bekenner, der keine persönliche Beziehung zum Herrn hat, denn er wird in die Finsternis hinausgeworfen. Dass die Talente ein Bild für die Gaben des Heiligen Geistes sind, ist ja nur eine Anwendung, die für den unnützen Knecht nicht zutrifft. 14 Wenn das ewige Leben endlos ist, ist die ewige Strafe auch endlos. Dass das griechische Wort αιονιος im gleichen Satz zwei verschiedene Bedeutungen hat, ist undenkbar (91,z.St.). Was ist mit ewigem Leben hier gemeint? Sicherlich, dass diese Personen wiedergeboren sind, daher ewiges Leben besitzen und damit ewig unter Gottes Herrschaft leben werden. Sie wurden aus Glauben auf der gleichen Grundlage gerechtfertigt wie die Gläubigen im AT (Abel, Abraham, usw.; vgl. auch die Anm. bei Röm 2,7). Ihr Glaube zeigte sich im Gutes tun, und er war nicht berechnend, wie Vers 44 zeigt. Es scheint aber nicht so, dass sie auch schon einen neuen Herrlichkeitsleib bekommen haben, da sie nicht zur Gemeinde gehören. Sie gehen mit ihrem alten sterblichen Körper ins tausendjährige Reich ein, werden dort eine hohe Lebenserwartung haben (Jes 65,20) und im guten Alter sterben. Am Ende der Zeiten werden sie dann mit einem neuen Herrlichkeitsleib auferstehen (vgl. die alttestamentlichen Gläubigen in Dan 12,2.13). 15 Eine Verdoppelung der investierten Summe war bei den damaligen Zinssätzen normal und zu erwarten (65,I,180). 16 Es gibt zu denken, dass Jesus fünf von zehn Jungfrauen als töricht hinstellt, und nicht nur eine oder zwei. Will er damit andeuten, dass kurz vor seinem Kommen die Hälfte der christlichen Bekenner nicht wiedergeboren sind? Vgl. dazu auch 2Tim 3,1-5 und Mk 13,6 17 Nach rabb. Verständnis bedeutet dieses Wort: "die Augen aufmachen", od.: "mit offenen Augen" (38,I,969). 18 Oder vielleicht, wie in Lk 8,18: "...was er zu haben meint" (20,484), nämlich die falsche Sicherheit errettet zu sein. Dies war auch bei den 5 törichten Jungfrauen der Fall. 19 Dieser Sklave steht für einen Christen, der nur ein Bekenner, aber nicht wirklich wiedergeboren ist (vgl. Jak 2,26; 2Thes 3,5). Er brachte keine Frucht (vgl. die Anmerkungen zu Joh 15,1-8). Hier die Möglichkeit hineinzulesen, man könnte sein Heil wieder verlieren würde ja bedeuten, dass das Heil vom Erbringen einer Leistung abhängt. 20 Es ist dies die sichtbare Wiederkunft Christi, bei der nicht nur die Engel, sondern auch die davor entrückten und dann verherrlichten Gläubigen dabei sein werden (Offb 3,4; 19,11-14; 2Thes 1,10 ua.). 21 Warum betont Jesus, dass der Bräutigam sich mit seiner Ankunft Zeit ließ? Weil Gott nicht will, dass irgendwelche verloren gehen (1Tim 2,4; 2Pet 3,9). Inzwischen sind schon fast alle Stämme der Erde mit dem Evangelium erreicht worden. Vgl. aber auch Röm 10,18 mit Ps 19,1-5a. Matthäus 26 1 Sach 13,7. Jesus versteht die Prophezeiung wörtlich und nicht bildlich-allegorisch. Er wendet sie sinngemäß auf sich und die Jünger an. 2 Ps 42,6.12; 43,5 3 30 Silberstücke, vielleicht Stater (Strong Nr. 4715), das wären dann 120 Drachmen bzw. Tageslöhne. Nach Ex 21,32 war das der Preis für einen Sklaven (!) und der Durchschnittspreis für einen Acker (Mt 27,6-7). Vgl. auch die Schätzwerte in Lev 27,1-7. Maria gab für Jesu Salbung 300 Drachmen aus. Wenn es sich bei der Bezahlung an Judas wirklich um Stater handelte (vgl. 33,792), könnte es sein, dass die Hohepriester diese aus dem Tempelschatz entnommen haben. Die jährliche Tempelsteuer wurde nämlich in Stater bezahlt. 4 Nach rabbinischer Vorschrift wurde beim Passah Rotwein verwendet. 5 Alabaster ist ein marmorähnlicher Gips, der sich leicht bearbeiten und gut polieren lässt. Er wurde deshalb gern zu henkellosen Gefäßen für Salben verarbeitet (54,z.St.). Eine Büchse aus Alabaster wurde vor allem für die Aufbewahrung von kostbaren Narden und Ölen verwendet. Der längliche Hals dieser Gefäße wurde abgebrochen, wenn die Salbe verwendet wurde. Alabasterfläschchen mit Narde wurden als Geschenke für Könige verwendet. Diese wurden auch mit einem solchen Öl bei ihrer Einsetzung gesalbt. Ebenso die Toten vor der Grablegung (LXX: 2Kön 21,13). 6 vgl. Anm. zu Mt 7,28. 7 Nach rabbinischen Regeln war diese Versammlung illegal, weil sie unangekündigt und des nachts stattfand (65,I,189). - Joseph, mit Beinamen Kaiphas, ein Hohepriester der von 18-37 n.Chr. amtierte. Er wurde vom Prokurator Valerius Gratius eingesetzt, jedoch später von Vitellius, dem Prokurator der Provinz Syria, wieder abgesetzt. Als Schwiegersohn des Hohepriesters Ananias arbeitete er auch nach seiner Absetzung noch eng mit diesem zusammen und spielte daher im Prozess Jesu eine wichtige Rolle (33,157). 8 Zum Passahfest befand sich etwa eine fünffache Menge an Menschen, in religiös aufgeheizter Stimmung und Messias Erwartung, in Jerusalem (2,z.St.). Die Hohepriester wollten unbedingt verhindern, dass Jesus am Passahfest gefangen genommen wird. Doch Gott hatte geplant, dass Jesus am Passahfest sterben muss (Vers 2). Alles, was Gott plant, geschieht so wie er es will. Auch Satan kann das mit Hilfe von Judas nicht vereiteln (Lk 22,3-4). Gott ist souverän. Menschen wollen ihre listigen Pläne durchsetzen und merken nicht, dass Gott gerade ihre Pläne benützt, um seine Pläne durchzuführen. 9 Das war der Vormittag des 14.Nissan (6.April 30 oder 2.April 33 n.Chr.), damals ein Donnerstag. Am Abend des gleichen Tages feierten sie dann das Passah-Mahl (Vers 20). Nach rabbinischer Lehrmeinung wird die Erlösung durch den Messias in der Passahnacht des 14.Nisan erwartet (46,125). Der ganze Ausdruck lässt es unmöglich erscheinen, dass Jesus, wie manche behaupten (z.B. 20,533ff), das Passah schon einen Tag früher gefeiert hätte als der Rest des offiziellen Judentums. Der scheinbare Widerspruch zu Joh 18,28b wird bei der dortigen Anm. erklärt. 10 z.B. Jes 53,7ff; Dan 9,26, Ps 16,10 ua. 11 Gemeint ist natürlich der Verräter Judas und nicht der Herr Jesus. Warum sollte es für den Herrn besser sein, wenn Judas nicht gezeugt worden wäre? Für Judas hingegen wäre es besser gewesen, er wäre nie geboren worden, denn er ist für ewig verloren. Vgl. den ähnlichen Wortlaut über bloße Bekenner in 2Pet 2,21 12 Der Ablauf beim letzten Passahmahl dürfte folgender gewesen sein: Zur Vorbereitung des Passahmahls wurde ein Lamm gekauft und im Heiligtum unter Anleitung der Priester geschlachtet. Der vorgeschriebene Teil wurde von ihnen am Brandopferaltar geopfert und das Blut an den Altar gegossen. Danach wurde der Rest des Lammes zu Hause als Ganzes am Feuer geröstet (Mt 26,17-19; Mk 14,12-16; Lk 22,7-13). Nach dem Einzug in den vorbereiteten Ober-Saal, dürfte unter den Jüngern ein Streit über die Liegeordnung entstanden sein. Bei festlichen Anlässen lag man auf Polstern, die Füße waren nach hinten vom Tisch weg ausgestreckt. Die Polster waren an drei Seiten U-förmig um einen niedrigen Tisch in der Mitte gruppiert, während eine der Schmalseiten am Tisch frei blieb, um die Speisen zu servieren. Beim Essen stützten sich die liegenden Gäste auf ihre linke Hand, damit die rechte Hand frei war zum Essen (65,I,494). Die Jünger stritten sich wohl darüber, wer der Größte unter ihnen ist und den Ehrenplatz an der linken und rechten Seite des Herrn einnehmen darf. Nur Lukas überliefert diesen Streit (Lk 22,24ff; siehe: 34,II,492f). Judas nimmt dreist den Ehrenplatz an Jesu linker Seite ein, während der Lieblingsjünger Johannes, wie gewöhnlich "an seiner Brust" liegt (Joh 13,23), d.h. rechts von Jesus. Die übrigen Jünger legen sich der Reihe nach auf die Polster um den Tisch, Petrus aber geht beschämt an den letzten Platz direkt gegenüber von Jesus (Lk 22,25-27). Daraufhin steht Jesus auf und wäscht den Jüngern die Füße, ein Dienst, den eigentlich immer der geringste Sklave ausführte, oder, wenn ein solcher nicht da war, der Jüngste unter den Anwesenden. Petrus kommt bei der Fußwaschung als Letzter dran, weil er den letzten Platz eingenommen hat (Joh 13,1ff). Diese Fußwaschung war entgegen der Sitte, da beim Passah sich jeder nur die Hände wusch, - aber dies zu einem späteren Zeitpunkt. Danach eröffnet Jesus ihnen, dass einer von ihnen ihn überliefern wird (Mt 26,21-25; Mk Mk 14,17-21; Lk 22,21-23; Joh 13,18-30). Sie fragen sich alle bestürzt, wer dies wohl sei. Petrus, der direkt gegenüber von Jesus und Johannes liegt, gibt Johannes einen Wink mit dem Kopf (Joh 13,24; Griech.: νευω), damit er von Jesus erkunde, wer der Verräter sei. Johannes neigt den Kopf nach hinten zur Brust Jesu und fragt ihn wahrscheinlich im Flüsterton, wer es sei. Jesus antwortet, wahrscheinlich ebenfalls im Flüsterton: "Der, dem ich den Bissen gebe". Die anderen Jünger verstehen daher nicht, was Jesus dem Johannes zugeflüstert hat, und auch nicht, dass er zu Judas geflüstert hat: "Du hast es gesagt" (vgl. Mt 26,25b). Nun erst beginnt die traditionelle Passah-Liturgie: Jesus nimmt nun den ersten Becher (Lk 22,17), mit dem der Hausvater der Tradition nach mit einem Dankgebet, das Passahmahl begann, (beim jüdischen Passahmahl wird der Becher mehrmals herumgereicht, von dem bei der Einsetzung des Abendmahls gereichten dritten Becher ist erst in Lk 22,20 die Rede), und spricht als der Hausvater beim ersten Brechen des Brotes folgende Worte: "Dies ist das Brot der Mühsal, das unsere Väter in Ägypten aßen". (Jesus dürfte diese Worte dann später bei der Einsetzung des "Abendmahls", beim zweiten Brechen des Brotes, auf den neuen Bund umgedeutet haben mit dem veränderten Wortlaut: "Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird"). Dann taucht er, wieder gemäß der Tradition, einen Bissen von dem vorher gebrochenen Fladenbrot in die Sauce mit den bitteren Kräutern und gibt ihn nacheinander allen Anwesenden, zuerst natürlich dem Judas, der direkt neben ihm liegt, und sagt dabei laut zu ihm: "Was du tust, tue schnell". Nachdem Judas den Bissen nimmt und hinunterschluckt, fährt der Satan in ihn (Joh 13,27), er verlässt den Raum und verschwindet in der Nacht, - und zwar noch vor der Einsetzung des Abendmahls. Aus all dem erklärt sich, warum die Jünger nicht verstanden, dass Judas der Verräter ist (Joh 13,22-30), denn sie konnten die Worte die Jesus zu Johannes geflüstert hatte und Jesu Antwort gar nicht verstehen und dachten, Jesus schicke Judas nun zum Einkaufen oder um Almosen an die Armen zu verteilen (Joh 13,28-29). Dann wurde das gebratene Passahlamm gegessen, danach alles weggeräumt und der erste Teil des "Hallel" (Psalm 114-118) gesungen. Mit dem Trinken des zweiten Bechers (= Lk 22,17?) wurde das zweite "Brechen des Brotes" eingeleitet. Es war bei diesem zweiten Brechen des Brotes und dem darauffolgenden Trinken des dritten Bechers, dass der Herr das Abendmahl einsetzte und so deutlich machte, dass, - anders als bei der einstigen Erlösung aus der Sklaverei Ägyptens, - die Erlösung aus der Sklaverei der Sünde sich nun auf einen neuen Bund gründet. Dieser dritte Becher in der Passah-Liturgie, wurde auch der "Becher der Segnung" genannt (vgl. 1Kor 10,16). Die Passah-Zeremonie endete, nachdem der zweite Teil des "Hallel" gesungen und der vierte und letzte Becher getrunken war (vgl. 34,II,479-504; 33,882; 20,539ff; 2,181; 46,336ff; 47,z.St.; 54,z.St.). Während des Passahmahles, vor oder nach der Einsetzung des Abendmahls, hält Jesus eine längere Rede, die nur Johannes überliefert (Joh 13,31 - 17,26). Danach verlässt er mit seinen Jüngern den Ober-Saal und geht über den Bach Kidron zum Garten Gethsemane (Joh 18,1; Mt 26,36; Mk 14,42; Lk 22,39). - Nach rabbinischer Lehrmeinung wurde die Erlösung von der Fremdherrschaft durch den Messias in einer Passahnacht des 14.Nisan erwartet, und genau so geschah es (46,125.336). 13 Das ist eine jüdische Metapher für Wein, gemeint ist der Wein des Passahmahls. Die Juden pasteurisierten keinen Traubensaft. Beim Passah musste Rotwein verwendet werden (65,I,279f). 14 Der zweite Teil des "Hallel" (Psalm 114-118), dass nach dem Passahmahl gesungen wurde. 15 Mit dem Realis drückt Petrus aus, dass er es durchaus für wahrscheinlich hält, dass alle anderen Jünger am Herrn Anstoß nehmen, - natürlich außer ihm. Diese Überheblichkeit ist der Anfang seines tiefen Falls. 16 entw.: Imp.Präs.; od. eventuell ironisch als konativer Ind.Präs.: "Versucht nur weiter zu schlafen bzw. auszuruhen". 17 od. rhetorisch: "Dafür bist du gekommen?" (2,z.St.). 18 Für die Verteidigung und für die Ausbreitung des Glaubens ist Gewalt nicht angebracht (2,z.St.). 19 Militärischer t.t.: eine Legion war ca. 6000 Legionäre plus Hilfstruppen, zwölf Legionen also 72.000 Engel (65,I,188). 20 Bezüglich der chronologischen Reihenfolge des Prozesses siehe: 2,188. Das jüdische Prozessrecht zurzeit Jesu ist allerdings nicht genau bekannt (47,z.St.). 21 Jüdische Umschreibung für den Gottesnamen (2,z.St.). 22 vgl. Ps 110,1; Dan 7,13 23 Er griff in seinen Halsausschnitt und riss den Stoff mit einem heftigen Ruck eine Handlänge ein, sodass ein Teil der Brust bloß lag. Ein frommer Mann durfte eine Gotteslästerung nicht ohne diese Gebärde des Entsetzens anhören. Nach Lev 10,6 und 21,10 war dies aber dem Hohepriester verboten (54,z.St.). Nach rabbinischer Tradition musste derjenige der die Gotteslästerung als Erster hörte aus Entrüstung seine Kleider zerreißen (Mischna, Sanhedrin 7.5). 24 D.h. aus großer Verzweiflung, was seine sofortige Buße offenbart. Die Reue des Petrus war, im Gegensatz zu Judas, eine Betrübnis zur Errettung (2Kor 7,10). 25 In der LXX als Übersetzung für hebr. Strong Nr. 01285. Ein Vertrag, welcher von Gottes Seite ausgeht und eine verbindliche Zusicherung seitens Gottes ist, die der Mensch annehmen oder ablehnen kann, deren Bedingungen er aber nicht ändern kann. Vgl. Jer 31,31ff. 26 In Papyri als t.t. bei Geldgeschäften: Edelmetalle abwiegen, daher: für jmdn. etwas festsetzen. - Dies beweist die Geldgier von Judas (1Tim 6,10), sie führte sogar zur Besessenheit (Lk 22,3; Joh 13,27). 27 Chronologisch wahrscheinlich nach Joh 13,36-38 einzuordnen (2,z.St.). 28 Laut der Passah-Liturgie sprach der Hausvater beim ersten Brechen des Brotes folgende Worte: "Dies ist das Brot der Mühsal, das unsere Väter in Ägypten aßen" (34,II,504). Jesus dürfte diese Worte dann hier bei der Einsetzung des Abendmahls, also beim zweiten Brechen des Brotes, auf den neuen Bund umgedeutet haben: "Dies ist mein Leib... ". Da Jesus Aramäisch sprach, war das Wörtchen "ist" nicht in seinem Ausspruch enthalten. Er wollte daher nur einen Vergleich herstellen: Dieses Brot symbolisiert meinen Leib der in Kürze als Opfer am Kreuz geschlachtet wird. Es ist so wie wenn man ein Foto von einer Person herzeigt und sagt: "Das ist Paul" (20,540; 2,181; 65,I,279). 29 Das jüdische Passahfest zum Gedenken an den Auszug aus Ägypten war mit dem Fest der Ungesäuerten Brote (Mazzot) verbunden und umfasste zwei verschiedene Festelemente: erstens die Feier des Passahmahls in der ersten Vollmondnacht nach der Frühjahrs-Tag-und-Nachtgleiche am Abend des 14. Nisan, und zweitens das anschließende, 7 Tage dauernde Wallfahrtsfest, das ursprünglich das neue Erntejahr einleitete (vgl. Ex 12; 34,18; Lev 23,5-8; Dtn 16,1-8). Am 14. Nisan wurde aller Sauerteig aus den Häusern entfernt und am Nachmittag dieses Tages wurden im Heiligtum die Lämmer für die häuslichen Passahmahle geschlachtet, die dann am Abend stattfanden. Es mussten männliche Tiere sein, und nach Ex 12,5 einjährig und fehlerlos (47,z.St.). Das Schlachten der Passahlämmer geschah am Donnerstagnachmittag, - also noch vor dem eigentlichen Beginn des Passahfestes, - im Tempel in Jerusalem durch die Priester, wobei das Blut als Opfer an den Altar geschüttet wurde (59,391). Das restliche Fleisch des Passahlammes wurde dann am Abend nach Sonnenuntergang als Ganzes am Feuer gebraten und zusammen mit bitteren Kräutern und ungesäuertem Fladenbrot verzehrt. Es war also keine wohlschmeckende Genussmahlzeit. 30 Nur Mk 14,30 berichtet, dass Petrus den Herrn dreimal verleugnet haben wird, bevor der Hahn zweimal kräht. Der Hahn krähte zu verschiedenen Stunden in der Nacht und nicht nur vor dem Morgengrauen, wo er das letzte Mal krähte (65,I,495). In den anderen beiden Evangelien wird nur berichtet, dass ein Hahn krähte. Zu Lösungsvorschlägen vergleiche 60,436f und 64,481. Bezüglich dem Handschriftenbefund vgl. 27,114. 31 Ptz.Präs. statt Ptz.Fut, wie im Hebräischen und Aramäischen (13,95). 32 In Lk 22,20 steht: "für euch...". Christus ist zwar für alle Menschen gestorben (1Tim 2,6), und allen wird daher durch das Evangelium die Versöhnung angeboten (2Kor 5,14.18-20), aber sein Blut zur Sündenvergebung wird nur wirksam für diejenigen die auf ihn vertrauen, d.h. für Gottes Auserwählte. Dies sind nach Jes 53,12c "die Vielen", und eben nicht alle Menschen (vgl. auch Mt 20,28 ua.). 33 Betanien war einer der drei Orte, in denen nach der Tempelrolle von Qumran Aussätzige wohnen sollten (54,z.St.). Sicherlich wurde Simon von Jesus geheilt und trägt den Beinamen "der Aussätzige" als Ehren-Name. 34 Dieses Salböl war nach Mk 14,3 Nardenöl. Die Narde ist eine duftende aromatische Pflanze, die in den Bergen des Himalajas in Höhen zwischen 3500 und 5000 m wächst. Mit dem aus der indischen Narde gewonnenen Öl wurde schon zurzeit Salomos gehandelt (54,z.St.). Das würzige Salböl in dem Fläschchen hatte zwar Öl als Basis, war aber noch zusätzlich mit anderen aromatischen Duftstoffen und Spezereien versetzt. Es wurde vor allem von Frauen, als stark duftendes und aromatisches Öl, sowohl als Einölung, als auch als Salbe, Balsam oder Duftparfüm benützt und war sehr wertvoll und teuer. Wurde das Gefäß erst einmal angebrochen, konnte das Parfüm nur ein einziges Mal seinen Duft verströmen. - Simon war nicht bereit den Herrn Jesus mit gewöhnlichem Olivenöl (Strong Nr.: 1637) zu salben, was schon die Höflichkeit verlangt hätte. Die Sünderin aber verschwendete ihr kostbares würziges Salböl für den Herrn, dass sie sonst vielleicht für ihren zukünftigen Bräutigam aufgespart hätte. 35 Der scheinbare Widerspruch zu den anderen Evangelien, wonach die Jünger nicht verstanden, dass Judas der Verräter ist, lässt sich so erklären: Jesus sagte dies zu Judas, der ja neben ihm lag, im Flüsterton, als er ihm den Bissen gab. Vgl. die Anm.12 oben. 36 Ein schönes Beispiel dafür, wie man im anhaltenden Gebet den Willen Gottes erkennt: (1.) Der Herr sagt dem Vater, was ihm aus menschlicher Sicht am liebsten wäre, aber er ist bereit, sich Gottes Willen zu unterwerfen. (2.) Er erkennt, dass es Gottes Wille ist, dass er den Becher trinkt. Also bittet er nun, dass Gottes Wille geschehe. (3.) Gott stärkt ihn, um seinen Willen zu akzeptieren (Lk 22,43-44). (4.) Daraufhin ist Gottes Wille für ihn selbstverständlich (Joh 18,11b). 37 z.B.: Jes 53,12b; Lk 22,37 38 Das war der Höhepunkt von Judas Falschheit, - schon davor war er ein Dieb, der sich gut verstellen konnte. 39 Vgl. Jes 53,7. Bezüglich seiner eigenen Verteidigung schweigt Jesus, weil er weiß, dass das Urteil schon feststeht. Aber wenn es um die Klarstellung der Wahrheit geht, spricht er offen (Vers 64; Joh 19,9-11) Matthäus 27 1 Matthäus zitiert eindeutig aus Sach 11,12-13, thematisch bezieht er sich aber auf Jer 18,1-4; 19,1-13 und 32,6-15, weshalb er Jeremia als den bekanntesten Propheten nennt, denn es finden sich Parallelen zwischen den Gedanken des Matthäus und der Prophezeiung Jeremias. Es handelt sich um ein Mischzitat. Zu einer Auflösung des scheinbaren Widerspruchs siehe: 60,443; 2,194; 65,I,193. In der Überlieferung des Talmuds stehen die Propheten in folgender Reihenfolge: Jeremia, Hesekiel, Jesaja, usw. Viele hebr. Hs. haben diese Reihenfolge, also hat sich auch Matthäus in seinem Mischzitat darangehalten (Scofield Bibel, z.St.) 2 Vgl. Jer 19,1-13 3 Ps 22,19. Wahrscheinlich wurde Jesus völlig nackt gekreuzigt. Das Los über die Habseligkeiten des Gekreuzigten zu werfen, war erlaubt und üblich (21,I,329; 65,I,197). 4 Ps 22,7-9; vgl. auch Ps 18,20; 41,12 (LXX). 5 Ps 22,2. Indem Jesus diesen messianischen Psalm betet, drückt er seine Gefühle als Mensch aus. Er ist zur Sünde gemacht und deshalb von Gott verlassen. 6 Da es sich um ein ursprünglich lateinisches Wort handelt, waren es sicher 4 (in Ausnahmefällen sogar bis zu 16) römische Wachsoldaten, und nicht jüdische von der Tempelwache (36,709; 91,z.St.). Aus Mt 28,14 geht eindeutig hervor, dass die Wachmannschaft aus römischen Soldaten bestand, welche das Grab Jesu bewachten und mit ihrem Leben dafür bürgten, dass der Leichnam im Grab blieb. Für ihre eigene Tempelwache und ein eigenes Siegel, hätten die Hohepriester nicht Pilatus um Erlaubnis fragen müssen. Und sie hätten die Wächter nicht bestechen und ihnen versichern müssen, dass ihnen keine Bestrafung von Pilatus drohen wird, sondern, dass es sich um eine infelix astudia handelte. 7 Ein römisches Siegel durfte nicht von Unbefugten aufgebrochen werden, - darauf stand die Todesstrafe! Darum ist die Erklärung der Juden, die Jünger hätten später den Leichnam gestohlen (Mt 28,11-15), eine unsinnige Erfindung. Sie wurden ja dafür nie angeklagt oder zur Rechenschaft gezogen, weder von den römischen noch von den jüdischen Behörden. Wie sollte dieser eingeschüchterte Haufen, die kampferprobten und bewaffneten römischen Wachsoldaten überwältigen, und das ungestraft, um dann später öffentlich und frech zu predigen er wäre auferstanden, - wo sie doch genau gewusst hätten, dass er tot ist, - und dann noch für diese Lüge zu sterben. Das ist völlig unglaubwürdig! 8 Laut aufschreien, aus Schmerz, Verzweiflung und in äußerster Todesangst. Es ist, als ob der Heilige Geist dieses Wort für den feierlichen Todesschrei des Herrn Jesus reserviert hätte, denn es kommt nur an dieser Stelle vor! 9 Sich die Hände abzuwaschen zum Zeichen der Unschuld war eine alte und zwar jüdische (!) Sitte. Vgl. Dtn 21,6.7; Ps 26,6; 73,13. - Zahlreiche Hs. fügen hinzu: "dieses Gerechten...". Dass Jesus als unschuldiger Gerechter leidet (vgl. Mt 27,4.19.24) wird durch diesen Einschub deutlich herausgestellt. Pilatus sucht, dem römischen Recht zuwider, die Verantwortung von sich zu schieben, das Volk gibt durch die Selbstverwünschung indirekt seine Verantwortung zu; vgl. V.20 (vgl. 47,z.St.). 10 Eine Anhöhe bei Jerusalem, "Schädelstätte" genannt, offenbar so bezeichnet, weil sie als Hinrichtungsplatz benutzt wurde. Der Ort lag außerhalb der damaligen Stadtmauer (vgl. Heb 13,12), wahrscheinlich unweit der heutigen Grabeskirche (vgl. 2,345). 11 Wahrscheinlich beinhaltete die Beratung und der darauf gefasste Beschluss, wie und unter welchen Anklagepunkten sie Pilatus bewegen konnten die Hinrichtung Jesu anzuordnen (2,z.St.). Ein Todesurteil musste nach rabbinischer Vorschrift am Tag beschlossen werden. Den Hohepriestern war es wichtig, genau nach dem Buchstaben ihrer Vorschriften zu handeln, obwohl sie im Geist gegen Gottes Gesetz handelten (21,I,322). 12 Er ging also in den Vorhof der Männer, und schmiss die Silberstücke von dort in den Vorhof der Priester, sodass sie vor dem Eingang des Heiligtums landeten. Obwohl sein Motiv Reue und eine Art von Sündenerkenntnis war, war es doch keine echte Buße, die aufgrund von Glauben zur Umkehr geführt hätte (Joh 13,11). 13 Offenbar ein bekannter Ort, vielleicht das Gelände in der Nähe des Töpfer-Tores (Jer 19,1-2), am Ausgang des Hinnom-Tales (2,z.St.). Es besteht kein Widerspruch zu Apg 1,18, denn die Hohepriester kauften das Grundstück von seinem Verräter-Lohn, insofern erwarb er es, denn das Blutgeld wurde nach rabbinischem Recht noch immer als sein Besitz betrachtet und damit auch das davon gekaufte Grundstück (34,II,573ff). 14 Damit erfüllte sich Ps 109,11. Mit den Fremden sind wahrscheinlich die jüdischen Jerusalem-Pilger gemeint (2,z.St.), oder Nichtjuden. 15 D.h. er verteidigte sich nicht, da das Urteil von ihrer Seite ohnehin schon feststand. 16 Der Beiname "Jesus" findet sich zwar nur in späteren Handschriften, die Lesart kann aber durchaus ursprünglich sein und von Abschreibern deswegen weggelassen worden sein, weil sie es für einen Abschreibfehler hielten, dass ein solcher Verbrecher wie Barabbas unmöglich auch den "heiligen" Namen Jesus haben konnte (so argumentierte Origenes). Über den Hs-Befund vgl. B.Metzger (27,67). Tatsache ist, dass "Jesus" ein verbreiteter jüdischer Name war. Die Namens-Verbindung "Jesus Barabbas" wäre bemerkenswert. Sie mussten sich entscheiden zwischen Jesus Barabbas (hebr.: Josua, Sohn des Vaters/Lehrers) oder Jesus den Christus (hebr.: Josua, den Gesalbten), den wahren Sohn des Vaters. Pilatus könnte ganz bewusst die Gleichnamigkeit benützt haben, um dem Volk, trotz des gleichen Namens, den moralischen Unterschied der beiden vor Augen zu stellen. Er wollte Jesus ja freilassen. 17 Ein selbstauferlegter Fluch der sich, angefangen von der Belagerung und Zerstörung Jerusalems 70 n.Chr., der darauffolgenden Zerstreuung von ca. 1 Million Juden in alle Welt, und den Verfolgungen die ganze weitere Geschichte hindurch (Judenverfolgungen, Holocaust), furchtbar erfüllt hat. Obwohl diese Verfolgungen die Schuld grausamer Regime waren, waren sie von Gott zugelassen, um diesen Fluch zu erfüllen und sein Volk für die Wiederkunft Christi zu läutern. 18 Gemeint ist die römische Strafe der Geißelung (lat.: verberatio; od.: flagello), die ohne Begrenzung der Zahl der Hiebe mit einer Lederpeitsche (lat.: horribile flagellum) in die Bleistücke und scharfkantige Knochenstücke eingeflochten waren, durchgeführt wurde, und zwar nach Todesurteilen und anderen entehrenden Strafvollzügen, so vor allem bei der Kreuzigung, der sie fast immer vorausging (Josephus, De Bella Judaicum, V,11,1; 2,343). Nach römischem Recht wurde diese Strafe, sowie die Kreuzigung, in der Provinz nur an Sklaven, Aufständischen oder Nichtjuden, im Allgemeinen aber nicht an römischen Bürgern, angewandt. Nach dieser Tortur war der Rücken des Ausgepeitschten eine einzige blutige Fleischwunde und verkürzte das Sterben am Kreuz (65,I,195). Die Kreuzigung, welche die Römer von den Katharern übernommen hatten, war die schändlichste und grausamste Hinrichtungsart der Antike. 19 Ursprünglich das Zelt des römischen Feldherrn bzw. der Platz auf dem es stand, dann das kaiserliche Hauptquartier und die Garde. In Jerusalem war dies entweder im ehemaligen hasmonäischen Königspalast gegenüber der Südwestecke des Heiligtums (2,z.St.), oder in der Burg Antonia im Nordwesten des Tempelplatzes, dem Amtssitz des römischen Procurators (1,1398; 59,393). 20 Vgl. Ps 69,22. Ein Mischtrank aus saurem Wein und Myrrhe. Myrrhe war ein wohlriechendes Harz und wurde hier als Bitterstoff verwendet, er diente zur Betäubung der zum Kreuzestod Verurteilten (vgl. Mk 15,22), um den Schmerz der Nagelung zu verringern, - daher lehnt Jesus ihn ab. Er will die Leiden bewusst auf sich nehmen. Manche meinen aber, dieser Trank diente dazu, die Qualen noch zu erhöhen (47,z.St; 2,200; 65,I,289). Das aramäische Wort für Myrrhe und das hebräische Wort für Galle sind sehr ähnlich (65,I,197). 21 Der Imperfekt bedeutet: anfangs schmähten in beide. Einer der Beiden besann sich aber später und glaubte, wie Lk 23,40ff zeigt (64,484). Eine bemerkenswerte Bekehrung noch in letzter Stunde! 22 Manche Mediziner deuten den lauten Aufschrei als Zeichen für einen unmittelbaren Riss des Herzens (22,I,332). Normalerweise starben die Gekreuzigten durch Erstickung, manchmal auch erst nach tagelangem Todeskampf (65,I,291). - Jesus war als Mensch der Einzige, der sein Leben bewusst lassen konnte (vgl. Joh 10,17-18), allen anderen wird es zur bestimmten Zeit genommen. Der Todestag Jesu war wahrscheinlich der 14.Nisan (7.April) des Jahres 30 n.Chr. (47,1441). 23 Wahrscheinlich der Vorhang zwischen dem Heiligen und dem Allerheiligsten (48,153; 20,574; ). Dies zu sehen, war offenbar nur möglich, weil während des Abendopfers der diensthabende Priester gerade im Heiligen des Tempels räucherte (65,I,198). Nach anderen der erste Vorhang am Eingang zum Heiligtum, ausgelöst durch den Bruch des Balkens über der Eingangspforte des Tempels (20,575; 36,706). - Dieses göttliche Zeichen, dass der Weg zu Gott durch Jesu stellvertretendes Opfer nun ein für alle Mal und ohne Vermittlung von Priestern geöffnet war, war damit für die Juden umso eindrücklicher (vgl. Heb 9,6-14). Im Talmud steht, dass dieser Vorhang fest gewebt und 15 cm dick war. Man benötigte 300 Priester, um ihn zu tragen. Keine menschliche Hand, sondern nur Gottes Hand, konnte ihn von oben nach unten zerreißen (58,278), wobei Gott natürlich das Erdbeben benützt haben könnte. Es gibt eine Stelle im Talmud (vgl. Mischna-Traktat Joma 39b und VI, 8d) mit folgendem Wortlaut: "Vierzig Jahre, bevor (das war 30 n.Chr., also im Todesjahr Jesu) das Haus des Heiligtums zerstört wurde (das war 70 n.Chr.), erlosch die westliche Lampe, und das karmesinrote Wollband blieb rot, und das Los Gottes kam zur linken Seite hervor, und man verschloss die Türen des Tempels am Abend, und als man morgens aufstand, fand man sie geöffnet. Es sagte Rabban Jochanan ben Sakkai: Tempel, warum erschreckst du uns? Wir wissen, dass dein Ende Zerstörung ist, wie in Sach 11,1 geschrieben steht: Öffne Libanon, deine Türen, und Feuer wird deine Zedern verzehren". Der Hintergrund ist folgender: Während der 40-jährigen Amtszeit des Hohepriesters Simon des Gerechten (im 3.-2.Jhdt v.Chr.), kam beim großen Versöhnungstag das "Los für den Herrn" immer in seine rechte Hand, was als gutes Zeichen von Gott gewertet wurde. Und der karmesinrote Faden, der an der Tempeltür befestigt war, wurde immer weiß, wenn der Sündenbock in der Wüste gestorben war, was ein Zeichen für Gottes Vergebung war. Und das westlichste Licht am siebenarmigen Leuchter im Heiligtum, brannte immer länger als die anderen sechs Lichter, obwohl es als erstes angezündet wurde und genauso viel Öl hatte wie die anderen sechs Lichter. Die Juden verstanden diese Wunder-Zeichen als Gottes Annahme ihres Opfers am Versöhnungstag. Doch ab dem Todestag Christi im Jahr 30 n.Chr., also genau 40 Jahre vor der Zerstörung des Tempels im Jahr 70 n.Chr., traten diese guten Zeichen niemals mehr ein, denn die Opfer hatten mit dem Tod Christi ihre Notwendigkeit verloren (58,277f; 36,707). 40 ist in der Bibel die symbolische Zahl für Prüfung. Auch Flavius Josephus erzählt diese Begebenheit in Bella Judaicum VI,5,2-4, allerdings ausführlicher. 24 Pilatus hoffte wohl, dass die Volksmenge Mitleid mit Jesus hatte und sich, entgegen dem Wunsch der Hohepriester, doch gegen Barabbas entschied. Dann hätte er Jesus freigeben können, nicht aus Mitleid, sondern weil er den von ihm gehassten Hohepriestern weder einen Gefallen tun noch ihren Neid unterstützen wollte. 25 Pontius Pilatus als Statthalter der römischen Provinz Judäa stand allein das Recht zu, die Todesstrafe zu verhängen. Religiöse Vergehen wurden nur dann mit dem Tod bestraft, wenn es sich um eine Entehrung des Kaisers, um die Entweihung rechtlich geschützter religiöser Einrichtungen oder um Hochverrat handelte. Daher wurde Jesus nach Mt 27,11 von den Hohepriestern bei Pilatus als politischer Hochverräter angeklagt und aals einer, der den Tempel niederreißen wollte. Das wird durch die gerade hierfür vorgesehene Hinrichtungsart der Kreuzigung bestätigt. Sein Königs-Anspruch wurde bewusst politisch missgedeutet (vgl. 47,z.St.). 26 Nach römischer Sitte wurde der Grund für die Verurteilung auf eine Tafel geschrieben (lat.: titulus), die dem Verurteilten auf dem Weg zur Hinrichtung vorangetragen wurde, oder die er selbst tragen musste (vgl. 47,z.St.; 65,I,420). Die Soldaten nagelten sie dann über dem Kopf Jesu an den Pfahl. Ob dies allgemein üblich war, muss offenbleiben (21,I,329). 27 Die Juden rechneten damals die Tageszeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang und teilten diese Zeitspanne in 12 Stunden ein. Die sechste Stunde war also etwa um ca. 12 Uhr mittags, die neunte Stunde um ca. 15 Uhr. Um diese Zeit fand das Abendopfer im Tempel statt (65,I,198). - Um eine normale Sonnenfinsternis, wie der samaritanische Historiker Thallus behauptete, kann es sich nicht gehandelt haben, denn das Passahfest war immer bei Vollmond, und bei Vollmond gibt es keine Sonnenfinsternis. Der antike Autor Julius Africanus zitiert Thallus diesbezüglich und korrigiert ihn folgerichtig. Das Zitat von Africanus bestätigt uns jedoch, dass der Historiker Thallus sowohl die Kreuzigung Jesu als auch die Finsternis als historische Tatsache erzählt, und die Finsternis auf natürlichen Weg erklären möchte. Doch diese Finsternis muss übernatürlich gewesen sein. Es war die "Macht der Finsternis", sozusagen auch in der Natur wiedergespiegelt. Es gibt auch andere historische Quellen, die von dieser Finsternis berichten: "Im vierten Jahr der 202. Olympiade ereignete sich eine große Sonnenfinsternis, die alle bisher eingetroffenen überragt. Zur sechsten Stunde wurde der Tag zur dunklen Nacht, sodass sogar am Himmel die Sterne sichtbar waren. In Bithynien bebte überdies die Erde und die Stadt Nicäa stürzte zum großen Teil ein", und weiter, "Im 18. Jahr des Kaisers Tiberius geschah eine große Sonnenfinsternis, gewaltiger als jede die man vorher kannte. Und es wurde um die sechste Stunde Nacht, sodass auch die Sterne sichtbar wurden" (Publius Aelius Pflegon, Fragmenta; sowie 20,574). 28 Elija galt im jüdischen Volksglauben als Nothelfer der Gerechten, vor allem als Beistand in der Todesstunde (vgl. 47,z.St.). Die Soldaten verstanden natürlich das aramäische "Eli, Eli" nicht, und schlossen aus dem ähnlichen Klang, er rufe Elija. 29 In der Gräz. auch das buntgestickte Staatsgewand, welches als Amtskleid von Magistraten, Militärkommandanten, Königen und Herrschern getragen wurde. Im NT wahrscheinlich eine Robe oder ein Soldatenmantel von scharlachroter Farbe wie er von hochgestellten Zivilbeamten und höheren römischen Offizieren sowie von Feldherren als Amtstracht getragen wurde. Vielleicht war es ein ausrangierter Mantel von Pilatus, was die Verspottung Jesu noch stärker machen würde. 30 Gewöhnlich blieben die Gekreuzigten einige Tage am Kreuz und wurden von den Aasgeiern zerfressen, der verbleibende Teil des Körpers wurde in eine Abfallgrube geworfen. Dies ist auch der Grund, warum Archäologen nur wenige Gräber von Gekreuzigten fanden (65,I,292), obwohl laut Josephus bei der Belagerung Jerusalems zehntausende Juden gekreuzigt wurden. - Gott ehrte seinen Messias und ersparte ihm diese Schande, womit Jes 53,9 erfüllt wurde. Es wurde ein Skelett eines Gekreuzigten ausgegraben, dass sich auch in dem Grab eines Wohlhabenden befand (65,I,422). 31 Am ehesten war diese aus dornigen Disteln oder Zweigen des Akanthusstrauches geflechtet, Pflanzen, die rings um Jerusalem massenweise wucherten. Die Dornenkrone sollte Jesus als "König" lächerlich machen (46,264; 65,I,288). 32 Pilatus wurde im Jahr 26 n.Chr. von Kaiser Tiberius als fünfter Präfekt ("praefectus", den gleichen Titel hatten auch Felix und Festus, später wurde daraus der Titel "procurator") über die Provinz Judäa eingesetzt und verwaltete diese bis 36 n.Chr. Er hatte die Oberaufsicht über 4-5 Kohorten (ca. 20.000 Legionäre). Die meisten davon waren in Cäsarea stationiert, ein Teil aber auch in der Burg Antonia in Jerusalem. Als Präfekt hatte er das Recht die Todesstrafe anzuordnen. Wenn der jüdische Sanhedrin die Todesstrafe über jemanden verhängte, musste dies von Pilatus ratifiziert werden, er konnte den Beschluss des Sanhedrins aber auch für ungültig erklären. Die Hohepriester waren sehr von ihm abhängig. Sie wurden von ihm eingesetzt, der Ornat des Hohepriesters war in seiner Verwahrung und wurde nur zu den dafür vorgesehenen Festlichkeiten von ihm herausgegeben. Ebenso kontrollierte er die Ordnung im Tempel und den Tempelschatz. Seine erste Amtshandlung, als er in die Provinz kam, war, die römischen Feldzeichen mit dem Namen des Kaisers im ehemaligen Palast des Herodes in Jerusalem aufzustellen (was seine Vorgänger vermieden hatten), und so die Juden zum Zorn zu reizen. Als die vier Söhne von Herodes (!) bei Kaiser Tiberius dagegen protestierten und ein Aufstand drohte, kam Pilatus nach 6 Tagen ihrem Wunsch nach und entfernte die Feldzeichen und brachte sie zurück nach Cäsarea in den Augustus-Tempel. In seiner Residenz in Jerusalem stellte er jedoch goldene Schilde auf, die den Namen des Kaisers und seinen eigenen Namen eingraviert hatten. Als aber dem Kaiser Tiberius hinterbracht wurde, dass die Juden auch dies beanstandeten, ordnete der Kaiser an, Pilatus solle auch diese aus seiner Residenz in Jerusalem entfernen. Später entnahm er dem Tempelschatz Geld, um damit ein Viadukt zur Wasserversorgung Jerusalems zu finanzieren. Den darauf an einem jüdischen Fest entstandenen Aufstand ließ er blutig niederschlagen. Von Philo und Josephus wird sein Charakter ungünstig beschrieben: ohne Gottesfurcht, ungerecht, streng, unbeugsam, hart, stur und von unberechenbarem Temperament, kein würdiger Vertreter der römischen Gerichtsbarkeit, andererseits stark auf den eigenen Vorteil bedacht und bereit das Recht zu seinen Gunsten zu biegen. Er provozierte die Juden immer wieder mit seinen ungerechten und brutalen Gewaltausbrüchen und Behandlungen, sowie durch seinen Stolz. Er ließ Todesurteile ohne vorherige Gerichtsverhandlung vollstrecken. Das NT beschreibt ihn daneben auch als einen schwachen Charakter, der seinen Prinzipien nicht treu blieb, da er, um des eigenen Vorteils willen, den Juden gefällig sein wollte, obwohl er wusste, dass Jesus unschuldig war (vgl. Joh 19,6). Er hatte Angst, dass sie seinen ohnehin schon angeschlagenen Ruf beim Kaiser in Rom noch mehr schaden könnten. Im Jahr 36 n.Chr. ließ Pilatus eine bewaffnete religiöse Versammlung von Samaritern am Berg Garizim überfallen, gefangen nehmen und später auch hinrichten. Er wurde daraufhin im Winter 36/37 n.Chr. von Vitellius, dem römischen Legaten in Syrien, abgesetzt und zur Verantwortung vor dem Kaiser, nach Rom geschickt. Wie diese Vorladung ausging, ist nicht bekannt, denn Kaiser Tiberius starb während Pilatus noch auf dem Weg nach Rom war. Angeblich wurde er irgendwann danach unter der Regierung von Kaiser Caligula in Rom zum Selbstmord gezwungen. Nach seiner Absetzung wurde er durch Marcellus ersetzt (52,IV,1049; 33,939; 21,I,322). 33 Damit erfüllte sich Ps 109,9. - Es besteht kein Widerspruch zu Apg 1,18, sondern beide Berichte ergänzen sich. Judas erhängte sich, der Ast des Baumes, an dem das Seil befestigt war, brach ab, sein Körper stürzte in die Tiefe und zerbarst am Felsboden, wobei seine Eingeweide austraten (34,II,573ff; 60,442; 64,483). Vgl. die Anm. bei Apg 1,18. - Die Reue des Judas war, im Gegensatz zu Petrus, eine Betrübnis zum Tod (2Kor 7,10). 34 Vers 52b-53 ist ein Einschub. Matthäus betont, dass diese Heiligen erst nach Christi Auferstehung aus den Gräbern kamen und anderen erschienen. Sicherlich sind sie danach, so wie Lazarus, wieder gestorben und in ihre Gräber zurückgekehrt, denn Christus ist der "Erstling der Entschlafenen" (1Kor 15,20), und es gibt vor der Entrückung keine Heiligen im Himmel mit einem Auferstehungsleib. Auch Henoch und Elija dürften bei ihrer Entrückung ihren natürlichen Körper verloren haben, denn "Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht erben" (1Kor 15,20). - Matthäus hätte diese außergewöhnliche Begebenheit sicher nicht niedergeschrieben, wenn es nicht Augenzeugen dafür gegeben hätte. So wie durch das Zerreißen des Vorhangs symbolisch angedeutet wurde, dass der Weg zu Gott nun für jedermann frei ist, wurde durch die leibliche Auferstehung dieser Personen bezeugt, dass durch Jesu Tod und Auferstehung die Macht des Todes besiegt ist. 35 Vielleicht war dies ihr Ansinnen, weil sie das Geld für den Verrat vom Tempelschatz entnommen hatten. Vgl. die Anm. bei Mt 26,15 36 Dies war der Standardgruß für den römischen Kaiser und hier als Verhöhnung gedacht (65,I,196). 37 In der damaligen Zeit war es völlig unüblich, dass fremde Frauen mit einer Gruppe Männer monatelang unterwegs waren, und so gut wie ein Skandal. Diese Frauen werden hier als Jesu Jüngerinnen gesehen (65,I,201). Hier stehen diese Frauen fern vom Kreuz, in Joh 19,25 sind dann die Mutter von Jesus und Maria Magdalena direkt unter das Kreuz Jesu gegangen, vielleicht nachdem sich die Volksmenge verflüchtigt hatte. 38 Dieser Stein hatte einen Durchmesser von etwa 1 Meter, er war sehr schwer und wurde in einer abschüssigen Rille vor den Grabeingang gerollt. Nur mit Mühe konnte er von etlichen Männern wieder weggerollt werden (65,I,220.293). 39 Der erste Mensch, der Jesus nach der Kreuzigung als Sohn Gottes anerkannte war ein Heide! Er meinte damit allerdings nur, dass Jesus ein vollkommen gerechter Mensch war (Lk 23,48). 40 Damit erfüllte sich Ps 109,12a 41 Das ist das gute Bekenntnis von 1Tim 6,13, zu den anderen Vorwürfen hat Jesus geschwiegen, da er schon vorverurteilt war und wusste, was geschehen sollte. Nur Johannes berichtet noch von anderen Antworten Jesu (Joh 18,20-21.36-37; 19,10-11). 42 Kein Widerspruch zu Mk 15,23. Er kostete zwar, wollte aber diesen Betäubungstrank dann nicht trinken. 43 Der Tag nach dem Rüsttag war der Sabbath, also ein Ruhetag. Doch anstatt zu ruhen, gingen die Hohepriester sogar in das Haus des Heiden Pilatus, was sie tags davor verweigerten, und machten sich an die Arbeit das Grab zu versiegeln (91,z.St.). Matthäus 28 1 Vgl. Mt 10,41, "...zum/in den Besitz des Vaters" (2,z.St.), es wäre demnach das Gleiche wie in Apg 19,5; Röm 6,3 und Gal 5,26, wo "auf den Namen Jesu", bzw. "auf Christus" getauft wurde. - Die Taufformel könnte hier auch bedeuten: Im Auftrag des dreieinigen Gottes, denn in Apg 10,48 wurde "getauft im Namen Jesu". 2 Inf.Präs.: d.h. beständig zu praktizieren. Es geht also in der christlichen Verkündigung um die praktische Anwendung und nicht bloß um die Vermittlung von Kopfwissen. 3 Und nicht nur das Wichtigste; vgl. Mt 23,23b! 4 Durch diese Verheißung zeigt der Herr, dass der Missionsbefehl auch für die Generationen nach den Aposteln gilt. 5 Also bestand die Wachmannschaft aus römischen Soldaten, den nur dann gibt die versprochene Intervention der Hohepriester bei Pilatus einen Sinn. Auf Schlaf im Bewachungsdienst stand nämlich die Todesstrafe, doch Pilatus wird sich nicht weiter um die Sache gekümmert haben. Dass Pilatus sich von den verhassten jüdischen Hohepriestern bestechen ließ, klingt mehr als unglaubwürdig und ist eine offensichtliche Erfindung der Juden, um für den verschwundenen Leichnam Jesu eine Erklärung zu haben, eine Geschichte, die bis heute im Judentum geglaubt wird. 6 Eigtl.: jemanden in etwas einführen. Im weiteren Sinn von einem Lehrling, der einem Meister zuschaut und dabei lernt wie man eine Sache macht, um sie dann selbst so zu machen, wie er es beim Meister gesehen hat. Weiters, jemanden zum Jünger, Schüler bzw. Anhänger von jemanden machen, nämlich alle Völker mit dem Ziel der Bekehrung und der anschließenden Nachfolge. Dieses "schulen" beinhaltet letztlich auch, die Bekehrten zu taufen und sie zu lehren, alles zu praktizieren, was der Herr aufgetragen hat. Dass dieses Ziel nicht bei allen Menschen erreicht werden wird, soll nicht daran hindern es trotzdem bei allen zu versuchen. Dieser Missionsbefehl galt in seinem vollen Umfang zuerst einmal nur den 11 Aposteln. Nur sie hatte Jesus zu sich gerufen, obwohl es damals schon viel mehr Jünger gab (Apg 1,15; 1Kor 15,6). Später berief der Herr auch noch andere in den Dienst der Verkündigung (Apg 13,2.4), und er tut dies noch bis heute. Daneben ist jeder Jünger berufen entsprechend seinen Gaben an diesem Auftrag mitzuarbeiten. Zum Thema "Jünger-machen" siehe: https://drive.google.com/file/d/1IVZ9ds9xSFzMgumeZhAEGU5Dmo73XVV6/view?usp=sharing 7 D.h. genug Bestechungsgeld, um zu schweigen. Wenn es sich bei diesem Schweigegeld um silberne Stater handelte (vgl. 33,792), könnte es sein, dass die Hohepriester diese aus dem Tempelschatz entnommen haben. Die jährliche Tempelsteuer wurde nämlich in Stater bezahlt. 8 Nämlich, ob er wirklich der auferstandene Jesus sei. 9 od. als imperativisches Ptz.: "Geht schnell...". 10 Schlafen während des Dienstes wurde im römischen Heer oft mit der Hinrichtung geahndet (Petronius, Satyricon 112). Es wurde eine Steintafel gefunden, wahrscheinlich aus der Regierungszeit des Kaisers Claudius, auf der folgende Inschrift als ein kaiserlicher Erlass für Galiläa steht: "Es ist bei Todesstrafe verboten, Gräber zu öffnen und zu plündern". Manche beziehen diesen Erlass als Reaktion auf den behaupteten Diebstahl von Jesu Leichnam (Mt 27,11ff), aber dies muss offenbleiben (33,215). 11 Zu Pilatus selbst zu gehen, wäre todesmüde gewesen, es waren die Hohepriester, die sie angefordert hatten, also war es auch ihr Problem. 12 Nach Joh 20,12 sahen die Frauen zwar zwei Engel, Matthäus erwähnt aber nur den einen Engel, der auch zu ihnen sprach (64,487). 13 Nach 1Kor 15,5 erschien der Herr zuerst dem Petrus, hier und in Joh 20,10-18 aber der Maria Magdalena. Das ist kein Widerspruch, denn für Paulus geht es um das amtliche Zeugnis, und damals war das Zeugnis einer Frau nicht rechtsgültig (64,488). 14 Die Dämmerung begann eine knappe Stunde vor Sonnenaufgang (54,z.St.). 15 Dass Frauen die ersten Zeugen der Auferstehung wurden, ist bedeutsam, da das Zeugnis von Frauen damals so gut wie wertlos war (65,I,201). Zur Harmonisierung und Reihenfolge der Auferstehungsberichte in den vier Evangelien, vgl.: 60,446ff. und Scofield Bibel, Anm. zu Joh 20,16. Die Reihenfolge der 10 Erscheinungen Jesu nach seiner Auferstehung dürfte folgende gewesen sein: (1.) der Maria Magdalena zeitig Sonntag in der Frühe; Mk 16,9-11; Joh 20,11-18 - (2.) den anderen Frauen am Grab Sonntag in der Frühe; Mt 28,8-10 - (3.) dem Petrus, wahrscheinlich am Sonntag-Nachmittag; Lk 24,34; 1Kor 15,5 - (4.) den Emmaus-Jüngern gegen Sonntag-Abend; Lk 24,13-32; Mk 16,12 - (5.) allen Aposteln, außer Thomas, am Sonntag spät abends; Mk 16,14; Lk 24,36-43; Joh 20,19-25 - (6.) allen Aposteln, auch Thomas, am nächsten Sonntag abends; Joh 20,26-31; 1Kor 15,5 - (7.) sieben Aposteln am See Genezareth; Joh 21,1-23 - (8.) den Aposteln mitsamt mehr als 500 Brüdern auf einmal; 1Kor 15,6; Mt 28,16-20 - (9.) seinem Halbbruder Jakobus; 1Kor 15,7 - (10.) den Aposteln am Ölberg bei seiner Himmelfahrt; Mk 16,19-20, Lk 24,50-53; Apg 1,4-12. Nach Markus Markus 1 1 Frei nach Ex 23,20 und Mal 3,1. Im AT ist eigentlich von Gott die Rede, hier wird es auf Jesus angewendet, weil in ihm Gott Mensch geworden ist. 2 Frei nach Jes 40,3 (LXX). Bei einem Mischzitat aus dem AT wie hier, wird nach jüdischem Brauch nur der der bekanntere Autor genannt, hier eben der Prophet Jesaja (54,z.St.). 3 od. als toleratives Pass.: "ließen sich taufen". Diese Taufe entsprach der einmaligen Proselyten-Taufe beim Übertritt ins Judentum. Es muss für die Juden eine unglaubliche Beleidigung gewesen sein, dass Johannes eine solche Taufe forderte. Sie fühlten sich als Kinder Abrahams sicher. - Der Taufort am Jordan erweckte Erinnerungen an Israels Heilsgeschichte, wie sie im Buch Josua, Kap. 3-4 erzählt wird (65,I,208). 4 Hier ist keine Erwähnung von einer Taufe mit Feuer (des Gerichts), weil er zu Bußfertigen (V.5) spricht. Im Gegensatz dazu wird in Mt 3,7ff. und Lk 3,7ff. von der Taufe mit Feuer gesprochen, weil dort von gemischtem Publikum die Rede ist, weshalb dort auch die Erwähnung des Gerichtsfeuers nötig war. 5 Als Imp.Pass. im Slang, fast: "Halt jetzt endlich deinen Mund!"; oder noch freier: "Halts Maul"! vgl. auch Mk 4,39. 6 In Mt 4,24 steht: es kamen viele! 7 Bei Markus nicht nur ein Titel, sondern, wie in Mt 16,16, die Gottheit Jesu bezeichnend. Vgl. auch Mk 1,11; 3,11; 5,7; 9,7; 12,6; 13,32; 14,61; 15,39 (2,z.St.). 8 D.h. eine große Menge, die Mehrheit (2,z.St.). 9 vgl. Elija in 2Kön 1,8 und Mal 3,23. 10 Entw. allg.: als Prediger; od. spez.: aus Kafarnaum; oder von Gott; oder absichtlich mehrdeutig (2,z.St.). 11 Aussatz umfasste in der damaligen Zeit verschiedene Hautkrankheiten, z.B. auch Lepra. Der Aussatz und verschiedene Hautkrankheiten schlossen vom Zusammenleben mit anderen Menschen aus, denn der Aussatz verunreinigte kultisch. 12 Erst wenn die dafür zuständigen Priester die Heilung festgestellt hatten und die vorgeschriebenen Opfer dargebracht waren, war die Rückkehr in die alte Lebensgemeinschaft wieder erlaubt. Vgl. Lev 13,1 - 14,57 (47,z.St.). Jesus wollte, dass sich die Priester mit seiner messianischen Vollmacht auseinandersetzen, und ihn dann als Messias anerkennen müssen. Die letzte Reinigung eines Aussätzigen im AT geschah durch den Propheten Elisa und lag schon hunderte Jahre zurück! Der Mann dürfte aber, anstatt zu den Priestern zu gehen, mit der Sache "Publicity" gemacht haben (Vers 45a). 13 Die Tatsache, dass der Besessene unbehelligt im Synagogengottesdienst sein konnte, beweist, dass sich Besessenheit nicht immer äußerlich manifestierte. Offenbar gibt es verschiedene Grade von Besessenheit. 14 Immer dann, wenn Jesus Dämonen direkt anspricht oder wenn Satan hinter einer Sache steht, bedroht er bzw. herrscht er an (επι-τιμαω): vgl. Mt 12,16; 17,18; Mk 1,25; 3,12; 8,33; 9,25; 9,42; Jud 1,9, so wie er es schon als "der Engel des Herrn" im AT getan hatte (Sach 3,8). - Bei dem Aussätzigen dürfte es auch noch eine Rolle gespielt haben, dass Jesus schon im Voraus wusste, dass der Aussätzige seinem Befehl nicht gehorchen würde. Es scheint so, dass er gar nicht zu den Priestern ging, um für seine Heilung zu opfern (Vers 45a). 15 Dies ist ein Mustergebet: sich demütig vor dem Herrn niederwerfen und ihn bitten, dass sein Wille geschehe. 16 Wenn der Herr uns hilft, danken wir ihm dann zuerst dafür, oder berichten wir vor allem den anderen Gläubigen von unseren großartigen "Gebetserhörungen"? Markus 2 1 Eigtl.: durch Aufbrechen eine Öffnung auf einem Hausdach herstellen. Die Häuser in Palästina hatten Flachdächer. Das Dach einer Wohnhütte bestand aus Holzbalken oder Knüppeln, über die Schilf oder Äste gelegt waren. Das Ganze war mit festgetretenem Lehm zugedeckt. Über eine Seitenstiege konnte man auf das Dach steigen und konnte dann eine Öffnung im Dach machen, ohne großen Schaden anzurichten. Dass der Hausbesitzer dies ohne weiteres zuließ, ist erstaunlich. War es vielleicht das Haus von Petrus? (vgl. 46,78; 47,z.St.) 2 Die "Söhne des Brautgemachs" waren die Freunde des Bräutigams und waren unentbehrlich für eine Hochzeitsfeier. Sie begleiteten den Bräutigam bei der Abholung der Braut und arrangierten die Hochzeitsfeierlichkeiten. Vgl. noch Ps 150,2; Mt 9,15; Lk 5,34 3 Vgl. Anm. bei Mt 9,16-17 4 Ernten war nach rabbinischer Auslegung am Sabbat verboten! 5 In 1Sam 21,1-7 und 22,20 ist es zwar der Hohepriester Ahimelech, der Vater von Abiathar, der David die Schaubrote gab. Er war der Vater seines damals schon lebenden Sohnes Abiathar, der unmittelbar danach durch David Hohepriester wurde. Für eine Erklärung siehe: 2,226f.; 60,466 und 64,491f. 6 D.h. er ist der Herr über den Sabbat und er darf daher auch bestimmen, was am Sabbat erlaubt ist und was nicht (2,z.St.). 7 Der Sabbat wurde gemacht, damit der (erste) Mensch im Schöpfungswerk Gottes ruhen konnte. Jesus greift damit auf den ursprünglichen Sinn des Sabbats zurück: Er sollte für Menschen und Tiere eine Wohltat sein (vgl. Ex 20,9; Dtn 5, 12-14). 8 od.: "außer Gott allein"; od.: "außer dem einzigen Gott". 9 Die Pharisäer bildeten eine religiöse Gemeinschaft, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, das jüdische religiöse Gesetz zu studieren und genau zu beachten. Zu ihnen gehörten Priester und Laien, und vor allem viele der Schriftgelehrten. Die Schriftgelehrten bildeten einen eigenen Stand von Gesetzesgelehrten und religiösen Juristen, die das Recht besaßen, öffentlich zu lehren und Schüler, um sich zu sammeln. Sie hatten neben den Priestern entscheidenden Einfluss auf das jüdische Leben. 10 Die Zölle wurden an die Meistbietenden verpachtet. Diese wirtschafteten meist auch in die eigene Tasche. Darum galten Zöllner als Diebe und Betrüger. Die Begriffe "Zöllner" und "Sünder" waren austauschbar (vgl. 47,z.St.). 11 Die Juden waren lediglich verpflichtet, am Versöhnungstag (vgl. Lev 16,1ff) zu fasten. In Notzeiten wurden eigene Fasttage ausgerufen. Insbesondere Pharisäer fasteten darüber hinaus, stellvertretend für die Sünden anderer, und zwar zweimal in der Woche, montags und donnerstags. Das Fasten bestand in völliger Enthaltung von Speise und Trank zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Jesus fastete mit seinen Jüngern nicht an bestimmten Tagen, sondern so wie Gott ihn leitete, und er kritisierte die heuchlerische jüdische Fastenpraxis; vgl. Mt 6,16-18 (vgl. 47,z.St.). 12 Dieses regelmäßige Fasten für einen bestimmten Zweck, wurde dann in der Urgemeinde üblich: Apg 9,9; 13,2-3; 2Kor 11,27b ua. 13 War es sein Haus (vgl. Mt 4,13)? Es ist aber eher unwahrscheinlich, dass Jesus ein eigenes Haus hatte (vgl. Mt 8,20). Vielleicht ist das Haus von Petrus gemeint. 14 Das gibt Mut im Glauben für andere zu beten. Natürlich hatte auch der Gelähmte selbst Glauben (Lk 5,25), sonst hätte er sich gegen diesen Transport verwehrt. Markus 3 1 Die ärztliche Tätigkeit galt als Arbeit und durfte deshalb nach pharisäischer Auffassung am Sabbat nur dann ausgeübt werden, wenn Lebensgefahr bestand (vgl. 47,z.St.). 2 Damit macht der Herr deutlich, dass ein Besessener erst frei werden muss, bevor er gläubig werden kann. Damit wird aber auch die Lehre, dass Satan an einem Gläubigen noch "Anrechte" haben kann, ad absurdum geführt (vgl. auch Joh 8,36; 1Joh 5,18). Der Körper des Gläubigen ist ein Tempel des Heiligen Geistes (1Kor 6,19), und der Heilige Geist teilt sich diesen Tempel gewiss nicht mit Dämonen. 3 Es ist dies die gleiche Verstockung, die auch beim Pharao vorhanden war. Zuerst verstockte er sein Herz selbst (Ex 7,13-14.22; 8,11.15.28; 9,7.34-35), erst danach verstockte Gott sein Herz endgültig (Ex 9,12; 10,1.20.27; 11,10), damit er alle seine Wunder bis zum Ende vor ihm vollbringen konnte (Ex 7,7). Gott wusste bereits im Vorhinein, dass der Pharao sein Herz verstocken würde (Ex 3,19; 11,9), und er weiß dies auch von jedem anderen Menschen. Er hat niemanden zur Verdammnis vorherbestimmt, denn es ist Gottes Wille, dass alle Menschen gerettet werden (1Tim 2,4). Menschen gehen verloren, weil sie die Errettung ablehnen. 4 od.: "man sagte", d.h. die Leute sagten (13,2). 5 Da die Wunder Jesu immer mehr wurden, - erst kurz davor hatte die erste Totenauferweckung stattgefunden (Lk 7,11ff), - und die Volksmengen sich immer mehr fragten, ob Jesus vielleicht der Messias sei, mussten die Hohepriester in Jerusalem reagieren. Sie sandten deshalb ihre Schriftgelehrten nach Galiläa, um die Sache zu untersuchen. Die Wunder konnten nicht mehr geleugnet werden, also wurden sie der Kraft Satans zugeschrieben. 6 Dies ist entweder ein späterer Zusatz, oder die Worte wurden unabsichtlich ausgelassen. Es ist aus kulturellen Gründen aber eher unwahrscheinlich, dass auch die Schwestern von Jesus bei dieser Aktion dabei waren (vgl. 27,82). 7 Idumäa ist das von den Edomitern bewohnte Gebiet südlich von Judäa und westlich des Toten Meeres, etwa 200 km südlich vom See Gennezaret. Tyrus und Sidon waren die wichtigsten Hafenstädte Phöniziens, im heutigen Libanon (54,z.St.). Markus 4 1 Jes 6,9-10; Ps 103,12 (LXX) 2 Verlangt eine bejahende Antwort (1,1195). 3 Als Imp.Perf.Pass. im Slang, fast: "Halt jetzt endlich deinen Mund!", "Halt´s Maul", ein t.t. für Exorzismus (1,1718). Der Sturm wird damit vom Herrn als eine dämonische Macht angesehen, die der Teufel sandte (vgl. Hiob 1,12.19), um ihn davon abzuhalten die Besessenen am anderen Ufer des Sees, aus der Gewalt des Teufels zu befreien (vgl. auch die Anm. bei Lk 4,39 und 1Thes 2,18). 4 D.h. wohl müde und matt von dem anstrengenden Tag, und ohne dass weitere Vorkehrungen getroffen wurden (75,145). Dieser Tag war gefüllt von Predigen und Heilen. Jesus ist so erschöpft, dass er sofort einschläft, und auch trotz des heftigen Wellengangs nicht aufwacht. Er ist vollkommen Mensch, aber auch gleichzeitig im nächsten Augenblick vollkommen Gott, denn ER gebietet den Naturgewalten, weil ER sie geschaffen hat, und alles trägt durch das Wort seiner Macht (vgl. Kol 1,17; Heb 1,3). 5 od.: fallen vom Glauben ab. 6 D.h. es bringt keine Frucht im Leben, was beweist, dass die Bekehrung nach Jak 2,17.26 nicht echt war. 7 od. viell.: "...sie fürchteten sich jetzt erst recht"? (2,z.St.). - Zuerst fürchteten sie sich vor dem Sturm (Mt 8,26), jetzt aber fürchten sie den Herrn. Ja, wer Gott fürchtet, braucht vor Menschen und Umständen keine Angst mehr zu haben (1Joh 4,18), und wer vor Gott kniet, kann vor Menschen stehen! 8 Hes 17,23 9 od.: "...weil", wie in der Parallelstelle in Mt 13,13, denn ινα bedeutet in der Koine manchmal auch: weil (13,140f.146). 10 Das Wasser trug die Schallwellen besser. An manchen Buchten im See Genezareth war die Akustik so hervorragend, dass man problemlos von bis zu 7000 Menschen die am Ufer standen, verstanden werden konnte (65,I,224). 11 Die heftigen Stürme am See Genezareth ergeben sich daraus, dass die Stürme über die umliegenden Bergen wehen und dann mit starker Wucht plötzlich auf den 200 m unter dem Meeresspiegel gelegenen See herabfallen und die Wellen aufpeitschen. Sie kommen oft völlig unvermittelt. Diese plötzlich aufkommenden und ungemein heftigen Stürme und Fallwinde waren am See Genezareth berüchtigt. Die Fischer hielten sich gewöhnlich in Ufernähe auf und waren daher auf solche Stürme in der Mitte des Sees nicht vorbereitet (20,269; 62,I,228). 12 Die Jünger müssen den Worten Jesu gut zuhören, "...was ihr hört", bezieht sich auf den Inhalt von Jesu Lehre. In Lk 8,18 wird die Haltung hervorgestrichen ("...wie ihr hört"), mit der die Jünger Jesu Worten zuhören sollen, nämlich in der Haltung des Gehorsams. Vgl. dazu auch die Anmerkungen bei Lk 8,16-17 13 Vielleicht solche Schiffe, mit denen Leute von anderen Orten gekommen waren, um Jesus zu hören. Sie erleben den gleichen Sturm, haben aber Jesus nicht im Boot. Dies ist die jetzige Situation der Mitläufer. 14 Hier fährt Jesus im Boot mit, allerdings schläft er während des Sturms. In Mk 6,45 schickt er kurz darauf seine Jünger allein über den See, mitten in einen Sturm hinein. Dort ist er nicht bei ihnen, aber er betet für sie und ist rechtzeitig zur Stelle, um sie zu retten. Es ist wohl nicht zufällig, dass die beiden Ereignisse in dieser Reihenfolge stattfinden. Die Jünger hatten bei der ersten Sturmstillung erlebt, dass Jesus bei ihnen ist und sie rettet. Das zweite Mal mussten sie lernen, dass er sie rettet, auch wenn er nicht leiblich anwesend ist. Dies ist die Situation, in der sich die Gläubigen jetzt befinden. Er betet im Himmel als Hohepriester für uns, auf dass unser Glaube nicht aufhöre. 15 Wahrscheinlich handelt es sich hier um ein Sprichwort, dass Jesus zu verschiedenen Gelegenheiten (z.B. in Mt 7,2) verschieden anwendet. Hier ist es der Messbehälter, mit dem man zum Kaufmann geht, um Getreide zu kaufen. Wenn es ein großer Behälter ist, bekommt man mehr. Je aufmerksamer die Jünger Jesus zuhören, desto mehr Erkenntnis werden sie bekommen. Daher: "Seht zu, was ihr hört". 16 Vielleicht war Vers 22 ein gängiges rabbinisches Sprichwort, dass Jesus bei verschiedenen Gelegenheiten verschieden benützt hat: (1.) Hier für den Auftrag an die Jünger, dass Evangelium richtig zu verkündigen. (2.) In Mt 10,26-27 als Ermutigung für die furchtlose Verkündigung des Evangeliums. (3.) In Lk 12,2, um die Heuchelei der Pharisäer und Schriftgelehrten aufzudecken. 17 Das griechische Wort μοδιος bezeichnet ein Holzgefäß, das sowohl als Hohlmaß (von 8,75 Litern) für das Messen von Getreide, als auch zum Abdecken des Lichtscheins und zum Auslöschen von Öl-Lampen benutzt wurde (vgl. 33,1249; 47,z.St.). Markus 5 1 Der Vorsteher der Synagogengemeinde war ein Beamter, der die Leitung der Angelegenheiten, soweit sie die Synagoge betrafen, in Händen hatte und für die äußere Ordnung bei den Gottesdiensten sorgte, aber nicht unbedingt selbst predigen musste, denn dies konnte jeder tun der dazu befähigt war. Jede Synagoge wurde von einem Kollegium von mehreren Ältesten geleitet, wobei gewöhnlich einer von ihnen als Synagogenvorsteher die Hauptverantwortung hatte, besonders in der Überwachung der Synagogengottesdienste. Nach Mk 5,22 und Apg 13,15 gab es aber in manchen Synagogen offensichtlich auch mehrere Synagogenvorsteher. Vgl. noch Mk 5,35-38; Lk 8,49; 13,14; Apg 13,15; 18,8.17 2 Etwas nebenbei oder zufällig hören, d.h. ein Wort zufällig auffangen; od.: etwas (bewusst) überhören, d.h. so tun, als ob man es nicht gehört hätte. Das Gehörte bewusst ignorieren, weil man sich davon nicht beeinflussen lassen will, oder weil man es für falsch oder für überflüssig hält. 3 D.h. "Was habe ich mit dir zu tun". 4 Iterativer Ind.Impf.: "Und er ersuchte ihn immer wieder...", aber erfolglos, wie die weitere Geschichte zeigt. 5 Viell.: aus dem Land und dann in den Abgrund? wie Lk 8,31 6 Effektiver Aor., weil diesem Ersuchen stattgegeben wurde. 7 Und damit kultisch unrein, nach Lev 15,25ff. 8 Das Land der Gerasener war laut Origenes in der Nähe des südöstlichen Uferstreifens des Sees Genezareth, wo es auch einen Hafen gab. Das Gebiet gehörte zu Gadara, die als mächtigste Stadt im Zehnstädtegebiet, sogar Kriegsschiffe auf dem See unterhielt. Dort lag beim See ein Bergabsturz (46,190; 54,z.St.). In einigen Hs. steht Gadara, das aber etwa 12 Kilometer vom See entfernt lag (Mt 8,28) und daher nicht als Ort in Betracht kommt. Jedenfalls spielt die Erzählung in der Dekapolis, im halbheidnischen Ostjordanland, wo auch Schweine gezüchtet wurden. Schweine galten als unrein, darum war den Juden die Aufzucht von Schweinen und das Essen von Schweinefleisch verboten (vgl. 47,z.St.). Vgl. auch die ausführlichen Anmerkungen bei Mt 8,28ff. 9 Als der mitanwesende Petrus später ein Mädchen vom Tod auferweckt (Apg 9,40), orientiert er sich an seinem Meister, dem er hier zugeschaut hatte. Allerdings mit einem wichtigen Unterschied: er betet zuerst und erst dann spricht er ein Wort der Vollmacht. 10 Das entspricht vier- bis fünftausend Mann. Der Mann war schwer besessen (65,I,229). 11 Ganz nahe bei den Ruinen von Khersa liegt ein ziemlich hoher Berg, der ganz von solchen Höhlengräbern durchzogen ist (20,272). 12 Da die Örtlichkeit im halbheidnischen Gebiet der Dekapolis lag, und das benachbarte Gadara laut Josephus eine griechische Stadt war, könnte der Besessene ein Heide gewesen sein. Dafür spricht auch der Ausdruck "Sohn Gottes des Höchsten". Vgl. Apg 16,17 (20,273). Das würde auch erklären, warum Jesus ihn zu diesem Zeitpunkt noch nicht in seine Jüngerschar aufnehmen wollte. 13 Indem Jesus die Dämonen in die Schweine schickte, konnte der Besessene und die Zuschauer anschaulich sehen, von welch zerstörerischer Macht er nun befreit war. 14 Jesus kommt ihrem Wunsch nach und verlässt sanftmütig die Gegend, nachdem er dem Geheilten nicht erlaubte bei ihm zu bleiben, sondern ihm den Auftrag gab die frohe Botschaft zu verkünden. Später kehrte er aber wieder zurück, indem er von Sidon kommend sogar (extra?) einen Umweg über die Dekapolis machte und dort einen Taubstummen heilte (vgl. Mk 7,31ff). Markus 6 1 Num 27,17 2 Ein Fischerdorf an der Mündung des Jordan in den See Gennesaret. Heute wahrscheinlich El-Aradsch (54.z.St.). Nach A. Edersheim war Bethsaida vielleicht der Fischerhafen von Kafarnaum (34,II,39), laut Joh 6,17 fuhren sie nämlich nach Kafarnaum. Oder sie wollten ursprünglich nach Bethsaida fahren, um Jesus dort ins Boot aufzunehmen, um dann nach Kapernaum weiterzufahren, wurden aber vom Wind direkt in die Gegend Genezareth abgetrieben (46,189). Vgl. dazu auch das wahrscheinlich idente "Bethsaida in Galiläa" in Joh 12,21 3 Wie konnte er sie sehen, obwohl er auf dem Berg war? Das Passah war nahe (Joh 6,4), d.h. es war Vollmond, und der Wind vertrieb alle Wolken und gestattete volle Sicht auf die Mitte des Sees. - Eine allegorische Anwendung auf unsere Glaubenskämpfe hier auf Erden, schließt das natürlich nicht aus, denn Christus betet als unserer Hohepriester jetzt für uns im Himmel, und ist gleichzeitig allezeit bei uns (Mt 28,20b). 4 Ist der Vater Josef vielleicht schon gestorben, weil nur seine Mutter genannt ist? Dass einige Jesus als Sohn der Maria bezeichneten, war eine bewusste Diffamierung, denn ein Mann wurde in Israel auch dann nicht als Sohn seiner Mutter bezeichnet, wenn diese bereits Witwe war, es sei denn, man wollte ihn beleidigen (54,z.St.). 5 Viell. iterativer Impf.: "Sagte er immer wieder zu sich selbst?" 6 Denn nach Lev 18,16 ist dies Hurerei (πορνεια), weil es Inzest ist. 7 Gute Hs. haben zwar "...seine Tochter Herodias", dies ist aber unwahrscheinlich. Gemeint ist Salome, die Tochter der Herodias aus erster Ehe, und damit die Stieftochter von Herodes (2,257; 59,54). 8 Als römischer Vasallenkönig stand ihm das gar nicht zu. Offensichtlich war er schon betrunken. 9 Zwischen 3 - 6 Uhr morgens. 10 Viell. konativer Impf.: "Er tat so, als wolle er vorübergehen (um ihren Glauben zu prüfen?)" (2,z.St.). 11 Die Quaste am untersten Zipfel des Oberkleides (vgl. Num 15,38; Sach 8,23). Sie fiel jedem der von hinten an den Herrn herankam besonders ins Auge. Nach Num 15,38 und Dtn 22,12 musste sich jeder Israelit solche Quasten selbst an den vier Ecken seines Oberkleides befestigen. Offensichtlich befolgte auch der Herr Jesus diese Anordnung, obwohl es sich nur um eine Äußerlichkeit handelte! Vgl. auch Mt 9,20; 14,36; Lk 8,44 12 D.h. in überschaubare Gruppen, wo noch sozialer Austausch möglich war. 13 Das Gebiet am westlichen Ufer des Sees Genezareth, nördlich von Kapernaum gelegen (Dtn 3,17; Jos 19,35), das heutige "tell chirbet el-oreme" (46,140). 14 Dies war bei wohlhabenden Leuten üblich (59,53). 15 Die Vermehrung der Brote geschah also in seinen Händen (13,91). Die Apostel mussten immer wieder zu ihm zurückkehren, um neue Brote zu holen. Das ist wichtig für die geistliche Anwendung. Wir müssen immer wieder täglich neue Aufträge und neue Kraft von unserem Herrn holen, wenn wir ihm täglich in unserer persönlichen Andachtszeit begegnen. 16 Tacitus berichtet, dass sich auch Kaiser Nero die Köpfe seiner Gegner "servieren" ließ (65,I,136). 17 Vgl. die Anm. bei Mk 4,35 18 Wenn Jesus Menschen heilte, hat er ihnen oft, aber nicht immer, die Hände aufgelegt (Mk 5,23; 7,32; 8,23; Lk 4,40; 13,13). Doch auch bei ihm war es nur eine symbolische Handlung, sonst hätte er immer mit Handauflegung geheilt und Dämonen ausgetrieben, was er aber nicht tat. Auch die Apostel legten nicht immer die Hände auf, wenn sie jemanden heilten (z.B. Apg 3,1-8). Ob Gläubige auch heute noch die Hände auflegen sollen, wenn sie Gott bitten jemanden zu heilen ist umstritten. Aus der Anweisung in Mk 16,18 und dem Beispiel des "einfachen" Gläubigen Ananias kann man eine solche Praxis durchaus ableiten. Aber es darf an keine mystische Kraftübertragung durch die Handlung gedacht werden, denn dies wäre eine Art von christlichem Aberglauben. Die Geste der Handauflegung muss wohl überlegt sein und sollte nicht vorschnell geschehen (1Tim 5,22). 19 Zum scheinbaren Widerspruch zu Mt 10,10 siehe die Anm. dort. 20 Nach Mt 14,15.23b, war dies der "2.Abend" nach Sonnenuntergang, ca. 18 Uhr. Markus 7 1 Jes 29,13 (LXX) 2 Jes 29,13 (LXX). Die Reinheitsvorschriften, die von den Juden entwickelt wurden (von den "Alten", das heißt den jüdischen Lehrautoritäten), gingen davon aus, dass alles Geschlechtliche, die Ausscheidungen des Körpers, bestimmte Tiere und Menschen (Heiden, Sünder, Kranke mit bestimmten Krankheiten, z. B. Aussatz), auch Leichen, ebenso wie jede Art von Schmutz, verunreinigen, das heißt für den Gottesdienst und das Gebet unwürdig machen. Diese Unreinheit konnte sich durch Berührung auch auf tote Gegenstände übertragen. Zur Wiederherstellung der kultischen Reinheit bedurfte es gewisser Waschungen, Fastenübungen und religiöser Handlungen. Auch Speisen konnten verunreinigen (vgl. Lev 11 - 15). Demgegenüber stellte Jesus fest, dass der Wert einer Handlung allein von der Gesinnung des Handelnden abhängt (vgl. 47,z.St.). 3 Ex 20,12; Dtn 5,16; Ex 21,17; Lev 20,9 4 Eine freiwillige Gabe, die man Gott weiht und stiftet, sodass sie dadurch Gottes Eigentum wird und nicht mehr für andere verfügbar ist. Es handelte sich dabei jedoch nicht unbedingt auch um eine tatsächliche Übergabe, sondern meist nur um ein "Gelöbnis", das so Geweihte irgendwann einmal Gott zu geben. Das Korban-Gelübde war ein Gelöbnis, durch das ein Gegenstand in den Dienst Gottes, des Heiligtums oder des Gottesdienstes gestellt und so der Nutznießung durch Menschen entzogen wurde. Auf diese Weise entledigten sich die Pharisäer auf fromme heuchlerische Weise ihrer materiellen Pflichten gegenüber ihren alten Eltern. Vgl. Lev 2,1.4.12-13. Wer also alle Verpflichtungen und Leistungen seinen Eltern gegenüber durch das Korban-Gelübde Gott weihte ("Eine Opfergabe ist, was ihr von mir als Unterstützung haben solltet"), entzog diesen ihren Unterhalt, ohne dass er gezwungen werden konnte, dass den Eltern Nicht-Geleistete auch wirklich für religiöse Zwecke einzusetzen. Diese Praxis widersprach deutlich dem Sinn des vierten Gebots, das dazu bestimmt war, den Unterhalt alter und kranker Eltern zu sichern (vgl. 47,z.St.). 5 Der im Haus geduldete kleine Schoß- oder Haushund, im Gegensatz zum verachteten und herrenlosen Straßenköter (= κυων). Er bekam die Abfälle vom Tisch. Jesu Vergleich ist also keineswegs so verächtlich, sonst hätte er wohl κυων (Strong Nr.: 2965) gewählt. 6 Die Frau verwendet die Verkleinerungsform παιδιον, weil es die kleinen Kinder sind, die beim ungeschickten Essen noch Brösel verlieren. 7 Dieser Vers fehlt in den besten Hs. 8 Syro-Phönizien war ein Landstrich am Mittelmeer nördlich von Israel mit den Städten Tyrus und Sidon im Gebiet des heutigen Libanon. Phönizien gehörte zur römischen Provinz Syrien (54,z.St.). 9 Jesus ging zunächst 40 km nach Tyrus im Norden und dann wieder 120 km in südliche Richtung in die Dekapolis, wo der ehemals besessene Gerasener überall von Jesus und seiner Heilung erzählt hatte (54,z.St.). Markus 8 1 Jer 5,21 2 vgl. Anm. bei Mt 16,9 3 Der Gesalbte, das ist der Messias, der Menschensohn aus Dan 7,13. 4 D.h. die Bereitschaft zum Leiden bis zum Tod. 5 Gemeint ist wahrscheinlich, dass man durch Selbstverleugnung und Verzicht um Jesu willen, eher sein irdisches Leben (oder seinen Lebenssinn?) behält, als wenn man das "Leben auskostet" oder feige den Glauben verleugnet. vgl. Jer 39,18. 6 Vielleicht wollte Jesus, dass sie einfach nachrechnen. Bei der ersten Brotvermehrung hatten sie nur fünf Brote, es waren aber 5000 Männer, trotzdem blieben ihnen noch 12 Körbe voll übrig. Bei der zweiten Brotvermehrung hatten sie aber sieben Brote, doch obwohl es nur 4000 Männer waren, blieben ihnen nur 7 Körbe voll übrig. Die Lehre ist: Je weniger wir haben (nur 5 Brote) und je größer der Bedarf ist (5000 Männer), desto mehr (12 Körbe) tut der Herr! Hier hatten sie zwar nur ein Brot, aber sie waren nur 13 Männer, - wo ist also das Problem, wenn sie das Prinzip der Brotvermehrung gelernt hätten? 7 Als Jesus seine anderen Jünger sieht, wird ihm klar, dass er Petrus offen vor ihnen zurechtweisen muss, da Petrus einmal der Führer und damit ein Vorbild der Jünger sein soll. Vgl. Gal 2,11ff. 8 Komplexiver Aorist: eine länger andauernde Handlung wird auf einen Punkt zusammengefasst. 9 Gemeint ist das überbordende, gesetzliche Lehr-System der Pharisäer, das menschliche Vorschriften zur Schrift hinzufügt (heute z.B. Gesetzlichkeit) und der Sauerteig des Herodes, der die Religion für politische Zwecke nützte (heute z.B. die Befreiungstheologie). In Mt 16,6 nennt Jesus auch noch den Sauerteig der Sadduzäer, die Teile der Schrift wegließen und liberal waren (heute z.B. die liberale Theologie). 10 Die einzige Heilung im NT die sich in zwei Stufen vollzieht. Vielleicht ein Hinweis auf das langsame "Sehendwerden" (Vers 18a) der Jünger? 11 Dalmanuta ist wohl eine aramäische Wendung, die den Jüngern bekannt war, und "sein Zufluchtsort" bedeutet. Der Begriff Magadan, den Mat 15,39 für die gleiche Stelle verwendet, bedeutet "die (glücklichen) Wasser des Gad". Beides deutet auf Tabgha hin, welches damals zu Kafarnaum gehörte. Dieser Platz lag 2 km südlich von Kafarnaum in der Nähe von sieben Quellen. Es war der Ort, an den Jesus sich gern zurückzog (54,z.St.). Vgl. auch die Anm. zu Mt 15,39 12 Philippus II. hatte die Stadt Paneas am südwestlichen Abhang des Hermon im Quellgebiet des Jordan zur Hauptstadt seines Herrschaftsgebietes gemacht und zu Ehren des Kaisers Cäsarea genannt. Die Stadt, die aus einer Anhäufung kleinerer Siedlungseinheiten bestand, lag etwa 45 km nördlich von Bethsaida (54,z.St). 13 Vgl. die Anm. zu Mt 10,33 Markus 9 1 Mal 3,1.22-23 2 Wegen Jesu Reaktion gegenüber Petrus in Kap 8,33? 3 Fehlt in wichtigen Hs. 4 Jes 66,24 5 Daher fad und geschmacklos. In Palästina wurde das Salz aus den Felsen nahe des Toten Meeres gewonnen. Daher war die äußere Schicht der Salzkristalle oft von Unreinigkeiten und chemischen Veränderungen beeinträchtigt und das Salz hatte nicht den gleichen Würzungsgrad wie unser modernes, industriell gereinigtes Salz. Obwohl Salz in seiner Reinform seine Würzkraft auch über hunderte von Jahren nicht einbüßen kann, führten die Bedingungen, unter denen es im Altertum aufbewahrt wurde, im Laufe der Zeit zu Verunreinigungen und chemischen Prozessen, welche die Würzkraft des Salzes minderten. Da das am Toten Meer durch natürliche Verdunstung gewonnene Salz nie rein ist, bleiben, wenn Feuchtigkeit das Salz auflöst, unbrauchbare Reste zurück. Auch durch Vermischung mit Fremdstoffen wird es unbrauchbar. Darauf spielt Jesus in seiner Metapher an. Auch seine Jünger könnten durch Vermischung mit den Prinzipien der Welt, ihre moralische Autorität in der Welt einbüßen (vgl. 2,112.291; 21,I,101f; 33,1056; 42,1184f). 6 D.h. entweder: "sie griffen das Wort auf..."; oder: "sie befolgten das Wort..." (2,z.St.). Jedenfalls nahmen sie Jesu Wort ernst, obwohl es ihnen nicht in ihr theologisches Konzept passte. Verwunderlich aber ist, dass sie Jesu klare Leidens-Ankündigung kurz davor in Mk 8,31 nicht verstanden hatten. 7 Es handelte sich also um ein noch kleines Kind. 8 Salz wurde im Altertum zur Konservierung von Lebensmitteln verwendet. Ebenso als Mineralsalz für die Aufbesserung von Feldern. Aber zu viel Salz in den Feldern konnte die Fruchtbarkeit des Bodens zerstören. So wurde Salz auch zum Symbol für ein unbarmherziges Gericht. Das dürfte Jesus hier im Kontext mit den vorigen Versen (V.42ff) gemeint haben. Vgl. Lev 2,13 und Hes 43,24; sowie: Dtn 29,23; Ps 107,34; Jer 17,6; Richt 9,45. - Zu "Feuer" als ein Bild für Leiden und Verfolgung siehe: Lk 12,49-53 und 1Pet 1,6.7. 9 Aufgrund seiner langandauernden Wirksamkeit wurde Salz zum Symbol für Beständigkeit und Treue. Es wurde daher bei Bündnissen eingesetzt, wobei die Bündnispartner zusammen Salz aßen und so die Beständigkeit des geschlossenen Vertrages symbolisch unterstrichen. Hier entw.: "Übt Strenge gegen euch selbst" (20,452); od.: "Zeigt die Kraft des Salzes in eurem Leben"; od.: "Habt die reinigende Kraft des Salzes im Umgang miteinander", daher weiter: "...und haltet Frieden untereinander". 10 Nicht nur die herrliche Ankunft des Messias wurde vorhergesagt, sondern auch sein Leiden (Jes 53,3). Markus 10 1 Gen 1,27 2 Gen 5,2 3 Gen 2,24 (LXX). 4 Ex 20,12-16; Dtn 5,16-20 5 διακονος = freiwilliger Dienst; δουλος = sogar einer der Befehle ausführt! 6 D.h. der auserwählten Gläubigen. 7 Die Begebenheit in Lk 19,1-27 passierte nach dem Einzug und vor dem Auszug aus Jericho. 8 Sie kannten ja seine Lehre über Ehescheidung schon von der Bergpredigt (Mt 5,31-32), sie wollten ihn in Widerspruch zu Mose bringen. Aber auch im AT sagte Gott: "Denn ich hasse Entlassung" (Mal 2,16), und Scheidung wurde von Gott auch im Falle von Hurerei bloß geduldet (Mt 19,9). 9 Das war nur nach römischen Recht möglich, jüdische Frauen konnten ihren Mann nicht entlassen. Markus schreibt für Römer und wendet daher Jesu Wort für seine weiblichen Zuhörerinnen an. In Mt 19,9 hingegen wird nur auf jüdisches Recht eingegangen - denn eine jüdische Frau konnte ihren Mann nicht entlassen - da Matthäus für Juden schreibt. Diese sinngemäße Anwendung eines Jesus-Wortes durch Markus auf die aktuellen Gegebenheiten ist auch für uns eine Herausforderung. Was beinhaltet der Ausdruck πορνεια (Hurerei) heutzutage alles? Nur den sexuellen Ehebruch (Seitensprung), oder z.B. auch Homosexualität und die permanente Verweigerung der Sexualität (1Kor 7,5), oder das "böswillige Verlassen des Ehepartners" und die Weigerung die Ehe weiterzuführen (vgl. Richter 19,2ff), oder massive Gewalt in der Ehe? Man muss allerdings bei jeglicher Anwendung auf heutige Umstände aufpassen, dass sich der weltliche Trend zu immer mehr Scheidungen nicht auch innerhalb der Gemeinde breit macht. Markus war von Gottes Geist inspiriert, wir nicht! Vgl. auch die Anm. zu Mt 5,32 und Mt 19,3ff. 10 Das Nadelöhr stand sinnbildlich für die kleinste Öffnung, die man sich vorstellen konnte (1,1651). Dass damit ein enges, kleines Tor in der Stadtmauer Jerusalems gemeint sei, kann man ausschließen. Dieses wurde nämlich erst im Mittelalter errichtet (33,362; 65,I,257). 11 Das war nach jüdischem und römischen Recht nur dem Mann erlaubt. 12 entw. ingressiver Aor.: "Jesus gewann ihn lieb..."; od.: "Jesus sagte liebevoll zu ihm..." (2,z.St.). 13 In manchen Hs. steht zwar καμιλος (das Schiffstau), diese Übersetzung widerspricht aber der rabbinischen Ausdrucksweise (14,194). 14 Kein Possessivpronomen, sondern ein Demonstrativpronomen, daher bedeutet es nicht, dass Kinder, wenn sie sterben automatisch in den Himmel kommen, sondern, dass man das Reich Gottes in der Art eines Kindes annehmen muss, um hineinzukommen. Jesus macht nur einen Vergleich, wie Vers 15 zeigt, und keine Lehraussage über das Schicksal verstorbener Kleinkinder. 15 Zu "Kelch trinken" vgl. die Anmerkung bei Mt 20,22-23. "Taufe" ist ein bildlicher Hinweis auf das Eintauchen in Leiden und Tod. Vgl. Ps 69,2-3; 2 Sam 22,5; Jes 43,2; Röm 6,3-5 (vgl. 47,z.St.). 16 Siehe Anm. bei Lk 19,28 17 Das Oberkleid war eine Art Mantel, und diente zum Schutz vor der Kälte und als Decke zum Schlafen. Dass der Blinde dieses für ihn kostbare Kleidungsstück liegenlies, wenn er von nun an Jesus nachfolgt zeigt, dass er ganz auf seinen neuen Herrn vertraut. 18 Nach Mt 20,30 heilte Jesus bei seinem Auszug aus Jericho zwei Blinde. Vielleicht war nur Bartimäus der von den Beiden, der ein Jünger Jesu blieb, den Weg in die Gemeinde fand und deshalb mit Namen genannt wird. 19 Jesus weist das Lob "gut" zurück, weil der Mann die falsche Einstellung hatte, man könne durch Gutestun ewiges Leben bekommen. Kein Mensch ist gut, nur Gott (20,469ff). Aber keinesfalls wollte Jesus damit sagen, er selbst wäre nicht gut genug und hätte auch Sünden (vgl. Joh 8,29.46). Markus 11 1 Ps 118,25-26. Dieser Psalm wurde beim Passah- und Laubhüttenfest verlesen. 2 Ps 148,1; Hiob 16,19 3 Jes 56,7 4 Vgl. Jer 7,3-15. Im Jahr 66 n.Chr. bemächtigten sich tatsächlich Räuberbanden des Tempels und metzelten alle Priester nieder. So erfüllte sich Gottes Zorn noch zusätzlich, bevor der Tempel dann endgültig zerstört wurde (65,I,263). 5 Vers 26 ist entweder schon in frühen Abschriften weggelassen worden, weil er scheinbar in Widerspruch dazu steht, dass bei der Bekehrung alle Sünden endgültig vergeben werden (Kol 2,13 uva.), und weil wir auf ewig von allen Sünden gerechtfertigt sind (Heb 9,12 ua.). Oder er wurde von späteren Abschreibern aus Mt 6,14-15 und der Belehrung in Mt 18,23-35 hereingekommen (27,110). 6 Später Nachmittag, ca. 15 Uhr. Damit neigte sich der Tempelgottesdienst dem Ende zu und die Menschen verließen den Tempel (65,I,262). Weil es schon spät war, verschob er die Reinigung des Heiligtums auf den nächsten Morgen, wo wieder mehr Menschen im Tempel waren. 7 Beide Handlungen waren Ehrerbietungen für einen König (65,I,261). Vgl. zu dieser Tradition: 1Makk 13,51; 2Makk 10,7 (2,z.St.). 8 vgl. Anm. bei Mt 21,19 9 Sie wechselten einen ganzen Schekel in zwei halbe Schekel ein. Einen solchen, sonst ungebräuchlichen, halben Schekel hatte jeder Jude als Tempelsteuer einmal jährlich zu zahlen. Außerdem mussten die Pilger vor Ort Opfertiere kaufen, die nicht mit ausländischer Währung bezahlt werden durften (65,I,263). Als Lohn für das Wechseln bekamen die Wechsler ein κολλυβος (eine kleine Münze). Diese Einhebung der Tempelsteuer geschah entweder beim jährlichen Passahfest im Jerusalemer Heiligtum oder 2-3 Wochen vorher in den Provinzen (21,I,708). 10 "Berge versetzen" ist ein rabbinisches Sprichwort für Unmögliches tun bzw. für das Beseitigen großer Hindernisse (2,z.St.). Vgl. Jes 40,4; 49,11; 54,10; 1Kor 13,2. Jesus könnte also symbolisch gesprochen haben. 11 Präs. bedeutet: es kann länger dauern. 12 Ein futuristischer Ind.Aorist, als ob es schon geschehen ist, obwohl es noch in der Zukunft liegt (2,306; 44,145; 21,I,419; 27,109; 7,z.St.). In der Parallelstelle Mt 21,22 steht nämlich das Futur. Der Aorist drückt aus, dass das Empfangen im Ratschluss Gottes, welcher der Bitte vorausgeht, begründet ist. Nur die tatsächliche Verleihung des Erbetenen ist noch zukünftig (ἔσται ὑμῖν) (93,z.St.). Oder ein einfacher Ind.Aor. der Vergangenheit: "dass ihr es (schon) empfangen habt" (75,304; 8,z.St.; 47,z.St.), wie in Joh 11,41b; 1Joh 5,15, wofür aber das Perfekt passender gewesen wäre. 13 Jesus fragte bewusst nach der Taufe des Johannes, weil sie diese für sich abgelehnt hatten (vgl. Lk 7,30). 14 Normalerweise betete man stehend und mit erhobenen Händen, vgl. 1Tim 2,8 (65,I,264). - Hier ist die Vergebung im Herzen gemeint, noch bevor der andere um Vergebung bittet, und auch dann, falls er nie um Vergebung bittet. 15 Der Imp.Präs. ist entw. iterativ: jedes Mal wenn sich jemand an euch versündigt hat; od.: immer wieder, wenn der Groll über die gleiche Sünde hochkommt für die noch keine Entschuldigung vom Täter stattgefunden hat. Oder durativ: vergebt dauerhaft. 16 Einige wenige HSS. haben das Futurum: "eure zukünftigen Fehltritte erlassen wird" (2,z.St.). 17 Während Jesus ein Wunder gebietet, ermuntert er seine Jünger dazu, ihren Glauben im Gebet zum Ausdruck zu bringen, denn die Jünger haben nie solche Naturwunder durch Gebieten vollbracht. Markus 12 1 Der Haupteckstein war der erste Grundstein, der bei einem Gebäudeneubau gelegt wurde. An ihm wurde das Maßband und das Lot für den weiteren Bau angelegt und Länge, Breite und Höhe orientierten sich an ihm. Christus wurde durch die Auferstehung der Eckstein der Gemeinde, die Gläubigen werden danach als lebendige Steine an- und aufgebaut (vgl. Apg 4,11; Eph 2,20-22; 1Pet 2,4-5). 2 Ps 118,22-23 3 Dtn 25,5-6 4 Gen 38,8; Das erste Kind aus dieser "Schwagerehe" galt als Nachkomme des Verstorbenen und auch als dessen Erbe. Vgl. Ruth 4,5-6 5 Ex 3,6. Nach der üblichen rabbinischen Interpretationsmethode, wurde diese Bibelstelle als Präsens verstanden ("Ich bin..."), also mit der Implikation, dass die Patriarchen noch leben (65,I,268). 6 Dtn 6,4-5 7 Jos 22,5 (LXX). 8 Lev 19,18 9 Ex 8,6; Dtn 4,35; Jes 45,21 10 Jos 22,5 11 Lev 19,18 12 Ps 110,1; Diese Stelle wurde auch von den Rabbis messianisch verstanden (34,II,720f; gegen: 65,I,269). 13 Dass wir im Auferstehungsleib geschlechtslos sind, sagt der Herr hier nicht, sondern nur, dass wir kein Bedürfnis haben zu heiraten. Auch Engel erschienen immer als männliche Wesen und nicht geschlechtslos. 14 Der Messias wäre dann nur ein menschlicher Nachkomme. 15 Obwohl Paulus diese Begebenheit sicher von Lukas kannte (Lk 21,1ff), nämlich, dass die Witwe alles gab, sodass sie Mangel hatte, verordnete er dies den Gläubigen nicht (2Kor 8,12-15). 16 Nach rabbinischer Vorschrift durfte man nicht weniger als 2 Lepta geben. Die Witwe musste sich also entscheiden entweder gar nichts zu geben, oder alles zu geben, was sie hatte. - Das Lepta war die kleinste jüdische Lokalwährung, während der Quadrans die kleinste römische Reichswährung war. Markus erwähnt das Lepton, weil er für Römer schreibt. - 1 Denar bzw. Tageslohn entsprach 128 Lepton, d.h. die Witwe war wirklich bettelarm. 17 Aber nicht zur Witwe, sie musste für den nächsten Tag ganz auf Gott vertrauen, wenngleich die Witwen auch notfalls von der Synagoge versorgt wurden und nicht verhungern mussten (65,I,270). 18 Ein Gefäß welches unter die Presse gestellt wurde (im Orient jedoch gewöhnlich in der Erde eingegraben), um den ausgepressten Traubensaft aufzufangen. Oder ein kleineres Fass, in den Boden versenkt, wo der neue Most oder Wein von der Presse hineinfloss. 19 Viell. für hebr.: seinen einzigen, erwählten und daher besonders geliebten Sohn (vgl. 2,13f). 20 D.h. "...wurde er dieser (Sg.fem.) Haupteckstein"; vielleicht.: "...ist dies geschehen". 21 Die Herodianer waren eine religiöse jüdische Partei, die die Herodianische Dynastie unterstützte. Sie waren vor allem politisch gesinnt und gegen die römische Bevormundung, jedoch nicht offen, sondern nur insgeheim, da Herodes ja König von Roms Gnaden war. Der Glaube war für sie eher Mittel zum politischen Zweck, vergleichbar in etwa mit dem heutigen politischen Christentum. 22 D.h. ist es nach Gottes Willen. 23 Die wichtigste römische Silbermünze. Sie entsprach 10 As und war auch eine Steuermünze. Sie entsprach etwa der Drachme (Strong Nr. 1406) und damit so viel an Wert wie dem Tageslohn eines Arbeiters. Durch die Münzverschlechterung unter Nero, ist sie dann später auf die Hälfte ihres Wertes herabgesunken. 24 Jesus besaß nicht einmal einen Denar. 25 Auf der Vorderseite trug der Denar das Bild von Kaiser Tiberius mit der Aufschrift: Tiberius Caesar Augustus, Sohn des göttlichen Augustus. Auf der Rückseite (wohl mit dem Bild der Mutter): Pontifex Maximus, d.h. oberster Priester (2,z.St.), ein Titel, den später der Papst annahm! 26 Vgl. die apostolische Anwendung: einerseits Röm 13,1-7 und 1Pet 2,13-17, andererseits Apg 4,19; 5,29. 27 Meist Mitglieder der priesterlichen Aristokratie. Sie waren römerfreundlich und der hellenistischen Kultur samt ihrem Gedankengut gegenüber mehr aufgeschlossen als die Pharisäer, weshalb sie im Gegensatz zu den Pharisäern standen. Sie glaubten weder an die Unsterblichkeit der Seele noch an Engel oder Dämonen und auch nicht an eine leibliche Auferstehung. Für sie waren nur die fünf Bücher Mose verbindlich, und die Befolgung des Gesetzes konzentrierte sich vornehmlich auf die genaue Erfüllung des priesterlichen Gottesdienstes im Heiligtum. Jesus rügt sie wegen ihrer Unkenntnis der Schriften und wegen ihres Unglaubens. 28 Damit nur sein menschlicher Nachkomme. 29 Der Opferkasten im Heiligtum von Jerusalem bestand aus dreizehn trompetenförmigen Opferstöcken und befand sich im Vorhof der Frauen, zu dem beide Geschlechter Zutritt hatten. Jesus setzte sich offenbar bewusst direkt gegenüber, um zu beobachten wieviel alle einwarfen. Die Opfermünzen wurden von einem der Priester überprüft und dann in den Opferstock geworfen (vgl. 47,z.St.; 65,I,270). Die Opferstöcke waren so konstruiert, dass man die Münzen scheppern hörte, wenn sie im Opferstock hinabrollten. So konnte man gut erraten, wie viele Münzen jemand einwarf. 30 Dieses Gleichnis ist eine Anspielung auf Jes 5,1ff. Manche Rabbis verstanden die Jesaja-Stelle als eine Prophezeiung auf die Zerstörung des Tempels 586 v.Chr., was Jesu Warnung noch eindrücklicher machte (65,I,265). 31 Diese Geschichte entnahmen die Sadduzäer wahrscheinlich dem apokryphen Buch Tobias (65,I,268). Sie, die nur die fünf Bücher Mose als inspiriert ansahen, bedienten sich ohne Skrupel außerkanonischer Schriften, wenn es ihren Zwecken diente. Die liberalen Theologen heutzutage, agieren in ähnlicher Weise. 32 Die Schriftgelehrten auferlegten auch den Witwen völlig überzogene Abgaben von 20-30% (65,I,270). Außerdem ließen sie sich von ihnen im Rahmen ihrer seelsorglichen Tätigkeiten fürstlich bewirten (vielleicht daher: "...verschlingen"). 33 Die Frage stellt sich, wann dieses schwerere Urteil vollzogen wird. Wahrscheinlich in der Zwischenzeit vom Tod bis zur Auferstehung zum Gericht (vgl. Lk 16,23ff; Mt 10,15). Auch die Gläubigen müssen vor dem Richterstuhl Christi erscheinen und werden dort be- und nicht verurteilt. Sie bekommen dann mehr oder weniger Lohn, oder sie verlieren ihren Lohn gänzlich (Jak 3,1; 1Kor 3,8.14-15; 2Joh 1,8). Am Richterstuhl Christi werden auch die guten Taten der Gläubigen evaluiert und belohnt (vgl. Prediger 12,14). Markus 13 1 Vgl. die Anmerkungen bei Mt 24,15. Schon im Jahr 39 n.Chr. versuchte Kaiser Caligula sein Standbild im Tempel von Jerusalem aufzustellen, was aber Petronius, der römische Legat der Provinz Syro-Zilizien, noch hinauszögern konnte (65,I,272). Ein Vorgeschmack von dem, was am Ende der Zeiten im wiedererrichteten 3.Tempel durch den Antichristen geschehen wird (Offb 13,14-15). 2 Jes 13,10 3 Jes 34,4 4 Dan 7,13-14 5 Hier beginnt ein Zeitsprung zurück, weil es in Lk 21,12 heißt: "vor diesem...". 6 Mask.Sg.: personenhaft, d.h. wohl der Gräuel der Verwüstung in Form einer Person und nicht nur in Form eines Standbildes (denn das wäre Neut.Sg.). Das wäre dann der Anti-Christ, der sich in der Mitte der Drangsalszeit in das Heiligtum setzt und sich als Gott ausgibt. Vgl. 2Thes 2,4; Offb 13,14-15 7 Es muss eine zukünftige Drangsal gemeint sein, und nicht die Belagerung Jerusalems 70 n.Chr., den diese war nicht so schlimm, wie die letzte sein wird. 8 Der Überrest Israels; vgl. Mk 13,27; Offb 7,4ff; Sach 12,10ff. 9 Das wird besonders für den Überrest Israels eine Versuchung sein, denn sie erwarten einen Messias. 10 D.h. die jüdische Rasse, wie Lk 16,8; 11,50; 17,25 und Apg 8,39. Manche meinen jedoch, es sei die Generation gemeint, die die letzten Plagen erleben wird. Eine Generation wurde mit 40 Jahren gerechnet (65,I,275). 11 od.: "...befragten ihn ... als sie alleine waren". 12 od.: über Gegenden hin. 13 Ein rabbinischer t.t.: "die Wehen des Messias" sind die Vorboten seines Kommens. 14 Das waren kleinere Gerichtskollegien wie sie jede jüdische Stadt hatte, um weniger wichtige Gerichtsentscheidungen zu fällen. 15 od. im Sinne eines Med.: "...werdet ihr stehen müssen". 16 od.: "seid darauf gefasst, dass sie euch...". 17 Vgl. auch die Anm. bei Mt 24,3 und die Anm. bei Lk 21,7 18 Die Juden dachten, der Tempel könne nie von Feinden zerstört werden, denn er sei für die Ewigkeit erbaut. Doch die Römer zerstörten 70 n.Chr. den Tempel völlig, nur einige Teile der Grundmauern, die heutige Klagemauer, blieben übrig; vgl. Jer 7,4 (65,I,169.271). 19 Diese Strafe wurde mit 13 Schlägen auf die Brust und 26 Schlägen auf den Rücken, so hart wie möglich, ausgeführt (65,I,272). 20 Im Winter sind die Nächte in Palästina kalt, im Winter kann sogar Schnee kann fallen und heftige Regenfälle lassen die Flüsse übertreten und eine Flucht wird erschwert (65,I,274). 21 Vgl. die Anmerkungen bei Mt 24,1ff. 22 Das sind die Namen der vier römischen Nachtwachen von jeweils drei Stunden: Abend 18-21 Uhr, Mitternacht 21-24 Uhr, Hahnenschrei 0-3 Uhr, Morgen 3-6 Uhr (54,z.St.). Markus 14 1 Sach 13,7 2 Ps 42,6.12; 43,5 3 Dan 7,13 4 Diese Begebenheit hat sich bereits sechs Tage vor dem Passah zugetragen, Markus will nicht chronologisch, sondern thematisch sein. Vgl. die Anm. bei Joh 12,1 Tage 5 Mt 20,28 und Lk 22,20: "...für euch" (und nicht für alle!). 6 Ein Kuss war damals üblich bei der Begrüßung eines Rabbis (37,617), daher als unverdächtiges Erkennungszeichen gut geeignet. 7 Impf.: "sie machten sich Gedanken darüber wie..." (2,z.St.). 8 Eine Büchse aus Alabaster angefertigt. Solche wurden vor allem für die Aufbewahrung von kostbaren Narden und Ölen verwendet. Der längliche Hals dieser Gefäße wurde abgebrochen, wenn die Narde verwendet wurde. Alabastergefäße mit Nardenöl wurden auch als Geschenke für Könige verwendet, da diese mit einem solchen Öl gesalbt wurden. Ebenso Leichname vor der Grablegung. 9 In Palästina ging man von drei Hahnenschreien in der Nacht aus: der erste um ca. 0.30 Uhr, der zweite um ca. 1.30 Uhr, der dritte um ca. 2.30 Uhr (was der dritten römischen Nachtwache um 3.00 Uhr entsprach, die "Hahnenschrei" genannt wurde). Es könnte aber auch einfach bedeuten: "noch vor der Morgendämmerung" (2,332; 65,I,281). Es besteht kein Widerspruch zu den anderen Evangelien. Petrus wird den Herrn dreimal verleugnen, bevor der Hahn kräht (2,332; 20,548). 10 Entw. ironisch; od.: "Schlaft ihr immer noch?" od.: "Wollt ihr noch weiterhin schlafen?" 11 Bezüglich dieser Bedeutung des Wortes siehe Bauer-Alland (1,1634,1β). Dieser "gewisse" war nach Joh 18,10 Petrus. Markus war zum Zeitpunkt der Abfassung des Evangeliums der Mitarbeiter von Petrus in Rom (1Pet 5,13) und wollte daher Petrus nicht mit Namen nennen, um ihn nicht bloßzustellen. Johannes der sein Evangelium erst nach dem Tod von Petrus schreibt, nennt Petrus schon mit Namen. In Mk 14,51 ist wahrscheinlich Markus selbst gemeint, aber aus Bescheidenheit sagt er das nicht. Manche Hs. lassen das Wort in Vers 47 auch weg. 12 od.: "Antwortest du gar nichts? Was (ist das, was) diese..." (2,z.St.). 13 od.: "er warf sich nieder"; od.: "er brach in Tränen aus"; od.: "er dachte an Jesu Wort"; od.: "er verhüllte sich und weinte" (2,z.St.). 14 In der LXX als Übersetzung für das hebr. Wort mit der Strong Nr. 01285. Ein Vertrag, welcher von Gottes Seite ausgeht und eine verbindliche Zusicherung seitens Gottes ist, welche der Mensch annehmen oder ablehnen kann, deren Bedingungen er aber nicht ändern kann. 15 Damit ist natürlich Judas gemeint und nicht Jesus. Denn wenn Judas gar nicht geboren worden wäre, würde er nicht für ewig in die Hölle kommen. Vgl. den gleichen Wortlaut in Mk 9,42 16 Das jüdische Passahfest zum Gedenken an den Auszug aus Ägypten war mit dem Fest der Ungesäuerten Brote (Mazzot) verbunden und umfasste zwei verschiedene Festelemente: die Feier des Passahmahls in der ersten Vollmondnacht nach der Frühjahrs-Tag-und-Nachtgleiche am 14. Nisan, und das anschließende, sieben Tage dauernde Wallfahrtsfest, das ursprünglich das neue Erntejahr einleitete (vgl. Ex 12; 34,18; Lev 23,5-8; Dtn 16,1-8). Am 14. Nisan wurde aller Sauerteig aus den Häusern entfernt und am Nachmittag dieses Tages wurden im Heiligtum die Lämmer für die häuslichen Passahmahle geschlachtet, die am Abend stattfanden. Es mussten männliche Tiere sein, einjährig und fehlerlos. Wahrscheinlich waren es die beiden Jünger die Jesus zur Quartiervorbereitung schickte (Vers 12ff), die dann auch das Passahlamm besorgten und im Tempel schlachten ließen (vgl. Ex 12,5). 17 Griech.: Abba, aus dem Aramäischen, wo es die vertrauliche, aber auch respektvolle Form ist, mit der man den Familienvater, aber nur im Kreis der Familie, anredete; vgl. Röm 8,15; Gal 4,6 (vgl. 47,z.St.). Diese Anrede war bei den Juden für Gott nicht üblich (1,1; 65,I,281). 18 Zum Ablauf der Passah-Liturgie vgl. die Anm. zu Mt 26,20 19 Ein schnell verdunstendes Fett, das mit dem Wurzelextrakt einer im Himalaja wachsenden Pflanze parfümiert wurde. Durch die Einfuhr von Indien (oder Südarabien) war es sehr teuer (59,388; 65,I,277). Könige wurden bei ihrer Einsetzung mit einem solchem Öl gesalbt, ebenso die Toten vor der Grablegung. 20 Nach Ps 75,9 Jes 51,17.22; Jer 25,15 und Offb 14,9f, ist der gefüllte Becher ein Bild für den Zorn Gottes, den Jesus aber an Stelle der Gläubigen getrunken hat, damit sie nicht mehr unter Gottes gerechtes Gericht kommen müssen (Joh 5,24). Im Judentum war der Becher auch ein Bild für den Märtyrertod, was hier mitanklingen könnte (59,68). 21 od.: "Bin ich denn ein Verbrecher, dass ihr..." (2,z.St.). 22 D.h. sämtliche Ratsmitglieder im Gegensatz zu einem kleinen Teil (Lk 23,51; Joh 7,50-51; 19,39), der aber stumm blieb (1,1277). 23 Natürlich war Simon nicht mehr aussätzig, wahrscheinlich hatte ihn Jesus geheilt. 24 Damit ist sicher die Tempelwache gemeint. Aufgrund der Menge der Wachen und der Bewaffnung vermuteten sie in Jesus entweder einen gewalttätigen Revolutionär oder sie fürchteten seine Wundermacht (65,I,282). 25 Dass der Hieb nicht tödlich traf oder einfach danebenging, war beides kein Zufall. So konnte Jesus sowohl seine Friedfertigkeit als auch seine Wundermacht beweisen. Nur Lukas der Arzt sagt, dass Jesus das Ohr heilte (Lk 22,51), und nur Johannes nennt den Namen des Knechtes, Malchus (Joh 18,10). 26 Vorschriftsmäßig hätte diese Versammlung des Sanhedrins in der Tempelhalle tagen sollen, und zwar nicht geheim, sondern offen. Sie war also illegal (65,I,284). 27 Damit hätte die Verhandlung abgebrochen werden müssen und die falschen Zeugen hätten bestraft werden müssen, laut Gesetz sogar mit dem Tod (Dtn 19,16-21), was die Römer aber nicht erlaubten (65,I,284). 28 Dies geschah, wenn man Ohrenzeuge einer Gotteslästerung wurde (65,I,285). 29 Einen Galiläer erkannte man an seinem unverwechselbaren Dialekt (54,z.St.). 30 Matthäus gibt die Reihenfolge der drei Gebete von Jesus an (Mt 26,39.42.44). Erst beim 3.Gebet betete Jesus dieselben Worte wie beim 2.Gebet. Hier ist also vom 3.Gebet die Rede, es ist kein Widerspruch zum Matthäusbericht. 31 Flucht ist nicht immer falsch (vgl. Joh 18,8). Markus 15 1 Ps 22,19 2 Vers 28 ist aus Lk 22,37 eingedrungen. 3 Ps 22,2 4 Eine Inschrift oder ein Titel mit schwarzen Buchstaben auf einer weißen Tafel (lat.:titulus). In der Gräz. das Aushängeschild, die Verkaufsanzeige oder die Versteigerungstafel, und eben auch die Anzeigetafel für welches Delikt der Bestrafte verurteilt wurde (vgl. Strong Nr. 1924). 5 Denn nur die Römer hatten zu diesem Zeitpunkt das Recht die Todesstrafe zu verhängen. 6 Und nicht: "Das sagst du, aber nicht ich" (2,z.St.). 7 Hs.: "ein Geschrei machend". 8 Gemeint ist die römische Strafe der Geißelung (lat.: verberatio), die ohne Begrenzung der Zahl der Hiebe mit einer Lederpeitsche (lat.: horribile flagellum) durchgeführt wurde, in die Bleistücke oder scharfkantige Knochenstücke eingeflochten waren. Sie wurde in Verbindung mit Todesurteilen und anderen entehrenden Strafvollzügen vollzogen, so vor allem bei der Kreuzigung, der sie fast immer vorausging (2,z.St.). 9 Ursprünglich das Zelt des römischen Feldherrn bzw. der Platz auf dem es stand. Dann auch das kaiserliche Hauptquartier und die Garde. In Jerusalem war dies entweder im ehemaligen hasmonäischen Königspalast des Herodes gegenüber der Südwestecke des Heiligtums (2,198; 65,I,288), oder die Burg Antonia, der Amtssitz des römischen Procurators (1,1398). 10 Wahrscheinlich ein roter Soldatenmantel, Ehrentribut der griechischen Vasallenfürsten (65,I,288). 11 Wahrscheinlich aus Zweigen des Akanthusstraues. Die Dornen ragten nach außen aber auch nach innen und verursachten ständig starke Schmerzreize. Eine verhöhnende Nachahmung des Kopfschmucks von Kaiser Tiberius, wie er auf dem Silberdenar abgebildet war (2,z.St.). Auch die griechischen Herrscher hatten solche kronenartigen Kränze (65,I,288). 12 Eine Anhöhe bei Jerusalem, "Schädelstätte" genannt, offenbar so bezeichnet, weil sie von ferne, wie ein riesiger Schädel aussah. Sie wurde als Hinrichtungsplatz benutzt. Der Ort lag außerhalb der damaligen Stadtmauer, wahrscheinlich unweit der heutigen Grabeskirche (vgl. 2,345). 13 Ein Ausdruck von Hohn und Spott (2,z.St.). 14 Impf.: Sie schmähten ihn eine Zeit lang. Nach Lk 23,39ff geschah aber bei einem der Beiden ein Sinneswandel (2,z.St.). 15 entw. um das Leiden zu lindern, oder um es zu verlängern? 16 Myrrhe war ein wohlriechendes Harz und wurde hier als Bitterstoff verwendet, wahrscheinlich als Betäubungsmittel, um den Schmerz der Nagelung zu verringern, - daher lehnt Jesus ihn ab (65,I,289). Manche meinen aber der Trank sollte die Qualen noch erhöhen (2,z.St.). Es ist außerdem eine Anspielung auf Ps 69,22. 17 Die beiden dürften Gläubige in der Gemeinde in Rom gewesen sein, weshalb Markus, der ja als Mitarbeiter von Petrus sein Evangelium in Rom schreibt, sie mit Namen nennt und es nicht für nötig hält, sie weiter vorzustellen. Jedenfalls werden Rufus und seine Mutter in Röm 16,13 von Paulus als Gläubige in Rom gegrüßt (20,570; 75,372). 18 Auf der Tafel über seinem Kopf als Anklagegrund für seine Hinrichtung. 19 Der Tag vor einem Sabbath, das ist unser "Freitag", als Erklärung für die nichtjüdischen Leser des Markus-Evangeliums. Ein Synonym für παρα-σκευη (Strong Nr.: 3904). 20 Sowohl dem Kaiser als auch einem König erwies man Ehre, indem man sich vor ihm niederkniete (65,I,289). 21 Hier finden wir die jüdischen Tageszeiten: Die 3.Stunde ist ca. 9 Uhr, die 6.Stunde ist ca. 12 Uhr, die 9.Stunde ist ca. 15 Uhr. Ein Vergleich von Mk 15,25 mit Joh 18,28 und 19,14 zeigt, dass Johannes die römischen Tageszeiten verwendet, frühmorgens ist bei ihm ca. 3-6 Uhr früh (6.Stunde = ca. 6 Uhr), denn die Begebenheit in Joh 18,28 und 19,14 geschah vor Mk 15,25 (6.Stunde = 12 Uhr). Vgl. auch die Anm. bei Mt 20,8; Joh 1,39; 4,6b Markus 16 1 Ein kollektiver Plural (und nicht ein individueller Singular), d.h. nicht jedem einzelnen Gläubigen wurden alle diese Zeichen für alle Zeiten gegeben, sondern den Gläubigen gemeinschaftlich, wobei der Heilige Geist austeilt wie er will (1Kor 12,11.29-30), so wie wir es auch in der Apostelgeschichte finden. Im Vers 16 aber, wo es darum geht, gerettet zu werden, steht der individuelle Singular, denn jeder einzelne, der glaubt, wird gerettet werden. 2 Die Vollmacht Zeichen und Wunder zu tun, war im NT den Aposteln und Evangelisten in der Anfangszeit als eine machtvolle Bestätigung ihrer neuen Botschaft vorbehalten. Vgl. Apg 2,22.43; 4,29-30; 5,12-16; 6,8; 8,6; 9,34.37-42; 14,3; 19,11; Röm 15,18-19; 2Kor 12,12; Heb 2,3-4. Auch Annanias heilte Paulus nur auf ausdrückliche Anweisung Gottes (Apg 9,12.17). Jesus selbst (Mt 7,22-23 [siehe dort die Anm.3]) und der Apostel Paulus (2Thes 2,9-10) warnen vor "Christen", die vorgeben Zeichen und Wunder zu tun, aber es sind falsche, lügnerische und betrügerische Zeichen und Wunder. Nachdem anfänglich die Verkündigung der Apostel und Evangelisten von vielen Zeichen und Wundern begleitet war, nimmt sie im weiteren Verlauf der Apostelgeschichte ab. In Apg 11,19-21 lesen wir z.B. nichts von Zeichen und Wundern, trotzdem segnet der Herr die Verkündigung durch viele Bekehrungen. In den Briefen der Apostel gibt es kaum mehr eine Erwähnung von Zeichen und Wundern. Wie Paulus, so verweisen auch die anderen Apostel auf die geschriebene Offenbarung. Petrus erinnert daran, dass in den Tagen, als der Herr auf der Erde war, Visionen und Stimmen ihren Platz hatten, dass wir aber nun das prophetische Wort besitzen, das uns so lange Licht gibt, bis der Herr kommt (2Pet 1,16-19). Judas spricht nur noch von der ein für alle Mal gegebenen Glaubenslehre (Jud 1,3), vom Gebet und vom Warten auf das Kommen des Herrn (Jud 1,20-21). In keinem der Sendschreiben finden sich Lob für vorhandene, oder Tadel für fehlende Wunder, Zeichen oder Visionen. Der Herr spricht stattdessen von Lehre, von Ausharren, vom Bewahren des Wortes und von der Wahrheit als Ausdruck der Liebe zu ihm. Das sind offensichtlich die entscheidenden Dinge, nicht das Praktizieren von Krankenheilungen und Wunderwirken. Warum spielen Visionen, Träume, Zeichen und Wunder in keiner einzigen Auswertung der sieben Gemeinden eine Rolle? Können wir daraus schließen, dass die Zeichen und Wunder schon im 1.Jhdt. aufgehört hatten? Der Kirchenvater Chrysostomos (347-407) sagt: "Am Anfang gab der Heilige Geist die außerordentlichen Gaben sogar den Unwürdigen, denn damals waren sie nötig zur Bekräftigung der christlichen Lehre, aber jetzt werden sie nicht mehr gegeben, da die christliche Lehre so befestigt ist, dass sie diese Stütze nicht mehr nötig hat" (nach Benedikt Peters, in einem Artikel über Zeichen und Wunder). Der manchmal vorgebrachte Einwand die Kirchenväter Irenäus, Tertullian und Justin der Märtyrer würden von Zeichen und Wundern in ihrer Zeit sprechen, hält einer genaueren Untersuchung dieser Zitate nicht stand (33,436). - Im Laufe der Menschheitsgeschichte gibt es vier Zeitepochen mit auffallend vielen Zeichen und Wundern, und zwar immer dann, wenn etwas Neues eingeführt und von Gott (oder dem Teufel) betätigt wird: (1.) Bei Mose und Josua als Bestätigung für die Einführung des Gesetzes. (2.) Bei Elija und Elisa als Bestätigung für das Prophetenamt. (3.) Beim Herrn Jesus und seinen Aposteln, als Bestätigung seiner Messianität und des gepredigten Evangeliums. (4.) Im Gegensatz dazu, bei den falschen Propheten der Endzeit, die die religiösen Menschen mit lügnerischen Zeichen und Wundern verführen. Sie werden vom Satan "bevollmächtigt" sein (Mt 24,24; 2Thes 2,9-10; Offb 13,11ff). Siehe die Grafik: https://drive.google.com/file/d/1cknfuJiJzdIgBRKJt5o7SyoHqD5nrmjc/view?usp=sharing 3 Dieser Satz findet sich nur in späten Hs. aus dem 7 - 9. Jhdt. und in einigen älteren Übersetzungen. Er klingt nicht ursprünglich. Das Markus-Evangelium bricht nach den ältesten und besten Textzeugen mit Vers 8a ab. Die Verse 9-20 sind jedoch schon sehr früh entstanden und wurden bereits in der ersten Hälfte des 2. Jhdt. von den Christen einmütig als kanonisch anerkannt. Das spricht stark für eine apostolische Herkunft. In einigen Handschriften findet sich jedoch der Vers 8b als ein kürzerer Schluss des Evangeliums. Dass Markus das Evangelium mit dem Vers 8a abschloss, scheint sehr unwahrscheinlich, es sei denn, er verwendete einen rhetorischen Kunstgriff, der zur damaligen Zeit nicht unüblich war. Viele antike Werke schlossen ebenso unvermittelt (65,I,293). Plausibler scheint jedoch die Erklärung, dass schon von einem der frühesten Manuskripte, oder sogar vom Original, der letzte Teil des Pergaments verloren ging und Abschreiber in der ersten Hälfte des 2.Jhdts. das offensichtliche Fehlen des Schlusses mit den Versen 9-20 ergänzen wollten. Doch die Verse 9-20 finden sich erst in späteren Hs., und enthalten, zwar nicht unüberwindliche, aber doch schwer zu harmonisierende Widersprüche zu den anderen Evangelien (vgl. dazu auch: 27,122ff; 54,z.St.; 64,504; 65,I,294, und die Anmerkungen 13-15 unten). 4 Jesus hatte nach seiner Auferstehung einen Herrlichkeitsleib, der von seiner vorigen Erscheinung verschieden war. Darum erkannten ihn die Emmaus-Jünger auch nicht (vgl. auch 65,I,295). 5 Nach Lk 24,34 glaubten sie ihnen schon, denn der Herr war dem Petrus auch schon erschienen. 6 Nach jüdischer Ausdrucksweise, ist das ein Engel (59,71), aber auch Priester trugen weiße Gewänder (65,I,294). 7 Nach jüdischem Sprachgebrauch ist das die ganze Menschheit (59,71), aber darüber hinaus auch noch die ganze gefallene Schöpfung. Darum steht auch nicht das Wort ευαγγελιζω (evangelisieren), sondern κηρυσσω (predigen), welches bedeutet: der ganzen Schöpfung den Sieg Jesu über die Sünde zu proklamieren (vgl. Röm 8,19-23). 8 Zuerst kam Maria Magdalena allein als es noch finster war (Joh 20,1), dann, nach Sonnenaufgang, kam Maria Magdalena noch einmal mit der anderen Maria; Lk 24,1 (64,503). 9 "...neuartig" muss nicht bedeuten, dass es sich nicht um bekannte menschliche Sprachen handelt, sondern, dass es sich um übernatürliche Sprachen handelt. Auch in 1Kor 14,21 steht im Zitat aus Jesaja das Wort "neuartig", obwohl es sich dort um die bekannte Sprache der Assyrer handelte. Das Wort fehlt übrigens in manchen Hs. (27,127). 10 od. als imperativisches Ptz. zu übersetzen: "Geht in die ganze Welt und predigt..." (2,z.St.). 11 Dieser Vers hört sich wie eine Erfüllung der Verheißung in Vers 17 und 18 an. Und tatsächlich bestätigt das übrige Neue Testament, dass Zeichen und Wunder das Beglaubigungs-Merkmal der Apostel und Evangelisten waren (2Kor 12,12). 12 Das Zeugnis einer Frau galt als unzuverlässig (65,I,294). 13 Nach Lk 24,36 und Joh 20,19 war dies noch am gleichen Tag. 14 Die Taufe als Bedingung für die zukünftige Errettung (Ind.Fut.Pass.: σωθησεται), ist dem übrigen NT fremd. Allerdings wird gleich darauf gesagt, dass die Verurteilung nur den trifft der nicht glaubt. Vom nicht getauft sein ist nicht mehr die Rede. Etwas außer dem Glauben als Bedingung für die (zukünftige) Errettung hinzuzufügen (z.B. die Beschneidung), wird auch in Apg 15,1.9-11 abgelehnt. 15 Die Verse 17 und18 erscheinen vom Stil und vom Wortschatz im Vergleich mit dem übrigen NT unausgewogen, sie enthalten viele griechische Wörter die sonst im NT nicht vorkommen. Nach Lukas Lukas 1 1 Num 6,3; Lev 10,9 2 Sg.: d.h. er hatte eine bestimmte flehentliche Bitte, nämlich, dass seine Frau schwanger wird (vgl. Gen 25,21; Apg 10,31). Kinderlosigkeit galt als Schande (Gen 16,5; 1Sam 1,6.11) und auch als Züchtigung (2Sam 6,23; viell. auch Gen 29,31). - Wie lange betete er für seine Frau? Seine Antwort in Vers 18 zeigt wohl, dass er schon aufgegeben hatte. Aber da Jesus erst geboren wurde "als die Zeit erfüllt war" (Gal 4,4), musste auch sein Wegbereiter Johannes zu dem dafür vorherbestimmten Zeitpunkt geboren werden. Wenn unsere Gebete nicht gleich erhört werden, hat das manchmal besondere Gründe. 3 D.h. vor dem Messias, dieser ist damit der HERR und Gott von Vers 16! 4 Im Gegensatz zu Matthäus der sein Evangelium thematisch und nicht chronologisch ordnet. In der Chronologie der Geschehnisse in den Evangelien, sollte daher Lukas vor Matthäus der Vorrang gegeben werden. 5 Typische Anrede für Procuratoren und andere hohe römische Beamte. Auch für Angehörige des Ritterordens des römischen Patriziats (65,I,299); vgl. auch: Apg 23,26; 24,3; 26,25. So redet man keinen Glaubensbruder an. Demnach war Theophilus wahrscheinlich der römische Beamte der den "Fall Paulus", während des zweijährigen Hausarrests in Rom, im Auftrag des Kaisers untersuchte. Daher endet die Apostelgeschichte auch mit dem Ende dieses zweijährigen Hausarrests, nach dem positiven Abschluss dieser Untersuchung (65,II,7). 6 Ohne Artikel, ist die Kraft des Heiligen Geistes gemeint. Bei Maria für die übernatürliche Zeugung Jesu, bei Elisabeth und Zacharias die Kraft zum Prophezeien, - und nicht die Innewohnung des Geistes, was den Artikel erfordert hätte (13,58). 7 Und nicht in der vom Volk erwarteten irdischen Errettung von ihren Besatzern! 8 Eine aromatische Mischung aus bestimmten Stoffen, die für Gott auf dem Räucheraltar verbrannt wurden und einen herrlichen Duft gaben - vgl. zur Sache: Ex 30,34-38; Jes 1,13. 9 od.: "informiert wurdest"; wie Lk 21,21.24. Zur Zuverlässigkeit der neutestamentlichen Handschriften siehe die vergleichende Grafik in: https://drive.google.com/file/d/1hqxHFxCS1BcHSaYlmywLIeb7qc9SgDX7/view?usp=sharing 10 Die Gesamtzahl der Priester (zur Zeit Jesu ca. 18.000) war seit David in 24 Priesterfamilien aufgeteilt (1Chr 24,7ff), von denen jede Gruppe einmal im Jahr für zwei Wochen, sowie bei allen Festen, Dienst im Heiligtum verrichtete. Abija war nach 1Chr 24,10 und Neh 12,12 das Oberhaupt einer dieser Abteilungen. Die einzelnen Aufgaben ihres Dienstes bestimmte das Los, so auch das Vorrecht, das Räucherwerk am goldenen Weihrauchaltar darzubringen, welches vor dem morgendlichen Brandopfer den Opferdienst eröffnete, und ihn nach dem Brandopfer am Nachmittag (ca. 15 Uhr) abschloss (Ex 30,6-8). Jeder Priester durfte das Weihräuchern höchstens einmal in seinem Leben ausüben (vgl. 20,55; 54,z.St.; 65,I,300f). 11 In jüdischen Grabinschriften: erwachsen aber noch nicht verheiratet (2,z.St.), und daher noch unberührt. Auch im AT, wo das hebr. Wort auch die Bedeutung "junge Frau" hat, lässt sich an keiner der Stellen beweisen, dass es sich dabei nicht auch gleichzeitig um eine "Jungfrau" im biologischen Sinn des Wortes gehandelt hätte. In der LXX in: Gen 24,14.16.43.55; 34,3; Ex 22,15; Hiob 31,1; Jes 23,4. Daher bedeutet παρθενος hier definitiv: eine heiratsfähige, unberührte Frau, die noch keinen Geschlechtsverkehr mit einem Mann hatte. 12 w.: jmdn. mit Gnade versehen. Jemanden mit diesem Ausdruck anzusprechen, war damals unüblich und stellt eine Besonderheit dar (65,I,304). Damit steht fest, dass auch Maria Gnade brauchte und nicht sündlos war. Vgl. Vers 30 und dasselbe Wort in Eph 1,6. Auch sie brauchte einen Erretter und wusste das. 13 Hebr.: Joshua = Jahwe rettet (sein Volk). 14 D.h. die irdische Königsherrschaft über das Volk Israel, aber erst im zukünftigen Friedensreich, da das Volk ihn zuerst als König ablehnte (Joh 19,15). 15 Im Griech. steht Herr mit Artikel, daher ist der Messias gemeint (wie Mt 22,44), und nicht Gott. Maria ist nicht die "Muttergottes", denn Gott hat keine Mutter! 16 vgl. Mal 3,23f. 17 Wahrscheinlich bildlich für den verheißenen Messias. vgl. Mal 3,20; Num 24,17; Jer 23,5; Sach 3,8; 6,12 (LXX). Siehe die Erklärungen in: 2,366. 18 Im heiligen Geist? od.: am menschlichen Geist? 19 Herodes der Große, Sohn von Antipater von Idumäa, geboren 73 v.Chr., König der Juden von 40-4 v.Chr., eingesetzt durch den römischen Senat auf Vorschlag von Antonius und mit Zustimmung von Octavianus (dem späteren Kaiser Augustus). Er war zwar ein Freund und Verbündeter der Römer, überwand aber die Opposition, die ihm durch die Juden in Palästina entgegentrat. Er war tapfer und kriegserprobt, aber auch sehr misstrauisch und grausam, was dazu führte, dass er die gesamte Hasmonäische Familie ausrottete. Ebenso alle Juden die seiner Regierung Widerstand leisteten. Sogar seine geliebte Frau Mariammne und die beiden Söhne, die sie ihm geboren hatte, ließ er umbringen. Im Jahr 19 v.Chr. begann er das Heiligtum zu renovieren und zu vergrößern, was ihm allerdings auch nicht die Sympathien der Juden einbrachte, da er für sie ein Edomit war und blieb. Obwohl er äußerlich die jüdische Religion praktizierte, baute er trotzdem auch heidnische Tempel in anderen Ländern. Im 37.Jahr seiner Regierung starb er im Alter von 70 Jahren. Mit dem Einverständnis von Kaiser Augustus hatte er sein Reich in drei Teilen an seine Söhne Archelaus, Antipas und Phillip vermacht (33,479f). 20 Der kleine Ort mit etwa 150 Einwohnern lag in der Mitte zwischen dem Mittelmeer und dem See Genezareth (54,z.St.). 21 Gemeint ist die Wüste Juda, südöstlich von Jerusalem gegen den Jordan hin, wahrlich eine Einöde, wo es noch bis zum Mittelalter Löwen und Panther gab, wo wenig Nahrung zur Verfügung stand und deshalb geröstete Heuschrecken und wilder Honig ein nahrhafter Ersatz waren (46,92; vgl. Mt 3,4). Johannes war allerdings kein Nasiräer, sonst hätte er keinen Honig essen dürfen. Er enthielt sich nur von Alkohol, denn er war schon von Geburt an mit heiligem Geist erfüllt (Lk 1,15). Ob er von den Essenern adoptiert und ausgebildet wurde, ist nicht beweisbar (65,I,309). 22 Der alte Priester Zacharias glaubte den Worten des Engels nicht, die junge Frau Maria dagegen schon (Lk 1,45). 23 Der Begriff wurde auch für antike Geschichtswerke verwendet. Der ganze Prolog ist in klassisch-prosaischem Stil geschrieben (65,I,298). 24 Augenzeugen galten als die zuverlässigsten Quellen überhaupt (65,I,299). 25 D.h. wohl, bis zur Geburt von Johannes dem Täufer, um ihr bei der Geburt und danach zu helfen. 26 In Jes 40,3 und Mal 3,1 ist damit Jahwe selbst gemeint, hier wird es auf den Herrn Jesus bezogen. Das unterstreicht seine Gottheit. 27 Das Ptz.Präs. (geboren-werdend) steht statt dem Ptz.Fut, wie im Hebr. und im Aramäischen (13,95). Auch wenn andere Übersetzungsmöglichkeiten für die grammatische Konstruktion vorgeschlagen wurden (z.B. in: 2,361), dürfte doch die in der Übersetzung, die Richtige sein (so nach F.Godet: 20,67). Es ist ein gravierender Unterschied, ob Jesus nur heilig genannt wird, oder der Heilige ist, wie auch in Mk 1,24; Joh 6,69; Apg 3,14 und Offb 3,7 bezeugt wird. 28 Der räuchernde Priester verließ normalerweise sofort das Heilige, nachdem er den Weihrauch auf den Räucheralter geworfen hatte (65,I,303). Lukas 2 1 Heiliger Geist mit Artikel bezeichnet die göttliche Person des Heiligen Geistes und nicht nur seine Krafteinwirkung (13,58). 2 Lev 5,11; 12,2-4.8. Die Tage der Reinigung (Vers 22) waren die 40 Tage nach der Geburt. Ein Paar Turteltauben waren das Opfer armer Menschen, was zeigt, dass Joseph und Maria arm waren (65,I,312). 3 Nicht: μονογενης (= einziggeboren), sondern πρωτότοκος (=erstgeboren). Sie hatte also danach noch weitere Kinder von Josef (vgl. Mt 13,55.56). - Die Geburt Jesu wird in das Jahr 7/6 v.Chr. datiert. 4 D.h. in seinem 13.Lebensjahr zu seiner Einweihung als ein "Sohn der Thora". Vom 13.Lebensjahr an ist ein jüdischer Junge verpflichtet, die Gebote und Vorschriften des jüdischen Gesetzes zu beachten. Nach Ex 23,14-17; 24,23f und Dtn 16,16f hatten alle jüdischen Männer, ausgenommen Greise und Kranke, zu den drei Hauptfesten des jüdischen Jahres, Passah, Pfingsten und Laubhüttenfest, im Heiligtum zu erscheinen. Dies war aber nur für jene streng verpflichtend, die nicht mehr als eine Tagesreise weit vom Heiligtum entfernt wohnten. Zu Fuß brauchte man aber von Galiläa mindestens drei Tage nach Jerusalem (vgl. 47,z.St.). Josef und Maria waren also sehr fromme Juden! 5 Also suchten sie zuerst überall anders, nur nicht im Heiligtum! 6 Ein schönes Beispiel für Unterordnung: nicht belehrend trat er auf, sondern sie bescheiden befragend, obwohl er sie hätte belehren können. Die Rabbis lehrten mittels Fragen und Gegenfragen. Jesus gab intelligente Antworten und stelle kluge Fragen (65,I,314). 7 Der Ind.Impf. + Ptz.Präs.Pass. drückt sehr stark die Dauer aus: er ordnete sich ihnen tagtäglich unter bis zu seinem Auftreten mit ca. 30 Jahren (13,125). 8 So, wenn man das Ptz.Präs. als vorzeitig im Verhältnis zu εγενετο auffasst (vgl. 2,1393 [A285]). Dies war eine lokale Ersterfassung für eine allgemeine spätere Steuereinschreibung, und zwar schon bevor Quirinius dann später Legat der Provinz Syria wurde (33,1004). Daher kann man übersetzen: "Diese frühere Einschreibung geschah, bevor Quirinius Legat der Provinz Syria war" (44,176; 20,88); od. als Einschub: "Die richtige erste steuerliche Einschreibung selbst geschah erst, als Quirinius Legat der Provinz Syrien war" (20,87f.90); od.: "Diese Einschreibung geschah, als Quirinius (das erste Mal) Legat der Provinz Syria war" (W.M. Ramsay). Vgl. auch die Anm.18 unten. 9 Der Messias ist also JAHWE selbst! 10 Heiliger Geist ohne Artikel bezeichnet mehr die Kraftauswirkungen des Heiligen Geistes, mit Artikel bezieht es sich auf die göttliche Person des Heiligen Geistes (13,58). Vor Pfingsten war der Heilige Geist nur auf einzelnen Gläubigen, erst seit Pfingsten wohnt der Heilige Geist persönlich in jedem Gläubigen. 11 Grammatisch zwar möglich aber eher unwahrscheinlich wäre die Übersetzung: "...den Messias JAHWE". 12 Der vermeintliche Widerspruch zu Mt 2,1-23 wird sehr gut von F. Godet aufgelöst (vgl. 20,113-115). 13 Der Impf. bedeutet vielleich: Auch nach längerem Suchen fanden sie keine Herberge und mussten mit diesem Quartier vorliebnehmen. Der Grund könnte sein, dass gerade das Laubhüttenfest in Jerusalem stattfand. An die 2 Millionen Menschen herbergten dann in Jerusalem und Umgebung (82,156). 14 vgl. Jes 9,5f. 15 od.: über seine verständigen Antworten. 16 Perfekt, denn nach jüdischem Recht gilt die Verlobte bereits als Ehefrau; vgl. Mt 1,18. Daher hätte Joseph sie auch mit einem Scheidebrief entlassen müssen. 17 Caesar Octavianus Augustus, geboren 63 v.Chr., wurde von Cäsar als Nachfolger adoptiert und ist aus dem 2.Triumvirat als Alleinherrscher hervorgegangen. Er wurde damit erster römischer Kaiser. Kaiser Augustus leitete mit seiner Alleinherrschaft die Beendigung der Bürgerkriege ein und schuf das Goldene Zeitalter des "pax romana augustae". Er wurde als "Weltheiland" gefeiert, sicherte die Ernährung Roms und baute Tempel und Theater zur Volksbelustigung. Geschenke und Speisungen an die Bevölkerung machten ihn beliebt und hielten die Bevölkerung ruhig. Das römische Herr wandelte er in ein stehendes Berufsheer um, das eine wichtige Grundlage seiner Macht war, und um die Prätorianergarde ergänzt wurde, die zu seinem persönlichen Schutz diente. Er regierte 57 Jahre lang von 31 v.Chr. - 14 n.Chr. 18 Der römische Feldherr und Konsul Publius Sulpicius Quirinius wurde von Kaiser Augustus wegen seiner militärischen Erfolge sehr gefördert und bekleidete von 11 v.Chr. bis 14 n.Chr. Ämter in verschiedenen amtlichen Stellungen im orientalischen Teil des Kaiserreiches. Er war Prokonsul von Kreta und anschließend 12-7 v.Chr. Statthalter von Galatia. Er bekleidete danach noch bis 16 n.Chr. als kaiserlicher Legat verschiedene hohe Ämter im orientalischen Teil des römischen Imperiums, in denen er sehr erfolgreich agierte. Da der eher glücklose Quinctilius Varus 7.v.Chr. gerade seine Amtszeit als Prokurator der Provinz Syro-Zilizien angetreten hatte, wurde statt ihm Quirinius von Kaiser Augustus nach Palästina gesandt, um dort eine lokale Ersterfassung für eine Steuereinschreibung durchzuführen, die Joseph und Maria veranlassten nach Bethlehem zu ziehen. Diese Steuererfassung begann schon 8 v.Chr. in Ägypten und Syrien, und erreichte dann 7 v.Chr. das Gebiet Israels. Ab 4 v.Chr. war Quirinius dann kaiserlicher Legat in der Provinz Syro-Zilizien und im Jahr 3 v.Chr. wurde er Prokonsul der Provinz Asia. Nach der Verbannung von Herodes Archelaeus wurde er von 6-9 n.Chr. Prokurator der Provinz Syro-Zilizien. Da die Römer alle 14 Jahre eine Volkszählung in den Provinzen durchführten, führte er 6/7 n.Chr. in seiner Funktion als Prokurator der Provinz Syro-Zilizien im Auftrag des Kaisers Augustus in Judäa und Samaria eine zweite Steuereinschreibung durch, die darüber hinaus auch das ganze römische Reich erfasste (Josephus, Antiquatitas XVII,13.5; XVIII,1.1). Sie wird in Apg 5,37 erwähnt und hätte keinen Ortswechsel des Joseph benötigt. Da sie aber einen Aufstand der Bewohner von Sepphoris provozierte, blieb sie beim Volk in lebhafter Erinnerung und könnte deshalb von Lukas hier erwähnt worden sein. Quirinius starb kinderlos (vgl. 20,85ff.; 52,V,427; 54,z.St.; 60,470; 64,509ff.; 65,I,309). 19 Die Entfernung von Nazareth nach Bethlehem betrug drei Tagesreisen (20,91), eine mühsame Angelegenheit für die hochschwangere Maria! Auf dieser wehenfördernden Reise hat Maria gelernt, dass auch sie unter dem Fluch steht, "mit Schmerzen sollst du Kinder gebären" (Gen 3,16b). Wie jede andere Frau, war auch sie in Sünden empfangen (Ps 51,7; Röm 3,10). 20 Auf dieser 3-tägigen Reise ritt Maria der Tradition nach auf einem Esel, was gut stimmen könnte. Dass dies bei einer Hochschwangeren die Wehen verstärkt, ist sehr gut nachvollziehbar, weshalb unmittelbar nach ihrer Ankunft die Geburt geschah. Dies führte wahrscheinlich auch dazu, dass Joseph vorerst wieder in seiner Geburtsstadt Bethlehem sesshaft wurde und nicht nach Nazareth zurückkehrte. In den ganzen Umständen vom Datum der Volkszählung und der anstrengenden Reise nach Bethlehem, erkennt man die souveräne Hand Gottes die dafür sorgte, dass sein Messias in Übereinstimmung mit den Prophezeiungen in Bethlehem (Micha 5,1; Gen 49,10) und nicht in Nazareth geboren wurde, während er in Nazareth aufwachsen sollte (vgl. die Anm. bei Mt. 2,23). 21 Bethlehem war also die Geburtsstadt von Joseph. Vielleicht zog er nach Nazareth, weil dort in der aufstrebenden Stadt Sepphoris gerade Zimmerleute gebraucht (65,I,61). 22 Dass die Hirten im Freien lagerten beweist, dass es nicht Winter, sondern Herbst war. Im Winter waren die Herden nur tagsüber draußen. Erst im 4.Jhdt. hat die Kirche den Geburtstag Jesu auf den 24.Dezember festgelegt, um das an diesem Tag stattfindende Fest zu Ehren des Sonnengottes Sols zu verdrängen (65,I,311; 82,155ff). 23 entw.: "sie war nun eine Witwe im Alter von 84 Jahren" (21,I,477; 2,372); od.: "sie war seit 84 Jahren Witwe" (20,102). Falls das zweite zutrifft, und sie mit etwa 14 Jahren geheiratet hatte und danach 7 Jahre verheiratet war, ergebe das nach 84 Jahren Witwenschaft ein Alter von ca. 105 Jahren. Wahrscheinlich wohnte sie auch in irgendeiner Ecke des Tempelkomlexes und lebte von Almosen (20,102; 65,I,313). 24 Ptz.Präs. statt Ptz.Fut, wie im Hebräischen und Aramäischen (13,95). Lukas 3 1 Jes 40,3-5 (LXX). 2 Die Armen hatten nur ein Gewand. Wer also zwei hatte, hatte mehr als er brauchte, und konnte eines abgeben an den der gar keines hatte (65,I,316). 3 Der Sold war oft gering, Erpressungen waren an der Tagesordnung. 4 Diese Menschen wollten Sündenvergebung ohne Buße. 5 "seiend ein Sohn, - wie man meinte - des Josef (V.23) ... in Wirklichkeit aber Sohn Gottes". Dem Aufbau des Stammbaums liegt die jüdische Zahlensymbolik zugrunde, die auf der Bedeutung der Zahlen 7 und 12 beruht. Die Geschichte Israels und der Menschheit wird in 11 x 7 Generationsfolgen (I.-XI., d.h. 11 Blöcke mit jeweils 7 Namen), bis auf ihren Ursprung in Gott zurückverfolgt. So erscheint Jesus als der Anfang einer neuen, nämlich der 12. Generationsfolge. In ihm erfüllt sich damit die Menschheitsgeschichte (59,79). Das Verzeichnis der Vorfahren bei Lukas ist umgekehrt aufgebaut als bei Matthäus. Es geht, im Unterschied zum Stammbaum bei Matthäus, von Jesus aus gesehen rückwärts bis zu Adam. Die Namenslisten weisen darüber hinaus einige Unterschiede auf, die man damit zu erklären versucht, dass Lukas die leibliche Abstammungslinie über Maria, Matthäus aber die rechtliche Abstammungslinie über Josef nachzeichnet. Letzte Sicherheit darüber haben wir zwar nicht, aber dies scheint sehr wahrscheinlich die beste Erklärung für die verschiedenen Stammbäume zu sein. Möglich wäre auch, dass Lukas den physischen Stammbaum von Joseph aufzeichnet (54,z.St.; 64,512). 6 Ituräa war ein Gebiet nördlich von Israel um den Antilibanon herum. Trachonitis die Landschaft nordöstlich des See Genezareth. Abilene war die Landschaft zwischen Ituräa und Damaskus, am südlichen Anti-Libanon-Gebirge (54,z.St.), nach der Stadt Abila genannt, die nordwestlich von Damaskus am Wadi Barada bei Abil es-Suk vermutet wird. Abilene wurde von dem Tetrarchen Lysanias beherrscht, den wir nur durch den Fund einer Münze kennen, auf der er als Tetrarch und Hohepriester bezeichnet wird, sowie einer Inschrift in der ein gewisser Nymphäus sich als Freigelassener des Tetrarchen Lysianas bezeichnet (20,120f; 33,718). Die Regierungszeit des Lysanias ist nicht genau festzustellen (vgl. 47,z.St.). 7 Da Tiberius schon seit 11/12 n.Chr. Mitregent war, könnte sein 15.Regierungsjahr bereits 26/27 n.Chr. gewesen sein. Falls man aber diese Mitregentschaft nicht mitzählen darf, wäre es das Jahr 27/28, vielleicht auch 28/29 n.Chr., was aber nach astronomischen Berechnungen eher unwahrscheinlich ist (54,z.St.; 66,39; 20,119ff; 2,373; 33,201; 65,I,315). Durch die Verknüpfung der Geschichte Jesu mit der Weltgeschichte weist Lukas auf die umfassende Bedeutung von Jesus hin und erweist sich als sorgfältiger Historiker. 8 Wie bei den alttestamentlichen Propheten. 9 D.h. die Taufe war nur äußeres Zeichen bzw. Beweis der innerlichen Buße, wobei der Täufling vorher in aufrichtiger Reue seine Sünden bekennen musste, vgl. Mt 3,6; Mk 1,5. 10 w.: "zum..."; aber besser: "aufgrund..." (1,463), wie Mt 3,11; 10,41; 12,41; Apg 2,38. 11 Entweder die Bußbereiten (V.10ff.) mit heiligem Geist zu Pfingsten (= den "Weizen"), oder die Unbußfertigen (V.7-9) mit Feuer im zukünftigen Endgericht (= die "Spreu"). Die sogenannte "Feuertaufe" bei Gläubigen ist ein theologischer Irrtum. 12 Auf der Tenne, einem festgetretenen Erdboden, wurde an einem windigen Tag mit der Worfschaufel das ausgedroschene Getreide in die Luft geworfen. Der Wind blies dann die Spreu weg, während der schwerere Weizen auf einen Haufen zu Boden fiel und dann, nachdem er von Steinen und Sand ausgesiebt war, in die Scheune gebracht wurde. 13 Herodes Antipas der Tetrarch, geb. ca. 20 v.Chr. als sechster Sohn von Herodes dem Großen und seiner vierten Ehefrau der Samariterin Malthake. Er erbte von seinem Vater die Tetrarchien Galiläa und Peräa, die ihm von Augustus übertragen wurden, und regierte von 4 v.Chr. - 39 n.Chr. Er war der politisch fähigste von den Söhnen des Herodes. So wie sein Vater war er ein großer Bauherr. Die Stadt Tiberias am See Genezareth wurde von ihm zu Ehren des Kaisers Tiberius erbaut. Er heiratete die Tochter des nabatäischen Königs Aretas IV, ließ sich aber dann von ihr scheiden um Herodias, die geschiedene Frau seines Halbbruders Herodes Boethos, zu heiraten. Von Johannes dem Täufer wurde er dafür öffentlich gerügt, da dies vom Gesetz Mose als Inzest verboten war (Lev 18,14). Herodes Antipas wollte Johannes zuerst töten, fürchtete aber, wegen dem Einfluss den Johannes unter den Menschen hatte, eine Revolte gegen sich und ließ Johannes nur auf der Bergfeste Machärus inhaftieren und später aber auf Drängen der Herodias enthaupten. Von da an mehrte sich das Unglück im Leben von Herodes. König Aretas IV. rächte sich für die Schmach, die seiner Tochter durch die Scheidung angetan wurde und zettelte einige Jahre später (36 n.Chr.) einen Grenzkrieg gegen Antipas an, bei dem Antipas eine schwere Niederlage hinnehmen musste. Josephus und große Teile des jüdischen Volkes betrachteten dies als ein Gericht Gottes für die Hinrichtung von Johannes. Mit Antipas als Herrscher, hatte Jesus viele Jahre zu leben. Obwohl er kein König war, wurde er oft vom Volk so bezeichnet. Wegen seiner Falschheit nannte ihn Jesus einen "Fuchs" (Lk 13,31-32). Da Kaiser Caligula kurz nach seinem Regierungsantritt seinem Günstling Herodes Agrippa I. den Königstitel verlieh, ließ das dem Ehrgeiz von dessen Schwester Herodias keine Ruhe. Sie trieb ihren Mann Herodes Antipas an, im Jahr 39 n.Chr. ebenfalls nach Rom zu reisen und beim Kaiser, um den Königstitel und eine Erweiterung seines Herrschaftsgebietes anzusuchen. Doch Antipas wurde von seinem Neffen Herodes Agrippa I. bei Caligula angeschwärzt, weil er hinter dem Rücken des Kaisers Geheimsprachen mit den Parthern getroffen hatte. Daraufhin verlor er seine Regierungsgewalt und wurde ins Exil nach Lugundum verbannt, wohin ihm auch seine Frau Herodias (aus Liebe?) folgte, obwohl der Kaiser ihr das Vermögen ihres Mannes zugesprochen hatte, und sie hätte frei bleiben können. Im Exil starb Herodes Antipas ca. 39 n.Chr. Als Ironie des Schicksals bekam dann sein Neffe Agrippa I. von Kaiser Caligula die Tetrarchie des Antipas übertragen (33,481; 42,592ff; 52,II,1092; Herodes Antipas - Wikipedia). 14 (Herodes) Philippus der Tetrarch, der siebente Sohn von Herodes dem Großen und seiner fünften Frau, Kleopatra von Jerusalem. Er wurde zusammen mit seinen Halbbrüdern Herodes Archelaeus und Herodes Antipas in Rom erzogen. Von Augustus bekam er als Tetrarch die Regierungsverantwortung über die vorwiegend heidnischen Gebiete Gaulanitis, Trachonitis, Auranitis, Batanäa und später von Tiberius noch Ituräa (Nord-Transjordanien). Er war lange unverheiratet und heiratete mit etwa 50 Jahren Salome, die Tochter von Herodias, doch dieses Eheglück dauerte nur vier Jahre, da er starb und die viel jüngere Salome als junge kinderlose Witwe zurücklies. Er unterschied sich von den anderen Mitgliedern der herodianischen Familie durch eine milde, moderate und gerechte Regierung. Er war der Beste von allen Söhnen aus dem Haus des Herodes. In seiner Würdigung der langen Regierungszeit des Philippus zeichnet Flavius Josephus (Altertümer, XVIII 4,6) von dem Tetrarchen das Bild eines uneitlen und in sich ruhenden Menschen, der seine Verantwortung ernst nahm. Er schreibt: "Er war seinen Untertanen ein milder Herrscher und ruhigen Gemütes, brachte auch sein ganzes Leben in seinem eigenen Lande zu. So oft er sich aus seinem Hause begab, nahm er nur wenige Auserlesene mit und ließ sich den Thronsessel, von dem aus er Recht sprach, auf allen Wegen nachtragen. Begegnete ihm dann jemand, der Hilfe und Beistand begehrte, so wurde der Sessel sogleich aufgestellt, und nun hielt er Untersuchung ab, bestrafte die Schuldigen und sprach die unschuldig Angeklagten frei." Nach Josephus starb Philippus in Julias und wurde in der Gruft, die er sich schon bei Lebzeiten erbaut hatte, mit großem Prunk beigesetzt. Dennoch war er der erste jüdische König, der auf seinen Münzen das Haupt der römischen Kaiser einprägen ließ. Da er kinderlos starb, wurde sein Herrschaftsgebiet nach seinem Tod bis zum Jahr 37 n.Chr. der römischen Provinz Syro-Zilizien eingegliedert. Danach übertrug Kaiser Caligula sein Herrschaftsgebiet an Herodes Agrippa I. (20,120; 33,481; Herodes Philippos - Wikipedia). 15 Tiberius wurde von Kaiser Augustus als sein Stiefsohn adoptiert, da Augustus selbst keine Kinder hatte. Nach dem Tod von Augustus wurde Tiberius im Jahr 14 n.Chr. im Alter von 56 Jahren vom Senat als dessen Nachfolger designiert und hatte durch seine schon zweijährige Mitregentschaft reichlich politische Erfahrung. Zeitlebens blieb er den Prinzipien treu, die Augustus für das römische Reich eingeführt hatte. Durch seine mürrische Art verlor er aber nach und nach das Vertrauen seiner Nation und zog sich verärgert bis zu seinem Tod in den Ruhestand nach Capri zurück. Tiberius war Kaiser vom 19. August 14 - 16.März 37 n. Chr. Immer dann, wenn in den Evangelien vom "Kaiser" gesprochen wird ist Tiberius gemeint (33,1198). 16 Pontius Pilatus wurde im Jahr 26 n.Chr. von Kaiser Tiberius als fünfter "Praefectus" (den gleichen Titel hatten auch Felix und Festus, später wurde daraus der Titel procurator) über die Provinz Judäa eingesetzt und verwaltete diese bis 36 n.Chr. Er hatte die Oberaufsicht über 4-5 Kohorten (mind. 20.000 Legionäre). Die meisten davon waren in Cäsarea stationiert, ein Teil aber auch in der Burg Antonia in Jerusalem. Als Präfekt hatte er das Recht die Todesstrafe anzuordnen. Wenn der jüdische Sanhedrin die Todesstrafe über jemanden verhängte, musste diese vorher von Pilatus ratifiziert werden. Er konnte den Beschluss des Sanhedrins aber auch für ungültig erklären. Die Hohepriester wurden von ihm eingesetzt und der Ornat des Hohepriesters war in seiner Verwahrung und wurde nur zu den dafür vorgesehenen Festlichkeiten von ihm herausgegeben. Ebenso kontrollierte er die Ordnung im Heiligtum und den Tempelschatz. Als er in die Provinz Judäa kam, bestand seine erste Amtshandlung darin die römischen Feldzeichen mit dem Bild des Kaisers öffentlich in Jerusalem aufzustellen, - was seine Vorgänger vermieden hatten, - und so die Juden zum Zorn zu reizen. Als die jüdischen Führer dagegen protestierten und ein Aufstand drohte kam er nach 6 Tagen ihrem Wunsch nach, entfernte die Feldzeichen und brachte sie zurück nach Cäsarea. In seiner Residenz in Jerusalem stellte er jedoch goldene Schilde auf, die zwar kein Bildnis, sondern nur die Namen des Kaisers und von ihm selbst eingraviert hatten. Als dem Kaiser Tiberius hinterbracht wurde, dass die Juden auch dies beanstandeten, ordnete der Kaiser an, Pilatus solle auch diese aus seiner Residenz in Jerusalem entfernen. Als Pilatus später einmal dem Tempelschatz Geld entnahm, um ein Viadukt zur Wasserversorgung Jerusalems zu finanzieren, kam es an einem jüdischen Fest zu einem Aufstand, der von ihm blutig niedergeschlagen wurde. Vielleicht gehörte auch der Turm von Siloah zu diesem Viadukt-Projekt (vgl. Lk 13,1-4). Kurz vor dem Jahr 36 n.Chr. schlug Pilatus eine bewaffnete religiöse Versammlung von Samaritern am Berg Garizim blutig nieder. Dieser Vorfall wurde dem Kaiser in Rom gemeldet, woraufhin Pilatus nach Rom zitiert wurde, um sich zu rechtfertigen. Wie diese Vorladung ausging, ist nicht bekannt, denn Kaiser Tiberius starb während Pilatus noch auf dem Weg nach Rom war. Angeblich wurde er irgendwann danach unter der Regierungszeit von Kaiser Caligula zum Selbstmord gezwungen. Philo beschreibt ihn als streng, hart, stur und von unberechenbarem Temperament, der die Juden mit ungerechten und brutalen Gewaltausbrüchen und Behandlungen, sowie durch seinen Stolz, immer wieder provozierte. Er ließ Todesurteile ohne vorherige Gerichtsverhandlung vollstrecken. Das NT beschreibt ihn daneben auch als einen schwachen Charakter, der seinen Prinzipien nicht treu blieb, da er den Juden gefällig sein wollte, obwohl er wusste, dass Jesus unschuldig war (Joh 19,6). Er hatte Angst, dass sie seinen schon angeschlagenen Ruf beim Kaiser in Rom noch mehr schaden könnten; Joh 19,12 (33,939). 17 Hannas war Hohepriester von 6-15 n. Chr. und blieb auch danach sehr einflussreich. Seine fünf Söhne und sein Schwiegersohn Kajaphas kamen nacheinander in den Besitz der Hohepriesterwürde. Kajaphas amtierte von 18-36 n. Chr. als Hohepriester und leitete den Prozess gegen Jesus (vgl. 47,z.St.). 18 Das war das Alter, ab dem ein Jude öffentlich predigen durfte. Auch die Leviten traten erst mit 30 Jahren ihren Dienst an. Doch der wichtigere Grund für Jesus war, dass der Dienst von Johannes zu Ende ging. 19 Schlangen fliehen vor Feuer (65,I,315). Lukas 4 1 Dtn 8,3. Alle drei Schriftstellen die Jesus dem Teufel entgegenhält, stammen aus Zeit der Wüstenwanderung des Volkes Israel. 2 Dtn 6,13; 10,20 3 Ps 91,11. Der Teufel verdreht die Schriften, wie auch die falschen Lehrer, die seine Knechte sind. Der Schutz in diesem Psalm wird demjenigen versprochen, der in Gottes Willen bleibt, und nicht eigene Wege geht. 4 Ps 91,12 5 Dtn 6,16 (LXX) 6 Jes 61,1f (LXX). Jesus bricht das Vorlesen mitten im Satz ab (was nach rabbinischer Vorschrift verboten war), weil der Tag der Rache erst bei seiner Wiederkunft stattfinden wird. Damit legt er den Grund zu einer differenzierten heilsgeschichtlichen Auslegung der Prophezeiungen des AT. Vergleiche weitere Beispiele für diesen "prophetischen Zeitsprung" in: Jes 11,1-16; Dan 9,26-27; Hos 3,4-5; Joel 3,2-3; Micha 5,1-4; Sach 3,8-10; 9,9-10; 13,7 - 14,21; Mal 3,1ff; Offb 12,5-6; 17,11-12 ua. 7 εως gibt auch bloß die Richtung an, ohne, dass das Ziel erreicht wird; so in Lk 4,29; 24,50 (46,84). 8 Immer dann, wenn Jesus Dämonen direkt anspricht oder wenn Satan hinter einer Sache steht, bedroht er bzw. herrscht er an (επι-τιμαω): Mt 17,18; Mk 1,25; 3,12; 8,33; 9,25; 9,42; Lk 4,39; 9,55; Jud 1,9 9 Dieser Zeitpunkt war dann wieder in Mt 16,23; 27,40ff. und Lk 22,40ff. 10 Siehe die Anmerkungen zu Mt 4,1ff. - Jesus wurde während der ganzen 40 Tage vom Teufel versucht. Die drei Versuchungen die erzählt werden, waren nur der Abschluss-Test. 11 D.h. solchen die noch nicht das Evangelium hörten. 12 Wohl wie der zeitlos-durative hebr. Imperfekt gebraucht (2,z.St.). 13 Damit ist ein "Jobeljahr" gemeint; vgl. Lev 25,10. Manche nehmen an, dass das letzte Jobeljahr erst ganz kurz zurücklag (65,I,320). 14 od.: "Du kamst, um uns zu verderben, nicht wahr?" 15 od.: "...mir ist diese Machtfülle gegeben, (und zwar) vollständig" (2,z.St.). Der Teufel ist ein Lügner, denn diese Macht ist ihm nicht gegeben (vgl. Dan 4,32 ua.), er hat sie Adam entwendet. Allerdings ist es wahr, dass er bei allen Königreichen dieser Erde im Hintergrund seine Hände im Spiel hat. Nicht umsonst nennt Jesus ihn den "Fürst dieser Welt" (Joh 12,31; 14,30), und Paulus nennt ihn den "Gott dieser Welt" (2Kor 4,4). 16 vgl. Anm. bei Mt 4,5 17 Ein phönizischer Ort, 120 km nördlich von Cäsarea, also im heidnischen Ausland. Die Bewohner dieses Gebiets wurden von den Juden besonders verachtet. Elija half der Witwe in der Hungersnot und erweckte ihren Sohn vom Tod. Vgl. 1Kön 17,1-2 (54,z.St.). 18 Etwa 2 km von Nazareth entfernt befindet sich der dschebel el-kafza (Berg des Sprunges), wohin die Juden Jesus führen wollten, um ihn dort den Abhang hinabzustoßen. Danach wollte man schädelgroße Felsbrocken auf seinen Brustkorb fallen lassen, um ihn zu töten. Dies war die vorgeschriebene Art der Steinigung. Er aber entzog sich ihnen schon bevor sie dort ankamen. An einem Sabbat war eine Steinigung eigentlich gar nicht erlaubt, aber sie waren wahrscheinlich so aufgebracht, dass sie dies vergaßen (65,I,322; 46,84). Zusätzlich hatten sie gar keine Befugnis, die Todesstrafe auszuführen, dies war den römischen Besatzern vorbehalten. Es wäre Lynchjustiz gewesen. 19 Die Juden in Galiläa waren messianischen Bewegungen gegenüber sehr zurückhaltend, weil im Jahr 6 n.Chr. ein messianischer Aufstand in der Hauptstadt Sepphoris von den Römern brutal niedergeschlagen wurde. Aufgrund dieser traumatischen Erfahrung schloss sich das wiederaufgebaute Sepphoris auch dem messianischen Aufstand 66 n.Chr. nicht an. Die Ablehnung von Jesu Anspruch der Messias zu sein, ist auf diesem Hintergrund noch verständlicher, da Nazareth nur 6 km von Sepphoris entfernt lag (65,I,321). 20 Zur chronologischen Reihenfolge der Versuchungen vgl. die Anm. bei Mt 4,8 21 Mit Vollmacht bedeutet: (1.) Nicht so wie die Schriftgelehrten (Mk 1,22), die immer die Meinung verschiedener Rabbis darlegten, wenn sie lehrten. Jesus redete direkt die Worte Gottes, er brauchte sich auf niemanden berufen. So sollten auch die Lehrer der Gemeinde lehren, und nicht indem sie ihre Zuhörer mit der Meinung verschiedener Kommentatoren ermüden, sondern indem sie durch den Heiligen Geist aus der Schrift gezeigte "Aussprüche Gottes reden" (1Pet 4,11). (2.) Gott bestätigte die Worte Jesu durch Zeichen und Wunder. Dies war später in der Gemeinde den Aposteln und Evangelisten in der Anfangszeit vorbehalten. Vgl. Anm. bei Apg 2,43 22 Man kann im NT verschiedene Grade von Dämonisierung (Besessenheit) finden. Bei diesem Mann äußerte sich die Dämonisierung im täglichen Leben nicht, sonst hätte er nicht in die Synagoge dürfen. Erst als er mit dem Heiligen konfrontiert wird, outen sich die Dämonen aus ihm ("wir...uns..."). In Mk 9,17-18 dürfte der Dämon von Zeit zu Zeit den Jungen angefallen haben. Es gibt aber auch Fälle von schwerer Dämonisierung (Mt 15,22) und von schwerster, unbeherrschbarer und gefährlicher Dämonisierung (Mk 5,1-9). Manchmal quälen die Dämonen Menschen mit Krankheiten (Mt 9,32-33; 12,22; Lk 13,11-13 ua.). In anderen Fällen benützt Satan Menschen, auch Gläubige, um das Werk Gottes zu hindern (Lk 4,38-39; Mt 16,23), oder Gläubige lassen sich von Satan zum Bösen beeinflussen (Apg 5,1-5; 1Tim 4,1). Es gibt nur ein Beispiel, wo beschrieben wird wie Satan von einem Menschen Besitz ergreift, und zwar bei Judas (Lk 22,3; Joh 13,27), aber Judas war kein echter Gläubiger (Joh 13,10-11). - In der Frage, ob Gläubige heute noch die Vollmacht haben Dämonen auszutreiben, ist die Christenheit gespalten. Was aber auf jedem Fall in unserer Macht steht, ist Dämonisierte im Gebet stellvertretend vor den Herrn zu bringen, wie die vier Freunde des Gelähmten (Mk 2,1-12), und den Herrn zu bitten sie freizumachen, sodass Satan weichen muss (vgl. Lk 4,38c). Im Notfall, wenn man dämonisch attackiert wird, kann man sicher auch im Namen Jesu gebieten. Aber eingebildete Vollmacht ist gefährlich (Apg 19,13-17; 2Pet 2,10b-11; Jud 1,8-10). Lukas 5 1 w.: "da war er stehend...", dem Hebräischen nachgebildet (20,182), am besten zu übersetzen als umschriebenes Imperfekt (2,z.St.). 2 Mögl. wäre auch ein durativ-iterativer Impf.: Die Netze fingen an der einen und anderen Stelle schon an einzureißen (und drohten daher bald ganz zu zerreißen, was den Verlust der Fische bedeutet hätte). Allerdings wäre das Simplex ρεγνυμι (= reißen), im ingressiven Aorist, dann die passendere Wortwahl gewesen. Jedenfalls ist die richtige Übersetzung für die sicherlich beabsichtigte Anwendung auf das Menschenfischen (Vers 10) wichtig: (1.) Petrus muss durch die Vergebung seiner Sünden (Vers 8) erst wiedergeboren werden, um ein Menschenfischer werden zu können. (2.) Ohne den Herrn (Vers 5) kann er gar nichts tun. (3.) Im Dienst für Jesus kann man schnell an die äußersten Grenzen stoßen, man droht zu zerbrechen, zerbricht aber doch nicht, man droht unterzugehen, geht aber doch nicht unter. Vergleiche Paulus in 1Kor 15,30-31; 2Kor 1,8-10; 11,23ff ua. Der Herr wird uns beistehen, seinen Missionsauftrag auch auszuführen. - Die wörtliche Übersetzung in der Elberfelder Bibel (ab 2003 korrigiert!), oder im sonst so wörtlichen Münchener NT, schließt schon der Kontext aus. Wären die Netze wirklich zerrissen, wären die Fische zum großen Teil verlorengegangen, und es wäre gar nicht zum Sinken der Schiffe gekommen. Wären die Schiffe wirklich gesunken, hätte das Gespräch zwischen Jesus und Petrus im Boot gar nicht mehr stattfinden können, und sie hätten nicht mehr an Land fahren können (Vers 11). Ein warnendes Beispiel, wie eine wörtliche Übersetzung, ohne Beachtung der grammatischen Besonderheiten, den Sinn verdunkeln kann. 3 Gab es vielleicht zwei verschiedene Arten von Schiffen zum Fischfang, ein größeres, und ein kleineres Beiboot? 4 Durch das Gewicht der vielen Fische, sank das Schiff bedrohlich, und der Wasserpegel erreichte beinahe den Bord-Rand (13,92). Bezüglich einer übertragenen Anwendung siehe die Anmerkung2 oben. 5 Verneinter Imp.Präs.: "Höre auf dich zu fürchten"; od.: "Du brauchst dich nicht (mehr länger) zu fürchten". 6 Ein lederner Beutel in dem Wasser oder Wein aufbewahrt wurde. Meist der vollständige Ziegenbalg, der zusammengenäht und an den Nähten verpicht, einst wie heute, im Orient zum Transport von Flüssigkeiten (Wein, Wasser, Öl) benutzt wurde, während zur Aufbewahrung der Flüssigkeiten meist Tongefäße dienen. Vgl. noch Mk 2,22 7 Ein schönes Beispiel dafür, wie ein persönlicher Auftrag (an Petrus), dann als Team ausgeführt wird (vgl. Apg 16,10), weil sich alle vom Befehl des Herrn angesprochen fühlen. 8 od.: "...um das Wort Gottes zu hören" (2,z.St.). 9 Vgl. Anm. bei Mt 9,16-17 10 Es waren runde Wurfnetze, 3-5 m im Durchmesser, die von Land oder vom Boot aus ins Wasser geworfen wurden und dank der Bleigewichte an den Rändern rasch sanken (54,z.St.). 11 Das Fischen am See Genezareth brachte nachts mehr ein (65,I,324). Der Gehorsam des Petrus ist daher umso erstaunenswerter und wird belohnt. 12 Vgl. Jer 16,16a; Hab 1,14-15 13 Die folgende Vorgeschichte von Vers 2-9 ist wichtig, für das richtige Verständnis der Parallelstellen in Mt 4,18-22 und Mk 1,16-20 14 Auf der Wasseroberfläche werden die Schallwellen besser weitergeleitet. Jesus konnte daher besser von den Menschen am Ufer gehört werden. 15 Das gibt Mut im Glauben für andere zu beten. Natürlich hatte auch der Gelähmte selbst Glauben (Lk 5,25), sonst hätte er sich gegen diesen Transport verwehrt. Lukas 6 1 Das war nach Ansicht der Pharisäer Ernte-Arbeit, die am Sabbat verboten war (54,z.St.). 2 Die gekauften Sklaven des Priesters durften übrigens schon vom Heiligen essen. Lev 23,11! 3 Hier ist der Räuber gemeint, weil er zuerst den außenliegenden Mantel gewaltsam wegreißt. In Mt 5,40 aber ist der Prozessgegner gemeint. Siehe die Anmerkung dort. 4 Andere zu segnen ist ein vergessener Befehl unseres Herrn (1Pet 3,9), allerdings in manchen christlichen Kreisen auch falsch verstanden und missbraucht. Der Zusammenhang zeigt, dass wir nur Ungläubige segnen sollen, im Besonderen unsere Feinde. Gläubige brauchen wir nicht zu segnen, denn sie sind von Gott "gesegnet mit jeder Art von geistlichem Segen" (Eph 1,3). Wenn Pastoren ihre Gemeindeglieder "segnen", - was gut und aufrichtig gemeint sein kann, - maßen sie sich eine Vollmacht an, die Gott nicht vorgesehen hat. Außerdem stehen sie in der Gefahr von Überheblichkeit, denn der Segnende fühlt sich leicht dem Gesegneten überlegen (vgl. Heb 7,7). 5 Von den Söhnen eines guten Menschen erwartete man, dass sie sich wie ihr Vater verhielten. Und so sollen sich auch Gottes Kinder wie er verhalten. 6 Welche Art von Richten gemeint ist, zeigen die Verse 41-42 und Röm 14,4ff. Vgl. im Gegensatz dazu 1Kor 5,3.12. Die Verse 37-38 könnte man unter das Motto stellen: "Was ein Mensch sät, wird er auch ernten" (Gal 6,7 ). 7 In Palästina sieht man häufig hinter Dornhecken Feigenbäume, die ganz von hinaufwachsenden Weinreben umrankt sind. Am Boden wachsen Disteln (20,236; 65,I,333). Niemand glaubt aber, dass man deshalb Feigen oder Trauben von einer Dornhecke pflückt. 8 Dieses Wort wird nur hier gebraucht, wo Jesus davon redet, dass man auch dort leihen soll, wo man nichts zurückerwarten kann. Das soll aber weder einem erschöpfenden und irrationalen Verleihen noch einem Borgen ohne jeden Gedanken an die Rückerstattung das Wort reden. Jesus meint hier einfach ein Handeln nach der christlichen Liebe an solche, die es wirklich nötig haben. 9 Die folgenden Imp.Präs. zeigen, dass dieses Handeln der Jünger dauerhaft, und nicht nur einmalig sein soll, - ein Charakterzug sozusagen. 10 Vom Verkäufer wird das Messgefäß über einem Getreidesack zwischen seinen Knien dreiviertel mit Getreide angefüllt. Dann rüttelt er das Getreide zusammen damit sich die Körner senken. Dann häuft er noch einmal etwas bis zum Rand drauf. Er schüttelt es nochmals, drückt es mit der Hand nieder und lädt nochmals etwas auf, solange bis gar nichts mehr Platz hat. Danach häuft er noch eine kegelförmige Spitze drauf, sodass einiges über den Gefäßrand in den Getreidesack zurückfällt. Nun hat nichts mehr Platz. Dann leert er dem Käufer das Getreide in die Gewandfalte, die über den Gürtel fällt. Sie wurde als Tasche verwendet. So wird auch Gottes Maß für uns sein, wenn wir großzügig geben (14,220; 65,I,332). 11 Vielleicht war er vorher ein Mitglied der Zeloten-Bewegung, die mit Gewalt gegen die römische Vorherrschaft revoltierte. Möglich ist auch, dass er nur wegen seines eifrigen Charakters so genannt wurde (33,1273). 12 Es gibt zwei Arten von hören, - solches das auch gehorchen will (Präsens) und solches, das nur hinhört (Aorist) und gleich wieder vergisst (13,81). Das Fundament eines echten Glaubens ist: Glaubensgehorsam. 13 Bauern brauchten häufig Darlehen, um Saatgut zu kaufen. Zinssätze bis zu 48% waren keine Seltenheit. Verleihen war also ein gutes Geschäft. Doch kurz vor dem Erlassjahr wollten viele kein Darlehen mehr leihen, da aufgrund von Dtn 15,9 jedes siebte Jahr alle Schulden annulliert wurden (65,I,78.331). 14 Vgl. 1Kor 6,7b 15 Zum richtigen Verständnis des Zusammenhangs siehe die Verse in Mt 7,15.21-23. Sie beschreiben, wie man falsche Propheten beurteilt und schließen an das Thema "Richten" in Mt 6,37 an. Es geht hier um ein falsches Bekenntnis von falschen "christlichen Propheten." Darüber hinaus ist die Bildrede natürlich auch auf Gläubige anzuwenden. 16 Das folgende Gleichnis beschreibt anschaulich, was vorgeht, wenn man einen anderen richten will (vgl. Mt 7,1-5), ohne genaue Kenntnis seiner Motive zu haben (vgl. Röm 15,14 als zusammenfassenden Abschluss des ganzen Kapitels von Römer 15 über das Richten). Man ist dann wie ein Blinder, der einem Blinden helfen will, oder wie einer der einen Balken im Auge hat und meint, dass Problem des anderen richtig beurteilen zu können (vgl. 20,234f). 17 Dieser Zusammenbruch geschieht bei den Ungläubigen beim letzten Gericht, für die Gläubigen beim Richterstuhl Christi. Lukas 7 1 Jes 29,18; 35,5-6; 42,18; 26,19; 61,1 2 Ex 23,20; Mal 3,1 - Im AT ist damit Jahwe gemeint, in der neutestamentlichen Erfüllung aber der Messias Jesus, dessen Weg Johannes vorbereitete (20,248). 3 Auch in Galiläa waren kleinere römische Heereseinheiten stationiert, und ausgediente Soldaten siedelten sich oft hier an (65,I,334). Vgl. die Parallelen zu der ebenfalls nahe Kafarnaum stattgefundenen Heilung in Joh 4,46ff. Hatte der Centurio diese Heilung vielleicht als ermutigendes Vorbild? 4 Das in der Öffentlichkeit vor Männern gelöste Haar einer Frau galt bei den jüdischen Frauen als große Demütigung und Schande; vgl. Num 5,18 (20,254; 14,127). 5 Konativer Impf.: "...versuchte sie schnell abzuwischen" (34,I,566), weil sie sich schämte? 6 Iterativer Impf.: die Füße heftig abküssen und voll Inbrunst mit Küssen bedecken. Ein Zeichen demütigster Dankbarkeit gegenüber einem Lebensretter (14,126). Dies tat sie, weil sie durch Glauben die Sündenvergebung durch Jesus (wegen seiner vorausgegangenen Predigt?) bereits angenommen hatte, wie Jesus nachher auch bestätigt. 7 Zuerst ein präsentischer Aorist der ein semitisches "statives Perfekt" wiedergibt, dann ein Perfekt bei der Sünderin, - aber kein Perfekt bei Simon, sondern bei ihm ein Präsens, dass die Sündenvergebung noch offenlässt. Simon hatte, im Gegensatz zur Sünderin, noch keine Sündenvergebung erlangt (14,127; 34,I,561ff.). Das Perfekt streicht heraus, dass ihr ihre vielen Sünden durch ihren Glauben schon vergeben waren bevor sie zu Jesus kam, um ihm ihre Dankbarkeit darüber zu erweisen. 8 Begründend: "...das sieht man daran, dass sie mir viel Liebe erwies". Der Gedanke, dass man durch das Ausüben von Liebe Sündenvergebung bekommt, liegt der Aussage Jesu fern, wie auch Vers 50 deutlich macht. Ihr Glaube hat sie errettet, ihre Liebestat war aber der Beweis und die Frucht dieses Glaubens. 9 D.h. er bat Jesus, dass sein Sklave "durchkommt" und nicht stirbt. 10 Vielleicht Ind.Präs.: "... gibt es einen anderen den wir erwarten sollen" (2,z.St.). 11 D.h. von denen die zum Glauben kamen/kommen (vgl. Spr 9,1-12). Falls hier ein gnomischer Aorist vorliegt, wäre präsentisch zu übersetzen: "wird gerechtfertigt von..." (2,z.St.). - Johannes hat die Buße gepredigt (Klagelieder), Jesus die Gnade (Freudenlieder), doch beide Boten wurden samt ihren verschiedenen Botschaften von Israel abgelehnt (20,252). Auch wir werden bei unserer Evangeliums-Verkündigung Anstoß erregen, doch wir dürfen nicht auf Zurufe reagieren, sondern unser Verhalten soll sich an Gottes Weisheit orientieren (Kol 4,5; Eph 5,15-17). 12 Dieser andersartige war Simon. Er hatte zwar, objektiv gesehen, weniger Sünden als die Prostituierte (V.47), aber er war von andersartiger Gesinnung als sie. 13 Nach rabbinischer Vorschrift durften Juden die Häuser von Heiden nicht betreten, weil sie sich dadurch verunreinigen würden. 14 Ein Begräbnis durfte man eigentlich nicht unterbrechen. Die Totenbahre anzurühren war nach rabbinischer Tradition strengstens verboten, weil es verunreinigte (34,I,557; 65,I,335). Aber: "...dem Reinen ist alles rein" (Tit 1,15). 15 Wie konnte die Frau Zugang zum Haus des Pharisäers haben? Normalerweise gab es einen Türhüter. War er vielleicht sogar ein "Kunde" von ihr und sie kam durch einen Nebeneingang? Jedenfalls erkannte er sie sofort als die Prostituierte der Stadt. - Vielleicht hatte sie am selben Tag Jesus predigen gehört, wurde dabei von ihren Sünden überführt und glaubte an ihn. Nun wollte sie ihm ihre Dankbarkeit zeigen (34,I,564f; vgl. auch: 65,I,338). 16 Alle drei Handlungen waren zwar bei einem gewöhnlichen Besucher nicht notwendig, sie hätten aber von besonderer Wertschätzung gezeugt (34,I,568). 17 Bei festlichen Anlässen lag man auf Polstern, die um einen niedrigen Tisch in der Mitte gruppiert waren. Man stützte sich auf den linken Ellbogen und langte mit der rechten Hand zu. Die Füße waren nach hinten vom Tisch weg ausgestreckt (54,z.St.; 65,I,338). Das erklärt warum die Frau von hinten zu den Füßen Jesu Zugang hatte. 18 Ein kleiner Ort in Galiläa, 8 km südöstlich von Nazareth, am Nordabhang des Dschebel el-dahi, in der lieblichen und fruchtbaren Jesreel-Ebene gelegen. Es heißt auch noch heute Nain (33,810; 46,206; 54,z.St.). 19 Impf.: d.h. sie war schon lange in der Stadt als Prostituierte bekannt. 20 In seiner apologetischen Verteidigungsschrift schreibt der frühe Kirchenhistoriker Eusebius an den Kaiser Quadratus, dass manche von denen die von Jesus geheilt oder vom Tod auferweckt wurden später noch lebten und gut bekannt waren (Eusebius, Kirchengeschichte, IV,3). 21 Für einen Hauptmann war dies ein großes finanzielles Opfer (65,I,334). 22 Eine Heilung über Distanz, war ein außergewöhnliches Wunder. Es ist eine große Ermutigung für die Gläubigen, denn der Herr ist jetzt im Himmel und hilft uns von dort aus. 23 Eine schwere Beleidigung, denn darauf stand nach Dtn 21,20 die Todesstrafe (65,I,337). 24 Verneinter Imp.Präs.: "Weine nicht mehr weiter". 25 Es ist hier der allgemeine Beschluss Gottes, dass jeder der seine Sünden bekennt und von Johannes getauft wird, gerettet werden soll (1Tim 2,4.6a "für alle" = im Hinblick/als Angebot für alle). Diesem Ratschluss kann man sich durch Ungehorsam widersetzen, denn es gibt keine "unwiderstehliche Gnade" (vgl. Joh 5,40; Mt 23,37b). Der Mensch hat zwar keinen freien Willen, doch Gott gibt ihm das Recht sein Rettungsangebot abzulehnen. In Eph 1,11 haben wir hingegen den persönlichen Ratschluss Gottes für seine Auserwählten. Diesen wird er ausführen. Vgl. auch die Anm. zu Mt 23,37b Lukas 8 1 Damit wird der Grund für das erste Gleichnis in Jesu Lehrtätigkeit angegeben. Es soll zeigen, dass von der großen Volksmenge nicht alle seiner Botschaft glauben werden. Durch Gleichnisse beginnt er zu sichten. Alle haben zwar Augen, um seine Wunder zu sehen, und Ohren, um das Evangelium zu hören, aber sie haben ihr Herz dick gemacht und ihre Augen und Ohren bewusst geschlossen (Mt 13,11-16; Apg 28,24-27). So wie einst Pharao (Ex 7,13-14; 8,28), haben sie sich zuerst verstockt, bevor ihnen durch die Gleichnisse auch noch der kleine Rest unverständlich wurde, den sie hatten (Mt 13,12). Sie waren nicht vorherbestimmt zum Unglauben, es war ihre Entscheidung. Die Jünger hingegen, die schon auf Jesus vertrauten, bekamen durch die Auslegung der Gleichnisse noch mehr Einsicht in die Geheimnisse Gottes. - Zum kulturellen Hintergrund vgl. Mt 13,10ff. 2 Die Öllampe mit Docht, sie braucht immer wieder neues Öl, um zu leuchten (20,266). 3 Der Leuchter ist ein Gestell, auf das die Öllampe gestellt wurde. Vielleicht symbolisch für das Predigtamt der Jünger (20,266). 4 Möglicherweise handelt es sich hier um ein Sprichwort, dass Jesus in verschiedenen Situationen verschieden anwendet (z.B. in Lk 12,2). Die Geheimnisse des Reiches Gottes waren bisher verborgen (Mt 13,10-12), nun werden sie den Jüngern geoffenbart, damit sie diese später in der Evangeliums-Verkündigung allen offenbar machen. Wenn sie das nicht treu tun, wird ihnen die Erkenntnis, die sie haben schrumpfen und schließlich ganz weggenommen werden (75,136). Vgl. auch die Anmerkungen bei Lk 12,2-3 5 Denn alle vier Ackerböden hörten das Wort, aber nicht mit der rechten gehorsamen Herzenseinstellung! Die Jünger müssen den Worten Jesu gut zuhören, denn sie werden diese Botschaft später aller Welt predigen (2Kor 5,19b). Lukas streicht hier die Haltung hervor ("...wie ihr hört"), mit der die Jünger Jesus zuhören sollen. In Mk 4,24 steht: "...was ihr hört", was sich auf den Inhalt von Jesu Lehre bezieht. Beides ist wichtig. 6 D.h. eine Grundeinsicht in Gottes Gedanken; od.: ein gutes Herz? (V.15); od.: Frucht? 7 "...dem wird gegeben", d.h. entw.: noch tiefere Erkenntnis der Geheimnisse des Reiches Gottes; od.: noch mehr Frucht zu bringen? od.: Belohnung? 8 Die Quaste am untersten Zipfel des Oberkleides (vgl. Num 15,38; Sach 8,23). Sie fiel jedem der von hinten an den Herrn herankam besonders ins Auge und könnte bei der blutflüssigen Frau auch eine Erinnerung an Num 15,39 ausgelöst haben, was zu einer Überführung von ihrem ausschweifenden Leben führte. Blutfluss war nämlich damals oft die Folge einer Geschlechtskrankheit. Nach Num 15,38 und Dtn 22,12 musste sich jeder Israelit solche Quasten selbst an den vier Ecken seines Oberkleides befestigen. Offensichtlich befolgte auch der Herr Jesus diese Anordnung, obwohl es sich nur um eine Äußerlichkeit handelte. Vgl. auch Mt 9,20 und 14,36. Diese Art der Heilung mit Berührung der Quaste, dürfte sich herumgesprochen haben und führte zu einer Art Vermischung von Glaube und Aberglaube (vgl. Mt 14,36). 9 Andersartig, weil nicht so bekannt bzw. vornehm? Dass Frauen in Jesu ständiger Gefolgschaft waren, galt als anrüchig und war bei den Rabbis unüblich. 10 D.h. wahrscheinlich, dass die ausgesäten Weizensamen in den Boden fielen, in dem sich bereits die Dornensamen befanden, die von der am Feldrand stehenden Dornenhecke abgefallen waren. Beides sprosste dann auf, aber die wuchernden Dornen wuchsen schneller und erstickten den aufsprossenden Weizen. Die Felder waren damals oft von Dornenhecken eingezäunt, die als natürlicher Schutz vor Tieren dienten. 11 Winde die vom Mittelmeer her, durch die Berge Galiläas auf eine Höhe von 600 - 1000 m hochgedrückt wurden, "fallen" dann nach der letzten Bergkette heftig auf den See herab, der 209 m unter dem Meeresspiegel liegt (59,87). 12 Nach Mk 5,22 gab es mehrere Synagogenvorsteher, Jairus war einer davon. 13 Der Glaube hat sie nicht nur geheilt, sondern von ihrer Sünden gerettet. Jesus sucht immer die Heilung des ganzen Menschen (vgl. Mt 9,2; Lk 7,48-50). 14 Konativer Impf.: "sie lag in den letzten Zügen" (13,92). 15 Aus jüdischer Sicht konnte nach Ps 107,29 nur Gott dem Wind und den Wellen gebieten. Daher auch die Reaktion der Jünger in Vers 25 (65,I,341). 16 Zweimal ein durativer bzw. konativer Imperfekt: "...das Schiff füllte sich mehr und mehr mit Wasser, sodass sie zu kentern drohten". 17 Indem Lukas zweimal die 12 Jahre hervorhebt, möchte er uns sicherlich auf etwas hinweisen. Das Mädchen lebte 12 Jahre keusch und rein, - und war trotzdem todkrank. Die Frau litt seit 12 Jahren wahrscheinlich an den Folgen einer Geschlechtskrankheit (vgl. die Anm.8), - auch sie war schwer krank. Aber Beide brauchten Erlösung. 18 Sie war aus Magdala, eine Stadt nördlich von Tiberias, am Westufer des Sees Genezareth, wahrscheinlich das heutige El-Megdil (20,259; 54,z.St.). 19 War dies vielleicht der königliche Beamte aus Joh 4,46ff, dessen Sohn von Jesus geheilt wurde und der mit seinem ganzen Haus gläubig wurde? Dies würde erklären, warum seine Frau einfach mit Jesus mitziehen und die Gruppe auch finanziell unterstützen durfte (20,259). Lukas 9 1 Hier beginnt die letzte Reise nach Jerusalem, die Reise ans Kreuz. Jerusalem lag nur 3 bis 4 Tagereisen entfernt und nach Mt 19,1ff und Mk 10,1ff scheint diese Reise kurz gewesen zu sein, bei Lukas nimmt sie allerdings 10 Kapitel ein (vgl. Lk 9,51; 13,22, 17,11ff), denn sie dauerte in Wirklichkeit ein paar Monate (20,318). Jesus zog also recht langsam von Ort zu Ort und predigte in allen Dörfern (vgl. auch Lk 10,1-2). Zuerst reiste er durch das südliche Galiläa, dann über den Jordan ins nördliche Peräa (Mt 19,1; Mk 10,1) und erst danach wieder zurück über den Jordan durch Samaria (Lk 17,11). Danach reiste er weiter nach Jericho (Lk 19,1) und schließlich nach Jerusalem (Lk 19,11.28). 2 2Kön 1,10.12. Die Erscheinung Elijas auf dem Berg der Verklärung kurz davor, dürfte sie sehr beeindruckt haben. 3 Die oft vorgebrachte Ansicht mit dem Kreuz seien persönliche Schwächen, Krankheit oder ein persönliches Schicksal gemeint, dass man geduldig ertragen muss, ist abzulehnen. - Jesus zeichnet hier vielmehr ein Bild für die Bereitschaft seiner Jünger zu Leid und möglichem Martyrium um des Glaubens willen (2,z.St.). Die zur Kreuzigung Verurteilten mussten den Querbalken des Kreuzes selbst zur Hinrichtungsstätte tragen. Jemand der auf der Via Dolorosa gehend, seinen Kreuzesbalken trug, hatte mit seinem irdischen Leben abgeschlossen. Für Jesu Jünger bedeutet dies, sich Tag für Tag vom Eigenwillen und persönlichen Wünschen und Neigungen zu verabschieden. Dies ist mit innerlichem und äußerlichem Leid verbunden (20,298; 21,IV,308). 4 Denn die Idee war vom Teufel (20,324). Vgl. die Anm. bei Lk 4,35. Gerade diese beiden Jünger bedurften einer besonderen Korrektur. Vergleiche auch ihre falsche Herzenseinstellung in Mk 10,35ff. 5 Die frommen Juden taten dies, wenn sie heidnisches Gebiet verließen, um das Land Israel nicht zu verunreinigen. Die Jünger sollten also damit diesen jüdischen Bewohnern zeigen, dass sie diese Dörfer mit heidnischem Gebiet gleichstellten (vgl. 38,I,571). 6 Viell.: sich in die Dörfer aufteilend (2,z.St.), z.B. zwei und zwei. 7 D.h. jeder Jünger hatte nach getaner Arbeit seinen Handkorb voll mit Speiseresten für sich. Dies ist eine beabsichtigte Anwendung des Herrn für den zukünftigen Dienst seiner Jünger. "Wer gibt, dem wird gegeben werden". Vgl. auch Mt 6,33 8 Wörtlich "seine Seele", damit ist die Gesamtheit der natürlichen Triebe und Fähigkeiten gemeint (20,299), also der egoistische Eigenwille, die eigenen Sehnsüchte, Wünsche, Pläne, usw., und im äußersten Fall auch das physische Leben, und damit die Bereitschaft zum Martyrium. Darüber hinaus vielleicht auch noch die materiellen Güter von denen wir meinen, sie wären für unser Leben unentbehrlich. Vgl. die Anm. zu Lk 17,33 9 In Gräz. auch ein medizinischer Ausdruck. Lukas der Arzt kennt wohl das Symptom von seiner Beobachtung der Epilepsie. Er weiß aber, dass hier dämonische Besessenheit die Ursache der Krankheit ist. 10 D.h. prägt euch gut ein (2,z.St.). 11 D.h. er nahm es sich fest vor (vgl. Jes 50,7). 12 Ähnliches wird auch uns widerfahren, wenn wir Menschen überzeugen wollen Jesus aufzunehmen. Wie reagieren wir dann? 13 Für die Samariter war auf dem Berg Garizim der richtige Ort, um Gott anzubeten. Jerusalem als Anbetungsort lehnten sie ab, daher unterstützten sie Pilger auf dem Weg dorthin auch nicht (vgl. Joh 4,20ff). Sie waren irregeleitet durch eine falsche Tradition und durch falsche Belehrung. Darum ist Jesus ihnen auch gnädig, und weist die Jünger wegen ihrer Rachsucht streng zurecht. 14 Außer das Kreuz. Siehe Joh 19,30, wo der Heilige Geist das gleiche Wort inspiriert hat, es kommt nur an diesen beiden Stellen im NT vor. 15 D.h. entweder, dass der Vater schon alt war und bald sterben würde, oder schon im Sterben lag. Eher aber, dass der Vater gerade gestorben war, und der Mann noch die von den Rabbis vorgeschriebenen und lange dauernden Begräbnisfeierlichkeiten ausrichten wollte (34,II,133). Doch Jesu Auftrag ist dringend und erlaubt keinen Aufschub (vgl. Lev 21,11; Num 6,6-7). 16 D.h. von seiner Familie. Auch eine solche Verabschiedung dauerte im Orient etliche Tage. Jesus aber war unterwegs, wer mit ihm gehen wollte, musste es sofort tun. 17 Gemeint ist wahrscheinlich, dass man durch Selbstverleugnung und Verzicht um Jesu willen, den höheren Sinn seines Lebens behält (vgl. Vers 25: "sich selbst"), anderseits verliert man diesen, wenn man egoistisch "das Leben auskostet" oder gar feige den Glauben verleugnet. Vgl. Jer 39,18. 18 Diese Voraussage bezieht sich sicherlich auf die darauffolgende Begebenheit auf dem Berg, wo die drei Jünger den Herrn in seiner zukünftigen königlichen Herrlichkeit sahen, die er im tausendjährigen Reich haben wird. Daher folgt im Vers 28: "Es geschah ... nach diesen Worten". 19 Der iterative Imperfekt drückt aus, dass die Vermehrung der Brote immer wieder in seinen Händen geschah (13,91; 20,290), und nicht in den Händen der Apostel. Die Apostel mussten also immer wieder zu ihm zurückkehren, um neue Brote zu holen. Das ist wichtig für die geistliche Anwendung. Wir müssen uns Tag für Tag in unserer persönlichen Andachtszeit immer wieder neue Kraft und neue Aufträge von unserem Herrn holen, wenn wir den Menschen dienen wollen. 20 Vgl. 1Kön 19,20. Beim Pflügen musste man den Blick streng auf den Weg vor sich und auf ein feststehendes Ziel richten, damit die Furchen gerade wurden (65,I,350). 21 Das durative Präsens drückt aus, dass man seinen Eigenwillen und seine Wünsche krampfhaft festhalten will, der punktuelle Aorist, dass man bereit sein soll, diese im entscheidenden Augenblick loszulassen. 22 Bedeutet das, beim Richterstuhl Christi? 23 Nach Mt 8,18 war Jesus gerade unterwegs auf dem Weg zum See Genezareth, um in ein Boot zu steigen, und von Kapernaum wegzufahren. Er trat seine letzte Reise nach Jerusalem an (Vers 51), und würde nicht mehr nach Kapernaum zurückkehren (vgl. auch die Anm.1 oben). Daher war der Ruf in die Nachfolge auch so dringlich, man musste sich sofort entscheiden, wenn man ihm nachfolgen wollte. 24 Der Artikel drückt aus, dass es der nächstgelegene hohe Berg bei Cäsarea Philippi ist, nämlich der Hermon. Vgl. die Anm. bei Mt 17,1 (20,303). 25 Diese Aussage von Herodes scheint ein Widerspruch zu seinen Aussagen in den Parallelberichten in Mt 14,1-2 und Mk 6,14 zu sein. Folgendes dürfte sich zugetragen haben: Herodes hört von den Wunderberichten Jesu, und, dass einige Leute behaupten Jesus sei der auferweckte Johannes der Täufer, worauf seine erste Antwort die in Lk 9,9 ist. Doch in weiterer Folge übernimmt er die Ansicht aus der Volksmenge, dass Jesus wirklich der auferweckte Johannes sei, vielleicht um damit sein Gewissen zu beruhigen, dass Gott sein Verbrechen wieder gut gemacht hat. 26 Da es sich nach Mt 14,13; Mk 6,31 und Lk 9,12 um einen öden Ort gehandelt hat, muss es die unbewohnte Gegend im Küstengebiet, südlich der Stadt, gewesen sein. Die Stadt selbst lag ein Stück weiter landeinwärts (20,288; 76,372f). 27 In Mk 6,8 sagt Jesus, sie sollten nur den Wanderstab mitnehmen, den sie schon haben. Hier aber und in Mt 10,9-10 sagt er, sie brauchen keinen neuen Wanderstab für die Reise anschaffen (20,283). Diese Reise dauerte, wie ein Vergleich von Mk 6,7ff mit Mk 6,30ff zeigt, nicht sehr lange. 28 Vgl. die Anm. zu Mt 17,1 29 Da die leibliche Auferstehung der Heiligen zu diesem Zeitpunkt noch nicht geschehen war, erscheinen Mose und Elija als "Geister der vollendeten Gerechten" (Heb 12,23b). Genauso wie auch die Engel bei ihren Erscheinungen vorübergehend einen materiellen Körper annehmen konnten, wird es wohl auch hier der Fall gewesen sein (20,305). Lukas 10 1 Wie im AT: Num 11,24-25; Dtn 6,5; Jos 22,5 2 Lev 19,18. Wer der Nächste ist, wird im nachfolgenden Gleichnis erzählt, nämlich der den Juden verhasste Samariter. 3 "Hinauswerfen" statt senden (απο-στελλω), weil die Versuchung groß ist nicht freiwillig zu gehen, wenn man gerufen wird? 4 D.h. bei der Anrufung deines Namens (2,z.St.). - Die Überraschung erklärt sich vielleicht durch den Misserfolg in Lk 9,40, und daraus, dass der Herr den 70 Jüngern, im Gegensatz zu den Aposteln (Lk 9,1a), nicht explizit die Vollmacht gegeben hatte Dämonen auszutreiben (20,334), sondern nur, Kranke zu heilen (Lk 10,9). 5 Vgl. Eph 6,12 6 Iterativer Ind.Impf. (sah jedes Mal) + Ptz.Aor. (fallen) betont die Gleichzeitigkeit des Geschehens: "...ich schaute jedes Mal zu, wenn ihr einen Dämon ausgetrieben habt, so als ob der Satan dabei aus der Himmelswelt fällt" (20,334; 13,90). "...aus dem Himmel fallen" war ein bildlicher Ausdruck und ist nicht wörtlich zu verstehen (65,I,352). Durch jede Dämonenaustreibung verliert der Satan an Macht. In Offb 12,9 wird er schließlich mit seinen Engeln endgültig aus dem Himmel geworfen. Bis dahin hat er allerdings Zugang zu Gott, um uns bei Gott zu verklagen, - und er ist jetzt "der Gott dieser Welt" (2Kor 4,4). 7 Jesus wird hervorgehoben und den Jüngern gegenübergestellt (1,246). Die Jünger zogen weiter, während er selbst allein in das Dorf ging. Vgl. Lk 24,36 und Mt 8,24 8 Eine bejahende Antwort wird erwartet. Der Vorwurf ist sehr schroff. 9 Eine hebr. Redewendung: das bessere von zweien; od.: das Beste von Mehreren. Eine Anspielung auf Ps 16,5-6 (59,93). 10 Der Lohn besteht demnach in der Versorgung durch die Gastfreundschaft und nicht in Geld. Vgl. Mt 10,10b. Dieser Satz wird von Paulus in 1Tim 5,18 zitiert und dort einem Zitat aus dem AT gleichgestellt. Damit anerkennt Paulus das Lukasevangelium als inspirierte Heilige Schrift. 11 vgl. Anm. zu Lk 9,5 12 Bevor Jesus ins Haus kam, war auch Maria mit Küchenarbeit beschäftigt (vgl. Vers 39 "...die sich auch zu den Füßen Jesu niedersetzte"). Dann ließ sie aber Martha beim Herd allein zurück und hörte lieber Jesus zu ("...zurückließ..."). Martha richtet ihren Vorwurf an Jesus selbst. Sie meint, er müsste Maria ermahnen, ihr weiter in der Küche zu helfen. 13 od.: durcheinandergewirbelt (1,1655). 14 Jesus wäre wohl auch mit einer ganz einfachen Mahlzeit zufrieden gewesen. 15 Es genügt also nicht, nur für Arbeiter zu flehen, wenn man selbst erwählt ist hinauszugehen, aber nicht gehen will. Andererseits ist es Gottes souveräne Entscheidung, wen er sendet. 16 Er bringt das Wort "Samariter" nicht über die Lippen. Jesus will ihm sagen: "Auch ein Samariter ist dein Nächster". Wir dürfen nicht fragen, "wer ist mein Nächster und wer nicht", sondern wir sollen dem Bedürftigen Liebe erweisen, den Gott uns gerade über den Weg führt. 17 Die Palmenstadt Jericho ist mit 259 m unter dem Meeresspiegel die tiefst gelegene Stadt der Welt und ca. 25 km von Jerusalem entfernt, welches 750 m über dem Meeresspiegel liegt (54,z.St.). Man musste also von Jerusalem bis Jericho 1000 Höhenmeter bergab gehen. Dieser einsame Pilgerweg war noch in den 1950-er Jahren berüchtigt für Raubüberfälle, und noch mehr zu neutestamentlicher Zeit. Auf der Höhe des Weges liegt der alte Rastplatz chan hatrur, wo Wanderer schutzlos waren, und Räuber lauerten. Vielleicht knüpft Jesus an einen Überfall an, der kurz davor stattfand (14,201; 46,261). 18 Die Samariter waren bei den Juden nicht nur verhasst, weil sie "Mischlinge" waren, sondern auch, weil sie einige Jahre davor in einer Passah-Nacht den Tempelschatz im Jerusalemer Tempel mit Totengebeinen verunreinigten (Josephus, Antiquitates, XVIII, 30). Die Ansicht, dass Jesus mit dem barmherzigen Samariter sich selbst meint, ist zwar eine schöne Anwendung aber keine gute Exegese. 19 Viele Hs. haben hier "...siebzig", eine häufige symbolische Zahl im AT. Das würde den 70 Ältesten Israels entsprechen (Ex 24,1.9; Num 11,16.24). Diese Jünger wurden hier ja zu den "verlorenen Schafen des Hauses Israel" gesandt (vgl. 27,150f; 59,91). 20 Eine Begrüßung dauerte im Altertum länger als heute. Es war aber Eile angesagt. 21 Das sind zwei Tageslöhne. Der Tagesbrotbedarf eines Menschen betrug damals 1/12 Denar (14,203). 22 Indem Jesus die Frage so formuliert, gibt er dem Schriftgelehrten in Vers 29 eine zweifache Antwort: (1.) Der Barmherzige, der seinen Nächsten liebte wie sich selbst, ist nicht ein jüdischer Priester oder Levit, sondern ein von euch verachteter Samariter. (2.) Und dein Nächster ist der von euch verhasste Samariter. 23 Das Wort Arbeiter ist möglicherweise bewusst vorangestellt, um zu betonen, dass der Herr in der Mission solche braucht, die auch hart arbeiten wollen und nicht nur die Anerkennung von Menschen suchen. Es ist übrigens der Herr selbst, der sich seine Gesandten aussucht und sie dann durch den Heiligen Geist aussendet (vgl. Apg 13,2.4a), und nicht die Gemeinde oder eine "Missionsgesellschaft". Die Gemeinde entlässt nur diese Arbeiter aus ihrer Mitte, um sie dem Werk Gottes zur Verfügung zu stellen. 24 Hier wahrscheinlich symbolisch gemeint; vgl. Ps 91,13 (20,335), obwohl es auch buchstäblich geschehen ist (Apg 28,3-6). 25 Die Begebenheit hier und die in Mt 22,34ff und Mk 12,28ff, fanden wahrscheinlich zu verschiedenen Zeitpunkten statt, denn sowohl die Örtlichkeit, als auch die Umstände, sind verschieden (20,343f). 26 Die erste Frage bezieht sich auf den buchstäblichen Wortlaut des Gesetzes, die zweite auf dessen Anwendung, d.h. wie verstehst du das Gelesene in seiner Anwendung? Vgl. Vers 28: "...dies tue". πως ist eine Fragepartikel der Art und Weise. Jesus ist ein hervorragender Lehrer, er lässt den Schriftgelehrten die Antwort selbst geben, - ebenso in Vers 36. Das ist didaktisch sehr klug. 27 Der Priester kam herab von Jerusalem Richtung Jericho. Wahrscheinlich kam er gerade von seinem Priesterdienst im Tempel zurück, um nach Hause zu gehen. Er hatte also keine Ausrede, dass er sich beeilen musste, um rechtzeitig seinen Dienst anzutreten, oder sich für den Priesterdienst nicht verunreinigen dürfe. 28 Sodom war eine Stadt im Tal Siddim, die wegen der Sünde ihrer Bewohner von Gott vernichtet wurde (Gen 19,1ff.). Heute liegt sie vermutlich unter dem Toten Meer. Chorazin war eine Stadt in Obergaliläa, 5 km nördlich von Kafarnaum (54,z.St.). 29 Der Hades ist kein neutrales Totenreich, sondern der Aufenthaltsort der Ungläubigen bis zum letzten Gericht schon vor dem Endgericht. Es herrscht dort eine schreckliche Qual (Lk 16,23). Lukas 11 1 Imp.Präs. entw. iterativ: "gib uns immer wieder Tag für Tag..."; oder durativ: "gib uns beständig Tag für Tag" (20,355). 2 Die Bewirtung eines Gastes war höchste Pflicht, selbst um Mitternacht. Dem Gast musste ein frischer unangebrochener Brotfladen angeboten werden. Im Orient schlafen bis heute ärmere Familien im Mafradj nebeneinander auf Decken am Boden, das Haus hatte ohnehin meist nur einen Aufenthaltsraum. Wenn dann einer aufstand, weckte er die anderen auf. Und auch den hölzernen Riegel der Tür zu öffnen, wäre sehr laut und würde alle aufwecken (14,157; 65,I,357). 3 Nach Ansicht der jüdischen Rabbis, konnte nur der kommende Messias einen stummen Dämon austreiben (= ein Messias Wunder). Daher waren sie in Erklärungsnot und mussten eine andere Erklärung finden, denn Jesus war für sie nicht der Messias (Dr. A. Fruchtenbaum: Die drei messianischen Wunder Jesu, Seite 10). 4 od.: "...Familie wendet sich gegen Familie". 5 Präs. viell.: ...nach langem Suchen? 6 Andersartig, weil noch böser als er. 7 Wahrscheinlich will Jesus diesen ganzen Vergleich allegorisch auf das Volk Israel, bzw. speziell auf dessen Führer anwenden, weil sie ihn nun endgültig ablehnten, denn in Mt 12,45 wendet er den Vergleich auf das Volk Israel an. 8 Ein Beispiel für falsche Marienverehrung. 9 Wahrscheinlich aus Sawba im heutigen Jemen. 10 Eigentlich das Frühmahl, aber dazu war der Tag schon zu weit fortgeschritten, nachdem was vorher schon alles geschehen war. Daher das Mittagsmahl. 11 Diese musste laut Mischna aber nicht verzehntet werden (1,1320)! 12 D.h. sie gehen nichtsahnend darüber und verunreinigen sich dadurch rituell. 13 Vgl. Gen 4,8.10 und 2Chr 24,20-21. Das Buch Genesis war das erste und das Buch 2.Chronik das letzte der historischen Bücher im hebr. AT (65,I,361). Gemeint ist wohl: alle Gerechten seit Erschaffung der Menschen bis zurzeit von Jesus. Damit bestätigt der Herr die Gültigkeit des gesamten Alten Testaments, weil er ein Ereignis aus dem ersten und eines aus dem letzten Buch der hebräischen Bibel aufgreift (54,z.St.). 14 Vielleicht auch: jmdm. auf den Mund schauen (1,201). 15 Sie hofften ein unbedachtes Wort aus seinem Mund aufzufangen, um es in einer Anklage gegen ihn verwenden zu können (vgl. 2,439). 16 Das bedeutet: "bewahre uns davor in eine Versuchung zu kommen, wo wir sündigen". - Da das "Vater Unser" in den Evangelien nicht gleichlautend überliefert ist, wird der Herr den Wortlaut wohl als Mustervorlage für jedes Gebet gemeint haben. Ein rituelles Aufsagen des "Vater Unser" ist für die Urgemeinde nicht bezeugt und durch den verschiedenen Wortlaut in den beiden Evangelien ausgeschlossen. Vgl. auch die Anm. bei Mt 6,9. 17 Für das richtige Verständnis dieser Verheißung ist zu beachten, dass sie noch unter den Bedingungen des alten Bundes ausgesprochen wurde. Heiliger Geist steht hier ohne Artikel, d.h. die Kraftwirkung des Heiligen Geistes ist gemeint. Unter dem alten Bund kam der Heilige Geist sporadisch auf ausgewählte Gläubige (Propheten, Könige, Priester; z.B. Lk 1,15.41.67), um sie für eine besondere Aufgabe auszurüsten. Aber seit Pfingsten wohnt der Heilige Geist als Person in jedem Gläubigen. Man empfängt ihn nicht durch Bitten, sondern aufgrund der Wiedergeburt (Röm 8,9b; Eph 1,13f). Jesus lehrte die Jünger hier, um die Hilfe des Heiligen Geistes zu bitten, die es ihnen ermöglichen wird die Jüngerschaft zu leben. Der Heilige Geist ist die Macht, die es uns ermöglicht, ein christliches Leben zu führen. Der Vater wird uns diese Kraft gerne geben, wenn wir ihn darum bitten. Es geht bei dieser Aussage also nicht um die Person des Heiligen Geistes, sondern um seinen hilfreichen Dienst in unserem Leben. Das wird in der Parallelstelle in Mt 7,11 deutlich, wo es heißt: "wieviel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, Gutes geben denen, die ihn bitten" (vgl. 48,278f). 18 od. semitisch: "damit er sich nicht schämen muss, wenn er ihm nichts gibt" (14,157). Die Anwendung dieser Bildrede für uns ist diese: Gott ist unser Freund, er hat was wir (für andere!) brauchen, er wird uns geben, was wir brauchen, wenn wir ihn beharrlich darum bitten. 19 Gemeint ist wahrscheinlich die Lehrautorität der Rabbis, um Vorschriften zu "binden", d.h. für verbindlich zu erklären und Vorschriften wieder zu "lösen", d.h. Dinge für erlaubt zu erklären. Sie "banden" immer wieder neue Vorschriften den Menschen als Bürde auf, aber sie "lösten" keine dieser Vorschriften mehr auf (34,II,213). 20 Was Jesus hier meint, erklärt er in Lk 17,21 21 In dieser Bildrede ist der Starke Satan, der die Besessenen wie seine Beute bewacht. Der Herr Jesus aber ist der Stärkere, der sie ihm raubt, indem er die Dämonen austreibt (Kol 2,15). 22 Siehe Mt 12,38. Es spricht für Jesu sanftmütigen Charakter, dass er die Zeichenforderung von Vers 16 anprangert, und nicht die unverschämte Beleidigung von Vers 15, er würde die Dämonen durch Beelzebul austreiben. 23 Der Kontext deutet darauf hin, dass Jesus mit der Leuchte wahrscheinlich sich selbst meint, d.h. seine Lehre und sein Leben, worauf man achten soll, weil er größer als Salomo und Jona (Vers 31-32) ist. Da Jesus sich vorher mit Jona verglich, der nach drei Tagen aus dem Wal kam, hat er vielleicht auch darauf hinweisen wollen, dass er diese "Leuchte" für seine Jünger nach seiner Auferstehung sein will. Wenn dann die Jünger seine Lehre und sein Vorbild durch ihr geistiges Auge in sich hineinlassen, werden sie selbst erleuchtet. Und wenn dann ihr ganzer Leib licht ist, hat er das Ergebnis von Mt 5,14-16. Dort ist das Licht aber der durch den Heiligen Geist veränderte Lebenswandel der Jünger, die Frucht des Geistes die sich in guten Werken zeigt (vgl. Eph 2,10). - Jesus könnte mit der Leuchte aber auch bloß das buchstäbliche Auge meinen. Durch unsere Augen kommen nämlich viele Eindrücke in unser Herz, gute und böse (Habsucht, böse Lust, udgl.). Je nach dem, erleuchten sie unser Inneres oder verdunkeln es. Vgl. auch die Anmerkungen zu Mt 6,22-23, wo Jesus die gleiche Bildrede zu einem anderen Zeitpunkt, für einen anderen Zweck und mit einer anderen Anwendung erzählt. - Im AT war die Leuchte auch eine Metapher für das Leben selbst; vgl. Hiob 21,17; Spr 20,20 (33,672), sowie für das Wort Gottes (Ps 119,105). 24 Mit Geschlecht (γενεας) kann dem Kontext nach hier nur das jüdische Volk gemeint sein, und nicht irgendeine bestimmte Generation. Daher ist wahrscheinlich auch in Mt 24,34 und Mk 13,30 γενεας mit "Geschlecht" zu übersetzen. 25 Wie es freilich auch Maria in Lk 2,19.51 im Herzen tat. Lukas 12 1 Ex 12,11. Sich um den Arbeitsschurz oder das Gewand einen Gürtel legen, und dann das Gewand hochgürten, damit man mehr Bewegungsfreiheit für die Füße hat. Das Umgürten der Lenden war ein gängiges Bild für die Bereitschaft zum Dienst, hier zum treuen Dienst bis der Herr kommt (47,z.St.). 2 Vgl. Mi 7,6. Es handelt sich also um einen Generationskonflikt, Alte gegen Junge und Junge gegen Alte. Die Parallele in Mt 10,37 macht deutlich, dass der Konflikt um des Evangeliums willen entsteht. Die Missionsgeschichte zeigt, dass die jüngere Generation das Evangelium oft schneller und bereitwilliger aufnimmt als die Alten, die in ihrer Tradition verhaftet bleiben, was zu diesem Konflikt führt. 3 Heuchelei bedeutet, dass Wahre zu verhüllen und Falsches vorzuspielen. Daher ist in Vers 2 mit dem, was verhüllt ist und bekanntgemacht wird, kontextgetreu sicherlich die Heuchelei der Pharisäer gemeint, die durch Jesus in Lk 11,39ff aufgedeckt wurde. Im Gegensatz dazu (ανθ ων), sollen die Jünger die Wahrheit die bis dahin verhüllt war, dann ohne Menschenfurcht (vgl. Vers 4ff) durch ihre Predigt offenkundig machen. Wie in Lk 8,17 will Jesus den Jünger sagen, dass sie, die jetzt nur schüchtern und leise reden, die Wahrheit öffentlich predigen werden (20,379; 8,z.St.). Vgl. auch die Anm.23 unten. - Eher unwahrscheinlich ist die Übersetzung: "Deshalb, alles, was ihr in der Dunkelheit gesagt habt...", im Sinne einer Warnung an die Jünger zu verstehen, keine Heuchelei zu betreiben wie die Pharisäer (so in: 1,146; 2,440; 7,z.St.; 44,228). 4 Als juristischer t.t.: die Aussage bei einer richterlichen Vorführung. Vielleicht ist das auch hier die Bedeutung, wie Vers 11 nahelegt. Vgl. auch Lk 9,26. 5 In den Papyri von einem unvollendeten Vertrag: in d. Schwebe sein; zwischen Furcht und Hoffnung schwebend sein; daher auch: ängstlich, unruhig oder besorgt sein (1,1041). Oder vielleicht, wie in der LXX in Ps 131,1: überheblich sein (34,II,217). 6 Die rechte Gottesfurcht befreit von Menschenfurcht. - Niemand im NT hat öfters von der Hölle gesprochen als Jesus! 7 Ein Kupfergeld, wobei 16 Assarion einer griechischen Silber-Drachme entsprechen (bzw. einem römischen Silber-Denar). Das Gewicht betrug ca. 3,9 Gramm Silber. 1 Assarion entspricht also 1/16 des Tagelohns eines Arbeiters und war bei den Juden sprichwörtlich für einen geringen Geldbetrag. Nur das Lepton (Strong Nr. 3016) war ein noch geringerer Betrag. 8 Der Gläubige, der in der Gemeinde als Verwalter des Herrn handelt, wird hier in seiner Beziehung zum himmlischen Herrn, Sklave genannt. Darum nannten sich die Apostel "Sklaven Jesu Christi", es ist der vornehmste Titel, den ein Gläubiger hier auf Erden haben kann. Freilich nennt Jesus seine Jünger die ihm gehorchen auch Freunde (Joh 14-15; Lk 12,4). Dieser Verwalter kann treu sein (Vers 42-44), selbstherrlich sein (Vers 45-46), untreu und ungehorsam sein (Vers 47), oder oberflächlich und faul sein (Vers 48). 9 Die Präsens sprechen vom gewohnheitsmäßigen Handeln. 10 od.: "...seinen Platz wird er ihm anweisen". - Das Entzweischneiden ist auch aus anderen heidnischen Regionen des griechischen Ostens bezeugt (65,I,368). Dies wird das Schicksal der falschen christlichen Führer sein, z.B. mancher Päpste im Mittelalter und christlicher Verführer in der Neuzeit. 11 Das Lepton war die kleinste jüdische Lokalwährung, wobei 1 Denar ein Tageslohn war und 128 Leptons entsprachen einem Denar. - Der ganze Vergleich zeigt, dass der gedachte Prozessgegner im Recht war und der Angesprochene ihm etwas schuldet. Auch wir werden immer wieder an unseren Mitmenschen schuldig, und eine rasche Versöhnung bewahrt uns vor Gottes härterem Eingreifen. 12 Bei Nacht ließ man gerne eine Öllampe brennen, da das Feuermachen am Morgen schwierig war (vgl. 47,z.St.). Ein Bild für ständige Wachsamkeit in dieser Welt der moralischen Finsternis, und die ständige Erwartungshaltung auf das Kommen des Herrn. 13 Diese Verse setzen die geographischen und klimatischen Verhältnisse von Palästina voraus. Im Westen liegt das Mittelmeer, im Süden die Wüste Sinai (vgl. 47,z.St.). Insbesondere sind die Verhältnisse von Peräa gemeint, wo Jesus sich gerade befand, denn im nördlichen Galiläa erwartete man nicht den heißen Schirokko (34,II,220). So wie diese Wettervorhersagen auf der Hand lagen, so auch die Wahrheit von Jesu Vorhersagen. 14 Gemeint ist, das überbordende und gesetzliche Lehr-System der Pharisäer, das menschliche Vorschriften zur Schrift hinzufügt, wobei diese menschlichen Vorschriften manchmal sogar geschickt Gottes Wort aufheben. In Mk 8,15 nennt Jesus auch noch den Sauerteig der Sadduzäer, die nur die fünf Bücher Mose als inspiriert anerkannten und liberal waren (heute z.B. die liberale Theologie), sowie den Sauerteig des Herodes, der die Religion für politische Zwecke nützte (heute z.B. die Befreiungstheologie). Heuchelei ist für jeden Christen der treu nach dem Wort Gottes leben will, eine Gefahr, denn der Heuchler versucht nach außen hin besser zu erscheinen als er in Wirklichkeit ist. Gottlose Menschen hingegen heucheln meist nicht, sie rühmen sich sogar ihrer Bosheit, sie leben sie offen aus und verbreiten sie (Röm 1,32b). 15 Gemeint ist natürlich das Feuer des Heiligen Geistes, durch welches die Jünger ab Pfingsten die Arbeit Jesu fortsetzen sollten. Vorher aber musste Jesus noch sterben. 16 Im Unterschied zum Sklaven in Vers 45f., der einem nicht Wiedergeboren entspricht (vgl. Mt 24,51), ist dieser Sklave zwar ein Wiedergeborener, aber ein untreuer Arbeiter. Dies ist verwerflicher als das Verhalten des nächsten Sklaven in Vers 48. Die bildliche Prügelstrafe dürfte sich beim Richterstuhl Christi auswirken, wie das Futur zeigt. 17 Im Unterschied zum Sklaven in Vers 47, entspricht dieser Sklave einem oberflächlichen Gläubigen, der aufgrund eigener Schuld nur wenig Verständnis vom Willen Gottes hat. Die bildliche Prügelstrafe dürfte sich beim Richterstuhl Christi auswirken, wie das Futur zeigt. 18 Vgl. die Anm. bei Mt 10,33. 19 Die Erbaufteilung war genau geregelt: der älteste Sohn bekam doppelt so viel wie die weiteren Söhne. Will dieser Mann genauso viel wie sein älterer Bruder? 20 Das war übliche Praxis. 21 Hier die "Hochzeit des Lammes" zu sehen, und in den Knechten den Überrest Israels, ist hineingelesen. Petrus bezieht in Vers 41 diese Ermahnung eindeutig auf die Jünger, also auf die Gemeinde. Das Warten auf den Bräutigam bei einer Hochzeit, war ein gängiges Bild. 22 Die folgende Bildrede verwendete Jesus auch schon in Mt 5,25-26, aber zu einem früheren Zeitpunkt und mit einer anderen Anwendung. Bei Matthäus ging es um eine rechtzeitige Versöhnung mit einem Mitmenschen, an dem man schuldig geworden ist. Hier bei Lukas geht es um die rechtzeitige Versöhnung mit Gott vor dem endgültigen Gericht (20,397). 23 Vielleicht war Vers 2 ein gängiges rabbinisches Sprichwort, dass Jesus bei verschiedenen Gelegenheiten verschieden benützt hat: (1.) Hier, um die Heuchelei der Pharisäer und Schriftgelehrten aufzudecken. (2.) In Mk 4,22 für den Auftrag an die Jünger, dass Evangelium zu verkündigen. (3.) In Mt 10,26.27 als Ermutigung für die furchtlose Verkündigung des Evangeliums. 24 D.h. als Konsequenz des vorigen Gleichnisses. Wie man mit Sorgen umgehen soll, sagt uns Phil 4,6 und 1Pet 5,6-7. 25 Unsere Lebenszeit ist aufgrund von Gottes Vorherwissen festgesetzt (Ps 139,16), was aber nicht ausschließt, dass ein unvernünftiger Lebenswandel unsere Lebenszeit unnötig verkürzt, was aber auch unter Gottes Vorherwissen fällt. 26 Dies macht deutlich, dass man den Zeitpunkt der Wiederkunft und der vorherigen Entrückung, nicht berechnen kann. Der Herr lässt den Zeitpunkt offen, damit die Bereitschaftshaltung lebendig bleibt (vgl. Vers 45). 27 Die Verse 22-53 waren nämlich an die Jünger gerichtet. Nun wendet sich Jesus an die Volksmenge. - Die ähnlichen Worte in Mt 16,1-4 wurden zu einem anderen Zeitpunkt gesprochen. 28 Im NT fast immer von dem, was man im Überfluss hat und nicht unbedingt benötigt. Lukas 13 1 Ps 103,12 (LXX). - Die Senfstaude (lat.: brassica nigra) ist zwar botanisch kein Baum, sie wird aber in der Gegend um den See Genezareth bis zu 3 m hoch und überragt damit im Gemüsebeet alle anderen Gemüsepflanzen wie ein Baum. Im Arabischen heißt sie daher sajjarat al-Hardal (= Baum des Senfs). Das Nisten der Vögel war ein Bild für die Herrlichkeit eines irdischen Königreiches (Dan 4,7-9). Das irdische Königreich Gottes (= das Christentum) hat sich tatsächlich über die ganze Welt ausgebreitet, doch auch fremde Dinge wurden dabei hineingemischt. Man denke nur daran, dass Kaiser Konstantin das Christentum zur Staatsreligion erklärte. Diese ungute Vermischung könnte Jesus mit dem nächsten Gleichnis vom Sauerteig angedeutet haben. Ansonsten wäre dies die einzige Stelle im NT, wo Sauerteig als ein positives Bild verwendet würde, was natürlich nicht ausgeschlossen ist. Vgl. aber auch die Anm. bei Mt 13,33. 2 Ps 6,9; 1Makk 3,6 3 Lk 19,38; Ps 118,26 4 Das erfüllte sich 40 Jahre später um 70 n.Chr. durch die Römer, die den letzten Überrest der galiläischen Bevölkerung, der sich in das Heiligtum geflüchtet hatte, dort abschlachteten und so auch "ihr Blut mit ihren Schlachtopfern vermischten" (20,399). Die Zahl 40 ist die symbolische Zahl für Prüfung und Bewährung. Gott gab dem Volk Israel 40 Jahre Zeit, auf die Predigt von Johannes dem Täufer, von Jesus und von den Aposteln mit Buße zu reagieren, aber das Volk tat es nicht. So folgte das Gericht 70 n.Chr. in der Zerstörung Jerusalems, des Tempels und der Zerstreuung der Juden unter alle Nationen. 5 D.h. die Krankheit war zwar vom Teufel (V.16), aber dass sie besessen war wird nicht gesagt (34,II,224). 6 Jesus heilte gerade deshalb gerne am Sabbat, weil der siebente Tag im Garten Eden, der erste Lebenstag für den Menschen war, und er an diesem Tag noch nichts arbeiten musste. Gott arbeitete sechs Tage für ihn und der Mensch konnte am siebenten Tag in Gottes Werk ruhen. Das ist die geistliche Art und Weise, wie auch die Gläubigen der Gemeinde den Sabbat halten (Heb 4,9-11a). 7 D.h. zum selben Zeitpunkt als sie im Heiligtum ihre Opfertiere schlachteten, wurden sie von den Soldaten des Pilatus niedergemetzelt. Über diesen wohl politisch begründeten Mord an galiläischen Festpilgern, die während des Passahfestes ihre Opfertiere im Heiligtum darbringen wollten, erwähnt auch Josephus nichts. Manche meinen, es könnte mit dem Bau der Wasserleitung in Verbindung stehen, die aus dem Tempelschatz bezahlt wurde. Die darauf entstandene Revolte wurde nämlich von Pilatus blutig niedergeschlagen (65,I,370) 8 Dies erfüllte sich ebenso 40 Jahre später im jüdischen Krieg 70 n.Chr. als die angezündeten Häuser genau an diesem Ort einstürzten (20,399). 9 εγ-κρυπτω (verbergen), und nicht μιγνυμι (vermischen) was viel passender wäre. Das Wort εγ-κρυπτω findet sich auch in LXX Jos 7,21. Dort bedeutet es, etwas (mit üblen Hintergedanken) verstecken. Es ist wohl bewusst gewählt, da Sauerteig in der Bibel sonst immer ein Bild für Böses ist, wahrscheinlich auch hier. 10 3 Sat = ca. 40 Liter, das sind ca. 70 kg Mehl (nach Gen 18,6 aber nur 22 kg). Es ergibt Brot für ca. 100-150 Personen. Denkt Jesus an eine Hochzeitsgesellschaft? Nach anderen war dies allerdings die Menge, die man für eine Ofenfüllung nahm (20,402). 11 w.: "...bin ich am Ziel"; entw.: übermorgen...; oder ist es eher eine Anspielung auf die Auferstehung am dritten Tag? 12 Gemeint ist die Zerstörung Jerusalems 70 n.Chr. 13 Der Anschluss ist in Vers 26: "Dann, wenn aufsteht..., dann werdet ihr anfangen..." Gemeint ist die Zeit des letzten Gerichts (20,404). 14 Die fuchsartige Verschlagenheit des Herodes Antipas war kein Vorurteil Jesu, sondern allseits bekannt (38,II,200f). 15 Das ist eine ungewöhnliche Pflege, den die anspruchslosen Feigenbäume müssen in Palästina nicht gedüngt werden (15,IV,325), oft aber geschah es dennoch, um den Ertrag zu erhöhen. Längstens drei Jahre brauchte ein frischgepflanzter Feigenbaum, um Früchte zu tragen. Wenn er danach noch immer unfruchtbar war, musste er entfernt werden, da er den Boden unnötig auslaugte (34,II,246f). Mit der fürbittenden Weingartenarbeiter meint Jesus wohl sich selbst. Sein Dienst an Israel näherte sich dem Ende von drei Jahren und eine Bekehrung des Volkes, für das der Feigenbaum ein Bild war (Joel 1,7), war nicht mehr zu erwarten. 16 Dies war nach rabbinischer Lehre erlaubt (34,II,225). Damit beschämte sie Jesus, denn was sie für ihre Tiere taten, wollten sie dieser armen Frau nicht gewähren. 17 Sprichwörtlich für eine kurze Zeit (34,II,302). 18 Ein Turm in der Nähe des Teiches Siloach, der die Wasser der Gihon-Quelle sammelte. Dieser Turm stand ganz im Südosten Jerusalems, auf einer schräg abfallenden Felsgrundlage, die den Einsturz leicht erklären würde. Er schützte das Quell-Tor (Neh 2,14) Jerusalems (54,z.St.; 46,329). Vom Einsturz dieses Turmes wird zwar sonst nirgendwo berichtet, es könnte aber sein, dass dies im Zuge des Viadukt Baues geschah, den Pilatus durchführen ließ (vgl. 34,II,222; 47,z.St.). - Die Lehre daraus ist, dass nicht jedes Leiden oder Unglück eine direkte Strafe für Sünden ist. Wohl aber ist es eine Warnung für uns alle, wie kurz das Leben und die Gelegenheit zur Buße sein kann. 19 Die Juden gingen davon aus, dass fast alle Juden gerettet werden (65,I,372), doch Jesus warnt, dass nur wenige durch die enge Tür gehen, um gerettet zu werden. 20 Der Feigenbaum war ein gängiges Bild für das Volk Israel. Mit diesem Gleichnis will Jesus zeigen, dass es nur eine begrenzte Zeit zur Buße gibt, hier für Israel, in weiterer Anwendung aber für alle, sowohl für die Ungläubigen (Heb 3,7f.) als auch für die Gläubigen (Offb 2,21). Manchmal ist die Zeit zur Buße nur kurz, wie z.B. in Apg 5,7-8. 21 Zum Verständnis der beiden folgenden Gleichnisse vergleiche die Anmerkungen bei Mt 13,31-33. 22 Die Bildrede von der engen Tür ist eine Erklärung Jesu dafür, warum nur wenige gerettet werden (V.23). Zu einer anderen Gelegenheit (Mt 7,13-14) hat Jesus gesagt, dass nur wenige den schmalen Weg finden, der zur engen Tür führt. Zweifellos gibt es viele, die lieber den breiten Weg gehen, weil er bequemer ist. Doch hier sagt Jesus, dass es Menschen gibt, die versuchen durch die enge Tür einzugehen, aber es nicht können. Wie ist das zu verstehen? Am ehesten so, wie es John Bunyian in der "Pilgerreise" beschreibt. Der Pilger kann erst durch die enge Tür eingehen, wenn er den Rucksack seiner Sünden fallen lässt. Manche Menschen wollen zwar das ewige Leben haben und in den Himmel kommen, aber sie sind nicht bereit über ihre Sünden Buße zu tun. 23 Dies ist, neben Lk 7,30, eine der klarsten Schriftstellen gegen die Lehre von der "unwiderstehlichen Gnade". Denn hier tritt Gottes Retter-Wille für die Bevölkerung Jerusalems klar zu Tage. Natürlich könnte man haarspalterisch sagen, alle die nicht wollten waren nicht erwählt. Aber jemanden vorzuwerfen, dass er etwas nicht getan hat, was er gar nicht kann, wäre sehr zynisch. 24 Die Reden und Begebenheiten von Lk 13,22 bis Lk 18,14 sind Sondergut des Lukas, welches sich nur bei ihm befindet. Vgl. Lk 1,1-4 Lukas 14 1 D.h. jemand mit einer anderen Art von Ausrede. Wenn er fünf Paar Rinder auf einmal kaufen konnte, war er wohlhabend und hatte Knechte. Seine Ausrede ist daher umso verwerflicher. Der Dritte ist unhöflicher als die beiden Vorigen, denn er bittet nicht einmal um Entschuldigung. Ein frisch verheirateter musste zwar ein Jahr lang nicht in den Krieg ziehen, zu einem Fest zu kommen, war ihm aber ohne weiteres möglich (65,I,376). 2 Im semitischen Sprachgebrauch bedeutet hassen nur, jemanden zurücksetzen, bzw. ihn nicht mehr zu lieben als jemand anderen (vgl. Ge 29,31; Mt 10,37). Hier bedeutet es, Gott und seine Rechte höher zu setzen als alle verwandtschaftlichen Bindungen, und alle eigenen Bedürfnisse (Dtn 33,8-9; Lk 16,13; 18,29). 3 Die vornehmsten Gäste kamen gewöhnlich zuletzt (14,191). 4 Sklave mit Artikel bedeutet nicht, dass er nur diesen einen Sklaven hatte, sondern dieser war der Sklave, der für die Einladungen zuständig war (13,54). Diese Gleichnis wurde zu einem anderen Zeitpunkt gesprochen als das ähnliche in Mt 22,1ff. Vgl. auch die Anmerkungen dort. 5 Dies war unerhört und unüblich, und für Jesu Zuhörer schockierend. Aber so ist Gott, er lädt uns Bettler ein. Vgl. auch Vers 13 6 Mit dem stärkeren König könnte Jesus Gott selbst gemeint haben. Der unbekehrte Sünder befindet sich im Krieg mit Gott (Jes 27,4b-5). Er muss Frieden machen mit Gott, und Gott hat die Friedensbedingungen klar formuliert (Kol 1,20; 2Kor 5,19-20; 1Joh 1,9; Röm 5,1). 7 Einige Jahre nach Jesu Vergleich, begann im Jahr 36 n.Chr. König Aretas IV. einen Krieg gegen seinen Schwiegersohn Herodes Antipas, weil dieser sich von seiner Tochter scheiden ließ, um Herodias, die geschiedene Frau seines Halbbruders Herodes Philipp zu heiraten. Aretas war in diesem Krieg so erfolgreich, dass er die Armee von Herodes vollständig zerstörte, denn Herodes hatte sich in der Stärke seiner Truppen gründlich verrechnet. 8 od. als ingressiver Aorist: "Ich bin im Begriff zu kaufen...". Das würde die Notwendigkeit der vorherigen Begutachtung logischer machen (84,94). Doch Vers 20 ist ein eindeutiger Aorist der Vergangenheit ("...habe geheiratet"), was dagegensprechen würde. 9 Die Nötigung ergibt sich aus der orientalischen Sitte, eine Einladung aus Höflichkeit nicht sofort anzunehmen (14,177; 84,95). Dass der Kirchenlehrer Augustinus auf dieses Wort seine "Zweischwerter-Theologie" aufbaute, wonach man das Evangelium notfalls auch mit Gewalt verbreiten muss, ist eine absurde Anwendung, die der Gesinnung Jesu völlig zuwiderläuft (Joh 18,11; Mt 26,51-52), aber leider in den Kreuzzügen weitergeführt wurde. 10 Die Gläubigen sind das Salz der Erde (Mt 5,13). Wenn ihr Bekenntnis sich aber in der Jüngerschaft nicht als echt erweist, verfehlen sie ihren Auftrag Salz der Erde zu sein. - In Palästina wurde das Salz aus den Felsen nahe des Toten Meeres gewonnen. Daher war die äußere Schicht der Salzkristalle oft von Unreinigkeiten und chemischen Veränderungen beeinträchtigt und das Salz hatte nicht den gleichen Würzungsgrad wie unser modernes, industriell gereinigtes Salz. Obwohl also Salz in seiner Reinform seine Würzkraft auch über hunderte von Jahren nicht einbüßen kann, führten die Bedingungen, unter denen es im Altertum aufbewahrt wurde, im Laufe der Zeit zu Verunreinigungen und chemischen Prozessen, die die Würzkraft des Salzes minderten oder sogar ganz aufhoben (20,416f). 11 Viele Ausleger sehen in den zuerst Eingeladenen die Juden, in den Bettlern, Krüppeln und Lahmen aber die Heiden. Doch nicht alle Juden haben die Einladung zum Heil abgelehnt. Daher dürfte Jesus mit den Eingeladenen eher die frommen selbstgerechten Juden gemeint haben, mit den anderen aber die bußfertigen Sünder, - die Zöllner und Huren. - Die drei Ausreden sind folgende: erstens Besitz (V. 18), zweitens Arbeit (V.19), drittens Familie (V.20). Die gleichen Gründe, warum Menschen Jesus nicht glauben und nachfolgen wollen, begegnen uns auch oft heute. 12 Es folgen nun zwei Bildreden, mit denen Jesus den Volksmengen von Vers 25 klarmachen will, dass Nachfolge etwas kostet (Vers 26.27.33). Bei der Metapher vom Turmbau geht es darum, dass Nachfolge Werke hervorbringen muss, sonst ist der Glaube tot (Jak 2,26). Bei der Metapher vom Krieg geht es darum, dass Nachfolge ein Kampf ist, für den man gerüstet sein muss (Eph 6,11ff.). Man muss bereit sein, ihn durchzuhalten und zu gewinnen. Interessant ist, dass Jesus es offenbar für klüger hält rechtzeitig zu kapitulieren, wenn man von einem stärkeren Feind angegriffen wird. Diese Haltung zeigt sich auch in Mt 5,39-41 und Jak 5,6b, und sie hätte manche unnötigen Kriege in der Geschichte verhindert. Lukas 15 1 D.h. zu den Pharisäern. Vgl. im Gegensatz dazu Lk 16,1, wo er dann ein Gleichnis für die Jünger erzählt. 2 Es ist eigentlich nur ein Gleichnis, aber es besteht aus drei Teilen. (1.) Das verlorene Schaf wird vom Hirten, dem Herrn Jesus, aus Barmherzigkeit gesucht. Es symbolisiert den verirrten Sünder den Jesus lieb hat. (2.) Die verlorene Münze wird von der Frau (dem Heiligen Geist?) aus Gnade gesucht. Sie symbolisiert den Sünder als tot in Sünden und Übertretungen, - er braucht neues Leben durch den Heiligen Geist. (3.) Der verlorene Sohn wird vom Vater aus Liebe zurückerwartet. Es symbolisiert den verlorenen Sünder der Buße tun muss und danach wieder völlig hergestellt ist. 3 Meint Jesus hier wirklich die selbstgerechten Pharisäer (Lk 18,9ff), die meinen, dass sie keine Buße nötig haben (so: 48,298f)? Dies ist kaum möglich, denn die Pharisäer waren gar nicht seine Schafe (Joh 10,26). Die Pharisäer, die sich nicht freuen können, wenn Sünder Buße tun, stehen damit im Gegensatz zu den Freunden und Nachbarn, die sich freuen, dass das Verlorene wieder gefunden wurde. Sie sind daher wohl nicht Teil des Gleichnisses. Daher meint Jesus entweder Gerechte im alttestamentlichen Sinn (vgl. Mt 1,19; Lk 1,6; 2,25; Apg 10,22), die sich, im Gegensatz zu den Zöllnern und Prostituierten, noch keine schweren Sünden zuschulden kommen ließen, oder solche, die über ihre Sünden schon Buße getan haben. Das Gleichnis beschreibt die geistlichen Prinzipien unter dem Alten Bund und nicht unter dem Neuen Bund. Die 100 Schafe symbolisieren die Auserwählten. 4 od.: alles zu Geld gemacht hatte (1,1561). Eigentlich durfte er das Erbe noch nicht verbrauchen, aber er kümmerte sich nicht darum (65,I,381). 5 Dies ist der Ausdruck echter Buße: "Ich bin völlig unwürdig vor Gott". Kommt er gar nicht mehr dazu den Rest auszusprechen ("...mache mich wie einen deiner Tagelöhner"), den er sich vorgenommen hatte (V.19b), weil der Vater ihm schon vorher ins Wort fällt und seine nicht ausgesprochenen Worte ins Gegenteil umdreht (vgl. 1Joh 4,18)? Nicht wie ein Tagelöhner soll er sein, sondern wie ein Ehrengast (14,130). 6 od.: er redete ihm gut zu. Dass der ältere Sohn sich weigerte hineinzukommen, war eine Verletzung der Würde des Vaters und hätte bestraft werden können (65,I,383). 7 Klingt verächtlich und distanziert (2,z.St.). Er will ihn nicht einmal Bruder nennen. 8 Klingt liebevoll und versöhnlich. 9 Im bewussten Gegensatz zu: "Dieser dein Sohn..." (V.30). 10 Der Imperfekt drückt aus, dass der Vater ihn für die ganze Zeit seiner Abwesenheit wie einen Verlorenen und Toten betrachtete. 11 Nach Dtn 21,17 wäre das für den Zweitgeborenen nur 1/3 des Besitzes, denn der älteste Sohn sollte einen doppelten Anteil, also 2/3 am Erbe bekommen (76,561). Er wollte seine Abfindung und dann auswandern, und die Sorge für seinen alternden Vater dem älteren Bruder überlassen, - wie schäbig. Den Erbteil schon zu Lebzeiten des Vaters zu verlangen war zwar nicht verboten, jedoch unschicklich (14,128; 38,III,550). Der Vater hätte ihn dafür auspeitschen lassen können. Den Zuhörern muss dieser Vater wie ein einfältiger, schwacher Narr erschienen sein (65,I,380), doch es ist die Güte Gottes mit den Sündern, die Jesus damit herausstreichen will. 12 Eine griechische Silbermünze, in etwa vom gleichen Wert wie der römische Silberdenar, der damals dem Tageslohn eines Mietarbeiters entsprach (vgl. Mt 20,2). Die Frau trug vielleicht einen Kopfschmuck mit solchen Silbermünzen, vielleicht ihre Mitgift (ketubah), der auch in der Nacht nicht abgenommen wurde, und von dem sich eine Münze löste. Oder sie zählte gerade ihre Ersparnisse im Lederbeutel (34,II,257). Es war ihr einziger Schatz und ihr "Notgroschen", was ihren Eifer beim Suchen erklären würde. In ihrer fensterlosen Behausung kehrt sie den Boden im Licht einer Öllampe, um die Münze beim Kehren klingen zu hören. Wenn diese bescheidene Summe ihr einziger Schatz war, war sie relativ arm (33,792; 14,134; 65,I,380). 13 Die übliche Herdengröße war je eine Ziegen- und Schafherde von 220 Stück (15,VI,246), bei den Beduinen aber auch nur 20 Stück. 300 Stück galten als ungewöhnlich große Herde (14,132). 20 Schafe wären eine zu kleine Zahl, denn dass sich eines verläuft, könnte dem Hirten nicht verborgen bleiben. 300 Schafe wäre eine zu große Zahl, denn der Eigentümer würde sie nicht selbst hüten, sondern Hirten anstellen. Jesus nimmt ein Mittelmaß an, kein reicher aber auch kein armer Herdenbesitzer, aber wohlhabend im Vergleich zur Witwe. Die 100 Schafe symbolisieren die Auserwählten. 14 Bedeutet das Präsens: jetzt schon?; od. ist es die Übersetzung eines aramäischen Imperfekts und dann wie Vers 7 futurisch zu verstehen? (14,135). 15 Imperfekt mit Infinitiv, von einem unerfüllten Wunsch (13,82). Vgl. Lk 16,21; 17,22; 22,15; Mt 13,17 (14,129). Er bekam vom Bauern zu wenig zu essen. Er hätte sich gerne von den essbaren Johannesbrotschoten ein paar Handvoll genommen, aber die Knechte gaben ihm nichts davon, sondern schütteten es in den Schweinetrog (84,156). 16 Die Früchte des Johannesbrotbaumes wurden auch von armen Menschen verzehrt. Ein jüdisches Sprichwort lautete: "Wenn Israel auf die Ernährung von Johannesbrotschoten angewiesen ist, wird es zur Buße geführt werden" (2,461; 34,II,261; 54,z.St.; 76,562). 17 Für einen betagten Orientalen ist das ganz ungewöhnlich, auch wenn er es noch so eilig hat (14,130). Es beschreibt die überwältigende Liebe und Freude des Vaters. - Im Judentum gab es zur Zeit Jesu die "Kezazah" Zeremonie. Wenn ein junger jüdischer Mann seine Gemeinschaft verließ, unter den Ungläubigen lebte, dort sein Erbe verprasste und dann zurückkehrte, musste er zuerst zum Stadttor gehen. Die Ältesten warfen dann einen Tontopf zu seinen Füßen der zerbrach, ein Symbol für die zerbrochene Beziehung zu seiner Familie und der Dorfgemeinschaft. Damit war er endgültig von seiner Familie und der Dorfgemeinschaft getrennt und wurde mit Schimpf und Schande aus dem Dorf verjagt (Babylonischer Talmud, Ketubot 28b). Wie anders begegnet Gott der Vater dem bußfertigen Sünder. Die Zuhörer Jesu mussten geschockt sein über den Gegensatz. Der ältere Sohn, ein Bild für die Pharisäer und Schriftgelehrten, wollte genau diese "Kezazah" Zeremonie an seinem jüngeren Bruder ausgeführt sehen. 18 Das Verhalten des älteren Sohnes ist bildlich auf die Pharisäer bezogen, die sich über die Buße der Sünder nicht freuen konnten, sowie die Antwort auf ihr Murren in Vers 2, während der jüngere Sohn die Sünder symbolisiert. 19 Der Besitz von Schweinen war für einen Juden verboten, das Hüten der Tiere zwar nicht, jedoch unter der Würde eines Juden. Der Bauer beschäftigte ihn nur widerwillig, darum diese entehrende Arbeit (34,II,260). Der Sohn war also ins heidnische Ausland ausgewandert! - Wie bei ähnlichen Geschichten im Judentum, dachten die Zuhörer das Gleichnis würde hier enden, - der Sohn hat seine gerechte Strafe bekommen. 20 Bei den Rabbinern gab es eine alte ähnliche Parabel, die aber genau umgekehrt endet: Der Sohn wird zu einem Sklaven gemacht, damit er in Zukunft Gehorsam lernt (34,II,262)! 21 Das war die Einstellung der Pharisäer Gott gegenüber, - alle ihre Werke waren Werksgerechtigkeit, um sich Gottes Gunst zu verdienen. 22 Das Gleichnis endet damit, dass der ältere Sohn noch immer draußen steht, so wie die Pharisäer und Schriftgelehrten. Der jüngere Sohn aber (= die Zöllner und Sünder) ist drinnen. Ob der ältere Sohn noch hineinkommen wird, lässt Jesus offen. Nur wenige Pharisäer und Oberste kamen zum Glauben (Joh 12,42; 19,38-39; Apg 15,5a). 23 Mehrere Hirten lagerten ihre Herden oft zusammen. Daher konnte er seine Herde einem anderen Hirten anvertrauen (65,I,379). 24 Jeden Abend zählt der Hirte seine Schafe. Wenn eines fehlt übergibt er die Herde an einen anderen Hirten, oder er treibt sie in die Hürde, verbarrikadiert den Eingang und macht sich auf die Suche nach dem verlorenen Schaf. In jedem Fall hat er die 99 Schafe nicht im Stich gelassen. Ein solch verirrtes Schaf ist so entkräftet und verstört, dass es nicht mehr zu bewegen ist, aufzustehen und zu gehen. Der Hirte muss es auf seine Schultern nehmen und zurücktragen (14,133). 25 Es gibt eine fast gleiche jüdische Parabel. Allerdings heißt es dort, es wäre viel besser die Thora zu studieren, denn dies bringe ewigen Lohn, als eine verlorene Münze zu suchen. Falls die Pharisäer diese Parabel kannten, was anzunehmen ist, wäre die Lektion die Jesus ihnen geben möchte noch eindringlicher: noch wichtiger als das Studium der Thora ist es, die Verlorenen zu suchen und zu retten, denn dann herrscht große Freude im Himmel (34,I,581). Die Rabbis aber sagten: "Das ist Freude vor Gott, wenn die Gesetzlosen hinschwinden von der Erde" (34,II,256). 26 Die Dramatik im Gleichnis steigert sich: 1 von 100 verlorenen Schafen = 1% Verlust, 1 von 10 verlorenen Drachmen = 10% Verlust und schließlich 1 von 2 verlorenen Söhnen = 50% Verlust. Es beschreibt den Wert, den jede einzelne verlorene Menschenseele für Gott hat. 27 Vulgär: sich den Bauch vollschlagen. 28 "Liederlich" bedeutet ausschweifend und verschwenderisch (76,561). Lukas 16 1 Das vorige dreiteilige Gleichnis sagte er nämlich zu den Pharisäern, dieses aber zu seinen Jüngern. 2 In feindlicher Absicht etwas ausplaudern, das zwar den Tatsachen entsprechen kann, aber aus dem Motiv heraus geschieht dem anderen zu schaden; allg.: jmdn. "anschwärzen" oder verdächtigen; oder noch stärker: jmdn. beschuldigen bzw. anklagen (wobei die Beschuldigung den Tatsachen entsprechen kann oder auch nicht). Allein schon der Verdacht führte damals zur sofortigen Entlassung. Vgl. LXX: Da 3,8; 6,25. - Im Orient kannte man weder eine Buchführung noch eine geordnete Kontrolle (14,180; 93,z.St.). 3 Der Verwalter hat zwar nichts veruntreut, aber er wird angeschwärzt, den Besitz seines Herrn nicht zu dessen Besten verwaltet zu haben. In diesem übertragenen Sinn kommt das Wort nur hier und in Lk 15,13 vor. Der Heilige Geist will damit folgenden Vergleich zwischen den beiden Erzählungen herstellen (76,570-572): In Lk 15,13 verschwendet der ungläubige Sohn die Habe seines Vaters, hier werden die Jünger (siehe Vers 1) gewarnt ihre irdischen Güter, die Gott ihnen anvertraut hat nicht für sich zu verschwenden, sondern sie so zu investieren, dass sie ihnen in der Ewigkeit zum Nutzen werden (Vers 9). In Lk 15,17 tut der verlorene Sohn Buße ("er ging in sich"), hier in Vers 3 der Verwalter ("er sprach bei sich"). 4 Der handschriftliche Schuldschein, in dem der Schuldner dem Gläubiger seinen zurückzuzahlenden Schuldenbetrag bestätigt. Meist waren dies mit Wachs überzogene Lederstreifen oder Holztafeln, wo die Schriftzeichen leicht ausgelöscht und überschrieben werden konnten (34,II,270ff). Die Schuldscheine waren wahrscheinlich in Verwahrung des Verwalters und der Schuldner hatte eine Kopie. Der Nachlass ist bei beiden, bei Annahme des damaligen Warenwertes, etwa gleich viel an Geldwert, nämlich ca. 500 Denare. In schweren Zeiten, z.B. bei Missernten, konnte der Verwalter eines Großgrundbesitzers den Gläubigern bzw. Pächtern einen Teil der Schuld erlassen, damit sie nicht bankrottgingen. Diese Praxis dürfte der Verwalter ausgenützt haben (14,180; 20,433; 65,I,384). Ungerecht war der Verwalter also nicht, aber korrupt gegenüber seinem Gutsherrn. 5 Hier kein Gen.qualitatis unter semitischen Einfluss (so: 2,465 und die meisten Ausleger!), sondern ein Genitiv der Zugehörigkeit (1,33; 8,z.St.), wie ihn speziell Lukas auch in Lk 13,27; 18,6; Apg 1,18 und Apg 8,23 verwendet. Ebenso finden wir ihn in Jak 3,6. Dieser Genitiv gibt hier das Prinzip der bösen Welt an, die eine Welt der Ungerechtigkeit ist. In dieser Welt, wo die Güter nicht gerecht aufgeteilt sind, befindet sich der Verwalter, darum verwaltet er "Mammon der Ungerechtigkeit". Der Verwalter war zwar schlampig in seiner Tätigkeit, aber nicht ungerecht, wie sein gerechter Nachlass an die Pächter (siehe vorige Anm.4) auch zeigt. Jesus will diesen Verwalter im Gleichnis, den Jüngern in dieser Welt voller Ungerechtigkeit als Vorbild hinstellen, und zwar seine Klugheit bezüglich seiner Vorsorge für die Zukunft. Ebenso wie er, sollen auch sie jetzt mit ihren irdischen Möglichkeiten, d.h. dem Besitz, der sich aus einer ungerechten Welt zwangsläufig für sie ergibt, für später vorsorgen. Der Zöllner Zachäus tat genau das mit seinem "Mammon der Ungerechtigkeit" (Lk 19,8), der reiche Mann hingegen (Lk 16,19ff.) nicht. 6 Dass hier, im Gegensatz zu Vers 8+9, kein Genitiv, sondern ein Adjektiv gebraucht wird beweist, dass es sich in Vers 8+9 wirklich um einen Genitiv der Zugehörigkeit handeln muss, und nicht um einen Genitiv qualitatis. Daher hier: "...ungerechter Mammon". Wenn wir von dem "Mammon der Ungerechtigkeit", den wir uns aufgrund einer ungerechten Verteilung in dieser Welt zwangsläufig anhäufen, nicht an Bedürftige abgeben, wird er in unseren Händen zum ungerechten Mammon (vgl. Spr 3,27) und wir sind schlechte Verwalter. Zur Unterscheiddung zwischen dem "Mammon der Ungerechtigkeit" in Vers 9, und dem "ungerechten Mammon" in Vers 11, könnte folgender Vergleich dienen. Nehmen wir an, wir werden Zeugen eines Banküberfalls. Als der Bankräuber aus der Bank stürmt, verliert er ein Bündel Banknoten. Dieses rutscht unter ein parkendes Auto. Wir sehen es, und nehmen das Bündel Banknoten an uns und stecken es ein. Es ist "Mammon der Ungerechtigkeit", denn es stammt aus einer ungerechten Tat. Die Tatsache, dass wir es an uns nehmen, ist nicht strafbar, wenn wir es anschließend zur Polizei bringen, damit es der Bank zurückgegeben wird. Wenn wir es aber für uns behalten, wird es in unserem Besitz zu "ungerechten Mammon", denn es gehört nicht uns. 7 D.h. mit dem irdischen und vergänglichen Reichtum der uns zugefallen ist. 8 Das geistliche Erbe im zukünftigen Reich. 9 Hassen bedeutet auch: jmdn. geringer achten als...; jmdn. zurücksetzen. 10 Nämlich nach Rabbi Hillel aus irgendeiner beliebigen Ursache, und nicht nur wegen Hurerei; vgl. Mt 19,3. 11 Mit der gleichen Einleitung ("ein gewisser reicher Mensch") für beide Erzählungen (Vers 1ff. und Vers 19ff.), will Jesus eine Beziehung zwischen beiden Erzählungen herstellen, und zwar folgende: Der Verwalter verwendete angesichts seiner Entlassung fremden Besitz richtig und tat rechtzeitig Buße, der reiche Mann tat beides nicht, obwohl auch er wusste, dass er einmal sterben muss. Der reiche Mann in Vers 19, verkörpert wahrscheinlich aufgrund von Vers 14-16 die Pharisäer. 12 Lazarus bedeutet auf Hebräisch: Gott hat geholfen. Dass Jesus in dieser Geschichte einen persönlichen Namen verwendet beweist, dass es sich nicht um ein Gleichnis handelt, - was er ja auch nicht sagt, - sondern um eine Geschichte die man damals tagtäglich beobachten konnte. In der Erzählung werden geistliche Realitäten bildlich dargestellt. Der Reiche und Lazarus sind keine historischen Personen, der Name Lazarus wird von Jesus nur wegen seiner Bedeutung verwendet. 13 In der Gräz. ein jur. t.t.: etwas unter Eid bezeugen. Diese Ernsthaftigkeit ist auch bei unserem Zeugendienst angebracht. 14 Der lästige, orientalische, herrenlose Straßenhund, der einerseits zwar treu und anhänglich, andererseits aber auch frech, gierig, schmutzig und daher verachtet ist. Er ernährte sich hauptsächlich von Aas und Abfällen, wie es auch noch heute im Orient oft der Fall ist. Lazarus konnte sich gegen diese Köter nicht wehren, ihr Speichel erhöhte die Schmerzen seiner Geschwüre noch und infizierte sie noch mehr. 15 Als dramatischer Aorist nach einer Nachdenkpause: "Ich hab´s". 16 Ein Bat war ein Hohlmaß, sowohl für feste als auch für flüssige Lebensmittel. Es entspricht laut Josephus ca. 39,5 Liter, nach anderen nur 36,5 Liter oder sogar nur 20,1 Liter. 100 Bat sind demnach 3950 bzw. 3650 Liter, eine Ölmenge, die aus der Frucht von etwa 150 Ölbäumen gewonnen werden konnte. Das entspricht einer Schuldsumme von ca. 1000 Denaren (14,180; 33,1249, 54,z.St.; 93,z.St.). 17 Ein Kor fasste etwa 10 Bat, das sind 365 Liter bzw. ca. 275 kg Weizen. 100 Kor Weizen sind demnach 550 Zentner Weizen von einem Ertrag von 42 Hektar Grund. Das entspricht einer Schuldsumme von ca. 2500 Denaren. Der Nachlass, den der Verwalter den Schuldnern gewährte, ist also an Geldwert etwa gleich, denn 1000 Denare minus 50% sind 500 Denare Nachlass und 2500 Denare minus 20% sind ebenfalls 500 Denare Nachlass (14,180; 54,z.St.; 65,I,384). Ein Beweis, dass der Verwalter nicht ungerecht war. 18 Die Engel? Eher die Freunde (20,435; 77,577). Oder ein "Plural majestatis" für Gott? - Am besten unpersönlich zu übersetzen mit: "Damit man euch empfange" (2,465; 44,246). Vgl. einen ähnlichen Gedankengang in Lk 14,13-14 19 Damit ist wohl der irdische Mammon der Ungerechtigkeit gemeint. Vgl. Lk 12,20; 19,17; 1Tim 6,7 20 Das bedeutet wohl, mit unserem irdischen Besitz in diesem Leben. Der Indikativ Aorist der Vergangenheit beschreibt dabei den Rückblick auf das Leben, vom Richterstuhl Christi aus. Rückblickend war man entweder treu oder ungerecht in der Verwaltung seines Mammons der Ungerechtigkeit. Zur Satzstruktur siehe: https://drive.google.com/file/d/1XMMwY3Svy8PYlMCCu7kyCal4rDcCZyUB/view?usp=sharing 21 Wenn es sich um ein konatives Präsens handelt: "...versucht sich mit Gewalt hineinzudrängen" (2,z.St.). Gemeint sind wahrscheinlich die Zöllner und Huren, die dem Evangelium glaubten und sich scharenweise (Lk 15,1; Mk 2,15) in das Reich Gottes hineindrängen (76,581). - Die Pharisäer rühmten sich, dass Gesetz genau einzuhalten. Jesus macht sie darauf aufmerksam, dass die Rechtfertigung durch das Gesetz nur bis auf Johannes Gültigkeit hatte, danach wird das Evangelium der Gnade verkündet. In Vers 18 zeigt er ihnen, dass auch sie es bei manchen Dingen mit dem Gesetz nicht so genau nahmen, denn Scheidung und Wiederheirat wurde bei ihnen sehr lax gehandhabt. 22 Jesus will damit der falschen Schlussfolgerung entgegentreten, dass das Gesetz durch das Evangelium ungültig wird. Nein, es wird der Maßstab beim Gericht sein. Damit bestätigt Jesus nebenbei auch das gesamte AT im Nachhinein als göttlich inspiriert. 23 Viell.: "andersartig", weil es die ehemalige Frau eines anderen ist? 24 Scheidung und Wiederheirat aus allen möglichen (aber aus Gottes Sicht unerlaubten) Gründen, waren zurzeit Jesu unter den Juden, und auch unter den Pharisäern, sehr verbreitet. Mit diesem Beispiel verdeutlicht Jesus, was er im vorigen Satz über die Gültigkeit des Gesetzes und die Selbstgerechtigkeit der Pharisäer gerade gesagt hatte. Vgl. auch die Anm. zu Mt 5,32. 25 Purpurgewänder waren sehr teuer, ebenfalls der Byssus, ein feiner Leinenstoff, der trotz seines hohen Preises von reichen und vornehmen Leuten gerne gekauft wurde, weil er als Kleidungsstoff sehr leicht war und in der Hitze angenehm zu tragen war. 26 Jesus ist realistisch, denn die Armen sterben oft früher als die Reichen. - Der Busen Abrahams ist der sprichwörtliche Ehrenplatz an Abrahams Seite im Hades. Der Hades ist der vorübergehende Aufenthaltsort aller Toten (vgl. die Anm. bei Mt 16,18). Seit Jesu Auferstehung gehen die Gläubigen aber nach ihrem Tod sofort zu Christus in den Himmel (Phil 1,23). 27 Der ursprüngliche Sinn des hebräischen und aramäischen Wortes "Mammon" ist umstritten. Vielleicht das, worauf jemand vertraut; od.: das Sichergestellte, das Gesicherte; od.: unrechtmäßig erworbenes Geld (38,II,220); od.: der Reichtum der dieser bösen Welt angehört (14,43). Es wurde dann zur allgemeinen Bezeichnung für Besitz und Geld. Im NT wird es in Mt 6,24 und Lk 16,9.11.13 im abwertenden Sinn für die dämonische Macht des Besitzes gebraucht (47,z.St.), fast im Sinne eines Götzen, was sich ja in unserer modernen westlichen Welt bewahrheitet hat: "Geld regiert die Welt. " 28 Mit dem Herrn kann kaum der Gutsbesitzer gemeint sein (so: 20,434; 76,573), denn der Rest des Satzes ("..., denn die Söhne dieses Zeitlaufs sind klüger ... Geschlecht") kann nicht aus seinem Mund stammen. Der Herr ist, wie auch in Lk 18,6, sicherlich der Herr Jesus, der das Verhalten des Verwalters bewertet und den Jüngern als Vorbild hinstellt (14,181; 21,I,585; ). Besonders Lukas bezeichnet Jesus öfter als Herr (Lk 5,8.12; 7,13; 9,54.59.61; 10,1.17.39-41; 11,1.39; 12,41-42; 13,15; 17,5; 18,6; 19,8). 29 Das waren entweder Pächter die einen bestimmten Ertrag ihrer Felder als Pachtzins an den Gutsbesitzer abzuliefern hatten, oder Großhändler, die gegen Schuldschein eingekauft hatten (14,180). Jedenfalls waren sie nicht arm und sie könnten den Verwalter wahrscheinlich nach seiner Entlassung bei sich anstellen (65,I,384). 30 Das soll wohl andeuten, dass er ein prunkvolles Begräbnis bekam, während der Arme nur in eine Grube geworfen wurde. 31 Der Reiche ist sich offenbar bewusst, dass er nicht mehr auf die andere Seite wechseln kann. 32 Damit will Jesus aber nicht sagen, dass die Reichen automatisch in die Hölle kommen und die Armen automatisch ins Paradies. Der Reiche kümmerte sich in seinem Leben nicht um Gott, also ist er auch danach getrennt von Gott. Lazarus hingegen musste in seinem ganzen Leben auf Gott vertrauen, also durfte er danach auch in ewiger Gemeinschaft mit Gott sein. 33 Damit macht Jesus eindeutig klar, dass es nach dem Tod keine Versöhnung mit Gott mehr geben kann. 34 Erscheinungen von Toten sind sicher nicht von Gott, sondern vom Satan. Wer das Evangelium hört und sein Leben lang nicht glaubt, geht unweigerlich verloren (Joh 3,36 ua.). Es gibt keine "zweite Chance". 35 Damit wird klar, dass die Lehre vom Seelenschlaf oder der Auslöschung der menschlichen Existenz mit dem Tod, ein Irrtum ist. Denn dann wäre Jesu Beschreibung hier völlig bedeutungslos. 36 Die Szene, die Jesus hier zeichnet, ist bis heute im Orient verbreitet, wo die Kluft zwischen arm und reich manchmal erschreckend groß ist. Lukas 17 1 Vers 36 ist in manchen Hs. aus Mt 24,40 hier eingedrungen. 2 Die Gegenwart und der Segen des Herrn sind nicht an bestimmte Orte gebunden, das ist Aberglaube! 3 D.h. entw.: "in meiner Person in eurer Mitte", - vgl. Lk 11,20 (1,544); od. viell.: "in eurer Reichweite"; od.: "...eines Tages plötzlich unter euch". Die populäre Bedeutung: "innwendig in euch" ist sehr unwahrscheinlich, da er zu den ungläubigen Pharisäern spricht (76,601). 4 Die anderen wurden nur körperlich geheilt, er aber wurde auch gerettet. - Die Errettung von Sünden ist in einer körperlichen Heilung durch Gott nicht miteingeschlossen. Das sollten alle schwärmerischen Christen bedenken, die so viel auf Heilungen setzen. Viele Menschen rufen zwar in ihrer Not zu Gott und er hilft ihnen, aber die wenigsten suchen danach die Begegnung mit dem Herrn Jesus, damit sie auch zum rettenden Glauben kommen. 5 Gemeint ist die jüdische Rasse. 6 Bei der Wiederkunft Christi wird es auf einer Seite der Erdkugel Nacht (Vers 34), auf der anderen Seite Tag (Vers 35) sein. 7 Vgl. dazu die Anm. bei Mt 24,40 8 Die schweren Mühlsteine mussten von zwei Frauen gedreht werden (20,462). 9 D.h.: Wo werden sie zurückgelassen werden? Antwort: Dort wo das Gericht wüten wird, - also in Israel? Die Geier, welche in Israel scharenweise vorhanden waren, sind ein Bild für Gericht, wie in Hiob 39,30 und Spr 30,17 (20,462). 10 Fast wie ein Irrealis (2,z.St.), aber bezeichnenderweise doch keiner. Der Herr will so lebendig wie möglich, die verdiente Strafe dieses Menschen beschreiben. Für Juden ein drastischer Vergleich (13,106). Diese Strafe war bei vielen alten Völkern verbreitet (20,451). 11 Die Sykomore ist ein Baum, der äußerlich zwar, wie ein Maulbeerfeigenbaum aussieht, da seine Früchte den Feigen ähnlich schauen, aber wahrscheinlich ist er vom Maulbeerfeigenbaum (Strong Nr. 4809) zu unterscheiden (1,1548). Er ist bekannt dafür, dass er sich nur schwer entwurzeln lässt, daher gut geeignet für diesen bildlichen Vergleich (59,385; 65,I,388). 12 Der Grund für diesen Befehl ist folgender: Die Priester in Jerusalem mussten nach Lev 13,1ff diese Männer aus Samaria als vom Aussatz befreit und damit für rein erklären. Damit mussten sie Jesus indirekt, wenn schon nicht als Messias, so doch als von Gott gesandt, anerkennen und zähneknirschend zugeben, dass Gott auch Samariter heilt. 13 Imperativisches Partizip: "Komm herzu und..." (2,470; 32,z.St.). 14 Jesus meint damit die Zeit während seiner Abwesenheit bis zu seiner sichtbaren Wiederkunft. 15 Damit sind wohl die 120 Jahre seiner Predigttätigkeit gemeint; vgl. Gen 6,3 und 2Pet 2,5. Die folgenden Inhalte hat Jesus auch später in ähnlichen Worten bei der Ölbergrede benützt (Mt 24,17-28; Mk 13,15). Lukas hat sie vielleicht dort (Lk 21,5ff) nicht wiedergegeben, da er dies schon hier berichtet hat. - Zwischen Noah und Lot gibt es Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede. Beide waren gerecht, doch Noah war auch ein Prediger der Gerechtigkeit, währenddessen Lot in Sodom stumm blieb und sich mit der ihn umgebenden Gottlosigkeit abquälte (2Pet 2,5-9). Welchen von beiden gleichen wir in diesen letzten Tagen? 16 od.: "...falls (er sagt, wie V.4), dass er Buße getan hat". Es ist nicht unser Recht zu beurteilen, ob die Buße von Herzen kommt, es sei denn, alles in seinem Verhalten spricht dagegen (Mt 3,7-8). Wenn die Buße ausgesprochen wird, muss uns das als Entschuldigung genügen, selbst wenn sich der andere mehrmals täglich wegen des gleichen Vergehens entschuldigt. 17 Auf seinem Weg nach Jerusalem zog Jesus durch das Grenzgebiet von Galiläa und Samaria. Das erklärt auch, warum unter den zehn Aussätzigen ein Samariter war. Obwohl alle zehn glaubten, dass sie geheilt werden konnten, kam nur dieser Samariter zum wirklichen Glauben an den Herrn, wohl auch, weil er sich seiner Unwürdigkeit bewusst war. 18 Der Senf (lat.: brassica nigra) war der kleinste Same in Palästina (0,95-1,1 mm), und doch wuchs diese baumähnliche Gartenpflanze in kurzer Zeit zu der beachtlichen Höhe von bis zu 3 m. Daher diente er als Vergleich von etwas sehr Kleinem, dass sich in erstaunlich kurzer Zeit zu etwas Großem entwickelt (42,1287). Wir müssen mit kleinen Glaubensschritten (= Senfkorn) beginnen. Wenn wir dann Glaubenserfahrungen mit Gott machen, wird unser Vertrauen zu Gott wachsen. 19 Es handelt sich bei dem ganzen Satz um eine Mischform: im Vordersatz ein Realis, im Nachsatz ein Irrealis (2,470; 44,249; 20,452f). Jesus spricht den Aposteln nicht jeglichen Glauben ab, sonst wäre auch der Vordersatz ein Irrealis. Er entgegnet auf ihre Bitte um mehr Glauben, dass schon ein winziger Glaube reicht, damit Gott großes tut. Vgl. Mt 17,20, dies wurde aber von Jesus zu einer anderen Gelegenheit ausgesprochen. 20 Mit den Kleinen sind die Anfänger im Glauben gemeint (20,451), vielleicht speziell die Zöllner und Sünder von Lk 15,1, die von den Pharisäern so attackiert wurden. 21 Lukas setzt hier seinen Bericht fort, den er in Lk 9,51 begonnen hat (vgl. Lk 13,22). Jesus kommt vom Norden Israels und tritt seine letzte Reise nach Jerusalem an. Dabei plant er, zuerst durch das Grenzgebiet von Galiläa und Samaria nach Peräa zu ziehen (20,455). Es ist das dritte Mal, dass Jesus durch Samaria zieht. Das erste Mal wurde er freundlich aufgenommen (Joh 4,40-42), das zweite Mal unfreundlich (Lk 9,51-56). Dennoch hat sein kurzes Wirken in Samaria, seinen Ruf als Wunderheiler bewirkt, wie die folgende Begebenheit beweist. 22 Mit "Leben" ist hier nicht nur das physische Leben gemeint, sondern alle materiellen Güter von denen wir irrtümlich meinen, sie wären für unser Leben unbedingt nötig. Darum die Ermahnung nicht ins Haus zurückzukehren (Vers 31), um etwas mitzunehmen, sondern so schnell wie möglich zu flüchten (20,461). 23 Vgl. Hiob 39,30. Mit dieser Metapher weist Jesus vielleicht auf die blutigen Auseinandersetzungen hin, die sich in der letzten Zeit in Israel abspielen werden (vgl. Sach 12,2-4.9; 14,1ff.). Vgl. aber auch die Anm. bei Mt 24,28 24 Die vier folgenden kurzen Reden (die Verse 1-3a; Verse 3b-4; Verse 5-6 und Verse 7-8) haben offenbar keinen logischen oder historischen Zusammenhang. Lukas hat sie so wiedergegeben, wie er sie in seiner Quelle vorfand, ohne eigenmächtig einen künstlichen Übergang unter ihnen zu schaffen. Parallelen dazu finden sich in Mk 9,42ff. und Mt 18,15-18 (20,450). Lukas 18 1 Ex 20,12-16; Dtn 5,16-20 (LXX). Jesus verweist bei seiner Antwort auf die, freilich unerfüllbare Bedingung in Lev 18,5, weil der Mann meint, er könnte durch Gutestun errettet werden. Erst danach zeigt ihm Jesus, was er wirklich braucht: ihm im Glauben nachfolgen. 2 Inf.Präs.: d.h. niemals das Beten aufzugeben und anhaltend zu beten, auch wenn die Umstände gegen eine Erhörung sprechen. Gott wird seinen Kindern, - anders als der Richter im Gleichnis, - zum rechten Zeitpunkt, aber dann schnell, geben was sein Wille ist und ihnen guttut. Dies beinhaltet jedoch keineswegs den Gedanken, wir könnten Gott durch viele Worte und anhaltendes Gebet (und Fasten) "in die Knie zwingen", - dieser Gedanke wäre nach Mt 6,7 heidnisch-abergläubisch. Vergleiche auch Eph 6,18, wo das Gebet ein Teil der Waffenrüstung Gottes ist. Paulus verwendet dort das Wort καιρος (= Zeitpunkt) und will damit sagen, dass wir bei jeder Gelegenheit und Notwendigkeit vorher beten sollten, z.B. vor der Arbeit, dem Essen, einer Autofahrt, dem Bibellesen, dem Gottesdienst, usw. Wir drücken damit unsere Bedürftigkeit aus, wie eine rechtlose Witwe, und bitten Gott, das für uns zu tun, was wir nicht selbst tun können. 3 Das bedeutet sie war im Recht. Da sie vor einem Einzelrichter im Ort erscheint, muss es sich um eine Geldsache handeln, vielleicht ein Pfand, oder eine ihr geschuldete Summe, oder ein vorenthaltenes Erbe (14,153). Die Anwendung für uns ist: unsere Bitten müssen "im Recht sein", d.h. sie müssen dem Willen Gottes entsprechen, sonst wird Gott sie nicht erhören, - oder zu unserem Nachteil wie bei Hiskia (2Kön 20,1-19). 4 So schnell wie die Umstände und sein Wille es gestatten. Das Wort bedeutet eigentlich: sehr schnell, wie Röm 16,20 und in der LXX in Dtn 11,17; Jos 8,18-19; Ps 2,12; Hes 29,5 5 Oder wird das Gebet der Gemeinde immer mehr abnehmen bis zu seiner Wiederkunft? 6 Vgl. die Anm. zu Lk 16,8. Wahrscheinlich auch hier kein Genitiv qualitatis, sondern ein Genitiv der Zugehörigkeit (1,32f; 8,z.St.), weil er ein Richter in der Welt der Ungerechtigkeit ist, und damit im Gegensatz zu Gott steht ("Gott aber..."). Nicht so sehr Ungerechtigkeit kann man ihm vorwerfen, sondern Gleichgültigkeit, und wahrscheinlich Korruption. 7 Er beglückwünscht sich eher selbst, als dass er zu Gott betet (20,466). Sein Gebet enthält keine Bitte, sondern nur selbstgerechten Dank an Gott. Im Talmud (Berakhot VII,18 [16]) ist uns ein ähnliches Gebet eines Pharisäers überliefert (14,141; 84,65). Die Zuhörer Jesu hielten diesen Pharisäer also durchaus nicht für einen Prahler. - Möglich wäre auch die Übersetzung: "...er betete zu sich selbst" (d.h. halblaut), wie es der jüdischen Vorschrift (Talmud, Berakhot V,1,31a) entsprach (84,149). 8 Die Pharisäer fasteten jeden Montag und Donnerstag, wahrscheinlich stellvertretend für die Sünden des Volkes. Diese beiden Tage waren auch die Markttage und die fastenden Pharisäer hatten viel Gelegenheit den Besuchern öffentlich zu zeigen, dass sie Fasten (38,II,243f.291). 9 Die erste Heilung eines Blinden geschah beim Einzug Jesu nach Jericho durchs Südtor ("...als er Jericho nahte"), was auch die darauffolgende Handlung (Lk 19,1) beweist. Die Heilung der beiden anderen Blinden geschah beim Auszug aus Jericho durchs Nordwesttor (vgl. Mt 20,29: "...als sie von Jericho auszogen"). Es gab damals viele Blinde, die an verschiedenen Plätzen einer Stadt bettelten, bevorzugt aber bei den Stadttoren. In Jericho gab es mindestens zwei Stadttore, wahrscheinlich sogar mehr. In Mk 10,46 wird beim Auszug Bartimäus als einziger der beiden namentlich genannt, vielleicht deshalb, weil er auch nach Pfingsten noch ein Jünger Jesu blieb und in den Gemeinden bekannt war. 10 Eine Chirurgennadel, welche die Ärzte für ihre Operationen verwendeten. Interessanterweise verwendet der Arzt Lukas nicht das allgemeinere Wort ραφις, sondern diesen medizinischen Ausdruck. Ein kleiner Hinweis darauf, dass wirklich er der Autor des Evangeliums ist. 11 Vielleicht freier übersetzt: "...mir die Augen auskratzt" (2,z.St.); oder im übertragenen allgemeinen Sinn: "...mir nicht weiter auf die Nerven geht" (84,184). Vgl. Lk 11,8 12 Jesus weist das Lob "gut" zurück, weil der Mann die falsche Einstellung hatte, man könne durch Gutestun ewiges Leben bekommen. Kein Mensch ist gut, nur Gott (20,469ff). Aber keinesfalls wollte Jesus damit sagen, er selbst wäre nicht gut genug und hätte auch Sünden (vgl. Joh 8,29.46). 13 D.h. sollte er die Erhörung ihres Gebets unnötigerweise lang hinziehen. Die erwartete Antwort ist: "Nein, natürlich nicht". Er gibt zum rechten Zeitpunkt. Warum dieser rechte Zeitpunkt manchmal nicht sofort ist, verstehen wir oft nicht. Bezüglich Erklärungsversuchen zu diesem schwierigen Vers siehe: 20,464f; 14,154; 2,475f.; 84,185f. 14 Der Artikel könnte demonstrative Bedeutung haben, so dass damit der spezielle Glaube der Witwe gemeint ist, wie er ja in der Anwendung in Vers 7b-8a impliziert ist. Dieser Glaube sollte auch in unseren Gebeten zum Ausdruck kommen. Oder der Glaube an Jesus allgemein ist gemeint. 15 Jemand der sich durch Betrug, Schwindel und Erpressung fremdes Gut auf unrechtmäßige Art und Weise aneignet, wie z.B. die Zöllner. Vgl. die Synonyme Strong Nr. 2812, 3027 und 5856. 16 Der Imperfekt drückt wohl aus: Er musste sich bei einigen nacheinander erkundigen, bis er Auskunft bekam. 17 Ein Demonstrativpronomen: man muss das Reich Gottes in der Art eines Kindes annehmen. Es bedeutet daher nicht, dass Kinder, wenn sie sterben automatisch in den Himmel kommen. 18 Vielleicht weil sie arm war und ihm kein Bestechungsgeschenk geben konnte. Ein treffendes Bild für uns als arme Bittsteller bei Gott. 19 Die Zöllner hatten keine bürgerlichen Ehrenrechte, waren verhasst und wurden von allen anständigen Menschen gemieden. Sie bereicherten sich, indem sie auf die staatlich vorgeschriebenen Zollgebühren noch etwas draufschlugen und so im Dienste der verhassten römischen Besatzungsmacht ihr eigenes Volk skrupellos aussaugten (14,140). Das Gebet klingt an das tägliche Morgengebet der Juden an: "Gepriesen seist du Herr unser Gott, König der Welt, dass du mich nicht als Heiden, ... als Sklave, ... oder als eine Frau geschaffen hast", und auch an ähnliche Gebete von Rabbis (34,II,290f). 20 Ein Ausdruck tiefer Reue. Vgl. auch Ps 51,19 (14,140). Genau dies taten die Juden - leider oft nur formalistisch - am großen Versöhnungstag (34,II,292). 21 Eine Unmöglichkeit in den Augen der Pharisäer, da er ja noch keine Wiedergutmachung geleistet hatte. Doch Gott sieht das Herz an, die praktischen Konsequenzen folgen bei echter Buße dann von selbst (siehe Lk 19,8). Der Pharisäer pries seine eigene Gerechtigkeit vor Gott, und erhielt darum Gottes Gerechtigkeit nicht. Der Zöllner erbat Gottes Gerechtigkeit und erhielt sie auch. 22 Das bedeutet nicht, ununterbrochen zu beten, sondern in allen Umständen zu beten, die Gebet nötig machen und niemals das Gebet aufzugeben. 23 Diesen speziellen Einzelrichtern in den Städten, wahrscheinlich von den Römern oder von Herodes eingesetzt, gaben die Juden den Spitznamen "Räuber-Richter", weil sie oft korrupt waren. Sie hatten einen äußerst schlechten Ruf bei den Juden, denn sie waren bestechlich und beugten das Recht (34,II,287). 24 od.: "...mehr als jener". Das würde dann unterstreichen, dass die (Selbst)Gerechtigkeit des Pharisäers weniger wert war als die von Gott geschenkte Gerechtigkeit des Zöllners; vgl. Mt 5,20 (34,II,292; 84,68). 25 Ein leidender Messias war dem Judentum zur Zeit Jesu völlig fremd (65,I,394 Lukas 19 1 Ps 118,26. Die Psalmen 113-118 wurden beim Passahfest kurz davor gesungen und waren den Menschen deshalb noch im Gedächtnis (65,I,398). 2 Jes 56,7. Diese Prophezeiung bezieht sich wahrscheinlich auf den zukünftigen 3.Tempel im tausendjährigen Reich und dürfte auch von Jesus so gemeint sein, da er kurz davor von der Zerstörung der Stadt (und damit auch des Tempels) gesprochen hat. 3 Jer 7,11. Auch in der Prophezeiung Jeremias geht es im Kontext um die Zerstörung des Tempels. 4 Nach Godet: seiner Einkünfte (20,479); oder: sein Gesamtbesitz (A.Groves). - Zachäus sieht offenbar sogar das Zurückhalten seines Reichtums als Sünde an, abgesehen von dem, was er zu Unrecht erworben hat. 5 Die Mine war eine griechische Rechnungseinheit. 1 Mine = 1/2 Kilo Silber, das entspricht 100 Denaren bzw. Tageslöhnen (65,I,396). - Das Gleichnis von den Talenten in Mt 25,14ff, wurde von Jesus zu einem späteren Zeitpunkt erzählt. Dort ist es ein sehr großer Betrag für jeden und jeder bekommt verschieden viel zum Handeln. Er verteilt dort seinen Besitz (Mt 25,14b) an seine Knechte. Hier bekommt jeder gleich viel zum Handeln, nämlich 1 Mine. Die 10 Minen sind nur ein kleiner Teil vom Besitzes des Herren (20,485). Für Gläubige kann man folgende Anwendung machen: von der Gnade der Errettung, hat jeder Gläubige gleich viel empfangen (1 Mine), von den Gaben des Geistes aber bekommt jeder verschieden viel(Talente.) Siehe den Vergleich in: https://drive.google.com/file/d/1LgajZHaJ6EsCCTmSdd9Car4e9QBI2caj/view?usp=sharing 6 Bedeutet das buchstäblich die Verwaltungsautorität über Städte im messianischen Friedensreich, das sie erwarteten? Dass die Gläubigen mit Christus mitregieren werden, sowohl im tausendjährigen Reich als auch auf der neuen Erde, ist im NT jedenfalls klar bezeugt (Dan 7,22; 1Kor 6,2; Offb 2,26b; 5,10; 20,4; 22,5). 7 Da es sich aber um keinen offiziellen Titel handelt, war er vielleicht der, der unter den Zöllnern dieses Zollbezirks am angesehensten war, - vielleicht, weil er am reichsten war. Eine andere Erklärung wäre, dass Zachäus ein Zöllner höheren Grades war, mit dem lateinischen submagistri gleichzusetzen, und für ganz Jericho zuständig. Er hätte dann einzelne Zöllner (lat.: portitores) unter sich gehabt (33,1167; 65,I,395). Siehe auch die Synonyme Strong Nr. 5947. 8 Ein t.t. der Militärsprache: eine Stadt mit einem Wall oder mit Palisaden umzingeln, einen Belagerungswall um eine Stadt aufwerfen. 40 Jahre später erfüllte sich diese Vorhersage in der Zerstörung Jerusalems. Im Jahr 135 n.Chr. wurde Jerusalem dann dem Erdboden gleichgemacht und als eine heidnische Stadt neu aufgebaut. Kein Jude durfte Jerusalem mehr betreten. 9 Eine Stadt in Judäa, nicht weit von der Jordanfurt am Nordrand des Toten Meeres, die in einer äußerst fruchtbaren Gegend lag. Da eine vielbegangene Straße nach Jerusalem vorüberführte, war hier eine römische Zollstätte (vgl. die Anmerkung zu Mk 2,16). In Jericho lebten auch viele Priester und Leviten. Die Stadt bestand aus zwei Teilen, der kleinen antiken Stadt auf dem Quellhügel und der 1,5 km südlich gelegenen, größeren Neu-Stadt der herodianischen Zeit, durch die Jesus zog, da nur sie an der Straße nach Jerusalem lag. An dieser Straße gibt es noch heute leicht zu erkletternde Sykomoren-Bäume, in der antiken Alt-Stadt jedoch nicht. Auf einen solchen Sykomoren-Baum stieg Zachäus. Ein kleiner Hinweis auf die historische Glaubwürdigkeit des Berichts. - Soweit wir aus den Evangelien-Berichten schließen können, kam Jesus hier das erste und letzte Mal nach Jericho. Für Zachäus war dies daher die einzige Chance auf Errettung. Er hatte schon von Jesus gehört und war nur neugierig zu sehen, wie er aussah (Vers 3-4). Jesus geht auf ihn zu, Zachäus tut Buße (Vers 8) und wird gerettet (Vers 9-10). 10 od.: während ich verreist bin (2,z.St.). 11 Diese Geldwechsler waren auch eine Art "Bank". Sie übernahmen Geldbeträge, handelten mit ihnen, und zahlten sie dann mit Zinsen zurück. 12 D.h. den Zeitpunkt wo Gott für Jerusalem gnädig eingreifen wollte. 13 vgl. Ex 21,37; 22,3.8; Lev 5,20ff; 2Sam 12,6. 14 Unmittelbar nach dem Tod seines Vaters Herodes im Jahr 4. v.Chr., zog Herodes Archelaeus zu Kaiser Augustus nach Rom, um sich die Herrschaft über Judäa von ihm bestätigen zu lassen, die sein Vater Herodes ihm noch 5 Tage vor seinem Tod testamentarisch zugesprochen hatte. Doch die Juden schickten eine 50-köpfige Delegation hinter ihm her und baten den Kaiser, Herodes Archelaeus wegen seiner Grausamkeit (vgl. Mt 2,22) nicht mit der Regierung zu betrauen. Doch Augustus bestätigte das Testament von Herodes und bestimmte Archelaeus zum Ethnarchen über Judäa, Idumäa und Samaria. Archelaeus rächte sich nach seiner Rückkehr und ließ alle seine Gegner abschlachten. Es ist gut möglich, dass Jesus auf diese Begebenheit anspielt und den Juden vor Augen führt, dass ihre Ablehnung seiner Königswürde der Haltung der Juden von damals entspricht, im Gegensatz zu damals aber, völlig unberechtigt ist (34,I,220; 20,481; 65,I,397). Wenn er als der "Herr der Herren und König der Könige" wiederkommt, wird auch er an den Gottlosen Gericht üben (2Thes 1,8f; Offb 19,11ff). 15 Matthäus überliefert: "Nach langer Zeit kommt der Herr..." (Mt 25,19). Das einzige Mal, dass Jesus andeutet, die Zeit bis zu seiner Wiederkunft könnte länger dauern als erwartet. 16 Ein banktechnischer Ausdruck und sprichwörtlich für eine raffgierige Person, die rücksichtslos auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Jesus greift den Vorwurf auf, obwohl er nicht der Wahrheit entspricht. Er will dem Knecht damit zeigen, wie falsch er ihn einschätzt. Wenn schon nicht aus Liebe und Treue zum Herrn, hätte er zumindest aufgrund dieser seiner falschen Einschätzung, aus Angst treuer mit dem ihm Anvertrauten umgehen müssen. Im Gegensatz zum bösen Knecht in Mt 25,24ff, der in die Finsternis hinausgeworfen wird, steht dieser Knecht für einen untreuen Gläubigen. Es wird ihm nur seine Mine abgenommen, aber er wird nicht in die Finsternis hinausgeworfen (20,485). 17 Das Wort εμπροσθεν betont die Energie mit der das Ziel Jerusalem, trotz der Angst der Jünger, angestrebt wurde (46,260). Vielleicht in dem Sinn von Mk 10,32: "...er ging vor ihnen her nach Jerusalem" (20,486). Von Jericho nach Jerusalem waren es ca. 25 km und 1000 m Höhenunterschied bergauf (54,z.St.). 18 Der Maulbeerfeigenbaum wurde hauptsächlich als Bauholz verwendet, und ist wohl vom Maulbeerbaum zu unterscheiden. Seine Früchte sind, wenn sie unbehandelt bleiben, klein und ungenießbar. Werden sie jedoch kurz vor der Ernte mit dem Messer eingeritzt, setzen sie Äthylengas frei, welches das Wachstum stimuliert und innerhalb von drei Tagen vergrößert sich die Frucht um das Zehnfache (59,385). Ähnlich war es bei Zachäus. Hätte er sich nicht bekehrt, wäre seine Frucht klein und ungenießbar geblieben. So aber brachte er reiche Frucht (Lk 19,8.16ff). 19 Ein Vergleich von Vers 15a mit Vers 27 zeigt, dass diese Abrechnung mit den Knechten erst nach der sichtbaren Wiederkunft Christi stattfindet, und nicht nach der Entrückung, denn bei der Entrückung werden keine Feinde Christi erschlagen. Diese Abrechnung dürfte die gleiche sein, wie der Richterstuhl Christi (Röm 14,10b; 1Kor 3,10-15; 2Kor 5,10). 20 Bei einer Entweihung der heiligen Innenhöfe des Tempels, durften die Juden ohne Zustimmung der Römer die Todesstrafe ausführen. Doch Jesus hatte die heiligen Innenhöfe nicht entweiht, dennoch empfanden sie die Tempelreinigung als Provokation (65,I,400). Dies spielte dann auch beim Prozess gegen ihn eine entscheidende Rolle (Mt 26,60.61; 27,40). 21 Echte Buße streitet die Schuld nicht ab, sondern zeigt der Buße würdige Früchte (Apg 26,20b). 22 Er bekommt nicht eine Stadt mehr, sondern eine Mine, d.h. eine Möglichkeit mehr, sich in seinem Dienst (Offb 7,15; 22,3b) im tausendjährigen Reich und bis in die Ewigkeit zu bewähren (20,484). 23 Oder vielleicht, wie in Lk 8,18: "...was er zu haben meint" (20,484). 24 Nur Lukas erwähnt diese Ergriffenheit Jesu, er will Jesus als den vollkommenen Menschen darstellen. So wie er in der Endzeitrede Jesu (Lk 21,20ff), die Vorhersage der Zerstörung Jerusalems 70 n.Chr. hervorhebt, tut er dies auch hier im Vers 43-44. 25 Das Schweißtuch war eine Art großes Taschentuch, mit dem man sich den Schweiß vom Gesicht wischte (54,z.St.). 26 Betfage war ein Dorf am Osthang des Ölbergs, ganz in der Nähe der alten Römerstraße nach Jericho. Betanien lag ebenfalls am Osthang des Ölbergs, etwa 3 km von Jerusalem entfernt (54,z.St.). Lukas 20 1 Ps 118,22 (vgl. Jes 28,16). Die Psalmen 113-118 wurden beim Passahfest gesungen und waren den Menschen deshalb noch im Gedächtnis (65,I,402). Der ermordete Sohn im Gleichnis wird also auferstehen. 2 Dtn 25,5 3 Gen 38,8 4 In Ex 3,6 findet sich zwar kein klarer Ausspruch über eine Totenauferstehung, wohl aber eine Andeutung, die man aber nur bei tiefergehendem und geisterfülltem Bibelstudium entdeckt, wie es bei Jesus der Fall war! Gott würde doch nicht behaupten, ein Gott von solchen zu sein, die gar nicht mehr existieren. Jesus kommt ihnen entgegen, indem er aus der Thora zitiert, und nicht die eindeutigeren Stellen aus den Propheten (z.B. Jes 26,19-21; Dan 12,2 ua.), welche die Sadduzäer ja geringer einschätzten. 5 Also nur ein menschlicher Nachkomme. 6 Ps 110,1 7 Wenn der Messias nur ein natürlicher Nachkomme Davids wäre, wie kann David ihm dann den göttlichen Titel "Herr" geben? Eben nur deshalb, weil er gleichzeitig auch der Sohn Gottes ist. Vgl. Röm 1,3; Joh 8,58 8 Oder freier: "Sie versuchten ihn auf der Stelle festzunehmen". 9 od.: "...sind sie (d.h. Abraham, Isaak, Jakob) alle lebendig". 10 Der größte Teil Palästinas war im Besitz von Großgrundbesitzern. Sie verpachteten ihr Land parzellenweise an Bauern, die den Eigentümern mit großem Respekt begegneten (65,I,400). 11 Eine solche Reaktion war im schroffen Gegensatz zur Realität und wurde von Jesus benützt, um das Verhalten der Pächter (d.h. der Hohepriester) umso drastischer darzustellen, und auf der anderen Seite die Güte des Eigentümers (d.h. Gott) herauszustreichen. Diese Güte darf aber nicht ungestraft ausgenützt werden (Vers 16), - eine Warnung an die religiösen Führer (65,I,401). Die verschiedenen Gesandten waren die Propheten des AT. 12 Der scheinbare Widerspruch zu Mt 21,41, wo die Hohepriester zuerst selbst die logische Antwort geben, lässt sich folgendermaßen lösen. Zuerst sagen sie, vielleicht im ironischen Sinn: "Ja natürlich wird er sie umbringen, aber was hat das mit uns zu tun"? Erst nachdem Jesus ihr Urteil bestätigt wird ihnen klar, dass er von ihnen spricht und sie sagen: "Auf keinen Fall wird das uns treffen", worauf Jesus ihnen aus der Schrift beweist, dass genau dies über sie, die Bauleute, vorausgesagt ist (20,498). - Die anderen sind die Gläubigen der Gemeinde. 13 Vgl. Jes 8,14-15; Dan 2,34.44. Der erste Teil des Verses bezieht sich auf das, was man erleidet, wenn man Jesus während seines Lebens ablehnt (vgl. 1Pet 2,8), der zweite Teil auf das Gericht, welches denjenigen bei Christi Wiederkunft trifft (20,498). 14 In diesem härteren Urteil sind die Wehrufe Jesu aus Mt 23,13-36 zusammengefasst. Wird dieses Urteil sie schon während ihrer Lebenszeit treffen? Vgl. Jak 3,1 15 Damit hat Jesus die Zerstörung Jerusalems 70 n.Chr. vorausgesagt. Lukas 21 1 Jes 34,4. Damit sind vielleicht die Naturgesetze des Universums gemeint, die aus dem Gleichgewicht geraten. 2 Dan 7,13-14. Da es sich um ein Zitat aus dem Masoretentext handelt, wird man εν wohl am besten instrumental übersetzen "...mittels/auf einer Wolke", denn die Wiederkunft Christi wird sichtbar sein. 3 Siehe die Anmerkungen bei Mk 12,41ff. 4 Bemerkenswert ist, dass in dieser Zeit wirklich nur "einige" (Vers 16) den Märtyrertod sterben mussten (Stephanus, Jakobus, Paulus, Petrus, Antipas, und andere unter Nero), während in den 2 Jahrtausenden danach Millionen von Christen den Märtyrertod erlitten. 5 Laut Flavius Josephus wurden 70 n.Chr. mehr als eine Million Juden getötet. Unzählige wurden außerhalb der Stadt gekreuzigt, wobei alle Bäume dafür aufgebraucht wurden, und 97.000 wurden in die Sklaverei nach Ägypten und in die anderen Provinzen des Reiches weggeführt (58,279), worauf die Preise für Sklaven in den Keller fielen. 6 Bewusst wird hier das Wort στρατοπεδων verwendet und nicht στρατια (Strong Nr.: 4756) oder στρατευμα (Strong Nr.: 4753). Nachdem Titus 70 n.Chr. schon mit der Belagerung Jerusalems begonnen hatte, ließ er sie plötzlich abbrechen und forderte die Juden zur Übergabe auf. Er wartete noch bis zum Passah-Fest, bevor er den Belagerungsring um die Stadt schloss. Als die Christen in der Stadt, die schon aufgeschlagenen Heerlager rund um Jerusalem sahen, nützten sie diese Gelegenheit (vgl. Ps 60,6), um aufgrund der Prophezeiung Jesu den Fluchtkorridor zu nutzen und in die Berge von Pella zu flüchten. Herodes Agrippa II., der sich Jahre davor durch die Verteidigungspredigt des Paulus sehr angesprochen fühlte (Apg 26,28), nahm die Christen freundlich auf, die aus Jerusalem und Judäa flüchteten, um in Pella Unterschlupf zu finden (Eusebius, Kirchengeschichte III,5). Flucht muss nicht Feigheit sein, sie kann auch Klugheit sein! Die rechtzeitige Flucht von Juden vor den Nazis war auch eine solche Klugheit. 7 Damit sind die Völker gemeint, die Palästina und Jerusalem im Laufe der Geschichte, bis zur Staatsgründung Israels im Jahr 1948, der Reihe nach beherrschten. Noch zweimal versuchten die Juden davor das Schicksal Jerusalems und des zerstörten Tempels zu wenden. Zuerst beim erfolglosen Aufstand des selbsternannten Messias Simon Bar-Kochba im Jahr 132-135 n.Chr. Dabei verloren 580.000 Juden ihr Leben. Ein zweites Mal durch Kaiser Julian im Jahr 361-363 n.Chr., der beabsichtigte den Tempel wiederaufzubauen und dadurch das Christentum zu schwächen. Doch mitten in den Vorbereitungen vereitelten ein schweres Erdbeben und ein Flammenbrand aus den Trümmern sein Vorhaben. Er selbst starb noch im gleichen Jahr im Feldzug gegen die Perser (58,279ff). 8 Vielleicht Tsunamis, entstanden durch Seebeben, welche eine Erschütterung des Meeres verursachen. 9 In 8 Handschriften steht die Begebenheit aus Joh 7,53 - 8,10 anschließend an diesen Vers (27,173.219ff). Vom Kontext her, würde sie auch gut hierher passen (20,529). 10 Es gibt im Griechischen drei verschiedene Wörter, die gewöhnlich mit arm übersetzt werden. Das Wort πενης beschreibt jemanden der so bedürftig ist, dass er sich durch seinen Tageslohn gerade noch ernähren kann (2Kor 9,9). Diese Witwe aber war offensichtlich noch ärmer (πενι-χρος). Markus (Mk 12,42) verwendet sogar das Wort πτωχος (bettelarm), welches äußerste Not ausdrückt. Es ist jemand der für seinen Lebensunterhalt auf die Almosen anderer angewiesen ist (vgl. Lk 19,8), weil er sonst betteln muss. Sie hatte eigentlich gar nichts mehr für andere übrig, was ihre Tat noch beeindruckender macht. - Die Geldsammlungen für die Heiligen in Jerusalem waren für solch bettelarme Glaubensgeschwister (Röm 15,26; Gal 2,10). - Nach rabbinischer Vorschrift durfte man nicht weniger als 2 Lepta geben. Die Witwe musste sich also entscheiden gar nichts zu geben, oder alles zu geben, was sie hatte. Das Lepta war die kleinste jüdische Lokalwährung. 1 Denar bzw. Tageslohn entsprach 128 Lepton, d.h. die Witwe war wirklich sehr arm und die 2 Lepta waren wahrscheinlich für das Essen des nächsten Tages aufgespart. 11 Obwohl Paulus diese Begebenheit sicher von Lukas kannte, nämlich dass die Witwe alles gab, sodass sie Mangel hatte, verordnete er dies den Gläubigen nicht (2Kor 8,12-15). 12 Die Juden dachten, dieser Tempel wäre für die Ewigkeit erbaut, doch Jesus sagt, der ganze Tempel wird zerstört werden. Geschehen ist das 40 Jahre nach Jesu Ausspruch, am 9.Aw (Juli/August) des Jahres 70 n.Chr. durch die Römer. Nach jüdischen Angaben war dies der gleiche Tag wie die Zerstörung des ersten Tempels durch Nebukadnezar. Bis heute ist es ein Trauertag bei den Juden (58,279). Obwohl Titus die Schonung des Tempels angeordnet hatte, - denn es war eines der damaligen Weltwunder, - warf ein erzürnter Legionär eine brennende Fackel ins Heiligtum, wo sich die letzten Zeloten verschanzt hatten und aufgrund von Mal 3,1 den Messias erwarteten, ohne Jer 7,4-10 zu bedenken (46,324). Der ganze Tempelbezirk ging in Flammen auf, nur die großen Grundsteine der heutigen Klagemauer blieben unversehrt. 13 Für einen Gesamteindruck von Jesu Rede, muss man alle drei Evangelien Matthäus, Markus und Lukas synoptisch zusammenführen. Die Jünger stellten bei dieser Gelegenheit eigentlich auch die Frage, wann Jesu Wiederkunft und die Vollendung des Zeitalters geschehen werden (Mt 24,3). Lukas überliefert aber, im Gegensatz zu Matthäus und Markus, nur zwei Fragen: (1.) Wann wird der Tempel zerstört, und (2.) was ist das Vorzeichen für seine Zerstörung. Da für die Jünger die Zerstörung des Tempels gleichbedeutend mit dem Ende des Zeitalters sein muss, gibt ihnen Jesus zuerst eine kurzen Überblick bis zum Ende (Vers 8-11), bevor er dann ausführlicher von den vorausgehenden Verfolgungen, vor allem durch die Juden, eingeht (Lk 21,12-19). Diese werden der bevorstehenden Belagerung Jerusalems (Lk 21,20-21), sowie den nachfolgenden Ereignissen (Lk 21,22-24), vorausgehen. Das eigentliche Vorzeichen (vgl. Ps 60,6) für die Zerstörung des Tempels sollte die Umzingelung der Stadt durch fremde Kriegsheere sein (V.20). Mit der Zerstörung Jerusalems verloren die Juden ihr Erbteil, und zwar "bis die Zeiten der Nationen erfüllt sein werden" (Vers 24). Dies wird erst der Fall sein, bei der Wiederkunft Christi (vgl. Offb 11,2-3). Die Rückkehr der Juden nach Palästina sowie die Staatsgründung Israels sind zwar auch prophezeit (Dtn 30,1-10; Jes 14,1-2; Hes 37,1ff; Röm 11,15.25-27 ua.), aber die endgültige Erlösung erfährt nur ein Überrest, und zwar erst dann, wenn sie den wiederkommenden Herrn Jesus Christus als ihren Messias erkennen und Buße tun (Sach 12,9-14). Vgl. auch die Anm. bei Mt 24,3 und die Anm. bei Mk 13,4 14 entw.: Erdbeben an verschiedenen Orten gleichzeitig (20,513); od.: Erdbeben über ganze Landstriche hin (7,357); od.: Erdbeben mal hier und mal dort (2,z.St.). Unter Kaiser Claudius (41-54 n.Chr.), wütete eine furchtbare Hungersnot im Orient. Längst erloschene Vulkane brachen wieder aus, und ein Erdbeben zerstörte mehre Städte Kleinasiens gleichzeitig, zusätzlich raffte eine furchtbare Pest viele Tausende dahin. Das Ende der Welt schien nahe (20,513). Doch diese schrecklichen Ereignisse waren nur Vorboten (Wehen) auf noch viel Schlimmeres, das am Ende der Tage geschehen wird, und zwar unmittelbar vor der Wiederkunft Christi (vgl. die Gerichte im Buch der Offenbarung). 15 D.h. zur Gelegenheit für Christus Zeugnis abzulegen (z.B. die Apostel, Stephanus, Paulus, usw.). 16 od.: sich nicht im Vorhinein über etwas Gedanken oder Sorgen machen; od.: etw. vorher nicht einüben; od.: euch nicht vorher etwas zurechtzulegen oder vorzubereiten. All dies ist unnötig. 17 Gemeint ist wahrscheinlich, dass man durch Standhaftigkeit und Treue, eher am Leben bleibt, als wenn man feige den Glauben verleugnet. Vgl. Jer 39,18 18 Die Eroberung Palästinas begann schon 66 n.Chr. durch Vespasian, zuerst in Galiläa, dann in Judäa, und wurde erst von seinem Sohn Titus im Jahre 70 n.Chr., mit einer 140-tägigen Belagerung Jerusalems beendet (58,276ff). Die Jünger werden gewarnt, nicht in der befestigten Stadt Jerusalem Zuflucht zu suchen. 19 z.B.: Lev 26,14ff; Dtn 28,49ff; Sach 11,1-17; Mal 4,6 ua.; vor allem aber Dan 9,26. Diese Stelle in Daniel wurde schon von Josephus (Antiquitates X,11.7; De bello Judaico IV,6.3 und VI,5.4) und im Babylonischen Talmud (Nazir 32b) auf die Zerstörung Jerusalems gedeutet. 20 Mit der Zerstörung des Tempels durch Nebukadnezar und der Deportation der Juden nach Babylon begannen die "Zeiten der Nationen". Noch bevor damals der Tempel von Nebukadnezar zerstört wurde, verließ die Herrlichkeit Gottes den Tempel (Hes 9,1-3; 10,4.18-19). Ab diesem Zeitpunkt war Nebukadnezar der "König der Könige" (Dan 2,37-38) und das "Reich Gottes" auf Erden wurde zum "Geheimnis des Reiches der Himmel" (Dan 2,44). In der Vision vom Standbild in Dan 2,31-45 wird die ganze Weltgeschichte von Nebukadnezar bis zur Wiederkunft Christi und der Aufrichtung seines Reiches auf der Erde skizziert, und zwar in Details. So wird z.B. das 4. Reich, das römische Reich, dargestellt durch die zwei Beine des Standbildes (Dan 2,41), womit die Teilung des römischen Reiches in das West- und das Oströmische Reich vorhergesagt wird. Das, was mit Nebukadnezar in Dan Kap. 3+4 passiert, ist beispielhaft für den Umgang Gottes mit hochmütigen Herrschern. Sie werden stürzen, wie es die Geschichte schon oftmals bewiesen hat. - Das Ende der Zeiten der Nationen wurde wohl noch nicht durch die 1948 n.Chr. erfolgte Staatsgründung Israels, oder die 1967 n.Chr. erfolgte Einnahme Ost-Jerusalems und des Tempelberges, oder durch die Ausrufung Jerusalems als "ewige Hauptstadt" Israels, erfüllt (Hes 11,17-21 ua.). Eher werden die Zeiten der Nationen erst mit der Entrückung der Gemeinde und der Wiederkunft Christi erfüllt sein (vgl. Röm 11,25). Denn obwohl Israel derzeit die Kontrolle über ganz Jerusalem hat, wird die Stadt und das Land noch einmal beim letzten großen Krieg vom "König des Nordens" überrannt werden (Dan 11,40-45; Hes 38,1 - 39,2; Sach 14,1-5). 21 D.h. entw.: die Rasse der Juden; od.: die Generation, die dann leben wird, wenn die letzten Ereignisse vor der Wiederkunft Christi geschehen. 22 Nachdem Jesus in groben Zügen die bevorstehenden Weltereignisse bis zum Ende des Zeitalters vorausgesagt hat (Verse 8-11), macht er nun einen Zeitsprung zurück und prophezeit die Leiden, die seine Apostel und Jünger bis zur Zerstörung Jerusalems 70 n.Chr. durchmachen müssen. Diese Leiden finden noch vor den Ereignissen statt, die von Vers 8 an vorausgesagt wurden, und werden uns in der Apostelgeschichte geschildert. 23 Gefängnisse waren nur zur Verwahrung bis zur Gerichtsverhandlung. Danach folgte entweder die Beschlagnahmung des Eigentums, die Verbannung, die Hinrichtung, odgl. (65,I,407). 24 εσται (Fut.) mit einem Ptz.Präs. bezeichnet einen länger andauernden Zeitraum in der Zukunft (2,498.1388). Dieser dauerte von 70 n.Chr. bis zur Entrückung. 25 Damit sind sowohl jüdische Messiasse gemeint als auch christliche Verführer (20,513). 26 Die Schilderung der folgenden Ereignisse von Vers 25-27, sind ident mit Mt 24,29-31 und Mk 13,24-27 und werden dort präzisiert. Vgl. die Anmerkungen dort. 27 Bezüglich einem Überblick zu den verschiedenen Heilszeiten im Laufe der Menschheitsgeschichte siehe: https://docs.google.com/document/d/1F5MlXo4pkIT0EJ3uOW2J7JMQlHuQtxRY/edit?usp=sharing&ouid=112924122712875923108&rtpof=true&sd=true 28 Hier ist dem Zusammenhang nach nicht die ganze Erde, sondern nur das Land Israel gemeint (44,z.St.). 29 Das "sie" könnte darauf hindeuten, dass die Jünger/Gemeinde zu diesem Zeitpunkt schon entrückt wurden, als diese Ereignisse anfingen zu geschehen (V.28). 30 Dass der Feigenbaum hier von Jesus als Symbol für Israel gemeint ist, scheint weit hergeholt, denn Feigenbäume wuchsen überall am Wegrand und boten sich als Bild an. Außerdem weist Jesus auch auf alle anderen Bäume als Beispiel hin. 31 Damit wird zuerst auf Vers 28 zurückverwiesen, d.h. wenn die Ereignisse von Lk 21,9-11 beginnen, erkennen wir, dass das Ende naht. 32 Durch die Entrückung? Denn gleich danach heißt es: "um vor den Menschensohn hinzutreten". Lukas 22 1 Sie suchten diese Gelegenheit entweder vor dem Passah oder danach, keinesfalls aber während des Passahs (vgl. Mt 26,5), denn sie fürchteten die Volksmengen in Jerusalem, bei denen Jesus äußerst beliebt war. Dass die Hohepriester ihre Gegner verfolgten und drangsalierten, wird auch in der jüdischen Literatur berichtet (65,I,409). - Der Passionsbericht des Lukas bietet über die Berichte des Markus und des Matthäus hinaus folgende Sonderüberlieferungen: der Rangstreit unter den Jüngern (Lk 22,24-30), die Verheißung an die Jünger (Lk 22,28-30), die Mahnung an Simon (Lk 22,31f), den Hinweis auf eine Engelserscheinung in Gethsemane, und auf den Blutschweiß (Lk 22,43f), den Blick Jesu auf Petrus (Lk 22,61), die Verspottung Jesu durch Herodes (Lk 23,6-12), die Feststellen der Schuldlosigkeit Jesu durch Pilatus (Lk 23,13-16), Wort Jesu an die Frauen von Jerusalem (Lk 23,27-31), das Wort Jesu an den reumütigen Verbrecher (Lk 23,40-43) und das Sterbegebet Jesu (Lk 23,46) (vgl. 47,z.St.). 2 Jes 53,12 3 Judas war geldgierig, denn er entwendete regelmäßig Geld aus der gemeinsamen Kasse der Jünger (vgl. Joh 12,6; 1Tim 6,10). 4 Wie Mk 14,62. Eine griechische Redewendung für: "Ja, ich bin es". 5 In der LXX als Übersetzung für hebr. Strong Nr.: 01285. Ein Vertrag, welcher von Gottes Seite ausgeht und eine verbindliche Zusicherung seitens Gottes ist, die der Mensch annehmen oder ablehnen kann, deren Bedingungen er aber nicht ändern kann. 6 Den ausgedroschenen Weizen in einem Sieb so lange schütteln bis nur mehr die Steinchen im Sieb übrigbleiben, während die kleineren Weizenkörner durchs Sieb durchfallen. Auf diese Weise wurden die Steine aus dem Weizen ausgesiebt und von ihm getrennt. Bildlich übertragen auf den Satan, der die Gläubigen prüft, indem er versucht die Unbekehrten unter ihnen für sich zu gewinnen (Hiob 1,6-12), was ihm bei Judas gelungen ist. Nicht jedoch bei Petrus, denn er war gläubig und Jesus betete für ihn, dass sein Glaube nicht aufhöre. So betet Jesus als himmlischer Hohepriester auch jetzt für die Gläubigen, dass ihr Glaube nicht aufhöre. 7 Wahrscheinlich ist nicht nur das Schwert symbolisch zu verstehen, sondern auch Geldbeutel, Ranzen und Kleid. Der Herr möchte damit andeuten, dass sie ab jetzt nicht mehr mit der freundlichen Gastfreundschaft des Volkes rechnen können, die sie zuvor erlebt hatten (Mt 10,9-10), sondern mit Feindschaft (Joh 15,20). 8 Der Herr fühlte sich missverstanden, und bricht das Gespräch damit einfach ab. 9 Ein ungewöhnliches und daher markantes Kennzeichen, denn normalerweise trugen nur die Frauen die Wasserkrüge (65,I,409). 10 Dies war der erste (oder der zweite?) Becher in der Passah-Liturgie, mit dem der Hausvater, traditionell mit einem Dankgebet, das Passahmahl begann (20,539). Beim jüdischen Passahmahl wird der Kelch mehrmals herumgereicht. Von dem bei der Einsetzung des Abendmahls gereichten Kelch ist erst in Vers 20 die Rede (vgl. 47,z.St.). Zum Ablauf der Passah-Liturgie vgl. die Anm. zu Mt 26,20. Lukas hat in seinem Bericht die Einsetzung des Abendmahls der Ankündigung des Verrats vorgezogen. Matthäus und Johannes haben als Augenzeugen die genaue Reihenfolge des Ablaufs festgehalten, und Markus ist ihnen darin gefolgt. 11 Dies war wahrscheinlich der dritte Becher in der Passah-Liturgie, auch "der Becher der Segnung" genannt (1Kor 10,16), der nach dem Verzehr des Passahlammes getrunken wurde (vgl. 20,541ff; 33,882). 12 Nur der Arzt Lukas berichtet auch von der Heilung des Ohres. Es war das letzte Wunderzeichen, das Jesus vor den Augen seiner Feinde tat. Doch auch dies bewirkte kein Umdenken bei ihnen. Dass es Petrus war, spricht Lukas zwar nicht aus, deutet es aber mit der Betonung "ein gewisser..." an. Nur Johannes berichtet, dass es Petrus war (Joh 18,10), aber zu diesem Zeitpunkt war Petrus bereits hingerichtet worden. Dass Petrus nur das Ohr traf, war sicher eine Fügung Gottes. Hätte er den Diener erschlagen, wäre er sicher zusammen mit Jesus gekreuzigt worden. 13 Dass hier kein Ptz.Fut, sondern ein zeitloses Ptz.Präs. steht, obwohl beides erst zukünftig am Kreuz geschehen wird, ist kein Beweis für die katholische Trans-Substationslehre. Dies gibt sogar ein katholischer Gelehrter zu (13,96). 14 Die Verse 43-44 fehlen zwar in mehreren alten Hs., sie werden aber schon früh von Kirchenvätern zitiert und stehen in den beiden ältesten Übersetzungen. Vielleicht wurden sie schon von frühen Abschreibern weggelassen, weil man nicht glauben konnte, dass sie echt waren, und, dass der Sohn Gottes nicht so menschlich reagieren konnte. Erfunden hätte man einen solchen Satz sicher nicht ((27,177; 20,552). - Das Phänomen des "Blutschwitzens" wird auch in anderen antiken Schriften beschrieben. Da Lukas aber schreibt "gleich wie...", könnte es auch nur bildlich für den herabtropfenden Schweiß gemeint sein (65,I,413). Satan greift hier Jesus das letzte Mal an (vgl. Lk 4,13; 22,53b). 15 Dies war nach jüdischem Recht bei einem noch nicht Verurteilten verboten (65,I,415). 16 Die offizielle Gerichtsverhandlung durfte nur am Tag stattfinden (65,I,416). 17 Das war der Vormittag des 14.Nissan, damals ein Donnerstag. Am Abend des gleichen Tages feierten sie dann, wie alle anderen auch, das Passah-Mahl (Vers 14). Der ganz allgemeine Ausdruck lässt es unmöglich erscheinen, dass Jesus, wie manche behaupten, das Passah schon einen Tag früher gefeiert hätte als der Rest des offiziellen Judentums. Der scheinbare Widerspruch zu Joh 18,28b wird in der Anmerkung dort erklärt. - Für den genauen Ablauf des Passahmahles siehe die Anm. bei Mt 26,20 18 Nach dem Bericht der anderen drei Evangelien (Mt 26,21ff; Mk 14,18ff; Joh 13,18ff), ging die folgende Auseinandersetzung der Einsetzung des Abendmahls voraus, bei der Judas gar nicht mehr dabei war. Er nahm den ersten Bissen am Beginn der Passah-Liturgie und verließ danach sofort den Obersaal (vgl. Joh 13,26). 19 Nach der Erniedrigung hier, erfolgt die Erhöhung der Gläubigen im tausendjährigen Reich. Sie werden mit dem König Jesus Christus mitregieren (Offb 3,21; 5,10). 20 Dies bedeutet wahrscheinlich, dass anhaltendes (Imp.Präs.!) Gebet uns davor bewahren kann, der Versuchung zu unterliegen (vgl. Vers 45-46). Oder im Sinne von Mt 6,13a, die Bitte an Gott, uns gar nicht in Versuchung kommen zu lassen. Beides ist richtig. 21 Angesichts der großen Menge an bewaffneten Soldaten war dieses Ansinnen mutig, aber es war naiver Mut. Petrus wartet die Antwort Jesu gar nicht ab, sondern schlägt zu. Das war Hoch-Mut. Sind wir nicht auch manchmal so, dass wir Gott im Gebet befragen, aber dann seine Antwort und Führung gar nicht abwarten, sondern im Hochmut selbständig handeln. 22 Der oberste jüdische Gerichtshof mit Sitz in Jerusalem. Er bestand aus 71 prominenten Mitgliedern der hohepriesterlichen Familie, sowie aus Schriftgelehrten und Ältesten, und war bei den Juden die höchste Instanz zur Entscheidung aller religiösen und politischen Fragen. Er durfte Urteile fällen und auch ausführen, nur bei der Todesstrafe musste zu dieser Zeit der römische Prokurator seine Zustimmung erteilen. 23 Er ging nicht auf den Ölberg, sondern nur an seinen Abhang zum Garten Gethsemane (Mt 26,36). 24 Vgl. Mt 19,28; Offb 20,4 und die Anm. dort. Lukas 23 1 Vers 17 fehlt in den meisten Hs. 2 Hos 10,8; Offb 6,16 3 Ps 22,19 4 Ps 31,6. Dieser Vers wurde häufig während des Abendopfers, also um diese Zeit, gebetet (65,I,421). 5 od.: "...wenn du (bei der Wiederkunft) zu deiner Königsherrschaft kommst". Der Verbrecher denkt an die glorreiche Wiederkunft des Messias, vielleicht aufgrund von Jes 26,19 und Dan 12,2 (20,573; 21,I,641). Zu Jesu Antwort siehe auch die Anm.13 unten. 6 Hier ist das Paradies der Hades, der Aufenthaltsort der Gestorbenen bis zur Auferstehung (vgl. Lk 16,22-23) in welchen auch Christus zwischen seinem Tod und seiner Auferstehung hinabgestiegen ist (vgl. Apg 2,27.31; 1Pet 3,18-19; Eph 4,9). Seit Christi Auferstehung kommen die "Geister" der Gläubigen (Heb 12,23b) nach ihrem Tod zum Herrn in die Herrlichkeit (Phil 1,23; Apg 7,59), denn das Paradies ist seit Christi Auferstehung im dritten Himmel (2Kor 12,4). Erst bei der Entrückung werden sie mit einem Herrlichkeits-Leib auferstehen und mit dem Herrn Jesus aus dem Himmel wiederkommen (1Thes 4,14; Offb 19,14). 7 Der geheime Jünger tritt ans Licht, die Jünger blieben aus Furcht versteckt im Haus. 8 od.: weil er nach eurer Meinung das Volk verführt (2,z.St.). 9 D.h. solche die ein andersartiges Delikt begangen hatten. 10 Eine Anhöhe bei Jerusalem, "Schädelstätte" genannt, so bezeichnet, weil sie von ferne, wie ein riesiger Schädel aussah. Sie wurde als Hinrichtungsplatz benutzt. Der Ort lag außerhalb der damaligen Stadtmauer (vgl. Heb 13,12), wahrscheinlich unweit der heutigen Grabeskirche (vgl. 2,345). 11 Das ist das "gute Bekenntnis" (1Tim 6,13), denn aufgrund dieses Anspruchs konnte ihn Pilatus wegen Hochverrat zum Tod verurteilen, obwohl er wusste, dass es nicht politisch gemeint war. 12 Obwohl der Vers in etlichen wichtigen alten Handschriften fehlt, ist er sicherlich ursprünglich. Frühe Abschreiber dürften ihn für unecht gehalten haben, weil er scheinbar ein unerhörtes Gebet Jesu sei. Doch Jesus betete um Vergebung für das Volk Israel und sein Gebet wurde erhört, denn Gott schenkte ihnen noch eine 40-jährige Gnadenzeit, um das Evangelium zu hören und zu glauben, obwohl Gottes Zorn auf dem Volk lag (1Thes 2,16b). Ein Überrest nützte diese Gnade auch. Auch der ein Verbrecher, dürfte aufgrund von Jesu Gebet ermutigt worden sein, ihn um Gnade zu bitten (20,571; 27,180). - Mit diesem Gebet ist sicherlich kein allgemeiner Sündenerlass gemeint, sondern die Blindheit, in der die Kreuzigung durch die Menschen geschah (vgl. 1Kor 2,8). Alle Menschen werden für alle ihre Sünden verurteilt werden, wenn sie nicht Buße tun. - Normalerweise beteten die Gekreuzigten vor ihrem Tod für sich selbst folgendes: "Mögen durch meinen Tod, alle meine Sünden gesühnt sein" (65,I,420). 13 Die Übersetzung: "Ich sage dir heute, du wirst mit mir im Paradies sein", erscheint unnatürlich, denn das "heute" wäre unnötig. So aber ist es zur Betonung nach vor gezogen: "Schon heute,...", und nicht erst bei meiner Wiederkunft (77,702ff; 20,573). 14 Ind.Impf. + Ptz.Präs.Pass. drückt sehr stark die bis dahin schon länger andauernde Feindschaft aus (13,125). 15 Da Pilatus nicht davon überzeugt war, dass Jesus ein Verbrechen begangen hatte, wollte er auf diese Weise den Fall loswerden. 16 Er tat dies nicht, weil er von Jesu Schuld überzeugt war, sondern um das Volk und die Hohepriestern zu besänftigen. Pilatus war erst kurz davor vom Kaiser gemahnt worden, die römischen Standarten aus Jerusalem abzuziehen. Einen weiteren Aufstand der Juden oder eine Klage ihrer Führer beim Kaiser, konnte er sich nicht erlauben. Um die Gunst des Volkes zu erlangen, hatte er erst kürzlich einen römischen Soldaten hinrichten lassen, der eine Heilige Schriftrolle verbrannt hatte (65,I,418). 17 Der "Tag der Zurüstung" war unser heutiger Freitag, der Sabbat unser Samstag. Der Sabbat begann Freitagabend um ca. 18 Uhr und endete Samstagabend um ca. 18 Uhr. Der erste Tag der Woche (Lk 24,1) war unser Sonntag (20,580). Die unmittelbare Aneinanderreihung dieser Tage zeigt, dass die Ansicht, Jesus wäre schon an einem Mittwoch oder Donnerstag gestorben, falsch ist. Sie beruht auf einem Missverständnis des Ausdrucks "drei Tage und drei Nächte" in Mt 12,40 (siehe dortige Anm.) und einem Missverständnis von Joh 18,28 (siehe dortige Anm.). 18 Der Ort ist vermutlich mit Ramathajim Zophim bzw. Rama identisch, dem Geburtsort Samuels (1Sam 1,1.19), und liegt 15 km nordöstlich von Lydda (54,z.St.). 19 Der Ind.Impf. drückt normalerweise eine andauernde (durative) oder wiederholte (iterative) Handlung aus. Allerdings kommt der Ind.Impf. dieses Wortes 71-mal im NT vor, wo eine durative oder iterative Bedeutung nicht ersichtlich ist! Vielleicht ist es ein beschreibender Imperfekt, der hervorheben möchte, was gesagt wurde (13,91). Möglich wäre auch ein inchoativer Imperfekt (2,1386): "Jesus aber fing an zu sagen: ...". Jedenfalls ist der Imperfekt und nicht der Aorist hier sehr wohl am Platz, denn Jesu bitte wurde nicht sofort erhört. Siehe auch die Anm.12 oben. Eine ähnliche Bedeutung hat auch der Imperfekt des gleichen Wortes in Vers 42: "er sagte nachdrücklich...". Lukas 24 1 Das Herz ist das Objekt von ανοητος (unverständig) und βραδω (langsam). Das Problem lag nicht so sehr am Verstand, sondern im Herzen! 2 D.h. entw.: an der Art und Weise wie er sonst das Brot zu brechen pflegte; od. viell.: an den Wundnarben der Nägel, die dabei sichtbar wurden; od. ganz allg. zeitlich: "...während dem Brechen des Brotes". 3 Sie hielten ihn für einen unbekannten Festpilger, weil ihre Augen gehalten wurden, und vielleicht noch zusätzlich, weil Jesu Aussehen in seinem Auferstehungsleib etwas anders war als vor seiner Auferstehung. 4 Nach Jesu Aussage ist klar, dass alles in den Propheten von Gott inspiriert ist und geglaubt werden muss. Eine Unterscheidung zwischen Gotteswort und Menschenwort ist ihm fremd. 5 Das heißt, wir können in allen Schriften des AT mehr oder weniger deutliche Prophezeiungen über den Messias finden. 6 1 Stadie entsprach der Länge des Rundkurses im Stadion von Olymp, also ca. 185 m (33,1249). Emmaus lag entweder bei dem 11,5 km entfernten el-Ikbebe, ein Dorf in Judäa, nach Lukas etwa (60 Stadien = 11 km) von Jerusalem entfernt. Da die Lage aber nicht sicher nachzuweisen ist, wurde als zweiter Ort das heutige Amwas vorgeschlagen, dass damals einen vielbesuchten Viehmarkt hatte und als angenehmer Wohnort mit gutem Wasser galt. Es lag aber einen vollen Tagesmarsch (ca. 23 km) weit von Jerusalem entfernt, und passt daher nicht zu einer rechtzeitigen Rückkehr der beiden Jünger nach Jerusalem (76,719; 52,II,258; 46,242). 7 Jesus verstellt sich nicht in unaufrichtiger Weise, sondern möchte nur testen, ob sie ihn aufnehmen wollen, um mehr von ihm zu erfahren. Dies erforderte schon die Höflichkeit (65,I,424). 8 od.: "...anfangend von Jerusalem. Ihr seid Zeugen von diesen Dingen" (9,z.St.; 47,z.St.). 9 Jemanden zum Einkehren zu "nötigen", notfalls mehrmals, war im Orient Ausdruck aufrichtig gemeinter Gastfreundschaft (Rich 19,5-9; 1Sam 28,23). 10 Der Herr Jesus ist irgendwann in der Nacht von Samstag auf Sonntag auferstanden. Für die Juden beginnt zwar der 1.Tag der Woche (d.h. der Sonntag) bereits um ca. 18 Uhr mit dem Sonnenuntergang am Sabbath (= Samstag), doch der Ausdruck "frühmorgens" bestätigt, dass mit dem 1.Tag der Woche hier bereits die Zeit nach Mitternacht gemeint sein muss, also der Sonntag ab Mitternacht, so wie wir ihn auch heute verstehen. Es war "an diesem Tag" (Vers 13), dass die Emmaus-Jünger sagten, dass es schon der 3.Tag (Vers 21) seit seiner Kreuzigung war. Also muss die Kreuzigung am Freitag stattgefunden haben, und nicht an einem Donnerstag oder Mittwoch, wie einige behaupten. 11 Es ist hier eine einfache Mahlzeit, und keine Abendmahlsfeier (20,589). 12 Ein brennendes Herz bekommt man, wenn einem der Heilige Geist direkt beim Lesen des Wortes den Sinn eröffnet, oder, wenn man durch eine Predigt oder eine Bibelauslegung das Wort versteht. Ist dies bei uns auch so? 13 Dieser Satz fehlt in manchen Hs. Wahrscheinlich erschien er Abschreibern aufgrund von Vers 39 als nicht ursprünglich, sodass sie ihn wegließen. Andere meinen, er wurde von Joh 20,20 eingefügt, doch dies ist eher unwahrscheinlich, denn dort steht: "...seine Hände und seine Seite", und nicht "...seine Hände und seine Füße" (27,187). Nach Johannes Johannes 1 1 Jes 40,3 (LXX) 2 Gen 28,10-17 3 Bei Johannes immer übernatürlich, geistlich, ewig. Dieses göttliche Leben empfängt der Gläubige bei der Wiedergeburt (Joh 3,15 ua.). 4 Am besten positiv zu verstehen: "ergriff es nicht um es anzunehmen", zuerst in Bezug auf Israel, dann in Bezug auf die ganze Menschheit; vgl. Joh 1,10-11; 3,19. Falls es feindselig gemeint ist: "...ergriff es nicht, um es zu unterdrücken/auszulöschen"; wie Joh 12,35 5 Nicht im Gegensatz zu einem falschen Licht, sondern im Gegensatz zu einem unvollkommenen Licht. 6 μονογενους mit "der eingeborene" oder "der einziggeborene" zu übersetzen ist missverständlich. Ein "Eingeborener" ist nach heutigem Sprachverständnis ein Ureinwohner in abgelegenen Gebieten dieser Erde, was dem griechischen Ausdruck völlig fremd ist. Auch die Übersetzung "einziggezeugt" wäre nicht so exakt, denn dafür verwendet das Griechische eher das Wort μονογεννητος. Der präexistente Sohn, der Logos, wurde weder geboren noch gezeugt, denn wie der Vater ewig existierte, so existierte auch der Sohn ewig. Der präexistente Sohn Gottes "hat weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens" (Heb 7,3). Auch Isaak wird in Heb 11,17 μονογενη genannt, er war aber nicht der einziggeborene bzw. einziggezeugte von Abraham, denn Abraham hatte zwei Söhne gezeugt, aber Isaak war sein "Einziger", der, an dem sein ganzes Herz hing. - Die Herrlichkeit des Logos war die Gleiche, wie die des ewigen Vaters die er mit seinem ewigen Sohn teilt (2,z.St.). 7 Schon die ältesten Hs. schwanken zwischen μονογενης θεος "...einzigartiger Gott" und μονογενης υιος "...einzigartiger Sohn". Beide Lesarten sind bereits im 2.Jhdt. bezeugt und ihre Entstehung könnte durch einen Hör- oder Abschreibfehler beim Vervielfältigen der Abschriften entstanden sein, da beide Wörter mit ..ος enden. Es lässt sich nicht mehr mit Sicherheit sagen, welche Lesart die ursprüngliche ist (vgl. 2,525; 27,198; 25,II,56ff; 65,I,434). Wenn θεος ohne Artikel die ursprüngliche Lesart ist, "...(ein) einzigartiger (Sohn, der selbst) Gott (ist)...", dann wäre θεος damit als Objekt-Prädikat gekennzeichnet, und wir hätten hier wieder eine der Stellen, die die Gottheit Christi deutlich herausstreichen. Vgl. auch noch: Joh 1,1.18; 8,58; 10,30-39; 20,28; Röm 9,5; Tit 2,13; 2Pet 1,1 ua. 8 AT: "...räumt auf durch Beseitigung der Hindernisse". 9 Gnade und Wahrheit sind eigentlich ein unüberbrückbarer Gegensatz. Aber am Kreuz hat Christus beide vereint: Er nahm unsere gerechte Strafe auf sich, damit uns Gott unverdiente Gnade erweisen konnte. - Mit Wahrheit ist die Gerechtigkeit Gottes gemeint (Ex 34,6), - nach anderen aber die Wirklichkeit im NT im Gegensatz zu den Schatten im AT. 10 Umschreibend für: wir würden dich gerne persönlich sprechen (25,II,97). Die Bekehrung dieser ersten Jünger begann mit Gastfreundschaft. 11 Das ist 10 Uhr vormittags nach römischer Zeitrechnung (von Mitternacht bis Mittag und von Mittag bis Mitternacht gezählt). Johannes verwendet, im Gegensatz zu den Synoptikern die römische Zeitrechnung, da er nach 70 n.Chr. schreibt, wo die jüdische Zeitrechnung nicht mehr gebräuchlich war. So erklärt sich auch der scheinbare Widerspruch von Joh 19,14 mit Mk 15,25. Markus und Matthäus verwenden die jüdische Zeitrechnung, aber Johannes die römische (65,I,437; 83,64). Andere meinen jedoch die jüdische Zählweise sei gemeint, also 4 Uhr nachmittags (25,II,98f). Aber 10 Uhr vormittags passt besser zu der Bemerkung, dass die beiden Jünger den ganzen restlichen Tag bei ihm blieben. 12 Der Zweite war wahrscheinlich Johannes selbst (25,II,99). 13 z.B. in Kap.2,1ff; 4,43ff usw. 14 Hier beginnt der erste von sieben Tagen: 1.Tag (Kap.1,19ff) - 2.Tag (Joh 1,29ff) - 3.Tag (Joh 1,35ff) - 4.Tag (Joh 1,43ff) - 5.Tag (Reise nach Galiläa) - 6.Tag (Joh 2,1ff) - 7.Tag (Joh 2,12ff). Vielleicht will Johannes einen Vergleich mit dem Schöpfungsbericht herstellen, wie in Vers 1. - "Man versteht so gut, wie Johannes die Tage zählt, die Tage der ersten Liebe" (Paul Humburg). - Die Befragung des Johannes geht von der jüdischen Behörde in Jerusalem aus. Zum Hohen Rat (Synedrium) gehörten drei Gruppen: die Hohepriester, das heißt der amtierende Hohepriester und frühere Hohepriester (hauptsächlich Sadduzäer), die Ältesten als Vertreter des Laienadels und die Schriftgelehrten, die vorwiegend zur Partei der Pharisäer gehörten (vgl. 47,z.St.). 15 "In ihm (d.h. im Logos) war (geistliches) Leben...". Mit ihm ist eine männliche Person gemeint, nämlich Jesus; od.: "...was geworden ist, in ihm war (natürliches) Leben", was aber eher unwahrscheinlich ist, da Johannes mit Leben immer übernatürliches Leben meint. 16 Wahrscheinlich ist aufgrund der sprachlichen Parallele mit Joh 3,19 und 12,46 zu übersetzen: "Er war (als) das wahrhaftige Licht in die Welt kommend, um jeden Menschen zu erleuchten" (62,69); od. viell.: " zu beleuchten, um so ins Licht zu stellen"; od. viell.: "Er war das wahrhaftige Licht, welches jeden Menschen erleuchtet, der in die Welt kommt" (vgl. 21,I,687; 25,II,35; 13,126). Das "Erleuchten" wäre dann vielleicht ein Hinweis auf eine Grunderkenntnis, die jeder Mensch von Geburt an von Gott erhält und aufgrund der er auch Gott gegenüber verantwortlich ist, um den unsichtbaren Gott tastend wie ein Blinder zu suchen (vgl. Röm 1,19; 2,1.6-9.15-16; Apg 17,27). Falls aber die Bedeutung "beleuchten" zutrifft, dann in dem Sinn von Joh 3,19-21; 12,35-36; Eph 5,13 17 D.h. nicht aus natürlicher Abstammung bzw. Blutsverwandtschaft; vgl. Kap 8,39 18 D.h. nicht durch eigenen Willen, z.B. durch gute Werke, aber auch nicht durch den fälschlich sogenannten "freien Willen" des Menschen. 19 D.h. nicht durch den Willen eines anderen Menschen, weder durch sexuelle Zeugung noch durch die Handlung eines Priesters. 20 Vgl. Ex 25,1ff; Offb 21,3 ua. - Gottes Herrlichkeit zeltete im Heiligtum, bis sie dieses verließ (Hes 10,4.18-19.23). Hier zeltet die Herrlichkeit Gottes wieder leiblich in Jesus (vgl. Joh 2,21; Kol 1,19; 2,9). Mit Jesu Himmelfahrt verließ die Herrlichkeit Gottes wiederum diese Erde, und zwar in der gleichen Reihenfolge wie in der Prophezeiung Hesekiels: Jesus verließ zuerst den Tempel, um dann bei seiner Himmelfahrt vom Ölberg aus, die Erde endgültig zu verlassen. Seit dem Kommen des Heiligen Geistes zeltet die Herrlichkeit Gottes wieder im Leib Christi, der Gemeinde (Eph 1,23; 3,21). Und bei der Entrückung wird die Herrlichkeit Gottes in der Gemeinde die Erde wieder verlassen. - Mit der Menschwerdung des Logos steht der Logos-Begriff des Johannes aber im schroffen Gegensatz zum Logos-Begriff der Gnosis, wo sich der Logos niemals mit der Materie verbinden könnte (52,III,714). 21 Im Rang; od.: zeitlich. 22 D.h.: eine Gnade nach der anderen, bzw. immer wieder neue Gnade (2,525; 13,31). 23 Ein t.t. für die Erteilung von Auskünften über Geheimnisse durch die Orakelpriester und Wahrsager (1,557). Vielleicht verwendete Johannes bewusst diesen Ausdruck (etwas erklären, auslegen, ausplaudern oder "ausmalen") als markanten Gegensatz zur Gnosis. 24 D.h. die ihn als Retter annahmen. Der Name steht hier für das, was die Person tut (2,z.St.), denn der Name Jesus bedeutet im Hebräischen: Jahwe errettet. Darum, weil sie auf Jesus als Retter vertrauen, können sie durch die Wiedergeburt Kinder Gottes werden (25,I,42). Das Ptz.Präs. πιστευουσιν steht hier als Attribut zum Inf.Aor γενεσθαι, wenn schon nicht im vorzeitigen Sinn, so doch, wie gewöhnlich als gleichzeitige Handlung, keinesfalls aber nachzeitig, was das Ptz.Fut. verlangen würde (2,1393). Also muss man zuerst Jesus im Vertrauen annehmen und wird damit durch die Wiedergeburt ein Kind Gottes, und nicht umgekehrt (25,I,43). Trotzdem ist die ganze Errettung ein Gnadengeschenk (Eph 2,8). 25 Entw. ein Gen.subj.: "das Lamm von Gott". Da Lamm mit Artikel steht, vielleicht das schon in Jes 53,7 versprochene Lamm Gottes (25,II,84); od. ein Gen.obj.: "das Lamm für Gott". Da Johannes ein Jude war, der zu Juden sprach, könnte er gemeint haben: Siehe, das Opferlamm, das ihr nun statt euren eigenen Lämmern, stellvertretend für eure Sünden Gott bringen könnt. Vielleicht will Johannes aber beide Bedeutungen vereinen (vgl. 13,12f), denn Christus ist sowohl das von Gott bestimmte und bereitgestellte Opferlamm als auch das Opferlamm des Sünders für Gott, also das Opferlamm, das der Sünder Gott stellvertretend für seine Sünden Gott darbringt. Andere Beispiele, wo wahrscheinlich beide Genitiv-Bedeutungen ausgedrückt werden, sind in 2Kor 5,14 und 2Thes 3,5b. - Ein Lamm wurde täglich morgens und abends im Tempel geopfert und auch das Sünd-Opfer beim Passah war ein Lamm. 26 Der Imperfekt ην drückt (im Gegensatz zum Aorist) die kontinuierliche und ewige Präexistenz des Sohnes Gottes aus. Der Prolog stellt damit klar, dass der Logos schon immer war und ewig existierte. Er war schon immer bei Gott und er war schon immer Gott selbst, um dann, in der Fülle der Zeit, Fleisch, d.h. Mensch zu werden (εγενετο). Schon im Anfang, als Gott alles schuf, war der Logos schon seit immer existent (21,I,683). Obwohl Joh 1,1 eine Anspielung auch Gen 1,1 ist, geht Johannes zeitlich zurück in die Ewigkeit. 27 Impf.: schon immer seit der Schöpfung? (im Sinne von Kol 1,16d); od.: seit seiner Geburt? (vgl. 25,II,36). 28 Für das hebräische Wort "der Messias" (der Gesalbte), steht im griechischen Text ο Χριστος (der Christus); vgl. Joh 1,41 und 4,25. Darunter verstand das damalige Judentum hauptsächlich den verheißenen Spross aus dem Haus David (vgl. Joh 7,42). Doch waren die Messias-Erwartungen nicht einheitlich. "Elija" war nach 2Kön 2,11 zum Himmel entrückt worden und man erwartete seine persönliche Wiederkunft (vgl. Mal 3,23-24; Sir 48,9-10; Mk 9,11-12). Johannes war aber nicht Elija persönlich, der erst am Ende des Zeitalters kommen wird (wahrscheinlich Offb 11,3), sondern nach den Worten Jesu nur derjenige, der im Geist Elijas kam, um das erste Kommen des Messias vorzubereiten (vgl. Anm. bei Mt 11,14). Auch "der Prophet" wurde aufgrund von Dtn 18,15.18 erwartet. Man erwartete für die Endzeit das Auftreten eines dem Mose ähnlichen Propheten (vgl. Joh 6,14; 7,40.52), doch die Apostel verstanden unter diesem angekündigten Propheten zu Recht Jesus selbst (Apg 3,22). 29 Dieses Betanien wird durch die nähere Bestimmung "jenseits des Jordan" von dem gleichnamigen, am Ölberg gelegenen Ort unterschieden, wo nach Joh 11,1 die Auferweckung des Lazarus und nach Joh 12,1 die Salbung Jesu geschah. Der genaue Ort, an dem Johannes taufte, ist zwar nicht mehr sicher festzustellen, es dürfte aber an der Furt über den Jordan (manche Hs. haben: Beth-abara = "Furt-Hausen"), östlich von Jericho in Peräa gewesen sein. Hier ging ein wichtiger Verkehrsweg vorbei, und Johannes der Täufer konnte hier eine große Zuhörerschaft für seine Bußpredigten erwarten. Bei dieser Furt hatte auch Israel unter Josua mit der Einnahme des Landes Kanaan begonnen (Jos 3,1ff), und auch Elisa ging dort nach Elijas Himmelfahrt über den Jordan, um seinen Dienst in Israel zu beginnen (2Kön 2,1ff). Es wäre also auch für Jesus eine passende historische Örtlichkeit gewesen, um seinen Dienst in Israel zu beginnen (vgl. 46,96ff; 33,132; 47,z.St.; 65,I,436). In Peräa regierte Herodes Antipas und Johannes der Täufer wurde dann auch dort gefangengenommen. 30 Rabbi ist die gebräuchliche Anrede von Lehrern durch ihre Schüler. Obwohl Jesus nicht rabbinisch geschult ist (vgl. Joh 7,15), wird er öfter von seinen Jüngern, aber auch von anderen Leuten, so angesprochen (Joh 6,25; vgl. Joh 20,16). Sogar von dem Schriftgelehrten Nikodemus in Joh 3,2 (47,z.St.). 31 In Griechisch λογος ("Logos"). Dies ist ein sehr alter Begriff aus der griechischen Stoa Philosophie. Dort war der Logos der reine Wahrheitsgehalt des Sprechenden, mit Gott Zeus ident, und Träger der göttlichen Energie, durch die die Welt entstand und der die Materie durchströmt; vgl. Kol 1,17 (21,I,684ff; 52,III,711ff). Andere, wie Dr. A.G. Fruchtenbaum, verstehen darunter den jüdischen "Memra" Begriff, weil Johannes kein griechischer Philosoph, sondern ein jüdischer Fischer war. Im AT wurde die Weisheit personifiziert (Spr 8,1-31), und das Judentum identifizierte die Weisheit, das Wort und die Thora miteinander, sodass das Wort die Verkörperung der gesamten Offenbarung Gottes war, - Gott offenbart sich durch den λογος und im λογος (65,I,432). 32 Als Aramäismus ist die Bedeutung der Präposition προϛ mit Akkusativ: der ewige Gott-Vater und der ewige Gott-Sohn existierten schon ewig nebeneinander und hatten persönlichen Austausch. Vgl. Joh 1,18b und vielleicht Spr 8,23ff (21,I,684; 13,33f). 33 "Gott" steht normalerweise immer mit Artikel, ohne Artikel ist der Ausdruck als Prädikat-Nomen und damit als Objekt-Prädikat gekennzeichnet (2,523; 21,I,684). Daher ist nicht zu übersetzen: "...(ein) Gott", sondern: "...seinem Wesen nach Gott gleich", aber eben nicht ident mit Gott-Vater, sondern als ewiger Sohn des ewigen Vaters eine eigene Person, die auch Mensch werden konnte, ohne seine personale Gottheit ablegen zu müssen. Vgl. auch die Anm.7 oben. 34 Der Jordan ist der wichtigste Fluss Israels, der als geologisches Phänomen, das am tiefsten gelegene Tal der Erde durchfließt. Er entspringt im Norden im Gebiet des Berges Hermon, etwa 500 m über dem Meeresspiegel und mündet 200 km südlich ins Tote Meer, dessen Wasserspiegel sich 392 m unter dem Meeresniveau befindet. Die Taufstelle ist etwa 7 km nördlich vom Toten Meer zu suchen (54,z.St.). 35 Bethsaida war ein Fischerdorf am See Genezareth, wahrscheinlich östlich des Jordan an einer Furt, kurz vor dessen Einmündung in den See gelegen. Die dort angrenzende Lagune war für ihren Fischreichtum bekannt, daher der Name Beth-saida (= Haus der Fische). Heute heißt der Ort "chirbet el-aradsch". Der Tetrarch Philipp renovierte die alte Stadt 3 v.Chr. und gab ihr den Namen Julias, zu Ehren der Tochter des Kaisers Augustus. Etwa 3 km östlich davon baute er sich auf einem Hügel eine Burg, die ihm als Palast und Amtssitz diente. Im Jahr 34 n.Chr. ist er hier gestorben. Zurzeit Jesu muss der Ort eine sehr fruchtbare Umgebung gehabt haben, auch eine Synagoge gab es dort, obwohl die Bevölkerung aus Juden und Heiden bestand (46,173ff; 33,135; 52,I,878; 54,10; Josephus, Antiquates, XVIII,2,1 und 4,6). Nach Joh 1,45 war es die Heimat des Philippus, Andreas und Petrus. - Nach anderer Annahme ist zumindest in Mk 8:22 und Lk 9,10 ein anderer, an der Westküste des Sees, nahe Kafarnaum gelegener Ort gleichen Namens gemeint, eine Annahme, die aber unbegründet scheint (2,280; 25,248f). 36 Nazareth war in jeder Beziehung ein unbedeutender Ort, sowohl in alttestamentlicher Zeit als auch zurzeit Jesu. Nathanael, der aus dem wichtigeren Kana stammte, blickte daher verächtlich auf Nazareth und seine Bewohner herab (46,87). 37 "Fleisch" bedeutet, dass der ewige, präexistente Sohn Gottes, ein wahrer Mensch aus Fleisch und Blut wurde. Das richtet sich gegen die gnostischen Irrlehren. Vgl. Anm. bei 1Tim 6,20. 38 Mit den "Juden" sind bei Johannes meist die religiösen Führer in Jerusalem gemeint (59,120). 39 D.h. keine buchstäbliche Taube, sondern ein Symbol für den Heiligen Geist. 40 Bezieht sich entweder auf den Einzigartigen oder vielleicht auf das Wort Herrlichkeit, und eher nicht auf den Vater (25,II,49; 13,5). - Diese Herrlichkeit offenbarte sich in Jesus bei seinen Wundern, beim ersten Wunder (Joh 2,11) und beim größten Wunder (Joh 11,40), sowie auf dem Berg der Verklärung (Lk 9,32). Am größten offenbarte sich diese Herrlichkeit aber eben dem Johannes in Offb 1,12-17. Darum ist es kein Wunder, dass gerade er diese Worte schreibt. 41 Das Gesetz wurde gegeben, die Gnade aber wurde offenbart in einer Person, nämlich in Jesus. Er war die Gnade Gottes in Person. 42 Die Juden kannten nur die Proselytentaufe, mit der Heiden zum Judentum konvertierten. Indem Johannes eine solche Taufe an Juden praktiziert, behandelt er sie sozusagen als Heiden die sich bekehren müssen (65,I,435). 43 Es ist bedeutsam, dass Jesus sie nicht fragt: "Wen sucht ihr?" Er wusste ja alles (vgl. Joh 1,48; 2,24-25), und darum wusste er auch, warum sie ihm folgten und was sie versuchten herauszufinden. Sie suchten etwas Bestimmtes: sie wollten persönlich herausfinden, ob Jesus wirklich das Lamm Gottes (Vers 36) von Jesaja 53,7ff ist, d.h. ob er der Messias ist. Sie suchten den Messias und sie fanden ihn (Vers 41). - Es gibt verschiedene Arten, wie Menschen an Jesus gläubig werden. Manche suchen nach der Wahrheit, wie hier und Gott offenbart sich ihnen. Andere werden von solchen die schon gläubig sind, zu Jesus geführt (Vers 42). Wieder andere sucht Jesus selbst (Vers 43: "findet er..."; Lk 19,10). Und manchen sehr skeptischen offenbart sich Jesus auf besondere Weise (Vers 48ff). Allen gemeinsam ist, dass sie erwählt sind vor Grundlegung der Welt und darum zum Glauben kommen (Apg 13,48). 44 Manche Hs. haben πρωτος: "Als erster findet Andreas...", d.h. er fand seinen Bruder Simon früher, als Johannes seinen Bruder Jakobus fand (25,II,99). Jedenfalls war sein Bruder der erste, den er zum Herrn führte, später sollte er noch viele andere zum Herrn führen. Nach frühen Berichten soll er über Kleinasien hinaus, bis Ostanatolien und Georgien missioniert haben und ihn Patras gekreuzigt worden sein. 45 Noch bevor Simon Jesus kennt, kannte Jesus schon seine Vergangenheit und Zukunft, weil Simon Petrus von ihm "erkannt ist vor Grundlegung der Welt". Zuerst gibt ihm Jesus zusätzlich zu seinem Geburtsnamen Simon, den Beinamen Kephas bzw. Petrus, um anzudeuten, was Petrus werden sollte. In Mt 16,18 sagt er ihm dann, dass er durch sein Bekenntnis zum ersten Felsstück (hebr.: keph) auf dem Fundament der Gemeinde geworden ist. 46 Die Rabbiner zurzeit Jesu erwarteten nach Dtn 18,18 den "vornehmsten Propheten" den sie "Josephs Sohn" nannten und der die angekündigten Demütigungen und Leiden des Messias erdulden sollte. Sie sahen ihn weder als König noch als Messias an (25,II,95). Dennoch ist Dtn 18,18 eine eindeutige Prophezeiung auf Jesus. 47 Nicht die Sünden (Plural) der Welt, sondern die Sünde (Singular) der Welt (vgl. Röm 5,12). Das ist die durch Adams Ungehorsam entstandene Trennung von Gott, die Jesus am Kreuz für alle Menschen, ja für die ganze Schöpfung, weggenommen hat, sodass alle in Buße und Glaube zu Gott kommen könnten, um aufgrund von Glauben durch den Herrn Jesus Christus versöhnt und erlöst zu werden. Aber nur die "Vielen" (Jes 53,12c; Mt 20,28; Heb 9,28 ua.), die diese Vergebung durch Buße und Glaube in Anspruch nehmen, haben die Vergebung von allen ihren Sünden. 48 Erst echte Buße öffnet die Augen für die Notwendigkeit eines Opfers für Sünden (Apg 26,18). 49 Da zuvor das Wort "Leben" ohne Artikel war, könnte der Artikel hier eine demonstrative Bedeutung haben: "...dieses (göttliche) Leben war..." (siehe: 13,53 [165]). 50 Das Präsens der lebendigen Erinnerung (25,II,50). 51 Johannes wusste, dass er nicht buchstäblich Elija war, sondern dem Messias nur "im Geist Elijas" vorausgehen sollte, wie es schon der Engel dem Zacharias in Lk 1,17 erklärte. Johannes verstand die Prophezeiung in Mal 3,23-24 richtig, indem er im Vers 24 eine Vorerfüllung in seiner Person erkannte, die Enderfüllung aber erst in der Zukunft, wenn Elija buchstäblich wiederkommen wird. Auch Jesus selbst hat später diese Unterscheidung gemacht (Mt 11,14). Johannes 2 1 Ps 69,10. In der LXX steht der Ind.Aor.: "...fraß mich auf". Mit dem Wechsel zum Futur wird die Bibelstelle auf seinen bevorstehenden Tod angewendet. Ein schönes Beispiel, wie das AT durch die Apostel ausgelegt und angewendet wird. 2 Die Anrede "Frau" ist durchaus respektvoll, allerdings gegenüber der eigenen Mutter ungewöhnlich. Sie soll Distanz aufzeigen. Die folgenden Worte sind allerdings eine harsche Zurechtweisung: "Lass mich in Ruhe!" od. freier: "Was kümmerst du dich um meine Angelegenheiten!" (21,I,703; 2,528; 65,I,440). Damit leugnet Jesus sein Mutter-Sohn Verhältnis zu Maria, da sie bloß seine leibliche Mutter, und nicht die "Mutter-Gottes" ist. Sie möchte, dass er ein göttliches Wunder tut, - was andererseits auch ihren Glauben bezeugt. 3 Gemeint ist die Stunde seines Todes: Joh 7,30; 8,20; 13,1; 17,1; Lk 22,14.53. Das darauffolgende Wunder ist ein "Zeichen", d.h. es ist eine Illustration über den Zweck seines Opfertodes: Wenn die eigene Freude zu Ende ist (= der Wein geht aus), schenkt er wahre Freude, indem er die eigenen Anstrengungen (= die Reinigungssitten des AT) beiseiteschiebt und anstelle dessen eine Reinigung durch seinen Opfertod am Kreuz aus Gnade (= die Fülle an neuem Wein) schafft. 4 Das 1.Passahfest, wahrscheinlich März/April 28 n.Chr. Es wird nicht mehr das Passah des Herrn genannt, sondern das Passah der Juden. Die drei Passahfeste sind in Joh 2,13; 6,4 und 11,55. 5 Sie wechselten mit hohem Gewinn das ausländische Geld der Festpilger in jüdisches Kleingeld, das von den jüdischen Pilgern aus der Diaspora zum Kauf der Opfertiere und für den Halb-Schekel für die Tempelsteuer benötigt wurde. Sie machten ein Geschäft mit der Religion, was Jesu heiligen Zorn auslöste. 6 Jesus ist der wahre Tempel; vgl. Joh 3,14; 6,30; 7,37; 8,12; 19,23. In ihm wohnte die Herrlichkeit Gottes (Kol 2,9). 7 Denken die Juden vielleicht an Mal 3,1-3 und wollen sagen: "Bist du etwa der Messias, dass du dies tun darfst"? 8 1 Maß entspricht ca. 39,5 Liter pro Tongefäß also mindestens 100 Liter. 6 Tongefäße zusammen ergaben also etwa 600 Liter Wein! Und dass, obwohl die Leute schon betrunken waren (V.10). Jesus wollte offensichtlich ein Zeichen setzen. Wein war ein Symbol für Freude (Ps 104,15a). Durch die Reinigung, die er gibt, bekommt man wahre Freude in Fülle. 9 D.h. den alten und abgelegenen Wein. 10 Das geschichtliche Kana in Galiläa lag wahrscheinlich 13 km nördlich von Nazareth, die genaue Lage kann aber nicht mehr nachgewiesen werden. Wahrscheinlich entspricht es dem heutigen, nur noch in Ruinen erhaltenen "chirbet kana" (46,108-113), während das heutige Kana (kefr kenna), 6 km nordöstlich von Nazareth, erst später als das Kana des Evangeliums angesehen wurde, was auch möglich wäre (vgl. 47,z.St.; 65,I,439). Kana war der Ort des ersten Wunders Jesu, die Heimat des Nathanael, nach manchen auch die des Simon. 11 Im Johannes-Evangelium heißen die großen Wunder Jesu "Zeichen", weil sie die Beglaubigung Jesu durch Gott an- und aufzeigen sollen. Sie zeigen, auf welche Art und Weise Gott durch Jesus wirkt. Obwohl Jesus viel mehr Zeichen tat (Joh 2,23; 20,30) werden im Johannes-Evangelium nur sieben Zeichen erzählt: (1.) das Weinwunder von Kana; (2.) die Heilung des Beamtensohnes in Kap. 4, 46-54; (3.) die Heilung des Kranken am Teich Betesda in Kap. 5,1-9; (4.) die große Speisung in Kap. 6,1-15; (5.) der Gang Jesu auf dem Wasser in Kap. 6,16-21 (nicht ausdrücklich als "Zeichen" genannt); (6.) die Heilung des Blindgeborenen in Kap. 9,1-7; (7.) die Auferweckung des Lazarus in Kap. 11,1ff (vgl. 47,z.St.). 12 Mit diesem Ausdruck sind im Johannes-Evangelium oft die jüdischen Führer gemeint. 13 Herodes regierte ab 40 v.Chr. Im 18.Jahr seiner Regierung begann er mit der Renovierung des Tempels, also hätten wir hier das Passah des Jahres 28 n.Chr. (21,I,710; 65,I,442). 14 Nach Ansicht des Talmuds soll der kommende Messias einen neuen oder veränderten 3.Tempel errichten (46,324; 65,I,442), andere wiederum glaubten, der Tempel würde ewig stehen. 15 Dies war ein großer Eklat für den Gastgeber, der ihn noch Jahre später zum Gespött gemacht hätte. Jesus hilft ihm in einer großen Not (65,I,439). Doch viel mehr geht es Jesus darum, seinen Jüngern seine Herrlichkeit zu offenbaren und seinen Kreuzestod vorauszusagen. 16 Er war für den reibungslosen Ablauf des Festes verantwortlich, besonders aber für die Einteilung des Weines durch angemessenes Verdünnen mit Wasser. Die Gäste hatten anscheinend schon zu viel getrunken (Vers 10), weshalb der Wein ausgegangen war. Ein Beweis dafür, dass Wein damals vergoren war und es sich nicht um Traubensaft handelte. Soweit wir wissen, haben die Juden Traubensaft nicht konserviert. 17 Eine Geißel oder Peitsche aus Stricken geflochten. Ein bei den Römern sehr verbreitetes Instrument zur Bestrafung, dort aber mit spitzen Knochen- und Metallstücken besetzt, was hier bei Jesus sicher nicht der Fall war. 18 Kafarnaum lag am See Genezareth, ungefähr 200 Meter unter dem Meeresspiegel, während Kana etwa 300 Meter darüber liegt (54,z.St.). Johannes 3 1 Von den vielen die wegen der Zeichenwunder nur äußerlich an ihn "glaubten" (Joh 2,23ff), kam einer, um genauer nachzufragen. Er kam danach noch öfters und wurde ein geheimer Gläubiger. Vgl. Joh 19,39 "...das erste Mal". Dieser Pharisäer und Ratsherr Nikodemus, der Schriftgelehrte Israels (vgl. Joh 3,10), spielt nur im Johannes-Evangelium eine Rolle. In Joh 7,50-51 tritt er im Hohen Rat für Jesus ein, in Joh 19,39 trägt er zur ehrenvollen Bestattung Jesu bei. Möglicherweise ist er ident mit dem im Talmud genannten Bonai Nikodemus, dem Sohn des Gorion, der auch in Jerusalem lebte und ein Jünger Jesu war (21,I,711; 62,184; 65,I,442). Der Talmud schreibt, dass dieser Nikodemus im Nebenberuf ein Wassersucher war und dadurch im wasserarmen Palästina sehr reich wurde. Er soll allerdings sehr arm gestorben sein. Der Talmud könnte diese Geschichte berichtet haben, um andere Pharisäer zu warnen, nicht auch Jünger Jesu zu werden so wie Nikodemus, um nicht das gleiche Schicksal zu erleiden wie dieser. 2 od.: von oben her (62,184); vielleicht ein doppelsinniges Wortspiel: vom Himmel, d.h. von Gott, her und daher von neuem geboren (2,z.St.). Jedenfalls ist bemerkenswert, dass nicht das Wort νεος oder καινος gebraucht wird. 3 "...auf diese Weise (und nicht wie ihr es euch vorstellt), muss..." (20,II,159). 4 "...der Vertrauende auf ihn,..." wäre: "...εις αυτον" so wie in Kap 3,16.18.36; 4,39; 6,40 und 1Joh 3,15 (27,204; 21,I,716). 5 Perf.: d.h. der sich noch im Zustand des Unglaubens befindet. 6 Der Artikel macht deutlich, dass Nikodemus entweder so etwas wie der "Chef-Theologe" (hebr.: Chakam) im Synedrium war, oder im Sinne von: "Du lehrst Israel und...". 7 Offenbar will Jesus den schriftkundigen Nikodemus auf Spr 30,3-4 hinweisen. So wie alle anderen Menschen, hatte auch Nikodemus "keine Erkenntnis des Heiligen", weil noch nie jemand "zum Himmel hinaufgestiegen und wieder herabgefahren" ist, um zu berichten, was im Himmel ist. Jesus aber, der Sohn Gottes, war vor seiner Menschwerdung im Himmel und kam als der Menschensohn herab, um uns die himmlischen Dinge zu sagen. - Es besteht kein Widerspruch zur Himmelfahrt des Elija, denn Elija wurde zwar zum sichtbaren Himmel entrückt (2Kön 2,1), danach aber war er, wie alle Heiligen des AT, noch nicht im Himmel, sondern im Schoß Abrahams im Hades. 8 Ptz.Aor. der Vorzeitigkeit. 9 Der schriftkundige Nikodemus hätte dies von Hes 36,25-27 schon wissen müssen. 10 Änon lag im nördlichen Samarien, südlich von Bet-Schean, einem Quellgebiet. Änon meint die Quellen beim heutigen Tell Schalem, die so stark sind, dass sie große Fischteiche speisen. Salim liegt 12 km südlich von Skythopolis (dem alttestamentlichen Beth-Schean), der einzigen westjordanischen Stadt des Zwölfstädtegebietes. Johannes hat seinen alten Taufort vielleicht gewechselt, weil er diesen Taufplatz dem "Bräutigam" Jesus überlassen wollte. Der neue Taufplatz bei Änon lag abseits der Herrschaftsgebiete der Herodessöhne und an einem wichtigen Verkehrsweg. Er war sowohl von Judäa als auch von Galiläa für Bußwillige gut erreichbar. Eine Fährverbindung führte dort auch über den Jordan (46,250f.257; 54,z.St). - Jesus, oder wie in Joh 4,2 berichtigt wird seine Jünger, tauften im südlicheren Judäa (vgl. 47,z.St.). 11 Wie beim Wind, kann man den Vorgang der Wiedergeburt nicht sehen, wohl aber ihre Auswirkung. 12 Präsens: als bleibenden Besitz. - Damit dürfte die Rede Jesu enden und die folgenden Worte dürften vom Apostel Johannes sein (21,I,717). 13 Ein historischer Ind.Aor. und nicht ein Präsens! Die Liebe Gottes zur Welt bestand darin, dass er an einem bestimmten historischen Zeitpunkt der Geschichte, seinen Sohn als Opferlamm in die Welt schickte (65,I,444). Eigentlich ist es nicht korrekt, aufgrund dieser Bibelstelle zu sagen, dass Gott auch jetzt die Welt liebt (was das Präsens erfordern würde), so sehr dieser Gedanke auch Allgemeingut geworden ist. Tatsächlich hasst Gott die Sünde und alles Böse in der Welt, und der Sünder steht unter dem Zorn Gottes, solange er sich nicht bekehrt (Joh 3,36b; Röm 1,18ff). Daher ist es nur logisch, wenn Johannes sagt "liebt nicht die Welt" (1Joh 2,15). 14 Der Mensch muss nicht erst ein gewisses Maß an Sünden anhäufen, um unter dem Zorn Gottes zu stehen. Er steht seit Geburt unter dem Zorn (Ps 51,5) und ist auf dem breiten Weg unterwegs in die ewige Verdammnis. Nur die Buße, die Bekehrung und der Glaube kann ihn auf den schmalen Weg führen, der ins ewige Leben mündet. 15 Wasser ist ein Symbol für Reinigung. Jesus möchte damit auf die Taufe des Johannes hinweisen, der diejenigen die Buße taten mit Wasser taufte zur Vergebung der Sünden und damit für sie der Wegbereiter für den wurde, der mit Heiligem Geist tauft (vgl. Joh 1,31; Mt 3,11; Tit 3,5). 16 Hier kommt eine gewisse Ungeduld zum Ausdruck (13,80). 17 Die Verse 19-21 beschreiben, warum Menschen nicht an Jesus glauben wollen, - sie wollen ihre bösen Taten weiter ausüben und nicht Buße tun. Vgl. auch Röm 2,6-10 18 Jesus denkt dabei vielleicht an Personen wie Simon Petrus, Nathaniel (Joh 1,42.47), und vielleicht auch an Nikodemus selbst. Auch Paulus beschreibt in Röm 2,7 solche Menschen, und Kornelius war auch so jemand (Apg 10,1-2.22.34-35.). Sie sind nicht gerecht aus sich selbst, sondern werden vom Vater zum Sohn gezogen (Joh 6,43). Sie kommen zum Licht, um vom Licht vollends erleuchtet zu werden und dann an das Licht zu glauben (Joh 12,36.46; 7,17). "Die aufrichtige Liebe zum Guten, macht für den Glauben empfänglich" (F.Godet). Dies ist kein Widerspruch zur völligen Verderbtheit des Menschen (Röm 3,10ff). 19 Das Königreich Gottes ist bei Johannes nicht das zukünftige Friedensreich, sondern der geistliche Herrschaftsbereich wo Gott jetzt schon regiert (vgl. Joh 18,36). Johannes 4 1 Fortsetzung in Vers 43 2 Beschreibender Impf.: "ohne weitere Umstände, so wie er war" (20,185). 3 Das wäre nach römischer Zeitrechnung ca. 6 Uhr abends (34,I,405.408). Johannes verwendet in seinem Evangelium die römische Tageszeit, weil nach der Zerstörung des Tempels 70 n.Chr. die jüdische Tageszeit nicht mehr üblich war. Das passt auch zu den Umständen. Die Reise von Bethanien nach Galiläa dauerte 3 Tage (46,222). Sychar wäre dann die erste Tagesetappe gewesen und Jesus war dementsprechend müde von der Reise. Die Hauptmahlzeit findet im Orient am Abend statt, darum waren die Jünger einkaufen gegangen, zu Mittag ging niemand einkaufen. Jesus blieb dann bei den Samaritern über Nacht (Vers 40). Die jüdische Zeitrechnung (12 Uhr mittags) nur deshalb anzunehmen, weil die Frau allein am Brunnen war, ist nicht nötig. Sie könnte abends kurz vor den anderen Frauen gekommen sein. Um 12 Uhr mittags ging jedenfalls keine Frau hinaus, um Wasser zu holen, denn da war es viel zu heiß. Vgl. die Anm.2 bei Mt 20,8 und die Anmerkungen bei Joh 18,28 und 19,14 4 Vgl. den Gegensatz zu Rebekkas Reaktion in Gen 24,17-18 5 od. prädikativ: "Was du sagtest, ist richtig". 6 Das "Du" ist betont vorangestellt: "...ist nicht dein Ehemann (sondern der einer anderen Frau)" (65,I,449). Welchen Effekt hatte diese Direktheit Jesu auf die Frau? Einen positiven → Vers 29.39 7 od.: "Jetzt schon empfängt der Erntende Lohn". 8 Kafarnaum lag am Nordwestufer des Sees Genezareth, ungefähr 200 m unter dem Meeresspiegel, ca. 50 km von Kana entfernt, das etwa 300 m über dem Meeresspiegel liegt (54,z.St.). Es war also eine beschwerliche ca. 7-stündige Tagesreise für den Beamten (20,206; 46,113). Jesus war davor schon einmal in Kapernaum (Kap 2,12), aber damals kam der Beamte noch nicht zum Glauben. Er brauchte offenbar eine große Not und ein großes Wunder, um zu glauben. Dieses Wunder bestand für ihn darin, dass Jesus über Entfernung heilen konnte. Manche meinen der Beamte war Chuza, dessen Frau mit Jesus mitzog (Lk 8,3). Doch dafür gibt es keine sicheren Beweise. Jedenfalls war es ein Beamter von König Herodes Antipas. Herodes Antipas lebte mit Herodias im Inzest zusammen und Jesus nennt ihn einen Fuchs. Dennoch tat Jesus ein Wunder für diesen Beamten. 9 Der noch heute erhaltene Jakobsbrunnen ist 32 Meter tief und war eher ein Straßenbrunnen als ein Ortsbrunnen. Da sein Grundwasser aber immer frisch nachfließt ("lebendiges Wasser"), wurde er vielleicht auch von den Bewohnern des nahegelegenen Sychar gerne aufgesucht. Im AT wird dieser Brunnen nicht erwähnt (vgl. 47,z.St.; 46,228). 10 Sie ist überführt, stellt aber eine ablenkende Frage, wie Menschen dies so oft tun, wenn sie mit der göttlichen Wahrheit konfrontiert werden. 11 Durativer Impf.: "...kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus". Von einem jüdischen Mann, besonders einem Rabbi, verlangte die Sitte strenge Zurückhaltung gegenüber einer Frau (vgl. 47,z.St.). 12 od.: "Ist dieser vielleicht der Messias?" Die erwartete Antwort ist unsicher (2,z.St.). 13 Kana lag höher als Kapernaum. 14 Wahrscheinlich als zärtliche Verniedlichungsform (25,II,206). 15 Sieben Uhr abends nach der amtlichen römischen Zeitrechnung, die nach der Zerstörung des Tempels 70 n.Chr. auch unter den Juden üblich war (25,II,206). Wenn der Beamte vor Sonnenaufgang von Kapernaum aufbrach, war er nach dem beschwerlichen 7-stündigen Tagesmarsch tatsächlich erst gegen Abend in Kana, was erklärt, warum er erst am nächsten Tag nach Kapernaum zurückkam (46,113). 16 Das erste Zeichen in Galiläa war in Kap 2,1ff die Verwandlung von Wasser in Wein in Kana. 17 Jesus zog nach Galiläa, um zu beweisen, dass ein Prophet kein Ansehen in seiner Heimat hat. Der nächste Vers scheint ein Widerspruch dazu zu sein: "...sie empfingen ihn", aber sie empfingen ihn nur wegen der Wunder, die sie in Jerusalem gesehen hatten (vgl. Joh 2,23-25). Aber Wunderglaube ist kein echter Glaube und am Ende bestätigte sich Jesu Urteil, denn nur ein Mann glaubte wirklich mit seinem Haus an ihn (V.53). 18 Der kürzeste Weg vom Jordan nach Galiläa führte durch die Landschaft Samarien, die das Gebiet von der Ebene Jezreel bis zur Grenze Judäas umfasste, also die ganze Gegend zwischen Galiläa im Norden und Judäa im Süden. Am Jakobsbrunnen, etwa 1 km südwestlich von dem Ort Sychar, gabelte sich der Weg nach West-Galiläa und zum See Genezareth. Vom Jakobsbrunnen aus gesehen der im Osten liegt, erhebt sich südwestlich der Berg Garizim, nordwestlich der Berg Ebal (vgl. 47,z.St.; 25,I,184). Jesus "musste" nicht unbedingt durch Samaria ziehen, um nach Galiläa zu gelangen. Der Weg durchs Jordantal wäre genauso möglich gewesen und jeder andere Jude hätte sicherlich diesen Weg gewählt, denn das Gebiet von Samaria wurde von frommen Juden eher gemieden, obwohl galiläische Festpilger sich freier fühlten durchzuziehen (Josephus, Antiquitates XX,6.1). Die Samariter waren zwar auch Verehrer Jahwes, aber seit der babylonischen Wegführung ein Mischvolk aus Israeliten und Heiden (2Kön 17,1ff). Daher wurden sie von den Juden als Abtrünnige angesehen, gemieden (vgl. V.9) und verachtet (vgl. Es 4,2; Hag 2,10-14). Vielleicht ist dieses "muss" daher als ein innerer Drang zu verstehen, was durch den Imperfekt gut ausgedrückt wäre: er "muss" der samaritischen Frau begegnen und die reiche Ernte in Samaria einbringen. 19 Das Gespräch fand in der Nähe des 881 m hohen Berges Garizim statt, auf dem die Samariter im 4.Jhdt. v.Chr. ihren eigenen Tempel gebaut hatten und dort Jahwe verehrten (vgl. Dtn 27,4-8). Der Berg Garizim war der Berg des Segens, der direkt danebengelegene Berggipfel Ebal, der Berg des Fluches. Der Seleukiden-König Antiochus IV. entweihte diesen Tempel dann für Zeus, weshalb Johannes Hyrkanus (vgl. 1Makk 16) im Jahr 128 v. Chr. den Tempel zerstören ließ. Der Kult, vor allem das Schlachten von Passahlämmern, wurde aber weitergeführt und ist bis heute lebendig geblieben. Es war eine alte Streitfrage zwischen Juden und Samaritern, welches der richtige Ort der Gottesverehrung sei (vgl. 47,z.St.; 52,II,698). 20 Auch die Samariter, die nur die 5 Bücher Mose als Offenbarung anerkannten, erwarteten den in Dtn 18,18 verheißenen messianischen Propheten und nannten ihn "Hathab", der Bekehrer, oder "El Muhdy", der Führer, oder "Taheb", der Wiederhersteller (vgl. 47,z.St.; 21,I,729; 65,I,450). 21 Die beiden Wörter "Quelle" und "Brunnen" (Strong Nr. 5421) werden hier in Vers 6 und Vers 11 hintereinander gebraucht. Für die Samariterin ist die "Jakobsquelle" nur ein "Brunnen" aus dem sie abgestandenes Wasser schöpft, der Herr aber bietet ihr eine geistliche "Quelle" an, aus der ihr lebendiges, d.h. fließendes und frisches Quellwasser entgegensprudelt. Der Brunnen war ca. 23 m tief und wurde von einer unterirdischen Quelle gespeist. Dennoch war das Wasser abgestanden. Heute heißt der Ort Bir Jakub und liegt eine halbe Stunde südöstlich von Sichem an der Nordwestseite des Berges Garizim. Sychar dürfte das heutige Dorf El Askar sein, etwa 10 Minuten vom Brunnen entfernt (42,665). 22 Drei Stufen von Glauben finden sich bei diesem Mann: (1.) Der Wunder-Glaube, dass Jesus seinen Sohn heilen kann (V.47). (2.) Der Gehorsams-Glaube, dass Jesu Wort stimmt und er auch über Entfernung hin heilen kann (V.50). (3.) Der rettende Glaube (V.54). Jeder Mensch muss zum dritten Glauben durchdringen, um gerettet zu werden. 23 Eigentlich hätte der Vater nun zufrieden sein können, er hatte empfangen, worum er gebeten hatte. Viele Menschen stoppen an diesem Punkt, - Gott hilft ihnen und sie begnügen sich damit. Doch dieser Mann wollte wissen, wer Jesus wirklich ist und (an)erkannte ihn als den allmächtigen Sohn Gottes. 24 Für die Juden zurzeit Jesu war es unschicklich, dass ein Mann, noch dazu allein, eine Frau ansprach. Es galt im Lichte von Gen 29,10 schon fast wie ein Flirtversuch (65,I,448). Daher die schnippische Antwort der Frau? 25 Die Weizenernte begann von Mitte April und dauerte bis Ende Mai. Es war also Mitte Dezember (65,I,4511). Vom Jakobsbrunnen aus sah man gegen Norden hin weite Kornfelder (25,II,197). 26 Vielleicht meint er damit im übertragenen Sinn die Samariter, die sich unmittelbar danach bekehrten (Vers 41). 27 Ein Prädikats-Nomen (2,z.St.). Daher ist nicht zu übersetzen: "Gott ist ein Geist". 28 Sychar war eine Stadt am Osthang des Berges Ebal (54,z.St.). Johannes 5 1 Spätere Hs. haben hier noch die Verse 3b-4: "...die auf die Bewegung des Wassers warteten. Denn zu gewissen Zeiten stieg ein Engel in den Teich herab und bewegte das Wasser. Wer nun nach der Bewegung des Wassers zuerst hineinstieg, wurde gesund, mit welcher Krankheit er auch behaftet war". Das ist sicher eine spätere Texterweiterung, die Volksmeinung, um die Umstände der Situation für Leser die Jerusalem nicht kannten verständlich zu machen (27,209). 2 Wahrscheinlich das Purimfest im März 29 n.Chr., zur Erinnerung an die Befreiung der Juden durch Königin Esther (25,II,212). Weniger wahrscheinlich das Laubhüttenfest (65,I,453) oder andere Feste. 3 Hebr.: Haus der Barmherzigkeit (od.: Haus des Ausgusses?). Einige Hs. haben βηθζαδά = Haus der Oliven (27,208). Der Ort lag wahrscheinlich an der Stätte des heutigen St.Anna Klosters (65,I,453). Noch im 5.Jhdt. n.Chr. wurden diese Säulenhallen hergezeigt (25/II,215). 4 Ingressiver Aor.: "...dann, wenn das Wasser sich zu bewegen beginnt". Da sich unterhalb Jerusalems ein tektonischer Bruch durchzieht, könnte die zeitweise Aufwallung des Wassers durch das Freiwerden von unterirdischen Gasen verursacht gewesen sein. Noch im Mittelalter wurde in diesem Teich von einem Pilger ein Wasserwirbel beobachtet (46,326f), und eine warme Quelle, die zeitweise aussetzte und dann wieder sprudelte, wurde noch im 19.Jhdt. dort beobachtet (25,II,215). 5 D.h. zu Heilen. - Hier beginnt der Widerstand der Juden gegen Jesus und wächst immer mehr an. Vgl. Joh 5,18; 7,25.44; 8,59; 10,31; 11,53; 12,37-41, usw.). 6 Jesus sagt nicht: "unser Vater", oder "der Vater", das hätten die Juden akzeptiert (Kap.8,41b), aber zu sagen: "Mein Vater", ist in ihren Augen eine Gotteslästerung. 7 Hier ohne Art.: d.h. einer der als vollkommener Mensch auf dieser Erde gelebt hat, wird die Menschen richten! Derjenige der am Kreuz für die Menschen starb, wird dann diejenigen richten die sein Opfer nicht angenommen haben. - In Joh 1,51; 9,35 ua. ist dagegen mit Artikel der Menschensohn nach Dan 7,13ff gemeint. 8 Wer glaubt kommt gar nicht in dieses Gericht (V.24; Joh 3,18), wer nicht glaubt kommt auf jeden Fall in dieses Gericht (Joh 3,18). Also kommen die Gläubigen zur Auferstehung zum Leben, die Ungläubigen aber zur Auferstehung zum letzten Gericht vor dem großen weißen Thron (Offb 20,11ff). 9 Das Zeugnis des Vaters sind die Werke, die Jesus tut, weil ihm der Vater dazu die Vollmacht gegeben hat. Dass er sie ausführt beweist, dass der Vater hinter ihm steht. 10 Wahrscheinlich der Vater und nicht Johannes. Das beweist auch der Ind.Präs.: er bezeugt (immer wieder). Wäre Johannes gemeint, würde man wie in Vers 33 den Ind.Perf. erwarten. 11 Sehr feierlich: "Da steht er, der euch anklagt, Mose..." 12 Jesus sucht nicht die "Publicity"! 13 Impf.: sie suchten immer wieder eine Gelegenheit. 14 Dem Zustand des geistlichen Todes; viell.: der Verurteilung zum Tod? (2,540f). 15 Dies ist das Hören des persönlichen Rufes an die Erwählten; vgl. 2Tim 1,9; Offb 17,14. 16 Wahrscheinlich Gen.obj.: die Liebe zu Gott; viell. aber Gen.subj.: die Liebe von Gott. 17 Jesus fordert zuerst Glaube, dann Gehorsam. Das ist Glaubens-Gehorsam. 18 In Anlehnung an Jer 17,21. Doch der Textzusammenhang in Jeremia zeigt, dass es dort darum geht am Sabbath keinen Handel zu treiben, um sich zu bereichern! 19 Die Auferstehung zum Leben, die von Jesus hier ganz allgemein angekündigt wird, findet zu verschiedenen Zeitpunkten statt: (1.) Nach 1Thes 4,13ff zuerst die leibliche Auferstehung der Gläubigen der Gemeinde, der "Toten in Christus", bei der Entrückung. (2.) Die leibliche Auferstehung der alttestamentlichen Gläubigen (Dan 12,2.13; Jes 26,19; Mt 8,11) zu Beginn des tausendjährigen Reichs. (3.) Diejenigen die mit ihren vergänglichen Körpern ins tausendjährige Reich eingehen werden, - der jüdische Überrest der 144.000 und die Schafe aus den Nationen (Mt 25,31-46), - werden im tausendjährigen Reich ein sehr hohes Alter erreichen (Jes 65,20.23) und eines natürlichen Todes sterben. Sie werden dann wahrscheinlich am Ende des tausendjährigen Reiches mit einem neuen Körper auferstehen (vgl. Offb 20,5), um auf ewig, zusammen mit den schon Auferstandenen, auf der neuen Erde zu leben (Offb 21,3). 20 Die Auferweckung der Toten und das anschließende Gericht war nach jüdischer Anschauung ausschließlich Gott vorbehalten. Eines ihrer Gebete war: "Gott, der die Toten auferweckt" (65,I,455). Darum spitzt sich ihr Vorwurf der Gotteslästerung ab hier zu (Joh 6,60ff) und bricht dann in Joh 8,59 vollends aus. 21 Nach jüdischem Verständnis beginnt das ewige Leben erst nach der Auferstehung (65,I,456), Jesus lehrt etwas anderes. 22 Die Schriftgelehrten glaubten, dass man durch das Lesen der Schrift ewiges Leben bekommen kann (69,I,457). Doch siehe dazu: https://drive.google.com/file/d/1EQC6GvotUUs2ueNT3XAn_wNrNW1y5VHG/view?usp=sharing 23 Diese Begebenheiten werden in Mk 1,14 - 2,22 und Lk 4,16 - 5,39 berichtet. Johannes lässt sie aus, weil er sich besonders auf Begebenheiten konzentriert, die die anderen Evangelisten noch nicht erzählt haben. 24 Das Präsens könnte darauf hindeuten, dass das Johannes-Evangelium noch vor der Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n.Chr. geschrieben wurde, ein Ausdruck lebendiger Erinnerung ist es nicht, denn Johannes war bei dieser Begebenheit offenbar nicht anwesend (vgl. Vers 1). 25 Das gilt auch für den Richterstuhl Christi, bei dem es nicht um unsere Sünden geht, sondern um Belohnung, oder keine bzw. wenig Belohnung. Johannes 6 1 Ps 78,24 2 Jes 54,13 3 Impf.: Es näherte sich aber das 2.Passahfest, wahrscheinlich März/April 29 n.Chr. Falls die Ereignisse in Kap. 5 am Laubhüttenfest stattfanden (es könnte aber auch das Purimfest im März gewesen sein), wäre inzwischen bis zum Passahfest ein halbes Jahr vergangen (65,I,458). 4 Das Passahfest war das Fest der Erlösung, daher bezieht sich Jesus auch in der folgenden Rede (V.51-58) darauf, dass er das wahre Passahlamm ist, welches zur Erlösung "gegessen" werden muss. 5 Ca. 4-5 km. 6 Konativer Impf.: Nun waren sie gerne willig (nachdem sie sich vorher fürchteten), ihn ins Boot zu nehmen, wie auch Mk 6,51 bestätigt. Und sogleich waren sie auch schon an Land, obwohl die Fahrt noch ca. 45 Minuten gedauert hätte (62,330; 20,257). Entweder es war ein weiteres Wunder (25,257; 48,384), eher aber waren sie von dem Ereignis so ergriffen, dass sie die vergehende Zeit gar nicht wahrnahmen. 7 Fut.: weil erst durch seinen Tod (Passah). 8 Die Präs. offenbaren ihre Werksgerechtigkeit: "Wie können wir Gott zufriedenstellen"? Dennoch priesen auch die Rabbis das Werk (Singular) Gottes von Abraham und meinten damit seinen Glauben (65,I,461). 9 Nicht: "...auf dich vertrauen", wie in Vers 29, sondern ganz allgemein: "glauben was du sagst". 10 Angesichts des großartigen Zeichens der Brotvermehrung eine ungeheuerliche Frechheit. 11 Denn das Manna war nicht wirklich aus dem Himmel, sondern nur vom sichtbaren Himmel. Darum Jesu Klarstellung in V.32: Er kommt wirklich aus dem unsichtbaren Himmel. 12 Sie dachten immer noch irdisch: allezeit, d.h. täglich. Jesus aber meinte: ein für alle Mal. 13 Im Gegensatz zu Vers 36 (ωραω) ein beschauliches, nachdenkliches (= Ptz.Präs), und letztlich zum Glauben führendes Betrachten. 14 Es waren ja die Leute aus Kafarnaum und Umgebung (V. 17.59). Nazareth war ca. 30 km entfernt, daher kannten sie Jesu Eltern eher als die Juden aus Judäa. 15 Jesus wechselt vom Bild des Manna zum Passahlamm, daher "Fleisch". Er meint seinen bevorstehenden Opfertod am Kreuz, daher Futur: "...geben werde". 16 Das Passahlamm wurde als Ganzes am Feuer gebraten, daher war es innen noch immer halb roh. Man musste beim Essen gut kauen. Der Übergang von φαγω (essen) zu τρωγω (kauen) ist daher bemerkenswert. Von Vers 54 an, beginnt Jesus sich offensichtlich mit dem Passahlamm zu vergleichen, das die Juden "kauen" und dessen Blut sie an die Türpfosten streichen mussten, um Erlösung zu haben. 17 Hier spricht Jesus zuerst nur vom Essen φαγω, in Vers 13 zeigt sich dann, dass die Speisenden (βιβροσκω) begierig das große Mahl verschlangen, weil sie ausgehungert waren, und, dass sie von dem Mahl auch völlig gesättigt wurden. 18 Also sind auch die Verse 53-55 nicht buchstäblich auf eine Transsubstation (Eucharistie) zu beziehen, sondern auf den persönlichen Glaubensakt, durch den man Jesus Christus als seinen Herrn aufnimmt. 19 Erwartet eine verneinende Antwort: "Ihr wollt doch nicht etwa auch fortgehen, oder"? 20 Von dem das Manna nur ein Typus war. Auch die Schriftgelehrten gebrauchten den Begriff Manna als Symbol für geistliche Nahrung (65,I,462). 21 Ergänze.: "...was werdet ihr erst dann sagen"? 22 Wahrscheinlich neben dem einfachen: "Ich bin es", auch eine Anspielung auf den Gottesnamen Jahwe: "ICH BIN" (65,I,460). 23 Der See Genezareth heißt hier und in Joh 21,1 auch See von Tiberias. Die Stadt Tiberias am See Genezareth, wurde von Herodes Antipas 17 n.Chr. als neue galiläische Hauptstadt gegründet und bevorzugt. Sie war reich geschmückt und zu Ehren des Kaisers Tiberius in Tiberias umbenannt. Die Stadt wurde auf einem ehemaligen Friedhof erbaut und galt daher für Pharisäer und Schriftgelehrte als unrein (vgl. Num 19,16), sie betraten die Stadt nicht einmal. Herodes ließ deshalb galiläische Juden und Fremde dort zwangsansiedeln. Die Haupteinnahmequelle der Bewohnerschaft war die Fischerei. Die heißen Quellen in der Nähe galten als heilkräftig. Obwohl Tiberias eine heidnische Stadt war, wurde sie erstaunlicherweise nach der Zerstörung Jerusalems, nachdem die Stadt im 2.Jhdt "gereinigt" wurde, der Hauptsitz rabbinischer Gelehrsamkeit (33,1198; 52,V,812; 46,195f). Sonst wird die Stadt im Neuen Testament nicht genannt und ist offenbar von Jesus nicht betreten worden. Das "andere Ufer" ist das wenig bevölkerte Ostufer des Sees (vgl. 47,z.St.). 24 Die Leute hatten offenbar geglaubt, Jesus wäre am Abend davor mit einem kleinen Boot (πλοιαριον, Strong Nr.: 4142) den Jüngern nachgefahren. Sie sahen aber kein anderes Boot am Ufer, außer dem größeren Schiff (Strong Nr. 4143), mit dem die Jünger gekommen waren. Erst danach kamen noch andere Schiffe aus Tiberias (Vers 23). Sie wunderten sich also, wie er wohl den Abend davor ans andere Ufer gekommen war, und schlossen daraus, er wäre noch zurückgeblieben oder noch zu Fuß (2-3 Stunden) nach Kafarnaum gegangen. Also fuhren sie mit den gerade angekommen Schiffen nach Kafarnaum, hoffend Jesus dort zu finden, denn sie hatten keine Erklärung dafür, wann und wie er zurückgekommen sein könnte (25,II,259ff; 62,330ff; 92,z.St.). Für eine andere Erklärung siehe: 48,384; 21,I,751. 25 Das billigste Brot und daher die Speise der Armen. Auch Elisa (2Kön 4,42ff) vermehrte solche Brote durch ein Wunder. 26 In den Versen 37-39 spricht Jesus deutlich aus, dass die Errettung eines Menschen allein von Gott ausgeht, aus Gnade und nicht aus dem Willen des Menschen. Es ist Gottes Wille (Vers 38) und sein ewiger Vorsatz (vgl. die Anmerkungen bei Apg 13,48; Röm 8,28-30; 11,2; Eph 1,4-5; 2Tim 1,9; 2,10), einen Menschen mit "heiligem Ruf" zu sich zu rufen. Eine "unwiderstehliche Gnade" (engl.: irresistible grace) ist damit aber noch nicht ausgesagt (21,I,756), denn Menschen können das Angebot der Errettung ablehnen (vgl. Joh 5,40; Mt 23,37b; Lk 7,30). 27 Sein Fleisch essen und sein Blut trinken heißt, seinen stellvertretenden Opfertod für sich persönlich in Anspruch nehmen, so wie man durch das Essen des Passalammes, dessen stellvertretenden Tod in Anspruch nahm. 28 Das Perfekt bedeutet "...(schon vorher) gegeben worden ist" und steht damit zeitlich vor dem "...zu mir kommen". Es spricht daher einerseits von der ewigen Erwählung der Gläubigen schon vor Grundlegung der Welt (vgl. auch Vers 44 und Joh 17,6), andererseits ist es zu denen gesagt, die nicht glauben wollen (Vers 64 und: Joh 5,40; Mt 23,37b). Es sind also nicht solche, die aufgrund einer Vorherbestimmung zur Verdammnis nicht glauben können. 29 "Einer...", betont, weil Andreas zumindest das Wenige, wenn auch mit Zweifel, zu Jesus bringt, während Philippus überhaupt keine Möglichkeit sieht. 30 Nach römischen Brauch mussten nach dem Essen Essensreste übrigbleiben, um die Großzügigkeit des Gastgebers zu demonstrieren (65,I,459). 31 Falsche Messiasse scharten im 1.Jhdt. gerne Menschenmengen in der Wüste um sich, um dann in einer Stadt einen Aufruhr zu machen (65,I,459). Jesus wollte das vermeiden. 32 Die Jünger schickte er ans jenseitige Ufer nach Kafarnaum, und die Volksmengen entließ er (Mt 14,22). 33 Nur Gott kann auf dem Wasser gehen (Hiob 9,8; Ps 77,20). 34 Ptz.Präs. statt Ptz.Fut, wie im Hebr. und Aramäischen (13,95; 44,303). 35 Entw. nach dem Aramäischen kol de: "Jeden, den..." (44,305; 62,339, Fußnote 37); oder ein verallgemeinernd gebrauchtes Neutrum: "Alle, die..." (2,z.St.; 7,z.St.). 36 Hier in der Bedeutung: auserwählt zum Apostelamt. 37 Zum Thema Erwählung siehe die Anm. bei Joh 10,3 und die Grafiken: Überblick Erwählung im NT.pdf - Google Drive und: https://drive.google.com/file/d/134JvbIpKE4v77JkN-rb-0pN6pot9977Y/view?usp=sharing 38 Das bergige Hinterland im Gegensatz zur Uferebene. Zur Örtlichkeit siehe die Anm. bei Lk 9,10 39 Konativer Impf.: sie peilten Kafarnaum als Ziel an (7,z.St.; 62,328; 92,z.St.), wurden dann aber in der Dunkelheit etwas abgetrieben. 40 Vielleicht soll damit angedeutet werden, dass diese Schiffe von Tiberias nach Bethsaida Julius unterwegs waren, in dessen Nähe die Brotvermehrung stattgefunden hatte. 41 Judas ist also nicht vom Glauben abgefallen, sondern er war von Anfang an nicht gläubig. Darum ging er verloren. 42 Hatte er ihnen versprochen zu ihnen zu kommen? - Zu einer möglichen Erklärung über dieses Wort siehe: 25,256. 43 Jesus konkretisiert das Präsens "gibt" von Vers 37, dann in Vers 39 und Vers 65 mit dem Perfekt "gegeben hat" und "gegeben worden ist", auf die vorzeitige ewige Erwählung. Johannes 7 1 viell.: "...zu diesem Fest (da, sondern zum nächsten Passah an dem ich sterben muss)". Prophetisch betrachtet musste sich das Passah zuerst erfüllen, erst dann in der Zukunft wird sich das Laubhüttenfest im tausendjährigen Friedensreich Christi erfüllen. Doch eher ist gemeint, dass er nicht in Begleitung seiner Brüder öffentlich zum Fest gehen wollte, sondern nur heimlich, um unerkannt zu bleiben. 2 In Joh 2,13ff. kam er öffentlich als Messias-König nach Jerusalem, in Joh 5,1ff. nur mehr als einfacher Pilger, hier kann er nur mehr heimlich kommen. - Jerusalem war 4 - 5 Tagesreisen von Galiläa entfernt (54,z.St.). 3 Jesus bezieht sich hier offenbar auf mehrere Stellen im Alten Testament, wahrscheinlich sind es Anspielungen auf Ex 17,6; Num 20,8.11; Dtn 8,15; Ps 114,8; Jes 58,11; Sach 14,8. Diese Schriftstellen wurden wahrscheinlich am 8.Tag des Laubhüttenfestes im Heiligtum vorgelesen (34,II,593; 54,z.St.). Andere denken an Jes 44,3; 55,1; Joel 3,18; Hes 47,1ff. ua. 4 Jawohl: Nikodemus (V.50), Josef von Arimathäa und etliche andere (Joh 12,42), glaubten an ihn, aber nicht offen, aus Furcht vor dem Synagogenausschluss. Eine typische, unwissende Einschüchterungsfrage, die ihre Wirkung nicht verfehlte. 5 Sah er die Gehilfen bereits im Anmarsch? 6 od.: in der Öffentlichkeit bekannt zu werden; od.: ohne Verschleierung zu handeln. 7 Erwartet eine bejahende Antwort: "Mose hat euch doch das Gesetz gegeben, nicht wahr". 8 Fällt ein gerechtes Urteil (2,z.St.). 9 Erwartet eine verneinende Antwort: "Das kann doch wohl nicht sein!" 10 Manche teilen den Vers 21 und 22 auch folgendermaßen: "...staunt alle. Deswegen hat Mose euch die Beschneidung gegeben..."; od. freier: "Doch eben deswegen hat euch Mose die Beschneidung gegeben..., und folglich beschneidet ihr einen Menschen sogar am Sabbat". 11 Doch, denn Jona war aus der Nähe von Nazareth (2Kön 14,25). Wiederum eine typische, unwissende Einschüchterungsfrage, die ihre Wirkung nicht verfehlte. Nikodemus bleibt stumm, aus Unwissenheit um Jonas Herkunft, oder aus Angst? Dies zeigt, dass es mit ihrer eingebildeten Schriftkenntnis nicht so weit her war (vgl. auch Joh 3,10; Mk 12,24). 12 Die Geburt Jesu in Bethlehem war demnach nicht allgemein bekannt, war er doch als der Sohn des Zimmermanns aus Nazareth bekannt. 13 Das Laubhüttenfest ist neben dem Passahfest und dem Pfingstfest das dritte große jüdische Wallfahrtsfest, das eine Woche dauerte (Ex 23,16; Lev 23,42-44; Num 29,12-38; Dtn 16,13-16). Es war ein Freudenfest und sollte an die Wüstenreise Israels erinnern. Es fand zurzeit der Wein-, Obst- und Olivenernte im Oktober statt, hier wahrscheinlich das Jahr 29 n.Chr. Während der Festwoche wohnten die Männer in eigens dafür errichteten Laubhütten (vgl. 47,z.St.). Jede Nacht wurde der Tempel festlich beleuchtet, wobei im Frauenvorhof vier große Leuchter aufgestellt wurden, die die Umfassungsmauern des Heiligtums überragten und so ihr Licht über ganz Jerusalem ausbreiteten; vgl. Joh 8,12 mit Joh 7,37 (59,382). 14 Es gab die Vorstellung, dass der Messias eine Zeit lang verborgen sein sollte, und dann bei seinem Auftreten zunächst unerkannt bleibt, bis Elija kommt und ihn dem Volk bekannt macht. Andere meinten, der Messias komme versteckt in einer Wolke (65,I,467; 47,z.St.). - Zum Anstoß an Jesu bekannter Herkunft vgl. auch Joh 6,42 15 Der achte ("große") Tag des Festes war durch den Ritus des Wasserschöpfens ausgezeichnet. Dies sollte daran erinnern, dass noch so viel Arbeit keine Ernte hervorbringen würde, wenn nicht zur rechten Zeit Regen vom Himmel fiel (85,I,145). Daran will Jesus mit seinem Ausspruch anknüpfen. Es bestand der Brauch, dass beim Laubhüttenfest alle sieben Tage von einem Priester Wasser aus der Quelle Schiloach geschöpft wurde. Dann zogen die Priester damit siebenmal um den Altar und gossen es beim Morgenopfer auf den Brandopferalter. Am achten Tag wurden unter anderem Schriftstellen aus Hesekiel Kap. 47 und Sach. 14,8 vorgelesen. An diesen Ritus scheint Jesus mit seinem Ruf (Joh 7,37.38) anzuknüpfen (65,I,467; 47,z.St.). Vgl. Jes 12,3-6; 55,1ff und die Anm. zu Joh 8,12. 16 Mit dem Fluch über das "gesetzesunkundige Volk" (hebr.: amme ha-`arez), ein rabbinischer Ausdruck, wird eine Geringschätzung für alle die Juden bekundet, die ungelehrt waren und sich nicht an die weitergehenden, von den Gesetzeslehrern eingeschärften Vorschriften hielten (vgl. 47,z.St.; 65,I,469). 17 D.h., dass er der Messias ist, wohl aber, dass er Wunder tat. 18 Judäa stand unter römischer Autorität (Pilatus), Galiläa under der Autorität von Herodes Antipas. Der Grund für Jesu Rückzug waren allerdings die Feindseligkeit der jüdischen Autoritäten in Jerusalem und Judäa. Seine Stunde war noch nicht gekommen, siehe Vers 6 (65,I,463). 19 Welch eine ironische Antwort an seine Kollegen, die gerade über das Volk gespottet hatten, die das Gesetz nicht kennen. 20 Damit ist die Verführung zum Abfall gemeint, die nach Dtn 13,1ff mit dem Tod bestraft werden sollte (65,I,465). Johannes 8 1 w.: auf etwas schreiben oder zeichnen. In der Gräz. auch: Linien oder geometrische Figuren malen; eine Anklage niederschreiben (1,832); etwas in ein (Straf)Register einschreiben (37,325). In vielen Ländern ist diese Handlung ein Ausdruck von bewusstem Schweigen, von Beschämung oder von Verlegenheit (21,I,771). Dass aber Jesus aus Verlegenheit Zeichen auf den Boden kraxelte, widerspricht seinem Wesen und seiner Souveränität. Außerdem war jedenfalls bei zweiten schreiben nicht er verlegen, sondern sie waren verlegen weggegangen. Dass er ihre Sünden auf den Boden schrieb, ist praktisch unmöglich, weil nicht lesbar, außerdem war in der Säulenhalle des Heiligtums ein Steinpflaster. Die Handlung ist also symbolisch zu verstehen. So wie Gottes Finger seinerzeit die 10 Gebote auf steinerne Tafeln schrieb (Ex 31,18; 24,12; 32,15-19), deutet Jesus jetzt mit dieser symbolischen Handlung an, dass auf diesen Tafeln nicht nur die Übertretung des Ehebruchs, sondern auch andere Übertretungen standen, deren die Pharisäer schuldig waren. Sie zogen den Witwen das Geld aus der Tasche, enteigneten ihre eigenen Eltern mittels der Vorschrift vom Qurban und suchten vor Pilatus eine falsches Anklage gegen ihn. Keiner von ihnen war ohne Sünde. Dass Jesus ein zweites Mal auf den Boden schrieb, könnte bedeuten, dass er auf das zweimalige Schreiben der Gesetzestafeln durch Gottes Finger hinweisen wollte (vgl. dazu Ex 34,1.28-29), was seine damaligen Zuhörer natürlich nicht verstehen konnten. Dass Gott ein zweites Mal neue Tafeln beschrieb, nachdem das Volk das 1.Gebot, das auf den ersten Tafeln niedergeschrieben war, gebrochen hatte, war ein Akt seiner vergebenden Gnade (Ex 32,14). Aus diesem Grund schrieb Jesus vielleicht zweimal auf den Boden (V.6.8). Es war jedes Mal seine nonverbale Antwort auf ihre Frage in Vers 5. Ja, Ehebruch war "eine Sünde zum Tod", aber in den 10 Geboten standen auch noch andere Vergehen, denen sich die Ankläger der Frau schuldig gemacht hatten. So wie Gott am Berg Sinai dem Volk seine Sünde vergeben hatte, wird auch er als Gesetzgeber der Ehebrecherin ihre Gesetzesübertretung vergeben, wenn sie Buße tut. Für das erste Niederschreiben auf den Boden vgl. Jer 17,13 ("...alle, die...", also auch die Pharisäer), für das zweite Niederschreiben vergleiche Hos 8,12. Man kann darin auch schon einen Hinweis auf den neuen Bund der Gnade sehen (vgl. dazu: Joh 1,17 und Jer 31,31-33). Nur das zweite Mal, als Mose mit den Gesetzestafeln vom Berg kam, strahlte sein Angesicht (Ex 34,28ff), dies war die Herrlichkeit des ersten Bundes, aber es war schon ein Hinweis auf die Herrlichkeit des neuen Bundes der viel größer ist, denn es ist die Herrlichkeit der Gnade (vgl. 2Kor 3,3-18). Der "Finger Gottes" mit dem die Gesetzestafeln beschrieben wurden, war der Finger des präexistenten Sohnes Gottes, denn Gott ist Geist und ein Geist hat keinen Finger. Wenn immer Gott im AT in menschlicher Gestalt erschien, war es der Engel Gottes, also der präexistente Sohn Gottes. 2 Der Augenzeuge muss den ersten Stein werfen (Dtn 17,7), und laut rabbinischer Tradition ließ er auch als letzter dem Bewusstlosen einen schweren Stein auf die Brust fallen, damit er endgültig starb. Der Sanhedrin durfte zu dieser Zeit gar keine Todesurteile mehr vollstrecken. Es ging ihnen nur darum, Jesus durch eine falsche Antwort in eine Falle zu locken. Dass sie den Mann laufen ließen, obwohl auch er "beim Ehebruch auf frischer Tat" ertappt wurde, zeigt, dass sie keine unparteiischen Zeugen waren, denn der Mann hätte nach Dtn 22,24 mit vorgeführt werden müssen (60,479). 3 Eine explizite Anspielung auf den Gottesnamen Jahwe (Ex 3,14). Jesus stellt sich Gott gleich, und die Juden verstehen ihn auch so, darum wollen sie ihn steinigen. 4 Entweder Gen.obj. wie Joh 1,4; od. Gen.subj.: "...Licht (in) der Welt". - Das Wort vom Licht knüpft an einen Festbrauch an (vgl. die Anm. zu Joh 7,2; vgl. auch Jes 42,6). In der Nacht vom ersten zum zweiten Tag, und am siebten Tag des Laubhüttenfestes wurden im Frauenvorhof des Heiligtums vier große Leuchter aufgestellt, die ihr Licht über ganz Jerusalem verbreiten sollten. Jede Nacht wurde der Tempel festlich beleuchtet, wobei die vier großen Leuchter die Umfassungsmauern des Heiligtums überragten und so ihr Licht über ganz Jerusalem ausbreiteten (vgl. Joh 7,37). In den rabbinischen Schriften wird der Messias einige Male als "der Erleuchter" bezeichnet. Jesus hatte also einen markanten Anknüpfungspunkt, wenn er sich gerade im Anschluss an das Laubhüttenfest als das "Licht der Welt" bezeichnet (vgl. 47,z.St.; 34,II,165f; 59,382; 62,406f). 5 Gen.obj.: das Licht für den Lebensweg in dieser Welt (vgl. Joh 12,35b). 6 Aber es war ein "Glaube", der nicht zum echten Vertrauen führte. 7 Warum sagt Jesus das zu ihnen? Weil er weiß, dass ihr Glaube nicht echt war, wie die Verse 37.40.42.44.48.55.59 dann auch zeigen, und wie Jesus es schon einmal erlebt hatte (Joh 2,23-25). Sie waren noch Sklaven der Sünde. Echter Glaube beginnt mit Gehorsam, daher: "wenn ihr in meinem Wort bleibt", d.h. meinem Wort auch gehorcht, ist euer Glaube echt. 8 Ist wohl eine Anspielung auf Ismael (Sklave) und Isaak (Freier); vgl. Gen 21,10; Gal 4,30. 9 Bereits vorauswissend; vgl. V.59. 10 "Wir ... im Gegensatz zu dir...". Wir haben nur einen Vater, und nicht zwei so wie du, nämlich deinen unehelichen Vater (wie auch der Talmud behauptet) und dann deinen Ziehvater Josef (65,I,474). Wie Jesus auf diese Anschuldigung reagiert (V.42ff), ist ein Beispiel für seine Sanftmut. 11 "Auf frischer Tat" bedeutet, dass sie auch den Mann ertappten, aber sie ließen ihn laufen. Ihre Aussage ist unerhört frauenfeindlich und ungerecht, denn nach dem Gesetz mussten in einem solchen Fall Mann und Frau gesteinigt werden (Lev 20,10; Dtn 22,22). 12 Verneinter Imp.Präs.: "Höre auf (ständig) weiter zu sündigen." Vergebung ist an Buße gebunden. Eine schöne Zusammenfassung für Jesu Verhalten gegenüber der Frau wird in Joh 1,17 und Röm 10,4 gegeben. 13 Eine Anspielung auf LXX: Ex 3,14; Dtn 32,39; Jes 41,4; 43,10 ua. (2,z.St.). "..., dass ich der "ICH-BIN" (d.h. Jahwe) bin. Das Schlimmste war es für einen Juden in seinen Sünden, d.h. ohne Vergebung, zu sterben. 14 od.: "Warum spreche ich überhaupt noch mit euch" (2,z.St.). 15 od.: "...und von mir selbst aus tue ich nichts". 16 Er sah mein Auftreten, weil Abraham zwar schon gestorben war, aber bei Gott lebte und am Auftreten des Messias Anteil nahm. 17 In der Bezeichnung Jesu als "Samariter" steckt wohl der Vorwurf, dass Jesus Gott nicht wahrhaft verehrt (vgl. die Anmerkung zu Joh 4,4-6). Aus dem Mund der Juden bedeutete dies möglicherweise: Du bist ein Häretiker, ein Kind des Teufels (21,I,780). - Zum Vorwurf der Besessenheit vgl. auch Joh 7,20 und 10,20 (vgl. 47,z.St.). 18 Auf Gotteslästerung stand die Strafe der Steinigung (Lev 24,11-16; 1Kön 21,10.13). Der Vorwurf der Gotteslästerung taucht auch noch später auf: Kap.10,31-33; vgl. Joh 11,8; 19,7 (vgl. 47,z.St.). 19 In dieser Nacht hatten zwei Menschen Ehebruch begangen. Hat Jesus, der alles weiß, in dieser Nacht für sie gebetet, wie er es auch als unser Hohepriester für uns tut? 20 Die Versuchung bestand wohl darin, ihn entweder dazu zu verleiten, gegen das Gesetz Mose zu sein (falls er gegen die Steinigung war). Oder, falls er der Steinigung zugestimmt hätte, ihn bei Pilatus als Aufwiegler gegen die Römer anzuklagen. Ehebruch wurde bei den Römern nicht mit der Todesstrafe belegt und der Sanhedrin hatte zu diesem Zeitpunkt kein Recht mehr die Todesstrafe auszuführen (vgl. eine ähnliche Situation in Mt 22,15-22). 21 Die Verse Joh 7,53 - 8,11 fehlen in den ältesten uns erhaltenen Hs. und stehen in den Hs. an verschiedenen Stellen in den Evangelien, z.B. nach Lk 21,38, wo sie sich chronologisch gut anfügen würden, - oder hinter Joh 21,25, was dafürsprechen könnte, dass die Herausgeber des Johannes-Evangeliums sie (irrtümlich?) dem Johannes zuschrieben. Jedenfalls trägt die ganze Erzählung unbestreitbar den Charakter eines ursprünglichen Augenzeugen und die Art und Weise wie Jesus beschrieben wird, passt gut zum Stil des Johannes-Evangeliums, auch wenn das Vokabular abweicht. - Entweder die Erzählung wurde erfunden und fand ab dem im 2.Jhdt. ihren Weg in Manuskripte, eine sehr unwahrscheinliche These, denn dazu ist die Erzählung zu genial. Eine so lange Passage in den heiligen Text einzufügen, die dann auch noch weiter kopiert wird, das hätte niemand gewagt. Bleibt die These, dass die Stelle zuerst angezweifelt und mit Anführungszeichen versehen wurde, da man einen zu laxen Umgang mit Sünde herauslas, und die Verse dann in der Folge von einigen Abschreibern überhaupt gestrichen wurden. Ausführliche pro und contra Erörterungen über die Authentizität des Bibeltextes finden sich in: 47,z.St.; 54,z.St.; 60,477ff; 62,z.St.; 25,317ff.; 27,219ff; 92,z.St. 22 Das Pass. bedeutet, dass die Verführung zum Ehebruch vom Mann ausging: "...zum Ehebruch verführt werdend" (44,z.St.). 23 Dieser Schatzkasten, in den die Gläubigen ihre Gaben einwarfen, stand in der Nähe des Frauenvorhofes, wo in den Festnächten auch die Lichterfeier und die Tänze stattfanden (65,I,471). Sonst wagten es nur die Schriftgelehrten an diesem "heiligen" Ort zu lehren, dennoch wagten sie (noch) nicht Jesus zu ergreifen (34,II,165). 24 Wenn die Begebenheit der Verse 2-11 wirklich nicht an diese Stelle gehört, könnte die Rede ab Vers 12ff noch am letzten Tag des Laubhüttenfestes stattgefunden haben. Thematisch passt sie jedenfalls zum "Lichterfest" am siebenten Tag; siehe Anm.4 (65,I,470). Ansonsten wurde es vielleicht zu einer anderen Gelegenheit gesprochen, entweder am gleichen Tag oder am nächsten Tag (21,I,774; 34,II,164). Aber die Aussage vom Licht passt auch gut zur Geschichte mit der Ehebrecherin, denn sie wurde ins Licht gestellt und fand dadurch Vergebung. 25 Die Ehebrecherin musste zum Urteil hierhergeführt werden (46,313). 26 50 Jahre war das Mindestalter für die Übernahme eines öffentlichen Amtes (65,I,475). 27 Man könnte daran denken, wie die Herrlichkeit Gottes in Hes 10,1 - 11,25 den Tempel verlässt. 28 Das Wort γην bedeutet hier "Boden" (1,315; 44,310), denn es war dort ein Steinpflaster, und kein Sand und auch keine dicke Staubschicht. 29 Späte Hs. fügen hier an: schrieb er "die Sünden von jedem" auf den Boden (27,222), eine offensichtliche Hinzufügung, weil dies auf dem Steinpflaster praktisch unmöglich war. Auch in den Versen 8-10 finden sich in späten Hs. offensichtliche Hinzufügungen. Johannes 9 1 w.: blind gezeugt. Er wurde schon als Blinder gezeugt, und ist nicht erst durch Krankheit oder Unfall blind geworden. Möglicherweise hatte er durch einen genetischen Fehler gar keine Augen, denn nur so ist erklärbar, dass die Jünger sofort sahen, dass er schon blind geboren (w.: gezeugt) wurde. Daher kommt in dieser Geschichte das Wort heilen oder Heilung auch kein einziges Mal vor, denn Jesus hat dem Mann neue Augen geschaffen. Beachtenswert ist, dass Jesus dem Mann das Augenlicht schenkt, bevor er glaubt. Erst durch die Auseinandersetzung um Jesus wird er Schritt für Schritt zu einer Entscheidung geführt (V.38). Genauso ist die Situation des verlorenen Sünders, er ist "blind geboren", tot in Sünden und Übertretungen und nur durch Gottes gnädiges Eingreifen kommt er überhaupt zum Glauben. 2 Lehm wurde im Altertum zwar als Heilmittel verwendet (1,1321), doch Jesus bedurfte solcher Heilmittel nicht, wie er schon oftmals bewiesen hatte. Möglicherweise wollte er aber mit dieser Handlung eine Anspielung auf die Erschaffung des Menschen aus Lehm (Gen 2,7) machen. Er hat dem Blindgeborenen neue Augen geschaffen, - und das an einem Sabbat. Das erklärt auch den Ausdruck "τα εργα του θεου" (die Werke Gottes) in Vers 3 und die Reaktion in Vers 32, dass noch nie jemand einem Blindgeborenen die Augen aufgetan hat, obwohl Jesus kurz davor drei Blinde heilte (Mk 8,22ff; 10,46ff; Ps 146,8a). Darum sagt Jesus nicht, die Wunder Gottes, sondern die Werke Gottes. Damit deutet er an, dass er ein Schöpfungswerk tun möchte, er wird dem Blindgeborenen neue Augen schaffen. - Eine Lesart in der Hs. des Diatessaron ist bemerkenswert. Sie lautet: "Er machte ihm Augen aus dem Lehm" (27,228). 3 Im Altertum wurde Spucke als Mittel zur Abwehr der bösen Geister und zur Austreibung von Dämonen verwendet. Außerdem wurde dem Speichel Heilkraft zugeschrieben, besonders bei Augenleiden. Wollte Jesus mit seinem Vorgehen vielleicht bewusst gegen diesen Aberglauben angehen, indem er zeigte, dass allein er alle Macht über die Krankheiten und Widerwärtigkeiten dieses Lebens hat? 4 D.h. aus der Synagogengemeinschaft. Der Ausschluss aus der Synagoge geschah in drei Stufen (vgl. Mt 18,15-18). Wenn kein Umdenken erfolgte, wurde der unbegrenzte Synagogenbann ausgesprochen und der Betreffende musste von allen wie ein Aussätziger behandelt werden (34,II,183ff). Das bedeutete für einen Armen wie diesen Blindgeborenen den sozialen und wirtschaftlichen Ruin! Diese Strafe wurde damals nur selten ausgeführt (65,I,479). 5 Diese Begebenheit kann nicht am gleichen Tag stattgefunden haben, denn es war ein Sabbat (V.14). Wahrscheinlich war es am ersten Tag nach dem Laubhüttenfest bei einem der Tempel-Tore, wo Bettler und Blinde meistens bettelten (34,II,177). 6 Ein aus der spärlich fließenden Gihon-Quelle (daher "die stillen Wasser Siloachs", in Jes 8,7) gespeister Teich im Süden Jerusalems. Den 533 m langen Tunnel, der von der außerhalb der Stadt, von der am Fuß des Tempelberges liegenden Gihon-Quelle, durch den Felsen des Stadthügels hindurchführte, hatte schon König Hiskia um 705 v.Chr. bauen lassen (vgl. 2Chr 32,30). Aus diesem Teich wurde während des Laubhüttenfestes auch täglich von einem Priester das Wasser für das Trankopfer geholt, und am letzten großen Festtag des Festes wurde dieses Wasser feierlich ausgegossen (Joh 7,37-39). Auch das "lebendige Wasser" für die Asche der roten Kuh (Num 19,17), wurde von diesem Teich geholt (25,II,357; 46,328; 54,z.St.; 59,399f). - Falls sich diese Begebenheit mit dem Blindgeborenen am nächsten Tag nach dem Laubhüttenfest (vgl. Anm.5) abgespielt hat, wäre dies sehr bedeutsam. Jesus schickt den Blindgeborenen ganz bewusst zu diesem Teich Siloah (= "Gesandter", d.h. Messias), weil nach Dr. A.G. Fruchtenbaum die Rabbis lehrten, dass nur der kommende Messias einen Blindgeborenen heilen kann. 7 Perfekt, und daher sind für sie die Worte Mose für immer verbindlich, was Jesus in Mt 5,21f. aber leugnet, denn dort wird der Aorist verwendet. Aber von einer göttlichen Sendung Jesu wissen sie nichts (13,97). 8 Die Pharisäer dachten, dass der Blindgeborene wegen seiner Sünden blind war (Joh 9,34), doch das stimmte nicht (Joh 9,3). In ihrer Überheblichkeit hielten sie sich für solche, die geistlichen Durchblick hatten, doch in Wirklichkeit waren sie geistlich blind. Wer seine Erlösungsbedürftigkeit nicht einsieht, bleibt in seiner Sünde verloren. Johannes 10 1 Ps 82,6. Damit meint der Psalmist wohl die Richter, oder Könige, die sich wie Götter gebärdeten. 2 Im Griechischen das gleiche Wort wie in Joh 9,35 ("...hinausgeworfen hatten"). Nicht die Juden hatten ein Schaf hinausgeworfen, sondern der gute Hirte hat eines seiner Schafe hinausgeführt. 3 Zum Bild: Jedes Frühjahr kamen die Hirten zum gemeinsamen Schafstall im Dorf, in dem alle Schafe überwintern. Der Türhüter, den die Hirten angestellt haben, kennt die Hirten und öffnet für jeden Hirten die Tür zum Schafstall. Dann ruft der jeweilige Hirte seine eigenen Schafe mit Namen. Siehe das Bild in: (https://drive.google.com/file/d/1_NxNWPoRcNwhf6Dg3k8I5pACI_4iQ6D8/view?usp=sharing). Alle Schafe im Stall hören zwar die Stimme dieses Hirten, aber nur seine eigenen Schafe hören auf seine Stimme und kommen zu ihm. Nachdem sie zu ihm gekommen sind, schiebt er sie aus dem Stall. Wenn er auf diese Weise alle seine Schafe aus dem Stall geholt hat, geht er vor ihnen her auf die Weiden in der Umgebung des Dorfes. Dort gibt es Schafhürden. Siehe: (https://drive.google.com/file/d/11Eprxh68-kDLMJboq1VFm6UKHJY8Txwd/view?usp=sharing). Das sind geschützte Plätze, die mit einer Steinmauer umgeben sind und nur einen Eingang (= Tür) haben. Die Schafe werden in diese Hürden geführt, zum Ausruhen, zum Wiederkäuen und zum Übernachten. Der Hirte legt sich währenddessen in die Tür, um die Schafe zu beschützen. Er ist dann sozusagen selbst die Tür. Wenn die Schafe wieder grasen wollen, können sie durch die Tür wieder hinaus auf die Weide gehen. Daher gehen sie "aus und ein" (vgl. Jer 37,4; Ps 121,8; Dtn 28,6 ua.). Am Ende des Sommers, wenn die Weiden kein frisches Gras mehr bieten, treiben die Hirten ihre Herden wieder in den gemeinsamen Schafstall zurück, wo die Schafe dann überwintern (vgl. 25,367ff.). 4 Kein Auserwählter geht verloren; vgl. Joh 6,37.39. 5 Damit folgt ein 2.Bild (25,II,371), wie in Mt 13,45.47 6 Wahrscheinlich Gen.obj., vgl. Vers 9; oder Gen. der Richtung: "zu den Schafen"; od. Gen. des Zwecks: "für die Schafe" (2,z.St.). 7 Präs.: "sind", und nicht: "waren", d.h. Jesus hat die damals lebenden jüdischen Führer im Sinn (25,II,372). 8 Im irdischen Sinn, von Gefahren? So wie Joh 11,1; 12,27 9 vgl. Num 27,15; Dtn 28,6; Jer 37,4; Apg 1,21 10 Präs.: "...habe ich schon jetzt" (d.h. die erwählten, aber noch nicht gläubigen Heiden), und nicht: "werde ich haben"; vgl. Apg 13,48; 18,10 11 Gemeint ist die schützende Hürde draußen auf der Weide. In sie gehen die Schafe hinein, um nach dem Grasen wiederzukäuen und auszuruhen. Danach kommen sie wieder heraus, um wieder zu Grasen, am Abend gehen sie wieder hinein, um in der Nacht vor wilden Tieren geschützt zu sein. 12 D.h. nicht aus dem Volk Israel, sondern aus den Nationen. 13 Durch Tod und Auferstehung. 14 Chanukka, das Fest der Einweihung des zweiten Tempels, wurde zur Erinnerung an die Reinigung des Tempels vom syrisch-griechischen Götzendienst und die Errichtung eines neuen Altars eingeführt, nachdem dieser durch den syrischen König Antiochus Epiphanes IV. (175-164 v.Chr.) entweiht wurde, was 167 v.Chr. zum Makkabäeraufstand führte (vgl. 1Makkabäer 4,36-59). Nachdem dieser Aufstand im Jahr 165 v.Chr. von Judas Makkabäus erfolgreich beendet wurde, führte er diese Tempelweihe durch und ordnete an, das Fest jährlich acht Tage lang zu feiern (Josephus, Antiquitates, XII,7,6). Während dieser ganzen Zeit wurde der Tempel mit Laternen hell erleuchtet, daher wurde dieses Fest auch "Lichterfest" genannt (34,II,228). Das Fest wurde nach dem Laubhüttenfest, jedes Jahr im Dezember am 25. Kislev (hier wahrscheinlich das Jahr 29 n.Chr.), mit allerlei Lustbarkeiten gefeiert (vgl. LXX: Esra 6,16f; Neh 12,27). Da die Belehrungen Jesu beim Laubhüttenfest durch die Feindseligkeiten der Juden abgebrochen wurden (Joh 10,19-21), führt Jesus bei diesem Fest, wo er wieder in Jerusalem ist, seine Gedanken über den guten Hirten weiter aus (25,II,380). 15 od.: "...was er mir gegeben hat, ist größer als alle" (2,z.St.; 7,z.St.). 16 Die Halle Salomos war eine große Säulenhalle an der östlichen Begrenzungsmauer des Heiligtums, im östlichen Teil des äußeren Vorhofs gelegen und angeblich schon von König Salomo erbaut. Sie bot im Winter Schutz vor den rauen, kalten Ostwinden und wurde von der Sonne einigermaßen erwärmt. Daher war sie bei den Juden ein beliebter Platz zum Lehren und Meditieren. Sie wurde von den Rabbis auch zur religiösen Unterweisung benützt. Da sie vielen Menschen Platz bot, wurde sie später auch von den Aposteln für ihren Verkündigungsdienst benützt (Apg 5,12). Sie war die einzige der äußeren Hallen, die sich im heiligen Bereich befand, zugleich aber auch die einzige Halle, die außerhalb der Zwischenwand der Umzäunung lag und so für alle zugänglich war (Liebi R.: Der Messias im Tempel, Seite197). 17 Vielleicht waren dies solche, die schon durch Johannes vorbereitet waren. 18 Die Schafe sind also "seine Schafe" noch bevor sie zu ihm kommen. Sie kommen zu ihm, weil sie seine auserwählten Schafe sind (vgl. Joh 6,37; Apg 13,48b ua.). Die Pharisäer sind nicht seine Schafe, darum glauben sie nicht (Vers 26). Jesus erklärt hier nicht, wie Menschen zu "seinen Schafen" werden. Dies wird an anderen Stellen im NT gelehrt, z.B. in Röm 8,28-30 ua. Jedenfalls haben wir hier eine klare Aussage über die persönliche Auserwählung der Gläubigen in der Ewigkeit. Die Erwählung der Gläubigen geschah schon "vor ewigen Zeiten" (2Tim 1,9; Eph 1,4 ua.), und zwar aus reiner Gnade und nicht wegen irgendetwas, was sie später in ihrem Leben taten, sondern aufgrund von Gottes souveränen Vorsatz. Erwählung gründet sich auch nicht auf Gottes Vorherwissen, obwohl Gott natürlich alles vorher weiß (vgl. die Anm. bei Röm 8,29). Gott hat die Erwählten mit heiligem Ruf berufen (2Tim 1,9), und nicht nur mit einem allgemeinen Ruf, den alle bekommen, die das Evangelium hören (Mt 22,14). Weil Gott nur einige erwählt hat, ziehen manche den logischen Schluss, dass er die anderen übergangen hat, und sie daher von Gott zur Verdammnis vorherbestimmt sind. Aber dieser Schluss ist menschliche Logik, das NT zieht diesen Schluss nicht. Der Mensch ist durch und durch verdorben, geistlich blind, und tot in Sünden. Keiner tut Gutes und keiner sucht Gott (Röm 3,9-19; Eph 2,1-4; Kol 3,21 ua.). Von sich aus, würde kein Mensch glauben. Wenn ein Mensch sucht, dann wie ein Blinder, der nicht weiß, was er suchen soll. Doch der Heilige Geist überführt die Welt (Joh 16,8-9), und Gott selbst öffnet die Herzensaugen seiner Erwählten (Apg 16,14), damit sie auf die Predigt des Evangeliums hören, sich bekehren und glauben (Apg 13,48; 26,18 ua). Buße und Errettung aus Glauben sind einerseits ein Geschenk Gottes (Apg 11,18; Eph 2,8), gleichzeitig ist es aber auch die Verantwortung jedes Menschen Buße zu tun und zu glauben (Apg 2,38; 3,19; 16,31; ua). Dies scheint für die menschliche Logik ein Widerspruch zu sein, nicht jedoch für Gottes Weisheit. Dies drückt Paulus am Ende seiner Gedanken über Israels Erwählung in Röm 11,33-36 sehr schön aus. - Eine sehr gute und ausgewogene Bibelauslegung über das Thema Erwählung ist: Stanley Charles: "Election", Wilson Fondation. - Zum Thema Erwählung siehe die Grafiken in: Überblick Erwählung im NT.pdf - Google Drive und in: https://drive.google.com/file/d/134JvbIpKE4v77JkN-rb-0pN6pot9977Y/view?usp=sharing 19 Mit dem Türhüter könnte gut Johannes der Täufer und sein Dienst gemeint sein, mit den Dieben und Räubern die Führer Israels die das Volk unterdrückten und aussaugten. 20 Mit dem folgenden Vergleich des Hirten und seiner Herde, stellt Jesus einen bewussten Gegensatz zwischen ihm und den jüdischen Führern her. Sie waren die törichten und treulosen Hirten Israels, wie ihr unbarmherziger Umgang mit dem Blindgeborenen bewies (vgl. Hes 34,1ff; Jer 32,1ff). 21 Von einem Hirten zur damaligen Zeit wurde dies nicht erwartet (34,II,191), es ist also eine außergewöhnliche Hingabe. 22 D.h. nach Peräa. Judäa stand unter römischer Autorität (Pilatus), Peräa unter der Autorität von Herodes Antipas. Der Grund für Jesu Rückzug waren die Feindseligkeiten der jüdischen Autoritäten in Jerusalem und Judäa. Seine Stunde war noch nicht gekommen; vgl. Joh 12,8 (65,I,463). Johannes 11 1 Sie meint zu "wissen", statt wirklich zu glauben, siehe V.39b.40 2 Ein Beispiel für ein Gebet des Glaubens gemäß Mk 11,24 (44,z.St.). 3 Sie wussten also, dass die Zeichen echt sind. 4 D.h. zu einem einzigen Volk Gottes, nämlich der Gemeinde! Vgl. Kap 10,16 5 Konatives Präs.: bei passender Gelegenheit. 6 hebr.: Haus des Elends. Betanien liegt etwa 3 Kilometer von Jerusalem entfernt am östlichen Abhang des Ölbergs. 7 Diese Maria (vgl. Joh 12,3) ist zu unterscheiden von der Sünderin (Lk 7,37-38) und von Maria aus Magdala. Es handelt sich um drei verschiedene Personen (47,z.St.). - Der Impf. ην und das subst.Ptz.Aor. αλειψασα (die Einreibende), kann sich hier durchaus auf die spätere Salbung in Joh 12,3 beziehen (13,89). 8 Wahrscheinlich handelt es sich um das Ephraim (heute: Et-Taiyibeh), dass etwa 20 km nördlich von Jerusalem, etwas abseits von der Straße nach Norden, auf einem Bergrücken liegt. Es ist mit dem alttestamentlichen Ofra bzw. Efron gleichzusetzen (vgl. 47,z.St.; 54,z.St.). 9 Natürlich wusste Jesus, dass Lazarus im Sterben lag, aber er wusste genauso gut, dass der Tod nicht das Ende der Geschichte war, Lazarus würde auferstehen. In diesem Sinne kann auch von jedem Gläubigen gesagt werden, dass er nicht sterben werde (Vers 26). 10 Es gab eine Tradition, dass der Geist eines Verstorbenen drei Tage lang den Körper umschwebt, um wenn möglich wieder in den Körper zurückzukehren, dass er aber dann nach drei Tagen das Grab endgültig verlässt (21,I,802; 34,II,325). Wartete Jesus deshalb bis zum vierten Tag, damit die Juden nicht sagen konnten, Lazarus sei ja noch gar nicht richtig gestorben gewesen? 11 entw.: "...uns die Eigenständigkeit als Nation wegnehme; - od.: "...uns Land und Leute wegnehme"? - oder waren sie schon so verblendet, dass sie die jüdische Nation als ihr Eigentum betrachteten? Doch genau das, was sie durch Jesu Tod verhindern wollten, trat dadurch ein. 12 Damit schwenkt er das Synedrium auf die Anklage-Linie ein, die Popularität Jesu würde dazu führen, dass ihn das Volk als König ausrufen wird. Damit würde er aber zum Feind Roms, Rom würde eingreifen und ihnen "Land und Leute" wegnehmen. Jesus zu "opfern" hätte für sie daher mehrere Vorteile: sie würden ihn loswerden, ihre Autorität wäre gerettet und sie würden sich die Römer zu Freunden machen. In Wirklichkeit verloren die Juden durch die darauffolgenden Ereignisse ihr Land (70 n.Chr.) und das Hohepriesteramt wurde durch den neuen Bund außer Kraft gesetzt (21,I,804). 13 Wahrscheinlich ein ingressiver Aor.: "brach in Tränen aus". Seiner Trauer starken Ausdruck zu verleihen, war bei den Juden zwar wichtig (65,I,527), doch darüber hinaus sehen wir in diesem zutiefst menschlichen Gefühlsausbruch und der darauffolgenden machtvollen Totenauferweckung, einerseits die Menschlichkeit und andererseits die Gottheit Christi unmittelbar nebeneinander. Es ist sein vorletztes (Lk 22,51) und größtes Wunder vor seinem Tod, direkt vor den Toren Jerusalems und in aller Öffentlichkeit (34,II,308). 14 Von Peräa, wo sich Jesus gerade aufhielt, waren es etwa 30 km nach Bethanien, also etwa eine Tagesreise. Aber Lazarus war wahrscheinlich ohnehin bereits tot, wie der Aorist in Vers 14 zeigt (65,I,483). 15 Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass Johannes die beiden Synonyme hier nicht unterscheidet. Denn in Vers 3 sagen die Schwestern, dass Jesus den Lazarus gernhat, in Vers 5 aber sagt Johannes, dass Jesus die drei Geschwister liebte. Beides ist wahr, Jesus liebte die drei Geschwister, so wie er alle seine Jünger liebt (Joh 13,1), aber den Lazarus hatte er darüber hinaus noch freundschaftlich gern. 16 εαν + Konj. ist ein Eventualis (44,321; 13,109; 2,1403). Es wird unter Umständen erwartet, dass sich die Bedingung erfüllt. Die Schlussfolgerung wird als notwendig und zwingend hingestellt. Die Zeitform des Aorists könnte bedeuten: "vorausgesetzt, dass du jetzt glauben würdest/glaubst...". Johannes 12 1 Ps 118,25-26 2 Zef 3,15 3 Sach 9,9; Jes 35,4; 40,9. Ein Symbol der Demut und Sanftmut. Der Vers 10 des Zitats aus Sacharja wird sich erst erfüllen, wenn Jesus als der König der Könige wiederkommt. Dann kommt er aber als Sieger auf einem weißen Pferd (Offb 19,11ff). Auch die Rabbis deuteten diesen Vers später auf den Messias (65,I,489). 4 Ps 6,4-5 5 Jes 53,1 (LXX). Johannes will auch auf die restlichen Verse in Jesaja hinweisen, auf die Erniedrigung, das Leiden und die Erhöhung des Messias (25,II,446). Diese Botschaft wurde vom Volk als Ganzes abgelehnt, schließt aber nicht aus, dass sich einzelne bekehren, wie Vers 42 bestätigt. Eine Vorherbestimmung zur Verdammnis, lässt sich aus dieser Bibelstelle daher nicht ableiten (25,II,448). 6 Jes 6,9-10 7 Das 3.Passahfest, im April des Jahres 30 n.Chr. 8 1 Litra wog 327 Gramm (33,1249). - Darauf, dass Maria, die Schwester von Martha und Lazarus, die Salbung durchführte, hat Johannes schon in Joh 11,2 hingewiesen. Nur Johannes berichtet den exakten Tag der Salbung ("sechs Tage vor dem Passah"), im Gegensatz zu Markus und Matthäus, die sie in einen anderen Zusammenhang einfügen (21,I,805). Zur Chronologe und dem anscheinenden Widerspruch zu den 2 Tagen in Mk 14,2 vgl.: 25,II,420ff; 62,498 9 od. viell. imperativisch: "...lasst sie es (als Ritus) bewahren für den Tag meines Begräbnisses", denn die vorgesehene Salbung des Leichnams Jesu ist dann wegen seiner Auferstehung nicht mehr möglich gewesen; vgl. Mk 16,1ff. Nach Mk 14,8 hat Maria den Körper Jesu schon im Voraus zum Begräbnis gesalbt. Ahnte oder wusste Maria (vielleicht aufgrund von Lk 10,39b.42) von Jesu bevorstehenden Tod oder hat sie nur intuitiv etwas getan, was danach nicht mehr getan werden konnte? Jedenfalls ist sie damit ein Vorbild für uns: wir können ihn nur auf dieser Erde als den verworfenen Herrn anbeten und ihm dienen, denn im Himmel werden wir ihn als den verherrlichten Herrn anbeten und jedes Knie wird sich vor ihm beugen. Manche Dinge die wir noch hier und jetzt für ihn tun können, werden dann nicht mehr zu tun sein. 10 Ein schnell verdunstendes Fett, das mit dem Wurzelextrakt einer im Himalaja wachsenden Pflanze parfümiert wurde. Durch die Einfuhr von Indien war es sehr teuer (59,388). Könige wurden bei ihrer Einsetzung mit solchem Öl gesalbt, ebenso die Toten vor der Grablegung. Vgl. in LXX: Hohelied 1,12; 4,13-14, aufgrund dessen es sein könnte, dass die Jungfrauen in Israel eine solche Narde für ihre zukünftige Hochzeit aufbewahrten. Der Preis dieser Art von Narde betrug 300 Denare, das sind 300 Tageslöhne. Maria ließ sich ihre Liebe zum Herrn etwas kosten. Die Synoptiker berichten uns, dass Maria zuerst das Haupt Jesu salbte, hier lesen wir, dass sie danach auch seine Füße salbte. Damit salbte sie sozusagen den ganzen Leib Jesu im Voraus zum Begräbnis (Mk 14,8). - Vergleiche die Salbung des Hohepriesters in Ps 133,2 11 Konatives Präs.: bei passender Gelegenheit. Die Hohepriester waren aus der Partei der Sadduzäer, die nicht an eine Auferstehung glaubten. Lazarus war für sie daher ein untragbarer Zeuge ihres Irrtums, der beseitigt werden musste. 12 Manche sehen darin eine Begründend für Vers 38 und gleichzeitig vorausweisend auf Vers 40 (21,I,812). Andere nur eine Begründung auf das Folgende (25,II,447). 13 Trotz aller gebotenen Nächstenliebe werden wir die Armut auf dieser ungerechten Erde nicht ausrotten. 14 Vgl. Joh 7,13 und die Anm. zu Joh 9,22 15 Dieses Mahl fand nach Mk 14,3 im Haus von Simon dem "Aussätzigen" statt, der ebenfalls in Bethanien wohnte. Die beiden Zusatznamen "der Gestorbene" und "der Aussätzige", - obwohl der eine wieder lebte und der andere wieder rein war, - weisen auf Jesu Vollmacht hin, es sind Ehrenbezeichnungen. Jeder bekehrte Sünder trägt auch so einen "Ehrennamen", je nachdem, worin sein früheres sündiges Leben bestand. - Der Zusatz "...der Gestorbene" findet sich in alten Hs., z.B. im Papyri66 (27,236), und dürfte ursprünglich sein. 16 Jesaja sah aber die Herrlichkeit des HERRN Jahwe (Jes 6,3). Für Johannes hat Jesaja damals die Herrlichkeit des Herrn Jesus gesehen (Jes 6,1), damit also die des präexistenten Sohnes Gottes. Jesus ist für ihn Jahwe! Eine versteckte Anspielung auf die Gottheit Christi (21,I,812; 65,I,491). Immer wenn Gott im AT sichtbar wurde, war es der präexistente Sohn als das Sprachrohr des Vaters. Nur er ist das Bild des unsichtbaren Gottes. Vgl. auch die Anm. bei Joh 14,9 17 Nach den meisten Auslegern war dieses Abendessen am Sonntag-Abend (vgl. 25,II,421). Johannes 13 1 Ps 41,10 2 Durch die Wiedergeburt (Tit 3,5; Eph 5,26). 3 od. elativisch: so schnell als möglich. Da Judas direkt neben Jesus lag, dürfte Jesus die Worte zu ihm geflüstert haben, daher verstanden sie die anderen Jünger nicht und meinten Judas solle den Armen Almosen geben. 4 Damit erfüllte sich Ps 41,10 und Ps 109,8. Das ist offenbar die einzige Stelle im NT wo beschrieben wird wie ein Mensch besessen wird. Die Ansicht, dass der Teufel noch "Anrechte" auf einen Gläubigen hat, schmälert und verunehrt das umfassende Erlösungswerk Gottes und entehrt damit Gott. Judas war kein wahrer Gläubiger, wie Jesus in Joh 13,10-11 deutlich machte. Es ist unmöglich, dass ein Gläubiger noch dämonisiert ist oder wird, denn "wenn nun der Sohn euch freimachen wird, seid ihr wirklich frei" (Joh 8,36). Außerdem ist der Leib (und nicht nur der Geist) des Gläubigen ein Tempel des Heiligen Geistes (1Kor 6,19). Der Heilige Geist teilt sich bestimmt keinen Tempel mit einem Dämon. Der Gläubige steht unter besonderem Schutz des Herrn Jesus, "und der Böse tastet ihn nicht an" (1Joh 5,18). Der Einfluss Satans auf den Gläubigen kann daher nur von außen kommen. Durch die Verlockung verführt Satan ihn zur Sünde (Jak 1,14-15). 5 Damit ist sein letztes Passahmahl am Abend des 14.Nisan gemeint (25,455). Zum Ablauf der Passah-Liturgie vgl. die Anm. bei Mt 26,20 6 Zu Beginn des Passahmahles wuschen sich alle die Hände (33,882). Jesus hat diese Tradition entweder durch die Fußwaschung ersetzt oder diese anschließend an die Waschung der Hände durchgeführt. Bei besonderen Anlässen wusch der Jüngste auch die Füße der anderen, doch an diesem Abend hatten sich die Jünger gestritten, wer der größte unter ihnen sei (Lk 22,24), daher wollte keiner diese niedrige Aufgabe übernehmen. Jesus aber, obwohl er der Größte ist, will der Diener aller sein und uns damit ein Vorbild geben. 7 In der Liturgie des Passahmahles wurde das Brot nach dem Trinken des zweiten Bechers gebrochen. Das ist hier gemeint und nicht die Einsetzung des Abendmahls, die erst später, nach dem Trinken des dritten Bechers (Lk 22,18.19) erfolgte, als Judas schon hinausgegangen war. 8 Zur Sitzordnung bei diesem Mahl vgl. die Anm. bei Mt 26,20 9 Dass Jesus die Fußwaschung nicht als einen buchstäblichen Ritus einsetzen wollte wird darin offenbar, dass es von der Gemeinde danach, im Gegensatz zu Taufe und Abendmahl, nie als Ritus zelebriert wurde. Wohl aber als praktisches Beispiel der demütigen Gastfreundschaftspflicht gegenüber den Mitgläubigen (1Tim 5,10). Eine weitere, noch darüberhinausgehende Anwendung für uns ist, unseren Mitgläubigen im übertragenen Sinn die Füße zu waschen. Beim Gang durch die Welt beschmutzen wir uns unwillkürlich. Einander im Sinne von Gal 6,1 zu ermahnen und zurecht zu helfen, bedeutet einander (vgl. Jak 5,16) die Füße zu waschen. Dieser Liebesdienst ist unangenehm und wird deshalb gerne vermieden. 10 Der "Hahnenschrei" war zwischen 2-4 Uhr morgens (21,I,821). 11 Hier liegt wohl eine Anspielung auf die alttestamentlichen Priester vor, die zu ihrer Einweihung einmal gebadet (Strong Nr. 3068) wurden (Ex 29,4; 40,12), sich aber hernach trotzdem täglich vor dem Opferdienst die verunreinigten Hände und Füße waschen (Strong Nr. 3538) mussten (vgl. Ex 30,19-21; 40,31). 12 Für den genauen Ablauf des Passahmahles siehe die Anm. bei Mt 26,20 Johannes 14 1 Mit den größeren Werken können keine Wunder gemeint sein, denn die Apostel taten niemals größere Wunder als der Herr selbst. Die größeren Werke (und nicht Wunder) sind also die vielen Bekehrungen durch die Predigt der Apostel. Diese sind nur möglich, weil Jesus zum Vater ging und den Heiligen Geist sandte, der dann diese Werke durch die Jünger tut. Auf diese Weise "...trägt die Rebe (= die Jünger) die Früchte, die der Weinstock selbst (= Jesus) nicht tragen kann" (25,II,485). Indem wir ihn in seinem Namen bitten (d.h. seinem Willen entsprechend), wird er durch uns diese größeren Werke tun. 2 Präs. statt Fut. um die Dauer des Bleibens auszudrücken? 3 D.h. die Apostel waren beim Predigen und Niederschreiben der Dinge (Evangelien, Briefe), die sie mit Jesus erlebt und von ihm gehört hatten, nicht auf ihre Erinnerung angewiesen. Wir haben hier also ein Versprechen Jesu im Voraus, dass sie in ihrer Predigt und ihren Schriften vom Heiligen Geist inspiriert sein werden. Sie predigten und schrieben das durch den Heiligen Geist inspirierte Wort Gottes nieder, und sie waren sich dessen auch bewusst. Vgl. Mk 16,20; Apg 4,31; Röm 16,25-26; 1Kor 2,10-13; 1Thes 2,13; 2Tim 3,16; Heb 2,2-3; 1Tim 5,18; 2Pet 3,15-16; Offb 22,18, sowie die Anm. zu Joh 16,13. 4 Möglich auch als Ind.Präs.: "Ihr vertraut auf Gott, auch auf mich vertraut". 5 εν bezeichnet hier ein enges persönliches Verhältnis (2,z.St.). 6 D.h. es stammt nicht von mir. 7 Es gibt auch andere Motive seine Vorschriften einzuhalten: z.B. Gesetzlichkeit, Routine, Angst sein Heil zu verlieren, usw. (vgl. Offb 2,4). 8 In Gräz. von Gewässern die vom Sturm hin- und hergeworfen werden (Liddel-Scott, A Greek-Englisch Lexikon). 9 Gott der Vater ist Geist (Joh 4,24), er hat keine Gestalt und er ist der, "den keiner der Menschen gesehen hat noch sehen kann" (1Tim 6,16). Er kann nur ihm Sohn gesehen werden, weil dieser "das Bild Gottes" ist (Kol 1,15). 10 Das ist der erste Hinweis auf die Entrückung der Gläubigen. Manche meinen allerdings, es wäre ein Hinweis auf seine Rückkehr nach der Auferstehung (65,I,496). 11 od. als Aussage: "Wenn es nicht so wäre, hätte ich es euch gesagt, denn ich gehe hin..." (2,z.St.). 12 Die darauffolgenden Reden in Kap. 15,1 - 17,26 werden demnach auf dem Weg zum Bach Kidron geschehen sein (25,II,498). Johannes 15 1 Ps 35,19; 69,5 2 Im Vergleich zu Israel (Jes 5,1ff; Jer 2,21f; Ps 80,9ff). Im Unterschied dazu aber bedeuten im AT die Weinstöcke die einzelnen Israeliten, hier aber gibt es nur einen Weinstock, den Herrn Jesus, und die Gläubigen sind die Reben. Doch in beiden Fällen ist die Frucht die Gott erwartet praktische Gerechtigkeit. - Auch in der rabbinischen Literatur war der Weinstock ein Symbol für den Messias (21,I,828). 3 Gemeint sind diejenigen Reben die Fruchtknospen haben, und nicht nur Blattknospen wie die Wassertriebe. Nur die Fruchtknospen versprechen, dass die Rebe überhaupt Frucht tragen wird. Eigentlich könnte man hier das Partizip Futur erwarten. Aber da dieses keine Aspekt-Bedeutung hat, sondern nur die Zeitbedeutung der Zukunft ausdrückt, ist das durative Partizip Präsens passender. Der durative Aspekt drückt treffend aus, wie sich aus den Fruchtknospen im Laufe der Monate die Frucht entwickeln wird. Das Thema des Gleichnisses ist nicht, ob jemand sein Heil verlieren kann oder nicht, - das Thema ist Frucht tragen. Gottes Erwartung an Gläubige ist es, überhaupt Frucht zu tragen (V.2a) → mehr Frucht zu tragen durch Reinigung (V.2b) → viel Frucht zu tragen durch Gehorsam (V.5-8) → bleibende (d.h. ewige) Frucht zu tragen durch Gebet (V.16). Gläubige sind dazu bestimmt Frucht zu tragen (Joh 15,2.16; Röm 7,4). Diese Frucht besteht: (1.) in einer Charakterveränderung, die darauf abzielt, Christus ähnlicher zu werden (Gal 5,22), (2.) im Lobpreis (Heb 13,15), (3.) im Dienst an den Gläubigen (Röm 1,13), (4.) in guten Werken (Eph 2,9-10; Kol 1,10; Tit 2,14; Jak 2,14.17.26). 4 Nur hier in dieser Bedeutung: Reben, die keine Fruchtknospen haben (sogenannte Wassertriebe), und daher im betreffenden Jahr auch gar keine Frucht tragen können. Sie werden abgeschnitten, um den Weinstock so von überflüssigem und kraftraubendem Holz zu säubern, das dem Weinstock nur Saft entzieht aber keine Frucht bringen wird. Diese Wassertriebe werden vom Weingärtner nach den letzten Nachtfrösten Ende Februar/Anfang März, also noch lange bevor der Weinstock Trauben ansetzt, dicht beim Stock abgeschnitten und nach dem Trocknen als Brennmaterial verwendet (vgl. 15,IV,6.331). Siehe dazu die Abbildung in: https://drive.google.com/file/d/13jZ0o4-Vn9_mh1qQ4zkUFEbTmtE72mYO/view?usp=sharing. Im übertragenen Sinn bedeutet "reinigen" die vorbeugende erzieherische Züchtigung, wie z.B. bei Paulus in 2Kor 12,7 und bei Petrus in Mt 14,30-31; 16,23; Lk 22,61; Gal 2,11ff. Gott muss alles, was vom Fleisch kommt, abschneiden und uns so zurückstutzen, z.B. falschen Eifer, Selbstverwirklichung, unreine Motive, eigene Ehre, usw. Die Verwendung dieses Wortes hier, spielt schon auf das "rein" in Vers 3 an. 5 Mit dem Wörtchen "wie" beginnt die vergleichende Bildrede. Jesus erinnert daran, was mit den abgeschnittenen Wassertrieben geschieht. Es ist hier nicht die Rede davon, dass jemand sein Heil verliert. Judas hat sein Heil nicht verloren, er hatte es nie! 6 Singular, weil in der Bildrede die abgeschnittene Rebe von Vers 2 gemeint ist. Brennen (καιω), aber nicht verbrennen (κατα-καιω), wie Ex 3,2. Nicht die ungehorsamen Gläubigen sind hier gemeint, sondern bildlich die verdorrten Reben. 7 Das Gebot (Sg.) der Liebe äußert sich darin, seine Gebote (Pl.!) aus Liebe zu halten, und nicht aus Gesetzlichkeit, Angst oder dgl. Vgl. dazu: Offb 2,2-4 8 Gemeint ist nicht die ewige Auserwählung wie Vers 19b zeigt, sondern die Auserwählung zum Dienst (Lk 6,13; Joh 6,70) und zum Fruchtbringen. Vgl. 2Pet 1,10 9 Ab hier ist nicht mehr von Scheingläubigen die Rede, sondern von den Gläubigen, die in Vers 2 gereinigt wurden, damit sie mehr Frucht bringen. Nur wenn sie in Christus bleiben, können sie viel Frucht (Vers 5) bringen. In ihm bleiben bedeutet ihm gehorchen; vgl. die Verse 7,10,14 und 1Joh 3,24. Darin unterscheidet sich eben der wahre Gläubige der Frucht bringt, vom falschen Gläubigen, der keine Frucht bringt. 10 Vgl. in Joh 13,10b-11, wo Judas gemeint ist. Hier hat Judas den Raum aber schon verlassen (nämlich in Joh 13,31), und wird bald "abgeschnitten" werden. Er war schon vorher in die Nacht hinausgegangen und wird sich bald erhängen! In Joh 13,10-11 sagte Jesus noch: "..., aber nicht alle", weil Judas dort noch dabei war. Hier ist er aber nicht mehr dabei, darum lässt Jesus diesen Teil des Satzes weg. 11 Die Übersetzung "hebt er auf" ist zwar lexikalisch möglich, aber hier sehr unwahrscheinlich. Das Bild ergibt nur einen Sinn, wenn Jesus an Reben denkt, die keine Fruchtknospen haben, sogenannte Wassertriebe (vgl. Anm.4). Diese wurden aber nicht aufgehoben, sondern direkt am Stamm abgeschnitten (1,46.4). Judas (und auch andere; vgl. Joh 6,64-66) war solch eine Rebe, weil er zwar äußerlich ein Jünger war, aber er war kein echter Gläubiger! Darum wurde er vom Vater abgeschnitten. So geht es früher oder später (vgl. Mt 25,11-12; Apg 8,20) jedem, der keinen echten Glauben hat. Joh 15,2a ist daher eine Anwendung auf Judas, ein Thema, dass den Herrn in seiner Abschiedsrede sehr bewegt hat, und eine Warnung an alle Scheingläubigen. 12 Warum "werdet"? Weil man einen Jünger daran erkennt, dass er tut, was der Meister sagt (vgl. Joh 8,31). Durch unseren Gehorsam wird Gott verherrlicht. 13 Je mehr unsere Gebetsanliegen darauf abzielen, dass er Frucht in und durch uns bringt, desto mehr bringen wir bleibende Frucht. 14 Wenn ein Gläubiger im Ungehorsam verharrt, wird er geistlich verdorren, ja im schlimmsten Fall sogar mit dem körperlichen Tod gezüchtigt werden (1Kor 11,30-32; Jak 5,19-20 ua.). 15 Unpersönlicher Gnomischer Aorist 3.Person Plural: "man..." (2,587,1360). 16 Die Präposition εν drückt hier ein enges persönliches Verhältnis aus (2,z.St.). 17 Wahrscheinlich gleichzeitig Gen.obj. und subj.: "...in der Liebe von ihm und zu ihm bleibe" (2,z.St.). 18 Die wahre Freude entspringt für den Gläubigen daraus, Jesu Gebote aus Liebe zu halten und damit in seiner Liebe zu bleiben. Wer das tut, kann mit Johannes auch sagen: "Seine Gebote sind nicht schwer" (1Joh 5,3). Johannes 16 1 Nur die 11 Apostel (denn Judas war ja schon weg; vgl. Kap.13,13) werden hier mit dieser Verheißung angesprochen. Mit dem Tod des letzten Apostels Johannes hat sich dieses Versprechen daher erfüllt und die ganze Wahrheit und alle Offenbarungen über die Zukunft waren geoffenbart. Es ist daher kein Zufall, dass der letzte Apostel Johannes auch das letzte Buch des neutestamentlichen Kanons schrieb, und in diesem Buch eine eindeutige Warnung steht, dass nichts dazugegeben und nichts weggenommen werden darf (Offb 22,18-19). Seitdem gibt es keine neuen Offenbarungen der Wahrheit und der Zukunft mehr. Für uns bleibt aber die Anwendung, dass uns der Heilige Geist helfen wird, die in der Schrift ein für alle Mal offenbarte und niedergelegte Wahrheit besser zu verstehen, indem er uns Stück für Stück mehr Erkenntnis gibt und uns in die Wahrheiten der Schrift einführt. Unsere persönliche Erkenntnis bleibt aber Stückwerk (1Kor 13,9). Vgl. auch die Anm. zu Joh 14,26 2 Gott liebt uns nicht nur, er hat uns auch freundschaftlich gern. 3 entw.: d.h. in seine Heimat; od.: dass jeder nur an sich denkt; od.: dass jeder seinen eigenen Weg geht (2,z.St.). 4 Dies scheint ein Widerspruch zu Joh 13,36 zu sein. Aber die Frage des Petrus bezog sich dort auf ein irdisches Ziel. Hier ist Jesus traurig, dass sie ihn nicht nach dem himmlischen Vaterhaus fragen. 5 Solange Jesus noch bei seinen Jüngern auf der Erde war, haben sie ihn alles gefragt und ihn um alles gebeten (vgl. z.B. Joh 11,22). Aber jetzt, wo er für die Gläubigen den direkten Zugang zum Vater eröffnet hat (Heb 10,19-22) und der Heilige Geist in ihnen wohnt, dürfen sie den Vater direkt fragen und bitten. 6 Da alle drei Substantive ohne Artikel stehen wird gezeigt, dass der Heilige Geist der Welt, d.h. den Menschen, zeigen wird, dass es Sünde, Gerechtigkeit und ein Gericht gibt. Diese Beweisführung des Heiligen Geistes wird aber nur für die offenkundig, die glauben. Sie werden erkennen: (1.) dass die größte Sünde ist, den Messias Jesus zu verwerfen und nicht an ihn zu glauben. (2.) dass es gerecht ist, wenn Gott Jesus nach seinem Opfertod in den Himmel geholt hat und ihn verherrlicht. (3.) dass am Kreuz das endgültige (Perfekt!) Gericht über die Sünde und den Teufel vollzogen wurde (vgl. Joh 12,31). - Die Predigt des Petrus zu Pfingsten (Apg 2,14-41) ist ein Beispiel für dieses Werk des Heiligen Geistes, die Jünger sind nur Werkzeuge des Geistes. Vgl. auch 2Kor 2,15-16 (25,II,514f; 62,590ff). Johannes 17 1 Umschriebener Konj.Perf.: "...damit sie zur vollkommenen Einheit gelangt sind" (2,z.St.). Der Vater erhörte das Gebet seines Sohnes nur wenige Wochen später zu Pfingsten, als der Heilige Geist die bis dahin zerstreuten Kinder Gottes zu einem Leib zusammenfügte (vgl. auch Joh 11,52). Paulus nennt diese Einheit die Einheit des Geistes. Vgl. Anm. zu Eph 4,13: "Ein Leib und ein Geist,...". Jeder Wiedergeborene wird seitdem durch den Heiligen Geist in diesen einen Leib hineingetauft und gehört damit zu dieser Einheit des Geistes (1Kor 12,13). Es ist eine wunderbare Einheit, für die wir dankbar sein sollten. Kein Mensch hätte sie herbeiführen können und welch ein Irrtum, wenn man glaubt, man müsste sie heute erst noch schaffen. Alle Kinder Gottes, wie unterschiedlich ihre Glaubensansichten jetzt auch noch sein mögen, werden einmal in der Herrlichkeit zusammen die eine Braut Christi an seiner Seite sein. In diesem Sinne sind sie schon jetzt eins im Geist, wenn auch nicht in ihren Glaubensüberzeugungen (Php 3,15). 2 Manche Hs. haben.: "...sie, die du mir gegeben hast". 3 Siehe Joh 6,37 und die Anm. bei Joh 6,65. 4 Ptz.Präs. statt Ptz.Fut, wie im Hebr. und Aramäischen (13,95). Johannes 18 1 Hier ist das rabbinische Chagiga-Opfer gemeint. Es war das Festopfer das am 1.Tag des Passahfestes, also am 15.Nissan, morgens von den Priestern im Heiligtum dargebracht wurde. Sie, und nur sie, mussten anschließend gegen Mittag von diesem Opfer essen (vgl. Nu 28,16-23; Lev 6,19) und durften daher nicht verunreinigt sein. Dadurch wird der angebliche terminliche Widerspruch zwischen den synoptischen Evangelien und dem Johannes-Evangelium befriedigend aufgeklärt (34,II,566ff; 60,483ff; 92,z.St.). Die Theorie, dass Jesus wegen vermuteter Kalenderstreitigkeiten zwischen Pharisäern und Sadduzäern, das Passah einen Tag früher gefeiert habe, lässt sich nicht nachweisen (54,z.St.). Dies hat auch eine symbolische Bedeutung. Jesus ist am letzten Arbeitstag der jüdischen Woche (Freitag) gestorben, und hat damit mit seinem Opfertod am Kreuz die Symbolik der AT-Opfer erfüllt. Er starb genau zu dem Zeitpunkt, wo das Passalamm (Chagiga) im Tempel von den Priestern geschlachtet wurde, daher sahen sie auch das Zerreißen des Vorhangs. Am jüdischen Ruhetag (Sabbath) ruhte er im Grab, am 1.Tag der jüdischen Woche (Sonntag) war seine Auferstehung und damit die Einführung des neuen Bundes. Es war dies der 16.Nissan des Jahres 30 n.Chr., der Tag der Erstlinge. Vgl. 1Kor 5,7; 15,23 (20,586f). 2 Irrealis mit Impf.: "...hätten gekämpft und würden noch weiterkämpfen" (2,z.St.). 3 Zeitlich betont: "...zum jetzigen Zeitpunkt". In der Zukunft wird sein Königreich allerdings schon auf dieser Erde sein (Offb 19,15.16; 20,4), und dieses zukünftige Königreich wird auch mit einem Kampf beginnen (Offb 19,11ff). 4 Jemanden vor Gericht zu schlagen war verboten (65,I,511). Vgl. Apg 23,3, wo Paulus in einer ähnlichen Situation ungeistlich und nicht so wie Jesus reagierte, wofür er sich auch entschuldigen musste. 5 od.: "...empfangen habend"? d.h. von den Römern und den Hohepriestern. 6 Als militärischer t.t.: 1/10 einer römischen Legion (ca. 600 Legionäre), die ständig in der Burg Antonia stationiert waren, um bei Volksaufständen notfalls für Ordnung zu sorgen (21,I,847). Nach manchen nur eine kleinere Truppe der jüdischen Tempelsoldaten, aber Joh 18,12 spricht dagegen, weil dort von einem römischen Heerführer (χιλιαρχος), der eine Kohorte befehligte, die Rede ist! Vielleicht waren es aber tatsächlich weniger als 600 Legionäre und der Ausdruck Kohorte wurde von Johannes nur verwendet, weil ein Heerführer dabei war (25,II,550). Dass ein so großes Aufgebot an Soldaten gestellt wurde, um Jesus festzunehmen, ist bemerkenswert. Wie sehr mussten sie Jesu Vollmacht fürchten! 7 Ein Kommandant (χιλιαρχος) von 1000 Legionären. Er entspricht dem römischen "tribunus militum" einer Kohorte. Allg.: jeder höhere Militärkommandant oder Befehlshaber. 8 od. freier: "Nein, nein, ich nicht" (2,z.St.). 9 In Gräz.: das Zelt (d.h. das Hauptquartier) des Oberbefehlshabers (praetor) in einem römischen Heerlager samt allem, was dazugehörte. Später allg.: der Ort wo der Prokurator einer römischen Provinz residierte. In Jerusalem war dies entweder der Palast des Herodes (21,I,850; 65,I,511), oder die Burg Antonia (1,1398). Das Betreten eines heidnischen Hauses machte nach jüdischer Anschauung unrein (vgl. Apg 10,28; 11,1 und die Anmerkung zu Mt 8,5-10), und die Hohepriester mussten für den Opfergottesdienst dieses Tages levitisch rein sein. 10 Irrealis: "...und deshalb kämpfen meine Gehilfen auch nicht." 11 Ein juristischer t.t.: eine handfeste Anklage, nach der jemand auch rechtskräftig verurteilt werden konnte. 12 Ein Bach, der etwa eine halbe Stunde nördlich von Jerusalem entspringt, nur im Winter wasserführend ist, das gleichnamige Tal durchfließt, das den Tempelberg vom Ölberg trennt, sich dann östlich von Jerusalem hinzieht und schließlich ins Tote Meer einmündet. Im Sommer ist das Tal ein trockenes Wadi. Den gleichen Weg ging David, als er vor Absalom flüchten musste (2Sam 15,23ff). Als Jesus dann diesen Weg auszog, musste er am Grab Absaloms vorbeigehen. - Dieses Tal wurde auch mit dem "Tal Josaphat" in Joel 4,2 identifiziert, das aber eher nördlich von Jerusalem in der "Königsebene" (2Sam 18,18) liegt (54,z.St.; 25,II,550; 52,III,174; 46,275f.339). 13 Nach vorne fällt man anbetend, nach hinten aufgrund von Schrecken und Gericht. 14 Nämlich nicht durch jüdische Steinigung, sondern durch die römische Hinrichtungsart der Kreuzigung. Vgl. Joh 12,33. 15 Das ist das "gute Bekenntnis" (1Tim 6,13), denn aufgrund dieses Anspruchs konnte ihn Pilatus wegen Hochverrat zum Tod verurteilen, obwohl er wusste, dass die Aussage nicht politisch gemeint war. 16 Nur Johannes berichtet, dass es Petrus war. Wahrscheinlich war Petrus zu diesem Zeitpunkt bereits hingerichtet worden war. Da der Name des Knechtes genannt wurde, konnte man später leichter nachprüfen, ob die Heilung des Ohres (Lk 22,51) wirklich geschehen war. Als der Knecht des Hohepriesters (vielleicht sein Leibwächter) hatte Malchus große Autorität (65,I,509). Da Johannes ein Bekannter des Hohepriesters war (Joh 18,15), kannte er natürlich auch diesen speziellen Knecht. 17 Hannas I. war Hohepriester von 6-15 n.Chr., während der Jugendzeit von Jesus. Er war der Erste, der von den Römern in dieses Amt eingesetzt wurde (Josephus, Antiquitates XVIII,26). Auch nach seiner Absetzung durch die Römer, hatte er als ehemaliger Hohepriester, als Mitglied des Sanhedrins und als Schwiegervater des Kajaphas, noch großen politischen Einfluss, und war deshalb am Prozess gegen Jesus, und auch gegen Petrus und Johannes, maßgeblich beteiligt. Er war das Haupt eines der mächtigsten aber auch verrufensten Hohepriestergeschlechter. Fünf Söhne und ein Enkel von ihm amtierten als Hohepriester. Sein Sohn amtierte 62 n.Chr. als Hohepriester für 3 Monate, wurde aber abgesetzt, weil er die Abwesenheit des Procurators Albinus ausnützte und mittels Sanhedrin-Beschluss missliebige Leute in Jerusalem hinrichten ließ, darunter auch den Herrenbruder Jakobus (52,II,933f; 65,I,509). 18 Die Wohnungen von Nichtjuden in Israel wurden grundsätzlich als unrein betrachtet, weil die Juden befürchteten, in Haus oder Hof könnte eine Fehlgeburt vergraben sein. Dann hätten sie sich beim Betreten dieser Stelle für sieben Tage unrein gemacht (54,z.St.). Die Hohepriester mussten aber für den Tempel-Gottesdienst am Nachmittag kultisch rein sein. 19 Nach der Einteilung der Nacht in Mk 13,35 war dies irgendwann zwischen 3-6 Uhr in der Früh (25,II,563). Die darauffolgenden frühmorgendlichen Verhandlungen vor Pilatus dauerten danach laut Joh 19,14 bis ca. 6 Uhr früh. Vgl. die Anm. dort. Johannes 19 1 Ps 22,19 2 Ex 12,10.46 (LXX); Ps 34,21. Johannes war Augenzeuge dafür, wie die Soldaten diese Prophezeiung erfüllten! Jesus war die Erfüllung des Passalammes. 3 In Sach 12,10 steht im MT: "Sie werden auf mich (d.h. Jahwe) blicken...". Eine Prophezeiung die bezeugt, - wie auch andere Bibelstellen im AT -, dass der Messias Jahwe selbst ist. Eine Reihe von hebr. Hs. ändert den MT-Text in "Sie werden auf ihn blicken...". Es erschien diesen Abschreibern unmöglich, dass Jahwe durchbohrt werden könnte! Später wurde die Stelle dennoch messianisch verstanden. Johannes sieht in dem Lanzenstich zurecht eine wörtliche Teilerfüllung der Schriftstelle. Im weiteren und tieferen Sinn aber, wurde der Messias "...um unserer Vergehen willen durchbohrt" (Jes 53,5)! 4 Bereits im 1.Jhdt. n.Chr. wurde das Wort παρασκευη ein Fachbegriff für den Freitag vor einem Sabbath (60,483f; 64,502). - Die 6.Stunde war hier nach römischer Zeitrechnung am Freitag ab ca. 6 Uhr morgens, wie ein Vergleich mit der jüdischen Zeitrechnung in Mk 15,25 zeigt, wo die 3.Stunde, die Stunde der Kreuzigung um 9 Uhr vormittags ist, und in Mt 27,45, wo die 6.Stunde 12 Uhr mittags ist. Vgl. auch die Anm. bei Joh 18,28. Johannes verwendet die zur Zeit der Abfassung seines Evangeliums in Kleinasien vorherrschende römische Zeitrechnung. Dies beweist auch Joh 20,19, wo Jesus spät am ersten Tag der Woche den Jüngern erschien. Nach Lk 24,29.33 muss dies in der Nacht gewesen sein, denn der Aufbruch am Abend von Emmaus nach Jerusalem dauerte eine geraume Zeit. Nach der jüdischen Zeitrechnung der synoptischen Evangelien, begann der neue Tag aber bereits mit Sonnenuntergang (60,468f), nach römischer Zeitrechnung aber erst um Mitternacht. Vgl. auch die Anm. bei Joh 1,39. Die Erklärungen von F.Godet hingegen, sind nicht überzeugend (25,II,576). Der ganze Hergang beginnend von der Verurteilung durch Pilatus, der Ausfertigung des Schuldbriefes (Joh 19,19), der darauffolgende langsame Zug durch die Via-Dolorosa mit einigen Unterbrechungen und die Vorbereitungen zur Kreuzigung auf dem Hügel Golgatha, können gut 2-3 Stunden gedauert haben. 5 In den Papyri wurden Empfangsbestätigungen und Rechnungen oft mit dem quer darübergeschriebenen Vermerk τετελεσται (= bezahlt) versehen (37,630). Das ist nach dem Augenzeugen Johannes (Joh 19,26-27) die griechische Übersetzung des aramäischen Ausdrucks, den Jesus am Kreuz aussprach. Dieses Wort kommt im NT im absoluten Perf.Pass. nur an dieser Stelle vor und könnte darum hier durchaus den Sinn haben: "Die Schuld wurde von mir ein für alle Mal bezahlt"! Es ist sehr wahrscheinlich, dass Johannes diesen zusätzlichen Aspekt zum vollbrachten Opfer Jesu zum Ausdruck bringen wollte. 6 Iterative Imperfekte.: "...immer wieder"; od.: "...einer nach dem anderen". 7 Wahrscheinlich kausativ: "er ließ Jesus nach draußen führen". 8 Viell. kausativ: "...soll ich kreuzigen lassen"? 9 Der Name einer Anhöhe bei Jerusalem: "Schädelstätte". Offenbar so bezeichnet, weil sie von der Ferne wie ein riesiger Schädel aussah. Sie wurde als Hinrichtungsplatz benutzt. Der Ort lag außerhalb der damaligen Stadtmauer, wahrscheinlich unweit der heutigen Grabeskirche (2,z.St.). 10 Auf dieser Tafel (lat.: titulus) war der Grund für die Verurteilung angegeben. 11 Bei der Kreuzigung wurde das Zerbrechen der Schenkelknochen (lat.: crurifragium) mit einer Lanze vorgenommen, damit der Gekreuzigte sich beim Atmen nicht mehr mit den Beinen abstützen konnte, worauf der Tod schnell durch Ersticken eintrat. Im Jahr 1968 wurde das Skelett eines gekreuzigten Juden gefunden, welches diese Methode des Beine-Zerbrechens bestätigt. Juden durften nicht über Nacht am Kreuz hängen gelassen werden (Dtn 21,23). Bei Nichtjüdischen Gekreuzigten trat der Tod manchmal erst nach 36 Stunden ein. Normalerweise wurden die Gekreuzigten tagelang den Vögeln zum Fraß überlassen, bis sie verwesten, und dann in eine Grube geworfen (65,I,522f). 12 Myrrhe ist das wohlriechende Harz eines südarabischen Strauches. Es wurde zum Einbalsamieren von Leichnamen und als Salbe verwendet (1,1515). Aloe ist der harzige Saft des indischen Baumes Aquillaria, er wurde gerne mit Myrrhe vermischt. 100 Litra sind 32,7 kg Salbenmischung. Das war eine ungeheure Menge und erinnert an das Begräbnis von Königen; vgl. 2Chr 16,14 (54,z.St.). 13 Nun aber kam er ohne Furcht tagsüber. 14 Dieser Essig war entweder saurer Wein oder mit Wasser verdünnter Essig. Es war ein beliebtes Erfrischungsgetränk bei Soldaten (vgl. Mt 27,34). Der Ysop ist eine kleinbuschige Pflanze mit stark riechenden Blättern, der bei Reinigungsopfern zum Besprengen verwendet wurde. Seine Stängel werden bis zu 80 Zentimeter lang und reichten damit, den Essigschwamm dem Gekreuzigten bis zum Mund zu führen (vgl. 47,z.St.; 54,z.St.). 15 Jesus starb wahrscheinlich durch einen Herz Riss, was erklären würde, dass zuerst angesammeltes Blut und dann Serum aus der Wunde quoll (21,I,859). Johannes wollte damit als Augenzeuge bezeugen, dass sich im Nichtzerbrechen der Unterschenkel und im Durchbohren von Jesu Seite die Schrift erfüllt hat (Ps 34,21; Sach Sach 12,10; Offb 1,7), und, dass Jesus wirklich tot war. Vgl. dazu die Anmerkung zur aufkommenden Irrlehre der "Gnosis" in 1Tim 6,20 16 Die Verbrecher wurden "nackt wie ein Neugeborenes" gekreuzigt (21,I,857). 17 Die Peitsche der Römer hatte an einem Stock schmale Lederriemen, in die Bleistücke und scharfe Knochensplitter eingeflochten waren. Die Zahl der Schläge war, anders als bei den Juden, unbegrenzt und dauerte so lange, bis der Soldat müde war. Am Ende der Geißelung lagen manchmal die Knochen und Eingeweide bloß und das Fleisch hing in Fetzen vom Körper. Die Geißelung endete oft mit dem Tod des Gequälten (54,z.St.; 65,I,515). Bei Jesus dürfte Pilatus weniger Hiebe angeordnet haben, denn er wollte nicht, dass er dabei stirbt. 18 Sie hätten das Land nach Dtn 21,23 kultisch verunreinigt, was den Hohepriestern Sorge bereitete, - ihre eigene Verunreinigung durch die Verurteilung eines Unschuldigen beunruhigte sich aber nicht. 19 Der Ort ist vermutlich mit Ramathajim Zophim identisch, dem Geburtsort Samuels (1Sam 1,1) und liegt 15 km nordöstlich von Lydda (54,z.St.). 20 "Freund des Kaisers" war ein Ehrentitel, wenn man ihn verlor, hatte das unangenehme Folgen. Damit erpressten sie Pilatus, denn er hatte zu diesem Zeitpunkt wegen mehrerer Vorfälle bereits einen schlechten Ruf bei Kaiser Tiberius, darum fürchtete er sich. Schon einmal gab er dem Willen der jüdischen Führer nach, um nicht beim Kaiser von ihnen angeschwärzt zu werden. Auch begann der Stern seines Gönners Sejanus in Rom zu sinken, und ein Jahr später fiel dieser beim Kaiser Tiberius in Ungnade (65,I,517f). 21 Der aramäische Name für die marmorbekleideten Terrassen vor dem herodianischen Palast in Jerusalem. Nach anderen das Steinpflaster vor der Burg Antonia (65,I,518). Jedenfalls der Ort, wo Pilatus Gericht über Jesus hielt. 22 Der Verurteilte wurde nackt ausgezogen und musste den Kreuzes-Querbalken (patibulum) normalerweise selbst zur Hinrichtungsstätte tragen (65,I,519). Es ist dies kein Widerspruch zu den Synoptikern. Zuerst trug Jesus diesen Querbalken selbst, doch dann brach er darunter zusammen. Der zufällig vorbeigehende Simon wurde daher von den Soldaten gezwungen, ihm den Querbalken zu tragen (25,II,579f). 23 Der Verurteilte wurde mittels zwei großer Nägel durch seine Handgelenke - und nicht in den Handflächen - an den Querbalken angenagelt. Danach wurde der Querbalken mit dem Gekreuzigten, oben auf dem etwa 3 m hohen Pfahl befestigt. Nach einer jüdischen Überlieferung wurden auch die Passahlämmer zum Abhäuten auf solche Weise an zwei eisernen Haken aufgehängt (65,I,519). 24 Pilatus bleibt den jüdischen Führern gegenüber feindlich eingestellt. Vermutlich im selben Jahr der Kreuzigung, ließ Pilatus eine Münze mit dem Bild des Kaisers prägen, auf dem dieser das heidnische Symbol des "Seherstabs" trägt, und diese in Judäa in Umlauf bringen, was die Juden erzürnte (65,I,520). 25 Obwohl Jesus noch jüngere Geschwister hatte, die für seine Mutter hätten sorgen können, übergibt er sie in die Obhut seines Lieblingsjüngers Johannes, denn seine Brüder waren damals (noch) nicht gläubig. 26 Johannes verwendet das Pronomen εκεινος gerne, um das Subjekt stärker zu betonen (vgl. Joh 1,18; 5,39; 7,20; 9,51; 19,31; ua.). Auch hier will er betonen, dass er selbst als einziger Augenzeuge, den vorher beschriebenen Vorgang so gesehen hat. Es ist daher kein Zusatz eines späteren Herausgebers des Evangeliums, wie in Joh 21,24 (25,589; 62,668). 27 Jesus übergibt (oder überlässt) von sich aus sein Leben dem Vater, nur er kann das (Joh 10,18). Jedem anderen Menschen wird sein Leben im Augenblick des Todes genommen. Johannes 20 1 Das ist die Sprache der Liebe! Der Leichnam wäre für sie viel zu schwer gewesen. 2 Metallstifte, - solche wurden bei der Kreuzigung verwendet. Da das Wort im Plural steht, wurden die Handgelenke Jesu mit zwei Nägeln auf einem Kreuzesquerbalken festgenagelt. Bei einer Kreuzigung an einem Pfahl hätten die Soldaten mit nur einem Nagel beide Handgelenke durchbohrt! Obwohl das körperliche Aussehen Jesu nach seiner Auferstehung etwas anders gewesen sein muss als vorher, waren seine Wundmale auch noch in seinem verherrlichten Körper zu sehen, wohl als ewige Erinnerung an seine Leiden für uns. 3 entw. ein ingressiver Aor.; od. allg.: er überzeugte sich selbst davon, dass die Grabkammer wirklich leer war (2,z.St.). 4 hebr.: Rabunni = w.: Mein Herr! Eine persönlichere, liebevollere und weniger formelle Anrede als "Rabbi". 5 Verneinter Imp.Präs.: jmdn. nicht länger festhalten, "...lass mich los!" (2,607; 13,80; 65,I,527). Es ist trotz seiner Auferstehung noch nicht das Zeitalter angebrochen, wo Jesus hier auf Erden bleibt, um als König zu regieren. Davor muss noch viel Verkündigungsarbeit von seinen Jüngern getan werden (vgl. Apg 1,6-9). 6 Ohne Art.: die Kraft bzw. Vollmacht des Heiligen Geistes, die für den Dienst nötig ist; od. wie in Gen 2,7; Hes 37,10 und 1Kor 15,45 zu verstehen: "Empfangt geistliches (d.h. ewiges?) Leben". Manche sind der Ansicht, der Imperativ müsse hier zukünftig verstanden werden, d.h.: "Ihr werdet heiligen Geist empfangen", d.h. zu Pfingsten (64,558). 7 Wahrscheinlich präsentisches Perfekt. In manchen Hs: ein Präs. mit Futur-Bedeutung bzw. Fut. (2,z.St.); z.B. in: Mt 18,18 und 2Kor 2,7.10. - Im rabbinischen Sprachgebrauch bedeutet "Sünden erlassen" die Wiederaufnahme in die Synagogengemeinschaft und "Sünden behalten" den Ausschluss aus der Synagogengemeinschaft. Dies dürfte hier aber nicht gemeint sein, denn Jesus vergleicht die Sendung der Jünger mit seiner eigenen Sendung. Er selbst hat Sündenerlass immer nur aufgrund von Glauben zugesprochen. "Dein Glaube hat dich errettet" (Lk 7,48.50). So konnten auch die Jünger, denen die ihrer Verkündigung glaubten, den Sündenerlass augenblicklich zusprechen, daher der Aorist (vgl. Apg 2,38). Denen aber die keinen wahren Glauben hatten mussten sie sagen, dass ihnen ihre Sünden weiterhin bleiben, daher das Präsens (vgl. Apg 8,20ff). Das Resultat ist in beiden Fällen dauerhaft, daher das Perfekt (13,81). 8 Vgl. Mt 10,14; Apg 13,51; 18,6; 20,26 9 D.h. nach einer Woche (2,z.St.), also wieder an einem Sonntag, weshalb sich die Gläubigen danach immer am Sonntag versammelten (Apg 20,7; 1Kor 16,2; Plinius der Jüngere, Briefe 10,96). 10 In der Koine steht der Nominativ mit Artikel für den Vokativ (2,z.St.). Daher ist der Ausdruck nicht als bloßer Ausruf der Bewunderung für Gott zu verstehen, sondern als direkte Anrede an Jesus. Der Auferstandene ist für Thomas Herr und Gott. Aus dem Zweifler wurde damit der erste Jünger, der die Gottheit Christi proklamierte! Plinius der Jüngere berichtet in seinem Schreiben an den Kaiser, dass die Christen ihrem Herrn Jesus Christus Hymnen sangen wie für einen Gott (65,I,529). 11 Da der erste Tag der jüdischen Woche (unser Sonntag) der Tag von Jesu Auferstehung war, wurde er von den ersten Christen zum dem Tag erwählt, an dem sie sich frühmorgens zum Lobpreis und abends zum Brotbrechen versammelten (vgl. die Anm. bei Apg 20,7ff), obwohl er bis zum 3.Jhdt. ein normaler Arbeitstag war. Dies bezeugt auch die "Didache" und ein Schreiben von Plinius dem Jüngeren (Briefe 10,96) an den Kaiser Trajan. Der Auferstandene erschien den Jüngern immer an einem Sonntag, darum wurde wohl dieser Tag als Versammlungstag gewählt. Damit erfüllte sich die bildliche Bedeutung der jüdischen Woche: am Freitag, dem letzten Tag der jüdischen Woche starb Jesus und vollendete sein Werk, am Sabbat (Samstag) ruhte er, und am ersten Tag (Sonntag) der jüdischen Woche ist er auferstanden und hat damit eine neue Ordnung eingeführt. Das ergibt auch eine Parallele zur Schöpfung: am sechsten Tag vollendete Gott sein Schöpfungswerk, am siebten Tag ruhte er, der achte Tag war der erste Tag, an dem der Mensch seinen Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung bekam. 12 Wahrscheinlich lagen die Binden noch so da, als wäre ein Körper damit eingewickelt gewesen, doch der Körper war nicht mehr darin. Dies vermittelte zuerst für Petrus und dann für Johannes den Eindruck, hier wäre einer einfach aus den Binden geschlüpft, ohne sie abzuwickeln, hat dann das Schweißtuch ordentlich zusammengelegt, um danach nach draußen zu gehen. Jedenfalls ein Indiz dafür, dass der Leichnam nicht einfach so wie er war, gestohlen und weggetragen wurde (21,I,862; 65,I,526). 13 Zuerst kam Maria Magdalena allein, als es noch finster war, dann nach Sonnenaufgang kam Maria Magdalena noch einmal mit der anderen Maria und Salome; Mk 16,1-2. Für eine Harmonisierung der Auferstehungsberichte siehe: 60,446-458 und 64,503. Johannes 21 1 Im Vergleich zu früheren Nächten, denn gefischt wurde oft in der Nacht! 2 Fast als Slang aufzufassen: "He Jung's, ihr habt wohl nichts zu essen, nicht wahr" (21,I,868). 3 Gen. des Vergleichs (wegen Mt 26,33) "...mehr als diese anderen Jünger mich lieben"? Möglich auch: "...mehr als diese Boote und Netze und dein früheres Leben" (21,I,870; 54,z.St.). 4 Die dreimalige Frage soll Petrus an die dreimalige Verleugnung erinnern und ihm dreimal die Chance geben, seine Loyalität für Jesus zu bekunden: (1.) Joh 21,15 = Mt 26,70 "...wirklich mehr als diese?" (2.) Joh 21,16 = Mt 26,72 "liebst du mich überhaupt?" (3.) Joh 21,17 = Mt 26,74 "hast du mich wenigstens gern?" Der Auftrag wird aber nach jeder Antwort größer: Lämmer zu weiden war relativ einfach, denn sie blieben immer beim Mutterschaf. Schafe zu hüten war schon schwieriger, denn sie liefen gerne weg. Schafe zu weiden erforderte die meiste Zeit und Anstrengung. Jesus gebraucht beide Ausdrücke (weiden und hüten) und unterscheidet sie damit auch in ihrer inhaltlichen Bedeutung. Bei jungen Lämmlein steht nicht das Hüten (Strong Nr. 4165), sondern das Weiden (Strong Nr. 1006) im Vordergrund, da sie ohnehin immer in der Nähe des Mutterschafes bleiben, um zu trinken. Der Hirte muss aber dafür sorgen, dass sie auch auf Grünfutter umgestellt werden. Bei älteren Schafen hingegen steht das Hüten im Vordergrund, weil sie anfangen sich von der Herde zu entfernen und so in Gefahr stehen den Raubtieren zum Opfer zu fallen. Aber auch bei ihnen darf nicht vergessen werden, dass auch sie geweidet werden müssen. In diesem Sinn stellt der Herr Jesus mit seiner dreimaligen Frage an Petrus diesen wieder für seine umfassende Aufgabe her (vgl. Lk 22,32), da er zuvor durch seine dreimalige Verleugnung gestrauchelt war. In der Anwendung müssen Junggläubige zuerst "geweidet" werden, später steht dann das "Hüten" im Vordergrund, wobei aber auf das "Weiden" auch bei reiferen Gläubigen niemals vergessen werden darf. Vgl. auch LXX: 1Ch 11,2; Ps 78,72; Jer 23,2 5 Petrus fiel des Öfteren durch jugendliches Ungestüm und durch eigenwilliges Vorpreschen auf. Wenn er alt werden wird, wird sich das ändern. Er wird sich ruhig in den Willen des Herrn fügen. Das ist, was der Herr ihm hier sagen will. Aus Furcht verleugnete Petrus den Herrn dreimal, am Ende seines Lebens ließ er sich furchtlos binden und wurde 64 (oder 67) n.Chr. unter Kaiser Nero mit dem Kopf nach unten gekreuzigt, wie uns die Tradition glaubhaft mitteilt (62,IV,699 Fußnote). Das ist Wiederherstellung! Als Johannes das schrieb, wusste er schon, dass Petrus hingerichtet worden war, und auch auf welche Art er hingerichtet wurde. 6 Als Bezeichnung für die Schwachen (oder Neubekehrten?) in der christlichen Gemeinde die besondere Fürsorge für ihr geistliches Wohl brauchen. 7 D.h. nur mit einem Lendenschurz oder enganliegendem Unterkleid bekleidet. Manchmal, besonders bei der Arbeit, war es das einzige Kleidungsstück, das man trug. Eine Person, die nur ein solches Unterkleid trug, wurde als "nackt" betrachtet. Daher zog sich Petrus sein Gewand an, bevor er in den See sprang, um zu Jesus zu schwimmen. - Dass Petrus den Herrn nicht selbst erkannte, weist darauf hin, dass der Auferstehungsleib Jesu nicht völlig ident war mit seinem Aussehen davor (vgl. auch Lk 24,30; Joh 21,12). 8 Das körperliche Aussehen Jesu nach seiner Auferstehung muss zwar etwas anders gewesen sein als vorher, dennoch war es klar, dass es er ist. Seine Wundmale waren aber auch in seinem verherrlichten Körper noch zu sehen, wohl als ewige Erinnerung an seine Leiden für uns. 9 Die Jünger konnten das übervolle schwere Netz nicht über die Bordkannte des größeren Schiffes ziehen. Deshalb holten einige Jünger ein kleineres Ruderboot, um zu helfen und um mit beiden Booten das übervolle Netz hinter sich her an Land zu ziehen. 10 1 Elle, von der Ellbogenspitze bis zur Mittelfingerspitze gemessen, betrug in Palästina 52,5 cm (33,1249). 11 Die Verse 24-25 sind von den Herausgebern des Evangeliums angefügt worden. Einige Hs. fügen hier noch Joh 8,2-11 an, doch diese Verse standen sicherlich nicht an dieser Stelle. 12 So wie er sie hier nach dem Fischen mit Essen versorgte, würde er sie künftig auch beim Menschenfischen mit allem Notwendigen versorgen. 13 Weil aufgrund von zwei oder drei Bezeugungen jede Sache bestätigt wird. Hier die Auferstehung Jesu, - oder die Wiederherstellung des Petrus? 14 Das "Wir" bedeutet wahrscheinlich: wir seine Schüler und Herausgeber des Evangeliums. Aber Johannes könnte diese Worte im Sinne eines Plurals (wie in Joh 1,14; 19,35; 1Joh 1,1-4 und 3Joh 1,12) auch selbst geschrieben haben. D.h. das Zeugnis von mir und den anderen Aposteln (65,I,532; 54,z.St.). 15 Schwimmen zu können, war damals eine Selbstverständlichkeit (52,V,47). 16 Der durative Imp.Präs. bedeutet vielleicht: "Nachdem du bei der Verleugnung deinen eigenen Weg gegangen bist, folge mir von nun an treu, wohin auch immer ich dich führen werde." Dann würde Petrus das tun, was er schon früher tun wollte (Joh 13,36.37), wozu er aber damals zu feige war. 17 Obwohl das Ereignis für Johannes Jahrzehnte zurücklag, war dieser Fang so eindrücklich, dass er sich die Anzahl der Fische noch merkte. Manche sehen darin auch einen allegorischen Hinweis auf die erfolgreiche Heidenmission. 18 Nach einer gut bezeugten Überlieferung war Johannes der einzige Apostel der nicht als Märtyrer starb (65,I,532). 19 Der Unterschied zwischen den beiden Synonymen lieben und gern haben in den Versen 15-17 ist zu beachten. Taten der Apostel Apostelgeschichte 1 1 Ps 69,26 2 Ps 109,8; vgl. auch die Anm. bei Mt 21,16. 3 Der Anlass für die Frage ist die Zusage der Geistausgießung (Vers 5), weil Joel 3,1-4 die Erfüllung von Vers 5 ist (Apg 2,16ff). In Joel 3,5 - 4,21 folgt aber unmittelbar nach der Geistausgießung die Wiederherstellung Israels. Außerdem redete er in Vers 3b mit ihnen über die (zukünftige?) Königsherrschaft Gottes. Vgl. auch ihre Erwartung in 1Pet 2,16ff: zuerst die Leiden des Christus, danach die Herrlichkeiten (Pl.! = des Reiches Gottes). Für sie war es keine Frage, ob Jesus diese irdische Herrschaft für das Volk Israel wiederherstellt, das war für sie vom AT her klar, ihre Frage war nach dem Zeitpunkt: Wann? Schon jetzt, oder erst später? Jesus sagt ihnen danach, dass sie davor das Evangelium auf der ganzen Erde verkünden werden. Erst danach wird sich Gott wieder seinem Volk Israel zuwenden. 4 Es besteht kein Widerspruch zu Mt 27,5, denn die Hohepriester kauften das Grundstück von seinem (d.h. Judas) Verräter-Lohn, sozusagen in seinem Namen. Insofern erwarb er (d.h. Judas) es, denn das Blutgeld wurde nach rabbinischem Recht noch immer als sein Besitz betrachtet und damit auch das davon gekaufte Grundstück. Als er sich erhängte riss offenbar das Seil und er fiel auf den felsigen Boden und sein Körper zerplatzte (34,II,575; 21,II,64f). 5 Es gab zu dieser Zeit schon über 500 Brüder (1Kor 15,6), dennoch waren bei diesem Treffen nur 120 ausgewählte Jünger dabei. 6 Damit ist das Lukas-Evangelium gemeint, auch dort benützt Lukas die typische Anrede für hohe römische Beamte. So redet man keinen Glaubensbruder an, daher ist dieser Theophilus wahrscheinlich der römische Beamte der den "Fall Paulus", während des zweijährigen Hausarrests in Rom, im Auftrag des Kaisers untersuchte. Die Apostelgeschichte endet ja auch mit dem Ende dieses Hausarrests (65,II,7). So sind auch die vielen Bezüge des Lukas auf Entscheidungen von römischen Autoritäten einzuordnen. Sie sollen für Theophilus als Präzedenzfälle dienen, an denen er sich orientieren kann (65,II,107 ua.). 7 Grammatisch auch möglich: "...die er sich durch Heiligen Geist für sich auserwählte". 8 D.h. wie er hier in seinem Auferstehungskörper in einer Wolke in den Himmel aufstieg, so wird er bei seiner Wiederkunft vom Himmel, auf einer Wolke auf die Erde kommen, und zwar auf den Ölberg (Sach 14,4), also genau an den Ort, von dem er auch in den Himmel auffuhr (Lk 24,50; Apg 1,12). Er kommt wieder, um auf der Erde sein Königreich aufzurichten (Lk 19,12.27; Offb 19,15-16; 20,4b; Dan 7,13-14 ua.). Bei Christi Wiederkunft wird ein großes Erdbeben stattfinden. Dabei wird sich der Ölberg spalten und durch einen tektonischen Bruch ein langgezogenes Tal entstehen (Offb 16,18-19; Sach 14,4-5). Unter dem Ölberg verläuft der Ostafrikanische Grabenbruch, eine tektonische Rift-Zone, an der die Arabische Platte und die Afrikanische Platte aneinanderstoßen. Dieser Grabenbruch reicht von Syrien über das Jordantal und das Rote Meer, bis zum Golf von Aden und dann weiter bis Ostafrika. Siehe: 800px-Tectonic_plates_de.png (800×508) (das-erdbeben.de) und: Ostafrikanischer Graben - Wikipedia 9 Die inzwischen gläubig geworden waren. Vgl. Joh 7,5 und 1Kor 15,7 10 Die Hohepriester kauften von seinem Verräter-Lohn das Grundstück des Töpfers als Begräbnisplatz für die Fremden (vgl. Mt 27,6-7 mit Sach 11,12-13). 11 Wohl um ihn in der Urgemeinde einerseits von Judas Barsabbas (Apg 15,22), andererseits von Jesus Justus (Kol 4,11) zu unterschieden. 12 Das sind etwa 1050 Meter. Das ist die Wegstrecke, die man nach rabbinischer Auslegung von Ex 16,29 und Num 35,5, höchstens von seiner Wohnung aus gehen durfte, ohne das Gebot der Sabbatruhe zu verletzen (33,1249). 13 In der medizinischen Terminologie der augenscheinliche und offensichtliche Endbefund, der dem Arzt vorlag (37,628). 14 Es ist hier das erste, aber auch das letzte Mal, dass die Apostel die Entscheidung Gottes durch das Los herbeiführten. Mit der Losentscheidung standen sie in der Tradition des AT (Lev 16,8; Jos 7,14ff; Rich 20,9; 1Sam 10,20-21; 14,41-42; Spr 16,33; Jona 1,7 ua.). Nachdem sie aber zu Pfingsten den Heiligen Geist empfangen hatten, entschieden sie danach nur mehr nach seiner Führung (Apg 8,29; 10,19; 11,12; 13,2.4; 15,28; 16,6-7; vgl. Röm 8,14). 15 Die Juden teilten die Menschheitsgeschichte in Zeitalter ein (65,II,11). Der Übergang von einem Zeitalter zum anderen Zeitalter, war dann ein kritischer "Zeitpunkt". Man kann in der Bibel 7 solche Zeitalter ausmachen, wobei jedes Zeitalter mit einer prominenten Person beginnt, der eine Verantwortung gegeben wird, danach bricht die Sünde ein und es folgt das Gericht: (1.) Die Zeiten der Unschuld: Adam (als unschuldig geschaffener Mensch) → Gebot → Gebot gebrochen → Vertreibung aus dem Paradies (2.) Die Zeiten vor der Flut: Adam (als gefallener Mensch) → Gewissen → Gewissen verhärtet → Sintflut (3.) Die Zeiten nach der Flut: Noah → Herrschaft des Menschen → Herrschaft missbraucht → Sprachenverwirrung (4.) Zeiten der Patriarchen: Abraham → Verheißung des Landes → Verheißung in Ägypten vergessen → Versklavung in Ägypten (5.) Die Zeiten des Gesetzes: Mose → Gesetz gegeben → Gesetz gebrochen → Wegführung nach Babel (6.) Die Zeiten der Nationen: Serrubabel → Verheißung des Königreiches für einen Überrest → Verwerfung des Königs Jesus → Zerstreuung unter alle Nationen (70 n.Chr.) und große Trübsal Israels (7.) Die Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge: Der König Jesus Christus → Herrschaft Christi im tausendjährigen Reich → Auflehnung der Nationen → ewige Verdammnis im Feuersee Zwischen dem 6. und dem 7. Zeitalter liegt die Zeit der Gemeinde, ein Geheimnis im AT. In dieser Zeit sammelt Gott alle Auserwählten aus den Nationen zu seinem Leib der Gemeinde. Wenn sich diese Auserwählten alle bekehrt haben, wendet sich Gott wieder seinem irdischen Volk Israel zu (Röm 11,25-26). 16 Wahrscheinlich das gleiche Obergemach in dem das letzte Passahmahl stattfand. Manche meinen, es war im Haus der Maria, der Mutter des Markus, wie auch Apg 12,12 zu beweisen scheint. Dort versammelte sich eine der vielen Hausgemeinden in Jerusalem. Wenn das stimmt, war diese Maria eine wohlhabende Frau (wahrscheinlich schon Witwe), denn die Häuser mit Obergemächern waren in der Oberstadt, wo die Reichen wohnten. Nach Apg 1,15 hatte dieses Obergemach immerhin Platz für 120 Personen (33,741; 65,II,13). Das gibt uns auch eine gewisse Vorstellung über die Größe der damaligen Hausgemeinden. 17 Jesus hatte sicher bewusst 12 Apostel ausgewählt, um aufzuzeigen, dass seine Jünger die "Stammväter" des treuen Überrestes des abgefallenen Volkes waren (vgl. Mt 19,28). Folglich musste die Zahl der 11 Apostel wieder auf 12 aufgestockt werden, wie auch Offb 21,14 zeigt (65,II,14). 18 Dieser Beiname verweist entweder auf den frommen Eifer dieses Simon, oder darauf, dass er früher Mitglied der Zeloten war. Dies war ein Terrorgruppe, die die römische Herrschaft mit Gewalt beseitigen wollte (53,z.St.). Apostelgeschichte 2 1 Joel 3,1-5 (LXX). Die Prophezeiung Joels begann sich zu Pfingsten zu erfüllen. Sie wird aber erst mit den angekündigten Zeichen von "Blut und Feuer und Rauch Dampf" vor dem Kommen des Herrn (Mt 24,29) völlig erfüllt sein. Für Petrus stand die Wiederkunft Jesu ohnehin unmittelbar bevor (Apg 3,19-20). Zwischen Joel 3,2-3 befindet sich ein prophetischer Zeitsprung. Zum "prophetischen Zeitsprung" vgl. die Anm. zu Lk 4,18-19 2 Lukas hat die Predigt des Petrus zusammengefasst, in Wirklichkeit dauerte sie natürlich viel länger. 3 Nach manchen folgte Lukas hier einfach der Völkertafel aus Gen 10,1ff. Damals sprachen alle noch eine Sprache. Nach dem Turmbau zu Babel wurde diese Einheitssprache von Gott verwirrt und viele Sprachen entstanden. Durch das Sprachenwunder zu Pfingsten, das die Sprachenbarriere aufhebt, wurde dieses Gericht sozusagen rückgängig gemacht (65,II,17). 4 Alle Imperfekte drücken ein wiederholtes und andauerndes Handeln aus (21,II,96). 5 Der Artikel unterstreicht, dass das Herrenmahl gemeint ist, und nicht nur eine gewöhnliche Mahlzeit (wie Vers 46, daher dort ohne Artikel), mit der es am Anfang bei der Hauptmahlzeit am Abend zweifellos verbunden war. 6 Ps 16,8-11 (LXX) 7 Die Lehre der Apostel ist die Lehre Jesu (Mt 28,20a), weil Jesus den elf Aposteln verhieß, dass der Heilige Geist sie alles lehren würde, und sie in die ganze Wahrheit einführen, und ihnen alles Zukünftige offenbaren wird (Joh 14,26; 16,12-15). Seit dem Tod des letzten Apostels Johannes gibt es daher keine neue Offenbarung und Lehre mehr (vgl. Offb 22,18-19; Jud 1,3b; 1Joh 2,24). Alle die etwas Neues bringen wollen, sind falsche Propheten! 8 Nicht das Evangelium verkündigten sie in Sprachen, sondern sie lobten Gott in verschiedenen Sprachen (vgl. 1Kor 14,15-17). Die Evangeliums-Botschaft wurde dann von Petrus in seiner Muttersprache Aramäisch verkündet. Die Gabe der Sprachenreden ist keine Evangelisationsgabe, sondern ein "Ventil" für den Heiligen Geist, um Gott unaussprechlich zu loben (1Kor 14,15-16a; Röm 8,26?). 9 Iterativer Impf.: sie verkauften und verteilten sie Stück für Stück, und nicht alles auf einmal, sondern immer dann, wenn wieder "Not am Mann war". 10 Ps 110,1 (LXX) 11 Sowohl Wind als auch Feuer waren alttestamentlich Symbole für den Heiligen Geist. Der Heilige Geist kam auf einen jeden einzelnen von ihnen. 12 Vgl. 2Kor 2,15, also die, welche sich erretten ließen (77,143). Eher unwahrscheinlich im Sinne eines Ptz.Fut.: "...die gerettet werden sollten" (21,II,98; 2,633; 44,357). 13 Zeichen und Wunder zu tun, war offenbar den Aposteln und Evangelisten in der Anfangszeit, als machtvolle Bestätigung ihrer Botschaft, vorbehalten. Vgl. die Anm. bei Mk 16,20, und Apg 4,30; 5,12; 6,8; 8,6; 14,3; 19,11; Röm 15,19; Heb 2,3-4 14 Pfingsten war das Fest des Beginns der Weizenernte. Der Heilige Geist wurde nicht zufällig an diesem Tag ausgegossen (Lk 3,17). - Im Judentum gedachte man seit dem 1.Jhdt. n.Chr. zu Pfingsten an die Gabe des Gesetzes am Sinai. Der Bericht von Ex 19,16-19 wurde im Laufe der Zeit dahingehend ausgeschmückt, dass Gott in einer Sprache wie aus Feuer dem Volk die Gebote mitteilte, und zwar in allen 70 Sprachen der Welt. Das machte die Ausgießung des Geistes und das anschließende Sprechen in Sprachen für die Juden umso bedeutender (59,392). 15 Vgl. zur Erfüllung mit dem Heiligen Geist: (1.) vor Pfingsten: Lk 1,15.41.67; (2.) nach Pfingsten: Apg 2,4; 4,8.31 (dieselben Personen wie Kap. 2,4!); 9,17; 13,9.52. (3.) Der Befehl an die Gläubigen, sich mit Heiligem Geist erfüllen zu lassen: Eph 5,18. (4.) Voll Geistes sein: Apg 6,3.5; 7,55 16 Es war somit ein Wunder am Sprechenden, nicht am Hörenden. 17 Ständige Bewohner und nicht nur Festpilger. 18 Vgl. Lk 22,22: (1.) Beschluss; (2.) Vorkenntnis. Vorkenntnis bedeutet daher: schon im Voraus beschlossen und bestimmt, und nicht umgekehrt. 19 D.h. wahrscheinlich: "unter Anrufung des Namens Jesu Christi". Vgl. Apg 22,16; Röm 10,13; Jak 2,7 20 w.: "...zum"; aber besser zu übersetzen mit: "...aufgrund", wie in Mt 3,11; 10,41; 12,41 (1,463). 21 Gemeinschaft bedeutet, dass sie alles, was sie hatten, als gemeinsamen Besitz betrachteten, den man untereinander teilt. Das betrifft materielle Güter (Röm 15,26), Geistesgaben (Röm 15,27) und Zeit (Apg 2,46a). Sie waren sich bewusst, dass alles dem HERRN gehört (Ps 24,1). Vgl. auch noch: Röm 12,13; 2Kor 9,13; 8,4; Php 1,5; Heb 13,16 ua. 22 Ein LXX Idiom: "zusammen"; vgl. 1Kor 7,5 23 D.h. in den einzelnen Häusern. In einem großen Haus mit Innenhof konnten damals wohl über 100 Leute Platz finden: vgl. Apg 1,15 (120 Personen); 12,12 (viele!); Röm 16,23a 24 Asia wurde als römische Provinz 133-130 v.Chr. gebildet und umfasste zunächst nur die Küstenländer Kleinasiens und die heutige Türkei. Dann wurde es 116 v.Chr. durch Phrygien erweitert und seit Augustus von Prokonsuln verwaltet. In der Apostelgeschichte wohl in der älteren Bedeutung und nur Mysien, Lydien und Carien umfassend, da in Apg 2,9 daneben noch Phrygien genannt ist. 25 Ein süßer Presssaft aus Trauben, der sich aber auch bereits in Gärung befinden kann. Von diesem frischen und noch süßen Wein trinkt man gerne zu viel und wird deswegen leicht berauscht. Pfingsten war ja das Erntedankfest. Traubenmost zu pasteurisieren und als nichtalkoholischen Traubensaft zu gebrauchen war den Juden fremd. Der Wein der zum Essen getrunken wurde, war im Verhältnis von drei Teilen Wasser zu einem Teil Wein gemischt, sodass man davon kaum betrunken werden konnte (21,II,77; 64,641). 26 Gemeint sind wirkliche menschliche Sprachen, die aber den Sprechern nicht bekannt waren; siehe V.5ff und 1Kor 14,2ff (2,z.St.). Diese Gnadengabe der Sprachenreden ist immer die vom Heiligen Geist geschenkte Fähigkeit eine fremde Sprache zu sprechen die man nicht gelernt hat und auch selbst nicht versteht (vgl. Apg 2,6ff). Es ist die zeichenhafte Umkehrung des Gerichts der Sprachenverwirrung in Babel in Gen 11,1-9 (21,II,99). Die Gabe diente anfangs dazu, die ungläubigen Juden (vgl. 1Kor 14,22) in Jerusalem aufgrund der Prophezeiung von Joel 3,1-2 davon zu überzeugen, dass Gott nun den Heiligen Geist ausgegossen hat. Später diente sie dazu die Juden-Christen davon zu überzeugen, dass Gott auch den Samaritern und den Heiden-Christen den Heiligen Geist gegeben hat (vgl. Apg 2,5-12; 8,15-18; 10,45-46; 19,6). Außerdem diente sie auch zur persönlichen Erbauung (1Kor 14,4a; Röm 8,26?) und zur Erbauung der Gemeinde, allerdings nur wenn sie übersetzt wurde (1Kor 14,4b). Vgl. weiters die Anm. zu 1Kor 13,8 27 Impf. freier übersetzt: "...sie kamen nicht aus dem Staunen heraus". Die meisten Diaspora-Juden waren zweisprachig, die Juden in Palästina sprachen aber nur Aramäisch und Griechisch (65,II,17). 28 Mit "alles Fleisch" ist im alttestamentlichen Zusammenhang wohl gemeint, dass jeder gläubige Israelit, und nicht nur Propheten und Könige (vgl. V.18), mit dem Heiligen Geist gesalbt wird (Num 11,29). An eine Geist-Ausgießung auch an Heiden, denkt Petrus (noch) nicht im Entferntesten. Dazu bedurfte es erst einer speziellen Vision von Gott (Apg 10,13-17.47; 11,17-18). 29 κυριος ohne Artikel bezeichnet an anderen Stellen im NT den Gottesnamen Jahwe des AT. Aber κυριος könnte hier auch als Titel verstanden werden, und zwar als bewusster Gegensatz zum römischen Kaiser, der auch den Titel ΚΥΡΙΟΣ für sich beanspruchte. In Php 2,11 finden wir den gleichen Gedanken. Jedenfalls wendet Petrus hier den Titel auf den Herrn Jesus an. 30 Damit ist wohl gemeint, dass sie ihren persönlichen Besitz als allen gehörig betrachteten (vgl. Apg 4,32), und wenn Not war, etwas davon verkauften, damit die armen Geschwister unterstützt werden konnten, nicht jedoch, dass sie alle alles auf einmal verkauften. Diese Form der Gütergemeinschaft wurde noch bis ins 2.Jhdt.n.Chr. beibehalten (65,II,22). 31 Die Präposition εις bedeutet eigentlich: " hinein...in" und man könnte übersetzen: "nicht überlassen wirst hinein in (den) Hades" (2,z.St.), womit hier nicht ausgesagt wäre, dass der Herr Jesus zwischen seinem Tod und seiner Auferstehung im Hades war, sondern das Gegenteil. Doch εις wird manchmal wie εν gebraucht (1,464) und der Sprachgebrauch von εγ-κατα-λειπω lässt die obige Übersetzung nicht zu (77,114). Vgl. auch die Anm. zu 1Pet 3,19 Apostelgeschichte 3 1 Ex 3,6 2 Dtn 18,15-20 3 Lev 23,29 4 Gen 22,18; 26,4. Der Ausdruck "in deinem Samen" wurde auch von den Rabbis messianisch verstanden (34,II,712). 5 Die Zurückversetzung in einen früheren Idealzustand (1,185). Die zukünftige Restauration des Königreiches für Israel, über die Israels Propheten schon weissagten, und welche sich dann im tausendjährigen Friedensreich auf dieser Erde endgültig erfüllen wird. Vgl. auch Anm. bei Apg 1,7 und Offb 20,2. - Dass die Erde nach der immensen Umweltverschmutzung und den katastrophalen Gerichten von Offb 9,1-21; 16,1-21 ua., wieder in einen paradiesischen Zustand wiederhergestellt wir, sollte für den allmächtigen Gott, der aus dem Nichts eine paradiesische Erde geschaffen hat, nicht schwer sein. 6 Die Bedeutung "vorherbestimmt" lässt sich für das griechische Wort zwar lexikalisch nicht beweisen, kann aber als eine von Lukas bewusst gewollte Bedeutung nicht ausgeschlossen werden (vgl. 2,640; 11,110). 7 Samuel war für die Juden gleichzeitig der letzte Richter und der erste Prophet Israels (21,II,118). 8 Das ist wohl der durch Jesus gewirkte Glaube, sowohl in dem Gelähmten als auch in den Aposteln (2,638; 21,II,112). Möglich wäre aber auch, dass der Glaube des Gelähmten gemeint ist. 9 Warum sagt Petrus nicht "als hätte ich gemacht, dass..."? Weil die Vollmacht Zeichen und Wunder zu tun, allen Aposteln gegeben war, auch wenn sie hier Petrus und nicht Johannes ausgeübt hat. Vgl. die Anm. bei Mk 16,20 10 Vgl. Jes 42,1-9; 49,1-13; 50,4-11; 51,16; 52,13 - 53,12 (2,637f). Apostelgeschichte 4 1 2Kön 19,15; Jes 37,16; Neh 9,6; Ex 20,1; Ps 146,6 2 LXX Ps 2,1-2. Diese Psalm-Verse wurde im Talmud messianisch verstanden (34,II,716). 3 Sie wurden wiederum mit dem Heiligen Geist erfüllt, der seit Pfingsten ja schon in ihnen wohnte. Vgl. die Anm. zu Eph 5,18 4 Darum waren Zeichen und Wunder am Anfang nötig. 5 Beide Male Plural: d.h. wenn jemand mehr Häuser oder Grundstücke hatte als er brauchte, verkaufte er sie. Nicht alle verkauften alles gleichzeitig, sondern immer dann, wenn jemand in Not war. Diejenigen, die ihre Immobilien verkauften, investierten in das Reich Gottes (vgl. die Anmerkungen zu Lk 16,1ff). Die anderen aber verloren bei der später einsetzenden Verfolgung ihre Immobilien (Apg 8,1)! 6 Eigentlich durften Leviten kein Land besitzen (Num 32,7ff), aber Barnabas könnte das Feld geerbt haben. Jedenfalls durften Juden ihr Erbteil nicht verkaufen (Num 36,9), aber zugunsten der Nächstenliebe wurde diese Bestimmung ausgesetzt. Barnabas hatte zwar nur ein Feld, doch er verkaufte auch dieses. Damit wurde er, ohne es vorauszuahnen, frei für seine zukünftige Berufung (Apg 11,22; 13,2). 7 Er hatte die Hauptverantwortung, um im Heiligtum für Ruhe und Ordnung zu sorgen (2,z.St.), und war selbst ein Priester und der Hauptmann der Leviten, der Tempelpolizei und rangmäßig direkt hinter dem Hohepriester (21,II,122). Er war auch für die Verwaltung der Tempelsteuer verantwortlich (54,z.St.). 8 Hier für jemanden, der nicht in der jüdischen Theologie ausgebildet war. Dass sie nicht Lesen und Schreiben konnten, wird hier aber keineswegs ausgedrückt (2,z.St.). 9 Noch stärker als "ungebildet": keine Spezialisten der jüdischen Theologie, was den Hohepriestern aufgrund der theologischen Argumentation der Apostel verwunderlich erschien, sowie auch schon seinerzeit bei dem 12-jährigen Jesus im Heiligtum. 10 Impf. vielleicht: "...da kamen sie aus dem Staunen nicht mehr heraus". 11 Meist vom Verhalten feuriger, ungeduldiger, schnaubender und sich aufbäumender Pferde. Übertragen auf Menschen: sich stolz und überheblich brüstend. Hier vielleicht als zeitloses hebr. Perfekt gebraucht: "Warum toben..." (2,z.St.). 12 D.h. entw.: "mit großem Nachdruck", od.: "...begleitet von Zeichen und Wundern" (2,z.St.). 13 Wahrscheinlich: Gnade von Gott; od. viell.: Gunst, Beliebtheit und Ansehen von den Menschen (21,II,137). 14 Nicht buchstäblich, sondern wahrscheinlich ein t.t. der Geschäftssprache: jmdm. etwas zur Verfügung stellen oder treuhändisch überlassen (2,z.St.). Die Apostel waren anfangs zuständig für die gerechte Verteilung an die bedürftigen Geschwister. Nachdem Klagen über eine ungerechte Verteilung entstanden, übertrugen sie diese Aufgabe Diakonen. 15 Hannas war davor von 6-15 n.Chr. Hohepriester, Kaiphas, sein Schwiegersohn, war von 18-37 n.Chr. Hohepriester (vgl. 47,z.St.). Die Ex-Hohepriester hatten auch nach ihrem Abtritt noch große Macht, hier insbesondere, da Hannas der Schwiegervater von Kaiphas war. 16 Der hier erwähnte Herodes ist Herodes Antipas, - ein Sohn von Herodes dem Großen, - der von 4 v.Chr. bis 39 n.Chr. Tetrarch von Galiläa und Peräa war (vgl. 47,z.St.). 17 Plural, d.h. Johannes hat sich an dem Gespräch nach der Predigt des Petrus auch beteiligt. 18 Von beiden wissen wir nichts Gesichertes (vgl. zu Vermutungen 21,II,125). 19 Vgl. Ps 118,22 wurde auch im Talmud messianisch verstanden. Petrus hat von Jesus gelernt die Schrift als Beweis zu zitieren; Mt 21,42 (21,II,126). 20 Natürlich kannten sie sie schon vorher, aber hier wurde ihnen bewusst, dass Jesu Gesinnung und Freimütigkeit auf diese Männer übergegangen war. 21 Das wird wohl am besten so zu verstehen sein, dass einer mit dem Gebet begann, ein weiterer fortfuhr, ein Dritter einstimmte, usw., sodass schließlich alle einzelnen Kurz-Gebete zusammengefasst, das niedergeschriebene Gebet widerspiegelten. Denn es ist kaum denkbar, dass das ganze Gebet der Gläubigen nur so kurz war. Wenn der Gebetsablauf wirklich so gewesen ist wie oben beschrieben, wäre es ein wichtiger Denkanstoß für unsere Gebetspraxis in Hinblick auf "einmütiges" Gebet. 22 Nicht um die Bestrafung der Hohepriester, oder Bewahrung vor den Hohepriestern bitten sie, sondern um Kraft zum Zeugnisgeben. Apostelgeschichte 5 1 Diese zweite (vgl. Lk 2,2 für die erste) Steuereinschreibung war 6-8 n.Chr. für das ganze römische Reich, - als Quirinius Prokurator der Provinz Syria war, - in die Judäa kurz davor eingebunden wurde. Sie diente den Römern dazu, die Vermögenseinschätzung für die Steuereintreibung in den Provinzen zu erheben (vgl. 2,663). 2 od.: "Was dies wohl bedeuten mag". od.: "Wohin dies noch führen würde." (2,z.St.). 3 Es handelt sich um Gamaliel I. den Älteren (47,z.St.), ein angesehener Rechtsgelehrter. Er war der Erste von sieben Rabbis, der den Titel "Rabban" erhielt, war der berühmteste Schüler von Rabbi Hillel, und gehörte damit zum liberaleren Flügel der Pharisäerpartei. In der Mischna wird er als religiöse Autorität genannt. Er starb 57/58 n.Chr. Nach Apg 22,3 war er der Lehrer von Paulus. 4 Nach Josephus führte ein gewisser Judas ben Ezechias, - der sich selbst als Messias ausgab und aus der galiläischen Stadt Gamala stammte, - während der Volkszählung 6 n.Chr., einen Aufstand gegen die Römer aus, wobei er von einem gewissen Pharisäer namens Saddok unterstützt wurde (Antiquitates XVIII,1.1-6; XX,5.2; De bella Judaicum, II,8.1; XVII,8-9; 2,660). Er scheiterte zwar und die Römer zerstörten aus Rache die galiläische Stadt Sepphoris, aber einige Jahre später gründeten seine Nachfolger die Zeloten-Partei, und seine drei Söhne starteten wieder eine Rebellion. Im Jahr 66 n.Chr. kam es in Galiläa zu einem Aufstand, der dann zum verhängnisvollen Krieg mit den Römern führte. Die drei Söhne des Judas wurden gekreuzigt. - Dass Gamaliel die Christen mit dem Revolutionär Judas vergleicht zeigt, dass er die Botschaft Jesu nicht verstanden hatte (21,II,159; 46,10; 58,252; 65,II,34). 5 D.h. sie verkündeten öffentlich im Tempel und hin und her in den einzelnen Privathäusern das Evangelium. Vgl. Apg 20,20 6 Die Halle Salomos befand sich an der Ostseite des Tempelplatzes. Vgl. die Anm. bei Joh 10,23 7 Über Hananias kam sofort das Gericht, weil er als Mann die Verantwortung hatte, seine Frau hätte noch Gelegenheit gehabt umzudenken. 8 Das beweist, dass der Verkauf der Güter freiwillig war. 9 Es wird nicht ausdrücklich gesagt, dass dies auch zur Heilung führte, wenn ja, dann war es der Glaube der Betreffenden und die besonderen Wunder der Anfangszeit. Vgl. auch ähnliche Wunder bei Paulus in Apg 19,11ff. 10 Das war gerade die Zeit, wo das tägliche Morgenopfer im Tempel dargebracht wurde und sich deshalb viele Menschen im Tempel aufhielten. 11 Das Synedrium und der Alten-Rat waren wahrscheinlich das Gleiche (21,II,150; 13,154). 12 Das bedeutet nicht, dass der Teufel buchstäblich von dem Herzen Hananias Besitz ergriffen hat, sondern, dass er bildlich gesprochen Einfluss über sein Herz bekommen hatte. Die Ansicht, dass der Teufel noch "Anrechte" auf einen Gläubigen hat, wenn dieser vor seiner Bekehrung okkulte Dinge praktiziert hat, schmälert und verunehrt das umfassende Erlösungswerk Gottes und entehrt damit Gott. Es ist unmöglich, dass ein Gläubiger noch dämonisiert ist oder dämonisiert wird, denn "wenn nun der Sohn euch freimachen wird, seid ihr wirklich frei" (Joh 8,36). Außerdem ist der Leib (und nicht nur der Geist) des Gläubigen ein Tempel des Heiligen Geistes (1Kor 6,19) und der Heilige Geist teilt sich bestimmt keinen Tempel mit einem Dämon. Der Gläubige steht unter besonderem Schutz des Herrn Jesus, "und der Böse tastet ihn nicht an" (1Joh 5,18). Der Einfluss Satans auf den Gläubigen kann daher nur von außen kommen. Durch die Verlockung verführt Satan ihn zur Sünde (Jak 1,14-15) und dies ist hier geschehen. Könnte ein Gläubiger noch dämonisiert sein, wäre dies bei den Gläubigen in Apg 19,18-19 sicher der Fall gewesen. Doch davon wird dort nichts gesagt. 13 Dieser Theudas war nicht der jüdische Widerstandskämpfer, der 44-46 n.Chr. in Palästina aufgetreten ist und vom römischen Prokurator Cuspius Fadus enthauptet wurde, sondern hatte nur den gleichen Namen (59,407; 60,486; 64,565; 65,II,34). 14 Da sich Pilatus außerhalb der Festzeiten nicht in Jerusalem aufhielt, könnten sie durchaus ihren Plan ausgeführt haben (65,II,34). 15 Damit ist die jüdische Prügelstrafe von 39 Stockhieben gemeint, diese war nicht vergleichbar mit der römischen Geißelung. Nach anderen war es eine Geißelung, die bei den Juden mit einer Peitsche aus weichen breiten Lederriemen durchgeführt wurde. Sie durfte nach Dtn 25,3 höchstens 40 Schläge betragen. Um ein Verzählen zu vermeiden, gab man dem Verurteilten nur 39 Schläge (54,z.St.). 16 Da Gamaliel vom Eventualis zum Realis wechselt könnte dies bedeuten, dass er persönlich es durchaus für möglich hält, dass die Apostel Gottes Werk tun (doch vgl. auch 13,104). 17 Die Strenge des Gerichts in dieser Anfangszeit der Gemeinde erinnert an Jos 7,1ff. und 2Kön 2,23-24, und dient der Abschreckung. Würde Gott heute noch genauso strafen, wären die Gemeinden wahrscheinlich dezimiert. 18 Mit der Kreuzigung erklärten sie Jesus nach Dtn 21,23 auch zu einem von Gott Verfluchten (54,z.St.). 19 Damit wird ausgesagt, dass der Heilige Geist eine göttliche Person ist, denn eine Kraft kann man nicht belügen. 20 Die Unterordnung und der Gehorsam gegenüber Obrigkeiten (z.B. Staat, Ehemann, Eltern, Vorgesetzten, Ältesten, usw.) muss dort aufhören, wo ihre Anordnungen gegen Gottes Wort (Apg 4,19-20; 5,40-42; Röm 14,23; Dan 6,9-11 ua.), gegen das eigene Gewissen (Apg 23,1; 24,16; 2Kor 1,12; 1Tim 1,19; 3,9; Heb 13,18; 1Pet 2,19; 3,15-17), oder gegen die Verfassung gehen (Apg 16,35-39; 22,25-26; 23,16ff). Apostelgeschichte 6 1 Impf.: schon längere Zeit immer wieder (absichtlich?) übersehen wurden. Die Hellenisten waren Griechisch sprechende Juden, die außerhalb Israels geboren wurden, und erst im Alter nach Jerusalem gezogen waren. Die Hebräer waren in Israel geborene Juden, die Hebräisch und Aramäisch sprachen (54,z.St.). 2 Das beinhaltet sicher auch die Frauen (Apg 14,21), es wurden ja nicht nur Männer gläubig. 3 Die Apostel waren bis zu diesem Zeitpunkt auch die Verwalter der materiellen Güter (Apg 4,35), jetzt gaben sie die Verantwortung vollends an diese ersten Diakone ab. Diese wurden von der Gemeinde ausgewählt, später hat Paulus Anforderungen für diesen Dienst angeordnet. 1Tim 3,8-13, siehe die Anm. dort. 4 Bezeichnet die auswärtigen Juden in Jerusalem, die eine eigene Synagoge hatten, wie die Libertini in Pompeji. Der Name bezieht sich wohl auf die freigelassenen Juden und deren Nachkommen, die Pompeius 63 n.Chr. als Kriegsgefangene nach Rom mitgenommen hatte (21,II,174; 59,159). 5 Ein "Proselyt" ist ein Heide, der voll zum Judentum übergetreten ist. Davon unterschieden sind die "Gottesfürchtigen", die sich dem Judentum in lockerer Form angeschlossen haben; vgl. Kap.10,2; 11,18; 13,16.26; 16,14; 17,4.17; 18,7 (vgl. 47,z.St.). 6 Die Symbolik der Handauflegung hat ihren Ursprung im AT. Dort wurden die Hände zur symbolischen Übertragung von Vollmacht und Segen aufgelegt (Num 27,18ff; Dtn 34,9 ua.). Ebenso bei der symbolischen Übertragung der Schuld des Sünders auf das Opfertier (Lev 1,4 ua.). Beim Brandopfer war es umgekehrt die Übertragung der Heiligkeit des Opfers wurde durch die Handauflegung symbolisch auf den Opfernden übertragen. Grundbedeutung der Geste ist also Identifikation und Übertragung. In diesem Sinne wurde die Handauflegung auch im NT praktiziert, von Jesus, den Aposteln und deren Mitarbeitern, von Ältesten, oder von Annanias, der aber vom Herrn selbst beauftragt war (Apg 9,12.17-18). Die Handauflegung geschah bei: (1.) bei Heilungen, vor allem von Ungläubigen und bei Segnungen (Mk 5,23; 6,2; Mt 19,13; Apg 5,12; 9,12; 14,3; 19,11; 28,8 ua.); (2.) in besonderen Fällen bei der symbolischen Übertragung Heiligen Geistes (Apg 8,17; 9,17; 19,6). Seit der Bekehrung von Kornelius bekommt jeder den Heiligen Geist bei der Wiedergeburt; siehe: Röm 8,9; (3.) bei der Einsetzung zu besonderen Aufgaben (Apg 6,6; 13,3; 1Tim 4,14; 2Tim 1,6); (4.) wahrscheinlich auch bei der Einsetzung von Ältesten (1Tim 5,22); (5.) bei der Aussendung von Missionaren durch die Ältesten der Gemeinde (Apg 13,3). - Wenn Jesus Menschen heilte, hat er ihnen oft, aber nicht immer, die Hände aufgelegt (Mk 6,5; 8,23; Lk 4,40; 13,13), nicht aber bei Dämonenaustreibungen. Doch auch bei ihm war es nur eine symbolische Handlung, sonst hätte er immer mit Handauflegung geheilt, was er aber nicht tat. Auch die Apostel legten nicht immer die Hände auf, wenn sie jemanden heilten (z.B. Apg 3,1-8). Ob Gläubige auch heute noch die Hände auflegen sollen, wenn sie Gott bitten jemanden zu heilen ist umstritten. Aus der Anweisung in Mk 16,18 und dem Beispiel des "einfachen" Gläubigen Ananias kann man eine solche Praxis durchaus ableiten. Aber es darf an keine mystische Kraftübertragung durch die Handlung gedacht werden, denn dies wäre eine Art von christlichem Aberglauben. Die Geste der Handauflegung muss in allen Fällen wohl überlegt sein und soll nicht voreilig geschehen (1Tim 5,22). Unsere Hände sollen vor allem Gutes tun (Eph 4,28). Apostelgeschichte 7 1 Vgl. den etwas längeren Wortlaut in Gen 12,1: "...und aus dem Haus deines Vaters", und die Anm.27 unten. 2 Gen 48,4 3 Gen 15,13-14 4 Ex 2,22 5 Ex 1,8. Das hebr. Wort רךע (yada; hebr. Strong Nr.: 03045) bedeutet auch jmdn. (nicht) anerkennen, wie in 1Sam 2,12 6 Ex 2,14 7 Zum scheinbaren Widerspruch zu Ex 1,1-5 vgl. die Erklärung in: 60,488 und 64,566f. 8 Ex 3,6 9 Ex 3,5 10 Ex 3,7-8 11 Ex 2,14 12 Dtn 18,15 13 Ex 32,1.23 14 Erwartete Antwort: "Nein". Äußerlich brachten sie zwar Gott Schlachtopfer dar, aber in ihren Herzen hängten sie noch an den Göttern Ägyptens. 15 Am 5,25-27 (LXX). 16 Eigentlich musste nach jüdischer Rechtstradition, der zu Steinigende vorher rücklings einen Abhang hinuntergestürzt werden. Wenn er danach noch lebte, musste ein zweiter Zeuge einen schweren Stein auf seine Brust fallen lassen, um ihn endgültig zu töten (46,83; 59,404; 65,II,45). Doch die Juden waren hier so voll Zorn gegen Stephanus, dass sie ihn sofort in Rage und ohne vorherige römische Verurteilung in Lynchjustiz steinigten. 17 Jes 66,1-2 18 Bezüglich der Unterschiede zu den alttestamentlichen Berichten, siehe: 2,674. 19 "Andersartig" weil aus einer anderen Dynastie. Jedenfalls mit anderen Regierungsgrundsätzen als sein Vorgänger. Vielleicht Pharao Ramses II Miamum (96,356f.). 20 αστειος von αστυ, w.: Hauptstadt, von ai. v-stu (Haus, Wohnstätte) aus d. W. ves- (sich aufhalten). In Gräz.: "städtisch" - d.h. vornehm, elegant, hübsch, von guten Manieren und Benehmen, höflich, gebildet, vorwitzig. Bei den Stoikern fast: fleißig. In LXX: gutgenährt (beschönigend für: fett), gebildet, körperlich gut gebaut, gutaussehend, wohlgestaltet, zierlich, lieblich, (Ex 2,2; Num 22,32; Rich 3,17). Der Ausdruck ist wohl ein Hebraismus. Es steht der Gedanke dahinter das Anmut und Schönheit ein Segen Gottes sind und daher das kleine Mosekind auch für Gott wohlgefällig war. 21 Im Orient ein Zeichen des Respekts beim Betreten eines Hauses. 22 Das "Schilfmeer", d.h. das Bitterseengebiet beim Golf von Suez und beim Golf von Aqaba (2,z.St.). 23 Moloch war eine kanaanäische Gottheit, der man Kinderopfer darbrachte. Vgl. Lev 18,21; 20,2-3; 1Kön 11,7; 2Kön 23,10; Jer 32,35. Raifan war wahrscheinlich der ägyptische Gott Seb, der als Sternengott verehrte Planet Saturn (2,681; 60,491). 24 Beachtenswert ist der Wechsel von σκηνη (Zelt) in V.44, zu σκηνωμα (ein fester Zeltplatz) in Vers 46, und schließlich zu οικος (Haus = der Tempel) in Vers 47. 25 In Papyri als t.t. bei Geldgeschäften: Edelmetalle abwiegen; daher: für jemanden etwas festsetzen, jemandem etwas anrechnen. 26 Der Apostel Paulus war ein Jude mit römischem Bürgerrecht (vgl. Apg 16,37). Er hatte zwei Namen: einen hebräischen: Saul, und einen griechisch-römischen: Paulus (vgl. 47,z.St.). Die Zeugen mussten aufgrund von Dtn 17,7 als erste einen Stein werfen. Eigentlich hatte der Sanhedrin kein Recht die Todesstrafe auszuführen, noch dazu ohne vorherige Gerichtsverhandlung. Aber dieser Akt könnte sich durch den aufgebrachten Pöbel in der Zwischenzeit nach der Abberufung von Pilatus und vor dem Eintreffen seines Nachfolgers Marcellus ereignet haben (21,II,201ff). 27 Gen 12,1 erweckt den Eindruck, diese Erscheinung sei erst in Haran gewesen, doch dort ist nicht von einer Erscheinung die Rede, sondern nur, dass der HERR zu Abram (nochmals) redete. Die Lösung dieses scheinbaren Widerspruchs könnte folgende sein. Stephanus folgt unter der Leitung des Heiligen Geistes einer jüdischen Tradition (vgl. Gen 15,7; Neh 9,7; sowie Philo und Josephus), nach welcher die Herrlichkeit (= Sekinah) Gottes dem Abram schon in Ur erschien, und Gott ihn aufforderte Ur allein mit Sara zu verlassen. Aber nach Gen 11,31 übernahm traditionsgemäß der Patriarch Terach, Abrams Vater, die Initiative und führte die ganze Familie aus Ur, denn im Hebräischen heißt es wörtlich: "...Terach nahm ... und zog mit ihnen aus Ur" (96,154). Er wollte zwar mit ihnen bis nach Kanaan ziehen, doch sie blieben in Haran hängen und wurden in dieser Handelsstadt reich. Daher redete Gott nochmals zu Abram, nachdem sein Vater Terach gestorben war (Apg 7,4), er solle auch "das Haus seines Vaters" (Gen 12,1) verlassen, worauf er mit seiner Frau Sarai und mit seinem verwaisten Neffen Lot auszieht. Nahor bleibt in Haran zurück (Gen 34,10). Terach und Nahor verharrten nach dem Auszug aus Ur weiter im chaldäischen Götzendienst. Das beweist Gen 31,53, wo es heißt: "der Gott Abrahams und der Gott Nahors, sie sollen (Plural, also zwei verschiedene Götter)..." und Gen 31,30: "...meinen Gott (d.h. den Hausgötzen) gestohlen" (ebenso Jos 24,2). Wenn man die chronologischen Zahlenangaben in Gen 11,26.32 und 12,4 miteinander vergleicht, wäre Terach bei Abrams Geburt 70 Jahre und Abram bei seinem Auszug aus Haran 75 Jahre alt gewesen, das ergibt zusammen 145 Jahre. Aber nach Gen 11,32 starb Terach erst mit 205 Jahren. Manche meinen daher, er lebte noch 60 Jahre nachdem Abram aus Haran auszog (33,1175, 96,154), aber Apg 7,4 spricht dagegen. Wahrscheinlicher ist, dass nicht Abram, sondern Haran der älteste Sohn war, und Abram nur als erster genannt wird, weil er später der Berühmtere wurde (60,487ff). - Das Argument von Stephanus dürfte folgendes gewesen sein: die Herrlichkeit Gottes ist nicht an den Tempel gebunden (vgl. Vers 48), sondern offenbarte sich sogar dem Götzendiener Abram in einem heidnischen Land. (vgl. zur Sache auch 2,670f; 21,II,178ff). Jedenfalls macht Stephanus damit klar, dass die Sekinah Gottes nicht nur im Tempel wohnt(e). 28 Einer Tradition zufolge adoptierte die Tochter des Pharao Mose als designierten Thronfolger, da der Pharao selbst keinen Sohn hatte (Josephus, Antiquitates II,9.7). 29 Eine sehr alte Stadt in Mesopotamien, Hauptstadt Assyriens, 32 km südöstlich von Odessa gelegen. Es war eine reiche Handelsstadt, da sie an der Haupt-Handelsroute von Ninive nach Aleppo, also auf der Strecke nach Kanaan, lag (33,453). Abram blieb in Haran hängen, worauf Gott nochmals zu ihm sprach, und ihn aufforderte auch "das Haus seines Vaters" zu verlassen (Gen 12:1b). In Haran wurde Abram reich (Gen 12:5), aber es war ein zweifelhafter Reichtum, der ihm später Probleme machte (Gen 13:5f). Gott hatte ihm zwar viele Nachkommen, aber nicht großen Reichtum versprochen. Später wurde Haran durch die Niederlage des Crassus (53 v.Chr.) bekannt. 30 Zu den 400 Jahren vergleiche die Anm. bei Gal 3,17. In Gen 15,13-16, werden bei der Zeit der Unterdrückung Israels in Ägypten, 4 Generationen mit 400 Jahren gleichgesetzt, wo hingegen in unserer Zeit eine Generation nur mit ca. 30 Jahren festgesetzt wird. Die 4 Generationen in Gen 15,16 waren: (1.) Jakob (2.) die 12 Söhne Jakobs (3.) deren Kinder (z.B.: Perez, Amran, ua.), und (4.) deren Enkelkinder (z.B.: Hezron, Mose, ua.). Mose war ca. 80 Jahre beim Auszug Israels aus Ägypten (Ex 7,7). Eine Generation wird auch in Rich 2,10 mit der Lebenszeit einer Person definiert, und zwar unabhängig davon, wie lange diese Person lebte. Diese 400 Jahre der Unterdrückung werden in Num 4,20 und Jer 11,4 der "Schmelzofen Gottes" genannt. Sie dienten dazu, Israel vom eingedrungenen Götzendienst Ägyptens zu läutern, und begierig auf Erlösung zu machen. Apostelgeschichte 8 1 Jes 53,7-8 (LXX) 2 Entweder: durch den Tod; od.: aufgehoben in den Himmel durch seine Auferstehung. 3 Vers 37 ist eine spätere Texterweiterung: "Philippus aber sprach zu ihm: Wenn du von ganzem Herzen glaubst, ist es erlaubt. Er aber antwortete und sprach: Ich glaube, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist". Die Lesart findet sich nicht in den ältesten Hs., wird aber im 2.Jhdt. schon von Irenäus zitiert. Es ist eher anzunehmen, dass sie eingefügt wurde, als dass sie weggelassen wurde (27,359). 4 Das war sicherlich noch bevor er selbst den Heiligen Geist empfangen hatte. 5 Die Flucht geschah wegen der Verfolgung um des Glaubens willen, nicht wegen schwieriger materieller Umstände! - Hat der Herr damit vielleicht "nachgeholfen", damit sein Auftrag in Apg 1,8 erfüllt wird? Später jedoch, gab es offenbar wieder eine größere Anzahl an Gläubigen in Jerusalem (Apg 12,5b.12.17b.24). 6 Nach Dtn 21,22f sollten Hingerichtete ohne viel Aufhebens begraben werden. Laut Mischna (Sanhedrin 6,6) durfte für sie jedoch keine öffentliche Totenklage durchgeführt werden. Falls dieses Verbot auch schon zurzeit des Stephanus galt, wurde mit dieser öffentlichen Totenklage gegen seine Hinrichtung protestiert (2,685f). 7 Das Hören stand an erster Stelle, erst dann die Zeichen, die sie als göttliche Bestätigung des Gesagten ansahen. 8 Damit ist vielleicht eine Gottesbezeichnung gemeint, worauf sich dann auch sein Anspruch auf göttliche Verehrung begründet hätte. 9 D.h. über seine Person und sein Werk, wobei er das Thema Reich Gottes nicht ausklammerte (vgl. auch Paulus in Apg 28,30). Das Evangelium ist eben auch das Evangelium des Reiches Gottes! 10 Da Heiliger Geist hier ohne Artikel steht, könnte es darauf hindeuten, dass der Heilige Geist schon durch die Wiedergeburt in ihnen wohnte und nur mehr die äußere Manifestation (durch die Sprachengabe?) zum Beweis dienen sollte, dass auch die Samariter zum Leib Christi gehören. Jedenfalls handelt es sich hier um einen heilsgeschichtlichen Sonderfall, denn es war nach Mt 16,19 dem Petrus vorbehalten zu Pfingsten den Juden und hier auch den Samaritern das Königreich Gottes aufzuschließen (vgl. auch: Apg 1,8). Er war es ja auch, der dann später den Heiden (Apg. 10,1ff) den Zugang zum Königreich Gottes eröffnete. Daher ist es ein theologischer Irrtum, wenn man in Berufung auf diese Begebenheit lehrt, jemand könne den Heiligen Geist nur dann empfangen, wenn jemand Bevollmächtigter für ihn betet. Vgl. auch die Anm. bei Apg 6,6 11 Der durative Imperfekt bedeutet, dass diese Rückkehr längere Zeit beanspruchte. 12 Beginnend südlich von Assuan, weiter in den heutigen Sudan. Eine Erfüllung von Ps 68,32b und Zeph 3,10. Der Mann war jedenfalls ein Gottesfürchtiger, wenn nicht sogar ein Proselyt, da er auch Hebräisch lesen konnte (Vers 28). In diesem Sinne kann man ihn nicht als den ersten bekehrten Heiden bezeichnen. Die ersten Heiden zu bekehren war das Vorrecht von Petrus in Apg 10,1ff. 13 Nach Dtn 23,2f waren Eunuchen von den religiösen Privilegien Israels ausgeschlossen. Außerdem war er als Äthiopier ein Nachkomme Hams. In Jes 56,3-5 wird jedoch die Aufhebung dieser Einschränkung angekündigt (2,z.St.). 14 Mögliche Deutungen: (1.) Wer kann seine Nachkommen zählen, denn er hat aufgrund seines frühen Todes (daher Milchlamm) gar keine. (2.) Wer wird seine unzählbar vielen geistlichen Nachkommen zählen können. (3.) Wer kann die böse Generation ("sein Geschlecht") unter denen er lebte, beschreiben (2,693f). 15 Philippus muss in seiner Evangelisation also auch die Taufe angesprochen haben. Sie ist demnach fixer Bestandteil der Evangeliums-Verkündigung. Vgl. auch Petrus in Apg 2,38 und 10,48, sowie Paulus in Kap.16,15.33; 18,8; 19,5 ua. Falls er wirklich schon ein Proselyt war, kannte er die Wassertaufe schon. 16 Falls es so etwas wie einen Sündenerlass durch eine Beichte gebe, wäre es hier angebracht gewesen. Die Aussage des Petrus macht klar, dass Simon nicht wiedergeboren war, obwohl er getauft war. Philippus wird aber auch nicht dafür kritisiert, dass er Simon nicht genauer geprüft hat. 17 Das Königreich Äthiopien entspricht nicht dem heutigen Äthiopien. Es war das alte Nubien, südlich von Assuan bis nach Khartum im heutigen Sudan. Das Reich bestand seit dem 8. Jahrhundert v.Chr. "Kandake" war der Titel der Königsmutter. Die Regierungsmacht ruhte in ihren Händen (54,z.St.). - "Kämmerer" (wörtlich: "Eunuch"), ist entweder im gängigen Sinn (Verschnittener, Entmannter), wahrscheinlicher aber als Titel für einen hohen Beamten zu verstehen (vgl. 47, z.St.). 18 Dieser "Simon der Zauberer" wird später in den Schriften der frühen Kirchenväter als der erste große Häretiker bezeichnet. Nach Hippolyt ließ er sich lebendig begraben und prophezeite er werde nach drei Tagen wieder auferstehen, aber er blieb tot, wie Hippolyt lakonisch bemerkte "weil er nicht der Christus war." (33,1116). 19 Zum Versuch einer Chronologie des Lebens von Paulus siehe die Chronologie zum NT in der Einleitung. 20 Aber keine Kinder! Nirgendwo im NT wird explizit gesagt, dass Kinder mit ihren Eltern mitgetauft wurden. 21 Caesarea in Palästina war eine Küstenstadt südlich des Karmel, an der Karawannenroute von Ägypten nach Tyros gelegen und daher ein geschäftiges Handelszentrum für den Handel nach Übersee und ins Landesinnere. Von Herodes dem Großen 20 - 10 v.Chr. an der Stelle einer älteren phönizischen Siedlung als neue Stadt beim alten Straton Turm angelegt und zu Ehren des Kaisers Augustus, Caesarea Augustus genannt (54,z.St.). Herodes ließ an der Stelle, wo die Via Maris an die Küste führte, einen künstlichen Hafen anlegen. Es war damals der wichtigste Hafen in Palästina. In der Stadt stand ein großer Tempel zu Ehren des Augustus und Roms, in dem eine große Statue des Kaisers Augustus stand. Seit 6 n.Chr. war die Stadt Regierungssitz von Herodes und den römischen Procuratoren. Vespasian erhob die Stadt zur römischen Kolonie. Sie hatte eine zahlreiche griechische, aber auch jüdische Einwohnerschaft was immer wieder zu Zusammenstößen führte, zuletzt im Jahr 66 n.Chr., nachdem der Prokurator Felix die Verwaltung der Stadt ausschließlich in die Hände der heidnischen Bevölkerung legte. In dem darauffolgenden Aufstand wurden alle 20.000 jüdischen Einwohner innerhalb einer Stunde massakriert (Josephus, Antiquitates XX,8,7.9; 46,13). Das Evangelium wurde zuerst durch Petrus nach Cäsarea gebracht, danach auch noch durch den Evangelisten Philippus. 22 Vielleicht Sychar/Sebaste, die politische Hauptstadt Samarias, eine griechische Stadt und Zentrum des Kaiserkults und diverser okkulter Strömungen. Jahre davor waren dort viele zum Glauben an Jesus gekommen (Joh 4,5.39-41). Da diese Stadt aber hauptsächlich von Griechen bewohnt war, ist vielleicht Neapolis, das religiöse Zentrum Samarias gemeint, das von Samaritern bewohnt wurde (65,II,47, 54,z.St.). 23 Als t.t. der Geschäftssprache gefasst, würde dieser Begriff bedeuten: in die Verfügungsgewalt Jesu Christi übergehen (65,II,49). Auf Grund dieser Bedeutung, gab es auch keine Ungetauften Gläubigen in den Gemeinden. 24 Eine ehemalige Stadt der Philister an der Mittelmeerküste, etwa 80 km von Jerusalem entfernt. Sie war 57 v.Chr. als römische Stadt wieder aufgebaut worden (54,z.St.). 25 Zur Leitung durch den Geist vergleiche auch grundsätzlich: Röm 8,14, und in der Praxis: Apg 10,19; 11,12; 13,2; 16,6-7 Apostelgeschichte 9 1 Es ist beachtenswert, wie im Laufe der Jahre in der Erinnerung des Paulus das Licht, das er gesehen hatte, immer heller wurde: Apg 9,3 → ein Licht. Einige Jahre später in Apg 22,6 → ein helles Licht. Noch einige Jahre später in Apg 26,13 → ein Licht wie die Sonne. Die Gnade des Herrn die ihm bei seiner Bekehrung widerfuhr, wird für ihn immer heller und größer. Parallel dazu wird seine Meinung über sich selbst im Laufe der Jahre immer geringer. Nachdem er unmittelbar nach seiner Bekehrung zu Kräften kam (Apg 9,19), um dann in eigener Kraft zu erstarken (Apg 9,22), predigte er das Evangelium, doch ohne Frucht. Doch im Laufe der weiteren 20 Jahre wird er demütig und er bekennt in 1Kor 15,9 → ich bin der geringste der Apostel. Einige Jahre später sagt er in Eph 3,8 → ich bin der allergeringste der Heiligen. Noch einige Jahre später, gegen Ende seines Lebens, sagt er in 1Tim 1,15 → ich bin der größte aller Sünder. Die immer tiefere Erkenntnis der völlig unverdienten Gnade (1Kor 15,10; Eph 3,7.8b; 1Tim 1,14a), macht ihn selbst in seinen Augen immer geringer, Gottes Gnade aber wird ihm immer größer. 2 Eigentlich immer im negativen Sinn: 1Tim 6,4; 2Tim 2,2; vgl. auch Apg 6,9, dort streiten aber sie mit Stephanus, hier streitet Paulus mit ihnen. 3 Sie schickten Paulus nach Hause! Erst ca. 10 Jahre später wurde er nach Antiochia geholt (Apg 11,25f). - Tarsus war eine Stadt aus frühester Zeit, in der zilizischen Tiefebene, am Rande des Flusses Cyndus, ca. 16 km landeinwärts der Mittelmeerküste gelegen. Wahrscheinlich hatte es zurzeit des Paulus ca. 500.000 Einwohner. Da der Fluss schiffbar war, hatte man einen kleinen Hafen gebaut. Das römische Bürgerrecht einiger Juden in Tarsus geht wahrscheinlich noch auf die Zeit von Pompeius zurück (33,1166). 4 Das waren solche, die schon durch ihn gläubig wurden. 5 Daraus kann man schließen, dass die Urgemeinde genau prüfte und beurteilte, ob jemand wirklich gläubig ist, bevor sie ihn in die Gemeinde aufnahmen. Im Fall von Paulus irrten sie sich aber, weil es ihre Furcht war, die sie zu einem falschen Urteil führte. Durch ein genaueres persönliches Kennenlernen (V.27), fand Barnabas heraus, dass Paulus ein echter Gläubiger ist. Vgl. dazu auch Hes 44,6-7 6 Sowohl der hebräische Name Tabita als auch der griechische Name Dorkas, bedeuten dasselbe: eine weibliche Gazelle. 7 Denn Lydda lag auf dem Weg nach Joppe. 8 Der "Weg" ist in der Apostelgeschichte eine Bezeichnung für die christliche Lehre, und wahrscheinlich eine Selbstbezeichnung der Gläubigen, weil für sie Jesus der einzige Weg zum Himmel war. Erst später wurden sie in Apg 11,26 von den Außenstehenden als "Christen" bezeichnet und übernahmen später diesen Namen. 9 Es war wohl aus eigener Kraft. Er verwirrte (V.22) die Zuhörer, er stritt (V.29) mit ihnen, aber obwohl er viele Tage (V.23) in Damaskus predigte, wird von keinen Bekehrungen berichtet. Erst als Paulus Jerusalem verlassen hatte, mehrte sich die Gemeinde (V.31) durch den Trost des Heiligen Geistes. Später predigt Paulus in Schwachheit (1Kor 2,3.4; 2Kor 10,10; 11,6) und Gott benützt ihn. 10 Es ist das einzige Beispiel im NT, wo bei einem Gläubigen die Heilung mit Handauflegung begleitet war, und dies auch nur wegen dem Auftrag des Herrn an Hannanias in Vers 11-12. Zur Handauflegung vgl. die Anm. bei Apg 6,6 11 Jede Art von Publicity, wie sie charismatische Wunderheiler heutzutage an den Tag legen, ist Petrus fern. Er hat von seinem Meister gelernt und ahmt ihn nach (Mt 9,25; Mk 5,40 und 2Kön 4,33), - außer, dass Petrus, anders als Jesus, niederkniet und betet, anstatt einfach nur ein Wort der Vollmacht zu sprechen. 12 Von den Aposteln werden nur zwei Toten-Auferweckungen berichtet (von Jesus drei), eine hier von Petrus und eine von Paulus (Apg 20,9ff). Vgl. die Parallele zum AT: eine Toten-Auferweckung von Elija (1Kön 17,17ff) und eine von Elisa (2Kön 4,33ff). Es waren einmalige und außergewöhnliche Wunder der Anfangszeit, die die Autorität, sowohl der beiden Propheten als auch der beiden "Apostelfürsten", unterstreichen sollten. 13 Da Gerber ständig in Kontakt mit der Haut toter Tiere kamen, verunreinigten sie sich auch ständig. Die frommen Juden vermieden deshalb den engen Kontakt zu ihnen (21,II,249; 65,II,57). Petrus aber, wird hier schon vorbereitet auf seine nächste Mission, nämlich den "unreinen" Heiden das Evangelium zu bringen (Apg 10,13ff). 14 Joppe war der einzige natürliche, wenn auch gefährliche, Hafen zwischen Haifa und der ägyptischen Grenze. Er lag an der ehemaligen philistäischen Küste, ca. 30 km von Jerusalem entfernt. Die Stadt wurde schon seit den Tagen der Makkabäer von patriotischen Juden bewohnt. Im Aufstand 66 n.Chr. spielte Joppe eine wichtige Rolle und wurde in dem darauffolgenden Krieg als erste palästinensische Stadt von den Römern angegriffen und erobert (21,II,249). Heute heißt die Stadt Jaffa und ist eine arabische Vorstadt südlich von Tel Aviv (54,z.St.). 15 Es stellt sich die Frage, wann Paulus wiedergeboren wurde? Als er das Licht vor Damaskus sah, oder erst drei Tage später, als Annanias ihm die Hände auflegte und er wieder sehend wurde? Vers 17 gibt eine eindeutige Antwort: erst als Annanias ihm die Hände auflegte, wurde er wieder sehend und mit Heiligem Geist erfüllt. Den Heiligen Geist empfängt man aber erst bei der Wiedergeburt. Und in Apg 22,16 wird gesagt, dass davor seine Sünden noch nicht abgewaschen waren. Die drei Tage der buchstäblichen Blindheit, symbolisieren auch seine geistliche Blindheit während dieser Tage. Und so wie alle anderen Gläubigen im NT, wurde auch Paulus unmittelbar nach seiner Bekehrung noch am selben Tag getauft. 16 Der vermeintliche Widerspruch zu Apg 22,9 lässt sich folgendermaßen auflösen: die Begleiter des Paulus hörten zwar ein Geräusch, aber es war für sie keine Stimme eines Sprechers, der etwas Verständliches sagte. Sie sahen zwar ein Licht, aber keine Person. Paulus hingegen wusste, dass es Jesus war, der deutlich zu ihm sprach (13,25; 83,65f). 17 Damaskus war eine der ältesten Städte der Welt, östlich des Anti-Libanon in einer Ebene gelegen und vom siebenarmigen Fluss Abana durchflossen. Ihr Reichtum entsprang hauptsächlich dem Karawanenhandel, der von allen Himmelsrichtungen durch Damaskus strömte. Die Stadt war in der Seleucidenzeit diesen zugehörig, wurde dann 85 v.Chr. von den Nabatäern besetzt und 65 v.Chr. durch Pompeius unter römische Oberhoheit gestellt. Zur Zeit des Paulus wurde Damaskus aber vom König Aretas regiert, entweder aufgrund einer Eroberung seinerseits oder von römischer Duldung durch Kaiser Caligula (21,II,239ff). Unter Kaiser Nero kam sie wieder unter römische Verwaltung und war die Hauptstadt der Provinz Syria. Damaskus hatte eine starke jüdische Bevölkerung und war Mittelpunkt des Levante Handels. In der Stadt lebten zehntausende von Juden, allein im Jahr 66 n.Chr. wurden 18.000 Juden in der Stadt umgebracht (65,II,53). 18 Diese "etlichen Tage" dauerten nach Gal 1,17 ca. 3 Jahre, in denen Paulus nach "Arabien" ging (Gal 1,17). Nach damaligem Verständnis war Arabien das Nabatäerreich südlich von Damaskus bis Gaza, mit der Hauptstadt Petra. Vielleicht ging er dorthin, wegen der zunehmenden Spannungen in Damaskus (Vers 22) und machte eine Verkündigungsreise durch die anderen griechischen Städte im Süden des Nabatäerreiches, denn danach kehrte Paulus wieder nach Damaskus zurück und verkündete das Evangelium. Manche meinen Paulus hätte in Arabien die Stille gesucht, was aber nach seinem Verkündigungsdrang davor und danach seltsam wäre. Lukas jedenfalls hat von der Zeit in Arabien entweder nichts gewusst, oder hat sie bewusst übersprungen, weil Paulus dort keinen Erfolg hatte (65,II,56; 33,66). 19 Das heutige Lod, 18 km südlich von Tel Aviv (54,z.St.). 20 Die Scharon-Ebene ist ein 15 km breiter und 75 km langer sehr fruchtbarer Streifen am Mittelmeer von Lydda im Süden bis zum Berg Karmel im Norden (54,z.St.). Apostelgeschichte 10 1 Hier und in 1Pet 4,3 geht es um Handlungen, die den Juden vom mosaischen Gesetz her verboten sind (vgl. dasselbe Wort in 2Makk 6,5 und 7,1). Petrus hat die Lektion, die er in der Vision lernte, sehr schnell umgesetzt. 2 Wie die Azkara des Speisopfers. Vgl. dazu Lev 2,2.9.16; 5,12; Ps 141,1ff; Dan 4,1ff; Php 4,18; Heb 13,15-16 (2,z.St.). 3 Unreine Tiere, speziell Kriechtiere und gewisse Vögel, waren den Juden verboten zu essen und für jeden Juden ein Gräuel (Lev 11,1ff; Hes 4,13-15). Petrus hatte die Lektion Jesu in Mk 7,19 noch nicht verinnerlicht. Nur Markus, ein Mitarbeiter von Petrus, hat diese Worte Jesu in seinem Evangelium. Der besondere Schritt auch den Heiden die Tür ins Königreich zu öffnen, bedurfte einer drastischen Vision. 4 Singular, d.h. in all seinen Gebeten war es immer ein bestimmtes Anliegen, das ihn bewegte, nämlich der Wunsch nach mehr Licht und nach Errettung, denn genau dieses Gebetsanliegen wurde durch die Sendung von Petrus erhört (vgl. Apg 11,14). 5 od.: Herr über alle, - und nicht nur für die Juden! 6 Die Taufe wird als ein Vorrecht gesehen, dass jeder gläubig Gewordene erhalten darf, aber auch erhalten soll, denn der Herr befahl es (Mt 28,19) und Petrus ordnete es hier an. Obwohl Kornelius und sein Haus schon den Heiligen Geist empfangen hatten, hält Petrus die Taufe dennoch für ein notwendiges Vorrecht. Die Taufe wie üblich noch am gleichen Tag vollzogen. Ungetaufte Gläubige sucht man in den neutestamentlichen Gemeinden vergeblich. Die Taufe geschah immer, bevor jemand zur örtlichen Gemeinde hinzugetan wurde (Apg 2,41). 7 Cäsarea am Meer war der Sitz des römischen Statthalters und Standort einer römischen Garnison (vgl. 47,z.St.). Ihr ursprünglicher Name war Stratonsturm, doch sie wurde von Herodes zu Ehren des Kaisers in Cäsarea umbenannt. Da es eine Garnisonsstadt war, und Sitz des Statthalters von Judäa, wurden dort 5 Kohorten (5 x 600 Mann) stationiert. Diese Kohorten teilten sich in Hundertschaften von 80 Soldaten auf, wobei jede unter der Leitung eines Centurio stand (65,II,58). 8 Inschriften beweisen, dass diese spezielle Kohorte noch 69 n.Chr., und sicherlich auch schon davor, in Palästina stationiert war und aus Freigelassenen bestand die das römische Bürgerrecht hatten (33,85; 65,II,58). Kornelius war einer von 10 Offizieren in der Italischen Kohorte, einem militärischen Verband von Hilfstruppen von ca. 500 - 1000 Soldaten (54,z.St.). 9 Die Gabe der Sprachenreden war hier ein notwendiges Zeichen für die Juden-Christen, dass auch die Heiden den Heiligen Geist bekommen konnten, und zwar ohne, dass sie vorher Proselyten werden müssen. Petrus öffnete hier durch seine "Schlüsselgewalt" (Mt 16,19) die Tür ins Gottesreich für die ersten Heiden, wie schon zu Pfingsten für die ersten Juden (Apg 2,37ff) und danach für die ersten Bekehrten aus dem Mischvolk der Samariter (Apg 8,14ff). 10 Dass Petrus während dem Gebet hungrig wird und etwas zum Essen fordert, zeigt wie entspannt und ungesetzlich er ist. 11 Vgl. Apg 11,14. Römische Soldaten durften nicht heiraten, hatten also auch keine Familie mit Kindern. Der Ausdruck 16,15 bezieht sich hier auf Sklaven und Angestellte. Unter denen die dann glaubten und getauft wurden, waren also sicherlich keine Kinder (65,II,59). Vgl. auch die Anm.2 zu Apg 16,15 12 Das war ca. um 15 Uhr, es war die Zeit des jüdischen Abendgebets. Auch Kornelius hielt sich offenbar an diese Gebetszeit. 13 Denn aufgrund von zwei oder drei Zeugen wird jede Sache bestätigt. 14 Die Offenbarung die Petrus in dieser Verzückung empfängt,- nämlich, dass auch Heiden gerettet werden können ohne, dass sie vorher Juden werden müssen,- wird von Paulus in Eph 3,5b erklärt. 15 Die Infinitiv-Konstruktion drückt vielleicht ein gewisses Zögern aus (13,133). 16 Cäsarea lag etwa 45 km von Joppe entfernt. Wenn die Boten gleich nach der Vision des Kornelius um ca. 15 Uhr aufbrachen, mussten sie die ganze Nacht durchgehen, um am nächsten Tag zu Mittag in Joppe zu sein. Die Sache war dem Kornelius also dringend. - Zu Mittag war übrigens keine vorgeschriebene Gebetszeit bei den Juden, Petrus betete um diese heiße Zeit also aus innerem Antrieb, denn Gott wollte ihm etwas offenbaren (65,II,60). 17 Das Wort bedeutet auch "Landsleute", dass Kornelius in der Fremde verwandte hatte, war sehr unwahrscheinlich (65,II,62). 18 Ein Beweis dafür, dass sie durch ihren Glauben (Vers 43), Sündenvergebung bekommen hatten. 19 Durch die Tischgemeinschaft mit diesen bekehrten Heiden drückte Petrus aus, dass er sie als vollwertige und gleichgestellte Jünger Jesu anerkannte, obwohl sie nicht durch die Beschneidung vorher Juden wurden. Diese Haltung hat er später aufgrund von Menschenfurcht wieder verleugnet (Gal 2,11-16). 20 Ein Gen.epex.: d.h. es handelt sich nicht um eine besondere Gabe (z.B. die Sprachenreden), sondern der Heilige Geist selbst ist diese Gabe (2,1375). Apostelgeschichte 11 1 od. adv.: "...indem/als sie gläubig wurden". 2 Mit Artikel bedeutet das entw.: "...in der örtlichen Versammlung in Antiochia", od.: "...in der offiziellen Gemeindeversammlung am ersten Tag der Woche", wie in 1Kor 14,34 und Kol 4,16 3 Phönizien war ein Landstrich am Mittelmeer nördlich von Israel mit den Städten Tyrus und Sidon im Gebiet des heutigen Libanon, und gehörte zur römischen Provinz Syrien (54,z.St.). Wahrscheinlich zogen einige nach Phönizien, andere nach Zypern und wieder andere weiter nach Antiochien. Antiochien in Syrien, lag am Fluss Orontos und wurde 300 v.Chr. von Seleucus Nicator I. gegründet. Es war nach Rom und Alexandria eine "Metro-Polis" und drittgrößte Stadt des römischen Reiches. Sie lag ca. 500 km nördlich von Jerusalem. Einerseits war es eine wunderschöne Stadt, berühmt für ihre Kunst und Literatur, andererseits war sie geprägt von dekadentem Luxus und der Ausschweifung ihrer Bewohner. Unter den 500.000 Einwohnern war eine große jüdische Gemeinde. Die Stadt war die Residenz des römischen Legaten und die Hauptstadt der östlichen Welt, mit einer gemischten Bevölkerung aus Griechen, Römern und Semiten, die berühmt war für ihre energische Natur und ihr ausgeprägtes Unabhängigkeitsbewusstsein. Sie diente der syrischen Legion als Hauptquartier. Der nur eine kurze Flussreise (30 km) entfernte Hafen von Seleuzia diente als Verbindung zum Mittelmeer. Es gab in ihr ein Heiligtum des Apollos, in dem mit sexueller Ausschweifung verbundene Riten zelebriert wurden. Zusätzlich gab es zahlreiche Mysterienkulte. Die Völkertrennung war in dieser Stadt weniger streng als anderswo, daher waren die dortigen Juden auch toleranter und die Beschneidung spielte für sie keine so große Rolle mehr. Damit war Antiochia der ideale Startpunkt für die Heidenmission, und das Evangelium wurde dort gut aufgenommen. Paulus wirkte in Antiochia mit Barnabas für drei Jahre und wählte die Stadt später als Ausgangspunkt für seine Missionstätigkeit unter den Griechen. Ausgrabungen haben über zwanzig Kirchengebäude aus dem 4.Jhdt zu Tage befördert (vgl. 33,51f; 21,II,266; 52,I,386; 65,II,66). Sie war die berühmteste der 16 Städte gleichen Namens, die der mazedonische Reiterführer Seleukos I. Nikator um 300 v. Chr. gründete und nach seinem Vater Antiochus benannte (54,z.St.). 4 Vielleicht speziell die Vertreter der Beschneidung, wie in Kap 15,5, 21,20 (2,z.St.). - Die Tatsache, dass Petrus, obwohl ein Führer der Gemeinde, so kritisiert wurde und sich verantworten musste, zeigt uns, dass berechtigte Kritik an führenden Brüdern durchaus angebracht ist. Wo das nicht möglich ist, hat bereits ein bedenklicher Klerikalismus eingesetzt. 5 Tiberius Claudius Drusus Nero Germanicus, Römischer Kaiser, der von 41-54 n.Chr. regierte. Als Kind war er ständig krank (auch später noch geh- und sprachbehindert), und so immer zurückgesetzt. Er war ein Spielgefährte von Herodes Agrippa I., der auch später noch sein einflussreicher Berater blieb. Seine körperlichen Defizite glich er durch eifriges historisches Studium aus. Nach der Ermordung Caligulas riefen ihn die Prätorianer zum Kaiser aus, doch der Senat stand ihm feindlich gegenüber. Unter Claudius wurden die Freigelassenen aufgewertet und erhielten wichtige Ämter im Staat. Seine außenpolitischen Erfolge und seine gute Regierungsführung gerieten aber durch seine gesellschaftliche Bevorzugung von Frauen in Misskritik. So heiratete er z.B. im Jahr 49 n.Chr. seine Nichte Agrippina, die er auch zur "Augusta" erhob. Claudius hat zu Lebzeiten, im Gegensatz zu seinem Vorgänger Caligula, keine religiöse Verehrung gefordert, diese aber von Nichtrömern gerne gesehen. In einem Tempel in Britannien wurde er z.B. als Gott verehrt. Im Jahr 49 n.Chr. ließ er alle Juden, wegen Streitigkeiten über einen gewissen Chrestus, aus Rom ausweisen. Es ist aber nicht sicher, ob es sich dabei um eine Bezeichnung für Christus gehandelt hat. Er erließ ein interessantes Dekret für Galiläa, dass die unerlaubte Öffnung von Gräbern unter Todesstrafe stellte. Ob dies im Zusammenhang mit dem behaupteten Diebstahl von Jesu Leichnam (Mt 27,11ff) stand, könnte zwar gut möglich sein, muss aber letztlich offenbleiben. In seinen Regierungsjahren wurde das römische Reich von ausgedehnten Dürreperioden und Hungersnöten heimgesucht, und die hier angekündigte trat dann im Jahr 46 n.Chr. ein. Missernten in Ägypten führten zu einer starken Verteuerung der Lebensmittel im gesamten römischen Reich (21,II,271; 65,II,67, 54,z.St.). Am 13.Oktober 54 n.Chr. wurde er von seiner machtbesessenen Frau Agrippina vergiftet, damit ihr Sohn Nero Kaiser werden könne (33,18.215; 52,I,1215ff; 2,723). 6 Buße zu tun ist demnach sowohl ein Geschenk Gottes ("...gab Gott..."), als auch eine Verantwortung des Menschen (Apg 2,38; 17,30; 26,18; Röm 2,4; Jer 15,19a; 31,18c). 7 Sie warteten nicht erst bis die Hungersnot da war, sondern reagierten schon vorsorglich darauf, weil sie die Botschaft des Propheten glaubten. 8 Bis dahin dachten sie, die Errettung sei nur für die Juden, und ein Heide müsse durch die Beschneidung erst Proselyt werden, bevor er gerettet werden kann. Vgl. Vers 19b und die Anm. bei Mt 16,19 9 Die Zusage der Errettung des ganzen Hauses ist hier, genauso wie in Apg 16,31, eine persönliche Zusage Gottes an den Betreffenden und kann daher nicht allgemein von jedem beansprucht werden (siehe 1Kor 7,16). Darin, dass der Engel die Errettung des ganzen Hauses schon voraussagt, bestätigt sich, dass alle schon im Voraus von Gott erwählt waren. Das ganze Haus von Kornelius war versammelt, um das Wort der Errettung zu hören. Sowohl bei Kornelius als auch beim Kerkermeister war aber der persönliche Glaube aller die zum "Haus" gehörten notwendig (siehe Apg 11,18b und 16,34b, und die Anm.2 zu Apg 16,15). Bei Kornelius war sein ganzes Haus schon vor der Bekehrung gottesfürchtig und daher vorbereitet (Apg 10,2). 10 Anfangs als eine abwertende Bezeichnung der Außenstehenden für die Gläubigen (Apg 26,28), erst später wurde er als Ehrenbezeichnung von ihnen übernommen (1Pet 4,16). 11 Tarsus war die Heimatstadt des Paulus. Sie lag etwa 200 km nordwestlich von Antiochia am Kydnos-Fluss, 16 km vom Mittelmeer entfernt, und war ein bedeutendes wirtschaftliches und kulturelles Zentrum (54,z.St.). Apostelgeschichte 12 1 Es handelt sich um Herodes Agrippa I. Er war ein Sohn von Aristobul, ein Neffe von Herodes Antipas und ein Enkelsohn von Herodes dem Großen, geboren im Jahr 10 v.Chr., gestorben 44 n.Chr. Nach der Hinrichtung seines Vaters im Jahr 7 v.Chr. wurde er in Rom im engsten Kreis der kaiserlichen Familie großgezogen. Im Jahr 23 n.Chr. war er so stark in Schulden verstrickt, dass er Rom fluchtartig mittellos verlassen musste. Für eine Zeitlang fand er in Tiberias Unterschlupf bei seinem Onkel Herodes Antipas, dies dank seiner Schwester Herodias die Antipas kurz davor geheiratet hatte. Er zerstritt sich jedoch mit seinem Onkel und kehrte 36 n.Chr. wieder nach Rom zurück. Da er eines Tages den Kaiser Tiberius beleidigte wurde er inhaftiert, doch nach dem Tod von Tiberius vom neuen Kaiser Caligula begnadigt, dessen Günstling er wurde, und der ihm im Jahr 38 n.Chr. den Titel König verlieh und ihm die Herrschaft über Gebiete nordöstlich von Palästina übertrug. Er intrigierte bei Kaiser Caligula gegen seinen Onkel Herodes Antipas, was zu dessen Verbannung führte. Daraufhin wurde ihm vom Kaiser auch das Herrschaftsgebiet von Herodes Antipas (Galiläa und Peräa) übertragen. Lobenswert ist, dass er im Jahr 40 n.Chr. Kaiser Caligula davon abhalten konnte, sein Standbild im Jerusalemer Tempel zur Anbetung aufzustellen, im darauffolgenden Jänner wurde Caligula dann ermordet. Nach dem Tod von Caligula setzte er sich beim röm. Senat für den neuen Kaiser Claudius ein und erhielt von ihm als Dank noch die Ethnarchie von Herodes Archelaeus (Judäa, Samaria, Idumäa), sodass er schließlich, so wie sein Großvater Herodes der Große, König über ganz Palästina war (vgl. 33,481; 21,II,272). Er versucht durch seine Regierung die Gunst des jüdischen Volkes zu gewinnen, sein sonst unjüdisches Verhalten glich er durch großen Einsatz für das Jerusalemer Heiligtum und die Verfolgung der Christen aus. Kurz vor seinem Tod lässt er noch den Apostel Jakobus hinrichten und Petrus inhaftieren (2,z.St.). Bekannt war auch seine Vorliebe für die blutigen Gladiatorenkämpfe (Josephus, Antiquitates XIX,7.5). 2 Flavius Josephus berichtet (Antiquitates XIX,343ff.), dass er bei einem grandiosen öffentlichen Auftritt (Apg 12,21ff), die Ehrerbietung der Menge annahm, plötzlich von heftigen Schmerzen überwältigt wurde und bereits fünf Tage später starb. Es ist durchaus möglich, dass es sich dabei um eine Wurmkrankheit (Helminthiasis) handelte, wobei nicht nur der Darm, sondern auch Blut, Muskeln und Leber befallen werden (2,z.St.). Der Tod durch Würmer galt als das schlimmste Schicksal überhaupt (65,II,72). Dies geschah 44 n.Chr. im Alter von nur 54 Jahren. Er hinterließ zwei Söhne, Agrippa II. und Drusus, sowie die drei Töchter Mariamne, Bernice (Apg 25,13ff) und Drussila (Apg 24,24). Nach seinem Tod wurde Palästina wieder römische Provinz (vgl. 33,481; 2,730; 52,II,1094). - Ein ähnliches Gerichtsurteil von Gott, erhielt auch der zügellose und grausame englische König Heinrich der VIII. 3 Etwa im Jahr 43/44 n.Chr. (2,z.St.). Die Tage der ungesäuerten Brote waren die ganze Festwoche, die sich an das Passah (Ex 12-13) anschloss (Lev 23,5-8). Manchmal wurden beide Feste zusammen wie in Vers 4, "Passah" genannt (54,z.St.). 4 Das sind 16 bewaffnete Soldaten, was die Angst und den Aberglauben des Herodes deutlich offenbart. Je vier lösten sich in den vier Nachtwachen ab, zwei in der Zelle an Petrus gekettet und zwei vor der Zellentür (21,II,273). 5 Obwohl diese ungläubige Reaktion auf die wunderbare Befreiung des Petrus, den mangelnden Glauben in ihrem anhaltenden Gebet offenbart (V.5), erhörte Gott ihr Gebet doch! 6 Nach jüdischem Verständnis, hatte jeder Mensch, einen "Schutzengel", - sozusagen als himmlischen Doppelgänger. Jesus scheint diese Ansicht in Mt 18,10, - zumindest für Kinder, - zu bestätigen. Auch der "Engel" in Offb 1,20; 2,1.8.12.18; 3,1.7.14 könnte von diesem Hintergrund her gedeutet werden. 7 Dieser Jakobus ist der in Mk 6,3 erwähnte "Bruder des Herrn", der laut der Apostelgeschichte (vgl. Apg 15,13-21; 21,18) und dem Galaterbrief (vgl. Gal 1,19; 2,9.12) eine wichtige Rolle in der Urgemeinde von Jerusalem spielte und den Jakobusbrief schrieb (vgl. 47,z.St.). Er dürfte nach dem Tod des Apostels Jakobus und der Flucht von Petrus (zusammen mit dem Apostel Johannes?) die Aufsicht in der Gemeinde in Jerusalem übernommen haben. Obwohl von der ganzen Gemeinde ein anhaltendes Gebet zu Gott geschah, waren Jakobus und diese Brüder nicht in diesem Haus! Das kann nur bedeuten, dass sie sich an einem anderen Ort versammelt hatten. Die Gemeinde in Jerusalem, die ja mehrere Tausend Gläubige umfasste, versammelte sich in vielen verschiedenen Privathäusern, dennoch war es eine Gemeinde mit nur einer Ältestenschaft und einem Diakonen-Team. Auch in Rom dürfte es mehrere Hausgemeinden gegeben haben (vgl. Röm 16,3ff). 8 D.h. sie waren von den Lebensmittellieferungen aus dem Herrschaftsgebiet des Herodes abhängig, weil er ihnen jeden eigenständigen Handel verboten hatte (65,II,71). 9 Wahrscheinlich der Geburtstag des Kaisers, oder ein anderes Fest, das im März 44 n.Chr. gefeiert wurde (65,II,71). 10 D.h. die Überbringung der gesammelten Geldbeträge für die Geschwister in Jerusalem (vgl. Apg 11,27ff). Die Gläubigen in Antiochia warteten offenbar nicht erst, bis die Hungersnot eintraf, sondern reagierten sofort, was nicht nur ihre Bruderliebe offenbart, sondern auch den Glauben an die Erfüllung der ausgesprochenen Prophezeiung! 11 Gott gefiel es sich sowohl durch den Tod des Jakobus als auch durch die wunderbare Befreiung des Petrus zu verherrlichen. 12 Als König über ganz Palästina hatte er das Recht die Todesstrafe auch ohne Zustimmung der Römer auszuführen. 13 Ein eigenes Portal lässt auf das Haus einer wohlhabenden Familie schließen, ebenso das große Obergemach (65,II,70). 14 Sicherlich auch, weil sie durch die schnelle Hinrichtung von Jakobus alarmiert waren, und nicht auch noch Petrus verlieren wollten. Falls sie auch für seine Freilassung beteten, war ihr Glaube schwach (Apg 12,15)! 15 Flavius Josephus berichtet (Antiquitates XIX,344), dass Herodes sich am zweiten Tag der Festspiele ins Theater Cäsareas begab. Dabei trug er ein Gewand ganz aus Silber gewirkt, sodass dessen Beschaffenheit wahrhaft außergewöhnlich war, und die Menschen ihn sogar als "Gott" anredeten (2,729f). Herodes war sehr selbstverliebt und stellte seinen Prunk gerne zur Schau. In Alexandria hatte dies einmal eine Kundgebung des nichtjüdischen Mobs provoziert (65,II,71). Apostelgeschichte 13 1 Ps 2,7. Auch die Rabbis verstanden diesen Psalm messianisch. Die "Zeugung" in Ps 2,7 bezieht sich nicht auf einen Existenz-Beginn des Sohnes Gottes, sondern auf die Auferstehung Jesu Christi. So wie Gott als Vater ewig ist, ist auch sein Sohn ewig. 2 Jes 55,3 (LXX) 3 Ps 16,10 4 Hab 1,5 (LXX). Während die Juden das Evangelium verachten, werden Heiden (Apg 13,44-48; 28,23-28) es annehmen (59,170). 5 Jes 49,6 6 Gemeint ist vielleicht eine spezielle Gebetsversammlung der ganzen Gemeinde (2,732; 99,726), wobei die ganze Gemeinde gefastet hat. Vielleicht aber auch nur eine Zusammenkunft der fünf Leiter (21,283; 33,373), weil λειτουργεω ein Wort für offiziellen Dienst ist (16,411). 7 Antiochien in Pisidien, gegründet ca. 300 v.Chr. Es lag auf ca. 1000 Meter Höhe, am Fluss Pisidas, nahe zur Grenze Pisidiens. Später wurde es aus politischen und wirtschaftlichen Gründen von den Seleukiden mit Juden besiedelt. Augustus machte die Stadt zu einer römischen Kolonie. Das hellenistische Klima der Stadt hatte auch Einfluss auf das Denken der dort ansässigen Juden, sodass sie die Botschaft von Paulus bereitwillig anhörten. Frauen hatten in der Stadt ein hohes Prestige und bekleideten auch zivile Ämter! Es gab in der Stadt einen Tempel des Gottes Men. Zur Zeit des Paulus gehörte Antiochien zur Landschaft Phrygien, politisch aber zur Provinz Galatia. Die Stadt war Sitz der zivilen und militärischen Verwaltung von Süd-Galatien und wurde von Paulus mehrfach besucht, er gründete dort eine Gemeinde (vgl. 33,51). 8 Später auch als Titel eines intimen Freundes oder Beraters des Königs am Königshof; wahrscheinlicher aber hatte er die gleiche Amme wie Herodes Antipas (4,173.178ff; 65,II,72). 9 Zypern ist eine Insel, in der von der Südküste Kleinasiens und der syrischen Küste gebildeten Bucht liegend, fruchtbar und reich an Metallen. Sie lieferte vortreffliches Schiffsbauholz. Im Jahr 58 v.Chr. wurde sie von den Römern annektiert, seit 30 v.Chr. war sie kaiserliche römische Provinz unter der Verwaltung von Proprätoren, von 22 v.Chr. an als senatorische Provinz von Prokonsuln verwaltet. Das Christentum war bereits vorher durch Flüchtlinge aus der Gemeinde Jerusalem auf die Insel gebracht worden; vgl. Apg 11,19 (2,z.St.). Da sowohl Barnabas (Apg 4,36) als auch Gläubige die an der Gemeindegründung mitgewirkt hatten (Apg 11,20) aus Zypern waren, und es dort viele jüdische Synagogen gab, war es naheliegend, dass dies die erste Station ihrer Missionsreise war. 10 Die Hafenstadt Paphos lag an der Südwestspitze von Zypern. Dort war der Sitz der römischen Verwaltungsbehörden und des Prokonsuls (54,z.St.). 11 Elymas kommt vielleicht vom arabischen "alim": Weiser, Gelehrter. "Magier" wäre demnach eine adäquate Übersetzung für Elymas (vgl. 2,733f). 12 od.: "wenn ein Wort der Ermahnung in eurem Herzen ist...". 13 od.: "Das, was ihr vermutet, dass ich sei, das bin ich nicht". 14 Ein ingressiver Aorist in Verbindung mit einem Impf. + Ptz.Perf. für ein umschriebenes Plpf., also: "es kamen die zum Glauben, die schon vorher (Pass.: d.h. von Gott) zum ewigen Leben verordnet waren" (2,z.St.). Sie waren nicht dazu verordnet zu glauben, dies war ihre Verantwortung, sondern das ewige Leben, d.h. die ewige Herrlichkeit (siehe Vers 46) zu erreichen. Eine eindeutige Aussage über die persönliche Vorherbestimmung der Gläubigen in der Ewigkeit (48,535). Vgl. auch die Anm. bei Joh 6,37.39; 10,3.26; Röm 8,28-30; 2Tim 1,9; 2,10; Tit 1,1-3; 1Pet 1,1-2 15 Wahrscheinlich benützten sie die römische Straße "Via Sebaste" (2,z.St.). Ikonium, das heutige Konja, lag 140 km südöstlich vom pisidischen Antiochia, in der römischen Provinz Galatien an der "Via Sebaste". Eine blühende und begüterte Stadt, in der die Muttergottheit Kybele verehrt wurde. Als römische Ehrenkolonie erhielt es die Verfassung einer hellenistischen Stadt, in der man Griechisch sprach. Von den Juden war ein Teil der Bevölkerung gegen Paulus aufgehetzt worden, um ihn zu misshandeln und zu steinigen, sodass er aus der Stadt fliehen musste; Apg 14,1-6 (65,II,79; 54,z.St.). 16 Seleuzia war die ca. 30 km entfernte Hafenstadt von Antiochia (vgl. 54,z.St.). 17 Lucius Sergius Paulus war von 45-46 n.Chr. Prokonsul von Cypern, als Paulus die Insel besuchte. Er stammte aus einer alten Senatorenfamilie. Ein Prokonsul (nur hier und Apg 13,8.12 und Apg 19,38) wurde vom römischen Senat bestimmt und verwaltete vorwiegend friedliche Provinzen. Im Gegensatz dazu wurde ein Prokurator vom Kaiser in unruhigen Provinzen eingesetzt, so z.B. in Judäa (54,z.St.). 18 Die Gemeinde entlässt, d.h. sie verabschiedet nur, senden tut nur der Herr selbst (Mt 9,38) durch den Heiligen Geist (Apg 13,4). - Zur Handauflegung vgl. die Anm. bei Apg 6,6 19 Es ist möglich, dass er seinen hebräischen Namen Saulus ab hier durch seinen römischen Zweitnamen Paulus ersetzt hat, weil er ab nun in heidnischem Gebiet missionierte. 20 Als Paulus und Barnabas hier das erste Mal in die Stadt kommen, wird nichts von einer Predigttätigkeit berichtet, vielleicht weil sich viele Bewohner zu dieser Zeit in die kühleren, bergigen Gegenden zurückgezogen hatten (21,II,313f). Auf der Rückreise (Apg 14,15) predigten sie nämlich sehr wohl in dieser Stadt. 21 Nicht die Gemeinde hat sie ausgesandt, sondern der Heilige Geist, die Gemeinde hat sie nur entlassen. Das moderne 3 Säulen-Prinzip der "sendenden Gemeinde", die die finanzielle Verantwortung für die Missionare übernimmt, ist genauso wenig biblisch wie die "Bibelschule", die die Missionare ausbildet, und die "Missionsgesellschaft" vor Ort, auch wenn Gott in seiner Großzügigkeit trotzdem segnet! 22 Lat.: "der Schwarze", - war er ein Afrikaner? Niger war ein geachteter und weit verbreiteter römischer Name. Vielleicht besaß er sogar das römische Bürgerrecht und kam ursprünglich aus Nordafrika (65,II,72). 23 Salamis war die Hauptstadt von Zypern und hatte eine große jüdische Gemeinde mit mehreren Synagogen. Sie lag etwa 150 km Schiffsreise von Seleuzia entfernt (65,II,73; 54,z.St.). 24 Die folgende Predigt von Paulus vor Juden ist ganz verschieden von seinen Predigten in Apg 14,15-17 vor anatolischen Bauern und in Apg 17,22-31 vor griechischen Philosophen. Das beweist, dass sich Paulus immer an den Erkenntnisstand seiner Zuhörer anpasste und sie dort "abholte", wo sie standen. 25 Die 40-jährige Regierungszeit des Saulus stützt sich auf die jüdische Überlieferung und ist auch bei Josephus bezeugt (65,II,76). 26 Herodes Antipas, der Sohn von Herodes dem Großen und Onkel von Agrippa I. Er herrschte von 4 v.Chr. bis 39 n.Chr. über Galiläa und Peräa, also nur über einen Teil des Landes. Deswegen war er nur Tetrarch (54,z.St.). 27 Perge war die Hauptstadt der Provinz. Pamphylien, und lag 15 km nordöstlich der heutigen Stadt Antalya. Pamphylien war eine Küstenregion im Süden Kleinasiens, 130 km lang und an der breitesten Stelle 30 km breit (54,z.St.). 28 Antiochien war eine Stadt in der römischen Provinz Galatien, und eine römische Kolonie. Sie lag dicht an der Grenze zur Landschaft Pisidien, einem Hochlandgebiet in Kleinasien, 190 km lang und 80 km breit, nördlich von Pamphylien etwa 1000 Meter hoch gelegen (54,z.St.). 29 Die Zahl ergibt sich aus den 400 Jahren in Ägypten (Apg 7,6), den 40 Jahren Wüstenwanderung und etwa 10 Jahren von der Eroberung des Landes bis zur Landverteilung in Jos 14,1-18 (54,z.St.). 30 δη drückt die Aufforderung zu einer unbedingten Dringlichkeit aus (1,356, 2,732). Apostelgeschichte 14 1 Ex 20,11; Ps 146,6 2 Also das noch zukünftige Reich Gottes. Vgl. 1Thes 3,3 ua. 3 Zeus (= Jupiter) war der höchste Gott der Griechen und zugleich der örtliche Gott von Lystra. Hermes galt als der Götterbote. Nach einer alten Sage waren sie schon einmal in menschlicher Gestalt in Lystra gewesen und abgewiesen worden, was Unglück über die Stadt gebracht hatte. Jetzt wollten die Einwohner es also besser machen (54,z.St.). Die Bewohner von Lystra, wo sich vor der Stadt ein Zeus-Tempel befand, hielten daher den Barnabas für Zeus, weil er offensichtlich (als der Ältere?) der Leiter im Apostelteam war, während sie Paulus für seinen Sprecher hielten, so wie Hermes der Sprecher von Zeus war. 4 In Gräz. jemanden durch ein Handzeichen zu etwas auswählen, bestellen, einsetzen oder bestimmen. Im späteren Griechisch verflacht die Bedeutung zu: jemanden zu etwas (aus)wählen (Josephus, Antiquitates VI,13.9). Die Ältesten in den Gemeinden wurden nicht durch eine Stimmabgabe der Gemeinde gewählt, sondern von Paulus und Barnabas, nach Gebet und Fasten, ausgewählt, und dann, wahrscheinlich, aber nicht sicher, begleitet mit Handauflegung, eingesetzt und angestellt. Später delegierte Paulus die Ältesteneinsetzung auch an seine Mitarbeiter Timotius und Titus. Doch auch diese hatten einen örtlich begrenzten Auftrag; vgl. Timotius in Ephesus: 1Tim 1,3 mit 5,22; und Titus in Kreta Tit 1,9, und die Anm. dort. Wie Paulus in Apg 20,28 selbst gesagt hat, werden Älteste grundsätzlich immer zuerst vom Heiligen Geist bestimmt. Nach Gebet und Fasten erkannten die Apostel welche Brüder dies jeweils waren. Auch heute dürfen Gemeindegründer Älteste nicht nach ihrem Gutdünken einsetzten (vgl. Hos 8,4), sondern müssen nach Gebet und Fasten erkennen, welche der Heilige Geist bestimmt hat. Dabei sind alle Kriterien die Paulus dem Timotius (1Tim 3,1-7) und Titus (Tit 1,5-9) gegeben hat, verbindlich zu beachten. Wenn eine Gemeinde nicht durch einen Gemeindegründer entstanden ist, soll die Gemeinde, ebenfalls nach Gebet und Fasten, erkennen, welche Brüder unter ihnen der Heilige Geist bestimmt hat und diese dann als Älteste anerkennen (vgl. 1Kor 16,15-16; 1Thes 5,12). Die Kriterien für Älteste sind nicht unerreichbar hohe Anforderungen, sondern sollten von jedem Bruder angestrebt werden, was ihn aber noch nicht automatisch zu einem Ältesten qualifiziert. Dass es heute einen Mangel an qualifizierten Brüdern für das Ältestenamt gibt, liegt am Niedergang der Gemeinden. Siehe auch: https://drive.google.com/file/d/1AFhbkinz90KoC0TapuawUJOI8MK3aRf1/view?usp=sharing 5 Also war auch Barnabas ein Apostel, denn er war "ausgeschickt" vom Heiligen Geist (Apg 13,4). 6 od.: "Was tut ihr da?" 7 Und nicht: "...durch (δια) sie tat" Vgl. auch Apg 15,4b.12. Paulus weiß, dass er nur ein auserwähltes Gefäß und Werkzeug in Gottes Hand ist (Apg 9,15; Röm 9,23; 1Kor 1,31; 2Kor 10,17). 8 Entweder zum Tor des Zeus-Tempels; od.: zum Stadt-Tor? 9 Sie nahmen eine Reise von 150 km auf sich, um Paulus zu verfolgen. Welch eine Feindseligkeit (21,II,310)! 10 Mit Artikel wahrscheinlich: "in den Glaubenswahrheiten"; aber vgl. Apg 6,7; 13,8 und 15,9 (21,II,312). 11 Im Vorderen Orient regnet es nur im Winterhalbjahr von Oktober bis Februar. Gewitterartige Frühregen gibt es schon ab Mitte September. Die letzten leichten Niederschläge, der Spätregen, erfolgen im März/April und sind wichtig für die Entwicklung der Getreidekörner in den Ähren des Wintergetreides (59,396). 12 Flucht ist nicht immer Feigheit, es kann auch Klugheit sein (vgl. auch Spr 22,3; Mt 10,23; Mk 14,50.52; Lk 21,21; Joh 8,59; 10,39). 13 Lykaonien war eine Landschaft im südlichen Innern Kleinasiens, eine Hochebene nördlich des Taurus-Gebirges und Teil der römischen Provinz Galatien. Es gab die Regionen "Lycaonia Galatica", wozu Lystra und Derbe gehörten und wo die meisten Einwohner Lykaonisch sprachen, und "Phrygia Galatica", wozu Ikonion gehörte. Lystra lag 30 km südwestlich von Ikonion und war eine römische Kolonie und die Heimatstadt des Timotheus. In Lystra schafften es die Juden aus Antiochien und Ikonium, die Bevölkerung zu überreden, Paulus zu steinigen. Derbe liegt 100 km südöstlich von Lystra (54,z.St.). 14 Attalia war der beste Hafen an der Küste von Pamphylien, und lag etwa 15 km von Perge entfernt. Es ist das heutige Antalya (54,z.St.). Apostelgeschichte 15 1 In LXX Amos 9,11-12 steht αναστησω: aufrichten, aufstehen; "In jenem Tag werde ich aufstehen und...". Aber Jakobus ändert das Zitat, um auszudrücken, dass die endgültige Wiederherstellung von der Amos spricht, erst nach der Wiederkunft Christi geschehen wird. Diese Schriftstelle wurde auch von den jüdischen Rabbis messianisch verstanden (34,II,734): https://drive.google.com/file/d/1EiolKVt2ua4en0ysgfl8BFgYH1TqbUUB/view?usp=sharing 2 Frei nach LXX Amos 9,11-12 (vgl. auch Jer 12,15; 30,9; Hos 3,5). Ursprünglich bezieht sich die Prophezeiung auf die Wiederherstellung der darniederliegenden David´schen Dynastie, die nach der Rückkehr des Volkes aus der babylonischen Gefangenschaft stattfinden sollte. Jakobus aber wendet sie auf die aktuelle Situation an und macht deutlich, - da Israel inzwischen wieder unter Fremdherrschaft war - dass es noch eine zukünftige Wiederherstellung der David´schen Dynastie geben wird, und zwar, nachdem sich Gott ein Volk aus den Heiden gesammelt hat (vgl. auch Röm 11,11-12.23-26). Dass diese Sammlung aus den Heiden so lange Zeit dauern würde, war den Aposteln damals noch nicht bewusst. 3 Jes 45,21 4 Vers 34 fehlt in den wichtigsten Hs. und einzelne spätere Hs. fügen hier ein: "Silas aber beschloss dazubleiben, so reiste Judas allein (nach Jerusalem) ab" (vgl. 27,439; 48,544). 5 Das sind wahrscheinlich die falschen Brüder von Gal 2,4; 2Kor 11,4-5.12-15.26 6 D.h. in der Zukunft errettet werden, wie Vers Apg 15,11 7 Mit ziemlicher Sicherheit lauter Juden-Christen, die ein irdisches Friedensreich für Israel erwarteten, das mit der Wiederkunft Christi beginnen sollte; vgl. Apg 1,6; 3,18 ua. 8 Damit meint Jakobus, wie Petrus in Vers 7ff. seine Sendung zu Kornelius verteidigt hat. Bevor Gott für Israel in der Zukunft wieder ein Königreich aufrichten wird, sammelt er sich jetzt ein Volk aus den Heiden. Möglich wäre auch die Übersetzung: "...wie Gott selbst". 9 D.h. es besteht kein Widerspruch zu den Prophezeiungen der Propheten über die Zukunft Israels. 10 D.h. nach dem "zuerst" von Vers 14, nämlich der Sammlung der Nationen, die mit der Bekehrung des Kornelius begonnen hatte. Das Zitat aus der LXX wird von Jakobus ziemlich frei auf das, was er aussagen will, angepasst. 11 Drückt Unsicherheit aus. 12 Synonym für gottesfürchtige Heiden, der Name steht für den Besitzanspruch. Vgl. diese Heiden in Apg 13,48 13 Hurerei meint hier wahrscheinlich verbotene Verwandtschaftsehen (Inzest), also die Blutschande nach Lev 18,6-18 (38,II,729f), denn Hurerei im allgemeinen Sinn war ohnehin schon für alle Gläubigen verboten. 14 Vgl. Gen 17,13 15 Vgl. Lev 17,8: "Jedermann aus Israel und von den Fremden...", daher bezogen die Ältesten es auch auf die Heiden-Christen. - Götzenopferfleisch ist das Fleisch, das nach der Opferung vom Götzenopfer übrigblieb. Dieses Wort konnte für Heiden nicht verwendet werden, weil für sie ihre Götter keine Götzen waren. Es ist daher ein typisch jüdisches Wort. Sonst nur noch in LXX 4Makk 5,2. Das übrigbleibende Götzenopferfleisch wurde vom Opfernden mit seinen Freunden feierlich in einem Nebengebäude des Götzentempels verzehrt. Von den Ärmeren wurde es am Fleischmarkt verkauft und dann im Haushalt verwendet. Der Verzehr solchen Fleisches war für einen Juden verunreinigend und daher verboten (1,446). Paulus wendet das Verbot differenzierter an: das gemeinsame Mahl im Götzentempel verbietet er, den Verzehr von übriggebliebenen Götzenopferfleisch, das am Markt gekauft wurde, erlaubt er solange es ohne Schaden für Dritte ist, z.B. für Juden-Christen. Vgl.: 1Kor 8,1-10; 10,19 16 od.: "schon vor längerer Zeit..."; nämlich in Apg 10,9ff. 17 "Ersticktes" und "Blut" beziehen sich auf den Genuss nicht geschächteter, d. h. beim Schlachten nicht ausgebluteter Tiere (vgl. 47,z.St.). - Da die Einhaltung dieser Vorschriften damals dazu diente, den gesetzestreuen Juden-Christen den Umgang mit den Heiden-Christen zu ermöglichen, ohne in Gewissensnöte zu kommen, fragen sich manche, ob diese Vorschriften daher auch noch heute für Heiden-Christen anzuwenden sind. Doch die Vorschrift sich von Blut und Ersticktem zu enthalten, findet sich schon im Bund Gottes mit Noah (Gen 9,4), und gilt daher für alle Nachkommen Noahs, d.h. für alle Menschen. Weiters finden sich diese Vorschriften in Lev 17,10-16; 18,6-18.26b, und galten damals auch explizit für den "Fremden" in Israels Mitte (Lev 17,10; 18,26b). Daher ist es für Jakobus selbstverständlich, dass sie auch für die gläubig Gewordenen Heiden-Christen gelten (48,543). Die Beschneidung gehörte aber nicht dazu. 18 Obwohl bei der Besprechung nur die Apostel und Ältesten zusammen waren (V.6), wurde hernach die Zustimmung der ganzen Gemeinde gesucht, bevor der Beschluss an die Heiden-Christen übermittelt wurde. 19 D.h. entw.: die genannten Vorschriften sind ohnehin schon überall in der Heidenwelt bekannt (2,z.St.); od. besser: die jüdischen Religionsgebote werden in der Heidenwelt nicht in Vergessenheit geraten. 20 Von 25 v.Chr. bis 72 n.Chr. waren Syrien und Ost-Zilizien zu einer einzigen römischen Provinz zusammengefasst (2,z.St.). Es war die Heimatregion von Paulus, und in der Zwischenzeit mussten auch dort Gemeinden entstanden sein (54,z.St.). 21 Falls die Bedeutung "beschloss" hier zutrifft, dann bedeutet der Imperfekt, dass Barnabas das schon einige Zeit in Erwägung zog, ohne Paulus vorher gefragt zu haben. 22 Impf. viell.: "Paulus aber hielt es schon längere Zeit für angemessen...". 23 Die auf der ersten Missionsreise (Apg 14,19ff) entstanden waren. 24 Zum Bericht des Lukas über das "Apostelkonzil" (vermutlich um 48/49 n.Chr.) vergleiche auch Gal 2,1-10. Die Frage, ob die Heiden-Christen verpflichtet sind, das jüdische Gesetz zu halten, wurde auf diesem Konzil verneint. Vgl. besonders Apg 15,8-11 (47,z.St.). 25 Waren Judas und Silas führende Brüder unter den Ältesten? Oder waren sie nur führende Brüder aus der Gemeinde? Der Satz lässt beide Erklärungen zu. Apostelgeschichte 16 1 D.h. sie hielt sich an den jüdischen Glauben, ohne jedoch zu konvertieren. 2 Der Ausdruck "Haus" schließt nach Num 16,32 (hebr.: "sie und ihr Haus") im Vergleich mit Num 26,11, Kinder nicht unbedingt mit ein. Eine Kindertaufe ist daher aus dieser Stelle nicht abzuleiten. Das "Haus" wird hier den Haushalt mitsamt den Arbeitern im Betrieb bezeichnen. Da bei Lydia kein Ehemann erwähnt wird, dürfte sie alleinstehend gewesen sein und hätte somit gar keine Kinder gehabt. Beim Kerkermeister sind mit "Haus" solche gemeint, die sowohl aktiv zuhören (V.32), als auch jubeln und glauben (V.34) konnten. 3 entw. konsekutiv: "sodass sie achtete auf..."; od. final: "damit sie achtete auf...". In diesem Fall wäre es ein Beispiel für das Wirken Gottes an einem Erwählten, um zum Glauben zu kommen. 4 Präs.: " ...(aufmerksam/genau?) zu achten auf". 5 Das Plqpf. + Ind.Impf. könnte darauf hindeuten, dass sein Vater schon gestorben war (13,119). Das könnte erklären, warum die Mutter von Timotius solche Freiheit hatte, den Timotius im Glauben zu erziehen (2Tim 1,5; 3,15). - Da die Mutter von Timotius Jüdin war, galt auch er als Jude, und musste in den Augen der Juden beschnitten werden (vgl. Ex 4,24-26). Um seine Missionstätigkeit unter den Juden nicht zu gefährden, beschnitt Paulus den Timotius, obwohl er dies eigentlich für unnötig hielt. Dies zeigt die große Flexibilität von Paulus (vgl. 1Kor 9,19ff) um des Evangeliums willen, damit er alle gewinne, obwohl die Heiden-Christen ihm vorwerfen könnten, er sei inkonsequent in seiner Haltung in der Beschneidungsfrage, und die Juden-Christen könnten davon ein "Umfallen" von seinen Prinzipien ableiten. Doch dies ist gemäß seiner Aussage in Gal 2,3 nicht der Fall. 6 D.h. Jesus selbst, durch den Heiligen Geist. Mysien war eine Landschaft im Westen Kleinasiens und Teil der Provinz Asia. Bithynien war ein Gebiet im nördlichen Kleinasien, südlich des Schwarzen Meeres (54,z.St.). - Diese Gebiete zu missionieren, war nach Gottes Plan dem Petrus für später aufgehoben (1Pet 1,1). 7 Die ausgebaute Römerstraße (Via Augusta) auf der Paulus unterwegs war führte von Derbe, Lystra und Ikonium nach Antiochia in Pisidien, und dann weiter über Laodizäa, Sardes und Pergamon, nach Troas, einem bedeutenden Hafen im Nordwesten der römischen Provinz Asia, 20 km südlich von Troja gelegen (54,z.St.). Wer von Asien nach Mazedonien, oder umgekehrt reisen wollte, musste durch Troas reisen. Damit war Troas eine strategisch wichtige Stadt für die Ausbreitung des Evangeliums. Wir haben hier ein schönes Beispiel wie Gott führt. Auf seinem Weg Richtung Westen, wollte Paulus zuerst die gut besiedelte Küstenregion Kleinasiens mit der Hauptstadt Ephesus evangelisieren. Als er vom Geist Gottes daran gehindert wurde, versuchte er in das nördlich gelegene Gebiet Mysiens vorzudringen. Als auch das scheiterte, zog er weiter geradeaus nach Westen, wo ihm schließlich in Troas durch ein Gesicht von Gott sein eigentliches Ziel, Europa, gezeigt wurde. 8 Obwohl nur Paulus das Gesicht sah, traf nicht er allein, sondern das ganze Team die Entscheidung nach Mazedonien zu gehen. - Lukas dürfte in Troas zum Team gestoßen sein, denn er sagt: "...versuchten wir...". Da er wieder in Philippi zum Team stößt (Apg 20,6), wohnte er vielleicht dort, oder in Troas. 9 Manche Hs. haben: "...die eine führende Stadt im betreffenden Bezirk war" (2,z.St.). Philippi war seit 31 v.Chr. eine römische Kolonie, eine Ansiedlung vorwiegend von ausgedienten Soldaten und Beamten. Deshalb bezeichnen sich die Bewohner in Apg 16,21 als "Römer" (vgl. 47,z.St.). 10 Präs.: "...dann bleibt für die restliche Zeit meine Gäste". 11 Πυθω war der Name einer Gegend am Südabhang des Panassos Massivs, wo die Stadt Delphi mit dem Tempel und Orakel des Apollo lag. Python war der Legende nach, der in dieser Gegend hausende Schlangen-Drache, der von Apollo erlegt wurde. Πυθια war die Apollo-Priesterin, die in Delphi Orakelsprüche erteilte (2,z.St.). Nach Hesychios machte sich dieser Geist vielleicht durch Bauch-Rednerei bemerkbar. Hippokrates sprach davon, dass manche Symptome der Epilepsie, im Volksglauben als von Apollo ausgelöst betrachtet wurden (21,II,347). 12 Hier sind die römischen Magistratsbeamten der Stadt Philippi gemeint; sonst allg.: die obersten Behörden irgendeiner Stadt (2,z.St.). 13 Das waren die beiden obersten römischen Beamten (praetores = duumviri) einer römischen Kolonie, und zugleich die Strafrichter. 14 Das ist die verberatio, die gerichtliche Strafe der Römer, die durch Stockhiebe oder mit der Peitsche ausgeführt wurde. An einem römischen Bürger wie Paulus, durfte sie eigentlich nicht angewendet werden, aber Paulus wehrt sich hier, im Gegensatz zu Apg. 22,23-25, nicht dagegen. War es eine Führung aufgrund der Vorsehung Gottes, damit der Kerkermeister das Evangelium hören und sich bekehren konnte? 15 Ein hölzernes Gerät, in dem die Füße der Gefangenen so eingespannt wurden, dass sie nicht aufstehen und fliehen konnten. Eine sehr unbequeme Lage in einem feuchten Gefängnis. 16 od. toleratives Pass.: ließ er sich taufen. 17 So zu übersetzen, wenn das Ptz.Pf. prädikativ ist (2,772; 44,106). Grammatisch möglich wäre zwar auch die Übersetzung: "...und er jubelte mit seinem ganzen Haus, (weil) gläubig geworden an Gott". Aber diese Übersetzung ist tendenziös (so z.B. in 47,z.St. ua.), um eine Kindertaufe zu rechtfertigen. Warum sollten alle in seinem Haus jubeln, wenn nur er gläubig wurde? Falls er ein ausgedienter Soldat war, von denen es viele in Philippi gab, hatte er vielleicht gar keine Kinder, denn Soldaten durften in ihrer aktiven Zeit nicht heiraten (65,II,95). Vgl. auch die Anm.2 zu Apg 16,15 18 Die öffentlichen Diener von höheren Beamten (Magistraten), die mit den Ruten (lat.: fasces) auf ihren Schultern hinter diesen hergingen, um den Weg für sie freizumachen, und, wenn erforderlich sofort Strafen auf deren Befehl hin auszuführen. 19 Römische Bürger hatten ein Recht auf einen fairen Prozess und wurden normalerweise von der Prügelstrafe verschont. Paulus besaß von seinem Vater her das römische Bürgerrecht; vgl. Apg 22,25-29 (vgl. 47,z.St.). Als römischer Bürger hatte er ein Anrecht auf ein besonderes Rechtsverfahren. Er war gegen die Willkür der Provinzbehörden in mancher Hinsicht geschützt und konnte an den Kaiser als obersten Richter appellieren, was er später auch tat (Apg 25,11). Das bewusste Auspeitschen eines römischen Bürgers galt als ein Verbrechen, das mit dem Tod bestraft wurde (54,z.St.). 20 Freier übersetzt: "Das kommt nicht in Frage". Falls Paulus dies nicht im Hinblick auf die Glaubwürdigkeit des Evangeliums und zum Schutz der Gläubigen in Philippi sagte, ist seine Motivation hier fraglich. 21 Denn bei Bekanntwerden dieses Vorfalls, mussten sie mit schwerwiegenden Konsequenzen rechnen. Sie wären sicherlich degradiert worden. Römische Bürger durften ohne Gerichtsverhandlung nicht gebunden oder gar ausgepeitscht werden (2,773; 21,II,354; 65,II,96). 22 Nachdem sie auf der Via Augusta an der Wegkreuzung in Antiochien gehindert wurden in den Süden nach Ephesus zu reisen, wichen sie nach Norden aus, wahrscheinlich in den phrygischen Teil der römischen Provinz Galatia, welche seit 25 v.Chr. den größten Teil des Königreichs Galatien in der zentralen Hochebene der heutigen Türkei einschloss, und wozu auch die südlicher liegenden Landschaften Pisidien, Lykaonien und Teile von Phrygien gehörten (13,88; 40,405, 54,z.St.). 23 Damit wird klar, dass Magie keineswegs nur Einbildung oder Schauspielerei sei, sondern, dass dämonische Kräfte übernatürliches Wissen geben, mit dem man Geld verdienen kann. 24 Wie kam der Gefängniswärter zu so einer Frage? Vielleicht hörte er die Botschaft der Magd in Vers 17, und erinnerte sich jetzt daran. 25 D.h. der gleiche Weg zur Errettung - nämlich Glaube - ist auch für dein ganzes Haus offen (21,II,352). 26 Hier endet der "Wir-Bericht", in Apg 20,5 wird er wieder fortgeführt. Lukas blieb wahrscheinlich in Philippi zurück, um die neugegründete Gemeinde zu stärken. 27 Mazedonien war eine römische Provinz (seit 148 v.Chr.) und umfasste den nördlichen Teil des heutigen Griechenlands. Sie wurde von Augustus 27 v.Chr. neu geordnet und umfasste das alte Mazedonien sowie einen Teil von Thessalien. Sie war berühmt für wertvolle Metalle. Die Römerstrasse "Via Egnatia", die Rom mit dem Osten des Reiches verband, führte durch Mazedonien (33,721; 65,II,89, 54,z.St.). 28 Römische Bürger durften nicht ausgewiesen werden (65,II,96.). 29 Gemeint ist die römische Provinz Asia, im Westen Kleinasiens. Manchmal wurde darunter aber nur der südliche Teil Kleinasiens gemeint. Diese Gebiete zu missionieren, war nach Gottes Plan dem Paulus für später aufgehoben (Apg 19,1ff). Zuerst wollte der Heilige Geist, dass er das Evangelium nach Europa bringt. Als Paulus erkennt, dass ihm der Heilige Geist die Tür nach Asia verschließt, versucht er keinen zweiten Anlauf, als er aber später vom Satan gehindert wird, versucht er schon einen zweiten Anlauf (1Thes 2,18), denn dem Satan muss man widerstehen. 30 Neapolis (Neue Stadt), war der Hafen von Philippi. Die Häuser der Stadt liegen wie ein Amphitheater in Felshängen. Es ist das heutige Kavalla. Von hier aus konnten die Apostel der berühmten Straße "Via Egnatia" folgen, die sie über Philippi bis nach Thessalonich führte. Philippi lag 16 Kilometer von Neapolis entfernt. In Erinnerung an seinen Sieg über die Cäsarmörder Brutus und Cassius hatte Augustus die Stadt zur Kolonie erhoben. Dort wurden ausgediente römische Soldaten angesiedelt. Sie erhielten Haus und Land als eine Art Pension. Die Stadt bekam das römische Bürgerrecht, nach Vers 21 ebenso ihre Bürger (54,z.St.). 31 Thyatira, eine Stadt in der Provinz Asia, etwa 200 km südöstlich von Troas, war Handelszentrum für Purpurstoffe. Es ist das heutige Akhisar in der Türkei (54,z.St.). Apostelgeschichte 17 1 D.h. die gerade da waren, also zufällig anwesende. Solche die ihm (zufällig) gerade in den Weg kamen. Einfach jeden beliebigen den Paulus antraf und ohne sich die Leute genau auszusuchen die er ansprach! Paulus tat, was er tun konnte, er machte sich auf, um am Sabbat in der Synagoge das "Gastpredigerrecht" (vgl. Lk 4,16.17; Apg 13,15) zu gebrauchen und anhand der Schriften Jesus als den Messias zu verkünden. Doch es genügte ihm nicht nur am Sabbat die Religiösen zu erreichen, er wollte auch die Heiden evangelisieren, sie, die nie in eine Synagoge kamen. So ging er jeden Tag (!) auf den Hauptplatz, dorthin also wo er die meisten Menschen antreffen konnte. Der große Apostel war sich nicht zu gut, wie ein Hausierer, auf jeden einzelnen, der ihm gerade zufällig über den Weg lief zuzugehen und ihn auf den Glauben an Jesus hin anzusprechen. 2 Von einer Aufschrift auf einem Altar in Athen. Der Kreter Epimenides wurde nach Athen gerufen, um mit Hilfe der Götter die Pest zu bekämpfen. Er empfahl dem dafür zuständigen Gott zu opfern. Da die Athener aber nicht sicher waren welcher Gott zuständig war, bauten sie einen Altar mit der Aufschrift: "Dem unbekannten Gott" und opferten auf ihm, worauf die Seuche aufhörte (22,III,285); - vgl. Joh 4,22. 3 Die von Gott bestimmten, gezogenen und festgesetzten Grenzen für die Völker. Das bedeutet, dass die heutige multikulturelle Vermischung der Völker nicht nach Gottes Sinn ist! 4 Im Haus von Jason versammelte sich offenbar die erste Hausgemeinde von Thessalonich. - Die Politarchen waren die Stadtpräfekten, die oberste Behörde in Thessalonich und auch in anderen mazedonischen Städten. Es waren immer 5-6 einheimische Männer. Der Titel kommt in dieser Schreibweise im klassischen Griechisch zwar nirgendwo vor, sehr wohl aber in einer alten Inschrift auf einem Rundbogen der modernen Stadt Thessalonich. Dies bestätigt die absolute geschichtliche Genauigkeit von Lukas (1,1375; 21,II,360). Im Unterschied zu einer römischen Kolonie-Stadt wie Philippi, waren dies hier keine römischen Beamten, sondern eine einheimische Behörde (59,176). 5 D.h. sie versuchten eine Bürgerversammlung einzuberufen. Da Thessalonich seit 42 v.Chr. eine freie Stadt war, hatte die Bürgerversammlung gesetzgeberische und richterliche Kompetenz (54,z.St.). 6 od.: "...von den Frauen der vornehmen Männer"; od. freier: "...viele Frauen aus vornehmen Kreisen". 7 Die Übersetzung: "völlig dem Götzendienst ergeben..." ist eher zu verwerfen (21,II,364). - Es wird berichtet, dass es damals in Athen an die 30.000 Götterstatuen gab! Scherzhaft wurde gesagt, man begegne in Athen leichter einem Götzen als einem Menschen. 8 Im Athener Slang, von einem Obdachlosen, der am Markt Essensreste aufsammelt und von "der Hand in den Mund lebt, wörtlich: ein Körnerpicker". Daraus entwickelte sich die Bedeutung: jemand der Informationen aufschnappt und sie weitererzählt, ohne mit der Sache wirklich vertraut zu sein (37,583). Übertr.: ein "Dampfplauderer", Schwätzer, Plapperer; ein Halbgebildeter und ein Spatzenhirn. Welchen Eindruck musste der Apostel dort auf dem Markt, sowohl äußerlich als auch intellektuell, abgegeben haben, wenn er so eingestuft wurde. Er schämte sich nicht ein "Narr für Christus" zu werden! 9 Eine Felserhebung in der Stadt Athen, gegenüber dem westlichen Ende der Akropolis. Gleichzeitig auch der höchste Gerichtshof in Athen, wahrscheinlich auch zuständig für jede Art von Lehre und Unterricht, sowie die Bestrafung von Verbrechen. Jahrhunderte zuvor, wurde Sokrates hier zum Tod verurteilt. Doch dieser "Gerichtshof", musste sich nicht unbedingt auf dem griechischen Kriegsgott Ares geweihten Marshügel treffen. Es ist sogar sehr unwahrscheinlich, dass sie den "hohlen Schwätzer" Paulus an einen für sie so heiligen Ort brachten, denn zurzeit von Paulus tagte der Rat in der Stoa Basilikos auf der Agora, wo Paulus zuvor gepredigt hatte (21,II,368f; 65,II,100). "This hill belonged to (Ares) Mars and was called Mar's Hill, so called, because, as the story went, Mars, having slain Halirrhothius, son of Neptune, for the attempted violation of his daughter Alicippe, and was tried for the murder here before twelve gods as judges. This place was the location where the judges convened who, by appointment of Solon, had jurisdiction of capital offences, (as willful murder, arson, poisoning, malicious wounding, and breach of established religious usages). To that hill the apostle Paul was not led to defend himself before judges, but that he might set forth his opinions on divine subjects to a greater multitude of people, flocking together there and eager to hear something new" (Online Bible Greek-Lexicon). 10 Im anerkennenden oder zumindest neutralem Sinn: ungewöhnlich religiös, - was aber doch keine rechte Verehrung ist (vgl. Strong Nr.: 2150). Obwohl Paulus sich über die vielen Götzenbilder noch kurz zuvor erbitterte (Vers 16), macht er seinem Ärger in der Predigt nicht Luft, sondern möchte sie mit anerkennender Sprache für Christus gewinnen. Wie damals üblich, spricht er sie in seiner Einleitung mit einem Kompliment an. Für Paulus gibt ihre Haltung Hoffnung, dass sie den höchsten und alleinigen Gott annehmen, und dann auch so verehren könnten wie diesen unbekannten Gott. Die ganze folgende Predigt ist ein schönes Beispiel dafür, wie Paulus "allen alles wird", - hier den Griechen ein Grieche, indem er ihre philosophischen Ideen aufgreift und in die richtigen Bahnen lenkt, was in (heidnischen) Missionssituationen auch für uns beispielhaft sein kann. 11 Ps 50,9-12. Auch die Stoiker lehrten, dass Gott nichts bedürfe und gebrauchten dafür das gleiche Wort (προσδεομαι) wie Paulus (65,II,102). 12 Mask.Sg.: d.h. aus Adam (13,62). Vgl. Röm 5,12ff; 1Kor 15,45ff. 13 entw.: die festgelegten Zeiten ihres Bestehens, wie Apg 1,7; Lk 21,24; Gal 4,4; Eph 1,9; Tit 1,3, was gut in den Zusammenhang passen würde; od.: die Jahreszeiten (wie in Kap.14,17), was zwar am besten zu dem Ausdruck καιρος passen würde, aber sonst eher mit χρονος wiedergegeben wird (vgl. 2,783; 21,II,374). 14 Sich trotz Schwierigkeiten bemühen etwas kennenzulernen, auch wenn die Erfolgsaussichten nicht groß sind. Oder, sich in der Dunkelheit zu etwas vortasten (2,z.St.). 15 Dieser Ausspruch wird dem oben erwähnten griechischen Theologen und angeblichen Wundertäter Epimenides zugeschrieben, der im 6.Jhdt. v.Chr. lebte und auch in Athen wirkte (Aratus, Phaenomena 5; vgl. 2,784; 60,547; 54,z.St.). 16 Gemeint sind die beiden stoischen Dichter, Aratus aus Zilizien, der Heimat von Paulus, und Kleanthes aus Assos in Kleinasien. Für sie war Zeus der λογος bzw. das Weltprinzip, das alles beseelt. Paulus holt sie in ihrer Religion ab, indem er ihrem Gott Zeus, den persönlichen und wahren Schöpfer-Gott gegenüberstellt (vgl. 2,784, 54,z.St.). 17 Eine körperliche Auferstehung war für die Griechen absurd, manche philosophischen Richtungen glaubten nur an ein Weiterleben der Seele. 18 Alle drei genannten Städte lagen an der römischen Straße "Via Egnatia" (2,z.St.). Amphipolis befand sich etwa 50 km südwestlich von Philippi. Es war die Hauptstadt des ersten Bezirks von Mazedonien, 5 km von der Strymonmündung entfernt. Der Fluss umströmte fast die ganze Stadt, von daher auch der Name. Es ist das heutige Neochori. Apollonia war nach dem Sonnengott Apollos benannt und lag inmitten von Eichen-, Akazien- und Kastanienwäldern, 44 km westlich von Amphipolis und 56 km östlich von Thessalonich. Es ist das heutige Pollino (54,z.St.). Thessalonich war eine Stadt am thermaischen Meerbusen, im Altertum Therme genannt und von Antipaters Sohn Kassander zu Ehren seiner Frau Thessalonica in Thessalonich umbenannt. Sie hatte 200.000 Einwohner. In römischer Zeit war es die Hauptstadt der Provinz Mazedonien mit dem größten Hafen Mazedoniens und damals Sitz des Procurators. Wegen ihrer günstigen Lage an der "Via Egnatia", die Rom mit dem Osten des Reiches verband, und als Knotenpunkt der Römerstraße, die von der Ägäis zur Donau führte, war sie ein bedeutender Handelsplatz. In Thessalonich war auch der ägyptische Kult von Serapis und Isis beheimatet. Paulus gründete hier eine Gemeinde, die auch unter Verfolgungen treu blieb. Es ist das heutige Thessaloniki (vgl. 33,1195; 65,II,96). 19 Athen lag etwa 350 km südlich von Beröa und war zurzeit des Paulus eine civitas foederata, d.h. eine mit Rom verbundene, aber freie Stadt, völlig unabhängig vom römischen Prokonsul der Provinz Achaia, von Rom steuerbefreit und in seiner Gerichtsbarkeit autonom. Von den drei großen Universitätsstädten der damaligen Welt (Athen, Tarsus und Alexandria) war Athen einstmals die berühmteste. Zurzeit von Paulus hatte sie ihre Vormachtstellung als geistiges Zentrum aber bereits an Universitätsstädte wie Alexandria oder Tarsus abtreten müssen. Ihre Philosophen galten aber immer noch als die scharfsinnigsten Denker. Die Stadt war berühmt für ihre vielen Tempel, Götter-Statuen (etwa 3000), Säulenhallen und Monumente. Obwohl die Athener sehr religiös waren und begierig darauf über Religion zu diskutieren, war nach ihrem eigenen Philosophen Apollonius, ihr geistliches und moralisches Niveau nicht sehr hoch. Er rügt sie für ihre lüsternen Tänze bei den Festfeiern zu Ehren des Gottes Dionysus und ihrer Vorliebe für blutrünstige Menschenopfer bei den Gladiatorenkämpfen (33,104; 65,II,99). 20 Die beiden Optative bringen zum Ausdruck, dass dies möglich wäre aber noch nicht geschehen ist (21,II,375). 21 Paulus konnte seine Predigt wahrscheinlich nicht zu Ende führen, weil er unterbrochen wurde. Doch seine Predigt war nicht ohne Frucht (Vers 34). 22 Die Stadtpräfekten, oberste Behörde in mazedonischen und auch anderen Städten. Es waren immer 5-6 Männer. Im Unterschied zu einer römischen Kolonie-Stadt wie Philippi, waren dies keine römischen Beamten, sondern eine einheimische Behörde (59,176). Der Titel kommt in dieser Schreibweise im klassischen Griechisch zwar nirgendwo vor, sehr wohl aber in einer alten Inschrift auf einem Rundbogen der modernen Stadt Thessalonich. Dies bestätigt die geschichtliche Genauigkeit von Lukas (1,1375; 21,II,360). 23 Da das Wort Αναστασις (= Auferstehung) zugleich ein weiblicher Name war, und, da das Wort Gottheiten im Plural steht, dachten die Philosophen Paulus verkünde fremde Götter. Das zeigt, wie ungenau sie ihm zuhörten (65,II,101). 24 Die Stoiker glaubten, dass Gott in allem sei, und deshalb nicht in einem Tempel wohnte (65,II,102). Er knüpft also bei ihrem Glauben an, obwohl dieser unrichtig war. 25 Als subst. Sg.Neut.: das göttliche Wesen. Vor allem von den heidnischen Göttern. Paulus passt seine Ausdrucksweise an seine heidnischen Zuhörer an, um sie dort abzuholen, wo sie religiös standen. 26 Beröa war eine wohlhabende Stadt. Sie lag 80 km südwestlich von Thessalonich am Fuß des Berimos, 40 km vom Ägäischen Meer entfernt. Es ist das heutige Veria (54,z.St.). 27 Die Epikureer.waren Schüler des Epikur (341-270 v.Chr.), dessen ethisches System Freude und Ausgeglichenheit zum Lebensziel erklärte und dessen Götter sich nicht um menschliche Angelegenheiten kümmern würden. Die Stoiker waren Schüler des Zenon von Kition (334-263 v.Chr.), die ihren Namen von ihrem Versammlungsort, der "Stoa" (= Halle) ableiteten. Sie lehrten, dass ein pantheistisch gedachter Gott die Seele des Kosmos sei. Die Menschen sollten in Harmonie mit der Natur leben, ihre eigene Unabhängigkeit erkennen und jede Leidenschaft unterdrücken (54,z.St.). 28 Die Juden haben den Titel König in Bezug auf Jesus hier wissentlich politisch missbraucht, um die Apostel vor den Behörden anzuklagen. Vgl. auch Lk 23,2 und Joh 19,12.15 Apostelgeschichte 18 1 Beide dürften zu diesem Zeitpunkt schon gläubig gewesen sein, sonst hätte Lukas sicher ihre Bekehrung berichtet. Wenn es um eine offizielle Sache geht, wie hier und in 1Kor 16,19, wird Aquila, der Mann, als erstes genannt, aber immer, wenn es um den Dienst geht, wird seine Frau Priscilla zuerst genannt, obwohl dies nach damaliger Sitte ungewöhnlich war. Es könnte darauf hindeuten, dass Priscilla im Dienst aktiver war als ihr Mann. Vgl. noch: Apg 18,18.26; Röm 16,3; 2Tim 4,19. Beide waren aus Pontus, einer Landschaft, die südlich an das Schwarze Meer grenzt. Aus diesen Stadt-Staaten an der Küste zogen Juden zum Pfingstfest nach Jerusalem wo manche gläubig wurden (54,z.St.). 2 D.h. aus Thessalonich (Apg 17,14.15.16; 1Thes 3,1f). Wahrscheinlich brachten sie Gaben von der Gemeinde in Philippi mit (Php 4,10-18), sodass Paulus nicht mehr arbeiten musste! 3 Das tat er schon in Apg 14,22, hier aber das zweite Mal. 4 D.h. es gab schon mehrere Brüder und damit eine kleine Hausgemeinde, die wahrscheinlich von Aquila und Priscilla gegründet wurde, noch bevor Paulus nach Ephesus kam. Er hatte die Beiden als "Brückenkopf" dort zurückgelassen (Apg 18,19). 5 Achaia im engeren Sinn umfasst die Küstengegend des nördlichen Peloponnes. Im weiteren Sinn die römische Provinz Achaia, die seit 27 v.Chr. bis 15 n.Chr., und dann wieder ab 44 n.Chr. von einem Prokonsul regiert wurde (65,II,106). Sie umfasste den südlichen Teil Griechenlands, außer Thessalonich (Apg 18,27; Röm 15,26; 1Kor 16,15 ua.). 6 D.h. der Vorwurf bestand darin, Paulus verkünde eine Religionsausübung, die gegen das römische Gesetz sei, also eine verbotene Vereinigung, lat. ein collegium illicitum (2,z.St.). Damit machten sie Gallio für den Fall zuständig, doch er durchschaute die Sache. 7 od.: "...über euer eigenes Gesetz". Gallio stuft das Christentum also nicht als eine illegale Religion (lat.: religio illicita) ein, sondern als eine Variante des Judentums, über die er nicht richten wollte (65,II,107). 8 Kenchräa ist der östliche Hafen von Korinth am Isthmus, etwa 7 km von Korinth entfernt. Hier standen die Tempel der Isis, der Aertemis (= Diana), der Aphrodite, des Asclepius und des Poseidon (54,z.St.; 65,II,107). 9 Ephesus war eine kleinasiatische Stadt in der Ebene des Flusses Kaystros, obwohl etwa 5 km vom Meer entfernt, konnte man auf dem Fluss praktisch bis in die Stadt segeln (54,z.St.) Die Stadt war Hauptstapelplatz für den Handel ins Innere Kleinasiens, und damals die wichtigste, d.h. "erste" Stadt der römischen Provinz Asia, mit ca. 300.000 Einwohnern. Nach Rom und Alexandria war es wohl die drittgrößte Stadt im römischen Reich, und auch eine bedeutende Handelsstadt, weil es in Kleinasien der wichtigste und erste Anlegeplatz für Schiffe war. In ihr befand sich der große Tempel der Göttin Artemis (Diana), von den kleinen, silbernen, fabrikmäßigen Nachbildungen hergestellt und an Fremde verkauft wurden. Das Heiligtum war eines der sieben Weltwunder und damit verbunden war eine Menge Götzendienst (vgl. Apg 19). Die Stadt beherbergte drei Heiligtümer für den Kaiserkult, wo das jährliche Weihrauchopfer für den Kaiser von jedem Bürger dargebracht wurde. Sie war Zentrum der Zauberei ("Ephesische Schriften") und erlebte in ihrer Geschichte einige tiefgreifende Veränderungen, z.B. ein schweres Erdbeben zurzeit des Tiberius. Die allmähliche Versandung des Hafens durch die ständigen Sandablagerungen des Flusses Kaystros führte schließlich zum Niedergang der Stadt, weil sie dadurch einige Kilometer landeinwärts lag und die großen Handelsschiffe Ephesus nicht mehr anfuhren. Heute ist Ephesus eine ausgegrabene Ruinenstadt, daneben liegt ein unbedeutendes Dorf. 10 Eine gebirgige und große kleinasiatische Landschaft im westlichen Teil des Landesinneren. Die Grenzen waren zu verschiedenen Zeiten verschieden. Durch die Neueinteilung, die von den Römern ca. 130 v.Chr. vorgenommen wurde, kamen die östlichen und südlichen Teile Phrygiens zur Provinz Galatia, die westlichen zur Provinz Asia. Hier ist wahrscheinlich der von Phrygiern bewohnte Teil der Provinz Asia gemeint, eine große gebirgige Region, deren bedeutendste Städte Laodizea, Kolossä und Hierapolis waren (54,z.St.). Auf dieser Reise besuchte Paulus wahrscheinlich wieder die Gemeinden in Derbe, Lystra, Ikonion und Antiochien (2,z.St.), und stärkte die Jünger. Es war Spätfrühling, denn nur um diese Jahreszeit konnte man diesen Landweg passieren (65,II,108). 11 od.: "...mit glühender Begeisterung", jedenfalls ist sein menschlicher Geist gemeint (65,II,109). 12 od. viell.: "...sie schrieben den Jüngern, - (nachdem ihn) ermuntert habend, - ihn aufzunehmen" (13,86). 13 entw. allg.: "...durch die Gnade Gottes"; od. speziell: "...durch seine Gnadengabe". 14 Das Ehepaar wurde von Paulus als Brückenkopf in Ephesus zurückgelassen und evangelisierte erfolgreich dort (vgl. Anm.4). Hier haben wir ein schönes Beispiel, wie eine Frau im privaten Rahmen und zusammen mit ihrem Mann, ihre Lehrgabe ausüben kann. Dass sie zuerst genannt wird, könnte darauf hinweisen, dass sie sogar das Wort führte. 15 Es handelt sich dabei wahrscheinlich nicht um das sogenannte Nasiräer-Gelübde (vgl. Kap. 21,23-26, das auf Num 6,1-21 zurückgeht), sondern um ein privates Gelübde bei einer Krankheit in Korinth (vgl. Röm 16,2c), verbunden mit der Bitte um Genesung, damit er rechtzeitig zum Passah in Jerusalem sein könne. Das Gelübde wurde mit dem Abschneiden des Haares am Ende der Zeitspanne für die sich jemand verpflichtet hatte, eingelöst (21,II,392f). 16 Lucius Iunius Gallio war der älteste Sohn des Rhetorikers Seneca und ein Bruder des stoischen Philosophen Seneca, der ebenso wie Lukas, nicht sehr positiv von ihm berichtet. Gallio war Prokonsul der Provinz Achaia vom 51-52 (od.: 52-53) n. Chr., wie aus der in Delphi gefundenen "Gallio-Inschrift" hervorgeht. Er soll lungenkrank gewesen sein. Der hier beschriebene Vorfall geschah wahrscheinlich am Anfang seiner Amtszeit (54,z.St.). Im Jahr 65 n.Chr. fürchtete er die Hinrichtung durch Nero, der schon seinen Bruder Seneca töten ließ, und beging Selbstmord (vgl. 47,z.St.; 33,404; 52,II,686, 65,II,106). 17 Paulus gründete in Athen keine Gemeinde, einerseits waren zu wenig Bekehrte da, andererseits war Athen zwar das Zentrum der Gelehrsamkeit in der Provinz Achaia, Korinth aber war die Hauptstadt von Achaia, gegründet ca. 900 v.Chr., lag die Stadt äußerst günstig auf der den Peloponnes mit Attika verbindenden Landenge Isthmus, und gelangte als Handelsstadt daher zu großer Bedeutung. Sie war ca. 900 qkm groß und mit ca. 100.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Griechenlands nach Athen. Korinth hatte zwei Häfen, Lechaeum im Westen und Kenchräa im Osten der Stadt. Nach der Zerstörung durch Mummius (146 v.Chr.) und deren Verödung für 100 Jahre, hatte Caesar 44 v.Chr. die Stadt wiederaufbauen lassen und mit Freigelassenen Sklaven und ausgedienten Soldaten besiedelt. Danach kam sie schnell wieder zu großer Blüte und wurde ein florierendes Handelszentrum für verschiedene Handwerke, besonders für Keramik. Als Sitz einer Universität und als Mittelpunkt reichen künstlerischen Lebens war sie ebenso berühmt wie durch den Luxus und die sprichwörtliche Sittenlosigkeit seiner stark multikulturell vermischten Bevölkerung, die auch durch die Tempelprostitution im Heiligtum der Aphrodite gefördert wurde. Es gab viele ausländische Religionsgemeinschaften, auch ägyptische Sekten, die dann im 2.Jhdt. großen Zulauf hatten. Augustus machte Korinth zur Hauptstadt der neuen Provinz Achaia. Inschriften bestätigen, dass Gallio 51/52 n.Chr. Proconsul wurde und eine Inschrift nennt einen Erastus als Schatzmeister; vgl. Röm 16,23. Paulus kam auf der zweiten Missionsreise im Jahr 50/51 n. Chr. nach Korinth und blieb wahrscheinlich 11/2 Jahre dort (Apg 18,1-18). Die dortige Gemeinde ist von ihm gegründet und die beiden Korintherbriefe geben uns einen interessanten Einblick in das Leben der Gemeinde. In der Stadt gab es extreme soziale Gegensätze zwischen arm und reich, was sich auch in der Gemeinde manifestierte, - ⅓ der Bevölkerung waren Sklaven. Korinth kannte nur eine Aristokratie, die des Reichtums, und nur eine Tradition, die des Geldmachens. Nach seinem Wegzug blieb er mit der Gemeinde in persönlicher Verbindung. Während der Invasion der Westgoten in Griechenland (395-396 n.Chr.) ließen sie die Stadt plündern und viele ihrer Bürger in die Sklaverei verkaufen. Trotzdem konnte sich Korinth nochmals erholen. 521 n.Chr. wurde die Stadt infolge eines schweren Erdbebens stark zerstört. Kaiser Justian I. ließ sie wieder aufbauen. Der Beginn der Slaweneinfälle (um 580 n.Chr.) brachte das antike Leben in der Stadt fast vollständig zum Erliegen. Erst Jahrzehnte später gelang ein bescheidener wirtschaftlicher Wiederaufstieg. Am 21. Februar 1858 wurde das alte Korinth, das damals etwa 4000 Einwohner zählte, durch ein Erdbeben zerstört und danach sechs Kilometer nordöstlich wieder aufgebaut. Unmittelbar neben dem antiken Siedlungsgelände liegt das Dorf Archea Korinthos (33,229; 42,794; 52,III,301; Wikipädia). 18 Kaiser Claudius ließ im Jahr 49/50 n. Chr., alle Juden aus Rom ausweisen, wegen Streitigkeiten bezüglich eines gewissen "Chrestus". Nach dem Historiker Sueton handelte es sich wahrscheinlich, aber nicht sicher, um eine Bezeichnung für Christus (33,215; 22,II,382; 65,II,104). 19 Vgl. Hes 3,17ff. 20 Krispus ist ein typisch römischer Name, vielleicht hatte auch er das römische Bürgerrecht (65,II,105). Der Ausdruck "glaubte mit seinem ganzen Haus" zeigt hier, dass es sich um Personen handelte, die schon alt genug waren, um persönlich zu glauben. 21 War er der Nachfolger von Krispus, der sich ja bekehrt hatte? Warum sie ihn schlugen, bleibt im Dunkeln. Zu möglichen Erklärungen siehe: 65,II,107. 22 In dieser Zeit wurden wahrscheinlich die beiden Briefe an die Thessalonicher geschrieben. 23 Allgemein von solchen die allerlei Ausrüstungsgegenstände für das Theater herstellten, z.B. Kulissen, udgl., Kunsthandwerker also. Sie waren auch Lederverarbeiter und stellten kleine und transportierbare Zelte aus Leder oder Stoff für Reisende her. Selbst waren sie sehr stolz auf ihren Beruf, aber in der Oberschicht nicht sehr angesehen. Es war ein sehr zeitintensiver Beruf, der aber viel Möglichkeit für lange Gespräche während der Arbeit bot (1,1508; 65,II,104). 24 Aufgrund seines Namens ein römischer Bürger. Sein erster Name war nach Röm 16,23 und 1Kor 1,14 vermutlich Gaius (33,399.649; 65,II,105). 25 Alexandria war die Kulturmetropole, die 331 v.Chr. von Alexander dem Großen im Nildelta gegründet wurde. Sie hatte in ihrer Blütezeit 700.000 Einwohner. Hier entstand im 3. Jahrhundert v.Chr. die griechische Übersetzung des Alten Testaments, die sogenannte Septuaginta. Alexandria hatte die größte jüdische Gemeinde im gesamten römischen Reich (54,z.St.; 65,II,108). Wahrscheinlich hatte Apollos eine Rhetorik-Ausbildung, was Paulus nicht hatte (2Kor 11,6; 1Kor 2,4). Apostelgeschichte 19 1 Ohne Art.: die Kraft oder die Gaben des Heiligen Geistes; viell. aber auch ohne Artikel bestimmt zu verstehen: "...(den) Heiligen Geist" (2,z.St.). 2 Ind.Aor. + Ptz.Aor bezeichnet meist die Gleichzeitigkeit des Geschehens (2,1393; 21,II,403). 3 Die Asiarchen waren die 10 Abgeordneten des Landtags von Asia, der von den Städten der Provinz Asia gewählt wurde und in Ephesus zusammentrat. Im oblag die Verpflichtung, aus eigenen Mitteln die öffentlichen Spiele, die beim Zusammentreten des Landestages jährlich stattfanden, zu veranstalten und zu sponsern (Abboth-Smith, A Manuel Greek Lexicon of the NT, Seite 64). Außerdem waren sie so etwas wie Hohepriester und verantwortlich für die Förderung des Kaiserkults. Es ist erstaunlich, dass Paulus unter ihnen "Freunde" hatte. 4 Ephesus war die Haupstadt der römischen Provinz Asia, Schmelztiegel vieler Völker, Tummelplatz vieler Religionen und Zentrum der Zauberei und magischer Kulte. Die okkulten "Ephesischen Schriften" von Ephesus waren in der ganzen damaligen Welt bekannt, und Inschriften belegen, dass die Bewohner der Stadt sehr abergläubisch gewesen sein müssen. - Diese Summe war in etwa der Lohn für den ein Arbeiter 140 Jahre hätte arbeiten müssen. Manche Dinge aus dem alten Leben kann man verkaufen, aber manche muss man vernichten. Es ist bemerkenswert, dass viele der gläubig Gewordenen sich bis dahin noch nicht vollständig von diesen Gegenständen gelöst hatten. Dennoch wird in keinerlei Weise angedeutet, dass sie noch eine spezielle "Seelsorge" nötig hätten, um von ihren früheren Bindungen loszuwerden. Wen der Sohn frei macht, der ist wirklich frei (Joh 8,36). Die Buße über das vergangene Leben geschieht manchmal abrupt (Lk 19,8.9), oft aber auch stufenweise. Vgl. auch die Anm. bei Mt 12,29, bei Mt 18,19 und bei 1Joh 5,18b. 5 Ein öffentliches Lehrgebäude, wo Unterricht in allen möglichen Dingen erteilt wurde. Philosophen hielten ihre Vorlesungen häufig in gemieteten Sälen. Gewöhnlich endeten sie gegen Mittag. Deshalb ist der Zusatz in einem griechischen Manuskript, dass Paulus täglich von 11 bis 16 Uhr lehrte, - wo wegen der Hitze keine anderen Veranstaltungen stattfanden, - durchaus einleuchtend. Paulus wird die Jünger dort nicht nur ausgebildet, sondern sie auch zum Verkündigungsdienst in die Provinz geschickt haben (54,z.St.). Er mietete diesen Raum aber auch für evangelistische Zwecke. Dies zeigt, wie wenig die ersten Christen auf "religiöse Bauten" beschränkt waren, und, dass sie Ungläubige nicht einfach zu ihren gottesdienstlichen Versammlungen einluden, sondern in neutrale Räume einluden. 6 Wahrscheinlich ist gemeint, dass Paulus beim ersten Eindruck meinte, es handle sich um Jünger Jesu. Erst nach genauerem Hinterfragen merkte er, dass sie nur Jünger des Johannes waren. 7 Johannes kündigte an, dass einer kommt der mit dem Heiligem Geist tauft. Diese Jünger verließen Palästina aber offenbar schon bevor Johannes, Jesus als diesen kommenden Messias bezeugte. Sie wussten daher auch nicht, dass sich die Ankündigung des Johannes schon erfüllt hatte. Das erklärt ihre Antwort und macht für Paulus klar, dass sie noch gar nicht wiedergeborenen waren. Der ganze Dialog ist ein schönes Beispiel, wie man auch heute das Bekenntnis eines Menschen auf Echtheit prüfen kann und soll. 8 od. toleratives Pass.: "ließen sie sich taufen". 9 Im Sinne einer Zugehörigkeit: man bekennt, dass man nun Jesus als seinen Herrn anerkennt. 10 Mit dem Imperfekt wird angedeutet, dass dies einiger Überredung bedurfte. 11 Ptz.Aor. + Ind.Aor. bedeutet, dass beide Handlungen gleichzeitig geschahen. Dass hier der Heilige Geist erst durch die Handauflegung des Apostels Paulus von Gott gegeben wurde, könnte zweierlei Gründe haben: (1.) Wie in Apg 8,17 handelt es sich hier heilsgeschichtlich um eine neue "Gruppe" (nämlich Johannesjünger), die zum Leib Christi hinzugetan wurden. Dies sollte wie bei dem ersten Bekehrten aus den Heiden (Apg 10,44-45), zeichenhaft bestätigt werden. (2.) Indem Paulus das Gleiche tut wie die Apostel Petrus und Johannes in Apg 8,17, bestätigt Gott indirekt seine Apostelschaft. (3.) Die Taufe auf den Namen Jesu wird damit deutlich als die von Johannes angekündigte Taufe (Mt 3,11; Apg 1,5) bestätigt. Keinesfalls darf man davon eine Methode der Handauflegung zur Vermittlung des Heiligen Geistes für die heutige Zeit ableiten. Seit der Bekehrung des Heiden Kornelius (Apg 10,44; 11,15-17), ist die Tür für alle Menschen offen, und jeder der heutzutage auf Christus vertraut, empfängt bei seiner Wiedergeburt augenblicklich den Heiligen Geist und wird in den Leib Christi hineingetauft (1Kor 12,13 "...sind wir alle..."), sowie Kornelius damals. Es ist unmöglich wiedergeboren zu sein, ohne dass der Heilige Geist in einem wohnt (Röm 8,9b). Vgl. auch die Anm. bei Apg 6,6 12 Zu den möglichen Deutungen vgl. 2,804 13 Wahrscheinlich, um die Juden damit von den angegriffenen Christen zu distanzieren (2,z.St.). Doch für die Massen gab es keinen Unterschied zwischen Juden und Christen. Dies erklärt vielleicht auch die darauffolgende Feindseligkeit der Juden aus Asien in Apg 21,27 14 Ephesus war eine wohlhabende kleinasiatische Stadt in der Mündungsebene am linken Ufer des schiffbaren Cayster Flusses, etwa 5 km vom Meer entfernt gelegen und Hauptstapelplatz für den Handel ins Innere Kleinasiens. Sie hatte schon eine lange Geschichte hinter sich, als sie 133 v.Chr. durch die Römer anstelle von Pergamon zur Hauptstadt, und damit zur wichtigsten Stadt der römischen Provinz Asia wurde. Die Stadt hatte ca. 300.000 Einwohner. Nach Rom und Alexandria war sie mit ca. 300.000 Einwohnern neben Antiochia die drittgrößte Stadt im römischen Reich, ebenso eine bedeutende Handelsstadt, weil es in Kleinasien der wichtigste und erste Anlegeplatz für Schiffe war. Alle wichtigen Handelsstraßen Kleinasiens führten nach Ephesus. Strategisch gesehen war es für Paulus der beste Ort, um das Hinterland zu missionieren (Kolossä, Laodizäa, Hierapolis, Philadelphia, Thyatira, Sardes, Smyrna, Pergamon). Berühmt war sie auch durch ihren Tempel für die Fruchtbarkeitsgöttin Artemis (= die römische Göttin Diana), von der kleine, silberne, fabrikmäßige Nachbildungen hergestellt und an Fremde verkauft wurden. Dieser Tempel war eines der sieben Weltwunder und damit verbunden war eine Menge Götzendienst (vgl. Apg 19,24ff) und gesetzlich erlaubte Tempelprostitution. Eine 11 m breite und von Säulen gesäumte Prachtstraße führte vom Stadtzentrum bis zum Hafen. Die Stadt beherbergte ein Amphitheater das 24.000 Plätze hatte, sowie eine Bibliothek und einen großen Marktplatz. Sie war Schmelztiegel vieler Völker, Tummelplatz vieler Religionen und Zentrum der Zauberei und magischer Kulte. Die okkulten "Ephesischen Schriften" von Ephesus (vgl. Apg 19,19) waren in der ganzen damaligen Welt bekannt. Inschriften belegen, dass die Bewohner der Stadt sehr abergläubisch gewesen sein müssen. Durch ein Erdbeben in der Regierungszeit unter Kaiser Tiberius wurde die Stadt schwer heimgesucht. Paulus besuchte Ephesus mehrfach, einmal verbrachte er drei Jahre dort und evangelisierte in dieser Zeit in der Schule des Tyrannus und mit seinen Mitarbeitern (z.B. Epaphroditus) auch das Hinterland Kleinasiens. Gegründet wurde die Gemeinde in Ephesus aber wahrscheinlich als Hausgemeinde von Aquila und Priscilla (Apg 18,19.27). Zur Zeit des Paulus wurde Ephesus von einem Senat und einer Volksversammlung verwaltet. In Ephesus entstand durch Kaiser Domitian der erste große Tempel in Kleinasien für den Kaiserkult (später noch zwei andere). In diesem musste von jedem Bürger das jährliche Weihrauchopfer für den Kaiser dargebracht werden, was zur ersten größeren Christenverfolgung führte. Domitian hatte der Stadt den Titel "Wächterin seines Tempels" gegeben. Die allmähliche Versandung des Hafens durch die ständigen Sandablagerungen des Flusses Cayster führten schließlich zum Niedergang der Stadt, weil sie dadurch einige Kilometer landeinwärts lag und die großen Handelsschiffe Ephesus nicht mehr anfuhren. Heute ist Ephesus nur mehr ein Ruinenfeld, daneben befindet sich ein unbedeutendes Dorf (vgl. 33,336f; 42,347f; 52,II,293; 65,III,306; 47,z.St.). 15 Es ist kein Zufall, dass diese außergewöhnlichen Wunder gerade in Ephesus geschahen, wenn wir bedenken, dass in Ephesus okkulte Heilmethoden und Aberglauben sehr verbreitet waren. Daher gefiel es Gott diesen Aberglauben durch großartige Wunderkräfte seinerseits zu diskreditieren. Außerdem wollte Lukas eine Parallele zu Petrus herstellen, der ähnliche Wundertaten vollbrachte (Apg 5,15-16). Ob Paulus von den ähnlichen Wundertaten des Petrus wusste, steht nicht im Text. Jedenfalls tat auch Paulus die "Zeichen des Apostels" (2Kor 12,12). - Das vorher genannte Schweißtuch war eine Art großes Taschentuch, mit dem man sich den Schweiß vom Gesicht wischte (54,z.St.). 16 Das Amphi-Freilufttheater von Ephesus war wahrscheinlich das größte der damaligen Welt und fasste an die 25.000 Personen. Es war direkt gegenüber dem Tempel der Artemis und mit vielen Götterstatuen geschmückt (21,II,414). 17 Berühmt war Ephesus auch durch ihren 2 km nördlich gelegenen Tempel für Artemis (d.i. die römische Göttin Diana), die Göttin der Jagd und der Fruchtbarkeit, von der fabrikmäßig, kleine silberne Nachbildungen hergestellt und an Fremde verkauft wurden. Dieser Tempel war eines der sieben Weltwunder. Er war 150 m lang und 50 m breit. Mit dem Tempel verbunden war eine Menge Götzendienst und gesetzlich erlaubte Tempelprostitution. 18 Einer der höchsten Verwaltungsbeamten von Ephesus. Seine Aufgabe war es unter anderem, die Volksversammlung der Stadt einzuberufen und die Stadt vor den in Ephesus residierenden römischen Provinzbeamten zu vertreten, die einen Aufruhr nicht dulden würden (54,z.St.; 59,181). 19 Über 2 Jahre lang unterrichtete Paulus in der Schule des Tyrannus, aber im Gesamten war er drei Jahre in Ephesus (Apg 20,31). 20 Name eines angeblichen Hohenpriesters, eher wahrscheinlich eines Betrügers, der sich diesen Titel selbst zulegte. Wir wissen nichts Näheres von ihm (2,798; 21,II,407; 54,z.St.). 21 Nach Röm 16,23 hatte Erastus das Amt des Ädilen in Korinth inne, das war eine Art Polizeichef, der für die Veranstaltung der Isthmischen Spiele verantwortlich war (33,182; 65,II,112.341). Hier ist er nur der Helfer von Paulus. Eine hohe Verantwortung in der Welt, macht noch lange keinen Karrieresprung in der Gemeinde. Aber ein Diener im Reich Gottes ist größer als eine hohe Stellung in der Welt. 22 Der Tempel der Artemis war nicht nur ein religiöser Wallfahrtsort, sondern zugleich auch eine Bank, auf der Reiche ihr Geld hinterlegten (65,II,113). 23 Im 2.Jhdt. n.Chr. trat genau dies ein. Durch die vielen Bekehrungen zum Christentum, gerieten die Tempel der Götter in Vergessenheit. Nachdem viele Christen verhaftet wurden, wurden dann wieder mehr Opfertiere verkauft und der Götzendienst erblühte neu (65,II,114). 24 Es gab noch an 33 anderen Orten Kultstätten für Artemis (65,II,114). 25 In seinem Geist, oder durch Einfluss des Heiligen Geistes? 26 Damals zwei schlimme Verbrechen. 27 Der Prokonsul der Provinz Asia, die dem römischen Senat unterstand, besuchte an bestimmten Tagen reihum die Städte seiner Provinz, um Gerichtstage abzuhalten. Er war zuständig für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung (54,z.St.). Da der Prokonsul von Asia um das Jahr 54 n.Chr. starb, wurden bis zur Ankunft des neuen Prokonsuls die Amtsgeschäfte von mehreren Beamten übernommen (65,II,116). Daher vielleicht der Plural, was wiederum die geschichtliche Genauigkeit von Lukas bestätigen würde. Oder vielleicht ein rhetorischer Plural: die Behörden. Apostelgeschichte 20 1 Das Evangelium wurde öffentlich und in Privathäusern verkündigt, die Gemeindeversammlungen aber waren privat (Apg 2,46; 5,13.42), und zur Erbauung der Gläubigen. In 1Kor 14,23-25 wird nur eine hypothetische Ausnahmesituation beschrieben. 2 Ca. 55/56 n.Chr., also ein Jahr nach seiner Abreise von Ephesus. 3 Hirte und Aufseher sind zwar zwei ähnliche, aber doch verschiedene Aufgaben (1Pet 2,25). Der Hirte ist eine überörtliche Gabe an den ganzen Leib Christi, der Aufseher ein Amt in einer örtlichen Gemeinde. 4 Welch eine Liebe kommt hier noch zum Ausdruck, doch nicht lange später war sie bei vielen abgeflaut (2Tim 1,15; Offb 2,4). 5 D.h. zuerst über Troas nach Mazedonien (wohl im Winter 56/57 n.Chr.) und dann weiter auf der Via Egnatia durch Illyrien Richtung Griechenland, und wieder zurück nach Philippi, Troas, mit dem Schiff nach Syrien und weiter nach Jerusalem, um die Kollekte für die armen Heiligen in Jerusalem zu überbringen (vgl. Röm 15,26; 1Kor 16,1.5; 2Kor 8-9 (65,II,116f). 6 In dieser Zeit (Winter 56-57 n.Chr.) schrieb er wahrscheinlich den Römerbrief (2,z.St.). 7 vgl. Apg 19,29; 27,2; Kol 4,10; Phm 1,24 8 Bei diesen Begleitern handelte es sich wohl zumeist um Vertreter der Gemeinden (2Kor 8,23), die deren Spendenbeiträge zur Sammlung für die Not leidenden Christen in Jerusalem mitführten. Vgl. 1Kor 16,1-4; 2Kor 8,1 - 9,15; Röm 15,25-27; Apg 19,21; 24,17 (2,z.St.). Einige von ihnen wurden später Mitarbeiter des Paulus. 9 Da Paulus an einem Montag abfuhr (Apg 20,11), musste er also, da sie sieben Tage in Troas blieben, auch am Montag davor angekommen sein (77,704f). Obwohl er in Eile war (V.16), wartete er also mit seiner Abfahrt noch fast eine Woche, damit er am ersten Tag der Woche (= Sonntag) noch mit ihnen das Brot brechen konnte. Dies zeigt, dass der Tag für das Brotbrechen nicht ein beliebiger war, sondern, dass dafür der erste Tag der Woche als Versammlungstag festgelegt wurde, da dies der Auferstehungstag Christi war. Die Christen versammelten sich also an dem Tag, an dem Christus auferstand, und nicht am Sabbat, oder am "Karfreitag". Die Auferstehung Christi geschah nach Mt 28,1 und Mk 16,1 irgendwann in der Nacht von Samstag (Sabbath) auf Sonntag (36,709ff). Diese Versammlung war wahrscheinlich nicht am Samstagabend, wo nach jüdischer Tageseinteilung bereits der erste Tag der Woche beginnt (so in: 33,207), sondern am Sonntagabend (so in: 2,810; 77,705). Nach Plinius dem Jüngeren versammelten sich die Christen im 1.Jhdt. am Sonntag zeitig in der frühe, um Christus als ihrem Gott Loblieder zu singen und am Sonntagabend zu einem unschuldigen Mahl. Da der erste Tag ein normaler Arbeitstag war, mussten sie tagsüber ja arbeiten. Der erste Tag der Woche nahm nur als Versammlungstag die Stelle des Sabbaths ein, aber nicht als Ruhetag. Der römische "Sonntag", der ehrwürdige Tag der Sonne (lat.: dies solis), der dem römischen Mithraskult geweiht war, wurde erst durch Kaiser Konstantin im Jahr 321 n.Chr. zum Ruhetag im Römischen Reich bestimmt (31,II,248; 41,1168). Ein biblischer Ruhetag anstelle des Sabbats ist der Sonntag daher nicht. 10 Die Verkündigung in den ersten Gemeinden, war kein Monolog des Predigers, sondern ein Austausch, wo auch Fragen gestellt (1Kor 14,34-35) und Einwürfe gemacht werden konnten (1Kor 14,29b). 11 D.h. ohne zu schlafen. 12 entw.: weil es der Heilige Geist mir so gesagt hat und ich gehorsam bin; od.: die zu erwartende Gefangenschaft andeutend; od., aber eher unwahrscheinlich: innerlich getrieben durch meinen Geist (21,II,431; 2,814). 13 Sprachlich genauso möglich: "... durch sein eigenes Blut" (vgl. 2,816). 14 Nicht unbedingt nur aus der Mitte der Ältesten, da das "zu euch" in V.16 die ganze Gemeinde bezeichnet. Daher auch möglich: "...aus der Mitte der Gemeinde". 15 Vielleicht zeigte ihnen Paulus dabei seine mit Schwielen bedeckten Hände. Wer sich mit seinen Händen den Lebensunterhalt verdienen müsste, war damals bei der Oberschicht verachtet. Manche Philosophen zogen es vor, bei den Reichen zu schmarotzen und ihnen nach dem Mund zu reden (65,II,121). 16 D.h. "ebenso wie ich"; od.: "sowie ihr es hier an meinen Händen seht". Dies ist zu den Ältesten gesagt, d.h. sie sollen sich im Normalfall ihren Lebensunterhalt selbst verdienen. Das selbstverständliche "Pastorengehalt" in den (Frei)Kirchen ist eine negative unbiblische Entwicklung. 17 Impf., d.h. einer nach dem anderen. Man sollte bedenken, dass dies die Ältesten waren. 18 Dadurch wurde dem Raum Sauerstoff entzogen, was dazu geführt haben könnte, dass der junge Mann dann einschlief, - und nicht etwa, weil die Predigt des Paulus so fade oder so lange war. 19 Da Paulus beinahe drei Jahre in Ephesus war und sicherlich selbst die Ältesten einsetzte, könnte der Hinweis, dass dies durch den Heiligen Geist geschah, auf eine Einsetzung aufgrund von Weissagung, wie in Apg 13,2.4 und 1Tim 4,14a hinweisen. Jedenfalls hat auch Paulus nur Männer als Älteste eingesetzt, von denen er erkannte, dass sie vom Heiligen Geist dazu auserkoren waren. Dies wäre dann das Muster für heute: der Gemeindegründer oder die Gemeinde soll erkennen, wen der Heilige Geist als Ältesten bestimmt hat und diese dann anerkennen (1Thes 5,12). 20 Paulus kam tatsächlich nicht mehr nach Ephesus, denn bei seiner Rückreise fuhr er an Ephesus vorbei und ließ die Ältesten von Ephesus nach Milet kommen (Apg 20,16-17). 21 Die sechs Präsensformen bezeichnen immer andauernde Handlungen: "sich beständig abmühend, ... als immer zu nehmen". - Es handelt sich offenbar um einen mündlich überlieferten Ausspruch des Herrn, der nicht in den Evangelien enthalten ist, man vergleiche aber Lk 6,38; 11,9 und Joh 13,34 (54,z.St.). 22 Vgl. Hes 3,17-19; 33,6-9; vgl. auch: Dtn 21,1-9. Paulus versteht seinen apostolischen Verkündigungsdienst als ein Wächteramt. Nicht jeder Gläubige hat so eine universelle Verantwortung wie der Apostel, und doch hat auch ein jeder Gläubige spezielle "Blutsverantwortung" für die Menschen seines näheren Umfelds. Er muss sie vor dem Gericht warnen und ihnen das Evangelium anbieten! 23 Buße und Vertrauen mit nur einem Artikel bedeutet, dass Buße und Vertrauen eine Einheit bilden, nämlich die Bekehrung (13,60). Ohne Buße ist kein echter Glaube möglich, wie etliche Bibelstellen im NT bezeugen (z.B. Apg 2,38; 3,19; 11,18; 17,30; 2Pet 2,9 ua.). - Buße ist aber auch für Gläubige nötig, wenn sie sündigen (2Kor 7,9-10; 12,21; 2Tim 2,25; Offb 2,5.16.21.22; 3,3.19). 24 Hier beginnt der zweite "Wir-Bericht" (in Apg 16,10 war der erste). Lukas dürfte in Philippi zurückgeblieben sein, denn in Apg 20,6 wird er dort wieder ein Begleiter des Paulus. In Apg 27,1ff folgt dann der dritte "Wir-Bericht". In den Kapiteln 20 und 27 kann man anhand der Genauigkeit der Ortsangaben und der Beschreibung der wechselnden Windrichtungen den Augenzeugenbericht erkennen. 25 Auch zusätzliche Kleidung gehörte im Orient zum Vermögen (65,II,121). 26 In Athen wurden die Inspektoren für Staatsangelegenheiten Aufseher genannt, ebenso die fünf Beamten der Kommunalverwaltung in Rhodos als ein gemeinsames leitendes Gremium. Es war auch ein Titel für religiöse (Kult)Beamte (52,II,323) und ein Begriff aus dem Militärwesen (65,II,121). In einer allgemeinen Bedeutung: Ein Beschützer für jemanden, indem er spähend Ausschau hält, um vor einem eventuellen Feind zu schützen. Er ist mit der Pflicht und Verantwortung betraut, darauf zu schauen, dass andere ihre Aufgaben ordentlich ausführen. Im NT immer mehrere und mit den Ältesten gleichzusetzen. vgl. V.17 mit V.28. Der Aufseher ist allein Gott verantwortlich (Heb 13,17; Lk 12,42ff), notfalls muss er auch gegen den Willen einer Mehrheit in der Gemeinde darauf pochen, dass die Anweisungen der Schrift befolgt werden. Er muss sich allerdings auch vor der ganzen Gemeinde verantworten, falls er sündigt (1Tim 5,19-20; Gal 2,14). - Auch Christus ist der Aufseher über seine Herde die Gemeinde (1Pet 2,25). 27 Assos war eine kleine Hafenstadt und lag am Golf von Adramyttion (das heutige Edremit), am Hang eines vulkanischen Felsens. Das heutige Behramköy liegt etwa 25 Kilometer von Troas entfernt. Mitylene war die Hauptstadt der Insel Lesbos mit einem großen Hafen. Die Insel Chios liegt westlich von Smyrna. Der Hauptstadt Chios hatte Herodes der Große einmal eine Spende zur Erneuerung der Säulengänge gegeben. Samos ist eine Insel im ägäischen Meer, südwestlich von Ephesus gelegen. Milet ist eine alte griechische Hafenstadt, 48 km südlich von Ephesus gelegen. Vor der Zeit des Paulus war es die bedeutendste Stadt Ioniens, von der aus 80 Kolonien gegründet wurden, und die Heimatstadt einiger bekannter Philosophen. Inzwischen aber war Ephesus die wichtigste Stadt. Heute ist Milet nur noch ein Dorf (54,z.St.). Apostelgeschichte 21 1 Paulus hatte über einige von ihnen eine andere Meinung, denn in Gal 2,4 nennt er sie eingeschlichene Brüder. Vgl. auch Apg 15,24 2 Zypern war eine Insel, in der von der Südküste Kleinasiens und der syrischen Küste gebildeten Bucht liegend, fruchtbar und reich an Metallen, und vortreffliches Schiffsbauholz liefernd. 58 v.Chr. von den Römern annektiert, seit 30 v.Chr. römische Provinz, von 22 v.Chr. an senatorische Provinz, unter der Verwaltung von Proprätoren, die den Titel Prokonsul führten. Von Paulus wurde sie auf der ersten Missionsreise besucht. Das Christentum war jedoch bereits vorher durch Flüchtlinge aus der Gemeinde Jerusalem dorthin gebracht worden. 3 Von Patara bis Tyros waren es ca. 650 km über das offene Meer (54,z.St.). Tyros war ursprünglich eine phönizische Hafenstadt mit reichem Seehandel und blühender Industrie. Es war auch zur Römerzeit noch bedeutend. Zur Zeit des Paulus war es eine freie Stadt in der römischen Provinz Syria. Heute ist der ursprüngliche Ort, wie Hesekiel es prophezeite, ein kahler Felsen, wo die Fischer ihre Netze zum Trocknen auslegen. 4 Obwohl Paulus in Eile war, blieb er volle sieben Tage (vgl. Apg 20,6.7), vielleicht um noch mit ihnen Brot zu brechen? - Die Gastfreundschaft der Gläubigen war für umherreisende Brüder sehr wichtig, da sie dadurch nicht auf die Rasthäuser angewiesen waren, in denen es meist auch gleich Bordelle gab (65,II,123). - Da der Heilige Geist dem Paulus schon wiederholt, und so auch hier, gesagt hatte, dass in Jerusalem Leiden auf ihn warten, baten ihn die Jünger, es gut meinend, von der Reise Abstand zu nehmen. Aber Paulus scheute die Leiden nicht, er wusste, dass es Gottes Wille war (Apg 20,22-23) nach Jerusalem zu ziehen, um die Geldsammlung für die Heiligen abzuliefern. 5 Das Wort trägt oft den Gedanken der Originalität und der Ehrwürdigkeit in sich. Mnason war nicht unbedingt ein Jünger alt an Jahren (vielleicht, ja sogar wahrscheinlich, war er das auch), sondern einer der seit Anfang an, d.h. seit Pfingsten oder noch früher, Jesus nachfolgte. 6 Da die Reise nach Jerusalem zwei Tage dauerte, übernachteten sie im Haus von Mnason. Auch die mitreisenden Heiden-Christen waren willkommen (65,II,124). 7 Petrus war nicht mehr in Jerusalem, auch die anderen Apostel dürften schon hinausgezogen sein, um ihren weltweiten Auftrag auszuführen. Daher dürfte Jakobus die Position des Petrus in der Gemeinde in Jerusalem eingenommen haben. Da der Herr auch ihm persönlich erschienen war (1Kor 15,7), wurde auch er zu den Aposteln gezählt (vgl. Gal 2,9). Bei dieser Gelegenheit lieferte Paulus sicherlich auch die mitgeführte Kollekte ab. Dieser Jakobus wurde einige Jahre später von der prorömischen jüdischen Oberschicht gesteinigt. Er war aber bei den Juden so geachtet, dass sie erfolgreich die Amtsenthebung der Mörder beantragten (65,II,125). 8 Num 6,1ff (vgl. 2,825). Es handelt sich dabei um das sogenannte Nasiräer-Gelübde (vgl. auch Kap.21,23-26), das auf Num 6,1-21 zurückgeht (vgl. auch 1Makk 3,49). Es war zeitlich begrenzt und wurde durch ein Opfer eingelöst, bei dem das geschorene Haar mitverbrannt wurde (vgl. 47,z.St.). Dass auch Juden-Christen noch ein solches Gelübde ablegten zeigt, wie wenig sie sich noch vom Gesetz gelöst hatten. 9 Ob dieser Rat vom Heiligen Geist eingegeben war ist fraglich. Paulus geht nur darauf ein, weil er allen alles werden will (1Kor 9,20). 10 Die Barriere zwischen dem äußeren Tempelhof und dem Frauenhof war ca. einen Meter hoch und mit Tafeln versehen auf denen Nichtjuden in Griechisch und Lateinisch davor gewarnt wurden, den inneren Vorhof des Heiligtums zu betreten, - dies war bei Todesstrafe verboten. Selbst römische Bürger wurden dafür mit dem Tod bestraft (21,II,452). 11 Eine Lynchjustiz wurde in einem solchen Fall von der zuständigen Tempelbehörde und den Römern geduldet (2,827; 46,306). Allerdings wollten sie den Juden Paulus töten und nicht den Heiden Trophimus, dieser war nämlich gar nicht anwesend! 12 Das ist die Burg Antonia in Jerusalem, direkt neben den Tempelgebäuden. 13 Eine spezielle Art von jüdischen Nationalisten und politischem Meuchelmördern (bei den Römern oft für ihre Machenschaften angeheuert und bezahlt). Mit einem kurzen Dolch, den sie unter ihren Gewändern verborgen hielten, mischten sie sich bei den großen Festen unauffällig unter die Volksmenge, erstachen Leute aus der römerfreundlichen jüdischen Oberschicht meuchelmörderisch und versteckt von hinten, um dann unerkannt in der Menge unterzutauchen. Sie schreckten nicht davor zurück auch öffentlich einen Mord zu begehen, vergleichbar mit einem heutigen "Terroristen." Es war die fanatischste jüdische Nationalpartei, die einen Partisanenkampf gegen die römischen Besatzer und alle ihre Kollaborateure führte, wobei sie eben auch vor politischen Morden nicht zurückschreckten, um ihre Ziele zu erreichen (2,1500; 1,1500). Einige Jahre später entführten sie Menschen, um die Freilassung ihrer Kumpanen zu erpressen. Im Jahr 73 n.Chr. wurden sie in Massada endgültig von den Römern vernichtet (65,II,129). 14 Nach Flavius Josephus (De bella Judaicum II,261ff.), kam während der Amtszeit des Statthalters Felix ein falscher Prophet aus Ägypten nach Jerusalem. Er führte eine Menschenmenge zum Ölberg und versprach, die Mauern Jerusalems würden auf seinen Befehl hin einstürzen, damit er und seine Männer ungehindert in die Stadt einmarschieren könnten und die Römer überwältigen würden. Doch Felix schickte seine Truppen und ließ alle Rebellen töten, nur ihr Anführer konnte entkommen. Diesen Anführer meinte der Heerführer nun vor sich zu haben (2,830; 21,II,454; 65,II,128). 15 Es ist interessant, dass der Herr diese Botschaft durch Agabus mitteilen ließ, und nicht durch die ebenfalls prophezeienden Töchter des Philippus. 16 Der Strand an beiden Seiten des alten Tyros war ein Sandstrand. Ein Beweis für die Glaubwürdigkeit von Lukas, der ja damals ein Augenzeuge war (21,II,443; 65,II,123). 17 Nach Eph 4,11 eine Gabe des Geistes an den gesamten Leib Christi und als solche nicht an eine Ortsgemeinde gebunden. Von Philippus dürfte Lukas seine direkten Informationen über die Evangelisierung Samarias und des Kämmerers haben. 18 Sie übten ihre Gabe offensichtlich bei diesem privaten Treffen aus (1Kor 11,5), nicht jedoch in der Gemeindeversammlung (1Kor 14,34). 19 Anstatt möglichst schnell dieser unangenehmen Situation zu entfliehen, bittet Paulus zum Volk predigen zu dürfen. Das zeigt seine Liebe zu seinem Volk. 20 Wegen der unberechenbaren Winde legten Schiffe immer an jedem Hafen an. Dies war mühsam für Reisende die es eilig hatten, daher wechselten Paulus und seine Begleiter auf ein anderes Schiff, das Zypern nicht anlief, sondern direkt nach Phönizien segelte. Paulus hatte es eilig, denn er wollte zu Pfingsten in Jerusalem sein (65,II,122). 21 Das einstige Akko war eine wichtige phönizische Hafenstadt, am Nordende der Bucht von Haifa, etwa 50 km südlich von Tyros. Die Stadt wurde von Ptolemäus II. (Lathyrus) wiederaufgebaut und nach ihm umbenannt. Es war eine starke Festung und eine römische Kolonie (54,z.St.; 65,II,123). Noch heute ist es eine namhafte Stadt mit ca. 12.000 Einwohnern und einem lebhaften Handel. 22 Aufruhre, egal von welcher Richtung sie ausgingen, wurden von den Römern streng geahndet. Als einige Jahre davor Ventidius Cumanus von 48 - 52 n.Chr. als Prokurator in Judäa amtierte, entblößte sich einmal ein römischer Soldat im Tempelbereich, was zu einem Aufruhr der Juden führte, bei dem laut Josephus 10.000 Menschen umkamen. Als ein anderer Soldat einmal eine Thorarolle verbrannte, gab Cumanus der Forderung der Juden nach und ließ ihn hinrichten (Josephus, Bella Judaica, 2,247 und Antiquitates 20,137). Etliche Jahre später (66 n.Chr.) kam es zu mehreren Aufständen und Massakern, wo z.B. in Cäsarea, innerhalb einer Stunde 20.000 Juden umgebracht wurden (65,II,126). 23 Die Insel Kos liegt 150 km südlich von Ephesus, nordwestlich von Knidos. Sie war berühmt durch das Heiligtum des Asklepios, des Gottes der Heilkunst. Rhodos, eine wasser- und waldreiche Insel, liegt 150 km südöstlich von Kos und ist selbst etwa 80 km lang und bis zu 30 km breit. Die Hafenstadt Rhodos liegt an der nördlichen Inselspitze. Der berühmte Koloss von Rhodos, der wohl als Leuchtturm an der Hafeneinfahrt diente, war allerdings schon im Jahr 85 v.Chr. durch ein Erdbeben zerstört worden. Patara war eine bedeutende Hafenstadt im Südwesten von Kleinasien, etwa 100 km von Rhodos entfernt (54,z.St.). 24 Cäsarea war ca. 60 km von Akko entfernt (Apg 8,40). Apostelgeschichte 22 1 Griech.: αποστελλω; damit berief er ihn hier zum Apostel. vgl. 1Kor 15,8 2 Wahrscheinlich ein temporales Partizip Aorist der Vorzeitigkeit: "...nachdem angerufen habend" (7,z.St.). Möglich wäre auch ein modales Partizip der Gleichzeitigkeit: "...wobei angerufen habend" (2,z.St.), aber sicherlich nicht "...indem du seinen Namen anrufst" (so 9,z.St.). Daraus geht hervor, dass der Täufling entweder vor oder beim Taufakt den Namen Jesu anrief. Vgl. Röm 10,14 und Anm. in Apg 2,38. 3 Die Lederstreifen, mit denen ein Verbrecher für die Bestrafung angebunden wurde; oder: mit welchen er ausgepeitscht wurde. Beides war bei einem römischen Bürger wie Paulus ohne Gerichtsurteil nicht erlaubt! Paulus wartet bis zum Binden, wie in Apg 16,37, denn nun kann er auf die Unrechtmäßigkeit dieser Handlung hinweisen. 4 Vgl. die Anm. bei Apg 9,3. 5 Impf.: "...von da an für einige Zeit". 6 Sie warfen die Kleider hin, als Vorbereitung für seine Steinigung (vgl. V.20). 7 entw.: "Ist dir klar, was du da tun willst"? od. viell.: "Was willst du nun tun?" 8 Es handelt sich um Gamaliel I., den Älteren, ein angesehener jüdischer Rechtsgelehrter. Er war der Erste von sieben Rabbis, der den Titel "Rabban" erhielt. Als ein Enkel von Rabbi Hillel gehörte er zum liberaleren Flügel der Pharisäerpartei. Er wird in der Mischna als religiöse Autorität genannt und starb 57/58 n.Chr. Sein Enkel Gamaliel II. schloss die Juden-Christen endgültig aus der Synagoge aus (52,II,688). 9 Beide Partizipien im Medium, d.h. etwas an sich und für sich geschehen lassen (21,II,459). Es stellt sich die Frage, wann Paulus wiedergeboren wurde. Als er das Licht vor Damaskus sah, oder erst drei Tage später, als Hananias ihm die Hände auflegte und er wieder sehend wurde? Apg 9,17.18 gibt eine eindeutige Antwort: erst als Hananias ihm die Hände auflegte, wurde er wieder sehend und mit dem Heiligem Geist erfüllt. Die drei Tage der buchstäblichen Blindheit, symbolisieren auch seine geistliche Blindheit während dieser Tage. Natürlich war es nicht der äußerliche Taufakt, durch den seine Sünden abgewaschen wurden, sondern durch das Blut Jesu (Offb 1,5) aufgrund seines Glaubens im Herzen (Apg 15,9). Aber da die Taufe immer unmittelbar nach der Bekehrung erfolgte, ist es nach hebräischen Sprachgebrauch ganz natürlich das äußerliche Wasser der Taufe mit der inneren Abwaschung der Sünden (vgl. Eph 5,26; Tit 3,5) gleichzusetzen, obwohl diese schon vorher geschehen ist. - So wie alle anderen Gläubigen im NT wurde auch Paulus unmittelbar nach seiner Bekehrung getauft. Immer wenn man im NT sehen kann, wann jemand getauft wird, wird er unmittelbar nach seiner Bekehrung an Ort und Stelle getauft (vgl. Apg 2,41; 8,36-39; 9,18-19; 10,47-48; 16,14-15; 19,5), einmal sogar noch mitten in der Nacht (Apg 16, 33). So wie eine Münze zwei Seiten hat, so auch eine Bekehrung. Die innere Seite ist die Wiedergeburt, die äußere Seite ist die Taufe. In der Urgemeinde gab es keine ungetauften Gläubigen in den Gemeinden (vgl. Röm 6,3 "...wir alle, die wir auf Christus getauft wurden"). 10 entw. ein imperativisches Ptz.: "Steh auf und..." (44,z.St.); oder ein participium graphicum (2,z.St.). 11 Der vermeintliche Widerspruch zu Apg 9,7 lässt sich folgendermaßen auflösen: die Begleiter des Paulus hörten zwar ein Geräusch, aber es war für sie keine Stimme eines Sprechers, der etwas Verständliches sagte. Sie sahen zwar ein Licht, aber keine Person. Paulus hingegen wusste, dass es Jesus war der zu ihm deutlich sprach (13,25). Apostelgeschichte 23 1 Hananias II., der Sohn des Nebedäus (nicht der Hananias von Lk 3,2; Joh 18,13 und Apg 4,7). Er wurde von Herodes von Chalcis eingesetzt und amtierte von 47-59 n.Chr., war aber auch danach noch recht einflussreich, und als besonders brutal und habgierig bekannt (Josephus, Antiquitates XX,9.2; 2.839). Im Jahr 66 n.Chr. wurde er von Zeloten, wegen seiner Sympathie für die Römer, ermordet (Josephus, De bella Judaicum, II,17,9; 33,35). 2 Hauswände wurden in Palästina weißgetüncht, um die Hitze zurückzustrahlen. Bildlich übertragen als eine Schmähung für einen Heuchler, wofür Paulus sich aber entschuldigen musste, weil ihm sein Temperament durchgegangen war. Vergleiche im Gegensatz dazu die sanftmütige Reaktion des Herrn Jesus in einer ähnlichen Situation (Joh 18,23). Allerdings könnte man in dem durch ein Attentat erfolgten gewaltsamen Tod des Hananias im Jahr 66 n.Chr., auch eine Erfüllung dieses Ausspruchs sehen (vgl. 2,839). 3 Entweder Paulus wusste, aufgrund seiner langen Abwesenheit von Jerusalem, wirklich nicht, dass Hananias seit einem Jahr nicht mehr Hohepriester war. Oder er wusste es schon und will ihm das ironisch zu verstehen geben: "Du spielst dich zwar als Hohepriester auf, aber du handelst nicht wie ein Hohepriester" (64,572; 65,II,134). 4 Ex 22,27 5 Das impliziert die Bitte an Gott, dass Gott sie verfluchen möge, wenn sie den Eid nicht erfüllen sollten. 6 Felix (Antonius?/Claudius?) war ein ehemaliger Sklave und Freigelassener des Kaisers Claudius und Bruder von Pallas, des allmächtigen Günstlings von Kaiser Nero. Er wurde zuerst 49 n.Chr. Prokurator von Samaria, dann von 52 - 59/60 n.Chr. auch von Judäa, Galiläa und Peräa. Als er sein Amt als Prokurator antrat, überredete er seine Geliebte Drusilla, sich von ihrem Mann scheiden zu lassen und ihn zu heiraten. Sie war seine dritte Ehefrau, auch seine beiden vorigen Ehefrauen waren aus Königshäusern. Berüchtigt war er wegen der schlechten Art seiner Verwaltung, durch die ein großer jüdischer Aufstand wesentlich vorbereitet wurde. Nach dem Historiker Tacitus (Hist. 5,9) übte er sein Amt in königlicher Macht mit der Sinnesart eines Sklaven aus, wobei jeder Art von Grausamkeit und Lüsternheit frönend. Jegliche Opposition unterdrückte er gnadenlos. Im Jahr 55 n.Chr. zerschlug er eine von Ägypten ausgehende messianische Bewegung (vgl. Apg 21,38), wobei ihr Anführer aber entkam. Er scheute auch nicht davor zurück, die berüchtigten "sicarii" (Dolchmänner) anzuheuern, um den Hohepriester Jonathan umzubringen, weil dieser ihn wegen seiner Amtsführung gerügt hatte. Und dass, obwohl Jonathan sich einige Jahre davor beim Kaiser für ihn eingesetzt hatte, dass er der Nachfolger des Procurators Cumanus werden soll. Im Jahr 59 n.Chr. wurde er auf Bitte der Juden durch Kaiser Nero abberufen und durch Porcius Festus ersetzt, - nur durch den Einfluss von Pallas wurde seine Verurteilung abgewendet (33,376; 21,II,477.480; 52,I,413; 65,II,137). Vor so einem Mann also, musste sich Paulus nun verteidigen. 7 Claudius Lysias war ein römischer Tribun und der Kommandant der Garnison in der Burg Antonia in Jerusalem, zurzeit als Paulus verhaftet wurde. 8 Der Palast des Herodes in Cäsarea am Mittelmeer, war der offizielle Sitz des römischen Procurators (59,393). 9 Eigentlich hätte er den Fall an den syrischen Legaten abschieben können, aber dieser war viel zu beschäftigt, um sich solche Kleinigkeiten zu kümmern (65,II,138). 10 Die Stadt liegt etwa 55 km von Jerusalem entfernt. Herodes der Große baute sie anstelle des alten Afek als wichtigen Militärstützpunkt aus und nannte sie nach seinem Vater Antipater (54,z.St.). 11 Zilizien und Syrien, wozu auch Israel gehörte, bildeten damals zusammen eine römische Provinz, sodass auch ein Unter-Statthalter wie Felix befugt war, diesen Rechtsfall zu entscheiden (54,z.St.). 12 Das Gewissen ist kein unfehlbarer Maßstab für Richtig und Falsch. Vgl. die Anm. zu Röm 2,15-16 Apostelgeschichte 24 1 Verse 6b-8a fehlen in den wichtigsten Hs. Einige Hs. fügen hier ein: "...und nach unserem Gesetz richten wollen. Aber der Oberst Lysias kam herzu und entriss ihn mit Gewalt unseren Händen und befahl, dass seine Ankläger zu dir kommen sollen" (27,490; 54,z.St.). 2 od. konativ.: "..., weil er ganz genau wissen wollte...", vgl. V.24. 3 Drusilla wurde 38 n.Chr. als jüngste Tochter des Herodes Agrippa I. geboren. Ihre älteren Schwestern waren Bernice und Mariamne und ihr Bruder war Herodes Agrippa II. Als Kind wurde sie mit Antiochius Epiphanes von Kommagene verlobt, den sie jedoch nicht heiratete. Mit 14 Jahren, ca. 53 n.Chr., nahm sie der syrische König Apipus von Emesa in Syrien zur Ehefrau, aber es war eine unglückliche Ehe. Aufgrund ihrer Schönheit verführte sie der Prokurator Felix und überredete sie, sich mit 16 Jahren scheiden zu lassen und ihn zu heiraten. Sie gebar ihm einen Sohn, den sie Agrippa nannten, welcher beim Ausbruch des Vesuv 79 n.Chr. (vielleicht auch zusammen mit ihr) den Tod fand (33,291; 21,II,486f; 52,II,170; 65,II,143). 4 Zwar pointiert, aber es ging nicht über das Gerichtsurteil über Paulus, sondern über Gottes letztes Gericht über alle Menschen, auch über den korrupten Felix! Vgl. Mk 6,20. 5 Porcius Festus, 56 - 60 n.Chr. römischer Prokurator von Judäa und Nachfolger des Felix, bis zu seinem Tod im Jahr 60 n.Chr. Von ihm wurde Paulus auf eigenen Antrag nach Rom vor das kaiserliche Gericht gesandt. Er war laut Josephus (Antiquates XX,182ff) von besserem Charakter als sein Vorgänger Felix und sein Nachfolger Albinus, der gegen Bestechung jeden Gefangenen freiließ, sogar wenn er ein Revolutionär war. Später setzte sich Festus zusammen mit den jüdischen Führern erfolgreich bei Nero, gegen Angriffe des Herodes Agrippa II., auf die Unberührbarkeit des Tempels, ein. Durch sein ungeschicktes Verhalten provozierte er allerdings den späteren Aufstand der Juden (58,275). Nach seinem Tod blieb das Amt des Procurators bis zum Amtsantritt (62 n.Chr.) des neuen Procurators Lucceius Albinus unbesetzt. Dieses zweijährige Machtvakuum nützten die Juden wohl aus und steinigten den Herrenbruder Jakobus in Jerusalem (33,376; 52,IV,1059). 6 Der im römischen Recht bewanderte Berater der Anklagepartei. Das Gegenteil von συνδικος = der Anwalt der Verteidigung (21,II,476). 7 Damit bekennt sich Paulus zur Inspiration und Autorität des gesamten AT. 8 Diese Zeitangabe bezieht sich wahrscheinlich nicht auf die Länge von Paulus Gefangenschaft, sondern auf die Amtszeit des Procurators Felix (52,IV,1059). Oder es waren die zwei Jahre, als er sich in Rom wegen Aufruhr und Unregelmäßigkeiten in seiner Herrschaft verantworten musste (54,z.St.). 9 Es war üblich, Anklagen mit einer Schmeichelei zu beginnen, um den Richter für sich zu gewinnen (65,II,139). 10 Paulus verzichtet auf eine lange schmeichelnde Einleitung. Seine Verteidigungsrede ist genauso aufgebaut, wie dies bei Rhetorikern und Rechtsgelehrten damals üblich war: (1.) die naratio, eine kurze Zusammenfassung der Fakten. (2.) die positio, eine kurze Schilderung der Tatsachen. (3.) die argumentatio, eine kurze Beweisführung in der Paulus beweist, dass er keines Verbrechens schuldig war, welches die römische Justiz ahnden würde, - und er bekennt auch noch seinen Glauben an die Auferstehung der Toten. Den Namen Jesus erwähnt er hier aus Klugheit nicht. 11 Felix hatte allen Grund sich bei den Juden Gunst zu erhaschen. Im Sommer des Jahre 59 n.Chr. reisten führende Juden von Cäsarea nach Rom, um sich über Felix zu beklagen. Nur sein mächtiger Bruder Pallas konnte ihn durch Fürsprache beim Kaiser vor der Hinrichtung bewahren (65,II,144). 12 Das Substantiv ασκησις bedeutet eigentlich, für den athletischen Kampf üben und mühevoll trainieren (1,1,233). Und im Talmud: sich mit etwas beschäftigen, sich bemühen bzw. befleißigen (37,85). Apostelgeschichte 25 1 Agrippa II., ein Sohn von Agrippa I. (der den Apostel Jakobus mit dem Schwert enthaupten ließ: vgl. Apg 12,1), geboren im Jahr 27 n.Chr. Als sein Vater plötzlich starb (Apg 12,23), war er erst 17 Jahre und noch zu jung, um das Königreich zu übernehmen. Später jedoch erhielt er von Kaiser Claudius den Königstitel und erbte 50 n.Chr. das kleine Königreich Chalcis, nord-nordöstlich vom See Genezareth. Im Jahr 53 n.Chr. wurde ihm durch Kaiser Nero sein Königreich ausgeweitet. Er hatte die Oberaufsicht über den Jerusalemer Tempel und von 48 - 66 n.Chr. auch das Recht, die jüdischen Hohepriester zu ernennen, die er des Öfteren absetzte und durch neue ersetzte, was ihm die Missgunst der Juden einbrachte. Zwar tat er sein Bestes, um den Ausbruch der jüdischen Revolte im Jahr 66 n.Chr. gegen Rom zu verhindern. Als seine Bemühungen jedoch scheiterten, stand er als treuer römischer Vasall im darauffolgenden jüdisch-römischen Krieg auf Seiten Roms (2,z.St.). Nach der Zerstörung Jerusalems begleitete er Titus zusammen mit Bernice nach Rom. Nach dem Sieg Roms über die Juden ließ er im Jahr 89 n.Chr. eine Gedenkmünze prägen, auf welcher der Sieg Roms verewigt sein sollte. Er war es auch, der die Christen die 70 n.Chr. aus Jerusalem flüchteten in Pella freundlich aufnahm. Er war unverheiratet, lebte aber mit seiner älteren Schwester Berenice (im Inzest?) zusammen, die aber gleichzeitig auch die Mätresse von Kaiser Vespasian und seinem Sohn Titus war. Herodes Agrippa II. starb ca. 100 n.Chr. kinderlos (33,481; 42,591; 47,z.St.; 54,z.St.; 58,275; 65,II,146). 2 Bernice, geb. 28 n.Chr, war die älteste Tochter von Herodes Agrippa I., und eine Schwester von Drusilla und Herodes Agrippa II. Berühmt war sie für ihre Schönheit. Sie wurde schon im Kindesalter mit Marcus, dem Sohn von Alexander, dem Albarchen von Alexandria, verlobt, es kam jedoch nie zu einer Heirat. Im Alter von 13 Jahren wurde sie dann mit ihrem Onkel Herodes von Chalcis vermählt. Nach dessen Tod (48 n.Chr.) war sie mit 20 Jahren Witwe und lebte im Haus ihres Bruders Herodes Agrippa II. Um Gerüchte über ein angebliches Inzest-Verhältnis zu ihrem Bruder zu zerstreuen, heiratete sie König Polemon von Zilizien, den sie aber bald wieder verließ, um wieder mit ihrem Bruder Herodes Agrippa II., (im Inzest?) zusammenzuleben. Beide besuchten Festus ca. 60 n.Chr. zu Ehren seiner Amtseinsetzung in Cäsarea (vgl. Apg 25,23; 26,30). Paulus verteidigt sich vor ihr und Agrippa, ohne auch nur im Geringsten ihr fragwürdiges Verhältnis anzusprechen. Josephus berichtet (De bella Judaicum II,309-314), dass sich Bernice tapfer für die Juden in Jerusalem einsetzte, als der Prokurator Florus ein Massaker unter ihnen anrichten wollte. Als die jüdische Bevölkerung aber danach ihren Palast anzündete, wurde sie eine Anhängerin Roms, und später die Mätresse von Kaiser Vespasian und seinem Sohn Titus. Letzterer ließ sie allerdings fallen, als er Kaiser wurde. Sie war dadurch tief gekränkt und starb 79 n.Chr im Alter von 51 Jahren an gebrochenem Herzen (21,II,495; 33,132; 42,206; 65,II,146). 3 Aus heidnischer Sicht war die Auseinandersetzung zwischen den Juden und Paulus nur eine Debatte um die rechte Art der Religion bzw. der Götterverehrung, - vielleicht mit dem ironischen Unterton des Übertreibens. 4 Griech.: ΚΥΡΙΟΣ, außerhalb Roms ein göttlicher Titel für den Kaiser, den die beiden Kaiser Augustus und Tiberius aber ablehnten, weil er ihrer Meinung nach nur für einen Gott passend war. Zurzeit von Paulus hätte kein Römer den Kaiser als Gott angesprochen. Später jedoch, anfangend von Kaiser Caligula, übernahmen die nachfolgenden Kaiser diesen Titel, bis ihn Alexander Severus, der ihn vehement ablehnte, verboten hat (21,II,499). 5 D.h.: Ich weiß gar nicht welche Anklagepunkte ich überhaupt schriftlich gegen ihn vorbringen soll. 6 Festus dachte vielleicht an die Anstiftung zu einem Aufruhr, wie er erst kurze Zeit davor zwischen Juden und Griechen in den Straßen Cäsareas stattgefunden hatte (21,II,496). 7 Dieser Kaiser war Nero, ein Sohn von Agrippina, der vierten Frau von Kaiser Claudius, der von Claudius adoptiert wurde. Claudius zog Nero, seinem eigenen Sohn Britannicus aus dritter Ehe aber immer vor. Neros Erzieher war der Philosoph Seneca, der anfangs einen guten Einfluss auf ihn ausübte. Als Agrippina ihren Mann Kaiser Claudius vergiften ließ, damit Nero, ihr Sohn aus erster Ehe, Kaiser werden könne, wusste Nero von dem Mord. Doch als er dann selbst zum Kaiser ausgerufen wurde, hielt er noch heuchlerisch die Leichenrede für seinen Ziehvater Claudius. Nero ließ Britannicus später vergiften, einige Zeit später auch seine eigene Mutter Agrippina. Von seiner Frau Octavia ließ er sich scheiden, schickte sie in die Verbannung, wo sie starb, und heiratete seine Geliebte Poppaea Sabina, die sich zur Schutzherrin der Juden machte. Im Jahr 64 n.Chr. wurde Rom durch einen schrecklichen Brand verwüstet. Da die Güter Neros und seines angeblichen homosexuellen Freundes Tigellinus unbeschädigt blieben, geriet Nero in den Verdacht, den Brand selbst gelegt zu haben, damit er Rom neu aufbauen lassen könne. Nero beschuldigte daher die verhassten Christen als die Brandleger und ließ sie als Sündenböcke verfolgen. Nach Aussage von Tacitus ließ er etliche von ihnen mit Pech übergießen und nachts als lebendige Fackeln in seinen kaiserlichen Gärten anzünden. Andere wurden bei den Spielen im Kolosseum an die wilden Tieren verfüttert. Nero verfiel mehr und mehr einem zügellosen Lebenswandel und einem künstlerischen Wahn. Eine aufgedeckte Verschwörung kostete seinem Mentor Seneca und auch seiner hochschwangeren Frau Poppaea das Leben, die er in einem Anfall von Raserei zu Tode trampelte (65,II,161). Ein Jahr später heiratete er wieder und begab sich auf eine Künstlertournee nach Griechenland, wo er selbst als Schauspieler auftrat. Wahrscheinlich wurde unter seiner Regierungszeit der Apostel Johannes auf die Insel Patmos verbannt. Durch den Aufstand einiger Feldherren und der Prätorianergarde, wurde er schließlich in den Selbstmord getrieben. Das römische Reich stürzte daraufhin in eine große Krise und vier Feldherren stritten sich ein Jahr lang um die Nachfolge, worauf Vespasian schließlich als neuer Kaiser hervorging (52,IV,71ff; 65,III,116.414). 8 Da sich Festus auf den pro tribunale setzte, handelte es sich um eine öffentliche Anhörung (65,II,145). 9 Festus war ein gerechter Prokurator, aber er wollte mit den Juden ein gutes Verhältnis haben. 10 Nur römische Bürger hatten das Recht, sich an den Kaiser zu wenden. Der Kaiser delegierte kleinere Fälle wie diesen allerdings an einen seiner Beamten, im Fall von Paulus wahrscheinlich an den eingangs erwähnten "Hochedlen Theophilus". 11 Laut Josephus gab es fünf Kohorten in Cäsarea, jede unter dem Kommando eines Chiliarchen (54,z.St.) Ein Chiliarch (tribunus militum) war der Kommandant von 1000 Soldaten. Apostelgeschichte 26 1 od. als Frage mit konativem Präs.: "In so kurzer Zeit, versuchst du mich zu einem Christen zu machen"? od. viell.: "Mit so wenig Aufwand glaubst du mich zu einem Christen machen zu können" (2,873f); od.: "In kurzem erreichst du durch Überzeugung mich zu einem Christen zu machen" (7,z.St.); od. ohne Subjektwechsel, als Feststellung oder ironische Frage: "Du willst mich überzeugen, damit du mich zu einem Christen gemacht hast" (13,136); od.: "Du warst so überzeugend, dass es dir beinahe gelungen ist, mich zu einem Christen zu machen" (65,II,151). 2 Die zwölf Stämme kollektiv gesehen: das zwölfstämmige Volk Israel. Das AT zeigt, dass schon vor der babylonischen Gefangenschaft Juden aus allen Stämmen ins Südreich Juda überliefen und daher der Überrest, der aus der Gefangenschaft in Babylon zurückkehrte und dann im Land lebte, aus Juden von allen zwölf Stämmen bestand. Deshalb braucht man nicht nach "zehn verlorenen Stämmen" zu suchen. Vgl. die Anmerkung zu 2Kön 17,23 in der Scofield Bibel, und z.B. 2Chr 30,1.5.11.18.25b; 31,6; Lk 2,36; Mt 24,30 ua. 3 Durch das tägliche Morgen- und Abendopfer mitsamt seinen vorgeschriebenen Gebeten? 4 Es muss offenbleiben, ob dieser Ausdruck im speziellen Sinn zu verstehen ist, nämlich, durch Abgabe eines Stimmsteins abzustimmen. Dies würde eine offizielle Verhandlung, z.B. bei der Steinigung des Stephanus, voraussetzen. Oder im allg. Sinn: sich mit etwas einverstanden erklären (vgl. 2,868). Dass Paulus Mitglied des Sanhedrins war, kann man angesichts seines jungen Alters, seiner Ehelosigkeit und seiner nichtaristokratischen Abstammung ausschließen (21,II,503f). 5 Konativer Impf.: versuchte ich sie zu nötigen. 6 D.h. entweder dem Glauben abzuschwören; od.: Jesus zu verfluchen (vgl. 1Kor 12,3). 7 vgl. Jes 42,7; 49,8 8 D.h. auszuschlagen wie ein störrisches Zugtier. Zum Antreiben der Rinder gebrauchte man einen Stock mit einer scharfen Spitze (54,z.St.). 9 Die adverbielle modale Auflösung des Partizips mit: "indem sie der Buße würdige Werke tun", ist sicher falsch (vgl. 2,871). Dies würde auf eine Art Werksgerechtigkeit hinauslaufen. In Apg 2,38.41 geschah die Buße und Umkehr im Herzen, worauf unmittelbar am gleichen Tag die Taufe erfolgte. Eine Probezeit vor der Taufe, in der man prüft, ob der Buße würdige Werke hervorgebracht werden, war in der Urgemeinde unbekannt. Auch Johannes taufte die Leute unmittelbar nach ihrem Sündenbekenntnis (Mt 3,6) Die Werke folgen einer echten Bekehrung, falls das nicht der Fall ist, war die Bekehrung nicht echt (Jak 2,26). Apostelgeschichte 27 1 Von einem manövrierunfähigen Schiff (Strong Nr.: 4143). Es könnte auch sein, dass Lukas an eine Stelle in Homer dachte und deswegen dieses Wort statt πλοιον (Strong Nr.: 4143) verwendet (21,II,535). 2 Hier beginnt der dritte "Wir-Bericht". Es ist ein eindeutiger Augenzeugenbericht, d.h. Lukas ist wieder dabei. Vgl. auch Apg 20,5ff. 3 Vielleicht sind hier im Unterschied zum Synonym δεσμιος (Strong Nr. 1198) zum Tod verurteilte Gefangene gemeint, denn ετερους bedeutet andersartige Gefangene als Paulus, eben solche, die bereits verurteil waren. Dafür spräche auch das Vorhaben der Soldaten in Apg 27,42. Diese Gefangenen, soweit sie nichjt römische Bürger waren, waren für die Gladiatorenspiele im römischen Kolosseum bestimmt (65,II,152). 4 D.h. nicht den direkten Weg übers Meer, sondern entlang der Ost-Nordküste, zum Schutz vor den sommerlichen Nordwestwinden (2,z.St.). 5 Der typische starke Nordwestwind machte dem Schiff offenbar zu schaffen (2,z.St.). 6 Hier ist wahrscheinlich das Herbstfasten am großen Versöhnungstag Jom Kippur (Lev 23,26ff) gemeint, wo die stürmische Zeit auf hoher See begann, was Paulus aus mehrmaliger eigener Erfahrung wusste (vgl. 2,879). Im Jahr 58 n.Chr. fiel der große Versöhnungstag in etwa auf den 15. September. Vom 14. September bis 11. November, und von März bis Ende Mai, galt die Schifffahrt schon als unsicher, und ab dem 11. November bis zum 5. März wurde sie überhaupt ganz eingestellt (21,II,520; 65,II,153). 7 Mit dem Hafen Kreta ist kein Hafen auf Kreta gemeint (man wollte Kreta ja verlassen, wie Paulus Vers 21 sagt), sondern ein Hafen für den Seeverkehr von und nach Kreta. Wahrscheinlich handelt es sich um den Hafen von Phönikus an der Südspitze von Messenien. Das ist die westlichste der drei Südspitzen der griechischen Halbinsel Peloponnes, ca. 170 km südwestlich von Korinth (54,z.St.). Diese Hafenbucht an der Südwestküste Kretas, wahrscheinlich beim felsigen Vorsprung Kap Mouros, war damals über zwei schmale, geschützte Zugänge mit dem Meer verbunden, von denen der eine nach Südwesten, der andere nach Nordwesten offen war, und damit zum Überwintern geeignet gewesen wäre (2,z.St.). Aber durch das darauffolgende spontane Auslaufen, bei dem sie vom Sturm abgetrieben wurden, wurde dieser Plan vereitelt und sie trieben auf das offene Meer (Verse 13-15). 8 Inf.Perf.: "sie hätten ihr Vorhaben schon so gut wie erreicht". Ein Südwestwind war genau dass, was sie brauchten, um sie in einigen Stunden nach Phönix zu bringen. Doch der Wind wechselt ganz unvermittelt in einen Nordwind und treibt sie aufs offene Meer (2,880; 65,II,154). 9 Das ist ein gefürchteter, vom Berg Ida der Insel Kreta herabfallender Ost-Nord-Ost-Wind, der für ein Schiff eine tödliche Gefahr war, zu kentern oder in die große Syrte abgetrieben zu werden (2,z.St.). 10 Wahrscheinlich hatten sie das Rettungsboot bis dahin im Schlepptau, und wollten es jetzt, da es voll Wasser war, ins Schiff holen, um es später zur Rettung zur Verfügung zu haben (65,II,154). 11 Nautischer t.t.: Gurte, die um den Schiffskörper herumgelegt wurden, um ihm bei heftigem Sturm größere Festigkeit zu verleihen (1,288). 12 Das ist, da der Singular, wahrscheinlich der Treibanker, um die Fahrt des Schiffes zu verlangsamen. Der Treibanker bestand aus einer großen Holzplanke, die quer zur Fahrtrichtung liegt und, durch Gewichte an der einen Kante und eine Tonne an der anderen im Wasser aufrechtgehalten, die Fahrtgeschwindigkeit des Schiffes abbremste. Möglich auch: das entbehrliche Takelwerk; oder das Hauptsegel, wofür es allerdings reichlich spät gewesen wäre (54,z.St.; 59,191; 2,882). 13 od.: "...sie hissten das Vorsegel in den wehenden Wind, und...". 14 Griechisch w.: "...eine Stelle zwischen zwei Meeren gelegen", also eine auf beiden Seiten vom Meer umspülte Stelle. Eine sandige Landzunge zwischen dem Ufer und einem aufragenden Felsenriff, die teilweise überspült wurde. Solch eine Stelle befindet sich im Livadi-Golf von Kephallenia (54,z.St.). Es handelt sich wahrscheinlich um den 300 Meter schmalen Korridor zwischen Malta und der Insel Salmonetta, der vor und hinter sich tieferes Wasser hatte (2,z.St.). 15 od. durativer Impf.: "brach allmählich auseinander". 16 Ein schönes Beispiel dafür, wie Vorausbestimmung (Vers 22-23) und menschliche Verantwortung (Vers 31) zusammenkommen müssen. Die Soldaten hätten freilich die Pflicht gehabt, keinen Gefangenen entwischen zu lassen. 17 Καλοι Λιμηνες, w.: Gute-Häfen. Es handelt sich dabei um eine kleine bogenförmige Bucht an der felsigen Küste bei der Stadt Lasäa, die nach Osten hin offen war. Sie galt als der beste Naturhafen Südkretas, ist aber den Stürmen aus östlicher Richtung schutzlos preisgegeben (vgl. 47,z.St.; 54,z.St.). Von dort weg musste das Schiff ins offene Meer Richtung Sizilien fahren und war den starken Nordwestwinden ausgesetzt (65,II,153). 18 Naut. t.t.: 1 Faden entsprach der Länge des ausgestreckten Arms von ca. 1,85 m (33,1249). Sie befanden sich in der Nähe des Koura-Felsens, im Osten Maltas, wo man diese Tiefe messen konnte (2,885; 65,II,156). 19 D.h. sie konnten nur mit großer Mühe an der Insel Kreta (oder dem Kap Salmone?) vorbeisegeln, ohne aufzulaufen oder an den Klippen zu zerschellen. 20 Das war der Ehrentitel (lat.: cohors augusta) einer Kohorte, die vor und nach diesen Ereignissen in Palästina stationiert war. Es waren syrische Hilfstruppen von etwa 500 - 1000 Mann. Der Hauptmann hatte wahrscheinlich seine ganze Truppe von 80 Soldaten mit sich (54,z.St.; 65,II,152). 21 Adramytion war ein Seehafen in der Ägäis, etwa 50 km nördlich von Pergamon (54,z.St.). Die adramytischen Schiffe, die nur die Küste befuhren, fassten meist nur bis zu 500 Tonnen Fracht, die alexandrinischen Kornfrachter hingegen oft über 800 Tonnen. Sie lieferten Korn von Ägypten nach Rom und waren der schnellste Transportweg nach Rom, wenn man im Hafen von Myra zustieg (65,II,152). Myra war ein wichtiger Umschlaghafen der Getreideflotte von Alexandria in Ägypten. Das dazugehörige Küstengebiet hieß Lycien und grenzte westlich an Pamphylien (54,z.St.). 22 Oder: "um zu sehen ob sie vielleicht...". Denn noch bis nach Italien zu gelangen, war um diese Jahreszeit völlig ausgeschlossen. 23 Kauda, das heutige Gaudos, eine kleine Insel, etwa 60 km westlich von Kaloi Limenes und 50 km südlich der Küstenlinie von Kreta, war der einzige Hafen bei Kreta, an dem sie noch hätten ankern können (65,II,154). 24 Die große Syrte, der Golf von Sidra (der heutige Golf von Bengasi), westlich von Kyrene (in Lybien), in dem unberechenbare Strömungen waren, sowie gefürchtete wandernde Sandbänke, an denen abgetriebene Schiffe oft zerschellten (65,II,154). 25 Wahrscheinlich die Rah, der Hauptmast des Schiffes, der so lang war wie das ganze Schiff (44,449; 65,II,155). Vielleicht auch die ganze entbehrliche Ausrüstung (7,z.St.; 2,882). 26 Dies war kein blindes Vertrauen, sondern stützte sich auf Gottes Zusage in Apg 23,11. 27 Die alexandrinischen Kornschiffe beförderten oft einige hundert Personen (65,II,157). Diese exakte Zahlenangabe zeigt wieder die historische Genauigkeit von Lukas, und, dass er seine Informationen von einem Augenzeugen hatte. 28 Knidos war eine Stadt am Ende der weit vorspringenden Südwestspitze Kleinasiens mit zwei guten Häfen. Kap Salmone (das heutige Kap Sideron) war an der Nordostspitze der Insel Kreta (54,z.St.). 29 Dies war vielleicht ein Teil (vgl. Vers 38) des Getreides, das durch die zunehmende Feuchtigkeit im Laderaum aufquellen und den Rumpf bersten lassen könnte (54,z.St.). 30 Im Spätherbst entwickelten sich im östlichen Mittelmeer Tiefdruckwirbel mit großer Gewalt, die eine dichte Wolkenhülle mit sich brachten und alle Landmarken verschleierten. Zusammen mit dem peitschenden Regen und der Verdüsterung des Tageslichts machten sie eine Orientierung unmöglich (54,z.St.). 31 Entgegen der Befürchtung der Seeleute war das Schiff nicht südwärts in die Syrte getrieben, sondern nordwärts Richtung Adria (54,z.St.). 32 Untiefen machen sich bei bewegter See durch eine Krone weißer Brandung und deren Geräusch bemerkbar (54,z.St.). Deshalb vermuteten die Matrosen, dass sie sich einer Küste nähern. Hier könnte es sich um die wild schäumende Brandung des Kaura-Felsens handeln, den jedes aus dem Osten kommende Schiff in einigen Hundert Metern Abstand passieren musste (2,z.St.). 33 Die Anker vom Heck auszuwerfen, war damals wie heute eigentlich unüblich, aber in der speziellen Situation die einzig richtige Notmaßnahme (2,z.St.). Apostelgeschichte 28 1 Wahrscheinlich eine Sandviper. Heute gibt es in Malta nur mehr ungiftige Schlangen. Ob dies durch ein wunderbares Eingreifen Gottes aufgrund dieses Vorfalls so ist, oder ob sie, so wie in Irland, im Laufe der Jahrhunderte ausgerottet wurden, muss offenbleiben. Ein Reisender glaubte zwar noch im Jahr 1853 eine Viper in der Nähe der Paulus-Bucht gesehen zu haben (21,II,539), doch nach anderen gab es schon im Altertum nur ungiftige Schlangen auf Malta. Dies könnte für Kephallenia statt Malta sprechen (54,z.St.). 2 w.: die gerechte Strafe. Hier personifiziert als ΔΙΚΗ, die Göttin der Rache und der Vergeltung (= lat. "Justitia"). 3 Nach Inschriften: Der Prokurator der Insel und der oberste römische Beamte Maltas. Er stand unter der Autorität des Prätors der Provinz Sicilia und residierte in der alten Hauptstadt Civita Vecchia. Der Tradition nach wurde er der erste Älteste der Gemeinde in Malta (2,891; 21,II,540). 4 Das war wahrscheinlich im Frühjahr zwischen dem 8.Februar und dem 10.März des Jahres 60 n.Chr., da am 10.März die offizielle Schifffahrtssaison begann, - bei gutem Wetter (d.h. den milden Westwinden) und wirtschaftlichen Überlegungen auch schon früher (2,892; 65,II,159). Nach anderen war es Mitte Januar. Um diese Zeit, mitten im Winter, pflegt sich im kephallenischen Raum eine Periode schöner freundlicher Tage einzustellen, die man die Eisvogeltage nannte, und die der Kapitän für die Überquerung des Ionisch-sizilischen Meeres nutzte (54,z.St.). 5 Dies waren Gallionsfiguren am Bug und zugleich die Schutzpatrone des Schiffes. Kastor und Pollux, die Söhne des Zeus, waren die Schutzpatrone der Schifffahrt (54,z.St.). Paulus hatte offenbar kein Problem, mit einem solchen Schiff zu fahren (es hätte ihm freilich auch nichts genützt, denn er war ja ein Gefangener), und Lukas hatte keine Bedenken dies extra zu erwähnen. Gläubige halten sich zwar persönlich von allem Götzendienst fern, sie haben aber auch keine abergläubische Angst vor den Götzen. 6 Die Hafenstadt der bedeutendsten römischen Kolonie, gegründet bereits 733 v.Chr. an der Ostküste Siziliens und Hauptstadt der römischen Provinz Sicilia. Der Tradition nach gründete Paulus die dortige Gemeinde (2,893; 21,II,543). 7 Publius bot ihnen drei Tage Gastfreundschaft, die Gläubigen sieben Tage, und dies auch den Gefangenen und den römischen Soldaten, die ja Heiden waren. 8 Seit Kaiser Claudius ließ man die Passagiere bereits in Puteoli aussteigen, während die Fracht nach Ostia, den neuen Frachthafen der Stadt Rom, weitergeführt wurde (2,z.St.). 9 Das Entgegenkommen bzw. Entgegengehen, um jemanden zu begegnen und ihn dann dorthin zu begleiten, von woher man selbst gekommen ist. Cicero wurde bei seiner Rückkehr aus dem Exil vom römischen Senat auch auf diese Weise "heimgeholt" (21,II,545). 10 D.h. dem Paulus wurde erlaubt unter Hausarrest in einer eigenen Mietwohnung zu wohnen, wobei er Tag und Nacht mit seiner rechten Hand mittels einer leichten Handschelle an die linke Hand eines Prätorianer-Soldaten angekettet war (lat.: custodia militaris tradere). Die Soldaten wurden dabei täglich ausgewechselt. Das erklärt vielleicht auch die Bemerkung in Php 1,12f, - falls der Philipperbrief aus diesem Hausarrest geschrieben wurde. 11 Konatives Präs.: "indem versuchend sie zu überzeugen". 12 Entweder wie hebr. infinitus absolutus zur Intensivierung des Verbinhalts: "Ihr werdet immerfort hören..."; od. imperativisch: "Hören sollt ihr, ja hören..." (2,z.St.); od.: "Mit dem Gehör/trotz Anhören werdet/sollt ihr hören, doch keinesfalls...". 13 Das Fut. ist hier ziemlich sicher als Konj.Aor. zu verstehen (2,z.St.). 14 Jes 6,9-10 (LXX) 15 Vers 29 fehlt in den wichtigsten Hs. Einzelne Hs. fügen hier hinzu: "Als er das gesagt hatte, gingen die Juden weg und stritten noch lange miteinander" (27,502). 16 Forum Apii (d.h. Appiusmarkt) war ein Marktflecken an der Via Appia, 64 km südlich von Rom. Tres Tabernae ist eine Tavernen-Station an der Via Appia, der Straße, die von Rom bis nach Capua führt, welches 30 km nördlich von Puteoli liegt (54,z.St.). Da Forum Appii 64 km, Tres Tabernae (d,h, Drei Tavernen) aber nur 49 km von Rom entfernt ist, und manche Reisegruppen auch Boote auf dem danebenfließenden Kanal für die Reise nach Rom benützten, wussten die Brüder vielleicht nicht, wo sie Paulus erwarten sollten (21,II,545). 17 Rhegion (das heutige Reggio di Calabria) war ein Hafen an der südlichen "Stiefelspitze" Italiens, 120 km von Syrakus entfernt. Puteoli war eine Hafenstadt in der Bucht von Neapel, 350 km von Rhegion entfernt, ein Sammelbecken für ägyptische und phönizische Kulte, und seit Augustus der wichtigste Hafen für Schiffe aus Alexandria und Syria. Nach Rom war Puetoli wahrscheinlich die Stadt, wo es schon seit dem Tod von Herodes (4 v.Chr.) eine der ältesten jüdischen Kolonien gab. Es ist daher nicht verwunderlich, dass es dort auch schon eine christliche Gemeinde gab (2,893; 54,z.St.; 21,II,544). 18 Der Aorist macht deutlich, dass er am Ende dieser zwei Jahre freigelassen wurde (21,II,552), und Lukas seinen Bericht an den römischen Beamten Theophilus damit auch beenden kann. Nach römischem Recht durfte man einen Angeklagten nicht länger als zwei Jahre festhalten, wenn seine Ankläger nicht erschienen. Kaiser Nero hatte in der Regel kein besonderes Interesse an rechtlichen Problemen. Im Jahr 62 n.Chr. schenkte er einigen jüdischen Geiseln, die ihm der Prokurator Felix übersandt hatte, die Freiheit. Etwa um diese Zeit wurde auch Paulus freigesprochen. Einige Jahre später jedoch, wurde Paulus unter Nero hingerichtet (65,II,161.417). 19 Das sind die letzten Wunder, die uns von Paulus und überhaupt im NT berichtet werden. Im Laufe der Zeit nahmen die Zeichen und Wunder immer mehr ab. 20 Die Malteser waren phönizischer Abstammung, die einfachen Leute sprachen nicht Griechisch. Es lebten aber auch Römer und ausgediente Soldaten auf der Insel Malta. Als Barbaren wurden ganz allgemein alle bezeichnet, die nicht Griechisch sprachen bzw. einen niedrigen Bildungsstand hatten. Auch alle westgriechischen Volksstämme wurden damals so bezeichnet. Die Wasserstraße östlich von Kephallenia bildete die Grenze zwischen Barbaren und Hellenen (2,890; 54,z.St.). Seit den Perserkriegen hatte die Bezeichnung Barbaren auch den zusätzlichen Sinn: brutale und rohe Menschen, ein Vorurteil, dass sich bei diesen Einwohnern nicht bestätigte. 21 Die hier beschriebenen Symptome ähneln aber auch denen der Malaria. 22 Am wahrscheinlichsten ist damit Malta gemeint (2,z.St.). Doch andere meinen es sei der südliche Rumpf der westgriechischen Insel Kephallenia gemeint, der bis in die Neuzeit hinein den Namen Melite trug (54,z.St.). Zu Römern Römer 1 1 Paulus war nach den Zwölfen und Jakobus (1Kor 15,7), der letzte Apostel, den der auferstandene Herr persönlich berufen hat (1Kor 15,8-9), damit er ein Gesandter Christi im Sinne von 2Kor 5,20 ist. Seither gibt es Apostel nur mehr im weiteren Sinn des Wortes, nämlich Gesandte des Heiligen Geistes (vgl. Apg 13,4: "...απο-στελλω"). 2 D.h. in den heiligen Schriften des AT, z.B. in: Jes 11,1ff; 42,1ff; 49,1-6; 50,4-6; 53,1ff; Jer 31,31ff; Dan 9,26; Joel 3,1ff; Sach 3,8-9; 6,12-13; 9,9 ua. "...in heiligen Schriften", heilige Schriften ohne Artikel bedeutet: heilige Schriften im Gegensatz zu anderen, nichtinspirierten Schriften. 3 Dieser "gute Weg" war dann nach Gottes Willen seine Reise als Gefangener nach Rom. Das hätte er sich selbst wahrscheinlich anders vorgestellt. 4 Gen.subj.: d.h. die Gerechtigkeit, die von Gott kommt, durch ihn bewirkt wird und vor ihm gilt, das bedeutet: (1.) Gottes eigene Gerechtigkeit (und nicht des Menschen eigene Gerechtigkeit), die er jedem schenkt, der auf das stellvertretende Sühneopfer Jesu vertraut; Ps 98,2; Röm 10,3; Php 3,9 (2.) Er bleibt gerecht, wenn er dem Sünder vergibt, weil Jesus Christus für ihn gesühnt hat; Röm 3,25-26 (3.) Der vollkommene gerechte Zustand der Gläubigen schon hier und jetzt; 2Kor 5,21. - Diese Gerechtigkeit Gottes wird nun durch das Evangelium verkündigt und so allen offenbart. 5 Hab 2,4 (MT). 6 Wie in Vers 17a ein Präsens und nicht ein Futur. Manche meinen, es handle sich hier so wie in 1Kor 3,13 um ein futuristisches Präsens, und demnach um den Zorn Gottes, der in der Zukunft über die Menschheit ausgegossen wird. Doch die bewusste Gegenüberstellung zu Vers 17a spricht dagegen. Im Evangelium wird denen die glauben Gottes Gerechtigkeit geoffenbart, denen aber die nicht glauben wird schon hier und jetzt Gottes Zorn geoffenbart, und zwar in der Weise, wie es in den Versen 19.21.24.26 und Vers 28 beschrieben wird ("deshalb..."). 7 Für Paulus stellt sich die Entstehung von Homosexualität bei Männern offenbar folgendermaßen dar: (1.) Männer verlassen den natürlichen (d.h. vaginalen?) Geschlechtsverkehr mit der Frau (z.B. durch den auch damals schon praktizierten Oral- und Analverkehr?). (2.) Damit finden sie Gefallen an Sexualpraktiken, die ihre Frauen vielleicht ablehnen, die sie aber auch mit Männern praktizieren können, und werden deshalb homosexuell. (3.) Sie bekommen dadurch Geschlechtskrankheiten, die hauptsächlich durch homosexuellen Geschlechtsverkehr mit Männern entstehen (heute: psychische Krankheiten, HIV, Chlamydien, Gonorrhöe, Syphilis, Hepatitis, Kehlkopfkrebs, usw.). - "...entbrannten sie", ist ein ingressiver Aorist Passiv, d.h. sie wurden zu Männern sexuell hingezogen. 8 κακια (Übelhaftigkeit) ist die Neigung selbst, πονηρια (Bosheit) die Ausübung dieser Neigung. 9 Ohne die natürliche und familiäre Liebe, Zuneigung und Herzlichkeit, wie sie unter Verwandten normal ist; allg.: lieblos. Vgl. 2Tim 3,3 10 Die Reihenfolge Christus Jesus ist amtlich, d.h. der Messias Jesus von Nazareth. Die Reihenfolge Jesus Christus hingegen, ist fast wie ein Eigenname zu verstehen, d.h. der Mensch Jesus Christus. 11 Sohn Gottes ist hier ein messianischer Titel, den der auferstandene Herr von Gott bekommt (vgl. Ps 2,7; Mt 26,63; Joh 1,34; Apg 13,33), er ist der Messias, der verheißene Sohn Davids. Der präexistente Christus hingegen war, als das ewige Wort Gottes schon vor seiner Menschwerdung der ewige Sohn Gottes (Micha 5,1; Mt 16,16), - was auch Paulus bezeugt (Eph 4,13; Gal 4,4), - denn wenn Gott ein ewiger Vater ist (Jes 9,5), hat er auch einen ewigen Sohn. 12 Wahrscheinlich durch anderweitige Missionsarbeit (21,II,588). 13 Entweder meint er Bekehrte, wofür der größere Kontext von Vers 9 und die Verse 14-17 sprechen würden. Da aber der Ausdruck "Frucht bringen" im übrigen NT nicht in Bezug auf Bekehrungen gebraucht wird (außer in Kol 1,6, aber dort ist es das Evangelium, das von sich selbst aus Frucht bringt), meint er vielleicht eher geistliches Wachstum bei ihnen durch seine Lehrtätigkeit, wofür der unmittelbare Kontext Vers 11a sprechen würde. 14 So in der buddhistischen, griechischen und römischen Religion. 15 So in der ägyptischen, der assyrischen, der babylonischen und in den heidnischen Religionen. 16 Gott "übergibt" die Menschen, dem Bösen in ihrem Herzen nachzugehen, d.h. er hält sie nicht mehr zurück. Schritt für Schritt übergibt er sie ihrem Schicksal (Vers 24.26.28), weil sie bewusst das Wahre mit dem Falschen "vertauschen" (Vers 23.25.26). Dieser Prozess des religiösen und moralischen Niedergangs ist in der Geschichte nicht nur bei Einzelpersonen zu beobachten, sondern auch bei ganzen Völkern und Weltreichen, die schließlich allesamt untergegangen sind (z.B. die Inkas, Mayas, Assyrien, Ägypten, Babylonien, Medo-Persien, Griechenland, Rom, u.a.). - In den Versen 26-27 ist die Homosexualität gemeint. Man kann nicht behaupten, Paulus wäre deswegen gegen die Homosexualität gewesen, weil sie damals verpönt war, ganz im Gegenteil, sie war bei den Griechen sehr verbreitet und bei den Nichtjuden allgemein akzeptiert. Fast alle griechischen Männer waren bisexuell. Nur von den römischen Moralphilosophen wurde sie verabscheut und als "wider die Natur" bezeichnet (65,II,175). Die Ablehnung von Paulus gründet sich wahrscheinlich auf das AT (Lev 18,22; 20,13; Rich 19,22-23). - Paulus geht davon aus, dass Homosexualität entsteht, weil man etwas "vertauscht", und nicht, weil es angeboren ist. Bei den Frauen die lesbisch wurden, meint Paulus vielleicht solche, die von ihren Männern sexuell vernachlässigt wurden, weil diese eine jüngere Geliebte hatten. Auch heute sind manche Frauen die lesbisch wurden, vorher von Männern enttäuscht worden. 17 Er schreibt nicht wie sonst "an die Gemeinde in Rom", sondern an alle Gläubigen in Rom, die sich in den einzelnen Hausgemeinden versammelten (vgl. Röm 16,5ff.14-15; 1Kor 16,19). Dennoch war es nur eine Gemeinde in Rom mit einer Ältestenschaft (Apg 15,4.6.22). Rom war zu dieser Zeit eine Stadt mit mehr als 1 Million Einwohnern und mit seinen Vororten flächenmäßig etwa so groß wie das heutige Berlin. Die vielen Christen konnten sich unmöglich an einem Platz gleichzeitig versammeln, sondern waren - so wie auch in Jerusalem - auf einzelne Hausgemeinden aufgeteilt. - Der Titel "Heiliger" wird im NT nie auf einen einzelnen Menschen angewendet, sondern immer gemeinschaftlich auf alle Gläubigen (21,II,587). 18 Das Evangelium ist nicht bloß eine Wahrheit, oder eine großartige Weltanschauung, sondern eine lebensverändernde göttliche Macht, die die Gläubigen fortwährend und auf immer verändert, - das ist die Heiligung durch den Heiligen Geist. 19 Es handelt sich um das geheiligte Leben Jesu, das der Heilige Geist während seines irdischen Lebens in ihm ausübte (26,II,86). 20 Ein epexegetischer Genitiv, und viell. auch ein Gen.auctoris, d.h. einen Glaube zu bewirken der zum Gehorsam führt und sich im Gehorsam zeigt (vgl. 2,900). Das Evangelium muss nicht nur mit Verstand und Herz geglaubt werden, es folgt daraus aufgrund der Wiedergeburt auch der Gehorsam (vgl. Mt 7,24ff; Jak 2,26 uva.). Der Römerbrief beginnt mit Glaubensgehorsam und endet mit Glaubensgehorsam (Röm 16,26). Ein Glaube, der nicht zum Gehorsam führt, ist ein toter Glaube (Jak 2,20.26). Und ein Gehorsam, der nicht aus Glauben geschieht, ist Werksgerechtigkeit (Röm 9,32; Joh 6,29). 21 Es geht hier aber nicht darum, dass sie fleißig evangelisiert hätten, was auch lobenswert wäre (wie in 1Thes 1,8), sondern um das praktische Lebenszeugnis ihres Glaubens (Röm 16,19), welches über die Grenzen Roms hinaus bekannt wurde. Dies beeindruckt die Unbekehrten oft viel mehr als viele fromme Worte. 22 od.: "die die Wahrheit Unterdrückenden (od.: Niederhaltenden)." Die Heiden haben diese Erkenntnis der Wahrheit erstens in ihrem Gewissen (Kap. 2,15-16), zweitens können sie diese in der Schöpfung sehen (Vers 19ff). Durch die Liebe zum Bösen haben sie die Wahrheit aber bewusst zurückgehalten, ja sogar unterdrückt, und sind deshalb in ihrer Finsternis geblieben (26,I,109). Obwohl sie weniger Licht haben als die, welche das Evangelium hören, ist ihr Verdammungsurteil deswegen dennoch gerecht. 23 Pl.Neut.: Das sind seine Wesenszüge, die man mit den körperlichen Sinnen (Sehen, Hören, usw.) nicht erfassen kann (21,II,592). 24 Nämlich in der Schöpfung (vgl. Ps 19,1-5). Doch in der gefallenen Schöpfung kann man nicht alle Wesenszüge Gottes erkennen, - z.B. weder seine Liebe noch seine Barmherzigkeit, - denn die gefallene Natur ist grausam. Nur in Jesus, der das vollkommene Bild Gottes ist, wird Gottes Wesen völlig erkennbar (Joh 14,6-10; Kol 1,15 ua.). 25 "...aus Glauben zu Glauben", und nicht: "...aus Glauben zu Werken" (vgl. Gal 3,3). 26 od. instrumental: "durch..."; eventuell temporal: "seit..." - Auferstehung ohne Artikel ist entweder unbestimmt: "...(einer) Auferstehung"; oder vielleicht doch bestimmt: "...(der) Auferstehung" (2,900; 26,86). 27 Die Größe Gottes die in der Schöpfung von jedem Menschen gesehen wird, ist eine Verpflichtung für jeden Menschen, diesen unsichtbaren Gott wie ein Blinder tastend zu suchen, und ihn zu verherrlichen, und nicht die Schöpfung. Wer dies tut, von dem lässt sich Gott aus Gnade finden, was aber kein Verdienst dieses Menschen ist (vgl. Apg 14,17; 17,27-28; Röm 2,7; 1Kor 1,21). Vgl. auch die Anm. zu Röm 2,7 28 Wahrscheinlich: wir Apostel; oder ein schriftstellerischer Plural (13,4; 2,900). 29 Ein Sklave ist ein Mensch, der rechtlich und wirtschaftlich Eigentum eines anderen Menschen ist. Christen verstanden sich als Sklaven von Jesus Christus, weil dieser sie aus der Sklaverei der Sünde "freigekauft" hatte, und betrachteten diesen Titel als Auszeichnung (54.z.St.). Jeder Mensch wird als Sklave der Sünde geboren (Joh 8,34; 2Pet 2,19 ua.). Durch die Bekehrung wurde man von Christus losgekauft aus dieser Sklaverei und ist damit sein Sklave geworden, weil er für uns mit seinem Tod das Lösegeld bezahlt hat (Röm 6,16-18). Es ist eine Ehre ein Sklave Jesu Christi zu sein. In der antiken Welt hatte der Sklave einer hochgestellten Persönlichkeit, sogar einen höheren Status, größere Vollmacht und mehr Freiheiten als ein freier Bürger. Sklaven des Kaisers waren seine Beamten und rangierten sogar unter den Vornehmsten im ganzen Reich (65,II,170). 30 Dass seine Allmacht immerwährend ist, kann man in der Schöpfung z.B. im konstanten Lauf der Sterne sehen, in den immer wiederkehrenden Abfolgen von Sonne und Regen, von Saat und Ernte, usw. Jeder der in der Natur lebt und sie beobachtet, kann dies erkennen. 31 Gemeint ist hier die Erkenntnis, dass dieser unsichtbare Schöpfer nicht menschlich, sondern göttlich sein muss, also genau das Gegenteil von dem, was die Heiden daraus gemacht haben (z.B. die griechischen Götter mit ihren menschlichen Zügen). 32 Es ist die Erkenntnis in Röm 1,19.21 gemeint, das, was jeder aus der Schöpfung erkennen kann. Wer dieses Licht zurückweist, geht in die Finsternis (Joh 3,19-21). 33 Damit widerspricht Paulus der herkömmlichen religionsgeschichtlichen Sicht, dass sich aus einem ursprünglichen Mehrgott-Glauben bei den Israeliten im Laufe der Jahrhunderte eine monotheistische Verehrung des Gottes Jahwe herauskristallisierte (Gen 4,26b). Die Wahrheit der Bibel ist jedoch, dass sich aus der ursprünglichen Verehrung des einen Gottes, durch religiöse und moralische Degeneration die Verehrung vieler verschiedener Götter, die Bibel nennt sie verächtlich Götzen (w.: Nichtse), entwickelte. 34 Eine Ableitung von μωρια (Strong Nr. 3472), was ein noch verächtlicherer Ausdruck als ρακα (Strong Nr. 4469) ist. Es beschreibt ein Denken, Reden und Handeln, welches unsachgemäß und unsinnig ist. In der Gräz. auch für den Zustand der Geistesverwirrung durch Einwirkung einer anderen Macht (11,II,1373). Vulgär fast: (gottloser) Narr, Idiot oder Trottel. 35 Sein ursprünglicher hebräischer Name war Saul (= erbeten, d.h. von Gott), aber kurz nach der 1.Missionsreise (Apg 13,9) nimmt er den römischen Namen Paulos (= lateinisch: der Kleine, Geringe oder Winzige) an, entweder, weil er endgültig von seiner jüdischen Vergangenheit Abschied genommen hat, eher aber, weil er nun aus evangelistisch-strategischen Gründen sein römisches Bürgerrecht nützen will, wobei zusätzlich durch diese Namenswahl aber auch seine demütige Haltung zum Ausdruck kommt. 36 od.: Ich schäme mich nicht das Evangelium (zu verkünden). 37 Dieses Sündenregister enthält interessante Parallelen, aber auch Unterschiede zum Sündenregister in 2Tim 3,1-5. So finden sich in beiden Aufzählungen: Prahler, den Eltern Ungehorsame, Verleumder, ohne natürliche Liebe. Hier sind allerdings auch schwerere Sünden (vgl. Vers 32 "...des Todes würdig") aufgezählt, z.B. Mord, Habsucht, Gottverhasste, Gewalttäter, Unbarmherzige, Frevler. Der Grund ist, dass hier die von Gott abgefallene Menschheit beschrieben wird, in 2Tim 3,1-5 aber, die abgefallene Christenheit in den letzten Tagen vor dem Kommen des Herrn. - Zu anderen Sündenregistern vgl. noch Mk 7,21-22; 1Kor 5,11; 1Kor 6,9f. und 1Tim 1,9-10. 38 Es mag überraschen, dass Ungehorsam gegenüber den Eltern in einer Liste zusammen mit Mord, Verleumdung, Niedertracht, udgl. steht, und noch dazu am Ende alle diese Verfehlungen als todeswürdig (Vers 32) bezeichnet werden. Doch schon im AT finden wir bei Rebellion gegenüber den Eltern die gleiche Strenge (Dtn 21,18-21). 39 Damit bestätigt Paulus das Recht der Obrigkeit, die Todesstrafe anzuwenden. Es kann sich hier nicht um eine allgemeine Aussage handeln, dass der Lohn der Sünde der Tod sei, den dieser Tod gebührt auf alle Sünden, nicht nur auf die in dieser Liste aufgezählten. Vgl. auch die Anm. zu Röm 13,4 Römer 2 1 Spr 24,12; Ps 62,13 2 Jes 52,5 (LXX); siehe auch: Hes 36,20-23 3 Bezieht sich entweder begründend auf Röm 1,18, oder auf Röm 1,32, oder vorausschauend auf das Folgende. 4 Den andersartigen, weil damit die Heiden von Röm 1,26ff gemeint sind? 5 D.h. die moralischen Forderungen des Gesetzes. 6 Nachdem im 1.Kapitel die gottlosen Heiden beschrieben wurden, wendet sich Paulus nun an die selbstgerechten Juden (vgl. V.17), und ganz allgemein an alle selbstgerechten religiösen Menschen. 7 Jeder Mensch erhält durch die Schöpfung, durch sein Gewissen und durch die Geschichte genügend Licht (Joh 1,9; Röm 1,20-21; 2,15-16), um den unsichtbaren Gott, "mit einem redlichen und guten Herzen" (Lk 8,15), tastend wie ein Blinder, zu suchen (z.B. Apg 8,26-40; 14,17; 17,27-28; Röm 2,7; 1Kor 1,21). Es ist dies ein ewiges Evangelium (Offb 14,6-7). Darum ist kein Mensch ohne Entschuldigung. Es ist aber nicht so, dass jemand Gott findet, weil er ihn so eifrig sucht (Röm 3,11), sondern Gott lässt sich in Gnade von Suchenden finden (Am 5,4b), ja er lässt sich sogar von solchen finden, die nicht nach ihm suchten (Jes 65,1; Röm 10,20). In allen Kulturen und zu allen Zeiten gab und gibt es solche Menschen, die das Evangelium nie gehört haben, aber in ihrem Gutes tun Unverweslichkeit (d.h. ewiges Leben) suchen (Zeph 2,3), sich das ewige Leben aber nicht selbstgerecht erarbeiten wollen, weil sie sich ihrer Sündhaftigkeit, aufgrund ihres Gewissens, durchaus bewusst sind (Röm 2,15), - angefangen von Abel, Set, Henoch, Abraham, später der Kämmerer aus Äthiopien, Kornelius, ua. (vgl. Röm 3,25-26; Apg 8,26ff; 10,1-4.34-35; Joh 3,21; Mt 25,34ff). - Vgl. die gleichen Ausdrücke "Herrlichkeit" und "Unverweslichkeit" in Röm 1,20.23. Nach den Aussagen des NT wird derjenige verdammt, der nicht glaubt, aber nicht derjenige, der gar nicht die Gelegenheit bekommt, um an das Evangelium zu glauben oder nicht zu glauben (Joh 3,18.36). - Viele beziehen diesen Vers aber auf die, die schon gläubig sind (z.B. 48,609), doch diese suchen nicht ewiges Leben, da sie ja wissen, dass sie es bereits haben (1Joh 5,13). Außerdem spricht Paulus im ganzen Kapitel von Ungläubigen und der plötzliche Wechsel auf Gläubige würde hier eine Art von Werksgerechtigkeit suggerieren. 8 Nicht in guten Werken (Plural), sondern im nicht berechnenden Gutes-tun (kollektiver Singular) an sich. Wie sie dieses ewige Leben erhalten, wird erst später dargelegt (3,20ff), nämlich durch Buße über ihre Sünden und Glauben an das, was Gott ihnen an Licht geoffenbart hat (26,I,130), und, wegen "des Hingehen-Lassens der vorher geschehen Sünden unter der Nachsicht Gottes" (Röm 3,25b). Denn gerechtfertigt werden kann nur derjenige, dem Gott das stellvertretende Sühneopfer Christi anrechnet. Das gilt auch für die Gerechtfertigten vor Jesus (z.B. Abel, Abraham, usw.). 9 Wann? → Fortsetzung in Vers 16. Vers 13-15 ist ein begründender Einschub (26,I,138). 10 Allg.: ein Sakrileg verüben, sich am Tempel vergehen, Heiliges verunehren, sich gegenüber dem Tempel ehrfurchtslos verhalten; spez.: den Tempelschatz plündern, vielleicht indem man Gott das vorenthält, was ihm eigentlich gebührt, oder wenn man fehlerhafte Opfer darbringt (vgl. Mal 1,8). Oder handelt es sich vielleicht gar um die Beraubung der heidnischen Heiligtümer? Götterbilder und Kultstätten der Heiden galten den Juden nicht als heilig. Diese Auffassung führte, wie es scheint, gelegentlich zu Übergriffen, eben zu Tempelraub, damals in den Augen der Heiden eines der schlimmsten Verbrechen überhaupt. Vgl. auch Apg 19,37 (47,z.St.; 26,I,142; 65,II,178). 11 Zum Gegensatz von "Geist" und "Buchstaben" vgl. auch Röm 7,6 und 2Kor 3,6 12 Wahrscheinlich ein vom zukünftigen Gerichtstag zurückblickender historischer Aorist (21,II,597). 13 Ein Gedanke, der schon im AT vertreten wird. Vgl. Dtn 10,16; 30,6; Jer 4,4. 14 Paulus bedient sich des diatribischen Stils, wie er bei den Philosophen sehr beliebt war. Er führt einen imaginären Gegner ein, um dessen etwaige Argumente zu widerlegen (65,II,176). 15 Das ist der Grund, warum Gott die Gottlosen so lange gewähren lässt (vgl. Ps 73,3ff). Natürlich will er auch, dass alle zur Buße kommen (Vers 4), doch wenn der Gottlose nicht Buße tun will, sammelt er Zorn an, damit Gottes gerechtes Gericht für ihn umso heftiger ausfällt. Hier geht es nicht um "die Gefäße des Zorns" von Röm 9,22, wo die ungläubigen Juden gemeint sind. 16 Paulus scheint hier seiner übrigen Rechtfertigungs-Lehre zu widersprechen (vgl. Röm 3,20; Gal 3,11-14; ua.). Aber er will an dieser Stelle seiner Argumentationskette folgendes sagen: keiner ist dadurch gerecht, dass er das Gesetz bloß hört oder kennt. Nur wer sich auch daran hält wäre gerecht. Später wird Paulus klarstellen (Röm 3,10ff.), dass sich niemand immer an das Gesetz hält und daher das Gesetz nicht dazu taugt, einen Menschen vor Gott gerecht zu machen. Dafür hat Gott es auch nicht gegeben (1Tim 1,8-11). 17 Die Juden teilten die Menschheit in Beschnittene und Unbeschnittene ein. Die beschnittenen Juden waren Gerettete, die unbeschnittenen Heiden Verdammte. Für die Juden war es selbstverständlich, dass jeder Jude ins Reich Gottes kommt, und dass jeder Heide der nicht Jude wird, verloren ist (26,I,129). 18 Wahrscheinlich sind die Betrügereien beim Geschäftemachen und der Wucherzins gegenüber den Heiden gemeint. 19 Den drei berühmtesten Rabbis Akiba, Mehir und Eleazer wird im Talmud Ehebruch nachgewiesen (26,I,142). 20 Ein Wortspiel, denn der hebräische Name Juda bedeutet "Lobpreis" (nämlich für Gott). 21 Bei religiösen Menschen vielleicht im Sinne der Bergpredigt (Mt 5,21 - 6,18) gemeint. 22 Das Gewissen ist, entgegen der Ansicht vieler, kein unfehlbarer Maßstab für Richtig und Falsch. Es zeigt nur an, ob meine Handlungen mit meinen Überzeugungen übereinstimmen, - doch meine Überzeugungen können falsch sein. Das Gewissen kann schwach (1Kor 8,7), oder falsch geeicht sein. Daher muss das Gewissen immer wieder an Gottes Wort geeicht werden. Dennoch ist es gefährlich, sein Gewissen einfach zu übergehen, weil es dann verhärtet (1Tim 4,2). Römer 3 1 Ps 116,11; 51,6 (LXX). Hinter diesem Gedanken steht die Vorstellung vom Rechtsstreit Gottes mit den Menschen, bei dem sich sein Recht erweisen und durchsetzen wird; z. B. Jes 1,18-20 (47,z.St.). 2 Pred 7,20 3 Ps 14,1-3 4 D.h. unter der Herrschaft der Sünde zu sein (2,909; 26,I,155). 5 Ps 5,10 (LXX); Ps 140,4 (LXX). 6 Ps 10,7 7 Spr 1,16 8 Vgl. 1Tim 1,8.9; Joh 16,8. - Obwohl das Wort Sünde hier im Singular steht, dürfte es dennoch die allgemeine Bedeutung Verfehlung haben, und noch nicht die spezielle Bedeutung von der Sünde als Macht, ein Thema, welches erst ab Röm 5,12ff (vgl. besonders Röm 7,17) eingeführt wird (26,I,160). 9 Jes 59,7-8 10 Ps 36,2 (LXX) 11 Gen.subj.: die Gerechtigkeit, die Gott schafft und nicht die eigene; vgl. Anm. bei Röm 1,17 12 Vgl. Ex 25,16; Lev 16,2.14; Heb 4,16. Auf den Sühnedeckel wurde das Blut des Opfers gesprengt, um Sühnung für das Volk zu erwirken. Manche übersetzen daher: "...als Sühnedeckel", was aber sehr unwahrscheinlich ist, denn dann müsste der Artikel vor dem Wort stehen (26,I,168); daher vielleicht das Sündopfer selbst: "...als Sühneopfer"; od. eben allg.: "...als Sühnemittel" (2,z.St.). 13 Das Außerachtlassen von Sünden, d.h. das nachsichtige Übergehen der Übertretungen unter dem alten Bund (Ex 12,13). Es ist der vorläufige Aufschub der gerechten Strafe für die Sünden der Ungläubigen in der Zeit des Alten Bundes (vgl. Apg 17,30.31), nicht aber der Gläubigen des Neuen Bundes, denn diese sind nun vollständig gesühnt und erlassen (vgl. Strong Nr.: 859). 14 Es sind zwei Bedeutungen möglich: (1.) in der Bedeutung eines intransitiven Aktivs: einen Vorteil, Vorrang oder Vorzug vor jemandem haben. Dann zu übersetzen mit: "Haben wir Juden (nämlich gegenüber den Heiden) einen Vorteil (dem gerechten Zorn Gottes zu entfliehen)?" (2.) als Med.: sich etwas zum Schutz vorhalten, d.h. Ausflüchte machen, etwas vorschützen. Dann wäre zu übersetzen mit: "Mache ich etwa Ausflüchte"? (nämlich gegenüber dem gedachten Gegner in Vers 7 + 8, und dem ganzen Argument von Vers 1-8) (1,1413; 21,II,605); od. viell.: "Können wir uns in Sicherheit wiegen?" (26,I,154). 15 Der Gedankengang wird dann in V.24 weitergeführt. 16 Gesetz und Glaube stehen zueinander in Gegensatz, wenn das Gesetz als Weg zum Heil angesehen wird. Zum Heil kann nach der Offenbarung Gottes in Jesus Christus nur der Glaube führen. Das Gesetz wird gleichwohl aufgerichtet, das heißt seine Forderung wird erfüllt durch den "Glauben, der in der Liebe wirksam ist"; vgl. Gal 5,6; Röm 13,8-10 (vgl. 47,z.St.). 17 Jesus Christus = fast wie ein Eigenname, d.h. der Mensch Jesus Christus. Dagegen: Christus Jesus = der Messias Jesus von Nazareth. 18 Eine kleine, aber sehr giftige Schlange deren Biss tödlich ist, es sei denn, das Fleisch um die Bisswunde wird sofort ausgeschnitten. Möglich ist aber auch die ganz allgemeine Bedeutung: eine Giftschlange jeglicher Art. 19 od.: "...als Sühnemittel, ..., durch sein Blut" (26,I,170). 20 Die logische Argumentation im folgenden Abschnitt ist folgende: (1.) Wenn der Jude genauso gerichtet wird, wie der Heide, welchen Vorzug hat das jüdische Volk dann? Antwort: Den Besitz der göttlichen Offenbarungen, - Vers 1-2. (2.) Wenn diese aber ihren Zweck nicht erreicht haben, nämlich an den Messias zu glauben, ist dann nicht Gottes Treue gegenüber dem Volk Israel aufgehoben? Antwort: Keineswegs, sie wird dadurch sogar noch verherrlicht, denn Gott hat seine Treue dem Volk nicht entzogen, weil einige untreu waren. Damit wird gezeigt, dass Gott wahrhaftig und treu ist, der Mensch aber ein Lügner, - Vers 3-4. (3.) Wenn Gott aber die Sünde Israels (d.h. ihren Unglauben) zu seiner Verherrlichung benützt, wie kann er dann die Sünder verurteilen? Antwort: Wenn Gott aus der Sünde des Menschen Gutes zieht, hindert ihn das nicht, den Sünder dennoch im Endgericht für das Böse zu bestrafen, - Vers 5-8. (siehe: 26,I,145). 21 D.h. die im Geltungsbereich des Gesetzes leben (2,z.St.), das sind die Juden. 22 Gesetzeswerke sind für Paulus nicht bloß gute Werke, sondern die Einhaltung der mosaischen Gesetze, um damit vor Gott gerecht zu werden. 23 od.: "Vielmehr soll Gott als wahrhaftig erwiesen werden, jeder Mensch aber als Lügner". 24 Dieser Ausdruck wurde auch vor Gericht gebraucht, wenn jemand nichts mehr zu seiner Verteidigung vorbringen konnte (65,II,181). 25 Dies ist vollständige und endgültige Erlösung, die nicht wieder in irgendeine Gefangenschaft oder Abhängigkeit führt. Eine Befreiung aus der Sklaverei der Sünde durch die Anbietung und Bezahlung eines Lösegeldes. Dieses Lösegeld ist der freiwillige Opfertod Christi am Kreuz. Die Grundlage für Versöhnung Erlösung und Sündenvergebung ist Sühne. Versöhnung und Erlösung können erst aufgrund eines stellvertretenden Sühneopfers angeboten werden. Die Schuld des Sünders musste gesühnt sein bevor Erlösung angeboten werden kann. Nur wer die Erlösung durch Christi stellvertretenden Opfertod für sich persönlich annimmt, bekommt Sündenvergebung. Vgl. auch die Anm. bei 1Joh 2,2; Röm 3,25 und 2Kor 2,19-21 Römer 4 1 In Gen 15,6 (LXX) wurde Abraham allein aus Glaube, vor Gott gerechtfertigt, und zwar bevor er irgendein Werk tat (Gal 3,6). Jakobus hingegen streicht bei seinem Zitat aus Gen 15,6 heraus, dass sich dieser Glaube in dem Glaubenswerk der Opferung Isaaks vollendete, und damit als echt erwies (Jak 2,23). Paulus und Jakobus stehen nicht im Widerspruch zueinander, sondern ergänzen sich in ihrer Auslegung von Gen 15,6. 2 Ps 32,1 (LXX) 3 Ps 32,2 (LXX) 4 Gen 17,5 (LXX). Das Perfekt bedeutet, dass der Glaube Abrahams schon vorwegnimmt, was Gott erst in Zukunft tun wird (26,I,200). 5 Gen 15,5 (LXX) 6 Gen 15,6 (LXX) 7 Vgl. die Verheißung in Gen 18,18 die dem Abraham noch vor der Beschneidung gegeben wurde. - Das hebräische Wort in Gen 12,7 bedeutet sowohl "Land" als auch "Erde bzw. Welt" (59,198). 8 D.h. aufgrund von menschlichem Zutun durch Werke. 9 Antwort: als Unbeschnittener und damit den Heiden(Christen) ähnlich. Er wurde erst 17 Jahre später beschnitten! 10 Denn die Verheißung einer weltweiten Nachkommenschaft, wurde dem Abraham schon Jahrhunderte vor dem Gesetz am Sinai gegeben (Gen 15,1ff). 11 Sein schwach werdender Glaube in Gen 16,1-4 und Gen 17,17-19 wird stillschweigend und gnädig übergangen. Römer 5 1 Die zukünftige Errettung ist gemeint; vgl. 1Pet 1,9. 2 Mit Artikel bedeutet οι πολλοι: die Vielen. Es bedeutet aber nie: alle, denn das wäre παντες. Es wird immer eine Mehrheit im Gegensatz zu wenigen, zumindest aber zu einem einzelnen, gesehen. Vgl. auch: Jes 53,11-12; Mt 24,12; Mk 9,26; Röm 12,5; 1Kor 10,17.33; 2Kor 2,17. Hier sind mit den Vielen, zuerst alle Nachkommen Adams gemeint und dann zweitens alle die durch die Wiedergeburt zu Nachkommen Christi wurden (vgl. Jes 53,11). 3 Diese Versöhnung ist ganz und gar von Gott ausgegangen, sie muss allerdings vom Sünder beansprucht werden, um für ihn wirksam zu werden (2Kor 5,20). 4 Das Futurum bezeichnet hier die logische Folge: durch den Glauben an Christus werden wir schon jetzt als Gerechte vor Gott gesehen (21,II,630), wenngleich diese Gerechtigkeit erst in unserer zukünftigen Vollendung und Verherrlichung vollends ihr Ziel erreicht haben wird. 5 Gen.obj.: d.h. die Herrlichkeit, die dem Gläubigen als Sünder fehlte (Röm 3,23), die ihm Gott aber jetzt verspricht und auch geben wird (Röm 8,17-21.30). 6 od.: "Denn Christus ist, als wir noch schwach waren, noch zum rechten Zeitpunkt..."; od.: "...für damals noch Ehrfurchtslose gestorben." (vgl. 7,z.St.; 2,915; 27,512). 7 Mit Röm 5,12 beginnt der 2.Teil (Röm 5,12 - 8,39) des lehrmäßigen Abschnitts im Römerbrief, das Thema der Befreiung von der Macht der Sünde. Das Wort Sünde im Singular kommt ab hier 39x vor. Es geht in diesem Abschnitt um die Befreiung von der Macht der Sünde durch Christi Tod, indem wir auf geistliche Weise mit ihm mitgestorben, mitbegraben und mitauferstanden sind. - Der Hauptsatz wird dann in Vers 18 wieder aufgenommen: "Deswegen, ... wie es folglich durch einen Fehltritt..." (26,I,228). 8 Ein kaufmännischer t.t.: "...in Rechnung gestellt." 9 Dieser eine war Adam. 10 D.h. durch die Teilhaftigkeit an seinem Auferstehungsleben (2,z.St.), das durch die Wiedergeburt in uns wohnt und nun in uns die Heiligung bewirkt, ohne die niemand den Herrn schauen wird (Heb 12,14). 11 entw. kausativ.: "...auf Grund dessen, dass sie alle (schon in Adam? / und auch selbst?) sündigten"; od. konsekutiv im Sinne einer Folge: "...woraufhin alle (auch selbst?) sündigten". Zu den verschiedenen Auslegungen vgl. F. Godet (26,I,232ff). Wahrscheinlich will Paulus sagen, dass im Sündenfall Adams alle seine Nachkommen miteingeschlossen waren, obwohl sie nicht in der gleichen Weise wie Adam sündigten. Dies ist nicht ungerecht, denn erstens haben sie alle auch selbst gesündigt, und zweitens können sie alle durch die Aneignung des Sühnetodes Jesu, seine Gerechtigkeit erben und so in die Stellung von Gerechten gesetzt werden (Röm 5,18-19). Wenn z.B. Eltern in ein tristes Land auswandern, werden ihre Kinder automatisch in diesem tristen Land geboren. Doch sie können sich dann entscheiden, aus diesem Land wieder auszuwandern, um ihr Schicksal zu ändern (vgl. die Erklärung in 48,628ff). 12 Das Bewusstsein der ständigen Liebe, die Gott zu uns (Gen.subj.) hat, und die seit unserer Bekehrung in uns wohnt. Sie bestärkt uns darin, dass unsere Hoffnung auf die Herrlichkeit nicht vergeblich sein wird (Vers 9b). Die richtige Übersetzung ist: "... ausgegossen in unseren Herzen" (εν mit Dativ der Ruhe), und nicht: "... ausgegossen in unsere Herzen" (das wäre εις mit Akkusativ der Bewegung). Daher ist die Übersetzung "in unsere Herzen" nicht korrekt (falsch in: 7,z.St. und 9,z.St.; und richtig in: 8,z.St.; 26,I,212; 13,33). 13 Wahrscheinlich ist gemeint, Feinde seitens Gottes, d.h., dass Gott unser Feind wurde, weil wir durch unsere Sünden seinen heiligen Zorn entfacht haben. Dementsprechend ist es auch er, der uns von sich aus versöhnt hat (26,I,218ff). 14 Wir dürfen uns rühmen bzw. triumphieren: (1.) in der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes (2.) in den Bedrängnissen, die wir bis dahin erdulden, und (3.) schließlich sogar in Gott, der alles bewirkt hat (26,I,221). Römer 6 1 Perfekt = jetziger Zustand. Futurum = zukünftiger Zustand im Auferstehungs-Leib in dem wir nicht mehr sündigen können (vgl. 1Kor 15,49). Dazwischen leben wir jetzt im Kampf gegen die Sünde. Wir müssen nicht mehr sündigen (1Joh 3,6a.9), aber wir können noch sündigen (1Joh 1,9; 2,1). 2 Ohne Art., daher vielleicht geistlicher oder ewiger Tod? Oder beides? - Auch Sklaven bekamen einen Sold (65,II,191). 3 Der Gedankengang ist wahrscheinlich dieser: Ein gestorbener Sklave kann nicht mehr zum Dienst (an der Sünde) herangezogen werden, und daher auch nicht mehr für Sünde zur Rechenschaft gezogen werden (26,II,20). Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass, wenn ein nicht-jüdischer Sklave seinem jüdischen Herrn davonlief, und dann durch die Proselytentaufe zum Judentum übertrat, frei war. Denn nach jüdischem Gesetz war er durch diesen Übertritt ein "neuer Mensch" geworden (65,II,190). 4 Der verneinte Imp.Präs. entw.: "stellt nicht weiterhin/fortwährend..."; od.: "hört damit auf...". Der Imp.Aor.: entw. als die normale Befehlsform; od. ingressiv: "fangt an, euch...". - Vielleicht handelt es sich um eine Anspielung an den römischen Heeres-Appell vor der Schlacht: "Stellt euch zur Verfügung" (65,II,190), wofür auch der Ausdruck "Waffen" sprechen könnte. 5 Iteratives Präsens: immer wieder erkennen, d.h. immer dann, wenn die Versuchung zu sündigen, an uns herantritt, erkennen wir, dass wir nicht mehr sündigen müssen. - Es sind sieben Schritte nötig, um die Versuchung zum Sündigen siegreich abzuwehren: (1.) erkennen, dass wir mit Christus mitgestorben sind; Vers 6-7. - (2.) wissen, dass wir mit Christus mitauferstanden sind; Vers 8-10. - (3.) sich der Sünde für tot halten; Vers 11a. - (4.) sich Gott für lebend halten; Vers 11b. - (5.) die Sünde nicht über uns herrschen lassen; Vers 12. - (6.) unseren Körper nicht der Sünde zur Verfügung stellen; Vers 13a. - (7.) sondern sich Gott zur Verfügung stellen; Vers 13b. 6 Das Argument würde an Stichhaltigkeit verlieren, wenn nicht auch alle Christen getauft wären (21,II,632). Im NT findet man keine ungetauften Christen in den Gemeinden. Jeder der sich bekehrte wurde aufgrund des Befehls Jesu unverzüglich noch am gleichen Tag getauft, und erst danach der örtlichen Gemeinde hinzugetan (Mt 28,19; Mk 16,16; Apg 2,41; Röm 6,3; Gal 3,27 ua.). 7 Der "alte Mensch" ist all das, was der Gläubige vor seiner Bekehrung war. Ein Sklave der Sünde, der auf Dauer gar nicht anders konnte als zu sündigen. Der Wiedergeborene ist kein Sklave der Sünde mehr, und er wird es auch nie wieder sein (Joh 8,34.36). Der "alte Mensch" ist ein für alle Mal gekreuzigt, gestorben und begraben. Was uns allerdings noch bleibt, ist die alte Natur, die wir von Adam geerbt haben. 8 Iteratives Präs. frei übersetzt: "Rechnet immer wieder damit, wenn die Versuchung an euch herantritt, dass ihr für die Sünde gestorben und daher tot seid." Ein Toter kann nicht mehr sündigen. 9 Die beiden Aoriste bezeichnen den Zeitpunkt der Bekehrung, und vielleicht auch der Taufe (21,II,637). 10 Tertullian übersetzt an dieser Stelle mit lat. donativum, das ist das großzügige Geschenk, dass der Kaiser den Soldaten am Neujahrstag oder an ihrem Geburtstag gab (21,II,637). Diese Bedeutung ist sehr einleuchtend, weil das Wort "Sold" ebenfalls ein militärischer Begriff ist. 11 Welche praktische Auswirkung es hat, wenn wir verinnerlichen, dass wir mit Christus mitgestorben, mitbegraben und mitauferweckt sind, könnte folgendes Beispiel klarmachen. Nehmen wir an, wir wären einer der führenden Personen in einem Mafia-Clan und wollen aussteigen. Die anderen würden uns "umlegen", sobald sie könnten, denn wir wissen zu viel. Wir gehen also zum Staatsanwalt und bieten ihm an auszupacken, wenn er uns in ein Zeugenschutzprogramm aufnimmt und wir eine neue Identität bekommen könnten. Er stimmt zu, ein Autounfall wird inszeniert bei dem wir "sterben" und danach ein offizielles Begräbnis bekommen. Der Sarg fährt ins Krematorium, aber er ist leer, doch nur die Behörden wissen das. Eine Sterbeurkunde wird für uns aufgesetzt und wir sind offiziell tot. Dann bekommen wir eine neue Geburtsurkunde, eine neue Staatsbürgerschaft, einen neuen Lebenslauf und eine Gesichtsoperation, - eben eine neue Identität. Wir ziehen woanders hin und werden uns nun peinlichst bemühen, der neuen Identität entsprechend zu leben, und alles zu vermeiden, was an unsere frühere Identität erinnern könnte. Genau so sollten wir unseren Lebenswandel als Wiedergeborene führen. 12 Wie könnte ein Gläubiger überhaupt auf so eine Schlussfolgerung kommen? Nun, es wäre die logische Schlussfolgerung von dem, was Paulus davor in Röm 5,20 gesagt hat: Wenn das "Zunehmen der Sünde" zu "überfließender Gnade" führt, dann gebe doch das Verharren in der Sünde Gott die Gelegenheit, noch mehr Gnade walten zu lassen. Doch diese Schlussfolgerung wäre verwerflich, denn Gott will unsere Heiligung und er züchtigt seine Kinder für Sünde (Heb 10,26-27.30-31; siehe auch die dortigen Anmerkungen). 13 Der Körper, der beim "alten Menschen" von der Sünde gesteuert war, weil er ein Sklave der Sünde war. Römer 7 1 Ex 20,17; Dtn 5,21 (LXX). 2 Ohne Art.: hier könnte das Gesetz ganz allgemein gemeint sein (z.B. auch das römische Gesetz) und nicht nur das mosaische Gesetz. In diesem Abschnitt geht es um die Beziehung zwischen unserem inneren Ich und dem Gesetz Gottes. Das Wort "Gesetz" kommt allein in diesem Kapitel 22-mal und die Worte "ich", "meiner", "mir", 48-mal vor! Wenn ich, sei es als Unbekehrter oder als Gläubiger, das Gesetz Gottes halten will, werde ich unweigerlich scheitern. Nur wenn ich als Gläubiger, durch das stärkere Gesetz des Geistes das schwächere Gesetz der Sünde in meinen Gliedern überwinde (vgl. Röm 8,2ff), werde ich ein Gott wohlgefälliges Leben führen können. Vergleichsweise ist das etwa so, wie das Gesetz des Auftriebs das Gesetz der Schwerkraft überwinden kann (z.B. bei Gasballons, Flugzeugen, usw.). 3 Die jüdische Frau hatte kein Recht, sich ohne die Zustimmung ihres Mannes scheiden zu lassen. Nur der Mann hatte das Recht zur Scheidung. Paulus nimmt die Ehe hier nur als Vergleich für die Beziehung des Gläubigen zum Gesetz und zu Christus. Folglich argumentiert er vom Idealzustand der Ehe, nämlich einer lebenslangen Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau, die nur der Tod scheiden kann. Paulus will hier keine spezielle Lehraussage über Scheidung und Wiederheirat machen, denn dann würde er sich ja selbst widersprechen (vgl. 1Kor 7,11-15). Auch die anderen Aussagen über Ehe, Scheidung und Wiederheirat in Mt 5,32 und Mt 19,9 sind zu beachten. - Aus der Herrschaft des Gesetzes entkommt man nur, indem man mit Christus mitgestorben und mitauferstanden ist (Röm 6,4f). Danach kann man mit Christus als seine "Braut" in eine neue "Ehe" eintreten. 4 Impf: damit ist der Zustand des alten Menschen als Sklave der Sünde gemeint. vgl. Röm 6,6. 5 Der Ausdruck nach dem Geist und nicht nach dem Buschstaben wird manchmal missverstanden. So als ob die, die sich nach dem Wort Gottes richten wollen, "am Buchstaben kleben" und alles zu genau nehmen, während nach dem Geist zu leben bedeuten solle, alles nicht so genau zu nehmen, und freier und liberaler zu sein. Doch nach dem Geist zu leben bedeutet, durch die Kraft des Heiligen Geistes das in unsere Herzen geschriebene Gesetz zu erfüllen (vgl. Röm 2,29; 8,4; 2Kor 3,4-6). 6 Das bedeutet wohl, dass unser alter Mensch bei der Bekehrung geistlicher Weise mit Christus mitgestorben ist. 7 entw.: "die Leidenschaften die zur Sünde führen"; od. wie ein Gen.qual.: "die sündhaften Leidenschaften" (2,z.St.). 8 Damit ist die alte Natur gemeint, die der Gläubige noch bis zu seiner Verwandlung bei der Entrückung (1Kor 15,49-53) besitzt, und die sich dann manifestiert, wenn er mit den Gliedern seines Körpers sündigt. 9 Damit ist die neue Natur gemeint, die der Gläubige bei der Wiedergeburt empfangen hat (2Kor 5,17). 10 Nämlich das Gesetz der Sünde und des Todes (Röm 7,21-23; 8,2). Mit Gesetz ist hier nicht das Gesetz Gottes gemeint, sondern eine Gesetzmäßigkeit, die so wirkt wie ein Naturgesetz. Vgl. die Anm. zu Röm 8,2 11 Der Gedankengang wird in Röm 8,1ff wieder aufgenommen. 12 Nicht nur gestorben, sondern rechtmäßig hingerichtet. 13 Paulus spricht ab hier in der 1.Person nicht (nur) von seiner eigenen Erfahrung (vor seiner Bekehrung), sondern von der Erfahrung die jeder Mensch, sowohl vor als auch nach seiner Bekehrung macht, wenn er "das Gute" tun will (21,II,639). Es ist die allgemeine Gesetzmäßigkeit und Erfahrung, dass ein Verbot die Lust zur Sünde erst so richtig provoziert, vergleichbar mit der Warnung einer Mutter vor Weihnachten an den kleinen Hansi, sich ja nicht an die Keksdose am Kasten ranzumachen, was diesen erst auf die Idee bringt, genau das zu tun! 14 Vgl. Röm 4,15; 1Kor 15,56; Jak 1,14-15 15 Vgl. im Gegensatz dazu Php 2,13 16 Paulus macht hier keine umfassende Lehraussage über das Thema Scheidung und Wiederheirat. Siehe dazu die Anm. bei Mt 5,32 17 Die Anrede Brüder hatte Paulus seit Kap. 1,13 nicht mehr benützt (26,II,40). Man könnte daraus schließen, dass der folgende Abschnitt von Gläubigen spricht, und weder von Ungläubigen noch von der Zeit als Paulus noch nicht bekehrt war. 18 Gen.qual., d.h. diesem sterblichen Körper, welcher der Sünde, im Sinne von Röm 6,6 und Röm 7,5b, unterworfen ist (2,922; 44,475). Die Antwort auf diese Frage gibt Kap. 8,1ff. 19 Die Danksagung bezieht sich auf das, was Paulus in Röm 8,1ff. darlegen wird, nämlich auf die Befreiung von der Macht der Sünde durch das stärkere Gesetz des Geistes (26,II,73f). 20 Vgl. 2Kor 10,5 Römer 8 1 Hiermit beginnt die Fortführung des Gedankenganges von Röm 7,6. Dieses Kapitel beginnt mit "keine Verdammnis mehr in Christus Jesus" und endet in Vers 39 mit: nicht mehr getrennt von der Gottes Liebe Gottes in Christus Jesus (26,II,78f). 2 Nach römischen Recht musste eine Adoption von mindestens zwei Zeugen bestätigt werden (65,II,199). Kindschaft und Sohnschaft sind im NT nicht dasselbe. Ein Kind Gottes wird man durch göttliche Zeugung bei der Wiedergeburt (Jak 1,18; 1Pet 1,23). Als Folge empfängt man göttliches, ewiges Leben. Die Sohnschaft ist die Adoption der Kinder Gottes als Söhne Gottes. Als Folge davon werden wir auch Miterben mit Christus sein (Röm 8,23; Gal 4,5-7). 3 Im Gegensatz zur Zeit vor unserer Wiedergeburt (21,II,644). 4 Entweder allgemein: wegen der Macht der Sünde, die sie durch den Leib ausübt. Vielleicht aber auch speziell wie in der LXX wo περι αμαρτιας bedeutet: "...als Sündopfer" (in Unterschied zum Schuldopfer). Vgl. Lev 4,33; 2Chr 29,24; Heb 10,6.8. Aber hätten die Heiden-Christen in Rom diese spezielle Bedeutung verstanden? 5 Das Fleisch ist hier der Herrschaftsbereich der Sünde, also dort wo sie ihre Macht ausübt, nämlich im menschlichen Körper mit seinen Gliedmaßen. Der ewige Sohn Gottes nahm daher bei seiner Menschwerdung, den gleichen Körper an wie wir ihn haben. Aber er lebte in diesem gleichen Körper, ohne je zu sündigen. Daher konnte er unser fehlerloses Opferlamm werden, und Gott konnte die Sünde im Körper Jesu richten, indem er von Gott an unserer Stelle bestraft wurde, weil er unsere Sündhaftigkeit auf sich nahm. Vgl. 2Kor 5,21 und Joh 3,14 (Jesus vergleicht sich mit der Schlange). Vgl. zur Sache auch Röm 7,18 (21,II,644ff). 6 Sowohl sterben als auch leben sind hier im übertragenen geistlichen Sinn zu verstehen, daher auch der Inf.Präs. bei sterben; vgl. Offb 3,1b.2. Die Begriffe leben → sterben und töten → leben stehen hier als Wortspiel im bewussten Gegensatz. 7 Hier nicht von denen die Gott liebt, sondern diejenigen die Gott (im Griech. betont) ausdauernd lieben - und nicht die Welt - und seine Gebote halten, wie in Joh 14,21a; 15,10.23; 1Joh 2,5; 5,3. Ihnen müssen alle Dinge zum Guten mitwirken, sogar die Folgen ihrer Sünden, denn die Züchtigungen Gottes dienen letztlich auch zu unserer Heiligung (Heb 12,10; vgl. 21,II,111). - Der unumstößliche göttliche Beschluss, also dass, was sich Gott vornimmt und auch ausführt. So auch in Röm 9,11; Eph 1,11; 3,11 und 2Tim 1,9 8 Mit dem Akkusativ der Person bedeutet der Begriff, jemanden aus Liebe im Vorhinein zu etwas ausersehen und daraufhin für sich auszuwählen (78,418). Vergleiche das Sprichwort: "Liebe auf den ersten Blick". Das Simplex γινοσκω findet sich in dieser speziellen Bedeutung in der LXX in Amos 3,2, und auch in Joh 10,14-15.27 und Gal 4,9. - Zur Sache und zum alttestamentlichen Begriffרךע (yada = erkennen), vgl. auch Gen 4,1; 18,19; Ex 2,25 (im hebr.) und Jer 1,5 (16,130; 33,667). Besonders in Gen 18,19 kommt die vorherbestimmende Bedeutung des Wortes klar zum Ausdruck: Es heißt dort nämlich nicht: "Denn ich habe (vorher) erkannt (bzw. gewusst), dass er...", sondern: "Denn ich habe ihn erkannt, damit er...". Das Wort hat dort also eine vorherbestimmende Bedeutung, ebenso in Jer 1,5. - Hätte Paulus in Röm 8,29 die andere lexikalische Bedeutung des Wortes gemeint, nämlich etwas im Vorhinein zu wissen, hätte er den Akkusativ der Sache gewählt. Die Ansicht, dass Gottes Erwählung und Vorherbestimmung aufgrund dessen geschah, dass Gott schon im Vorhinein gewusst hat wer glauben wird und wer nicht (so: 26,II,113ff.; im Ggs. zu 78,418), - was natürlich auf Grund seiner Allwissenheit der Fall ist, - ist zwar lexikalisch möglich, aber aufgrund anderer Schriftstellen über die Erwählung und Vorherbestimmung unwahrscheinlich. Das griechische Wort προ-γινωσκω hier nur im Sinne von vorherwissen zu verstehen (wie in 2Pet 3,17), - nämlich, dass Gott alles im Vorhinein weiß, - ist zu selbstverständlich, um es in diesem theologischen Zusammenhang hervorzuheben. Vgl. auch die Anm. zu Joh 6,37.39; 10,3.26; Röm 11,2; 2Tim 1,9; 2,10; Tit 1,1-3 und 1Pet 1,1. - Bemerkenswert in der darauffolgenden Reihenfolge ist, dass zwischen berufen und gerecht-sprechen, die Buße und der Glaube ausgelassen sind, denn Buße zu tun und zu glauben ist die Verantwortung jedes Einzelnen (Mt 3,2; Apg 2,38; 17,30; 20,21; 26,20 ua.). Dies spricht gegen die Lehre von der "unwiderstehlichen Gnade". Ob Gottes Vorherwissen, dass bestimmte Menschen sein Heilsangebot ablehnen werden, in seine Erwählung und Vorherbestimmung eingeflossen ist, - und er diese Menschen daher bewusst übergangen und gar nicht erwählt hat, - ist eine rein philosophische Überlegung, die keine Beweis-Grundlage in der Schrift hat. 9 Das Erste und Beste der neuen Ernte. Die Gabe des Geistes für die Gläubigen der Gemeinde ist nur eine "Erstlingsgabe" im Sinne eines "Vorgeschmacks" für die zukünftige Ausgießung des Geistes auf den ganzen Überrest Israels. Vgl. Joel 3,1ff mit Apg 2,16ff. 10 Griechisch: εν ομοιωματι "in Fast-Gleichheit", oder: "im Gleichgestelltsein"? Dass, was Nahe an Identität oder Gleichheit herankommt. Der ewige Gottessohn wurde ganz Mensch und in diesem Sinn den Menschen völlig gleich. Er blieb jedoch gleichzeitig wahrer Gott und war in diesem Sinne den Menschen nur "fast-gleich" (Php 2,7). Paulus gebraucht wohl absichtlich diesen zweideutigen Ausdruck und nicht ισοτης = Identheit (Strong Nr.: 2471), um damit auszudrücken, dass Jesus wahrer Gott blieb als er wahrer Mensch wurde. In Php 2,6 jedoch, wo es sich um die völlige und wesensmäßige Identität mit Gott handelt, verwendet er das Wort ισος = ident (Strong Nr.: 2470). 11 Das Anbrechen des zukünftigen Zeitalters, d.h. des tausendjährigen Reiches, wird mit einer Geburt verglichen, weshalb auch die Drangsale vor dem Kommen des Herrn mit Geburtswehen verglichen werden. 12 Die Vorherbestimmung ist nicht eine Vorherbestimmung zum Glauben, denn zu glauben ist die Verantwortung des Menschen, sondern eine Vorherbestimmung zur Vollendung der Glaubenden. Es heißt nicht, "gleichgestaltet seinem Sohn", sondern "gleichgestaltet dem Bild seines Sohnes." Wir werden dem verherrlichten Christus nie ganz gleich sein, wohl aber seinem Bild, d.h. seinem vollkommenen Charakter. In diesem Sinn werden wir "sein wie er" (1Joh 3,2b). - Mit dem Begriff "Bild" ist auf die neue, verklärte Leiblichkeit des auferstandenen Christus Bezug genommen, woran die Erlösten in der Vollendung teilhaben werden. Denn der Sohn ist das Bild Gottes schlechthin. Im Hintergrund steht der Gedanke der erneuerten Gott-Ebenbildlichkeit (vgl. Gen 1,26-27). Zum Gedanken, dass Christus das Bild Gottes ist, vgl. auch 2 Kor 4,6; Kol 1,15; Hebr 1,3 (vgl. 47,z.St.). 13 Die "Rechtsforderung des Gesetzes" bedeutet, ein gerechtes Leben zu führen. Das können wir nur tun, wenn wir "nach dem Geist" leben. Dieses Leben "nach dem Geist" ist hier einem Leben "nach dem Fleisch" gegenübergestellt. "Fleisch" bezeichnet in der Bibel das Irdische und Vergängliche, das, worauf man sich nicht verlassen darf, wenn man nicht der Sünde verfallen will. Deshalb kann das Wort "Fleisch" auch den Menschen bezeichnen, der von der Sünde beherrscht wird (vgl. 47,z.St.). Vgl. Gal 5,19-22 14 Andere Hs. lesen: "...dich" Es ist zwar schwer zu beurteilen, welche Lesart die ursprüngliche ist (vgl. 27,516), doch scheint "...mich..." die ursprüngliche Lesart zu sein (26,II,80). 15 Entweder pass.: "Denn was dem Gesetz Mose unmöglich war (nämlich zu erretten), - weil...es schwach war, - (das tat) Gott, indem er..." (2,923; 26,II,81); od. akt.: "Denn die Ohnmacht des Gesetzes, welches durch das Fleisch schwach war, (beseitigte) Gott, indem er... " (21,II,644). 16 "...im Fleisch sein" bedeutet den Geist nicht zu haben und daher nicht wiedergeboren zu sein. Ein Wiedergeborener ist nicht mehr "im Fleisch", sondern "im Geist". Dennoch kann er noch "nach dem Fleisch sinnen", ja sogar "nach dem Fleisch leben". 17 Gesetz hat hier die Bedeutung "Gesetzmäßigkeit", vergleichbar mit dem Naturgesetz der Schwerkraft, das nach unten zieht, und dem Naturgesetz des Auftriebs, das nach oben zieht. Genauso zieht das Gesetz der Sünde nach unten zum Sündigen, das Gesetz des Geistes aber zieht nach oben und befähigt zum gerechten Tun. 18 Wie in 2Thes 1,6 19 Dies soll keine Unsicherheit in Bezug auf die Adressaten ausdrücken, sondern eine feste Annahme, daher: "...wie es ja gewiss bei euch der Fall ist" (2,923.1403). Andererseits spricht er im nächsten Satz auch gleich die Ermahnung aus, dass jemand nur dann ein echter Gläubiger ist, wenn der Geist Christi in ihm wohnt. Diese Beweisführung zieht sich auch durch die nächsten Verse in Röm 9,10-17 (26,II,89). 20 Mit Tod ist im übertragenen Sinn der geistliche Tod gemeint (Röm 6,23), also dass, was vor Gott wertlos ist. Es ist die Trennung von Gott, die im ewigen Verderben endet. Mit Leben ist hier im übertragenen Sinn das geistliche Leben gemeint, also dass, was vor Gott Bestand hat, bleibende Frucht. 21 Ps 44,23 (LXX). 22 Knüpft an Vers 9a an. 23 Hier bezieht sich die Sohnschaft auf jeden einzelnen Gläubigen, in Röm 9,4 dagegen kollektiv auf das ganze Volk Israel. 24 Dass Paulus hier den Aorist und nicht das Futurum verwendet, spricht für seine Naherwartung. 25 Im Aramäischen als Anrede im Familienkreis gebraucht, um innige Verbundenheit auszudrücken. Die vertrauliche Form, mit der man den Familienvater anredete (vgl. 47,z.St.). Diese Anrede war bei den Juden für Gott nicht üblich (1,1; 65,I,281). Römer 9 1 Gen 21,12 (LXX). Betont: in Isaak, und nicht in Ismael. 2 Gen 18,10.14, Die Verheißung lag also auf Isaak und nicht auf Ismael. 3 Gen 25,23 (LXX). Dem Zitat gehen die Worte voraus: "Zwei Nationen sind in deinem Leib...". Esau persönlich hatte Jakob niemals gedient, - Jakob nannte Esau sogar seinen Herrn und sich selbst Esaus Knecht (Gen 32,5-6.19-21; 33,6-8.14-15). Sehr wohl aber mussten Esaus Nachkommen, die Nation der Edomiter, Jakobs Nachkommen, den Israeliten, dienen (1Sam 14,47; 2Sam 8,14; 1Kön 11,15; 2Chr 25,19). 4 Diese Worte aus Mal 1,2f (LXX), wurden erst Jahrhunderte nach Jakob und Esau ausgesprochen, daher sind in Maleachi die Nachkommen Jakobs, das Volk Israel, und die Nachkommen Esaus, die Edomiter, gemeint. Damit wird klar, dass Paulus in Röm 9 - 11 nicht von der Erwählung und Verwerfung von Personen spricht, sondern von der Erwählung und Verwerfung von Völkern. Allerdings enthalten diese Kapitel allgemeine Charakteristiken für Gottes Erwählung: (1.) seine absolute Souveränität bei der Auswahl; (2.) Gottes Erwählung geschieht immer aufgrund seines Vorsatzes und seiner Gnade, sowohl bei Israel als auch bei einzelnen Menschen, und nicht aufgrund dessen, was ein Mensch tut oder noch tun wird, obwohl Gott dies bereits im Voraus weiß. - Vgl. auch die Anm. bei Joh 6,37.39; 10,3.26; Röm 8,28-30; 2Tim 1,9; 2,10; Tit 1,1-3; 1Pet 1,1-2 5 Ex 33,19 (LXX) 6 Ex 9,16; MT und LXX lesen: "...habe ich dich am Leben erhalten". Zur Frage bezüglich der Verantwortlichkeit des Pharaos für seine Rebellion, vgl.: 60,497ff. 7 Jes 29,16 (LXX). Der Kontext in Jesaja (Verse 9-26) zeigt, dass es bei dem Lehm um das Volk Israel, und um die einzelnen Israeliten (= Gefäße) geht. 8 Hos 2,25. Diese Bibelstelle bezieht sich in Hosea auf eine zukünftige Wiederherstellung eines Überrests aus Israel, und nicht auf die Nationen, wie auch das Zitat aus Jesaja 10,22-23 in Röm 9,27.29, und in 1Pet 2,10 zeigt (78,465),. Auch Paulus wendet es hier, im Anschluss an Vers 22, auf die gläubig gewordenen Juden-Christen an. Sie sind sozusagen schon eine Erstlingsfrucht des zukünftigen Überrestes. 9 Hos 2,1 (LXX). Indem Paulus das Zitat in der Zukunftsform ("...werden sie Söhne des lebendigen Gottes gerufen werden.") wiedergibt, und nicht in die Vergangenheitsform setzt ("...wurden sie Söhne des lebendigen Gottes gerufen.") macht er klar, dass diese Prophezeiung sich mit der Rückkehr des Volkes aus der babylonischen Gefangenschaft noch nicht erfüllt hatte. 10 Jes 10,22-23; Hos 2,1b (LXX) 11 Gemeint ist vielleicht, dass Gott seine Verheißungen für Israel zwar erfüllt, sie aber zugleich auch verkürzt, indem der ungläubige Teil des Volkes verworfen wird, und sie nur dem gläubigen Überrest zugutekommen (21,II,666); od.: "Der Herr wird auf Erden kurz und summarisch Abrechnung halten" (26,II,162). 12 Jes 1,9 (LXX). Ein Irrealis, d.h. Gott hat aus Israel eben doch einen Überrest übriggelassen, darum sind sie nicht wie Sodom und Gomorra gerichtet worden, obwohl sie das verdient hätten. 13 Jes 28,16; 8,14. Dieser Stein des Anstoßes ist Jesus als Israels Messias. Wer von den Juden ihn ablehnte, wurde zuschanden, wer aber auf ihn vertraute, wurde gerettet. 14 Als Gegenstück dazu, dass Jesus der Messias "nach dem Fleisch" ist, könnte daraufhin seine Gottheit herausgestrichen sein, da Gott ohne Artikel steht, was sonst kaum der Fall ist. Damit wäre die Gottheit Christi von Paulus bezeugt, wie auch an anderen Stellen im NT: Joh 1,18; 8,58; 10,30-39; 20,28; Tit 2,13; 2Pet 1,1. Vielleicht ist aber auch Gott der Vater gemeint, dann wäre zu übersetzen: "...nach dem Fleisch. Der über allem Seiende Gott, (er sei) gepriesen..."; od.: "...der Messis nach dem Fleisch, der über allem Seiende. Gott (sei) gepriesen..." (27,520ff; 21,II,658f; 26,II,134; 78,433ff). 15 Es soll wohl der Gegensatz zu Abraham hervorgehoben werden, der von zwei Frauen zwei Söhne hatte. Isaak dagegen hatte nur von einer Frau zwei Söhne, dennoch erwählte Gott den Zweitgeborenen. 16 Vgl. Jer 18,3-6. Bei dem aus der alttestamentlichen Prophetie aufgegriffenen Töpfergleichnis, geht es nicht um Einzelpersonen, sondern um Völker (Jer 18,7-9). Ebenso in Röm 9,9-13, siehe Anm. dort. Für Paulus geht es vor allem um die Langmut Gottes mit den "Gefäßen des Zorns" (= der ungläubige Teil im Volk Israel), die zur Umkehr führen soll (Röm 2,4). Es handelt sich also nicht um eine Vorherbestimmung zur Verdammnis von Einzelpersonen, sondern um die temporäre Verwerfung Israels als Volk Gottes (z.B. Hos 8,8 ua.). Aber diese Verwerfung Israels ist eben nur temporär, denn wenn die Gemeinde aus Juden und Heiden, als "die Vollzahl der Nationen eingegangen sein wird" (Röm 11,25), dann wird Gott sich wieder seinem irdischen Volk Israel zuwenden, und einen Überrest aus Gnade für sich erwählen und erretten (vgl. Lev 26,44-45; Dtn 30,1ff; Jer 30,7-11; Sach 12,9-12a; Röm 11,1-26). 17 So wie z.B. den Pharao, den Gott längere Zeit ertrug, obwohl er bereits von Anfang an wusste, dass dieser sich ihm widersetzen würde (Ex 3,19). Hier wird nicht ausdrücklich gesagt, wer sie zubereitete, - im Gegensatz zu Vers 23, wo steht "...die er vorher bereitete". Das Partizip Perfekt Passiv bezeichnet einen gegenwärtigen Zustand, der sich in früherer Zeit gebildet hat, und in 1Thes 2,15-16 wird gesagt, dass die ungläubigen Juden selbst zu diesem Zustand beigetragen haben. Die 40-jährige Langmut Gottes bis zur Zerstörung des Tempels im Jahr 70 n.Chr., ermöglichte es einigen Juden durch den Glauben an Christus dem Zorn zu entfliehen (26,II,156), doch die Mehrheit des Volkes verhärtete sich (Apg 13,45-50; 14,2; 18,6 ua.), und wurde dann, so wie einst der Pharao, auch noch von Gott selbst verhärtet (Röm 11,7b.-10.25; 2Kor 3,14). So konnte Gott sich den Heiden zuwenden - bis deren Vollzahl errettet sein wird - und Israel dadurch eifersüchtig machen, was in der Zukunft zu einer Bekehrung eines Überrestes führen wird. 18 Paulus lässt die Wörter "ihre Zwillinge" weg, vielleicht, weil er andeuten wollte, dass Gott in Gen 25,23 von Völkern sprach. 19 "εν τω τοπω..."; d.h.: "...an dem Ort wo (d.h. in Israel)". Paulus zitiert hier aus der LXX Hos 2,1 und fügt extra das Wörtchen εκει (= dort) in sein Zitat ein. Das bedeutet, dass an dem gleichen Ort wo Gott Israel als sein Volk verwarf, nämlich im Land Israel, dass er sie auch genau dort als sein Volk annehmen wird, und zwar, nachdem er sie wieder ins Land gebracht hat (daher Futur: "Und es wird sein..."); vgl. Hos 2,23. Viell. aber: "stattdessen, dass..." (1,1641). 20 In diesen drei Kapiteln geht es um das Volk Israel. Das sieht man auch darin, dass von den 72 Stellen, in denen der Ausdruck Israel und Israeliten in den 260 Kapiteln des NT vorkommt, er allein 13-mal nur in diesen 3 Kapiteln vorkommt. Und in keinem anderen Teil des NT kommen geballt so viele Zitate und Anspielungen auf das AT vor, wie in diesen 3 Kapiteln. Die Notwendigkeit für den Einschub von Kapitel 9 - 11 ergibt sich aus dem, was Paulus bisher dargelegt hat, nämlich, dass sowohl Juden als auch Heiden auf der gleichen Grundlage und ohne Unterschied gerechtfertigt werden, nämlich aus Gnade durch Glauben. Für die Juden und Juden-Christen erhob sich damit die Frage, welche Vorrechte sie als Gottes auserwähltes Volk dann noch haben. Darauf gibt Paulus nun in Kapitel 9 - 11 eine dreifache Antwort: (1.) Israel hat sehr wohl noch Vorrechte (vgl. Röm 3,1-2), welche die Heiden-Christen nicht haben; siehe Röm 9,4-5. - (2.) Nicht jeder Jude ist durch seine natürliche Abstammung von Abraham, automatisch auch ein wahrer Jude, an dem Gott Wohlgefallen hat. Die Juden zurzeit Jesu ruhten sich auf ihrer natürlichen Abstammung von Abraham aus und waren sich sicher, dadurch in den Himmel zu kommen. Doch dies war ein Trugschluss. Vgl. Mt 3,9; Joh 8,39ff; Röm 2,28-29. - (3.) Gott erwählte Israel zu seinem besonderen Volk, aber nicht, weil sie besser waren als die anderen Völker, sondern aus reiner Gnade (Dtn 7,6-8). Nachdem aber Israel Jesus als Messias ablehnte, setzte Gott Israel auf die Seite, - aber er hat sie nicht endgültig verstoßen (Röm 11,2), - und wandte sich den Heiden zu, um sie zu erretten, und gleichzeitig sein Volk Israel eifersüchtig zu machen (Röm 11,11). Wenn sich die Vollzahl (d.h. alle Auserwählten) der Heiden bekehrt hat und der Gemeinde hinzugetan wurde, wird sich Gott wieder seinem Volk Israel zuwenden und einen Überrest erretten. - Daher geht es in diesen Kapiteln auch nicht um die persönliche Erwählung oder Verwerfung von einzelnen Menschen, sondern um die Erwählung von Völkern, und um die Beiseitesetzung Israels als Gottes Volk. 21 Der Vorsatz Gottes geschieht aufgrund von Erwählung, d.h. er unterscheidet zwischen Volk und Volk (Jakob steht für Israel und Esau für Edom), und zwar ohne Rücksicht darauf was dieses Volk getan hat oder noch tun wird (21,II,661). 22 Stärker als ελεεω (= erbarmen, Strong Nr. 1656), denn es betont mehr die Gefühlsbewegung, die aus dem Erbarmen entspringt. 23 Gott wusste von Anfang an, dass sich der Pharao selbst verhärten wird (Ex 3,19). Zuerst verhärtete der Pharao selbst sein Herz (Ex 7,13-14.22-23; 8,11.15.28; 9,7.35), erst danach verstockte auch der Herr sein verhärtetes Herz (Ex 9,12; 10,20.27; 11,10; 14,4.8.17), damit er alle seine Wunder an Ägypten bis zuletzt tun konnte. Der Pharao wäre sonst schon vorher "in die Knie gegangen" (Ex 9,15-16). 24 Damit sind zuerst einmal die Juden-Christen als erwählter Teil des gesamten jüdischen Volkes gemeint, denn die darauffolgende Stelle aus Hos 2,25 bezieht sich auf die Wiederherstellung eines Überrests aus Israel (65,II,206). Aber im Zwischensatz wird es natürlich gleich darauf auch auf die Heiden-Christen angewandt, die Gott in der Zwischenzeit zu sich ruft. Beide zusammen bilden das neue Volk Gottes, die Gemeinde, die aber Israel nicht ersetzt, denn Israel wird in der Zukunft wieder "sein Volk" sein (Hos 2,1b; Röm 9,26). 25 Der Indikativ Imperfekt bezeichnet hier einen unerfüllbaren Wunsch (26,II,131). Mose äußerte den gleichen Wunsch in Ex 32,32-34 26 Mit Gen.: zugunsten/im Interesse von... (1,1672). 27 In Röm 8,15 bezieht sich die Sohnschaft auf jeden einzelnen Gläubigen, hier kollektiv auf das ganze Volk Israel. Vgl. Ex 4,32 und Hos 11,1 28 Wäre Paulus der Meinung gewesen, dass die Verheißungen Israels im AT, nun vergeistigt auf die Gemeinde angewendet werden müssen, weil die Gemeinde das "Israel Gottes" ist, könnte er wohl nicht so sprechen wie hier. Vgl. auch die Anm. bei Gal 6,16 29 Der Ausdruck "nach dem Fleisch" bezieht sich hier und an weiteren Stellen auf die natürliche Abstammung von jemandem. Römer 10 1 Lev 18,5 2 Dtn 9,4a; 30,12ff. Aufgrund des Kontextes in beiden Zitaten will Paulus folgendes sagen: Die Gerechtigkeit vor Gott braucht nicht durch die eigene Gerechtigkeit durch das Gesetz, vom Himmel herabgeholt zu werden, denn sie ist in Christus, der von den Toten auferstanden ist, schon gekommen (Spr 30,4). Man empfängt sie durch den Glauben den Paulus predigt (Vers 8). 3 Ps 107,26 4 Dtn 30,14 5 Jes 28,16 6 Joel 3,5 (LXX). Um gerettet zu werden, muss man also im Herzen auf das stellvertretende Sühneopfer Jesu vertrauen (Vers 10-11) und daraufhin ihn als Retter anrufen. Ein bloßes für wahr halten des Evangeliums reicht nicht. 7 Jes 52,7; Nah 2,1 8 Jes 53,1 (LXX) 9 Ps 19,1-5 (LXX). Mit diesem Zitat beweist Paulus, dass in der Schöpfung alle Menschen eine Botschaft Gottes hören und sehen können, aufgrund der sie verantwortlich sind den unsichtbaren Gott zu suchen und zu ehren (Röm 1,19-21; Apg 17,26-27). Darüber hinaus hat auch noch jeder Mensch das Gewissen, dass ihn anklagt, gegenüber diesem unsichtbaren Gott schuldig zu sein (Röm 2,15-16). Darüber hinaus meint Paulus vielleicht auch die Predigt des Evangeliums zu den Juden in allen ihren Synagogen (26,II,187). 10 Dtn 32,21 (LXX) 11 Jes 65,1 (LXX); od. viell.: "nicht nach mir Fragenden". Gemeint sind (sowohl von Jesaja als auch von Paulus) die Heiden, die das Evangelium annahmen (26,II,189). 12 Jes 65,2 (LXX). Während Jesaja im Vers 1 von den Heiden ("einer Nation") spricht, spricht er im Vers 2 von seinem Volk Israel, was auch Paulus so versteht und anwendet. 13 Plural: d.h. die Vorschriften des Gesetzes. 14 Bei der Taufe? vgl. Apg 22,16 und Jak 2,7 - Das Zitat aus Joel 3,5 wird hier von Paulus auf Christus angewendet. Mit HERR ist hier also Christus gemeint, wie Vers 9 und 12 beweisen. 15 Wahrscheinlich ein Gen.obj., wie in Vers 8: "...durch die Verkündigung über Christus"; oder ein Gen.subj.: "...Ausspruch Christi", d.h. "...durch einen Ausspruch, nämlich den Missions-Befehl, von Christus" (26,II,187). 16 Vielleicht bedeutet εις hier: "...aufgrund von Errettung", wie in Mt 3,11; 10,41; 12,41; Apg 2,38. Doch ein Bedeutungswechsel vom vorigen εις im gleichen Satz, ist fraglich (2,z.St.). 17 Denn das Gesetz sagt: "Wer diese Dinge getan hat, wird durch sie leben" (Lev 18,5; Gal 3,12). Wer aber zum Glauben an Christus kommt, wird nicht durch das Tun des Gesetzes gerechtfertigt, sondern aus Gnade. - Das Wort τελος bedeutet Ziel und Ende (1,1618). Christus ist das Ziel des Gesetzes, weil dieses nur ein Zuchtmeister auf Christus hin war (vgl. Gal 3,21-25). Außerdem haben sich in Christus alle messianischen Voraussagen und alle moralischen Anforderungen des Gesetzes erfüllt und somit ihr Ziel erreicht (Mt 5,17). Christus ist aber auch das Ende des Gesetzes als einem Weg, der zur Rechtfertigung vor Gott führen könnte (vgl. Vers 5), was ja nicht möglich ist. Er ist damit jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit geworden (vgl. 1Kor 1,30; Röm 8,1). 18 Die Verwendung der Passiva hier ist auffällig. Will Paulus damit die völlige Verdienstlosigkeit des Menschen (26,II,182), und die Mitwirkung Gottes zum Glauben und zum Bekennen ausdrücken? Wie in Eph 2,8 19 Kann es wirklich sein, dass der Gott der "will, dass alle Menschen errettet werden" (1Tim 2,4; 2Pet 3,9; Hes 18,23), jemanden verdammt, der nicht an Jesus glauben konnte, weil er nie von ihm gehört hat? Denn es gibt nachweislich entlegene Gebiete auf dieser Erde, wo das Evangelium erst im 20.Jhdt. gepredigt wurde. Vgl. dazu auch die Anmerkungen bei Röm 2,7 und Mt 25,32.40 20 Es geht also nicht darum, dass sich Freiwillige für die Mission melden, wie es heute in der modernen Mission oft durch Anwerbung der Fall ist, sondern Gott selbst sucht sich seine Werkzeuge aus und sendet dann diese aus (Mt 9,37-38; Mk 3,13 ["die er wollte"]; Apg 13,2.4a). In der Kirchengeschichte haben solche Männer und Frauen mehr für das Reich Gottes erreicht als die große Schar von freiwilligen Missionaren, die manchmal nur die Mühen des "normalen" Christenlebens in der Heimat scheuen und in den Missionsdienst fliehen, wo sie durch Spendengelder versorgt werden. Römer 11 1 1Sam 12,22; Ps 94,14. Das Thema dieses ganzen Kapitels ist die zeitweilige Verwerfung des ungläubigen Teils von Israel, und die darauffolgende Berufung der Heiden zum Heil. Zusammen mit dem gläubigen Überrest der Juden, die sich ab Pfingsten bekehrten, bilden die bekehrten Heiden dann Gottes neues Volk die Gemeinde, was aber nicht bedeutet, dass Israel als Gottes Volk endgültig verstoßen wird. Nachdem sich alle auserwählten Heiden bekehrt haben, wird Gott in der Zukunft aus den Juden einen auserwählten Überrest erretten (Röm 11,25-26 ua.). 2 1Kön 19,10.14 3 1Kön 19,18 4 Dtn 29,3; Jes 29,10 5 Ps 69,23-24 (LXX). Mit "Tisch" ist vielleicht der Brandopferaltar im Tempel mit seinen Opfern gemeint. Dieser hat durch den Opfertod Jesu jetzt seinen Zweck verloren (59,207). 6 Manchmal wurden bei einem kultivierten Ölbaum der kaum mehr Früchte trug, Zweige eines wilden Ölbaums aufgepfropft, um ihn zu retten. Zu diesem Zweck wurden die unproduktiven ursprünglichen Zweige vorher ausgebrochen. Diese Art von Aufpfropfung galt als "wider die Natur" (65,II,212). 7 Das Zitat fügt sich zusammen aus LXX: Jes 59,20-21; Jes 27,9 und vielleicht Ps 110,2 - Also bekehrt sich der Überrest erst bei der Wiederkunft Christi, wenn er am Ölberg ankommt und sie ihn als ihren Messias erkennen, wie auch Sach 12,10-14 zeigt. Dieses Wehklagen des Überrestes bei Christi Wiederkunft wird auch in Mt 24,30 und Offb 1,7 ("...alle Stämme des Landes [Israel]") zum Ausdruck gebracht (26,II,215). 8 Jes 27,9 9 Jes 40,13 (LXX) 10 Hiob 41,3 11 entw.: "unter dieser Voraussetzung..."; vgl. Apg 9,20; od.: "dann erst...", vgl. Apg 17,33; 20,11; 27,17; od.: "nur auf diese Weise...", d.h. indem die Heiden zuerst gerettet werden; vgl. Apg 15,14ff. 12 Der Ausdruck bedeutet nur, dass Israel als Gesamtheit gerettet wird, aber nicht unbedingt jeder Einzelne (65,II,213; 26,II,214). Also zuerst die Gläubigen des AT, dann die Erstlinge aus den Juden zu Pfingsten und später der jüdische Überrest in der Endzeit (Offb 7,1-8). Zusammen ergeben sie dann die Vollzahl der Auserwählten (Vers 7 und 28) und somit "ganz Israel". Vgl. 2Sam 5,5; 2Chr 12,1; Hes 37,11; Apg 2,36 13 Eine eindeutige Anspielung auf Am 3,2 im Text der LXX: "Nur euch habe ich von allen Geschlechtern der Erde erkannt" (wo aber in der LXX nicht προ-γινοσκω, sondern das Simplex γινοσκω steht), und auf Dtn 10,15. In Amos 3,2 kann mit γινοσκω aber nicht gemeint sein, jemanden bloß zu kennen, zu durchschauen oder im Vorhinein zu wissen, was er tun wird, denn wenn Gott das nur von Israel wüsste, würde es die Allwissenheit Gottes einschränken. Gott erkannte nämlich von allen Völkern alles im Voraus, und nicht nur von Israel. Daher liegt in Amos 3,2 die spezielle hebräische Bedeutung des zugrundeliegenden hebräischen Wortes רךע (yada = kennen; hebr. Strong Nr.: 03045) vor. Gott hat sich schon in der Ewigkeit aus Liebe Israel für sich ausersehen (Dtn 10,15), und darum verstößt er sein Volk auch nicht, wenn sie ungehorsam sind, sondern er züchtigt sie und errettet auf jeden Fall in der Zukunft einen Überrest aus dem Volk (vgl. Jer 30,7.11). Das gleiche hebr. Wort finden wir zuerst in Gen 4,1 und in Ex 2,25b im hebr. Grundtext, sowie in Hos 5,3 und 13,5. Besonders klar wird die übertragene Bedeutung in Gen 18,19, wo Gott über Abraham sagt: "Ich habe ihn erkannt, damit er...", und nicht: "Ich habe erkannt, dass er...". Das persönliche Erkennen führt also zu einer persönlichen Vorherbestimmung. - Auch jeder Wiedergeborene ist in diesem Sinn, aufgrund von Gottes souveränen Willen und Vorsatz, von Gott persönlich im Voraus ausersehen, erwählt und dazu vorherbestimmt in den Himmel zu kommen. Vgl. auch die Anm. bei Röm 8,29 14 Das ist die Gesamtheit der Auserwählten aus den Nationen, die in den "Zeiten der Nationen" (Lk 21,24) bis zur Entrückung der Gemeinde gläubig wurden. 15 od.: "...er hat alle (d.h. Juden und Heiden) in den Ungehorsam (wie in einem Gefängnis) eingeschlossen" (2,z.St.). 16 Diese Auswahl waren zur damaligen Zeit die Juden-Christen (Röm 9,27) und nicht die Gemeinde. Die ersten Bekehrten in der Urgemeinde waren ja bis zu Kornelius (vgl. Apg 11,18b) nur Juden. Vgl. auch die Anm. bei Mt 16,19 17 Es gibt acht Geheimnisse Gottes, die im AT noch verborgen waren und erst im NT geoffenbart wurden. Vgl. dazu die Anm. bei 1Kor 2,7 18 D.h. so wie Pharao, wurden sie in ihrem selbstgewählten Unglauben und in ihrer Verhärtung von Gott verstockt (Röm 11,25; 2Kor 3,14). 19 Damit sind sicherlich die Erstbekehrten aus den Juden ab Pfingsten gemeint. Mit dem restlichen Teig dann der jüdische Überrest der sich in der Zukunft bekehren wird. - Das Bild ergibt sich aus Num 15,18-21. Die Israeliten mussten, sooft sie vom Brot des Landes aßen, vorher einen Teil des Teiges auf die Seite legen, woraus dann ein Kuchen für die Priester gemacht wurde. Dieser erste Teil wurde απ-αρχη genannt (26,II,207). 20 D.h. sämtliche im Gegensatz zu nur einem Teil (1,1277). 21 Mit dem "du" ist nicht der Einzelne Gläubige gemeint, sondern verallgemeinernd der Gläubige in seiner Eigenschaft als einer aus den Nationen. Es unterstützt daher nicht die Lehre von der Verlierbarkeit des Heils (26,II,211). Römer 12 1 Dtn 32,35 2 Spr 25,21-22 (LXX) 3 Vernünftig, im Gegensatz zum mechanischen Gottesdienst des AT (44,z.St.). Möglich wären auch die Bedeutungen: wirklicher, oder geistlicher Gottesdienst, jedenfalls immer im Gegensatz zum buchstäblichen Gottesdienst im AT. Oder: euer wortgemäßer Gottesdienst. Die völlige Auslieferung und Hingabe unseres Körpers, ja unseres ganzen Seins, an Gott, ist die Voraussetzung für jede weitere Art von "Gottesdienst" (z.B. Versammlungen, Mission, Almosen, Hilfeleistungen, usw.). Diese Hingabe bewahrt uns vor eigenwilligem Gottesdienst. 4 Im Gegensatz zu den Opfern im AT, die ja tot waren. 5 Wahrscheinlich als toleratives Imp.Präs.Pass.: "lasst euch nicht fortwährend äußerlich anpassen (bzw. prägen)"; od. viell. als Med.: "passt euch nicht...". 6 od.: toleratives Imp.Präs.Pass.: "sondern lasst euch fortwährend von innen her umgestalten" (26,II,233). - Die Welt will den Gläubigen von außen nach innen prägend verändern, Gott aber will uns durch den innewohnenden Heiligen Geist von innen nach außen umgestalten und heiligen (vgl. auch 1Pet 1,14-15). 7 Mit "dem Maß des Glaubens" dürfte die Gnadengabe(n) gemeint sein, die Gott jedem Gläubigen schenkt, um damit in der Gemeinde zu dienen (vgl. Vers 6-8). Diese soll er treu ausführen, und nicht auf Dinge sinnen, die Gott ihm nicht gegeben hat (26,II,236). Dennoch darf jeder auch nach weiteren Gnadengaben trachten (1Kor 14,13). Ob der Heilige Geist sie ihm gibt, entscheidet aber Gott allein (1Kor 12,11). 8 Die folgenden Partizipien und Infinitive von Vers 10-13 und 16-19, sind wahrscheinlich imperativische Partizipien und Infinitive, wobei mehr unsere Eigenschaften hervorgehoben werden sollen, im Gegensatz zu den Imperativen in Vers 14 und 15 (2,940; 13,129). 9 Hier beginnt der dritte Teil des Römerbriefs. Er handelt von der rechten Lebensführung der Gläubigen. Der rechte, vernünftige Gottesdienst verwirklicht sich nicht allein in den gottesdienstlichen Versammlungen, sondern umfasst das ganze Leben (vgl. 47,z.St.). Jeder Tag bis zum Lebensende soll dazu dienen, sich für Gott aufzuopfern. Wie bei einer Kerze, die, um zu leuchten, sich immer mehr verzehrt. - Die Ermahnung war die mildeste Form der Korrektur und entspricht nicht der Strenge, die in dem deutschen Begriff ermahnen steckt. Sie beinhaltet immer auch eine Ermunterung, etwas zum Guten zu verändern und so Segen zu bekommen. - Zur Struktur des Satzes siehe die Grafik: https://drive.google.com/file/d/16RO2ypXwjig9VkSN95-2l2AbCH2ieWkC/view?usp=sharing. 10 Die nun folgenden Kapitel 12-15 sind die praktische Fortsetzung der vorigen Kapitel (wie in Eph 4,1). 11 Mit dem Plural Barmherzigkeiten sind all jene Gütigkeiten Gottes gemeint, welche Paulus in den vorigen Kapiteln genannt hat (26,II,230ff), und die wir als Gläubige täglich von Gott erfahren. Mit dem hebräischen Abstraktionsplural werden sie hier in der Bedeutung eines Singulars zusammengefasst (2,z.St.). 12 Das Wort ist auch ein t.t. der Opfersprache (vgl. Lk 2,22). Der Sünder musste zuerst dem Priester, und damit Gott, sein fehlerfreies Opfertier darstellen. Erst nachdem der Priester es begutachtet hatte, durfte der Opfernde es schlachten, danach wurde es Gott am Brandopferaltar dargebracht. Bevor wir also Gott mit unseren Gaben dienen können (Verse 4ff.), sollen wir ihm unseren Körper vorbehaltslos zur Verfügung stellen, damit er mit uns machen kann, was er will (Röm 6,19). Da wir durch die Rechtfertigung schon geheiligt sind (1Kor 1,30 ua.), können wir auch ein heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer sein. Dies soll unser Dienst dann auch widerspiegeln. Der Inf.Aor. drückt aus, dass dieses sich zur Verfügung stellen, eine grundsätzliche und einmalige Hingabe ist (26,II,233), die sich aber Tag für Tag beweisen muss. 13 Es könnte sein, dass Paulus damit speziell an das Brandopfer denkt, nachdem er in den Kapiteln 1-8 gezeigt hat, dass Christus unser Schuld- und Sündopfer geworden ist. Denn wir geben unseren Körper keinesfalls als Sündopfer oder als Schuldopfer hin (26,II,230). Was aber dagegensprechen würde ist, dass das spezielle Wort für Brandopfer ολοκαυτωμα ist (z.B. Mk 12,33; Heb 10,6.8), und hier nicht Christus das Brandopfer wäre, sondern wir. Jedenfalls aber ist der Gedanke unserer völligen Hingabe an Gott damit ausgedrückt, - wie es beim Brandopfer ja auch der Fall ist. 14 Bezüglich der Gabe der Prophezeiung bzw. Weissagung siehe die Anm. bei 1Kor 14,3 15 δια mit Gen. drückt die Dringlichkeit der Bitte aus (2,z.St.). 16 Nun beginnt Paulus zu erklären, worin der vernünftige Gottesdienst besteht. Und zwar zuerst in Bezug auf die Gemeinde (Röm 12,3-8), dann in Bezug auf unsere Mitgläubigen und Mitmenschen (Röm 12,9-21), in Bezug auf die Obrigkeit (Röm 13,1-7) und schließlich in Bezug auf die Gesellschaft (Röm 13,1-14). 17 Das Wort Gaube mit Artikel, bezeichnet oft die Glaubenslehre (z.B. Röm 1,5; Gal 1,23; 3,23-25; 1Tim 1,19; 4,1.6; 6,10; 2Tim 2,18; Jud 1,3.20). Das würde hier gut passen. Andere aber verstehen hier den Glauben des Propheten, mit dem er im Sinne von Vers 3 seine Gabe ausüben soll. Er soll nicht etwas sagen, was ihm Gott nicht gezeigt hat, und was eigenmächtig wäre (26,II,236; 78,544). Auch diese Auslegung passt gut zum Kontext. Römer 13 1 Ex 20,13-17 (LXX); Dtn 5,17-21 2 Lev 19,18 3 "Justitia", die römische Göttin des Rechts, wird in Statuen folgendermaßen dargestellt: sie legt ihre linke Hand auf das "lex romanum" (= das römische Gesetz), in ihrer rechten Hand hält sie das Schwert mit dem bei schweren Verbrechen die Todesstrafe ausgeführt wurde (65,III,383). Auch der Kaiser und sein praefectus praetorio, sowie die höchsten Behörden in den Provinzen, trugen bei öffentlichen Aufzügen das Schwert als Symbol für die Autorität die Todesstrafe zu verhängen (26,II,253). In Joh 19,10-11; Mt 22,7; Lk 19,27; 20,14-16, anerkennt auch Jesus indirekt, dass die Obrigkeit die Autorität hat, die Todesstrafe auszuführen. Auch Paulus und Petrus sind nicht gegen die Todesstrafe (Apg 25,11; Röm 1,32; 1Pet 2,14). Ungerechtfertigterweise erlitten sie diese allerdings später selbst durch die römische Obrigkeit, und es ist im Laufe der Menschheitsgeschichte bis heute immer wieder zu Missbrauch der Todesstrafe und zu Fehlurteilen gekommen. Seit dem Bund den Gott mit Noah geschlossen hat (Gen 9,6), ist es aber das Recht und die Aufgabe der Obrigkeit als Dienerin Gottes bei Mord die Todesstrafe auszuführen (26,II,253f; 60,438-442.477f). Im Gesetz Mose wurden auch noch andere Vergehen mit dem Tod bestraft und im tausendjährigen Reich wird unter der Regierung des Königs Jesus Christus sogar jede Sünde mit dem sofortigen Tod bestraft werden (Jes 66,24; Ps 101,8a). Es ist aber weder die Aufgabe der Gläubigen die Einführung der Todesstrafe von der Obrigkeit zu fordern noch dagegen zu protestieren. 4 Die Kopfsteuer (lat.: tributum) war eine Abgabe, die von jeder Person in den von den Römern okkupierten Ländern an Rom gezahlt werden musste, entsprechend den heutigen Steuerabgaben. 5 Mit dem Plural "Autoritäten" sind die Institutionen der stattlichen Behörden von der obersten (Kaiser, König, Sultan, Diktator, Präsident, Ministerpräsident, Kanzler, udgl.) bis zur niedrigsten Instanz (Beamte, Polizei, Lehrer, Notare, usw.) gemeint. Mit dem Singular "Autorität" ist dagegen das Prinzip der staatlichen Autorität an sich gemeint, dass von Gott selbst eingesetzt ist (Ge 9,6 ua.), egal von welcher Art, z.B. Monarchie, Demokratie, ja sogar die römische Kaiserdiktatur unter Nero ist für Paulus darin eingeschlossen. Vgl. auch 1Pet 2,13-17. Zur Frage wie man sich in Diktaturen gegenüber der Obrigkeit verhalten soll siehe Apg 4,18-20 und Apg 5,29.40.42 (26,II,250ff, sowie 48,672). Das Gegenteil jeder Art von Obrigkeit wäre Anarchie und Chaos. Daher ist der "Tyrannenmord" kein biblisches Vorgehen. Gott selbst wird Weltreiche, Regime und Machthaber, die nicht seinen Willen ausführen, zu seiner Zeit absetzen (Dan 4,14.22.29). Dies beweist auch die Geschichte (z.B. bei Nero, Domitian, Napoleon, Heinrich dem VIII, Hitler, Stalin, uva.). Zur Frage wie man sich verhalten soll, wenn Obrigkeiten einen Gehorsam verlangen der Gottes Willen widerspricht, siehe die Anm. zu Gal 2,5 6 Auch bei den Moralisten zur Zeit des Paulus war Schulden machen verpönt (65,II,220). Das moderne Schuldenmachen ist sehr zu hinterfragen, besonders wenn kein wirklicher Gegenwert zu den Schulden (z.B. eine Grundstückshypothek) vorhanden ist. Besser ist es, sich an 1Tim 6,8; Heb 13,5 (siehe die Anm. dort) und die Warnung in Spr 22,7b.27b zu halten. 7 Mt 22,21. Die Ehrerbietung, d.h. der Respekt und die Achtung, gebührt den Repräsentanten der Obrigkeit, die Furcht aber nur allein Gott (1Pet 2,17). 8 Die Orgien der Heiden fanden meist nachts statt (65,II,221). 9 Entw.: "sodass Begierden erst erwachen"; od.: "um Begierden zu befriedigen" (2,943; 26,II,262). 10 Das Gewissen ist ein von Gott gegebenes Instrument (Röm 2,15-16), das nicht verletzt werden soll, da es sonst verhärtet und seine Kontrollfunktion verliert (1Tim 1,5.19). 11 Wahrscheinlich ist hier der geistliche Schlaf der Gläubigen gemeint (wie Mt 25,5; Mk 13,36; 1Thes 5,5-7). 12 Gemeint ist hier die zukünftige und endgültige Errettung, wie in 1Pet 1,5 13 Mit den Regierenden sind die Personen gemeint, welche die staatliche Autorität repräsentieren und ausüben. 14 Der Ind.Präs. + Ptz.Perf. ist ein umschriebenes Perfekt oder Plusquamperfekt (2,1388). Das könnte bedeuten, dass die bestehende Regierung so lange von Gott legitimiert ist, solange sie nicht von ihm selbst abgesetzt wird. Gewalttätige Revolutionen oder militärisches Eingreifen (z.B. die Französische Revolution, die kommunistische Revolution in China, die Stellvertreterkriege in Vietnam, Korea, Irak, Afghanistan, Jemen, ua.), so angebracht wie sie auch erscheinen mögen, haben nie friedliche Verhältnisse hervorgebracht (26,II,251). Römer 14 1 Glaube mit Art. bedeutet fast immer: die Glaubensüberzeugungen, und nicht den persönlichen Glauben. 2 od.: Den Glauben, den du für dich selbst hast, habe auch für Gott; od.: Den Glauben, den du für dich selbst hast, bewahre dir vor Gott (vgl. 26,II,277; 7,z.St.). Gemeint ist, dass man das wovon man überzeugt ist, ruhig tun soll, aber nur wenn man dabei nicht jemand anderen verführt, etwas zu tun, was gegen sein Gewissen ist. 3 entw.: die auch in 1Kor 10,29-30 ausgesprochene christliche Freiheit (26,II,275); od. viell.: das Heil? 4 D.h. das was er nach gründlicher Prüfung, in Bezug auf seine persönliche Freiheit für richtig hält, nämlich, ohne schlechtes Gewissen zu Essen und zu Trinken. 5 In der Gemeinde in Rom gab es offenbar eine asketische Richtung, die die Einhaltung bestimmter Speisevorschriften und die Einhaltung bestimmter Festtage idealisierte, entweder als eine Rückkehr zur vorsintflutlichen Lebensweise (ohne Fleisch und ohne Wein), oder in Verbindung mit den jüdischen Reinheitsvorschriften und der Ablehnung von Götzenopferfleisch; vgl. Röm 14,14.20 (vgl. 47,z.St.; 26,II,263ff). 6 Paulus meint hier die Rücksichtnahme der Heiden-Christen, die früher Götzendiener waren, gegenüber den Juden-Christen. Diese aßen kein Fleisch, dass den Götzen geopfert wurde und dann am Fleischmarkt verkauft wurde, und auch kein Fleisch, dass nicht durch Schächten vollständig ausgeblutet war. - Heiden-Christen, die eigentlich beides durften (1Kor 8,13), sollten im Umgang mit ihren schwachen (jüdischen) Geschwistern, auf ihre Freiheit verzichten. Aber auch nur dann, wenn sie direkten Umgang mit ihnen hatten und nicht generell (1Kor 1Kor 10,29.30). - Das Wort Anstoß nehmen, hat hier nicht die allgemeine Bedeutung: sich an etwas stoßen, mit etwas nicht einverstanden sein, sondern die spezielle Bedeutung: zur Sünde verführt werden; vgl. Mt 18,7; Lk 17,1; 1Kor 8,9 7 Die Probleme zwischen der Sicht der Starken und der Schwachen dürften vor allem bei den "Liebesmahlen" (1Kor 11,21-22.33-34; Jud 1,12), und beim Genuss von Götzenopferfleisch, welches am Markt gekauft wurde (1Kor 8,1-13), zutage getreten sein (26,II,265f). 8 Dies gilt beim Starken grundsätzlich auch für den Sonntag, er ist prinzipiell ein Tag wie jeder andere. Nur weil der Herr Jesus an diesem Tag auferstanden ist, und sich die ersten Christen deshalb genau an diesem Tag versammelten, versammeln auch wir uns an diesem Tag. Für die ersten Christen war der Sonntag bis zum 3.Jhdt. ein ganz normaler Arbeitstag. Er ist kein christlicher Ersatz für den Sabbat. 9 Es dürfte sich um die Einhaltung bzw. Nichteinhaltung der jüdischen Festtage gehandelt haben. Obwohl Paulus die Sicht der Starken teilt (Vers 14; 1Kor 8,1-13), empfiehlt er um des Friedens willen, die Sicht des jeweils anderen stehen zu lassen, aber gleichzeitig von der eigenen Ansicht völlig überzeugt zu sein. Auch er war bereit, in Dingen, die er anders sah, den Andersdenkenden entgegenzukommen (1Kor 9,1ff; Apg 21,20-26 ua.). 10 Jes 49,18; Jer 22,24; Hes 5,11; Jes 45,23 (LXX). Zum Richterstuhl Christi vgl. noch: Mt 25,14ff; Lk 19,12ff; 1Kor 3,12-17; 4,2-5; 2Kor 5,10 11 D.h. für den, der trotz innerer Bedenken und gegen sein Gewissen davon isst. Das Gewissen ist ein von Gott gegebenes Instrument (Röm 2,15.16), das nicht verletzt werden soll (Röm 13,5), da es sonst verhärtet (1Tim 1,5.19). Römer 15 1 Ps 69,10 (LXX) 2 Ps 18,50 (LXX); 2Sam 22,50 3 Dtn 32,43 (LXX) 4 Ps 117,1 5 Jes 11,10 (LXX) 6 Jes 52,15 (LXX) 7 Zeichen und Wunder zu tun, war offenbar (nur?) in der Anfangszeit den Aposteln und Evangelisten, als machtvolle Bestätigung ihrer Botschaft, vorbehalten, vgl. Mk 16,20; Apg. 2,43; 4,30; 5,12; 6,8; 8,6; 14,3; 19,11; Röm 15,19; Heb 2,3.4 8 Illyrikum war die römische Provinz nördlich von Mazedonien, das heutige Albanien (54,z.St.). Gemeint ist nach 2Tim 4,17 und Kol 1,26, dass Paulus das Evangelium angefangen von Jerusalem überall in den Hauptstädten Kleinasiens vollständig bekanntgemacht hat (2Tim 4,17). Diesen Ausdruck darauf zu beziehen, dass Paulus den ganzen Ratschluss Gottes bekannt gemacht hat, ist sehr gesucht, da der Ausdruck mit der Ortsangabe Illyrikum verbunden ist. Auch der unmittelbare Kontext spricht dagegen. 9 w.: etw. versiegeln. Getreidesäcke wurden nach dem Kauf, noch vor dem Abtransport versiegelt, damit unterwegs nichts an ihnen manipuliert werden konnte. Wenn die Frucht versiegelt ist, dann ist alles in Ordnung (37,617). In diesem Sinne wahrscheinlich auch hier. Zur Kollekte für Jerusalem vgl. 1Kor 16,1-4; 2 Kor 8 und 9; Gal 2,10 10 D.h. die Starken die Schwachen, und umgekehrt. Diesen Vers auf die Aufnahme in die Gemeinde anzuwenden, wie es oft geschieht, ist keine sorgfältige Exegese, denn dies würde Paulus besser mit dem Wort αναλαμβανω ausdrücken. Das Wort hat hier die gleiche allgemeine Bedeutung wie in Röm 14,1 (26,II,285). 11 Meint er damit eine genaue Kenntnis der Sachlage, bevor man überhaupt fähig ist richtig zurechtzuweisen? Vgl. Spr 14,29; 19,11. 12 Damit meint Paulus, dass er die Aufgabe des Apostels in diesen Gegenden erfüllt hat, weil er in allen wichtigen Städten eine Gemeinde gegründet hat. 13 Diese Bitte wurde ihm erfüllt, aber wohl nicht so wie er es sich vorgestellt hatte. Er kam auf einer gefährlichen Reise als Gefangener nach Rom. 14 od. nach anderen Hs.: "Gerade nun aber, - .... - hoffe ich" (26,II,298f). 15 Das Amen fehlt in einigen Hs. Die Erwähnung des "Gott des Friedens" ergibt sich aus den Feindseligkeiten von denen Paulus im Vers 31 gesprochen hat (26,II,303). 16 Spanien wurde in der Antike als das westliche Ende der Erde betrachtet, Indien als das östliche Ende. Dass Paulus darum bittet, von den Geschwistern in Rom für die Reise dorthin ausgerüstet zu werden, ist verständlich. Immerhin betrug die Reise dorthin ca. 2000 km (65,II,226). Er dürfte es aber nie geschafft haben, bis nach Spanien zu kommen. 17 Mazedonien war eine römische Provinz auf der Balkanhalbinsel. Sie umfasste den nördlichen Teil des heutigen Griechenlands. Achaja war die römische Provinz, die den südlichen Teil Griechenlands umfasste (54,z.St.). 18 Siehe: https://drive.google.com/file/d/1EQC6GvotUUs2ueNT3XAn_wNrNW1y5VHG/view?usp=sharing Römer 16 1 V.24 ist ein sekundärer Zusatz (27,540). 2 Als Frauenname in der Gräz. vielfach belegt, als Männername konnte er bis heute noch nicht nachgewiesen werden (59,379), es sei denn, man nimmt ihn als Kurzform des männlichen Namens Iunianus (1,770f). Wenn es ein weiblicher Vorname ist, handelt es sich wohl um die Ehefrau von Andronikus (33,36). Beide waren Juden, sie waren mit Paulus zusammen und standen in großem Ansehen unter den Aposteln. Es ist undenkbar, dass Paulus sagen will, dass dieses Ehepaar Apostel im eigentlichen Sinn waren und zum Kreis der Apostel gehörten, und noch dazu "ausgezeichnet" unter ihnen, ohne dass wir sonst von ihnen hören. 3 Nach Gal 5,20 die Vorstufe zu Parteiungen. Der Artikel weist darauf hin, dass es sich um schon bekannte Tatsachen handelt (26,II,314). 4 Damit können nicht die Schriften des AT gemeint sein (weshalb auch der Artikel vor "Schriften" fehlt), denn in ihnen wurde das Evangelium und das Geheimnis der Gemeinde noch nicht geoffenbart. Es sind die Schriften des NT in denen den Gläubigen das Geheimnis des Christus geoffenbart wird (Eph 3,3-6; Kol 1,26). Sie sind prophetische Schriften, weil sie durch den Heiligen Geist inspiriert wurden (2Tim 3,16; 2Pet 1,21). Die Verkündigung des Evangeliums an die Ungläubigen geschah aber durch die Predigt; Röm 16,25; Röm 1,1; Tit 1,3 (26,II,324) 5 "...ω" (= welchem) kann sich grammatisch zwar sowohl auf Gott als auch auf Jesus Christus beziehen, wahrscheinlich ist aber wie oben zu übersetzen (2,z.St.). 6 In einer alten Inschrift wird ein gewisser Erastus als Schatzmeister in Korinth bestätigt. Damit hatte er das Amt des Ädils in Korinth inne. Das war eine Art Polizeichef, der für die Veranstaltung der Isthmischen Spiele verantwortlich war (65,II,112; 33,182.341). In Apg 19,22 und 1Tim 4,20 ist er nur mehr der Diener von Paulus. Eine hohe Verantwortung in der Welt, macht noch lange keinen Karrieresprung in der Gemeinde. Aber ein Diener im Reich Gottes ist größer als eine hohe Stellung in der Welt. 7 Wahrscheinlich diktierte Paulus seine Briefe meistens. Hier unterbricht Paulus sein Diktat und lässt den Tertius selbst Grüße ausrichten. Eine wahrhaft edle Haltung die den demütigen und höflichen Charakter des Paulus offenbart. 8 Die Grüße an verschiedene Personengruppen und Haushalte könnten darauf hinweisen, dass sich die Versammlung in Rom, ebenso wie in Jerusalem, in verschiedenen Hausgemeinden versammelte (vgl. 21,II,718; und den Exkurs zu Hausgemeinden in 48,493ff). Bis zum Ende des 3.Jhdt. gab es im römischen Reich nachweislich keine speziellen Versammlungsräume der Christen. Sie versammelten sich in Privathäusern (65,II,105.230). Aquila und Priscilla wurden von Kaiser Claudius aus Rom ausgewiesen und übersiedelten nach Korinth, wo sie zu Mitarbeitern des Paulus wurden. Danach übersiedelten sie nach Ephesus, gründeten dort eine Hausgemeinde und dürften danach wieder nach Rom zurückgesiedelt sein, wo sie wieder eine Hausgemeinde beherbergten (Vers 5). Der Einwand, Paulus könne nicht so viele Leute in einer Gemeinde gekannt haben, die er noch nie besuchte, wird sehr gut von F.Godet widerlegt (26,II,318). 9 Vgl. zur Sache die Anm. bei 1Kor 5,9. 10 Narcissus war höchstwahrscheinlich ein Freigelassener des Kaisers Claudius, unter dessen Regierung er einer der mächtigsten Männer des römischen Reiches war (65,II,231). Kurz nach der Steuereinschätzung unter Nero, also etwa drei bis vier Jahre vor diesem Brief, wurde er von Nero zum Tod verurteilt. Seine Sklaven wurden daraufhin wohl in Neros Haushalt eingegliedert (21,II,718). 11 Ob es sich dabei um das offizielle Amt einer Diakonin handelt, muss offenbleiben. Im 2.Jhdt. n.Chr. ist bereits die Rede von Diakoninnen (60,528; 26,II,305). Vgl. auch die Anm. bei 1Tim 3,11 12 od.: "...unter allen Völkern"; vgl. auch Röm 1,5 - Gen.auctoris: der Gehorsam, den der echte Glaube bewirkt. Glaube der nicht zum Gehorsam führt, ist kein echter Glaube; vgl. Jak 2,26 13 Wahrscheinlich: die Predigt des Paulus über bzw. von Jesus Christus; oder viell..: die Predigt die Jesus Christus durch den Mund des Paulus erschallen ließ; oder, aber sehr unwahrscheinlich: die Predigttätigkeit von Jesus selbst während seines Erdenlebens, wovon Paulus aber sonst nie spricht (26,II,322f). 14 Es müssen diejenigen Schriften des NT gemeint sein, die schon vorhanden waren. Vgl. Eph 2,20; 3,3-5 und die Anm. bei 2Tim 3,16 (26,II,324). 15 In Gräz.: jemand der vor dem Altar steht und (für jmdn.) fleht. In der Antike ein t.t. für den Vorsteher in einer heidnischen (aber auch jüdischen) religiösen Vereinigung in Athen, der sich, mit oder ohne Staatsamt, um die Interessen derer kümmerten, die keine Bürgerrechte besaßen (21,II,718; 52,V,1642). Ein reicher und einflussreicher Schutzpatron einer religiösen Vereinigung, die sich in dessen Haus versammelte (65,II,229). Für die Zeit des NT ist diese Bedeutung für Frauen aber nicht bezeugt (60,526). Bei Phöbe müssen wir daher wahrscheinlich die allgemeine Bedeutung annehmen: anderen ein Beistand und Fürsprecher sein. 16 So wie Aquila und Priska waren auch viele andere Juden-Christen nach Rom zurückgekehrt. Mit dem Tod von Kaiser Claudius, erlosch auch sein Dekret zur Vertreibung aller Juden aus Rom (65,II,229). 17 Diese Namen waren römische Sklavennamen (65,II,231). 18 Er war sicherlich wohlhabend und hatte ein größeres Haus, in dem die Versammlungen in Korinth stattfanden. Größere Häuser hatten damals Platz für mindestens 50 Personen, seines vielleicht noch für mehr Personen (65,II,105). 19 Der Begrüßungskuss auf Stirn oder Wange war unter Familienangehörigen und Freunden üblich. Unter Gläubigen drückte ein keuscher Kuss die geistliche Verwandtschaft aus (54,z.St.). Später legte die Kirche fest, dass Männer nur Männer und Frauen nur Frauen mit dem Bruderkuss küssen dürfen (21,V,80). Anfangs dürfte das aber noch nicht so gewesen sein (65,II,232). 20 Kenchreä war der östliche Hafen von Korinth am Sarinischen Golf, etwa 7 km von der Stadt Korinth entfernt (54,z.St.). 21 Die Übersetzung "in Kürze" ist irreführend, immerhin hat Paulus das schon vor ca. 2000 Jahren geschrieben. Der griech. Ausdruck εν ταχει bedeutet: sehr schnell bzw. plötzlich, nämlich bei der Wiederkunft Christi (vgl. Offb 20,2.10). Den gleichen griech. Ausdruck finden wir in Lk 18,8, dort wird richtig übersetzt mit: "ohne Verzug". Ebenso in Offb 22,20 Zu Korinthern A 1.Korinther 1 1 Jes 29,14 2 Jer 9,22-23. Da es sich um ein Zitat aus dem AT handelt, steht κυριος natürlich ohne Artikel. Doch Paulus wendet das Zitat auf den Herrn Jesus an. Man kann auch übersetzen: "rühme sich über (den) HERRN" (44,z.St.). Vgl. dazu als Beispiel Apg 14,27a und 15,4b "...was Gott mit ihnen getan hatte", und nicht: "was sie für Gott getan hatten". 3 D.h. in allen übrigen Versammlungen, weshalb die Anordnungen in diesem Brief allen Gläubigen aller Zeiten an jedem Ort gelten. 4 D.h. entw.: "..., dass ihr einmütig seid"; oder wegen dem was in V.12 steht. Der Ausdruck war in der Gräz. ein politischer t.t. für Städte, die frei von Parteiungen waren, oder von Ländern, die freundschaftliche Beziehungen miteinander pflegten (21,II,763). 5 Damit ist der gekreuzigte Messias gemeint. Vgl. Vers 23.24.30 und Kol 2,3. 6 Vgl. "Wort" in: 1Kor 2,1ff; 4,19; 12,8; 14,26 und "Erkenntnis" in: 1Kor 8,1; 13,2 7 Die Korinther stellten in einem Brief an Paulus zwar Fragen über theoretische Dinge (1Kor 7,1; 8,1; 12,1), von ihren Spaltungen und der Unzucht in ihrer Mitte, erwähnten sie darin allerdings nichts. Dies musste Paulus leider durch andere erfahren. Zuverlässigen Zeugen kann man auch Dinge glauben, die man nicht selbst gesehen, gehört oder geprüft hat. Vgl. auch 1Kor 5,1ff. 8 Paulus taufte offenbar immer nur die Erstbekehrten (Apg 18,8; 1Kor 16,15), diese tauften dann die anderen. Die Taufe selbst war zwar ein wichtiges Symbol, aber wer taufte war zweitrangig (vgl. auch Apg 10,48; Joh 4,1ff). 9 od.: "ihres als auch unseres Herrn". 10 Die Verse 27-30 zeigen, dass die Erwählung der Gläubigen aus Gott kommt, und nicht aufgrund ihres sogenannten "freien Willens" und eigenem Streben. Sie ist nicht nur kollektiv und unpersönlich, sondern persönlich, denn es wird unterschieden zwischen einzelnen Personen, die sich entweder für stark und weise halten, oder töricht und niedrig in den Augen der Welt sind (31,I,59f). Vgl. auch Eph 2,8-9 11 Das Wort bezeichnet sowohl den Prozess des geheiligt Werdens durch die Erziehung Gottes, - also die Heiligung von Herz und praktischem Lebenswandel (2Thes 2,13; 1Pet 1,2), - als auch dessen Ergebnis in seiner Vollendung, - also den Zustand bzw. die Stellung des Geheiligtseins im sittlich-moralischen Sinn (26,II,36f.). So wahrscheinlich hier und in: Röm 6,19.22; 1Kor 1,30; 1Thes 4,3.4; 1Tim 2,15 und Heb 12,14. 12 Synagogenvorsteher in Korinth, als Paulus das erste Mal in der Stadt war. Nach dessen Freisprechung wurde er vom erbosten Pöbel geprügelt. Vielleicht, weil er schon gläubig war, oder er wurde es später. Dann wurde er ein Mitarbeiter von Paulus (Apg 18,17). 13 Hauptstadt von Achaia und zweitgrößte Stadt Griechenlands, mit einem unvergleichlichen Festungsberg. Auf dem die Halbinsel Peloponnes mit Attika verbindenden Landenge Isthmus äußerst günstig gelegen und als Handelsstadt zu großer Bedeutung gelangt. Sie hatte zwei Häfen, Lechaeum im Westen und Kenchräa im Osten der Stadt. Nach der Zerstörung durch Mummius (146 v.Chr.), hatte Caesar 44 v.Chr. die Stadt wieder aufbauen lassen, und sie war schnell wieder zu großer Blüte gekommen. Sie der war Sitz des Statthalters der Provinz Achaia. Die Stadt wurde ein florierendes Handelszentrum für verschiedene Handwerke, besonders für Keramik. Als Sitz einer Universität und als Mittelpunkt reichen künstlerischen Lebens war sie ebenso berühmt wie durch den Luxus seiner Bewohner. Die stark gemischte Bevölkerung führte zu einer großen Sittenverderbnis der Bewohner. Paulus besuchte die Stadt auf seiner 2. Missionsreise und gründete dort eine Gemeinde, in deren Leben uns die erhaltenen Briefe einen interessanten Einblick geben (33,229; 52,III,301ff). 1.Korinther 2 1 Jes 64,3; 52,15; 65,16; Jer 3,16 2 Jes 40,13 (in LXX der Ind.Fut.). 3 Pl.Mask.: bezieht sich auf die Herrscher! 4 viell.: "...indem geistlichen Inhalt mit geistlichen Worten auslegend"; od.: "...indem Geistliches geistlichen Menschen erklärend" (2,z.St.); od.: "...indem die geistliche Lehre geistlichen Menschen (von Vers 15) anpassend bzw. beibringend" (31,I,79). 5 Zum abwertenden Gebrauch von "seelisch", vgl. Jak 3,15; Jud 19; 1Kor 15,44.46 (vgl. 47,z.St.). 6 Ein t.t. für einen Beweis, der von Fakten oder Dokumenten unterstützt wird, im Gegensatz zu rein theoretischen Überlegungen (21,II,776). 7 Das impliziert Inspiration, aber keine mechanische Diktatinspiration (31,I,79). 8 Es gibt acht Geheimnisse Gottes, die im AT noch verborgen waren und erst im NT geoffenbart werden: (1.) die herrliche Offenbarung Gottes in der Menschwerdung Christi, des präexistenten Sohnes Gottes (1Kor 2,7; Kol 2,2; 1Tim 3,16); (2.) das im AT angekündigte irdische Königreich Gottes wird durch die Ablehnung Israels zu einem verborgenen Königreich der Himmel (Mt 13,11 ua.); (3.) die teilweise Verstockung Israels öffnet den Heiden den Weg zum Heil, wodurch Juden-Christen und Heiden-Christen in Christus zu einem Leib werden (Röm 11,25; 16,25.26; Eph 3,3-9; Kol 1,27; 4,3); (4.) die mystische Einheit von Christus und seiner Braut der Gemeinde (Eph 5,32); (5.) die Verwandlung der Gläubigen und die Entrückung der Gemeinde (1Kor 15,51); (6.) das Geheimnis der Gesetzlosigkeit geoffenbart im Auftreten des Menschen der Gesetzlosigkeit am Ende der Tage (2Thes 2,7); (7.) die Hure Babylon entlarvt (Offb 17,5); (8.) die Vollendung, in der in Christus alles zusammengefasst wird (Eph 1,9). 1.Korinther 3 1 Hiob 5,12-13 2 Ps 94,11 (LXX) 3 Bezieht sich auf ναος (Sg.), ist aber mit υμεις (Pl.) kongruiert (21,II,793). 4 D.h. wie einer der durchs Feuer hindurch aus dem brennenden Haus entflohen ist und Brandspuren davongetragen hat (2,z.St.). 5 Damit ist wohl im Zusammenhang von V.9ff, die örtliche Gemeinde in Korinth gemeint, daher ohne Artikel. Der gleiche Gedanke findet sich auch in 2Kor 6,16. Mit Artikel wäre die ganze universelle Gemeinde gemeint, nur sie ist der Tempel Gottes. In 1Kor 6,19 ist nicht die Gemeinde, sondern der Körper des einzelnen Gläubigen gemeint. 6 D.h. Apollos und Paulus arbeiten zusammen für Gott (Vers 6-8). Paulus will nicht sagen, dass sie Mitarbeiter von Gott sind (21,II,789). Gott braucht keine Mitarbeiter! 7 z.B. der Lehrer durch falsche Lehre, oder der Evangelist, indem er oberflächlich evangelisiert und dadurch Unbekehrte in die Gemeinde einführt. 8 Mit Steinen sind wertvolle Baumaterialien wie Granit oder Marmor gemeint. 9 Es sind hier zwei Kategorien von Baumaterialien, solche die dem Feuer standhalten und solche die verbrennen. Auch mit Holz kann man schön bauen, aber es hält dem Feuer nicht stand. 1.Korinther 4 1 Plural: es gibt acht Geheimnisse Gottes, die im AT noch verborgen waren und erst im NT geoffenbart werden: (1.) die herrliche Offenbarung Gottes in der Menschwerdung Christi, des präexistenten Sohnes Gottes (1Kor 2,7; Kol 2,2; 1Tim 3,16); (2.) das im AT angekündigte irdische Königreich Gottes wird durch die Ablehnung Israels zu einem verborgenen Königreich der Himmel (Mt 13,11 ua.); (3.) die teilweise Verstockung Israels öffnet den Heiden den Weg zum Heil, wodurch Juden-Christen und Heiden-Christen in Christus zu einem Leib werden (Röm 11,25; 16,25.26; Eph 3,3-9; Kol 1,27; 4,3); (4.) die mystische Einheit von Christus und seiner Braut der Gemeinde (Eph 5,32); (5.) die Verwandlung der Gläubigen und die Entrückung der Gemeinde (1Kor 15,51); (6.) das Geheimnis der Gesetzlosigkeit geoffenbart im Auftreten des Menschen der Gesetzlosigkeit am Ende der Tage (2Thes 2,7); (7.) die Hure Babylon entlarvt (Offb 17,5); (8.) die Vollendung, in der in Christus alles zusammengefasst wird (Eph 1,9). 2 Nämlich vorher in 1Kor 3,5-9, usw. 3 Viell.: die letzten die in die Arena geführt wurden, nackt und ohne Waffen, um sofort von den wilden Tieren zerrissen zu werden. 4 Im Altertum war der παιδαγογος eher der "Aufpasser" als der "Erzieher". Es war meistens ein Sklave, der das Vertrauen des Vaters hatte, und dessen Wirksamkeit begann, nachdem die Mutter und die Gouvernante die Elementarerziehung geleistet hatten. Dann war das Kind ungefähr sechs oder sieben Jahre alt. Der παιδαγογος bekam dann die Aufgabe, den Knaben von und nach der Schule zu begleiten und auf sein Betragen zu achten, unordentliches oder unmoralisches Betragen dem Vater zu melden und den Jungen vor schädlichen Einflüssen zu schützen. Der eigentliche Unterricht wurde mehr durch den διδασκαλος (= Lehrer) gegeben. Wenn der Jüngling erwachsen und mündig war, hörte die Aufgabe des παιδαγογος auf (40,216). Ab dann stand der junge Mann unter der direkten Autorität seines Vaters. 5 Ein verworfener Mensch, ein Bösewicht oder Schurke. Verstärkend für καθαρμα (= das mit Schuld beladene Opfer), das sühnende Reinigung bewirkt. Die Athener warfen jedes Jahr einen Kriminellen ins Meer, um ihn dem Gott Poseidon zu opfern. Dies sollte dazu dienen Unglücke, Hungersnöte, Seuchen, etc. von der Stadt abzuwehren. Dazu wurden Menschen als Opfer gebraucht, die sich freiwillig melden mussten, und es gaben sich nur ganz verkommene Verbrecher dafür her. Sie wurden zuerst auf Kosten der Opfernden versorgt und ließen sich´s noch einmal gutgehen. Daher wurde das Wort zum Schimpfwort für einen nichtswürdigen, heruntergekommenen Menschen. Dieser nahm nach alter Vorstellung sozusagen die Schuld in sich auf, und wurde dann nach der Opferung "weggeworfen", wodurch die Schuld der Nation weggewischt wurde (10,III,434). 6 Nicht nur die bösen, sondern auch die guten. 7 Ingressive Aoriste und ein unerfüllbarer Wunsch in der Vergangenheit (13,123). 8 Wahrscheinlich sagten sie: "Er traut sich nicht selbst zu kommen, stattdessen schickt er Timotius" (21,II,805). 1.Korinther 5 1 Nach Strack-Billerbeck die Stiefmutter; vgl. Lev 18,8; 20,11; od.: die Schwiegermutter; Dtn 27,23. In beiden Fällen war dies auch nach römischen Recht verboten und in allen Gesellschaften ein Gräuel. Diese Frau war keine Gläubige, sonst hätte Paulus auch über sie die Gemeindezucht ausgesprochen. Der Vater war wahrscheinlich schon gestorben (31,I,122f). Der Mann lebte mit dieser Frau intim zusammen, oder hat sie vielleicht sogar geheiratet (2,964; 65,II,252). 2 Ein Präsens und nicht ein Aorist. D.h. es wird öffentlich darüber geredet. Die Korinther stellten in einem Brief an Paulus zwar Fragen über theoretische Dinge (1Kor 7,1; 8,1; 12,1), von ihren Spaltungen und der Unzucht in ihrer Mitte, erwähnten sie darin allerdings nichts. Dies musste Paulus durch andere erfahren! - Zuverlässigen Zeugen kann man auch Dinge glauben, die man nicht selbst gesehen, gehört oder geprüft hat. Vgl auch 1Kor 1,11 und 11,18 3 Ein Passiv! Vielleicht weil das Verderben des Fleisches (V.5) durch Gott geschieht. Diese Strafe entsprach der Todesstrafe im AT, mit dem Unterschied, dass sie reversibel war, wenn der Sünder Buße tat, wie es dann ja auch geschah (2Kor 2,5-11). 4 Ptz.Aor. und nicht Ptz.Präs., was eher für eine außereheliche Beziehung und nicht für eine reguläre Ehe mit dieser Frau spricht (31,I,123). 5 Ein Ausdruck der die Abscheulichkeit des Verhaltens hervorhebt (31,I,128). Vgl. 1Kor 5,11; Röm 16,18; 2Kor 2,6,10,11; Gal 6,1; Tit 3,11 6 w.: συν-ανα-μιγνυμι (zusammengesetzt aus: συν = vertraulich, ανα = wiederholt, μιγνυμι = toleratives Pass.: sich mit etwas vermischen lassen); vgl. Ps 26,4; Hos 7,8. Dies kann sich sowohl hier als auch in 2Thes 3,14, nur auf den geistlichen Umgang beziehen (wie in Ps 55,14). Denn wäre jeglicher soziale und persönliche Kontakt gemeint, bräuchte Paulus nicht noch extra verschärfend dazusagen, mit dem Betreffenden nicht einmal zu essen. - Wie in der Synagoge, gibt es auch in der Gemeinde sowohl mildere Formen (2Thes 3,6-15; Mt 18,15-18), als auch strengere Formen (Röm 16,17-18; 2Tim 3,5; Tit 3,10; 2Joh 1,10) der Gemeindezucht (65,III,41). Sie entsprechen, so wie auch in der weltlichen Gerichtsbarkeit, immer der Schwere des Vergehens, und sind an dieses angepasst. Es gibt allerdings auch Gemeindeausschlüsse, die willkürlich und unberechtigt sind, und dann nicht anerkannt werden müssen. Die unberechtigten Gemeindeausschlüsse in 3Joh 1,10 hat der Apostel Johannes offenbar nicht anerkannt. Zum Thema Gemeindezucht siehe die Anm. bei Mt 18,18 7 Durch και miteinander auf gleiche Ebene gestellt. 8 Präsens, d.h., dass der Betreffende beständig in diesen Sünden verharrt. 9 Vielleicht jemand der sich durch Schwindel etwas aneignet. 10 Dtn 17,7 (LXX). 11 w.: ausfegen; etw. durch und durch, d.h. gründlich reinigen, indem man den Schmutz hinausfegt; allg.: sich von etw. reinigen, indem man sich davon trennt. An dieser Stelle erfolgt die Reinigung, indem eine Mehrheit der Versammlung das Schlechte hinaustut. In 2Tim 2,21 jedoch ist es genau umgekehrt, indem sich eine Minderheit vom mehrheitlich Schlechten im "Christentum" trennt, um sich dadurch reinzuhalten. Im 2.Timotiusbrief blickt Paulus nämlich schon prophetisch auf den zukünftigen großen Abfall innerhalb der Christenheit, wo sich die Treuen in einer Gemeinde schon in der Minderheit befinden könnten. - Vor dem Passafest reinigten die Juden ihre Wohnung so gründlich, dass kein Krümel eines mit Sauerteig gebackenen Brotes mehr zu finden war (54,z.St.). 12 entw. Aor. des Briefstils: "...in diesem Brief" (d.h. in den vorigen Versen); od. viell.: "...in einem vorangegangenen verlorenen Brief", von dem es allerdings keine Spur einer Überlieferung gibt, was schon sehr seltsam wäre; od. noch unwahrscheinlicher: der zweite Teil des 2.Korintherbriefes (Kap. 10-13), der dem ersten Teil (Kap. 1-9) später zugefügt wurde (64,590f). 13 Auch das römische Recht stellte dieses Vergehen unter Strafe (vgl. 47,z.St.). Sogar für die moralisch lockeren Heiden war dieses Verhältnis empörend (21,II,807). 14 Dem Satan wird damit erlaubt, diesen Gläubigen körperlich zu züchtigen (vgl. Hiob 2,6), notfalls bis zum Tod (1,1141), wenn er nicht vorher Buße tut. Man sollte bedenken, dass diese strenge Form von Gemeindezucht für eine sehr schwere Sünde - die sogar die Ungläubigen empörte - ausgeführt wurde. Das Überliefern an Satan, geschieht sowohl hier als auch in 1Tim 1,20 vom Apostel Paulus, in Verbindung mit der Gemeinde. Trotz der Schwere der Sünde, erfolgte die Buße und Wiederaufnahme dieses Sünders wahrscheinlich schon einige Monate nach diesem Brief (2Kor 2,6-11). Wir brauchen nicht nur die Ausübung einer biblischen Gemeindezucht, sondern auch eine biblische Wiederaufnahme in die Gemeinde, nachdem aufrichtige Buße geschehen ist. 15 Ingressiver Aorist: "...habt nicht vielmehr angefangen zu trauern". Das Verbrechen war an und für sich schon schlimm genug, aber dabei noch aufgeblasen zu sein, galt als verabscheuungswürdig. 16 Die Schärfe und sofortige Ausführung der Gemeindezucht, obwohl sich Paulus noch kein eigenes Bild vor Ort machen konnte, ist bemerkenswert. Für den Gemeindeausschluss darf es bei schweren Sünden kein langes Zögern geben. Es ist wie eine sofortige Operation bei einem aggressiven Tumor. Bei nicht so schweren Vergehen sollte man vorher noch ein- bis zweimal ermahnen (Tit 3,10). 17 Paulus meint, wenn er dem Geiste nach bei dieser Gemeindeversammlung anwesend ist. Ein Gemeindeausschluss wird immer von der gesamten Gemeinde (Mt 18,17ff), oder zumindest einer Mehrheit (2Kor 2,6) ausgeführt, und nicht etwa von den Ältesten allein (negatives Beispiel: 3Joh 1,9-10). 18 Ind.Impf. = unerfüllbare Bedingung. 19 "Draußen" und "drinnen" waren im Judentum t.t. für Mitglieder und Nicht-Mitglieder der Synagoge (21,II,813). 20 Beim Brotbacken wurde ein Stück gegorener Teig, der vom letzten Backen aufgehoben wurde, als Treibmittel verwendet. So war stets Sauerteig im Haus. Der alte Sauerteig wurde unter den frischen Teig gemengt, damit der ganze Teig durchsäuert wird. Weil die Gärung als eine Art Fäulnisprozess wirkt, ist Sauerteig "ansteckend" und in der Bibel immer ein Bild für das Böse. Daher musste er vor dem Passahfest aus der Wohnung entfernt werden. 21 Damit ist klar, dass es sich bei dem Betreffenden nach Meinung des Paulus um einen echten Gläubigen handelt. 22 Die beiden wesentlichen Eigenschaften von Sauerteig sind: er durchdringt im Laufe der Zeit alles, und: er bläht auf. Beides war bei den Korinthern der Fall. 1.Korinther 6 1 Vielleicht geschieht dies zu Beginn des Friedensreiches. Vgl. Offb 20,4; 2Pet 2,4. 2 In der rabbinischen Literatur: Geldhändel. - Die Juden waren sich ihrer besonderen Stellung als Volk Gottes bewusst und klärten ihre Streitigkeiten durch interne Gerichtshöfe, nur bei Kapitalverbrechen waren sie auf das Urteil der Römer angewiesen. Die Gemeinde in Korinth hatte dieses Ehrgefühl leider nicht (31,I,145). Wie traurig, wenn Christen heutzutage vor weltlichen Gerichtshöfen streiten, und nicht die Gemeinde urteilen lassen. 3 Ein Homosexueller der mit einem anderen Mann oder Knaben sexuell verkehrt. Dies war bei einigen Philosophen damals sehr verbreitet und dadurch fast schon "salonfähig" (vgl. 1Tim 1,10). Unterschieden wird, sowohl der passive Partner (= Weichling), als auch der aktive Partner (= Knabenschänder). Die bis dahin angeführten Sünden gehörten zum Kult der Aphrodite Pandemos in Korinth (21,II,817). 4 Wahrscheinlich symbolisch bei der Taufe, wegen der rückblickenden Reihenfolge: gerecht gesprochen → geheiligt → getauft. 5 Wahrscheinlich gängige Sprüche der Korinther bezüglich ihrer falschverstanden christlichen Freiheit (vgl. 1Kor 10,23). Oder Paulus zitiert mittels einer Diatribe einen imaginären Gegner (65,II,258). 6 Gen 2,24 (LXX). Es ist also schon der Geschlechtsverkehr selbst, der zu einem Fleisch macht, und nicht bloß die Ehe. 7 In 2Kor 6,16 ist die ganze Versammlung auf Erden der jetzige Tempel Gottes, anstelle des Tempels in Jerusalem. Gott wohnt jetzt in der Versammlung. Hier aber ist der Körper jedes einzelnen Gläubigen ein Tempel des Heiligen Geistes. 8 Falls ein Gläubiger in solchen Sünden lebt, wird er nicht nur unter Gemeindezucht gestellt (1Kor 5,11-12), er wird auch von Gott gezüchtigt, notfalls mit dem leiblichen Tod, damit er nicht mit der Welt verurteilt wird (1Kor 11,32). Das Urteil über die Sünde wird sozusagen schon hier und jetzt körperlich vollstreckt, denn der Gläubige kommt nicht mehr ins Endgericht (Joh 5,24). 9 Von Personen: verweichlicht, "feminin". Von den Lustknaben die sich von Männern sexuell missbrauchen ließen (1,991). 10 vgl. Dan 7,22; Mt 19,28; 20,21; Offb 2,26-27; 5,10; 20,4; 22,5 11 Andere verstehen καθιζετε als Imperativ und übersetzen: "...setzt doch die in der Versammlung Verachteten (d.h. die geringen Brüder) als Richter über euch ein" (31,I,148), aber dies scheint in Widerspruch zu Vers 5 zu stehen. 12 Gemeint sind die unter den Gläubigen, die andere Brüder "berauben", sodass es überhaupt zu Prozessen kommt (31,I,150). 13 Sünden muss man bekämpfen, die Hurerei und die jugendlichen Lüste aber muss man fliehen (31,I,159). 14 Paulus musste diesen Punkt deutlich herausstreichen, denn Prostitution war nach römischen Recht erlaubt und bei Männern unter dreißig, war Prostitution mit Sklavinnen und Prostituierten weit verbreitet. In den Tempeln gab es auch die "heilige" Tempelprostitution. Von Philo wurde sie zwar als Kapitalverbrechen bezeichnet, doch die Bevölkerung dachte anders. Für die griechischen Philosophen war der Körper nicht nur vergänglich, sie glaubten auch nicht an eine Auferstehung, und darum auch nicht an eine Verantwortung darüber, was sie mit ihrem Körper getan hatten. Nur die Seele zählte. Die Prostituierten waren Sklavinnen und verachtet, die Männer die ihre Dienste in Anspruch nahmen, dagegen nicht (65,II,257). Ganz anders die Tempelprostituierten, die ihre Dienste als religiöse Verehrung für die Liebesgöttin ansahen. - Die Bibel berichtet mehrfach von Tempelprostitution in antiken Kulten. Die Königsbücher berichten davon, dass diese Praxis in anderen Kulten üblich war, so zum Beispiel in 1Kön 14,24; 2Kön 23,7. Dem Volk Israel wird diese Tradition nach Dtn 23,18 explizit verboten. Von Tempelprostitution ist des Weiteren in griechischen Texten die Rede. Herodot (Herodot; Historien 1,199) berichtet, dass eine Babylonierin der Perserzeit sich einmal im Leben zu Ehren der Mylitta einem Fremden gegen Geld hingeben müsse. Nach Strabon, Athenaios und Pindar gab es in Griechenland Prostitution von Tempelsklavinnen im Tempel der Aphrodite in Korinth. Strabon, Ovid und Diodor beschreiben Hierodulen im Kult der Aphrodite von Eryx auf Sizilien, der Ausstrahlung bis nach Rom gehabt haben soll. (Tempelprostitution - Wikipedia). Demnach war besonders in Korinth die Gefahr zur Prostitution (= Hurerei), für die Gläubigen, besonders für Neubekehrte, eine große Gefahr. In Athen war der Umgang mit Prostituierten war für männliche Athener unproblematisch. Dennoch verlangte die Sitte, dass Männer mit Prostituierten nicht unter dem Dach verkehrten, wo sich die Ehefrau, Mutter oder Schwester aufhielt oder gar lebte. Aus Quellen ist belegt, dass beleidigte Frauen die Scheidung einreichten mit der Begründung, ihr Mann habe nicht genügend Diskretion walten lassen. Für Männer gab es selten eine andere Gelegenheit, sexuelle Erfahrungen zu sammeln, da sie im Allgemeinen nicht vor dem dreißigsten Lebensjahr heirateten und sexuelle Beziehungen mit freien Bürgerinnen nicht nur verpönt und entsprechend selten waren, sondern auch beide Partner in Lebensgefahr bringen konnten. Ein Vormund, der das in seiner Obhut befindliche Mädchen mit einem Eindringling erwischte, durfte diesen töten. So hatten junge Athener kaum Kontakt zu Frauen, mit denen sie nicht verwandt waren. Hinzu kam, dass es in Athen allem Anschein nach weniger Frauen als Männer gab, so dass viele Männer gar nicht heiraten konnten. Problematisch war für viele junge Männer, dass die Prostituierten, die als gewinnsüchtig galten, bezahlt werden mussten. Es kam wohl nicht selten vor, dass junge Männer ihr Erbe mit Prostituierten, eher aber wohl mit luxusverwöhnten Hetären durchbrachten. Die meisten Hinweise auf Prostitution in der antiken Geschichte Griechenlands stammen aus Athen. Dort waren nachweislich vor allem im Hafen Piräus, im Vorort Skiron und im Kerameikos verschiedene Formen der Prostitution anzutreffen. Es gab sowohl die Straßenprostitution als auch jene in diversen Bordellen. Ihr Besuch war sehr billig und stand allen Männern, selbst Sklaven, frei. Moralische Bedenken gab es nicht, höchstens konnten allzu häufige Besuche einen Mann zum Gespött für die Öffentlichkeit werden lassen. Athen war auf dem griechischen Festland auch dahingehend etwas Besonderes, weil es in der Stadt stadteigene Bordelle gab, in denen staatseigene Sklavinnen arbeiteten. Eine Sonderform athenischer Prostituierter waren die Flötenmädchen (αὐλέτιδες). Es gab sie seit dem Ende des 6.Jhdt. v.Chr., möglicherweise schon früher. Ihren Namen hatten sie von dem Instrument, das sie spielten, dem aulos. Beim Symposion unterhielten sie zunächst die Gäste mit ihrer Musik, später mit sexuellen Gefälligkeiten. Allerdings waren diese Flötenmädchen keine der angesehenen Hetären. Sie waren normale Prostituierte, die im Allgemeinen im Hafen von Piräus ihre Kunden suchten. Obwohl es sogar Schulen für Flötenmädchen gab, gehörten sie zu den niedersten Prostituierten der Stadt. Seit dem 4.Jhdt. v.Chr. wurde die Bezeichnung αὐλέτιδες schon fast zum Synonym für "billige Prostituierte". Der Höchstpreis, den sie verlangen konnten, war gesetzlich geregelt und betrug zwei Drachmen. Es ist überliefert, dass Männer, die mehr als die erlaubten zwei Drachmen zahlten, angezeigt und verurteilt worden sind. Häufig gab es bei Symposien zwischen Männern Kämpfe um bestimmte Flötenmädchen, wie aus der Literatur bekannt ist. Im Allgemeinen einigte man sich jedoch durch einen Losentscheid, wenn mehrere Männer Anspruch auf ein Mädchen erhoben. Die Frau selbst hatte kein Mitspracherecht. So verwundert es nicht, dass der Dichter Anakreon solche Prostituierte als "öffentlichen Durchgang" oder gar "Zisterne" (zur Aufnahme von Körperflüssigkeiten) bezeichnete. Die Lebensumstände im Bordell wurden offenbar als schlimmer empfunden als ein Leben auf der Straße: Aus der Rede "Gegen die Stiefmutter" des Antiphon von Rhamnus ist bekannt, dass die Sklavenkonkubine des Philenos ihren Herrn vergiftete, als sie erfuhr, dass er ihrer überdrüssig war, und sie nun fürchten musste, in ein Bordell abgeschoben zu werden. Größere Bordelle hießen πορνέα. Bekannt ist in Athen das sogenannte "Gebäude Z." mit 15 kleinen Räumen, das lange Zeit als Bordell und Herberge diente. In ihm wurden sowohl Gegenstände aus dem Besitz der dort arbeitenden Frauen als auch Geschirr für Symposien gefunden. Der Dirnenlohn wurde vor dem Intimverkehr ausgehandelt. Es gibt auch Berichte, wonach ein Eintritt gezahlt werden musste und sich der Kunde dann nach freier Wahl bedienen konnte. Nicht zuletzt der profane Umgang mit Geld unterschied die normalen Prostituierten von den begehrten "Lustknaben" und den Hetären, von denen man sich mehr erwartete als nur eine schnelle sexuelle Handlung. Das Geld bekam im Allgemeinen der Besitzer des Bordells, der πορνοβοσκός genannt wurde (Prostitution in der Antike - Wikipedia). Die Zustände in Athen lassen auch einen Rückschluss auf die Zustände in Korinth zu. 15 Viell. ironisch: eine juristische Niederlage; od. allg.: ein moralisches Versäumnis? 16 Paulus sagt nicht: "Ihr müsst euch übervorteilen lassen". Er stellt eine rhetorische Frage im Zusammenhang mit Rechtsstreitigkeiten unter Gläubigen, die vor ungläubigen Richtern ausgetragen wurden. Für solche Auseinandersetzungen ist die Gemeinde zuständig (Vers 5). Wenn sich die Gemeinde allerdings nicht einmischen will, oder nicht zu einem gerechten Urteil fähig ist, steht der Weg zum Gericht offen. Im Sinne von Jesus handelt man dann aber nicht (vgl. Mt 5,39-42). 1.Korinther 7 1 Wahrscheinlich meint Paulus keine spezielle Gnadengabe, sondern ganz allgemein die von Gott geschenkte Gnade ehelos zu leben. vgl. Mt 19,10-12; Röm 1,11; 5,15.16; 2Kor 1,11. Aber auch das Leben in einer Ehe braucht Gnade. 2 Plural: die Versuchungen zur Hurerei, die einem in Korinth, und auch heute, auf Schritt und Tritt begegneten. Heute könnte dies Pornographie, Selbstbefriedigung, lüsterne Blicke, Seitensprung, usw. beinhalten. 3 Bis zu einem vorher vereinbarten Zeitpunkt , denn Paulus wählt das Wort καιρος (= Zeitpunkt) und nicht das Wort χρονος (= Zeitraum). Bei den jüdischen Rabbis variierte diese Zeit von zwei Wochen bis zu nur einem Tag. Paulus plädiert für die Christen auf einen vernünftigen Zeitrahmen. Dieser muss einvernehmlich sein und einen geistlichen Grund haben. 4 Nämlich zu Heiraten (Vers 2). 5 Warum spricht Paulus diese besondere Vorschrift, nicht wieder zu heiraten, nur in Bezug auf die Frauen aus? Gegen Ende der römischen Republik konnten römische Frauen in einer manus-freien Ehe leicht eine Scheidung beantragen. Scheidungen kamen regelrecht in Mode und es genügte die Willenserklärung eines Ehepartners (Mann oder Frau), um geschieden zu werden. Die Frau konnte, vorausgesetzt sie hatte keinen Ehebruch begangen, unter Mitnahme ihrer Mitgift das Haus verlassen, oder der Mann konnte sie dazu auffordern. Diese Möglichkeit sich scheiden zu lassen, war für die römische Frau aufgrund einer Gesetzesänderung in der Kaiserzeit ermöglicht worden. Sie wurde immer mehr zur gängigen Praxis, und immer mehr Frauen ließen sich auch ohne einen Ehebruch seitens des Mannes scheiden. Für die griechische Frau galt diese Möglichkeit schon länger. Da nun vielleicht auch christliche Frauen die neue Chance nützen wollten, um aus einer unglücklichen Beziehung zu fliehen, obwohl keine Unzucht (πορνεια) des Mannes vorlag, spricht Paulus nur die Frauen an. Ansonsten galt für gläubige Männer und Frauen die Regelung in Mt 19,6, wonach Scheidung und Wiederheirat nur aufgrund von Unzucht (πορνεια) des Ehepartners erlaubt war. Nach einer erlaubten Scheidung war eine Wiederheirat im Judentum immer gestattet (65,II,266). Eine Wiederheirat nach einer unerlaubten Scheidung ist nach den Worten Jesu aber Ehebruch gegenüber dem ersten Partner (Mk 10,12; Lk 16,18), und daher verbietet auch Paulus in einem solchen Fall eine Wiederheirat. 6 εν = lokal: weil sie ein Fleisch sind. 7 Heilig im levitischen Sinn, seit der Bekehrung des Partners und daher immer noch geheiligt (daher das Perfekt). Aus diesem Grund ist im Neuen Bund keine Entlassung des ungläubigen Partners nötig, wie sie es im Alten Bund schon war (vgl. Esra 10,10-12). 8 Der Ausdruck "nicht gebunden" ist eine Anspielung auf den jüdischen Scheidebrief, wonach die entlassene Frau frei war, wieder zu heiraten (wie in Vers 39; dort steht aber ein anderes Wort im griechischen Text). Manche verstehen den Ausdruck aber - wohl zu Unrecht - als: nicht gebunden die Ehe unter allen Umständen aufrechtzuerhalten, was den Frauen damals ohnehin nicht möglich gewesen wäre. 9 Wahrscheinlich die Verlobte. Nach manchen aber die jungfräuliche Tochter in fortgeschrittenem Alter. Es war damals üblich, dass Väter über die Heirat ihrer Töchter entschieden, wobei diese ein gewisses Mitspracherecht hatten (31,I,187; 65,II,265). 10 D.h. unanständig, wenn er seine Verlobte/Erwählte nicht heiratet, obwohl sie schon älter ist; od. viell. vom Mann: "...falls er schon über seine Vollkraft hinaus ist" (65,II,265). 11 Mit dieser Formel leitet Paulus in 1Kor 7,1; 8,1; 12,1 und 16,1.12 seine Antworten auf Anfragen der Korinther ein (2,z.St.). Ein gedanklicher Zusammenhang zu 1Kor 5 und Kap. 6 ist hier allerdings gegeben: ehelicher Verkehr schützt vor Hurerei (V.2). 12 In Gräz. als mediz. t.t.: den nach einer Beschneidung noch vorhandenen Überrest der Penisvorhaut mit einem eisernen Instrument über die Eichel ziehen, um diese zu verdecken und so seine Beschnittenheit, und damit auch seine jüdische Nationalität, vor Verfolgern oder Verächtern zu verbergen. Manche jüdischen Athleten taten dies bei den olympischen Wettkämpfen, da diese ja nackt ausgetragen wurden. Von der Verfolgung unter Antiochus Epiphanes IV. (175-164 v.Chr.) an, taten dies etliche Juden, um ihre jüdische Abstammung zu verbergen und weiteren Verfolgungen zu entgehen (vgl. 1Makk 1,15; Josephus, Antiquitates XII,5.1). 13 D.h. wohl, die Gelegenheit frei zu werden (31,I,182f). In Lev 25,39-40 lässt Gott durchblicken, dass er Sklaverei nicht gutheißt. Vielleicht ist aber auch gemeint: bleibe in deinem Stand und gebrauche dein Slave-sein als Zeugnis, da du in Christus ja frei bist (vgl. Vers 24). Vers 23 spricht aber eher gegen diese Auslegung. 14 Der verneinte Imp.Präs. bedeutet entw.: "Hört auf euch zu berauben..."; od.: "Beraubt einander nicht für längere Zeit bzw. nicht immer wieder". 15 Der Konj.Präs. bedeutet: falls nämlich die sexuelle Abstinenz länger dauern sollte, erhöht sich die Gefahr der Versuchung zur Hurerei. 16 Das heißt wohl nur einen gläubigen Partner. 17 Vgl. Jer 16,1-4 18 Euphemistisch: d.h. keinen Geschlechtsverkehr zu haben (Spr 6,29b). Man sollte allerdings bedenken, dass sexuelle Sünden oft mit unsittlichen Berührungen oder Küssen beginnen. Daher vielleicht dieser verhüllte Ausdruck. - Möglich wäre auch die allg. Bedeutung: nicht zu heiraten. Die meisten antiken Schriftsteller verachteten die Ehelosigkeit, jüdische Lehrer hielten sie sogar für eine Sünde. Sie betrachteten Gen 1,28 als ein Gebot, das für jeden und für alle Zeiten gilt. Die griechischen Kyniker hingegen verachteten die Ehe. In der Gemeinde in Korinth könnte es zum Thema Geschlechtsverkehr zwei entgegengesetzte Ansichten gegeben haben: (1.) Auf der einen Seite unverheiratete Männer, welche die geschlechtliche Freizügigkeit befürworteten, solange sie nicht zu einer Heirat verpflichtete. Dies war in der damaligen Kultur gang und gebe. (2.) Auf der anderen Seite Verheiratete, die sich aus falsch verstandener Heiligkeit des "sinnlichen" Geschlechtsverkehrs mit ihrem Partner, davon enthielten. Beides möchte Paulus nun korrigieren (65,II,259). 19 od.: "...der Frau gefalle, - und auch die Frau ist geteilt. Die Unverheiratete und die Jungfrau sorgen sich..." (21,II,835). 20 od.: "...der seine Jungfrau verheiratende (Vater)..., und der nicht verheiratende (Vater)..." (vgl. 1,303). 21 Nach jüdischem Recht wäre dies nur dem Mann mit einem Scheidebrief möglich (Dtn 24,1-4), nach römischen Recht beiden mittels eines Gerichtsbeschlusses. 22 In einem solchen Fall, muss die Initiative zur Scheidung immer vom ungläubigen Partner ausgehen. Paulus sieht sich genötigt die Situation von gemischten Ehen zu regeln, und zwar im Gegensatz zur alttestamentlichen Handhabe in Esra 10,10-12, aber im Einklang mit den Anordnungen Jesu. Nur römische Frauen konnten sich von ihrem Mann scheiden lassen. In der Zeit als Paulus dies schrieb, nahmen immer mehr Frauen diese Möglichkeit in Anspruch, sodass später sogar Gesetze erlassen wurden, um dies einzudämmen. 23 Ein toleratives Passiv. Dies war nur nach römischen Recht möglich. Vgl. auch die ausführliche Anm. zu Mt 5,32. Ein prinzipielles Scheidungsverbot, wie es Jesus lehrte, war in der Antike ohne Parallele (65,II,262). 24 Die Schrift gibt 4 Gründe, warum Gott die Institution der Ehe eingesetzt hat: (1.) in Gen 2,18-24: Damit der Mensch nicht allein sei und in seiner Frau eine ergänzende Hilfe und ein ebenbürtiges Gegenüber hat. (2.) in Gen 1,28: Damit sich die Menschheit vermehrt. (3.) in Dtn 24,5; Spr 5,18-20 und Pred 9,9: Damit sich Mann und Frau in der Sexualität gegenseitig aneinander erfreuen. (4.) Hier in 1Kor 7,2: Als Schutz vor außerehelichem Geschlechtsverkehr (= Hurerei). - Sowohl Jesus als auch Paulus hatten eine sehr bodenständige und irdische Sicht der Ehe. Die Ehe ist keine Lebensgemeinschaft für die Ewigkeit, ja nicht einmal für das tausendjährige Reich. Darum ist für Jesus und Paulus der ehelose Zustand, wie er in der Ewigkeit sein wird (Mt 22,30), auch schon auf dieser Erde der Idealzustand, vorausgesetzt die Betreffenden können in diesem Stand ohne sündhafte Gelüste leben (vgl. Mt 19,10-12; 1Kor 7,6-7.26-27.37.40). 25 Daraus kann man schließen, dass Paulus unverheiratet war, und ebenso, dass er nicht verwitwet war, denn wie könnte er das allen Menschen wünschen. 26 Das bedeutet wohl, ohne erlaubten Grund, und nicht, weil z.B. der Mann in Unzucht (πορνεια) gefallen ist (31,I,170f). 27 Für den folgenden Fall gibt es keine explizite Anordnung des Herrn Jesus, deshalb wendet Paulus Jesu Lehre über Scheidung und Wiederheirat sinngemäß auf diese neue Situation an. Er spricht dabei in apostolischer Autorität (Joh 14,26). 28 Auch in den jüdischen Eheverträgen stand die Verpflichtung zum regelmäßigen Geschlechtsverkehr durch den Mann. Paulus weitet dies auch auf die Frau aus (65,II,260), was in modernen Zeiten umso wichtiger wird, da Frauen verweigerte Sexualität manchmal als Druckmittel gegen den Mann missbrauchen. In vielen Ehegesetzen moderner Staaten, ist die anhaltende Verweigerung des Geschlechtsverkehrs sogar ein legitimer Scheidungsgrund. 29 Freigelassene Sklaven wurden von ihren früheren Herren finanziell und politisch unterstützt (65,II,264). Der Christ ist, nachdem er von Christus losgekauft und dadurch sein Sklave geworden ist, danach wieder ein Freigelassener des Herrn geworden. Christus ist nun sein Schutzherr, der ihn in allem unterstützt. 30 Damit will er seine Ansicht als inspiriert und apostolisch verbindlich erklären. 31 Im Grundtext steht hier und in den Versen 25 - 38 das Wort Jungfrau, was immer eine ledige unberührte Frau meint. In den Versen 36-38 könnte es die Verlobte, oder auch ein Mädchen bzw. eine Tochter gemeint sein, die dem Betreffenden anvertraut ist und für deren Verheiratung er sorgt (54,z.St.). 1.Korinther 8 1 Mit dieser Formel leitet Paulus in Kapitel 7,1; 8,1; 12,1 und 16,1 seine Antwort auf eine Anfrage der Korinther ein (2,z.St.). 2 Das war Fleisch, das vom Götzenopfer übrigblieb. Es wurde entweder vom Opfernden mit seinen Freunden feierlich und in ausschweifender Weise in einem Tempelnebengebäude verzehrt, oder, von den Ärmeren, am Fleischmarkt feilgeboten, gekauft und dann im Haushalt verwendet. Der Verzehr solchen Fleisches war für einen Juden verunreinigend und daher verboten (1,446). Am Apostelkonzil wurde der Verzehr von Götzenopferfleisch explizit auch für Heiden-Christen verboten (vgl. Apg 15,29), damit der ungetrübte Umgang zwischen Juden- und Heiden-Christen möglich war. Paulus sieht die Sache allerdings differenzierter: das Essen von Götzenopferfleisch bei einem gemeinsamen Mahl im Götzentempel verbietet er, den Verzehr von Götzenopferfleisch, das am Markt gekauft wurde erlaubt er, solange es ohne Schaden für das Gewissen Dritter, z.B. von Juden-Christen, ist. 3 Weil mit Artikel und im Plural: alle die (geschaffenen) Dinge; oder eben einfach: das All (1,1278). 4 od. als t.t.: Gott als unseren Richter vorführen. 5 od.: "Aber betreffs des Götzenopferfleisches: Wir wissen, dass...". 6 Nämlich, dass die heidnischen Götzen keine wirklichen Götter sind und demnach keine Macht haben. 7 Ein schwaches Gewissen, ist ein Gewisssen, dass nicht richtig an Gottes Maßstab geeicht ist. Es verurteilt, wo es nichts zu verurteilen gibt. 8 Hier im Sinne von: anerkannt (1,323[7]), wofür auch der Kontext in Vers 1-2 spricht, wo es um einen Christen geht, der meint, er hätte den Durchblick (= Erkenntnis) in Bezug auf das Essen von Götzenopferfleisch, und brauche daher auf den schwachen Bruder keine Rücksicht zu nehmen. Doch nur, wer in Liebe gegenüber seinen Brüdern handelt, ist von Gott anerkannt. Es ist offensichtlich ein ironisches Wortspiel mit den Ausdrücken "Erkenntnis" und "erkennen" in den Versen 1-2. Das hat hier nichts mit der ewigen Erwählung zu tun, aber da es sich um die abgeschlossene Handlung des Perfekts handelt, natürlich auch nichts damit, dass man sich seine Anerkennung bei Gott immer wieder erarbeiten muss. 1.Korinther 9 1 Dtn 25,4. Auf der Tenne wurden Ochsen im Kreis über das abgeschnittene Getreide geführt, um so die Körner aus den Ähren zu stampfen. Gierige Bauern legten ihnen dabei einen Maulkorb um, damit nicht die Ochsen währenddessen vom Getreide fressen konnten. Im AT wurde dies verboten, nicht etwa aus Gründen des Tierschutzes, sondern weil Gott menschliche Gier und Habsucht nicht gutheißen kann. 2 Gemeint sind die Priester, die von bestimmten Opfern einen Anteil erhielten, der zum Teil von ihnen im Heiligtum gegessen werden musste. 3 Da Paulus ab Vers 24 athletische Wettkampfsprache benützt, scheint die Übersetzung "disqualifiziert" angebracht; od.: "als untauglich ausscheiden", weil man die Regeln missachtet hat. Die Isthmischen Spiele mit ihren athletischen Wettkämpfen fanden ja in Korinth statt. Die Wettkämpfer hatten sich dabei einer Vorprüfung (δοκιμασια) zu unterziehen, bei der die Untauglichen ausgeschieden wurden (33,405; 31,II,40). Es geht hierbei nicht um die ewige Errettung, sondern um die Beurteilung vor dem Richterstuhl Christi. 4 od. der Aorist des Briefstils: "...ich schreibe dies (jetzt in diesem Brief)". 5 Diese Anordnung findet sich in Lk 10,7 und Mt 10,10; vgl. auch 1Tim 5,18. 6 Paulus verwendet kaum den Namen "Jesus" allein, und wenn, dann betont er damit immer die historische Person Jesus von Nazareth. Bei seiner Bekehrung vor Damaskus erschien ihm der Auferstandene Herr und bestimmte ihn zum Apostel für die Nationen; vgl. Apg 22,21 (21,II,845). 7 D.h. die dann auch mitversorgt werden musste. Das beweist, dass die Apostel verheiratet waren. 8 Eigentlich hatten diejenigen die hauptberuflich das Evangelium verkündeten das Recht, von ihren Bekehrten während der Zeit ihres Aufenthalts versorgt zu werden (V. 4ff; Tit 3,13; 3Joh 1,6 ua.). 9 od.: "in jeder Hinsicht"; od.: "ganz und gar" (1,1277). Die Athleten mussten sich mit Eid dazu verpflichten, ab 10 Monate vor dem Wettlauf eine strenge Diät und Enthaltsamkeit einzuhalten, um alles zu vermeiden, was sie entkräften oder schwerfällig machen konnte. In dieser Zeit mussten sie auch hart für die Wettkämpfe trainieren (21,II,855f; 31,II,38; 65,II,272). 10 Freier übersetzt: "...nicht wie ins Blaue hinein". Dieses "Schattenboxen" war im Altertum als Vorbereitung auf den Wettkampf durchaus gebräuchlich (52,IV,1247). 11 Der κηρυξ (= Prediger, Herold) versammelte bei den isthmischen Spielen in Korinth die Athleten um sich, verkündete ihnen die Wettkampfregeln, und startete dann den Wettkampf (21,II,857; 31,II,39). 12 D.h. sämtlichen im Gegensatz zu nur einem Teil (1,1277). 1.Korinther 10 1 Ex 32,6 (LXX). Damit sind wahrscheinlich unzüchtige und sexuell stimulierende Tanzspiele mit götzendienerischen Handlungen gemeint (65,II,273). 2 Nicht eine übermenschliche Versuchung, und daher ertragbar. 3 Mit Artikel: für die gerade durchgemachte Prüfung hat Gott schon das entsprechende Ende vorbereitet. Vgl. Hiob 42,10.12. Manchmal ist der Ausweg aus tiefster Not aber der Tod. Für den Gläubigen ist dies nur ein Hinübergehen, um bei Christus zu sein, was weit besser ist. 4 In 2Kor 1,8 kommt Paulus allerdings in eine Prüfung, die ihm ausweglos erschien, aber trotzdem nicht ausweglos war! vgl. Jak 5,11 5 Das durften nur die Priester. Der opfernde Israelit erhielt nur beim Friedensopfer einen Teil des Opferfleisches, den er mit seinen Hausgenossen und Freunden im Vorhof verspeiste. Beim Abendmahl sieht Paulus die Gläubigen als Priester am Tisch des Herrn (Mal 1,7.12), und als versöhnte Sünder. 6 Ps 24,1. Bei den Juden wurde dieser Vers als Tischgebet verwendet (31,II,63). 7 Da er das Futurum verwendet, meint er damit wahrscheinlich, wie in 2Tim 2,10, die Auserwählten, die noch nicht errettet sind (vgl. Apg 13,48). 8 Also segnen alle Gläubigen durch ihr Gebet den einen Kelch, und jeder bricht sich sein Stück von dem einen Brotfladen ab. Das schließt aus, dass jemand Besonderer (z.B. ein "Pastor" oder Ältester) stellvertretend für die anderen betet oder das Brot an jeden austeilt. Dies würde dem Prinzip des Leibes Christi mit seinen einzelnen Gliedern widersprechen, und entspringt kirchlichem Denken. Das "wir" zeigt eindeutig, dass alle beteten und sich alle ein Stück vom Brot abbrachen. Tertullian berichtet noch 197 n.Chr., dass beim Abendmahl alle, nachdem sie aus dem Kelch getrunken hatten, Gottes Lob so verkündeten, wie sie es aus den Heiligen Schriften oder aus eigenem Vermögen zustande brachten (58,273). - Ebenso falsch ist es, wenn ein Gläubiger nicht vom Brot oder vom Kelch nimmt. Falls er in Unfrieden mit Gott oder einem Menschen ist, soll er das vorher klären. Zu 1Kor 11,28 siehe die Anmerkung dort. 9 Jes 65,11 (LXX). Gemeint ist die Teilnahme an den Götzenopfermahlzeiten in den Nebenräumen der Götzentempel, wo die Reste des Götzenoferfleisches bei ausgelassener Feier verzehrt wurden, und zu denen Gläubige von ihren ungläubigen Freunden oder Verwandten vielleicht eingeladen wurden (vgl. Vers 27). 10 Wahrscheinlich ein gängiger Spruch der Korinther bezüglich ihrer falschverstanden christlichen Freiheit (vgl. 1Kor 6,12). 11 Das Fleisch der Opfertiere die den Göttern geweiht waren. Diesen Ausdruck verwendeten nur die Heiden für ihre Opfer. Juden und Christen verwendeten dagegen den abwertenden Ausdruck "Götzenopferfleisch" (Strong Nr. 1494). 12 od.: "der Segnung". Im Passahritual war dies der dritte Becher (hebr.: kos habberacha), über den der Segen gesprochen wurde (vgl. Lk 22,20 und die Anm. bei Mt 26,19), weil bei ihm der Tischsegen und das Dankgebet für die Speisen gesprochen wurde (54,z.St.; 31,II,54). Der Kelch des Leidens und des Zornes Gottes (Mt 26,39ff; Joh 18,11 ua.), den der Herr Jesus für uns trank, wurde für uns zum Kelch des Segens, für den wir danken. Der Kelch wird wahrscheinlich deswegen zuerst genannt, weil wir erst durch das reinigende Blut Christi in den Leib Christi hineingetauft wurden. 13 Indem Paulus das Mahl des Herrn mit dem "Tisch des Herrn", d.h. mit dem alttestamentlichen Brandopferaltar (Mal 1,6-8.12) vergleicht, macht er deutlich, dass wir beim Brotbrechen, sowohl als Priester Gottes dastehen und unsere geistlichen Schlachtopfer darbringen (1Pet 2,5.9) - nämlich die "Frucht der Lippen, die seinen Namen preisen" (Heb 13,10.15) - und als versöhnte Sünder dastehen. Sowohl der opfernde Priester als auch der opfernde Sünder bekamen beim Friedensopfer einen Teil des Opfers zur Speise. 14 Mit dem Leib Christi ist sicherlich die Gemeinde gemeint, wie der nächste Vers zeigt. Der eine Brotfladen, von dem sich jeder Gläubige ein Stück abbricht, symbolisiert die Einheit der Gemeinde Christi. Der Gläubige bestätigt durch seine Teilnahme die Wirklichkeit, dass er Teil von Christi Leib ist, weil er durch das Blut Christi mit Gott versöhnt ist. Daher dürfen solche die nicht wiedergeboren und getauft sind, nicht vom Brot nehmen und nicht vom Wein trinken. Dies wäre ein "Etikettenschwindel", denn sie haben keinen Anteil am Leib Christi, sie würden sich nur selbst betrügen und der Gemeinde etwas vormachen. 15 Zum vermeintlichen Widerspruch zur Anzahl in Ex 32,28 siehe: 60,510. 16 Vgl. die Anm. bei Heb 6,1. 17 Das Fleisch, dass vom Götzenopfer übrigblieb, blieb normales Fleisch. Es wurde durch die Opferung an den Götzen nicht irgendwie dämonisiert, sonst hätte Paulus auch den Verzehr solchen Fleisches vom Fleischmarkt verboten (1Kor 10,24ff). Es gibt demnach keine okkulte, dämonisierte Materie. Auch okkult besprochene (Arznei)Mittel haben keine okkulte Wirkung in sich selbst. Sie verführen allerdings zur Beschäftigung mit der Esoterik und sollten von Gläubigen daher gemieden werden. Vgl. die Anm. bei Apg 19,19 18 Götzen existieren nicht, es sind nur tote Statuen. Aber hinter den Götzen verstecken sich Dämonen, die die Verehrung an sich ziehen. Daher ist Götzendienst Dämonenverehrung. 19 Impf.: einer nach dem anderen? Vgl. dagegen den Aorist im Vers 10. 20 Aorist: d.h. an einem einzigen Tag. Vgl. Num 14,2.27.37 und 16,11-35. 21 Wahrscheinlich ein Gen.obj.: "für uns" (2,z.St.); od. ein Gen.subj.: "von uns" (31,II,45); oder beides in einem (2,1374 [A158]). 22 Was wir aus dem AT lernen: https://drive.google.com/file/d/1EQC6GvotUUs2ueNT3XAn_wNrNW1y5VHG/view?usp=sharing 23 Diese Gemeinschaft wird durch das Essen und Trinken nicht bloß symbolisch zum Ausdruck gebracht, sondern es wird damit immer wieder ein innerliches Teilhaben an Christus und seinem Leib und an der sühnenden Wirkung seines Blutes zum Ausdruck gebracht (31,II,55), ohne, dass man deswegen an eine "Transsubstation" glauben muss. 1.Korinther 11 1 Bei den Juden und Römern bedeckten sich beim Opfern, Beten und Weissagen im allgemeinen sowohl Männer als auch Frauen, bei den Griechen im Tempel jedoch weder Männer noch Frauen (10,III,564; 31,II,68; 65,II,277). Paulus orientiert sich also keineswegs an vorherrschenden Sitten, sondern führt etwas völlig Neues ein. Der jüdische Mann, der zum Glauben an den Messias Jesus kam, trug beim Beten und Weissagen entgegen seiner bisherigen Gewohnheit und Sitte keine Kopfbedeckung mehr (65,II,13). Eine Erklärung dafür könnten die Gedankengänge des Paulus in 2Kor 3,6-18 sein. Das Gebot an die Frauen sich beim Beten und Weissagen zu bedecken, kann also nicht mit dem Hinweis auf damalige Sitten abgetan werden. Schließlich begründet es Paulus auch mit der Schöpfungsordnung. Vgl. auch Ge 38,15; Jes 6,2. Zu diesem Thema siehe den Artikel in: https://drive.google.com/open?id=1KaRAMVKKcFqzGWs7GEewQK9xJ16-AjWw 2 Im Korinth der damaligen Zeit hatten Sklavinnen manchmal einen geschorenen Kopf, ebenso auch, als Strafe, die Ehebrecherinnen; vgl. Deut 21,12-13 (10,III,564; 21,II,872). Paulus scheint jedoch an etwas ganz Bestimmtes zu denken. Der bestimmte Artikel τη vor εξυρημενη könnte darauf hinweisen, dass Paulus an eine bestimmte Klasse von Prostituierten denkt, nämlich an solche Dirnen die in einer lesbischen Beziehung den maskulinen Part übernahmen und sich deswegen das Haar kahlrasierten, um möglichst männlich zu wirken (vgl. Lucian: Fugitivi 27; Dialogoi Hetairikoi 5.3). Sein Argument wäre dann: indem eine Frau unverhüllt betet oder weissagt, macht sie sich äußerlich der "Kahlrasierten", also der Prostituierten gleich, die auch kein männliches Haupt über sich akzeptierte. 3 Sicher ein iteratives Präs.: jedes Mal, wenn sie betet oder weissagt, aber auch nur dann, und damit entgegen orientalischer Sitte, nach der die (zumindest jüdische und römische) Frau immer bedeckt sein musste, wenn sie in die Öffentlichkeit ging. 4 Bei den griechischen und römischen Männern war dies ab dem 6.Jhdt v.Chr. nicht mehr üblich, ja sogar verpönt, weil es zu weiblich war und der Mann dadurch dem homosexuellen Strichjungen glich der langes Haar hatte, um in einer homosexuellen Beziehung den femininen Part zu spielen. Die Männer in Sparta trugen allerdings schulterlanges Haar, ebenso die jüdischen Männer zur Zeit Jesu (65,I,465). Für Frauen dagegen war langes Haar, das oft bis zu den Hüften reichte, ein Schmuck auf den sie nicht verzichten wollten und auf den sie stolz waren (2,899; 52,II,897). Man könnte sagen: Das von Natur kürzere Haar des Mannes ist wie eine Krone, das längere Haar der Frau dagegen wie ein natürlicher Schleier (31,II,80). 5 "falls...", also kein Befehl. 6 vgl. Hohelied 7,6. 7 Manche meinen Paulus wollte sagen, dass die langen Haare der Frau als natürlicher Schleier ein Ersatz für eine zusätzliche Kopfbedeckung wären. Es sollte jedoch beachtet werden, dass Paulus in Vers 15 ein anderes griechisches Wort verwendet als in den Versen 4-7 und in Vers 13, wo κατα-καλυπτω steht, was bedeutet, den Kopf mit etwas zu bedecken. In Vers 15 jedoch steht περι-βολαιον, was so viel wie "Mantel" oder "Umhüllung" bedeutet. Es könnte eine Anspielung auf die damalige Sitte sein, dass Frauen, wenn sie das Haus verließen, ihr Haar zusammenfassten und aufsteckten, sodass es dann, wie eine Umhüllung des Kopfes war (vgl. 38,III,443). Wenn die Haare selbst der Schleier wären den Paulus meint, würde die Frau diesen "Schleier" ja ständig tragen. Er sagt aber, dass sie dies nur zeichenhaft beim Beten und Prophezeien tun soll. 8 Nämlich: "..., dass Frauen unverhüllt beten und prophezeien". Die Sitte, dass Frauen mit bedecktem Kopf beten, war allgemein in den Gemeinden verbreitet, wie auch die bildlichen Darstellungen in den Katakomben beweisen, wo Männer immer kurzgeschnittenes Haar und Frauen eine Kopfbedeckung haben die bis auf die Schultern herabhängt (31,II,82). 9 Beide Ausdrücke sind t.t. für das Überliefern verbindlicher Lehre (2,z.St.). Zum Ablauf der Passah-Liturgie vgl. die Anm. zu Mt 26,20. Die Einsetzungsworte stimmen stark mit denen im Lukas-Evangelium überein. Paulus bekam die Einsetzungsworte direkt vom Herrn offenbart und Lukas hat sie in seinem Evangelium von Paulus übernommen, denn der 1.Korintherbrief wurde sicherlich vor dem Lukas-Evangelium geschrieben. 10 Ein Adverb ("...unwürdiglich") und nicht: "...unwürdig...", als wäre es ein Adjektiv, was sich als eine Eigenschaft auf die Person beziehen würde, während es bei einem Adverb um die Art und Weise geht, wie eine Handlung vollzogen wird. Die Kritik des Paulus war nicht, dass die Korinther unwürdig waren, weil vielleicht Sünde in ihrem Leben war, sondern, dass sie das Mahl des Herrn in einer unwürdigen Art und Weise wie eine Fete feierten (31,II,99). Wahrscheinlich ist gemeint, dass die Gläubigen das Herrenmahl nicht wie ein Gelage feiern sollen, weil sie damit das Brot und den Kelch in ihrer symbolischen Bedeutung für den Leib und das Blut des Herrn entwürdigen. Auf diese Art versündigten sie sich direkt am Opfer des Herrn und wurden dafür gezüchtigt, zuerst mit körperlicher Schwachheit, dann mit Krankheit und schließlich sogar mit dem leiblichen Tod. 11 D.h. wohl Christus, weil der Mann durch die Kopfbedeckung ausdrückt, er würde geistlich immer noch unter einem anderen menschlichen Haupt stehen, wo er doch durch Christus nun direkten Zugang zu Gott hat und keine Priester als Vermittler mehr braucht, und daher im religiösen Bereich kein irdisches Haupt mehr hat, sondern nur seinen unsichtbaren Herrn im Himmel. 12 Der bestimmte Artikel ο vor χριστος betont, dass es um den Sohn Gottes geht, der als der Christus in die Welt gesandt ist. Es ist also die Autoritätsbeziehung zwischen Gott und seinem Sohn als dem gehorsamen Gottesknecht, die der Apostel im Blick hat. 13 Das "aber" in Vers 5 betont den Gegensatz zu dem, was im Vers 4 über den Mann und die Kopfbedeckung gesagt wurde: Der Mann betet und weissagt unbedeckt, aber die Frau bedeckt sich. 14 Engel gelten als Zeugen der Schöpfungsordnung Gottes (Hiob 38,7) und nehmen Anteil an den Geschehnissen in der sichtbaren und unsichtbaren Welt (1Kor 4,9; Eph 3,10; 1Tim 5,21; Ps 138,1). Selbst die Engel verhüllen ihr Angesicht in Gottes Gegenwart (vgl. Jes 6,2). Also war die Kopfbedeckung für die Engel Gottes ein positives Zeichen. Für die gefallenen Engel aber ein beschämendes Zeichen, denn sie wurden verstoßen, weil sie sich Gott nicht unterordnen wollten. 15 Das lange Haar einer Frau abzuschneiden war eine Schande und eine Bestrafung (vgl. Jer 7,29; Micha 1,26), langes Haar dagegen ihr Schmuck und eine Ehre; vgl. Hohelied 7,6 (65,II,278). 16 Sicherlich ein iteratives Präs.: "jedes Mal, wenn sie betet oder prophezeit", und nicht ein duratives Präs.: "immer, wenn...". Dass sich die Frauen im Altertum in der Öffentlichkeit immer bedeckten, hat etwas mit der damaligen Kultur zu tun. Paulus geht es aber nicht um Kultur, sondern um ein geistliches Symbol. 17 entw.: "Wenn wir von dem Herrn gerichtet werden, dann werden wir gezüchtigt, damit..."; od.: "Wenn wir gerichtet werden, werden wir von dem Herrn gezüchtigt, damit...". Vgl. Ps 94,12-13. 18 Es ist schon schlimm genug, wenn es generell Parteiungen in der Gemeinde gibt (wie in Kapitel 1-4 beschrieben), - umso schlimmer ist es aber, wenn sich diese sogar bei den Zusammenkünften, und insbesondere beim Herrenmahl, das ja besonders die Einheit des Leibes Christi darstellen soll, in solch liebloser Art und Weise äußern. 19 Paulus glaubt nicht alles was er hört, aber er bildet sich ein Urteil darüber, was stimmen kann. 20 Parteiungen (αιρεσις) der beschriebenen Art, sind in einer Gemeinde oft unvermeidbar, aber sie dürfen nicht zu Spaltungen (σχισματα) führen. 21 Vgl. Jer 31,31-34. So wie der alte Bund mit Blut eingeweiht wurde, so auch der neue Bund, nämlich durch das Opferblut Jesu. 22 Nach dieser Selbstprüfung nicht zu Essen und nicht zu trinken, entspringt einem falschen Verständnis. Nur Ungläubige sollen das Brot und den Kelch vorbeigehen lassen. Der Gläubige soll seine Haltung zum Herrenmahl überprüfen, notfalls korrigieren und dann soll er essen und trinken. 23 Paulus nimmt sich von dieser Selbstbeurteilung also nicht aus. 24 Obwohl das bedeckte und unbedeckte Haupt nur eine Äußerlichkeit ist, ist es dennoch ein Symbol für eine wichtige Sache, nämlich für die Schöpfungsordnung Gottes, die der sichtbaren und unsichtbaren Welt dadurch demonstriert wird (31,II,69). 25 Das laute Gebet in der Versammlung ist nach 1Tim 2,8-9 die Aufgabe der Männer. Offensichtlich haben die Gemeinden es so wie die Synagogen gehalten, dass nämlich die Frauen in der Versammlung schweigen. Das ist kein Widerspruch zu dem, was Paulus in Vers 5 sagt, denn er spricht hier nicht speziell von der Versammlung, sondern ganz allgemein vom Verhalten beim Beten und Weissagen. Anordnungen die das Zusammenkommen als Versammlung betreffen, gibt es im 1.Korintherbrief erst ab Kapitel 11 Vers 17, und zwar bis zum Ende von Kapitel 14. Sowohl das Beten als auch das Weissagen wurde auch außerhalb der Versammlungen ausgeübt. Vgl. Mt 26,68; Joh 11,51; Apg 10,9; 16,25; 19,6; 20,36; 21,5; Apg 21,7-11 (Agabus scheint diese Weissagung nicht in einer Versammlung ausgesprochen zu haben). Und in Lk 1,41-45.67 und 2,36-38 können wir aufgrund dessen, was wir von den Sitten im Judentum wissen, davon ausgehen, dass sowohl Elisabeth als auch Hanna bei ihren Weissagungen nach jüdischer Sitte das Haupt bedeckt hatten, und dass sie in der Synagogenversammlung weder beteten noch weissagten. 26 Es geht also nicht nur um das öffentliche Gebet, sondern auch um das private Gebet oder um das stille Gebet in der Gemeindeversammlung. In allen diesen Fällen nehmen die Engel Anteil am Geschehen. 27 Es war anfangs üblich, das Herrenmahl an ein gemeinsames Abendessen anzuschließen, in getreuer Nachahmung des Passahs und des letzten Abendmahls. Jeder brachte Speisen und Getränke mit, freilich sollten diese aufgeteilt und von allen gemeinsam konsumiert werden. Es riss jedoch die lieblose Sitte ein, dass jeder seine mitgebrachten Speisen selbst verzehrte, wodurch es zu den Zuständen kam die Paulus kritisiert. Später wurde das gemeinsame Essen anschließend an das Herrenmahl gehalten und Agape (= Liebesmahl) genannt (Jud 1,12), in weiterer Folge aber dann leider ganz weggelassen (31,II,87f). 28 Das Wort "ist", muss man nach semitischem Verständnis in demselben übertragenen Sinn fassen, wie wenn man z.B. beim Betrachten eines Bildes sagt: "Das ist Paul". Daraus die katholische Lehre der "Transsubstation" herzuleiten, entspricht eher griechischem Denken, für semitisches Verständnis ist sie aber absurd. 29 Paulus verwendet hier den allgemeineren Ausdruck κατ-αγγελλω für die Proklamation von Jesu Sieg an die unsichtbare Welt, und nicht etwa das Wort ευ-αγγελιζω (= evangelisieren). Der oft geäußerte Gedanke, dass das Abendmahl eine evangelistische Verkündigung an eventuell anwesende Ungläubige ist, ist sicher nicht in den Gedanken des Paulus gewesen. Daher ist es unangebracht zu behaupten, es wäre hilfreich auch Ungläubige zum Brotbrechen einzuladen, da ihnen damit ja das Evangelium verkündigt wird. In 1Kor 14,23 (siehe die Anm. dort) wird klar, dass die Anwesenheit von Ungläubigen in den Versammlungen nur eine theoretische Ausnahme war, die Paulus für ein hypothetisches Argument gebraucht. 30 Nicht das Brot muss er richtig beurteilen, als ob es sich irgendwie verwandelt hätte, sondern den Leib des Herrn muss er richtig beurteilen, d.h. das Brot nicht nur als Brot zu sehen, sondern als Vergegenwärtigung für den geopferten Leib des Heilands. Im Talmud wird das Wort διακρινω folgendermaßen gebraucht: Heiliges von Unheiligem auseinanderhalten, um das Heilige hochzuachten und wertzuschätzen (31,II,100). 31 Mit der lieblosen Art und Weise, wie die Korinther das Mahl des Herrn feierten, verachteten sie das Opfer des Herrn, welches mit den Symbolen von Brot und Wein ausgedrückt wurde (vgl. 1Sam 2,17). Daher ist die Züchtigung in den Versen 29-32 so streng. 32 Nicht das endgültige Verdammungsurteil ist gemeint, denn dann würde der Artikel stehen, sondern eine zeitliche Züchtigung wie in Vers 29-32 (31,II,99). 1.Korinther 12 1 In den Papyri: jemanden arrestieren, in Haft nehmen oder abführen. Hier von den Götzenanbetern, deren Geist von den dahinterstehenden Dämonen gefangen genommen und instrumentalisiert wird (vgl. Eph 2,2; 2Tim 2,26), um die toten Skulpturen anzubeten. Solche Götzenanbeter waren manche der Gläubigen vor ihrer Bekehrung. Dann aber übernahm der Heilige Geist die Kontrolle in ihrem Leben (31,II,107ff). 2 od.: "...er ist deswegen trotzdem von dem Körper" (2,z.St.). 3 In Gräz.: die Tätigkeit eines leitendenden Staatsmannes; die Verwaltung eines Haushalts. Auch als t.t. der Seefahrersprache: der Steuermann (aber nicht der Kapitän!). Im NT aber nur eine untergeordnete Geistesgabe, da sie in der Reihenfolge der Aufzählung erst an vorletzter Stelle steht. Die Funktion des praktischen Leitens und Organisierens in der örtlichen Gemeinde aufgrund weiser und kluger Überlegung. Bezieht sich eher auf die praktischen Angelegenheiten in der Gemeinde. Daher eher nicht gleichzusetzen mit der Gabe des Vorstehens in Röm 12,8. 4 Offenbar eine Reihenfolge mit abnehmender Wichtigkeit für die Erbauung des Leibes Christi. Damit setzt Paulus eine Wertung der Geistesgaben: Apostel sind die Wichtigste, Sprachenreden die am wenigsten wichtige Gabe für die Erbauung der Gemeinde, denn sie wird immer als die letzte Gabe erwähnt (1Kor 12,10.30). 5 Heißt das, wenn er in einer fremden Sprache ("im Geist", wie 1Kor 14,15-16) redet oder betet? Vielleicht wurde die folgende Aussage in einer Sprachenrede geäußert, was ein Beweis wäre, dass sie nicht vom Geist Gottes eingegeben war (vgl. 1Joh 4,1: "ob sie aus Gott sind"). 6 In den Versen 29-30 sind die erwarteten Antworten immer: "Nein, natürlich nicht", - denn dies würde dem Prinzip des Leibes mit seinen verschiedenen Gliedern widersprechen. 7 "Prophezeiung" meint ein Reden aufgrund von Leitung durch den Heiligen Geist, das in verständlicher, ermahnender, erbauender und tröstender Form die christliche Botschaft auf die Nöte und Aufgaben der Gemeinde anwendet (vgl. 47,z.St.). 8 Er sagt nicht: "der Leib Christi" (wie 1Kor 10,16; Eph 1,23; 4,12; Kol 1,18 ua.), denn nur die Gesamtgemeinde ist der Leib Christi. Hier aber spricht er von der örtlichen Gemeinde in Korinth, daher sagt er: "Christi Leib", ohne Artikel. Die Gemeinde funktioniert wie ein menschlicher Körper: Christus ist das Haupt im Himmel und durch den Heiligen Geist steuert er jedes Körperglied auf der Erde nach seinem Willen. 9 Wahrscheinlich meint er in verhüllender Ausdrucksweise die Geschlechtsteile. 10 Die größeren Gnadengaben sind diejenigen, die mehr zur Erbauung der Gemeinde beitragen. Der Gedankengang wird hier unterbrochen und erst ab Kapitel 14,1ff wieder aufgenommen. 11 Damit schiebt Paulus Kapitel 13 ein, wo er ausführt, dass alle Gnadengaben in Liebe ausgeübt werden müssen, weil sie sonst wertlos sind. 12 Mit dieser Formel leitet Paulus einige Male seine Antwort auf eine Anfrage der Korinther ein (2,z.St.). Hier ist es das Thema der Geistesgaben, ein Bereich, bei dem in der Gemeinde in Korinth einiges im Argen lag. Paulus beschreibt in Kapitel 12 zuerst die verschiedenen Geistesgaben, die das Haupt Christus durch den Heiligen Geist in seiner Gemeinde hier auf Erden bewirkt, und zwar durch jeden einzelnen, so wie er es will. Die Gemeinde ist der Leib Christi auf Erden, die einzelnen Gläubigen die Glieder dieses Leibes. Durch seinen Leib, die Gemeinde, bewirkt Christus auf dieser Erde, dass, was er zu Lebzeiten schon begonnen hatte. Danach zeigt Paulus in Kapitel 13, dass diese Geistesgaben im Geist der Liebe ausgeübt werden müssen, sonst sind sie in ihrer Wirkung hohl und wirkungslos. Schließlich beschreibt er in Kapitel 14, wie die Geistesgaben in den Zusammenkünften praktisch auszuüben sind, wobei er klare Regeln aufstellt. 13 So verschieden wie die Geistesgaben auch sind, sie sind alle Gnadengeschenke von Gott, Dienste an den anderen und haben in ihrer Ausübung eine göttliche Wirkung auf die Zuhörer. 14 Diese beiden Geistesgaben wirken vor allem auf den Verstand. Es sind Redegaben. Das Wort der Weisheit ist die Gabe des Hirten (des Seelsorgers), der der Gemeinde oder dem einzelnen Ratsuchenden durch (δια) den Geist einen praktischen geistlichen Rat für sein momentanes Problem geben kann. Die Gabe des Wortes der Erkenntnis hingegen, ist die Gabe des Lehrers, der gemäß (κατα), d.h. in Übereinstimmung mit der christlichen Lehre, durch seine Unterweisung tiefere Erkenntnis vermitteln möchte (31,II,115). 15 Die darauffolgenden fünf Geistesgaben sind andersartig (ετερος), weil sie mehr übernatürlichen Charakter haben als die beiden vorigen. 16 Beide Male der Plural. Wahrscheinlich, weil es sich auf die Heilungen verschiedener Arten von Krankheiten und auf verschiedene Arten von Wundern bezieht (31,II,116). 17 Aufgrund von Vers 3 ist das die Fähigkeit, die Echtheit und Herkunft einer Prophezeiung (od. allg.: einer Geistesgabe?) zu beurteilen. 18 Die folgenden zwei Geistesgaben sind andersartig (ετερος), weil sie mehr mit dem Gefühl zu tun haben als die fünf vorigen. 19 Zur Gabe der Sprachenreden vgl. die Anm. bei Apg 2,4 20 Der Singular bedeutet wahrscheinlich die Fähigkeit jede dieser Sprachen zu übersetzen, während bei der Gabe der Sprachenreden der Plural verwendet wird. Es handelt sich ja um verschiedene Fremd-Sprachen, von denen der Begabte nur eine bestimmte spricht, ohne sie gelernt zu haben. 21 Die Präposition εν könnte sowohl eine kausale als auch eine lokale Bedeutung haben. Wäre nämlich nur die kausale Bedeutung gemeint, hätte Paulus wahrscheinlich die Präposition δια gebraucht (vgl. 2,984; 7,z.St.; 31,II,121; 73,385). Nachdem der Gläubige bei seiner Wiedergeburt durch (= kausal) den Heiligen Geist (Joh 3,5; Tit 3,5b) in den einen Leib Christi hineingetauft wird, wird er dann auch noch im (= lokal) Heiligen Geist getränkt, d.h. vom Heiligen Geist durchdrungen und erfüllt, mit Gaben ausgestattet und damit ein wirksames Glied dieses Leibes. Die Erfüllung mit dem Heiligen Geist ist allerdings kein immerwährender Zustand (vgl. Apg 2,4 mit 4,31 [die gleichen Personen!], sondern muss durch Gehorsam immer wieder erneuert werden. Vgl. die Anm. bei Eph 5,18 22 D.h. die Glieder des Leibes (1,1278). 23 Möglicherweise hat jemand in einer Sprachenrede gesagt: "Ανάθεμα Ιησους = Fluch Jesus", was für Paulus ein Beweis war, dass diese Sprachenrede nicht vom Heiligen Geist eingegeben war und eher in Verbindung zur Vergangenheit der Korinther steht, wo sie unter dem Einfluss von Dämonen enthusiastisch (in Sprachen?) redeten (vgl. 31,II,108ff). Dämonische Sprachenreden gibt es auch heute noch bei verschiedenen Naturreligionen. Auch eine Sprachenrede, die selbst produziert ist und aufgrund einer psychiatrischen seelischen Überspanntheit heraus entspringt, gibt es heute (vgl. Liebi R.: Sprachenreden oder Zungenreden, 2007; Seite 75-76). 24 Kein Jude und kein Heide konnte dazu bewogen werden so etwas zu sagen. Als Polycarp vom Statthalter dazu aufgefordert wurde Jesus abzusagen, indem er ihm einfach nachsagt "HERR (ist) Cäsar", antwortete Polycarp immer mit "HERR (ist) Jesus". Daraufhin wurde er trotz seines Alters und zum Bedauern des Statthalters zum Tod verurteilt. 1.Korinther 13 1 Ein lärmendes Musikinstrument aus Metall in Tellerform, das in der Tempelmusik verwendet wurde. Paulus meint damit, dass die Geistesgabe, wenn sie nicht in Liebe ausgeübt wird, ihre Kraft verliert (sowie bei Simson!) und nur mehr unnützen Lärm verbreitet. 2 Der Spiegel im Altertum war nicht aus Glas, sondern aus blankpoliertem Metall. Er ergab deshalb nur ein undeutliches Bild. Die Spiegelproduktion war in Korinth ein spezieller Wirtschaftszweig. 3 Med.: von mir aus, d.h. direkt und nicht indirekt wie bei einem Spiegel. 4 "Die..." ist betont. Daher: Glaube, Hoffnung, Liebe, und nicht die drei Geistesgaben Prophezeiung, Sprachenreden und Erkenntnis von V.8-10! 5 Die Gabe der Sprachenreden wird demnach irgendwann in der Zeit ab Paulus bis zum Vollkommenen Zustand aufhören (od.: pausieren?), im Gegensatz zu den Gaben der Prophezeiung und der Erkenntnis, die erst am Ende in einem Augenblick beseitigt werden. Es wird auch nur von diesen beiden gesagt, dass sie Stückwerk sind. Siehe: https://drive.google.com/file/d/1XQXOSXmcWvtFqSHGU43W-k0nEWhHJhn1/view?usp=sharing. Bereits in der Apostelgeschichte merkt man einen Rückgang der Sprachenreden und in den späteren Briefen wird sie nicht mehr erwähnt. Allerdings berichten noch im 2.Jhdt n.Chr. Irenäus, Chrysostomus und Theodoret, dass diese Gabe in den Gemeinden noch vorhanden war (31,II,117). Es gibt zwei Meinungen über das Aufhören der Sprachenreden. Die einen meinen mit Blick auf die Apostelgeschichte und die Kirchengeschichte, dass diese Gabe bereits im 2.-3. Jhdt. n.Chr. verschwand, andere vermuten, dass diese Gabe zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten aufhört (pausiert) und dann anderswo wieder auftritt. 6 Damit ist nach Eph 4,13; Kol 1,28 ua., wahrscheinlich die Vollendung der Gläubigen bei der Entrückung gemeint. Die manchmal vertretene Ansicht mit dem Vollkommenen wäre der Abschluss des Kanons gemeint, ist sehr unwahrscheinlich. Die Korinther hätten Paulus nicht verstehen können, denn den Kanon gab es damals noch nicht. Paulus hätte sich sicherlich klarer ausgedrückt, wenn er dies hätte sagen wollen. Außerdem, wäre zu erwarten, dass Paulus sagt, dass die Offenbarung Stückwerk ist bis zur Vollendung des Kanons. 7 Den Mund vollnehmen und groß reden. Sich über etwas brüsten und aufgeblasen sein. Sich zur Schau stellen, um im Vordergrund zu stehen, indem man seine rhetorische Redegewandheit benützt. 8 od. als adverbieller Akk.: "...immer erträgt sie schweigend, immer glaubt sie...", usw. (2,z.St.). Es ist kein naiver Glaube gemeint, sondern eine Haltung, die das Verhalten des Nächsten eher im Guten, als im bösen Sinn auslegt. Dort wo dieser Glaube aber enttäuscht wird, hofft sie weiter, dass am Ende doch noch das Gute siegen wird. Um diese Haltung durchzuhalten, muss sie geduldig ausharren (31,II,141). 9 Drückt eine mögliche Hypothese aus: "...hätte ich nicht ..., wäre ich geworden" (2,z.St.); od. ein präsentisches Perfekt: "bin ich..." (31,II,135f). 10 Der Ausdruck "Sprachen der Menschen" beweist, dass die Gabe der Sprachenreden immer eine vom Heiligen Geist geschenkte Fähigkeit ist, eine fremde menschliche Sprache zu sprechen die man weder gelernt hat noch selbst versteht (vgl. Apg 2,6ff). Es ist die Umkehrung des Gerichts, welches bei der Sprachenverwirrung in Babel geschehen ist (Gen 11,1-9). 11 Vgl. 2Kor 12,4 und vielleicht Offb 14,3. Paulus nimmt diesen Fall hypothetisch als Argument an. Er sagt nicht, dass die Sprachen der Engel in der Gabe der Sprachengaben enthalten wären. 12 Gläubige, die ihre Gnadengaben ohne Liebe ausüben sind hohl: sie klingen nach nichts (V.1b), sie sind nichts (V.2b), und sie erreichen nichts (V.3b). 13 Die "δωδωναιον χαλκειον" waren sprichwörtlich diejenigen die viel reden aber nichts tun (31,II,136). 14 Es gibt allerdings auch gute Gründe die Lesart καυθησομαι ("damit ich verbrannt werde"), als die ursprüngliche anzusehen (31,II,138; 27,563f). 15 Vielleicht bezieht sich der Aorist auf die Vorkenntnis Gottes (Röm 8,29; 1Pet 1,2). 1.Korinther 14 1 Paulus will sich kurzhalten. Vgl. seine Anweisung in 1Kor 14,30. Aber in Ausnahmefällen spricht er auch länger: Apg 20,7 2 Gemeint sind in Jesaja 28,11-12 die assyrische und babylonische Sprache der Eroberer, die die Israeliten nicht verstanden. Durch diese Völker züchtigte Gott Israel. Also waren diese fremden Sprachen ein Gerichtszeichen für das Volk. Der Vergleich mit der assyrischen und babylonischen Sprache beweist auch, dass die Gabe der "Zungenrede" wirkliche menschliche Sprachen waren. 3 Jes 45,14 4 Betont: "die" Gabe, in verschiedene Fremdsprachen sprechen zu können (1Kor 14,1-21). 5 Vgl. Apg 2,12-13. In den Versen 23-25 erklärt Paulus genauer, was er damit meint: uneingeweihte Außenstehende, die zufällig in die Versammlung kommen, würden durch die nicht ausgelegten Sprachenreden in ihrem Unglauben nur bestärkt, - die Sprachenreden wären für sie ein Gerichtszeichen. Durch die Ausübung der Prophetiegabe aber, würden sie von ihrer Sünde überführt und zu Glaubenden. 6 Ein für die Argumentation nur theoretisch angenommener Fall. Dass dieser Fall nur hypothetisch gemeint ist, zeigt die Aussage: "und alle in Sprachen sprechen", was nach 1Kor 12,30 ja gar nicht der Fall sein kann. Eine Ermutigung Ungläubige in die Versammlungen einzuladen ist dies keinesfalls, und war bei den ersten Christen nicht üblich. 7 Zu der Ansicht, dass der Plural αδελφοι hier Geschwister bedeutet, ist folgendes einzuwenden. In der Gräzität hat der Plural αδελφοι bei einem leiblichen Geschwisterpaar, im Sinne eines Duals, die Bedeutung "Geschwister". Es gibt auch Stellen, wo mit αδελφοι mehrere leibliche Geschwister beiderlei Geschlechts bezeichnet sind. Der Plural wird auch auf die Mitglieder in religiösen Gemeinschaften angewendet (1,29), aber ob dabei auch Frauen mit gemeint sind, ist mehr als fraglich. Da im NT immer Brüder von Schwestern unterschieden werden (vgl. 1Kor 7,15; Jak 2,1; Mt 12,50; 13,55-56; Mk 3,32; 6,3; Lk 14,26), ist die Übersetzung "Geschwister" hier nicht angebracht. Es war damals nicht üblich, in allgemeinen offiziellen Schreiben auch Frauen mit anzusprechen, selbst wenn diese bei den Adressaten miteingeschlossen waren, wie es in den neutestamentlichen Briefen ja der Fall ist. Überall dort, wo es um das gemeinsame Heil in Christus geht, gibt es keinen Unterschied zwischen Mann und Frau. An diesen Stellen sind mit den Brüdern selbstverständlich auch die Schwestern miteingeschlossen. An dieser Stelle hier sind aber nur die Brüder gemeint, denn die Frauen werden dann im Gegensatz dazu ab Vers 34 gesondert angesprochen. Das gleiche Muster sehen wir in 1Tim 2,8-9. Vgl. auch noch die Anm. bei 1Kor 11,5 8 Würde Paulus meinen, dass der Beitrag schon vorbereitet ist, wäre das Wort im Indikativ Perfekt, wäre es ein Befehl dann im Imperativ ("habe"). Nur der Indikativ Präsens lässt sowohl eine Vorbereitung als auch die Spontanität zu. 9 Wahrscheinlich distributiv: jeder, - d.h. der eine hat einen Psalm, der andere hat eine Lehre, usw (31,II,167). Auch in der Synagoge durften sich alle schriftkundigen Männer an der Schriftauslegung beteiligen (65,I,212). Keine Gabe soll unterdrückt werden, aber alles muss der Erbauung der Gemeinde dienen. 10 Gemeint ist wahrscheinlich ein improvisiertes gesungenes Gebet, wie in 1Kor 14,15 und Jak 5,13 angedeutet (31,II,167). 11 Redeten sie bis dahin vielleicht durcheinander? 12 Wer die Gabe der Übersetzung hatte, konnte also alle Arten von Sprachenreden übersetzen. 13 Imp.Präs.: er komme allmählich zum Ende seiner Rede (vielleicht durch ein Handzeichen der anderen?). Der Imp.Aor. würde bedeuten: er schweige sofort. Es war also auch schon damals so, dass manche zu lange redeten. Auch heutzutage ist das manchmal der Fall, es wird aber leider nicht so rigoros abgestellt wie damals. 14 Mit λαλεω (= sprechen) ist im ganzen Abschnitt die Ausübung der Redegaben (Verse 2-6.9.11.13.18-19.21.23.27.29) und nicht das Beten oder Singen gemeint. λαλεω bedeutet auch nicht "schwätzen", denn dies wäre das Wort φλυαρεω, wie in 1Tim 5,13 und 3Joh 1,10. Anweisungen für das laute Gebet der Männer und Frauen im Gottesdienst gibt Paulus in 1Tim 2,8-9 (siehe dort die Anm.). 15 Vielleicht denkt Paulus an Gen 3,16 (31,II,173). 16 Liturgisch am Ende eines Gebets oder eines Lobpreises, als Bekräftigung für das Gebet eines anderen: "so ist es, es möge erfüllt werden". Dieser Brauch wurde von der Synagoge in die christliche Gemeinde übernommen. Am Ende einer Predigt oder eines Gebetes sagten die Anwesenden "Amen" und stimmten so dem Inhalt zu, als ob es ihre eigenen Worte gewesen wären. Vgl. 1Chr 16,36. 17 w.: "...verhört wird er". 18 D.h. in den Gottesdiensten (vgl. Vers 26ff; Apg 11,26; 1Kor 11,18; 14,4ff; Kol 4,16; 3Joh 1,6), also dann, wenn alle Gemeindeglieder zusammenkommen. Normalerweise ist das am Sonntag der Fall, in manchen Gemeinden kommt die ganze Gemeinde auch unter der Woche zum Bibelstudium und zum Gebet zusammen. Private Hauskreise, wo jeweils nur ein Teil der örtlichen Gesamtgemeinde zusammenkommt, erfüllen nicht die Voraussetzung von 1Kor 11,18 (siehe griech. Text). - Es könnte sein, dass durch die gesellschaftliche Bevorzugung von Frauen im öffentlichen Leben, die um diese Zeit von Kaiser Claudius gefördert wurde, die Emanzipierung der Frauen zeitverzögert auch in die Gemeinden eingedrungen ist, und Paulus deshalb, um diesem Trend entgegenzuwirken, auf die Prinzipien Gottes hinweisen muss, die schon seit der Schöpfung vorhanden sind. Ebenso dann in 1Tim 2,12-15. Eine Frauenfeindlichkeit kann man Paulus nicht vorwerfen, in seinen Briefen hebt er auch immer wieder Frauen als seine Mitarbeiterinnen hervor. Der Einfluss, den der Zeitgeist in den Gemeinden in allen Jahrhunderten bis heute hatte, darf nicht unterschätzt werden! 19 Es handelt sich bei dieser Gabe also nicht (nur) um das Vorhersagen der Zukunft, sondern um ein praktisches Predigen, welches das Herz berührt, überführt, zurechtbringt und ermutigt. Sogar in der Didache (80-120 n.Chr.) wird die Gabe der Prophetie, so wie sie in diesem Vers erklärt wird, noch geregelt (58,272). 20 D.h. die anderen Propheten (73,420), sofern sie die Gabe der Geisterunterscheidung haben und auch alle anderen Gemeindeglieder, die diese Gabe haben. 21 Das Wort "verfolgen" bedeutet: etwas Unentbehrlichem nachjagen. Das Synonym "eifern" bezeichnet mehr das Streben nach einer bloß wünschenswerten Fähigkeit (31,II,149). 22 Wenn eine Offenbarung ausgesprochen wird, ist dies eine Prophezeiung, wenn Erkenntnis weitergegeben wird, ist dies Lehre. 23 Ein Blasinstrument, das ähnlich wie die Oboe klang. Es wurde in den israelitischen Gottesdiensten für gefühlstragende Musik verwendet (65,II,287). 24 Beim römischen Militär gab es drei Posaunensignale mit folgender Bedeutung: erstes Signal = Sammeln; zweites Signal = Bereitmachen zum Abmarsch; drittes und letztes Signal = Abmarsch. 25 Zehntausend ist im Griechischen die größte Zahl (65,II,289) 26 Bei der Gabe der Sprachenreden im Neuen Testament handelt es sich um das Gottesgeschenk, eine nicht erlernte Fremdsprache bei völliger Selbstkontrolle aktiv sprechen zu können, wie die nachfolgenden Verse, und auch Apg 2,4-11 deutlich machen (54,z.St.). 27 Er wurde dadurch erbaut, dass er verstand, was er sagte. Auch die Gemeinde konnte nur erbaut werden, wenn sie verstand, was gesagt wurde (Vers 5). Von der Fähigkeit an sich hat man nichts (54,z.St.). 28 Obwohl Paulus hier den Ind.Präs. "ich will" benützt, meint er wohl doch einen Wunsch im Sinne von Num 11,29b. Denn er sagt ja selbst in 1Kor 12,29-30, dass nicht jeder die Gabe der Sprachenreden haben kann (2,987.1401; 73,407; 48,754). Und dass er der Gabe der Sprachenrede keinen so großen Wert beimisst, sieht man auch daran, dass er sie in 1Kor 12,10b.30 als letztes aufzählt. In 1Kor 14,19-20 stuft er sie als kindlich ein. 1.Korinther 15 1 Ps 110,1 2 Ps 8,7 (LXX). vgl. auch Anm. bei Mt 21,16 3 entw.: Jes 22,13 (LXX), oder ein Zitat des athenischen Komödiendichters Menander (2,z.St.). Ein gängiger Spruch in der damaligen Zeit, den die Korinther vielleicht aufgriffen, um ihren Lebenswandel zu rechtfertigen (21,V,932). 4 Gen 2,7 (LXX). Nur dieser Teil des Satzes ist ein Zitat aus dem AT (31,II,229). - Nach dem Zeugnis der Bibel hat der Mensch nicht eine unsterbliche Seele, was griechisches Denken wäre, sondern er ist eine unsterbliche Seele. Der Mensch hat einen materiellen Leib, in den Gott jedes Mal bei einer Zeugung (Ps 104,30a; Jes 42,5b; Apg 17,25) seinen Lebensodem, und damit den menschlichen Geist, einhaucht. Auf diese Weise wird jeder Mensch zu einer lebenden Seele, weshalb die Bibel manchmal mit dem Ausdruck Seelen einfach Personen meint (Apg 2,41 ua.). Die Schrift bezeugt, dass auch Tiere eine Seele haben (Gen 1,30). Wenn Seele und Geist in der Bibel unterschieden werden (nur in 1Thes 5,23; Heb 4,12), dann bezeichnet Seele eher den Bereich der Gefühle, Empfindungen und Willensentschlüsse, der Geist aber das Organ, mit dem der Mensch mit Gott in Verbindung treten kann (vgl. Lk 1,47; Röm 8,16). 5 Jes 25,8 6 Hos 13,14 7 D.h. so wie die Propheten des AT es vorhersagten, z.B. Jes 53,4-12; Hos 6,2; Ps 16,10; Ps 22,16-19; Jona 1,17. Auch Gen 22,4 gibt ein Vorbild auf die Auferstehung am 3.Tag, denn Abraham opferte Isaak bereits im Herzen, als er den Befehl zur Opferung von Gott bekam. Am 3.Tag hat er ihn dann in einer symbolischen Auferstehung wieder zurückerhalten (vgl. Heb 11,17-19). 8 Das Wort bezeichnet den Abschluss in einer Serie, wie in Mk 12,22 und 1Kor 15,45. Paulus ist demnach nach den Zwölfen und Jakobus der Letzte, dem der Herr leibhaftig erschien, um ihn zum Apostel zu berufen und auszusenden (vgl. in Apg 22,21 εξ-αποστελλω). Seither gibt es keine Apostel des Herrn mehr, sondern nur mehr Apostel im weiteren Sinn, ausgeschickt vom Heiligen Geist (vgl. Apg 13,4). 9 Gnomischer oder proleptischer Aorist, d.h. schon vom Standpunkt der Vollendung aus gesehen (2,995; 31,II,236). 10 In der Gräz. für jede Art von rascher Bewegung, z.B. der Wurf oder der Flug eines Pfeiles, das Schlagen der Flügel, der kurze Moment eines Augenaufschlag oder das Augenzwinkern, einfach: der Augenblick. 11 od.: "...es sei denn, dass ihr unüberlegt.... ". 12 Als milit. t.t.: die Kompanie, eine Truppe von aufgestellten Soldaten. Allg.: die Abteilung, Division oder Klasse; übertr.: alles, was ordentlich zusammengestellt und arrangiert ist. Von der gruppenweisen Auferstehung: zuerst Christus, dann die Gläubigen bei seiner Ankunft, dann die alttestamentlichen Gläubigen zu Beginn des tausendjährigen Reichs, zuletzt, nach dem tausendjährigen Reich, der Rest der Menschheit bei der Auferstehung zum Gericht. Vgl. auch noch die Anm. bei Joh 5,29 13 In Gräz.: von den Gladiatorenkämpfen mit Raubtieren in der Arena in Rom. Ein römischer Bürger wie Paulus, konnte nach römischen Recht nicht zu dieser Strafe verurteilt werden (1,733; 31,II,216f; 65,II,298), daher könnte der Ausdruck hier im übertragenen Sinn verstanden werden und bezieht sich vielleicht auf den Tumult im Theater von Ephesus (Apg 19,29ff), denn Paulus schrieb den 1.Korintherbrief in dieser Zeit aus Ephesus. 14 Es gab in Korinth offenbar einige die, unter dem Einfluss einer leibfeindlichen griechischen Philosophie wie sie besonders von Plato gelehrt wurde, eine leibliche Auferstehung leugneten (31,II,180). Sie glaubten sehr wohl an ein Weiterleben der Seele, - und sicherlich auch an die leibliche Auferstehung Jesu. Daher argumentiert Paulus von der leiblichen Auferstehung Jesu her, indem er klar macht, dass Christus der Erste war der leiblich auferstand, und daher auch die Gläubigen leiblich auferstehen werden (vgl. auch Joh 5,28.29; Röm 8,11), und zwar mit einer neuen Art von metaphysischem Körper (Verse 35-50), wie in auch Jesus nach seiner Auferstehung hatte. 15 Ein geflügeltes Wort, das auf den griechischen Dichter Menander (4. Jhdt. v.Chr.) zurückgeht (vgl. 47,z.St.). 16 Dem Passahfest am 14.Nisan folgte das Fest der Weizen-Erstlinge (Lev 23,9ff) am 16.Nisan, also an dem Tag, an dem Jesus auferstand. Er erfüllte auf diese Weise die schattenhafte Bedeutung dieser beiden Feste. Er war durch seine Auferstehung die erste reife Frucht der Weizenernte, wir sind bei der Auferstehung die volle Ernte. 17 υπερ (= im Hinblick auf), und nicht: αντι (= anstelle von). Es gab in den letzten Jahrhunderten an die dreißig verschiedenen Erklärungen. Zu möglichen Bedeutungen siehe: 21,V,930f; 31,211ff; 60,511f und 64,603f. Wesentlich ist, dass Paulus hier nichts vorschreibt, sondern eine gängige (vielleicht falsche?) Praxis als Argument anführt, wobei nicht einmal klar wird, was er von dieser Praxis hält. Am ehesten ist wohl an Neubekehrte zu denken, die durch ihre Taufe die Plätze der getöteten Märtyrer auffüllen wollen. Oder an solche, welche die "Leidenstaufe" durch das Martyrium auf sich nehmen (vgl. Lk 12,50; Mk 10,38), um zu dem Kreis der Märtyrer zu gehören (Offb 6,9-11; 20,4). Dies ergebe auch eine natürliche Erklärung für den nächsten Vers 30. Manche meinen zwar es wäre vielleicht eine Anspielung auf eine in Korinth gelegentlich vollzogene stellvertretende Taufe zugunsten ungetauft verstorbener Gläubiger, aber das ist sicher abwegig (vgl. 47,z.St.). 18 Beide Male beschreibendes Präsens statt Futurum. Die jüdischen Rabbis aus der Partei der Pharisäer stellten sich die leibliche Auferstehung so vor, dass Gott die materiellen Bestandteile des alten Körpers wieder zusammensetzt, was lächerlich ist und zu Spott Anlass gab (31,II,221). In den folgenden Versen zeigt Paulus, dass dem nicht so ist. Gott wird bei der Auferstehung den Auferstehungsleib ganz neugestalten. 19 Aorist und nicht Präsens, d.h. so wie er es am Anfang im Schöpfungsprinzip festlegte und in die Genstruktur der jeweiligen Pflanzen und Tiere hineingelegt hat, - aber nicht nur für die Pflanzen und Tiere, sondern auch für den zukünftigen Auferstehungskörper. 20 Die Pharisäer dachten, der Mensch werde mit dem gleichen Körper auferstehen, den er vorher hatte, - wie töricht (21,V,935). 21 Paulus könnte zwar die "Körper" der Himmelsgestirne meinen (V.40), eher aber die Geist-Körper von Engeln, und besonders den Auferstehungskörper des Herrn Jesus (V.45ff), den er ja gesehen hat (21,V,936). 22 Damit ist, auch in den nächsten Versen, wahrscheinlich nicht der Tod gemeint, sondern der Beginn des irdischen Lebens (31,II,226). 23 Die "letzte" Posaune ist nicht die 7. Posaune von Offb 11,15, sondern wie in 1Thes 4,16 die dritte und letzte Posaune der drei militärischen Posaunensignale bei der römischen Armee - und auch beim Volk Israel in der Wüste (Num 10,2-10) - mit folgender Bedeutung: 1.Posaune: Zelte abbrechen und sammeln! 2.Posaune: Aufstellen zum Abmarsch! 3.Posaune: Abmarsch! (siehe: Xenophon, Anabasis,I,2,17). 24 Die Verwandlung und Entrückung der Gläubigen ist ein Geheimnis, dass weder im AT, noch von Jesus zu seinen Lebzeiten, klar geoffenbart wurde, wohl aber von Jesus angedeutet wurde (vgl. Joh 14,3; 1Thes 4,13ff). - Es gibt acht Geheimnisse Gottes, die im AT noch verborgen waren und erst im NT geoffenbart werden. Vgl. die Anm. bei 1Kor 2,7 25 Ingressiver Aorist. Wenn man nicht glaubt, dass Christus für unsere Sünden gestorben und für unsere Rechtfertigung auferstanden ist, wäre der "Glaube" ein vergeblicher Glaube gewesen, er hält nicht durch, weil er nicht echt ist. 26 Damit ist wohl die Erscheinung am Tag der Himmelfahrt gemeint, wo sowohl Thomas als auch Matthias (Apg 1,22) dabei waren. 27 Das Übel, welches der erste Mensch Adam verursachte, musste der zweite Mensch Christus gutmachen. 28 Damit will Paulus gewiss keine Allversöhnung lehren (Mt 25,46; 2Thes 1,9 ua.). Entweder das "alle" bezieht sich nur auf die Gläubigen, d.h. so wie die Gläubigen als Nachkommen Adams dem Tod verfallen sind, werden sie alle in Christus mitauferweckt worden (vgl. Röm 5,17). Oder Paulus will die Tatsache hervorheben, dass Christus derjenige sein wird, der alle Menschen zur Auferstehung rufen wird (Joh 5,28-29), entweder zur Auferstehung des Lebens oder zur Auferstehung zum Gericht (31,II,196; 2,992). 29 Nicht τοτε (= unmittelbar darauf), sondern einen kleineren oder größeren Zeitraum danach, nämlich die tausendjährige Zeit der Königsherrschaft Christi auf Erden. Diese beginnt mit der Wiederkunft Jesu Christi (31,II,198). 30 Damit ist bestätigt, dass der Tod im tausendjährigen Reich noch da sein wird (vgl. Jes 65,20; 66,24). 31 od. wahrscheinlich reflexiv: "...dann wird sich unterordnen" (31,II,203; 44,529; 7,z.St.; 8,z.St.; 9,z.St.; 47,z.St.). So wie der Sohn wesensgleich mit dem Vater ist ("wahrer Gott von wahrem Gott"), genauso ordnet sich aber auch der Sohn dem Vater unter, indem er ihm nach vollbrachter Aufgabe die Herrschaft zurückgibt (Vers 24), die dieser ihm für das tausendjährige Reich übergab (Joh 5,22; Offb 2,28a; 3,21b). 32 Durch Tod und Zersetzung kommt in der Natur neues Leben hervor, beim Menschen ist es genauso. 33 Christus ist der letzte Adam, weil in ihm der Fluch, der durch Adam in die Welt kam, durch den Kreuzestod überwunden wurde. Durch seine Auferstehung wurde er zum zweiten Menschen. 34 Vielleicht schon durch seine Menschwerdung, im Besonderen dann durch seine Auferstehung (Joh 20,22). 35 Die Naherwartung der Entrückung hat sich bei Paulus im Laufe seiner Lebenszeit verändert. In seinem ersten Brief in 1Thes 4,15 und etwas später, hier in 1Kor 15,51-52, erwartet Paulus noch, dass er nicht sterben wird, sondern bis zur Entrückung leben wird. Einige Jahre später (Php 1,20-23; 2,17) ist er nicht mehr so sicher, ob er nicht schon davor sterben könnte. Und in seinem letzten Brief (2Tim 4,6) rechnet er mit seinem baldigen Tod, - ebenso wie Petrus an seinem Lebensende (2Pet 1,14). Wesentlich war für ihn, bis zum Ende seines Lebens, in ständiger Bereitschaftshaltung zu sein, dem Herrn zu begegnen (2Kor 5,9). Dies ist wichtiger als eine unnüchterne, und bloß verbale Naherwartung wie sie Manfred Siebald besingt: "Wir beten laut, Herr komm doch bald, und denken leise, doch jetzt noch nicht". 36 Dies sagt Paulus hier, um zu betonen, dass nur die Gläubigen in das zukünftige Königreich eingehen können, und zwar mit einem unverweslichen Körper, den sie bei der leiblichen Auferstehung bekommen. Es schließt nicht aus, dass andere Gruppen mit ihren sterblichen Körpern ins tausendjährige Reich eingehen werden. Vgl. auch die Anm. oben zu 1Kor 15,26 1.Korinther 16 1 Mit dieser Formel leitet Paulus häufig seine Antwort auf eine Anfrage der Korinther ein (2,z.St.). 2 Viell.: in dem Maß, wie er geschäftlichen Gewinn macht (1,655; 31,II,249). 3 D.h. eigenhändig, denn der Brief war diktiert. 4 Die Geldsammlung für die armen Gläubigen in Jerusalem. Jeder legte am Sonntag bei sich zu Hause (31,II,248) so viel auf die Seite wie er wollte. Als Paulus dann auf Besuch kam übergab ihm jeder seine angesparte Summe Geldes und Paulus brachte in Begleitung ausgewählter Brüder alles nach Jerusalem. Schon die Juden hatten den Brauch, dass die reicheren Juden in der Diaspora eine Sammlung für die ärmeren Juden in Jerusalem veranstalteten (Josephus, Antiquitates, XVIII,9,1). Die gängige Kollekte am Ende jedes sonntäglichen Gottesdienstes hat weder eine apostolische Anweisung noch ein derartiges Vorbild im NT! - Vgl. zu diesem Thema auch noch 2Kor 8,1 - 9,15 und Röm 15,25-27. Im NT wurde ausschließlich für folgende Zwecke gespendet: (1.) Für Geschwister in Not. (2.) Für Apostel die Gemeinden gründeten. Sie wurden während ihres Aufenthalts von denen versorgt, die sie zum Herrn geführt hatten (Apg 16,15.34; 1Kor 9,4ff). Dass die "sendende Gemeinde" in Antiochien Paulus und Barnabas unterstützte, wird nirgends gesagt. Vielleicht war es so, aber man kann davon keine Regelung ableiten, wie das heutzutage geschieht. Der Arbeiter lebt von der Frucht seiner Arbeit. (3.) Lehrer die überörtlich ihren Dienst tun (z.B. Apollos, Zenas, ua.). Sie wurden während ihres Aufenthalts von der Gemeinde versorgt und für die Weiterreise bis zur nächsten Gemeinde mit allem Nötigen ausgestattet (Tit 3,13.14; 3Joh 1,6). In Gal 6,6 dürfte die private Unterweisung durch einen Lehrer gemeint sein. Bei Ältesten unter gewissen Voraussetzungen eine regelmäßige Unterstützung anzunehmen, ist exegetisch nur schwer haltbar. Vgl. die Anm. bei 1Tim 5,17! 5 Die Genannten sind vermutlich die Überbringer des Fragenkatalogs der Gemeinde von Korinth an Paulus. 6 Der Name lässt darauf schließen, dass er ein Sklave oder ein Ex-Sklave aus der Provinz Achaia war (33,10). 7 Will er damit vielleicht mit einem Augenzwinkern klarmachen, dass er nur mitgeht, wenn die Gabe groß genug ist (21,V,946; 31,II,249), oder aus einem anderen Grund? 8 Vielleicht ist damit die Missionierung Kleinasiens (Kolossä, Laodizäa, usw) durch ihn und seine Mitarbeiter gemeint (vgl. Vers 19 und Apg 19,9f.26). 9 Achaja war eine römische Provinz, die den südlichen Teil Griechenlands umfasste und von Korinth aus von einem Prokonsul regiert wurde. - Schon davor gab es in Athen einzelne Bekehrungen (Apg. 17,34), aber es entstand keine Gemeinde dort. In Korinth selbst wird Krispus als der erste Bekehrte genannt (Apg. 18,8), aber erst das ganze Haus des Stephanas bildete dann den Startschuss zu einer Gemeindegründung. 10 Bis zu diesem Zeitpunkt gab es offensichtlich noch keine Ältesten in Korinth, obwohl es eine recht große Gemeinde war! 11 Da Apg 19,20 und 1Kor 16,9 vermuten lassen, dass die Gemeinde in Ephesus bereits eine beträchtliche Größe hatte, wird es sich hier wohl um eine der "Hausgemeinden" in Ephesus handeln, sicherlich um die, die Aquila und Priscilla schon am Anfang gründeten. Auch die Präposition κατα in ihrem distributiven Sinn weist auf diese Tatsache hin (31,II,256). 12 Wohl ein Gebetsruf der aramäisch sprechenden Urgemeinde (59,385): "Unser Herr komm/kommt/wird kommen". 13 Diese sollen sowohl die Überbringer als vertrauenswürdig bestätigen, als auch wahrscheinlich die Höhe des Spendenbetrages angeben, damit keinerlei üble Nachrede entstehen könne (2Kor 8,20). Diese Praxis der Transparenz bei Geldangelegenheiten ist heute wichtiger denn je. 14 Mazedonien war eine römische Provinz auf der Balkanhalbinsel. Sie umfasste den nördlichen Teil des heutigen Griechenland (54,z.St.). - Wahrscheinlich ein futuristisches Präsens des Vorhabens: "...werde ich durchziehen" (2,996; 31,II,250). 15 Asia war eine römische Provinz, die den westlichen Teil Kleinasiens umfasste. Dies weist darauf hin, dass Paulus mit seinen Mitarbeitern während seines dreijährigen Aufenthalts in Ephesus, seine Missionstätigkeit auf ganz Kleinasien ausweitete (vgl Apg 19,10). Und ebenso, dass der 1.Korinterbrief gegen Ende dieser drei Jahre geschrieben wurde. 16 Noch zur Zeit Justins des Märtyrers wurde dieser Ritus praktiziert, und zwar bei der Weitergabe des Brotes beim Abendmahl, wobei jeder Bruder seinem nächstsitzenden Bruder und jede Schwester ihrer nächstsitzenden Schwester das Brot nach einem Kuss weiterreichte (31,II,256). 17 Dies zeigt, dass der erste Tag der Woche (= Sonntag) bereits der festgelegte Tag für die Versammlungen der Christen war, denn es war der Tag von Jesu Auferstehung. Er nahm die Stelle des Sabbaths ein, aber nicht als Ruhetag, sondern nur als Versammlungstag. Der römische "Sonntag", der ehrwürdige Tag der Sonne (lat.: dies solis), der dem römischen Mithraskult geweiht war, wurde erst durch Kaiser Konstantin im Jahr 321 n.Chr. zum Ruhetag im Römischen Reich bestimmt (31,II,248; 41,1168). Ein biblischer Ruhetag anstelle des Sabbats ist der Sonntag daher nicht. 18 Galatia ist der Name einer Landschaft im nördlichen Kleinasien. Die römische Provinz Galatia schloss aber seit einigen Jahrzehnten auch die südlicher liegenden Landschaften Pisidien, Phrygien und Lyakonien ein. Dort befanden sich die von Paulus gegründeten Gemeinden, von denen er hier schreibt (54,z.St.). Zu Korinthern B 2.Korinther 1 1 Bezieht sich vielleicht auf eine Gefangenschaft in Ephesus; vgl. 1Kor 15,32; 16,9; Apg 19,23-40; 2Kor 11,23-33 (vgl. 47,z.St.); eher aber auf Apg 19,23-40 und 20,3 (65,II,308); od. auf eine lebensgefährliche Erkrankung (21,III,40f). Mit Asia war die römische Provinz gemeint, die heutige Westtürkei, deren Hauptstadt Ephesus war. In Ephesus hielt sich Paulus etwa 3 Jahre auf und missionierte dabei mit seinen Mitarbeitern das Hinterland. In dieser Zeit entstanden wahrscheinlich auch die sieben Gemeinden, die wir aus der Offenbarung Kapitel 2-3 kennen. 2 Vgl. das Gegenteil in 1Kor 10,13 3 εκ bedeutet hier eher: "vor" und nicht "aus", denn sie sind ja dann doch nicht gestorben. 4 Ein Gen.epex., der Geist ist die Anzahlung (2,z.St.). Ein geschäftlich-juristischer t.t.: d. Handgeld oder Unterpfand als Anzahlung und Sicherstellung für einen Gesamtbetrag der erst später ausbezahlt wird. Mit dieser Anzahlung verpflichtet sich der Betreffende zugleich vertraglich, den Rest zu einem bestimmten späteren Zeitpunkt noch zu bezahlen. Die Sache, auf die angezahlt wurde gehört ihm aber schon. Vgl. Gen 38,17-20; 2Kor 5,5; Eph 1,14. Kaufleute z.B., die im Hafen eine Getreideladung kauften, handelten zuerst den Kaufpreis aus, dann gaben sie eine entsprechende Anzahlung, versiegelten die Säcke, und verpflichteten sich, die Ware zur bestimmten Zeit abzuholen und den Restbetrag zu begleichen. Das was der Heilige Geist jetzt in unserem Leben wirkt ist eine Anzahlung, ein Vorgeschmack für das, was er bei der Vollendung an uns tun wird. 5 od.: aus Todesangst? od.: aus Todesgefahr? 6 D.h. der Bescheid des Todesurteils von offizieller Stelle (21,III,40; 16,85). 7 D.h wohl einige von euch, aber leider nicht alle; vgl. 1Kor 3,4 (21,III,43). 8 Er meint wohl, dass zwischen seinen Briefen und seinen Worten kein versteckter Unterschied besteht, wie manche in Korinth meinten (2Kor 10,10f). Er ist authentisch! Im Griechischen ein Wortspiel, dass man in Deutsch nicht wiedergeben kann. Paulus liebt solche Wortspiele; vgl. auch noch im griechischen Grundtext die Wortspiele mit anderen Worten: 1Kor 2,13; 7,31; 11,31; 12,2; 2Kor 3,2; 4,8; 10,12; Php 3,2; Eph 5,15 (21,III,42f). 9 Bezieht sich wahrscheinlich auf einen Vorwurf der Korinther, warum er seinen ursprünglichen Plan zu ihnen zu kommen (Vers 16) verworfen hat, und stattdessen Titus schickte (21,III,43). 10 Ein geschäftlich-juristischer t.t. bei Kaufverträgen: Ein zugesagtes Gut, für das man bereits eine Anzahlung gab, für gültig erklären und juristisch garantieren (4,104; 65,II,310). 11 Bei der Bekehrung werden die Gläubigen durch die Gabe des Heiligen Geistes gesalbt, und so, wie im AT, für den priesterlichen Dienst für den Herrn eingesetzt (65,II,310). 12 Amen bedeutet: so möge es geschehen; vgl. Offb 3,14.21. 13 Damit spielt er offensichtlich an die Ermahnungen n 1Kor 1,10ff; 5,1ff; 11,17ff an; vgl. 2Kor 1,23; 10,6; 13,1-10. 14 Dokumente und Warenbehälter wurden damals versiegelt, damit sich kein Unbefugter am Inhalt zu schaffen machen konnte. Das Siegel des Eigentümers wurde dabei in heißes Wachs gedrückt und dann über die Schnur gepresst, mit der das Dokument oder der Behälter umbunden war (65,II,310). Christus hat uns durch das Lösegeld seines Opfertodes für Gott freigekauft. Gott ist jetzt unser Eigentümer und Herr. Niemand darf und kann dieses Siegel brechen. Ein Hinweis auf die Unverlierbarkeit des Heils. 15 Paulus hatte stattdessen den resoluten Titus mit einem harschen Brief (der 1.Korinterbrief) nach Korinth geschickt (65,II,311). Zu der Ansicht es handle sich dabei um einen verlorengegangenen "Tränenbrief" siehe die Anm. bei 2Kor 2,3. 2.Korinther 2 1 Falls in Vers 3 der Aorist des Briefstils vorliegt ist der vorliegende 2.Korintherbrief gemeint, bei einem normalen Aorist der Vergangenheit wäre der 1.Korintherbrief gemeint, - was in Vers 4 wahrscheinlich der Fall ist (21,III,49). Manche meinen, Paulus bezieht sich auf einen verlorengegangenen "Tränenbrief". Doch wenn es einen solchen Brief wirklich gab, warum ist keine einzige Abschrift davon erhalten geblieben? Man hätte doch diesen Brief genauso erhalten wie die anderen Briefe des Paulus, von denen es hunderte Handschriften gibt. 2 Gemeint ist der Sünder in 1Kor 5,1ff., wo für ihn in Vers 5 und Vers 11, der gleiche griechische Ausdruck verwendet wird (21,III,48f.; 48,786). Für die Ansicht es betreffe jemand anderen, muss man komplizierte und unbewiesene Annahmen treffen (vgl. 74,109ff). 3 Das Substantiv nur hier, das Verb noch an 29 anderen Stellen. Die Bedeutung des griechischen Wortes ist, die von den Richtern festgesetzte Strafe. 4 Also gilt ein Gemeindeausschluss auch dann, wenn nur eine überwiegende Mehrheit der Gemeinde zustimmt, was allerdings bei einer so schweren Sünde den traurigen Zustand der Versammlung in Korinth offenbart. 5 Ein juristischer t.t.: etw. (öffentlich) ratifizieren (wie Gal 3,15), z.B. ein Gerichtsurteil. Hier also ein offizieller Gemeindebeschluss (65,II,312). In 1Kor 5,3-5 hat Paulus befohlen zu "binden", hier befiehlt er wieder zu "lösen" (vgl. Mt 18,18). Trotz der Schwere der Sünde, erfolgte die Buße und Wiederaufnahme dieses Sünders, wahrscheinlich schon einige Monate nach seinem Ausschluss. So wie ein Gemeindeausschluss in allen anderen Gemeinden anerkannt werden sollte, muss auch eine Wiederaufnahme nach Buße, in allen anderen Gemeinden anerkannt werden. 6 Im 1Kor 5,1ff. 7 Paulus hatte Titus mit dem 1.Korintherbrief (nach anderen mit einem verlorengegangen "Tränenbrief") von Ephesus nach Korinth geschickt, um die Ordnung in der Gemeinde wiederherzustellen. Er hoffte, ihn in Troas zu treffen, weil er inbrünstig auf gute Nachrichten aus Korinth hoffte. Da er ihn in Troas nicht fand machte er sich Sorgen um ihn und reiste mit dem Schiff weiter nach Mazedonien. Dort traf er dann Titus, der ihm gute Nachrichten aus Korinth brachte. Vgl. 2Kor 7,5-6, dort wird auch der chronologische Gedankengang weitergeführt. 8 Gräz.: der Tanz im Dreierschritt (lat.: triumphare). Als hellenistischer t.t.: einen festlichen Aufmarsch zu Ehren des Gottes Dionysos halten, wobei viele Freudenlieder gesungen wurden. Aber hier ist der römische Triumphzug gemeint. Wenn der siegreiche römische Feldherr von der gewonnenen Schlacht zurückkehrte, zog er als Jupiter verkleidet, begleitet von seinen Soldaten, im Triumphzug auf einem von 4 weißen Pferden gezogenen Kampfwagen in Rom ein. Vor dem Wagen wurde die Siegesbeute vorgeführt und Liktoren gingen dem Wagen voraus. Nach dem Wagen folgten die Gefangenen und das Heer der Soldaten, die Loblieder sangen (52,V,973f). Dabei wurde wohlriechendes Räucherwerk (z.B. Kräuter udgl.) verbrannt. Bei dieser Gelegenheit tötete man oft viele der Gefangenen während andere Gefangene gnädig verschont blieben. Der Wohlgeruch war also für diejenigen die getötet wurden ein "Wohlgeruch zum Tod" für die anderen aber die begnadigt wurden ein "Wohlgeruch zum Leben" (59,235; 65,II,312). Der Apostel will damit sagen, dass auch das Evangelium, das allerorts verkündet wird, wenn es abgelehnt wird "zum Tod", wenn es aber angenommen wird "zum Leben" sei. "Vom Tod zum Tod" bedeutet: vom geistlichen Tod zum buchstäblichen und letztlich ewigen Tod, "vom Leben zum Leben" bedeutet: vom irdischen Leben zum geistlichen und ewigen Leben. 9 Ursprünglich von der Tätigkeit des kleinen Detailhändlers, der vor allem Wein weiterverkauft und damit in der Versuchung steht, diesen vorher durch Verdünnen mit Wasser oder anderen, billigeren Flüssigkeiten zu strecken (vgl. LXX Jes 1,22), damit er beim Verkauf mehr Profit herausschlägt. Daraus entwickelte sich die allgemeinere Bedeutung: etwas verfälschen, um damit schamlosen Gewinn zu machen; ein Geschäft machen, handeln, etwas verhökern. Im weiteren Sinn: etwas (betrügerisch) verfälschen, um persönlichen Gewinn zu machen. Doch liegt bei diesem Wort der Nachdruck nicht auf dem Verfälschen (wie bei Strong Nr. 1389), sondern beim Gewinn machen. Daher hier vielleicht in der speziellen Bedeutung: das Wort Gottes, d.h. das Evangelium, bei der Verkündigung verwässern, um persönlich gut dazustehen und nicht Anstoß zu erregen. Wahrscheinlich meint Paulus die Verwässerung des Evangeliums bei der Verkündigung (21,III,51; 65,II,313), um dann besser dazustehen und das Ärgernis des Kreuzes zu vermeiden. 10 Ab hier dürfte ein gedanklicher Einschub sein (2Kor 2,14 - 7,4). In Kap. 7,5ff wird dann die Erzählung, was nach seiner Ankunft in Mazedonien geschah, wieder aufgenommen. Diesen Abschnitt als einen eigenen, später eingefügten Brief zu sehen, scheint absurd (65,II,313). - Mazedonien war eine römische Provinz in Nordgriechenland (2,z.St.). - Der abrupte Gedankensprung von Vers 13 zu Vers 14 ("Aber...") dürfte folgender sein: Paulus musste die Möglichkeiten der geöffneten Tür in Troas ungenützt lassen, weil ihm die Lage in der Gemeinde Korinth in diesem Moment wichtiger war. Doch dies macht nichts, denn Christus selbst ist derjenige, der im Triumphzug mit dem Evangelium durch die Welt zieht, und er hat andere Arbeiter als Werkzeuge in seiner Begleitung, die tun können, was Paulus jetzt in Troas nicht tun konnte. Daher spricht er in Vers 14 von uns, und nicht von mir. 11 D.h. in begleitender Gemeinschaft mit ihm. 12 "...die errettet-Werdenden" steht im Passiv, denn die Errettung geschieht allein durch Gott und ist ganz aus Gnaden und allein Gottes Werk. Das zweite Ptz. "...die verloren-Gehenden" könnte entweder auch ein Passiv sein, oder ein Medium das darauf hinweisen könnte, dass das Verlorengehen aufgrund eigenen Mitwirkens geschieht, weil man dem Evangelium nicht gehorcht hat. 13 Dies setzt einen zweiten Besuch in Korinth, von Ephesus aus (Apg 19,10), voraus. Dieser Besuch verlief betrüblich, sodass Paulus diese Erfahrung den Korinthern diesmal nicht zumuten will, weshalb er seine Besuchspläne geändert hat (21,III,46). 14 Gemeint ist sicherlich der Sünder in 1Kor 5,1ff. (21,III,48f.; 48,786). 15 "zum Teil", weil nicht alle hinter dem Ausschluss standen (Vers 6b). Sei es, weil sie liberaler gesinnt waren ("alles ist mir erlaubt..."), oder weil sie gegen Paulus gesinnt waren, und ihm deshalb nicht gehorchen wollten. 16 Der Gedankengang wird in 2Kor 3,5 weiter ausgeführt. 17 z.B. die falschen Brüder in Gal 2,4; 2Kor 4,2; 11,4ff. 18 Da das Wort in der LXX vom Wohlgeruch der Opfer verwendet wird, dürfte Paulus folgenden Gedanken äußern: Christus ist unser Brand- und Speisopfer und in ihm sind wir, die Verkündiger des Evangeliums, zusammen mit ihm ein Wohlgeruch für Gott. 19 Die Bewährung bestand darin, dass sie gehorsam waren und den Gemeindeausschluss durchführten (vgl. 1Kor 5,4.13b). Nun sollten sie gehorsam sein, und den Sünder der Buße tat, wieder aufnehmen. 20 Denn der Sünder von 1Kor 5,1ff wurde "dem Satan übergeben, zum Verderben des Fleisches". Seine rechtzeitige Buße und die Wiederaufnahme in die Gemeinde, sollte die Möglichkeit Satans verhindern ihn zu verschlingen. 2.Korinther 3 1 Ex 34,34 2 "...wie in einem Spiegel reflektierend" (vgl. 33,784; 21,III,58); od., bei Betonung des Med.: "...für sich selbst wie mit einem Spiegel auffangend" (1,863). Paulus möchte wohl sagen: sowie Mose die Herrlichkeit des HERRN in seinem Antlitz nur vorübergehend widerspiegelte, so widerspiegeln die Gläubigen die Herrlichkeit des HERRN in ihrem Charakter permanent und immer mehr, und zwar aufgrund der beständigen inneren Umgestaltung, die der Heilige Geist in ihrem Leben bewirkt. Sie werden Jesus immer ähnlicher. Das NT nennt das "Heiligung" (vgl. Röm 8,29; 12,2; Kol 3,10; 1Kor 15,49 ua.). 3 D.h. in sein Ebenbild, welches Christus ist; vgl. 2Kor 4,4 und Kol 1,15. 4 viell. als einfacher Gen.: "...vom Geist des HERRN"; od.: "vom Geist, welcher der HERR ist" (21,III,59). Aber in beiden Fällen wäre dann wohl wie in Vers 17b πνευμα vor κυριου gestanden. 5 Freiheit vom "unter dem Gesetz sein". 6 Paulus will wohl folgendes sagen: Wenn die Juden die sich unter das Gesetz stellen, das AT lesen, verstehen sie nichts von der Herrlichkeit des Messias im AT. Man kann dies nur durch den Heiligen Geist verstehen, den man durch die Umkehr zum Herrn Jesus empfängt. Der Heilige Geist führt in die Freiheit vom Buchstaben des Gesetzes. Wenn der Gläubige den Herrn Jesus in der Schrift mit einem offenen Herzen betrachtet, sieht er seine Herrlichkeit, aber mit einer gewissen Unschärfe, so wie in einem orientalischen Spiegel der aus einer polierten Metallplatte bestand. Oder, nach anderer Erklärung, er reflektiert die Herrlichkeit des Herrn, so wie Mose, wenn er aus der Gegenwart Gottes heraustrat. Das Betrachten dieser Herrlichkeit führt zu einer fortwährenden Umgestaltung seines Charakters (bei Mose war es nur eine vorübergehende Umgestaltung seines Angesichts), - er wird Jesus immer ähnlicher. 7 Als Mose vom Berg Sinai herabstieg, strahlte nach Ex 34,29f.35 sein Gesicht die Herrlichkeit Gottes wieder, der mit ihm gesprochen hatte. Aber dieser Glanz wich wieder und darum verhüllte Mose sein Angesicht, damit die Israeliten die Vergänglichkeit dieses Glanzes nicht sahen. Dieser vergängliche Glanz wird für Paulus zum Bild der Vergänglichkeit, die den Alten Bund im Vergleich mit dem Neuen kennzeichnet, der bleibend ist (vgl. 47,z.St.). Die Gläubigen des Neuen Bundes aber widerspiegeln die Herrlichkeit Gottes unverhüllt. 8 Der französische Maler Gustave Dore konnte sich einmal bei der Ausreise nicht ausweisen. Er sagte dem Grenzbeamten, dass er der berühmete Maler Dore sei, worauf ihm dieser antwortete, das könne jeder von sich behaupten. Daraufhin blickte Dore aus dem Fenster, er sah eine Kathedrale und zeichnete diese in ein paar Minuten auf ein Blatt Papier. Der Polizeibeamte erwiderte daraufhin: "Ja, sie sind wirklich Gustave Dore". So sollen die Menschen in unserem Lebenswandel die Charakterzüge Christi lesen, und daran erkennen, dass wir wirklich "Christen" sind. 9 Wir, im Gegensatz zu Mose. 10 Eben, weil die Herrlichkeit auf dem Angesicht des Mose wieder verschwunden ist, wurde der Alte Bund nicht so verherrlicht wie der Neue Bund. 11 δια (= durch) betont die vorübergehende Herrlichkeit des Alten Bundes, die Präposition εν (= in) die bleibende Herrlichkeit des Neuen Bundes; vgl. auch Röm 5,10 (21,III,56). 12 Mit Artikel nur deshalb, weil auf den HERRN in Vers 16 zurückgewiesen wird (13,54). 13 D.h. von Gottes Herrlichkeit zu der Herrlichkeit die wir durch den Prozess der Heiligung in unserem Charakter immer mehr widerspiegeln; od.: zu immer mehr Herrlichkeit. 14 D.h. hier: Israel; in LXX aber: er, d.h. Mose. 15 Solche Empfehlungsbriefe waren damals bei den Juden allgemein üblich. Sie dienten der Bevollmächtigung des Reisenden und verschafften ihm Zutritt und Gastfreundschaft in den Häusern. Auch die Gemeinden übernahmen diese Gepflogenheit (65,II,314). 16 Das erste Gesetz wurde vom Finger Gottes auf steinerne Tafeln geschrieben. Die Propheten versprachen, dass Gott ein zweites Mal sein gesetz in die Herzen der Gläubigen schreiben würde (Jer 31,31-34), so wie es auch ursprünglich schon sein sollte (Dtn 30,11-14; Hes 36,27). 17 Damit will Paulus keinesfalls sagen, man müsste es mit der Schrift nicht so genau nehmen. Vielmehr will er sagen, dass das Gesetz des alten Bundes uns zum Tod verurteilt, das Gesetz der Gnade aber führt unter den neuen Bund und spricht den frei, der auf den stellvertretenden Opfertod Jesu Christus vertraut (vgl. Hes 36,26-27 ua.). Es war besser und hilfreicher, durch den Heiligen Geist das Gesetz Gottes direkt im Herzen zu haben, als in einer Schriftrolle vor Augen (65,II,315). 18 In der Gräz. ein t.t. der Rhetoriker: sich bei seinen Äußerungen "kein Blatt vor den Mund nehmen" (65,II,316). 2.Korinther 4 1 Ps 116,10 (LXX) 2 Nämlich den Lichtglanz des Evangeliums (Vers 4+6) im Herzen. 3 Vgl. 1Thes 4,14. Paulus erwartet hier, dass er bei der Entrückung zusammen mit den Korinthern auferstehen wird. 4 Ptz.Präs. durativ: fortwährend/Stück für Stück..., durch Alterung, Krankheit und schließlich den Tod. 5 κυριος ohne Artikel bezeichnet an anderen Stellen im NT den Gottesnamen Jahwe des AT. Doch könnte κυριος hier auch als Titel verstanden werden, und zwar als bewusster Gegensatz zum römischen Kaiser, der auch den Titel ΚΥΡΙΟΣ für sich beanspruchte; - vgl. auch Php 1,2 und 2,11. 6 Paulus verteidigt sich damit wahrscheinlich gegen Vorwürfe, die die falschen Lehrer die nach Korinth kamen, gegen ihn vorgebracht hatten (vgl. Kap 12,16). 7 Hier ein stärkerer Ausdruck als in 2Kor 2,17, denn "verschachern" bedeutet, die Botschaft zu verdünnen um des persönlichen Vorteils wegen. Das Wort hier bedeutet "verfälschen", also eine bewusste Verdrehung der Wahrheit. Wahrscheinlich meint Paulus die Lehrmeinung, die besagt, Heiden-Christen müssten sich beschneiden lassen und das Gesetz Mose halten, um letztlich endgültig gerettet zu werden. 8 Vgl. die Anm. in 2Kor 2,15. Auch hier verwendet Paulus wahrscheinlich das Medium und nicht das Passiv. Hätte Paulus in Röm 9,22 lehren wollen, dass Gott Menschen im Vorhinein zur Verdammnis bestimmt hat, hätte er hier in Vers 4 nicht den Satan, sondern Gott als den Urheber der Verblendung genannt. - Hier nennt Paulus Satan den "Gott dieser Welt" (vgl. auch Eph 2,2), in Joh 12,31; 14,30 und 16,11 nannte Jesus ihn den "Herrscher dieser Welt", doch letztlich ist Jesus Christus der Herrscher über alles (Offb 1,5). 9 Paulus will sagen: wir Gläubigen sind nicht wie die Ungläubigen, sondern Gott selbst bewirkte in unseren Herzen, dass wir durch das Evangelium seine Herrlichkeit in Christus erkannten (denn dieser ist das Bild Gottes; vgl. Kol 1,15ff), und deshalb können wir auch, obwohl in uns selbst schwach und angefochten (V.7-12), dieses Evangelium an andere weitergeben (V.13). Vgl. auch Apg 7,2. 10 vgl. 1,1560,2c. 11 Zu dieser Übersetzungsmöglichkeit vgl. 7,784 und 21,III,64; od. Gen.partitivus: "...bewirkt (an/in/für) uns eine über alles Maß hinausgehende ewige Schwere..." (2,z.St.). Paulus macht ein Wortspiel, denn im Hebräischen haben das Wort Schwere und das Wort Herrlichkeit die gleiche Wurzel (65,II,320) 12 In Gen 1,3 bei der Schöpfung, hier bei der Wiedergeburt. 13 Paulus denkt vielleicht an Richter 7,16ff. Der Vergleich wird in 2Kor 5,1ff weiterentwickelt. Mit Gefäß ist oft der menschliche Körper gemeint, irden betont die Gebrechlichkeit bzw. Zerbrechlichkeit des Menschen im Vergleich zur Macht Gottes. Nur dort, wo unser Eigenwille zerbrochen ist, kann Gott uns vollständig gebrauchen. 14 Das Wort wurde normalerweise für Sargträger verwendet (65,II,319). Mit der Tötung Jesu sind wohl seine täglichen Anfeindungen und Leiden werden seines Erdenlebens gemeint (21,III,62), wie sie auch in verschiedenen messianischen Psalmen beschrieben werden. 15 Damit ist das tägliche Sterben um Jesu willen gemeint (Röm 8,36; 1Kor 15,31; Phil 3,10; Ps 44,23). 2.Korinther 5 1 Entw.: umschriebener Impf.: "..., dass Gott in Christus die Welt versöhnte" (21,III,72; 44,545); od. selbständig, zur Betonung der Einheit Gottes und des Christus im Sühnegeschehen: "..., dass Gott in Christus war, als/indem versöhnend die Welt..." (2,1011; 74,267); od. viell.: "Wie (es ja feststeht), dass Gott in Christus war, die Welt versöhnend,..." (7,787). 2 Paulus vergleicht den Körper mit einem Zelt, als einer Wohnung, einem Haus oder einem Kleid. Er erwartet bei der Entrückung eine Verwandlung (ein Überkleidet-Werden) des irdischen Körpers in den Auferstehungsleib, den Gott vom Himmel her bereithält (vgl. 1Kor 15,44). "Nackt sein" (V. 3) ist ein Zustand, bei dem der Mensch nach seinem Tod als Geistwesen ohne den neuen Leib existiert (vgl. 47,z.St.). 3 Vgl. die Anm. in 2Kor 1,22. Nackt zu sein war für die Juden eine schreckliche Vorstellung (65,II,321). 4 Damit ist der neue Körper gemeint, den wir bei der Auferstehung bekommen. Vielleicht denkt Paulus an seinen Beruf als Zeltmacher. 5 Im Gegensatz zu seinem ersten Brief (1Thes 4,15), schwingt in diesem Satz schon ein leichter Zweifel in Paulus Worten mit, ob er nicht vielleicht doch noch vor der Entrückung sterben muss. In seinem letzten Brief (2Tim 4,6; vgl. auch 2Pet 1,13-14) scheint er sich, wie auch Petrus, schon damit abgefunden zu haben! 6 D.h. mit dem was man sieht: z.B. Visionen (Kap 12,1.13), oder eloquentes Reden (2Kor 10,10), oder Empfehlungsbriefe (2Kor 3,1), oder jüdische Abstammung (2Kor 11,22), oder persönliche Bekanntschaft mit dem historischen Jesus (Vers 16), usw. (21,III,69). 7 υπερ bedeutet nicht: "anstelle von" (das wäre αντι), sondern "...im Hinblick auf", wie dann Vers 15 deutlich macht, wo es heißt, dass Christus für alle auferstand. Es wird aber sonst nirgendwo gesagt, Christus sei anstelle von uns auferstanden (21,III,70). Christus ist für alle, - ja sogar für alles (Heb 2,9b), - gestorben und auferstanden, um so Gottes Heilsangebot an alle möglich zu machen. Doch nur, wer es annimmt, wird auch tatsächlich von seinen Sünden erlöst und ist mit Gott versöhnt. 8 Ein rabb. t.t. für einen bekehrten Proselyten. Für Paulus aber bedeutete es mehr: durch die Wiedergeburt ist der Gläubige schon jetzt ein neuer Mensch. Vgl. Joh 3,3; Röm 6,4 ua. (21,III,71; 65,II,323). 9 "uns...damit wir". D.h. nur für die Gläubigen die das Versöhnungsangebot annahmen, und nicht für alle. Die anderen müssen sich erst versöhnen lassen (Vers 20). 10 Das Versöhnungsangebot geht von Gott aus und gilt allen Menschen (V.19), aber nur diejenigen die es annehmen (V.20b), sind dann auch von sich aus mit Gott versöhnt und ausgesöhnt. Alle anderen verharren in Feindschaft gegenüber Gott, weil sie sein Versöhnungsangebot ablehnen. Dass Gott die Welt mit sich versöhnt hat bedeutet, dass sich sein Verhältnis zu den Sündern verändert hat. Er rechnet ihnen ihre Sünden einstweilen nicht zu, schafft Frieden, und bietet allen die Versöhnung an (74,264ff). Vgl. auch die Anm. bei Kol 1,20; 1Joh 2,2 und Röm 3,25 11 Ptz.Präs.: d.h. jetzt, in dieser Heilszeit, rechnet er es ihnen nicht an (vgl. Röm 3,25-26). Später im Gericht (Offb 20,11ff) aber schon, wenn sie sich bis dahin nicht versöhnen lassen. 12 ως mit Ptz. gibt einen subjektiven Grund an: "In der Überzeugung, dass..." (2,z.St.). 13 Der Gen. nach αγαπη ist bei Paulus immer der Gen.subj. (21,III,69). Dennoch könnte hier auch ein Gen.obj. mitschwingen, denn die Liebe von Christus, die Paulus erlebt hat, führte bei ihm auch zu seiner Liebe zu Christus, die ihn in seinem Dienst antrieb (2,1374; 13,13). 14 Entweder im Sinne von 1Kor 15,22, nämlich, dass alle Menschen den Tod verdient haben; oder das "alle" bezieht sich nur auf die Gläubigen (vgl. Röm 6,2; Kol 3,3). Der Sinn wäre dann, dass alle Gläubigen gleich sind und sich keiner größer zu machen braucht. Denn Christus ist für alle Gläubigen gestorben, damit wir für ihn und nicht für uns selbst leben. Das passt gut zum Zusammenhang (2Kor 5,12.16), und ist ein wesentliches Thema des Briefes. 15 Wahrscheinlich meint Paulus: "Falls wir doch zu denen gehören die sterben müssen, dann wissen wir doch, dass wir einen neuen Körper bekommen werden". Vers 2-4 macht diese Anspielung auf die ersehnte Verwandlung (= Überkleidung) bei der Entrückung wahrscheinlich. Die Erwartung des Paulus, dass er zu denen gehört die noch zu Lebzeiten entrückt werden, hat allerdings mit seinem zunehmenden Alter abgenommen. In seinem ersten Brief (1Thes 4,17) ist er noch fest davon überzeugt entrückt zu werden, in seinem letzten Brief (2Tim 4,6) ist er schon sicher, dass er sterben wird. Ebenso Petrus an seinem Lebensende (2Pet 1,14). 16 Nicht: "...Gutes oder Böses" (denn das wäre πονηρος). Im Griechischen steht aber φαυλος = qualitativ Schlechtes. Es geht beim Richterstuhl Christi nicht um die moralische Bewertung unseres Tuns (denn unsere Sünden sind bereits gesühnt), sondern um die Qualität dessen, was wir für den Herrn getan haben (vgl. 1Kor 3,12-15), und um Belohnung oder keine bzw. wenig Belohnung. Zum Richterstuhl Christi vgl. noch: Mt 25,14ff; Lk 19,12ff; Röm 14,10; 1Kor 4,2-5; 2Kor 5,10 17 Ein Gesandter war als Botschafter der Stellvertreter eines anderen Staates. So wurden auch die kaiserlichen Legaten im Osten bezeichnet (65,II,323). 18 Das Perfekt γεγονεν hat hier entweder die normale Bedeutung von "ein für alle Mal...", oder es liegt ein präsentisches Perfekt vor: "...sind entstanden" (vgl. 13,290 [213]; 2,1387 [243]). 2.Korinther 6 1 Jes 49,8 (LXX) 2 Lev 26,11-12 3 vgl. Ex 6,7; Jer 31,33; Ez 11,20; 37,27; Sach 8,8; 13,9 4 Jes 52,11.4 5 Ez 20,34 6 2Sam 7,14 7 Paulus wendet das LXX-Zitat für die Gemeinde an, indem er "...und Töchtern" hinzufügt. 8 2Sam 7,8 (LXX) 9 D.h. die ganze Gemeinde auf Erden ist jetzt der Tempel Gottes, anstelle des Tempels in Jerusalem. Gott wohnt jetzt in der Gemeinde. In 1Kor 6,19 hingegen ist der Leib jedes einzelnen Gläubigen ein Tempel des Heiligen Geistes. 10 Die "Waffen zur Rechten und zur Linken" sind die Angriffswaffen (Kurzschwert oder Säbel) in der rechten Hand und die Verteidigungswaffen (Kleinschild oder Langschild) in der linken Hand (1,214; 65,II,325). 11 od. als toleratives Pass.: "Lasst euch breit machen...". 12 Ein Joch war ein Holzrahmen, mit dem zwei Zugtiere zusammengespannt wurden, um gemeinsam einen Wagen oder Pflug zu ziehen. Ein Bild also, für das Zusammenarbeiten, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Es stellt sich die Frage, worauf man dieses Gebot des Apostels anwenden darf. Die Anwendung, keine Ehe mit einem Ungläubigen einzugehen, ist sehr eindeutig. Denn wenn eine Ehe kein gemeinsames Joch ist, was dann? Soll man auch keiner politischen Partei beitreten? Auch dort verfolgt man ein gemeinsames Ziel mit Ungläubigen. Und wenn man eine gemeinsame Firma mit einem Ungläubigen gründet? Ja selbst wenn man Aktien erwirbt, wird man dadurch zum Miteigentümer an dem Unternehmen, und man hat mit den Mit-Aktionären das gemeinsame Ziel, möglichst viel Profit zu erwirtschaften! Jegliche Anwendung muss aber dem persönlichen Gewissen des Einzelnen obliegen, sonst wird sie zur Gesetzlichkeit. Wenn man jedoch für ein Gebot Gottes gar keine praktische Anwendung für sich hat, hat man das Ziel der Schrift nicht verstanden (2Tim 3,16-17). 13 Nämlich den Dienst von Kap 5,18ff wie 2Kor 6,3 deutlich macht. Paulus möchte, dass sich sein Dienst in Korinth als fruchtbar erweist und nicht vergeblich war. Vgl. auch Heb 12,15. 14 D.h. mit Gott; vgl. 1Kor 3,9; 2Kor 5,20; 1Thes 3,2. 15 Der Gedankengang wird in 2Kor 7,2 wiederaufgenommen und weitergeführt. Die Ansicht, dass der Einschub 2Kor 6,14 - 7,1 zu einem späteren Zeitpunkt von einem verlorengegangenen Brief des Paulus, oder gar von jemand anderem, eingefügt wurde, kann getrost zurückgewiesen werden. Der gedankliche Einschub dürfte Paulus deswegen in den Sinn gekommen sein, weil in LXX Dtn 11,16 auch das Wort πλατυνω (= weit machen) verwendet wird, aber in einem negativen Sinn. Die Israeliten werden dort gewarnt, ihr Herz nicht für die Götzen weit zu machen. Daher warnt Paulus auch die Korinther ihre Herzen nicht dem heidnischen Götzendienst zu öffnen (vgl. 21,III,77f). 16 Verneinter Imp.Präs.: "Fangt nicht an...". 17 D.h. in dem jetzigen Zeitalter der Gnade, im Gegensatz zu Heb 3,7 wo "heute" steht (21,III,74). 18 Die folgenden Beschreibungen in Vers 8 und 9 geben wahrscheinlich Vorwürfe und Annahmen seiner Gegner wieder, denen er jeweils die Wahrheit entgegenstellt. 19 Als Zeltmacher gehörte Paulus zur ärmeren Schicht, wie auch die übrigen Apostel. 2.Korinther 7 1 Entweder ist hier der ganze Mensch aus Fleisch und Geist gemeint; od.: Fleisch und Geist wird unterschieden: fleischliche Befleckung (z.B. Hurerei) und geistliche Befleckung (z.B. Okkultismus). 2 od. Dat.poss.: "...großes Zutrauen". 3 Wahrscheinlich der 1.Korintherbrief (1Kor 5,1ff); oder in einem verlorengegangener "Tränenbrief"? 4 Durch den Ausschluss des Schuldigen von 1Kor 5,1ff. 5 Hier nimmt Paulus den in 2Kor 2,13 verlassenen Gedankengang bezüglich seiner Reise nach Mazedonien wieder auf (vgl. 47,z.St.). 6 Der Akt des religiösen und sittlichen Besudelns. Immer von der Befleckung die durch Verbindung mit Bösem aus heidnischem Ursprung entsteht (21,III,80). 7 Mit Art.: d.h. mit dem Trost durch die ermutigenden Nachrichten die Titus von Korinth brachte; vgl. 2Kor 1,14; 3,2 (21,III,81). 8 D.h. Ängste betreffs des Zustands der Gemeinde in Korinth, da er zu diesem Zeitpunkt Titus noch nicht getroffen und von den guten Nachrichten noch nicht gehört hatte. 9 Da er Titus getroffen hatte. 10 Nämlich durch die Betrübnis die 1Kor 5,1ff ausgelöst hatte. 11 od.: "damit offenbar werde eure Eifrigkeit für uns, und zwar für euch selbst und auch in den Augen Gottes"; od.: "...zu euren Gunsten in den Augen Gottes". Gemeint ist wahrscheinlich die Bereitschaft zum Gemeindeausschluss in 1Kor 5,1ff (21,III,83). 12 Hier wird der Gedankengang von Kap. 6,13 wieder aufgenommen und weitergeführt. Daher kann die Ansicht, dass der Einschub von 2Kor 6,14 - 7,1 zu einem späteren Zeitpunkt von einem verlorengegangenen Brief des Paulus, oder gar von jemand anderem, hinzugefügt wurde, getrost zurückgewiesen werden. 13 Diese beiden Arten von Betrübnis bzw. Reue, sehen wir bei Petrus und Judas. Beide bereuten ihre Tat, doch Judas tat nicht Buße, sondern ging hin und erhängte sich (Mt 27,3-5). Dies war eine Betrübnis zum Tod. Petrus aber ging hinaus und weinte bitterlich (Mt 26,75). Dies war eine echte Buße, eine von Gott bewirkte Betrübnis zur Errettung. 2.Korinther 8 1 Ex 16,18. Gott will, dass jeder genau das hat, was er braucht. Dieses Prinzip möchte Paulus auch im Leib Christi sehen. Daher sollten die wohlhabenden Gläubigen in Korinth mehr geben als die armen Gläubigen in Mazedonien. 2 Im Grunde genommen war Mazedonien kein armer Landstrich, doch Verfolgung und Ächtung hatten die Christen in finanzielle Not gebracht (65,II,330). 3 od. event.: "...unsere Liebe zu euch, die unter euch wirksam ist" (2,z.St.). 4 od. besser der Aor. des Briefstils: "wir schicken...". 5 Nicht von Paulus wurde er ausgewählt, sondern von denen deren Geld er nach Jerusalem bringen sollte! Wahrscheinlich wurde mittels Handzeichen abgestimmt (65,II,332). 6 Das kann nicht der gleiche Bruder wie in Vers 18 sein. Der hier Gemeinte wurde von Paulus ausgewählt und war wahrscheinlich Titus (Vers 6+16), der in Vers 18 Erwähnte war von den Gemeinden ausgewählt, die Geld spendeten. Es waren aber auch noch andere Abgesandte der Gemeinden dabei (Vers 22+23b). 7 Das Wort bezeichnet auch eine römische Handelsinstitution, die sogenannte societas, deren Mitglieder sich verpflichteten, für die Erfüllung eines bestimmten Zieles ihren gesamten Besitz einzusetzen. Auch im Judentum wurde dieser Begriff für die Verteilung von Almosen verwendet; siehe Apg 2,42 (65,II,330). 8 Paulus musste die Freiwilligkeit des Spendens ausdrücklich betonen, da die Steuerzahler in der Antike häufig öffentliche Projekte unterstützen mussten. Wenn sie nicht wohlhabend waren, konnte sie das unter Umständen in den finanziellen Bankrott stürzen (65,II,330). 9 Die Ausdrücke "arm" und "reich" sind hier bildlich-allegorisch gebraucht, werden aber dann auf den wörtlichen Bereich übertragen. Ein Beweis-Vers für das sogenannte "Wohlstandsevangelium" ist dies sicher nicht. 2.Korinther 9 1 vgl. Spr 11,24f; Zweites Zitat aus einem LXX-Zusatz in Spr 22,8a. 2 Ps 112,9 (LXX) 3 Jes 55,10 4 Das Präsens beweist, dass er den 2.Korintherbrief von Mazedonien aus schreibt. 5 od. besser der Aor. des Briefstils: "ich schicke...". 6 Das Wort bezeichnet auch eine römische Handelsinstitution, die sogenannte societas, deren Mitglieder sich verpflichteten, für die Erfüllung eines bestimmten Zieles ihren gesamten Besitz einzusetzen. Auch im Judentum wurde dieser Begriff für die Verteilung von Almosen verwendet; siehe Apg 2,42 (65,II,330). 7 Die Gläubigen in Korinth waren reicher als die Gläubigen in Mazedonien. Paulus packt sie also bei ihrem Stolz als Hauptstädtler der Provinz Achaja. Ob sein Plan aufgegangen ist, ist aufgrund 2Kor 12,16-18 fraglich. 8 Die Zufriedenheit des Weisen in allen Lebenslagen, weil seine Grundbedürfnisse gestillt sind. Ein Ideal der Philosophen (65,II,334). 2.Korinther 10 1 od. als negativer Vorwurf der Gegner: kriecherisch. 2 Jer 9,22f. 3 od.: nach einem fremden Maßstab. vgl. Vers 13 (2,z.St.). Der Ausdruck wurde auch für den Arbeitsbereich eines Beamten in einem bestimmten Distrikt verwendet (65,II,337). 4 Verschiedene Beschreibungen in apokryphen Schriften des 2.Jhdt. n.Chr. beschreiben das äußere Erscheinungsbild des Paulus als nicht besonders attraktiv (vgl. 21,III,97). Jedenfalls war ein beim Predigen kein gewandter Rhetoriker so wie Apollos. 5 Spricht der Plural vielleicht doch dafür, dass es neben dem 1.Korintherbrief noch einen verlorenen "Tränenbrief" gab? Oder meint der Plural seine anderen, bereits geschriebenen Briefe (1.+ 2. Thessalonicher, Galater)? 6 Die Wortwahl ab Vers 3 zeigt, dass es bildlich um die Eroberung einer Stadt geht, also um einen geistlichen Krieg. Die Festungen die einzunehmen sind, sind falsche Überlegungen (wie z.B. falsche Lehren und Denkweisen), und falsche Gedanken (wie z.B. Rachegedanken, Glaubenszweifel oder unreine und lüsterne Gedankenspiele). Gedanken sind schwerer zu bekämpfen als Taten oder sogar als Worte. Paulus sagt uns, dass wir die falschen Gedanken wie einen feindlichen Soldaten gefangen nehmen und abführen sollen. D.h. wenn sie auftauchen, verurteilen wir sie und denken stattdessen an Dinge die Christus uns befohlen hat. So nehmen wir sie gefangen in den Gehorsam für Christus. 7 Der plötzliche Wandel zu einem harschen Ton könnte damit zusammenhängen, dass Paulus gerade schlechte Neuigkeiten über Widersacher in Korinth bekommen hat (65,II,335). 8 Die Römer schätzten die Tugend der gravitas, d.h. den strengen, gewichtigen und eindrucksvollen Stil (65,II,336). 9 Vgl. Röm 7,23 2.Korinther 11 1 D.h. bei der Eheschließung als Brautführer zuzuführen. Vgl. Offb 19,7-8 2 In ironischer Weise von den "Super-Aposteln" die nach Korinth kamen, um das Werk des Paulus zu schmälern. So in Apg 15,1-2; Gal 2,3-5.12; 4,17; 6,13; 2Kor 12,11 u.a. 3 od. viell.: in dieser Zuversicht. Eigenlob war in der Antike verpönt (65,II,341). 4 Wahrscheinlich im übertragenen Sinn, denn jemanden ohrfeigen galt als arge Beleidigung, - daher allg.: jemanden beleidigen, schlecht behandeln oder schinden. 5 Das Perf. statt dem Aor. könnte entweder bedeuten: er trug bleibende Folgeschäden davon; oder es ist einfach ein erzählendes Perfekt (2,z.St.); od.: er schätzte die Situation damals als hoffnungslos ein. 6 Ein geflochtener und flexibler Korb. Er wurde aus Weidengeflecht oder Seilen geknüpft. Vielleicht auch als Reisesack verwendet, jedenfalls groß genug, um Paulus aufzunehmen. 7 Ein t.t. für die Strafe der Stockhiebe in der Synagoge. Nach Dtn 25,3 waren 40 Schläge das Höchstmaß einer vom Richter verhängten Züchtigung. Um diese Zahl auf keinen Fall zu überschreiten, pflegte man nur 39 Schläge zu geben (vgl. 47,z.St.). Nach Josephus führte diese Strafe oft zum Tod des Verurteilten, im Besonderen bei den Römern (Josephus, Antiquitates IV,8.21). 8 Aretas IV. war ca. 9 v.Chr. - 40 n.Chr. nabatäischer König und ein Zeitgenosse des Paulus. Durch die Handelskarawannen die durch das östlich von Israel liegende Nabatäerreich zogen, war es eines der wohlhabendsten kleineren Königreiche im Nahen Osten (65,II,344). Die Römer hatten von 34 - 40 n.Chr. offenbar auch Damaskus seiner Herrschaft unterstellt. Dafür spricht, dass in dieser Zeit dort kein römisches Münzgeld geprägt wurde (54,z.St.). Im Jahr 36 n.Chr. begann er einen Krieg gegen seinen Schwiegersohn Herodes Antipas, weil dieser sich von seiner Tochter scheiden ließ. Er war darin so erfolgreich, dass er die Armee von Herodes vollständig zerstörte. Daraufhin marschierte Vitelius, der Prokurator der Provinz Syria, im Auftrag von Kaiser Tiberius mit seiner Armee gegen Aretas. Aber noch während der Kriegsvorbereitungen starb Tiberius am 16.März 37 n.Chr. in Rom und Vitelius musste die Kriegsvorbereitungen abbrechen, um nach Rom zu reisen. Aretas gelang es danach die Kontrolle über Damaskus zu behalten und er setzte mit Roms Duldung einen Ethnarchen dort ein. Dieser wollte Paulus gefangen nehmen, doch dieser floh in der Nacht. 9 od.: "...in jeder Hinsicht haben wir sie in allem für euch offenbart" (8,z.St.); od.: "...in jeder Weise sind wir in allem euch gegenüber offenbar geworden" (9,z.St.); od. freier: "...wir haben sie euch in keiner Weise und in keinem Fall vorenthalten" (47,z.St.). 10 In Gräz.: "wenn jemand euch (wie einen Fisch) einfängt"; od.: "wenn jemand etwas (d.h. Geld) von euch nimmt" (35,z.St.). 11 Klemens von Rom berichtet, dass Paulus siebenmal in Gefangenschaft war (21,III,106). 12 Eine Prügelstrafe der Römer (lat.: virgis caesus sum), die nicht an römischen Bürgern ausgeführt werden durfte, die Paulus aber in Philippi (Apg 16,23.37) trotzdem erlitt (21,III,106). 13 Die Gegenden in Kleinasien waren laut Strabo damals wegen der Banditen die Reisende ausraubten gefürchtet (21,III,106). 14 Da er direkt davor von unfreiwilliger Nahrungskarenz spricht, ist hier sicherlich ein religiöses Fasten gemeint, dass Jesus für seine Jünger ankündigte (Mt 9,15; 17,21) und das von der Urgemeinde dann auch praktiziert wurde (Apg 13,2.3; 14,23; 2Kor 6,5; vgl. auch Lk 2,37). 15 Ein Realis. Damit sind wahrscheinlich die gesetzlichen Juden-Christen aus Jerusalem gemeint, die umherzogen, um die Heiden-Christen zur Beschneidung zu zwingen (Apg 15,5; Gal 2,4 ua.). 16 Ein unerfüllbarer Wunsch in der Gegenwart (13,123). 17 Philosophische Wanderprediger oder Lehrer lebten damals von einem reichen Schutzherrn, von Honoraren oder vom Betteln. Niemals jedoch durften sie einer handwerklichen Tätigkeit nachgehen, wie Paulus es tat. Manche Gläubigen in Korinth unterstellten dem Paulus daher unlautere Motive oder das Eingeständnis von mangelnder Autorität im Vergleich zu den judenchristlichen Lehrern aus Jerusalem, die sich von den Korinthern aushalten ließen. Demut oder Selbsterniedrigung war bei den Griechen keine Tugend (65,II,339). 2.Korinther 12 1 entw. als Ergänzung zu Vers 6: "...von mir hört, wegen dem Übertrefflichen..."; od. eher in Bezug auf das Folgende betont vorangestellt: "Auch wegen dem Übertrefflichen..., wurde mir gegeben..." (2,z.St.). 2 Ein Dorn, ein spitzes Stück Holz, ein Splitter oder ein lästiger Fremdkörper, der stechenden Schmerz hervorruft (1,1511). Vielleicht ein körperliches Leiden, z.B. ein Augenleiden (vgl. Gal 4,15; 6,11) oder chronische Kopfschmerzen nach Malaria ("...mit Fäusten Schlage"), oder Epilepsie? Es könnte aber auch im übertragenen Sinn gemeint sein (Num 33,55). 3 Er spricht in ironischer Weise von den "Superaposteln" in: Apg 15,1-2; Gal 2,3-5.12; 4,17; 6,13; 2Kor 11,13 u.a. 4 Zeichen und Wunder zu tun, war offenbar den Aposteln und Evangelisten, als machtvolle Bestätigung ihrer Botschaft, vorbehalten. vgl. Mk 16,2; Apg. 2,43; 4,30; 5,12; 6,8; 8,6; 14,3; 19,11; Röm 15,19; Heb 2,3.4 5 od.: geheime Aussprüche, d.h. Worte die nicht erlaubt waren, sie auszusprechen? 6 Die jüdischen Rabbis teilten den Himmel zwar in sieben Bereiche ein, das Paradies befand sich aber im dritten Himmel (21,III,109). Die Bibel unterscheidet drei Dimensionen des Himmels, die im Deutschen alle mit dem Wort Himmel bezeichnet werden: Die Atmosphäre, das Weltall, die unsichtbare Welt Gottes, das Paradies (54,z.St.). 7 Die beiden Konjunktiv Präsens drücken aus, dass Paulus dieses Problem noch immer quält. 8 Paulus nimmt eine gängige Praxis und überträgt sie auf den geistlichen Bereich. Aber im irdischen Bereich sollen wir weder für uns selbst noch für unsere Kinder Schätze sammeln (Mt 6,19). 9 Der Plurale "Wutausbrüche, ..., Unordnungen" werden verwendet, um konkrete Erscheinungsformen abstrakter Begriffe auszudrücken (2,1336). Die Plurale könnten darauf hindeuten, dass diese Sünden bei den betreffenden Personen oft bzw. gewohnheitsmäßig auftraten, und dass deshalb eine Gemeindezucht notwendig war (vgl. Kap. 13,2). 2.Korinther 13 1 Dtn 19,15. Paulus sieht seinen bevorstehenden Besuch in Korinth als eine Art Gerichtsprozess, den er gewinnen wird. 2 Es geht hier nicht darum, über die Echtheit seiner Bekehrung zu grübeln, was überhaupt nicht zum Kontext passt, sondern immer wieder zu evaluieren (daher Imp.Präs.), wie man in dem Glauben steht, bezüglich Lehre (daher Glaube mit Artikel), Lebenswandel, Wachstum und Reife. Man soll erkennen, dass man im Glauben bewährt und nicht unbewährt ist . 3 Vgl. Eph 4,12 4 Später legte die Kirche fest, dass Männer nur Männer und Frauen nur Frauen mit dem Bruderkuss küssen (21,V,80). Anfangs dürfte das aber noch nicht so gewesen sein (65,II,232). 5 D.h. einen Beweis dafür, dass Christus durch mich spricht. 6 Betont vorangestellt: lieber euch selbst, und nicht mich (Vers 3), sollt ihr auf die Probe stellen (74,415). Und wenn sie zu dem Ergebnis kommen, dass Christus in ihnen wohnt (vgl. Röm 8,10) und wirkt, dann ist dies der Echtheitsbeweis (Vers 3) seiner Apostelschaft, denn durch ihn wurden sie gläubig, und nicht durch die "falschen Brüder" (48,840; 21,III,116). 7 Verlangt eine verneinende Antwort: "...was doch sicherlich nicht der Fall ist""; od.: Ihr seid doch nicht etwa unbewährt? (21,III,z.St.). Zu Galatern Galater 1 1 Das andersartige Evangelium ist kein anderes der gleichen Art sowie das Echte, sondern ein falsches; vgl. 2Kor 11,4. 2 Vielleicht schon eine Anspielung auf Gal 2,4. Diese eingeschlichenen Brüder wollten Apostel sein, aber sie waren andersartige, nämlich falsche, Apostel (vgl. 2Kor 11,5.13; 12,11). In Jerusalem traf Paulus sie aber nicht an! 3 vgl. Jer 1,5; Jes 49,1 4 od.: "im Hinblick auf mich". 5 Arabien umfasst zwar als geographischer Begriff das Gebiet westlich von Mesopotamien, südlich von Syrien und Palästina bis an die Landenge von Suez. In der Zeit der Römerherrschaft entstanden, aber selbständige Reiche wie das der Nabatäer südlich von Damaskus, das auch als Arabien bezeichnet wurde. Ob dies das Gebiet ist, in das Paulus nach seiner Bekehrung ging, lässt sich zwar nicht mehr eindeutig feststellen, es ist aber sehr wahrscheinlich, da es direkt südlich von Damaskus beginnt, von wo Paulus floh; - 2Kor 11,32 (46,6; 47,z.St.; 59,246; 65,II,356). 6 Gemeint ist wahrscheinlich die römische Provinz "Galatia" (seit 25 v.Chr.) im nördlichen Kleinasien, um das heutige Ankara in der Türkei herum. Diese schloss aber seit einigen Jahrzehnten, außer dem eigentlichen Königreich Galatien auch die südlicher liegenden Landschaften Phrygien, Pontus, Lykaonien, Pisidien und Isaurien mit ein (vgl. Apg 13,14 - 14,25 und 1Kor 16,1). - Andere meinen jedoch, es handle sich um die kleinasiatische Landschaft, die der Wohnsitz der keltischen Galater war. Nur die Bewohner der von Kelten besiedelten Landschaft könnten mit "Galater" (Gal 3,1) angesprochen werden behaupten sie, dies ist die nordgalatische Theorie (47,z.St.). Doch wir wissen nicht einmal, ob es in diesem Gebiet überhaupt Gemeinden gab, was die nordgalatische Theorie eher unwahrscheinlich macht (vgl. 33,399f; 65,II,353, 54,z.St.). 7 D.h. als Apostel weder von einer Gemeinde (nämlich Antiochien?) beauftragt (vgl. "Abgesandte" in Php 2,25 und 2Kor 8,23) noch durch Vermittlung einer anderen Person (nämlich Hananias?) eingesetzt; vgl. 1Tim 1,18; 4,14 (vgl. 33,399f; 47,z.St.). Paulus wurde vom auferstandenen Herrn selbst als Apostel ausgesandt (vgl. Apg 22,17-21; 1Kor 15,8). 8 Nach Apg 9,30 wirkte Paulus zuerst im Umkreis seiner Heimatstadt Tarsus in Zilizien (Apg 22,3) und wurde dann von Barnabas (Apg 11,19-21.25f) nach Antiochien am Orontes (Syrien) geholt (vgl. 47,z.St.). 9 Sein hebräischer name war Saul (= erbeten, d.h. von Gott), aber kurz nach der 1.Missionsreise (Apg 13,9) nimmt er den römischen Namen Paulos (= der Kleine) an, entweder, weil er endgültig von seiner jüdischen Vergangenheit Abschied genommen hat, eher aber, weil er nun aus evangelistischen Gründen sein römisches Bürgerrecht nützen will. 10 od.: "Wie wir euch vorher gewarnt haben" (37,543; 21,III,152). 11 Dass Paulus so schnell zu seiner harschen Kritik kommt, zeigt, dass er sehr aufgebracht war. Sonst war es bei seinen Briefen üblich mit einem Lob und/oder einzuleiten (65,II,353f). 12 Kephas (= Fels) war der aramäische Name von Petrus, den Jesus ihm in Joh 1,42 vorausschauend gab. Galater 2 1 Mit Artikel vielleicht: durch eine falsche Unterordnung. Wenn weltliche Obrigkeiten oder führende Leute in der Gemeinde falsche Dinge tun oder verlangen, darf man ihnen nicht gehorchen (z.B. 2Sam 22,17b; Dan 3,18; Apg 4,19; 5,29). Wenn sie uns aber ermahnen Gottes Willen zu tun, müssen wir gehorchen (Heb 13,17). 2 Zusammen mit anderen heucheln, sich an Heuchelei mitbeteiligen. Möglich auch: etw. fälschlicherweise vorgeben, einen falschen Eindruck vermitteln. Das würde bedeuten: Und es heuchelten, - indem sie den Eindruck vermittelten mit Petrus einverstanden zu sein, - auch die übrigen Juden, nämlich Juden aus der Gemeinde von Antiochien, sodass letztlich sogar Barnabas mitfortgerissen wurde und Paulus als einziger übrigblieb, der zur Wahrheit stand (37,616). Die Frage der Tischgemeinschaft von Juden- und Heiden-Christen, war, anders als die Frage der Beschneidung, noch nicht geregelt. Das führte zu Verwicklungen, als Petrus nach Antiochia kam. Die anfänglich freie Haltung des Petrus wurde nicht von allen Juden-Christen gebilligt. Daraufhin gaben Petrus, und sogar Barnabas und andere die Tischgemeinschaft mit den Heiden-Christen auf, was von Paulus als "Heuchelei" bezeichnet wird, weil es nicht ihre innere Überzeugung war (vgl. 47,z.St.). 3 Die vierzehn Jahre sind entweder im Anschluss an die 2 - 3 Jahre von Gal 1,18, oder ab seiner Bekehrung, zu berechnen. Da in solchen Fällen oft nicht das volle Kalenderjahr gezählt wird, handelt es sich um etwa 15 bis 16 Jahre nach der Bekehrung (vgl. 47,z.St.), die dann 31 n.Chr., also ein Jahr nach Jesu Tod und Auferstehung, anzusetzen wäre (65,II,357). Bei diesem Besuch wurde eine Kollekte für die notleidenden Geschwister in Jerusalem überbracht (Apg 11,30). 4 Es könnte eine spezielle Offenbarung an Paulus oder die Gemeinde gewesen sein. Die "Angesehenen" sind dieselben Männer wie die in Vers 9 erwähnten "Säulen", das heißt die verantwortlichen Apostel der Jerusalemer Gemeinde, nämlich Jakobus, Petrus und Johannes (vgl. 47,z.St.). Dass Jakobus als erster genannt ist, ist auffällig. 5 Die Kollekte als Dankesspende der heidenchristlichen Gemeinden spielt bei Paulus eine wichtige Rolle; vgl. Röm 15,25-28; 1Kor 16,1f; 2Kor 8 und 9 (vgl. 47,z.St.). Es gab unter den Gläubigen in Jerusalem bettelarme Geschwister, die auf Almosen angewiesen waren (vgl. die Anm. zu Lk 21,2). Die Armut der Gläubigen in Jerusalem war nicht, wie oft behauptet, eine Folge ihrer Gütergemeinschaft am Anfang (Apg. 2,44f), sondern infolge der immer wiederkehrenden Hungersnöte in Judäa, die sich besonders in einer engbesiedelten Stadt wie Jerusalem furchtbar auswirkten. Außerdem waren die Gläubigen in Jerusalem vorwiegend Juden-Christen aus den unteren sozialen Schichten, die nach ihrer Bekehrung aus dem jüdischen Sozialnetz herausfielen und wahrscheinlich auch oft von ihren Familien ausgeschlossen und enterbt wurden. Vgl. die Bemerkung in Heb 10,34 ("den Raub euerer Güter") und von Paulus in Php 3,8b. 6 Eine interessante Feststellung in Bezug auf die beschränkte Autorität des Petrus in der Urgemeinde. Von einer uneingeschränkten Machtausübung wie sie heutzutage bei kirchlichen Würdeträgern herrscht, konnte damals keine Rede sein. Die "aus der Beschneidung" dürften die Gruppe um Jakobus, die "Eiferer für das Gesetz" (Apg 21,20) und ehemalige Pharisäer, gewesen sein. Petrus wollte ihnen "um des Friedens willen" gefallen. 7 In Gräz. bei Strabo von Feinden die als Spione in eine Stadt eingeschleust wurden, und zwar durch Verräter in der Stadt selbst (21,III,159); allg.: von jemanden der sich verstohlen, unbemerkt und heimlich, irgendwo wie ein Spion oder Verräter eingeschlichen hat. 8 Da nicht der Konj. sondern der Ind.Futur verwendet wird bedeutet: es war nicht nur ihre Absicht, sondern sie waren sich sicher, dass sie die Heiden-Christen unter ihre Doktrin zwingen können (21,III,159). 9 μη πως ("damit nicht etwa") mit Konj.Präs. drückt die Furcht oder Besorgnis aus, es in der Gegenwart falsch zu machen, mit dem Ind.Aor. die Befürchtung oder Besorgnis die frühere Arbeit in der Vergangenheit sei unnütz gewesen (40,89). 10 od. wie ein Plqpf.: "...(schon davor) anvertraut worden war". 11 Sicherlich nicht von ihm geschickt, sondern sich (ungerechtfertigterweise?) auf ihn berufend. 12 Dies war das Ergebnis des Apostelkonzils, dass bei diesem Besuch stattgefunden hat (40,96). 13 Normalerweise sollte eine Ermahnung zuerst unter vier Augen stattfinden. Doch hier geht es um eine ernste Verfehlung, die von einem Apostel, vor allen geschehen ist. Sie musste daher auch unverzüglich vor allen korrigiert werden (Vgl. 1Tim 5,20a). Galater 3 1 Gen 15,6 (LXX) 2 Gen 12,3; 18,18 3 Dtn 27,15-26 4 Hab 2,4 5 Lev 18,5 (LXX). Pl.: d.h. in den Geboten des Gesetzes. 6 Dtn 21,23; 27,26 7 Gen 13,15; 17,8; 24,7. Der Begriff "Nachkomme" kann im Hebräischen allerdings sowohl als Singular, als auch als kollektiver Plural aufgefasst werden. Natürlich wusste Paulus dies, doch auch die Rabbis verwendeten den Begriff so, wie es ihrer Auslegung angemessen schien. Nach römischem Recht durfte ein Erblasser in seinem Testament zuerst einen Erben einsetzen und zugleich schon festlegen, an wen nach dessen Tod das Erbe fallen sollte. Daher sind für Paulus die Heiden-Christen in Christus Miterben mit Abraham (65,II,366). 8 Im Altertum war der παιδαγογος (w.: Knabenführer) mehr der "Aufpasser" als der "Erzieher". Es war meistens ein Sklave, der das Vertrauen des Vaters hatte, und dessen Wirksamkeit begann, nachdem die Mutter und die Gouvernante die Elementarerziehung geleistet hatten. Dann war das Kind ungefähr sechs oder sieben Jahre alt. Der παιδαγογος bekam dann die Aufgabe, den Knaben von und nach der Schule zu begleiten und auf sein Betragen zu achten, unordentliches oder unmoralisches Betragen dem Vater zu melden, in notfalls auch zu züchtigen, den Jungen vor schädlichen Einflüssen zu schützen und ihm bei den Schulaufgaben zu helfen. Er war aber nicht sein Lehrer. Der eigentliche Unterricht wurde durch den διδασκαλος (= Lehrer) gegeben. Wenn der Jüngling erwachsen und mündig war, hörte die Aufgabe des παιδαγογος auf (40,216; 65,II,367). Ab dann stand der junge Mann unter der direkten Autorität seines Vaters. Im übertragenen Sinn von Paulus angewendet auf die Menschheit, die bis zum Kommen Christi unter der Autorität des Gesetzes stand, weil sie unmündig war. Im Vertrauen auf Christus wird man aber mündig und steht dann direkt unter der Autorität des himmlischen Vaters. Auch die Rabbis nannten Mose manchmal den "Erzieher" des Volkes. 9 "Der Mittler aber ist nicht (nur der) eines einzelnen (Bundespartners), aber der Gott (Abrahams?) ist (nur) einer". D.h. ein und derselbe Gott wie der Gott am Sinai? - Der Gedankengang ist wahrscheinlich folgender: die Verheißung wurde Abraham direkt von Gott, d.h. ohne Mittler, gegeben. Das Gesetz aber wurde dem Volk durch Engel und dem Mittler Mose gegeben, und damit nicht direkt von Gott. Daher steht die Verheißung nicht nur zeitlich vor dem Gesetz, sondern auch rangmäßig über dem Gesetz. Einer zeitgenössischen jüdischen Tradition zufolge wurde das Gesetz durch viele Engel erlassen und dem einen "Mittler" Mose übergeben, der es dem Volk Israel weitergab. Diese Art der Vermittlung weist nach Paulus darauf hin, dass der erste Bund und die erste Offenbarung gegenüber der endgültigen Offenbarung durch Jesus Christus nur untergeordnete und vorläufige Bedeutung haben kann (vgl. 47,z.St.). Im Unterschied zum Bund Gottes mit Abraham, wo es keinen Mittler gab, gibt es beim Bund Gottes mit Israel schon einen Mittler, nämlich Mose. Es ist also ein Bund zwischen zwei Partnern, Gott und Israel. Daher ist Israel auch verpflichtet die Bundesbedingung des Gehorsams gegenüber dem Gesetz zu erfüllen, - was es aber nicht kann. Daher stiftet Gott einen neuen, bedingungslosen Bund. 10 Nach dem römischen Gesetz durfte nur der Erblasser, wenn er es wollte, einen Zusatz anfügen. Nach griechischem Gesetz, durfte, wenn das Testament einmal bei der zuständigen Behörde registriert war, selbst der Erblasser nichts mehr ändern, es sei denn, mit ausdrücklicher Erlaubnis des Magistrats. Veränderungen durch ein späteres Testament wurden nicht mehr angenommen. Nach jüdischem Gesetz war sogar eine Schenkung unwiderruflich. Im Zusammenhang mit unserer Stelle sind diese Aspekte insofern interessant, als dass selbst der Stifter die Stiftung nicht mehr (ohne weiteres) verändern konnte. Auf unseren Text angewandt bedeutet das: Selbst Gott könnte den einmal von Ihm ratifizierten διαθηκη (= Testament, Bund) nicht mehr verändern, ohne mit seiner Heiligkeit in Konflikt zu geraten. Diese Ratifizierung war nach Gen 15,10-11 auf Blutvergießen gegründet, so dass sogar in dieser Hinsicht die Parallele zu einem Testament zu erkennen ist, denn die Ausführung des Testaments basiert auf dem Tod. Vom Augenblick des Todes des Erblassers an, kann niemand dem Testament etwas hinzufügen oder eine Änderung vornehmen (40,208; 65,II,365). 11 In der Gemeinde waren alle Gläubigen getauft (vgl. auch Röm 6,3; Kol 2,12; Eph 4,5), denn getauft wurde unmittelbar nach der Bekehrung. 12 Von χορηγος, jemand der Chorstücke zu Ehren eines Gottes einübt und die anfallenden Kosten für diesen Chor bestreitet, indem er diesen Chor großzügig mit allem Notwendigen ausstattet; übertr.: jemanden in einer Sache (auf eigene Kosten) großzügig unterstützen und fördern (21,III,167). - Da es sich in beiden Fällen um ein Partizip Präsens und nicht um einen Indikativ Präsens handelt, beweisen die beiden Ausdrücke nicht, dass immer noch Wunderwerke unter ihnen geschahen, da Paulus von Kap. 3,1ff an von der Gründungszeit der Versammlung spricht. Die Zeichen und Wunder geschahen also bei der Gemeindegründung durch die Apostel (siehe Apg 14,3.8ff). Hätte Paulus sagen wollen, dass die Machttaten noch immer geschahen, hätte er den Indikativ Präsens verwendet. Daher ist das zu ergänzende Verbum finitum besser: "...(geschah) dies." und nicht: "...(tut er) dies" (44,569; 69,147). 13 Nicht nur die Juden, sondern auch die Heiden-Christen. 14 Trotz dem Pl.Neut. sind Personen gemeint (1,1278). Vielleicht die Nachkommen Abrahams?; od.: alle Menschen?; oder doch alle Dinge? 15 Aufgrund von Ex 12,40. Die 400 Jahre in Gen 15,13 und Apg 7,6 beziehen sich eindeutig auf die Zeit der Unterdrückung Israels durch die Ägypter (96,183). Diese Unterdrückung begann aber nach Ex 1,6ff. erst mit dem Auftreten eines neuen Pharaos, der den inzwischen noch vor seinen älteren Brüdern verstorbenen Joseph (Gen 50,25-26) nicht mehr anerkannte (siehe Anm. bei Apg 7,18), also etliche Jahre (ca. 30 Jahre) nach der Ankunft von Jakob und seinen Söhnen in Ägypten. Das stimmt überein mit den 430 Jahren hier in Vers 17, denn die Gesetzgebung am Sinai geschah schon im 3.Monat nach dem Auszug Israels aus Ägypten (Ex 19,1ff.), sodass die 400 Jahre der Unterdrückung plus die Zeit von Jakobs Ankunft in Ägypten bis zum Beginn der Unterdrückung zusammen auf den Tag genau 430 Jahre ergeben (Ex 12,41). Die Verheißung von der Paulus hier spricht, wurde dem Abraham zwar schon in Gen 12,7; 13,15 und 17,7 gegeben, doch dann letztlich dem Jakob nochmals in Gen 46,1-4, vor seiner Abreise nach Ägypten bestätigt. Darauf dürfte sich Paulus hier beziehen. Die 430 Jahre werden also erst von dem Zeitpunkt an gerechnet, als der Bund mit Abraham dem Jakob gegenüber bestätigt wurde, als Jakob sich bereit machte nach Ägypten zu ziehen, und sie dauerten bis zur Gesetzgebung im 3.Monat nach dem Auszug aus Ägypten (40,210; 48,509). Wie die 400 Jahre und die Gleichsetzung "in der vierten Generation" in Gen 15,16 übereinstimmen, dazu siehe die Anm. zu Mt 1,17 und Apg 7,6. - Die rabbinische Erklärung, basierend auf der LXX-Übersetzung von Ex 12,40 "...im Land Ägypten und im Land Kanaan", wonach die 430 Jahre schon ab Isaaks Geburt, und die 400 Jahre von Abrahams Aufenthalt in Kanaan an zu berechnen sind (so z.B. in: 40,198.209; 21,II,182), ist wenig überzeugend. Abraham und seine Nachkommen wurden in Kanaan weder versklavt noch unterdrückt. Sogar in Ägypten wurden Jakob und seine Familie großzügig behandelt, solange Joseph noch lebte (Gen 47,11). - Zur weiteren Erklärung über einen vermeintlichen Widerspruch siehe: 60,513 und 64,614. 16 Im Altertum zogen Schauspieler vor dem Auftritt für ihre Rolle ein bestimmtes Gewand an. Die "Rolle", die wir auf dieser Weltbühne zu "spielen" haben, ist diese: charakterlich wie Christus zu sein. Vielleicht steht es auch in Zusammenhang mit dem römischen Jüngling, der mit etwa 17 Jahren die toga praetexta, das Obergewand mit purpurnem Saum, das von Kindern hochgestellter Eltern getragen wurde, mit der toga virilis , dem männlichen Obergewand ohne Saum, tauschte. Dies war auch das Alter, in dem der junge Mann nicht mehr unter einem παιδαγωγος stand, sondern mündig wurde. Griechen und Römer machten daraus ein festliches Ereignis, bei welchen dem jungen Mann offiziell sein Erwachsenenkleid umgehängt wurde. Er war nun nicht mehr den Regeln des Elternhauses unterworfen, sondern trat in die Rechte und Pflichten eines Bürgers ein und saß bei den Familienberatungen neben seinem Vater (40,229; 21,III,174). 17 Diese Haltung war in der damaligen Gesellschaft ohne Parallele. - Das Gleich-sein bezieht sich allerdings nur auf den Glauben und seine Vorrechte in Christus. Im täglichen Leben behält man seine Identität, man bleibt Jude oder Nichtjude, Sklave oder Freier, Mann oder Frau. Ebenso behält man seine Pflichten und Aufgaben für den jeweiligen Stand, - in der Gesellschaft (1Pet 2,13-17; Eph 6,5-9; Tit 2,9), in der Familie (Eph 5,25; 6,4), in der Ehe (Kol 3,18-19; 1Pet 3,1-7), und auch in der Gemeinde (1Kor 14,34-35; 1Tim 2,8-14; 1Pet 5,5). Diese Aussage des Paulus als Zustimmung für Transgender zu benützen, ist absurd. Gott schuf den Mann als Mann und die Frau als Frau. Galater 4 1 Jes 54,1 (LXX) 2 Gen 21,10 (LXX) 3 Impf. + Perf. = umschriebenes Plpf.: ein für alle Mal, also hoffnungslos. 4 od.: die Wahrheit redend. 5 Manche denken hier an die grundlegenden moralischen Gesetze, die jede Gesellschaft hatte (21,III,176). Eher handelt es sich um die Gestirne des Himmels, denn diese Himmelskörper wurden auch als kosmische Elementargeister verehrt. Die Vorstellung von den "Elementarmächten" geht zurück auf die antike Lehre von den vier Elementen, die alles Irdische bedingen und bestimmen. In späterer Zeit ging man davon aus, dass diese Elemente von göttlichen Wesen, den Astralgeistern beherrscht werden und Schicksalsmächte sind, von denen man abhängig ist, denen man sklavisch folgen und deren Regeln man genau befolgen muss, ähnlich den Sybill´schen Orakeln. In den Versen 8-9 fürchtet Paulus, dass sich die Galater wie früher durch die Einhaltung diverser Riten an besonderen Tagen, wieder diesen Elemtargeistern zuwenden (33,317; 47,z.St.; 59,249; 65,II,369). 6 Über diese Irrlehrer, die die Gemeinden in Galatien verführt haben, erfahren wir nicht viel. Eindeutig ist, dass sie die Heiden-Christen zur Einhaltung des jüdischen Gesetzes und zur Beschneidung verpflichten wollten (vgl. Gal 2,1-21; 5,2-12). In diesen Zusammenhang gehört vielleicht auch die in Vers 10 erwähnte religiöse Verehrung der "Elementarmächte" (vgl. 47,z.St.). 7 δια mit Akkusativ bedeutet normalerweise: "...wegen". Das könnte bedeuten, dass Paulus wegen einer körperlichen Schwäche in Galatien aufgehalten wurde und ihnen deshalb das Evangelium verkünden konnte, obwohl er unter anderen Umständen nicht so lange bei ihnen geblieben wäre. Paulus nimmt wahrscheinlich auf seinen vorigen, und damit zweiten Aufenthalt auf seiner 1.Missionsreise Bezug als er bei der Rückreise wieder die südgalatischen Gemeinden besuchte (vgl. Apg 14,21-25). Über die Art der körperlichen Schwäche lässt sich nichts Sicheres sagen. Vielleicht lässt sich aber aufgrund der bildhaften Aussagen von Gal 4,15 und Gal 6,11 auf einen Virusinfekt der Augen schließen, den man sich bei Reisen in der Tiefebene Pamphyliens öfters zuzog. Andere denken an die Folgen der Steinigung in Lystra (Apg 14,19-20), oder an Kopfschmerzen durch chronische Malaria (vgl. 40,264f; 21,III,178f; 2,1044; 47,z.St.). 8 Entweder sind dies jüdische oder heidnische Festzeiten. Möglicherweise meint er auch das Sabbathjahr 46/47 n.Chr. (vgl. 40,258). 9 D.h. ihn aufgrund seines gesundheitlichen Zustands zu verachten, vielleicht aufgrund seines Aussehens nach der Steinigung in Lystra? 10 Der Satz kann entweder als Feststellung oder als Frage aufgefasst werden. Paulus will wahrscheinlich sagen: "Dadurch, dass ich euch im Gegensatz zu den Irrlehrern die Wahrheit verkündigte, bin ich (also?) euer Feind geworden" (40,267f; 21,III,179). 11 Bei den Römern und Griechen konnte ein Vater im Vorhinein testamentarisch festlegen, dass seine Kinder im Falle seines vorzeitigen Todes bis zu ihrer Volljährigkeit unter einen Vormund gestellt werden müssen. Dieser wiederum konnte für die praktischen Belange des Kindes und für die korrekte Verwaltung des väterlichen Erbes einen Verwalter bestellen. Im jüdischen Gesetz war so etwas nicht vorgesehen (21,III,175; 65,II,369). 12 Der ewige Sohn Gottes wurde ein Mensch wie wir, stellte sich unter Gesetz (ohne Art.: nicht nur das Gesetz Mose, sondern unter jegliches moralisches Gesetz), erfüllte es vollkommen und konnte dadurch sein vollkommenes Leben als stellvertretendes und sühnendes Sündopfer für unser sündiges Leben dahingeben, damit wir Söhne Gottes werden könnten. 13 Eine Metapher für große Opferbereitschaft. Es muss daher nicht auf ein Augenleiden hinweisen (65,II,373). - Ein Irrealis, auch ohne αν im Nachsatz (13,109). - Angesichts der aufopfernden Liebe, die die Galater Paulus bei seiner früheren Anwesenheit entgegenbrachten, ist es erschütternd, wie schnell sie sich dann von den falschen Brüdern gegen ihn aufbringen ließen. 14 Minderjährige Kinder hatten bis zum Erwachsenwerden im Haushalt die gleiche Stellung wie die Sklaven (65,II,369). 15 Nach griechischen Recht war an die Adoption auch die Erbschaft geknüpft (65,II,370). 16 Wehen galten als die größten Schmerzen. Paulus benützt daher ein drastisches Bild für seine Liebe und Hingabe an die Galater (65,II,374). 17 Aus einer Geschichte analoge Schlussfolgerungen ziehen. Es handelt sich nicht um eine an den Haaren herbeigezogene Allegorie, wie man sie z.B. bei Philo und manchen christlichen Strömungen vorfindet (65,II,374). 18 Manche Gelehrte behaupten, es wäre im Orient üblich gewesen, die Magd für die unfruchtbare Ehefrau als Leihmutter einzusetzen (65,II,375). 19 Die Nachkommen von Hagars Sohn Ismael besiedelten als Beduinen die südöstliche Sinaihalbinsel, wo auch der Berg Sinai war, auf dem Mose das Gesetz bekam. All dies verarbeitet Paulus in seiner Analogie, als eine geistliche Anwendung, um auf den Unterschied zwischen dem alten und dem neuen Bund hinzuweisen. 20 Auch die Juden unterschieden zwischen dem gegenwärtigen und dem zukünftigen himmlischen Jerusalem, und bezeichneten manchmal beide als "unsere Mutter" (65,II,375f). 21 Griech.: Abba, aus dem Aramäischen, wo es die vertrauliche, aber auch respektvolle Form ist, mit der man den Familienvater, aber nur im Kreis der Familie, anredete (47,z.St.). Vgl. Röm 8,15; Gal 4,6. Diese Anrede war bei den Juden für Gott nicht üblich (1,1; 65,I,281). Galater 5 1 Lev 19,18 2 Das Fleisch ist die alte, noch vorhandene sündige Natur die im Gläubigen wohnt (vgl. Röm 7,7-25). 3 Ohne Artikel, daher qualitativ: "durch Geist", dies bedeutet, dass es die Kraft und der Einfluss des Geistes ist, der den Gläubigen leitet und ihn zu etwas befähigt, hier eben zu einem geistlichen Lebenswandel. Der Dat.instr. ist betont vorangestellt, also: "durch Geist", und nicht durch das Fleisch. In Vers 25a bedeutet es zusätzlich, dass wir durch den Geist das neue Leben haben. 4 Die Begierde des Fleisches mag zwar da sein, aber sie muss nicht in konkreten Werken des Fleisches ausgeführt werden (vgl. Vers19ff.). Die Begierde des Fleisches kommt aus der alten, von Adam geerbten Natur, die noch im Gläubigen wohnt (Röm 7,18-19). Wer durch den Geist geleitet wird, braucht kein Gesetz mehr, denn alles, was er durch den Geist tut, ist richtig. 5 Der effektive Aorist bezieht sich hier auf den konkreten Fall. D.h. wenn die Begierde lockt, wird sie nicht in Werken des Fleisches ausgelebt. 6 Das sind lauter Charaktereigenschaften. Im Charakter Jesu sind sie sozusagen in vollkommener Weise personifiziert. 7 D.h. keine Art von menschlichem oder göttlichen Gesetz hat gegen solche Eigenschaften bzw. Personen etwas einzuwenden, um sie zu verurteilen (vgl. Röm 8,4). 8 Wohl im Sinne von Gal 2,20; Röm 6,6; 8,13; Kol 3,5. Die Gläubigen sollen akzeptieren, dass das Fleisch, die alte Natur, mit Christus am Kreuz gerichtet wurde. Da er aber die unvollendete Vergangenheitsform des Aorists verwendet, ist es möglich, dass das Fleisch im Gläubigen wieder zum Zug kommen kann (65,II,381). Wenn daher das Fleisch - d.h. die noch vorhandene alte sündige Natur - Begierden anmeldet, sollen diese aufgrund der obigen Tatsache bewusst verleugnet werden, und durch einen Lebenswandel im Geist ersetzt werden. 9 In Joh 3,3 steht für die Ungläubigen: "...nicht sehen". Hier noch pointierter: "...nicht erben", denn nur Kinder Gottes können überhaupt erben. Wer daher dauerhaft in den genannten Werken des Fleisches lebt, beweist damit, dass er gar kein Kind Gottes ist. Er kann deswegen auch nicht erben. Das sollte die Gläubigen umso mehr anspornen, dass keines dieser Werke des Fleisches in ihrem Leben permanent vorhanden ist, es sei denn, als möglicher "Ausrutscher". Wenn ein Gläubiger allerdings längerfristig und trotz Ermahnung in einem dieser Laster lebt, muss er nach 1Kor 5,5ff aus der Gemeinde ausgeschlossen werden, und zwar "zum Verderben des Fleisches, damit sein Geist errettet werde am Tag des Gerichts". 10 Damals war Götzendienst oft mit okkulten Praktiken verbunden, heute ist die Gefahr z.B. die Esoterik. 11 Ein Realis, obwohl es nicht den Tatsachen entspricht (13,103), sondern nur von seinen Gegnern behauptet wird. Der Vorwurf gründet sich wahrscheinlich auf die Beschneidung von Timotius (Apg 16,1-3), aber er ließ Timotheus nur deswegen beschneiden, weil dieser der Sohn einer jüdischen Mutter, und damit Juden-Christ war. Er wollte den Juden, die er evangelisieren wollte, keinen Vorwand für einen Anstoß geben (1Kor 9,19-20). Für die Heiden-Christen lehnte er die Beschneidung und die Verpflichtung auf das Gesetz ab (vgl. 47,z.St.). So wurde es ja auch auf dem Apostelkonzil beschlossen wurde (Apg 15,18-20). 12 Ein unerfüllbarer Wunsch in der Zukunft (13,123). - Kastrieren ist vielleicht eine ironisch-sarkastische Anspielung auf diese weitverbreitete Praxis unter den Anhängern der Göttin Cybele, die in Phrygien verehrt wurde (21III,185), eine Praxis, die aber auch die Gegner des Paulus verabscheuen würden. Später ließ Kaiser Hadrian die Beschneidung ganz verbieten, da sie für ihn eine Verstümmelung darstellte (65,II,378). 13 Ein attributives Ptz. (2,z.St.) und toleratives Pass.; "...jedem Menschen, der sich beschneiden lässt"; od. konativ: "sich beschneiden lassen will". 14 Gemeint ist sicherlich der Heilige Geist der in uns wohnt, wie in Vers 16 und 18. 15 Der Plural macht deutlich, dass es sich bei den Werken des Fleisches um einzelne Tat-Sünden handelt, von denen auch der unbekehrte Mensch nicht alle auf einmal aufweist, sondern die eine Sünde mehr und die andere weniger, oder gar nicht praktiziert. - Die darauffolgende Gegenüberstellung von den Werken des Fleisches im Gegensatz zur Frucht des Geistes ist notwendig, damit sich der Gläubige wie in einem Spiegel überprüfen kann, ob er durch den Geist oder im Fleisch lebt, und welche Schwachstellen in seinem Lebenswandel vorhanden sind. Diese gilt es zu eliminieren. 16 Der Singular macht deutlich, dass es sich bei der Frucht des Geistes nicht um einzelne Tugenden oder (gute) Werke handelt, - von denen man die eine mehr, die andere weniger hat, - sondern um eine ganzheitliche Charakterveränderung (69,268). Diese Charakterveränderung zeigt sich dann natürlich in guten Werken. Es ist wie bei der Frucht des Weinstocks: die einzelnen Weinbeeren an der Rebe entwickeln sich gleichmäßig bis zur Reife. Ebenso ist es bei der Heiligung durch den Geist Gottes, wir werden dabei kontinuierlich in Christi Bild verwandelt (vgl. Röm 8,29; 2Kor 3,18; 1Joh 3,2 ua.). 17 Kannibalismus war für die Menschen damals noch entsetzlicher als für uns heute (65,II,379). Straßenköter kämpften damals um jeden Essens-Brocken und fraßen sich manchmal zuletzt gegenseitig auf (40,331). 18 Die Gefahr bestand, dass einige Gläubige, durch den Einfluss der falschen Brüder aus Jerusalem, mittels der Beschneidung wieder zum Gesetz zurückkehren und so das System der Gnade mit dem System des Gesetzes tauschen würden (vgl. Heb 12,15). Wenn der Apostel hätte sagen wollen, dass sie damit ihr Heil verlieren, hätte er statt dem Aorist den Konjunktiv ("würdet ihr herausfallen") oder das Futur ("werdet ihr herausfallen") verwendet, denn er sieht sie ja bis dahin noch als Gläubige. Er möchte ihnen die Unmöglichkeit in Erinnerung rufen, durch das Befolgen des Gesetzes gerecht zu werden. Wer dies dennoch versucht, ist kein Wiedergeborener (48,868). Diesen stellt Paulus in Vers 5 demonstrativ das betonte wir gegenüber, und in Vers 10, dass er nicht glaubt, dass jemand von den Gläubigen das tun wird. 19 Hurerei ist jede Art von Geschlechtsverkehr außerhalb einer regulären Ehe von Mann und Frau. Sie war damals eine große Versuchung für gläubige Männer (siehe Anm. zu 1Kor 6,18), und steht demnach auch an anderen Bibelstellen in Aufzählungen schwerer Sünden an erster Stelle (z.B. 1Kor 5,9.11; 6,9; Eph 5,3.5; Kol 3,5; Heb 12,16; 13,4). 20 Was es bedeutet, wenn ein Gläubiger aus eigener Kraft, und nicht aus dem Geist, nach dem Gesetz Gottes leben möchte, erklärt Paulus sehr anschaulich in Röm 7,1-25. In Röm 8,4 erklärt er dann, wie das Leben aus dem Geist funktioniert. Galater 6 1 od.: "...durch welches (d.h. Kreuz) mir...". 2 Eine Anspielung auf Ps 125,5 und Ps 128,6. Gemeint sind die Juden, die es auch im Herzen sind und nicht nur äußerlich (vgl. Röm 2,28-29; 9,6; 11,5), - vielleicht im Gegensatz zu den falschen jüdischen Brüdern, die die Beschneidung für die Heiden-Christen predigen. Von diesem Israel Gottes hofft er, dass sich noch einige zu Christus bekehren werden, und er weiß aus den AT-Propheten, dass es am Ende der Zeiten noch die Bekehrung eines Überrests geben wird. Es kann mit Israel Gottes nicht die Gemeinde als Ganzes gemeint sein, denn es werden hier mit dem Wörtchen und zwei Gruppen unterschieden: "Friede über sie (= die Gemeinde aus Juden und Heiden), und über das Israel Gottes" (69,285; 40,391ff). Vgl. auch Vers 15. 3 Im Altertum trugen Tiere, Sklaven und Soldaten den Namen oder die Zeichen ihres Herren oder Kommandanten, den sie bewunderten, in die Haut eingebrannt, damit sichtbar war zu wem sie gehörten. Sogar sehr hingegebene Götzenanbeter, sogenannte "heilige" Sklaven in den Tempeln Phrygiens, ließen sich auf diese Weise die Zeichen ihrer Götter einbrennen. Die "Brandmale Jesu", die Paulus an seinem Leib trägt, sind aber Narben von Misshandlungen, die er im Dienst des Evangeliums erlitten hat (vgl. 2Kor 11,22-31). Er versteht sie als Teilhabe am Tod Jesu (Röm 6,3; 2Kor 4,10) und als Zeichen seiner ewigen Treue für diesen Herrn (21,III,191; 40,400; 47,z.St.). 4 Vielleicht im milden Sinn: ein unabsichtlicher Lapsus, ein "Ausrutscher". Das Wort wird aber auch allgemein für Sünden gebraucht. 5 Das Wort kommt im NT nur hier vor. In der Gräz. bedeutet es, die Nase über jmdn. rümpfen und durch zynische und verächtliche Gesten seine Verachtung zum Ausdruck bringen, obwohl man dabei gleichzeitig schöne Worte macht (21,III,189). Daher allg.: jemanden (durch Gesten) verächtlich behandeln oder verhöhnen - wenn auch nicht verbal - und ihn dadurch lächerlich machen. LXX: Spr 1,30; 15,20; Jer 20,7 6 Paulus spielt auf ein gängiges Sprichwort der damaligen Zeit an. Mit der Bildrede vom Sähen und Ernten, knüpft Paulus wieder an seine Ausführung von Fleisch, Geist und Fruchtbringen in Gal 5,13.16.22ff. an (vgl. Hos 10,12-13). Der Vergleich lehrt uns ein paar wichtige Prinzipien: (1.) was man säht, erntet man auch (2.) zwischen dem Sähen und dem Ernten liegt eine gewisse Zeit. (3.) wenn man schließlich erntet, kann man das Sähen nicht mehr rückgängig machen, - z.B. bei Kindererziehung oder Partnerwahl. (4.) man säht wenig, erntet aber eine größere Menge des gleichen Produkts. (5.) nur wenn man den falschen Samen rechtzeitig aussticht, kann man eine böse Ernte verhindern. - Schon Jesus hat in Mt 7,17-18 dieses Prinzip gelehrt. Man könnte auch sagen: die Vergangenheit holt uns dann ein. 7 Mit Art.: das Rechte im Gegensatz zum Falschen, Schlechten und Fleischlichen. In den Geist sähen bedeutet also: das Richtige tun, wie es die Liste in Gal 5,22 beschreibt. In das Fleisch sähen bedeutet, die Werke des Fleisches in Gal 5,19-21 zu tun. 8 D.h. weil sie euch dadurch dazu gebracht haben nach dem Gesetz Mose zu leben und dafür Ehre einstreifen. 9 Das "Gesetz Christi" ist das von Christus her verstandene Gesetz der Liebe, das erfüllt wird im "Glauben, der in der Liebe wirksam ist" (Joh 13,34-35). Vgl. Gal 5,6b mit Gal 5,14b (47,z.St.). - Wenn ich dem anderen helfe zurechtzukommen, trage ich aus Liebe seine Last mit. 10 Sicherlich der Aorist des Briefstils. Paulus schreibt nun die letzten Verse selbst und mit großen Buchstaben, wohl deswegen, weil er durch sein Augenleiden schlecht sah (21,III,190). Vgl. auch Anm. bei Gal 4,13 11 Singular! Dass Paulus dabei an eine persönliche Mann-zu-Mann Unterweisung im Sinne einer "Privatstunde" denkt, scheint unwahrscheinlich, da es dafür nur ein Beispiel im NT gibt (Apg 18,26b). Eher meint er, dass jeder persönlich (daher der Singular), wenn er Erbauung aus der Unterweisung erfährt, dem betreffenden Lehrer etwas geben soll. So trägt einer die Lasten des anderen (Vers 2). Die Lehrer die Paulus hier im Blick hat sind solche, die so begabt sind, dass es schade wäre, sie würden ihre Gabe nicht überörtlich dem ganzen Leib Christi zur Verfügung stellen, was sie hindert einer normalen Erwerbstätigkeit nachzugehen (40,371.377). Apollos (Apg 18,24-28) und Zenas (Tit 3,13-14) sind solche Beispiele. Es bedeutet also nicht, dass jeder der in seiner Ortsgemeinde lehrt, finanziell unterstützt werden soll. Gläubige sollten sich ihren Lebensunterhalt selbst verdienen, sogar Älteste (Apg 20,33-35). Wir haben umsonst empfangen, wir sollen auch umsonst geben (Mt 10,8b). 12 Gott ohne Artikel, bezeichnet Gott in seinem Wesen. 13 Die Bedeutung der beiden Ausdrücke ist ähnlich. "Ermatten" tut man, wenn man mit einer Arbeit aufhört, weil man entmutigt ist. Es kann auf Landarbeiter oder Schnitter hinweisen, die ihre Arbeit hinschleppen, weil sie durch die Länge der Arbeit, und durch Hitze und Erschöpfung übermannt sind und müde wurden. Aber wenn der entmutigte Bauer nicht mehr auf seinem Acker arbeitet, erhält er keine gute Ernte. Das Wort "erschlaffen" aber meint das Lösen eines Gürtels, nachdem man mit der Arbeit aufgehört hat. Der Bauer im Orient umgürtete sich, wenn er mit der Arbeit begann und löste den Gürtel, wenn er mit der Arbeit wieder aufhörte (21,III,190; 40,378). 14 Eventuell ein Euphemismus für die Beschneidung des männlichen Gliedes, auf die der Jude stolz war (40,394). 15 od.: "Künftig... ", wie 1Kor 7,29 16 Nämlich vor dem Richterstuhl Christi? (65,II,382). Die Traglast, die man sich selbst auferlegt hat, z.B. die Ernte von Vers 7, die man selbst gesät hat und dann auch selbst tragen muss. 17 Fasst im zynischen Sinn, so als ob sie die Vorhäute der Galater ihren Auftraggebern präsentieren (65,II,383). Vgl. den gottlosen König Saul in 1Sam 18,25-27 18 Vgl. Röm 15,14 19 Vgl. Röm 12,1 Zu Ephesern Epheser 1 1 vgl. Ps 8,7 2 od.: "...seien (vor) seinem Angesicht in Liebe, (indem/nachdem?) uns vorherbestimmt habend zur..." (21,III,250f; 67,69f.). 3 Perf.: und in ihrer Hoffnung nicht beschämt wurden. Mit dem betonten "wir" sind wohl zuerst die Juden allgemein und dann speziell die Juden-Christen gemeint. Die Juden-Christen hatten schon vor den Heiden-Christen den Messias erwartet bzw. auf sein Kommen gehofft. Möglich wäre auch die Bedeutung, dass die Juden-Christen schon auf den Messias gehofft hatten, bevor er noch in der Person Jesu Christi erschienen war. - In Vers 13 sind mit dem betonten "ihr" dann wahrscheinlich die Heiden-Christen gemeint. Die Beziehung zwischen Juden-Christen und Heiden-Christen wird später in Kap. 2,1.11-19 noch besonders besprochen. 4 Wahrscheinlich: "...versiegelt wurdet...bis zur (zukünftigen und endgültigen) Erlösung" (vgl. Röm 8,23b); od.: "eine Anzahlung...bis zur (zukünftigen und endgültigen) Erlösung". - Der Herr Jesus hat den Gläubigen zugesagt, dass der ihnen gegebene Heilige Geist, bei ihnen bleibt (Joh 14,17c). Er ist die Anzahlung, und das Siegel, welches nicht aufgebrochen wird, bis Gott selbst es aufbricht bei unserer Erlösung aus diesem "Leib des Todes", entweder beim Tod oder bei der Entrückung. Dies ist eine starke Bestätigung für die Unverlierbarkeit des Heils. Vgl. 2Kor 1,22 und Anm. dort. 5 Gräz.: eine Gruppe von Sklaven unter einem repräsentativen Anführer zusammenfassen, damit er der Ansprechpartner für alle sei; - vgl. Kol 1,20 (21,III,262). 6 Ein geschäftlich-juristischer t.t.: das Handgeld oder Unterpfand als Anzahlung und Sicherstellung für einen Gesamtbetrag der erst später ausbezahlt wird. Mit dieser Anzahlung verpflichtet sich der Betreffende zugleich vertraglich, den Rest zu einem bestimmten späteren Zeitpunkt noch zu bezahlen. Die Sache, auf die angezahlt wurde, gehört ihm aber schon und wartet nur noch auf ihre Abholung durch den Eigentümer. Vgl. Anm. bei 2Kor 1,22 7 καθ bedeutet viell.: "...von dem Glauben unter euch". 8 Gemeint ist ziemlich sicher das Wirken des Heiligen Geistes (daher ohne Artikel) in den Gläubigen, um ihnen durch eine tiefere Erkenntnis (επι-γνοσις) Gottes praktische Weisheit und ein besseres Verständnis seines Werkes zu geben (vgl. 1Kor 2,10), wie es die folgenden Verse dann beschreiben. 9 Damit sind wahrscheinlich Engelwesen gemeint; vgl. Röm 8,38; Eph 3,10; Kol 1,16; 1Pet 3,22. Zu einem möglichen jüdischen (und gnostischen?) Hintergrund vgl. 21,III,277ff. 10 Viell. in Bezug auf Christus wie in 1Kor 15,28; Eph 4,10: "...der Versammlung, ... ihn, der die alles in allen erfüllende Fülle ist." (Vgl. 2,1054; 33,396f; 67,106f.). 11 In diesem von Paulus oft gebrauchten Ausdruck "in ihm" sind alle diejenigen gemeint, die das stellvertretende Opfer Christi für sich persönlich in Anspruch genommen haben. - Manche verstehen die Erwählung hier nur als eine kollektive und unpersönliche Erwählung "in Christus", d.h. jeder der zum Glauben an Christus kommt darf danach wissen, dass er damit auch zu den in Christus Erwählten gehört. Doch das "uns" und die Betonung der persönlichen Vorherbestimmung in Röm 8,28-30 sprechen dagegen, denn die Vorherbestimmten in Röm 8,28-30 sind dieselben, die dann auch persönlich berufen und gerechtfertigt werden. Und in 1Kor 1,27-29 wird betont, dass es aus Gott und nicht aus uns kommt, dass wir in Christus sind. Hätte Paulus nur eine unpersönliche kollektive Erwählung gemeint, hätte er sich sicherlich anders ausgedrückt, z.B. "Er segnet (Präs.) mit ... alle diejenigen, die in dem Glauben an Christus sind, wie er diese in ihm erwählte", oder in ähnlicher Weise. Er hätte in den Versen 4-12 die 3.Person Plural ("sie") und nicht die 1.Person Plural ("uns") gewählt. Dass Gott einen Plan mit Menschen haben kann, noch bevor sie gezeugt wurden, wird auch in Jer 1,4-5 und in Ps 139,16 bestätigt. Auserwählt "in Christus" zu sein bedeutet, als ein in der Ewigkeit Auserwählter durch den Glauben für immer in ihn hineinversetzt zu sein, wie es in Röm 5,19b beschrieben ist. - Vgl. zum Thema Erwählung auch die Anm. bei Joh 6,37.39; 10,3.26; Röm 8,28-30; 1Kor 1,27-30; 2Tim 1,9; 2,10; Tit 1,1-3 und 1Pet 1,1-2; 2,8 ua. 12 Gen.qualit.: "...dem versprochenen Heiligen Geist" (2,z.St.). Das Siegel aus Wachs hatte das Wappen des Besitzers eingeprägt. Der Heilige Geist ist das Siegel, also der Beweis und das Schutzzeichen, dass der Gläubige Gott gehört. Daher kann Paulus sagen: "Wenn jemand Christi Geist nicht hat, ist er nicht sein" (Röm 8,9). 13 Da die Worte "in Ephesus" in einigen wichtigen Hs. fehlen und es Zitate aus den Schriften der Kirchenväter Tertullian, Basil und Ephraim gibt, wo gar keine Ortsangabe steht, nimmt man an, es handelte sich bei diesem Brief um einen Rundbrief an die Gemeinden in Kleinasien, wobei dann jede Gemeinde ihre Ortsbezeichung in ihre eigene abgeschriebene Kopie einfügen konnte (65,II,387). Daher findet sich bei Marcion dieser Brief mit der Ortsangabe "an die Laodizäer". Vgl. auch die Anm. bei Kol 4,16 14 Es gibt acht Geheimnisse Gottes, die im AT noch verborgen waren und im NT geoffenbart werden. Vgl. die Anm. bei 1Kor 2,7 15 od.: "in dem Herrn Jesus". 16 Das ist nicht nur bildlich-symbolisch zu verstehen. Die Beziehung zwischen Christus dem Haupt und der universellen Gemeinde als seinem Leib, ist eine geistlich-übernatürliche, es ist ein metaphysisches Geheimnis, wie er dann auch in Eph 5,30-32 erklärt. So wie ein Mann und seine Frau ein Fleisch sind, ist auch Christus mit seiner Gemeinde auf eine geheimnisvolle Weise verbunden. Die Gemeinde steht in übernatürlicher Weise in einer lebendigen Beziehung zu Christus dem Haupt. Er belebt und führt sie durch den Heiligen Geist (21,III,281). Daher hat die Gemeinde auch kein irdisches Haupt auf Erden, weder Papst noch Bischof noch Pastor noch Prediger, auch nicht Älteste. 17 Der Vorsatz Gottes hier und in Eph 3,11 geschah schon in der Ewigkeit, vor Grundlegung der Welt. Er ist das, was Gott sich vorgenommen hat, er ist "in Christus", er entspringt allein Gottes Willensbeschluss und er dient seinem Wohlgefallen (26,111). 18 weil Pl.Neut.: das All (1,1278). 19 Bei den Juden dachte man sich den Himmel in drei (bei manchen auch sieben) Himmel unterteilt, wobei der dritte und höchste Himmel der Wohnort Gottes und Christi war (Eph 1,20; 2,6). In den ersten bzw. untersten Himmel wurde Satan mit seinen gefallenen Mit-Engeln (Dämonen) verbannt (Eph 3,10; 6,12b). Auch Paulus bestätigt aufgrund eigener Erfahrung (2Kor 12,2) die Richtigkeit dieser Annahme (65,II,388.391). 20 Pl.Neut.: entweder, in allen Stücken; od.: in jeder Hinsicht; od.: bei alledem. 21 Die Erwählung geschah also in der Ewigkeit für die Ewigkeit (vgl. Eph 5,27; Kol 1,22). 22 od.: "...(zu) danken, (wobei) für euch Erinnerung machend"; od.: "für euch (zu) danken und Erinnerung machend" (2,z.St.). 23 Die Synonyme Macht, Wirksamkeit, Kraft und Stärke sind folgendermaßen zu differenzieren. Stärke (ισχυς) ist die grundsätzlich innewohnende Stärke, ob sie nun zur Anwendung kommt oder nicht. Kraft (κρατος) ist Stärke die auch angewendet werden kann, und Wirksamkeit (ενεργεια) ist die Auswirkung dieser Kraft. Macht (δυναμις) schließlich, ist der offenbare Beweis der drei vorigen Eigenschaften. Vgl. auch Eph 3,16 und Koll 1,29. - Ein Mensch mag stark sein, aber wenn er gefesselt ist, kann er seine Stärke nicht ausleben. Wenn man ihm aber die Fesseln löst, kann er seine Stärke auch anwenden, und wenn diese angewendet wird, wird sie entsprechende sichtbare Auswirkungen haben. Erst dann zeigt sich seine ganze Macht. Die Macht Gottes übersteigt jede andere Macht in dieser Welt, und es ist diese Macht, die in den Gläubigen wirkt. Diese Macht hat sich auch in der Auferweckung und Himmelfahrt Christi geoffenbart. 24 Die Vorherbestimmung gründet sich auf seinen Willen, nicht auf unseren sogenannten freien Willen (Jak 1,18; Joh 1,13). 25 Zum Lob seiner Herrlichkeit sind wir nach Vers 14b erst nach der zukünftigen und endgültigen Erlösung, da die Versiegelung auf den Tag der Erlösung hin geschieht (Eph 4,30). Epheser 2 1 Dat.instr.; Gnade ohne Artikel bezieht sich auf die Art und Weise der Errettung, nämlich aus reiner Gnade, die uns mittels Vertrauens auf Christi Erlösungswerk zugutekommt (44,z.St.). 2 Gnade mit Artikel bezieht sich auf diese Gnade von Vers 5, also auf das gesamte Werk der Errettung, - und dies nach der Beschreibung unseres schlimmen Zustands von Kap. 2,1ff (13,57). 3 Es kann kein Gen. epexeg. sein (so: 44,582), denn Paulus hat schon in 1Kor 3,11 geschrieben, dass Christus selbst das Fundament ist. Daher ist es eher ein Gen. auctoris, d.h. die Apostel und Propheten haben durch die Offenbarungen, die sie erhalten haben (vgl. Eph 3,5), die sie predigten (Röm 15,20; 1Kor 3,10), und die sie dann auch in den neutestamentlichen Schriften für uns aufgeschrieben haben, das lehrmäßige Fundament der Gemeinde gelegt, welches Christus selbst ist (2,1056; 21,III,299; 48,908; 67,149f). - Da die Propheten nach den Aposteln genannt sind, sind es natürlich die neutestamentlichen Propheten (vgl. Eph 4,11; Apg 11,28; 15,32; 1Kor 12,29; 14,29-32). Vgl. im Gegensatz dazu die umgekehrte Reihenfolge in 2Pet 3,2, wo die alttestamentlichen Propheten gemeint sind. 4 Der Fundament-Eckstein war der erste große Stein, den der Baumeister an der äußersten Fundamentecke legte und von dem aus die Richtung der Mauern mit der Richtschnur, dem Maßband und dem Senkblei gemessen wurde (vgl. Jes 28,16; 1Pet 2,4.6). Nach anderen, was aber eher unwahrscheinlich ist, ist der Abschlussstein in einem Gewölbe- oder Kuppelbau gemeint, der als letztes in das Gewölbe eingesetzt wurde, was hier aber gar nicht zum Zusammenhang mit dem Fundament passt. 5 Diejenigen die zusammen mit anderen das gleiche Bürgerrecht besitzen. Übertragen auf die Nationen, die durch den Glauben an Christus Anteil an dem Bürgerrecht des Gottesvolkes Israel bekommen haben. 6 Damit sind die am Körper beschnittenen Juden gemeint. 7 Gemeint sind wahrscheinlich die Heiden-Christen. Der Gedankengang wird dann in Vers 5 fortgeführt: "Und/Auch euch,...., machte er mitlebendig"; vgl. Kol 2,13. 8 Da τουτο ein Sg.Neut. ist, bezieht es sich nicht auf den Sg.Fem. von χαριτι (Gnade) oder πιστεως (Glaube/Vertrauen), sondern auf den ganzen vorigen Satz: "...und dieses (Geschenk/Geschehen)...". Gemeint ist das Geschenk der Errettung aus Gnade mittels Vertrauens, wobei das Vertrauen bzw. der Glaube die Verantwortung des Menschen ist (67,127). 9 Der Artikel drückt aus, dass das ganze Gesetz Mose, das er am Sinai bekam, gemeint ist, also auch die "10 Gebote". Es wurde durch Christi Tod außer Kraft gesetzt, weil es Sünde nur aufzeigen konnte, aber keine Kraft vermittelte sie zu besiegen (21,III,295f). Allerdings werden neun der zehn Gebote (außer dem Sabbat), und andere moralische Gebote des AT, im NT durch Jesus bzw. die Apostel als Anordnungen den Gläubigen geboten, und dies, wie man in der Bergpredigt sieht, sogar mit einem höheren Anspruch (vgl. Vers 10). 10 Das meint wohl, durch den Mund der Apostel, wie in Apg 15,7; Röm 15,18 ua. (21,III,297). Zurzeit als Paulus diese Worte schrieb, schlachteten sich gerade Syrer und Juden in Cäsarea gegenseitig ab (65,II,393). 11 Die meisten Hs. lassen den Artikel weg (27,603), dann: "...jeder Bau", d.h. im vergleichenden Sinn, jede Art von Bauwerk. 12 Das sind die täglichen Möglichkeiten, die Gott einem Gläubigen gibt, um dem Herrn zu dienen, oder für die Mitmenschen Gutes zu tun (Tit 2,14b; Kol 1,10; 1Tim 6,18; Jak 4,17). Wir sollen die Möglichkeit für solche guten Werke sogar suchen (1Tim 5,10b; Tit 3,8). Da Gott selbst für uns diese Möglichkeiten zu guten Werken vorbereitet hat, tut aber letztlich er sie durch uns (vgl. Heb 13,21 "...in euch bewirkend"), es sind die Früchte des wahren Weinstocks (Joh 15,2.5.8). 13 Das Präs. von ειμι + Perf. ist die stärkste Umschreibung für ein Perfekt: ein für alle Mal errettet worden, und da das Wort im Passiv steht, geschah diese Errettung allein durch Gott. - Vgl. den gleichen Gedankengang in 1Kor 1,27-29 14 Vgl. 2Kor 5,17. Neu geschaffen durch die Wiedergeburt. Epheser 3 1 entw.: "...gegründet in Liebe (zu Gott und den Menschen) "; oder besser: "...gegründet in (der) Liebe (Christi zu uns)", wie in Vers 19. 2 Der Gedankengang wird wieder in Vers 14 aufgenommen. 3 Vgl. Apg 22,17.21; 1Kor 15,8. 4 Das Geheimnis ist nicht die Gemeinde, wie oft gesagt wird, denn diese wurde in Mt 16,18 schon von Jesus angekündigt. Auch nicht der Umstand, dass die Nationen gesegnet werden, was auch schon im AT angekündigt wurde (Jes 11,10; Mal 1,11; Lk 2,32 ua.), sondern die Tatsache, dass nun Juden-Christen und Heiden-Christen in Christus, ohne Unterschied, einen Leib bilden; vgl. Vers 6. - Es gibt acht Geheimnisse Gottes, die im AT noch verborgen waren und erst im NT geoffenbart werden. Vgl. die Anm. bei 1Kor 2,7 5 Dies dürfte die übliche Gebetshaltung in seinem Gebet gewesen sein. Sonst beteten Juden und Griechen meist stehend mit erhobenen Handflächen (65,II,396). Vgl auch Apg 20,36 und 21,5. 6 Vielleicht sind damit "Engelfamilien" im Himmel gemeint (1,1284), die genauso von Gott geschaffen wurden wie alle irdischen Familien (vgl. V.9). 7 Der Mensch als zwei Naturen habend, nämlich Körper und Seele. Der Körper ist der "äußere Mensch", die Seele der "innere Mensch" der im Körper wie in einem Zelt vorübergehend "wohnt" (Röm 7,22; 2Kor 4,6; 1Pet 3,4). 8 Meint er speziell alle Nationen (Apg 26,17.18), oder überhaupt alle Menschen (Apg 22,15)? 9 Vielleicht im gleichen Sinn wie in Kol 2,10. Oder, die Fülle der Liebe Christi zu uns. 10 entw. im instrumentalen Sinn: "...durch die Gemeinde" (47,z.St.; 48,919). Das zweite εν könnte auch lokal verstanden werden: "...in Christus Jesus". Andere (z.B. Deißmann) verstehen εν beide Male im lokalen Sinn: "...(äußerlich) in der Gemeinde und (innerlich) in Christus Jesus" (67,178). Epheser 4 1 vgl. Ps 68,19 zitiert nach dem aramäischen Targum (54,z.St.). Paulus wendet den Psalm-Vers sehr frei auf Christus an. Allerdings wurde Ps 68,32 auch im Talmud messianisch verstanden (vgl. 34,II,719; 60,515; 64,617). 2 Sach 8,16. Gemeint sind hier die Gläubigen untereinander. 3 Ps 4,5 (LXX). 4 entw. wie Gal 4,16: "...Wahrheit sagend, (damit) in Liebe wir hinwachsen zu ihm" (2,1060; 67,199f); od.: "...wahrhaftig seiend in Liebe, lasst uns...", d.h. so, dass die gesagte Wahrheit, das Gebot der Liebe nicht verletzt (1,70). 5 Wahrscheinlich meint Paulus damit die Menschwerdung Christi (vgl. Joh 3,13 und 67,189f), und seinen Abstieg in den Hades nach seinem Tod (Apg 2,27.31). 6 In Gräz. ein med. t.t. für das Einrenken der Glieder, damit diese wieder funktionsfähig sind. Auch für die Arbeit der Philosophen und Lehrer wurde dieser Ausdruck verwendet (65,II,399). Die Aufgabe dieser begabten Personen ist es also nicht, alle Arbeit im Werk des Herrn selbst zu tun, sondern andere zu dieser Arbeit zuzurüsten und sich selbst freizumachen, um wieder neue Aufgaben in Angriff zu nehmen. Dies macht eine lebendige Gemeinde aus, die wie ein Leib funktioniert. 7 So in Papyri und Joh 9,21.23. 8 Eine Reihenfolge die sich steigert von Bitterkeit zu Grimm, zu..., zu Lästerung. 9 Gen.auctoris: Gerechtigkeit und Frömmigkeit wie sie der Wahrheit entspringen, und nicht heuchlerischen Motiven. Oder ein hebräischer Gen.qualitatis: "...in wahrhaftiger Gerechtigkeit und...". 10 Gemeint sind jedenfalls immer nur die Gläubigen. 11 Es bleibt offen, ob Paulus hier bestimmte Personengruppen meint, oder ob er einfach nur den ganzen Psalm-Vers zitiert, obwohl er nur mit dem zweiten Teil des Verses etwas aussagen will, nämlich: Christus gab seinen Erlösten Gaben, nachdem er in den Himmel aufgefahren war. Da aber in Ps 68,7 von "Kriegsgefangenen" die Rede ist die in Freiheit geführt werden, während andere Widerspenstige gefangen bleiben, und diese Gefangenen in Vers 19 schließlich mit Gott (für Paulus: mit dem Messias) in die Höhe mitgeführt werden, könnte Paulus mit den "Kriegsgefangenen" durchaus die Geister der erlösten AT-Gläubigen meinen, die Christus bei seiner Himmelfahrt aus dem "Schoß Abrahams" im Hades (Lk 16,22) in den Himmel mitgeführt hat (67,189), wo die Geister aller abgeschiedenen Gläubigen ja seither sind (Heb 12,23b; Php 1,23; 2Kor 5,8). 12 Im Unterschied zu 1Kor 12,28-31 und 1Pet 4,9-11, wo es sich um Gaben des Geistes an einzelne Gläubige handelt, spricht Paulus hier von geistbegabten Personen die überörtlich dem gesamten Leib Christi dienen, - im Gegensatz zu den ortsgebundenen Ämtern des Ältesten und Diakons. Männer, die als Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer begabt sind, üben diese Gaben überall aus, wohin sie kommen (vgl. Tit 3,13). Die Gabe des Hirten ist demnach nicht gleichzusetzen mit dem modernen "Pastor", "Prediger" oder "Pfarrer", die es im NT gar nicht gibt. 13 Diese Einheit des Geistes hat Jesus vom Vater erbeten (Joh 17,20-23; vgl. dort die Anm.), sie wurde zu Pfingsten durch den Heiligen Geist bewirkt (1Kor 12,13), und braucht und kann deswegen nicht erzeugt werden. Sie muss allerdings bewahrt werden. Die Einheit des Geistes ist etwas seit Pfingsten Bestehendes, denn nur etwas schon Bestehendes kann man bewahren. 14 Zur Einheit des Glaubens sind wir also noch unterwegs. 15 Ein personaler Objekt-Akkusativ: "Ihr lerntet in der christlichen Unterweisung nicht so etwas von ihm/über ihn" (2,z.St.). 16 Wenn ein konzessiver Imp.: "Meinetwegen zürnt, aber sündigt dabei nicht"; od.: "Wenn es nicht anders geht zürnt, aber...". Wenn ein Ind.: "Ihr zürnt? Aber sündigt dabei nicht" (2,1062; 44,587; 67,214f). Gerechter Zorn ist zwar eine ausgewogene Balance zu falscher Barmherzigkeit (Mk 3,5), aber alles, was ein Mensch im Zorn tut, denkt, sagt oder plant, wirkt nicht Gottes Gerechtigkeit (Jak 1,20). 17 Stehlen war in der damaligen Kultur nicht unbedingt verpönt, besonders dann nicht, wenn man bedürftig war. 18 Um eine Sünde sieg- und dauerhaft zu überwinden, genügt es nicht sie zu lassen. Man muss sie durch etwas Gutes ersetzen (siehe auch: Eph 5,4b; Röm 6,12-13). 19 Das hier verwendete Bild vom menschlichen Körper setzt die Vorstellungen der antiken Medizin voraus. Danach wurde der Körper vom Haupt her versorgt, und die Gelenke besorgten die Verbindung zwischen dem Haupt und den Gliedern. Mit den "Gelenken" könnten die Gaben in Vers 11 gemeint sein (vgl. 47,z.St.). 20 Dat.respekt.: "...an dem Geist eures Sinnes" (2,z.St.); eher unwahrscheinlich wäre der Dat.instr.: "...durch den Geist eures Sinnes", d.h. durch den in eurem Sinn bzw. Verstand wirkenden und wohnenden Heiligen Geist (21,III,343). 21 Das meint wohl die gleiche Überzeugung in allen Glaubenswahrheiten zu haben. Das werden wir alle zusammen aber erst in der Vollendung haben. 22 Präs.: "..., um fortwährend". Möglicherweise ein toleratives Pass.: "sich fortwährend wieder neu machen lassen" (2,z.St.). Das Aus- und Anziehen wird als einmaliger Akt (Inf.Aorist) gesehen, das wieder neu gemacht werden aber als Prozess (Inf.Präsens). 23 Eine Versiegelung schützte vor fremden Zugriff. Nur der Berechtigte durfte das Siegel brechen. Die Sache wartete nur noch auf ihre Abholung durch den Eigentümer. So sind auch wir versiegelt bis zur Entrückung. 24 Es ist dies die gleiche Verstockung, die auch beim Pharao vorhanden war. Zuerst verstockte er sein Herz selbst (Ex 7,13-14.22; 8,11.15.28; 9,7.34-35), erst danach verstockte Gott sein Herz endgültig (Ex 9,12; 10,1.20.27; 11,10), damit er alle seine Wunder bis zum Schluss vor ihm vollbringen konnte (Ex 7,7). Gott wusste bereits im Vorhinein, dass der Pharao sein Herz verstocken würde (Ex 3,19; 11,9), und er weiß dies auch von jedem anderen Menschen. Gott hat niemanden zur Verdammnis vorherbestimmt. Dies würde seinem Wunsch widersprechen, dass alle gerettet werden. 25 Vielleicht ein milit. t.t.: jemandem einen strategischen Vorteil verschaffen (65,II,401). 26 Vielleicht beobachtete Paulus die beliebten Würfelspiele der Soldaten, die gerne Neulinge übers Ohr hauten, und zieht daraus seinen Vergleich (67,199). 27 Auch wenn es hier um religiöse Verführung geht, sind die hier genannten Prinzipien für jede Art von Verführung gültig (z.B. Werbung, Medien, "fake-news", gesellschaftspolitische Beeinflussung, usw.), und zwar: (1.) falsche Informationen werden verbreitet, die (2.) Betrug zum Ziel haben, und (3.) wurde dieser Betrug mit hinterlistigen Methoden ausgedacht und soll Menschen in die Irre führen. Epheser 5 1 Gen 2,24 (LXX) 2 Es ist nicht sicher, ob Paulus mit den beiden Ausdrücken zwei spezielle Opfer, nämlich das Speis- und das Brandopfer meint. Vielleicht will er nur ganz allgemein sagen, dass Christus sich für uns hingegeben und aufgeopfert hat. Vielleicht ist aber mit dem ersten Ausdruck auch speziell das Speisopfer gemeint, wie in Heb 10,5 und Ps 40,7 3 Vielleicht ist damit das Brandopfer gemeint, denn der Ausdruck "zum lieblichen Geruch" bezeichnete das Brandopfer (67,220). In Heb 10,6 wird das Brandopfer allerdings mit dem Wort ολοκαυτωμα wiedergegeben. 4 Nicht nur in Finsternis, sondern selbst durch und durch Finsternis. 5 od.: "Seht also zu, wie ihr den Lebenswandel genau führt". 6 Nirgendwo im NT werden wir aufgefordert um die Erfüllung mit dem Heiligen Geist zu bitten, denn er wohnt seit der Wiedergeburt bereits dauerhaft in jedem Gläubigen. Hier gibt Paulus uns den Befehl (Imperativ), uns immer wieder neu (iteratives Präsens) mit der Kraft des bereits innewohnenden Heiligen Geistes (Geist ohne Artikel bedeutet: mit der Kraft des Heiligen Geistes) ausfüllen zu lassen (toleratives Passiv). Wenn man dies tut, ist man voll Heiligen Geistes (vgl. Apg 2,4 mit 4,31; sowie 4,8.31; 9,17; 13,9.52). 7 Imperativische Partizipien, wie Vers 21 ua., weil die Verse 19-21 das Erfülltsein mit dem Heiligen Geist deutlich machen. 8 D.h. spontan und geistgeleitet den Herrn betend preisen, auch ohne Musikbegleitung, wie in Röm 15,9; 1Kor 14,15 und Jak 5,13 9 "Seid einander untergeordnet..." ist eine Überschrift für das folgende Thema Unterordnung, denn es werden zuerst immer diejenigen genannt, die sich unterordnen sollen, also (1.) die Frauen den Männern (V.22); (2.) die Kinder den Eltern (Eph 6,1) und (3.) die Sklaven den Herren (Eph 6,5). So auch in 1Pet 2,13. Es bedeutet also nicht, dass sich manchmal die Frau dem Mann und manchmal der Mann der Frau unterordnen muss. 10 Indem sie sich dem Mann unterordnen, anerkennen sie die Schöpfungsordnung Gottes und ordnen sich damit dem Herrn selbst unter, daher "...wie dem Herrn". In diesem Sinne auch in Eph 6,1.5.7 und Kol 3,24. Die Übersetzung "...als dem Herrn", als ob der Mann der Herr der Frau sei, ist falsch. Denn dann würde Paulus den Plural verwenden: "...als den (d.h. euren) Herren" (21,III,365f). 11 Vergleichend, wie in Vers 2. Eine Liebe wie sie in 1Joh 3,18 beschrieben wird, und nicht wie in Rich 16,15! Allerdings hat Christus seine Gemeinde mehr geliebt als sich selbst, die Männer sollen ihre Frauen aber so wie sich selbst lieben (Vers 33), also im Sinne des 1.Gebots: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst". Auch dies ist für den tiefsitzenden Egoismus des Mannes schon Herausforderung genug, weshalb er darin immer in Schuld (Vers 28) gegenüber seiner Frau bleibt. 12 Das Geheimnis ist also nicht die Ehe selbst, sondern das geheimnisvolle Ein-Fleisch-sein von Mann und Frau in der Ehe, als Bild für die geistliche Einheit von Christus und der Versammlung. Die Ehe selbst ist für den Herrn Jesus und für Paulus nur eine irdische Einrichtung. Vgl. 1Kor 7,1-2 und Mt 22,30. - Es gibt acht Geheimnisse Gottes, die im AT noch verborgen waren und im NT geoffenbart werden. Vgl. die Anm. bei 1Kor 2,7 13 Wohl einschränkend gemeint: in allem, was das eheliche Zusammenleben betrifft. 14 Damit kommt er auf das Wesentliche zurück. 15 od. Gen.qual.: "...zu einem wohlriechenden Duft". In der LXX ein t.t. der alttestamentlichen Opfersprache. 16 Wohl aber nicht durch eine verbale Strafpredigt, denn dagegen spricht der Vers 12b, sondern durch eine eindeutige Distanzierung von all diesen Praktiken. Dies wird einem zwar von den Ungläubigen übel angerechnet, doch diese "Schmach des Christus" müssen wir auf uns nehmen. 17 Vielleicht eine Anspielung darauf, dass die Braut vor der Hochzeit ein Bad nahm. Die jüdische Verlobungszeremonie wurde auch als "Heiligung der Braut" bezeichnet (21,II,368; 65,II,406). Oder es liegt eine Anspielung auf das Einweihungsbad der Priester (Lev 8,6) im AT vor. 18 "Auf dieselbe Art und Weise (wie Christus die Versammlung liebte), schulden auch... ", also hingebungsvoll und aufopfernd. 19 D.h. als wäre die Frau ihr eigener Körper, was ja im geistlichen Sinn auch der Fall ist, denn der Mann ist ein Fleisch mit seiner Frau und er ist das Haupt seiner Frau, so wie Christus das Haupt der Versammlung ist. 20 w.: "...anstatt diesem", d.h. anstatt sein Fleisch zu hassen (21,III,372). 21 Siehe die Anmerkung zu Eph 5,3-14: Gläubige sollen über Sünden, für welche die Ungläubigen vom zukünftigen Reich Gottes ausgeschlossen sind (Vers 5), nicht einmal reden oder nachdenken (z.B. durch Medienkonsum, Internet, Späße usw.). Denn wenn man sich mit solchen Dingen beschäftigt, wird man ein Mitteilhaber mit den Ungläubigen (Vers 7) und irgendwann will man vielleicht diese Sünden auch selbst ausprobieren. Wenn aber ein Gläubiger tatsächlich solche Dinge ausübt, kommt er unter strenge Gemeindezucht (vgl. 1Kor 5,1ff und die Anmerkungen dort). Falls er dann nicht Buße tut, wird Gott ihn strafen (2Kor 2,6), und notfalls auch durch den Tod wegnehmen (1Kor 11,30; Jak 5,19-20; Apg Apg 5,5 ua.). Da ein Wiedergeborener nicht ins letzte Gericht kommt (Joh 5,24 ua.), wird er schon auf Erden von Gott gezüchtigt, um nicht mit der Welt verdammt zu werden (1Kor 11,32). Diese Verse lehren also nicht, dass ein Kind Gottes verloren gehen kann. 22 Im üblen Sinn: (primitiver) Spaß, Scherz, Possenreißerei bis hin zu zotiger, ordinärer, obszöner und lästerlicher Scherzhaftigkeit und Unflätigkeit. Doch vielleicht trifft im NT auch schon die mildere Bedeutung zu: jede Art von unnötigem Humor oder Spaßmacherei. 23 Paulus will vielleicht ein wenig ironisch auf die grundsätzliche Charakterschwäche des Mannes hinweisen, nämlich auf seinen Egoismus: er liebt sich selbst am meisten. Doch da seine Frau ein Fleisch, d.h. ein Teil, mit ihm ist, bedeutet sie zu lieben, auch sich selbst zu lieben. Wer also seine Frau so mit Liebe behandelt, dass es ihr geistlich, seelisch-emotional und körperlich gut geht, dem geht es auch selbst gut (Vers 28-29.33a). 24 Die Übersetzung "Ehrfurcht haben" ist nicht angebracht, denn Ehrfurcht (vgl. die Strong Nr. 2124 - 2126) sollen wir nur vor Gott haben. Furcht im Sinne von Angst kann auch nicht gemeint sein. Gemeint ist, dass die Frau ihrem Mann, als ihrem von Gott gegebenen Haupt, mit Respekt und Achtung begegnen soll (67,247). Wenn sie das nicht tut, legt sie sich mit Gott an. 25 Da Christus und Gott mit nur einem Artikel stehen, könnte dies die Gottgleichheit Christi mit Gott unterstreichen (13,60). 26 Die Anhänger des Dionysos-Kults glaubten, dass der Zustand völliger Trunkenheit eine Art Inspiration oder Besessenheit durch diesen Gott bewirkt. Dies führte bei ihnen zu völligem Kontrollverlust und artete in perverse Sexualität aus, über die sogar konservative Römer entsetzt waren. Betrunkene gab es bei den Banketten der Reichen ebenso, wie in den Tavernen der Armen (65,II,404). 27 Vielleicht eine Anspielung auf die Sitte, die Braut geschmückt zur Hochzeit zu führen (65,II,406). 28 Die Hingabe Christi diente dem Nutzen (daher: υπερ) der Gemeinde, d.h. den einzelnen Gläubigen. So soll auch die hingebungsvolle Aufopferung des Mannes für seine Frau, ihrem geistlichen, seelisch-emotionalen und körperlichen Nutzen dienen. 29 Hurerei war damals eine große Versuchung für gläubige Männer (siehe Anm. zu 1Kor 6,18). Sie steht demnach auch an anderen Bibelstellen (z.B. 1Kor 5,9.11; 6,9; Eph 5,5; Kol 3,5; Heb 12,16; 13,4) in Aufzählungen schwerer Sünden an erster Stelle. Epheser 6 1 Ex 20,12 (LXX) 2 Dtn 5,16 (LXX) 3 Kol 3,20 hat dafür: "...wohlgefällig". 4 Sg., denn Paulus war im Hausarrest mit einer Hand an den Soldaten angekettet, der ihn bewachte (lat.: costudia militaris); Apg 28,16 5 D.h. den Kampf aufnehmen und nicht fliehen. 6 "umgürtet... mit Wahrheit". Mit dem Gurt ist wahrscheinlich der Lederschurz unter der Rüstung gemeint, oder der Metallgürtel der den Unterleib schützte (65,II,410). Da dieser Gürtel der erste Teil der Waffenrüstung ist der angelegt wurde, ist das Umgürten meist ein Bild für Bereitschaft, - hier die Bereitschaft für den Kampf. Im Altertum trugen die römischen Soldaten eine Kampftunika, die bis über die Knie reichte. Das war zwar im Lager bequem, aber für den Kampf unpraktisch, weil man über die eigene Kleidung stolpern konnte. Daher legten sie vor dem Kampf einen Gürtel um die Hüften und zogen das Gewand bis über die Knie hoch. Am Gürtel wurde dann auch das Kurzschwert angehängt. Bildlich bedeutet das: wenn ich in meiner Gesinnung (vgl. 1Pet 1,13; Eph 4,25) nicht wahrhaftig bin, werde ich im Kampf über meine Lügen und Halbwahrheiten stolpern. - Bei allen bildlichen Anwendungen der Waffenrüstung (Wahrheit, Gerechtigkeit, Glaube, Errettung), handelt es sich nicht um Segnungen, die wir bereits besitzen, sondern um Tugenden, die es praktisch auszuleben gilt (67,255ff). 7 Ein Gen. der Zugehörigkeit (2,z.St.), d.h. in der Art und Weise wie der Herr seine Kinder bzw. sein Volk Israel erzieht, nämlich mit Güte und Strenge (Röm 11,22). Der Übergang von Erziehung bzw. Züchtigung zu Zurechtweisung könnte auch noch anzeigen, dass Kindererziehung bei heranwachsenden Kindern, schön langsam von Erziehung und Züchtigung (Strong Nr. 3809) auf Zurechtweisung (Strong Nr. 3559) übergeht und schließlich sogar darin aufgeht. Zum Thema Kindererziehung siehe die interessante Zusammenstellung in, dort aber ohne Quellenangabe: https://drive.google.com/file/d/1hm7DJORw2bGsSt979I6Y8p5vJI0hAjrc/view?usp=sharing 8 Der ca. 1,30 m hohe, rechteckige Langschild, war Teil der Ausrüstung eines römischen Soldaten. Er schützt den ganzen Mann, ist aber nicht so handlich wie der kleine und leichtere Rundschild des leichtbewaffneten Soldaten. Der Schild war an der Vorderseite mit Leder beschlagen, das vor der Schlacht mit Wasser befeuchtet wurde, damit die Brandpfeile des Gegners abgefangen werden konnten und erloschen. Wenn die Truppe marschierte, waren die Langschilde in der ersten Reihe nach vorne, an den Seiten nach rechts und links, und in der Mitte nach oben gerichtet. So war die Truppe nach allen Seiten geschützt und die Brandpfeile konnten ihnen nichts anhaben. Man nannte diese Truppenformation die "Schildkröte" (65,II,410). - In bildlicher Anwendung: der Satan möchte unsere leidenschaftlichen Lüste in Brand setzen damit wir sündigen, aber unser praktisches Vertrauen auf den Herrn schützt uns davor. 9 Vgl. Jes 59,17. Der Brustpanzer war ein ledernes Metallkorsett zum Schutz der wichtigsten Organe des Körpers (Herz, Nieren, Lungen) im Nahkampf, bestehend aus zwei Metallplatten eine über der Brust die andere am Rücken, die mit Spangen zusammengefügt waren. In bildlicher Anwendung: die Gerechtigkeit kann nicht die Gerechtigkeit aus Glauben sein, denn diese brauchen wir nicht anzuziehen, wir sind schon bei der Bekehrung dauerhaft mit ihr bekleidet worden. Es handelt sich hier um die praktische Gerechtigkeit im täglichen Leben. Wenn wir gerecht leben, wird unser Herz behütet und unser Gewissen bleibt rein (vgl. 1Tim 1,5.19). 10 Der Lederstiefel (caliga) des Legionärs hatten an den Sohlen bis zu 80 Eisennägel eingearbeitet, damit im Nahkampf ein fester Stand gewährleistet wurde (52,I,1015). Manche Ausleger meinen daher, Paulus würde an die Bereitschaft zur Verteidigung des Evangeliums denken (vgl. Php 1,7). Andererseits dienten die Nägel auch dazu, beim Gehen und Laufen eine bessere Bodenhaftung herzustellen. Dies spricht dann, genauso wie die Anspielung auf Jes 59,17, wieder eher für die Bereitschaft zur Verkündigung des Evangeliums (vgl. 1Pet 3,15b; Kol 4,6; Röm 10,14-17). 11 Imp.Präs., entw. ein gewöhnliches Pass.; od. ein toleratives Pass., dann zu übersetzen: "...lasst euch immer wieder innerlich ermächtigen". 12 entw.: Gen.poss./auctoris; oder viell. Gen.qual.: "...in seiner kräftigen Stärke" (2,z.St.); vgl. auch 1Joh 4,4. - Im Kampf gegen einen übernatürlichen Feind, braucht man eine übernatürliche Stärke, die aus der Macht Gottes kommt. Indem wir die ganze Waffenrüstung Gottes mit allen ihren einzelnen Komponenten anziehen, empfangen wir diese Stärke und können diesen übernatürlichen Feind besiegen. Daher heißt es in Vers 13: "Deswegen nehmt auf die ganze Waffenrüstung Gottes". Würden wir nur eine Waffe weglassen, wären wir an dieser Stelle verwundbar. 13 Manche verstehen die Partizipien von Vers 14-18 als imperativische Partizipien: "...umgürtet euch..., zieht euch an ..., bindet euch unter..., nehmt auf...". Aber da in Vers 14 und Vers 17 schon der Imperativ verwendet wird, scheint es besser hier doch jeweils gewöhnliche Ptz.Aor. der Vorzeitigkeit anzunehmen, wie es auch in der Übersetzung geschehen ist. Eher schon könnte man in Vers 18 zwei imperativische Partizipien annehmen. 14 Auch das ca. 50 cm lange Kurzschwert (gladius) war eine Verteidigungswaffe, so wie die anderen Teile der Waffenrüstung. Es diente dazu im Nahkampf dem Gegner am Ende den Todesstoß zu versetzen (65,II,411). Darum wird es auch als letztes genannt. In diesem Sinne verwendete auch der Herr Jesus bei seiner Versuchung in der Wüste, das Wort Gottes als Kurzschwert, mit dem er die Versuchungen Satans endgültig abwehrte. Jede der drei Versuchungen wurde von ihm zuletzt mit dem Wort Gottes abgeschmettert (Mt 4,4.7.10) und damit überwunden (Mt 4,11a; Lk 4,13). Für uns gilt das z.B. bei bösen und unreinen Gedanken mit dem Wort aus 2Kor 10,4-5, bei Sucht mit 1Kor 6,12, usw. - Die einzigen wirklichen Angriffswaffen des römischen Soldaten, den Wurfspieß (pilum) und den großen Kampfsäbel (ρομφαια), lässt Paulus weg. Der ihn bewachende Soldat hatte diese auch nicht bei sich. Sie wurden nur in der Schlacht verwendet. 15 Der bronzene Metallhelm hatte an beiden Seiten Lederwangen und schützte den Kopf. - Ein Gen.obj., daher bedeutet es in bildlicher Anwendung das feste Vertrauen auf unsere ewige und zukünftige Errettung (1Thes 5,8-9; Jes 59,17; Heb 5,9). Er bewahrt unser Denken vor Glaubenszweifeln und gibt uns Heilsgewissheit, die sich auf Gottes Verheißungen stützt. 16 D.h. so, als ob ihr dem Herrn Jesus Christus selbst gehorchen würdet, denn von ihm bekommen wir unseren Lohn (Vers 8). - Diese Haltung war bei Sklaven, und ist heute bei Arbeitnehmern, der beste Schutz gegen Augendienerei und Menschengefälligkeit. Sich für die Abschaffung der Sklaverei einzusetzen, wäre damals völlig undenkbar gewesen, sogar Aristoteles verteidigte sie (65,II,408). 17 Paulus war im römischen Hausarrest Tag und Nacht mit seiner rechten Hand, mittels einer Handschelle an den ihn bewachenden Soldaten angekettet. Er hatte also die ganze Waffenrüstung eines römischen Soldaten täglich vor Augen. 18 D.h. nach dem Kampf als Sieger aufrecht dazustehen, ohne dass man besiegt wurde oder geflohen ist. 19 Das ist der Tag an welchem Gott dem Satan erlaubt uns zu attackieren und zu versuchen (vgl. Lk 22,53b; Hiob 1,6ff; Apg 5,3 ua). 20 Diese gefallenen Engelmächte sind Dämonen. Sie bewohnten, auch nach jüdischer Auffassung, den ersten Himmel, d.h. den Luftraum zwischen Himmel und Erde. Von dorther übten sie ihre Herrschaft aus. Doch Christus hat bei seiner Himmelfahrt diesen Luftraum siegreich durchschritten, zur rechten Gottes Platz genommen und sie damit überwunden (59,384). 21 Das Wort ρημα bezeichnet, im Unterschied zu λογος, das ausgesprochene Wort Gottes. In diesem Sinne wendete Jesus das ausgesprochene Wort Gottes bei seiner Versuchung an (Mt 4,4.7.10). 22 Die Glut dieser Brandpfeile war sehr schwer auszulöschen und die entstandenen Wunden waren sehr schwer heilbar (67,257). 23 Falls das Gebet auch noch zum Bild der Kriegsführung gehört, beschreibt es vielleicht den Zusammenhalt der Truppe in der Schlacht. Als zusammenstehender Truppenverband war eine römische Legion praktisch unbesiegbar. Auch der Ausdruck "wacht", könnte auf die Militärsprache hinweisen (65,II,411). 24 Die Erziehung zum Gehorsam ist deshalb so wichtig, weil die Kinder später einmal dem Evangelium gehorchen müssen, um errettet zu werden (Röm 1,5; 16,26). Der Gehorsam entscheidet über ewiges Leben oder ewigen Tod (Joh 3,36; 2Thes 1,7b-10a). Vgl. auch die Anm.38 bei Röm 1,30 25 αναλαμβανω bedeutet hier: ergreifen; in Empfang nehmen. Die einzelnen Teile der Waffenrüstung wurden dem Soldaten vom Diener gereicht und er zog sie sich an (Vers 11). Die geistliche Waffenrüstung wird uns von Gott zur Verfügung gestellt, wir müssen sie aber anziehen. 26 Alle hier aufgezählten Teile der Waffenrüstung waren Verteidigungswaffen, die zur Grundausrüstung des Soldaten gehörten. Die Waffen für den Angriffskrieg (kleiner Rundschild, Lanze, großer Säbel) zählt Paulus nicht auf. Wir greifen den Satan und seine Dämonen nicht an (vgl. Jud 1,8-10), aber wir verteidigen uns siegreich gegen seine Angriffe. Zu Philippern Philipper 1 1 Der Kontext und die Grammatik sprechen dafür, dass hier die finanzielle Hilfe (Php 4,15-16) an Paulus gemeint ist (70,50f). Falls er im Hausarrest in Rom war, musste er für die Miete und seinen Lebensunterhalt ja selbst aufkommen (Apg 27,3; 28,29). Im Weiteren könnte aber auch die Sammlung für die armen Geschwister in Jerusalem gemeint sein. Vgl. den griechischen Text in Php 4,10-14; 2Kor 8,6; 9,13; Röm 15,26; Gal 6,6. Das Wort bezeichnet auch eine römische Handelsinstitution, die sogenannte societas, deren Mitglieder sich verpflichteten, für die Erfüllung eines bestimmten Zieles ihren gesamten Besitz einzusetzen. Auch im Judentum wurde dieser Begriff für die Verteilung von Almosen verwendet; siehe Apg 2,42 (65,II,330). - In Vers 6 nehmen manche an, es wäre das Werk der Erlösung gemeint (vgl. Kap 2,13), doch scheint auch dies fraglich. 2 Entweder: "die Frucht, die in praktischer Gerechtigkeit besteht"; od.: "die geschenkte Gerechtigkeit, die Frucht bringt". 3 In Papyri: ein Zelt abbrechen; od. vom Schiff: die Taue losbinden und ablegen. Auch die Juden glaubten, dass die Gerechten nach ihrem Tod in der Zwischenzeit bis zur leiblichen Auferstehung bei Gott sind (65,II,417). 4 Militärischer t.t.: nicht vor dem Feind weichen. 5 D.h. alles in Vers 28 gesagte. 6 In Apg 16,19ff. 7 Jeder Palast eines Statthalters in den römischen Provinzen wurde "Prätorium" genannt. Daher entw.: der Palast des Herodes in Cäsarea, falls der Brief aus dieser Haft in Cäsarea geschrieben wurde, wie manche annehmen (Apg 24,27); oder, falls der Brief aus einer Gefangenschaft in Ephesus geschrieben wurde: alle die zum Statthalterpalast der Provinzhauptstadt Ephesus gehörten. Da der Brief aber wahrscheinlich im römischen Hausarrest geschrieben wurde (vgl. Php 4,22), meint Prätorium den Hof der kaiserlichen Prätorianergarde in Rom (33,957; 70,6ff; 65,II,416). In Rom wurde dem Paulus erlaubt unter Hausarrest in einer eigenen Mietwohnung zu wohnen (Apg 28,16.30), wobei er Tag und Nacht mit seiner rechten Hand mittels einer leichten Handschelle an die linke Hand eines Soldaten angekettet war (lat.: custodia militaris tradere). Die Soldaten wurden dabei täglich ausgewechselt. So kann man gut verstehen, dass im Laufe der 2 Jahre alle von der Prätorianergarde das Evangelium hörten, denn Paulus hat Besuch empfangen, hat Briefe diktiert und sicherlich auch freimütig Zeugnis gegeben. Er war zwar gebunden, aber das Wort Gottes war nicht gebunden. 8 κυριος ohne Artikel bezeichnet an anderen Stellen im NT den Gottesnamen Jahwe des AT. Da die Gemeinde in Philippi aber mehrheitlich aus Heiden-Christen bestand und eine römische Koloniestadt war, könnte "κυριος Jesus Christus" hier auch als Titel für Jesus verstanden werden, und zwar als bewusster Gegensatz zum römischen Kaiser, der auch den Titel "κυριος Cäsar" für sich beanspruchte. In Php 2,11 finden wir dann den gleichen Gedanken (vgl. 21,IV,419). Sonst erscheint im Philipperbrief κυριος ohne Artikel nur noch in Php 4,1.2.4. 9 od.: weil ich euch im Herzen habe. 10 Paulus möchte hier nicht sagen: Christus ist mein Leben (wie in Kol 3,3), sondern, dass sein Lebenszweck, d.h. der Sinn seines Lebens auf dieser Erde darin besteht, täglich für Christus, und nicht für irgendetwas anderes, zu leben (13,55f). 11 od.: "...was soll ich dann für mich erwählen? Ich kann es nicht sagen!" 12 od.: "...das Vorzüglichere" von zwei Möglichkeiten; od.: "das Wesentliche". 13 Der Tag (Jesu) Christi, ist der Tag, an dem die Gläubigen bei seiner Wiederkunft vor ihm über ihren Dienst Rechenschaft ablegen müssen (vgl. auch noch Php 2,16; 1Kor 1,8; 2Kor 1,14), aber auch ihren Lohn empfangen werden. 14 Dass Paulus zuerst die Gemeinde grüßt und erst dann die Aufseher (Aufseher = Älteste; vgl. Anm. bei Apg 20,17.28) und Diakone zeigt, dass die Gemeinde die höchste Autorität Gottes auf Erden ist (vgl. die Anm. bei Mt 18,18). - Nicht in jeder Gemeinde gab es bereits Älteste und Diakone. So gab es weder in Thessalonich noch in Korinth Älteste, als Paulus seine Briefe an diese Gemeinden schrieb. Es gab aber in beiden Gemeinden reifere Brüder, denen sich die Gläubigen unterordnen sollten (siehe 1Kor 16,15-16 und 1Thes 5,12 und die Anmerkungen dort). Paulus empfand es als einen Mangel, wenn es noch keine Ältesten in einer Gemeinde gab (Tit 1,5a). Die Einsetzung von Ältesten erfolgte entweder durch die Apostel persönlich (Apg 14,23), oder mittels eines persönlichen und örtlich begrenzten Auftrags durch einen ihrer Mitarbeiter (Tit 1,5b; 1Tim 5,22). Ob heutzutage noch jemand die göttliche Autorität hat Älteste einzusetzen ist umstritten. Wenn, dann wohl nur der Gemeindegründer. Aber so wie damals Älteste grundsätzlich zuerst vom Heiligen Geist bestimmt wurden (Apg 20,28) und dann von den Aposteln oder ihren Mitarbeitern als solche erkannt (daher mit Fasten und Beten in Apg 14,23) und erst danach eingesetzt wurden, so muss es auch heute geschehen: (1.) Zuerst muss der Gemeindegründer bzw. die Gemeinde erkennen, wen der Heilige Geist bestimmt hat. (2.) Dann muss der Betreffende danach trachten dieses Amt auch freiwillig und bereitwillig auszuüben. (3.) Erst danach kann er entweder vom Gemeindegründer eingesetzt, oder von der Gemeinde anerkannt werden. - Bezüglich Sünde und Machtmissbrauch durch Älteste, siehe die Anmerkungen bei 1Tim 5,19-21 und 3Joh 1,9.10. - Ob es in jeder Gemeinde auch Diakone gab, kann man vom NT her nicht beweisen. Vielleicht wurden Diakone erst von der Gemeinde gewählt, wenn die praktische Notwendigkeit dafür bestand. 15 Es ist bewunderns- und nachahmenswert, welch intensives Gebetsleben der vielbeschäftigte Apostel hatte. 16 In den Versen 19-20 zeigt sich eine vorbildliche Haltung des Apostels, die wir uns auch zu eigen machen sollten. Einerseits schimmert eine leise Hoffnung durch, dass er aus der Gefangenschaft entlassen wird (Php 1,25), gleichzeitig aber auch eine Ergebenheit in Gottes Willen, falls es nicht so sein sollte. - Die Erwartung einer eventuellen Todesstrafe, passt nicht zu einer Gefangenschaft in Cäsarea (33,292). 17 Kaiser Nero hatte in der Regel kein besonderes Interesse an rechtlichen Problemen. Im Jahr 62 n.Chr. schenkte er einigen jüdischen Geiseln, die ihm der Prokurator Felix übersandt hatte, die Freiheit. Etwa um diese Zeit wurde auch Paulus freigesprochen (65,II,417). 18 Vielleicht eine Anspielung auf ihr römisches Bürgerrecht, dem die höhere Verantwortung gegenüber dem Evangelium an die Seite gestellt ist. 19 entw. Gen.obj.: für den Glauben an das Evangelium (7,z.St.); od. Gen.subj.: für das Festhalten am Glauben/die Verteidigung des Evangeliums; wie Jud 1,3 (21,III,431). Philipper 2 1 Eine Art ängstliche Genauigkeit oder Sorgfalt. Die Parallelstellen (1Kor 2,3; 2Kor 7,15; Eph 6,5; Ps 2,11) beweisen, dass es um eine ernsthafte Haltung im Gehorsam und im Dienst für den großen König und Herrn geht. 2 In Papyri für das kultivieren von Schrebergärten (37,335f); allg. etw. Begonnenes zu Ende führen. Es kann hier natürlich nicht darum gehen, sich die Errettung zu verdienen, - die Philipper waren schon errettet (Php 1,28), - sondern diese von Gott begonnene Errettung in ernsthafter Heiligung zu vollenden, wobei Gott selbst die Kraft dazu gibt (vgl. Vers 13 und 2Pet 1,3.10). 3 Gemeint sind entweder die Himmelsgestirne die im Altertum den Seefahrern als Orientierung in der Dunkelheit dienten, wie in Dan 12,3 (65,II,420); od. allg.: "als Lichtbringer in der Welt" (70,140). - Indem die Gläubigen sich so verhalten, wie es in Vers 16 beschrieben ist, stellen sie das Evangelium den Menschen durch ihren Lebenswandel anschaulich dar (vgl. Php 1,27), wobei die Verkündigung des Evangeliums noch dazukommen muss. 4 Griechisch: εν ομοιωματι "in Fast-Gleichheit"; oder: "im Gleichgestelltsein"? Das was nahe an Identität oder Gleichheit herankommt. Der ewige Gottessohn wurde ganz Mensch und in diesem Sinn den Menschen völlig gleich. Er blieb jedoch gleichzeitig wahrer Gott und war in diesem Sinne den Menschen nur "fast-gleich". Paulus gebraucht wohl absichtlich diesen zweideutigen Ausdruck und nicht ισοτης = Identheit (Strong Nr. 2471), um damit auszudrücken, dass Jesus seinem Wesen nach wahrer Gott blieb als er wahrer Mensch wurde! In Vers 6 jedoch, wo es sich um die völlige und wesensmäßige Identität mit Gott handelt, verwendet er das Wort ισος = ident (Strong Nr. 2470). 5 Vgl. Anm. zu Php 1,2. Da Paulus im Vers 10 von Jes 45,23 zitiert, wo sich jedes Knie vor Gott beugen muss, unterstreicht der Titel HERR (κυριος ohne Artikel) hier, die Gottheit Christi. 6 Sich selbst ausleeren, ausgießen, ausschütten, berauben, entäußern. Von Christus, dem präexistenten Sohn Gottes, der bei der Menschwerdung seine Stellung des Gott-gleich-seins aufgab, indem er Mensch wurde, aber ohne, dass er dabei seine Wesensgleichheit mit Gott aufgab. Vgl. auch Jes 53,12 "...seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod". 7 In der Gräz. ist das Wort sehr selten, und dann im aktiven Sinn von der Handlung des Raubens, also die Plünderung, das Rauben dessen, was man noch nicht besitzt. Diese Bedeutung ist hier, wenn auch nicht unmöglich so doch unwahrscheinlich (1,218). Daher kommt eher die passive Bedeutung in Betracht, nämlich das Ergebnis des Raubens (dann synonym mit: απ-αργμα, wie in LXX Hes 22,25 von der Beute eines Löwen). Entweder (1.) etwas das man schon besitzt, wie ein Raubgut festhalten, das man unter allen Umständen und um keinen Preis hergibt, weil es einem so wertvoll ist. Das würde bedeuten: Christus hat die Stellung des Gott-gleich-seins nicht wie ein Raubgut festgehalten, sondern war bereit diese Stellung aufzugeben, als er Mensch wurde, obwohl er wesensmäßig Gott gleich blieb. Oder, sprachlich zwar möglich aber theologisch fragwürdig: etwas das man noch nicht besitzt, wie eine erstrebenswerte Beute an sich reißen wollen. Das würde dann bedeuten: Christus hat die erstrebenswerte Stellung des Gott-gleich-seins nicht wie ein Raubgut an sich reißen wollen, sondern hat sie nach seiner Menschwerdung, seinem Tod und seiner Auferstehung von Gott geschenkt bekommen. Vgl. Php 2,9-11; Röm 1,4 und Lk 4,6.7 (21,III,436f). Gegen diese zweite Bedeutung wäre einzuwenden, dass Christus auch schon vor seiner Menschwerdung die Stellung des Gott-gleich-seins innehatte (Joh 1,1b; 8,58). Vielmehr hat der präexistente Sohn Gottes bei seiner Menschwerdung die Herrlichkeit seiner Gottheit (vgl. Jes 6,3 mit Joh 12,41) aufgegeben, um sie nach seiner Auferstehung und Erhöhung wieder vom Vater zu bekommen (Joh 17,5). 8 D.h. sämtliche im Gegensatz zu nur einem Teil (1,1277). Gemeint sind vielleicht andere, die nicht bereit waren mit dem Brief nach Philippi zu reisen. Falls Paulus von Rom schrieb, war es ja auch eine weite, mühevolle und teure Reise. Nur Timotius nahm diese Mühe auf sich. 9 Die Ermahnung von Php 2,5 und Php 1,27 wird wieder aufgenommen. 10 Diese Bemerkung (wie Phm 1,22) scheint eher auf eine Abfassung des Briefes am Ende seines römischen Hausarrests als auf die ungewisse Länge seiner Gefangenschaft in Cäsarea (Apg 24,27) hinzuweisen. Epaphras war ja damals nach Kol 4,12 bei Paulus in Rom (21,III,445). In der Gefangenschaft in Cäsarea erwartet Paulus seine Überstellung nach Rom und nicht eine Rückkehr nach Philippi (33,929). 11 Aorist des Briefstils. 12 Bei aller theologischen Tiefe über das Geheimnis der Menschwerdung Christi, die uns in den Versen 6-8 offenbart wird, sollten wir nicht vergessen, dass der eigentliche Grund für diese Ausführungen der ist, uns Christus als Vorbild für unser selbstloses Verhalten untereinander vor Augen zu stellen. So wie Christus bereit war, sich um unseretwillen zu erniedrigen, so sollen auch wir bereit sein, dass wir uns um unserer Geschwister willen erniedrigen. 13 Das Wort μορφη bezeichnet die innere und essenzielle Form und die Eigenschaften, durch die eine Person in Erscheinung tritt, jedoch vom Stofflichen unterschieden. Christus existierte schon vor seiner Menschwerdung seit Ewigkeit und hatte das gleiche Wesen und die gleichen Eigenschaften wie Gott der Vater. Nach seiner Menschwerdung wurde er in seiner äußeren Erscheinungsform nur als Mensch wahrgenommen, obwohl seine Göttlichkeit manchmal durchblitzte (am Berg der Verklärung, Totenauferweckungen, usw.). 14 Indem Paulus das Ptz.Präs. υπαρχων benützt und nicht den gewöhnlichen Ind.Impf. von ειμι (Strong Nr. 1511) macht er deutlich, dass er von Jesu präexistentem Zustand spricht, und nicht von seiner Zeit als Sohn Gottes auf Erden. Das macht er auch in Vers 7 deutlich. 15 Man kann dieselbe Gesinnung haben, auch wenn man über manche Dinge verschieden denkt (vgl. Phil 3,15). 16 Es ist bemerkenswert wie ausgewogen sich Paulus ausdrückt. Er sagt nicht: "Ein jeder sehe nicht auf das Eigene, sondern auf das des anderen", sondern er sagt: "..., auch auf das des anderen". Das entspricht dem Gebot Gottes: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst". 17 Es ist bemerkenswert, dass Paulus ihn nicht heilte, obwohl er doch wegen dem Dienst im Werk des Herrn schwer erkrankte. Ähnlich war es bei Timotius (1Tim 5,23) und bei Trophimus (2Tim 4,20). Hatte Paulus zu wenig Glauben? Sicherlich nicht, aber die Vollmacht Zeichen und Wunder zu tun, war zur Bestätigung des Evangeliums in der Anfangszeit gegeben worden (vgl. auch die Anm. bei Mk 16,20). Seitdem bleibt uns das Gebet des Glaubens, dessen Erhörung vom Willen Gottes abhängt, und die Krankensalbung (Jak 5,14ff), die für besondere Fälle vorgesehen ist. 18 Der Artikel bringt zum Ausdruck, dass Paulus an eine bestimmte Demut denkt, nämlich an die, welche der Herr Jesus vorgelebt und die Paulus nachgeahmt hat. Diese empfiehlt er nun auch den Philippern (13,54). 19 Das Trankopfer wurde noch zum Schluss auf das Opfertier gegossen, bevor es verbrannt wurde (Num 15,5.7.10). Es war kein eigenständiges Opfer, sondern wurde immer dem Brand- und Dankopfer zugefügt. Paulus sieht seinen möglichen bevorstehenden Märtyrertod als ein unblutiges, weil nicht sühnendes, Opfer für seinen Herrn, der das eigentliche Brandopfer war (vgl. Apg 9,16). Hier wird die Glaubenshingabe der Philipper als ein Brandopfer für Gott gesehen, auf dass Paulus zur Ergänzung noch durch seinen Tod darauf gegossen wird. Paulus vergleicht sich selbst nie mit dem Schlachtopfer, denn das wahre Schlachtopfer ist der Herr Jesus Christus selbst. 20 Gut möglich ist auch die Übersetzung: "...über (euren eigenen) guten Willen hinaus" (1,1672; 47,z.St.; 70,137f.), wenn wie in Php 1,15 der Wille des Menschen gemeint ist. - Heiligung geschieht an uns zuerst durch Gott selbst (1Thes 5,23), aber in Zusammenarbeit mit uns, durch unseren Gehorsam (Heb 12,14; 2Kor 7,1; 1Pet 1,14-15 ua.). Philipper 3 1 Wahrscheinlich aufgrund der Bekehrung. Damit sind die vorherbeschriebenen jüdischen Vorrechte gemeint, darüber hinaus aber vielleicht auch eine wahrscheinliche Enterbung. 2 Die fünf Aoriste ab "einbüßte" machen klar, dass Paulus von der Vergangenheit spricht, d.h. von dem Zeitpunkt, bevor er sich als Pharisäer zu Christus bekehrte und die Perspektive, die er damals hatte (vgl. sein Bekehrungszeugnis in Apg 23,6 und 26,7). Sonst hätte er das Präsens benützt (21,III,453; 48,968). Dazwischen ist der präsentische Einschub: "... - und halte es für Dreck - ...". 3 vgl. den Gegensatz in V.6! 4 Ein sehr derbes Wort der niederen Umgangssprache! Allg.: der Abfall, Kehricht, Müll oder wertloses Zeug. Der Unrat bzw. die Speisereste die nach einem Banquet übrigbleiben. Speziell: die Extremitäten von Mensch oder Tier: der Mist, der Kot (37,579). 5 In der Gräz. für Bürger mit gleicher Staatsbürgerschaft, die inmitten einer zahlenmäßig überlegenen fremden Bevölkerung leben (52,IV,979). Hier übertr. Von den Gläubigen die als Staatsbürger des Himmels hier auf Erden nur eine Kolonie als Ausländer bilden (1,1376). - Philippi war eine römische Koloniestadt, wo ausgediente römische Soldaten angesiedelt waren, die auch das römische Bürgerrecht hatten. Auch die Gläubiggewordenen hatten wahrscheinlich das begehrte römische Bürgerrecht (Apg 16,21). Diese Bemerkung des Paulus hatte für sie damit eine noch stärkere Bedeutung. Sie erinnerten sich vielleicht noch, an die ungerechte Behandlung die Paulus trotz seines römischen Bürgerrechts in Philippi erlitten hatte (Apg 16,20ff), und wie wertlos es sein kann, auf ein irdisches Bürgerrecht zu vertrauen. 6 Vielleicht denkt Paulus an die beliebten Wagenrennen die in den römischen Koloniestädten wie Philippi stattfanden, wo man sich mit den Pferdezügeln in den Händen weit aus dem Wagen nach vorne hinausstreckte, um schneller zu sein (33,405). Oder er denkt an den Wettlauf der in geraden Bahnen stattfand, wo man den Blick unentwegt auf das Ziel vorne richtete (65,II,426). 7 In Gräz. für diejenigen, die in die Mysterienkulte eingeweiht waren, hier für die reifen Gläubigen (Eph 4,13-14; Kol 1,28; 4,12; 1Kor 2,6). 8 Wenn Paulus von vielen spricht, sind damit wohl nicht die "Judaisten" von Php 3,2 gemeint (obwohl die Parallele in Gal 6,12 dafürsprechen könnte), sondern falsche Gläubige, die die Selbstverleugnung (vgl. Mt 10,38) ablehnten. Eine Beschreibung die auch auf viele sogenannte "Christen" heutzutage zutrifft! 9 Damit sind die religiösen Vorzüge gemeint, auf die die judenchristlichen "Apostel", die die Beschneidung forderten, eine Vorzugsstellung vor Gott begründeten, und die Paulus dann in Php 3,5-6 im Einzelnen aufzählt (59,261). 10 Damit ist entweder der Kampfpreis von Vers 14 gemeint; oder ohne gedachtes Objekt. 11 Der Gedankengang über die Freude wird in Vers 2 abrupt abgebrochen und erst in Php 4,4 wieder aufgenommen. Die Freude des Paulus über die Philipper wird unterbrochen durch seine Sorge über die Verwirrung die die gesetzlichen Juden-Christen aus Jerusalem, in allen Gemeinden, die er gegründet hatte, anrichteten. 12 Dieser Vorgang wird genauer beschrieben in 1Kor 15,49-51; 1Thes 4,13-18; Röm 8,23 und 1Joh 3,2b. Für die Griechen war der Glaube an eine körperliche Auferstehung reinster Aberglaube (65,II,428). 13 Ein sehr beleidigender Ausdruck für die falschen judenchristlichen Lehrer, die die Beschneidung predigten. Hunde galten als schmutzig, unrein und bissig (65,II,423). 14 Eigenlob wurde in der Antike nur toleriert, wenn es der Selbstverteidigung oder dem Vorbild für andere diente (65,II,424). 15 Beides sind kaufmännische Ausdrücke. Da Gewinne im Plural, Einbuße aber im Singular steht, möchte Paulus sagen: alle die Vorzüge die ich davor als Gewinne aufzählte, entpuppten sich am Ende nur als ein einziger großer Verlust, im Hinblick auf die Gerechtigkeit aus Glauben. So ergeht es jedem religiösen Menschen, wenn er sich bekehrt (65,II,425). 16 Völlerei bis zum Erbrechen und darauffolgendes Weiterfressen war in aristokratischen Kreisen weit verbreitet. Dazu gehörte auch in der Folge jede Form von fleischlicher Maßlosigkeit bis hin zur ausschweifenden (Homo)Sexualität. Philipper 4 1 D.h. so wie es in 3,17ff beschrieben ist. 2 D.h. unsere dringlichen Gebetsanliegen. 3 Also keine regelmäßige Unterstützung im Sinne eines monatlichen Gehalts! 4 In den Papyri: Vom Feingefühl, durch das man seine Lippen davor hütet, in der öffentlichen Anbetung etwas zu sagen, dass die Andacht stören oder Anlass zum Anstoß geben könnte (37,267). 5 In Gräz.: nicht mit aller Schärfe auf sein Recht bestehend, nicht auf den Buchstaben des Gesetzes pochend, anderen etw. zubilligend. Von der Gesinnung: anständig, fair, mild, gütig und gelinde; "sich als ein Gentleman erweisend", bereit sein, Zugeständnisse zu machen; wohlwollend und nachsichtig. Besonders von einem Vorgesetzten, der zwar über einem anderen steht, diesem aber den Vortritt lässt bzw. ihm ein Vorrecht einräumt. Diese Eigenschaft sieht man im Leben des Herrn Jesus mehrfach in vollkommener Weise ausgelebt, z.B. wie er als 12-jähriger seinen Eltern nicht widerspricht, obwohl er im Recht war, sondern ihnen untertan ist (Lk 2,51), oder wie er den Jüngern die Füße wäscht, obwohl er der Herr ist (Joh 13,13). 6 Vielleicht hat Paulus bewusst das εστιν (ist) weggelassen, um eine Zweideutigkeit auszudrücken: "Der Herr (ist euch jetzt) nahe", und gleichzeitig: "Der Herr (d.h. sein Kommen ist) nahe" (65,II,429). 7 entw. eine Anspielung auf den Eigennamen "Synzygos", weil er seinem Namen Ehre macht (2,1078; 37,607; 70,216f). Oder er meint Epaphroditus; vgl. Php 2,25 8 Ein buchhalterischer t.t. für das Quittieren einer Rechnung (2,z.St.). Auch die Ausdrücke in Vers 15-17 sind kaufmännische t.t. (65,II,431). 9 Das waren Beamte (Sklaven oder Freigelassene) die in der zivilen Administration des Kaisers (in Rom oder anderswo) arbeiteten. In der Regierungszeit von Claudius und Nero kamen die meisten Hausangestellten im kaiserlichen Palast aus dem Osten des Reiches, z.B. eben auch aus Philippi. Christliche Sklaven hatten nachweislich großen Einfluss auf ihre Herren (21,III,473). Es könnte mit dem Ausdruck aber auch die Prätorianergarde gemeint sein (65,II,432). Jedenfalls verhinderte die Gefangenschaft des Paulus nicht, die Ausbreitung des Evangeliums, - und es brachte Frucht. 10 Zu jeder sagt er: "...ermahne ich", d.h. unparteiisch und jede einzeln und persönlich ansprechend. Das ist wichtig, wenn Streitparteien ermahnt oder zurechtgewiesen werden müssen, denn meistens liegt bei beiden ein Fehler. 11 Was nicht heißen muss, dass sie schon gestorben sind (70,215). 12 Der Ausdruck ist vielleicht eine Anspielung auf die römische Handelsinstitution, die sogenannte societas, deren Mitglieder sich verpflichteten, für die Erfüllung eines bestimmten Zieles ihren gesamten Besitz einzusetzen. Auch im Judentum wurde dieser Begriff für die Verteilung von Almosen verwendet; siehe Apg 2,42 (65,II,330). 13 Das waren für die Philipper nicht irgendwelche Wünsche, sondern materielle Nöte (65,II,431). 14 Das Wort kommt nur hier vor und ist ein religiöser t.t. für die Einweihung in die Geheimnisse der Mysterienreligionen. Paulus könnte es hier als ironische Anspielung auf die Mysterienkulte verwendet haben. 15 Euodia heißt: "Die einen guten Weg macht", Syntyche: "Die Glückliche". Zu Kolossern Kolosser 1 1 w. aus dem Lateinischen: der Kleine, Geringe oder Winzige! 2 Hier im Sinne von Röm 15,19 (siehe Anm. dort) und 2Tim 4,17: das Wort Gottes, das Evangelium, zu den Nationen bis in die entfernten Gegenden zu tragen. Diesen Ausdruck darauf zu beziehen, dass Paulus den ganzen Ratschluss Gottes (das "Wort Gottes") bekannt gemacht hat, ist sehr gesucht. Der Ausdruck "Wort Gottes" wird im NT nur auf das gepredigte Evangelium, und als Titel auf Christus, bezogen. Der ganze Kontext macht klar, dass es um die Verkündigung des Geheimnisses an die Nationen geht, deren Apostel Paulus ja war (67,351). Das Geheimnis ist, dass Juden und Nationen nun ohne Unterschied ein Leib sind (Eph 3,1-9). 3 Das ist schon seit ca. 5 Jahren! 4 Da das Wort hier im übertragenen Sinn (wie in Ex 4,22) gebraucht ist (vgl Strong Nr. 4416) bedeutet es nicht, dass Christus als erstes Wesen geschaffen wurde (11,I,280; 67,321ff). Es ist ein messianischer Titel Christi (Ps 89,27), weil er in allem den Vorrang hat als der "Erste" (d.h. der Vornehmste) unter weiteren Söhnen (Röm 8,29). Er ist der "Erstgeborene", sowohl in der ersten Schöpfung, die durch ihn und für ihn gemacht wurde, als auch in der neuen Schöpfung, da er als Erster aus den Toten auferstand und damit der Anfang dieser neuen Schöpfung wurde (Heb 1,6; Offb 1,5). In Ps 89,28 wird David als Erstgeborener bezeichnet, obwohl er der jüngste Sohn von Isai war, ein Beleg dafür, dass es sich um einen Titel handelt. 5 Ein ingressiver Aorist ("Wohnung zu nehmen"), daher wohl bei seiner Menschwerdung und damit gegen die gnostische "Kenosis"-Theorie, nach der der Logos bei seiner Menschwerdung sich seiner Gottheit entleerte und Jesus damit nur ein vollkommener Mensch gewesen wäre. Das Subjekt ist wohl nicht Gott, sondern die "Fülle" (67,332ff): "..., weil (es Gott) wohlgefiel die ganze Fülle (der Gottheit) in ihm (d.h. in Christus) beständig wohnen zu lassen" (2,z.St.). 6 Paulus sieht seine jetzigen Leiden im Dienst für die Gläubigen, als dass, was für ihn persönlich noch aussteht an den Bedrängnissen (vgl. Apg 9,16), die aber jeder Gläubige in diesem gegenwärtigen Zeitalter für Christus zu ertragen hat. An eine Ergänzung der Leiden Christi am Kreuz zu denken, schließt die Lehre des ganzen NT aus. Außerdem wird das Leiden des Herrn immer mit dem Ausdruck παθος im Singular und nicht mit dem Plural θλιψεως (wie in Vers 24) ausgedrückt (67,345ff). 7 Im physikalisch-chemischen Sinn wie 2Pet 3,5: zusammengesetzt sein (von den einzelnen Teilen zu einem Ganzen); od.: "...das All wird in ihm zusammengehalten und besteht daher"; od.: "...existiert" (1,1577; 13,97). Vielleicht im Gegensatz zur griechischen Stoa Philosophie, wo der Logos der reine Wahrheitsgehalt des Sprechenden war, mit Gott Zeus ident, und Träger der göttlichen Energie durch die die Welt entstand und der die Materie durchströmt (21,I,684ff; 52,III,711ff; 65,II,438). 8 Kolossä war eine Stadt in der Provinz Phrygien in Kleinasien. Sie lag 16 km östlich von Laodizäa, 21 km südöstlich von Hierapolis und ca. 150 km östlich von Ephesus, am Beginn des Passes in die Kadmischen Berge (ein schmales Tal von etwa 19 km Länge) an der Militärstraße vom Euphrat nach Westen. Die Stadt lag am Fluss Lycus, der nur ein wenig westwärts der Stadt in den Mäander fließt. Ursprünglich liefen in ihr die beiden großen Straßen von Sardes und Ephesus zusammen, in neutestamentlicher Zeit war diese Straße jedoch zu der neugegründeten Stadt Laodizäa verlegt worden, was einen wirtschaftlichen Niedergang in Kolossä auslöste. Kolossä war gut zu verteidigen und hatte eine Menge an gutem Frischwasser. Ein furchtbares Erdbeben im Jahr 60 n.Chr. zerstörte einen Großteil der Stadt und leitete ihren Niedergang ein. Der Name Kolossä soll angeblich mit dem Wort "Koloss" verwandt sein, weil es in der Gegend bizarre Kalksteinformationen gibt, die man noch heute bei Pamukkele bewundern kann. 9 Der Ausdruck "Fülle" ist vielleicht ein t.t. der Gnostiker, die damit die unzählbare Fülle der Mediatoren bezeichneten, die angeblich zwischen dem immateriellen Schöpfergott und der geschaffenen Materie existieren. Paulus würde dem dann entgegenstellen, dass die Fülle der Gottheit, in ihrer Gesamtheit als schöpferische Macht, in dem Menschen Jesus Christus wohnte (vgl. 21,III,509; 2,1083; 37,520; 11,407; 33,396; 1,1351,3b). 10 entw.: "Wir danken Gott (V.3), ... wegen der Hoffnung... "; od.: "...von der Liebe, die ihr zu allen Heiligen habt, wegen der Hoffnung...". 11 Dies könnte schon eine erste Anspielung auf die falschen Lehren sein, die sie erst nach ihrer Bekehrung hörten, ebenso auch die Betonung auf die Wahrheit des Evangeliums, in dem jede Art von Erkenntnis enthalten ist (21,III,497.499). 12 od.: "..., mit Freude dankend...". 13 entw.: die Gläubigen die jetzt schon im Licht (d.h. im Himmel) wohnen; od.: das Erbteil das im Licht, d.h. im Himmel und nicht auf der Erde ist. 14 Vgl. 2Kor 3,18; 4,6; Hes 1,28c. Das artikellose Wort εικων (Bild) macht deutlich, dass es sich um die Art und Weise handelt (13,55.57), wie Christus, der menschgewordene Logos, das Wesen des unsichtbaren Gottes (1Tim 6,16) als ein Mensch aus Fleisch und Blut in vollkommener Weise verkörpert hat. Wer ihn gesehen hat, hat deshalb den Vater gesehen, - den eigentlich kein Mensch sehen kann (1Tim 6,16; Joh 5,37b; 6,46). Jesu Charakter widerspiegelt in perfekter Weise Gottes Charakter (Joh 1,18; 14,8-9; 1Joh 1,1). Die gleiche artikellose grammatische Konstruktion findet sich auch in 2Kor 4,4 und Heb 1,3 15 od.: in der Kraft seiner Person (2,1082; 67,320ff). D.h. wohl: er war die Ursache für den Schöpfungsakt (21,III,504), er war der Prototyp an dem sich der ganze Schöpfungsakt orientiert hat, er war Mitschöpfer ("durch ihn") und er war der Zweck, für den alles geschaffen wurde ("für ihn"). Wer nicht für diesen Christus lebt, hat eigentlich seine Daseinsberechtigung verloren! 16 Gemeint sind die verschiedenen Engelklassen ("Elementargeister"), die von den Irrlehrern verehrt wurden (vgl. 21,III,504f); od., weil Plural Neuter: alles; das All (1,1278). 17 Versöhnung zwischen Gott und uns bedeutet, dass Gott seinen gerechten Zorn über die Sünde seinerseits bei Seite lässt, und den Menschen stattdessen in Gnade seine Versöhnung anbietet (vgl. 2Kor 5,18-21). Der Zustand der Feindschaft, der durch die Sünde in die gesamte geschaffene unsichtbare und sichtbare Welt kam, wurde durch die Versöhnungstat am Kreuz für die Gläubigen aufgehoben, für den Rest der Menschen aber einstweilen nur bis zum Gericht aufgeschoben (Röm 3,25.26), damit sie sich in der Zwischenzeit mit Gott versöhnen lassen können. Tun sie das nicht, dann halten sie ihrerseits die Feindschaft gegen Gott aufrecht und Gottes Zorn wird sie im Gericht treffen (Joh 3,36). Die Versöhnungstat am Kreuz ist zugleich auch die Grundlage für die Wiederherstellung der mitgefallenen Schöpfung im tausendjährigen Reich (Röm 8,19-22). Grundlage für die Versöhnung ist die Sühne (Strong Nr. 2434), die durch Christi Opfertod zustande kam, indem er "zur Sünde gemacht wurde" und so einerseits Gottes Gerechtigkeit zufriedenstellte andererseits Gottes beschmutzte Ehre wiederherstellte. Sühne und Versöhnung sind dann die Grundlage für Erlösung (Strong Nr. 629). Die Sünde, die durch Adam in die Schöpfung kam, musste gesühnt sein, bevor Versöhnung eintreten konnte und erst wenn Versöhnung eingetreten ist, kann den Menschen Erlösung angeboten werden. Eine endgültige Versöhnung aller Menschen lehrt Paulus hier keinesfalls, dagegen spricht schon der Plural neuter παντα (vgl. 60,517ff). 18 D.h. durch seinen sühnenden Verbrechertod (Jes 53,12b) am Kreuz, durch den er die Schuld der Welt sühnte, d.h. zudeckte. 19 Vielleicht ein Seitenhieb auf den gnostischen Doketismus, der alles Materielle und Körperliche als nutzlos hinstellte. 20 ει γε und Ind. (fast kausal) drückt aus, dass Paulus davon überzeugt ist, dass sich die Bedingung wirklich erfüllt (21,III,513; 2,1403). Wenn man aber nicht bei dem Glauben bleibt, wird man eben nicht heilig und tadellos vor dem Richterstuhl Christi dastehen (2Kor 5,9.10). Glaube mit Artikel bezieht sich meist, und wie der restliche Vers zeigt auch hier, auf die Glaubenswahrheiten, wie dann auch später in Kol 2,7. Damit ist also nicht ausgesagt, dass man sein Heil verliert, wenn man nicht bei dem Glauben, d.h. den Glaubenswahrheiten, bleibt. 21 Ein t.t. in den Mysterienkulten. Vielleicht möchte Paulus durch den Gebrauch dieses Ausdrucks den Gegensatz zwischen dem wahren Evangelium und den falschen Mysterienreligionen aufzeigen. 22 Wir, im Gegensatz zu den falschen Lehrern? 23 Mit Frucht sind hier sicherlich die Bekehrungen gemeint, die das gepredigte Evangelium bewirkt (vgl. Mk 4,8), wofür auch der Rest des Verses ("gehört und erkannt") spricht. Das Wort Gottes ist ein lebendiger Same. Wenn er in ein vom Heiligen Geist vorbereitetes Herz fällt (z.B. Apg 16,14) und im Glauben aufgenommen wird, bewirkt er Wiedergeburt (1Pet 1,23; Jak 1,18). 24 Epaphras stammte aus Kolossä und war ein Mitarbeiter von Paulus. Wahrscheinlich gründete er die Gemeinden in Kolossä (Kol 2,2), Hierapolis und Laodizäa. Er könnte ident sein mit dem Epaphras in Phm 1,23, nicht jedoch mit dem Epaphras in Php 2,25 (65,II,435; 33,334). 25 Ein zeitloses Präsens (67,319). 26 weil Pl.Neut.: alles Geschaffene; das All (1,1278). 27 Was musste im Himmel versöhnt werden? Der beschmutzte Zustand des Himmels durch den Zutritt Satans und seiner Engel? 28 Das Folgende bezieht sich auf die Zukunft nach unserer Auferstehung; vgl. 2Kor 4,14; Eph 5,27; Jud 1,24. 29 Die Verkündigung des Evangeliums beinhaltet also auch Zurechtweisung ("mit Salz gewürzt"), und nicht nur liebliches reden! Paulus will jeden Menschen erreichen, denn der Missionsbefehl gilt für alle Nationen und für jede Kreatur (Mt 28,19; Mk 16,15). 30 Weisheit bezieht sich auf zurechtweisen und lehren. Auch Zurechtweisung in der Evangeliums-Verkündigung muss in Weisheit geschehen (Kol 4,5). 31 Zuerst wurde es durch Offenbarung nur seinen Aposteln und Propheten geoffenbart (Eph 3,5), dann aber durch die Verkündigung allen Heiligen. 32 Mit diesem Satz beschreibt Paulus die gesamte Tätigkeit des Missionsbefehls (Mt 28,19.20), anfangend von der Bekehrung bis zur Festigung der Bekehrten. 33 Die Sieger in einem Krieg siedelten die besiegten Völker meist in einen ihnen näherliegenden Bereich ihres Reiches um (65,II,436). 34 Fruchtbringen bedeutet, gute Werke zu tun, die Gott im Vorhinein für uns vorbereitet hat (Eph 2,10). 35 Wahrscheinlich ein Dat.causae oder ein Dat.resp., gefolgt von einem Gen.obj.: "...durch/in Bezug auf die immer tiefer werdende Erkenntnis von Gott", von der schon in Vers 9 die Rede war (vgl. auch Eph 1,17). Kolosser 2 1 w.: "nach den Elementen der Welt". Vgl. noch Anm.20 unten. 2 Als jur. t.t.: eine handschriftliche Erklärung, in der jemand bestätigt, dass Geld entweder bei ihm deponiert oder von ihm an jemanden anderen verborgt wurde und zu einer festgesetzten Zeit zurückgegeben werden muss. Bildlich angewendet auf den Schuldbrief, der gegen uns (allg.: Christen oder spez.: Judenchristen?) gerichtet ist, weil wir Gottes Gebote übertreten haben und deswegen in seiner Schuld stehen. Auf ihm sind bildlich alle unsere Sünden verzeichnet (1,1756; 37,687; 65,II,444; 67,380ff). In der damaligen Zeit heftete man bei Verbrechern einen Schuldschein (lat.: titulus) an die Zellentür, auf dem geschrieben war, welches Verbrechen der Insasse begangen hatte. Die Schrift auf einem Papyrusblatt wegzuwaschen, damit das Blatt neu beschrieben werden kann, war damals sehr üblich. Auch die Tafel an dem Kreuz Jesu war ein solcher titulus. In Wirklichkeit hing dort am Kreuz aber unsichtbar unser Schuldschein. Nach jüdischer Ansicht führen die Engel ein Schuldbuch, nach dem Gott im Endgericht urteilt (59,266). 3 Gräz.: der Tanz im Dreierschritt (lat.: triumphare). Als t.t.: einen festlichen Aufmarsch zu Ehren des Gottes Dionysos halten, wobei viele Freudenlieder gesungen wurden. Aber auch der römische Triumphzug könnte gemeint sein, bei dem der siegreiche Feldherr im Gewand des Gottes Jupiter vor seinen Truppen nach Rom einritt. Hinter ihnen zogen die Gefangenen und die ganze Beute. Im freudigen Triumphzug die Besiegten einherführen, und so einen militärischen Siegeszug abhalten. Hier ist der Feldherr Jesus Christus und sein Sieg am Kreuz, ist der Sieg über Satan und seine Dämonen. 4 Betont ans Ende des Satzes gestellt: "...leibhaftig", d.h. in einem Leib, also auch schon während seines Menschseins wohnte die ganze Fülle der Gottheit in Christus, und nicht nur in seiner Präexistenz vor seiner Menschwerdung, oder in seinem Herrlichkeitsleib nach seiner Himmelfahrt, wir die Irrlehre der "Kenosis" behauptet. Jesus der Christus ist Gott in Menschengestalt. Die Irrlehrer behaupteten dagegen, dass die Fülle der Gottheit in den "Elementargeistern" verteilt wohne, und Jesus nur die letzte Stufe dieser Manifestation sei. 5 Zur Verehrung der "Elementargeister" (in ihren Gedanken Engel), wie sie die jüdischen Irrlehrer forderten, gehörte auch die Beachtung verschiedener anderer Vorschriften, z. B. die Einhaltung von Speisegeboten, Festzeiten, Festsabbaten und die Beschneidung (vgl. 21,III,525; 47,z.St.). Die Heiden verspotteten die Juden wegen der Beschneidung, den Speisevorschriften und wegen ihrer Festtage (65,II,445). Die Christen sollten sich daher von allen diesen Riten fernhalten. 6 Vgl. Dtn 10,16; 30,6; Jer 4,4; 9,25 und Hes 44,7.9, wo auch schon im AT von einer geistlichen Beschneidung die Rede ist. 7 Damit sind wahrscheinlich Engelwesen (die "Elementargeister") gemeint, die schon in Kol 1,16; 2,10 und auch in Eph 6,12 erwähnt wurden. Sie büßten ihre Macht durch den Sieg Jesu am Kreuz völlig ein und sollen daher weder verehrt werden, noch soll man sich ihren vermeintlichen Vorschriften (V.16ff) unterwerfen (21,III,529). - Da es sich bei απεκδυσάμενος um ein Ptz.Med. handelt, könnte auch die Bedeutung "entwaffnen" zutreffen: "...sie mussten ihre Waffen niederlegen" (2,1087; 67,388). 8 Zwar ein Sg.Neut., aber constructio ad sensum: d.h. in Christus (2,1086; 67,378). Genauso in Vers 15, daher: Gott in Christus; eher nicht: im Kreuz (2,1087; 44,607). 9 Ein eindrücklicher Vergleich für das alttestamentliche Gesetz und seine Vorschriften: ein Schatten zeigt nur die Umrisse und hat nicht die Substanz des Körpers, der den Schatten wirft. Die alttestamentlichen Opfer, Feste, Reinigungsvorschriften, usw., fanden in Christus ihre Erfüllung und sind daher annulliert. - Auch Platon machte in seinem "Höhlengleichnis" einen Unterschied zwischen den Schatten an der Wand, d.h. den sinnlichen Erfahrungen, und der Substanz, d.h. der realen Welt (65,II,445.447). 10 viell.: "...als er bei der Einweihung in die Mysterienreligionen den Schrein betreten hat". Manche vermuten allerdings der Hss-Text sei verdorben und im Original stand αέρακενεμβατευων (= "...ins luftleere tretend"), statt άεορακενεμβατευων (21,III,532; 67,400). Vgl. die verschiedenen Erklärungsmöglichkeiten (in 2,1087). 11 Bezieht sich grammatisch zwar auf das Geheimnis, da aber in Vers 2 Christus selbst das Geheimnis ist, kann es sich auch auf Christus direkt, als dem letztgenannten Objekt beziehen (21,III,519). 12 Der beste Schutz gegen Verführung ist, sich mit Christus und den Schätzen in ihm (Vers 2-3) zu beschäftigen. 13 Das Ind.Futur steht hier statt dem Konj.Aorist (2,z.St.). 14 Da Glaube mit Artikel steht, sind wahrscheinlich die Glaubenswahrheiten gemeint, die durch die Irrlehrer in Gefahr waren (vgl. Vers 8 und 16). 15 In Gräz. milit. t.t.: die Ordnung beim Marsch und in der Schlacht (52,V,550). 16 Die Erwähnung der Vorhaut im gleichen Satz macht klar, dass er Heiden-Christen meint (67,378.383). 17 od.: "indem seinen eigenen Willen tuend"; od. viell. mod.: "der dies absichtlich tun will" (2,z.St.). 18 Die Athleten kämpften nicht nur für ihren eigenen Sieg, sondern auch für die Ehre ihrer Heimatstadt (65,II,439). 19 Viell. nach einigen Hs.: "die er gar nicht gesehen hat" (aber siehe: 27,623). - Diese jüdischen Mystiker und Engelverehrer gaben sich einen Anschein von Demut und übten sich in strenger Askese mit Fasten und Selbstkasteiung (Vers 21). Aber Proteinmangel und Schlafentzug können Halluzinationen (Visionen) hervorrufen, und dies könnte hier der Fall gewesen sein. Vgl. Jer 23,32; Pred 5,6 (65,II,445; 67,398ff). 20 Ein Gen.obj. oder ein Gen.qual. Vielleicht sind die Gestirne des Himmels, die Himmelskörper gemeint, die auch als Engelwesen und kosmische "Elementargeister" verehrt wurden, oder personifizierte Naturgewalten. Die Verehrung und Anerkennung der "Elementargeister" wurde offenbar von manchen Irrlehrern gefordert. Es ist jedoch unsicher, ob die Bedeutung "Elementargeister" auch schon in neutestamentlicher Zeit vorhanden war (67,369ff; 65,II,442). Vgl. Gal 4,3.9. Möglich wäre auch, dass diese Irrlehrer sich in ihrer Askese von der "religiösen Verehrung" der Engel bestätigt fühlten, welche ja auch nicht essen und trinken. Paulus würde dann in dem ganzen Satz die Aussagen der Irrlehrer ironisch kommentieren (67,397). Die Anbetung von Engeln ist verboten (Offb 19,10; 22,9 ua). 21 Wahrscheinlich ein konzessives Ptz.: "...obwohl tot seiend"; da es aber ein Ptz.Präs. ist, vielleicht auch temporal: "...als tot seiend"; eher unwahrscheinlich kausal: "...weil tot seiend"; od. subst.: "...tot Seiende" (2,z.St.). - Eine starke Aussage über die völlige Verderbtheit des unbekehrten Menschen (vgl. auch Eph 2,1; Röm 3,9-19 ua). Er ist geistlich blind, geistlich tot, und auf sich gestellt hoffnungslos verloren wie das verlorene Schaf oder die verlorene Münze in Lk 15,1-10. 22 "Die Worte des Paulus beziehen sich hier sehr wahrscheinlich auf einen alten Brauch, den schriftlichen Beweis einer Schuld, die bezahlt ist, an einem Platz anzunageln als Erinnerung für alle, dass der Gläubiger keine Ansprüche mehr an den Schuldner zu stellen hat" (48,1006). Kolosser 3 1 Ptz.Präs.Pass.: diese Erneuerung ist ein Prozess, den der Heilige Geist in uns wirkt. Darin besteht die Heiligung. 2 od. Genitiv des Zwecks: "...das die Vollkommenheit schaffende Band"; od. eventuell Gen.qual.: "...das vollkommene Band" (2,z.St.). 3 Toleratives Pass.: "sich unterordnen", wie Vers 19. Vielleicht soll das tolerative Passiv andeuten, dass dies nicht so selbstverständlich im sündigen Wesen der Frau liegt (vgl. Gen 3,16b). Es wird übrigens nicht gesagt, die Frauen sollen den eigenen Männern gehorchen, was in Vers 20 den Kindern und in Vers 22 den Sklaven schon befohlen wird. Sich unterordnen bedeutet, die von Gott zugewiesene Stellung bereitwillig einzunehmen und aus dieser Stellung heraus freiwillig zu gehorchen (1Pet 3,5-6a), vorausgesetzt es widerspricht nicht Gottes Geboten (Apg 5,29), und dem eigenen Gewissen (1Kor 8,12). 4 Gemeint sind natürlich minderjährige Kinder. Auch sie waren also in den Versammlungen anwesend, und zwar nicht nur beim Abendmahl, sondern auch beim Verlesen und Erklären der Briefe. Vgl. Kol 4,16; Esra 10,1b. Kinderstunden, so sinnvoll sie sind, gab es damals offensichtlich noch nicht. Trotz Unterweisung in den Kinderstunden gehört die geistliche Unterweisung unserer Kinder vor allen in die Familie. 5 Das geschieht bei seiner Wiederkunft. 6 D.h. es gibt keine Parteilichkeit bei Gott. 7 od.: "...soll reichlich unter euch wohnen, (indem) in aller Weisheit einander lehrend und zurechtweisend... ". 8 Nicht: "...weil der Herr auch euch verziehen hat", was natürlich auch stimmen würde, sondern: "...in der gleichen Art wie der Herr auch euch verziehen hat" (vgl. Mt 18,15-35; Lk 17,3). 9 Verneinter Imp.Präs. viell.: "Hört auf, einander zu belügen". 10 Sicherlich kein imperativisches Ptz. ("zieht völlig aus/an..."), da in Vers 12 dann für das gleiche Wort der Imperativ verwendet wird. Hier ein kausales Ptz.Aor. der Vorzeitigkeit mit dem Paulus beschreibt, was geistlich durch die Wiedergeburt schon geschehen ist: bei der Bekehrung wurde der alte Mensch ein für alle Mal ausgezogen und der neue Mensch ein für alle Mal angezogen. Mit dem Imp.Aor. in Vers 12 wird dann beschrieben, mit welchen Eigenschaften sich der neue Mensch nun anziehen muss, damit er nicht "nackt" bleibt, und was nun in der Folge zu tun ist. Daher ist auch nur mehr vom Anziehen die Rede (67,422). Vgl. auch die Anm. bei Röm 6,6. - Interessanterweise wurden bei der Taufe der Pharisäer die Täuflinge vor der Taufhandlung nackt ausgezogen und danach mit neuen Kleidern angezogen (65,II,449). 11 In absteigender Reihenfolge: Hurerei entspringt der Unreinheit, diese der Leidenschaft, usw. Es handelt sich zuerst um sexuelle Sünden, während Habgier eine materielle Sünde ist, die aber auch einer bösen Begierde entspringt. Eine ähnliche Reihenfolge findet sich in Gal 5,19 12 Wenn man den anderen ertragen und gnädig verzeihen möchte, muss man vorher die Eigenschaften von Vers 12 angezogen und mit dem Band der Liebe (Vers 14) festgebunden haben. 13 In Bezug auf das in Vers 11 Gesagte. 14 Gen.subj., d.h. Christi Botschaft, seine Lehre (67,427f). Also sollen unser Reden und Singen in der Versammlung vom Wort Gottes durchdrungen sein. Nichtssagende menschliche Gedanken, wie sie in modernen Predigten und Liedern manchmal zu finden sind, haben hier keinen Platz. In Eph 5,18 wird das Erfülltsein mit dem Geist betont. Es ist die Voraussetzung dafür, dass das Wort Christi in und unter uns wohnen kann. 15 Im Urtext gab es keine Satztrennungszeichen. Daher ist zu übersetzen entw.: "...einander lehrend und zurechtweisend. Mit Psalmen...singend..."; od.: "...einander lehrend und zurechtweisend mit Psalmen..., (indem) singend... "; od.: "...einander lehrend und zurechtweisend mit Psalmen.... In der Gnade singend..." (vgl. 48,1016). Siehe auch die Parallelstelle in Eph 5,18-19. 16 Gegen jemanden hart oder scharf, und damit verletzend, reagieren (44,z.St.). Als verneinter iterativer Imp.Präs. und als toleratives Passiv: "lasst euch nicht immer wieder erbittern". Vielleicht soll das tolerative Passiv andeuten, dass sich ein Mann, seinem sündigen Wesen nach, leicht gegen seine Frau erbittern lässt. 17 Die Skythen galten als das grausamste und barbarischste Volk (65,II,449f). 18 Im Vergleich zu den Sünden in Vers 5 und in anderen Lasterkatalogen (z.B. Röm 1,29-32; 1Kor 5,11-13; 6,9-10; ua.) scheinen diese Sünden harmloser. Doch gerade deshalb, müssen die Gläubigen auch diese Dinge in ihrem Verhalten ablegen. 19 Da in den Versen 1-4 der Artikel vor Christus steht, ist der verherrlichte Christus im Himmel gemeint. 20 Der Imp.Aor. bedeutet: dann, wenn eine dieser folgenden Sünden im Leben eines Gläubigen hochkommt, soll er sie augenblicklich abtöten (vgl. Mt 5,29-30; Röm 8,13). 21 Hurerei war damals eine große Versuchung für gläubige Männer (siehe Anm. zu 1Kor 6,18). Sie steht demnach auch an anderen Bibelstellen (z.B. 1Kor 5,9.11; 6,9; Eph 5,3.5; Heb 12,16; 13,4) in Aufzählungen schwerer Sünden an erster Stelle. Kolosser 4 1 Demas ist zwar noch bei Paulus, aber es gibt sonst nichts Lobenswertes über ihn zu sagen, im Gegensatz zu den anderen, die Paulus in Vers 7ff nannte. In 2Tim 4,10 wird er dann Paulus schon verlassen haben. 2 εκκλεσια ohne Artikel bedeutet hier: im Gottesdienst. 3 Der Brief wurde von ihm diktiert, den Gruß aber schrieb er, als Echtheitsmerkmal, mit eigener Hand in seiner Handschrift. Vgl. 2Thes 2,2 4 Med.: den passenden Zeitpunkt oder die passende Gelegenheit für etwas voll ausnützen. D.h. hier: die gelegene Zeit zu nützen, um durch einen guten Lebenswandel die Aufmerksamkeit der Ungläubigen zu gewinnen (Mt 5,16), um ihnen in der Folge Zeugnis geben zu können. Oder viell.: die Zeit zurückkaufen, Zeit gewinnen (37,220). Vgl. LXX: Dan 2,8. "auskaufen" bedeutet, Gelegenheiten zu nützen, und das kostet uns auch etwas. - Die Prediger des Evangeliums müssen aber auch zur ungelegenen Zeit das Wort verkünden (2Tim 4,2). 5 Viele meinen, dass damit der Epheserbrief gemeint ist, der als Rundbrief an verschiedene Gemeinden Kleinasiens geschickt wurde (vgl. die Anm. zu Eph 1,1). Da in Kolossä aber mit den frühgnostischen Irrlehren ein spezielles Problem vorhanden war, schrieb Paulus an die Gemeinde in Kolossä noch zusätzlich einen eigenen Brief. Falls es sich bei dem Brief an die Laodizäer nicht um den Epheserbrief handelt, wäre der "Brief an die Laodizäer" verloren gegangen (64,630). Es ist aber sehr unwahrscheinlich, dass von allen anderen Paulusbriefen viele Kopien und Fragmente erhalten blieben, aber keines von diesem angeblich verlorengegangen Brief. 6 Hierapolis war eine phrygische Stadt in der Provinz Asia, auf der gegenüberliegenden Seite des breiten Lykus Tales, ca. 10 km nördlich von Laodizäa und Kolossä gelegen. Es war eine blühende und wohlhabende Handelsstadt. Zusammen mit Laodizäa war sie bedeutender als Kolossä. In der Mitte der Stadt befinden sich heiße Quellen, die berühmt für ihre heilenden Kräfte waren. Wenn die heißen Wasser über die Terassenkante der Stadt flossen, bildeten sie spektakuläre Kaskaden aus verkrustetem weißem Kalk. Wegen dieses Naturphänomens war die Stadt ein berühmtes und florierendes Zentrum von drei verschiedenen heidnischen Heilkulten, besonders des Kybele-Kults. Der Sage nach befand sich hier auch der Eingang zur Unterwelt. Auch ein Tempel für den Kaiserkult befand sich in der Stadt, doch ebenso eine große jüdische Gemeinde. Der heutige Name der Stadt ist Pamukkale (vgl. 33,483; 52,1129; 47,z.St.; 65,II,453). 7 Salz wurde zum Würzen von Speisen verwendet, zu viel Salz konnte eine Speise aber verderben. Hier bildlich von der gewinnenden und freundlichen Art (= Gnade) der ausgewogenen und weisen Rede zu den Ungläubigen, die aber nicht nur angenehm sein darf, sondern auch die nötige Schärfe, d.h. Ermahnung (= Salz), haben muss. Salz im Essen macht auch durstig, übertragen nach Gottes Wort. In Lk 4,22-28 finden wir ein Beispiel aus der Predigt Jesu. Zuerst "Worte der Gnade", denen alle Beifall spendeten, doch danach ein Wort mit Salz gewürzt, dass Widerstand erregte. 8 Nicht für seine Freilassung bittet er um Gebet, sondern für eine Evangelisationsmöglichkeit. Diese war auch im Hausarrest gegeben (Apg 28,31). 9 Aorist des Briefstils. 10 Bei Nympha dürfte es sich um einen weiblichen Namen handeln. Wahrscheinlich ist eine der Hausgemeinden der Gesamtgemeinde von Laodizäa gemeint, weil die "Brüder in Laodizäa" vorher extra gegrüßt wurden. Dann war Nymphas eine reiche gläubige Frau (wie Lydia?), und wird speziell gegrüßt, weil sich die ganze Gemeinde in ihrem Haus versammelte (65,II,454). 11 Archippus war vielleicht der Sohn von Philemon, jedenfalls ein Lehrer in der Gemeinde und daher begabt, den Kolosserbrief der Gemeinde beim Vorlesen auch auszulegen (65,II,454). Die Gemeinde soll einen ihrer Lehrer ermahnen, seinen Dienst zu tun. Wo passiert heute so etwas, obwohl es manchmal nötig wäre! 12 Da auch der Brief an Philemon aus der gleichen Gefangenschaft geschrieben wurde, könnte es sich in Phm 1,10 um den gleichen Onesimus handeln. Die Gemeinde in Kolossä hat sich wahrscheinlich im Haus von Philemon versammelt (Phm 1,2). Anfang des 2.Jhdts n.Chr. gab es einen Presbyter Onesimus in Ephesus. Ob es sich um die gleiche Person handelt, wissen wir aber nicht (65,II,453). 13 Gebet ist wie ein Ringkampf, aber wir ringen nicht gegen Gott, sondern gegen Widerstände, Unmöglichkeiten, Anfechtungen, Schlaf, usw. Man gibt nicht auf, bevor man nicht gesiegt hat! 14 Die meisten Menschen konnten damals weder lesen noch schreiben. Also musste der Brief vorgelesen und dabei wohl auch von begabten Brüdern ausgelegt werden. 15 Als Beispiel wie Jesus geantwortet hat, siehe: Joh 1,48ff.; 3,3ff.; 4,10ff.; Lk 19,5ff.; ua. Zu Thessalonichern A 1.Thessalonicher 1 1 Gemeinden werden im NT immer nur mit einem geographischen Namen benannt, entweder mit dem Namen der Stadt oder dem Haus, in dem die Versammlungen stattfinden (Röm 16,5; 1Kor 16,19; Kol 4,15). In größeren Städten wie Rom und Jerusalem versammelte sich die Gesamt-Gemeinde aufgrund ihrer Größe in verschiedenen Häusern, sogenannte Hausgemeinden. Eine Gemeinde nach dem Namen eines Menschen oder einer Lehre zu benennen, wie es heutzutage geschieht, verbietet Paulus (1Kor 3,4ff), weil es zu Spaltungen im Leib Christi führt. 2 Das Werk (Sg.) des Glaubens sind wahrscheinlich die Bemühungen (Pl.) der Liebe (vgl aber dagegen: Offb 2,2-4). Hoffnung bewirkt geduldiges-Ausharren (1Kor 13,13). 3 Vgl. Mt 13,20 4 Der Ausdruck "ρυομαι ... εκ" bedeutet eher das Retten, bevor eine drohende Gefahr naht (wie in 2Kor 1,10 Paulus ist ja nicht gestorben; in Offb 3,10 und in 2Pet 2,5-9 Lot wurde hinausgeführt, bevor das Zorngericht über Sodom kam). Im Gegensatz dazu bedeutet σωζω mehr das Herausreißen aus einer Gefahr, in der man sich schon befindet. - Bedeutet dies, dass wir schon vor dem Ausgießen der Zornschalen in Offb 16,1ff entrückt werden (vgl. 1Thes 5,9)? Zum kommenden Zorn vgl. noch: Offb 6,16; 11,18; 14,10; 16,19 15,1.7 Dass hier mit dem kommenden Zorn einfach nur das letzte Gericht gemeint ist (wie in Joh 3,36; 5,24; Röm 5,9), schließt der eschatologische Kontext davor ("...seinen Sohn zu erwarten") eigentlich aus. - Das Ptz.Präs. steht für das Ptz.Fut. und ist zeitlos (44,z.St.). 5 ερχομενης (Ptz.Präs.) bedeutet: schon im Kommen begriffen, denn der kommende Zorn wirf schon seine Vorschatten. Das Fut. μελλουσα hingegen würde bedeuten: erst in Zukunft kommend (71,38), und würde bei der Naherwartung des Paulus den Thessalonichern eine falsche Sicherheit suggerieren. Vgl. im AT den Tag des Zorns in Jes 13,9.13; 30,27 ua. - Das Ptz.Präs. steht hier für das Ptz.Fut. (44,z.St.). Dieser kommende Zorn wird in Offb 16,1ff beschrieben. 6 In diesem ersten Brief den Paulus schrieb, braucht er noch nicht auf seine Autorität als Apostel hinweisen, wie es später nötig war (Gal 1,1; 1Kor 1,1; Röm 1,1 ua.). Er stellt sich mit seinem Mitarbeiter Silas und ihrem gemeinsamen Diener Timotius in eine Reihe. Dennoch kennt er auch keine falsche Demut und nennt sich als erstes. 7 Gemeint ist wahrscheinlich die ewige Erwählung vor der Zeit, die sich durch die Bekehrung geschichtlich bewiesen hat, wie Vers 5a zeigt (71,25). 8 Paulus schreibt noch unter dem Eindruck, den er kurz davor in Athen von den tausenden Götzen hatte (Apg 17,16). 9 Hier geht es nicht um die Verkündigung des Evangeliums durch die Thessalonicher, sondern um die Radikalität ihrer Bekehrung (Vers 9b.10), die sich in der weiteren Umgebung herumgesprochen hat. 1.Thessalonicher 2 1 Perf.: Nach Prüfung als bewährt erfunden worden. 2 Zeitloses Part.Präs. (13,129). Der Ruf soll uns gegenwärtig sein, bis wir im Königreich Gottes mit seiner Herrlichkeit ankommen. 3 od.: konativ: "...indem versuchend uns zu hindern". 4 od. proleptischer Ind.Aor.: "...es wird über sie der Zorn hereinbrechen" (2,z.St.). 5 od.: "Wer anders als ihr?" (2,z.St.). 6 Paulus spielt vielleicht auf Verdächtigungen an, er wolle sich durch die Verkündigung des Evangeliums bereichern, Verdächtigungen, die vonseiten seiner Feinde gegen ihn ausgestreut wurden (vgl. 47,z.St.). 7 Paulus begann seine handwerkliche Arbeit bereits in der Nacht, um die Nachmittage und Abende für die Evangelisation frei zu haben (21,II,361). Er arbeitete in seinem Beruf als Zeltmacher, um der Gemeinde nicht zur Last zu fallen, obwohl er als Apostel ja das Recht gehabt hätte, von ihnen versorgt zu werden. Vgl. Apg 18,3 (47,z.St.). 8 Die Schärfe der Anklage gegen die Juden erklärt sich daraus, dass sie in allen Gemeinden versuchten die Missionsarbeit des Apostels zu stören (vgl. 47,z.St.). 9 Vielleicht ein brieflicher Plural (13,4). 10 Vielleicht dadurch verhindert, dass sich Jason dafür verbürgen musste (vgl. Apg 17,8-9), dass Paulus nicht nach Thessalonich zurückkehren darf (21,IV,30). Der Vorfall war ja erst einige Monate her. Oder er meint eine Verhinderung durch "höhere Gewalt", z.B. durch Krankheit oder Naturereignisse (71,66f). Paulus jedenfalls schreibt die Hinderungsgründe hier dem Satan zu, was er in Röm 15,22 nicht tut. Im Gegensatz zu Apg 16,6-7, wo Paulus eindeutig erkennt, dass ihn der Heilige Geist hindert, erkennt er hier eindeutig, dass ihn Satan hindert. Daher versucht er auch ein zweites Mal nach Thessalonich zu reisen, was in Apg 16,6-7 nicht der Fall war. Gott erlaubte in seiner Souveränität dem Satan, Paulus hier zu hindern, weil er für Paulus eine wichtigere Aufgabe hatte. Er sollte weiter nach Korinth ziehen und dort eine Gemeinde gründen. Nach Thessalonich schickte Paulus indessen den Timotius, den Satan nicht hindern durfte, und der seine Aufgabe erfolgreich erledigte (1Thes 3,2.5-6). 11 Siehe Apg 16,22-23 12 Wohl dadurch, dass sie als Apostel Unterstützung hätten beanspruchen können (vgl. Vers 9). 13 Reiche Römer hatten zwar oft eine Amme für ihre Kinder, hier ist aber wahrscheinlich das Bild der stillenden Mutter gemeint (65,III,12). 14 In seinem seelsorglichen Hirtendienst hat sich der große Apostel Zeit für die Einzelnen genommen. 1.Thessalonicher 3 1 Paulus verzichtete darauf, dass Timotius mit ihm in Athen blieb. Es war ihm wichtiger, dass Timotius nach Thessalonich reist, um die Geschwister zu stärken, und Silas blieb in Beröa, um Nacharbeit zu machen. Beide stießen erst in Korinth wieder zu ihm: vgl. Apg 17,14-16; 18,1.5. Das "uns" ist eventuell ein brieflicher Plural, oder es drückt die Übereinstimmung der drei aus, dass Paulus allein in Athen bleiben soll (71,70). 2 Das könnten nach 1Thes 4,14; 2Thes 1,10; Offb 3,3 und Offb 19,14, die geheiligten, verherrlichten und vollendeten Gläubigen sein, die bei der sichtbaren Wiederkunft Christi dabei sein werden. Doch da er davor zu den Gläubigen gesprochen hat, würde man erwarten: "...in Begleitung von euch allen". Daher könnten auch die Engel gemeint sein, die den Herrn bei seiner Ankunft begleiten (Mt 16,27; 24,31; 25,31; 2Thes 1,7; Sach 14,5?), - allerdings werden die Engel nie Heilige ohne irgendeinen Zusatz genannt (71,82). 3 Eventuell: "...und, dass ihr allezeit ersehnend seid uns zu sehen". 4 Das Prädikat steht im Sg. trotz des pluralischen Subjekts ("...unser Gott und Vater und unser Herr Jesus"), denn das Subjekt wird als Einheit behandelt. 5 Die von den Juden geschürten Feindseligkeiten und Verfolgungen haben offenbar auch nach dem Weggang des Apostels noch angehalten (vgl. 1Thes 2,14). In ihnen erfüllte sich die Vorhersage des Herrn; vgl. Mt 10,17-18; 24,9 (vgl. 47,z.St.). 6 Paulus begann nicht nur seine handwerkliche Arbeit (1Thes 2,9), sondern auch seine Gebetszeit bereits in der Nacht. 7 Ohne Artikel bezieht es sich normalerweise auf Jahwe, hier aber wahrscheinlich auf den erhöhten Sohn Gottes (2,1367). 1.Thessalonicher 4 1 In der Gräz. vom Eintreffen neuer Magistratsbeamter in einer Stadt. Ebenso antike Ausdrucksweise für die offizielle und feierliche Einholung des neuen Herrschers in die Hauptstadt zum Regierungsantritt (11,808). Diese "Einholung" erfolgte durch seine Parteigänger, seine Freunde oder durch die Vornehmen der Stadt. Diese gingen aus der Stadt dem neuen Herrscher entgegen, um ihn dann feierlich in die Stadt zurückzubegleiten (65,III,23). Ob Paulus bewusst dieses Wort wählte, um diesen Sachverhalt auch auf die Entrückung und die anschließende sichtbare Wiederkunft anzuwenden, bleibt offen. Aber selbst, wenn er bewusst diesen Ausdruck wählte, heißt das nicht, dass Entrückung und sichtbare Wiederkunft ein Ereignis sind, welches unmittelbar hintereinander erfolgt. Denn auch zwischen der Begegnung bei der "Einholung" und der Rückkehr in die Stadt lag ein beträchtlicher Zeitraum. Da wir nach 1Thes 1,10 noch vor dem kommenden Zorn errettet werden, und nach 1Thes 5,9 nicht zum Zorn bestimmt sind, könnte man daraus schließen, dass die Entrückung noch vor dem Ausgießen der Zornschalen in Offb 16,1ff geschieht. - Das Wort αρπαζω (= entrückt, entrissen) drückt wie in 1Kor 15,52 die Plötzlichkeit dieses Geschehens aus (71,102). 2 Das hier im Griechischen verwendete Wort für "Gefäß" (σκευος) kann in übertragener Bedeutung sowohl den Körper des Menschen (2Kor 4,7, ua) als auch nach rabbinischer Ausdrucksweise, die Ehefrau bezeichnen (1Pet 3,7). Daher entweder der eigene Körper, dann bedeutet es: seine sexuellen Lüste unter Kontrolle zu halten. Hier aber wahrscheinlich speziell: die eigene Frau (= sein Gefäß) sexuell zu "erobern", und nicht die Frau eines anderen, was besser zum Kontext von Vers 3 und 5-6 passt (71,90ff; 44,618; 71,87). 3 Allg.: Vorschriften oder Gebote übertreten, die Rechte eines anderen verletzen, z.B. indem man mit der Frau eines Bruders Hurerei treibt. (1.) entweder als Erklärung für Vers 3+4: "...das bedeutet, dass sich nicht jemand sexuelle Übergriffe erlaube und seinen Bruder in dieser Sache übervorteile", nämlich indem er sich an dessen Ehefrau vergeht. (2.) oder als zweiter Gen.epexg.: "...das bedeutet weiters, dass nicht jemand seinen Bruder übergehe, und in dem Geschäft (Strong Nr.: 4229) übervorteile" (71,89). Da er aber auch noch im folgenden Vers zur (sexuellen) Reinheit ermahnt, ist die zweite Erklärung weniger wahrscheinlich. 4 Wie der Zusammenhang in 1Thes 4,13-18 zeigt, entsprang die Sorge der Thessalonicher um ihre Toten nicht einem Zweifel an der Auferstehung überhaupt, sondern der Ungewissheit, ob die bereits Verstorbenen ebenfalls am nahe erwarteten Tag des Herrn und seinem anschließenden Königreich teilnehmen würden. Paulus klärt ihre Zweifel, indem er sagt, dass die bereits entschlafenen Gläubigen bei der Entrückung mit neuen Herrlichkeitskörpern auferstehen und mit den lebenden Gläubigen zusammen zum Herrn entrückt werden (1Thes 4,16; 1Kor 15,51-53), um dann zusammen mit dem Herrn Jesus bei seiner sichtbaren Wiederkunft auf die Erde mitzukommen (Kol 3,4; 1Thes 3,13; 4,14; 2Thes 1,10; Offb 19,14). Danach werden sie mit ihm in seinem irdischen Königreich mitregieren; Offb 5,10; 20,4; 1Kor 6,2 (so: 71,98; Didache 16,6f; und die frühen Kirchenväter). 5 Aus diesen Versen spricht die starke Hoffnung und Naherwartung des Paulus und der Gemeinde, die Entrückung noch zu erleben. Vgl. 1Thes 5,1-2; 2Thes 1,1-12; 1Kor 15,5-6 (47,z.St.). Den genauen Zeitpunkt der Entrückung kann man aber aus dem NT nicht festmachen, obwohl manche das versuchen. Bei den Bibelstellen, die dabei genannt werden (z.B. Offb 4,1; 11,12; 16,15), scheint die Entrückung eher hineingelesen als herausgelesen zu sein. Fest steht, dass wir nicht zum Zorn bestimmt sind (1Thes 1,10; 5,9), was bedeuten könnte, dass die Gemeinde noch vor den Posaunengerichten (Offb 8,6ff.), jedenfalls aber vor dem Ausgießen der Zornschalen in Offb 16,1ff., entrückt wird. Der Grundtenor des NT im Hinblick auf die Wiederkunft des Herrn ist jedenfalls, dass wir ihn sehnlichst und bald erwarten sollen (Offb 22,20b ua.), gleichzeitig aber auch die Zeichen der Endzeit beobachten und wachsam bleiben sollen (1Thes 5,1ff; Mt 24,4ff ua.). Dies scheint zwar ein Widerspruch für unsere Logik zu sein, aber es sollte uns nicht beunruhigen, wenn göttliche Wahrheiten für uns menschlich nicht logisch erscheinen. Diese Spannung finden wir auch bei anderen Wahrheiten des NT, z.B. der ewigen Sicherheit unserer Errettung (Joh 10,27-30; Heb 5,9; 10,1.14 ua.) und der Aufforderung zur Heiligung, ohne die niemand den Herrn schauen wird (Heb 12,14 ua.). Oder bei der ewigen Erwählung der Gläubigen (Joh 6,37.39.43.45.65; 10,27; 2Thes 2,13-14; 2Tim 1,9 ua.) und der Verantwortung dem Evangelium zu gehorchen und zu glauben (Joh 3,18 ua.). Es ist wie bei dem Axiom in der Mathematik welches besagt, dass sich zwei Parallelen in der Unendlichkeit schneiden, was unserem Verstand zwar unmöglich erscheint, was aber dennoch stimmt. 6 entw.: "...ebenso wird auch Gott die Entschlafenen, durch Jesus mit ihm mitführen" (71,98); viell. aber: "...ebenso wird auch Gott, die durch Jesus (d.h. im Glauben an ihn) Entschlafenen, mit ihm mitführen" (21,IV,36; 2,1101). - Wenn Christus sichtbar auf die Erde wiederkommt, werden die zuvor auferweckten, verherrlichten und entrückten Gläubigen ihn begleiten (1Kor 15,51-52; 1Thes 3,13; 2Thes 1,10; Kol 3,4; Offb 17,14; 19,14). Schon die Didache (16,6-7) und die meisten von den ältesten Kirchenvätern glaubten an eine erste Auferstehung, dazwischen das Tausendjährige Reich und dann erst die zweite Auferstehung (71,98). 7 entw. modal, als begleitender Umstand: mit... (2,z.St.); od. örtlich: bei...; od. kausal: mittels...; 8 Vgl. die Anm. bei 1Kor 15,52 9 Damit könnten entweder die alttestamentlichen Schriftstellen Ps 49,16 und Ps 73,24 gemeint sein, in denen Paulus die ihm geoffenbarte Wahrheit von der Entrückung schon schattenhaft angedeutet sieht, wofür die Bezeichnung HERR (= Jahwe) sprechen würde. Oder vielleicht das Wort Jesu in Joh 14,3 (2,1101; 71,98). Oder Paulus hatte eine spezielle Offenbarung über diese Sache (F. Godet), jedenfalls was die Details betrifft. Vgl. auch 1Kor 15,51a 10 Mit den "Toten in Christus" sind sicherlich nur die Gläubigen der Gemeinde gemeint. Ob die Gläubigen der alttestamentlichen Zeit zu diesem Zeitpunkt auch mit auferstehen, oder eher erst zu Beginn des tausendjährigen Reichs, ist umstritten (vgl. Dan 12,2.13; Jes 26,19; Offb 20,5a; Heb 11,39-40). Jedenfalls werden sie im tausendjährigen Reich als Auferstandene auf dieser Erde leben (Mt 8,11). Zur Auferstehung zum Leben vgl. auch noch die Anm. bei Joh 5,29 11 Bei Gläubigen soll auch die Sexualität innerhalb der Ehe anders ausgeübt werden als bei Ungläubigen. Sie dient dazu seine Frau zu erfreuen und sich selbst an seiner Frau zu erfreuen (Dtn 24,5; Spr 5,18). Für die damals und heute verbreitete Perversität ist auch in der Ehe kein Platz. 12 Diese Ermahnung war in der damaligen Gesellschaft nötig, denn nach griechischem und römischen Recht war Geschlechtsverkehr mit Prostituierten erlaubt, und vorehelicher Geschlechtsverkehr war für Männer nur mit Angehörigen der Oberschicht verboten. Nur im Judentum war Geschlechtsverkehr ausschließlich in der Ehe erlaubt, also auch nicht in der Verlobungszeit (65,III,18). Von Tempelprostitution ist in griechischen Texten die Rede. Herodot (Herodot; Historien 1,199) berichtet, dass eine Babylonierin der Perserzeit sich einmal im Leben zu Ehren der Mylitta einem Fremden gegen Geld hingeben musste. Nach Strabon, Athenaios und Pindar gab es in Griechenland Prostitution von Tempelsklavinnen im Tempel der Aphrodite in Korinth. Strabon, Ovid und Diodor beschreiben Hierodulen im Kult der Aphrodite von Eryx auf Sizilien, der Ausstrahlung bis nach Rom gehabt haben soll (Tempelprostitution - Wikipedia). Demnach war besonders in Korinth die Gefahr zur Prostitution, für die Gläubigen, besonders für Neubekehrte, eine große Gefahr. Der Umgang mit Prostituierten war für männliche Athener unproblematisch. Dennoch verlangte die Sitte, dass Männer mit Prostituierten nicht unter dem Dach verkehrten, wo sich die Ehefrau, Mutter oder Schwester aufhielt oder gar lebte. Aus Quellen ist belegt, dass beleidigte Frauen die Scheidung einreichten mit der Begründung, ihr Mann habe nicht genügend Diskretion walten lassen. Für Männer gab es selten eine andere Gelegenheit, sexuelle Erfahrungen zu sammeln, da sie im Allgemeinen nicht vor dem dreißigsten Lebensjahr heirateten und sexuelle Beziehungen mit freien Bürgerinnen nicht nur verpönt und entsprechend selten waren, sondern auch beide Partner in Lebensgefahr bringen konnten. Ein Vormund, der das in seiner Obhut befindliche Mädchen mit einem Eindringling erwischte, durfte diesen töten. So hatten junge Athener kaum Kontakt zu Frauen, mit denen sie nicht verwandt waren. Hinzu kam, dass es in Athen allem Anschein nach weniger Frauen als Männer gab, so dass viele Männer gar nicht heiraten konnten. Problematisch war für viele junge Männer, dass die Prostituierten, die als gewinnsüchtig galten, bezahlt werden mussten. Es kam wohl nicht selten vor, dass junge Männer ihr Erbe mit Prostituierten, eher aber wohl mit luxusverwöhnten Hetären durchbrachten. Die meisten Hinweise auf Prostitution in der antiken Geschichte Griechenlands stammen aus Athen. Dort waren nachweislich vor allem im Hafen Piräus, im Vorort Skiron und in Kerameikos verschiedene Formen der Prostitution anzutreffen. Es gab sowohl die Straßenprostitution als auch jene in diversen Bordellen. Ihr Besuch war sehr billig und stand allen Männern, selbst Sklaven, frei. Moralische Bedenken gab es nicht, höchstens konnten allzu häufige Besuche einen Mann zum Gespött für die Öffentlichkeit werden lassen. Athen war auf dem griechischen Festland auch dahingehend etwas Besonderes, weil es in der Stadt stadteigene Bordelle gab, in denen staatseigene Sklavinnen arbeiteten. Eine Sonderform athenischer Prostituierter waren die Flötenmädchen (αὐλέτιδες). Es gab sie seit dem Ende des 6.Jhdt. v.Chr., möglicherweise schon früher. Ihren Namen hatten sie von dem Instrument, das sie spielten, dem αὐλoς. Beim Symposion unterhielten sie zunächst die Gäste mit ihrer Musik, danach mit sexuellen Gefälligkeiten. Allerdings waren diese Flötenmädchen keine der angesehenen Hetären. Sie waren normale Prostituierte, die im Allgemeinen im Hafen von Piräus ihre Kunden suchten. Obwohl es sogar Schulen für Flötenmädchen gab, gehörten sie zu den niedersten Prostituierten der Stadt. Seit dem 4.Jhdt. v.Chr. wurde die Bezeichnung αὐλέτιδες schon fast zum Synonym für "billige Prostituierte". Der Höchstpreis, den sie verlangen konnten, war gesetzlich geregelt und betrug zwei Drachmen. Es ist überliefert, dass Männer, die mehr als die erlaubten zwei Drachmen zahlten, angezeigt und verurteilt worden sind. Häufig gab es bei Symposien zwischen Männern Kämpfe um bestimmte Flötenmädchen, wie aus der Literatur bekannt ist. Im Allgemeinen einigte man sich jedoch durch einen Losentscheid, wenn mehrere Männer Anspruch auf ein Mädchen erhoben. Das Mädchen selbst hatte kein Mitspracherecht. So verwundert es nicht, dass der Dichter Anakreon solche Prostituierte als "öffentlichen Durchgang" oder gar als "Zisterne" (zur Aufnahme von Körperflüssigkeiten) bezeichnete. Die Lebensumstände im Bordell wurden offenbar als schlimmer empfunden als ein Leben auf der Straße. Aus der Rede des Antiphon von Rhamnus ist bekannt, dass die Sklavenkonkubine des Philenos ihren Herrn vergiftete, als sie erfuhr, dass er ihrer überdrüssig war, und sie nun fürchten musste, in ein Bordell abgeschoben zu werden. Größere Bordelle hießen πορνέα. Bekannt ist in Athen das sogenannte "Gebäude Z." mit 15 kleinen Räumen, das lange Zeit als Bordell und Herberge diente. In ihm wurden sowohl Gegenstände aus dem Besitz der dort arbeitenden Frauen als auch Geschirr für Symposien gefunden. Der Dirnenlohn wurde vor dem Intimverkehr ausgehandelt. Es gibt auch Berichte, wonach ein Eintritt gezahlt werden musste und sich der Kunde dann nach freier Wahl bedienen konnte. Nicht zuletzt der profane Umgang mit Geld unterschied die normalen Prostituierten von den begehrten Lustknaben und den Hetären, von denen man sich mehr erwartete als nur eine schnelle sexuelle Handlung. Das Geld bekam im Allgemeinen der Besitzer des Bordells, der πορνο-βοσκός genannt wurde (Prostitution in der Antike - Wikipedia). 13 Nach römischen Recht stand auf Ehebruch die Verbannung, er blieb aber meist unbestraft. Wenn ein Mann erfuhr, dass seine Frau Ehebruch begangen hatte, musste er sich scheiden lassen, da er ansonst wegen Kuppelei (lenocinium) angeklagt wurde (65,III,20). Nach alttestamentlichem Recht stand auf Ehebruch die Todesstrafe, die aber zu dieser Zeit nicht ausgeführt werden durfte. Doch der Herr ist sein eigener Rächer (Dtn 22,22; Heb 13,4). 14 Vgl. die gleiche Begründung gegen die Hurerei in 1Kor 6,18-19 15 Wie wichtig war daher das praktische Vorbild des Paulus in dieser Sache (vgl. 1Thes 2,9; Apg 20,33-35). 16 Unreinheit (z.B. Pornografie, Masturbation, Petting, ua.) ist im Vergleich zu Hurerei die schwächere Sünde, aber anhaltende Praktizierung von Unreinheit kann irgendwann zur Hurerei führen und endet schließlich in sexueller Ausschweifung (siehe die Reihenfolge in 2Kor 12,21). Im Zusammenhang mit Vers 4 sollten sich Christen fragen, ob nicht diverse sexuelle Praktiken (z.B. Oral- und Analverkehr) auch innerhalb einer Ehe unter den Begriff Unreinheit fallen und damit nicht dem Maßstab von Heiligung entsprechen, den Gott hat. 17 Inf.Präs.: sich immer wieder etw. erwerben bzw. erobern, entweder seine eigene Frau oder die Kontrolle über den eigenen Körper. Beide Bedeutungen auch in Gräz. (21,IV,34; 44,618). Das Wort bedeutet aber nur im Perfekt: besitzen! 1.Thessalonicher 5 1 Dan 2,21; Apg 1,7. Das Wort χρονων bedeutet im Plural: aufeinanderfolgende Zeiträume, also die Heilszeit-Epochen, z.B. die Zeiten der Nationen (Lk 21,24), die Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge (Apg 3,21), usw. Mit καιρων sind wahrscheinlich die Schnittpunkte dieser Heilszeitepochen gemeint, z.B. in Gal 4,4 das Kommen Jesu als der Schnittpunkt, wo der alte Bund vom neuen Bund abgelöst wird, sowie seine Wiederkunft als der Übergang vom gegenwärtigen Zeitalter zum kommenden Zeitalter des tausendjährigen Reiches, usw. Vgl. auch Anm. bei Apg 1,7 2 Vom Kontext in Vers 4-8 her gesehen, vielleicht vom ungeistlichen Zustand der Gläubigen (vgl. Mk 13,36; Röm 13,11 ua). Möglich auch im übertragenen Sinn wie in Röm 14,8: "wachen" = leben, und "schlafen" = gestorben sein (vgl. 2,1102; 47,z.St.; 65,III,26; 71,110), obwohl ein so schneller Bedeutungswechsel des Begriffs schlafen im Kontext eigenartig wäre. Das Ausdruck danach, "zusammen mit ihm lebe " im Sinne von auferstehen, würde aber dafürsprechen. 3 Akt.: über jmdn. gesetzt sein, an die Spitze treten, um zu leiten, zu lenken und zu verwalten. Nicht notwendigerweise ein t.t. für ein offizielles Amt, z.B. für Älteste (37,541). Da Paulus nur drei Sabbate in Thessalonich war (Apg 17,2) und den Brief schon einige Monate nach seiner überstürzten Abreise schrieb, ist es auszuschließen, dass es in der Gemeinde schon eingesetzte Älteste gab, denn dies wäre gegen sein Prinzip gewesen keinen Neubekehrten zum Ältesten einzusetzen (vgl. 1Tim 3,6). Darum auch seine Bitte, die führenden Brüder anzuerkennen, auch wenn sie noch keine Ältesten waren. Wenn es Älteste gewesen wären, würde er wohl nicht darum bitten sie anzuerkennen, sondern gebieten ihnen zu gehorchen (vgl. 1Pet 5,5). 4 od. wie in Papyri: lässig und träge sein (1,239). In Gräz.: ein ungeregeltes Leben führen, nicht zur Arbeit kommen bzw. nicht auf seinem Posten stehen. Von Soldaten, die gegen die militärische Disziplin verstoßen, z.B. nicht in "Reih und Glied" stehen, oder sich dem Kriegsdienst entziehen. 5 Die meisten konnten damals nicht lesen, daher musste jemand der des Lesens kundig war, den Brief vorlesen. Was für eine Ermahnung in Bezug auf die dunkle Zeit des Mittelalters, als es den Laien verboten war die Bibel zu lesen, und sie diese in der Kirche auch nur auf Latein vorgelesen bekamen. Aber auch heute gilt uns diese Ermahnung, unsere Predigt auf die Schrift zu gründen. Die moderne Art des Predigens, wo man predigt, ohne den Predigttext vorher aus der Schrift vorgelesen zu haben, oder gar die Predigt mit einer coolen Story einzuleiten, ist eine Untugend. 6 In frühester Zeit wurde zwar schon festgelegt, dass Männer nur Männer mit dem Bruderkuss küssen (21,V,80), ob Paulus das auch so gemeint hat, lässt sich aber nicht beweisen. 7 Mit dem Zorn ist hier wohl nicht der Zorn Gottes über die Sünde gemeint, oder der Zorn im Gericht vor dem großen weißen Thron. Es wäre unnötig dies den Thessalonichern extra zu sagen. Da der Hinweis auf den Zorn vor der Errettung genannt wird, mit der Errettung aber die zukünftige und endgültige Errettung aus diesem Leib des Todes gemeint sein muss, zeigt der größere Textzusammenhang von 1Thes 4,13 - 5,8, dass uns die Entrückung vor dem kommenden Zorn Gottes bewahren wird. Daraus könnte man ableiten, dass die Gemeinde noch vor der Ausgießung der Zornschalen (Offb 16,1ff) entrückt wird. Vgl. ebenso 1Thes 1,10 (vgl. Anm. dort), wo es auch um die Wiederkunft Christi geht. 8 Zur Unterscheidung von Geist, Seele und Körper siehe die Anm. bei 1Kor 15,45. Da wir bei der Entrückung einen neuen Körper bekommen, werden sich unser Geist, unsere Seele und unser Körper in einem vollkommenen Zustand befinden (71,121). Entw.: " (indem/damit ihr) untadelig (seid) bei der Ankunft..."; od.: "er möge euch vollständig heiligen ... bis zu der Ankunft". 9 Der Wechsel von "sie" auf "ihr" ist bezeichnend. Mit "sie" sind die Ungläubigen (speziell die Juden?) gemeint, mit "ihr" die Gläubigen der Gemeinde. 10 Gen.obj.: die Hoffnung auf die zukünftige und endgültige Errettung, um diese dann in Besitz zu nehmen (2,z.St.). Zu Thessalonichern B 2.Thessalonicher 1 1 Nur ein Artikel für Gott und HERR Jesus Christus. Hier ist wieder eine der Stellen, wo die die Gottheit Christi deutlich herausgestrichen wird. vgl. auch noch: Joh 1,1.18; 8,58; 10,30-39; 20,28; Röm 9,5; Kol 2,9; Tit 1,3; 2,10.13; 2Pet 1,1 ua. 2 Eine Anspielung auf Ps 96,13 (LXX). Dort ist aber Jahwe gemeint, Paulus wendet es hier auf den Herrn Jesus an. - Die Heiligen hier, sind die schon zuvor entrückt wordenen Gläubigen (71,132), die nun in Herrlichkeitsleibern (1Kor 15,51-53) zusammen mit Christus auf die Erde kommen (1Thes 4,14b; Kol 3,4), um zusammen mit ihm für tausend Jahre über die Erde zu regieren werden (Ps 96,13b ["richten" = regieren]; 1Kor 6,2a; Offb 5,10; 20,4; 22,5). Alle werden dann die Herrlichkeit bestaunen, die Gott in ihnen bewirkt hat. Aber bis dahin ist ihre Herrlichkeit noch verborgen mit dem Christus in Gott (Kol 3,3). 3 Da vor beiden Gruppen ein Artikel steht, sind es zwei verschiedene Gruppen von Menschen, nämlich die in Röm 1,28 Gemeinten, und die in Joh 3,36b Gemeinten, welche nicht Buße tun wollen. 4 Der Verlust von allem, was der Existenz ihren Wert gibt, nicht aber die Auflösung des Verdammten, denn dies wäre besser mit Strong Nr. 359, 2647, 3080 oder 3075 wiedergegeben worden (71,131). Nach Jesu Aussage in Mt 25,46 wird dieses ewige Verderben in einer ewigen Pein bestehen, was eine Vernichtung ausschließt, denn dann wäre die Pein nicht ewig. 5 Denn wir müssen durch viele Trübsale ins Reich Gottes hineingehen (Apg 14,22; 1Thes 3,3b). 6 Dass unsere Erleichterung bei der Entrückung, und die sichtbare Wiederkunft Jesu hier zusammen genannt sind ist kein Beweis dafür, dass die Entrückung und die sichtbare Wiederkunft Jesu als ein Ereignis unmittelbar hintereinander stattfinden, denn die Gläubigen werden erst bei der sichtbaren Wiederkunft Christi vor der Welt offenbar werden. 2.Thessalonicher 2 1 Mit dieser Zusammenführung zu ihm hin ist die Entrückung gemeint. Der Bräutigam Christus holt seine Braut die Gemeinde zu sich, denn sie gehören zusammen (1Thes 4,15ff). Das bedeutet aber nicht, dass alles, was danach ab Vers 3-12 beschrieben wird, noch vor der Entrückung geschehen muss, sondern diese Dinge geschehen vor der sichtbaren Wiederkunft Christi (Vers 8). Paulus hat ihnen das bei seinem vorigen Besuch bereits deutlich erklärt (Vers 5). 2 Wahrscheinlich ist damit eine falsche Weissagung gemeint (vgl. 1Thes 5,21). 3 Als t.t. der Opfersprache sind die απ-αρχης die ersten reifen Früchte der Ernte, die Gott geweiht und ihm dargebracht wurden; vgl. Ex 22,28; Nu 15,18-21 (2,1107; 44,624). Hier wohl, von den zuerst Bekehrten in einer Gegend oder Stadt, denn Thessalonich war die erste Stadt in Europa, wo Paulus in einer Synagoge zu Juden predigte, und eine Gemeinde gründete. Davor, in Philippi, dürften nur Heiden gläubig geworden sein, denn es war ja eine römische Kolonie-Stadt. Die Erwählung ist hier wohl nicht die Auserwählung der Gläubigen in der Ewigkeit, sondern die Erwählung für einen bestimmten Zweck, nämlich unter den Juden die Erstlingsfrucht in Europa zu sein (71,153). - Manche aber wollen das ΑΠΑΡΧΕΣ in den Codices, getrennt als ΑΠ ΑΡΧΕΣ (απ αρχης = "von Anfang an") lesen. Vgl. dazu die Argumente pro und contra (27,636). 4 Dass Paulus einen wirklich gefälschten Brief meint, ist in dieser frühen Periode unwahrscheinlich. Eher spricht er von einem angeblich von ihm geschriebenen Brief, oder vielleicht von einer falschen Interpretation von 1Thes 5,2-3 in seinem ersten Brief. In jedem Fall wird so die Betonung der eigenhändigen Unterschrift als Echtheitszeichen seiner Briefe in 2Thes 3,17 verständlich (vgl. 47,z.St.). - Die Bestürzung der Thessalonicher dürfte daher gekommen sein, dass ihnen gesagt wurde, dass die Verfolgungen und Drangsale schon die Zorn-Gerichte sind, die kurz vor der Wiederkunft Christi (dem Tag des Herrn) geschehen werden, während Paulus ihnen in 1Thes 1,10; 5,9 doch versichert hatte, sie würden nicht unter den Zorn Gottes kommen, und sie in 1Thes 4,13-18 ermuntert hatte, sie sollen als nächstes die Entrückung erwarten. Dass sie dachten, die Entrückung sei schon geschehen, und sie als ganze Gemeinde samt Paulus wären zurückgeblieben, ist absurd und bedarf keiner Widerlegung. 5 Damit könnte die staatliche Ordnung des römischen Reiches gemeint sein ("das, was ist"), die damals in der Person des Kaisers personifiziert war ("damit er"). Die staatliche Obrigkeit konnte, und kann auch heute, den völligen Ausbruch der Bosheit, Gesetzlosigkeit und Anarchie noch zurückhalten. Auch die frühen Kirchenväter Irenäus, Hippolyt, Tertullian, ua. vertraten diese Auslegung. Dies würde die verhüllende Ausdrucksweise erklären, während er, als er bei ihnen war, offen darüber sprechen konnte und sie wussten, was er meinte (Vers 5-6). Paulus musste sich in einem öffentlichen Brief vorsichtig ausdrücken, da Kaiser Nero die Christen bereits im Visier hatte. Aber es gibt auch andere sinnvolle Erklärungen (vgl. 48,1070; 65,III,36). Wenn jedoch Paulus die Gemeinde und den in ihr wohnenden Heiligen Geist gemeint hätte, hätte er sich doch klarer ausdrücken können, und er hätte für den Heiligen Geist nicht den abwertenden und gewaltsamen Begriff "bis der Aufhaltende beseitigt wird" benützt (vgl. Dan 7,24c; 71,146 [Fußnote 3]). Außerdem ist das griechische Wort für Gemeinde feminin, es müsste also heißen: "...die welche zurückhält"). 6 Damit ist die sichtbare Wiederkunft Christi, und die vorausgehenden Zorngerichte gemeint. Die Juden nannten sie die Geburtswehen des Messias. Auch Jesus selbst greift das Bild von den Wehen auf (Mt 24,8). 7 Einen Vorgeschmack darauf lieferte schon Antiochius Epiphanes IV. (vgl. Dan 11,20-32), der sein Standbild im Jerusalemer Heiligtum aufstellen ließ und damit die Makkabäerkriege auslöste. Doch Daniel 11,36ff. kann sich nicht auf ihn beziehen, denn vieles davon trifft auf Antiochius nicht zu. Mit dem "König" ist bei Daniel der Antichrist gemeint (97,384). - Es war auch noch nicht lange her, da wollte Kaiser Caligula im Winter 39/40 n.Chr., sein kolossales Standbild im Jerusalemer Tempel aufrichten lassen, was aber Petronius, der römische Legat der Provinz Syro-Zilizien, nach vehementem jüdischem Protest noch hinauszögern konnte. Nach der Einnahme Jerusalems 70 n.Chr. schändeten die römischen Soldaten die Stätte des zerstörten Tempels, indem sie den Insignien Kaiser Vespasians huldigten (65,III,35). Dies waren alles Vorboten auf den zukünftigen Diktator des wiedererstehenden römischen Reiches, dessen sprechendes (holographisches?) Bild vom zweiten Tier aus der Erde (= dem jüdischen "Anti-Christen"), im dann wiedererbauten 3.Tempel (?) in Jerusalem aufgerichtet werden wird; vgl. Offb 13,11-17 (vgl. 21,IV,48). 8 Es gibt acht Geheimnisse Gottes, die im AT noch verborgen waren und im NT geoffenbart werden. Vgl. die Anm. bei 1Kor 2,7 9 Von der Lüge stammend, von ihr durchdrungen und zu ihr führend (71,149). Wahrscheinlich Gen.qualitatis durch hebr. Einfluss: "...und lügnerischen und trügerischen Zeichen und Wundern" (2,1106; 13,14). Das würde bedeuten, dass viele dieser Zeichen nur vorgetäuscht sind, und gar keine echten Wunder sind. Diese Zeichen und Wunder tut er allerdings nicht selbst, es ist das "Tier aus der Erde", der falsche Messias und Antichrist, der diese Wunder vor ihm und für ihn tut (Offb 13,13). Er tut sie, um die triumphale Offenbarung des "Tieres aus dem Meer" einzuleiten und zu unterstützen. Vgl. auch Mt 24,24 10 Jes 11,4; Ps 110,6b; Dan 11,36ff. Offenbar ist mit dieser Person das Tier aus dem Meer (vgl. Offb 13,1-10; 17,3b.7b und die Anmerkungen dort), also der zukünftige Diktator des wiedererstehenden römischen Reiches, und nicht das zweite Tier, der jüdische Anti-Christ gemeint (71,141), obwohl die Beschreibung auf beide passt. 11 Der bestimmte Artikel deutet darauf hin, dass es sich um den schon von Jesus in Mt 24,11 vorausgesagten Abfall handelt, von dem ihnen Paulus schon gesagt hatte (44,623; 71,140). Dieser Abfall ist nicht der allgemeine moralische Verfall der Menschheit, der schon immer da war, sondern der Abfall innerhalb der Christenheit, beginnend mit einer Abkehr von biblischen und moralischen Wahrheiten. Dieser Abfall hat schon zu Lebzeiten der Apostel begonnen (vgl. 2.Petrusbrief, Judasbrief, Sendschreiben), und hat in den Zeiten danach (1Tim 4,1) bis heute noch wehenartig zugenommen. Sein Resultat unmittelbar vor der Wiederkunft Christi wird z.B. in 2Tim 3,1-5 beschrieben. Heute sehen wir diesen Abfall erschreckend zunehmen. Die Zahl der Gemeinden und der Gläubigen, die noch treu zum Wort Gottes stehen, wird immer weniger. - Dass mit dem Wort "Abfall" (απο-στασια, das von αφ-ιστημι = "sich entfernen" abgeleitet ist) die Entrückung der Gemeinde gemeint ist, ist eine absurde Auslegung. 12 Damit sind also solche gemeint, die das Evangelium zwar hörten, es aber nicht so annahmen, dass sie wiedergeboren wurden (71,150). Das schließt die moderne evangelikale Ansicht aus, wonach Menschen, die das Evangelium ablehnten, sich nach der Entrückung in der Drangsalszeit noch bekehren können. Ganz im Gegenteil, Gott wird gerade diesen Namens-Christen das Gericht schicken, weil sie den falschen Zeichen und Wundern glaubten (Vers 11). - Die Aussage des Apostels schließt auch aus, dass Menschen verloren gehen, weil sie dazu vorherbestimmt sind. Sie gehen verloren, weil sie nicht glauben wollen. 13 Auch Judas wird so genannt (Joh 17,12), also ein Mensch vom Satan gesteuert (Joh 13,2.27). Genau das wird auch vom ersten Tier in Offb 13,2b gesagt. 14 Gemeint ist die Offenbarung des Menschen der Gesetzlosigkeit (2,1106; 47,z.St.). 15 Das Relativpronomen im Neut.Sg. bezieht sich wahrscheinlich nur auf den direkt zuvor genannten Glauben: "zum Glauben an die Wahrheit berufen". 2.Thessalonicher 3 1 entw. ein Gen.subj. im Sinne von Heb 3,1 und 12,2: "...auf die Liebe von Gott zu uns und das geduldige Ausharren des Christus (als Vorbild)" (71,160f); oder eher ein Gen.obj. wie Offb 3,10: "...auf die Liebe zu Gott und das geduldige Warten auf den Messias" (2,z.St.), was besser zum Kontext des Briefes passt. Oder beide Genitiv-Bedeutungen sind bewusst ausgedrückt (vgl. 13,13). 2 w.: "... sich vermischen mit..." vgl. Ps 26,4; 55,14; Hos 7,8. Vgl. zur Sache die Anm. bei 1Kor 5,9. Der erste Schritt der Gemeindezucht war das "sich zurückziehen" aller in Vers 6, der zweite Schritt ist die offizielle Bezeichnung des Sünders und als Folge davon keinen geistlichen Umgang mit ihm zu haben, und zwar solange (Präsens), bis er Buße tut. 3 Bezieht sich entw. auf das Folgende wie in der Übersetzung, oder rückblickend auf das in V.6ff Gesagte: "...dies, weil wenn..." (2,z.St.). 4 Vgl. den "Gassenpöbel" in Apg 17,5 5 Vgl. Dtn 25,3, wo der Sünder nach der Bestrafung Bruder genannt wird (21,IV,53). Der persönliche Kontakt mit diesem Bruder soll also, zumindest von einzelnen der Gemeinde, gehalten werden, denn nur so kann man ihn auch immer wieder zurechtweisen, um ihn zurückzugewinnen. 6 Diktierte Briefe am Ende mit einem eigenhändigen Gruß abzuschließen, war im Altertum weit verbreitet, um die Echtheit des Dokuments zu bestätigen (21,IV,54). Vielleicht fürchtete der Apostel aber auch falsche Briefe in seinem Namen (vgl. 2Thes 2,2b). 7 Obwohl es nach 1Thes 5,12 schon Brüder gab die vorstanden, wendet er sich in Sachen Gemeindezucht an alle Brüder. Gemeindezucht muss von der ganzen Gemeinde (oder zumindest einer großen Mehrheit) mitbeschlossen und mitgetragen werden. Zu Timotius A 1.Timotius 1 1 entw.: der Erste von denen, welche die Gemeinde verfolgten (vgl. V.13); od. im Sinne von: der größte oder schlimmste Sünder (2,z.St.). 2 Präs.: "...bin ich (noch immer)", und nicht Aor.: "...war ich"! 3 Bei Glaube mit Artikel sind die Glaubenswahrheiten gemeint, wie Kap 4,1.6; 6,10; 2Tim 2,18; Tit 1,1 ua. 4 z.B. Herodes der Große, der sehr misstrauisch und grausam war, was dazu führte, dass er die gesamte Hasmonäische Familie ausrottete. Ebenso alle Juden die seiner Regierung Widerstand leisteten. Sogar seine geliebte Frau Mariammne und die beiden Söhne, die sie ihm geboren hatte, ließ er umbringen. Oder z.B. Agrippina, die Mutter Neros. Sie vergiftete im Jahr 54 n.Chr. ihren Ehemann Kaiser Claudius, damit ihr Sohn Nero Kaiser wird, und nicht Brittanicus, der gebürtige Sohn von Claudius. Fünf Jahre später, im Jahr 59 n.Chr., lässt Nero seine eigene Mutter Agrippina ermorden! Vater- und Muttermord galten als die abscheulichsten Verbrechen überhaupt und wurden aufs Schrecklichste bestraft. Die Betreffenden wurden z.B. mit giftigen Schlangen in Säcke eingenäht und dann ertränkt (65,III,47). 5 Auf "Geschlechtsregister", Stammbäume und große Namen des Alten Testaments stützen die gnostischen Irrlehrer ihre Auskünfte über die jenseitige Welt (vgl. 47,z.St.). Schon Platon verwendete den Ausdruck im abwertenden Sinn (65,III,46). 6 Die "Gesunde Lehre", im Gegensatz zu der als "krank" gekennzeichneten Irrlehre (1Tim 6,4), ist die nicht durch häretische Spekulationen und Irrtümer verdorbene reine Lehre der Apostel, die so praktisch ist, dass sie im Glauben gesund macht (vgl. 47,z.St.). 7 D.h. in der Art wie es dem Wesen und der Bestimmung des mosaischen Gesetzes entspricht, nämlich den Sünder von seiner Gesetzesübertretung zu überführen, um ihn zur Notwendigkeit eines stellvertretenden Opfers hinzuführen. 8 od. Gen.qual.: "...dem herrlichen Evangelium". 9 vgl. Ps 32,5d-6a 10 Das bedeutet nicht, dass diese Personen das Heil verloren haben, denn Schiffbruch kann man auch überleben. Paulus selbst hat viermal Schiffbruch überlebt. Darum übergibt Paulus diese Leute auch der Züchtigung, weil sie Kinder Gottes sind. Sie sollen durch Züchtigung wieder zurechtkommen (21,IV,101; 65,III,49). 11 Paulus scheut sich nicht, auch negative Verhaltensweisen aus seinem Leben zu nennen. Dies würde auch so manchem modernen Prediger mehr Glaubwürdigkeit verleihen, anstatt sich immer nur subtil selbst zu rühmen. 12 Da Hymenäus ein seltener Name war, handelt es sich hier und in 2Tim 2,17-18 wahrscheinlich um dieselbe Person (65,III,49). Hymenäus, Philetus und Alexander dürften alle drei Glieder der Gemeinde Ephesus gewesen sein (72,103). - Paulus ist offenbar nicht der Ansicht mancher Christen, dass man öffentlich nichts Negatives über andere Christen sagen darf. Er warnt nicht nur hier namentlich von bestimmten Personen, sondern auch in 2Tim 1,15; 2,17 und 4,10.14. Ebenso tut dies Johannes in 3Joh 1,9-10. Beide tun dies aber nur dann, wenn es zum Schutz der anderen Gläubigen nötig ist. In 1Kor 5,5 z.B. nennt Paulus den Namen des Bruders nicht, dies ist auch nicht nötig, da alle wissen wer gemeint ist. Auch Jesus prangert die Heuchelei der Pharisäer öffentlich an. Dies abzulehnen ist eine Form von christlichem Pragmatismus. 13 od.: Sklavenhändler. Eine unterschwellige Kritik am Sklavenhandel. 14 Interessanterweise finden sich einige dieser Sünden auch in einer Beschreibung des moralischen Zustands der jüdischen Priester- und Levitenschaft in der damaligen Zeit (Testamente der zwölf Patriarchen, Testament Levi, 17). 15 Diese Abreise von Ephesus fand in Apg 20,1, etwa im Jahr 55/56 n.Chr. statt. Im Auftrag des Apostel Paulus hat Timotius in der Gemeinde Ephesus, und vielleicht auch den anderen Gemeinden Kleinasiens, für die Ordnung diverser Angelegenheiten gesorgt (1Tim 2,8; 5,3.17), gelehrt (1Tim 1,18; 4,6.13; 6,17) und Älteste und Diakone angestellt (1Tim 3,1; 5,22). Im 1. und 2.Timotiusbrief bekommt er Richtlinien für die Anstellung und die Ausübung zum Ältesten- und Diakonenamt. Wenn Timotius beim Erhalt des Briefes noch immer in Ephesus war, was fast alle Ausleger annehmen, wäre seine Wirkungszeit dort etwa bereits 8 Jahre gewesen. Die Grundlage für seinen Dienst war sein gutes Zeugnis in seiner Heimatgemeinde Lystra und Umgebung, die Eingliederung in das Missionsteam von Paulus und Silas (Apg 16,1-3), die Weissagungen darüber, dass Gott ihm eine spezielle Gabe gegeben hat (1Tim 1,18; 4,14) und die darauffolgende Handauflegung von Paulus (2Tim 1,6) zusammen mit der Ältestenschaft (4,14). 1.Timotius 2 1 Grammatisch möglich wäre zwar auch: "Genauso (wünsche ich auch, dass) Frauen (beten)...", aber Prof. Dr. J. Holtzmann bemerkt dazu mit Recht: Wozu hier einen Infinitiv προσευχεσθαι (= beten) ergänzen, wenn schon ein passender in κοσμειν (= schmücken) vorhanden ist? Außerdem wäre dann Ωσαυτως τας δε γυναικας zu erwarten. Hätte Paulus den Infinitiv κοσμειν als Inf.exepeg. ausdrücken wollen, dann hätte er κεκοσμημενας geschrieben (19,312; 21,IV,107; 44,629; 72,114f). Paulus will, dass in der Versammlung die Männer beten, die Frauen hingegen sollen sich mit anderen geistlichen Eigenschaften schmücken. Die gleiche grammatische Formulierung findet man in Tit 2,2-3. Zur grammatischen Struktur des Satzes siehe die Grafik in: https://drive.google.com/file/d/12HygYrUEhXnA2fvW888fF_S-SkNXVLzj/view?usp=sharing 2 D.h. ohne in der Versammlung Zwischenfragen zu stellen (vgl. 1Kor 14,34-35), oder anderweitig die Initiative zu ergreifen. Sehr wohl aber darf und soll eine Frau ihre Gaben im persönlichen Rahmen ausüben, auch gegenüber Männern, wie z.B. in Apg 18,26 und 21,9 3 Kollektiver Singular, d.h. nicht nur Eva, sondern die Frau als weibliches Wesen (72,119), und damit alle Frauen, wenn sie im Glauben stehen. 4 Mit dem Futur ist hier wohl die zukünftige Errettung gemeint, die trotz des Fluches nach dem Sündenfall (Gen 3,16), der Frau als weibliches Wesen zugesagt wird, vorausgesetzt, dass sie gläubig ist. 5 D.h. wohl durch die Erfüllung ihrer Aufgabe als Mutter, in Schmerzen Kinder zu gebären und so die Folgen des Sündenfalls (Gen 3,16) bewusst für sich persönlich zu akzeptieren (vgl. 1Tim 5,14). Eine andere Erklärung wäre, bei Betonung des Artikels: die verheißene Geburt des Messias durch eine Frau (vgl. Gen 3,15) brachte die Errettung (72,121). Aber hätte Timotius diesen Gedankengang verstehen können? Hätte Paulus sagen wollen, dass die Frau durch den Geburtsvorgang körperlich unversehrt hindurchgerettet wird, was ja nicht immer der Fall ist, hätte er wohl das Wort δια-σωξω (wie in 1Pet 3,20) gewählt, doch was wäre dann mit den gläubigen Frauen, die bei der Geburt gestorben sind? 6 Natürlich nicht die geborenen Kinder, sondern die Frauen im Allgemeinen. Übergang vom kollektiven Singular zum verallgemeinernden Plural. 7 Allein aufgrund eigener Autorität handeln, d.h. etw. "selbst in die Hand nehmen", so wie Eva im Garten Eden, siehe dortigen Kontext! Da das Wort nicht klassisch, sondern vulgär ist (37,91; 72,118), bedeutet es vielleicht: sich "emanzipieren", "den Herrn spielen über...". Der Grund ist nicht Sitte oder Kultur, sondern der Sündenfall (Vers 13-14). Daher ist die Anordnung für alle Zeiten und alle Orte gültig! 8 Es ist wichtig, dass Paulus betont, dass der ewige Sohn Gottes ein vollkommener Mensch werden musste (gegen die Gnosis), damit er ein Mittler zwischen Gott und uns sein kann. "Der Sohn Gottes wurde Mensch, damit Menschen Söhne Gottes werden können" (C.S.Lewis). Nur ein Mensch, nämlich Jesus, kann diese Mittlerrolle erfüllen, - weder Maria noch die katholischen Heiligen, kein Bischof, kein Priester, aber auch keine biblischen Gemeindeämter, wie z.B. Älteste. 9 Beachtenswert ist der Gegensatz zu Mt 20,28. Hier ist der Opfertod Christi ein ausreichendes Lösegeld im Hinblick auf alle (υπερ παντων), d.h. alle könnten es in Anspruch nehmen, was aber leider nicht geschieht. In Mt 20,28 ist der Opfertod Christi ein Lösegeld stellvertretend für viele (αντι πολλων), d.h. nur für die Auserwählten die wirklich darauf vertrauen. Es wäre falsch, den Ausdruck als eine Allversöhnung für alle Menschen zu verstehen. Der Opfertod Christi ist also einerseits ein stellvertretendes Sündopfer für die Auserwählten, andererseits aber auch ein Heilsangebot an alle. Stellvertretend wirksam wird er aber nur für diejenigen die auf Christus vertrauen. Den Ausdruck παντας ανθρωπους (= alle Menschen) zu relativieren im Sinne von "...alle Arten von Menschen", erscheint sehr künstlich. Paulus hätte sich sicher deutlicher ausgedrückt, hätte er das sagen wollen. Damit ist aber auch die theologische Lehre von der "irresistible grace" (dt.: unwiderstehliche Gnade) mit diesen Worten des Apostels widerlegt. 10 Obwohl Gott effektiv nur unser Erretter-Gott ist (2Tim 1,9; Tit 3,5), ist es doch sein Wunsch, dass alle Menschen errettet werden (1Tim 2,4; Joh 3,17; Tit 2,11; 2Pet 3,9b), bzw., wenn es sich um ein toleratives Passiv handelt, sich erretten lassen. Das bedeutet aber nicht, dass Gott alle Menschen erretten wird. Das würde nämlich das Aktiv erfordern. Eine Allversöhnung kann man daher von diesem Vers nicht ableiten, auch nicht eine Verheißung, dass jemand sicher errettet wird, nur, weil man dafür betet (vgl. 1Kor 7,16; Lk 7,30; 8,12; Mt 23,37). Hier wird für "wollen" das Wort θελω (Strong Nr. 2309) gebraucht und nicht βουλομαι (Strong Nr. 1014). Im Hinblick auf Gottes Willen betont es daher mehr den Wunsch Gottes, etwas für jemanden zu tun (vgl. auch Mt 23,37). Der Mensch kann sich aber diesem Wunsch Gottes widersetzen (Mt 23,37; Joh 5,40), - im Gegensatz zum Vorsatz Gottes (Strong Nr. 4286) und zum Ratschluss Gottes (Strong Nr. 1013) in Röm 9,19. Weil Gott will, dass alle Menschen errettet werden, hat sich Christus auch als Lösegeld für alle (Vers 6) gegeben, und hat uns den Auftrag gegeben allen Menschen das Evangelium zu verkünden. Wenn sie aber das Evangelium ablehnen, bleiben sie unter dem Zorn Gottes (Joh 3,36). Ein Lösegeld wird nur effektiv, wenn es auch eingelöst wird. 11 Die innere Haltung wie sie sich auch äußerlich im Verhalten und in der Kleidung ausdrückt (1,852; 2,1113). Ein anständiges und würdiges Benehmen und die Zurückhaltung im Betragen. Eine innere Haltung der Schamlosigkeit äußert sich oftmals zuerst in schamloser Kleidung, bevor sie schließlich auch zum schamlosen Verhalten führt. 12 Das Med. ist selten im NT, daher viell.: "...zu verrichten (Med.: im eigenen Interesse?" (2,1382). Dazu passt "..., damit wir..." in Vers 2. 13 Knüpft an 1Tim 2,1 an. 14 Das Erheben der Hände beim Gebet war eine übliche Geste im AT (1Kön 8,22; Ps 28,2; 63,5; 134,2; Jes 1,15), daher offenbar auch im Urchristentum übernommen, wie es auch Wandmalereien in den Katakomben in Rom zeigen (72,114). Es ist aber hier keine Vorschrift von Paulus, sondern es wird die Betonung weg vom Äußerlichen hin auf die Wichtigkeit der inneren Haltung gerichtet. Ebenso wie dann auch in 1Tim 2,9-10 bei den Frauen: gute Werke statt äußerem Schmuck. 15 Wenn es ihm Staat gut geht, hilft das auch den Gläubigen (vgl. Jer 29,7; Spr 11,10-11; 28,2.12). - Die Römer erlaubten allen unterworfenen Völkern weiterhin ihre Religion auszuüben. Sie mussten nur noch zusätzlich die Göttin Roma verehren und dem Kaiser opfern. Dies konnten die Juden (und Christen) natürlich nicht tun. Also bekamen sie die Sonderregelung, anstatt dessen für den Kaiser, statt zum Kaiser zu beten (65,III,49). 16 Damit sind die Gemeindezusammenkünfte in den verschiedenen Städten gemeint; 1Kor 1,2b (72,113f). 17 Die Ehrfurcht (ευσεβεια) vor Gottes Größe, die sich dann in einem frommen und respektvollen Verhalten gegenüber Gott und auch den Menschen (z.B. den Eltern; der Obrigkeit), ausdrückt, und daher zu einem dementsprechenden Lebenswandel führt. Sie ist vor Gott und den Menschen angenehm. Es war ein gängiger Begriff in der religiösen Sprache der Kaiserzeit (Deißmann, Bibelstudien). - Das Gebet um ein stilles und ruhiges Leben in Ehrfurcht bedeutet nicht, dass wir äußerlich keine Probleme haben, ja es schließt sogar Verfolgung nicht aus (2Tim 3,12). Aber es bedeutet eine tiefe Ruhe Gottes im Herzen zu haben, unabhängig von äußeren Umständen, obwohl wir uns in unseren Gebeten natürlich auch Ordnung und Ruhe im Staat wünschen (Spr 29,2). 18 Die Bescheidenheit bezieht sich im Sinne des Kontexts auf die Unterordnung, wie sie in den Versen 11-14 gelehrt wurde. 1.Timotius 3 1 D.h. nicht geschieden und wiederverheiratet, denn mehre Frauen gleichzeitig zu haben war für einen Gläubigen ohnehin nicht erlaubt und damals auch bei den Juden und Heiden selten, ja sogar verboten (72,124). Vgl. auch die Anm. bei 1Tim 5,9 und Tit 1,6. Vielleicht denkt Paulus auch an Hes 44,22 2 Es gab schon Älteste (= Aufseher) in Ephesus (Apg 20,17). Es geht also um die Anstellung von zusätzlichen Ältesten, oder/und um die Anstellung neuer Ältester in den Nachbargemeinden, wo es vielleicht noch keine gab, z.B. in Kolossä, Laodizäa oder in Hierapolis (21,IV,186). Es gibt Unterschiede in den Anforderungen an Älteste hier und in Kreta (Tit 1,6-9). Siehe dazu die Zusammenstellung in: https://drive.google.com/file/d/1pQHyYf1w-Mf3u73DE8HWNvPFGgf7DS8g/view?usp=sharing Die Ansicht, dass ein potenzieller Ältester nicht alle Anforderungen erfüllen muss, ist abzulehnen (72,227), denn dies hätte Paulus dann auch angemerkt. Diese Anforderungen sind Charakter-Eigenschaften und nicht Begabungen, und allesamt nicht so schwer, wie heutzutage oft behauptet wird. Selbst die Fähigkeit mit der gesunden Lehre zu ermahnen, sollte jeder reife gläubige Mann nach Heb 5,12 irgendwann haben. 3 Hier ein individualisierender generischer Singular, wie 1Tim 5,5; 2Tim 2,24 und Tit 1,7) "...jeder einzelne Aufseher" (21,IV,187). Aufseher und Älteste sind zwei verschiedene Bezeichnungen für das gleiche Amt (vgl. die Anm. bei Apg 20,17.28 und Tit 1,5.7). Aufseher bezieht sich auf die Tätigkeit, Ältester auf die Reife der Person. - Das Amt des Ältesten in der christlichen Gemeinde taucht das erste Mal in Apg 11,30 ohne nähere Erklärung auf, wie dieses Amt entstanden sei. Da die Gemeinde in Jerusalem zu diesem Zeitpunkt noch ausschließlich aus Juden-Christen bestand, kann man zu Recht annehmen, dass dieses Amt aus dem Judentum übernommen wurde. Die Ältesten bei den Juden waren die Gruppe der älteren Männer in jedem Dorf. Sie wurden geschätzt und geehrt, wegen ihrer Reife und Lebenserfahrung. Junge Männer konnten bei den Juden keine Ältesten sein. 4 In Tit 1,9 wird näher ausgeführt, was es bedeutet, dass Kinder in Unterordnung sein sollen. - Ehrwürdigkeit ist eine Eigenschaft, die man erst bei größeren Kindern erwarten kann (vgl. V.8), weshalb die Kandidaten für das Aufseher bzw. Ältestenamt schon älter sein mussten, was auch Tit 1,6 voraussetzt, wo gefordert wird, dass seine Kinder schon bewusst gläubig sind, was bei den Diakonen nicht gefordert wird. Vgl. auch die Warnung in Jes 3,4 5 Ohne Artikel: vielleicht, weil nicht an bestimmte Diakone gedacht ist, sondern an solche die noch von Timotius anzustellen sind. Oder viell.: "...(falls) Diakone (vorhanden sind)." - Diakone sind für den rechten Umgang mit den materiellen Dingen in der Gemeinde verantwortlich. Sie müssen nicht alles selbst machen, tragen aber die Verantwortung, dass diese Dinge schriftgemäß gemacht werden. 6 In Gräz. übertr.: ein Ehrenamt, der "Grad" (37,101), die Stufe einer Sprossenleiter (72,135). Möglicherweise eine ironische Anspielung auf einen t.t. der gnostischen Mysterienreligionen: ein Schritt vorwärts dem Ziele zu. Oder ganz allgemein auf Begriffe in der griechischen Philosophie bezogen (vgl. 1,262). Hier aber dann: ein Fortschritt im Glauensleben und ein Lohn beim Richterstuhl Christi (daher das Ptz.Aor. der Vorzeitigkeit: "...die recht bedient Habenden"). Dass damit ein "Karrieresprung" zum Aufseheramt gemeint ist, kann man getrost ausschließen, dies entspringt kirchlichem Denken. Aufseher brauchen andere geistliche Voraussetzungen als Diakone. 7 Nämlich dann, wenn im Nachhinein von Außenstehenden zu Recht bedenkliche Dinge ans Licht gebracht werden. 8 ωσαυτως (genauso) leitet immer eine neue Gruppe in einer Serie ein (21,IV,116): "...genauso (wie die Aufseher bzw. Diakone)...". Daher handelt es sich hier wahrscheinlich doch um weibliche Diakone (Röm 16,1; Plinius, Briefe, 10,97; 72,134), weil im ganzen Abschnitt von Gemeindeämtern die Rede ist und die Anforderungen ähnlich sind wie die bei den Diakonen. Aber dass danach in Vers 12 nochmals die männlichen Diakone angesprochen werden, würde dagegensprechen. Manche meinen daher, mit diesen Frauen könnten auch die Frauen der Ältesten und Diakone gemeint sein, oder Witwen, die von der Gemeinde versorgt werden und besondere Dienste haben. Doch dann sollte dieser Vers erst hinter Vers 13 stehen. 9 Nicht nach dem Amt des Aufsehers soll getrachtet werden, sondern nach der mühevollen und kraftraubenden, leider manchmal auch undankbaren Aufgabe des Dienstes der Aufsicht über die Schafe. Dies ist ebenfalls eine Voraussetzung für die Annahme des Amtes. Niemand soll dazu überredet werden. Wer nur das Amt anstrebt, ist schon disqualifiziert, da er wahrscheinlich herrschen will wie Diotrephes (3Joh 1,9-10). 10 Dies drückt sehr schön die eigentliche Aufgabe des Aufsehers aus: für die Gläubigen wie ein Vater für seine Kinder zu sorgen. 11 Diese Anforderung findet sich in Tit 1,6ff nicht, weil in Kreta die Situation einer Gemeindegründung vorlag. Männer, die schon lange bekehrt waren, waren dort nicht vorhanden. 12 Wahrscheinlich, wie in Vers 7, ein Gen.subj.: er fällt unter eine Anklage, die der Teufel als Verleumder bei Gott über den hochmütig gewordenen Ältesten vorbringt (2,1115; vgl. Offb 12,10c). Oder ein Gen.obj.: Er fällt unter das Urteil Gottes, welches auch den Teufel wegen seines Hochmuts getroffen hat (44,z.St.). Doch von einem solchen Fall des Teufels sagt die Schrift nichts Sicheres. Die oft angeführten Bibelstellen in Hes 28,12b-19 und Jes 14,12-17 beziehen sich auf den König von Tyros und den König von Babylon. Eine weitere Anwendung auf den Teufel ist zu unsicher, um darauf eine Lehre zu gründen (vgl. 88,170ff). Außerdem, dass der hochmütig gewordene Älteste ein solch schweres Urteil wie der gefallene Teufel bekommen soll, ist auszuschließen (72,129)! 13 Hier sicherlich ein Gen.subj.: Eine Falle durch den Teufel gelegt, der eine unbereinigte Vergangenheit oder anstößiges Verhalten des Ältesten ans Licht bringt. - Dass es sich um einen gen.obj. handelt, d.h. das gleiche Gericht, dass den Teufel wegen seiner Überheblichkeit getroffen hat, ist eher unwahrscheinlich. Siehe die Anm. oben. 14 Diakone, die in ihrer Funktion sowohl Menschen unter sich haben (nämlich die Gemeindeglieder), als auch solche über sich (nämlich die Ältesten), neigen leicht dazu, zu jeder Gruppe ein wenig anders zu reden (21,IV,114). 15 Da Diakone auch für finanziellen Angelegenheiten der Gemeinde zuständig sind, ist diese Anforderung besonders wichtig. In Tit 1,7 wird dies auch für Älteste gefordert, vielleicht, weil dort noch keine Diakone vorhanden waren und die Ältesten auch diese Aufgabe abdecken mussten (21,IV,115). 16 Viell. zu übersetzen: "Eine Säule und Fundament der Wahrheit, - und anerkanntermaßen groß, - ist das Geheimnis der frommen Ehrfurcht." 17 Ein Ältester muss kein Lehrer bzw. Prediger sein, denn 1Tim 5,17 zeigt, dass es auch Älteste gab, die nicht predigten. Aber er muss fähig sein im persönlichen Gespräch mit der rechten Lehre den Irrtum zu widerlegen, und zwar nach Tit 1,9 unter Verwendung und gegründet auf die Schrift (Bibel), und im Einklang mit der Gesamtheit der gesunden Lehre. 18 Christus wurde nicht gerechtfertigt in dem Sinn wie wir, denn er war niemals schuldig. Er wurde von Gott als ein vollkommen Gerechter beurteilt, als einer, der nie gesündigt hat, obwohl er einen Verbrechertod erlitt. 19 Der ganze Vers 16 ist wahrscheinlich ein urchristlicher Hymnus auf Christus mit 7 Strophen. 20 Das Wort aufgeblasen ist hier ein Ptz.Pass., d.h. der Neubekehrte bläst sich nicht selbst auf, sondern der Teufel macht das mit ihm. So wie man einen Luftballon aufbläst, um ihn dann im geeigneten Moment platzen zu lassen. In dieser Gefahr stehen Neubekehrte oder junge Männer, die zu früh in den Ältestendienst bestellt werden, - und natürlich auch jeder andere Gläubige, der von anderen umjubelt wird. Der Erfolg steigt ihm zu Kopf und der Teufel nützt das aus. 21 Von einem Diakon wird, im Gegensatz zum Ältesten, nicht verlangt, dass seine Kinder gläubig sind. 1.Timotius 4 1 "Glaube" mit Artikel bezieht sich hier und an anderen Stellen (z.B. in Kap 5,8) auf die christlichen Glaubensprinzipien. Also bedeutet es hier: von den Glaubenswahrheiten abfallen; - und nicht: den rettenden Glauben verlieren. 2 Diese Vorhersage hat sich schon vom frühen Mittelalter an bis in unsere Tage hinein erfüllt (z.B. obskure "Erscheinungen", Heuchelei der Päpste, Zölibat, Fastenvorschriften, ua.). In 2Tim 3,1ff dagegen spricht Paulus von den Tagen unmittelbar vor dem Kommen des Herrn. 3 Ermahnung und Belehrung sollen aus der verlesenen Schrift entnommen werden und sich auf sie gründen. 4 vgl. Hes 33,9 5 Eigtl.: mit glühendem Eisen ein Brandmal einbrennen bzw. aufdrücken; etw. brandmarken. Mit einem Brandmal, d.h. mit einem Zeichen ihres Herrn, versehen sein. Paulus könnte aber auch Menschen meinen, deren Gewissen sozusagen wie mit einem Brandeisen verätzt und auf diese Weise abgestumpft und gefühllos geworden ist. 6 Nach jüdischer Sitte wurde zu Beginn der Mahlzeit immer vom Hausherrn oder dem Gastgeber der Brotfladen genommen und Gott für Speise und Trank gedankt, weil er der Geber aller Nahrung ist und man ihn veruntreuen würde, wenn man nicht dafür dankt. Danach wurde das Brot gebrochen und an alle ausgeteilt (46,246f; 72,156). Das Brot diente dann, wie auch heute noch im Orient, als Löffelersatz zum Aufnehmen der restlichen Speisen. Paulus setzt diese Gewohnheit des "Tischgebets" (vgl. Apg 27,35) hier auch für Gläubige voraus. 7 Paulus hatte Timotius, aufgrund von vorangegangenen Prophezeiungen (Plural! vgl. 1Tim 1,18), die Hände aufgelegt und ihm so kraft apostolischer Autorität, symbolisch die von Gott zuvor prophezeite Gabe angezeigt (2Tim 1,6). Hier, in 1Tim 4,14 wird uns gesagt, dass ihm auch die Ältesten dabei die Hände auflegten (wahrscheinlich in Apg 16,1-3), da sie Timotius damit, wie in Apg 13,3, zeichenhaft in den Dienst entließen (72,166). Die Vermittlung der Gnadengabe geschah nicht auf mystische Weise durch die Handauflegungen, denn nur Gott selbst teilt die Gaben durch den Heiligen Geist aus (1Kor 12,4.8.28; Röm 12,3b). Siehe auch die Anm. bei Apg 6,6 8 Timotius war durch eine vorbildliche und reife Lebensführung selbst verantwortlich, dass er nicht verachtet würde. Der Ausdruck "Jugend" konnte bis zu einem Alter von 40 Jahren verwendet werden (65,III,59). Timotius war vielleicht 38 Jahre alt (72,164). 9 Im Griechischen der gleiche Wortstamm. Damit will Paulus den Gegensatz zur Geltung bringen. Ein Training des Körpers, wie es den Griechen so wichtig war, hat im Vergleich zu geistlichem Training nur wenig Nutzen, weil es nur für die Zeit dieses Erdenlebens Auswirkungen hat, nicht jedoch für die Ewigkeit. 1.Timotius 5 1 Dtn 25,4 2 Lk 10,7. Indem Paulus beide Zitate als "Schrift" bezeichnet, stellt er das Lukas-Evangelium auf gleiche Stufe wie das AT, und akzeptiert es somit als inspirierte Schrift. Das Gleiche tut Petrus mit den Paulusbriefen (2Pet 3,15-16). 3 Wahrscheinlich meint Paulus, dass zwei oder drei Zeugen das Vergehen bezeugen müssen, und zitiert deshalb Dtn 19,15 als Begründung. 4 Ptz.Präs.: die weiterhin oder andauernd Sündigenden, sonst wäre wohl Ptz.Aor. oder Ptz.Perf. ("die gesündigt haben"). Da es ab Vers 17 um Älteste geht, sind sicher auch hier Älteste gemeint (72,189). 5 Finanziell unterstützen, wie in Vers16. 6 D.h. eine die keine Kinder oder Enkel hat, die sie versorgen könnten (vgl. Vers 4). 7 Da im Plural, nicht nur die eigene Mutter, sondern auch die Schwiegermutter. 8 Im Griechischen nur bezeugt als einmaliges und freiwilliges Honorar, nicht als regelmäßiges Gehalt. Es ist viel natürlicher dem Wort auch hier die gewöhnliche Bedeutung "Ehre(nerweisung)" zu geben, wie in 1Tim 6,1. Dass Paulus ein "doppeltes Honorar" im Sinne eines doppelten Gehalts meint, kann man wohl ausschließen. Dies würde ja bedeuten, dass es Älteste gibt die nur ein einfaches Gehalt erhalten, während andere doppelt so viel Gehalt bekommen. Ein solcher Gedanke ist völlig unvereinbar mit dem, was das NT an anderer Stelle über Älteste sagt (z.B. Apg 20,33; 1Pet 5,2), und gegen die Ermahnungen in Php 2,29 und 1Th 5,12-13. Er könnte allerdings mit "doppelt" gemeint haben: Ehre und finanzielle Zuwendung, doch gibt es in der Gräzität keinen Beleg, dass der Begriff gleichzeitig eine buchstäbliche und übertragene Bedeutung hätte! Vgl. jedoch auch Dtn 21,17 und 2Kön 2,9 vom doppelten Erbteil des Erstgeborenen. 9 Das bedeutet nicht, dass man die Anklage nicht anhören darf, sondern Timotius darf sie ohne Zeugen nicht aufgreifen, um ein Verfahren einzuleiten. 10 Vgl. Gal 2,14; dort vor allen Anwesenden. Das einfache Gemeindeglied genießt das Vorrecht von Mt 18,15-17. Ein Ältester genießt zuerst eine Art Immunitätsschutz. Wenn Sünde aber durch mehrere Zeugen bestätigt ist, muss er, wegen der Vorbildwirkung seiner Sünde, sofort vor allen Gemeindegliedern gemaßregelt werden, so wie Paulus das auch bei Petrus getan hat. 11 Die vorgefasste Meinung, bevor noch die Fakten bekannt sind. Als jurist. t.t.: die vorgreifende Urteilsentscheidung die als Norm für spätere Entscheidungen dient (vgl. lat.: praeiudicium). Gerade im Umgang mit Ältesten könnte persönliche Zuneigung (oder Abneigung) zu einem Fehlurteil führen. 12 Glaube mit Artikel bezieht sich hier und an anderen Stellen auf die christlichen Glaubensprinzipien. 13 Das kann nur bedeuten: nicht geschieden und wiederverheiratet, denn mehrere Männer gleichzeitig zu haben war einer Frau ohnehin nicht erlaubt, - und als jüngere Witwe wieder zu heiraten, war ja der ausdrückliche Befehl von Paulus (V.14). Eine gläubige Frau konnte also in dem von Paulus gemeinten Sinn, nur durch Scheidung und Wiederheirat mehrere Männer hintereinander im Leben gehabt haben (72,178). Dies wirft auch ein erklärendes Licht auf die gleiche Vorschrift für Älteste und Diakone in 1Tim 3,2.12 und Tit 1,6. "Mann einer Frau" kann demnach auch dort nur bedeuten, dass ein Anwärter auf das Ältesten- oder Diakonenamt nicht geschieden und wiederverheiratet sein durfte. Diese Vorschrift ist wohl von dem Hintergrund her zu verstehen, dass die Ehe nach Gottes Willen ein lebenslanger Bund ist und Scheidung und Wiederheirat nicht dem Willen Gottes entsprechen. Ein Ältester oder Diakon muss Gottes Ideal für die Ehe in seinem persönlichen Lebensweg widerspiegeln. 14 entw. verallgemeinernder Sg.: Gegner des Glaubens (21,IV,133); od.: der Satan (V.14). Seit Kaiser Augustus war die rasche Wiederheirat junger Witwen zum Ideal in der römischen Gesellschaft geworden (65,III,64). 15 Vgl. die Anm. bei Apg 6,6 16 Im Kontext von Vers 20 und 24 bedeutet dies wahrscheinlich, dass Timotius eine Mitverantwortung tragen würde, wenn er jemanden zum Ältestendienst einsetzt, dessen Charakter nichts Gutes erwarten lässt. Vgl. Lev 19,17; 2Joh 1,11 17 Vielleicht hatte Timotius zu wenig Magensäureproduktion, ein wenig Weingenuss kann das kompensieren. Verdünnter Wein beruhigt auch den Magen. Außerdem kann der Alkohol im Wein das Wasser desinfizieren. Wein wurde damals zu den Mahlzeiten getrunken. Er war mit zwei Drittel Wasser verdünnt (65,III,66). Vgl. auch die Anm. bei Phil 2,27 18 Es gibt also Älteste die nur vorstehen und nicht zusätzlich auch noch in Wort und Lehre arbeiten. 19 Damit ist das Treuversprechen gemeint, Witwe zu bleiben und der Gemeinde zu dienen (72,182). 20 Damit begründet Paulus die Warnung von Vers 22. Vers 23 ist ein gedanklicher Einschub. 21 Dies geht, so wie in Tit 2,3-4, über die reinen Haushaltspflichten hinaus. Paulus denkt vielleicht an Spr 31,10ff, wenn er diesen Ausdruck verwendet. 1.Timotius 6 1 Nicht eine (sonst wäre es ein Zahlwort) von mehreren Wurzeln, auch nicht die Wurzel schlechthin (sonst stünde der Artikel), sondern ohne Artikel, d.h. qualitativ gesehen: alle Übel wurzeln letztlich in der Geldgier, die dann alle möglichen bösen Früchte hervorbringt (72,207). 2 In Gräz.: der Grundstock an Geld auf einem Konto, das Giroguthaben. Hier im übertragenen Sinn für den Schatz im Himmel (Mt 6,20; Lk 12,33), - im Gegensatz zur Unsicherheit des irdischen Reichtums in Vers 17. 3 Debatten theoretisch-technischer Art und/oder mystische Auslegungen des AT. 4 Glaube mit Artikel bezieht sich hier und an anderen Stellen auf die christlichen Glaubensprinzipien; wie in 1Tim 6,10; 2Tim 2,18; ua. 5 D.h. Kleidung und ein Dach über dem Kopf (2,z.St.). Zur Sache vgl. Heb 13,5 und Gen 28,20 6 Das sind nutzlose Diskussion um nebensächliche Themen, daher leeres, eitles und unfrommes Geschwätz. Bei dem Wort wird nicht bloß an Geschwätz, sondern an anwerbende und lockende Einladung gedacht sein, hinter denen aber nichts steht, weil sie profan sind, Erzeugnisse menschlicher Eitelkeit und Selbsttäuschung, und somit der totale Gegensatz zum heiligen Ruf in 2Tim 1,9.16 7 Ein juristisch-kaufmännischer t.t.: das, was jemandem zur Verwahrung und zur Vermehrung anvertraut wurde (2,1124; 65,III,71). Hier sind, wie in 2Tim 1,14, die Glaubenswahrheiten gemeint (72,219). 8 Die Grundidee der späteren "Gnosis" war ein strikter Dualismus zwischen der materiellen und der geistigen Welt. Alles Materielle galt als böse, weil es von Gottes Gegenspieler "Demiurge" geschaffen war. Er halte die Menschheit mit seinen Gehilfen, den αρχονς (Strong Nr. 758), in seiner Gefangenschaft. Die geistige Sphäre dagegen ist gut und die souveräne Gottheit wohnt nur in ihr, mit der Materie hat sie nichts zu schaffen. Nur diejenigen, die den göttlichen Funken (πνευμα) in sich haben, könnten nach dem Tod ihrer materiellen Leiblichkeit entfliehen. Dafür benötigten sie aber die Erleuchtung (γνοσις). Die meisten "christlichen" Gnostiker schrieben diese Erleuchtung oder "Wiedergeburt" einem göttlichen Erlöser zu, der in Verkleidung aus der geistigen Welt auf die Erde kam und bei der Taufe in dem Menschen Jesus Wohnung nahm (daher dagegen: Kol 1,19; 2,9) und ihn vor der Kreuzigung wieder verließ (daher dagegen: Joh 19,34-35). Dies lehrte die im 1.Jhdt. verbreitete doketisch-frühgnostische Irrlehre von Cerinth, die zwischen dem leiblichen Menschen Jesus und dem "himmlischen Christus" unterschied. Die praktischen Auswirkungen des gnostischen Dualismus gingen in zwei Extreme. Die jüdisch-gnostischen Vertreter lehrten eine extreme Kasteiung in der Abkehr von allen leiblichen Genüssen (Speisen, Sexualität; vgl. Kol 2,21ff; 1Tim 4,3-4.8). Die heidnischen Gnostiker dagegen lehrten, dass es gleichgültig sei, was man mit dem Körper mache, da es ohnehin keinen Einfluss auf den Geist habe, weil die geistliche Auferstehung durch die "Erleuchtung" bereits geschehen sei (vgl. 2Tim 2,18), was dann zu fleischlicher Ausschweifung und Götzendienst anregte. Vgl. 2Pet 2,13-14.22; Offb 2,14-15.20.24 (vgl. 2,1252; 33,424f; 52,II,830ff). Die hier genannte "Erkenntnis", dürfte eine frühe Vorstufe der späteren Gnosis gewesen sein. 9 Sklaven wurden wie Vieh (daher "Joch") betrachtet, manchmal leider auch so behandelt. Nicht alle gläubigen Sklaven hatten auch gläubige Herren. 10 vgl. Lk 10,16 11 Das sind natürlich die Reichen in der Gemeinde. Ihnen wird aber nicht gesagt, dass sie alles verkaufen müssen, wohl aber, dass sie die Not Ärmerer, vor allem von notleidenden Geschwistern (Gal 6,10), lindern sollen. 12 Das sind alle Menschen und alle Lebewesen (1,1278). 13 Dies ist die Zufriedenheit des Weisen in allen Lebenslagen, weil seine Grundbedürfnisse gestillt sind. Ein Ideal der Philosophen (65,II,334). Vgl. 1Tim 6,18 und Heb 13,5 14 Ein Mittel zum Gewinn, um sich zu bereichern. Dies ist heutzutage beim sogenannten "Wohlstandsevangelium" der Fall. 15 Sich zu diesem Zeitpunkt gegen die Sklaverei auszusprechen, war noch nicht ratsam für Paulus. 16 Paulus nimmt an, dass Timotius die Wiederkunft Christi noch erleben wird. Für sich selbst schließt er das dann 2-3 Jahre später aber aus (2Tim 4,6), ebenso Petrus (1Pet 1,14). 17 Was bedeutet es reich sein zu wollen? Viele Aktien oder Grundstücke anzusammeln? Der Kontext hier und in Heb 13,5 sagt es uns. Wer reich werden will, begnügt sich nicht mit dem, was er hat, und vertraut nicht auf Gottes Fürsorge, dass er uns alles gibt, was wir brauchen? Vgl. auch Gen 28,20; Spr 23,4-5. Statt von sich aus reich werden zu wollen, sollte man auf den Segen Gottes warten (vgl. Ps 127,2; Spr 10,22). 18 Zur Scheinsicherheit des Reichtums siehe auch: Ps 62,11b; Spr 11,28a; 18,11; 23,4-5; 28,6.8 ua. Zu Timotius B 2.Timotius 1 1 Vielleicht beim Abschied in Mazedonien, 1Tim 1,3 (72,273). Vgl. auch Apg 20,37 2 Vgl. Röm 6,17. Das Wort τυπως bedeutet Gussform, Modell, Grundriss, Skizze (72,283). 3 Bezieht sich entweder nur auf die Liebe oder auf den Glauben (oder auf Beides?). 4 Das "anvertraute Gut" (ein kaufmännischer t.t.) ist der wahre Glaube und die rechte Lehre, deren unverfälschte Weitergabe Paulus nun dem Timotius ans Herz legt. Es ist dies eine Hauptpflicht des Timotius, und jedes Dieners Gottes (vgl. 1Tim 6,20; 2Tim 2,2). 5 Paulus legte dem Timotius nicht eigenmächtig die Hände auf, sondern weil durch eine Prophezeiung klar wurde, dass Gott selbst dem Timotius eine besondere Gabe für den Dienst geben wollte (1Tim 4,14). Vgl. auch die Anm. bei 1Tim 4,14 und Apg 6,6 6 Alle die das Evangelium hören, sind berufen und eingeladen zum Glauben. Aber der "heilige Ruf" ist der Ruf, dem nur die Auserwählten gehorchen (Joh 10,3-4.27; Mt 22,14) und dann auch wirklich glauben (Apg 13,48). Diese Auserwählung widerspricht zwar unserer Logik und scheinbar auch der Verantwortung jedes Einzelnen zu glauben, aber Gottes Gedanken sind höher als unsere Gedanken (Dtn 29,28). Vgl. auch die Anmerkungen bei Joh 10,1ff. 7 Paulus war ein Frühaufsteher. So wie Jesus, begann er seine Gebetszeit, als es noch Nacht war. Der Ausdruck lässt sich nicht einfach nur damit erklären, dass für die Juden der neue Tag mit Einbruch der Nacht begann, denn im NT wird sehr wohl unterschieden zwischen der Reihenfolge "Nacht und Tag" (Mk 4,27; 5,5; Lk 2,37; Apg 20,31; 26,7; 1Thes 2,9; 3,10; 2Thes 3,8; 1Tim 5,5), oder "Tag und Nacht" (Lk 18,7; Offb 4,8; 7,15 ua.). 8 Bis zu seinem siebten Lebensjahr stand ein römischer Knabe fast ausschließlich unter dem Einfluss seiner Mutter (65,III,75). - Timotius wurde wahrscheinlich durch das Vorbild und den Einfluss seiner Großmutter und Mutter gläubig. Eine Ermutigung für alle Mütter und Großmütter. Timotius wurde nicht durch Paulus gläubig, denn bei deren ersten Kennenlernen (Apg 16,1-2), war Timotius schon gläubig. 9 Das reine Gewissen könnte sich auf die Danksagung beziehen, - das dazwischen wäre dann ein Einschub: "ich danke Gott ... mit reinem Gewissen". Oder Paulus möchte wirklich sagen, dass er Gott immer mit reinem Gewissen diente (Apg 23,1), weil er bei seiner Verfolgung der Gemeinde in Unwissenheit handelte (1Tim 1,13) und meinte, Gottes Willen auszuführen (72,271f). Dann hätten wir hier einen weiteren Beweis dafür, dass das Gewissen kein unfehlbarer Maßstab für Richtig und Falsch ist. 10 Vielleicht hätte Paulus diese Christen aus Kleinasien gerne als Entlastungszeugen bei seinem Prozess in Rom gehabt, aber sie schämten sich (vgl. 2Tim 1,8.16; 4,16-17) seiner Ketten (72,284). Außerdem war es gefährlich, denn Nero hatte gerade begonnen die Christen grausam zu verfolgen. 11 Aus dem Ausdruck "Haus des Onesiphorus", lässt sich hier nicht sicher herauslesen, dass Onesiphorus inzwischen schon gestorben war. Vgl. den gleichen Ausdruck in 1Kor 16,15. Dort ist in dem Ausdruck "Haus des Stephanas", Stephanas als noch Lebender miteingeschlossen. Wie dem auch sei, ein Gebet für Tote kann man hier nicht ableiten, vielmehr handelt es sich um einen Wunsch (= Optativ) des Paulus in Bezug auf die Belohnung des Onesiphorus beim Richterstuhl Christi, wie es der Herr in Mt 5,7 angekündigt hat. 2.Timotius 2 1 Num 16,5.26-27; Röm 9,6; 1Joh 2,19; Jes 26,13 2 Beide Worte betont vorangestellt. Manche sehen in diesem Vers einen Hinweis, dass die Gemeinde ihre "Prediger" bezahlen muss (72,291). Ein abschreckendes Beispiel für eine willkürliche Schriftverdrehung. 3 Im zukünftigen Reich Gottes (vgl. Röm 6,8 ua.) 4 Jemanden verleugnen bedeutet, sich für das Verhalten von jemandem schämen. Futurum = bei einer kommenden Prüfung? Oder bei seiner Wiederkunft? Vgl. Mk 8,38 5 Möglicherweise auch als imperativisches Ptz.: "...schneide geradlinig das Wort der Wahrheit". Es könnte auch das Bild des Bauarbeiters dahinterstehen, der die Steine gerade schneidet, damit sie in die Mauer passen, oder der Zeltmacher, der seinen Stoff gerade schneidet, oder der Bauer der gerade Furchen pflügt (72,301; 22,IV,619). Oder allgemein: sich auf geraden Wegen bewegen, d.h. einen geradlinigen Kurs einschlagen oder einhalten. Übertr.: das Wort der Wahrheit (= die christliche Lehre) geradlinig, direkt, korrekt und ohne Umschweife lehren, es richtig handhaben und es nicht so zu verdrehen, wie die falschen Lehrer es tun (vgl. 2Kor 2,17). Möglich ist auch die Bedeutung: etwas geradlinig (ein)teilen bzw. richtig zuteilen. 6 Gräz.: sich in der Arena bei den athletischen Wettkampfspielen beteiligen, um einen Preis zu gewinnen, den man aber nur bekommen konnte, wenn man die Regeln beachtete, da man ansonsten disqualifiziert wurde. Bildlich übertragen: sich im Kampf für den Herrn abmühen, und dabei die "Wettkampfregeln" (d.h. seine Gebote) beachten. 7 Bildlich, wie von einer weidenden Herde, die das Gras um sich herum abfrisst. Auch als med. t.t.: das Umsichgreifen eines Geschwüres. Daher: das Umsichgreifen des Bösen wie bei einem Krebsgeschwür. 8 "...andersartig", weil widersprechend? 9 Diese Auserwählten die Paulus meint, sind also noch nicht errettet. Vgl. dazu 2Tim 1,9; Joh 6,37.39.43.65; 10,3.26.27. Paulus nimmt die Leiden im Dienst für den Herrn gerne in Kauf, weil er weiß, dass durch seinen mühevollen Dienst Menschen, die Gott schon in der Ewigkeit erwählte, mittels seiner Verkündigung errettet werden, wenn sie glauben (als Beispiel vgl. Apg 16,22-34; Apg 13,48 und Röm 10,14). 10 Die Aussage versteht sich vielleicht von daher, dass die Gnostiker aufgrund ihrer feindlichen Einstellung zur Materie, kein Interesse an einer leiblichen Auferstehung hatten. Sie verstanden die Auferstehung also rein geistig und behaupteten, durch den Besitz der "Erkenntnis" seien sie bereits vom Tod auferstanden (vgl. 47,z.St.). Bei den Griechen kam eine solche Vergeistlichung sicher gut an, bei liberalen Theologen heute wohl auch. 11 Glaube mit Artikel bezieht sich hier und an anderen Stellen auf die christlichen Glaubensprinzipien. 12 od. toleratives Pass.: "...lass dich innerlich ermächtigen". 13 Vielleicht ist der Gedankengang folgender: erinnere dich an Jesus Christus, der nach allen seinen Mühen als Lohn die Auferstehung erlangte (vgl. Heb 2,9). 14 In der gerade beginnenden Christenverfolgung unter Nero, war dies der Ausdruck, mit dem die Christen verleumdet wurden (21,IV,162). 15 Mit dem großen Haus meint Paulus die "Christenheit", also alle die sich äußerlich zu Christus als Herrn bekennen, obwohl sie vielleicht gar nicht wiedergeboren sind. 16 w.: ausfegen; etw. durch und durch, gründlich reinigen, indem man den Schmutz hinausfegt; allg.: sich von etw. reinigen, indem man sich davon trennt. In 1Kor 5,7 erfolgt die Reinigung der Gemeinde, indem eine Mehrheit der Gemeinde durch Gemeindezucht das Schlechte hinaustut. Wird dies versäumt, ergibt sich der hier beschriebene Zustand: es ist genau umgekehrt, denn die Minderheit muss sich nun vom mehrheitlich Schlechten im "Christentum" trennen, um sich dadurch reinzuhalten. Im 2.Timotiusbrief blickt Paulus nämlich schon prophetisch auf den zukünftigen großen Abfall innerhalb der Christenheit, wo sich die Treuen in einer Gemeinde schon in der Minderheit befinden könnten. 17 Gemeint sind die falschen Lehrer und Lippenbekenner in Vers 16-19, die nicht von der Ungerechtigkeit abstehen. 18 Sg.Mask., d.h. es war entweder der Teufel, der sie eingefangen hat, um seinen Willen auszuführen (2,z.St.). Oder Gott will, dass sie wieder nüchtern werden, heraus aus dem Fallstrick des Teufels, um wieder Gottes Willen zu tun (vgl. 72,311; 21,IV,169). 19 Med.: "von sich aus anrufen", d.h. ehrlich, und nicht nur als Lippenbekenner, wie in Vers 19? 20 Auch die Buße ist eine Geschenk Gottes (vgl. die Anm. bei Apg 11,18). Er gibt sie all denen, die bereit sind umzukehren (64,645). 21 Der Kontext von Vers 3 und Vers 9-10 spricht dafür, dass Paulus bei diesem Sterben an den Märtyrertod denkt. Er wusste, dass er kurz davorstand (2Tim 4,6). In einer solchen Situation muss man geduldig ausharren, ohne den Glauben zu verleugnen (V.12). Die Bedeutung von Röm 6,8 schließt der Kontext aus, der Sinn von Mt 10,39 könnte mit gemeint sein. 22 Vgl. 1Joh 1,9 2.Timotius 3 1 Paulus schreibt nicht: πασα η γραφη (= die ganze Schrift), und auch nicht: πασα γραμματα (= alle Schriften). Beide Ausdrücke würden sich im Kontext von Vers 15 nur auf die Schriften des AT beziehen. Die liebgewordene Übersetzung: "Alle Schrift..." steht auf schwachen Beinen, da πασα in Verbindung mit einem artikellosen Substantiv Singular in der Regel mit "jede" zu übersetzen ist. Auch Mt 2,3; Apg 2,36 und Röm 11,26 können dabei nicht als Ausnahmen gelten, da es sich dort beim Substantiv um Eigennamen handelt, die immer artikellos sind (2,z.St.; 7,z.St.; 8,z.St.; 13,61; 19,z.St.). Im Falle von Eph 2,21 ist der Handschriftenbefund nicht eindeutig, da πασα η οικοδομη durchaus die ursprüngliche Lesart sein könnte (27,603), und die Stelle dann als Gegenbeweis nicht taugt. Die Übersetzung "Alle Schrift..." würde sich jedenfalls im Kontext nur auf die schon in Vers 15 genannten Schriften des AT beziehen. Der Ausdruck πασα γραφη ohne Artikel bedeutet daher: "Jede Schrift...", - und zwar noch zusätzlich zu den Schriften des AT (die schon in Vers 15 genannt sind), - sofern auch sie durch Inspiration entstanden ist. So wurde z.B. schon von Paulus das Lukas-Evangelium (1Tim 5,18, siehe Anm. dort), oder von Petrus alle Paulusbriefe (2Pet 3,16) als Schrift bezeichnet, dem AT gleichgestellt und als göttliche Autorität anerkannt. Mit γραφη sind daher sicherlich nicht nur die einzelnen alttestamentlichen Schriften gemeint, denn Timotius brauchte keine Erinnerung daran, dass diese inspiriert sind, was alle frommen Juden glaubten (13,61), sondern auch die schon vorhandenen inspirierten Schriften des NT (72,325f). Paulus möchte die Inspiration des AT und des NT, soweit es schon vorhanden war, bestätigen. Denn nach 1Thes 2,13 und 2Pet 1,20-21 waren auch die Schreiber der neutestamentlichen Schriften alle vom Heiligen Geist getrieben, so wie ein Segelschiff vom Wind getrieben wird (60,531). Vgl. auch noch die Anm. bei Joh 14,26. - Eher unwahrscheinlich ist die Bedeutung: "Jede Schriftstelle..." (wie in Joh 19,37; Apg 1,16; 1Tim 5,18; Jak 2,8 ua.), denn dies passt nicht so gut zum Kontext (vgl. 72,324ff). - Die oft behauptete Aussage 2Tim 3,16 würde die Inspiration der gesamten Bibel beweisen, ist allerdings falsch, denn zum Zeitpunkt des 2.Timotiusbriefes gab es einige Spätschriften des NT noch gar nicht. Die göttliche Autorität des gesamten NT gründet sich auf die Verheißung Jesu an seine 11 Apostel in Joh 14,26 und Joh 16,12-14. Mit dem Tod des letzten Apostels Johannes war die Offenbarung der Wahrheit, soweit sie für dieses Zeitalter bestimmt war, abgeschlossen. Daher blickt der späte Judasbrief auf "den ein für alle Mal überlieferten Glauben" zurück (Jud 1,3), und das letzte Buch der Bibel, geschrieben vom letzten noch lebenden Apostel Johannes, warnt eindringlich davor, dem offenbarten Wort Gottes irgendetwas hinzuzufügen oder wegzunehmen (Offb 22,18-19). 2 Entw. attributiv, was sehr gut zum Kontext passen würde: "Jede Schrift, von Gott eingehaucht, (ist) auch nützlich..." (21,IV,175; 44,z.St.; 7,z.St.; 8,z.St.; 47,z.St.), und nicht nur die Schriften des AT; oder als Präd.Nomen: "Jede Schrift (ist) von Gott eingehaucht und nützlich..." (2,z.St.; 19,z.St.). Manche sagen, θεοπνευστος und ωφελιμος sind zwei zu ungleiche Begriffe, als dass sie mit και (und) verbunden auf einer Stufe stehen könnten (72,325). Außerdem stand die Inspiration der Schriften des AT für Timotius gar nicht zur Debatte. Es gibt allerdings im neutestamentlichen Griechisch kein Beispiel, wo ein attributives Adjektiv durch ein folgendes και (= auch) mit einem prädikativen Adjektiv verbunden wird (60,530). 3 Vgl. 2Tim 2,21 - Oder ein umschriebener Konj.Perf.: "...ja, damit der Mensch Gottes damit völlig ausgerüstet worden ist" (2,z.St.). - Mit dem "Menschen Gottes" ist wohl einerseits Timotius selbst als Verkündiger gemeint, der die Schriften im vorher genannten Sinn anwenden soll, andererseits aber auch jeder Gläubige, der die Schriften für den vorher genannten Verwendungszweck für sich selbst gebraucht. 4 Von Gottes Geist "inspiriert" bzw. eingegeben, Gott-gehaucht. Auch die Juden glaubten an die Inspiration der Schriften (38,IV,435ff.). Dabei ist an eine "Verbal-Inspiration" gedacht, d.h. jedes Wort ist von Gott eingegeben (vgl. 1Kor 2,13 und 2Pet 1,21), nicht jedoch an eine "Diktat-Inspiration", da der Geist Gottes den Wortschatz und den persönlichen Stil der Schreiber benützte, wie das Koine-Griechisch des NT deutlich zeigt. 5 Die bloß äußere Gestalt im Gegensatz zu einem wahren Inhalt. Von einer christlichen Frömmigkeit, die zwar äußerlich zur Schau getragen wird, der es aber an der Kraft Gottes fehlt, weil diejenigen die Paulus meint eben keine Wiedergeburt erlebt haben (72,315). Die unguten Eigenschaften die in den Versen 2-4 beschrieben werden, kennzeichnen diese Menschen. Sie haben das Evangelium zwar gehört, aber "die Liebe zur Wahrheit zu ihrer Errettung nicht angenommen", sondern sich mit einem frommen Schein begnügt. Ein "Christentum" dieser Art wird die letzten Jahre vor Jesu Kommen prägen. Es sind diejenigen, die der Herr Jesus als die fünf törichten Jungfrauen beschreibt (Mt 25,1-13), und diejenigen, die den falschen christlichen Propheten auf den Leim gehen werden (2Thes 2,9-12; Mk 13,5-6.21-22). Vgl. die gleiche Art von Leuten in Tit 1,16 6 Von Umständen oder Zeiten, die mit Schwierigkeiten verbunden sind. Hier, weil diese Zeiten durch satanisches Einwirken von dämonisierten Menschen (Mt 8,28) geprägt sind. Diese Zeiten werden schwierig (d.h. schwer zu ertragen) sein. Sie sind hart, drückend, schlimm, böse, beschwerlich, mühevoll, unbequem, quälend, wild, schmerzlich und gefahrvoll, weil die Menschheit so ist (72,313). So werden die Jahre unmittelbar vor dem Kommen des Herrn sein. Schon jetzt passieren manchmal entsetzliche Verbrechen von Menschen, die durchaus dämonisiert sein könnten. - Das Wort καιρος bezeichnet einen begrenzten Zeitabschnitt bzw. Zeitpunkt, im Gegensatz zu χρονος, welches Zeit im unbestimmten Verlauf beschreibt. Wenn Paulus hier den Plural καιροι verwendet, könnte das bedeuten, dass er die Jahre (vgl. Offb 12,14) unmittelbar vor dem Kommen des Herrn meint. Aber da sich die danach aufgezählten Widrigkeiten schon länger in der (westlichen) Gesellschaft offenbaren, dürfte er etwas anderes gemeint haben, nämlich ein wellenartiges, besser gesagt wehenartiges Auftreten dieser Sünden in der Gesellschaft der Endzeit, in der wir uns vielleicht schon befinden. 7 Vielleicht denkt Paulus auch dabei an die Kinder, weil der Begriff direkt nach "...den Eltern ungehorsam" steht. Es würde sich dann auf das Gebot: "Du sollst Vater und Mutter ehren" (Eph 6,1) beziehen und bedeuten, dass in den letzten Tagen sich Kinder nicht mehr um ihre alten Eltern kümmern. - Warum der rebellische Ungehorsam von Kindern so schlimm in Gottes Augen ist, vgl. die Anm.38 zu Röm 1,30 8 In Gräz. von Gesellschaftsdamen, die gelangweilt von ihren verschiedenartigen Launen und voll eitler Neugierde sind (37,133). Da das Wort im Pl.Neut. steht, meinte Chrysostomos ua., es handle sich um Personen beiderlei Geschlechts (19,429), was aber eher unwahrscheinlich ist (21,IV,171). 9 Dieses Sündenregister enthält interessante Parallelen, aber auch Unterschiede zum Sündenregister in Röm 1,29-31. So finden sich in beiden Aufzählungen: Prahler, den Eltern Ungehorsame, Verleumder, ohne natürliche Liebe. Aber in Röm 1,29-31 sind auch schwerere Sünden aufgezählt (daher in Vers 32 "...des Todes würdig"), z.B. Mord, Habsucht, Gottverhasste, Gewalttäter, Frevler, Unbarmherzige. Der Grund ist, dass dort die von Gott abgefallene Menschheit beschrieben wird. Die Sünden hier in 2Tim 3,2-5 sind harmloser, was wohl daran liegt, dass Paulus hier an das "große Haus" der Christenheit denkt (2Tim 2,20ff), also auch an christliche Bekenner (wie in Vers 5), die in den letzten Tagen den gleichen Lebenswandel führen werden wie die Ungläubigen, und scharenweise vom Glauben abfallen werden, weil sie nie wirklich wiedergeboren waren. - Zu anderen Sündenregistern vgl. noch Mk 7,21-22; 1Kor 5,11; 1Kor 6,9-10 und 1Tim 1,9-10. 10 Jannes (= d. Verführer) und Jambres (= d. Rebell) sind wahrscheinlich, nach einer verschollenen rabbinischen Tradition, die symbolischen Namen der beiden ägyptischen Zauberer, die nach Ex 7,8-12 Mose und Aaron Widerstand geleistet haben und deren Wunder durch satanische Macht zum Teil nachahmten (vgl. 54,z.St.; 47,z.St.). 11 Glaube mit Artikel bezieht sich hier und an anderen Stellen auf die christlichen Glaubensprinzipien. 12 "Du aber (betont)...", im Gegensatz zum Fortschreiten der Verführer in Vers 13. Es gibt auch einen negativen "Fortschritt" in der Theologie. 13 Jüdische Mütter sangen bereits ihren Babys Schriftstellen vor. Die Personen von Vers 14 beinhalten also nicht nur männliche Lehrer, wie z.B. Paulus, sondern auch schon die Mutter und Großmutter von Timotius, die ihn noch vor Paulus prägten. Eine Ermutigung für alle Mütter und Großmütter. 14 Hier ist die persönliche Verantwortung angesprochen, sich von Gläubigen fernzuhalten, die durch ihren Lebenswandel ihren Glauben verleugnen. Vgl. zum Thema Gemeindezucht die Anm. bei 1Kor 5,9 15 Da es ein Pl.Neut. ist, entw.: "...bleibe in den Schriften, von denen..."; od.: "bleibe in den Heilswahrheiten, die..." (72,322). 16 Sie wollen immer Neues hören und Wissen anhäufen, verstehen aber im Herzen nichts von dem, was sie lernen und anwenden sollten, um im Glauben zu wachsen. 17 Vgl. Lk 16,29. Hier aber ist das Festhalten an der Schrift und das Bleiben im Glauben bis zur endgültigen Errettung gemeint. 18 Mit dem Plural kann nicht nur Paulus allein gemeint sein, sondern auch noch andere (Apg 16,1-2), wie z.B. auch die Mutter und Großmutter von Timotius (1Tim 1,5). 19 Diese Menschen haben zwar eine gewisse Zuneigung zu Gott, noch mehr aber lieben sie das Vergnügen. 20 "Du aber (betont)...", beide Male im Gegensatz zu den Leuten in 2Tim 3,4-9.13. - Der folgende (ingressive?) Aorist "du bist genau gefolgt" in Vers 10, soll den Beginn dieser Nachfolge bezeichnen, als Timotius in Apg 16,1ff. der Begleiter von Paulus wurde (21,IV,173). 21 Generell kann man sagen, dass für die Exegese der Gebrauch des Artikels bei abstrakten Substantiven Beachtung verdient, indem er konkretisieren möchte. So auch bei den folgenden Begriffen: Vorsatz, Vertrauen, Geduld, Liebe (13,53-62). Demnach möchte Paulus den Timotius an die vielen einzelnen Situationen erinnern, wo er, Paulus, konkret Vertrauen, Geduld und Liebe geübt hat, sowie Verfolgungen und Leiden ertragen hat. Timotius war ja viel an der Seite von Paulus, und hat dessen Lebensführung hautnah miterlebt. Wir kennen sie aus der Apostelgeschichte, und können so auch seine Nachahmer werden. 2.Timotius 4 1 Soll das vielleicht verhüllt andeuten, dass er nach der ersten Verhandlung einstweilen der Todesstrafe entkommen ist, die ihm dann später aber doch nicht erspart blieb. Jedenfalls ist der Ausdruck im übertragenen Sinn in Bezug auf Kaiser Nero zu verstehen, denn Paulus durfte als römischer Bürger nicht buchstäblich den wilden Tieren in der Arena vorgeworfen werden. Paulus musste vorsichtig sein und sich verhüllt ausdrücken. 2 Vgl. Hes 33,32. In Gräz. in Bezug auf die "gewählte" Ausdrucksweise der Sophisten, die bei ihren Zuhörern Eindruck erweckte, weil sie ihnen schmeichelte und sie erheiterte (37,349). Allg.: danach gelüsten Dinge zu hören die schmeicheln, interessant klingen oder die Neugierde befriedigen. Dies wird der Predigtstil der falschen Lehrer in den letzten Tagen sein. 3 In diesem Abschnitt wird der Charakter des Briefs als eines Abschiedsbriefs und einer letztwilligen Verfügung besonders deutlich. Vergleiche auch in Apg 20,18-35 die Abschiedsrede des Paulus in Milet an die Ältesten von Ephesus (vgl. 47,z.St.). 4 Wie wenig Bedürfnisse, hatte Paulus am Ende seines Lebens: Sehnsucht nach brüderlicher Gemeinschaft, einen Mantel gegen die Kälte im Gefängnis und das Studium der Schriften! 5 So weit wir wissen, kam Timotius zu spät, Paulus war schon hingerichtet worden. Timotius selbst kam dann in Rom möglicherweise ins Gefängnis (Hebr 13,23). 6 Frage nicht: Ist das ein gelegener Zeitpunkt? Frage eher: Warum sollte das kein gelegener Zeitpunkt sein? (21,IV,176) 7 Paulus wird abtreten und gibt die Staffel an Timotius weiter. 8 Paulus sieht seinen bevorstehenden Märtyrertod als ein unblutiges, weil nicht sühnendes, Opfer für seinen Herrn, der das eigentliche Brandopfer war (vgl. Apg 9,16). Vgl. die Anm. bei Phil 2,17 9 Der Siegeskranz bei den athletischen Spielen. 10 Das bedeutet nicht, dass Demas vom Glauben abgefallen ist, sondern die Mitarbeit im Missionsteam quittierte und in seine Heimatstadt zurückging, vielleicht um einer lukrativen weltlichen Arbeit nachzugehen. 11 Wahrscheinlich die Provinz Galatien. Die Provinz Gaulitis in Südfrankreich scheidet eher aus, denn dies würde voraussetzen, dass Paulus wirklich nach Spanien kam und auf seiner Reise dorthin Gemeinden in Südfrankreich gründete, die Kreszenz weiter betreuen sollte (so: 21,IV,179). 12 Weder Titus noch Timotius blieben permanent in Kreta bzw. Ephesus, - sie wurden keine "Pastoren", "Bischöfe" oder "Superintendenten" dort. 13 Warum konnte ihn Paulus nicht heilen? Hatte Gott die Gabe der Heilung vielleicht schon zurückgezogen? Vgl. auch die Anm. bei Phil 2,27 14 "Du aber (betont)...", im Gegensatz zu den Lehrern in Vers 3. 15 Dieser Alexander könnte ident sein mit dem in Apg 19,33, sicher aber nicht mit dem in 1Tim 1,20, denn dieser war ein Christ. Vielleicht ist dieser Alexander mit einer Gruppe Juden nach Rom gekommen, um gegen Paulus auszusagen (72,341ff). 16 Unüblicherweise wird sie an drei Stellen (Apg 18,18; Röm 16,3; 2Tim 4,19) vor ihrem Mann genannt. Es könnte sein, dass sie aktiver und geistlich gesinnter war als ihr Mann. 17 Das waren wohl die Brüder, die in Vers 21 genannt sind. Wahrscheinlich erschienen sie aus Angst nicht als Entlastungszeugen bei seiner Gerichtsverhandlung. 18 Die drei Perfekta "habe gekämpft, ... habe vollendet, ... habe bewahrt", zeigen an, dass der Glaubenskampf bis zum Lebensende andauert. Es ist der Kampf gegen die Sünde (Heb 12,4), der Kampf im Gebet (Röm 15,30) und der Kampf für den Glauben und die Verbreitung des Evangeliums (Phil 1,27b; 4,3). Unser Glaubenskampf kann sich an der Eroberung Kanaans durch Josua orientieren: (1.) Eroberung des Erbteils (Dtn 9,3-6). Für uns bedeutet das: alle Verheißungen Gottes in Anspruch zu nehmen und Gottes Hilfe und Segen zu erleben. - (2.) Ausrottung der Feinde (Jos 6,21). Für uns bedeutet das: alles Böse aus unserem alten Leben und böse Einflüsse aus der Welt gänzlich auszurotten (Mt 18,8-9; Kol 3,5-10 ua.). - (3.) Aufbau des Landes. Für uns bedeutet das: gute Gewohnheiten zu entwickeln und die Frucht des Geistes zur Entfaltung kommen lassen. Zu Titus Titus 1 1 Ohne Artikel: die Art und Weise wie er das Evangelium verkündigt hat, also durch Predigt und nicht auf irgendeine andere Art. Auch noch heute ist die Predigt die beste Methode der Evangeliumsverkündigung. 2 Ein Prädikats-Nomen (72,227). Ältester und Aufseher sind zwei verschiedene Bezeichnungen für dasselbe Amt (Apg 20,17.28). Die erste Bezeichnung drückt die Reife, Würde und die nötigen Qualifikationen der Person aus, die zweite die Bezeichnung seiner Aufgabe (72,228). Bei der Einzahl Aufseher, handelt es sich um den individualisierenden generischen Singular: "jeder einzelne Aufseher..." (21,IV,187). Es ist daher falsch daraus abzuleiten, dass unter mehreren Ältesten einer ein Aufseher war, sozusagen ein "primus inter pares" (2,z.St.). Es ist historisch gesichert, dass es in der Urgemeinde in jeder Gemeinde mehrere Älteste gab (72,227). 3 Das ist nach Tit 1,4 und Tit 2,10 Christus, womit seine Gottheit von Paulus bezeugt wird. Vgl. auch noch: Joh 1,18; 8,58; 10,30-39; 20,28; Röm 9,5; Tit 2,13; 2Pet 1,1 ua. 4 od. subst.: "...(der) Kinder Habende". 5 Das Wort bedeutet hier, da es grammatisch absolut steht, "...gläubige", und nicht: "...treue" (siehe 1,1337; 21,IV,187). So auch in Apg 16,1; 2Kor 6,15; 1Tim 4,3.10; 5,16; 6,2. Das zeigt wiederum, dass ein Ältester ein Mann in schon reiferem Alter war, da es nötig war, dass er bereits gläubige, also größere, Kinder hatte. Da das Adjektiv "gläubig" nicht vor "Kinder" steht (wie in Vers 4), sondern erst danach angefügt ist, könnte es darauf hinweisen, dass Paulus nicht darauf besteht, dass alle seine Kinder (schon?) gläubig sein müssen. 6 Nicht das übliche Wort für streng, sondern den Widerspruch schroff, kurz und bündig abschneiden, ohne sich auf eine lange Diskussion einzulassen. 7 Da sie von den Ungläubigen unterschieden werden, sind damit wahrscheinlich bekennende Christen, wie in Vers 16 gemeint. 8 D.h. nicht geschieden und wiederverheiratet, denn mehre Frauen gleichzeitig zu haben war für einen Gläubigen ohnehin nicht erlaubt. Vgl. auch die Anm. bei 1Tim 5,9 9 Das zitierte Wort des "Propheten" ist im Griechischen ein Hexameter, der dem Dichterphilosophen Epimenides (6. Jh. v.Chr.) zugeschrieben wird, der ihn allerdings von Hesiod, und dieser wiederum von den Hymnen an Zeus übernahm (vgl. 47,z.St.; 65,III,96; 72,233). Auch Cicero betrachtete Epimenides als einen Propheten. Er war es auch, der den Athenern den Rat gab, einen Altar für den unbekannten Gott zu errichten (21,IV,189). Die Kreter waren allgemein für ihren Hochmut, ihre Hinterlist und ihre Habgier bekannt. Jede Kultur und jedes Volk hat seine charakteristischen Schwächen, deren sich der Gläubige aus diesem Volk bewusst sein sollte. 10 Glaube mit Artikel bezieht sich hier und an anderen Stellen auf die christlichen Glaubensprinzipien. 11 Die Bezeichnung "Jesus Christus" betont mehr den historischen Menschen Jesus, der auch der Messias war. Hier, bei "Christus Jesus" ist es umgekehrt, der Messias-Titel Jesu wird betont (21,IV,89). 12 In 1Tim 3,8 nur für Diakone, hier vielleicht auch für Älteste, weil noch keine Diakone vorhanden waren, und die Ältesten auch diese Aufgabe abdeckten. In 1Pet 5,2 allerdings auch eine Eigenschaft die von Ältesten erwartet wird (21,IV,115). 13 κατα kann: "...gemäß/entsprechend" bedeuten (72,222). Aber, dass Paulus sagen möchte, sein Apostelamt sei gemäß dem Glauben der Auserwählten, macht wenig Sinn. Er begründet sein Apostelamt immer mit seiner persönlichen Berufung durch den Herrn. Daher sollte man κατα hier eher im Sinne von: "...mit dem Ziel...", verstehen (1,826; 44,647). Damit ergibt sich folgender Sinn: Paulus ist Apostel Jesu Christi mit dem Ziel, dass die Auserwählten, die noch nicht gläubig geworden sind, durch seine Predigt zum Glauben kommen (wie in 2Tim 2,10 und Apg 13,48), und dann in weiterer Folge zur Erkenntnis der Wahrheit, die zu einem Leben aus frommer Ehrfurcht führt. Das passt zum ganzen Zusammenhang von Vers 1-3, wo es um seine Sendung als Apostel zur Verkündigung des Evangeliums geht. 14 Im Gegensatz zu Strong Nr. 2641 meist nur ein vorübergehendes Zurücklassen. Titus blieb nicht permanent in Kreta. Vgl. Anm. bei 2Tim 4,10 15 Titus hat in Kreta, genauso wie Timotius in Ephesus, nicht eigenmächtig Älteste eingesetzt, sondern nur auf Befehl von Paulus, und dies eben auch nur in Kreta (21,IV,186). Ob jemand, z.B. ein Gemeindegründer, auch heute noch das Recht hat Älteste einzusetzen ist zurecht umstritten. Vgl. auch noch die Anm. zu Apg 14,23; 20,28. - Zwischen Tit 1,6-9 und 1Tim 3,1-7 gibt es unterschiedliche Anforderungen: https://drive.google.com/file/d/1pQHyYf1w-Mf3u73DE8HWNvPFGgf7DS8g/view?usp=sharing 16 Vergleiche den gleichen Ausdruck in 2Tim 1,9-10, wo es auch um die Erwählung der Gläubigen vor ewigen Zeiten und um die Offenbarung der Wahrheit in der gegenwärtigen Zeit geht. 17 Ein Ältester muss kein Lehrer oder Prediger sein, denn 1Tim 5,17 zeigt, dass es auch Älteste gab, die nicht predigten. Aber er muss fähig sein, mit der rechten Lehre den Irrtum zu widerlegen, und zwar nach Tit 1,9 unter Verwendung der Schrift, gegründet auf die Schrift und im Einklang mit der gesunden Lehre (72,229). 18 Schon ein Schriftsteller der lange vor Paulus lebte, hatte den Kretern vorgeworfen geldgierig zu sein (65,III,96). Auch auf heutige Prediger des "Wohlstandsevangeliums", trifft die Aussage des Paulus zu. 19 Beschreibt jemanden der einen verschwenderischen, ausschweifenden und lasterhaften Lebenswandel führt, wie der verlorene Sohn in Lk 15,13. Damit können nur ältere Kinder gemeint sein, wofür auch die Bedingung spricht, dass sie gläubig sein sollen. Der Älteste soll also ein Mann in reiferen Jahren sein, der schon größere Kinder hat. 20 Vgl. die gleiche Art von Leuten in 2Tim 3,5 und die Anm. dort. Titus 2 1 Wie die Frau in Spr 31,10ff, sollen sie ihren Haushalt, samt eventuellen Hausangestellten, gut managen (72,243). Möglich wäre auch die Aufteilung in zwei Adjektive: "...häuslich, gütig,..." (72,243). 2 Da σωτηρος ohne Artikel steht, wird Christus hier, wie auch in 2Pet 1,1, ziemlich sicher von Paulus als Gott und Erretter bezeichnet (vgl. 19,z.St.; 13,60; 44,649; 72,249; 26,II,136). Hier wäre wieder eine der Stellen, die die Gottheit Christi deutlich herausstreichen. Vgl. auch noch: Joh 1,1.18; 8,58; 10,30-39; 20,28; Röm 9,5 ua. 3 Gehörte Titus auch noch zu den Jüngeren? Die stärkste Autorität hat ein Lehrer, wenn er selbst das vorbildlich praktiziert, was er die anderen lehrt (vgl. auch: 1Tim 4,12; Mt 5,16). - Möglich auch: "selbstbeherrscht zu sein in allem, wobei dich selbst darbietend als Vorbild...". Der Rest von Vers 7 und 8 könnte sich noch auf die jungen Männer, oder nur auf Titus allein beziehen (72,244f). 4 Die Übersetzung: "Denn die Errettung-bringende Gnade Gottes erschien...", ist eher falsch (72,247). Weil Gott ein Erretter-Gott ist (Vers 10), der will, dass alle Menschen errettet werden (1Tim 2,4), ist die Gnade ein errettendes Angebot an alle, dass aber nicht von allen angenommen wird. 5 Damit ist die sichtbare Wiederkunft Christi gemeint, wenn er mitsamt den auferstandenen und verherrlichten Gläubigen und seinen Engeln auf die Erde kommt. Seine bis dahin noch verborgene Herrlichkeit erscheint dann für alle sichtbar. Der Gen.epexeg. ist als Hendiadyoin zu übersetzen: "die glückselige Hoffnung auf die Erscheinung..." (2,1139; 44,649, 72,249). 6 Hes 37,23; Ex 14,5 7 Med.: von sich aus und nicht zwangsweise. 8 Sklaven galten damals zu Recht als unzuverlässig und faul, sie waren oft widersprechend und stehlend. Darum war es so wichtig, dass christliche Sklaven anders waren, um das Evangelium nicht in Verruf zu bringen. Dies lässt sich gut auf christliche Arbeitnehmer heutzutage anwenden. 9 Eine gesunde Belehrung erhält bzw. macht gesund im Glauben. Sie ist, wie die folgenden Verse zeigen, auf das praktische Leben ausgerichtet, und nicht auf Wortklaubereien die nur Streitigkeiten erzeugen. 10 Hier ein weibliches Ältestenamt herauszulesen ist absurd, denn auch in Vers 2 sind nicht Älteste, sondern ältere Männer gemeint (72,240). 11 Nicht an ein Lehramt ist hier gedacht, sondern daran, dass die reiferen Frauen die jüngeren Frauen seelsorglich durch Wort und Beispiel im rechten Verhalten anleiten, und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Dies könnte ein jüngerer Mann wie Titus bei jüngeren Frauen nicht tun. Es würde ihn ja in Verruf bringen (72,241). Priscilla in Apg 18,26, könnte den Frauen als Beispiel dienen. 12 Betont, im Gegensatz zu den Schwätzern in Tit 1,10ff. 13 Den Ehemann aufopfernd zu lieben, fällt den Frauen oft leichter, als ihn freundschaftlich gern zu haben. Bei den Männern mag es umgekehrt sein (vgl. Eph 5,25). 14 Die Unterordnung der Frau unter den Mann, war zur damaligen Zeit selbstverständlich. Ein Abweichen davon, hätte dem Ruf des Christentums geschadet. Titus 3 1 Als toleratives Part.Präs.Pass.: von sich aus und beständig; d.h. bereitwillig, freiwillig und nicht gezwungenermaßen (wie Röm 13,1). 2 Gemeint ist Gott, wegen Vers 6: "er (= Gott) .... goss aus durch Jesus...". 3 Vgl. 2Kor 5,17 (καινα = neuartig). 4 Unter den zahlreichen Städten mit diesem Namen kommt nur das Nikopolis im Epirus in Betracht. Die Stadt wurde von Augustus im Jahr 31 v.Chr., zur Erinnerung an seinen Sieg über Antonius in der Schlacht von Actium auf einer Halbinsel am Ambrakotischen Golf als zukünftige Hauptstadt vom Epirus gegründet, als er dort sein Heerlager aufgeschlagen hatte (Strabo,VII,5,324). Es war eine römische Kolonie, mit zahlreichen Rechten und Freiheiten ausgestattet und berühmt wegen den Aktischen Spielen. Möglicherweise hat Paulus diese Stadt für eine mögliche Mission des Epirus Gebietes ausgewählt. Die Ruinen befinden sich in der Nähe des heutigen Preseva (vgl. 33,834; 72,265). 5 Artemas und Tychikus sollten Titus in Kreta ablösen und dessen Arbeit dort weiterführen. 6 Vgl. 2Tim 4,21. Wahrscheinlich wurde Paulus auf seiner Reise nach Nikopolis, oder dort selbst, verhaftet und nach Rom gebracht, von wo er dann, vor dem erwähnten Winter, den 2.Timotiusbrief schrieb. 7 Zenas und Apollos waren umherziehende Lehrer, die den Gläubigen in verschiedenen Gemeinden am Wort dienten, und daher für ihre täglichen Bedürfnisse unterstützt werden sollten. Vielleicht überbrachten sie den Brief an Titus. 8 Vgl. zur Sache die Anm. bei 1Kor 5,9 und Spr 22,10 9 Die jüdischen Gemeinden, die es im ganzen Osten des römischen Reiches gab, verfügten über ein gut organisiertes System gegenseitiger Hilfeleistung (59,286). Die christlichen Gemeinden sollten dem um nichts nachstehen. 10 od.: "dass du mit Nachdruck dafür eintrittst". 11 Entweder ein gläubig gewordener jüdischer Gesetzeslehrer oder ein römischer Jurist (65,III,105; 72,266). 12 Diese vier Ptz. sind entw. modal: "wobei/indem", oder als ein umschriebener Impf.: "andauernd/immer wieder" zu verstehen (2,z.St.). 13 Gen.obj.: "der Hoffnung auf ewiges Leben" (2,z.St.). Zu Philemon Philemon 1 1 Entweder: "wirksam werde...für Christus"; od.: "wirksam werde...durch uns dank der Beziehung zu Christus". 2 Aorist des Briefstils: d.h. jetzt, zugleich mit dem Brief (67,279). Nach Dtn 23,16 war man verpflichtet einen flüchtigen Sklaven aufzunehmen, im Gegensatz dazu musste man ihn nach römischen Recht an seinen Herrn ausliefern, worauf der Sklave mit einer schweren Strafe rechnen musste (65,III,108). 3 Auf ewig, weil er sich durch Paulus bekehrte und so ein Glaubensbruder des Philemon wurde? od. einfach: für immer (2,z.St.). 4 Als juristischer t.t.: Schadenersatz leisten (2,z.St.). Nach dem Gesetz stellte der Arbeitsausfall einen finanziellen Verlust dar, für den der aufkommen musste, der einen entlaufenen Sklaven aufnahm (65,III,108). 5 Da Archippus ein leitender Bruder in der Gemeinde in Kolossä war (vgl. Kol 4,17), wird die Gemeinde in der Philemon und seine Frau Aphia waren, wohl die Gemeinde in Kolossä sein, die sich im Haus von Philemon versammelte. Viele nehmen an, dass Archippus der Sohn von Philemon und Aphia war, und deshalb zusammen mit ihnen am Briefanfang genannt wurde (33,78). - Bis zum 3.Jhdt. gibt es keinen Hinweis darauf, dass die Christen eigene Gebäude für ihre Gottesdienste errichteten, sie versammelten sich in größeren Privathäusern (21,IV,212). 6 Das Alter zwischen 49-56 Jahren. Paulus dürfte damals etwa 57 Jahre alt gewesen sein, aber durch Krankheit und ein jahrzehntelanges aufreibendes Leben war er schon frühzeitig gealtert. Vielleicht aber auch ein früher Abschreibfehler in den Hs. und dann äquivalent zu πρεσβευτης (= der Abgesandte bzw. Legat des Kaisers), - in Bezug auf Paulus dann: ein Legat Christi (2,1143; 65,III,111; 67,278; 21,IV,213). 7 Realis, d.h. was wahrscheinlich der Fall war, denn Onesimus brauchte für seine Flucht bis nach Rom Geld zum Überleben. Ein Ausdruck wie er in Schuldverschreibungen verwendet wurde: "Auf meine Rechnung setzen" (2,1144; 65,III,112) 8 Im Griechischen ein Wortspiel mit dem Namen Onesimus. Onesimus bedeutet: der Vorteilhafte oder Brauchbare oder Nützliche. Die Verse 11+20 sind vielleicht eine Anspielung auf die Bedeutung des Namens 9 Paulus deutet nur an, was er eigentlich erwartet, nämlich, dass Philemon Onesimus freigibt, damit dieser Paulus dienen kann. Die Abschaffung der Sklaverei zu verlangen, dafür war die Zeit noch nicht reif, aber Paulus deutet bereits an, was das Evangelium eigentlich darüber sagt (vgl. 21,IV,216). 10 Epaphras war wahrscheinlich der Gemeindegründer in Kolossä. Paulus ist sich bewusst, dass er und seine Mitarbeiter in einem geistlichen Krieg kämpfen. 11 Gräz.: die Geschäftspartnerschaft. Ein Geschäftspartner im Zusammenhang mit gemeinsamem Besitz (65,III,110). 12 In der Gräz. in Geschäftsdokumenten über Transaktionen (65,II,112). 13 Chiastische Wortstellung (2,z.St.); od. viell.: "hörend von deiner Liebe zu allen Heiligen, und dem Glauben den du hast an den Herrn Jesus" (7,z.St.; 44,652). 14 Ein geschäftlicher t.t.: "..., dass du auf meinem Konto im Schuldenrückstand bist" (67,285). 15 Markus wurde zusammen mit Onesimus und Tychikus, kurz davor nach Kolossä gesandt (Kol 4,10), was beweist, dass der Philemonbrief noch vor dem Kolosserbrief geschrieben wurde. 16 Der Imperfekt bezeichnet einen erfüllbaren oder unerfüllbaren Wunsch (2,z.St.). . Zu Hebräern Hebräer 1 1 Ps 2,7-8 Das "gezeugt" bedeutet hier nicht den Beginn der Existenz, sondern die Einsetzung in ein Amt, und zwar nach Apg 13,33 und Röm 1,4 die Einsetzung als Messias-König durch die Auferstehung und die anschließende Himmelfahrt. Mit den sieben folgenden Zitaten beweist der Schreiber aus dem AT, die Hoheit und Gottheit Christi. 2 2Sam 7,14; 1Chr 17,13 3 Dtn 32,43 (LXX); Ps 97,7 (LXX). Der Psalm 97,1ff. spricht vom zukünftigen messianischen Friedensreich. Daher bezieht sich der Vers 7 in diesem Psalm eindeutig auf die Wiederkunft Jesu, mit der dieses Friedensreich beginnt. Damit deutet der Verfasser an, dass er an die Gottheit Christi glaubt, denn nur Gott darf angebetet werden. Vgl. auch Anm.12 4 Ps 104,4 (LXX) 5 Ps 45,7-8 (LXX). Der Psalm ist ein Lied für den zukünftigen König (Ps 45,2), also für den Messias. Daher kann der Schreiber ihn auf Jesus anwenden. 6 Das sind entweder die anderen Könige im AT, oder die Engel, oder die "Brüder", wie in Heb 2,11 und Heb 3,14 7 Indem er Christus den Sohn mit HERR (= Jahwe) anredet, bezeugt er wiederum seine Gottheit. 8 Im übertragenen Sinn (wie in Ex 4,22) ein messianischer Titel von Christus (Ps 89,27), weil er in allem den Vorrang hat als der Erste, d.h. der Vornehmste unter weiteren Söhnen (Röm 8,29). Er ist der "Erstgeborene", sowohl in der ersten Schöpfung die durch ihn gemacht wurde (Kol 1,15), als auch in der neuen Schöpfung (Kol 1,18), weil er als Erster aus den Toten auferstand und damit der Anfang dieser neuen Schöpfung, und das Oberhaupt der Gemeinde wurde (Offb 1,5; Ps 89,28). Im diesem übertragenen Sinn gebraucht, bedeutet das Wort nicht, dass Christus als erster geschaffen wurde, denn dafür stünde das Wort πρωτοκτιστος (11,I,280; 67,321ff). Vergleiche im Gegensatz dazu μονογενης (Joh 1,14.18 ua.), wo er als der einzigartige Sohn Gottes gesehen wird. 9 Ps 102,26-28 (LXX). Das ganze Zitat bezieht sich im Psalm auf Gott, hier bezieht es der Schreiber auf Jesus Christus und macht ihn so Gott gleich. 10 Ps 110,1 (LXX) 11 Ohne Artikel (vgl. Heb 12,7), d.h. in der Person eines Sohnes, durch einen der Sohn ist, im Gegensatz zu Mittlern (z.B. Mose, Propheten, Engeln). - Mit den letzten Tagen ist in der LXX und bei den Juden der Anbruch des messianischen Zeitalters gemeint (2,1145; 44,654) 12 Ein Nominativ mit Artikel anstelle eines Vokativs, daher nicht mit: "Dein Thron ist Gott" zu übersetzen (2,1146; 13,11; 44,655; 79,21). Hier ist wieder eine der Stellen, die die Gottheit Christi sehr deutlich herausstreichen. Vgl. auch noch: Joh 1,18; 8,58; 10,30-39; 20,28; Röm 9,5; Tit 2,13; 2Pet 1,1 ua. In Vers 9 wird Gott der Sohn, von Gott dem Vater, unterschieden (65,III,193). "...dich, oh Gott" (= Christus), "...dein Gott" (= der Vater). 13 od. als zeitloses hebr. Perf.: "du liebst ... du hasst" (2,1146; 7,z.St.). 14 Der ewig Unveränderliche: "Ich bin, der ich bin". Im Psalm ist Gott gemeint, hier Christus. Der Schreiber macht Christus so Gott gleich. Zur Auflösung des alten Universums vgl. 2Pet 3,10-13 15 Hebr. Gen.qual.: "durch seinen machtvollen Ausspruch" (2,1145; 44,654). 16 Das kunstvoll gestaltete Vorwort (Heb 1,1-4) und die anschließenden Zitate aus dem Alten Testament legen dar, dass Jesus als der Sohn Gottes die Engel an Bedeutung weit übertrifft. Daher ist auch der von ihm gestiftete Neue Bund dem Alten Bund, der nach jüdischer Auffassung durch Engel vermittelt wurde (vgl. Apg 7,53; Gal 3,19), weit überlegen (vgl. 47,z.St.). Die Verse 5 -14 sind ein gedanklicher Einschub. Sie sollen beweisen, dass der Sohn über den Engeln steht (65,III,192). 17 Vgl. Hes 1,28b Hebräer 2 1 Ps 8,5-7 (LXX). Mit Menschensohn ist im Psalm einfach der Mensch gemeint. Der Verfasser wendet es daher auf Jesus als Mensch an, denn die Verheißung hat in ihm schon die Erfüllung gefunden. Nur als Mensch war er kurze Zeit niedriger als die Engel (65,III,195). Vgl. auch Anm. bei Mt 21,16 2 Vgl. Apg 7,53; Gal 3,19; Ex 3,2.4 3 Vgl. die Verheißung Jesu in Joh 14,26; 16,13 und das Bewusstsein der Apostel in 1Kor 2,10-13 ua. 4 Ps 22,23 (LXX) 5 Jes 8,17-18; 12,2; 2Sam 22,3 6 Ein t.t. der Schiffersprache: wie ein Schiff am Zielhafen vorbeitreiben. Dies impliziert aber nicht, dass der Wiedergeborene dadurch sein Heil verliert. Auch das Volk Israel trieb am Ziel vorbei, da sie nicht ins gelobte Land kamen. Dennoch hat Gott ihre Sünde vergeben (vgl. Num 14,18-21 und die Anmerkungen zu Heb 6,6ff). 7 entw. Gen.subj.: Zuteilungen Heiligen Geistes; od. Gen.obj.: von Gott zugeteilte Gaben. Diese Zeichen und Wunder geschahen vor allem am Anfang (Vers 3), durch die Apostel und herausragende Verkündiger (z.B. Stephanus, Philippus), um die neue Botschaft des Evangeliums göttlich zu bestätigen (vgl. Mk 16,20 und die Anmerkungen dort). Gegen Ende der Apostelgeschichte sehen wir immer mehr ein Abnehmen von Zeichen und Wundern, und die frühen Kirchenväter bezeugen, dass sie nicht mehr geschehen. 8 Begründung für Vers 1-4. Der Sohn ist höher als die Engel, und seine Botschaft daher umso gewichtiger. 9 D.h. bei der Menschwerdung und bei seinem Leiden. 10 Vgl. 2Pet 1,16-18 11 υπερ (= im Hinblick auf...) und nicht αντι (= anstelle von). Vgl. dazu Mt 20,28 und 1Tim 2,6 und die Anmerkungen dort (79,45). 12 Aorist und nicht Perfekt, daher: "...hatte er vorübergehend (durch seine Menschwerdung) Anteil an... ". Aber da der Herr Jesus auch als Mensch gleichzeitig Gott war, verwendet der Autor den Begriff: "...in nahekommender/ähnlicher Weise hatte er Anteil...". Jesus musste Mensch werden, denn der Erlöser muss genauso ein Mensch sein, wie die, welche er erlösen will. 13 Ptz.Präs.Pass.: daher handelt es sich hier nicht um die Heiligung die ein für alle Mal an uns geschehen ist und uns nicht mehr genommen wird (so in Heb 10,10), sondern, ganz im Sinne des ermahnenden Themas im Brief, um den lebenslangen Prozess der Heiligung, ohne die niemand den Herrn schauen wird (Heb 12,14), weil Gott selbst sie in erzieherischer Weise an uns vollziehen wird, bevor er uns zu sich nimmt. Der Herr erzieht und heiligt seine Kinder, ob sie es wollen oder nicht. 14 od.: "Denn, weil er gelitten hat, und dabei selbst versucht wurde..." (79,62). Natürlich konnte Christus nie zum Bösen versucht werden (Jak 1,13), denn Sünde war nicht in ihm (1Joh 3,5b). "Der Herr Jesus wurde von außen versucht, niemals jedoch von innen. Die Versuchung in der Wüste zeigt, wie er von außen versucht wurde. Satan erschien ihm und wollte ihn durch äußere Reize verführen. Doch der Erlöser konnte nie von inneren Lüsten und Begierden versucht werden, denn in ihm war keine Sünde, und nichts, was auf Sünde hätte ansprechen können. Er litt, als er versucht worden ist. Während es uns schmerzt, der Versuchung zu widerstehen, litt er Schmerzen, während er versucht wurde" (48,1200). 15 Ein schönes Beispiel dafür, wo man Verbalinspiration von Diktatinspiration unterscheiden kann. Bei einer Diktatinspiration hätte Gott dem Schreiber auch die genaue Bibelstelle eingegeben, bei der Verbalinspiration lässt er ihm die Freiheit zu sagen, dass er momentan nicht genau weiß, wo das Zitat steht. Für eine andere Erklärung siehe: 94,z.St. Siehe auch Heb 4,4 Hebräer 3 1 Num 12,7 (LXX) 2 Obwohl die Anrede "Brüder" unter Juden üblich war (z.B. Apg 2,29.37; 3,17; 7,2; 13,15 ua), und man deshalb daraus noch nicht schließen kann, er würde damit unbedingt Gläubige ansprechen, ist der Zusatz "heilige Brüder, Mitteilhaber himmlischer Berufung" eindeutig auf Gläubige bezogen. Der Schreiber würde solche unter denen er auch Mitläufer vermutet, nicht so gezielt ansprechen. Vgl. auch Heb 10,19 3 Vierzig Jahre verhärteten die Israeliten ihre Herzen in der Wüste. Fast vierzig Jahre waren seit Jesus bis zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Briefes schon vergangen, und der Großteil der Juden verhärtete immer noch ihr Herz gegen den Messias. Vom Auftreten Jesu (30 n.Chr.) bis zur Zerstörung des Tempels (70 n.Chr.) vergingen genau vierzig Jahre, in denen die Geduld Gottes mit seinem Volk Israel zuwartete. Die Zahl 40 ist in der Bibel die symbolische Zahl für Prüfung. 4 Als Perf. w.: "sind wir geworden". Hier aber wahrscheinlich ein Zustandspassiv im Sinne eines gegenwärtigen Zustands, als Ergebnis eines Geschehens in der Vergangenheit (2,1152; 79,87). Wie in Vers 14 ist das Festhalten am Glauben ein Beweis unseres echten Glaubens. Ein Mitteilhaber des Christus ist nur der, der bis zum Tod am rettenden Glauben festhält (48,1202). 5 Das Hinsterben in der Wüste war eine Züchtigung und keine Verdammnis. Außerdem wird beim Volk Gottes in der Wüste unterschieden, zwischen der Mehrheit des Volkes die eines natürlichen Todes starben, und denen, die durch ein plötzliches Gericht hinweggerafft wurden, z.B. die bösen Kundschafter (Num 14,36-38), die Rotte Korah (Num 16,1ff), oder diejenigen, die Götzendienst mit den Midianitern trieben (Num 25,1ff). Denen aber, die in der Wüste eines natürlichen Todes sterben mussten - übrigens auch Mose und Aaron - begleitete die Güte Gottes die ganzen 40 Jahre lang (Dtn 8,2-5). Daher können sich die Ermahnungen des Hebräerbriefs auch auf Gläubige beziehen die hart gezüchtigt werden, falls sie abfallen, denen aber Gott ihren Abfall genauso vergibt, wie den in der Wüste gefallenen Israeliten (vgl. Num 14,19-20). Vgl. auch die Anmerkungen zu Heb 6,6ff. 6 Ps 95,7-11 (vgl. Num 14,23). Nach Ps 95,11 sollte das Volk Israel eigentlich im Land Kanaan Ruhe finden. Der Verfasser verbindet die Psalm-Stelle aber mit Gen 2,2-3 und sieht für die Gläubigen eine noch ausstehende, zukünftige Ruhe, einerseits die Ruhe von Mt 11,28f, und im Weiteren die Ruhe im tausendjährigen Reich. 7 Als abschreckendes Beispiel für solche, die ihre Zuversicht nicht bis zum Ende festgehalten haben, wird nun in Vers 7-13 die Generation Israels in der Wüste angeführt, die das Land nicht einnehmen wollte. Das "Heute" aber wird auf die Adressaten des Briefes angewendet. Sie sollen sich mit der damaligen Generation vergleichen, und nicht den gleichen Fehler machen wie jene. - Hier beginnt der erste ermahnende Einschub von Heb 3,7 - 4,13. 8 In Apg 26,19 wird das Adjektiv auch für den gläubigen Paulus verwendet. Der Ausdruck bezieht sich also nicht nur auf Ungläubige. Wenn sich das Herz eines Gläubigen durch Sünde verhärtet, bewirkt dies Unglaube und Ungehorsam. Der Ungehorsam bestand darin, dass sie das Land nicht einnehmen wollten (Num 14,1ff; Dtn 1,32). 9 Der Unglaube (ohne Artikel) bestand darin, dass sie den Kundschaftern Josua und Kaleb nicht glaubten (Num 14,1ff). Das heißt aber nicht, dass sie nicht gläubig waren. Sie waren erlöst durch das Blut des Passalammes. 10 Ptz.Fut.: "...der (von Mose aus gesehen) in Zukunft (durch Christus?) gesprochen werdenden Dinge" (21,IV,274). 11 Das kann aber nicht bedeuten, dass der Schreiber sagen will, wir würden nur dann errettet werden, wenn wir am Glauben festhalten. Dann würde die Errettung aus Werken vollendet (vgl. dagegen Gal 3,1-3). Aber das Festhalten ist ein Beweis unseres echten Glaubens (48,1201; 89,57). 12 Wir haben jeden Tag die ermunternde Ermahnung unserer Mitgeschwister nötig. Vgl. Heb 10,25 Hebräer 4 1 Ps 95,11 2 Gen 2,2 (LXX). 3 Eine hebräische Schwurformel, welche die Verneinung betont: keinesfalls werden sie hineinkommen. Nach jüdischer Ansicht verkörpert die zukünftige Welt, den endgültigen Sabbat (65,III,201). 4 Ps 95,7b-8. Dieses "Heute" wird damit auf die Adressaten des Briefes angewendet. Die Juden ihrer Zeit erwarteten nämlich, dass Israel erst in der Endzeit in diese Ruhe eingehen und über das ganze Land herrschen wird, welches Gott dem Abraham verheißen hat (65,III,201). 5 Wahrscheinlich hat der Autor eine Opferung, mit anschließender Zerlegung des Schlachtopfers durch die Priester, im Blick. Er wendet diesen Sachverhalt auf die überführende Wirkung von Gottes Wort an: es beurteilt und unterscheidet die innersten Motive und trennt Gefühlsmäßiges (= Seele) von Geistlichem (= Geist). Zur Unterscheidung von Geist, Seele und Körper vgl. die Anm. bei 1Kor 15,45 6 Eigentlich ein t.t. der Opfersprache: den Nacken des Opfertieres überstrecken, um ihm die Kehle offenzulegen und dann durchzuschneiden. In der Gräz. von Ringern, die den Hals ihrer Gegner ergreifen und verdrehen, bzw. ihren Kopf nach hinten überstrecken, damit man das Gesicht sieht (21,IV,282; 79,114); allg.: etw. bloßlegen; übertr.: etw. aufdecken, enthüllen und ans Licht bringen. 7 od.: "...mit dem wir es als Richter zu tun haben" (2,1155; 79,109). Dies wird vor dem Richterstuhl Christi geschehen. 8 od. viell.: "...meine, zu spät gekommen zu sein"; od.: "...zurückgeblieben zu sein"; od.: "...unter das Urteil falle, es versäumt zu haben" (79,94). Diese Hebräer könnten meinen, dass sie die erhoffte Ruhe durch den Glauben an den Messias Jesus, aufgrund ihrer Verfolgungen versäumt haben (21,IV,278f). Doch die Verheißung dieser völligen Ruhe (entweder die Ruhe von Mt 11,29 oder das tausendjährige Reich) ist noch vorhanden, sie müssen sie nur im Glauben festhalten. 9 Nachdem der Sündenfall gleichsam die Ruhe des siebten Schöpfungstages gestört hatte, wollte Gott die Ruhe aufs Neue gründen. Diese Ruhe wird auf das Werk des Herrn Jesus gegründet sein, welches er in der "Vollendung der Zeitalter" (Heb 9,26) auf der Erde vollbracht hat. Aber erst im zukünftigen Friedensreich wird diese Ruhe tatsächlich auf der Erde vorhanden sein. Solange die Sünde noch in dieser Welt herrscht, kann Gott nicht ruhen. Solange der Teufel noch der Fürst dieser Welt ist, bedeutet dies die Herrschaft der Sünde. Erst dann, wenn der Satan gebunden wird, die Feinde gerichtet und die Gläubigen verherrlicht sind, wird die Ruhe des Friedensreiches anbrechen (53,126; 2,1154). Daher heilte Jesus gerade am Sabbat, weil der siebte Tag im Garten Eden der erste Lebenstag für den Menschen war, und er an diesem Tag noch nichts arbeiten musste. Gott arbeitete sechs Tage für ihn und der Mensch konnte am siebten Tag in Gottes Werk ruhen. Das ist die geistliche Art und Weise, wie die Gläubigen der Gemeinde jetzt den Sabbat halten. Sie ruhen in Christi Erlösungswerk. 10 Ein Aorist der Vergangenheit. Es bezeichnet jemanden, der zur Reife gekommen ist (Heb 6,1ff), und damit in die Ruhe nach Mt 11,29 eingegangen ist. Er ruht in dem Werk Christi und nicht in seinen eigenen Werken. - Nach manchen aber ein proleptischer oder gnomischer Aorist, der vom Eingehen in die Ruhe des tausendjährigen Reiches spricht. Doch wir brauchen uns nicht zu "befleißigen" ins Reich Gottes hineinzukommen (89,78). 11 Diese Ruhe ist also die gegenwärtige Ruhe von der in Mt 11,29 die Rede ist und die einen reifen Christen auszeichnet. 12 Das Perfekt bedeutet hier im Unterschied zum Aorist, dass die Versuchung ihr Ziel nie erreicht hat. Er hat die Erprobung für immer bestanden (2,1155; 44,662). - Nach Joh 2,16 gibt es 3 Bereiche der Versuchung durch Satan: (1.) die Lust des Fleisches (2.) die Lust der Augen (3.) der Hochmut des Lebens. In der Wüste wurde Jesus exemplarisch in allen diesen drei Bereichen vom Satan versucht (vgl. Lk 4,1-13). (1.) Die Lust nach Brot durch ein Wunder selbst zu befriedigen (2.) sich die Herrlichkeiten der irdischen Reiche noch vor dem Kreuz anzueignen (3.) hochmütig den Sprung in die Tiefe zu wagen (vgl. 89,83f). 13 Das bedeutet jedenfalls, dass er, obwohl er die gleiche Art von Versuchungen hatte, wie wir sie durch den Satan haben, nie sündigte, wie die Schrift mehrmals bezeugt (Lk 23,41; Joh 8,46; 18,38; 19,4.6; Heb 7,26; 1Pet 2,22). Da der Verfasser aber nicht die einfache Formulierung "ohne zu sündigen" verwendete, wollte er darüber hinaus wahrscheinlich auch ausdrücken, dass die Versuchungen nie eine sündhafte Neigung im Wesen Jesu ansprechen konnten, weil "Sünde nicht in ihm war" (1Joh 3,5b; Joh 7,18; 2Kor 5,21), er war eben "ohne Sünde". Er wurde zwar wie wir durch Satan versucht, darum kann er mit uns mitfühlen, aber die Sünde hatte keinen Angriffspunkt in ihm (Heb 7,26; 9,14), - im Gegensatz zu uns. Als vollkommener Mensch und Gott in einer Person, konnte er nicht sündigen (Jak 1,13). Das machte seine Versuchungen aber nicht weniger schmerzlich. Auch absolut reines Gold muss, um seine Reinheit zu bezeugen, in die gleiche Gluthitze wie unreines Gold (48,1207). Der Schmerz der Versuchung war für ihn nicht geringer als für uns. - Auch die jüdische Theologie schreibt dem Messias Sündlosigkeit zu (79,119). 14 Im Griechischen steht Ιησους (= Jesus), das ist aber bloß die griechische Wiedergabe des hebräischen Namens Josua. Es ist hier Josua gemeint. 15 In der Gräz. ein milit. t.t. für die im Kampfgetümmel eilig zusammengezogenen Hilfstruppen. Als mediz. t.t.: der ärztliche Beistand und das Medikament. Oft am Ende von Bittgesuchen (37,113). Daher: die rechtzeitige Hilfe für uns, die uns widerfährt, aufgrund unseres Flehens vor dem Gnadenthron. 16 Es geht hier nicht darum, ob sie gläubig waren oder nicht, sondern dass sie der Verheißung Gottes nicht geglaubt haben (Ps 106,24b). Hebräer 5 1 Ps 2,7 (LXX) 2 Ps 110,4. Melchisedek war König und Priester in einer Person. Dies war nach dem späteren Gesetz nicht möglich, da der Hohepriester aus dem Stamm Levi, und der König aus dem Stamm Juda sein musste. Da Jesus Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks ist, kann er Hohepriester und König in einer Person sein. 3 od.: "...an dem, was er litt...". Als ewiger Sohn in der Herrlichkeit musste er nie gehorchen, denn er war immer in vollkommener Übereinstimmung mit dem Vater. Aber als Mensch musste er lernen, dass gehorsam zu sein mit Leiden verbunden war (Heb 2,10b). Nicht den Gehorsam selbst musste er lernen, diesen hatte er von Kindheit an im vollkommenen Maß bis zu seinem Tod (Php 2,7f). Der Artikel vor "Gehorsam" bezeichnet wahrscheinlich den speziellen Gehorsam den Kelch zu trinken (vgl. Mt 26,39 mit Joh 18,11: "Nicht mein Wille geschehe, sondern der deine"), die Folge war Leiden. 4 Freier: "Darüber müssen wir eine lange Darstellung bringen, aber diese ist mit Worten schwer auszudrücken" (7,954). In dieser nun folgenden Darstellung (Heb 5,11 - 6,12) gibt er (1.) eine Diagnose (Heb 5,12-14): sie sind Babys im Glauben geblieben. (2.) die Therapie (Heb 6,1-3): sie müssen im Glauben Fortschritte machen. (3.) die Begründung (Heb 6,4-8): mangelnden Fortschritt im Glauben, kann man nicht durch eine neue Bekehrung gutmachen. Er möchte also folgendes sagen: die Hebräer haben im Glauben einen gefährlichen Stillstand erfahren (V.12). Dieser Stillstand, falls er anhält, birgt die Gefahr, unter dem Druck, in dem sie stehen (Heb 10,32-34), das Bekenntnis des Glaubens aufzugeben (vgl. Heb 10,23-25) und zum Judentum zurückzukehren. Es war zwar noch keiner von ihnen ins Judentum zurückgefallen, aber der Schreiber sieht bei manchen diese reale Gefahr, falls sie nicht im Glauben Fortschritte machen. Dabei erinnert er sie an das Schicksal des Volkes Israel in der Wüste (Heb 3,7 - 4,11 und 12,25ff). Als Israel das Land Kanaan einnehmen sollte, glaubten sie Gott nicht und wichen zurück (Num 14,1ff.). Die darauffolgende Strafe war eine Züchtigung, denn sie mussten 40 Jahre in der Wüste herumwandern und dort eines natürlichen Todes sterben, wobei Gott sie in dieser Zeit trotzdem liebevoll versorgte (Dtn 2,7 ua.). Es handelte sich dabei also nicht um eine ewige Verdammnis, sondern um eine zeitliche Züchtigung. Gott hatte ihnen durch die Fürsprache von Mose zwar vergeben, aber sie bekamen keine zweite Chance, d.h. "keinen Raum zur Buße", um das Land einzunehmen (Num 14,39-45). In ähnlicher Weise würden auch die Hebräer unter Gottes zeitliche Züchtigung fallen, falls sie vom Glauben abfallen würden. Denn auch sie erfuhren Gottes Machttaten (Heb 6,4-6), so wie einst Israel in der Wüste Gottes Wundertaten und seine Fürsorge erfuhr (Num 14,11). 5 entw. die Bitte im Garten Gethsemane, dass er nicht sterben muss, so in Mk 14,36; Joh 12,57 und Mt 26,53-54; od., unwahrscheinlicher: die Bitte ihn durch Auferstehung aus dem Tod zu erretten. 6 Nämlich dadurch, dass er die Todesleiden bis zum Ende gehorsam ertrug (Heb 2,10; Php 2,8f). 7 Nämlich über das Thema von Melchisedeks Priestertum als Prototyp von Jesu Priestertum (2,z.St.). Der Gedankengang wird hier bis zu Heb 7,1 unterbrochen. Dort wird dann das Thema über Melchisedek weiterentwickelt. Diese Einschübe von ernsten Warnungen vor dem Rückfall ins Judentum finden sich in: Heb 3,7 - 4,13; 5,11 - 6,20; 10,23-39 und 12,1-29). 8 Sie waren vielleicht schon 20-30 Jahre gläubig (21,IV,291). Damit ist auch klargestellt, dass er sie als echte Gläubige ansieht. Sie sollten schon fähig sein andere zu lehren, z.B. Väter ihre Familienangehörigen, Mütter ihre Kinder, ältere Frauen die jüngeren Frauen, usw. 9 D.h. er ist noch nicht fähig zu lehren (Vers 12). 10 Die erworbene Geschicklichkeit bzw. Fertigkeit, welche durch Übung und ständigen Gebrauch, zur Gewohnheit geworden ist. 11 Der Schreiber denkt offenbar an den großen Versöhnungstag, wo der Hohepriester nicht nur für die Sünden des Volkes opfern musste, sondern auch für seine eigenen Sünden (Lev 16,6). 12 Das sind die Grundlagen des christlichen Glaubens. Vgl. Heb 6,1-2 13 Zum geistlichen Beurteilungsvermögen vergleiche auch Dtn 1,39a; 2Sam 19,36; 1Kön 3,9 und Jes 7,16a Hebräer 6 1 Gen 22,17 2 w.: das Anfangswort, d.h. die Grundlagen des christlichen Glaubens. 3 Das Pass. ist eigentlich ein nautischer t.t.: sich vom Wind (hier übertr.: vom Geist?) zum Ziel treiben lassen. Vgl. Heb 2,1 4 Der Plural und die Bedeutung des griechischen Wortes weisen eher auf die verschiedenen zeremoniellen Waschungen im Judentum hin, und auf deren Gegensatz zur christlichen Taufe, und nicht auf die verschiedenartigen Taufen (Johannestaufe, Geistestaufe, usw.), - und das umso mehr, da der Brief an Juden-Christen gerichtet ist, bei denen die christliche Taufe der letzte Schritt zur Trennung vom Judentum ist (89,98; 94,z.St.). 5 od.: "ein einziges Mal" (wie in Heb 9,7.26-28). Falls aber die Bedeutung "ein für alle Mal" hier zutrifft, würde er von echten Gläubigen sprechen. Es bezieht sich auch auf die folgenden Partizipien (94,z.St.). 6 Nicht nur: "...gekostet". Das Wort schmecken bedeutet, etwas so lange zu kauen, bis man einen Geschmack von der Sache bekommt. Daher bedeutet es, etwas intensiv kennenlernen. Jesus hat den Tod nicht nur gekostet, sondern geschmeckt ( Heb 2,9). Vgl. auch Mt 16,28 ua. 7 Ohne Art.: an den Kräften oder Auswirkungen des Heiligen Geistes, wie sie in der Anfangszeit in den Zeichen und Wundern zum Ausdruck kamen (vgl. Heb 2,3-4). 8 Besonders die Hauhechel, im Gegensatz zu Nutzpflanzen (2,z.St.). 9 Bezieht sich grammatisch wahrscheinlich auf die Erde (= Sg.Fem.; Vers 7), möglich auch auf die Verfluchung (= Sg.Fem.; Vers 8) des Erdbodens (2,z.St.), keinesfalls aber auf die Personen (da Sg.Fem.), von denen die Rede ist. Der ganze Vergleich ist ein Bild. Ein Feld mit gutem Ertrag freut den Besitzer, aber ein Feld mit unbrauchbarem Ertrag wird abgebrannt. - Echter Glaube bringt gute Früchte. Aber es schwingt auch der Gedanke an den Richterstuhl Christi mit, denn dort werden die unnützen Werke des Fleisches, die ein Gläubiger hervorgebracht hat, auch verbrennen, er selbst aber wird gerettet werden (1Kor 3,12-15). 10 übertr.: die Gläubigen nehmen sinnbildlich Zuflucht bei "den Hörnern des Altars", auf dem sich der Herr Jesus geopfert hat. Sie werden dort vom Gericht verschont, weil er als Hohepriester mit seinem Blut ins himmlische Heiligtum hineingegangen ist, um für ihre Sünden Sühnung zu erwirken. 11 In der Stiftshütte war das Heilige und das Allerheiligste durch einen Vorhang getrennt. Nur einmal im Jahr durfte der Hohepriester am Versöhnungstag mit dem Blut von Opfertieren das Allerheiligste betreten, um Sühnung zu erwirken durch die Besprengung des goldenen Sühnedeckels der Bundeslade mit Opferblut (vgl. Hebr 9,1-10; Lev 16,1ff). Das Allerheiligste ist für den Hebräerbrief ein Bild für den Himmel, den Ort, an dem Gott wohnt. 12 Griechisch: προδρομος, der Vorläufer. Die militärische Vorhut, die vorausgeschickt wurde, um Beobachtungen zu machen und Spionage zu betreiben. Leicht bewaffnete Soldaten, die an den Ort vorausgeschickt wurden, wohin der Rest der Truppe ihnen dann folgte. Der Vorläufer, der vor einem König vorausgesandt wurde, um ihm dem Weg zu bereiten. Der Vorläufer in einem Wettrennen. Als nautischer t.t.: von leichten Schiffen, die vorausgesandt wurden. Der Ausdruck beinhaltet immer, dass der Rest der Gruppe dem Vorläufer nachkommt (10,VIII,235; 16,249; 21,IV,305; 52,IV,1154; 57,II,1104; 63,1475; 65,III,210). - Im Zusammenhang mit dem Bild des Ankers ist vielleicht an einen Umstand zu denken, wo Schiffe wegen widriger Windverhältnisse nicht in den Hafen einfahren konnten und ein Ruderboot (einen Vorläufer) mit dem angeseilten Schiffsanker in den Hafen vorausschickten. Den Anker konnte man dort an Land befestigen und das Schiff dann mittels des Ankerseiles, entgegen dem Wind, in den Hafen ziehen. Christus hat bildlich gesprochen bei seiner Himmelfahrt den Anker unserer Seelen in den himmlischen Tempel mitgenommen und dort selbst befestigt. Darum ist unsere Errettung auch sicher und fest, und er wird uns zu sich in die Herrlichkeit nachholen. 13 D.h. den Herrn Jesus noch einmal ans Kreuz schlagen (so wie ihn die Römer zuerst ans Kreuz schlugen), und ihn so der Schande preisgeben würden. Dies ist aber gar nicht möglich, weshalb eine Erneuerung zur erstmaligen Buße ausgeschlossen ist. Man kann sich nur einmal bekehren, und daher nicht noch einmal bekehren. 14 Der Ausdruck "erleuchtet" wird in Eph 1,18 und Heb 10,32 für echte Gläubige verwendet, in Joh 1,9 allerdings für alle Menschen. - Der Autor zieht eine Parallele zu den Israeliten in der Wüste bei Kadesch-Barnea. Auch sie wurden durch das Licht der Feuersäule "erleuchtet", sie hatten miterlebt, wie der Heilige Geist auf die 70 Ältesten kam, sie hatten das Manna "geschmeckt" und die Aussprüche Gottes durch das Gesetz Mose, und sie sahen die großartigen Wunder Gottes (89,111). 15 Der Ausdruck wird in Heb 3,1.14 und 12,8 für echte Gläubige verwendet. 16 w.: die Vollkommenheit; d.h. die volle Reife in der Glaubenslehre, im Gegensatz zum Anfängerstadium, in dem sie steckengeblieben waren. Vgl. Eph 4,14 17 Vgl. Kap 9,14. Mit toten Werken sind die wahrscheinlich die menschlichen Anstrengungen gemeint, um durch (Gesetzes)Werke vor Gott gerecht zu werden. Oder die Rituale des Judentums. 18 Alle sechs Themen sind "evangelistische Basics" für einen Juden vor und nach seiner Bekehrung. 19 Der Verfasser dürfte im gesamten Brief (z.B. Heb 2,1-3; 3,7-19; 4,11; 6,1-12) die Begebenheit von Num 13,1 - 14,45 als Vergleich in Gedanken haben. Auch damals machte das Volk Gottes mit dem Passah und dem Durchzug durch das Schilfmeer einen guten Anfang (vgl. Heb 6,1ff), auch damals erlebten sie Gottes Wunder (vgl. Num 14,22-23 mit Heb 2,4 und 6,5). Aber durch ihren Unglauben konnten sie damals das Land Kanaan nicht einnehmen (vgl. Num 14,11 mit Heb 3,12 und 4,2.11). Und auch damals bekamen sie keine zweite Chance zur Buße (vgl. Num 14,39-41 mit Heb 6,4a.6). Aber das bedeutete nicht, dass sie verworfen wurden (vgl. Num 14,17-20 mit Heb 6,9-10), sondern Gott züchtigte sie nur, sodass sie in der Wüste sterben mussten (vgl. Num 14,21-35 mit Heb 10,26-31 und den Anmerkungen dort, sowie mit Heb 12,4-11). Mose trat hohepriesterlich für sie ein (vgl. Num 14,13-19 mit Heb 3,1-2; 4,14-15; 6,19-20 ua.). Ja sogar in der anschließenden Zeit der 40-jährigen Züchtigung, sorgte Gott fürsorglich für sie (Dtn 8,2-5; Amos 2,10b). Die Aufwiegler in Num 14,36-38 und die Rotte Korach in Num 16,1-35 hingegen, fielen der sofortigen und verdammenden Strafe Gottes zum Opfer, denn sie waren Gottlose (Ps 106,18). Diesen Gedanken, dass Gott sein Volk züchtigt, wenn sie sündigen, ihnen aber gleichzeitig auch vergibt, finden wir auch in Ps 89,31-35. Wenn Gott schon bei seinem irdischen Volk Israel so handelt, wie viel mehr dann, bei seinem himmlischen Volk, der Gemeinde. 20 Dass er sie mit Geliebte anspricht, beweist, dass er sie als echte Gläubige ansieht. - Es sind hier die Früchte (Vers 10) einer echten Errettung gemeint. Daher ist er auch überzeugt, dass sie an ihrer Errettung festhalten werden (94,z.St.). Oder er spricht von der zukünftigen Errettung (vgl. Vers 11: "...bis ans Ende"), so: 79,160f; 2,1160. - Eine solch abschwächende Formulierung war damals bei den Moralisten üblich, wenn sie davon ausgingen, dass ihre Zuhörer nicht auf den falschen Weg kommen würden. Wenn sie aber vom umgekehrten Fall ausgingen, verwendeten sie stärkere Ausdrücke (65,III,208). Damit wird aber auch ausgesagt, dass noch keiner in dieser Weise abgefallen war (79,155). 21 Plural, d.h. uns Gläubigen. 22 "Deshalb", obwohl sie eigentlich schon fähig sein sollten andere zu lehren, aber noch in den Anfängen des Christenlebens stecken geblieben waren, muss er ihnen nun trotzdem feste Speise anbieten, d.i. die Lehre über das Hohepriestertum Melchisedeks. Es würde keinen Sinn machen, für solche die träge geworden sind, die Anfangslehren nochmals zu wiederholen. - Es kann nicht sein, dass sich die folgenden Ermahnungen auf solche beziehen, die nicht wirklich wiedergeboren waren. Wie könnte der Schreiber solche die er als bloße Bekenner einstuft, ermahnen, im Glauben voranzugehen. Sie könnten es ja gar nicht. Die ganze Ermahnung macht nur Sinn, wenn sie dazu dient, wahre Gläubige zum Durchhalten anzuspornen, da sie ansonsten schwer gezüchtigt werden, so wie das Volk Israel in der Wüste. Dass es auch unter den Hebräern Scheingläubige gab, schließt sich damit natürlich nicht aus (88,377; 89,95ff). 23 Der Verfasser verwendet hier nicht das übliche Wort für abfallen (αφ-ισταμαι; so in Lk 8,13; 1Tim 4,1 und Heb 3,12; oder απο-στασια, so in Apg 21,21 und 2Thes 2,3), sondern das Wort παρα-πιπτω: "Vom Weg abkommen"; "das Ziel verfehlen" (vgl. die Anm. zu Heb 6,1). Damit wird zwar deutlich ausgesprochen, dass solche die einen guten Anfang im Glauben gemacht haben, das Ziel der Reife im Glauben verfehlen können. Es ist aber damit nicht gesagt, dass ein Wiedergeborener sein ewiges Leben wieder verlieren kann. Aus folgenden Gründen scheint dies ausgeschlossen: (1.) Der Wiedergeborene ist nach Röm 8,29 von Gott vorherbestimmt die Herrlichkeit zu erreichen. (2.) Der Wiedergeborene ist durch den Glauben bereits gerecht gesprochen (Röm 5,1 ua.). Eine Rechtfertigung nur auf "Bewährung", die wieder rückgängig gemacht wird, kennt die Schrift aber nicht. (3.) Die Erlösung des Wiedergeborenen ist nach Heb 9,12b eine ewige Erlösung. Sie wird also nicht rückgängig gemacht. (4.) Bei der Wiedergeburt erhält man ewiges Leben und kommt nicht mehr ins Gericht (Joh 5,24). Ewiges Leben kann nicht wieder aufhören, sonst wäre es nicht ewig. (5.) Der Wiedergeborene wird nach 1Pet 1,5 in der Kraft Gottes durch Glauben bewahrt zur zukünftigen Errettung. Es ist nicht seine Kraft oder Treue, die in durchhalten lässt. (6.) Nach 1Joh 5,4-5 überwindet der Wiedergeborene durch seinen Glauben die Welt. (7.) Doch selbst wenn der Wiedergeborene Christus untreu würde, bliebe Christus ihm dennoch treu (2Tim 2,13). - Wenn ein Wiedergeborener vom Glauben abweicht, wird er geistlich verdorren (Joh 15,6), er wird seine Glaubensfreude verlieren und Gott wird seinen Segen von ihm zurückhalten. Es wird ihm so ergehen wie den Israeliten, die nicht ins verheißene Land ziehen wollten, und daraufhin keinen Raum zur Buße mehr bekamen, sondern gezüchtigt wurden und in der Wüste sterben mussten (Num 14,1-45). Ebenso wird ein Gläubiger der abfällt gezüchtigt werden, aber nach seinem Tod wird er in die Herrlichkeit Gottes eingehen. Er wird gerettet werden, - doch so "wie durchs Feuer hindurch" (1Kor 3,15). Dies war z.B. auch bei König Manasse der Fall (2Chr 33,12-16), und wurde dem sündigenden Bruder in 1Kor 5,5 angekündigt. 24 Wenn ein abgefallener Judenchrist ins Judentum zurückkehren wollte, musste er angeblich ein Schwein schlachten, dessen Blut mit Füssen treten und dabei sagen: "So achte ich das Blut Jesu für gemein". 25 Das "unmöglich" bezieht sich auf die Erneuerung zur Buße in Vers 6. Man kann sich nicht zweimal bekehren, und es ist auch nicht nötig, denn die erstmalige Errettung ist eine ewige Errettung (Heb 9,12). 26 Dies galt als höchste Garantie für einen Schwur (65,III,209). Hebräer 7 1 Gen 14,17-20 2 Ein Irrealis, daher kam die Vollendung nicht durch das levitische Priestertum, sondern durch Jesus. 3 In Gen 14,20 ist die erste Erwähnung des Zehnten, noch bevor ihn Mose im Gesetz festlegte. Damit anerkannte Abraham Melchisedek als Priester, und zwar schon vor dem Gesetz Mose, und damit freiwillig. Melchisedek war demnach größer als Abraham, und damit noch größer als Abrahams Nachkommen, das levitische Priestertum. Das spätere Judentum lehrte, dass Gott dem Melchisedek das Priestertum wieder entzogen hat, weil dieser Abraham segnete, noch bevor Gott ihn gesegnet hatte, aber das stimmt natürlich nicht (65,III,211). Ein Gebot für den Zehnten für die Gläubigen der Gemeinde, lässt sich übrigens nicht davon ableiten, dass dieser hier von Abraham gegeben wurde. Denn dies war ein einmaliges Ereignis, und er gab den Zehnten nicht von seinem Besitz, sondern nur von der Beute (89,134). Wäre der Zehnte auch für die Gemeinde verbindlich, wäre hier für den Schreiber eine einmalige Gelegenheit gewesen, dies zu sagen. 4 Ps 110,4 5 So wie der Hohepriester sieben Tage vor dem großen Versöhnungstag unter "Quarantäne" stand, um sich nicht zu beflecken, so war der Herr Jesus während seines ganzen Erdenlebens innerlich abgesondert von den Sündern, obwohl er täglich engen äußerlichen Kontakt mit ihnen hatte (21,IV,318). 6 Stammbaumlos, also jemand dessen Vorfahren nicht in Geschlechtsregistern erfasst oder vorzuweisen sind. Für die Eignung zum levitischen Priestertum war ein zweifelsfreier Nachweis der Abstammung von Aaron unbedingt notwendig (vgl. Neh 7,63-65). Melchisedek hatte diesen aber genauso wenig wie Jesus, was ein Grund zum Amtsausschluss war, - und doch waren sie beide legitime Priester Gottes, aber eben nach einer anderen Priesterordnung. Vaterlos und Mutterlos bedeutet natürlich nicht, dass Melchisedek weder Vater noch Mutter hatte, sondern einfach, dass in der Schrift kein Stammbaum von ihm genannt ist und sein Tod nicht erwähnt ist. Doch er war eine historische Person (94,z.St.). 7 Ein juristisch-kaufmännischer t.t. in Geschäftsdokumenten: die rechtsgültige Aufhebung bzw. Annullierung einer Vorschrift oder eines Vertrags (65,III,212). 8 Das Wort für "Bund" oder "Pakt" ist im Griechischen eigentlich συνθηκη. Dieses Wort wurde jedoch von den Übersetzern der LXX wohl bewusst nicht verwendet, weil es den Gedanken an einen Vertrag zwischen gleichberechtigten Partnern in sich trägt, was bei einem Bund zwischen Gott und Mensch ja nicht der Fall ist (37,148). 9 "...ist es offenkundig", nämlich, dass das Gesetz geändert werden musste; od. viell.: "...ist es offenkundig", nämlich, dass ein andersartiges Priestertum eingeführt werden musste (21,IV,312). 10 Hier nicht in dem Sinn wie in Heb 9,24ff, um als Hohepriester ein für alle Mal unsere Sünden durch sein Opfer zu sühnen, sondern, so wie der Hohepriester täglich ins Heiligtum hineinging, um nach Ex 28,12-13.29-30.38, für uns vor Gott zu erscheinen, und für unsere Mängel vor Gott einzutreten. Vgl. Röm 8,26-27.34 11 Das Perfekt macht klar, dass der Sohn Gottes vor Melchisedek existierte. Also nicht der Sohn Gottes wurde Melchisedek ähnlich gemacht, sondern Melchisedek wurde dem menschgewordenen Sohn Gottes ähnlich gemacht. 12 Die ganze Argumentation von Kapitel 7 zielt darauf ab, wie unnötig, ja unsinnig es wäre, zum alten Tempeldienst, und zum Gesetz Mose zurückzukehren. Hebräer 8 1 Ex 25,40 2 Jer 31,31-34 3 Im Gegensatz zum Vorbild der Stiftshütte. 4 Dieses Verschwinden wurde 70 n.Chr. durch die Zerstörung des Tempels und seines Gottesdienstes Wirklichkeit. Es gibt eine Stelle im Talmud (Mischnatraktat 39b) mit folgendem Wortlaut: "Vierzig Jahre, bevor das Haus des Heiligtums zerstört wurde, erlosch die westliche Lampe, und das karmesinrote Wollband blieb rot, und das Los Gottes kam zur linken Seite hervor; und man verschloss die Türen des Tempels am Abend, und als man morgens aufstand, fand man sie geöffnet. Es sagte Rabban Jochanan ben Sakkai: Tempel, warum erschreckst du uns? Wir wissen, dass dein Ende Zerstörung ist, wie in Sach 11,1 geschrieben steht: Öffne Libanon, deine Türen, und Feuer wird deine Zedern verzehren". Der Hintergrund ist folgender: Während der 40-jährigen Amtszeit des Hohepriesters Simon des Gerechten, kam beim großen Versöhnungstag das "Los für den Herrn" immer in seine rechte Hand, was als gutes Zeichen von Gott gewertet wurde. Und der karmesinrote Faden, der an der Tempeltür befestigt war, wurde immer weiß, wenn der Sündenbock in der Wüste gestorben war. Und das westlichste Licht am siebenarmigen Leuchter im Heiligtum, brannte immer länger als die anderen sechs Lichter, obwohl es als erstes angezündet wurde und genauso viel Öl hatte wie die anderen sechs Lichter. Die Juden verstanden diese Wunder-Zeichen als Gottes Annahme ihres Opfers am Versöhnungstag. Doch ab dem Todestag Christi im Jahr 30 n.Chr., also 40 Jahre vor der Zerstörung des Tempels, traten diese guten Zeichen niemals mehr ein, denn die Opfer hatten mit dem Tod Christi ihre Notwendigkeit verloren (58,277f; 36,707). Auch Josephus erzählt diese Begebenheit, allerdings ausführlicher (Josephus, Bella Judaicum VI,5,2-4). Hebräer 9 1 Ex 24,3-8; vgl. die Worte Jesu bei der Einsetzung des Abendmahls in Mt 26,28 2 od.: die Kultbestimmungen (2,z.St.). 3 Dieser befand sich zwar im vorderen Zelt-Raum, also vor dem Scheidevorhang, war aber in Bezug auf den Priesterdienst aufs engste mit dem Allerheiligsten verbunden. Der Weihrauch zog durch den zweiten Vorhang ins Allerheiligste hinein. Vgl. Ex 30,1-6; Lev 16,12-13; 1Kön 6,20-22; 9,25 (2,1170; 94,z.St.). Dass der Schreiber nicht wusste, dass der Räucheraltar im Heiligen und nicht im Allerheiligsten stand, ist völlig undenkbar. - Da das Wort aber in der LXX immer Räucherfass bedeutet, und hier ohne Artikel steht, meinen manche Ausleger, dies wäre auch die Bedeutung hier (89,152). Das Räuchern war nach Lev 16,12 eine wichtige Tätigkeit des Hohepriesters am Versöhnungstag (79,239ff). Für andere Erklärungen siehe: 64,659ff. und 65,III,217. 4 Das impliziert aber, dass der Autor über die symbolische Bedeutung der einzelnen Geräte der Stiftshütte etwas zu sagen hätte. 5 Damit sind wahrscheinlich die Opfernden gemeint und nicht die Priester, die die Opfer darbringen. 6 Manche Hs.: "...der zukünftigen Güter". 7 Zwischen den Cherubim offenbarte sich Gott in seiner Herrlichkeit, darum wurde die Bundeslade der "Thron Gottes" genannt (vgl. Ex 25,17-22). Auf den goldenen Sühnedeckel wurde am Versöhnungstag vom Hohepriester das Blut gesprengt (vgl. Lev 16,2.14). 8 Nach Num 19,1ff war zur Herstellung des Reinigungswassers die Asche einer roten jungen Kuh erforderlich. Mit diesem Wasser wurden alle besprengt, die sich durch Berührung von Leichen verunreinigt hatten. Daneben galt das Blut von Opfertieren als Entsühnungsmittel. Vgl. Lev 16,1ff (47.z.St.). 9 "Bund" und "Testament" werden im griechischen Text durch dasselbe Wort ausgedrückt (vgl. 47,z.St.), siehe die Erklärung unter Strong Nr. 1242 im Griechisch-Deutsch Strong Lexikon. 10 Die Verwendung der beiden Aoriste und des Perfekts zeigen, dass es hier um durch sein einmaliges Opfer geht. Er ist ein für alle Mal in den Himmel gegangen, um unsere Sünden zu sühnen, so wie der Hohepriester am großen Versöhnungstag (Lev 16,1ff). Anders in Heb 7,25, wo er täglich als Hohepriester für unsere Mängel vor Gott erscheint (Ex 28,12-13.29-30.38). 11 Med. viell.: "...von sich aus, gefunden habend", weil durch sein eigenes und nicht durch fremdes Opferblut. Ewige Erlösung bedeutet, dass sie nicht mehr rückgängig gemacht wird. 12 Nach Ex 40,9 wurde das Zelt bei seiner Einweihung mit Öl gesalbt, aber nach einer Tradition von Josephus (Antiquitates III,8.6) wurde dabei zusätzlich auch Blut verwendet. 13 Warum brauchen die Himmlischen Dinge überhaupt Reinigung? Vielleicht durch die Präsenz Satans, wenn er vor Gott tritt, um die Brüder zu verklagen? 14 Die Sünden vieler und nicht aller, also die Sünden der Auserwählten die gläubig werden. Vgl. Jes 53,12 und die Anmerkungen bei Mt 20,28 15 So wie der Hohepriester am Versöhnungstag vom Volk erwartet wurde, wenn er wieder aus dem Tempel herauskam (21,IV,341). Es ist die zukünftige und endgültige Errettung gemeint (1Pet 1,9-10). 16 Der Impf. bezeichnet hier die Nichtwirklichkeit: "... hätte leiden müssen, - was ja nicht der Fall war" (2,z.St.). 17 In manchen Hs. fehlt der Artikel, was gut passen würde, da Sünde dann als Prinzip oder Macht bezeichnet wäre: "...zur Ungültigkeitserklärung vom Prinzip der Sünde" (vgl. 1Kor 15,54-57). 18 Im hebr. heißen sie wörtlich "Brot des Angesichts" (42,1210; 33,148). Sie sollen, so wie der siebenarmige Leuchter, die beständige Heiligkeit des Volkes Israel (12 Stämme) vor dem Angesicht Gottes symbolisieren. Hebräer 10 1 Frei nach LXX Ps 40,7-9 2 Das Perfekt impliziert, dass der Gottesdienst im Heiligtum noch stattfindet, und demnach eine Abfassung des Briefes vor 70. n.Chr. feststeht, was aber die Verfasserschaft des Paulus auch noch nicht beweisen würde. 3 Perf.: ein für alle Mal mit Blut besprengt und in Wasser gebadet, wie die Priester bei ihrer ersten Einweihung zum Dienst (Ex 29,1a.4.21; Lev 8,6.30). Vielleicht eine Anspielung auf die Taufe. 4 Den Tag der Wiederkunft? Oder vielleicht der Tag des Gerichts, wie in 1Kor 3,13 und 4,3. Die Zerstörung Jerusalems stand kurz bevor, die Zeichen eines Krieges mit den Römern waren augenscheinlich (21,IV,347). 5 Die Verse 32-35 zeigen, dass der Schreiber die ab Vers 26ff. Angesprochenen als wahre Gläubige ansieht. Es würde keinen Sinn machen, solche, von denen er vermutet, dass sie keine echten Gläubigen sind, zum Durchhalten im Glauben anzuspornen. Diese Hebräer hatten schon so viel für den Glauben gelitten, so dass es sich lohnte auch weiterhin durchzuhalten, um den Lohn am Richterstuhl Christi nicht zu verlieren. 6 Jer 31,33f. 7 Wenn ein abgefallener Judenchrist ins Judentum zurückkehren wollte, musste er ein Schwein schlachten, dessen Blut mit Füssen treten und dabei sagen: "So achte ich das Blut Jesu für gemein". Keiner der Angesprochenen hatte dies getan, aber der Schreiber will sie warnen, diesen Schritt ja nicht zu tun. Die Frage ist, ob jemand der dies wirklich tut, überhaupt wiedergeboren war. Darum ist der Schreiber auch überzeugt, dass seine Zuhörer, die er für wiedergeboren hält, diesen Schritt nicht tun werden (siehe Vers 39). 8 Dtn 17,6 spricht von der Todesstrafe, aber nicht vom Verlust des Heils. 9 Dtn 32,35.36 10 Ps 135,14. Beide Zitate zeigen, dass der Herr sein Volk zwar für ihren Abfall richten wird, dass er sich aber danach auch wieder über sie erbarmen wird. Auch dies spricht dafür, dass der Verfasser, im Falle eines Abfalls, an strenge Züchtigung, und nicht an Verwerfung, denkt. 11 Vgl. Jes 26,20 (LXX) 12 Hab 2,3-4 (LXX) 13 Im Gegensatz zur Wirklichkeit des neuen Bundes. 14 Mit dem Wort Verderben muss hier keineswegs das ewige Verderben gemeint sein, es kann auch das leibliche Verderben durch Züchtigung gemeint sein (vgl. 1Kor 5,5). Dafür würde auch der zweite Teil des Verses 38 sprechen: "...kein Wohlgefallen an ihm haben". Doch selbst wenn das ewige Verderben gemeint wäre, ist der Schreiber davon überzeugt, dass seine Leser nicht zu denen gehören, die dieses Verderben treffen wird, sondern zu denen, die durch ihren Glauben die Errettung der Seelen gewinnen. 15 Eigtl. Plural: in die beiden Heiligtümer, d.h. durch das Heilige hindurch ins Allerheiligste! Hier ist aber der Himmel selbst gemeint. - Obwohl die Anrede "Brüder" unter Juden üblich war (z.B. Apg 2,29.37; 3,17; 7,2; 13,15 ua), und man deshalb noch nicht schließen kann, er würde damit unbedingt Gläubige ansprechen, ist der Rest des Satzes eindeutig auf Gläubige bezogen. Der Schreiber würde solche, unter denen er Mitläufer vermutet, nicht so ansprechen. Vgl. auch Heb 3,1. 16 In der Gräz. urspr.: frisch geschlachtet (von Opfertieren). Doch die zweite Komponente des Wortes verschwand schon zu einem frühen Zeitpunkt, sodass es später nur noch "frisch" bedeutete! In der LXX nur im Sinne von: neu, frisch, eben erst entstanden (Num 6,3; Dtn 32,17; Ps 81,9). Im NT ist folgende allgemeine Bedeutung anzunehmen: ganz frisch und neu; erst kürzlich gemacht; gerade eben; noch nie dagewesen. Siehe Strong Nr. 3820 im Gegensatz dazu. 17 D.h. seinen Leib als Opfer dargebracht. 18 Präs. entw. durativ: "ständig..."; eher aber iterativ: "...von Zeit zu Zeit". Das regelmäßige Zusammenkommen der Gläubigen ist eine Anordnung des Herrn (Lk 22,19b; Mt 18,20) und Praxis der Urgemeinde (Apg 2,42; 20,7; Heb 10,24-25). Es ist daher für uns verbindlich, - auch in Zeiten von Versammlungsverbot und Verfolgung! 19 eher.: "...sind wir ein für alle Mal geheiligt worden..." (79,304f); viell.: "...durch die ein für alle Mal erfolgte Darbringung des Leibes Jesu Christi..." (2,z.St.). 20 Ein Adjektiv als Prädikats-Akkusativ und kein Adverb (79,319; 47,z.St.). Manche übersetzen allerdings: "Lasst uns unwandelbar festhalten..." (2,1178, 9,z.St.). 21 Vgl. Num 15,30f. Das bedeutete im AT, es gab in diesem Fall keine Möglichkeit mehr, durch ein Opfer Sühnung zu erlangen, sondern man wurde durch die Todesstrafe aus dem Volk Gottes entfernt. Für die Hebräer (und uns!) bedeutet das, unter die strengste Züchtigung Gottes zu fallen. 22 So bedrohlich diese Androhungen auch klingen, sie müssen keineswegs auf eine ewige Verwerfung der Betreffenden hinweisen, sondern sie sprechen eher von strenger Züchtigung wie die folgenden Parallelstellen nahelegen: Dtn 4,21; Ps 79,5; 1Kor 5,3.12; 11,31f; Jak 5,12; Heb 12,29; 13,4; Jer 30,11. Dafür spricht auch, dass das Wort Gericht im Griechischen ohne Artikel steht. Der verzehrende Feuereifer wird die Widersacher verzehren, nicht die Gläubigen. Die abfallenden Gläubigen aber trifft die züchtigende Wirkung dieses Feuers (vgl. 1Kor 3,15; Jes 26,11). 23 In Sam 24,14 vom gläubigen David, der zwar von Gott gezüchtigt, aber nicht verworfen wurde. 24 Das Perfekt drückt aus: besprengt, und dadurch ein für alle Mal gereinigt (vgl. Apg 15,9). 25 Damit sind die anderen Gläubigen gemeint, die schon vor ihnen all dies erduldet haben. 26 Vgl. Lk 21,19 27 Mit den "Brüdern" muss er hier Wiedergeborene meinen, denn nur sie haben Freimütigkeit zum Eintritt in das Heiligtum. Folglich denkt er auch im Rest des Kapitels an Wiedergeborene, und dies ist auch das Thema seines ganzen Briefes (Heb 13,22). Andernfalls hätte er klar zwischen echten und unechten Gläubigen unterschieden, wie das in anderen Stellen des NT ja auch geschieht, z.B. Mt 7,21-23; 25,1-13; 2Kor 11,13.26; Gal 2,4; 2Pet 2,1 ua. Dass er auch in diesem folgenden Abschnitt an Wiedergeborene denkt, dafürspricht, dass er immer wieder von "wir" und "uns", sowie vom "Festhalten" und "Ausharren" spricht. Das sagt man nicht zu solchen, von denen man befürchtet, dass sie vielleicht gar keine echten Gläubigen sind. Worin sollten sie festhalten und ausharren, - in einem falschen Bekenntnis? Er würde sie vielmehr zur Buße auffordern. 28 Wahrscheinlich akt.: die Tätigkeit des Bekennens (79,319); viell. pass., dann: der Inhalt des Bekenntnisses (2,z.St.). 29 Ptz.Präs.: beständig; vgl. Heb 3,13 Hebräer 11 1 Gen 21,12 (LXX) 2 Gen 47,31 (LXX) 3 od.: die feste Grundlage bzw. Garantie für das Erhoffte; od.: das Festhalten an dem, was man hofft (2,z.St.); oder als kaufmännischer t.t.: die "Eigentumsurkunde", als das, was den noch nicht greifbaren Dingen, Realität und Garantie gibt. "Der Glaube ist eine Eigentumsurkunde der erhofften Dinge" (37,660; 65,III,231). LXX: die Hoffnung. 4 od.: "dieses Opfer". 5 od.: "er gehorchte sofort, als er gerufen wurde herauszukommen". 6 Im Altertum ist καταβολην σπερματος zwar ein t.t. für die Befruchtung durch den Mann beim Geschlechtsverkehr, aber auch ohne diesen speziellen Sinn ist der Ausdruck auf die Frau (d.h. Sara) beziehbar, wie ein Vergleich von καταβολη = Grundlage in Heb 4,3 und 9,26, sowie σπερμα = Nachkommenschaft in Heb 2,16 und 11,18 zeigt. 7 Möglicherweise ist Sara das Subjekt (8,z.St.; 47,z.St.; 94,z.St.). Denn, dass Abraham impotent war und dann durch Glauben potent wurde ("durch Glauben Kraft bekam zur Einsenkung des Samens"), kann kaum der Fall sein. Denn er schwängerte davor noch Hagar, und nach dem Tod von Sara heiratete er noch einmal und zeugte mit mindestens 140 Jahren noch 6 Söhne (Gen 25,1), er war also nicht impotent. Allerdings wird in Röm 4,19 und Heb 11,12 angedeutet, dass auch Abraham angesichts seines hohen Alters an der Möglichkeit einer Zeugung zweifelte. Falls man aber Abraham als Subjekt verstehen will, wäre zu übersetzen: "Durch Glauben empfing er, - obwohl Sara selbst unfruchtbar war, - Macht zum Einsenken des Samens, und zwar hinaus über den Zeitpunkt des erforderlichen Lebensalters, weil er ja den für treu hielt, der es versprochen hatte" (7,z.St.; 27,672). Oder vielleicht als Dat.sociativus, wenn εις wie in Heb 10,19 zu verstehen ist: "Durch Glauben empfing er auch zusammen mit Sara,...Macht zur Einsenkung des Samens (2,1183; 79,358). Sein schwach werdender Glaube in Gen 16,1-4 und in Gen 17,17-19 wird stillschweigend und gnädig übergangen. 8 Das sind Abrahams Nachkommen. 9 Perf.: eine im Herzen vollzogene Tatsache, obwohl er ihn dann doch nicht tatsächlich schlachten musste. 10 Präs.: ein Prozess der nach Gen 22,3 bis zum Morgen dauerte. "Er hat ihn (im Herzen schon) dargebracht (Perf.)...als versucht werdend (Präs.)... weil/nachdem berechnet habend (effektiver Aorist)...". 11 Das sind die Schmähungen, die Christus erlitt und die auch sein alttestamentliches und neutestamentliches Volk erleiden müssen. 12 Den Unsichtbaren hatte er gleichsam dauernd vor Augen (1,823). 13 Samuel galt als der letzte Richter und der erste Prophet (Apg 3,24; 13,20). Interessanterweise fehlen die Glaubensmänner Josua, Kaleb, Othniel, Ehud und Schamgar, während die fehlerhaften Richter Gideon (trotz Götzendienst), Simson (obwohl fleischlich) und Jephtha (obwohl voreilig), schon genannt werden. Ebenso eigenartig wird Gideon vor Barak, Simson vor Jephtha und David vor Samuel gereiht. 14 αστειος, eine Ableitung von αστυ (= Hauptstadt), von ai. v-stu (Haus, Wohnstätte) aus d. W. ves- (sich aufhalten). In Gräz.: "städtisch" - d.h. vornehm, elegant, hübsch, von guten Manieren und Benehmen, höflich, gebildet und vorwitzig. Bei den Stoikern fast: fleißig. In LXX: gutgenährt (beschönigend für: fett), gebildet, körperlich gut gebaut, gutaussehend, wohlgestaltet, zierlich und lieblich (Ex 2,2; Num 22,32; Rich 3,17). Dieser Ausdruck ist wohl ein Hebraismus. Es steht der Gedanke dahinter, dass Anmut und Schönheit ein Segen Gottes sind und daher das kleine Mose-Kind auch für Gott wohlgefällig war, was das Vertrauen der Eltern beflügelte. 15 jmdn. in zwei Teile durchsägen. Eine Art der Bestrafung bei den Juden, der Tradition nach durch den König Manasse mit einer Holzsäge beim Propheten Jesaja angewendet. Viele alte Hs. haben: "...erprobt (durch Folter?)". 16 Das vorsorgende Handeln aufgrund der Furcht vor Gottes Heiligkeit und dem kommenden Gericht. 17 Bezieht sich entweder auf das Vertrauen Abels oder auf das Schlachtopfer Abels. 18 Gedacht ist wohl an die Erweckung des Sohns der Witwe von Sarepta durch den Propheten Elija (vgl. 1Kön 17,17-24), und dem Sohn einer Frau aus Schunem durch den Propheten Elisa; vgl. 2Kön 4,18-37 (vgl. 47,z.St.). 19 Das Wohnen in einer Stadt, war ein Symbol für den endgültigen Aufenthalt in Ruhe; Ps 107,7 (21,IV,356). Damit wird deutlich, dass auch schon Abraham zumindest an ein Weiterleben nach dem Tod, vielleicht sogar an eine leibliche Auferstehung glaubte. 20 Erst beim zweiten Segen, offenbarte sich der Glaube Isaaks, indem er Gottes Auswahl anerkannte, den Zweitgeborenen Jakob vor dem Erstgeborenen Esau zu erwählen (Gen 28,1ff). 21 Indem Jakob beim Segnen seine Hände kreuzte (Gen 48,13-16), drückte er seinen Glauben an Gottes souveräne Erwählung aus. 22 Wie wichtig war dieses Vorbild für die Hebräer. Auch sie sollten die Schmach für ihren Glauben an Christus, und den zukünftigen Lohn bevorzugen, und nicht den bequemeren Weg zurück ins Judentum wählen. 23 Mose ahmte offenbar den furchtlosen Glauben seiner Eltern nach - obwohl diese gar nicht mehr lebten - denn auch sie "fürchteten das Gebot des Pharaos nicht" (Vers 23), und Mose wusste, dass er diesem Glauben seiner Eltern sein Überleben verdankte. - Das bezieht sich wohl auf seinen Auszug aus Ägypten (Ex 10,28), denn bei seiner Flucht nach Midian fürchtete er sich vor der unmittelbaren Rache des Pharaos (Ex 2,15). Dass es sich auf die Flucht nach Midian bezieht, nur, weil es vor dem Passah genannt ist, ist eher unwahrscheinlich. Der Auszug aus Ägypten war das große Glaubenswerk, nicht die Flucht nach Ägypten, die eher Unglauben offenbart. 24 Der Tradition nach verbrachten der Prophet Jesaja und seine Begleiter zwei Jahre in den Berghöhlen und ernährten sich von wilden Kräutern (21,IV,364). 25 Fast alle dieser "Glaubensvorbilder", begingen auch schwere Fehler und Sünden: Noah betrank sich mit Wein. Abraham verleugnete zweimal seine Frau Sara mit einer Halbwahrheit, sodass sie in den Harem von ungläubigen Männern geriet. Isaak folgte dem Beispiel seines Vaters und verleugnete seine Frau Rebekka, und zwar anders als sein Vater, hinter ihrem Rücken und mit einer glatten Lüge. Jakob betrog seinen Vater und Schwiegervater, um das Erstgeburtsrecht und den damit verbundenen Segen zu erlangen. Moses erste Tat als Gläubiger (vgl. Heb 11,24 mit Apg 7,23-24) war es, aus falsch motivierter Rache einen Menschen zu ermorden. Rahab war eine berufsmäßige Hure, als sie glaubte. Gideon verführte am Ende seines Lebens das Volk zum Götzendienst. Simpson war die meiste Zeit seines Lebens fleischlich gesinnt. Jephta machte ein voreiliges Gelübde, das seine Tochter in schwere Not brachte. David nahm sich mehrere Frauen, obwohl er das als König nicht tun durfte, bei den Philistern verhielt er sich unaufrichtig, später beging er Ehebruch und gab einen heimtückischen Mord in Auftrag. Samuel hatte korrupte Söhne; usw. Dennoch vergab Gott allen diesen Gläubigen ihre Sünde, nachdem sie Buße taten. Aber nicht nur das, er stellte sie auch wieder völlig her, um ihm zu dienen. All dies sollten wir bedenken, wenn ein Gläubiger nach erfolgter Gemeindezucht, wenn er Buße getan hat, wieder aufgenommen werden soll (vgl. 2Kor 2,6-11). Dennoch darf bei alledem nicht vergessen werden, dass jeder Fehltritt für die Betreffenden (schwere) Folgen der Züchtigung hatte, z.B. bei David (2Sam 12,10-14), bei Simson, usw. 26 Damit ist die Erlösung durch den Messias und sein Friedensreich gemeint. 27 Als konativer Imperfekt: er versuchte oder war bereit ihn darzubringen. 28 Perfekt: als andauernden Ritus eingeführt. 29 Da die Archäologen bei Ausgrabungen fast keine Überreste aus dieser Zeit fanden, dachte man Jericho sei zur Zeit Josuas gar nicht besiedelt gewesen. Doch die charakteristischen Erdwälle mit Bauresten bilden sich nur, wenn stehende Stadtmauern vorhanden waren. Wenn diese aber eingestürzt waren, wie der biblische Bericht sagt, muss man davon ausgehen, dass die Baureste durch Bodenerosion zerstört wurden (65,III,236). - Manche fragen sich, wie ein Gott der Liebe die Ausrottung der Kanaaniter, Frauen, Männer, Kinder und Tiere, sowie die restlose Zerstörung ihrer Städte, anordnen konnte. In Gen 15,13-16 und Dtn 20,18 finden wir die Antwort. Es war ihr Götzendienst (rituelle Menschenopfer, Tempelprostitution, usw.) und ihre Unmoral (Homosexualität, Perversität, Gewalt, usw.) der den gerechten Zorn Gottes erregte, denn für Gott war dieser abscheuliche Götzendienst nicht nur eine persönliche Beleidigung (Röm 1,18-32), sondern er sah auch das Leiden der Opfer dieses Götzendienstes. Gott hatte fast 600 Jahre Geduld, bis er die Bestrafung der Kanaaniter durch Josua und seine Truppen anordnete. Denn "der Herr ist langsam zum Zorn und groß an Gnade, der Schuld und Treubruch vergibt, aber keineswegs ungestraft lässt, der die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern der dritten und vierten Generation" (Num 14,18). Die Kanaaniter hatten viel Zeit Buße zu tun, aber sie verharrten in ihrem Götzendienst. Wir finden dieses Prinzip Gottes von Geduld und Bestrafung öfters in der Geschichte. Die Inkas z.B. hatten ebenso grausame Rituale. "Auf dem Ampato und anderen Gipfeln der Anden wurden die Überreste von mehr als einem Dutzend Inka-Kindern entdeckt, die im Rahmen einer Capacocha-Zeremonie geopfert wurden. Diese archäologischen Funde liefern bereits wichtige Hinweise zum Ritual. Unter anderem ist nun bekannt, dass der Opferungsprozess nicht immer gleich und der Ablauf wahrscheinlich davon abhängig war, welchem Gott das Opfer dargebracht wurde. Sie wurden auf Felsen einfach ausgesetzt und erfroren oder wurden sogar erschlagen. andere wurden erdrosselt oder lebendig begraben, oder man schnitt ihnen die Kehle durch. Mehrere tausend Menschen, so schätzen Forscher, starben so Jahr für Jahr. Manche Kinder wurden lebendig begraben, andere erwürgt, manchen wurde das Herz aus dem Leib geschnitten. Offenbar wurden sie für ihre Opferung vorher regelrecht gemästet." (Menschenopfer der Inka: Die Jungfrau aus dem Eis bekommt ein Gesicht | National Geographic). Die Inkas bekamen 100 Jahre Zeit zur Buße, nützten sie aber nicht und wurden durch die Spanier ausgerottet. Auch für den sowjetischen Kommunismus und den Nationalsozialismus galt das gleiche Prinzip. Und auch dem modernen westlichen Raubtier-Kapitalismus wird es so ergehen. 30 Die Entrückung von Henoch vor der Sintflut, wird manchmal als Beweis angeführt, dass auch die Entrückung der Gemeinde vor der großen Drangsal stattfindet, währenddessen Noah durch die Sintflut hindurchgerettet wurde, wie auch der Überrest Israels in der Zukunft durch große Drangsal gehen muss. Doch die Entrückung ist ein Geheimnis, dass im AT nicht geoffenbart ist. Außerdem lebte Henoch einige Generationen vor Noah, was diesen Vergleich auch nicht zulässt. 31 Deshalb, weil auch Sara so wie Abraham, nach vorherigem Unglauben (Gen 17,17; 18,11-12), doch beide Glauben bewiesen haben (94,z.St.), indem sie miteinander Geschlechtsverkehr hatten. 32 Noah bereitete die Arche zur Rettung nicht nur für sich selbst - wie Gott es ihm ursprünglich sagte (Gen 6,14; hebr. w.: "für dich...", und Gen 6,18 "mit dir...") - sondern im Glauben auch für sein ganzes Haus. Zum Zeitpunkt, als er mit dem Bau der Arche begann, war nur er gerecht in Gottes Augen (Gen 6,8-9). Doch Gott hatte in seiner erwählenden Gnade schon die Rettung des ganzen Hauses vorherbestimmt (Gen 6,18), was dann dazu führte, dass auch sein ganzes Haus seiner Predigt (2Pet 2,5) glaubte und in die Arche stieg. Hier haben wir wieder die logische Unvereinbarkeit von Gottes souveräner Erwählung und der Verantwortung des Menschen. - Auch in Gen 18,19 kommt die vorherbestimmende Erwählung klar zum Ausdruck: Es heißt dort nämlich über Abraham nicht: "Denn ich habe (vorher) erkannt (bzw. gewusst), dass er seinem Haus befehle...", sondern: "Denn ich habe ihn erkannt, damit er seinem Haus befehle...". Vorherbestimmende Erwählung und menschliche Verantwortung kommen also auch dort zum Ausdruck, ebenso in Jer 1,5. 33 Auch Rahab konnte durch ihren Glauben ihr ganzes Haus zur Errettung führen (Jos 2,9-13.18-19; 6,25). Doch auch da mussten ihre Verwandten mit ihr im Haus bleiben, um wirklich gerettet zu werden. Es gibt den allgemeinen Willen Gottes ganze Häuser aufgrund von Glauben zu erretten (Joh 4,53; Apg 16,15; 18,8) und den speziellen Willen Gottes, wo er dies schon im Vorhinein verspricht (Apg 11,14; 16,31). Doch niemand kann die Sicherheit haben, dass sein ganzes Haus errettet wird (1Kor 7,16). Hebräer 12 1 Spr 3,11 2 Spr 3,12 "lass dich nicht verdrießen seine Mahnung. Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er... ". Die beiden Ausdrücke Mahnung und züchtigen sind im Hebräischen verwandt, und bedeuten so viel wie strenge Korrektur, und wenn nötig auch Strafe. Vgl. auch Offb 3,19 3 Dtn 29,17b (LXX) 4 Dtn 9,19 5 Hag 2,6.21 6 Dtn 4,24; 9,3 7 Wie Mose in Heb 11,26 8 od.: "ermattet in euren Seelen, indem...". Ein t.t. für die Erschöpfung des Langstreckenläufers (65,III,240). 9 D.h. durch ständige Anspannung schwach, kraftlos und/oder entmutigt werden. Ebenfalls ein Terminus für die Erschöpfung des Langstreckenläufers (65,III,240). 10 Eigentlich würde man den Konj. erwarten: "...wäret ihr...". Aber der Schreiber möchte mit dem Indikativ klarstellen, dass jemand nicht wiedergeboren ist, wenn er diese göttliche Erziehung nicht hat. 11 Entw. wie Num 16,22 und 27,16: der Vater (d.h. Schöpfer?) der Geister aller Menschen, und der Engel (Kap 1,4); od.: unser geistlicher Vater, - im Gegensatz zu unseren fleischlichen Vätern (2,z.St.). 12 Spr 4,26. Ein medizinischer t.t.: Gelenke verrenken; od. allg.: vom rechten Weg abkommen bzw. sich abwenden (2,z.St.). Die Mahnung setzt das Bild vom wandernden Gottesvolk voraus, das unterwegs ist in "die Stadt mit den festen Grundmauern, die Gott selbst geplant und gebaut hat"; vgl. Heb 11,10 (47,z.St.). 13 Wahrscheinlich den Segen, vgl. Gen 27,34ff; od. viell.: "sie", d.h. die Buße. Vgl. Heb 6,6 und die Anm. dort. 14 Der Text erinnert an die Umstände beim Abschluss des Ersten Bundes am Sinai; vgl. Ex 1916-19; 20,18-21; Dtn 5,22-27; 9,9-25 (vgl. 47,z.St.). 15 Zu ergänzen: "...das (vergossene Blut) Abels (das nach Rache schrie)". Das Blut Jesu aber "schreit" nach Vergebung. 16 Bildlich für eine große Menschenmenge die in der Arena den Läufern beim Wettlauf zuschaut. Hier sind es symbolisch die Glaubensvorbilder in Heb 11,1-40, die den Lauf schon siegreich vollendet haben, und deren Vorbild die Läufer quasi zum Durchhalten anspornen soll. 17 Jes 35,3. Wieder Bilder aus dem sportlichen Wettkampf. 18 απο bedeutet Entfernung von der Außenseite (2,1379), also nicht ein "aus (= εκ) der Gnade fallen". Die Gefahr bestand, dass einige Gläubige ins Judentum zurückkehrten und so das System der Gnade mit dem System des Gesetzes tauschten (vgl. Gal 5,3-4). 19 Mit der "Versammlung der Erstgeborenen" sind die Gläubigen der Gemeinde gemeint, zum Teil sind sie bereits im Himmel. Mit den "Geistern der Gerechten" sind die bereits entschlafenen Gläubigen des AT gemeint; vgl. Heb 11,49, und viell. Eph 4,8 (79,414ff; 94,z.St.). Beide Gruppen werden aber als "Geister" ohne Herrlichkeitsleib beschrieben, denn die Gläubigen der Gemeinde bekommen diesen ja erst bei der Entrückung, die Gläubigen des AT bei ihrer Auferstehung zu Beginn des tausendjährigen Reiches. 20 Illegitim; ein Bastard sein. D.h. nicht aus einer legitimen Ehe hervorgegangen, sondern von einer Konkubine oder einer Sklavin geboren. Bildlich von Christen, die Gottes Zucht nicht an sich erfahren und deshalb keine wahren Kinder Gottes sein können. 21 Vor dem eigentlichen Wettkampf wurden die Gewichte die man zum Training umgeschnallt hatte, sowie die Kleider abgelegt (65,III,240). 22 Beim Boxkampf, der härtesten Form des Wettkampfs, floss häufig Blut. Ein Bild für schwerste Prüfung (65,III,241). Mit welcher Entschiedenheit und um welchen Preis dieser Kampf geführt werden soll, sieht man in Mt 5,29-30 und Offb 12,11b 23 Damit ist der kürzeste und geradeste Weg zum Ziel gemeint (65,III,242). 24 Dies klingt beim ersten Hinschauen sehr bedrohlich, als könnte man sein Heil wieder verlieren, wenn man nicht heilig genug lebt. Doch der Verfasser sagte selbst in Heb 5,9, dass unsere Errettung ein für alle Mal und ewig ist. Es ist vielmehr Gott selbst der unsere Heiligung bewirkt, und zwar durch seinen Heiligen Geist (2Kor 3,18; 2Thes 2,13), in Zusammenarbeit mit uns, und wenn nötig auch durch Züchtigung (Heb 12,10). Und er wird dieses Ziel auch bei jedem wahren Gläubigen erreichen (1Thes 3,13; 5,23-24; 1Joh 3,2-3), denn dazu hat er uns vorherbestimmt (Röm 8,29-30). Bei den Scheingläubigen wird man allerdings keine Heiligung sehen (53,404). Sie haben nur eine christliche Fassade. 25 Das Wort (Strong Nr. 41) kommt nur hier im NT vor. Hebräer 13 1 Dtn 31,6.8; Gen 28,15 und die zu 1Tim 6,8 2 Ps 118,6 (LXX) 3 Sind dies Älteste, die so genannt sind, weil der Ausdruck πρεσβυτερος in Heb 11,2 schon für die Heiligen des AT gebraucht ist? Oder sind es eben doch keine Ältesten, sondern führende Brüder der Anfangszeit (vgl. Heb 2,3; 4,2), da wir in Apg 15,22 im Griechischen die gleiche Bezeichnung finden. Siehe auch die Anm. dort. 4 D.h. entw.: den Erfolg; od.: das Lebensende (65,III,248). Oder den Märtyrertod? (2,z.St.). 5 Dieser Altar ist das Kreuz, an dem sich der Herr Jesus für unsere Sünden als Opfer dargebracht hat. Beim Abendmahl denken wir ganz besonders daran, darum nennt Paulus das Abendmahl den "Tisch des Herrn". Der "Tisch des Herrn" war der Brandopferaltar des AT (vgl. 1Kor 10,18.21 mit Mal 1,7). Der Schreiber könnte also durchaus auch das Abendmahl gemeint haben und sagen wollen: wer noch darauf vertraut, dass er durch das Darbringen von Tieropfern von Gott Sündenvergebung erlangt, der hat kein Recht an der Abendmahlsgemeinschaft teilzuhaben. 6 Das sind entweder speziell die Priester des Alten Bundes, oder allgemein alle diejenigen, die noch immer, oder aufgrund eines Rückfalls ins Judentum wiederum, auf die Darbringung der alttestamentlichen Opfer vertrauen. 7 Jemandem Folge leisten bzw. auf ihn hören, weil man überzeugt ist, dass er recht hat. Ein schwächeres Wort als gehorchen! 8 Der Hinweis auf Engel bezieht sich wohl auf die Berichte entsprechender Vorgänge im Alten Testament; vgl. Gen 18,1ff bei Abraham und Sara; in Gen 19,1-22 bei Lot und in Richter 13,3ff bei Manoach (vgl. 47,z.St.). 9 Nach Lev 16,27 mussten der Sündopferstier und der Sündopferbock, deren Blut zur Entsühnung diente, außerhalb des Lagers verbrannt werden. Auch die Hinrichtung Jesu erfolgte "außerhalb des Tores" (vgl. Joh 19,20; Mt 21,39). Die Aussage spielt auf die Schmach des Kreuzestodes an, und, dass auch die Gläubigen so wie ihr Herr aus dem Lager (d.h. dem Judentum) hinausgehen müssen (vgl. 47,z.St.). 10 Betont vorangestellt: Durch ihn, und nicht durch die jüdischen Priester des Alten Bundes. 11 Hos 14,3b. 12 Vgl. die Anm. bei Eph 2,10. 13 Das Wort bezeichnet auch eine römische Handelsinstitution, die sogenannte societas, deren Mitglieder sich verpflichteten, für die Erfüllung eines bestimmten Zieles ihren gesamten Besitz einzusetzen. Auch im Judentum wurde dieser Begriff für die Verteilung von Almosen verwendet; siehe Apg 2,42 (65,II,330). 14 Vorehelicher Geschlechtsverkehr mit Prostituierten, Homosexualität und sogar Pädophilie gehörten damals für junge Männer bis zur Ehe zur Selbstverständlichkeit, ja sogar zu einer Art des Männlichwerdens. Manche Philosophen betrachteten die Ehe als unnötige Last, die sexuelle Befriedigung jedoch als Notwendigkeit (65,III,247). 15 Wahrscheinlich wurde Timotius inhaftiert, als er Paulus bei seiner zweiten Inhaftierung in Rom besuchen wollte (2Tim 4,21), und wurde dann unter Vespasian wieder freigelassen (65,III,251). Das Wort απολελυμενον kann allerdings auch "abgereist" bedeuten. Dies würde bedeuten, dass Timotius irgendwo inhaftiert war und nun zum Verfasser reist. Sobald Timotius zu ihm gekommen ist, möchte der Verfasser dann die Adressaten besuchen (79,453; 53,456). 16 Dies deutet, neben der Bemerkung über die Freilassung von Timotius, darauf hin, dass der Brief aus Rom geschrieben wurde. Natürlich könnte es auch sein, dass die Grüße von solchen sind, die früher in Italien (Rom) lebten, und nun woanders leben. Dann wäre der Brief nicht aus Rom geschrieben, sondern an Juden-Christen in Rom (65,III,251). 17 Das Ptz.Fut. bedeutet wohl, dass diese Rechenschaft, so wie in 1Pet 5,4, beim Richterstuhl Christi abgegeben wird (79,447). Die Nachteile für seine Widerspenstigkeit dürfte der Gläubige aber schon hier und jetzt zu spüren bekommen, worauf der Gebrauch des Konj.Präs. ("tun mögen") hindeuten könnte. Jakobus Jakobus 1 1 Vom Wind hin- und hergetrieben werden. Von Personen deren Verstand und Gefühle schwanken zwischen Hoffnung und Furcht, zwischen Tun und Lassen, so wie ein Schiff von Wind und Wellen auf und ab geschaukelt wird, unstet und wankelmütig. Vgl. Eph 4,14. 2 In der Gräzität als astronomischer t.t.: vom Umlauf der Gestirne ("wandernde Schatten" durch eine veränderte Stellung der Gestirne), besonders von der Sommer- und Wintersonnenwende. Auch für die Umdrehungen eines Wasserrades. Die buchstäbliche Bedeutung einer Verfinsterung bzw. Verschattung, die aufgrund der Sonnenwende auf der Erde hervorgerufen wird, wird bildlich auf Gott angewendet. Im Charakter des "Vaters der Lichter" (d.h. des Vaters der Gestirne) gibt es keine Veränderung oder Verschattung. 3 od.: "...nur euch selbst verrechnende Hörer". 4 Vgl. die Anm. zu Php 1,2. 5 allg.: jemand der sich nur für kurze Zeit in einem fremden Land aufhält. Im NT immer als t.t. für die Diaspora der Juden. Hier sind alle Juden im römischen Reich gemeint, die außerhalb Palästinas lebten. Auch wenn Jakobus in erster Linie an Juden-Christen schreibt, hat er doch das ganze zwölfstämmige Volk im Blick (vgl. Paulus in Apg 26,7), dessen Bekehrung er wie Paulus (Röm 9,1-5; 10,1) ersehnt. 6 Das griechische Wort trägt den Moment des überraschenden Eintritts der Versuchung in sich (80,39). - Die Diaspora-Juden lebten inmitten einer heidnischen Bevölkerung und die Anpassung an die heidnische Lebensweise war daher eine große Versuchung, der es zu widerstehen galt. Dazu kommen noch andere Arten von Versuchungen durch Krankheit, den Satan, odgl., sowie Prüfungen von Gott (Gen 22,1ff.; Jak 5,10-11 uva.). 7 D.h. Gott hat keine Hintergedanken an Forderungen, die er an den Bittenden stellt, außer natürlich Glaube. 8 Gnomische Aoriste und Perfekt für allgemeingültige, zeitlose Tatsachen: "...betrachtet er,...geht weg...und vergisst". 9 Der Gedankengang von Vers 4 wird wieder aufgenommen. 10 Beide Ausdrücke sind t.t. der Fischer- und Jägersprache (2,z.St.), sowie von den Verführungskünsten der Prostituierten (21,IV,428), hier aber im personifizierten Sinn wie in Sach 5,7-8 und Ps 7,15 11 Von der endgültigen Errettung wie in 1Pet 1,5.9. Die Seele ist hier der körperliche Teil des Menschen, der noch nicht errettet ist, der "Leib des Todes" (Röm 7,24). 12 Der vermeintliche Widerspruch zu Mt 6,13, lässt sich am besten folgendermaßen auflösen: Gott selbst versucht niemanden zum Bösen, aber er lässt es in seiner vorausschauenden Weisheit manchmal zu, dass Satan die Gläubigen versuchen darf (Hiob 1,6-12; Mt 4,1; Lk 22,31). Falls Gott dem Satan erlaubt uns zu versuchen, soll dies am Ende nur zu unserem Besten dienen wie bei Hiob (Hiob 42,2-6.10ff; Jak 5,11). Wenn es heißt, dass Gott versucht (z.B. Gen 22,1), ist immer eine Prüfung gemeint, die ein gutes Ergebnis haben soll. 13 Damit ist entweder die Hitze der aufgehenden Sonne gemeint, oder der "Schirokko", ein glühend heißer Wüstenwind aus dem Süden (65,III,259), oder der "Eurus", ein glühend-heißer und trockener Ostwind aus der syrischen Wüste, der alles versengt. 14 Die besten Spiegel in der damaligen Zeit waren aus korinthischer Bronze gefertigt und wiederspiegelten kein deutliches Bild (65,III,263). Doch nicht das undeutliche Bild im Spiegel ist hier der Vergleich, sondern das Vergessen. Der beste Spiegel nützt nichts, wenn man seine Mängel die man darin entdeckt, nicht austilgt (80,81f). 15 Das Gesetz ist gut, wenn man es recht gebraucht, wie auch Paulus weiß (1Tim 1,8). Es zu halten, bewahrt vor Sünde und unvernünftigen Begierden. 16 Das Ziel jeder Versuchung, das von Gott angestrebte Ziel eines vollkommenen Werks der Gottseligkeit, wird nach Röm 5,3-5 und 2Pet 1,5-7 in einzelnen Schritten erreicht. Jakobus 2 1 Lev 19,18 2 Ex 20,13f; Dtn 5,17-18 - Jakobus meint hier vielleicht fromme Zeloten, die nie Ehebruch begehen würden, aber nicht davor zurückschreckten Mitglieder der jüdischen Oberschicht zu töten. In dieser Zeit kam es immer wieder zu solchen Meuchelmorden (65,III,267). 3 Gen 15,6 4 Jakobus wendet sich in seinem Brief an das gesamte Judentum (Jak 1,1). Zu diesem frühen Zeitpunkt besuchten die Juden-Christen offenbar auch noch den Synagogengottesdienst zusätzlich zu ihren Versammlungen (Jak 5,14), wie auch Paulus auf seinen Missionsreisen. Möglich wäre aber auch, dass das Wort hier einfach die wörtliche Bedeutung: ein "Zusammenkommen" von Christen hat (80,94f.). 5 Der durative Imperfekt drückt den anhaltenden Glauben aus, den Abraham in der langen, ca. 24-jährigen Wartezeit zwischen seinem Glauben in Gen 15,6 und der Geburt Isaaks hatte! Und nochmals vergingen ca. 16 Jahre bis er schließlich in Ge 22,1ff, durch die beabsichtigte Opferung Isaaks, aus Werken gerechtfertigt wurde. Sein erster Glaube, obwohl dazwischen schwach geworden, wurde also durch sein Werk des Gehorsams vollendet (vgl. Heb 11,17). Jakobus bringt, wie die jüdische Tradition, Gen 15,6 in Zusammenhang mit der Opferung Isaaks (Gen 22). Paulus sieht sie in ihrem ursprünglichen Zusammenhang mit der Verheißung in Gen 15,5, wonach Abraham der Vater vieler Völker sein wird. Vgl. Röm 4,1ff und Gal 3,6ff (vgl. 47,z.St.). Jakobus wendet sich in diesem ganzen Abschnitt gegen ein bloßes Lippenbekenntnis des Glaubens (vgl. V.14: "wenn jemand sagt..."), dem keine Frucht des Geistes in guten Werken folgt. Ein bloßes "Übergabegebet", dem keine echte Buße, verbunden mit Herzensglaube, vorausgegangen ist, und dem keine Lebensveränderung folgt, bewirkt keine Wiedergeburt. Es ist toter Glaube, wie er auch noch heutzutage in der Christenheit weit verbreitet ist. 6 Der Abschnitt Jak 2,14-26 handelt ausführlich über das Verhältnis von Glauben und Werken. Während Paulus in Röm 3,28 sagen wird, der Mensch werde allein durch Glauben gerecht, unabhängig von den "Werken des Gesetzes", betont Jakobus, "dass der Mensch aufgrund seiner Werke gerecht wird, nicht durch den Glauben allein" (Jak 2,24). Doch stehen die Aussagen des Jakobusbriefs nicht im Gegensatz zur Lehre des Paulus. Paulus spricht nämlich von "Werken des Gesetzes" durch die die Juden versuchten vor Gott gerecht zu sein, Jakobus aber meint die Taten der Nächstenliebe, ohne die auch für Paulus der Glaube nichtig wäre; vgl. Gal 5,6 (vgl. 47,z.St.). Wir lernen daraus: Jede Wahrheit hat zwei Seiten. Man muss diese Seite betonen, die gerade seelsorglich notwendig ist. Meinungsverschiedenheiten sind oft nur verschiedene Betrachtungen einer Wahrheit! Es müssen jedoch beide Seiten betont werden. - Die Ansicht Jakobus würde Paulus hier unterschwellig kritisieren kann nicht sein, denn Paulus schrieb den Galaterbrief und den Römerbrief erst Jahre später. 7 Möglicherweise beginnt in V.18b die Entgegnung auf den Einwand von V.18a und man könnte übersetzen: "Nun wird einer sagen: Du hast den Glauben und ich habe die Werke. Dann zeig mir doch deinen Glauben ohne die Werke und ich..." (vgl. 47,z.St.). 8 Damit ist für jeden Juden(christen) das messianische Friedensreich, d.h. das tausendjährige Reich auf dieser Erde, gemeint (vgl. 21,IV,438). 9 Ein Titel für die höchsten Beamten an orientalischen Königshöfen (4,159f). 10 D.h. die Werke, welche die Echtheit seines Glaubens bestätigen. Abraham glaubte schon (Gen 15,6), bevor er Isaak opferte. Auch Rahab glaubte schon (Jos 2,9), bevor sie die Kundschafter gastfreundlich aufnahm. Doch dass, was beide aufgrund ihres Glaubens taten, bestätigte die Echtheit ihres Glaubens. Auch bei allen Glaubenshelden in Hebr 11,1ff ist dies so. 11 Auch die Rabbis lehrten, dass das Gesetz Mose ein Ganzes sei, - wer es in einem Teil nicht hielt, hielt das ganze Gesetz nicht (65,II,377). 12 Das römische Recht begünstigte die Wohlhabenden der Oberschicht, denn sie durften gegen sozial Niedriggestelltere klagen, umgekehrt war dies nicht möglich (65,III,266). 13 Bei jemandes Namen genannt werden, begründet einen Besitzanspruch: Man gehört (zu) dieser Person deren Namen man trägt (65,III,266). 14 Vielleicht eine Anspielung auf kaiserliche Erlässe, die höchste Autorität hatten. 15 Im Winter konnte es im 760 m hoch gelegenen Jerusalem empfindlich kalt werden. Sogar leichter Schneefall ist möglich. Die Armen hatten nur das Gewand, das sie am Leib trugen und keine Decke zum Zudecken. 16 Das Gesetz der Freiheit, weil wir durch den Opfertod Christi schon frei sind von Gesetz Mose. Es ist das königliche Gesetz (Vers 8), das Gesetz Christi (Gal 6,2), das Gebot der Liebe (Joh 13,34 ua.). Jakobus 3 1 So in 44,696; od.: wie eine Feuerfackel, die an ein laufendes Rad gehalten wird und im Nu das ganze Rad entzündet; od.: die Laufbahn des Daseins (1,1651); w.: das Rad des Werdens. 2 od.: fügsam, einlenkend, lässt sich etwas sagen. 3 Das meint wohl, dass wegen der hohen Verantwortung die ein Lehrer hat, nicht jeder danach trachten soll sich als Lehrer zu betätigen. 4 In Gräz.: von einem Schiff, dass auf einen anderen Kurs gebracht wird (1,1034). 5 od. prädikativ: "...als die von der Ungerechtigkeit beherrschte Welt" (2,1205; 44,696). Vgl. Spr 16,27 6 "Wer das Wort der Wahrheit lehrt, wird strenger beurteilt werden, wenn er sich nicht an das hält, was er lehrt" (48,1280). Vergleiche den ähnlichen Gedankengang in 1Kor 9,27b. Dieses strengere Urteil kann sich schon hier auswirken, oder erst vor dem Richterstuhl Christi, worauf das Futurum hinweisen könnte (vgl. Lk 20,47; 1Kor 9,27b), - oder auf Beides. 7 Wenn man die Zunge zügelt, kann man auch alle anderen Handlungen des Körpers unter Kontrolle bringen. Tatsächlich haben falsche Worte oft gravierende sündhafte Taten zur Folge. Zum Zügeln der Zunge vergleiche: Spr 4,24; 10,10.13.18.31; 11,9.12-13; 12,13.18.22; 13,3; 14,23; 15,1.4.7.26; 16,1.13.24.28; 17,7; 18,8.13.21; 20,19; 21,23; 22,11; 25,11.23; 26,23; 29,5 Jakobus 4 1 übertr. Fem.Pl.: weil wir die Braut (Fem.) des Herrn sind? "Ehebrecherinnen" wird hier wohl im übertragenen Sinn gebraucht sein, denn auch im Alten Testament haben die Propheten (z. B. Hos 2,1 - 3,1ff) den Abfall von Gott als "Ehebruch" Israels gebrandmarkt (vgl. 47,z.St.; 65,III,274). 2 In den Versen 1-4 und 13-17 zeigt sich, dass Jakobus das ganze Judentum in der Diaspora, und nicht nur die gläubigen Judenchristen im Blick hat (vgl. die Anm. bei Jak 1,1). Außerdem zweifelte er die Echtheit der Bekehrung bei manchen an (Jak 2,14.26). Einige der angeführten Sünden könnten auch bildlich gemeint sein. 3 Sicherlich im übertragenen Sinn gemeint (vgl. Mt 5,21-22; 1Joh 3,15). Oder meint er die Zeloten, die meinten im Auftrag Gottes zu morden? 4 Spr 3,34 (LXX) 5 Die Herkunft des Zitats ist unbekannt. Der Sinn ist vermutlich: Gott, der dem Menschen seinen Geist eingehaucht hat (vgl. Gen 2,7), macht seinen Anspruch diesem Geist gegenüber geltend. Andere Übersetzungsmöglichkeiten: "Gott wacht eifersüchtig über den Geist den er uns gegeben hat"; od.: "Neidisch (oder mit Eifer) zeigt der Geist, den er in uns wohnen ließ, sein Verlangen (nach Gott)" (47,z.St.; 65,III,274). 6 Vgl. Jer 30,21f; Hos 12,6 (LXX) 7 Wer Blutvergießen mitverschuldete, musste seine Hände waschen (vgl. Dtn 21,6; Mt 27,24). 8 Wie widersteht man dem Teufel? So wie Jesus in Mt 4,10a, indem man ihm im Glauben (1Pet 5,9) gebietet zu weichen, und zwar unter Bezugnahme auf Gottes Wort. Jakobus 5 1 Jes 5,9; vgl. Dtn 24,14-15; Mal 3,5b ua. 2 Die Reichen schlachteten zu bestimmten Festen (z.B. Ernte, Schafschur, ua.) ein Tier und veranstalteten einen Festschmaus mit ihren Freunden, wobei die Armen leer ausgingen. Jakobus warnt sie, dass auch sie für den Tag des Gerichts gemästet werden. Vgl. Jer 12,3; Amos 4,1-3 (65,III,279). 3 Spr 10,12; vgl. auch Spr 17,9; 23,14; 24,25 (LXX); Hes 3,20-21; 18,4.7; Mal 2,6b; 1Pet 4,8. Das Verhüllen der Sünden geschieht wohl dadurch, dass man dem sündigen Bruder unter vier Augen zur Buße verhilft und Gott ihm danach vergibt. Auf diese Weise hat man ihn "vom Tod errettet", seine Sünde wird unter dem Blut Jesu zugedeckt, und er wurde bewahrt vor noch schwereren Sünden, wenn er seinen sündigen Irrweg weitergegangen wäre. Denn wenn er weiter in schwerer Sünde verharrt hätte, wäre er von Gott mit dem körperlichen Tod gezüchtigt worden (wie in 1Kor 5,5; 11,29-32; 1Joh 5,16b). Dies passt dem Kontext nach auch zu Vers 15b 4 Vgl. 2Tim 3,1ff. Damit sind die Jahre unmittelbar vor der Wiederkunft Christi gemeint, die für Jakobus schon "vor der Tür standen". 5 Vielleicht übertr.: jmdn. unterdrücken, schädigen oder gewalttätig behandeln. In der jüdischen Überlieferung wurde Unterdrückung manchmal mit Mord verglichen (65,III,267). 6 Beide Wörter bezeichnen nicht unbedingt eine schwere Krankheit. Nach Joh 11,1 und 1Kor 11,30 könnte damit aber die körperliche Schwachheit und Ermattung gemeint sein, die einer sich hinziehenden schweren bzw. tödlichen Krankheit vorausgeht. Dennoch dürfte die Krankheit so ernsthaft sein, dass der Betreffende zu Hause liegt und die Ältesten zu sich (Imp.Aor.Medium!) rufen muss (80,232). - Die Krankensalbung ist kein "Sterbesakrament", sondern eine liebevolle Zusage Gottes an die Gläubigen, vor allem wenn ärztliche Hilfe, wirksame Medikamente und eine gesunde Nahrung nicht vorhanden, oder nicht leistbar sind. Oder, wenn die Krankheit eine Züchtigung Gottes wegen schwerer Sünde ist. 7 Eigtl.: das Gelübde; in LXX: das Dankopfer. Das griech. Wort kommt nur noch in Apg 18,18 und 21,23 im Sinne von Gelübde vor, und nur hier im Sinne von Gebet. Jakobus dürfte das Wort im Sinne der LXX gebraucht haben, daher viell.: ein Gott dargebrachtes Gebet, verbunden mit Dank für die erbetene Genesung (und verbunden mit einem Gelübde?). Oder er meint, dass der Kranke durch das Gebet Gott "geweiht" wird (vgl. Lev 27,2). Die oft praktizierte Handauflegung ist übrigens nicht erwähnt (80,233). 8 Das Perf. (statt dem Aor.) betont die Auswirkungen in der Gegenwart. Vielleicht, weil die in der Vergangenheit begangenen Sünden durch die Krankheit Auswirkungen bis in die Gegenwart hatten, oder mangels Buße noch nicht vergeben waren, oder dem Kranken nun in Erinnerung kommen. 9 Vgl. Mk 6,13. Jemanden salben bedeutete im AT: jemanden für Gott weihen, damit dieser Gott lebend dient (33,463), - z.B. Priester, Propheten, Könige bei ihrer Einweihung, oder Geräte in der Stiftshütte (Ex 40,9). 10 Vgl. Lk 4,38: "...sie baten ihn für sie" und in Mk 1,30: "...er richtete sie auf", entweder buchstäblich vom Bett aufgrund von Heilung; aber auch im übertr. Sinn (z.B. Jes 6,10; Mt 13,15; 1Pet 2,24 ua.), geistlich stärken (21,IV,474). 11 Entw.: "wird ihn heilen", wie in Mt 9,22 und Joh 11,12; od.: "wird ihn erretten vor dem drohenden Tod", so wie Jak 5,20. Der Gen. bedeutet entw.: "das Gebet, das aus Glauben geschieht"; od. ein Gen.qual.: "das vertrauensvolle Gebet" (2,z.St.). 12 entw.: ein offenes (wechselseitiges?) Geständnis ablegen (80,235); od.: jemanden seine Sünde bekennen, wenn man gegen ihn gesündigt hat (Mt 5,23-26). - Jakobus wechselt vom konkreten Fall, wo jemand vielleicht wegen Sünde krank ist, zum allgemeinen Prinzip, Sünden Gott und dem Geschädigten zu bekennen. Denn Sünde, die nicht bekannt wird, kann zu einer Züchtigung durch Krankheit führen (vgl. 1Kor 11,30). 13 Mit Art.: die konkreten Sünden. 14 In der Autorität des Herrn, d.h. der Herr steht dahinter, und/oder in der Übereignung an den Herrn (siehe Anm.9). Der Name des Herrn wird dabei im Gebet angerufen (80,233). 15 Kausales Ptz.Präs.Med.: "...weil sich wirksam erweisend" (80,237); viell. adj.: "...ist wirksames Flehen"; od.: "viel vermag ein wirksames Flehen" (2,z.St.). Gebet kann nämlich auch unwirksam oder unangebracht sein (vgl. 1Joh 5,16b; Spr 28,17; Jer 7,16; 11,14; 14,11; 15,1). 16 "sich's gut gehen lassen": protzen, schmausen, feiern, zechen, ausgelassen und unternehmenslustig sein. Ein luxuriöses, prunkvolles, üppiges und aufwendiges Leben führen, das schließlich zu Verweichlichung und geistlichem Verfall führt. 17 Es handelt sich in allen drei Fällen um das hebräische prophetische Perfekt: Der Eintritt der Ereignisse ist so sicher, als wären sie schon geschehen. Ebenso die Aoriste in Vers 5+6. 18 In den Versen 1-6 sind nicht die reichen Christen, sondern die reichen Ungläubigen gemeint, von denen die Gläubigen zu leiden hatten. Dies waren entweder Großgrundbesitzer, die ihre Pächter, welche die Felder bestellten, schamlos ausbeuteten, oder die Kaufleute, die sich durch große Handelspannen bereicherten (65,III,277f). 19 Die Krankheit kann, muss aber nicht (daher: καν), Folge von Sünde sein. Es könnte auch einfach eine Krankheit sein, wo Ärzte und Medizin nicht mehr helfen können oder nicht zur Verfügung stehen, oder nicht leistbar sind, und der Glaube gefragt ist. 20 Der Frühregen im Oktober weicht die Erde auf, die im heißen Sommer hart geworden ist. Im aufgeweichten Zustand kann sie den Samen besser aufnehmen. Der Spätregen im März und April ist nötig, damit die aufgegangene Saat zur Reife kommt (21,IV,471; 65,III,280). So brauchen auch die Gläubigen geduldiges Ausharren, denn die "Ernte" kommt erst bei der Wiederkunft Christi. 21 Bei den Pharisäern war das Schwören erlaubt (65,III,281). Wenn ein Gläubiger einen Eid ablegen muss, z.B. vor Gericht, bekräftigt er damit, dass alles, was er sagt, wahr ist. Sein Ja ist ein Ja und sein Nein ist ein Nein. Denn Namen Gottes dabei anzurufen, oder auf die Bibel zu schwören, wäre falsch. 22 Wie ein hebr. Inf.abs. zur Intensivierung des Verbs (2,1211; 13,21; 44,701). Elijas Gebet war nicht nur ernstlich, es war auch anhaltend, wie in 1Kön 18,42-45. Es gründete sich auf Gottes Wort in 1Kön 8,35-36 und geschah in völliger Gewissheit von Gottes Willen (1Kön 17,1 "wenn es in diesen Jahren..."). 23 Aufgrund des Kontextes von Kap. 5,14-18, und der Verwendung der Anrede Brüder in Vers 7, spricht Jakobus hier sicherlich von Gläubigen, obwohl die Anrede "Brüder" auch allgemein unter den Juden (Apg 3,17 ua.) gängig war. 24 Mit ψυχη ist hier, wie in Mk 8,35; Lk 21,19; Jak 1,21; 1Pet 1,9 ua., der körperliche Teil des Menschen gemeint, der noch nicht errettet ist, der "Leib des Todes" (Röm 7,24), - denn niemand kann die "Seele" eines Menschen erretten. Der Kontext von Vers 15 schwingt noch mit, wo jemand eventuell (tot)krank ist, weil er gesündigt hat. Jakobus gründet sich wahrscheinlich auf Hes 3,21c "...wird er leben (d.h. am Leben bleiben)...", und auf Hes 3,20a, wo der Prophet vom Gerechten, also vom Gläubigen der nicht umkehren will, sagt: "...wird er sterben", also durch den körperlichen Tod gezüchtigt werden. Vgl. auch 1Tim 4,16 Petrus A 1.Petrus 1 1 Lev 11,44-45; 19,2 2 Nicht bloß ein Vorherwissen, sondern jemanden im Voraus ausersehen, wie in Apg 2,23 und Lk 22,22. Vgl. die Anm. zu Röm 8,29 3 Jes 40,6-8 4 allg.: jemand der sich nur für kurze Zeit in einem fremden Land aufhält. Im NT immer als t.t. für die Diaspora der Juden. Die Juden-Christen waren in der Diaspora im doppelten Sinn Ausländer, zuerst einmal, weil ihre irdische Heimat Israel war und sie außerhalb dieser Heimat lebten, zum anderen, weil sie als "Himmelsbürger" (1Pet 2,11) nur Fremdlinge und Pilger auf dieser Erde waren, was natürlich für die Heiden-Christen, und damit für uns alle, genauso gilt. Da Petrus der Apostel der Beschneidung war (Gal 2,9), sieht er auch weiterhin nach der Zerstreuung der Juden-Christen aus Jerusalem (Apg 8,1), seine Verantwortung an diese Juden-Christen in der Diaspora zu schreiben, auch wenn diese in Gemeinden waren, die durch den Apostel Paulus entstanden sind (Apg 16,6-7; Gal 1,2). Dies bestätigt auch Eusebius (Kirchengeschichte III,4). 5 Außer Bithynien, war das eigentlich das Missionsgebiet des Apostels Paulus, er war der Apostel für die Unbeschnittenen (Gal 2,7-9). Die Reihenfolge der Gebiete gibt die Reiseroute des Brief-Überbringers, von Amastris in Pontien aus, an (21,V,40; 65,III,118; 81,XV). 6 εν = in (Ort...), δια = durch (Mittel...), εις = zu (Ziel), d.h. Ort, Mittel und Ziel unserer zukünftigen und endgültigen Errettung. 7 D.h. über die Zusagen in Vers 3-5; oder, aber eher unwahrscheinlich, temp.: "...in ihr (d.h. der letzten Zeitepoche) jubelt ihr dann (futuristisches Präs), nachdem..." (2,1213; 81,14). 8 w.: sich vorbücken, um in etwas genauen Einblick zu gewinnen oder einen kurzen Blick zu erhaschen. 9 Sich den Arbeitsschurz oder das Gewand hochgürten, damit man mehr Bewegungsfreiheit für die Füße hat. Übertragen als ein Bild für Bereitschaft zum Dienst und für Wachsamkeit (2,z.St.). Wahrscheinlich denkt er auch an das Umgürten beim Passah (vgl. Ex 12,11 mit 1Pet 1,18-20). 10 Ein rein jüdischer Ausdruck (wie in Apg 22,3; 24,14 und 28,17), was beweist (wie auch 1Pet 2,10.12; 4,3; 5,1), dass der Brief an Juden-Christen geschrieben ist. 11 Vgl. Lk 22,32; 1Joh 5,4-5 12 Damit ist die zukünftige und endgültige Erlösung aus diesem Leib des Todes gemeint (95,z.St.). Vgl. 2Kor 5,6-8 13 Die drei Präpositionen κατα (gemäß/aufgrund), εν (in) und εις (hin zu), geben Ursprung, Gegenwart und Ziel der Erwählung an (vgl. 2Thes 2,13). Die Blutbesprengung kommt deshalb nach dem Gehorsam, weil es sich dabei um die Einweihung zum neutestamentlichen Priesterdienst handelt (vgl. Lev 8,22-24 mit 1Pet 2,5). 14 Alle drei Ausdrücke stehen in Anspielung und im Gegensatz zum vergänglichen Siegeskranz bei den athletischen Spielen, und in der Anwendung, von allem Irdischen das vergänglich ist. 15 Damit ist natürlich die zukünftige und endgültige Errettung gemeint, wie in 1Pet 1,9; 2,2; Röm 8,11 und Röm 13,11 16 Entweder schon jetzt, eher aber zukünftig bei seiner Offenbarung: "...dann zujubeln werdet (futuristisches Präs), wenn...", denn unaussprechliche und verherrlichte Freude gibt es wohl erst dann (21,V,45; 81,18). 17 Es ist interessant, dass gerade zu dieser Zeit unter Nero, das Gold durch eine Inflation erheblich abgewertet wurde (65,III,121). Das machte seinen trügerischen Wert umso deutlicher. 18 D.h. die Kreuzigung, Auferstehung, Himmelfahrt, Wiederkunft und das Friedensreich; - z.B. in Sach 9,9; 11,12-13; Micha 4,14; Jes 40,1-11; 52,13 - 53,12; Ps 22,2ff; Ps 16,8ff; Joel 3,3ff; Ps 110,1-4; Sach 12,9ff; Mal 3,1ff; Jes 4,2ff; Jes 11,1ff. ua. Die Propheten konnten nicht genau verstehen, wie und wann sich ihre Prophezeiungen erfüllen werden. Auch die jüdischen Rabbis konnten die Prophezeiungen über den leidenden und den herrlichen Messias nicht vereinen, und lehrten deshalb, es würden zwei Messiasse kommen: der leidende Sohn Josefs und der herrliche Sohn Davids. Doch die Apostel, erleuchtet durch den Heiligen Geist, konnten die Prophezeiungen richtig einordnen und deuten. 19 Wie Dtn 32,47b; od. viell.: "... durch das Wort Gottes, (des) Lebendigen und Bleibenden"; vgl. Dan 6,27 (21,V,53). 20 Gold-Erz wurde im Schmelzofen bis zum Flüssigkeitszustand erhitzt. Dabei traten die Verunreinigungen an die Oberfläche und wurden abgeschöpft, während das schwerere reine Gold im Kessel verblieb. Die Reinheit des Goldes konnte der Schmelzer darin erkennen, dass er sein Gesicht im flüssigen Gold wie in einem Spiegel sah. So wird unser Glaube auf Echtheit geprüft und vom Menschlichen gereinigt, damit das Echte zur Verherrlichung Gottes übrigbleibt. 21 D.h. bei der sichtbaren Wiederkunft Christi, wo wir verherrlicht mit ihm erscheinen werden, und nicht bei der Entrückung. 1.Petrus 2 1 Ps 34,9 (LXX) 2 Jes 28,16 3 Ps 118,22 (LXX). Der große Hauptstein an der äußersten Ecke, der als erstes gelegt wurde und von dem aus die Richtschnur für den weiteren Bau gezogen wurde (2,z.St.). Nach manchen der Giebelstein über dem Türbogen, oder der zuletzt in die Kuppel gesetzt wurde und alles statisch zusammenhielt (1,875), doch dies ist aufgrund Eph 2,20 eher unwahrscheinlich. 4 Jes 8,14 5 Jes 43,21 6 In Hosea 1,6.9 und 2,25 ist der Überrest des Volkes Israel gemeint, und daher wendet Petrus das Zitat auf die Juden-Christen an. Sie sind schon jetzt der wahre Überrest Israels, sozusagen die Erstlingsfrucht des zukünftigen Überrest Israels in der Drangsalszeit, welcher sich aber erst beim Kommen des Herrn zu ihm bekehren wird (Sach 12,10; Offb 7,3ff. ua.). 7 Jes 10,3. Das ist wohl der Tag des Gerichts, - oder der Tag der gnädigen Heimsuchung, die zur Bekehrung führt (2,z.St.). 8 Jes 53,9 9 Jes 53,4.12 10 Jes 53,5-6; Hes 34,6 11 Da er zu bereits Gläubigen spricht, ist die zukünftige und endgültige Errettung des Leibes bei der Entrückung gemeint (wie 1Pet 1,9). 12 Das Wort kommt im NT nur an dieser Stelle vor und verdient deswegen schon besondere Beachtung. Daher wie in der Gräz.: eine Schreibvorlage, meist aus Wachs, in der alle Buchstaben des Alphabets eingeritzt waren. Sie wurde Anfängern als Lernhilfe unter ein Blatt Papier gelegt und dann auf dem Papier durchkopiert. So lernten sie die Buchstaben korrekt schreiben (1,1681; 21,V,61). Dass Petrus diese spezielle Wortbedeutung im Sinn hatte, beweist sich aus 2Pet 2,6, wo er ein anderes Wort für "Beispiel" verwendete. Ebenso Judas in Judas 1,7. - Christi Leiden am Kreuz können wir nicht kopieren, aber die Art wie er lebte und Ungerechtigkeiten geduldig ertrug, soll uns zum Nachahmen anregen. 13 Milch spielte zwar auch in den Mysterien-Kulten eine wichtige Rolle, worauf Petrus in ironischer Weise, - aus diesem Grunde "unverfälscht", - vielleicht anspielen könnte (37,120), doch wahrscheinlich handelt es sich einfach um einen bildlichen Vergleich (Säugling - Milch). 14 Als Juden waren sie in der Diaspora Ausländer im politischen Sinn, auf dieser Erde waren sie Pilger und Ausländer im übertragenen Sinn. 15 Dieser Vers ist eine der grundlegenden neutestamentlichen Stellen über das Priestertum aller Gläubigen (vgl. 47,z.St.). Die Ausübung dieses Priestertums wird in 1Kor 14,26-40 beschrieben. Petrus wendet Ex 19,6 hier auf Juden-Christen an. Da aber die Heiden-Christen Mit-Leib sein dürfen, gilt die Verheißung natürlich auch ihnen. Das bedeutet aber nicht, dass die Gemeinde Israel ersetzt hat (Röm 11,1-2.29-31). 16 εις ο (Sg.Neut.) bezieht sich grammatisch entweder auf "das Ärgernis", oder auf "das Anstoßen", oder auf beides, und außerdem bezieht sich die ganze Schlussfolgerung auf das abgefallene Volk Israel und nicht auf Einzelpersonen (81,63). Natürlich ergibt sich daraus auch eine Anwendung auf jeden Einzelnen. Wer dem Wort nicht gehorcht, ist dazu bestimmt sich an dem Wort zu stoßen und dadurch verloren zu gehen. Er hat die Finsternis mehr geliebt als das Licht (vgl. Joh 3,18-21.36; 2Thes 2,12). Es ist dies also keine Aussage über eine Vorherbestimmung zur Verdammnis. Vgl. auch die Anm. bei Röm 9,22 17 Die Kaiser wurden in der Frühzeit des römischen Reiches auch noch manchmal Könige genannt (vgl. auch Offb 17,9b). Dieser Kaiser war wahrscheinlich Nero. Er war ein Sohn von Agrippina (aus erster Ehe), der vierten Frau von Kaiser Claudius. Er wurde von Claudius adoptiert, der ihn seinem leiblichen Sohn Britannicus aus dritter Ehe, immer vorzog. Neros Erzieher war der Philosoph Seneca, der anfangs einen guten Einfluss auf ihn ausübte. Als Agrippina ihren Mann Kaiser Claudius vergiften ließ, damit ihr Sohn Nero Kaiser werden könne, wusste Nero von dem Mord. Doch als er dann selbst zum Kaiser ausgerufen wurde, hielt er noch heuchlerisch die Leichenrede für seinen Ziehvater Claudius. Nero ließ Britannicus später vergiften, einige Zeit später auch seine eigene Mutter Agrippina. Von seiner Frau Octavia ließ er sich scheiden, schickte sie in die Verbannung, wo sie starb, und heiratete dann seine Geliebte Poppaea Sabina, die sich zur Schutzherrin der Juden machte. Im Jahr 64 n.Chr. wurde Rom durch einen schrecklichen Brand verwüstet. Da die Güter Neros und seines Freundes Tigellinus unbeschädigt blieben, geriet Nero in den Verdacht, den Brand selbst gelegt zu haben, damit er Rom neu aufbauen lassen könne. Nero beschuldigte die verhassten Christen als die Brandleger und ließ sie als Sündenböcke verfolgen. Nach Aussage von Tacitus (Annalen, 15,38-44) ließ er etliche von ihnen mit Pech übergießen und nachts als lebendige Fackeln in den kaiserlichen Gärten anzünden. Andere wurden bei den Spielen im Kolosseum an die wilden Tiere verfüttert. Wahrscheinlich ließ er den Apostel Johannes auf die Insel Patmos verbannen. Nero verfiel mehr und mehr einem zügellosen Lebenswandel und einem künstlerischen Wahn. Eine aufgedeckte Verschwörung kostete seinem Mentor Seneca und auch seiner schwangeren Frau Poppaea das Leben, als er sie in einem Anfall von Raserei zu Tode trampelte (65,II,161). Ein Jahr später heiratete er wieder und begab sich auf eine Künstlertournee nach Griechenland, wo er selbst als Schauspieler auftrat. Wahrscheinlich wurde unter seiner Regierungszeit der Apostel Johannes auf die Insel Patmos verbannt. Neros Bestialität war in christlichen wie nichtchristlichen Quellen sprichwörtlich und hat die Brutalität und Perversität aller anderen römischen Kaiser in den Schatten gestellt. Er tötete Vater, Mutter, Bruder, Tante und Ehefrau. Er hatte sexuelle Verhältnisse mit Verwandten, Frauen und Männern, er liebte Vergewaltigungen und Marter aller Art und kastrierte einen Jungen, den er dann heiratete und versuchte zum Mädchen zu machen. Sueton berichtet in diesem Zusammenhang auch, dass Nero in Fellen wilder Tiere verkleidet, Frauen, Männer und Tiere vergewaltigte (86,10). Unter seiner Regierungszeit wurden die Apostel Paulus und Petrus hingerichtet. Durch den Aufstand einiger Feldherren und der Prätorianergarde, wurde er schließlich in den Selbstmord getrieben. Er hatte 14 Jahre regiert. Da er keinen Nachfolger bestimmt hatte, stürzte das römische Reich daraufhin in eine große Krise und vier Feldherren stritten sich ein Jahr lang um die Nachfolge, woraus schließlich Vespasian als Sieger hervorging (52,IV,71ff; 65,III,116.414). 18 Ein Gedicht über Leiden: https://drive.google.com/file/d/12zSkp-Y6YdklWawRpd3n5W5xfdD0Zmei/view?usp=sharing. 19 Aufgabe der Obrigkeit ist es Gutes zu belohnen und zu fördern und Böses zu hindern und zu bestrafen (Röm 13,3-4; Spr 17,15). Wenn sie anfängt dies nicht mehr zu tun (z.B. bei Abtreibung; der gleichgeschlechtlichen Ehe; Sterbehilfe; wenn es finanziell günstiger ist in wilder Ehe zu leben, als zu heiraten; wenn Täter verschont werden und Opfer leer ausgehen; udgl.), ist sie von Gott angezählt und wird irgendwann von ihm abgesetzt werden, wovon es in der Geschichte viele Beispiele gibt. 1.Petrus 3 1 Ps 34,13-17 2 Die Partizipialkonstruktionen in Vers 5-6 wird man wohl am besten so verstehen, dass die Worte "wie Sara dem Abraham gehorchte" als Einschub gedacht sind (81,89). Also: Sara war ihrem Mann immer (Ptz.Präs.) untergeordnet, was sich daran zeigte, dass sie ihn im Herzen (Gen 18,12a) Herr nannte. Ihr Gehorsam war eine logische Folge ihrer Unterordnung. Dass sie bei ihrer Unterordnung unter ihren fehlerhaften Mann ständig (Ptz.Präs.) auf Gott hoffen musste und sich dabei nie (Ptz.Präs.) fürchten durfte, beweisen die Ereignisse in Gen 12,13-20 und Gen 20,2-13. Denn Abraham verleugnete seine Frau zweimal, um seine eigene Haut zu retten. Ebenso wie an Sara, wird Petrus vielleicht auch an Rebekka, Hanna, und andere Frauen im AT gedacht haben. 3 Der Ausdruck Gefäß steht für den menschlichen Körper von Mann und Frau, insbesondere aber für den Körper der Frau. Der Ausdruck "Gefäß" weist dabei anschaulich auf die Zerbrechlichkeit der Frau hin, nicht nur im körperlichen Bereich, sondern vor allem im seelisch-emotionalen Bereich. Darauf muss der Mann im tagtäglichen Umgang mit seiner Frau Rücksicht nehmen, um sie nicht zu kränken oder emotional zu verletzen. 4 Jes 8,12 5 Petrus spielt hier auf Jes 8,13 an, wo der HERR aber Jahwe selbst ist. Ohne Umschweife bezeichnet er hier Christus als HERRN und setzt ihn damit Jahwe gleich. 6 Damit sind wahrscheinlich ungläubige Ehemänner gemeint (vgl. 1Pet 2,8), aber man kann es auch auf fleischliche gläubige Ehemänner anwenden. 7 Falls ein konditionales oder temporales Ptz.: "...sie mussten ihre Hoffnung auf Gott setzen (so wie Sara in Gen 12,13ff und Gen 20,2ff), wenn/während/als sie sich ihren fehlerhaften Männern unterordneten, und durften dabei keinen Schrecken fürchten". Der Hinweis auf Gen 18,12 b ("...und ihn Herr nannte"), dürfte das konditionale oder temporale Partizip bestätigen. Denn Sara musste auf Gott vertrauen, als sie wieder mit Abraham Beischlaf hatte, damit sie beide, trotz ihrer Unfruchtbarkeit und seiner abnehmenden Zeugungsfähigkeit, ein Kind erwarten konnten. Möglich wäre auch, wie in Vers 1, die modal-imperativische Übersetzung des Ptz.Präs.Pass.: "Ebenso schmückten sich auch die heiligen auf Gott hoffenden Frauen, und ordneten sich den eigenen Männern unter,..." (95,z.St.; 44,709; 47,z.St.). 8 Vom häuslichen Zusammenleben der Eheleute. Das Wort im spezielleren Sinn vom geschlechtlichen Beiwohnen aufzufassen, schließt der allgemein gehaltene Kontext eher aus (81,90; 95,z.St.). 9 Wenn υμων nur für Männer gilt: "...die Gebete von euch Männern nicht erhört werden" (vgl. Jak 5,4), wenn υμων aber für Mann und Frau gilt: "...eure gemeinsamen Gebete nicht verhindert werden". 10 Das Wort κηρυσσω bedeutet hier seinen Erlösungstod als Sieg proklamieren, und nicht evangelisieren (= ευ-αγγελιζω), um Errettung anzubieten. 11 Mit Gefängnis ist der Hades gemeint (vgl. dazu Röm 10,7 und Apg 2,31). Höchstwahrscheinlich sind hier die gefallenen Engel aus Gen 6,1ff; 2Pet 2,4-6 und Jud 1,6-7 gemeint. Nur Engelwesen werden in der Bibel "Geister" genannt (Heb 1,14). Menschen haben zwar einen Geist, sie werden aber nie "Geister" genannt, auch nicht in Heb 12,23, wo von den vollendeten Gerechten gesprochen wird, dass sie im Zustand des Geistes, auf ihren Herrlichkeitsleib bei der Auferstehung warten. "Geister", ohne nähere Bestimmung, sind im NT immer Engelwesen (33,1141). Auch nach jüdischer Überlieferung (1.Buch Henoch 21,6-10) vergingen sich die gefallenen Engel von Gen 6,1-4 an menschlichen Frauen und wurden zur Strafe an einem finsteren Ort in der Unterwelt bis zum Gericht gefangen gehalten (59,366; 64,680; 65,III,134). Demnach sagt Petrus hier, dass Christus nach seinem Kreuzestod und noch vor seiner Auferstehung, den gefallenen Engeln seinen Sieg am Kreuz proklamierte (daher κηρυσσω und nicht ευ-αγγελιζω = evangelisieren). So auch im 1.Buch Henoch 16,3. 12 Gemeint ist ein aufwendiges und kunstvolles Flechten der Haare mit Knoten und Zöpfen, und mit Goldschnüren durchwoben, wie es bei den vornehmen Frauen der damaligen Zeit üblich war (52,II,897). Diese Prozedur verschlang viel Zeit, und ist deshalb für christliche Frauen unangebracht. Ein stiller und sanfter Geist hingegen, galt als eine der höchsten Tugenden einer Frau (65,III,130). 13 In den Papyri ab dem 2.Jhdt. ein juristischer t.t bei Verträgen: die Antwort auf die formale und untersuchende Frage des Richters an die beiden Vertragspartner und die daraus resultierende Antwort als die Verpflichtung, den Vertrag einzuhalten (37,232; 44,712). Diese spezielle Bedeutung scheint hier eher angebracht als die allgemeine Bedeutung "Bitte". Warum sollte ein Neubekehrter die Bitte an Gott um ein gutes Gewissen äußern, wenn sein Gewissen bei der Wiedergeburt gerade durch das Blut Jesu von toten Werken gereinigt wurde (Heb 9,14)? Es scheint der Gedanke näher zu liegen, dass Petrus hier die Taufe als den Eintritt in einen Bund mit Gott sieht, also eine Art Versprechen, welches nun durch die Taufe äußerlich besiegelt wird, so wie mit der Beschneidung der Alte Bund äußerlich besiegelt wurde (vgl. Kol 2,11-12), oder wie man mit dem Eheversprechen eine Ehe besiegelt. In der Urgemeinde war die Taufe verbindlich für den Eintritt in die örtliche Gemeinde. Es gab keine Ungetauften in den Gemeinden. Vgl. die Anm. bei Röm 6,3. Möglich wäre natürlich auch die allgemeine Bedeutung: die bittende Anfrage oder Forderung eines guten Gewissens (1,578; 2,1224). 14 Und nicht fremden Männern, um damit die Unterordnung unter den eigenen Mann zu unterlaufen. 15 Auch der Kaiser trug den Titel ΚΥΡΙΟΣ. Vielleicht möchte Petrus in der beginnenden Verfolgungssituation darauf anspielen und sagen, dass nur Christus diesen Titel verdient. 16 Eine Sache oder Begebenheit, die einem Vorbild entspricht oder es widerspiegelt. Die Rettung der Familie Noahs in der Arche durch die Flut hindurch, ist ein Vorbild, die Taufe dagegen das Abbild (d.h. ein Gegenbild bzw. Spiegelbild; vgl. Ex 25:40) dazu. In beiden Fällen rettet nur der Glaube selbst, Arche und Taufe sind aber ein Bild für diese Rettung. 17 Der mittlere Teil von Vers 21 ist ein erklärender Einschub, - daher: "...gegenbildlich errettet, ..., durch die Auferstehung" (81,119). Das Hindurchgerettet werden geschieht also nicht durch die Taufe, sondern aufgrund der Auferstehung Christi, an der wir durch den Glauben und die Wiedergeburt geistlich teilhaben durften (vgl. Röm 6,3ff ua.). Die Glaubenstaufe ist zwar nur ein äußerliches Symbol dieser Errettung, aber dennoch von Christus selbst angeordnet (Mt 28,19; Mk 16,16), und in der Urgemeinde ausnahmslos und selbstverständlich praktiziert. 18 Einige Hs. haben "starb", statt "litt". Doch das Wort "litt" passt besser zum Gedanken des Leidens aus Vers 17 und in 1Pet 4,1. Das Leiden ist ein wichtiges Thema in diesem Brief (27,692). 1.Petrus 4 1 Spr 10,12. Das bedeutet nicht, dass man Sünde unter den Teppich kehrt, sondern, dass die Liebe die Sünde des anderen vergibt. Man überführt den Sünder unter vier Augen, er bekennt seine Sünde, man vergibt ihm, und die Sünde wird durch das Blut Jesu zugedeckt (1Joh 1,9). Diese vergebene Sünde kommt nie mehr zur Sprache (vgl. Spr 17,9). Vgl. auch die Anm. bei Jak 5,20 2 Jes 11,2 3 Spr 11,31 (LXX) 4 Eine Begründung dafür, dass die Gläubigen, die schon gestorben sind, nicht zu den Toten von Vers 5b gehören, weil sie schon zu Lebzeiten evangelisiert wurden und auch gläubig wurden. Sie mussten zwar körperlich sterben, weil dies das Los aller Sterblichen ist, im Geist aber leben sie jetzt bei Gott (Heb 12,23c), weil sie Gerettete waren (81,128f). 5 Ein Besserwisser, der sich überall einmischt; od. viell. spez.: ein Hehler, Spitzel, Denunziant oder politischer Aufrührer; od.: einer der etwas unterschlägt bzw. veruntreut (2,z.St.). 6 Das meist ausgedehnte Trinkgelage, das auch körperliche Schäden nach sich ziehen kann (17,226). Sich in ausgelassener Weise dem Weingenuss hingeben, was meist in Ausschweifung endet. 7 Die darauffolgenden Sünden sind eine typische Beschreibung für den Lebenswandel der Heiden, wie er von den Juden allgemein verachtet wurde. Besonders der Ausdruck "unerlaubte Götzenopferfeiern" kann sich nur auf Juden beziehen. Den Heiden waren Götzendienstfeiern nicht verboten, sondern sogar vorgeschrieben. Ein Beleg dafür, dass dieser Brief an Juden-Christen geschrieben ist. Daher auch: "...das Vorhaben der Nationen (d.h. der Heiden)". 8 Gemeinsam beim Wein sitzen und trinken: die Fete, die Zecherei. Nicht notwendigerweise, aber meist doch, im Rausch endend. Vgl. Sprüche 23,30 9 Sicherlich eine Anspielung auf Hes 9,1.6c. - Das "Ende der Zeiten" hat schon mit dem Kommen Jesu begonnen (vgl. 1Pet 1,20). Es wird sich vollenden in der "Offenbarung Jesu Christi" bei seiner Wiederkunft (1Pet 1,7.13), welche dann das "Ende aller Dinge" und das Ziel der Geschichte ist, nämlich die Offenbarung der Herrlichkeit Gottes am Tag Christi (vgl. 47,z.St.). 10 Der Gedankengang von 1Pet 3,18 wird wieder aufgenommen und weitergeführt. 11 Vielleicht beginnt hier ein Einschub, und mit dem "der gelitten-Habende im Fleisch" ist Christus selbst gemeint (1Pet 3,18), der im Sinne von Röm 6,2.6-7 durch sein Leiden am Kreuz mit der Sünde abgeschlossen hat (daher Perfekt), sodass der Gläubige mit Christus mitgestorben ist und daher nicht mehr weiter sündigen muss oder soll. Daher kommt diese Feststellung auch nach dem Vers über die Taufe (1Pet 3,21), die dieses Mit-gestorben-sein mit Christus ja symbolisiert (81,122f). Auch die Tatsache, dass "Sünde" ohne Artikel steht, und damit als Abstraktum gekennzeichnet wird, spricht für diese Auslegung. 12 Vielleicht eine versteckte Anspielung darauf, dass Nero in seinen Gärten Christen mit Pech übergießen und als lebendige Fackeln anzünden ließ. Die Verfolgung, die 64 n.Chr. in Rom begann, hat sich dann auch auf Kleinasien ausgeweitet. Oder das Bild von der Läuterung in 1Pet 1,7 wird wieder aufgegriffen (65,III,137). 13 In Gräz. für die Anstrengung der Athleten, um zu gewinnen; auch für Pferde im Galopp. 1.Petrus 5 1 In 1Pet 2,18 und 3,7 ist die Anrede mit Artikel, hier ohne Artikel, vielleicht deshalb, weil er sich nicht an alle Ältesten in den Gemeinden richtet, sondern nur an die aus der Beschneidung? Jedenfalls zeigt Vers 2, dass an das Amt des Ältesten gedacht ist (81,143). 2 Spr 3,34 (LXX); vgl. Jak 4,6-7 3 Ps 22,14. Zu dieser Zeit wurden unter der Regierung von Nero bereits Christen im römischen Kolosseum bei den Spielen an die wilden Tiere "verfüttert". 4 Das sind nicht einfach alle älteren Männer, denn das wäre πρεσβυτας (wie Tit 2,2), sondern eben die Ältesten. Dass sie aber hier im Gegensatz zu den an Jahren jüngeren stehen zeigt, dass ein "Ältester" auch älter an Jahren ist, und so nicht mehr zur Klasse der "Jüngeren" gehört (81,143). Damit wäre bewiesen, dass jüngere Männer keine Ältesten sein können. Auch die Anforderungen an Älteste in 1Tim 3,4 und Tit 1,6 (mehrere und gläubige Kinder) zeigen, dass es sich um reifere Männer handeln muss. Tertullian schreibt 197 n.Chr. in seiner Apologie, dass in den Gemeinden nur die bewährtesten ältesten Männer den Vorsitz führen, weil sie durch ihren guten Ruf diese Ehre im Laufe ihres Lebens erlangt hatten (58,273). 5 Das ist der Prozessgegner vor Gericht, wie in Mt 5,25 6 Wenn Petrus zurzeit der ersten Christenverfolgung durch Nero in Rom, seinen Brief von dort schreibt, ist diese Ausdrucksweise wohl als verschlüsselte Bezeichnung für die Gemeinde in Rom zu verstehen (65,III,141; 81,160ff). Das Babylon am Euphrat war zurzeit von Petrus fast unbewohnt (2,z.St.). Erst später wurde es das Zentrum des diasporischen Judentums. Die gleichnamige römische Militärstation Babel am Nil, neben dem heutigen Kairo, ist zu weit entfernt. Ein Aufenthalt von Petrus an einem dieser beiden Örtlichkeiten hat keine historisch glaubwürdigen Beweise. In 2Tim 4,11 bittet Paulus den Timotius, Markus zu ihm nach Rom mitzubringen. Nach dem Tod von Paulus könnte Markus, ebenso wie Silvanus (= Silas), gut zum Mitarbeiter von Petrus geworden sein. Petrus schreibt in einer Verfolgungssituation und muss sich verhüllt ausdrücken. 7 Ein Kranz aus Amarantblumen (= "Tausend-und-schön" bzw. "Immortellen") die nie verwelken, auch dann nicht, wenn sie abgezupft und in Wasser gestellt werden. Sie waren daher ein Symbol für Unsterblichkeit und Unvergänglichkeit. Normalerweise wurden die Siegeskränze aus verwelklichen Materialien wie Lorbeer-, Eichen-, Öl- oder Myrrhenzweigen, verziert mit Veilchen oder Rosen, hergestellt. 8 entw. im Sinne einer Amtsbezeichnung: Petrus der Mitälteste zusammen mit anderen Ältesten (vielleicht in der Gemeinde in Rom, oder davor in Jerusalem?). Es waren ja immer mehrere Älteste in einer christlichen Gemeinde. Dafür spricht der Hinweis auf den Oberhirten in Vers 4. Möglich aber auch: der Mitältere, d.h. jemand der auch zur Generation der Älteren gehört. Dafür würde der Gegensatz zu den "Jüngeren" in Vers 5 sprechen. 9 Zusammen mit jemand anderen von Gott auserwählt sein. Feminin, weil die Gemeinde in Rom gemeint ist. Indem er Markus seinen Sohn nennt, erweckt er klugerweise den Eindruck, die "Auserwählte" wäre seine Frau und Markus sein Sohn (vgl. Mt 10,16). 10 entw. mod.: "...demütigt euch...indem/wobei..."; eher aber als imperativ. Ptz.: "...und schmeißt drauf eure Sorge..." (2,z.St.). Mit dem Ausdruck επι-ριπτω (= etwas Schweres irgendwo draufschmeißen) deutet Petrus an, dass die Sorge manchmal sehr schwer sein kann. 11 Vielleicht eine Anspielung auf die Losteile für das Volk Israel im Land Kanaan (Dtn 9,29). 12 Schon in frühester Zeit wurde in den Gemeinden festgelegt, dass nur Männer andere Männer, und Frauen andere Frauen, auf beide Wangen küssen (21,V,80). 13 Der εγ-κομβωμα ist der Schurz, den sich die Sklaven bei der Arbeit über das Gewand knoteten, und der sie vom freien Mann unterschied (1,128). Im übertragenen Sinn: alle sollen sich im Umgang miteinander die Demut wie einen Schurz umbinden. Damit ist auch ausgesagt, dass wahre Demut sich im Dienst für den anderen manifestiert. Petrus B 2.Petrus 1 1 Dieses Wort wurde auch für Ausländer gebraucht, die eingebürgert wurden und dann den Einheimischen gleichgestellt waren. 2 "...aus diesem Grund" (d.h. weil uns Versprechungen geschenkt wurden/weil wir entronnen sind). 3 "Weil (Vers 3)..., darum (Vers 5)...reicht dar...". 4 Zu dem, was Gott uns schon geschenkt hat, unseren Teil hinzufügen, wie auch Gal 3,5 und 2Kor 9,10 zeigen. In Gräz.: freiwillig und großzügig die Kosten für einen Chor zu Ehren der Götter übernehme; daher allg.: etw. zur Verfügung stellen. 5 Mögl. auch: "...die Augen verschließend". 6 Da Erwählung nach Berufung steht ist entweder, so wie in Joh 15,16, die Erwählung zum Fruchtbringen gemeint, vgl. Vers 8 "fruchtlos" (81,185); eher aber rückblickend: "eure Berufung und die noch davorliegende ewige Erwählung". Will Petrus damit sagen, dass Berufung und Erwählung nur auf Bewährung sind, und sich erst mit Fleiß verdient werden müssen? Dies kann nicht sein, denn in 1Pet 1,3-5 hat er schon bestätigt, dass sie wiedergeboren sind zu einer lebendigen Hoffnung, und durch Gottes Kraft bewahrt werden, um das Ziel des Glaubens, die endgültige Errettung, zu erreichen. Gemeint ist vielmehr, dass unsere Glaubenswerke die Echtheit unserer Berufung und Erwählung als zuverlässig bestätigen werden. 7 Und nicht nur so wie durchs Feuer hindurch. 8 Da Konj.Aor. ist wohl an die zukünftige Verherrlichung gedacht. Hätte Petrus sagen wollen, dass wir schon jetzt Teilhaber der göttlichen Natur sind, hätte er wohl den Konj.Präs. oder das Perf. verwendet. 9 Möglicherweise ein Seitenhieb auf einen t.t. der Mysterien-Religionen: der "Weihzeuge" der als Augenzeuge in die höchsten Grade der Mysterien eingeweiht wurde (21,V,130; 65,III,147). 10 Das bedeutet entw.: "...keine private Auslegung", entweder durch den Propheten, der sie aussprach (wie 1Pet 1,10-12), oder durch Verdrehung, wie bei den falschen Lehrern von 2Pet 2,1 und 3,4, die eine persönliche Wiederkunft Christi leugneten. Oder, aber eher unwahrscheinlich: eine Prophetie, die sich nicht erfüllt und daher von selbst annulliert (vgl. 21,V,132). 11 In Gräz. von einem Schiff, dass vom Wind übers Meer getrieben wird. 12 Das ist die Venus. Es ist der Stern, den man als letzten beim Morgengrauen noch sehen kann, bevor die Sonne aufgeht. 13 Da σωτηρος (Erretter) hier ohne Artikel steht, wird Christus hier als Gott und Erretter bezeichnet (wie auch in Tit 2,13). Hier ist wieder eine der Stellen, die die Gottheit Christi herausstreichen (13,60). Vgl. auch noch: Joh 1,18; 8,58; 10,30-39; 20,28; Röm 9,5; Tit 2,13 ua. 14 D.h. aufgrund dessen, was wir auf dem Berg erlebten (2,z.St.). 15 Dies ist eine der deutlichsten Schriftstellen, welche die Verbal-Inspiration (d.h. Gott sprach durch Menschen) von einer Diktat-Inspiration unterscheidet (d.h. Gott diktierte einfach die Worte, ohne auf Sprachstil und Vokabular der Schreiber zu achten). 2.Petrus 2 1 Also falsche Gläubige unter den echten Gläubigen, die diese Ehrfurchtslosen aber noch nicht durchschaut haben (wie Jud 1,12)! 2 D.h. Ausschau haltend nach einer Frau, mit der sie Ehebruch begehen können (2,z.St.). 3 Sie sind also nur den äußerlichen Befleckungen für eine Zeit lang entkommen, aber nicht dem ewigen Verderben, weil sie eben nur Bekenner sind. Vgl. im Gegensatz dazu die wahren Gläubigen in 2Pet 1,4! 4 Bloße Erkenntnis des Heilsweges allein errettet nicht, wenn sie nicht zum echten Glauben führt, wie das Sprichwort im Vers 22 dann beweist! 5 Wahrscheinlich meint er die Begebenheit in Gen 6,1-4 (vgl. auch Jud 1,6), wo gefallene Engel sexuellen Kontakt mit menschlichen Frauen eingingen (daher: "fremdes Fleisch"), und als Strafe in den Tartarus geworfen wurden, um dort bis zum letzten Gericht gefangen gehalten zu werden (81,218; Josephus, Antiquitates I,3,1). Für diese Erklärung spricht auch der gleich darauffolgende Vergleich mit Sodom und Gomorra, wo umgekehrt Menschen mit Engeln sexuellen Verkehr haben wollten. 6 Der Hund und das Schwein galten bei den Juden als der Inbegriff unreiner Tiere. Das Sprichwort zeigt, dass die falschen Lehrer (V.1) in ihrer Natur nie verändert wurden. Sie wurden nie wiedergeboren, und haben den Glauben nur äußerlich übernommen. Vgl. den ähnlichen Wortlaut in Bezug auf Judas Iskarioth in Mt 26,24b. Das erste Zitat ist aus Spr 26,11, die Herkunft des zweiten Sprichwortes ist zwar unbekannt, aber es wurde häufig gebraucht. 7 Es handelt sich hier um eine Vorhersage. Daher spricht es nicht gegen Gemeindezucht, wenn diese falschen Lehrer zum Zeitpunkt des Briefes noch in der Gemeinde "schlummerten". Vgl. Jud 1,23b wo deutlich gesagt wird, sich von solchen fernzuhalten. Es könnten aber auch umherziehende falsche Lehrer gemeint sein, die man gar nicht erst in Gemeinschaft aufnimmt (vgl. 2Joh 1,10). 8 oder: falsche Lehren neben der Wahrheit miteinführen, wodurch "der Weg der Wahrheit verlästert wird" (21,V,133). 9 Jesus ist im doppelten Sinn Gebieter aller Menschen. Erstens gehören sie ihm, weil er ihr Schöpfer ist, zweitens gehören sie ihm, weil er für alle den Loskaufpreis bereitgestellt hat. Durch seinen Opfertod am Kreuz, hat der Herr Jesus alle Menschen für Gott erkauft (2Kor 5,14; 1Tim 2,6; Heb 2,9). Vgl. Mt 13,44, wo er den ganzen Acker kauft, obwohl er nur den Schatz möchte. Die Aussage beweist aber keineswegs, dass diese falschen Lehrer jemals wiedergeboren waren. Das Bild am Ende des Kapitels (Vers 22), sagt nämlich genau das Gegenteil: sie waren in ihrer Natur immer gleichgeblieben. 10 Werden sie erst im Gericht bestraft, oder schon jetzt während der Wartezeit auf das Gericht? 11 Nach jüdischer Tradition predigte Noah während des Baues der Arche den Menschen das bevorstehende Gericht (21,V,135). Noah bereitete die Arche zur Rettung nicht nur für sich selbst - wie Gott es ihm ursprünglich sagte (Gen 6,14; hebr. w.: "für dich...", und Gen 6,18 "mit dir...") - sondern im Glauben auch für sein ganzes Haus. Zum Zeitpunkt, als er mit dem Bau der Arche begann, war nur er gerecht in Gottes Augen (Gen 6,8-9). Doch Gott hatte in seiner erwählenden Gnade schon die Rettung des ganzen Hauses vorherbestimmt (Gen 6,18), was dann dazu führte, dass auch sein ganzes Haus seiner Predigt glaubte und in die Arche stieg. 12 Soll das Aktiv, statt dem erwarteten Passiv vielleicht ausdrücken, dass Lot ja selbst schuld war, da er freiwillig in diese Wohnsituation hineinging und auch darin blieb (21,V,136)? 13 Vielleicht durch Homosexualität, wie in Gen 19,1ff. 14 Damit sind entweder die Irrlehrer gemeint oder gefallene Engel, wie in Jud 1,9. 2.Petrus 3 1 Jes 65,17; 66,22. Beide Jesaja-Stellen beziehen sich auf das tausendjährige Reich, werden aber von Petrus auf die Neuschöpfung von Himmel und Erde angewendet, weil das tausendjährige Reich ein Vorgeschmack auf den neuen Himmel und die neue Erde sein wird. Genauso wenig wie Jesaja den Zeitraum zwischen dem ersten und dem zweiten Kommen des Messias erkennen konnte, konnte er den Unterschied zwischen dem tausendjährigen Reich und der Ewigkeit erkennen. Dies war den AT-Propheten noch verborgen und wurde erst "den heiligen Aposteln und Propheten geoffenbart" (Vgl. 1Pet 1,10-11; Eph 3,3-5). 2 Jes 34,4; od. : "...werden (im Gericht) gefunden werden"; andere Hs.: "...werden verbrennen" (2,z.St.). 3 Nämlich die neuartigen Himmel und die neuartige Erde. 4 Nämlich z.B. im Galaterbrief, der an die gleichen Gemeinden geschrieben wurde wie die Petrusbriefe. Vgl. Anm. bei 1Pet 1,1. Aber auch der Römerbrief kommt in Betracht (81,270). - Aufgrund dieser Aussage, und der Tatsache, dass auch Petrus seine beiden Briefe an Juden-Christen schreibt wurde angenommen, der Hebräerbrief sei damit gemeint, und stamme daher von Paulus (53,18). Doch dies ist weit hergeholt, denn Petrus spricht nicht von einem bestimmten Brief (Singular) des Paulus, sondern ganz allgemein von seinen Briefen (Plural). 5 Pervertieren oder entstellen, indem sie Schriftworte auf listige Weise verdrehen und ihnen dadurch einen anderen und verfälschten Sinn geben. 6 Damit stellt Petrus die Briefe des Apostel Paulus auf eine Stufe mit den alttestamentlichen Schriften und anerkennt sie als ebenso inspiriert. 7 Ein Geräusch, das verursacht wird, wenn ein Gegenstand mit großer Geschwindigkeit durch die Luft fliegt (z.B. ein Pfeil oder ein Vogel). Daher: mit großem und lautem Geräusch, mit Gezische und Prasseln, mit lärmendem und brausendem Getöse, wie bei einer Feuersbrunst. 8 Damit sind die Gemeindegründer gemeint (Paulus, Barnabas, Silas). 9 Damit sind wahrscheinlich die Patriarchen gemeint (vgl. Apg 3,13; 1Kor 10,1; Heb 1,1; 8,9 ua.). 10 Der "Tag des Herrn" beginnt mit den Drangsalen kurz vor Christi Wiederkunft (1Thes 5,2; 2Thess 2,2; Apg 2,20), dauert aber an bis zum Ende des tausendjährigen Reiches (Mal 3,19-21), und schließt am Ende des tausendjährigen Reichs mit dem "Tag des Gerichts" vor dem großen weißen Thron. Erst danach wird das Universum durch Feuerbrand aufgelöst und vollständig vernichtet. Daraufhin beginnt der "Tag Gottes" mit der Neuschöpfung von Himmel und Erde. 11 Bei der Schöpfung? Vgl. Gen 1,6.9.10. 12 Da σωτηρος ohne Artikel steht, wird Christus hier als Gott und Erretter bezeichnet (13,60). 13 Man kann aus diesem Vers nicht ableiten, die Menschheitsgeschichte würde seit der Schöpfung 6000 Jahre betragen, und das 7.Jahrtausend wäre dann das Tausendjährige Reich. Den Petrus sagt nicht: ein Schöpfungstag entspricht 1000 Menschheitsjahren, sondern, ein Tag ist wie 1000 Jahre, d.h. eine lange Zeit. 14 Falls die Wortbedeutung "beschleunigen" zutrifft, kann dies wohl nur im Sinne von Mt 24,14 durch fleißige Missionstätigkeit gemeint sein (81,265). Doch da die Zeitpunkte für Gottes Handeln schon feststehen, scheint es unwahrscheinlich, dass man etwas beschleunigen kann (48,z.St.). Johannes A 1.Johannes 1 1 od.: "Aber die Gemeinschaft, die Unsrige, ist auch mit...". 2 Sünde ohne Art. im Sg.: Sünde als Prinzip (vgl. 1Joh 3,5). Zu sagen man sei ohne Sünde würde heißen, man ist so wie Adam im Paradies völlig frei von sündiger Natur. Das ist die Irrlehre des Perfektionismus (z.B. in der "Heiligungsbewegung", bei den "Norwegischen Brüdern", ua.). Das Prinzip der Sünde ist wie ein Gift, dass noch immer in unserer alten Natur schlummert (Röm 7,14-18). Gnade ist die Medizin, die uns dagegen gegeben ist. Die Ausheilung der "Sündenkrankheit" ist aber ein lebenslanger Prozess, den die Bibel "Heiligung" nennt (21,V,172). 3 Das bedeutet, es gibt keine Sünde, die dem Gläubigen nicht verziehen würde, wenn er Buße tut und sie bekennt (V.9). Das Thema "Christ und Sünde" durchzieht das ganze Schreiben: vgl. 1Joh 3,4-9; 3,19-21; 5,3-4; 5,16-18. - Viele Theologen unterscheiden zurecht zwischen der richterlichen Vergebung und der väterlichen Vergebung. Die richterliche Vergebung wird einem Menschen zuteil, wenn er Buße tut und Jesus Christus als seinen Herrn und Erlöser annimmt, d.h. wenn er von ganzem Herzen darauf vertraut, dass der Herr Jesus Christus am Kreuz stellvertretend für ihn, die gerechte Strafe über alle seine Sünden getragen hat. Diesem verspricht Jesus, dass er nicht mehr ins Gericht kommt (Joh 5,24). Doch jede Sünde, die ein Gläubiger danach tut, schafft eine Distanz zwischen ihm und Gott als seinem Vater (vgl. Jes 59,1-2) und verunreinigt ihn. Sobald er Gott diese Sünde bekennt, reinigt ihn Gott davon und die väterliche Gemeinschaft ist wieder ungetrübt hergestellt. Solange er aber seine Sünde nicht bekennt, wird Gott ihm den Segen über sein Leben zurückhalten, seine Gebete bleiben unerhört und sein Dienst wird kraftlos. 4 Wahrscheinlich sind Johannes und die anderen Apostel als Augenzeugen gemeint, vielleicht aber auch Johannes und die anderen Zeugen von Joh 21,24 (21,V,169). 5 Konj.Präs. + Ptz.Perf. = umschriebener Konj. Perfekt. 6 Das war die Irrlehre der Nikolaiten (Offb 2,6.14f). 7 Denn Gott wäre seinem Versprechen (z.B. Heb 8,12; 10,22-23 uva.) untreu, wenn er uns nicht vergibt, und er wäre ungerecht, wenn er uns die Sünden trotzdem zurechnet, für die Christus am Kreuz schon die gerechte Strafe getragen hat. Unbekannte Sünde trübt allerdings unsere Beziehung zu Gott unserem Vater. 8 Sünden mit Art. im Pl.: die einzelnen konkreten Sünden, als Folge der innewohnenden Sünde. 9 Der Ind.Pf. bezieht sich auf den vorigen Vers, d.h. falls man abstreitet, dass man gesündigt hat, und somit auch nichts zu bekennen hätte. 1.Johannes 2 1 Wahrscheinlich Gen.subj.: Gottes Liebe zu uns; eher nicht Gen.obj.: unsere Liebe zu Gott, denn unsere Liebe zu Gott wird niemals vollkommen sein; viell. Gen.qual.: die göttliche Liebe. Vielleicht möchte Johannes alle drei Möglichkeiten ausdrücken (2,z.St.). 2 od.: der Lebensdauer; od.: des Lebensunterhalts (= irdischer Besitz). Vgl. die drei Bereiche bei der Versuchung Satans in Gen 3,6 und bei Jesus (Mt 4,1ff): (1.) "Begierde des Fleisches" - "...gut zur Speise" - "...dass diese Steine Brot werden". (2.) "Begierde der Augen" - "...eine Lust für die Augen" - "...zeigt ihm alle Reiche der Welt". (3.) "...Prahlerei" - "...Einsicht zu gewinnen" - "...wirf dich hinab" (21,V,178). 3 Ein kommender religiöser Führer, der gegen die göttliche Autorität Jesu Christi und gegen den christlichen Glauben kämpfen wird. Da aber die schon zurzeit des Apostels vorhandenen Anti-Christusse frühgnostisch gesinnte Juden waren, die Jesus als den verheißenen Messias für Israel ablehnten, wird wohl an einen kommenden jüdischen, politisch-religiösen Führer zu denken sein (Dan 11,36-39; Joh 5,43; 2Thes 2,3-12; Offb 13,11-17). Er wird sich anstelle von Jesus Christus als der gekommene (jüdische) Messias ausgeben, und leugnen, dass "in Christus Gott Mensch geworden ist, und behaupten, dass der Mensch in ihm selbst zu Gott geworden ist" (Trench). Dieser wird daher auch gegen Jesus Christus und gegen den christlichen Glauben kämpfen. Auf diese Weise wären dann beide Grundbedeutungen der Präposition αντι- in der Bezeichnung "Anti-Christus" enthalten, nämlich, jemand der an die Stelle von Jesus Christus als Messias treten will, und jemand der gegen Jesus Christus kämpft. 4 Damit sind wohl frühgnostische Irrlehrer (z.B. Cerinth) im Geist des kommenden Anti-Christus gemeint (vgl. 2,1244). 5 Prädikatsnomen mit Art.: der einzigartige und göttliche Christus (2,z.St.), was von Cerinth geleugnet wurde. Er unterschied zwischen dem Menschen Jesus und dem göttlichen Christus. 6 Viell. eine Ellipse: "...im Hinblick auf die Sünden der ganzen Welt" (vgl. 21,V,174). Selbst bei einer Ellipse wäre das kein Widerspruch dazu, dass der Herr Jesus stellvertretend nur für die Sünden der Auserwählten die Strafe bezahlt hat. Sie haben das Rettungsangebot des Evangeliums nicht abgelehnt, so wie die Verlorenen (vgl. Mt 23,37b; Lk 7,30). - Sühne ist nur die Bedeckung von Schuld, welche durch den stellvertretenden Opfertod Christi zustande kam, indem er einerseits Gottes gerechten Zorn auf sich zog, und andererseits Gottes beschmutzte Ehre wiederherstellte. Sühne beseitigt die Schuld nicht, aber sie ist die Grundlage von Versöhnung, Erlösung und Sündenvergebung, welche erst möglich sind, wenn ein stellvertretendes Opfer, welches Sühnung schafft, dargebracht wurde. Die Schuld des Sünders musste gesühnt sein, bevor Versöhnung eintreten konnte, und erst, wenn Versöhnung eingetreten, ist kann Erlösung und Vergebung angeboten werden. Der Sühnetod Christi eröffnet zwar der ganzen Welt den Zugang zur Versöhnung (2Kor 5,19a; Kol 1,19-20; Joh 3,16a-17; Heb 2,9) und zur Sündenvergebung, diese wird aber nur wirksam bei den Auserwählten, die sie im Glauben annehmen und nicht ablehnen (2Kor 5,20-21; Kol 1,21-22; Joh 3,16b.18; Heb 2,10). Vgl.: 48,1380 7 Bis etwa zum Alter von 40 Jahren (2,z.St.). 8 od.: "..., dass sie alle nicht von uns sind"; d.h. dass keiner von ihnen wirklich wiedergeboren war (44,z.St.). 9 "Folglich nun...". Es markiert den Übergang zu einem neuen Gedankengang (2,z.St.). 10 Das griechische Wort für "Beistand" (παρα-κλετος) ist das gleiche, das im Johannes-Evangelium für den versprochenen Heiligen Geist verwendet wird, den der verherrlichte Christus seiner Gemeinde gesendet hat. Während Jesus Christus unser Beistand beim Vater ist, so wird der Heilige Geist der Gemeinde als Beistand und Stellvertreter Christi auf Erden gesandt (vgl. Joh 14,16-17; 15,26; 16,7). Wie tröstlich ist es, den zum Advokaten zu haben, der einmal die Welt richten wird. 11 Diese Anrede verwendete schon Jesus in Joh 13,33. - Will Johannes damit andeuten, dass unreife Gläubige mehr in der Gefahr stehen zu sündigen? 12 D.h. indem wir sein Wort bewahren. 13 Die Aoriste beziehen sich wohl auf das vorher Gesagte (21,V,177). 14 Die letzte Stunde ist die "Endzeit", die aber schon zurzeit der Apostel begonnen hat und die wie Wehen immer schneller heraneilt (vgl. Apg 3,19-21; 1Kor 10,11; 1Pet 1,20; 4,7 ua.). 15 Gott der Vater, der Geist ist (Joh 4,24), und "den keiner der Menschen gesehen hat noch sehen kann" (1Tim 6,16), kann nur ihm Sohn gesehen werden, der "das Bild Gottes" ist (Kol 1,15). Wer daher leugnet, dass Jesus der Sohn Gottes ist, leugnet auch, dass Gott Vater ist, und sich nur im Sohn geoffenbart hat (21,V,258). 16 Wahrscheinlich ein Gen.obj. (2,1243; 7,z.St.), im Sinne von: "Ihr könnt nicht Gott lieben und den Mammon" (Mt 6,4; Jak 4,4). Eher unwahrscheinlich ist der Gen.subj.: "die Liebe vom Vater". Doch Johannes könnte den Genitiv auch in beiden Bedeutungen gemeint haben, denn die Liebe des Vaters zu uns erweckt in uns die Liebe zu ihm (21,V,178; 44,728). 17 Damit ist wahrscheinlich Gott gemeint (Jes 40,25; Apg 10,38; Heb 1,9), oder Christus (Joh 6,69; Offb 3,7). 1.Johannes 3 1 Die folgenden Präsens bedeuten: etwas (nicht) ständig, bedenkenlos und gewohnheitsmäßig tun (z.B. sündigen, etw. tun, lieben, hassen, bleiben, usw.). Es ist daher kein Widerspruch zu 1Joh 1,8-10 und 2,1 (13,82; 60,544f). Vgl. Röm 6,1 2 D.h. Gottes Leben durch den Heiligen Geist in uns wirkend (2,z.St.). 3 Wahrscheinlich ein Prädikat-Objekt (2,z.St.); od.: "...kein ewiges, in ihm bleibendes Leben hat"; od. freier: "...kein ewiges Leben in sich wohnen hat" (vgl. griech. Joh 5,38a). Man kann aus diesem Vers nicht schließen, dass man das ewige Leben wieder verlieren kann. Johannes will sagen, dass ein Mensch, der bewusst seinen Mitmenschen ermordet, kein Kind Gottes sein kann. 4 Wahrscheinlich zurückweisend auf Vers 18: "...dass wir lieben..., daran..."; viell. aber vorausweisend auf Vers 20: "daran, ... dass Gott größer ist". 5 D.h. die Hoffnung auf seine (baldige) Wiederkunft. 1.Johannes 4 1 Verneinter Imp.Präs. eventuell: "...hört auf, jedem Geist zu glauben". 2 Wie man Metall auf Echtheit testet. Dazu hat Gott die Gabe der Geisterunterscheidung gegeben (1Kor 12,10). 3 Entweder den, der sich als Lehrer ausgibt, oder den Geist selbst, der dahintersteht, z.B. bei der Gabe der Sprachenreden oder bei Prophezeiungen. vgl. 1Kor 14,32; 1Tim 4,1 4 D.h. dass Jesus wahrer Mensch aus Fleisch und Blut und wahrer Gott zugleich war, was vom gnostischen Doketismus geleugnet wurde. 5 Gemeint ist der Geist des Anti-Christus, und nicht der Anti-Christus selbst (2,z.St.). Dieser wird erst in den letzten Tagen auftreten. 6 entw.: "...von uns in (εις) die Welt herausgekommen"; od.: "...sind öffentlich aufgetreten in der Welt"; vgl. 2Joh 1,7 7 Das Perfekt bedeutet: "...gesandt hat" (mit bleibenden Auswirkungen); der Aorist: "...sandte" (ein historisches Geschehen) (21,V,191). 8 Wahrscheinlich: Johannes und die anderen Apostel als Augenzeugen. Vielleicht Johannes und die anderen Zeugen von Joh 21,24 (21,V,192). 9 D.h. ihr und ich. 1.Johannes 5 1 Präd.Nom. mit Art.: der einzigartige und göttliche Christus (2,z.St.). 2 TR hat hier den Zusatz: "...im Himmel: der Vater, der Logos und der Heilige Geist, und diese drei sind eins. Und drei sind die Zeugnis geben auf der Erde". Dieser Zusatz ist aber sicherlich nicht ursprünglich. Er findet sich nur in drei Hs. aus dem 12., 15. und 16. Jhdt. (27,715f; 65,III,176). 3 D.h. keine schwere Last bzw. nicht schwer zu erfüllen; vgl. Mt 11,30, im Gegensatz zu Mt 23,4 4 Dies ist nach Dtn 22,26 und Hes 18,24 eine Sünde, auf die im AT nicht die Todesstrafe stand, sondern für die man ein Sünd- und Schuldopfer darbringen konnte und musste. 5 Ohne Art., d.h. irgendeine Sünde, und daher nicht eine ganz bestimmte Sünde (z.B. die "Sünde gegen den Heiligen Geist"), wie manche meinen. 6 Die "Sünde zum Tod" ist eine Sünde, die im Alten Bund nicht durch ein Opfer gesühnt werden konnte, sondern mit dem körperlichen Tod bestraft werden musste (vgl. Dtn 22,26 ua.), aber ohne, dass der Betreffende deshalb ewig verloren war (z.B. Achan, - im NT z.B. Annanias). Vgl. zur Sache auch noch: Gen 20,9; Ex 32,30; Num 18,22; Spr 15,10; Hes 33,1ff; 1Kor 5,5; 11,30 und Jak 5,20. Im NT sind es solche Sünden, die Gott zwar bei Gläubigen im Hinblick auf die zukünftige Errettung vergeben hat, die er aber auf Erden mit dem körperlichen Tod bestraft, wenn der Gläubige nicht rechtzeitig Buße tut. Diese Strafe geschieht zum Verderben des Fleisches (d.h. des Körpers), damit sein Geist gerettet wird am Tag des Gerichts (1Kor 5,5). Welche Sünden das sind, wird in den "Sündenregistern" in Röm 1,29-32 ("...des Todes würdig sind"); 1Kor 5,11; 6,9-10 und 1Tim 1,9b-10 angedeutet, ohne dass damit alle dort angeführten Sünden gemeint sein müssen. Dabei muss beachtet werden, dass Gott langsam zum Zorn ist und dem Sünder Zeit zur Buße gibt. 7 Trotz Ptz.Präs. eine einmalige Tat. Das Präsens erklärt sich aus dem Zusehen des Zeugen der Sünde; vgl. Joh 8,4 8 Wie in Spr 10,27; 11,19; 19,16 und Hes 3,21, kann es sich hier nur auf das irdische, physische Leben beziehen, denn das geistliche, ewige Leben hat der Bruder (Vers 16a) ja schon, und außerdem wird ewiges Leben nicht durch Fürbitte, sondern durch persönlichen Glauben gegeben. Auch, dass der abstrakte Begriff "Leben" ohne Artikel steht, spricht für das natürliche Leben. 9 Das bedeutet im Sinne von Jer 7,16; 11,14 und 14,11-12, dass man für einen Gläubigen, der eine so schwere Sünde begangen hat, die im AT mit dem körperlichen Tod bestraft worden wäre, nicht mehr fürbittend eintreten soll, da Gott selbst diese Sache in die Hand nimmt. Er wird ihn mit dem körperlichen Tod züchtigen, wenn er nicht rechtzeitig Buße tut (vgl. 1Kor 5,5; 11,30). Wenn er nicht Buße tun will, hilft Fürbitte auch nicht. 10 Zuerst sind hier die Gläubigen gemeint. Von ihnen wird immer das Ptz.Perf. (γεγεννημενος) verwendet (vgl. Joh 3,6.8-9; 5,1.4.18). Mit dem Ptz.Aor. (γεννηθεις) ist aber der Herr Jesus gemeint (27,718). Der Gedanke, dass der Gläubige sich selbst vor Satan bewahrt, wäre nicht sehr tröstlich. Unsere Heilssicherheit besteht nicht darin, dass wir uns selbst bewahren, sondern dass uns Christus, der himmlische Hohepriester bewahrt. 11 Vgl. Hiob 1,11-12; 2,5; Ps 105,15 (LXX). Wenn nicht einmal eines unserer Haare ohne Gottes Zulassung zu Boden fällt, wie sollten wir dann als Ganzes dem Teufel zum Opfer fallen. Die Ansicht, dass der Teufel noch "Anrechte" auf einen Gläubigen hat, wenn dieser vor seiner Bekehrung okkulte Dinge praktiziert hat, schmälert und verunehrt das umfassende Erlösungswerk Gottes und entehrt damit Gott. Es ist unmöglich, dass ein Gläubiger noch dämonisiert ist, oder dämonisiert wird, denn "wenn nun der Sohn euch freimachen wird, seid ihr wirklich frei" (Joh 8,36). Außerdem ist der Leib, und nicht nur der Geist, des Gläubigen ein Tempel des Heiligen Geistes (1Kor 6,19) und der Heilige Geist teilt sich bestimmt keinen Tempel mit einem Dämon. Der Gläubige steht unter dem besonderen Schutz des Herrn Jesus, "der Böse tastet ihn nicht an" (1Joh 5,18). Der Einfluss Satans auf den Gläubigen kann daher nur von außen kommen, durch die Verlockung verführt Satan ihn zur Sünde (Jak 1,14-15). Wenn man in der Seelsorge Probleme im Glaubensleben auf den Teufel abschiebt, verhindert das die eigene Verantwortung im Umgang mit Sünde, was sich katastrophal auswirken kann. Vgl. auch die Anmerkungen bei Mt 12,29; 18,19 und Apg 19,19 12 Dies ist eine Widerlegung der gnostischen Irrlehre, wonach der göttliche Christus angeblich bei der Taufe ("durch Wasser") in dem Menschen Jesus Wohnung genommen haben soll, um ihn dann kurz vor seinem Leiden wieder zu verlassen, und die Erlösung demnach nicht "durch Blut", sondern allein durch die gnostische "Erleuchtung" zu erlangen sei. Dem setzt Johannes entgegen, dass der Christus "nicht nur im Wasser, sondern im Wasser und im Blut gekommen ist". Der am Kreuz gestorbene Jesus, war genau der gleiche Christus, der im Jordan getauft wurde. Diese Aussage richtet sich gegen die im 1.Jhdt. verbreitete doketisch-frühgnostische Irrlehre von Cerinth (21,V,195; 2,1252; 25,588). 13 Vielleicht falsche Gottesvorstellungen, wie sie von den gnostischen Irrlehren verbreitet wurden (2,z.St.); od.: von der Anbetung der Kaiserstatuen, dem auch die Christen Räucheropfer darbringen sollten (65,III,177). Heute ganz allgemein alles, was einen ungebührlich hohen Stellenwert im Leben eines Gläubigen einnimmt und wofür er viel Zeit, Geld und Opfer aufbringt. Vgl. die Aussage von Paulus, dass Habgier wie Götzendienst ist (Eph 5,5; Kol 3,5). Götzendienst ist für Gott die schlimmste Sünde die ein Mensch begehen kann, denn sie beleidigt Gott selbst. Götzendienst ist Dämonendienst (1Kor 10,19-20). Darum steht die Warnung vor Götzendienst in den 10 Geboten auch an erster Stelle. Wer Probleme mit Götzen hat (z.B. Süchten), ist nach 1Joh 2,12 in diesem Bereich noch ein "Kindlein" im Glauben. Darum spricht Johannes hier nicht zu den Jünglingen oder Vätern. 14 Vielleicht der Geist der in Gestalt einer Taube bei der Taufe auf Jesus kam. 15 Präd.Nom. mit Artikel bedeutet eine betonte Gleichsetzung mit dem Subjekt (2,z.St.). Die Gottheit Christi wird hiermit gegen die gnostischen Irrlehren unterstrichen. Christus ist der wahre Gott, im Gegensatz zu den falschen Gottesvorstellungen der Irrlehrer. 16 Zuerst das Präs., weil der Kampf noch im Gange ist, dann das Ptz.Aor., weil der Sieg schon sicher ist (21,V,194). 17 Sein Evangelium schrieb Johannes, damit Ungläubige an Jesus als den Sohn Gottes Glauben und so ewiges Leben bekommen (Joh 20,31), aber diesen Brief schrieb er an Gläubige, damit sie sicher wissen, dass sie ewiges Leben als gegenwärtigen und bleibenden Besitz (= Perfekt) haben (21,V,197). 18 Die Zusage ist, dass er uns hört, nicht unbedingt, dass wir immer das bekommen, was wir erbitten! Er gibt uns immer das Beste. 19 Im Glauben haben wir sie bereits erfüllt bekommen, auch wenn wir noch auf Gottes Zeitpunkt warten müssen. Vgl. die Anm. zu Mk 11,24 20 Das verneinte Ptz.Präs. könnte andeuten, dass der Betreffende nicht weiter in seiner Sünde verharren möchte, sondern Buße tun will. 21 In Bezug auf das Eingehen in die Herrlichkeit Gottes führt jede Sünde zum Tod (Röm 6,23), also können hier nur die Sünden gemeint sein, die von Gott nicht mit dem körperlichen Tod bestraft werden. Johannes B 2.Johannes 1 1 Der "Älteste" ist Ehrentitel einer damals offenbar bekannten und unverwechselbaren Persönlichkeit, nämlich von Johannes, dem letzten noch lebenden Apostel. Vielleicht ist es auch, wegen der Verfolgung, eine verhüllende Bezeichnung. 2 Wenn ein Eigenname, dann ist Cyria eine Christin. In den Papyri auch in der höflichen und liebevollen Anrede in Briefen (37,364). Johannes könnte also auch an eine liebe Bekannte geschrieben haben, dann: "Meine Liebe Cyria...". Eher aber eine verhüllende Umschreibung für eine Gemeinde. Ihre "Kinder" (V.4 und 13) sind dann die Gemeindeglieder. Es war Verfolgungszeit und man musste beim Schreiben vorsichtig sein. 3 Damit ist die frühgnostische Irrlehre des Cerinth gemeint die besagt, der göttliche Christus wäre nicht in einen menschlichen Körper gekommen, um wahrer Mensch aus Fleisch und Blut zu sein, sondern er hätte nur einen Scheinkörper angenommen. Daher war die Bemerkung des Johannes so wichtig, dass beim Lanzenstich des Soldaten Wasser und Blut aus der Wunde kamen. 4 entw. als Gast, oder, falls der Brief an eine Gemeinde geschrieben ist, ist das Haus gemeint, in dem sie sich versammeln. Zur "Gnosis" vgl. die Anm. bei 1Tim 6,20; zur "Gemeindezucht" die Anm. bei 1Kor 5,9 Johannes C 3.Johannes 1 1 Vgl. die Anweisung Jesu in Mt 10,5 2 Nonsens und albernes Zeug von sich geben; etw. daher schwafeln, das unsinnig und unnütz ist. Gegen jemanden unsinnige Anklagen vorbringen, haltlose Anschuldigungen machen und ihn dadurch verleumden. Jemanden mit arglistigen und heimtückischen Worten fälschlicherweise für etwas beschuldigen und ihn damit anschwärzen. 3 Diese Aussage unterstreicht die geistliche Autorität aller Brüder in einer Versammlung (vgl. 1Thes 5,14), selbst dann, wenn es Älteste gibt, und erst recht dann, wenn einer sich als alleiniger Führer aufspielen will. 4 Gaius ist wahrscheinlich ein führender Bruder (Ältester?) in der Gemeinde (vgl. 47,z.St.). 5 Dies zeigt, wie schädlich es ist, wenn einer der Ältesten in einer Gemeinde sich eine Führungsrolle ("Primus inter pares") vor den anderen Ältesten anmaßt. Vgl. dazu auch Mt 23,11-12; Jes 3,12.14-15 6 Es gibt auch Gemeindeausschlüsse, die willkürlich und unberechtigt sind. Diese Gemeindeausschlüsse von Diotrephes hat Johannes offenbar nicht anerkannt (vgl. Vers 10). Judas Judas 1 1 2Pet 1,2 2 Sach 3,2 3 Gemeint ist wahrscheinlich die Begebenheit in Gen 6,1-4 (65,III,286; 81,294), wo Engel ihren Zustand im Geist-Leib, den sie im Himmel hatten, verließen und Menschengestalt annahmen, um sexuellen Verkehr mit Frauen haben zu können. In 2Kor 5,2 ist mit dem griechischen Wort nämlich der Geist-Leib gemeint, den die Gläubigen bei der Auferstehung bzw. bei der Entrückung empfangen. Daher könnte auch hier der Geist-Leib gemeint sein, in dem die Engel normalerweise existieren. Sie gaben diesen Zustand auf, als sie einen menschlichen Körper annahmen (vgl. 2Pet 2,4). Der anschließende Vergleich mit der Begebenheit in Sodom ist bemerkenswert, denn dort wollten Menschen mit Engeln (= andersartiges Fleisch) sexuell verkehren, hier Engel mit Menschen. 4 subst. Ptz.Aor.Fem.: gemeint sind die Städte Sodom und Gomorra (weil Fem.). Als Med.: sich der Hurerei hingeben, und zwar in außergewöhnlicher und abscheulichster Art und Weise, weil sie mit Engeln (= "andersartiges Fleisch") homosexuell verkehren wollten (65,III,287), während in Gen 6,1-4 Engel mit Frauen verkehrten. Das gleiche Wort findet sich auch in der LXX in Gen 38,24 5 Oder die spitzen Felsklippen bzw. Riffe im Meer unter der Oberfläche, nicht zu sehen und daher so gefährlich für Schiffe, die an ihnen stranden oder auflaufen könnten. Übertragen von unmoralischen Menschen, welche zur Gefahr für die Gläubigen werden können. Vielleicht hat Judas bewusst dieses Wort wegen seiner Doppelbedeutung gewählt. Dann redet er, wie in 2Pet 2,13, von falschen Gläubigen inmitten des Christentums bzw. inmitten der Gemeinden. 6 Das Liebesmahl war ein besonderes Mahl, welches die ersten Christen regelmäßig gemeinsam (vor oder nach dem Gottesdienst?) feierten (vgl. Apg 2:46; 20:11; 1Kor 11:21.33). Der Brauch bestand schon in jüdischen Bruderschaften (52,I,113). 7 D.h. ohne mit ihnen Gemeinschaft zu haben (2,z.St.). Nach einigen Hs. spricht Judas hier von drei Arten von Menschen innerhalb des Christentums: (1.) Zweifler die Fragen aufwerfen. Ihnen muss man mit Geduld und Mitgefühl helfen. (2.) Solche die durch falsche Lehren schon irregeleitet sind. Ihnen muss man sich vorsichtig nähern, - wie einer der etwas aus dem Feuer herausreißt, - um nicht mit fortgerissen zu werden. (3.) Solche die diese Irrlehren verbreiten, - sie sind nicht wiedergeboren, man soll sie daher meiden. - Doch nach anderen Hs. spricht er nur von zwei Gruppen von Menschen: (1.) Zweifler die man erretten muss, wie einer der etwas aus dem Feuer herausreißt. (2.) Solche die durch falsche Lehren irregeleitet sind und diese Irrlehren verbreiten (27,726). 8 Entweder der Himmel als ihr eigentlicher Aufenthaltsort ist gemeint oder ihre Herrschaftswürde (44,z.St.). 9 Wie Bäume im Spätherbst: ohne Früchte zu einer Zeit, wo eigentlich Frucht zu erwarten wäre; vgl. Lk 13,6-9 (37,667). Im übertragenen Sinn von Irrlehrern deren Tätigkeit unfruchtbar und wertlos für den Glauben ist, genauso wie wasserlose Wolken, die Regen erwarten lassen, aber dann keinen Regen spenden. 10 Judas bezieht sich hier auf eine außerbiblische jüdische Überlieferung, die auch in einer Schrift über die "Himmelfahrt des Moses" steht. Von dieser Schrift sind nur noch Teile erhalten (vgl. 47,z.St.). Doch Judas muss keineswegs aus dieser fragwürdigen Quelle zitiert haben, sondern er hat sich vielleicht auf eine jüdische Überlieferung gestützt (60,546f). Falls er doch aus dieser Schrift zitierte, bestätigt er nur diese eine Begebenheit und nicht das ganze Buch. 11 Glaube mit Artikel bedeutet hier: die christlichen Glaubenswahrheiten (44,z.St.). Zu diesem späten Zeitpunkt wird die Offenbarung der Wahrheit an die Apostel (vgl. Joh 14,26; 16,12-14 und die dortige Anm.) als bereits abgeschlossen angesehen. Die letzte Offenbarung erfolgte an den letzten Apostel Johannes (Offb 22,18.19), wahrscheinlich kurz vor Abfassung des Judasbriefes. 12 Effektiver Aorist mit Perfekt-Bedeutung. Vgl. zu solchen falschen Gläubigen Mt 7,15; Apg 20,29-30 und Gal 2,4 13 Zweimal erstorben bedeutet: zuerst einmal "tot in Sünden", dann zweitens zum ewigen Tod bestimmt (V.13b; Offb 20,14). 14 Proleptischer Aorist: "...wird kommen". 15 Dieses Zitat findet sich in anderer Form auch in einer fälschlicherweise dem Patriarchen Henoch zugeschriebenen pseudografischen Schrift (Äthiopischer Henoch 1,9) aus dem 1/2.Jhdt. v.Chr. Dort steht aber, dass der Herr kommen wird, um seine Heiligen zu richten. Judas aber sagt, dass der Herr mit seinen Heiligen kommen wird, um die Gottlosen zu richten (59,323; 64,693; 83,34). Judas hat also nicht aus dieser fragwürdigen Quelle zitiert, sondern hat sich eher auf eine jüdische Überlieferung gestützt (60,546f). Falls er aber doch aus dieser Schrift zitierte, bestätigt er nur die Richtigkeit dieser einen Begebenheit und nicht das ganze Buch, denn er verändert das Zitat. 16 w.: "Psychiker"; so nannten die Anhänger der Gnosis die gewöhnlichen Christen, die nicht über die "höhere Erkenntnis" verfügten. Sie selbst nannten sich "Pneumatiker". Judas dreht den Spieß um, und nennt die gnostischen Irrlehrer aufgrund ihres fleischlichen Lebenswandels "Psychiker", also seelische Menschen, die den Geist (Pneuma) nicht haben (59,323; 65,III,290). 17 Damit ist gemeint, im Gegensatz zu den Irrlehrern die den Geist nicht haben (Vers 19), sollen sie wie in Eph 6,18 und Röm 8,26, vom Heiligen Geist geleitet beten. Ein Beten in Sprachen wäre hier hineingelesen. 18 Zuerst ein Inf.Präs. für einen Impf.: ganz allgemein über unsere Errettung zu schreiben. Dann ein ingressiver Inf.Aor. = speziell über die Notwendigkeit zu schreiben, zu kämpfen für... Obwohl er eigentlich nur über das großartige Thema der Errettung schreiben wollte, drängte sich ihm die Notwendigkeit auf, in den folgenden Versen vor den Irrlehrer zu warnen (44,738; 2,1259). 19 Judas zählt sich nicht zu den Aposteln, denn dieses Amt war ein Amt der Anfangszeit (vgl. Apg 1,21-22). Niemand sollte sich heute noch Apostel nennen. 20 Da "Gebieter" und "Herr" nur einen gemeinsamen Artikel haben, ist wahrscheinlich, wie in 2Pet 2,1, mit beiden Bezeichnungen Christus gemeint (81,287; vgl. aber 21,V,257). 21 od. viell. Dat.commodi: "den für (das Endziel von) Jesus Christus bewahrten..." (2,1259; 44,738). Diese Bewahrung geschieht vom Herrn und führt zur zukünftigen Errettung (1Pet 1,5; Joh 10,27-29). Der Herr Jesus betet auch für uns, dass unser Glaube nicht aufhört, sondern die Welt überwindet (Lk 22,31-32; 1Joh 5,4). 22 D.h.: "in (der Gemeinschaft mit) Gott"; od.: "in Gottes (Augen)" (2,1259; 44,738; 21,V,253); od. Dat.instrumentalis: "durch Gott". 23 Judas denkt an ganz bestimmte Personen, die er aber nicht mit Namen nennen möchte. Desgleichen Paulus in Gal 2,4. Manchmal ist es aber nötig Namen zu nennen (z.B. in 1Tim 1,19-20; 2Tim 2,17; 4,10.14). 24 Vgl. 2Kor 11,13-15; 2Pet 2,1ff. Mit "dieses Urteil" sind wahrscheinlich die Androhungen in den folgenden Versen gemeint (21,V,256). Eine persönliche Vorherbestimmung zur Verdammnis lässt sich aus diesem Vers nicht ableiten (81,287ff), denn παλαι bedeutet nicht: schon in der Ewigkeit. Vielmehr ist er im gleichen Sinn wie 2Pet 2,3 ganz allgemein zu verstehen. Das Urteil für solche falschen Gläubigen stand schon im Vorhinein fest. 25 Da die folgenden Beispiele eine gute Kenntnis des AT und der rabb. Auslegungen erfordern, könnte dies darauf hinweisen, dass die Adressaten des Briefes die Gleichen waren wie im Jakobusbrief und den beiden Petrusbriefen, denn sie wussten Bescheid über die Beispiele, die er ihnen nun bringen wird. 26 Vernichtet wurde nur die Rotte Korach (Num 16,1-35), und diejenigen, die der Unzucht und dem Götzendienst der Midianiter (Num 25,1-9) verfielen. Die anderen Israeliten, außer Josua und Kaleb, starben eines natürlichen Todes in der Wüste, auch Mose, Aaron und Mirjam. Dies war eine Züchtigung, - in der sie Gott sogar noch 40 Jahre lang liebevoll versorgte (Dtn 2,7; 29,4), - aber keine vernichtende Verdammnis. - Die drei Beispiele die Judas aus dem AT anführt, betreffen in Vers 5 die Rebellion, in Vers 6 die Überheblichkeit und in Vers 7 die sexuelle Verirrung. Alle drei Merkmale finden sich auch bei den Irrlehrern, vor denen Judas warnt. 27 Sie tun damit das Gegenteil von dem, was uns in Tit 2,11-12 aufgetragen ist. Vgl. auch Röm 1,23.25.26 ("...sie vertauschen"). 28 od. allg.: Träumer. Obwohl Gott ausnahmsweise manchmal zu Menschen in Traumgesichtern gesprochen hat (z.B. Apg 2,17c; 16,9; 18,9; 27,23), sind Träume im Allgemeinen zu verachten (Ps 73,20), denn "Träume sind Schäume" und führen oft zu Einbildung und Überheblichkeit (Kol 2,18c). 29 Vielleicht sind auch gefallene Engel oder Dämonen gemeint (81,302). Enthüllung Johannes Offenbarung 1 1 Nach Sach 12,12-13 und Mt 24,30 sind die Stämme des Landes Israel, und nicht die Geschlechter der Erde gemeint. Vgl. dazu auch die Prophezeiung in Sach 13,8-9 2 Dan 7,13; In Sach 12,10-14 steht im MT: "Sie werden auf mich (d.h. Jahwe) blicken...". Eine Prophezeiung, die wie auch andere Bibelstellen im AT bezeugt, dass der Messias, Jahwe selbst ist. Eine Reihe von hebr. Hs. ändert aber den MT-Text in: "Sie werden auf ihn blicken...". Es erschien diesen Abschreibern nämlich unmöglich, dass Jahwe durchbohrt werden könnte. - Johannes sieht in dem Lanzenstich zwar zurecht eine wörtliche Teil-Erfüllung der Schriftstelle (Joh 19,37), im tieferen Sinn wurde der Messias aber, wie Jesaja 53,5 sagt, "...um unserer (d.h. Israels) Vergehen willen durchbohrt". Hier in Offb 1,7 wird daher die End-Erfüllung genannt: der Überrest Israels wird bei der Wiederkunft Christi erkennen, dass Jesus derjenige ist, der laut Jes 53,5 um Israels Sünden willen durchbohrt wurde, und sie werden Buße tun und an ihn glauben. Vgl. dazu Jesu Voraussage in Mt 23,38f. 3 Die Betonung liegt bei diesem Ausdruck auf der Schnelligkeit, mit der etwas passiert, und nicht so sehr auf der Aussicht, wann dies eintritt. Hier sind es die letzten Ereignisse der Weltgeschichte in der letzten Jahrwoche Daniels (Dan 9,27), d.h. die letzten 7 Jahre vor dem Kommen des Herrn. Daher ist die Übersetzung "bald" irreführend. Jesus lehrte in Mt 25,5.19, dass er lange wegbleibt. 4 Nicht alle konnten damals lesen, außerdem waren handgeschriebene Kopien teuer und nicht jeder konnte eine besitzen. Daher musste das Buch in jeder der sieben Gemeinden vorgelesen werden, so wie auch die Gemeinde-Briefe vorgelesen wurden (Kol 4,16). Bei dieser Gelegenheit wurde vielleicht auch gleich eine Kopie für die Gemeinde angefertigt. - Hier ist die erste der 7 Seligpreisungen in der Offenbarung. Die weiteren sind in: Offb 14,13; 16,15; 19,9; 20,6 und 22,7.14 (21,V,336; 65,III,299). 5 Symbolisch dafür, dass alle seine Regierungswege gerecht sind (51,13). Vielleicht ist eine Metall-Legierung aus Gold (oder Silber) und Kupfer, das Golderz oder Halbgold, gemeint. Oder ein Kupfer das auf dem Libanon gewonnen wurde? Möglich auch als Vergleich: glänzend (vgl. dazu Hes 1,27) wie die Kupferpfannen in denen der Weihrauch dargebracht wurde (2,z.St.). 6 Manche Hs. haben: "... und uns gewaschen Habenden"; doch dies ist eher nicht die ursprüngliche Lesart (27,729; 2,1264). - Zu den Titeln Jesu vgl. Ps 89,28 7 Die folgende Beschreibung des verherrlichten Christus erinnert an Dan 10,5ff, sowie an den "Alten an Tagen" aus Dan 7,9ff, mit dem Unterschied, dass der "Alte an Tagen" dort Gott selbst ist. Der "Menschensohn" aus Dan 7,13 war für die jüdischen Rabbis der göttliche Messias (21,V,346). Den verherrlichten Christus, den Johannes hier sah, sah bis dahin niemand. Jesaja sah nur den präexistenten Sohn Gottes (Jes 6,1ff), die Jünger sahen auf dem Berg der Verklärung nur einen Vorgeschmack von Jesu zukünftiger Herrlichkeit, aber hier sieht ein Mensch das erste Mal den erhöhten und verherrlichten Menschensohn als wahren Menschen und wahren Gott in einer Person. Kein Wunder, dass er wie tot zu Boden fällt. 8 Sterne in der Hand eines Gottes oder Herrschers, sind auf antiken bildlichen Darstellungen Sinnbild für Macht und Herrschaft (59,386). Sterne am Himmel sind in der symbolischen Sprache der Prophetie ein Symbol für untergeordnete Autoritäten, die Wegweisung geben sollen (vgl. Gen 37,9f). Hier sind sie ein Symbol für den "Engel" der jeweiligen Gemeinde. Vgl. Offb 1,1, wo Jesu "Engel" einfach sein Stellvertreter ist. Der Engel der Gemeinde ist der stellvertretende himmlische Repräsentant der irdischen Gemeinde, so wie sie vor Gott dasteht. Er ist der Bote, der stellvertretend für Christus, der Gemeinde Christi Botschaft überbringt. Das ist auch die Grundbedeutung des griechischen Wortes ανγελλος. Nach jüdischem Verständnis hatte jeder Mensch, ja sogar Nationen, einen "Schutzengel" als Wächter (vgl. Dan 10,13.20f. = gefallene Engel; und Michael als Israels "Engelfürst" in Dan 12,1; Offb 12,7), sozusagen als himmlischen Doppelgänger (vgl. Apg 12,15b). Jesus scheint diese Ansicht in Mt 18,10 zumindest für Kinder zu bestätigen. Die sieben Engel werden daher symbolische himmlische Stellvertreter der sieben irdischen Gemeinden sein (21,V,335f.347f; 65,III,304f). Dass mit dem Engel nur die Postboten gemeint sind, die die Sendschreiben überbrachten, wie Sir W. Ramsay meinte, ist sehr unwahrscheinlich, denn was wäre an solchen ein "Geheimnis" und warum sollten sie symbolisch in der rechten Hand Jesu gehalten werden? Auch sein Argument, die Reihenfolge der Sendschreiben würde bloß den Weg des Postboten anzeigen, ist kein Beweis für seine Ansicht, denn der Postbote hätte genauso gut die andere Richtung nehmen können, d.h. nachdem er das Sendschreiben für Ephesus abgegeben hat, das nächste in Laodizäa abzugeben, usw.! Das römische Straßensystem der Gegend, hätte sogar noch andere Reihenfolgen zugelassen. Ebenso abzulehnen ist die Ansicht bei dem Engel würde es sich um den Bischof, Gemeindevorsteher bzw. Pastor der jeweiligen Gemeinde handeln. Das monarchische Bischofsamt entstand erst im 2.Jhdt. n.Chr., und ist im NT noch nicht zu finden. 9 Dies dürfte eine Anspielung auf den Gottesnamen "Ich bin, der ich bin" sein (in LXX Ex 3,14: "...er, der ist"). Vgl. in Gräz.: "Zeus war, Zeus ist, Zeus wird sein." (21,V,337); oder die Inschrift im Isis-Tempel: "ICH bin alles, was war, und ist, und sein wird. Meinen Schleier hat noch nie ein Sterblicher gelüftet". Hier, im Gegensatz dazu: Der ewige und unwandelbare Gott, ER ist der einzig wahre Gott im Gegensatz zu allen Göttern der Nationen - vgl. zur Sache: Dtn 32,32; Ps 102,28; weiters: Offb 1,8; 4,8; 11,17; 16,5. 10 Die sieben siebenarmigen Leuchter sind ein himmlisches Symbol für die sieben örtlichen Gemeinden in ihrer irdischen Stellung. Ihre Aufgabe ist die gleiche wie die des einzelnen goldenen siebenarmigen Leuchters (der menora) im alttestamentlichen Heiligtum: die örtlichen Gemeinden sollen auf der Erde Licht auf Gottes Herrlichkeit werfen, und zwar durch ihre Anbetung. Tun sie das nicht mehr, werden sie verschwinden, wie auch einige dieser sieben Gemeinden verschwunden sind und bis heute nicht mehr existieren. Das Licht der sieben Leuchter bedeutet nicht ein Zeugnis für die Welt zu sein (das Licht des Leuchters im Tempel wurde ja nur von Gott gesehen), sondern für die Verherrlichung Gottes auf dieser Erde. Der siebenarmige Leuchter aus dem Tempel, wurde übrigens 70 n.Chr. zusammen mit anderen Gegenständen von Titus in den Friedenstempel nach Rom gebracht (21,V,347). Damit hatte das Judentum seine Aufgabe verloren, Gott auf dieser Welt zu verherrlichen. Diese Aufgabe ist nun von der Gemeinde übernommen worden (Eph 3,21). 11 Diese Ausdrücke beziehen sich hier und in Vers 9 auf den Apostel Johannes; in Offb 6,9 auf die große Volksmenge der Märtyrer; in Offb 12,11 auf die "Brüder" der verherrlichten Gemeinde im Himmel; in Offb 12,17 auf die "übrigen der Nachkommenschaft" der Frau; in Offb 14,12 auf die "Heiligen" in der Drangsal; in Offb 19,10 auf die Mitgläubigen des Apostels Johannes, und in Offb 20,4 auf die Märtyrer der Drangsalszeit, die im tausendjährigen Friedensreich mit Christus mitherrschen werden. Das spricht stark dafür, dass in allen Stellen Gläubige der Gemeinde gemeint sein könnten! 12 Siehe Einleitung: Die literarische Grob- und Feinstruktur der Offenbarung. 13 Patmos war eine kleine Felseninsel aus vulkanischem Gestein, im ägäischen Meer, etwa 12 km lang, 5 km breit und 34 km² groß. Die höchste Erhebung ist 269 m. Die Insel wird zu den Sporaden gerechnet und gehörte zur Provinz Asia. Wegen ihrer Armseligkeit diente die Insel in der Kaiserzeit als Verbannungsort. Es war aber kein verlassener Ort, auf ihr gab es ein Gymnasium und einen Tempel der Artemis, die die Schutzgöttin der Insel war. Die Bedeutung der Insel war dennoch gering und sie verdankt ihren Ruhm der Tatsache, dass Johannes hier seine Offenbarungen gesehen hat (33,884; 52,IV,549; 65,III,301). Verbannungen wurden von den Provinzstatthaltern angeordnet. Vielleicht wurde Johannes wegen seines hohen Alters nicht hingerichtet wie Antipas (Offb 2,13), sondern nur verbannt (65,III,301). 14 Siehe Anm. bei Offb 1,20 15 In Dan 7,9b ein Attribut Gottes, das hier auf Christus übertragen wird. 16 Vgl. Num 24,4 17 Es ist die gleiche rechte Hand (= die Hand der Kraft), in der Christus in Vers 16 auch die 7 Sterne hält. Dort hält seine rechte Hand die Gemeinden in Sicherheit, hier tröstet und belebt sie den Johannes persönlich. 18 Der Schlüssel war ein orientalisches Symbol für Autorität und außerordentliche Machtbefugnis (Jes 22,21f), hier die Vollmacht über das Totenreich. Wer um Christi willen stirbt, braucht keine Angst zu haben im Totenreich zu bleiben (21,V,346; 65,III,304). 19 Damit wird das Buch der Offenbarung in drei Teile unterteilt: (1.) "Schreibe nun, was du sahst..." (d.h. die Erscheinung des verherrlichten Herrn in Vers 12-18) → Vergangenheit; (2.) "... was nach diesem geschehen muss", das sind ab Offb 4,1 die Gerichte in der Zukunft; (3.) daher muss sich das: "... was ist ..." (der Zustand der sieben Gemeinden in den Sendschreiben auf die Gegenwart dazwischen beziehen, und zwar als eine prophetische Schau über die Entwicklung der Christenheit bis zum Einbrechen der Gerichte die ab Kap. 4,1ff. beschrieben sind). Aber ein handfester Beweis, dass damit die Gemeinde vor den Ereignissen von Kapitel 4,1ff., schon entrückt wurde, ist das nicht. - Zum durchgehenden chronologischen roten Faden, der sich durch alle sieben Sendschreiben zieht, siehe: https://drive.google.com/file/d/1tl5l3xI7V4eyMXsppbd0tfNeleG_6Yl4/view?usp=sharing 20 Die Offenbarung ist also kein "Buch mit sieben Siegeln", sondern ganz im Gegenteil eine Enthüllung über die Ereignisse in der Zukunft. In ihr wird ein Buch mit sieben Siegeln geöffnet (Offb 5,1-5). 21 Die Offenbarung ist kein Buch, das bestenfalls Theologen verstehen können, sondern für jeden geschrieben, der ein Sklave Jesu Christi ist, also jemand der durch das Blut Christi erlöst ist und in dem der Heilige Geist wohnt. 22 Damit ist wahrscheinlich der erste Tag der Woche gemeint, an dem sich die ersten Christen versammelten, da dies der Tag der Auferstehung Jesu war (1,931; 2,1265; 66,191). Manche meinen, damit sei gemeint, dass Johannes im Geist, d.h. in Gedanken, beim "Tag des Herrn" war (33,704). Er war der letzte lebende Apostel und könnte über die ausbleibende Wiederkunft Jesu nachgedacht haben, denn er sollte nach den Worten Jesu "bleiben bis dass er (d.h. Jesus) kommt" (Joh 21,22). 23 Das lange Gewand symbolisiert Christus hier, wie Melchisedek (Heb 7,1), als den himmlischen Hohepriester und als den zukünftigen König in einer Person. Der Gürtel ist hier um die Brust, und nicht um die Hüften (vgl die Anm. bei 1Pet 1,13). Ein Bild dafür, dass Christi Werk vollendet ist (65,III,303). 24 Augen, die alles durchdringen und richterlich ins Licht stellen ("Ich kenne dich..."). 25 Symbolisch dafür, dass sein Wort absolut wahr und ohne Schmeichelei ist ("dies sagt der..."), durchdringend bis zur Scheidung der Gedanken und Gesinnungen des Herzens (Heb 4,12.13). 26 Sieben ist die Zahl der Vollkommenheit, hier sind die sieben Geister ein bildhafter Ausdruck für den siebenfältigen messianischen Geist (Jes 11,2; 1.Henoch 61,11), der die Fülle des einen Heiligen Geistes ist (59,324). Andere meinen, es sind die sieben Erzengel, die nach jüdischer Auffassung vor dem Thron Gottes stehen; vgl. Offb 8,2 (65,III,300). 27 "επι..."; d.h. der Gedanke ist, dass sie auf seiner Hand sicher und geschützt liegen. Er hält sie nicht nur fest, damit sie nicht hinunterfallen, sie ruhen auf seiner Handfläche. 28 entw. wie Ex 19,6: "zu einem Königtum von Priestern für..."; od. wie Offb 20,6: "zu einem Königtum, zu Priestern für..." (7,z.St.; 8,z.St.). 29 Bei den sieben Sternen und den sieben Leuchtern handelt es sich um ein Doppelbild für die örtlichen Gemeinden auf dieser Erde. Jede Gemeinde wird symbolisch als Stern gesehen, sie wird sicher im Himmel in Jesu rechter Hand gehalten, gleichzeitig ist sie aber auch ein Leuchter auf dieser Erde. Wenn sie Gott auf dieser Erde nicht verherrlicht, wird sie auf der Erde als Leuchter weggenommen, wie es bei einigen dieser sieben Gemeinden bis heute geschehen ist. Es wird jedoch nichts davon gesagt, dass Jesus sie auch als Stern aus seiner rechten Hand fallen lässt. Im Himmel bleiben die einzelnen Gläubigen einer örtlichen Gemeinde, deren Zeugnis auf der Erde zusammengebrochen ist, dennoch angeschrieben (Lk 10,20; Heb 12,23). Das ist tröstlich. Offenbarung 2 1 Zitat aus LXX Ps 2,8f. Diese Bibelstelle wurde von den jüdischen Rabbis auf den Messias angewendet. 2 Ephesus war eine wohlhabende kleinasiatische Stadt in der Mündungsebene am linken Ufer des schiffbaren Cayster Flusses, etwa 5 km vom Meer entfernt gelegen und Hauptstapelplatz für den Handel ins Innere Kleinasiens. Sie hatte schon eine lange Geschichte hinter sich, als sie 133 v.Chr. durch die Römer anstelle von Pergamon zur Hauptstadt, und damit zur wichtigsten Stadt der römischen Provinz Asia wurde. Die Stadt hatte ca. 300.000 Einwohner. Nach Rom und Alexandria war sie mit ca. 300.000 Einwohnern neben Antiochia die drittgrößte Stadt im römischen Reich, ebenso eine bedeutende Handelsstadt, weil es in Kleinasien der wichtigste und erste Anlegeplatz für Schiffe war. Alle wichtigen Handelsstraßen Kleinasiens führten nach Ephesus. Strategisch gesehen war es für Paulus der beste Ort, um das Hinterland zu missionieren (Kolossä, Laodizäa, Hierapolis, Philadelphia, Thyatira, Sardes, Smyrna, Pergamon). Berühmt war sie auch durch ihren Tempel für die Fruchtbarkeitsgöttin Artemis (= die römische Göttin Diana), von der kleine, silberne, fabrikmäßige Nachbildungen hergestellt und an Fremde verkauft wurden. Dieser Tempel war eines der sieben Weltwunder und damit verbunden war eine Menge Götzendienst (vgl. Apg 19,24ff) und gesetzlich erlaubte Tempelprostitution. Eine 11 m breite und von Säulen gesäumte Prachtstraße führte vom Stadtzentrum bis zum Hafen. Die Stadt beherbergte ein Amphitheater das 24.000 Plätze hatte, sowie eine Bibliothek und einen großen Marktplatz. Sie war Schmelztiegel vieler Völker, Tummelplatz vieler Religionen und Zentrum der Zauberei und magischer Kulte. Die okkulten "Ephesischen Schriften" von Ephesus (vgl. Apg 19,19) waren in der ganzen damaligen Welt bekannt. Inschriften belegen, dass die Bewohner der Stadt sehr abergläubisch gewesen sein müssen. Durch ein Erdbeben in der Regierungszeit unter Kaiser Tiberius wurde die Stadt schwer heimgesucht. Paulus besuchte Ephesus mehrfach, einmal verbrachte er drei Jahre dort und evangelisierte in dieser Zeit in der Schule des Tyrannus und mit seinen Mitarbeitern (z.B. Epaphroditus) auch das Hinterland Kleinasiens. Gegründet wurde die Gemeinde in Ephesus aber wahrscheinlich als Hausgemeinde von Aquila und Priscilla (Apg 18,19.27). Zur Zeit des Paulus wurde Ephesus von einem Senat und einer Volksversammlung verwaltet. In Ephesus entstand durch Kaiser Domitian der erste große Tempel in Kleinasien für den Kaiserkult (später noch zwei andere). In diesem musste von jedem Bürger das jährliche Weihrauchopfer für den Kaiser dargebracht werden, was zur ersten größeren Christenverfolgung führte. Domitian hatte der Stadt den Titel "Wächterin seines Tempels" gegeben. Die allmähliche Versandung des Hafens durch die ständigen Sandablagerungen des Flusses Cayster führten schließlich zum Niedergang der Stadt, weil sie dadurch einige Kilometer landeinwärts lag und die großen Handelsschiffe Ephesus nicht mehr anfuhren. Heute ist Ephesus nur mehr ein Ruinenfeld, daneben befindet sich ein unbedeutendes Dorf (vgl. 33,336f; 42,347f; 52,II,293; 65,III,306; 47,z.St.). 3 Wie könnte eine Versammlung Buße tun? → vgl. Nehemia Kapitel 8-10 4 Der Leuchter im Heiligtum war ein Licht für Gott und nicht für Menschen, denn außer dem Priester der im Heiligtum das Räucheropfer darbrachte, sah es niemand! Daher ist der Leuchter kein Symbol für das Zeugnis der Gemeinde in der Welt, sondern dafür, dass die Gemeinde die Herrlichkeit Gottes beleuchten soll. Die vornehmste Aufgabe der Gemeinde ist es, Gott und seinen Sohn hier auf dieser Erde, - also in einer Welt, die ihn ablehnt, - durch ihre Anbetung zu verherrlichen (vgl. Eph 3,21). Ihn zu verherrlichen, wird auch ihre (einzige?) Aufgabe in alle Ewigkeit sein. Vgl. Offb 4,11; 5,12; 7,12 ua. 5 vgl. 1Joh 5,4-5: Diese Sieger sind wahre Gläubige und wahre Gläubige sind solche Sieger. 6 Werke waren schon vorhanden, aber nur mehr aus Routine, Tradition, Gewohnheit, etc., aber nicht mehr aus der ersten Liebe. Die Betonung von "Werken" nimmt einen bedeutenden Platz in der Offenbarung ein (vgl. Offb 2,2-26; 3,1-15; 9,20; 14,13; 15,3; 16,11; 18,6; 20,12-13; 22,12), denn letztlich sind gute Werke ein Beweis für wahren Glauben (Jak 2,14-26; Tit 2,14 ua.). Werke für Gott zu wirken, ist mit großer Mühe verbunden und muss von geduldigem Ausharren begleitet werden. 7 D.h. so wie in Vers 4: die höchsten/anfänglichen Werke. Die erste Liebe besteht also darin, die ersten Werke für den Herrn zu tun, aber aus Liebe. Vgl. Jona 3,10a 8 Plural, d.h. die Ermahnungen gelten nicht nur der Gemeinde in Ephesus, sondern jedem einzelnen, und auch den anderen sechs Gemeinden, und letztlich allen Gemeinden aller Zeiten. Damit wird aber deutlich, dass die sieben Sendschreiben Teil der Prophetie sind und daher auch selbst prophetischen Charakter haben müssen! Es gibt demnach gute Gründe die Sendschreiben auch als einen prophetischen Ausblick auf die Entwicklung der Christenheit zu deuten: (1.) Jedes Sendschreiben gilt auch den anderen Gemeinden, jede Gemeinde bekam alle Sendschreiben, und nicht nur das, welches sie betraf. (2.) Der Herr Jesus wandelt nicht nur inmitten dieser sieben Gemeinden und hält nicht nur sie in seiner Rechten. (3.) Warum gerade diese Gemeinden, und warum nur 7 Gemeinden? Es gab noch andere Gemeinden in unmittelbarer Nähe (z.B. Kolossä, Hierapolis, Troas). Warum bekamen sie kein Sendschreiben? Außerdem ist 7 eine wichtige symbolische Zahl in der Offenbarung: 7 Siegel, 7 Posaunen, 7 Zornschalen. Diese 7 Gemeinden stehen stellvertretend für alle Gemeinden aller Zeiten. (4.) Die Anspielungen auf das AT ergeben in den Sendschreiben einen chronologischen "roten Faden" durch die Geschichte des Volkes Gottes vom Paradies bis zur "Ausspeiung aus dem Land" bei der babylonischen Wegführung (Lev 18,25.28). (5.) Die Parallelen zur Kirchengeschichte sind keineswegs an den Haaren herbeigezogen, sondern stimmen mit der geschichtlichen Entwicklung der Christenheit überein. (6.) Die Struktur der Offenbarung wie sie in Offb 1,19 angedeutet wird: "Schreibe ... was du sahst" → Vergangenheit; "... was nach diesem geschehen muss" → Zukunft; daher muss "...dass, was ist" sich auf die Gegenwart dazwischen beziehen, also auf die sieben Sendschreiben als eine chronologische Vorherschau der Kirchengeschichte. (7.) Das ganze Buch ist eine "Offenbarung" (siehe Offb 1,1), also auch die darin enthaltenen 7 Sendschreiben. Jede Gemeinde bekam das ganze Buch vorgelesen (Offb 1,3) und nicht nur das Buch ab Kapitel 4,1ff und ihr jeweiliges Sendschreiben extra. Möglicherweise fertigte jede Gemeinde gleich beim Vorlesen eine Kopie für sich an. 9 Smyrna war eine Hafen- und Handelsstadt, etwa 55 km nördlich von Ephesus, in der römischen Provinz Asia gelegen, mit sehr langer Geschichte. Die Stadt wurde aber im 7.Jhdt v.Chr. von den Lydiern zerstört und existierte dann praktisch 400 Jahre lang nicht mehr. Es gab dort nur mehr einige zerstreute Marktflecken, bis die Stadt schließlich wieder neu aufgebaut und eine blühende Handelsstadt wurde. Daher stellt sich der Herr vor als der "...der tot wurde und (wieder) lebte", eine Anspielung darauf, wie die Stadt wiederauflebte und neu entstand. Smyrna war für ihre Schönheit bekannt und das natürliche Tor zur alten Handelsroute durch das Hermus-Tal ins fruchtbare Hinterland. Dank ihres ausgezeichneten Klimas, ihrer strategischen Lage und der guten Wasserversorgung entwickelte sich Smyrna zu einer der wohlhabendsten Städte Kleinasiens. Sie fiel schon durch besonders treue Loyalität zu Rom auf, als Rom noch keine Weltmacht war (daher: "...sei treu"). Die "Krone von Smyrna" waren ihre schönen Häuser am Hügel Pagos, die wie eine Krone über der darunterliegenden Stadt thronten (daher: "...die Krone des Lebens"). Außerdem wurden in Smyrna Münzen zu Ehren der Göttin Kybele geprägt, die sie mit einer Krone auf ihrem Haupt abbilden. Wegen ihrer Treue zu Rom bekam die Stadt den zweiten Kaiserkult-Tempel Asiens. In der Synagoge gab es angeblich eine weibliche (!) Synagogenleiterin (Ramsay W., St.Paul, Seite 102). In römischer Zeit wohnten viele Juden in der Stadt, die im Wirtschaftsleben und in der Verwaltung großen Einfluss besaßen und die Christen in der Stadt bedrängten. Im Jahre 156 n.Chr. kam es in Smyrna zu einer nur auf wenige Tage begrenzten Christenverfolgung, bei der Polycarp den Märtyrertod erlitt, weil er treu blieb und das Kaiseropfer verweigerte. Zusammen mit Philadelphia konnte sich das Christentum hier am längsten halten und beide Städte widerstanden am längsten den türkischen Eroberern. Heute ist das einstige Smyrna die große türkische Handels- und Hafenstadt Izmir (33,1125f; 42,1313f; 65,III,308ff). - Zu Ephesus wird gesagt: werdet so, wie ihr einst wart, - zu Smyrna: bleibt weiter so, wie ihr seid. 10 od. ein ingressiver Aor.: "...lebendig wurde". - Zu Beginn jedes Sendschreibens stellt sich der Herr mit einem speziellen Merkmal aus seiner Erscheinung in Offb 1,12-20 vor, welches auf die Situation der Gemeinde passt. Hier ist er derjenige, "der tot wurde und (wieder) lebte". Dies könnte einerseits eine Anspielung auf die 400-jährige Nichtexistenz der Stadt sein, andererseits eine Ermutigung für die Märtyrer (Vers 10.11). 11 Pergamon war eine Stadt, in der kleinasiatischen Provinz Mysien, 25 km landeinwärts, am Fluss Selinus gelegen, der die Stadt durchströmte. Die Stadt lag ungefähr 80 km nördlich von Smyrna und war auf einem kegelförmigen Hügel erbaut, der sich 300 Meter über dem umliegenden Tal erhob. Ab 190 v.Chr. wurde sie Mittelpunkt eines Reiches, dass einen großen Teil Kleinasiens umfasste. Später war es die offizielle Hauptstadt der Provinz Asia, Sitz des römischen Prokonsuls und Hochburg heidnischer Religiosität, außerdem berühmt für seine schönen Bauten und die große Bibliothek. Die Stadt war Sitz einer blühenden Kultur und Zentrum und Mittelpunkt des Kaiserkults. Der erste Tempel Kleinasiens für den Kaiserkult wurde hier bereits 29 v.Chr. für Augustus errichtet, später auch noch ein zweiter und dritter. Mit dem "Thron Satans" ist entweder der Tempel für den Kaiser oder der am gleichen Ort stehende, 40 m hohe Zeusaltar auf der Anhöhe über der Stadt gemeint. Auch der Schlangen-Gott Asklepios, die Götter Demeter, Athene und Dionysos hatten hier prachtvolle Tempel und wurden verehrt. Von den Bürgern wurde erwartet, dass sie sich ausnahmslos am Kaiserkult beteiligten. Wer das jährliche Weihrauchopfer für den Kaiser nicht darbrachte, bei dem man sich vor einer Statue des Kaisers niederbeugen musste, wurde mit dem Schwert getötet. Später, unter Kaiser Diocletian (284-305 n.Chr.), musste man sich dann sogar vor dem Kaiser selbst niederwerfen. Eine Weigerung galt als Majestätsbeleidigung (52,I,74). Unter Kaiser Diocletian kam es dann zur ersten großen, aber auch letzten, Christenverfolgung im gesamten römischen Reich. Die Stadt gab dem "Pergament", das hier als erstes erzeugt wurde, seinen Namen. Heute steht an ihrer Stelle nur mehr die kleine Stadt Bergama (52,IV,626ff; 2,1298; 42,1054; 54,z.St.; 65,III,310f). 12 Das ist Fleisch, das vom Götzenopfer übrigblieb. Es wurde entweder vom Opfernden zusammen mit seinen Freunden feierlich in einem Tempelnebengebäude verzehrt, oft verbunden mit ausschweifenden Orgien. Die Teilnahme an solchen Opfermahlzeiten war den Christen verboten (vgl. 1Kor 10,19-22.27-29). Der Verzehr solchen Fleisches war für einen Juden verunreinigend und daher verboten (1,446). Paulus sieht die Sache allerdings differenzierter: das gemeinsame Mahl im Götzentempel verbietet er, den Verzehr von Götzenopferfleisch, das am Markt verkauft wird, erlaubt er ohne vorher Nachforschungen anzustellen, vorausgesetzt, dass das Gewissen Dritter (z.B. von Juden-Christen) dadurch nicht Schaden nimmt. Vgl. Apg 15,29; 1Kor 8,1ff. 13 Ein Kieselsteinchen, ein kleiner glatter Stein. Solche weißen Steine wurden als Eintrittskarten für Feste und verschiedene Institutionen verwendet. Daher im übertragenen Sinn: eingeladen zum Hochzeitsmahl des Lammes und zu einem neuen Leben in Gottes Herrlichkeit bestimmt. Auch erfolgreiche und bewährte Gladiatoren bekamen einen weißen Stein und konnten sich dann ins Privatleben zurückziehen. Als Abstimmungszeichen bei Wahlen, Beschlüssen und Gerichtsentscheidungen bedeutete ein weißer Stein ein positives Urteil (d.h. Freispruch), ein schwarzer Stein ein negatives Urteil (d.h. Verurteilung). Arme erhielten beim Vorweisen eines weißen Steines Nahrung. Auch bei Einweihungszeremonien wurde dem Novizen ein weißer Stein und ein neuer Name gegeben (1,1780; 21,V,358; 65,III,312). Auf alle diese Dinge wird wohl hier angespielt. 14 Thyatira war eine Stadt im Norden Lydiens am Lycus, an der Straße zwischen Pergamon, Sardes und Laodizäa gelegen und wurde von mazedonischen Griechen gegründet. Sie lag 60 km südöstlich von Pergamon. Es war die heilige Stadt von Apollo Tyrimnaios, bekannt auch durch die Üppigkeit ihrer durch Purpurhandel, Färbereien, Textilindustrie, Töpferei und das Bronze- und Kupferhandwerk (vgl. Offb 2,18) reich gewordenen Bewohner. Die Stadt hatte eine lange Geschichte als militärische Grenzfestung (vgl. Offb 2,26.27). Die verschiedenen Handelszweige der Stadt hatten eigene Gilden. Wenn man dort nicht Mitglied war, hatte man geschäftliche und soziale Nachteile. Diese Gildensitzungen waren vermischt mit Götzendienst-Praktiken und Unmoral. Es gab nur eine kleine jüdische Gemeinde in der Stadt. Die römische Militärmacht hatte die "Macht über die Nationen" (vgl. Offb 2,26). Heute ist an der Stelle des einstigen Thyatira die große türkische Stadt Akhisar (33,1197; 21,V,359ff; 52,V,804; 65,III,312). 15 Sicher ein symbolischer Name und eine Anspielung auf Isebel, die heidnische Frau des israelitischen Königs Ahab. Sie verführte ihren Mann und Teile des Volkes zur Verehrung des Götzen Baal (1Kön 16,29-34; 18,13.19). Hier bezeichnet "Isebel" eine falsche Prophetin, die in der Gemeinde von Thyatira die Irrlehre der Nikolaiten, oder ähnliche Ideen verbreitete (vgl. 47,z.St.). Manche meinen, damit sei eine der vielen Prophetinnen im dortigen Heiligtum der Göttin Sybille gemeint, die auch Christen zur Hurerei verführte. Doch die in dem Sendschreiben genannte Isebel wirkte innerhalb der Gemeinde (65,III,313). 16 Die Venus, ein sehr heller Stern, den man am Morgen noch als letzten Stern am Himmel wahrnimmt und der den Anbruch der Dämmerung ankündigte (vgl. Offb 22,16). Vgl. auch die messianische Prophetie in Num 24,17. 17 Eine nicht näher bekannte Sekte, die aber offenbar Freizügigkeit im Umgang mit Okkultismus, Götzenopfern und Unzucht propagierte, da sie mit Bileam und Balak (Num 22,1 - 25,18) verglichen wird. Daraus kann man schließen, dass die Nikolaiten Irrlehrer waren, die wahrscheinlich behaupteten Kompromisse mit der Denk- und Lebensweise der heidnischen Umwelt, besonders die Teilnahme am Kaiserkult, seien rein äußerliche Dinge, die das Wesentliche des Christseins nicht berühren und daher mit dem Christentum vereinbar wären. Es gibt eine alte Tradition, die die Entstehung der Sekte auf Nikolaus aus Antiochien, einen der sieben Diakone (Apg 6,4), zurückführt. In der Zeit der späteren Kirchenväter war es eine gnostische Sekte geworden (vgl. 47,z.St.; 21,V,351f; 65,III,307). - Zu Ephesus wurde gesagt: weist die Nikolaiten zurück, Smyrna hatte offenbar keine Probleme mit ihnen, Pergamon hatte eine Minderheit, die offen gegenüber den Nikolaiten war, Thyatira dagegen hatte schon eine Mehrheit, die offen gegenüber dieser falschen Lehre war. So entwickelt sich Sauerteig! 18 Vielleicht eine Metalllegierung aus Gold (oder Silber) und Kupfer: Gold-Erz oder Halb-Gold? Oder Kupfer, das auf dem Libanon gewonnen wurde? Möglich auch als Vergleich: glänzend (vgl. dazu Hes 1,27) wie die Kupferpfannen in denen der Weihrauch dargebracht wurde (1,1746). Thyatira war berühmt für seine Kupfer-Bronze Verarbeitung! - Zu Beginn jedes Sendschreibens stellt sich der Herr mit einem speziellen Merkmal aus seiner Erscheinung in Offb 1,12-20 vor, welches auf die Situation der Gemeinde passt. Hier ist er derjenige, "der Augen wie eine Feurflamme hat". Mit diesen durchschaut er alles und erforscht Herz und Nieren (Vers 23). 19 "Die Tiefen des Satans" war ein Ausdruck, der in den Mysterienkulten verwendet wurde. Vielleicht vertraten diese Irrlehrer die Auffassung, man müsse sich auf das Geheimnis des Bösen einlassen, um es entlarven und entmachten zu können (vgl. 47,z.St.). 20 Ein Märtyrer in Pergamos, der nach späterer Tradition unter Kaiser Domitian, wegen Verweigerung des Kaiseropfers, in ein brennendes Rind aus Bronze gesperrt wurde und so den Märtyrertod erlitt. "In heidnischen Riten, in denen Menschen geopfert oder hingerichtet wurden, verwendeten die Folterknechte hohle Rinder aus Bronze und entfachten unter ihnen Feuer, während die Verurteilten in dem bronzenen Rind elend durch die Hitze litten und schließlich umkamen" (90,26f; 33,53; 21,V,356). 21 Ein einseitiges und ausschließliches Konzentrieren auf die Reinheit der Lehre und der Gemeinde, birgt die Gefahr in sich, die mehr emotionalen Seiten des Glaubens, - wie Liebe, Freude, Freundlichkeit usw., - zu vernachlässigen. Man kann persönlich oder als Gemeinde, entweder in das liberale oder das gesetzliche Extrem fallen (21,V,350). Der Verlust der ersten Liebe ging in Ephesus schleichend voran (komplexiver Aorist). Anfangs zeigte sich noch eine große Liebe und Zuneigung zu Paulus und den Gläubigen von Seiten der Gemeinde in Ephesus (Apg 20,37; Eph 1,15). Einige Zeit später wurden sie aber schon ermahnt, die Liebe nicht zu vernachlässigen (Eph 1,4; 3,17.19; 4,2.15-16; 5,2; 6,23; 1Tim 1,5.15) und nicht die Wahrheit auf Kosten der Liebe zu betonen. In 2Tim 1,15 ist die Liebe zu Paulus bereits verlorenen gegangen. 22 In der Gräz. der eiserne Dreschflegel, mit dem der ägyptische Gott Horus wedelt. Er ist der Gott der Rache und des Krieges. Ein Symbol für eine strenge Regierungsführung, die aber im Gegensatz zu Horus, bei Christus gerecht und heilig sein wird (21,V,363). 23 Die allmähliche Versandung des Hafens durch die ständigen Sandablagerungen des Flusses Cayster führte schließlich zum Niedergang der Stadt, weil sie dadurch einige Kilometer landeinwärts lag und die großen Handelsschiffe Ephesus nicht mehr anfuhren. Von diesem Zeitpunkt an, starb die Gemeinde in Ephesus aus. Heute ist Ephesus nur mehr ein Ruinenfeld, daneben befindet sich ein unbedeutendes Dorf (vgl. 33,336f; 42,347f). 24 In römischer Zeit gab es viele Juden in der Stadt, die im Wirtschaftsleben und in der Verwaltung großen Einfluss besaßen und die Christen in der Stadt bedrängten. Oft waren es Juden, die die Christen bei den Behörden anklagten. Schon die Anklage, dass sie nicht mehr zur Synagoge gehören, machte sie verdächtig und angreifbar, da sie damit nicht mehr, so wie die Juden, von der Teilnahme am jährlichen Kaiseropfer befreit waren (65,III,309). 25 Im Jahre 155 n.Chr. kam es in Smyrna zu einer nur auf wenige Tage begrenzten Christenverfolgung, bei der Polycarp den Märtyrertod erlitt, weil er das Kaiseropfer verweigerte. Wenn Smyrna prophetisch für die Zeit der Christenverfolgungen im römischen Reich steht, ist es bemerkenswert, dass es im römischen Reich zehn Christenverfolgungen gegeben hat: (1.) 64-68 n.Chr. in Rom unter Nero; (2.) 90-96 n.Chr. in Kleinasien unter Domitian; (3.) 98-117 n.Chr. unter Trajan; (4.) 117-138 n.Chr. unter Hadrian; (5.) 161-180 n.Chr. unter Mark Aurel; (6.) 193-211 n.Chr. unter Septimus Severus; (7.) 235-236 n.Chr. unter Maximus; (8.) 249-251 n.Chr. unter Decius; (9.) 253-260 n.Chr. unter Valerian; (10.) 303-311 n.Chr. die letzte und schlimmste unter Diocletian. Zu den 10 Tagen vgl. auch noch Dan 1,12 26 Smyrna fiel schon durch besonders treue Loyalität zu Rom auf, als Rom noch keine Weltmacht war, daher die Anspielung: "...sei treu", hier aber treu für den Herrn. 27 Anspielung auf die "Krone von Smyrna", das waren ihre schönen Häuser am Hügel Pagos, die wie eine Krone über der darunterliegenden Stadt thronten (65,III,310). Außerdem wurden in Smyrna Münzen zu Ehren der Göttin Kybele geprägt, die sie mit einer Krone auf ihrem Haupt abbilden. Einen aus Öl- oder Lorbeerzweigen geflochtenen Siegeskranz erhielten die Sieger bei den sportlichen Wettkämpfen. Doch der Siegeskranz, den der Herr geben wird, ist wertvoller als alles, was die Welt an Auszeichnungen geben kann. 28 Mit dem "Thron Satans" ist wahrscheinlich das Heiligtum für den Kaiserkult in Pergamon gemeint, oder das große Heiligtum für Zeus Soter (= der Retter). Auf der Akropolis stand der berühmte Zeusaltar, der sich heute im Pergamonmuseum in Berlin befindet. Außerdem besaß die Stadt ein Heiligtum des Asklepios Soter, des Gottes der Heilkunst. Welcher dieser Tempel oder Altäre mit dem Thron Satans gemeint ist, bleibt unsicher (54,z.St.). Christenverfolgungen müssen hier schon früh, vielleicht schon unter Nero, stattgefunden haben, als deren Opfer Antipas genannt ist. 29 Das "zweischneidige Schwert" war Symbol der höchsten offiziellen Autorität des Prokonsuls, das Recht über Leben und Tod. Aber Jesus allein hat letztlich diese Autorität. - Zu Beginn jedes Sendschreibens stellt sich der Herr mit einem speziellen Merkmal aus seiner Erscheinung in Offb 1,12-20 vor, welches auf die Situation der Gemeinde passt. Hier ist er derjenige, "der das zweischneidige Schwert hat", womit er die Lehre der Nikolaiten zerstören wird (Vers 16). 30 Ein "neuer Name" bedeutet den "Eintritt" in ein neues Leben, der Name, mit dem wir im Himmel angeschrieben sind (Lk 10,20; vgl. auch Gen 17,5.15). Der neue Name wird denen gegeben die "...festgehalten haben meinen Namen" (Vers 13). 31 In Offb 1,13 steht der Herr inmitten der Leuchter, hier geht er von einem Leuchter zum anderen. Dies ist eine eindeutige Anspielung auf den Dienst des Hohepriesters, der den siebenarmigen Leuchter im Heiligtum täglich abends zu inspizieren, zu reinigen, den Docht zurückzuschneiden und mit neuem Öl zu versorgen hatte (Num 8,1-3). Genau das tut Christus auch hier bei den örtlichen Gemeinden. Er reinigt ("ich habe gegen dich...") und rüstet aus ("wer überwindet, der..."). Zu Beginn jedes Sendschreibens stellt sich der Herr mit einem speziellen Merkmal aus seiner Erscheinung in Offb 1,12-20 vor, welches auf die Situation der Gemeinde passt. Hier ist er derjenige, der den Leuchter von seiner Stelle wegrücken kann (Vers 5), aber die Sterne gleichzeitig in seiner Hand behalten wird. 32 Die Gläubigen werden mit Christus mitregieren, sowohl im tausendjährigen Reich (Dan 7,22; Lk 19,15-18; 1Kor 6,2; Offb 5,10; 20,4), als auch auf der neuen Erde (Offb 22,5). Vgl. auch die Anm. bei Mt 6,10 33 Hier ist nur von den Werken der Nikolaiten die Rede, in Offb 2,15 dann schon von der Lehre der Nikolaiten. Es ist oft so, dass Falsches zuerst praktiziert wird, danach sucht man eine biblische Begründung für sein Verhalten, um es zu rechtfertigen. Dies war auch in der Kirchengeschichte so. Schon sehr früh wurden z.B. die Märtyrer verehrt, im Mittelalter wurde dann das Dogma aufgestellt, dass man zu den "Heiligen" beten kann. 34 Vgl. Jesu Aussage in Joh 8,44 und Mt 13,38 35 Die Bundeslade war schon im Jahr 586 v.Chr. verlorengegangen (Jer 3,16). Nach einer jüdischen Überlieferung hatte Jeremia die Bundeslade und das Manna verborgen. Beides sollte nach rabbinischer Vorstellung am Ende der Zeit wiederhergestellt werden (65,III,312). Dies ist jedoch völlig unnötig, den beides ist nun symbolisch im Himmel verborgen (Offb 11,19). 36 Die Sendschreiben habe eine Botschaft auf 3 Ebenen: (1.) Eine individuelle Botschaft an die jeweilige Gemeinde. (2.) Jedes Sendschreiben hat darüber hinaus auch Bedeutung für jede der anderen sechs Gemeinden ("Wer ein Ohr hat, höre was der Geist den Gemeinden sagt"), und damit auch für alle örtlichen Gemeinden aller Zeiten. (3.) In den Sendschreiben liegt auch noch eine prophetische Botschaft über die Entwicklung der Christenheit: https://drive.google.com/file/d/1hGObmW8qUMwt0yMo_od_aWGCyO2uqVDU/view?usp=sharing 37 Da in den letzten vier Sendschreiben ein Ausblick auf das Kommen des Herrn gegeben wird (Offb 2,24; 3,3b.11.20), nehmen manche Ausleger an, die kirchengeschichtlichen Zeitepochen, welche diese vier Sendschreiben prophetisch voraussagen (vgl. Anm. bei Offb 1,19), würden bis zum Kommen des Herrn nebeneinander bestehen bleiben, was die heutige Realität auch bestätigt. 38 Der Vorwurf des Herrn an die Gemeinde ist in beiden Fällen, dass sie nicht Gemeindezucht geübt haben. Vgl. die Anm. zu Mt 18,18 Offenbarung 3 1 Sardes war eine wichtige Handelsstadt, am Fuß des Tmolus Gebirges, auf einem Felsen gelegen. Aus griechischer Sicht war es lange die größte aller Städte, durch die Goldfunde im Fluss Pactolus sehr wohlhabend und im 6.Jhdt. v.Chr. die alte Hauptstadt Lydiens unter ihrem Herrscher Krösus. Der Wohlstand von Sardes galt zur Zeit des Königs Krösus als sprichwörtlich für Reichtum. Sie war zwar auch noch unter den Römern bedeutend, konnte sich aber nach ihrer zweiten Niederlage im Jahr 214 v.Chr., in römischer Zeit nie mehr richtig zu ihrem früheren Glanz erholen (vgl. Offb 3,1b). Zweimal wurde die Stadt im Schutz der Nacht von feindlichen Truppen an einem schlecht bewachten Teil der Stadtmauer erobert (vgl. Offb 3,3). Mysterienreligionen und heidnische Kulte (z.B. die Kybele, Artemis, Demeter, Persephone) blühten in Sardes. Im Jahr 26 n.Chr. wurde der Stadt der Wunsch nach einem Tempel für den Kaiserkult abgeschlagen und dieser wurde stattdessen in Smyrna erbaut. Die Stadt hatte damit keinen Kaiserkult. Dementsprechend gering war auch die Verfolgung der Christen dort, was zu einer Lauheit führte. So wie sich die Stadt auf ihrer glanzvollen Vergangenheit ausruhte, so auch die Gemeinde in ihr. Sardes war ein Zentrum der jüdischen Diaspora mit einer eigenen Synagoge. - Von Smyrna wird gesagt: sie war tot, lebte jedoch wieder auf. Von Sardes: sie glaubt zu leben, ist aber eigentlich tot. Heute ist die ehemalige Stadt nur mehr ein Ruinenfeld, nur in der Nähe erinnert das Dorf Sart noch an die einstige Stadt. Gerade die beiden Städte Sardes und Laodizäa, deren Gemeinden in den Sendschreiben am negativsten bewertet werden, gingen später völlig unter (33,1073; 54,z.St.; 65,III,314f). 2 Philadelphia war eine Stadt in Lydien am Nordabhang des Tmolus-Gebirges, in einem fruchtbaren Tal gelegen, an der Fernstraße, die Pergamon mit Pamphylien verbindet. Im 2.Jhdt. v.Chr. gegründet von Attalus II. Philadelphus und nach ihm benannt. Ihr Gründer war berühmt für seine Loyalität gegenüber seinem Bruder. Es war zwar eine eher arme Stadt, sie hatte aber zurzeit des Johannes große Bedeutung. Aufgrund einer letzten Verfügung von Attalus III. Philometor, kam die Stadt nach seinem Tod im Jahr 133 n.Chr., samt der ganzen Region unter römische Herrschaft. Die Stadt war als Sitz hellenistischer Kultur von Bedeutung und war auf die Textil- und Lederproduktion spezialisiert. Sie war Sitz von verschiedenen Kulten (Artemis, Aphrodite, Helios, Zeus, Dionysos), aber auch eine jüdische Synagoge gab es dort. Immer wieder geschahen Erdbeben in dieser Gegend und eines davon zerstörte Philadelphia 17 n.Chr. sehr schwer. Diese Erdbeben vertrieben die Menschen immer wieder aus ihren Häusern. Am Rande einer sehr fruchtbaren Plateau-Hochebene, an der wichtigsten Handelsverbindung Kleinasiens gelegen, bildete sie eine "offene Tür" für all den wirtschaftlichen Wohlstand der gesamten Region. Es gab sehr viele Tempel und religiöse Feste in der Stadt (vgl. "Siegeskranz" und "Tempel" in Offb 3,11.12). Die Stadt wurde dreimal nach den Namen ihrer Wohltäter umbenannt: (1.) Philadelphus (= Attalus); (2.) Neocaesarea (= vom Kaiser-Gott); (3.) Flavia (= Vespasian). Daher die Anspielung in Off 3,8.12: "Nicht verleugnet meinen Namen", und, dass man Gottes Namen auf die Stirn bekommt: "...den Namen meines Gottes". In Philadelphia hielt sich das Christentum, von allen Städten Kleinasiens, am längsten (bis 1391 n.Chr.). Heute die große türkische Stadt Alasehir (33,926; 52,IV,733f; 54,z.St.; 65,III,315ff). 3 Die griech. Präposition εκ bedeutet entw. wie Joh 17,15b "bewahren vor der Stunde...", d.h. sie werden gar nicht in diese Versuchung kommen (2,z.St.); od.: "bewahren aus der Stunde...", wie in Offb 7,14 und 2Pet 2,9 (21,V,368), was aber nicht so gut zu dem Begriff bewahren passt; od. eventuell auch: "...bewahren von der Stunde der Versuchung an" (1,475,5a). Bewahrt wird, wer ausharrt bis zum Ende. Zur Bedeutung der Stunde der Versuchung, siehe die Anm.22 unten. 4 Anstelle einer älteren Siedlung namens Diospolis wurde Laodizäa von Antiochos II. zwischen 261 und 253 v. Chr. gegründet und nach seiner Frau Laodike benannt. In römischer Zeit war die Stadt Zentrum eines Gerichtsbezirks (conventus) der Provinz Asia und galt als wirtschaftliches Zentrum. Marcus Tullius Cicero war in seinem Jahr als Prokonsul in Kilikien 51/50 v. Chr. unter anderem für die Rechtsprechung der acht Gerichtsbezirke seiner Provinz zuständig. Laodizäa war eine phrygische Stadt, am Lycos, einem Nebenfluss des Mäanders gelegen und berühmt durch ihren Wohlstand, ihre Kleiderindustrie und die Pracht ihrer Bauten. Es war die reichste Stadt Phrygiens und überhaupt eine der reichsten Städte Kleinasiens. Die Schutzgottheit Laodizäas war Zeus, aber auch etliche andere Kulte (Apollos, Hera, Asklepios, Athene, Serapis, Dionysos, ua.) gab es in der Stadt. Dank ihrer guten Lage wurde Laodizäa schon um 150 v.Chr. eine sehr bedeutende Stadt, die Antiochia am Orontes nur wenig nachstand. Unter Augustus gehörte sie zur Provinz Syria, hatte aber eine Sonderstellung als freie Stadt, und war die Hauptstadt eines Städtebundes dem mindestens 25 Städte angehörten. Zwei wichtige Fernstraßen kreuzten sich in Laodizäa, dadurch war die Stadt eine sehr reiche und florierende Geschäftsstadt, mit Handelbeziehungen bis Ägypten und Vorderindien, sowie eine Finanzmetropole mit Banken und Geldwechslern. Im 1. Jhdt n.Chr. wurde Laodizäa zweimal, unter den Kaisern Tiberius und Nero, von Erdbeben schwer verwüstet, erholte sich aber aus eigenen Kräften wieder. Ihre Einwohner rühmten sich, nach dem katastrophalen Erdbeben 60.n.Chr., ohne kaiserliche Hilfe die Stadt wiederaufgebaut und ihren früheren Reichtum wiedererworben zu haben. Die Stadt lag nahe (8 km) den Thermen von Hierapolis (heute Pamukkale). So lebte die Stadt von Kurgästen und Pilgern, die das heilende Wasser als heilig ansahen, und wurde sehr reich. Durch die spezielle Zusammensetzung des Thermalwassers von Pamukkale wurde in Laodizäa eine spezielle Augensalbe für geschwollene Augenlider hergestellt, und die Stadt war berühmt für ihre Ohren- und Augenspezialisten. In römischer Zeit war Laodizäa ein wichtiges Baumwollanbaugebiet. Eine bestimmte rote Pflanzenwurzel konnte mit diesem Wasser verdünnt werden und dann schwarze Stoffe purpurn färben. So wurden immer mehr purpurne Stoffe im römischen Reich in Laodizäa hergestellt, zum Beispiel die purpurnen Segel der Kleopatra. Die aufwändige Färbung von Stoffen mit syrischen Purpurschnecken hatte eine Alternative bekommen, so dass Laodizäa bald zur Purpurstofffabrik des römischen Reiches wurde. Berühmt war die Stadt auch für die Herstellung von glatten, glänzendschwarzen Wollstoffen und Gewändern. Ein großer Nachteil der Stadt war, dass es keine ausreichende Wasserversorgung mit frischem Trinkwasser gab. Mittels eines Aquädukts wurde daher von den heißen Quellen in Hierapolis, die ca. 10 km entfernt waren, das Wasser in die Stadt geleitet. Dort angekommen war es allerdings bereits lauwarm, sodass es, ungekühlt getrunken, zum Erbrechen führte. Wäre es noch heiß oder schon kalt gewesen, hätte man es noch sinnvoll verwenden können. Die heißen Quellen in Hierapolis wurden als Heilwasser verwendet, und in der anderen Nachbarstadt Kolossä gab es frische, kalte Quellen, die gutes Trinkwasser lieferten. Aber bis das Wasser nach Laodizäa kam, war es bereits lauwarm und so wird dieser Umstand sinnbildlich auf die Gemeinde übertragen (Offb 3,15), denn wegen ihrer Lauheit wird sie getadelt. Die Juden hatten in der durch Gewerbefleiß und Handel wohlhabend gewordenen Stadt eine zahlreiche Kolonie. Es lebten dort ca. 7500 Juden, plus Frauen und Kindern, die sehr reich waren. Auch das Christentum fand hier früh Eingang, konnte sich aber von allen Städten Kleinasiens am wenigsten lang halten. Laodizäa galt als eine "Stadt des Kompromisses" (W. Ramsey). Das prägte auch den "Pragmatismus" in der dortigen Gemeinde. Im Jahr 66 n.Chr. wurde Laodizäa wiederum durch ein Erdbeben zerstört, diesmal aber durch Kaiser Mark Aurel wiederaufgebaut. Angeblich wurden in Laodizäa noch bis in die Zeit der Adoptivkaiser der Göttin Athena Menschenopfer dargebracht. Anfang des 4.Jhdt. n.Chr. war Laodizäa Metropolis der Provinz Phrygia Pakatiane. 363-364 n.Chr. fand dort das Konzil von Laodizäa statt. Nach einem Erdbeben im Jahr 494 n.Chr. verlor die Stadt ihre Bedeutung. In mittelbyzantinischer Zeit gehörte Laodizäa zum Thema Thrakesion. Nach der Eroberung Laodizäas im 12. Jahrhundert durch die Seldschuken wurden die Bewohner nach dem späteren Denizli umgesiedelt. Denizli wurde von den Osmanen als Denizli Lâdik bezeichnet. Bei Grabungen wurde eine frühchristliche Kirche freigelegt. Auf der Grundfläche von 2000 Quadratmetern wurden Reste von Mosaiken und Fresken gefunden sowie Münzen, die auf das frühe 4.Jhdt datiert werden. Ein im Boden eingelassenes Taufbecken mit Treppenstufen an zwei Seiten ermöglichte Massentaufen. In heutiger Zeit besteht die Stadt nicht mehr. Gerade die beiden Städte Sardes und Laodizäa, deren Gemeinden in den Sendschreiben am negativsten bewertet werden, gingen später völlig unter (33,681; 52,III,482f; 65,III,317ff; Laodikeia am Lykos - Wikipedia). 5 Vielleich ein Perfekt mit Präsens-Bedeutung: "...ich stehe schon länger/wartend an der Tür?" - Dieser Vers wird gerne in evangelistischen Gesprächen für die Aufforderung zur Bekehrung verwendet, - manchmal noch mit der Zusatzbemerkung, dass die Tür von innen, d.h. vom Unbekehrten selbst, geöffnet werden muss. Doch die Aufforderung des Herrn Buße zu tun, richtet sich an die Gemeinde, d.h. an Gläubige. Es gibt bessere Bibelstellen, die man für die Aufforderung zur Bekehrung verwenden sollte. 6 Der Plural Neut. meint entweder die restlichen Gemeindeglieder oder die noch übriggebliebenen Reste geistlichen Glaubensleben (2,1270; 44,747). 7 Die "Bewohner auf der Erde" sind in der Offenbarung immer die Gegner Christi und der Gemeinde (vgl. Offb 6,10; 8,13; 11,10; 13,8.12.14; 17,8). 8 In die heidnischen Tempel durfte man nur mit sauberen weißen Kleidern eintreten, damit die Gottheit nicht beschmutzt wird (65,III,315). Die "weißen Kleider" sind eine Anspielung auf die Herstellung von luxuriösen Kleidern in der Stadt (vgl. auch Sach 3,3ff) und nach Offb 19,8 ein Symbol für die gerechten Taten der Heiligen. Wir finden sie hier für die Überwinder der Gemeinde, und bei den 24 Ältesten in Offb 4,4, die ebenfalls die Gemeinde in ihrem himmlischen Priesterdienst symbolisieren. Weiters in Offb 6,11 bei der großen Volksmenge der Märtyrer, die aus der großen Drangsal kommen, in Offb 19,8 bei der verherrlichten Gemeinde die die Braut des Lammes ist und schließlich bei der verherrlichten Gemeinde, die Christus bei seiner Wiederkunft begleitet. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass auch die Märtyrer in Offb 6,11 Gläubige der Gemeinde sind. 9 Siehe Anm. bei Offb 2,7 10 In jeder griechischen Stadt gab es eine Bürgerliste, in die neue Bürger eingetragen wurden, aus der man aber bei schlechtem Verhalten oder bei einer Verbannung wieder ausgestrichen werden konnte (65,III,315). In einem jüdischen Gebet heißt es in Anlehnung an Ps 69,29: "...und mögen die Nazarener (d.h. die Christen) plötzlich umkommen und ausgewischt werden aus dem Buch des Lebens und nicht eingeschrieben werden mit den Gerechten" (21,V,365). Die Bibel scheint zu unterscheiden zwischen dem Buch des Lebens, in das jeder bei der Geburt eingetragen und beim Tod ausgelöscht wird, und dem Buch des Lebens des geschlachteten Lammes. In Ps 69,29 steht, dass die alttestamentlichen Gläubigen aufgrund ihres Glaubens auch in das Buch der Gerechten eingetragen werden. Nur in der Offenbarung wird vom Buch des Lebens des geschlachteten Lammes gesprochen (Off 13,8; 17,8; 20,12.15; 21,27), in welches jeder Wiedergeborene schon von Grundlegung der Welt an eingetragen ist, weil Gott ihn erwählt hat. Da Christus die Verurteilung der Gläubigen auf dem Kreuz auf sich genommen hat, werden sie niemals aus dem Buch des Lebens des geschlachteten Lammes ausgelöscht (Joh 5,24). Der Ausdruck "nicht ausgelöscht" ist eine bekräftigende Zusage, man darf nicht den Umkehrschluss in diesen Ausdruck hineinlesen, dass ein Wiedergeborener wieder aus dem Buch des Lebens ausgelöscht werden könnte. Dies ist nicht der Fall, denn Gottes Kraft bewahrt ihn (1Pet 1,5) und der Hohepriester Jesus Christus betet für ihn, dass sein Glaube nicht aufhört (Lk 22,31-32a). 11 Auch noch 20 Jahre später gab Ignatius ein ebenso positives Urteil über die Gemeinde in Philadelphia ab (21,V,365). 12 Eine Anspielung auf die strategische Lage der Stadt. Am Rande einer sehr fruchtbaren Plateau-Hochebene, an der wichtigsten Handelsverbindung Kleinasiens gelegen, bildete sie eine "offene Tür" für all den wirtschaftlichen Wohlstand der gesamten Region. Übertragen kann sich dies auf eine ungehinderte Möglichkeit zur Evangelisation beziehen (21,V,366). 13 Vgl. Ps 39,8; 2Thes 3,5; Offb 2,2-3.19; 13,10; 14,12. Entw. ein Gen.obj. (2,1271; 21,V,367), dann ist wohl das geduldige Ausharren in Leiden, im Hinblick auf Jesu Wiederkunft gemeint, bzw. das geduldige Warten auf den Herrn bei seiner Wiederkunft; od. Gen.poss.: "mein Wort, standhaft zu bleiben" (2,z.St.). 14 Damit wird ausgedrückt, dass er Mitschöpfer mit dem Vater ist, selbst aber nicht geschaffen ist. Er ist vor aller Schöpfung und er ist ihre Ursache; vgl. Kol 1,15-20 (21,V,370). Der Titel des römischen Kaisers lautete: princeps (= der Erste). 15 In Heb 12,6 spricht der Herr von lieben, hier nur von gernhaben. Zum Ziel von Gottes Züchtigung bei den Gläubigen siehe: Hiob 5,17; Ps 94,12; 1Kor 11,32 ua. 16 Zweimal wurde die Stadt im Schutz der Nacht von feindlichen Truppen an einem schlecht bewachten Teil der Stadtmauer erobert, daher: "wenn du nicht wachst". 17 Es gab immer wieder Erdbeben in dieser Gegend und eines davon zerstörte die Stadt 17 n.Chr. sehr schwer. Diese Erdbeben vertrieben die Menschen immer wieder aus ihren Häusern, daher die Anspielung: "nie mehr hinausgehen müssen". 18 Die Stadt wurde dreimal nach den Namen ihrer Wohltäter umbenannt: (1.) Philadelphus, (2.) Neo-Caesarea, (3.) Flavia (für Vespasian). Die Anspielung: "nicht verleugnet meinen Namen", und, dass man "den Namen meines Gottes" auf die Stirn bekommt, bezieht sich auf Jes 56,4-5 (65,III,317ff). 19 Ein großer Nachteil Laodizäas war, dass es keine ausreichende Wasserversorgung mit frischem Trinkwasser gab. Mittels eines Aquädukts wurde daher von den heißen Quellen, die ca. 10 km entfernt waren, das Wasser in die Stadt geleitet. Dort angekommen war es allerdings bereits lauwarm, sodass es, ungekühlt getrunken, zum Erbrechen führte. Dieser Umstand wird hier sinnbildlich auf die Gemeinde übertragen, die wegen ihrer Lauheit getadelt wird. Wäre das Wasser noch heiß oder schon kalt gewesen, hätte man es in beiden Fällen sinnvoll verwenden können. Die heißen Quellen in der Nachbarstadt Hierapolis z.B. wurden als Heilwasser verwendet und in der anderen Nachbarstadt Kolossä gab es kalte Quellen, die gutes Trinkwasser lieferten. 20 Zu Beginn jedes Sendschreibens stellt sich der Herr mit einem speziellen Merkmal aus seiner Erscheinung in Offb 1,12-20 vor, welches auf die Situation der Gemeinde passt. Hier ist er derjenige, "der die Schlüssel hat". Dies ist eine Anspielung auf die Möglichkeiten, welche die Gemeinde vom Herrn empfangen hat (Vers 8-9). 21 Ein unerfüllbarer Wunsch in der Gegenwart (13,123). 22 "Die Stunde der Versuchung" kann sich nicht auf die Möglichkeit eines jederzeit hereinbrechenden Erdbebens beziehen, bestenfalls ist es eine Anspielung auf diese ständige Gefahr in Philadelphia (vgl. auch Anm17). Der ganze Ausdruck ist so allgemein und universell gehalten - denn er betrifft die ganze Erde, vor allem die Un- und Scheingläubigen - dass er sich nur prophetisch auf die Versuchung der Endzeit (2Pet 2,9) beziehen kann (65,III,316), nämlich die Verführungen von Mt 24,9-13, oder vielleicht speziell auf die Versuchung zur Annahme des Malzeichens und die Anbetung des Tieres (Offb 13,16-18). Damit ist auch bewiesen, dass jedes Sendschreiben nicht nur eine Botschaft für die betreffende Gemeinde enthält, sondern auch eine Botschaft für die Gemeinde aller Zeiten. - Die Stunde der Versuchung auf die große Drangsal zu beziehen ist nicht sehr überzeugend, denn dann hätte der Herr wohl gesagt: "dich zu bewahren vor der großen Drangsal". 23 Das Adjektiv Ntr.Sg. wird hier adverbiell gebraucht (2,1311; 32,z.St.; 44,777). Die Übersetzung "bald" ist irreführend, immerhin sind schon fast 2000 Jahre seitdem vergangen. Die Grundbedeutung des Wortes ist: schnell, adverbiell gebraucht also: in schneller Art und Weise (vgl. 8,z.St.). Das Kommen des Herrn wird dann, wenn die Zeit erfüllt ist, überraschend schnell über die Bühne gehen. Für die Ungläubigen wird er dann unerwartet wie ein Dieb in der Nacht kommen, für die wachsamen Gläubigen aber wie der sehnsüchtig erwartete Bräutigam zur Entrückung seiner Braut (1Thes 5,1-10). Viermal finden wir diesen Ausspruch in der Offenbarung, immer in dieser gleichen Bedeutung (Offb 3,11; 22,7.12.20). 24 Der Imperfekt εμελλον ist der Imperfekt des Briefstils (21,V,364). 25 Nicht, was du empfangen hast, sondern wie sie am Anfang den Glauben mit Dankbarkeit über die Gnade annahmen, und den Anordnungen Gottes gehorchten. Offenbarung 4 1 Jes 6,3; Am 3,13 (LXX). Im Kaisertempel in Pergamon wurden auch von 36 Priestern ständig Hymnen zu Ehren des göttlichen Augustus gesungen (65,III,323). 2 Die 24 Ältesten sind die symbolischen himmlischen Vertreter des irdischen neutestamentlichen Priesterdienstes der Gemeinde, so wie es die 24 Häupter der alttestamentlichen Priesterschaft in 1Chr 24,1-19 waren (65,III,322). Genauso wie die Überwinder selbst, haben sie weiße Kleider (Offb 3,4-5), Siegeskränze (Offb 3,10b), sie sitzen auf Thronen mit dem Herrn (Offb 3,21) und sie sind Anbeter (Offb 4,10). Darin aber die bereits davor entrückte Gemeinde zu sehen, ist weit hergeholt, denn diese Ältesten sind schon jetzt die symbolischen himmlischen Vertreter der "Gemeinde der Erstgeborenen" und der "Geister der vollendeten Gerechten" im Himmel (Heb 12,23). Sie üben schon jetzt ihren himmlischen Priesterdienst aus. Vgl. auch die Anm. bei 1Thes 4,15. - Der Zeitpunkt der Entrückung wird in der Offenbarung nirgendwo explizit festgelegt, noch wird das Ereignis an einer bestimmten Stelle in der Offenbarung so klar beschrieben wie in 1Thes 4,13-18. Das ist bemerkenswert, denn gerade in diesem Buch sollte man dies erwarten. Daher kann man nur zu dem Schluss kommen, dass Gott den genauen Zeitpunkt der Entrückung nicht offenbaren wollte, damit die Gläubigen einerseits in ständiger sehnsüchtiger Erwartung bleiben, und doch gleichzeitig die Zeichen der Endzeit richtig beurteilen, und die Drangsale, durch die sie gehen müssen (Apg 14,22; 1Thes 3,3-4; 2Tim 3,12, ua.) richtig einordnen, und durch diese nicht erschreckt und verunsichert werden. 3 Die Zeitangabe "nach diesem...", bezieht sich auf die 2.Vision die er nun sah, nach der 1.Vision in Offb 1,12-20. Der Plural könnte andeuten, dass es sich bei den Sendschreiben nicht nur um einzelne Briefe handelt, sondern dass in ihnen zusätzlich eine zukünftige Entwicklung der Kirchengeschichte prophezeit wird. Da das ganze Buch eine prophetische "Offenbarung" ist (Offb 1,1), sind natürlich auch die sieben Sendschreiben, als integraler Teil des Buches, eine prophetische Offenbarung, d.h. eine Enthüllung zukünftiger Dinge. Dafür sprechen auch die Anspielungen auf das AT, die sich wie ein chronologischer roter Faden durch die Geschichte des alttestamentlichen Volkes Gottes vom Paradies bis zur "Ausspeiung aus dem Land" bei der babylonischen Wegführung ziehen. Die Parallelen zur Kirchengeschichte sind dabei keineswegs an den Haaren herbeigezogen, sondern stimmen mit der geschichtlichen Entwicklung der Christenheit überein: Ephesus - Stichwort: "...verlassen..." (das Paradies und den Baum des Lebens, Gen 1-3). → "die erste Liebe verlassen", die Gemeinde im 1.Jhdt n.Chr. verliert schön langsam ihre ursprüngliche Hingabe. Smyrna - Stichwort: "...zehn Tage Drangsal..." (d.h. eine festgesetzte, aber begrenzte Zeit der Drangsal). Israel hatte 400 Jahre Drangsal in Ägypten (Gen 15,13). → Die Gemeinde hatte 10 Verfolgungen im römischen Reich (1.-2.Jhdt.n.Chr.) Pergamos - Stichwort: Bileam + Balak, Vermischung mit Ungläubigen (Num 22-24). → Das Christentum wird zur Staatsreligion und heidnische Elemente dringen ein (3.-4.Jhdt.) Thyatira: - Stichwort: Isebel, sie schleuste den Götzendienst in Israel ein (1Kön 17) → Übernahme von heidnischen Götzendienstpraktiken durch die Kirche im Mittelalter (5.-15.Jhdt.) Sardes - Stichwort: "nicht ... auslöschen" (2Kön 14,25-27) → der Aufschwung unter der Reformation, - der aber letztlich doch nur zum toten Formalismus führt (16.-17.Jhdt.). Philadelphia - Stichwort: "der Schlüssel Davids" (Jes 22,15-23; 2Kön 19,2-4.30-31) → geistliche Erweckung aus dem toten Protestantismus heraus: Täufer, Baptisten, Kongregationalisten, Brüderbewegung, usw. (18.-19.Jhdt.) Laodizäa - Stichwort: "...ausspeien" Durch die babylonische Wegführung wurde Israel aus dem Land ausgespien (Lev 18,25.28) → der Abfall in den "Freikirchen" vor dem Kommen des Herrn (2Tim 3,1-9; 4,3.4; ab dem 20.Jhdt.). Siehe den Überblick in: https://drive.google.com/file/d/1hGObmW8qUMwt0yMo_od_aWGCyO2uqVDU/view?usp=sharing Weitere Gründe, die dafür sprechen die Sendschreiben auch prophetisch zu deuten: Jedes Sendschreiben gilt auch den anderen Gemeinden, denn jede Gemeinde bekam alle Sendschreiben, und nicht nur das, welches sie betraf. Wandelt der Herr Jesus nur inmitten dieser sieben damaligen Gemeinden, hält er nur sie in seiner Rechten? Natürlich nicht! Warum sind diese Gemeinden ein "Geheimnis", und warum gerade diese Gemeinden, und warum nur 7 Gemeinden? Sieben ist eine wichtige symbolische Zahl in der Offenbarung. Es gab auch noch andere Gemeinden in unmittelbarer Nähe, z.B. Kolossä, Hierapolis, Troas. Warum bekamen sie kein Sendschreiben? 4 Mit dem griechischen Ausdruck: "ανοιγω ... εν τω ουρανω" (geöffnet im Himmel) werden die zukünftigen Ereignisse in Kapitel 4 - 22 in vier teilsynchrone Abschnitte unterteilt. Im 1.Abschnitt (Offb 4,1 - 11,18) dominiert der Thron des Schöpfers. - Da die Menschen die Herrlichkeit des unverweslichen Schöpfer-Gottes in das Abbild eines verweslichen Menschen, nämlich in ihre Götzen, verwandelt haben (Röm 1,22ff), kommt der Zorn Gottes (Röm 1,18) nun über die Schöpfung, um die Menschen zu bestrafen. Es folgt daher ein allgemeiner Überblick über die Gerichte, die über die Schöpfung kommen, bis zur Erscheinung Jesu Christi und dem Beginn seines Königreichs (vgl. Offb 11,15f). Dieser 1.Abschnitt unterteilt sich in zuerst 6 Siegel (Offb 6,1-17), dann folgt ein zweiteiliger Einschub (Offb 7,1-17: a) 144.000 Versiegelte aus Israel; b) eine große Volksmenge aus jeder Nation, und schließlich das 7.Siegel. Aus dem siebten Siegel entfalten sich zuerst die 6 Posaunen (Offb 8,6 - 9,21), dann folgt wieder ein zweiteiliger Einschub (Offb 10,1 - 11,14: a) das geöffnete Büchlein; b) die zwei Zeugen, und schließlich die 7.Posaune. 5 Sie stehen symbolisch für die vier Teile der Schöpfung, und stellen so die richterliche Gewalt Gottes (vgl. Offb 15,7) in der Schöpfung dar (51,22). 6 Vielleicht aufgrund von semitischem Einfluss mit einem Imperfekt oder Präsens zu übersetzen. So auch in Offb 5,8-9; 11,16-17; 19,41 (13,95). 7 Entsprechend dem Waschbecken im Tempel (1Kön 7,23). 8 Beachte die persönliche Anrede! Auch Kaiser Domitian ließ sich als Herr und Gott anreden. 9 Siehe die Anm. zu Offb 21,11 Offenbarung 5 1 Das Lämmlein, welches aber im Unterschied zu αμνος (Strong Nr.: 286) nicht mehr ausschließlich an der Brust trinkt, sondern auch schon selbst weidet. Als Deminutiv von αρην (Strong Nr.: 704) ein verniedlichendes, liebevolles Bild für Schwachheit und Bedürftigkeit. Das Wort kommt 29-mal in der Offenbarung vor, aber nur einmal im übrigen NT (Joh 21,15). Bemerkenswert ist, dass der verherrlichte Herr hier in der Offenbarung gerade mit diesem Ausdruck beschrieben wird, - wo er doch gleichzeitig der "Löwe Davids" ist, also ein Bild für Macht und Stärke. 2 Nämlich zusammen mit Christus, der im tausendjährigen Reich König in Jerusalem sein wird (vgl. Mt 25,31; Jes 12,6; 24,23; Sach 2,14-15; 6,12; 14,9.16 ua.). Die Gläubigen werden mit ihm die Regierungsgewalt auf der Erde ausüben. Die 12 Apostel über die 12 Stämme Israels (Mt 19,28; Lk 22,29-30), der Rest der Gemeinde über die Nationen (Dan 7,22; Lk 19,17.19; 1Kor 6,2; Offb 2,26). 3 Damit bestätigt sich, dass die 24 Ältesten die symbolischen himmlischen Vertreter des irdischen neutestamentlichen Priesterdienstes der Gemeinde sind. Wenn die 24 Ältesten selbst die entrückte Gemeinde wären, wie sollten sie dann die "Gebete der Heiligen" Gott darbringen. Das ergibt keinen Sinn. Und wer sind dann diese "Heiligen", deren Gebete sie priesterlich vor Gott bringen, wenn nicht die Gemeinde die noch auf Erden ist? Vergleiche auch die Anm. zu Offb 4,4 4 Damit sind ohne Zweifel die Gläubigen der Gemeinde gemeint. Ihnen allen wurde das Evangelium nach dem Missions-Befehl des Herrn verkündet (M7 28,19). Zu bedenken ist, dass Gott verschiedene Möglichkeiten hat, Einzelnen unter diesen Völkern seine Erlösung zu offenbaren, auch ohne, dass sie das Evangelium persönlich von Missionaren hörten. In Röm 10,13-19 gibt Paulus zwar den normalen Weg an, wie Menschen zum Glauben kommen, er spricht aber dort im Kontext speziell vom Volk Israel, was eine spezielle Offenbarung an Einzelne nicht ausschließt. Die Bekehrung des Paulus selbst, war ja ein Beispiel dafür. Offenbarung 6 1 Hos 10,8; Jes 2,10 2 Ein Hohlmaß, es entspricht etwas über 1 Liter. In der Armee von Xerxes war dies die tägliche Ration an Getreide für einen Soldaten, und auch die Menge, die ein Arbeiter bei einer Mahlzeit oder an einem Tag verzehrt (1,1761; 33,1249). 3 Nämlich durch Vernichtung der Ernte oder durch Teuerung (2,z.St.). Das ergibt mit den damals üblichen Preisen eine acht- bis zwölffache Verteuerung für das Grundnahrungsmittel Brot und Gerste (59,329). Ein Denar war der Tageslohn eines Arbeiters. Ein ganzer Tageslohn muss also für das tägliche Brot ausgegeben werden, und eine kinderreiche Familie kann man davon ohnehin nicht ernähren. Die Luxusgüter Öl und Wein (vgl. Spr 21,17) hingegen verteuern sich nicht, der Wohlstand der Reichen wird noch verschont (vgl. dagegen Offb 6,15; 18,9ff). - In der Regierungszeit von Domitian gab es dann viele Hungersnöte und eine hohe Inflation. Besonders Kleinasien wurde davon schwer betroffen (65,III,328). Auch in den Jahren vor der Wiederkunft Christi wird dies so sein, und zwar in wehenartigen Wellen: Friede - Krieg - Inflation und Teuerung - Tod, Gewalt, Hungersnot und Seuchen (Verse 2-8). 4 D.h. hier noch ohne Auferstehungsleib, aber nicht im Hades, sondern schon im Himmel. Dann wäre aber die Entrückung hier noch nicht geschehen, denn sie haben noch keine Auferstehungsleiber. In Offb 7,9-17 sehen wir sie aber schon im Himmel zusammen mit Engeln vor dem Thron, wahrscheinlich schon mit Auferstehungsleibern. 5 Da das Perfekt verwendet wird, könnten dies alle Gläubigen sein, die seit Beginn der Gemeinde, um des Glaubens willen getötet wurden. - Der folgende Wortlaut: "...wegen des Wortes Gottes und wegen der Bezeugung", wird auch in Offb 1,2.9; 12,11; 19,10, und wahrscheinlich auch in Offb 20,4, eindeutig auf Gläubige der Gemeinde angewendet, woraus man schließen könnte, dass es sich auch hier um Gläubige der Gemeinde handelt. 6 Gemeint ist der sichtbare Himmel; vgl. Jes 34,4 7 Joel 2,11; Nah 1,6; Mal 3,2; Röm 2,5 8 Vor dem Öffnen des 7.Siegels, stehen wir chronologisch bereits kurz vor dem Tag des Herrn, der Wiederkunft Christi. Dasselbe sehen wir beim Blasen der 7.Posaune (Offb 11,15), und bei der Ausgießung der 7.Zornschale (Offb 16,17b). - Die 4 Reiter gehen auf Sach 1,8-11 und 6,1-8 zurück. 9 Falls die Entrückung der Gemeinde bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht stattgefunden hat, müssen die Gläubigen aufmerksam auf das Auftreten dieses Reiters achten. Es ist dann der Auftakt zum Ende. - Wenn der römische Feldherr siegreich von einer Schlacht zurückkehrte, ritt er auf einem weißen Pferd in Rom ein, begleitet von seinen Truppen. Auch die Parther ritten auf weißen Pferden und hatten gefürchtete Bogenschützen, und erst kurz davor hatten die Römer eine Schlacht gegen die Parther verloren (65,III,327). Der Reiter auf dem weißen Pferd kann aber nicht Christus sein, denn nach der Wiederkunft Christi folgen keine Plagen mehr, sondern er errichtet sein Königreich auf der Erde. Manche meinen, der Reiter sei "das Tier aus dem Meer", der zukünftige Diktator des wiedererstehenden römischen Reiches, der das Chaos in Europa mit starker Hand siegreich beendet. Da aber die Reiter auf dem schwarzen und dem fahlen Pferd sicher keine historischen Personen sind, dürfte auch hier das Pferd samt dem Reiter als Symbol aufzufassen sein. Das würde bedeuten, dass nach chaotischen Zuständen auf der Erde (oder speziell in Europa?), zuerst eine kurze Ära von verführerischem Frieden eingeleitet wird, vor allem vielleicht für Israel mit seinen feindlichen arabischen Nachbar-Staaten (Abraham-Abkommen), sowie eine Stärkung und politische Ausweitung Europas, geprägt durch starke politische Führer. Die Menschen werden aufatmen und sagen: Endlich "Friede und Sicherheit" (1Thes 5,3). Danach werden aber Nationalitätenkonflikte, Bürgerkriege, Kleinkriege und Weltkriege "den Frieden von der Erde wegnehmen" (Offb 6,4). Eine gewaltige Inflation und Hungersnöte werden die Folge sein, die in Seuchen und Massensterben enden. Das erinnert an Kaiser Augustus, der mit dem Antritt seiner Alleinherrschaft das Goldene Zeitalter des "pax romana augustae" einleitete, welches aber in den Jahrhunderten danach in Kriegen, Katastrophen und dem Untergang des römischen Reiches endete. - Bildlich ist ein Pferd der symbolische Vertreter der Ausübung göttlicher Macht, die ausgesandt wird, die Erde heimzusuchen. Dort führt sie die Pläne der göttlichen Voraussicht dadurch aus, dass sie sich eine widerstreitende oder entgegengesetzte Herrschaft unterwirft oder unterordnet. In Sach 1,8 sind Pferde symbolisch dienende Geister der Vorsehung Gottes gegenüber den Weltreichen (51,24f). Die vier Reiter (vgl. Sach 1,7-15; 6,1-8) sind bildhafte Hinweise auf die messianischen Wehen, die dem Kommen des Messias vorausgehen: Verführung, Krieg, Teuerung und Inflation, Hungersnot, Seuchen und Massensterben (vgl. 47,z.St.). 10 Vgl. 1Thes 5,3. Dies scheint auf Bürgerkriege hinzuweisen, die nach einer Zeit des Friedens auftreten. Zu den folgenden Gerichten vgl. Hes 14,21 11 Es wurde vor allem von Priestern und hochgestellten Personen getragen: der Talar, die Robe. In der LXX in Ex 28,2 12 Die Ereignisse der ersten 6 Siegel finden sich in gleicher Reihenfolge in der Endzeit-Rede Jesu: (1.Siegel) Offb 6,2 → Eroberung durch Verführung: Mt 24,4ff.; (2. Siegel) Offb 6,3-4 → Kriege: Mt 24,6-7; (3. Siegel) Offb 6,5-6 → Inflation, Teuerung und Hunger: Mt 24,7b; (4. Siegel) Offb 6,7-8 → Ein globales Massensterben durch Gewalt, Hungersnot, Seuchen und wilde Tiere, wodurch 1/4 der Menschheit ausgerottet wird: Mt 24,7b; (5. Siegel) Offb 6,9-11 → Christenverfolgung: Mt 24,9-13; (6. Siegel) Offb 6,12-17 → Erdbeben, kosmische Katastrophen, der Tag des Herrn: Mt 24,29-31. Zu den offensichtlichen Parallelen zwischen den Gerichten in der Offenbarung und denen in der Endzeit-Rede Jesu, siehe die folgende Grafik: https://drive.google.com/file/d/1pIq6ewhl6yrwEaoYJ1d7hEkU3g7VjSyN/view?usp=sharing 13 Die Ansicht, dass gläubige Christen solche Worte nicht aussprechen würden, und diese Gruppe deswegen keine Gläubigen der Gemeinde sein können, wird durch die Worte des Paulus in 2Thes 1,6 widerlegt. Vergleiche auch noch das Gebet und den Dank für Rache und Gerechtigkeit in Offb 11,16-18; 16,5-6; 18,20; 19,2-3 14 Das 6.Siegel gibt einen Ausblick auf die Ereignisse kurz vor der Wiederkunft Christi, welche "den Tag des Herrn" und "den Tag des Zorns" abschließen wird. Vor diesem Tag bleibt die Gemeinde verschont (1Thes 5,1-5.9; 1Thes 1,10b; 2Thes 1,7-9). Aus dem 6.Siegel entfalten sich die 7 Posaunen und die 7 Zornschalen, in denen detailliert gezeigt wird, wie sich der Zorn Gottes auf die Erde und die Menschen auswirkt. - Dieses große Erdbeben, welches am Tag des Herrn, kurz vor der Wiederkunft Christi stattfindet und die ganze Erde betreffen wird (vgl. auch Hes 38,19-20; und als Folge davon die Ereignisse in Sach 14,4-5), ist nicht das Gleiche wie in Offb 8,5, oder das in 11,13.19, wo nur die Stadt Jerusalem betroffen sein wird. Da sich unter dem Jordantal der große ostafrikanische tektonische Grabenbruch durchzieht, der von Afrika bis zum Taurusgebirge in der Türkei verläuft, ist es gut möglich, dass die Spaltung des Ölbergs aufgrund dieses Erdbebens hier geschieht. Vgl.: Jordangraben - Wikipedia 15 Dabei handelt es sich entweder um kosmische Ereignisse oder um Bilder einer schrecklichen Verwüstung (65,III,330). Sterne am Himmel sind in der symbolischen Sprache der Prophetie ein Symbol für untergeordnete Autoritäten die Wegweisung geben sollen (vgl. Gen 37,9-10; Offb 9,1; 12,1.4; ua). Hier und an anderen Stellen im NT (z.B. Mt 24,29; Offb 8,10-12; ua.) dürften aber buchstäbliche kosmische Ereignisse gemeint sein. 16 Dies klingt eher nach einer geographischen Angabe, und nicht einer Anzahl von Toten. Vergleiche den "dritten Teil" in Offb 8,7-11, wo es sich auch um eine geographische Angabe handelt, im Gegensatz zu Offb 9,18, wo es sich wirklich um den "dritten Teil" der Menschheit handelt. Offenbarung 7 1 Jes 49,10 2 Jes 25,8; 49,10. Es sind sicherlich nicht Freudentränen gemeint, sondern eher die Reste der Tränen, die sie in der Bedrängnis geweint haben, vielleicht auch Tränen über den Verlust beim Richterstuhl Christi. 3 D.h. mit einem Erkennungszeichen versehen (2,z.St.). Das Siegel ist schon ein alttestamentliches und allgemeines Symbol für Unantastbarkeit und Eigentum (vgl. Hes 9,4ff). Daher soll es hier nicht ausdrücken, dass diese Personen mit dem Heiligen Geist versiegelt sind, sondern, dass das Siegel sie vor den Auswirkungen der Zornschalen schützt, damit sie ihnen nicht schaden können (vgl. Offb 9,4; Hes 9,6b). Bei diesen Versiegelten handelt es sich um den schon im AT angekündigten jüdischen Überrest der Endzeit. Sie werden in den schlimmen Bedrängnissen der Endzeit lebend bewahrt, damit sie den wiederkommenden Herrn dann lebend als ihren Messias erkennen können und Buße tun (Sach 12,9-11; Offb 1,7; vgl. Mt 24,30 "...alle Stämme des Landes" d.h. Israels). Erst dann wird der Geist der Gnade auf sie ausgegossen (vgl. Hes 37,5-6) und zu ihrer Bekehrung führen (60,550ff). 4 Der Stamm Dan wurde weggelassen und stattdessen Manasse aufgelistet, vielleicht aus dem Grund, weil der Stamm Dan den Götzendienst in Israel einführte und größtenteils ausgelöscht wurde (Rich 18,1-31). Aufgrund von Gen 49,16-17; Jer 8,16-17 und Amos 8,14 war Irenäus der Meinung, dass der Anti-Christ aus dem Stamm Dan kommen soll (22,VI,350; 1,1732; 60,549; 64,698). 5 Nur hier mit Artikel, - wohl, weil es auf die schon von den Propheten und von Jesus angekündigte große Bedrängnis hinweisen soll (Jer 30,7; Dan 12,1ff; Mt 24,21 [dort aber ohne Artikel]). Ein bestimmter Zeitraum (z.B. 3 1/2 Jahre) innerhalb der Bedrängnisse der letzten Zeit, lässt sich aber nicht festmachen, auch nicht der exakte Beginn dieser Bedrängnis. Zu beachten ist auch, dass das Wort στενοχωρια (= Drangsal, Strong Nr.: 4730) ein stärkerer Ausdruck wäre, der aber hier nicht gebraucht wird. Der Ausdruck "große Bedrängnis" findet sich auch in Offb 2,22 in ganz allgemeiner Bedeutung. Eine große Drangsal kam schon ganz am Anfang der Gemeinde über die Gläubigen (Apg 7,11; 14,22; 2Thes 1,4; 2Tim 3,12 ua.), und hat seitdem durch all die Jahrhunderte hie und da nie aufgehört. - Da nicht gesagt wird, dass diese Heiligen Märtyrer sind, könnte damit die ganze entrückte Gemeinde gemeint sein, die eben in dieser Zeit der letzten Bedrängnis entrückt wurde, aber eben noch vor dem Zorn Gottes, der in Offb 6,17, vor dem Einschub von Offb 7,1-17, schon als bevorstehend angekündigt wurde. 6 Durativer Impf.: "...bis zum Ende zählen konnte", weil es so viele sind? 7 Hier ist das Siegel von Gott (wie Offb 9,4b; 20,4; Hes 9,4), in Offb 13,16; 14,9 und 17,5 ist das Malzeichen (ein anderes griechisches Wort) des Tieres aber eine Nachäffung Satans. 8 Sicherlich eine symbolische Zahl: 12 ist die Zahl für Erwählung, sie steht für die 12 Stämme Israels multipliziert mit 1000, die symbolische Zahl für eine große Menge (33,846). Wahrscheinlich sind sie, da sie aus allen Stämmen Israels kommen, das "ganze Israel" (Hes 37,11) das Paulus in Röm 11,26 meint. Vgl. auch die Anm. dort. 9 Es gibt 2 Erklärungen, wer diese Personen sind: (1.) Es handelt sich bei diesen Personen um Gläubige der Gemeinde. Sie kommen, wie die Gläubigen der Gemeinde (Offb 5,9b-10), aus allen Nationen, Völkern, Stämmen und Sprachen. Ebenso wie die Gläubigen der Gemeinde wurden sie mit langen weißen Priestergewändern der Überwinder bekleidet (vgl. Offb 3,4-5; 6,9.11), sie haben ihre Kleider gewaschen im Blut des Lammes (vgl. Offb 1,5) und bekommen in der Ewigkeit die gleiche Zuwendung und den gleichen Dienst wie diese (vgl. Offb 21,3-4; 22,3). Sie stehen, wie die 24 Ältesten, vor dem Thron Gottes im Himmel. Die Beschreibung in Offb 7,16-17 passt nur auf Umstände im Himmel. In der Offenbarung ist der Thron Gottes immer im Himmel (Offb 3,21b; 4,2-5.11; 5,1.6-7.11.13; 6,16; 8,3), und das ist sicher auch hier in Offb 7,7,9-17 der Fall. Das spricht sehr dafür, dass es sich um Gläubige der Gemeinde handelt. Die weißen Gewänder beweisen zwar noch nicht, dass sie auch schon ihre Auferstehungsleiber haben, denn in Offb 6,9-11 bekommen die Heiligen auch weiße Gewänder, obwohl sie noch als "Seelen" bezeichnet werden und demnach noch keinen Auferstehungsleib haben. Die große Volksmenge hier in Vers 9-12 wird allerdings nicht mehr als "Seelen" bezeichnet. Es könnte sich also hier sehr wohl um die schon davor entrückte Gemeinde im Himmel in ihren Herrlichkeitsleibern handeln. Zum Zeitpunkt der Entrückung wird nach Röm 11,25 die Vollzahl der Nationen gerettet sein. Wie könnte dann danach noch eine unzählbare Schar aus allen Nationen gerettet werden, wie manche annehmen? Denn nachdem die Vollzahl der Nationen gerettet ist, wendet sich Gott wieder seinem Volk Israel zu, nicht aber Menschen, die schon vorher das Evangelium hörten, aber nicht geglaubt haben. Die Ansicht, dass es sich hier um Menschen handelt, die vor der Entrückung das Evangelium zwar hörten, aber nicht annahmen, aber dann nach der Entrückung noch eine zweite Chance bekommen, ist aufgrund von 2Thes 2,10 unbiblisch. (2.) Manche meinen trotzdem, dass der Überrest Israels, die Versiegelten aus Offb 7,1-8, nach der Entrückung der Gemeinde, dieser großen Volksmenge das Evangelium verkünden, und diese Volksmange so gläubig geworden ist. Doch dies kann nicht sein. Denn der Überrest Israels wird sich nach Sach 12,9-11 erst dann zum Messias bekehren, wenn sie Jesus in den Wolken des Himmels bei seiner Wiederkunft sehen. Einen bekehrten Überrest Israel, der den Heiden das Evangelium schon davor verkünden könnte, gibt es also gar nicht. Außerdem wäre es eine unangenehme Wahrheit, wenn dieser Überrest die Aufgabe ausführt, die die Gemeinde vor der Entrückung hätte tun sollen (Mt 28,19; Mk 16,15; Apg 1,6-8 ua.), aber nicht getan hätte! Und wie sollte dieser kleine Überrest Israels in so kurzer Zeit eine unzählbare Schar zum Herrn führen, noch dazu aus allen Nationen, also auch aus solchen Nationen, die schon davor jahrhundertelang das Evangelium kannten? Wären es Gläubige nach der Entrückung, wären sie alle um ihres Glaubens willen in der letzten Drangsalszeit getötet worden (Offb 7,14a), oder sie wären alle plötzlich innerhalb so kurzer Zeit gestorben. Alles sehr unwahrscheinlich. Die ganze Lehrmeinung, dass die Entrückung schon zwischen Offenbarung Kapitel 3 und Kapitel 4 geschieht, basiert auf Zirkelschlüssen, die bei genauerem Hinsehen in sich zusammenbrechen. - Wenn diese Schlussfolgerungen richtig sind, wäre der Zeitpunkt der Entrückung nach dem Öffnen der ersten 5 Siegel, aber noch vor der Ausgießung von Gottes Zorn ab Offb 8,1ff. oder ab Offb 16,1-21. Das würde übereinstimmen mit 1Thes 1,10b und 1Thes 5,9. Vgl. auch noch die Anmerkungen zu 1Thes 1,10; 4,15; 5,9; Offb 4,4; 7,3 10 Zwischen dem 6. und dem 7.Siegel erfolgt hier in den Versen 1-17 ein zweiteiliger Einschub: a) 144.000 - ein versiegelter Überrest aus Israel auf der Erde; b) eine große Volksmenge aus allen Nationen vor dem Thron im Himmel. 11 Zu den Priestergewändern vgl. Offb 6,11. Palmwedeln wurden beim Laubhüttenfest verwendet, das ein Vorbild auf das tausendjährige Reich ist (Sach 14,16). 12 Beteten sie Gott an, wegen der großen Volksmenge, die Gott errettet hat? 13 Der Tempel ist in der Offenbarung immer (außer in Offb 11,1) der Tempel im Himmel (Offb 3,12; 7,15; 11,19; 14,15.17; 15,5-8; 16,1.17; 21,22), aber niemals die Gemeinde. 14 Das Wort steht im Ptz.Perf.Medium,(so: 32,z.St.) oder Passiv (so: 2,z.St.). Wahrscheinlich ist es entweder als indirekt-reflexives Medium (vgl. 2,1382 [A216]) zu verstehen: d.h. sie haben sich in ihrem eigenen Interesse bekleidet, oder als toleratives Passiv (vgl. 2,1383 [A219]): sie ließen sich von Gott bekleiden. Beides passt zum gleichen Bild in: (1.) Offb 3,4-5 (Medium). Dort sind es die Gläubigen, die während ihres Lebens in der Heiligung vorangeschritten sind, indem sie sich durch Sündenbekenntnis Vergebung und Reinigung von Gott schenken ließen (1Joh 1,9), und (2.) Offb 6,11; 19,8.14. Dort sind es die vollendeten Gläubigen, die dann endgültig mit weißen Gewändern bekleidet werden. Man könnte bildlich sagen, die tägliche Heiligung ist der tägliche "Waschgang", die Vollendung dann der letzte "Waschgang". Offenbarung 8 1 Die in den sieben Posaunenvisionen beschriebenen Vorgänge sind die Antwort auf die Gebete der Heiligen (Offb 6,10; 8,3), d.h. ihre Bitten um das Gericht über die Verfolger (vgl. Offb 6,10). Mit den 7 Posaunen beginnt der Zorn Gottes, der über die Erde ausgegossen wird. Die Schilderung der Gerichtsvorgänge haben Ähnlichkeit mit den ägyptischen Plagen (Ex 7,1 - 11,1ff; Hes 7,1 - 10,1ff). Die Heimsuchungen haben kosmische Ausmaße, aber sie bewegen die ungläubige Menschheit nicht zur Umkehr; vgl. Offb 9,20-21 (47,z.St.). Zwischen den 7 Posaunen und den 7 Zornschalen gibt es deutliche Parallelen. 1.Posaune und 1.Zornschale = Gericht über die Erde. - 2.Posaune und 2.Zornschale = Gericht über das Meer. - 3.Posaune und 3.Zornschale = Gericht über die Ströme und Wasserquellen. - 4.Posaune und 4.Zornschale = Gericht über die Sonne. - 5.Posaune und 5.Zornschale = Verfinsterung. - 6.Posaune und 6.Zornschale = Eingriff auf den großen Strom Euphrat. - 7.Posaune und 7.Zornschale = laute Stimmen im Himmel. Siehe: https://drive.google.com/file/d/1eBQJOl_VNflR8wJcyKQE6D1kqY8F-QRn/view?usp=sharing 2 Vielleicht handelt es sich bei dem "Berg" und dem "Stern" um einen Meteoriten oder einen Asteroiden, der die Erdatmosphäre durchdringt und brennend ins Meer stürzt. Dabei werden ⅓ der gesamten Meeresfläche so verunreinigt, dass alle Tiere und sogar die Schiffe darin vernichtet werden. Ebenso dürfte es sich in den weiteren Versen um Naturkatastrophen handeln, die jeweils ⅓ aller Flüsse, Wasserquellen, sowie von Sonne, Mond und Sternen treffen, sodass die dann beschriebenen Folgen für die Menschen eintreten. Es ist nicht einfach, in der Offenbarung zwischen einer symbolischen Sprache und der Schilderung von kosmischen Katastrophen zu unterscheiden. Aber immer, wenn Johannes die vergleichende Partikel ως (= wie) verwendet, dürfte er versuchen mit ihm vertrauten Bildern das zu beschreiben, was er an kosmischen Katastrophen oder an Kriegsmaschinerie, in der Zukunft sieht; z.B. in Offb 8,8.10; 9,2.7-9.17; 10,1 ua. Andere Ausleger erklären solche Stellen lieber allesamt allegorisch (z.B. Rossier H.: Die symbolische Sprache der Offenbarung). 3 Der bittere Wermut galt als giftig. Jer 9,14; 23,15; Klgl 3,19 (59,330). 4 Vgl. Ps 65,6. Auch bei Gericht war eine kurze Zeit des Schweigens vorgeschrieben, bevor der Ankläger mit seiner Rede begann (65,III,336). - Mit dem Öffnen des 7.Siegels - aus dem sich dann die 7 Posaunen entfalten mit denen der Zorn Gottes beginnt. In Offb 15,1ff kommt er dann mit den 7 Zornschalen zu seinem Höhepunkt. 5 Die drei Wehen sind wahrscheinlich: (1.) Die Ereignisse der 5.Posaune; Offb 9,1-12 (2.) Die Ereignisse der 6.Posaune; Offb 9,13 - 11,14 (3.) Die Ereignisse der 7.Posaune und der Fall Babylons; Offb 18,16.19 Offenbarung 9 1 Da nur der jüdische Überrest versiegelt wurde (Offb 7,1-8), und von den folgenden Strafgerichten verschont wird (vgl. dazu: Jer 30,7; Dan 12,1; Mt 24,21-22), werden dann wohl keine Gläubigen der Gemeinde mehr auf der Erde sein, sonst wären auch sie von diesen Zorngerichten betroffen, was 1Thes 1,10b ua. widerspricht. Daher ist anzunehmen, dass die Gemeinde schon vorher entrückt wurde. 2 Die Heimsuchungen der ersten vier Posaunen treffen nicht unmittelbar die Menschen, sondern Bereiche der Natur. In der fünften (Offb 9,1-12) und sechsten Posaune (Offb 9,13-21) sind dämonische Mächte am Werk, die die ungläubigen Menschen quälen und ⅓ von ihnen töten. Der "Abgrund" ist nicht der Aufenthaltsort der Toten (der Scheol bzw. Hades), sondern das ebenfalls unter der Erde gedachte Gefängnis, in dem die gefallenen Engel auf ihre endgültige Bestrafung warten. Aus diesem Abgrund lässt ein Engel ("ein Stern") ein dämonisches Heuschreckenheer (vgl. Ex 10,12-20; Joel 1,6-7.15; 2,1-11) heraufsteigen (vgl. 47,z.St.). 3 Die vier Strafengel (vielleicht Engelfürsten von Weltmächten, wie in Dan 10,13) stehen am Euphrat bereit, um ein gewaltiges Heer von 200 Millionen Soldaten loszulassen (vgl. besonders Hes 38,14-16). Die bevölkerungsreichen Staaten Asiens (China, Indien, Pakistan, Indonesien, Korea, usw.) könnten in der Zukunft durchaus eine solche Heeresmacht auf die Beine stellen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass diese Staaten bereits jetzt wirtschaftlich immer mehr zusammenrücken. - Der Euphrat ist für jüdisches Denken die Ostgrenze des verheißenen Landes (Jos 1,4 ua.). Im römischen Reich war er die gesicherte Ostgrenze zum Parthischen Weltreich (65,III,341). Die Parther waren die gefürchtetsten Feinde Roms und machten in den Jahren 58-62 n.Chr. einen blutigen und verheerenden Einfall in den Osten des römischen Reichs, der noch gut in Erinnerung war (21,V,408), ein Vorgeschmack von dem, was in Israel in der Zukunft am Ende der Tage durch den "König des Nordens" passieren wird (Dan 11,40 - 12,3; Hes 38,1ff). 4 Manche Ausleger meinen, in den Versen 2-17 wäre endzeitliche Kriegsmaschinerie beschrieben, die Johannes natürlich noch nicht kannte, und die er daher mit Lebewesen die er kennt (Heuschrecken, Skorpionen, Pferde, Schlangen, usw.), also mit Symbolen aus den alttestamentlichen Propheten (z.B. Joel 1,6; 2,4-5.10 ua.) zu beschreiben versucht. Dafür spricht, dass er oft die Vergleichspartikel "wie" gebraucht. - Am sichersten wäre es, überall dort, wo es sich um eindeutige Symbole der prophetischen Sprache handelt (z.B. Hörner, Köpfe, usw.) den Text symbolisch auszulegen. Aber überall dort wo die Vergleichspartikel "wie" gebraucht wird davon auszugehen, dass Johannes versucht Dinge die er sieht, aber nicht kennt - weil es sie zu seiner Zeit noch nicht gab - mit Dingen zu vergleichen die er kennt (z.B. Heuschrecken, Skorpione, Schlangen, usw.). 5 Der "Stern" ist ein gefallener Engel (vgl. Jes 14,12; Lk 10,18), - da er vom Himmel auf die Erde fällt, geschehen die folgenden Ereignisse die Johannes sieht (d.h. Offb 9,2-21) auf der Erde. 6 Die Heuschrecken sind symbolisch für Kriegsheere zu verstehen (Jer 46,23), denn buchstäbliche Heuschrecken würden das Gras fressen und nicht Menschen. Die weitere Beschreibung lässt jedoch an moderne Kriegsmaschinerie denken. 7 Fünf Monate ist der normale Lebenszyklus von Heuschrecken, der von Mai bis September dauert (50,276). 8 Der römische Kaiser verstand sich als eine Inkarnation des Gottes Apollo, und dessen Wahrzeichen war die Heuschrecke (65,III,340). Offenbarung 10 1 Das sind die Propheten des AT: Dan 9,6.10; Am 3,7; Sach 1,6 ("...seinen Knechten, den Propheten"). 2 Hesekiels Bild von der Buchrolle (Hes 2,8 - 3,3) wird erneut aufgenommen und weitergeführt. Die Buchrolle schmeckt zuerst süß (wie in Hes 3,3), dann aber verursacht sie bitteres Aufstoßen. Die Botschaft ist "süß", weil sie Gottes Wort ist (Ps 19,11; 119,103), zugleich aber bitter, weil sie das Gericht ankündigt (vgl. 47,z.St). 3 Zwischen der 6. und der 7.Posaune erfolgt hier wieder ein zweiteiliger Einschub (Kap. 10,1 - 11,14), der die Nationen betrifft: a) das geöffnete Büchlein = Errettung für seine "Sklaven" aus den Nationen. b) die zwei Zeugen = Gericht über die Nationen. 4 Da es ein anderer starker Engel ist, kann es nicht der verherrlichte Christus sein, denn Christus ist kein Engel. 5 Da der Engel vom Himmel auf die Erde steigt, geschehen die folgenden Ereignisse die Johannes sieht (d.h. Offb 10,1 - 11,14) auf der Erde. Offenbarung 11 1 Eine Umschreibung für 3 1/2 Jahre, das sind 42 Mondmonate, bzw. 1260 Tage, wobei nach Dan 4,13.22.29 in der prophetischen Sprache eine "Zeit" einem Jahr von 360 Tagen entspricht (65,III,346). Da die beiden Zeugen nach ihrem 1260 Tage langen Zeugendienst, von dem Tier das aus dem Abgrund heraufsteigt, getötet werden, muss es sich um die erste Hälfte von Daniels 70.Jahrwoche handeln (so schon der Kirchenvater Hippolyt; vgl. 71,179). In dieser Zeit geschehen auch die ersten 6 Posaunengerichte. Wahrscheinlich haben die beiden Zeugen gegen den Bund von Dan 9,27 Zeugnis abgelegt und nach ihrem Tod wurde dieser Bund nach 3 1/2 Jahren vorzeitig gebrochen (Jes 28,18). An ihr Zeugnis schließt sich dann die zweite Hälfte von Daniels 70.Jahrwoche an, die ebenfalls 3 1/2 Jahre dauernde Schreckensherrschaft des Tieres aus dem Abgrund, d.h. des Diktators des wiedererstehenden römischen Reiches. Die 70.Jahrwoche Daniels (Dan 7,25) würde demnach nicht mit Offb 4,1ff, sondern erst mit dem Auftreten der beiden Zeugen für Israel beginnen. - Die 70 Jahrwochen Daniels ergeben sich aus dem Umstand, dass das Volk Israel den Sabbat nicht einhielt, und deshalb vom babylonischen König Nebukadnezzar in die 70-jährige Gefangenschaft nach Babylon weggeführt wurde. Dabei wurde auch der Tempel in Jerusalem zerstört (Lev 26,18.33-35; 2Chr 36,18-21; Jer 25,11), und die Stadt Jerusalem sollte 70 Jahre lang in Trümmern liegen (Dan 9,2b). Mit dem Fall Babylons endeten die 70 Jahre der Gefangenschaft (Jer 25,12). Danach sollten bis zur Ankunft des Messias-Königs wiederum 7 x 70 = 490 Jahre vergehen (Dan 9,2.23-27). Der Beginn dieser 70 Jahrwochen war der Befehl des persischen Königs Artaxerxes an Nehemia, Jerusalem wieder aufzubauen (Neh 2,1ff), - das war im April des Jahres 444 v.Chr. Bis zum Einzug Jesu in Jerusalem im März/April des Jahres 30 n.Chr., vergingen also 7 + 62 = 69 Jahrwochen (Dan 9,25), das sind zusammen 483 Jahre (genaue Berechnungen bei: Sir Robert Anderson: The Coming Prince, 1881; und in: 83,80-89). Siehe dazu: https://drive.google.com/file/d/1BHuGe85PlPS6kxnZ-GM3m9WKpMPDBWyb/view?usp=sharing 2 Dies ist bei einer Live-Übertragung durch die modernen Medien leicht vorstellbar. 3 Vgl. die Nachäffung durch Satan in Kap 13,13 4 Damit sind vielleicht Mose und Elija gemeint (vgl. Mal 3,22-23; Mt 17,2-3). Auch Elija verschloss den Himmel für 3 1/2 Jahre, damit es nicht regne (1Kön 17,1; Lk 4,25; Jak 5,17), und Mose verwandelte das Wasser des Nil in Blut (Ex 4,9). Vielleicht sind aber auch Henoch und Elija gemeint, die beide nicht sterben mussten. Diese beiden Zeugen verkünden in der Endzeit (nur für Israel?) das Gericht. In diesem Fall ist unter "der großen Stadt" Jerusalem zu verstehen. 5 Vgl. die Anm. zu Offb 4,1. Hier beginnt mit dem Ausdruck "ανοιγω ... εν τω ουρανω" der 2.Abschnitt (Offb 11,19 - 15,4): Es dominiert die Bundeslade, daher geht es in diesem Abschnitt um Israel. Der Abschnitt unterteilt sich in 3 Zeichen im Himmel: a) die Frau (= Israel); b) der Drache (= der Teufel); c) die 7 Engel mit den Zornschalen. Aus der 7.Posaune heraus entfaltet sich ein allgemeiner Überblick über Gottes Handeln mit Israel, von der Geburt des Messias (Offb 12,1-2), über die Drangsal Israels (Offb 12,6ff; vgl. Jer 30,7; Dan 12,1ff; Mt 24,21), bis hin zum Überwinden des jüdischen Überrestes (Offb 14,1ff; 15,2ff). In Offenbarung Kapitel 12 ist zwischen Vers 5 und 6 die nun schon über 2000-jährige Gnadenzeit übersprungen. Sie wird nicht erwähnt, weil dieser Abschnitt mit Israel zu tun hat. In Offb 14,14ff sehen wir am Ende des Abschnitts wieder die Erscheinung Jesu Christi, und sein Königreich über die Nationen (Offb 15,3b-4). 6 Es gab eine alte jüdische Tradition, dass die Bundeslade, das Zelt der Zusammenkunft und der Räucheraltar am Berg Nebo versteckt wurden, und dass diese in den letzten Tagen wieder ans Licht kommen würden (21,V,421). Im Gegensatz dazu wird die Bundeslade hier im himmlischen Heiligtum gesehen, genauso wie der Räucheralter (in Offb 8,3) und das Zelt des Zeugnisses (in Offb 15,5). Auf der Erde werden diese Gegenstände nicht mehr benötigt (vgl. Jer 3,16). 7 Manche sehen hier die Entrückung der Gemeinde, was aber mehr hineingelesen als herausgelesen ist, und sehr weit hergeholt erscheint. Vgl. die Anm. bei 1Thes 4,15 8 Mit dem Tempel könnte der damalige 2.Tempel in Jerusalem gemeint sein, der kurz darauf zerstört wurde. Er soll ausgemessen werden, da er in Zukunft (in den Tagen der beiden Zeugen?) wiedererbaut wird (vgl. auch 2Thes 2,4). Das Baumaterial für diesen 3.Tempel soll angeblich von "den Freunden des Tempelberges" bereits komplett vorbereitet sein. Man wartet nur mehr darauf, dass Kriegsereignisse oder ein Erdbeben die beiden Moscheen am Tempelberg zerstören, damit man dann den 3.Tempel errichten kann. Siehe: https://www.n-tv.de/panorama/Heikle-Vision-article375870.html und: Dritter Tempel von Jerusalem - frwiki.wiki Aber es gibt auch andere Ideen, wie dies geschehen könnte. Auch der Kirchenvater Hippolyt glaubte schon, dass der Anti-Christ den 3.Tempel aufbauen wird (71,180). 9 Eine Anspielung auf den Zeugendienst des Propheten Sacharja (Sach 4,2-14), der Serubbabel und den Hohepriester Joschua ermutigte, den 2.Tempel fertigzustellen. Serubbabel und Joschua waren die Vorerfüllung, die beiden Zeugen der Endzeit sind dann die Enderfüllung dieser Prophezeiung. Vgl. auch Mal 3,23. Elija könnte einer dieser zwei Zeugen sein. 10 Es ist nicht das große Erdbeben von Offb 6,12 welches kurz vor der Wiederkunft Christi stattfindet und die ganze Erde betrifft, denn dieses Erdbeben hier betrifft nur die Stadt Jerusalem. 11 Bei der Inthronisation der jüdischen Könige wurden immer Posaunen geblasen (1Kön 1,34). Mit dem Blasen der 7.Posaune, stehen wir hier chronologisch bereits kurz vor der Wiederkunft Christi. Dasselbe sehen wir vor dem 7.Siegel (Offb 6,17), und bei der Ausgießung der 7.Zornschale (Offb 16,17b). 12 Nach einer jüdischen Überlieferung dauerte diese Trockenzeit 31/2 Jahre (65,III,347). 13 Dieses Tier, der zukünftige Diktator des wiedererstehenden römischen Reiches, könnte schon davor aus dem Abgrund hervorgestiegen sein, hat sich aber bisher noch nicht in seiner Brutalität zu erkennen gegeben. Offenbarung 12 1 Hörner sind in der symbolischen Sprache der Prophetie Herrscher, die aus einem bereits bestehenden Reich heraus, an die Macht kommen. Als Beispiele dienen die Meder- und Perserkönige (Dan 8,3.20), Alexander der Große (Dan 8,21), Antiochius Epiphanes (Dan 8,9), und die 10 Könige in Dan 7,24 und Offb 17,12. - Der Drache, ein Symbol für Satan (Offb 12,9), versteckt sich hier hinter dem römischen Reich (Dan 2,40; 7,7). Zuerst sieht Johannes hier die gekrönten Köpfe (wahrscheinlich die 7 römischen Erbkaiser von Augustus bis Titus. Vgl. die Anmerkungen bei Offb 17,9-10), dann erst die 10 Hörner (vielleicht 10 zukünftige "Superminister" als ein zukünftiges regierendes Gremium in der EU; vgl. Offb 17,12). Da die Diademe in dieser Vision auf den Köpfen sind (d.h. den 7 Kaisern), handelt es sich hier um das historische römische Reich, das den Messias verschlingen wollte, wie es nach Mt 2,16; Joh 18,31 und Joh 19,15-16 ja dann auch geschehen ist. Im Gegensatz dazu sind in Offb 13,1 die Diademe auf den 10 Hörnern, weil dort das zukünftige wiedererstehende römische Reich gemeint ist. Das römische Reich wird in der Offenbarung 17,8b als ein Raubtier gesehen, das "war (= historisches römisches Reich) und nicht ist (= spätes Mittelalter) und wieder da sein wird (= Neuzeit, EU?)". - Zu diesem 4.Tier aus Daniel siehe auch die Überblicke in: https://drive.google.com/file/d/1bkfQP0d_yABB29uUx7VzBtkAwToJBddk/view?usp=sharing und in: https://drive.google.com/file/d/1zekSWE3B4D5r91SEdcb4lCZiOlyK-_v_/view?usp=sharing 2 Ein Stirnband, ein weiß-verziertes blaues Band im Turban, ursprünglich das Abzeichen der Königswürde bei den Persern. Dann überhaupt, ein Symbol der Königswürde. Auch die römischen Kaiser trugen solche Diademe. Der wiederkommende Herr in Offb 19,12, trägt viele Diademe auf seinem Kopf, weil er der "König der Könige" ist und dann alle irdischen Königreiche unter seiner Herrschaft sein werden (vgl. Dan 2,44; 7,13-14). 3 Vgl. die Anm. bei Offb 11,2. Hier wohl die zweite Hälfte der 70.Jahrwoche Daniels. Auch manche frühen Kirchenväter lehrten eine 31/2 Jahre dauernde Drangsalszeit unmittelbar vor der Wiederkunft Christi (65,III,353). 4 Mit der Einöde in Vers 6 könnte symbolisch das im Laufe der Jahrhunderte zur Wüste gewordene Land Israel (= die "Erde") gemeint sein, wohin viele Juden nach dem Holocaust flohen und eine schützende Heimstätte fanden. Andere meinen, mit der Einöde wäre die gebirgige Wüste Moabs, östlich des Jordan, im heutigen Jordanien gemeint, wohin (wie in Jes 16,1-5 beschrieben), der jüdische Überrest in der Drangsal über die Berge Samarias (Mt 24,16) flieht und Schutz findet (50,328f). Dieser Überrest wird nach Sach 13,8-9 ein Drittel der jüdischen Bevölkerung in Israel ausmachen. Der Überrest würde dann dort, in der letzten Jahrwoche Daniels, vor den Nachstellungen Satans bewahrt. - Wenn das ab Offb 12,6 Gesagte eine Prophezeiung auf die Zukunft ist, dann haben wir zwischen Vers 5 und 6 einen nun schon über 2000-jährigen Zeitsprung. Zum prophetischen Zeitsprung vgl. die Anm. zum Jesaja-Zitat in Lk 4,19-20. Diesen Zeitsprung findet man öfters in der Prophetie, z.B. auch in Jes 9,5-6; 11,4; 61,2; Dan 11,35-36; Joel 3,2-3; Mich 5,2-3; Sach 6,12-13; 9,9-10; 13,7-8; Mal 3,1-2, und wahrscheinlich zwischen Offb 13,3a und 3b. 5 Ein ingressiver Aorist. 6 Vielleicht sind das die bereits gestorbenen Heiligen des AT und des NT, oder nur die schon entrückte Gemeinde (vgl. auch Offb 13,6). Sie freuen sich, dass der Widersacher der sie so oft vor dem Thron Gottes verklagte, nun keinen Zutritt in den Himmel mehr hat. 7 Dieser Abschnitt wird dominiert von 3 Zeichen (Offb 12,1.3; 15,1) und 7 Autoritäten: (1.) eine Frau (2.) ein Drache (3.) ein männlicher Sohn (4.) Michael und seine Engel (5.) das Tier aus dem Meer (6.) das Tier aus der Erde (7.) die sieben Engel mit den 7 Zornschalen. Zwischen der 6. und der 7.Autorität ist in Offb 14,1-20 wieder ein zweiteiliger Einschub der Israel betrifft: a) Das Lamm und die 144.000 Versiegelten aus Israel auf dem Berg Zion; b) der kommende Menschensohn als Richter über das abgefallene Volk Israel. 8 Die Frau ist nach Micha 4,9-10 und 5,1-2a ein Symbol (= ein Zeichen) für Israel, das mit dem Messias "schwanger" ist. Die zwölf Sterne symbolisieren die 12 Stämme Israels. Siehe dazu die Grafik: https://drive.google.com/file/d/1kclbc0us6axZQtdThBjAk4OJJ0aShs3B/view?usp=sharing. Zum Gesamtbild vergleiche noch Gen 37,9. Die protestantische Ansicht die Frau wäre ein Bild für die Kirche ist zu verwerfen, denn nicht die Kirche brachte den Messias hervor, sondern der Messias die Kirche. Die katholische Ansicht die Frau wäre ein Bild für Maria, passt nicht zu dem, was ab Vers 6 weiterhin von der Frau gesagt wird. Selbst in der katholischen "Einheitsübersetzung" wird die Frau als eine symbolische Gestalt gedeutet (47,z.St.). Ab Vers 6 symbolisiert die Frau den "Überrest Israels" (Jes 10,20-23; Röm 9,27-28 ua.), d.h. die 144.000 Versiegelten aus Offb 7,1ff und Offb 14,1ff. 9 Die folgende Vision wird Johannes in Offb 17,7-11 erklärt. 10 Wie in Dan 8,10, sind die Sterne hier ein Symbol für untergeordnete Autoritäten, die Wegweisung geben sollten (vgl. Gen 37,9). In Dan 8,10 sind die Führer unter den Makkabäern ("Sterne des Himmels") gemeint, die vom Seleukidenkönig Antiochius IV. Epiphanes, 167 v.Chr. entmachtet wurden. Hier sind es entweder die Fürsten Israels, die bei der Eroberung Palästinas von den Römern abgesetzt bzw. ersetzt wurden, oder die lokalen Fürsten in den Ländern, die von den Römern sukzessive erobert wurden. 11 Es handelt sich hier um das historische römische Reich, das den Messias verschlingen wollte, - Herodes der Große war ja nur eine Marionette Roms (Mt 2,16), - und wie es dann nach Joh 18,31 und Joh 19,15-16 bei Jesu Hinrichtung durch die Römer auch geschehen ist, aber durch die Himmelfahrt Jesu nicht zum gewünschten Ende gekommen ist. 12 Der Aor1.Pass. bedeutet zwar normalerweise: "stand...", kann aber auch im Sinne eines Mediums verstanden werden: "stellte sich..." (1,774). - Einige Hs. haben hier "ich stand...". Diese Lesart ist wahrscheinlich entstanden, um den Satz an die 1.Person im folgenden Satz, "ich sah...", anzugleichen, es lässt sich aber nicht mehr sicher entscheiden, was im Originaltext stand (27,746). 13 Damit könnte die Christenverfolgung der letzten Tage gemeint, die vom Satan ausgeht, denn die (Juden)Christen sind die Nachkommen Israels (Röm 11,11ff). In Offb 11,19 - 15,4 begann ein neuer Abschnitt, der geschichtlich in die Vergangenheit zurückgeht (Geburt Jesu - Himmelfahrt Jesu - Judenverfolgung), aber auch immer wieder einen kurzen Ausblick in die Zukunft gibt (Staatsgründung Israels - Wiederauferstehung des römischen Reiches (EU?) - Christenverfolgungen - Herrschaft des römischen Diktators, usw). 14 Die Regierung des Königs Jesus Christus im tausendjährigen Reich wird sehr streng, aber auch unbedingt gerecht sein (Jes 32,1). Auch die Gläubigen, die mit ihm mitregieren werden, werden mit strenger Hand diese Aufgabe ausführen (Offb 2,27-28). Dies ist angebracht, weil in dieser Zeit Satan die Menschen nicht mehr verführen kann (Offb 20,3; Jes 11,9; 65,25b). Darum ist jede Sünde, die dennoch verübt wird, eine offene Rebellion gegen den König und seine Gesetze. Sie ist daher umso schwerwiegender und wird sofort auf übernatürliche Weise mit dem Tod bestraft (Jes 66,24; Ps 101,8). 15 Es gibt eine interessante Erklärung, dass diese Vision, zusätzlich zu ihrer symbolischen Bedeutung, auch auf eine astronomische Planeten-Konstellation im Jahr 3 v.Chr. hinweist, wo nach der Geburt Jesu, Sonne, Mond und 12 Sterne in genau dieser Anordnung um das Sternbild der Jungfrau gruppiert waren. Diese Konstellation soll mit dem jüdischen Neujahrstag, dem Fest des Hornblasens (Rosch ha-Schana) zusammengefallen sein, welches traditionell nach 1Kön 1,34 den Beginn der Herrschaft eines neuen Königs ankündigte (58,202f). 16 Köpfe sind in der symbolischen Sprache der Prophetie souveräne Herrscher eines Reiches. In Dan 2,38c ist es Nebukadnezar, in Dan 7,6 die vier Herrscher der vier Diadochenreiche, und hier wahrscheinlich die sieben römischen Erbkaiser von Augustus bis Titus. 17 Auch die frühe jüdische Tradition setzt den Hinauswurf Satans durch Michael an den Beginn des großen Endkampfes, vor der Aufrichtung des Reiches Gottes auf der Erde (siehe: 2Makk 5,1-4; Josephus, De bello Judaico, VI.5; Sibyllische Orakel 3,796-808; und 50,331). Offenbarung 13 1 Dieses Wort wurde zwar auch für den offiziellen kaiserlichen Stempel auf Dokumenten und für das Prägebild des Kaisers auf Münzen gebraucht (65,III,361), doch Offb 13,1ff spricht von der Zukunft. Aus heutiger Sicht könnte dieses Zeichen eine Art Chip sein. Es gibt bereits erste Tests in denen kleinste Microchips Personen unter die Haut implantiert werden, auf denen sämtliche Personendaten sowie der aktuelle Kontostand gespeichert sind, damit sie z.B. bargeldlos bezahlen können, und die auch gescannt werden können. Die Stirn oder die rechte Hand gelten dabei als die geeignetsten Körperstellen. Solche Chips könnten nicht nur mit einem Sender, sondern auch mit einem Empfänger ausgestattet werden, sodass die Person für Notfälle jederzeit und überall ortbar ist: https://de.euronews.com/2018/06/01/3000-schweden-haben-mikrochips-unter-der-haut und https://www.servustv.com/aktuelles/v/aa90hemkua61kdpgcnn2/ und https://orf.at/#/stories/3320534/. Vgl. auch die Anm.16 unten, und die Anmerkungen bei Offb 14,9.11; 16,2; 19,20 und 20,4. Die Gläubigen, die dann leben, werden zweifelsfrei erkennen, was dieses Malzeichen ist, und jeder der im Buch des Lebens steht, wird es nicht annehmen (Offb 13,8). - Der Satan äfft hier mit dem Malzeichen des Tieres das Siegel Gottes in Offb 7,2ff. nach. 2 Manche Handschriften haben den Singular: "...einen Lästerungsnamen". Die römischen Kaiser von Augustus an, hatten solche gotteslästerliche Bezeichnungen wie: "Der Göttliche", "göttlicher Sohn", "Erretter", "Vergöttlichter", "Erhabener", "unser Herr und Gott", "Heiland der Welt", usw. (58,255ff). Das spricht auch dafür, dass die Köpfe die römischen Kaiser symbolisieren. 3 Vielleicht symbolisch für das aufgewühlte Völkermeer (vgl. Jes 17,12; Dan 7,2) Europas vor der Gründung der EWG. Aber das Tier wird letztlich aus dem Abgrund vom Satan hervorgebracht (Offb 11,7; 17,8). - Die folgende Vision wird Johannes in Offb 17,7-8.12-14.17 erklärt. 4 Vielleich soll das Ptz.Präs. eine langsame Entwicklung beschreiben. Das Raubtier aus dem Meer ist hier, im Gegensatz zu Offb 12,3ff, das wiedererstehende römische Reich, das aus dem Abgrund heraufsteigt (Offb 17,8) und die besonderen Stärken der ihm vorausgegangenen Weltreiche in sich vereinigt. Das Aussehen des Tieres erscheint auf den ersten Blick schön und stattlich, aber in Wirklichkeit ist es schrecklich und furchtbar (vgl. Dan 7,7). Siehe: https://drive.google.com/file/d/1Y0vY608VVN37SqEp2dOC2w_3x1V3maPP/view?usp=sharing. - Die Beschreibung des Tieres geht rückblickend Schritt für Schritt in die Vergangenheit zurück. Zuerst die 10 Hörner, welche die zukünftigen 10 Könige symbolisieren, dann die sieben Köpfe, welche die im römischen Reich aufeinanderfolgenden Erbkaiser von Augustus bis Titus mit ihren Lästernamen symbolisieren, dann der Panther, der die schnelle Ausbreitung des griechischen Weltreiches unter Alexander dem Großen symbolisiert, danach der Bär, für das Medo-Persische Weltreich, das fressgierig wie ein Bär ein Reich nach dem anderen eroberte, und schließlich der Löwe, der großmäulige Größenwahnsinn des babylonischen Weltreiches. - Die 10 Hörner sind wahrscheinlich zukünftige Führer ("Superminister" in der EU?) im wiedererstehenden römischen Reich. Sie sind zwar keine richtigen Könige, aber sie haben Autorität wie Könige, d.h. sie sind nicht demokratisch legitimiert und regieren lebenslang. Vgl. Dan 7,6; Hos 13,7; Jes 11,6; und die Anm. bei Offb 17,12 5 Der Panther, Pardel oder Leopard, als Bild der Schnelligkeit, symbolisch für das griechische Weltreich Alexander des Großen (Dan 7,6), das sich innerhalb einiger Jahre ungemein rasch von Griechenland bis zum Hindus ausbreitete. So wird sich auch das wiedererstehende römische Reich schnell ausbreiten. Im Vergleich zum Römischen Reich, das 800 Jahre benötigte, um von seiner Gründung bis zu seiner größten Ausbreitung zu wachsen, hat sich die EU in ca. 50 Jahren mehr ausgebreitet als das Römische Reich. 6 Hier sieht Johannes zuerst die 10 Hörner, und zwar gekrönt, und erst danach die Köpfe, weil hier das zukünftige wiedererstehende römische Reich beschrieben wird. In Offb 12,3 war es umgekehrt, dort waren die 7 Köpfe gekrönt, weil dort das historische römische Reich beschrieben wird. Hörner sind in der symbolischen Sprache der Bibel immer Herrscher und nie Königreiche (vgl. Dan 7,24; 8,21b ua), und auch nicht aufeinanderfolgende Regierungsformen des römischen Reiches (so: 51,44). Königreiche werden durch Tiere symbolisiert, Hörner sind die jeweiligen Herrscher dieser Königreiche (Dan 8,3-9). - Ein Diadem ist keine Krone, sondern ein schmales Band aus Seide, Leinen oder Metall, das oft mit Perlen oder Edelsteinen besetzt war. Es symbolisiert königliche Würde und Macht (54,z.St.). Die Diademe sind hier bereits auf den 10 Hörnern. Es handelt sich demnach hier um das zukünftige wiedererstandene römische Reich (nach manchen die EU), in seiner vorletzten Phase. Die letzte Phase wird in Dan 7,8-11 und Offb 19,20 beschrieben. 7 Dass mit dem Ausdruck das Ende des Erbkaisertums durch Domitians gewaltsamen Tod gemeint ist, muss man ausschließen, denn Domitian war der achte Kopf und nicht einer von den sieben, wie es das Bild verlangt. Der erste Teil des Verses dürfte ein historischer Rückblick (daher das Perfekt εσφαγμενην und der Aorist εθεραπευθη) auf das römische Kaiserreich sein, dass mit dem erzwungenen Selbstmord Neros - er schnitt sich mit einem Schwert die Kehle durch - in schwere Turbulenzen schlitterte (vgl. die Anm.22 zu Offb 13,12). Der Ausdruck "wie geschlachtet" (vgl. Offb 5,6), drückt die nun noch sichtbare Narbe dieser Todeswunde aus (66,453). Mit dem Ausdruck "wurde gesund gemacht", ist dann entweder die Beruhigung gemeint, die unter Kaiser Vespasian eintrat, oder das Wiedererstehen des römischen Reiches in der Zukunft. Dafür würden auch die restlichen Verse sprechen. Vgl. dazu Offb 13,12 und 17,8 8 Bis dahin gab Gott den weltlichen Machthabern ihre Autorität, hier beim wiedererstehenden römischen Reich aber tut es der Satan. - In Offb 13,1-2 blickt die Vision historisch betrachtet zurück: die 10 Hörner = 10 führende Personen (Superminister in der EU?) im wiedererstehenden römischen Reich der Neuzeit → die 7 Köpfe = die 7 römischen Erbkaiser von Augustus bis Titus → der Panther = Griechenland → der Bär = Medo-Persien → der Löwe = Babylon (vgl. Dan 7,2-6). 9 Sie staunen über das Raubtier und nicht über den Kopf. Wie in Offb 17,8b, wo auch das unerwartete Wiedererstehen des alten römischen Reichs die Menschen in Erstaunen versetzt. 10 Übergang vom Sg.Fem. (das Tier = das Reich) zum Sg.Mask. Das Raubtier (d.h. das Reich) wird nun in einer männlichen Person verkörpert, dem diktatorischen Führer des wiedererstehenden römischen Reiches (vgl. Nazi-Deutschland und sein Führer Hitler). Zu denken wäre an eine Huldigung nach dem Vorbild von Dan 3,1ff. über den Weg der modernen Medien. - Diese Person hatte aber schon davor Macht in dem wiedererstandenen Römisch Reich, denn er machte schon davor einen 7-jährigen Sicherheits-Friedensbund mit Israel (Dan 9,27; siehe: 97,305), während er noch mit den 10 Königen gemeinsam regierte (Offb 17,12-13). Doch dann werden 3 der 10 Könige abgesetzt (Dan 7,8.20) und er übernimmt mit diktatorischer Vollmacht die Kontrolle über das Reich, um dann grausam zu regieren und den Überrest Israels zu verfolgen (Offb 13,5.7a; Dan 7,25; Dan 12,6-7 [vgl. 97,406]; und wahrscheinlich Offb 12,6.14). Die Gemeinde (= "die, welche im Himmel wohnen", Offb 13,6b) wurde offenbar schon davor entrückt. - Die meisten Diktatoren in der Geschichte stiegen langsam zur Macht auf, viele auch demokratisch. 11 Erde steht hier wahrscheinlich symbolisch für das Land Israel, - im Gegensatz zum Völkermeer der Nationen. Mit diesem zweiten Tier ist ein zukünftiger politischer Messias-König in Israel gemeint (Dan 11,36ff), der sogenannte Anti-Christ, der falsche Prophet (Joh 5,43; 1Joh 2,18.22; 4,3; 2Joh 1,7; Offb 19,20). Schon die beiden Kirchenväter Irenäus und Hippolyt glaubten, dass der Anti-Christ ein Jude aus dem Stamm Dan sein wird (71,176ff). Die beiden Tiere stehen zueinander wie seiner Zeit Hitler und sein Propagandaminister Goebbels. 12 Die tödliche Wunde bedrohte die Existenz des ganzen Raubtieres, und nicht nur einen seiner Köpfe. 13 Das Raubtier zwingt sie nicht dazu, es bringt sie dazu, d.h. sie werden es freiwillig an sich geschehen lassen, vielleicht weil es bequem und irgendwann unvermeidlich ist, um am Wirtschaftsleben teilzunehmen. Man kann dieses Malzeichen nicht mit dem Siegel von Offb 7,3 vergleichen. Es handelt sich dort um ein anderes griechisches Wort, und das Siegel ist dort ein Symbol für eine Eigentumsbezeichnung. Das Malzeichen hier muss etwas Konkretes sein, denn es wird entweder an der Stirn, oder an der rechten Hand sein, und berechtigt zur Teilhabe am Handelsgeschehen. Außerdem ist es untrennbar mit dem Namen des zukünftigen Diktators verbunden. Die Annahme des Malzeichens steht immer mit der Anbetung des Raubtieres in Verbindung (Offb 14,9.11; 16,2; 19,20; 20,4), und die wahren Gläubigen, die im Buch des Lebens stehen, werden das Tier nicht anbeten und daher auch das Malzeichen nicht annehmen, wie Offb 13,8 eindeutig aussagt. An der Annahme dieses Malzeichens wird sich Spreu und Weizen scheiden (vgl. 2Tim 3,1.5). 14 Vgl. die Anm. bei Offb 11,2. Hier sicherlich die zweite Hälfte der 70.Jahrwoche Daniels. 15 Da in den alten Sprachen Hebräisch, Griechisch und Lateinisch, die Buchstaben auch als Zahlzeichen verwendet wurden, hatte jedes Wort auch einen Zahlenwert. Welches Wort sich hinter dieser Zahl verbirgt, wurde viel diskutiert (vgl. 21,V,433ff), bleibt aber im Dunkel. Manche meinen, Johannes wollte damit den Lesern des 1.Jhdt. in verhüllender Weise mitteilen (daher: "Wer Verständnis hat..."), wer dieser Tyrann sei, nämlich, dass es sich um den in hebräischen Buchstaben geschrieben Namen für Kaiser Nero, handelt, eine Schreibweise wie sie im jüdischen Talmud und in rabbinischen Schriften üblich war (86,9). Andere sehen darin die offiziellen Abkürzungen der Kaisertitulatur von Domitian als Zahlzeichen behandelt und addiert (55,349), um die Gläubigen damals in verhüllter Weise davor zu warnen, diesem zukünftigen Kaiser ja kein Weihrauchopfer als ΚΥΡΙΟΣ darzubringen, wie es die Lehre der Nikolaiten erlaubte (Offb 2,6.10.13-15; 3,8.10). Doch alle diese Erklärungen übersehen, dass es sich hier um den zukünftigen Diktator des wiedererstehenden römischen Reiches handelt, denn die ganze Vision in Offb 13,1ff blickt in die Zukunft des wiedererstehenden römischen Reiches. Diejenigen Gläubigen, die dann in dieser letzten Zeit leben, werden die Weisheit erhalten, um das Geheimnis "der Zahl des Tieres" zu verstehen. Nero und Domitian waren höchstens Prototypen des zukünftigen Diktators. - Zum Prinzip des prophetischen Prototyps vgl. die Anm. bei Mt 11,14 16 Das griechische Wort für "Bild" bezeichnet eher ein dreidimensionales Bild, damals z.B. eine Götzenskulptur. Aus Sicht des heutigen Stands der Technik, könnte es sich daher um eine holographische 3D-Projektion (vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Holografie und: https://magic-holo.com/was-ist-ein-3d-hologramm/) des römischen Diktators (= das erste Tier) handeln, die mittels Teleportation in jeden Haushalt kommt (Neue Arbeitswelt: Microsoft Mesh digitalisiert uns zu Hologrammen (msn.com). news.ORF.at. Mit Hilfe eines eingepflanzten Chips der auch einen Empfänger hat, könnte dann sogar jeder mit einem Stromimpuls sofort getötet werden, der bei einem holographischen Auftritt des Diktators, nicht mit einem Selfie seine Anbetung beweist. Mit den Mitteln der KI (Künstliche Intelligenz) lässt sich ein solcher Chip problemlos programmieren und steuern. - Der Konjunktiv könnte andeuten, dass die Tötung zwar geplant ist, aber nicht unbedingt immer - aus welchen Gründen auch immer - zur Ausführung kommt, z.B. bei den Gläubigen, die ja das Malzeichen (einen Chip?) nicht angenommen haben. Wenn die Gläubigen zu diesem Zeitpunkt noch nicht entrückt sind, und alle Gläubigen getötet würden, die das Bild des Tieres nicht anbeten, würde kein Gläubiger mehr für die Entrückung übrigbleiben. 17 Symbolisch für das Medo-persische Weltreich (Dan 7,5), das fressgierig wie ein Bär ein Reich nach dem anderen eroberte. So wird sich auch das wiedererstehende römische Reich (die EU?) ein Land nach dem anderen einverleiben. 18 Symbolisch für das babylonische Reich und den Stolz des Löwen, wie er im Hochmut Nebukadnezars zum Ausdruck kam (Dan 4,26-27; 7,4). So großmäulig und hochmütig werden auch die Politiker des wiedererstehenden römischen Reichs auftreten (vgl. Kap 13,5), sie kündigen viel an, erreichen aber nur wenig. 19 So zu übersetzen, wenn es ein ingressiver Aorist ist. Falls es aber ein konstatierender Aorist ist: "...lebte". 20 Falls das Bargeld bis dahin abgeschafft ist, es nur mehr eine weltweite Einheitswährung gibt und aller Zahlungsverkehr auf digital umgestellt ist, lässt es sich leicht bewerkstelligen, dass jemand ohne das Malzeichen nicht am digitalen Handelsgeschehen teilnehmen kann. Dieser Zusatz macht auch deutlich, dass es sich bei diesem Malzeichen nicht nur um eine "innere Haltung" handeln kann, wie das nach Mt 23,5 in Ex 13,9 der Fall ist. Doch auch dann wird es wahrscheinlich noch abgelegene Gegenden geben, wo mit Naturalien gehandelt wird. 21 Mit den Heiligen sind wahrscheinlich die Masse des jüdischen Volkes in Palästina gemeint (vgl. Dan 7,21.25; 12,6-7). Sie sind zwar Gottes Volk, werden aber den "Anti-Christen", das Tier aus der Erde (Dan 11,36ff.; Joh 5,43; Offb 13,11ff.), als ihren politischen und religiösen Messias-König anerkennen, zuletzt aber in ihren Erwartungen von ihm getäuscht werden (Dan 9,27b). Denn nachdem der römische Diktator den 7-jährigen Bund mit Israel nach 31/2 Jahren gebrochen hat (Dan 9,27), wird er sie verfolgen (vor allem den jüdischen Überrest) und unterdrücken. "Besiegen" bedeutet hier allerdings nicht, dass sie alle getötet werden, sondern, dass sie durch den römischen Diktator (Offb 13,8 "...ihn...") unterdrückt werden. Vergleiche im Gegensatz dazu die Aussage in Offb 11,7: "...besiegen und töten". Am Ende werden alle Nationen (oder eine Armee der UNO?) dazu verführt werden, zum Krieg nach Jerusalem zu ziehen und der Großteil des Volkes Israel wird in diesem Krieg umkommen (Hes 38,1 - 39,5; Joel 4,9-16; Sach 12,2ff.; 14,1ff.; Offb 16,12-16; ua.). 22 Sg.Neut., also ist das Raubtier (Neuter) gemeint und nicht sein Kopf (Feminin). Der tödliche Schlag auf einen seiner Köpfe beeinträchtigte das ganze Raubtier, d.h. das ganze Reich. Das spricht sehr dafür, dass mit dem Kopf Nero gemeint war. Sein erzwungener Selbstmord und die darauffolgenden blutigen Nachfolgkämpfe unter Galba, Vitellius, Otho und Vespasian ("Vierkaiserjahr"), stürzten das ganze römische Reich in heftige Turbulenzen, an denen es zu zerbrechen drohte. Erst durch die moderate Regierung von Kaiser Vespasian kam das Reich wieder zur Ruhe (Tacitus, Historie, I,11; Suetenius, Vespasian, I; Josephus, Bella Judaicum IV,11,5 und: VII,4,2; sowie 21,V,430). So erstaunlich wie die Erholung des römischen Reiches in Vespasians Tagen, nach all diesen Turbulenzen war, so erstaunlich wird es für die Menschheit sein, wenn das untergegangene römische Reich wieder aufersteht (Offb 17,8b). Die restlichen Verse beziehen sich offenbar auf die Zukunft. - Da aber schon ab Offb 13,1ff. von dem zukünftigen römischen Reich die Rede ist, könnte die geheilte Todeswunde zusätzlich ein Vorbild für einen schweren Rückschlag und eine darauffolgende Erholung im zukünftigen römischen Reich (der EU?) sein. 23 Vgl. 1Kön 18,38-39. Wie immer, äfft der Satan die Wunder Gottes nach. Zum Thema Zeichen und Wunder vgl. die Anmerkungen bei Mk 16,17-20 24 Es handelt sich offenbar um eine satanische Nachäffung von Ex 13,9; Dtn 6,8; 11,18, und von Offb 7,2-3, hier allerdings um ein konkretes Malzeichen, wie der Ausdruck "auf ihre rechte Hand oder auf ihre Stirn", deutlich macht, was ausschließt, dass es sich bloß um eine abstrakte geistliche Haltung handelt. 25 Es wird wohl nur eine wirtschaftliche Macht sein, denn am Ende gibt es noch andere politische Machtblöcke auf der Welt, z.B. den König des Südens und den König des Nordens (Dan 11,40; Hes 38,1ff.), und die Könige aus dem Osten, ein Zusammenschluss von bevölkerungsreichen asiatischen Völkern (Offb 16,12). Dass Europa einmal zu einer so einflussreichen Weltmacht aufsteigt, scheint momentan noch eine Illusion, denn jetzt sind die USA und China die beiden Wirtschaftsmächte. Doch die Geschichte zeigt, dass sich Machtverhältnisse innerhalb von Jahrzehnten, ja sogar innerhalb von Jahren verändern können (z.B. der Aufstieg und Fall des Nationalsozialismus und des sowjetischen Kommunismus. 26 Mit dem Schwert getötet werden, kann entw. bedeuten im Kampf zu sterben (vgl. Joh 18,10), oder es ist ein allg. Begriff für die Todesstrafe, die auch mit dem Schwert ausgeführt wurde (vgl. Röm 13,4). Offenbarung 14 1 Zef 3,13; Jes 53,9 2 Das ist der jüdische Überrest (vgl. Jer 2,3; Jak 1,18) der die Drangsalszeit überleben wird. 3 D.h. sie folgen ihnen beim Tod in die Herrlichkeit nach, um später belohnt zu werden. 4 Vgl. Offb 19,12b, dort viele Diademe, weil Christus der König aller Nationen sein wird. Hier aber nur einen Siegeskranz (oder wie in LXX: Krone), weil Christus hier den kommenden Messias-König für Israel symbolisiert (vgl. Sach 6,11-13a). 5 Effektiver Aorist. 6 Zum Bild vgl. Jes 63,1-6. 1600 Stadien sind (1600 x 192 m), also ca. 307 km. Nach Hieronymus ist dies die Nord-Süd-Erstreckung von Palästina (51,47). Möglicherweise ist die Zahl aber symbolisch zu verstehen, um das furchtbare Ausmaß des Strafgerichts auszudrücken (59,335; 65,III,366). Die endzeitliche Schlacht (Offb 16,16; 19,11-21; Hes 39,1ff.) wird offenbar im ganzen Land Israel wüten (54,z.St.). 7 Johannes sieht hier den kommenden Menschensohn, - hier für Israel (Vers 14-16: "Wolke ... eine Krone ... Sichel ... Land"), dann in Offb 19,11-15 für die Nationen ("Pferd ... viele Diademe ... Schwert ... Nationen"), wie die fast gleiche Wortwahl in beiden Stellen zeigt. Hier an einen Engel zu denken, nur weil im nächsten Vers von einem anderen Engel die Rede ist, schließt die würdige Beschreibung und der Bezug auf den Menschensohn in Dan 7,13 aus. Auch in Vers 6 ist von einem anderen Engel die Rede, obwohl das Lamm davor sicher Christus ist. Siehe auch den Überblick in: https://drive.google.com/file/d/1Pd-_I9Ky23QkPgq1lg0md4Cvr6eX1U9r/view?usp=sharing 8 Vielleicht ist das eine bildliche Umschreibung für die Enthaltung vom Götzendienst (= geistliche Hurerei). 9 Das Wort ενωπιον ist keine Ortsangabe, sondern bedeutet "mit Blick auf...". 10 Wahrscheinlich ein proleptischer Aorist, also eine unabänderliche Vorankündigung des Gerichts über den Fall Babylons, welches dann aber erst in Offb 17,2.16b und 18,2ff stattfindet (50,375). 11 Der Befehl ist hier als Bitte zu verstehen, denn Engel können Christus nichts befehlen. 12 Dieses ewige Evangelium appelliert an die Grund-Offenbarung die jeder Mensch von Gott hat, - die Wunder der Schöpfung. Aufgrund dieser Offenbarung ist jeder Mensch verantwortlich an Gott zu glauben und ihn zu suchen (vgl. Röm 1,18-21; 2,5-10). Offenbarung 15 1 Ps 111,2; 139,14; Am 3,13; 4,13 (LXX); Dtn 32,4; Ps 145,1; Jer 10,7 2 Ps 86,9-10; Jes 2,2; Jer 16,19 3 D.h. wohl, dass diese ganze Zeit keine versöhnende Fürbitte möglich sein wird, die Zeit zur Buße ist abgelaufen. 4 Mit dem "Zeugnis" sind wahrscheinlich die Gesetzestafeln in der Bundeslade gemeint. Dieses Gesetz wurde von den Juden, und überhaupt von allen Menschen permanent gebrochen und "zeugt" nun gegen die Menschen. Daher erfolgt nun das Gericht über die Menschheit, dass Israel besonders hart treffen wird. 5 Vgl. die Anm. bei Offb 4,1. Hier beginnt mit dem Ausdruck "ανοιγω ... εν τω ουρανω" der 3.Abschnitt (Offb 15,5 - 19,10) in der Offenbarung. Es dominieren die sieben Engel mit den sieben Plagen. Es folgt ein detaillierter Überblick über die Zorngerichte in den letzten 3 1/2 Jahren der 70.Jahrwoche Daniels, mit denen der Zorn Gottes vollendet wird. Dieser Abschnitt endet wieder mit dem Beginn des Königreiches (Offb 19,6) und der Hochzeit des Lammes. Diese Hochzeit symbolisiert, genauso wie in den Hochzeitsgleichnissen der Evangelien (Mt 22,1ff; 25,1ff), das Königreich als ein Fest. Auch in diesem Abschnitt wird die über 2000-jährige Gnadenzeit in Offenbarung Kapitel 17 zwischen Vers 11 und 12 nicht erwähnt, weil die große Drangsal "die Drangsal Jakobs" ist und ebenfalls in erster Linie mit Israel zu tun hat. Dieser 3.Abschnitt unterteilt sich in: a) die 7 Zornschalen; b) den Fall Babylons; c) die Hochzeit des Lammes. 6 Wahrscheinlich der gläubig gewordene jüdische Überrest nach Christi Wiederkunft, da sie das Lied Mose singen (Vers 3). - Falls diese Überwinder (vgl. Offb 2,7.11.17.26; 3,5.12.21) aber Gläubige der entrückten endzeitlichen Gemeinde im Himmel wären, hätten sie auf der Erde das Auftreten des Tieres mitsamt seiner Anbetung und seinem Malzeichen noch miterlebt (Offb 13,15-18), - sie hätten ihm aber widerstanden. 7 Siehe Anm. bei Offb 4,6 8 Es ist hier wohl der jüdische Überrest (vgl. Jer 2,3; Jak 1,18; Offb 14,3) im Himmel, der die Drangsalszeit überlebt hat und dann bei der Wiederkunft Christi zum Glauben an den Messias Jesus Christus gekommen ist (Sach 12,10-11). Hier wird dieser Überrest schon als verherrlicht im Himmel vorausgesehen, da mit Offb 15,5ff ein neuer Abschnitt beginnt, der chronologisch wieder zurückgreift. - Siehe "Die literarische Grob- und Feinstruktur der Offenbarung" in der Einleitung und die Grafiken in: https://drive.google.com/file/d/1v93KGWxnOdRQyjI-XHr76CZAKUwBp5U7/view?usp=sharing https://drive.google.com/file/d/1XmbKxTj904XS9FNHCOcjSlWUVJ_GD-SY/view?usp=sharing Manche aber nehmen an, dass dies die schon entrückte Gemeinde ist. Dafür könnte sprechen, dass die Gemeinde nicht zum Zorn bestimmt ist (1Thes 1,10; 5,5.9), der ja in Offb 15,1 angekündigt wird, und mit der Ausgießung der Zornschalen in Offb 16,1ff beginnt. Offenbarung 16 1 Das klingt wie die modernen "Fake News", solche könnten durchaus Kriegsereignisse auslösen. 2 Hebr.: Ar-Mageddon (= "Der Hügel der Stadt Megiddo"). Megiddo war eine strategisch wichtige Stadt in der Ebene Esdralon. Sie war berühmt für zwei große Siege Israels, nämlich Baraks Sieg über die Kanaaniter und Gideons Sieg über die Midianiter, aber ebenso als Ort für den Tod von Saul und Jonathan. Hier (symbolisch?) der Ort des großen endzeitlichen Gemetzels über das abgefallene Volk Israel und über die böse Menschheit (vgl. Hes 38,1 - 39,5; Joel 4,9-16; Sach 12,2ff.; 14,1ff. ua.). Alle Nationen (viell. ein UNO-Heer?) werden sich an diesem Ort zum letzten großen Krieg versammeln, den der Herr Jesus bei seiner Wiederkunft blitzartig beenden wird (Sach 12,3-4; Offb 19,11-21). 3 Es handelt sich hier um den schon bekannten Einschub zwischen dem 6. und dem 7.Ereignis (vgl. Offb 7,1-17; 10,1 - 11,14; 14,1-20). Es ist eine Ermahnung an die Leser zur Zeit von Johannes - und natürlich auch für uns - eine Ermahnung zur Wachsamkeit und zu einem Gott wohlgefälligen Leben. - Manche sehen hier die Entrückung der Gemeinde, was aber mehr hineingelesen als herausgelesen ist und sehr weit hergeholt erscheint. Aufgrund von 1Thes 4,9 dürfen wir wohl annehmen, dass die Gemeinde noch vor der Ausgießung der Zornschalen (Offb 15,1ff) entrückt wird. Vgl. die Anm. bei 1Thes 4,9.15. Außerdem kommt der Herr für die Gemeinde nicht wie ein Dieb, es sei denn für schlafende Gläubige (Offb 3,3). Nur für die Ungläubigen kommt er wie ein Dieb (1Thess 5,3-4). Wir befinden uns hier chronologisch kurz vor dem öffentlichen Kommen des Herrn. 4 Welch ein Gegensatz zwischen diesem Ausruf: "Es ist geschehen" und dem Siegesschrei Jesu am Kreuz: "Es ist vollbracht". In beiden Fällen steht im Griechischen das Perfekt. Am Kreuz ein Ausruf über das Werk der endgültigen Erlösung, als Jesus den gerechten Zorn über die Sünden der Gläubigen auf sich genommen hat, hier ein Ausruf über das endgültige Gericht, wo der Zorn Gottes über die, welche das Werk der Erlösung abgelehnt haben, ausgegossen wird. Die Gerichte treffen zuerst die Schöpfung (Erde, Meer, usw.), deren Zeugnis die Menschen ignoriert haben, danach aber haben sie furchtbare Auswirkungen auf die Menschen selbst. - Bei der Ausgießung der siebten Zornschale, stehen wir chronologisch bereits kurz vor der Wiederkunft Christi. Dasselbe sehen wir vor Beginn des siebten Siegels (Offb 6,17) und beim Blasen der siebten Posaune (Offb 11,15). 5 Es tritt dabei keine vollständige Verbrennung ein, sondern nur eine Versengung der Hautoberfläche, die aber immense Schmerzen verursacht. Wenn die Umlaufbahn der Erde um die Sonne, nur ein wenig näher an die Sonne herankommen würde, könnte dieser Effekt eintreten. 6 Zwischen den sieben Zornschalen und den sieben Posaunen gibt es eindeutige Parallelen. Siehe dazu den Vergleich in: https://drive.google.com/file/d/1eBQJOl_VNflR8wJcyKQE6D1kqY8F-QRn/view?usp=sharing Die sieben Engel gießen in den folgenden Versen den Inhalt ihrer Zorn-Schalen immer an einen anderen Ort: auf die Erde, auf das Meer, auf die Ströme und Wasserquellen, auf die Sonne, auf den Thron des Tieres, auf den Euphrat und in die Luft. 7 Dieses Erdbeben ist das Gleiche, welches schon in Offb 6,12 geschildert wird. Vgl. die Anm. dort. Offenbarung 17 1 Der Götzendienst Babylons geht schon auf die göttliche Verehrung Nimrods zurück. Der damals entstandene Kult der "Himmelskönigin" (vgl. Jer 44,15ff), in dem Semiramis und ihr angeblich jungfräulich geborener Sohn Tammus angebetet wurden, wurde dann später in der Frühkirche volkstümlich auf die Marienverehrung übertragen. Bei den Babyloniern war der König der oberste Priester mit dem Titel "Pontifex Maximus". Dieser Titel ging zuerst auf den König von Pergamon über, später dann auf die römischen Kaiser bis zu Kaiser Gratian, der sich aber weigerte diesen Titel zu tragen, worauf ihn Papst Damasian für sich und alle seine Nachfolger bis heute übernahm. Auch die Lehren über ein Fegfeuer, von geweihtem Reinigungswasser, von der Lossprechung von Sünden durch Priester, und, dass alles religiöse Wissen den Priestern vorbehalten bleibt, stammten aus der babylonischen Religion und wanderten schon früh in die frühchristliche Kirche ein (siehe: Hislop A.; The Two Babylons; 1853). Nach manchen Auslegern ist daher Rom, der Hauptsitz des zukünftigen religiösen Abfalls von Gott und vom wahren Glauben. Das passt zu den Aussagen, dass Babylon sowohl ein religiöses System (Offb 17,1ff), als auch eine Stadt (Offb 18,1ff) ist. Die "Hure" wäre dann wohl die zukünftige "Einheits-Kirche", auf die alle christlichen Konfessionen (und auch Ein-Gott-Religionen) in der Ökumene schon jetzt zusteuern mit einer besonderen Beziehung zur Stadt Rom (vgl. Jes 1,21; Hes 16,30; Offb 17,5.15-16; 19,2). - Nach den 7 Zornschalen erfolgt hier ein Anhang (Kap. 17,1 - 19,10): a) das Gericht über die Hure Babylon; b) die Hochzeit des Lammes. - Die folgende Vision wird dem Johannes in Offb 17,7.9.15-18 erklärt. - Es gibt acht Geheimnisse Gottes, die im AT noch verborgen waren und im NT geoffenbart werden. Vgl. Anm. bei 1Kor 2,7 2 Vielleicht Konkretum für das Abstrakte: Hurereien (2,z.St.). 3 Da der Artikel sowohl vor "Heiligen" als auch vor "Zeugen Jesu" steht, und damit beide unterschieden werden, könnten mit den "Heiligen" vielleicht die Juden gemeint sein. Auch die Juden wurden im Lauf ihrer Geschichte im Mittelalter von den Großkirchen verfolgt. 4 Warum erstaunte Johannes so beim Anblick der "Hure"? Wenn es die zukünftige abgefallene "Einheits-Kirche" ist, wäre sein Erstaunen verständlich: wie wird die "keusche Jungfrau" (2Kor 11,2), die Braut des Lammes, so entsetzlich von ihrem Bräutigam abfallen! 5 Das Tier, also das Römische Reich, "...war, ... ist nicht, ... wird wieder da sein...". Das bedeutet wahrscheinlich drei geschichtliche Phasen in der Geschichte des römischen Reiches (97,232): (1.) das historische römische Reich. (2.) der Zerfall des römischen Reiches in einzelne Königreiche und danach in republikanische Nationalstaaten vom Mittelalter bis zur Neuzeit. (3.) das Wiedererstehen des römischen Reiches (in der EU?): https://drive.google.com/file/d/1TNfDn5tTi5OmwRo6sCveUfUyXTiwb_ke/view?usp=sharing Vgl. auch im Gegensatz dazu den ähnlichen Ausdruck in Offb 1,4.8.18; 2,8; 4,8c; 13,14b 6 D.i. die Stadt Rom, die auf sieben Hügeln erbaut ist und seit jeher als die 7-Hügelstadt bezeichnet wird, sowohl in der damaligen Literatur als auch auf Münzen (65,III,373). 7 Johannes erklärt hier das Geheimnis der 7 Köpfe und appelliert dabei an den Verstand und die Weisheit seiner Leser. Köpfe sind in der prophetischen Sprache ein Symbol für souverän regierende Personen (z.B. Nebukadnezzar in Dan 2,38b; die Diadochen in Dan 7,6; ua.). Das Symbol der Köpfe entspricht realen 7 Bergen und realen 7 Königen, also ein Symbol mit doppelter Bedeutung. Die 7 Berge beziehen sich eindeutig auf die Stadt Rom, demnach sollten auch die 7 Könige etwas mit Rom zu tun haben. Daher ist es nicht sehr überzeugend, sie mit 7 Weltreichen zu identifizieren (nämlich Ägypten bis Rom; so: 97,233ff.), denn das Tier selbst ist ja Rom, - und gleichzeitig wäre auch einer seiner Köpfe Rom? Das gibt keinen Sinn und zerstört das Bild. Außerdem ist nicht von Königreichen (das wäre βασιλεια), sondern von Königen (βασιλειον) die Rede, so wie auch in Dan 2,44 die zehn Zehen nicht zehn Königreiche, sondern zehn Könige symbolisieren. Dan 7,17 kann nicht als Gegenbeweis gelten, denn erstens ist die Sprache dort Hebräisch und nicht Griechisch und außerdem wurden diese 4 Weltreiche durch "Könige" repräsentiert: Nebukadnezar (Babylonien), Kyros (Medo-Persien), Alexander (Griechenland) und Augustus (Rom). Königreiche werden in der Bibel meist durch Tiere und nie durch Köpfe symbolisiert. Auch die Ansicht, dass die sieben Könige sieben Regierungsformen des römischen Reiches sind (so: 50,422), ist an den Haaren herbeigezogen. Am Ehesten sind daher die sieben Erbkaiser von Augustus bis Titus gemeint. Dies würde auch erklären, warum sich Johannes so verhüllt ausdrückt und an den Verstand und die Weisheit seiner Leser appelliert. Wie Petrus (1Pet 5,13) und Paulus (2Thes 2,6-7) konnte er es sich nicht leisten, offen zu sprechen. - Bei der Gründung Roms, soll Rom auch von sieben aufeinanderfolgenden Königen regiert worden sein, was jedoch geschichtlich nicht eindeutig bezeugt ist: Römische Königszeit - Wikipedia und Liste der altrömischen Könige - Wikipedia 8 Die beste Erklärung scheint zu sein: Fünf "Könige" sind zurzeit der Visionen schon gefallen. Das wären: Augustus (38 v.Chr. - 14 n.Chr.); Tiberius (14-37 n.Chr.); Caligula (37-41 n.Chr.); Claudius (41-54 n.Chr.) und Nero (54-68 n.Chr.). Der sechste regiert gerade, das wäre: Vespasian (69-79 n.Chr., er hat sich nach Galba, Vitellius und Otho als Kaiser durchgesetzt). Wenn der siebente kommt wird er nur kurze Zeit bleiben: Titus regierte tatsächlich nur 2 Jahre von 79 - 81 n.Chr., und sein früher Tod wurde von vielen betrauert (21,V,318f.). Viele Gelehrte nehmen zwar an, die Offenbarung sei in der Regierungszeit Domitians geschrieben, doch es gibt gute Gründe anzunehmen, dass Johannes seine Visionen auf Patmos schon unter der Regierungszeit von Vespasian bekam (siehe Einleitung Offenbarung). Der erste Kaiser war übrigens nicht Julius Cäsar, sondern Augustus. Julius Cäsar wollte zwar aus dem 1.Triumvirat als Alleinherrscher hervorgehen, aber seine Ermordung vereitelte das. Erst Augustus ging aus dem 2.Triumvirat als Alleinherrscher hervor und wurde vom Senat auch als Imperator anerkannt, er gründete das Prinzipat. Der Einwand, Kaiser könnten nicht Könige genannt werden, wird durch 1Pet 2,13 und 1Tim 2,1 widerlegt. Bis Nero wurden die Kaiser auch manchmal als Könige bezeichnet (86,6), obwohl sie den orientalischen Königskult ablehnten. 9 Übergang vom Sg.Fem. zum betonten Sg.Mask.: das römische Reich wird zugleich in einem männlichen Diktator personifiziert gesehen (vgl. den Nationalsozialismus, verkörpert in seinem Führer Hitler, und die Anm. zu Offb 13,8). Der achte "König" wäre dann Domitian (81-96 n.Chr.; vgl. die Fußnote in: 47,z.St. und: 21,V,453). Er ist der erste Kaiser, der zu Lebzeiten die Verehrung als "dominus et deus" (HERR und Gott) im ganzen Reich verlangt und von jedem Untertanen erwartet, das jährliche Kaiseropfer darzubringen (21,V,310). Er beginnt die Christen, vor allem in Kleinasien, vermehrt unter Druck zu setzen. Er war "aus den sieben" da er ein Sohn Vespasians und der Bruder des Titus war. Er ist im Bild kein eigener Kopf, weil er gleichzeitig der Prototyp des zukünftigen Diktators des wiedererstehenden römischen Reiches ist. Zwischen Vers 11 und 12 wäre dann - genauso wie in Dan 7,7c - wiederum die nun schon 2000-jährige Gnadenzeit übersprungen. - Zum Prinzip des prophetischen Prototyps vgl. die Anm. bei Mt 11,14 10 Domitian wurde ermordet und hatte keinen leiblichen Thronfolger, womit das flavische Erbkaisertum beendet war, und die Adoptiv-Kaiser folgten. 11 Wiederum nicht Königreiche (βασιλεια), sondern Könige (βασιλειον). Hörner sind in der symbolischen Sprache der Bibel meist Herrscher und nicht Königreiche (vgl. Dan 7,24; 8,21 ua.). Daniel 8,8.22 kann nicht als Gegenbeweis angeführt werden, denn die vier Hörner sind die vier Generäle die nach dem Tod von Alexander dem Großen vier Königreiche gründeten: (1.) Kassander Mazedonien (2.) Lysimachus Kleinasien und Thrakien (3.) Seleukus Syrien (4.) Ptolemäus Ägypten (87,61). - Dass es sich dabei um 10 Königreiche handelt, die nach dem Zerfall des Römischen Reiches in Europa entstanden sind, ist ausgeschlossen, weil: (1.) es Könige und nicht Königreiche sind. (2.) man nur durch willkürliche Auswahl auf zehn Königreiche kommen kann. (3.) die zehn Könige nur Autorität wie Könige haben, also keine wirklichen Könige sind. (4.) die zehn Könige eines Sinnes sind, während sich die Königreiche in Europa gegenseitig anfeindeten, ja sogar Kriege gegeneinander geführt haben. In Dan 2,44 symbolisieren die (zehn) Zehen diese 10 Könige. - Da es sich um das zukünftige wiedererstehende römische Reich handelt, nach manchen die EU, sind es vielleicht 10 "Superminister", welche die EU gemeinsam regieren. Sie werden eingesetzt, müssen sich nicht demokratisch legitimieren, amtieren auf Lebenszeit und haben daher Autorität wie Könige. 12 Mit dem Raubtier ist hier das Reich und der zukünftige Diktator des Reiches gemeint. Dieser wird sich nach Dan 7,8.20 aber erst durchsetzen, wenn von den 10 Königen die bereits regieren, 3 abgesetzt werden, um ihm Platz zu machen. Vgl. auch die Anm. zu Offb 13,8. Das wird das Ende des letzten Restes von Demokratie sein. - Beim letzten Kaiser des römischen Reiches Theodosius I., bevor das Imperium in eine west- und oströmische Hälfte zerbrach, stimmte ihm der Senat rituelle Jubelgesänge an: "Augustus der Augustusse, der größte aller Augustusse!" (8-mal). "Unsere Hoffnung gilt dir, du bist unsere Rettung!" (26-mal). "Unterdrücker der Denunzianten, Unterdrücker aller Schikanen!" (28-mal). "Du hast die Zweideutigkeiten der kaiserlichen Verfassung beseitigt!" (23-mal). Ein Vorgeschmack auf die Zukunft. So wie das römische Reich von einem Stadt-Königtum zu einer Republik und schließlich zu einer Diktatur wurde, so wird es auch beim wiedererstehenden römischen Reich sein, welches in Europa auferstehen wird: https://drive.google.com/file/d/1la8_WnVHAMu2N4LROhfWT3crx1P3Zvac/view?usp=sharing 13 Vergleiche den fast gleichen Wortlaut von Offb 17,1-5 mit Offb 21,9-14. Auf diese Weise soll ein Vergleich zwischen der Hure und der Braut des Lammes hergestellt werden. Wie ähnlich und doch so grundverschieden sind sie. Wie ist die "keusche Jungfrau" (2Kor 11,2), so entsetzlich von ihrem Bräutigam abgefallen und wurde zur Hure: https://drive.google.com/file/d/1lNmdnbnRsdey6QwA_WbUqqsMn4BwtH4o/view?usp=sharing 14 Die vorher beschriebene "Hure" übte über viele Jahrhunderte politische Macht über irdische Herrscher aus, am Ende der Tage wird sie aber gehasst und entmachtet werden. Dies ist schon in unserer Zeit zu beobachten, wo die Kirchen immer weniger politischen Einfluss ausüben können und mit Schmähungen und Angriffen verschiedenster Art zu kämpfen haben. 15 Sg.Mask.: d.h. Gottes Meinung, und nicht die Meinung des Tieres, denn dann würde das Wort im Sg.Neut. stehen. 16 Daniel berichtet uns in Dan 7,7ff. noch ein weiteres Detail. Am Höhepunkt der Macht des römischen Diktators ("das kleine Horn"), werden 3 von den 10 Königen abgesetzt werden, um seiner Alleinregierung Raum zu geben. 17 Diese Stadt war zur Zeit des Johannes die Stadt Rom. Die Hure Babylon wird also mit der Stadt Rom verbunden sein. Dazu passen auch die Beschreibungen in Offb 18,9-19.22-24 und besonders Vers 17b, der von einer Stadt spricht, die offenbar vom Meer aus zu sehen ist. 18 Damit wird in der Vision in die Vergangenheit gewiesen, es ist das historische römische Reich gemeint, das war und dann unterging. Wäre das zukünftige römische Reich gemeint würde stehen: "das war und nicht ist und sein wird". Vgl. Offb 1,4; 17,8 19 Ab Vers 19 haben wir wieder einen prophetischen Blick in die Zukunft, wo das wiedererstandene Römische Reich von 10 Personen regiert wird. Sie werden gemeinsam kollektiv regieren, da die 10 Hörner nebeneinanderstehen (97,202). Erst danach wird nach Dan 7,8 der römische Diktator aufstehen und 3 der 10 Könige absetzen. Offenbarung 18 1 allg.: jeder der mit dem Schiff reist; od. viell.: jeder Küstenschiffer (2,z.St.), was auch zur Stadt Rom passen würde. 2 Effektiver Aorist: "vollstreckte endlich...". 3 vgl. Hes 27,13. Vielleicht ein Hendiadyoin: "...menschliche Sklaven, ja sogar lebende Sklaven als Ware" (2,z.St.). 4 Die von Eseln angetriebene römische Mühle, hatte einen größeren und schweren Oberstein (59,387). 5 Das passt zur Stadt Rom, die auch vom Meer aus zu sehen ist. Offenbarung 19 1 Ps 2,9 2 Viele Diademe, d.h. die unbeschränkte Vollmacht auf eine einzige Person gelegt (51,57). Wenn der römische Kaiser ein neues Königreich eroberte, setzte er sich über seinen Lorbeerkranz ein neues Diadem auf seinen Kopf, um damit symbolisch auszudrücken, dass nun er über dieses Königreich herrscht. Im tausendjährigen Reich wird Christus über alle Königreiche dieser Erde herrschen, daher viele Diademe. In Offb 14,14b hingegen, hat der wiederkommende Messias nur einen Siegeskranz (in LXX: die Krone) am Haupt, weil Christus dort den kommenden Messias-König für Israel symbolisiert (vgl. Sach 6,11-13a). 3 Beachtenswert ist die wörtliche Parallele zwischen Kap. 19,9-10 und Kap. 22,6.8-9.14. Siehe dazu die Gegenüberstellung in: https://drive.google.com/file/d/1ns1KexKK5Q7s7peEMLufLyJQb-cwPGTp/view?usp=sharing 4 Vgl. die Anm. in Offb 4,1. Hier beginnt mit dem Ausdruck "... τον ουρανον ανοιγω" der 4.Abschnitt (Offb 19,11 - 22,17). Wir sehen hier schließlich den Himmel selbst geöffnet. Es dominiert der Treue und Wahrhaftige. Christus erscheint als Sieger auf der Erde mitsamt den vorher entrückten und nun in weißen Gewändern, d.h. verherrlichten Gläubigen. Das Königreich auf dieser Erde beginnt. Nach dem Königreich kommt das Gericht vor dem großen weißen Thron, und schließlich die Schöpfung eines neuen Himmels und einer neuen Erde. 5 Werden die Gläubigen zusammen mit dem Herrn kämpfen, wie in Ps 149,6-9 vorhergesagt? 6 Das sind die verherrlichten Gläubigen, die Braut des Lammes, da sie mit weißem, reinem Byssus bekleidet sind (siehe: Offb 3,4-5; 6,11; 7,9.13; 17,14; 1Thes 3,13; 4,14; 2Thes 1,10; Sach 14,5d). Allerdings werden auch Engelheere den Herrn begleiten (Mt 16,27; 24,31; 2Thes 1,7). Diese sind hier aber nicht gemeint. 7 Die römischen Kaiser und ihre Söhne ritten bei den Triumphzügen auf weißen Pferden in Rom ein, wobei sie von ihren Truppen begleitet wurden (65,III,382). 8 Diesen Titel bekam auch der babylonische König Nebukadnezar in Dan 2,37, weil mit ihm "die Zeiten der Nationen" begannen. Offenbarung 20 1 2Kön 1,10.12 2 Hier sind die Gläubigen aus Kap 19,14 gemeint, die mit Christus wiedergekommen sind und zu Beginn des tausendjährigen Reiches ihre Regierungsverantwortung über die Erde antreten. Vgl. Offb 2,26-27; 3,21; 5,10; 1Kor 6,2-3 3 Vgl. Dan 7,9.22, wo die Throne natürlich noch unbesetzt sind. Hier haben sich die 12 Apostel auf die Throne gesetzt, um die 12 Stämme Israels im tausendjährigen Reich zu regieren (Lk 22,30). Aber auch alle anderen Gläubigen der Gemeinde werden mit Christus auf seinem Thron sitzen und mit ihm über die Welt regieren (1Kor 6,2; Offb 3,21). 4 Der griechische Text wird am einfachsten verstanden, wenn man hier, wie in Offb 2,8, den konstatierenden Aorist annimmt und übersetzt: "...sie lebten" (vgl. 8,z.St.; 9,z.St.). Dann handelt es sich im ganzen Vers wahrscheinlich nur um eine Gruppe von Gläubigen, nämlich um die entrückte und mit Christus wiedergekommene Gemeinde, mit besonderer Erwähnung jener "Seelen" aus Offb 6,9-11, die (in der anfänglichen Drangsal?) um Christi willen Märtyrer wurden, die dann natürlich auch mitentrückt wurden und nun mit allen anderen Gläubigen in Herrlichkeits-Leibern auf den Thronen sitzen, um mit Christus zu regieren. Um ihres treuen Zeugnisses willen, würden sie aber hier besonders erwähnt und hervorgehoben. Das Wort "ich sah" kommt nämlich im griechischen Text nur einmal in diesem Vers vor. Johannes sah besetzte Throne und hebt dann die Gruppe der Märtyrer, die auch auf den Thronen sitzen besonders hervor. - Andere nehmen hier allerdings einen ingressiven Aorist an: "...sie wurden (wieder) lebendig" (1,680; 2,1306; 7,z.St.; 44,774; 47,z.St.), und verstehen die Aussage so, dass Johannes hier zuerst nur die "Seelen" sieht, nämlich Heilige die noch keinen Auferstehungsleib haben, und erst danach, dass sie lebendig werden. Doch dann wäre das Wort im Passiv zu erwarten und "auferstehen" wäre ein passenderer Ausdruck gewesen. In diesem Fall könnte es sich aber nicht um die Gläubigen der Gemeinde handeln, denn diese sind schon bei der Entrückung mit Herrlichkeits-Leibern auferstanden (1Thes 4,16-17; 1Kor 15,51-53). - Manche meinen daher es könnten die Gläubigen aus dem AT gemeint sein (Dan 12,2.13), doch diese werden nicht auf Thronen sitzen, um mit Christus mitzuregieren. Ganz im Gegenteil, die 12 Apostel werden über sie regieren. Dass die Auferstehung der alttestamentlichen Gläubigen in der Offenbarung nicht beschrieben wird, braucht nicht zu verwundern, denn die Offenbarung ist für die Gemeinde geschrieben (Offb 1,1). Dennoch werden sie schon zu Beginn des tausendjährigen Reiches mit Herrlichkeits-Leibern auferstehen (vgl. Lk 13,28; Dan 12,1-3; ua.). - In Dan 12,11-13 setzen sich die 1290 Tage wahrscheinlich aus den 1260 Tagen der Drangsal für Israel (das sind die 3 1/2 Jahre der zweiten Jahrwoche Daniels), plus die 30 Tage bevor der Gräuel der Verwüstung im Tempel in Jerusalem aufgestellt wird. Dies würde die Summe von 1290 Tagen erklären. Die 1335 Tage in Dan 12,12 sind dann vielleicht nochmals 45 Jahre, bis alle Zerstörungen die im letzten Krieg der Endzeit entstanden sind, aufgeräumt sind und das tausendjährige Reich völlig wiederhergestellt beginnen kann. 5 Die Tatsache, dass das Raubtier und der Lügenprophet nach den tausend Jahren noch immer im Feuersee sind, beweist, dass die Hölle eine ewige Verdammnis ist und keine Auflösung oder "Schlaf", sondern ein bewusster Zustand. 6 Die Unterwelt als vorübergehender Aufenthaltsort der verstorbenen Ungläubigen (vor dem Versöhnungswerk Christi auch der Gläubigen, z.B. Lazarus im Gleichnis), bis zum letzten Gericht. In LXX Hiob 38,17 und Jes 28,15 fast personifiziert. 7 Die Zahl ist entweder buchstäblich zu nehmen, da die Zahl 1000 sonst keine besondere symbolische Bedeutung in der Bibel hat, oder die Zahl steht für eine sehr lange Zeitspanne (vgl. 2Pet 3,8). Auch die Menschen vor der Sintflut lebten fast so lange (Gen 5,27). In dieser langen Zeit wird Satan gebunden und ohne Einfluss auf der Erde sein. Er kann niemanden mehr zur Sünde verführen. Christus wird zusammen mit seiner Braut der Gemeinde mit strenger Hand (Offb 12,5; 19,15) als König auf dieser Erde über Israel und die Nationen regieren. Die Gläubigen der Gemeinde werden in seine Regierungstätigkeit mit eingebunden sein (vgl. Mt 19,28; Lk 19,10ff; 22,29-30; 1Kor 6,2a; Offb 2,26-27; 5,10; 20,4; 22,5 ua.). Es wird eine Zeit sein wo die paradiesischen Zustände die im Garten Eden waren, auf der Erde wiederhergestellt sind (Apg 3,21), eine Zeit von Frieden, Wohlstand, Gerechtigkeit und weltweiter Erkenntnis Gottes (vgl. Jes 11,1-10; 32,1-5; 65,17-25 [Der neue Himmel und die neue Erde können hier aufgrund von Jes 66,20 nur das tausendjährige Reich sein, denn auf der neuartigen Erde in Offb 21,1ff, wird es laut Offb 21,4 keinen Tod mehr geben]). Die Ausübung von Sünde wird unterdrückt sein, wer dennoch offen rebelliert und sündigt, wird augenblicklich sterben (Jes 66,22-24). Gott wird den Menschen in dieser langen Zeit beweisen, wie schön der Garten Eden hätte sein können, wenn Adam nicht gesündigt hätte. Auch frühe Kirchenväter (z.B. Papias, Justin der Märtyrer, Irenäus, ua.) glaubten an ein irdisches tausendjähriges Reich und an eine erste Auferstehung zum Leben zu Beginn dieses Reiches, und eine zweite Auferstehung zum Gericht nach diesem Reich. In frühen jüdischen Überlieferungen wird die Menschheitsgeschichte in 7 Perioden zu je 1000 Jahren eingeteilt, wobei die letzten 1000 Jahre eine Zeit des messianischen Friedens sind (vgl. 50,476; 65,III,385; 66,16f.622ff). Im tausendjährigen Reich werden verschiedene Gruppen von Menschen leben: (1.) Die Gläubigen der Gemeinde mit verherrlichten Auferstehungsleibern. Sie können nicht mehr sündigen, sie werden nicht mehr heiraten und nicht mehr sterben. (2.) Die alttestamentlichen Gläubigen (vgl. Dan 12,2.13; Jes 26,19). Sie werden im Reich als Auferstandene mit einem verherrlichten Auferstehungsleib leben (Mt 8,11; Lk 13,28-29). Auch sie können nicht mehr sündigen, werden nicht mehr heiraten und nicht mehr sterben. (3.) Der "Überrest" Israels (Sach 13,9; Mt 24,31; Lk 17,28-29; Offb 1,7). Sie werden wahrscheinlich mit ihren sterblichen Körpern direkt ins Reich hineingehen, dort eine hohe Lebenserwartung haben und auch Kinder zeugen (Jes 65,20-23). (4.) Die "Schafe" aus den Nationen (Mt 25,31-46). Auch diese werden wahrscheinlich mit ihren sterblichen Körpern direkt ins Reich hineingehen, dort eine hohe Lebenserwartung haben und Kinder zeugen. (5.) Die Kinder, die im tausendjährigen Reich geboren werden. Sie werden natürlich nicht als Wiedergeborene geboren, sondern als Sünder, - sie müssen sich zum König Jesus Christus bekehren. Da die Ausübung offener Sünde aber unterdrückt sein wird (Ps 101,8), werden viele von ihnen nur Unterordnung heucheln und am Ende der tausend Jahre von Satan zur Rebellion gegen den König verführt werden (Offb 20,7-9). 8 Dieser zweite Tod ist ein ewiger Tod, d.h. eine ewige Trennung von Gott und keine lange Zeit der Läuterung. 9 Symbolisch für eine große Menge aus den verführten Nationen. Das sind Menschen, die in den tausend Jahren im Königreich geboren wurden und sich nur äußerlich dem König Christus unterworfen haben, aber nicht wiedergeboren wurden. Sie werden von Satan versammelt von den vier Ecken der Erde her, um am Ende des tausendjährigen Reiches, Christus, den König in Jerusalem, anzugreifen. Nicht zu verwechseln mit den Geschehnissen in Hesekiel Kap. 38-39, wo von einem Angriff auf Israel vor dem tausendjährigen Reich die Rede ist. 10 Die erste Auferstehung ist die Auferstehung zum Leben (Joh 5,29a), die zweite, nach dem tausendjährigen Reich, ist die Auferstehung zum Gericht vor dem großen weißen Thron. Zur Reihenfolge der Auferstehung vgl. auch noch die Anm. bei Joh 5,29 und bei 1Kor 15,23 11 Dies ist die zweite Auferstehung zum Gericht (Joh 5,29b). 12 Es heißt nicht: "Wenn jemand mehr gute als böse Werke getan hatte". Bei diesem Gericht werden alle Anwesenden verdammt, das Buch des Lebens wird nur zur Gegenkontrolle aufgeschlagen. Wer im Buch des Lebens steht, war schon bei der ersten Auferstehung zum Leben dabei und kommt gar nicht in dieses Gericht (Joh 5,24.29; Offb 21,27). 13 Auf dem Thron sitzt der Menschensohn Jesus Christus, als Richter über alle, die seine Erlösung zu Lebzeiten nicht angenommen haben (Joh 5,22.27; Apg 10,42; Röm 2,16; 2Tim 4,1; 1Pet 4,5). Offenbarung 21 1 Jes 25,8. Es sind wahrscheinlich nicht Freudentränen gemeint, sondern eher die Reste der Tränen, die sie in der Bedrängnis geweint haben. 2 2Sam 7,14; Ez 11,20 3 Die Stadt war also symbolisch ein kubischer Würfel, genauso wie das Allerheiligste in der Stiftshütte und im Tempel. Die Gemeinde ersetzt auf der neuen Erde, den Tempel des tausendjährigen Reiches. Die Seitenlängen des Würfels betrugen ca. 2220 km, ebenso ihre Höhe. Die Breite der Mauer betrug 72 m. Übrigens sind alle in Vers 16-17 angegebenen Maße durch 12 teilbar (54,z.St.). - In der symbolischen Bedeutung war diese Stadt uneinnehmbar, man konnte die Mauer weder erbrechen noch übersteigen, ihre Bewohner waren geschützt. Aber die Stadt hatte nach allen Richtungen Tore, durch welche Heilige hineingehen konnten, allerdings standen Engel als Wächter neben den Toren. Da es auf der neuen Erde gar nichts Unreines mehr gibt, dass in die Stadt hineinkommen könnte, soll man aus dieser Idealbeschreibung der Gemeinde wohl auch jetzt schon eine Anwendung auf die jetzige Gemeinde machen: in die Gemeinde kommt man nur durch die Tür hinein, d.h. durch den persönlichen Glauben an Christus (Apg 5,13-14), aber sie ist nach allen Richtungen hin offen für jeden der Buße tut und glaubt. Die Bekehrung muss allerdings auf Echtheit geprüft werden, dies ist der Wächterdienst der Gemeinde (vgl. Apg 9,26). Nichts Unreines darf in die Gemeinde hineingelassen werden (Offb 22,15; 2Kor 6,14 - 7,1). 4 Die Apostel bilden durch die Offenbarungen die sie empfingen, die Grundmauer der Gemeinde (Eph 2,20; 3,3-5). 5 Vgl. die exakte sprachliche Parallele zu Offb 17,1.3. Damit soll ein Vergleich zwischen der Braut des Lammes und der "Hure" hergestellt werden (65,III,392). Wie ähnlich und doch so grundverschieden sind sie. Wie ist das Christentum, welches die Braut des Lammes, die "keusche Jungfrau" sein soll (2Kor 11,2), so entsetzlich von ihrem Bräutigam abgefallen und zur Hure geworden. Siehe dazu die Gegenüberstellung von Hure und Braut in: https://drive.google.com/file/d/1lNmdnbnRsdey6QwA_WbUqqsMn4BwtH4o/view?usp=sharing - Ab hier einen Zeitsprung zurück zum tausendjährigen Reich zu sehen, ist nicht überzeugend. 6 Der neuartige Himmel (Sg. = das Universum) und die neuartige Erde dürfen nicht verwechselt werden mit dem tausendjährigen Reich, wo die Erde nur erneuert ist und paradiesische Zustände wiederhergestellt (vgl. Apg 3,21) sind. Am Ende des tausendjährigen Reichs werden sowohl die Erde als auch der Himmel (= das ganze Universum) im Feuer vernichtet und in ihren Elementen aufgelöst werden. Danach erfolgt eine völlige Neuschaffung aller Dinge durch Gott (Mt 24,35; 1Kor 15,24-28; Heb 1,11; 2Pet 3,7-13). - Hier beginnt bis Offb 22,5 die Beschreibung des neuartigen Himmels und der neuartigen Erde und nicht des tausendjährigen Reiches, wie einige meinen (z.B. 50,501ff). Das beweist auch Offb 21,5.22, denn den Tod wird es im tausendjährigen Reich noch geben und auch einen Tempel. Auf der neuartigen Erde wird es aber beides nicht mehr geben. Über die physischen Umstände auf der neuartigen Erde ist uns kaum etwas offenbart, vielleicht weil es unbeschreiblich ist. 7 Eigentlich beginnt die Hochzeit des Lammes schon zu Beginn des tausendjährigen Reiches (Offb 19,7ff), hier ist die Gemeinde aber nach dem tausendjährigen Reich immer noch als geschmückte Braut dargestellt. Soll das bedeuten, dass für die Gemeinde die ganze Ewigkeit lang Hochzeitsfreude sein wird? Auch die Hochzeitsgleichnisse Jesu (Mt 22,2ff; 25,1ff) schließen nie mit einem Ende der Hochzeit. 8 Griech.: Jaspis. Doch die beiden Eigenschaften, überaus glänzend und wertvoll, treffen eher auf den Diamanten zu, als auf den heute bekannten minderwertigen Halb-Edelstein Jaspis, der undurchsichtig, und bräunlich bis grün gefärbt ist (54,z.St.). 9 Entweder das buchstäbliche Meer oder das Meer in moralisch-sinnbildlicher Bedeutung, wie Offb 13,1; Jes 57,20; Ps 65,8 (50,490). Offenbarung 22 1 Hier übertragen im moralisch-sittlichen Sinn: sich durch Dinge die Gott verabscheut, beflecken, beschmutzen und entehren. Der effektive Aorist drückt aus, dass der Unsaubere in seiner Handlungsweise bereits festgefahren ist (37,565). 2 In Offb 7,14 steht der Aorist. 3 Der lästige, orientalische, herrenlose Straßenköter, der zwar einerseits treu, andererseits aber auch frech, gierig, schmutzig und daher verachtet ist. Er ernährte sich hauptsächlich von Aas und Abfällen wie es auch noch heute im Orient oft der Fall ist. Im übertragenen Sinn das verächtlichste und schlimmste Schimpfwort das Juden für die Heiden verwendeten. Der Hund war für die Juden ein unreines Tier. Auch ganz allgemein als verächtliche Bezeichnung für einen bösen Menschen gebraucht. Vgl. z.B. LXX: Ps 22,17; Spr 26,11 und im NT: Mt 7,6; Lk 16,21; Php 3,2; 2Pet 2,22 4 Der Imp.Präs. lässt in dem Wunsch nach seinem Kommen das "Wann" demütig offen. Der Imp.Aor. würde bedeuten: "Komm bitte jetzt", oder: " "Komm so schnell als möglich". - Dieses Buch der schrecklichen Gerichte endet also mit dem Ruf der Braut: "Komm Herr Jesus" und mit der Antwort "die Gnade des Herrn Jesus". Das ist tröstlich. 5 Oder ein verallgemeinernder Sg.Gen.qualitatis: "...stehen Lebensbäume auf beiden Seiten" (2,z.St.). Die beiden Bilder aus Gen 2,9 und Hes 47,7.12 gehen hier ineinander über (59,342). Hes 47,1-9 ist allerdings eine Beschreibung eines Flusses im tausendjährigen Reich, hier aber befinden wir uns schon auf der neuen Erde. 6 od. tolerative Passiva: "...lasse er sich unsauber machen"; bzw.: "...lasse er sich heiligen". 7 Das bedeutet nicht, dass es auf der neuen Erde noch Krankheit gibt, denn für Heilung wird im NT das Wort ιασις verwendet. Das Wort θεραπεια (= Gesunderhaltung) hingegen beschreibt sehr deutlich, dass es auf der neuen Erde gar keine Krankheit mehr geben kann, weil die Gesundheit erhalten wird. Es gibt keine Sünde, daher gibt es auch keine Krankheit und keinen Tod mehr. 8 Werden also auch auf der neuen Erde noch drei Gruppen von Erlösten unterschieden: die Gemeinde, Israel und die Nationen? 9 Vgl. dagegen Ex 33,18-20 und 1Tim 6,16 10 Zum adverbiellen Gebrauch des Adjektivs hier vgl. die Anm. bei Offb 3,11 [G1]